Das Flüstern der Pferde

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 13, 2013 3:56 pm

Am nächsten Morgen schlief Kaylee länger, als sie es normalerweise tat. Und als sie die Augen verschlafen öffnete, war das Bett neben ihr leer und durch das Fenster schien schon eine vollkommene Sonne, die auf einen weiteren Sommertag hoffen ließ.
Schwungvoll setzte sie sich auf und sah auf die Uhr. Es war kurz nach zehn. Eine Schande!
So schnell sie konnte sprang sie aus dem Bett, hüpfte unter die Dusche und machte sich im Schnellverfahren fertig. Zufrieden mit ihrem sommerlichen Ergebnis, trat sie schließlich ins Wohnzimmer, wo sie ein kleiner Zettel von Chase empfing.
„Ich dachte ich sollte dich heute schlafen lassen. XO Chase.“, las Kaylee sich selber vor und ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Sie konnte froh sein, Chase zu haben.
Gerade als sie hinaus treten wollte, das Babyphone griffbereit in einer kleinen Tasche, überkam sie ein Schwindelgefühl. Es war, als wären ihre Beine auf einmal aus Pudding und auch ihre Arme fühlten sich mehr wie Tentakel an, als menschliches Gewebe.
Urplötzlich fühlte sie sich krank und kraftlos. Zum Schwindelgefühl trat die Übelkeit und die Bauchschmerzen. Mehr als sich sofort auf das gemütliche Sofa zu legen, blieb ihr nicht übrig.
Stöhnend und mit der Hand über den Augen lag sie und versuchte das Schwindelgefühl zu verdrängen. Sie musste in den Stall und sich um die Pferde kümmern. Sie hatte geplant einen großen Ausritt mit Cowboy und Lady zu machen und dann eine Weile am Strand zu bleiben. Aber so konnte sie keinen einzigen Schritt mehr tun.

Zwischen all die Sorgen kletterte ein anderer Gedanke, der sie aber im mindesten genau so erschreckte, wie alle anderen. Was war, wenn es Schwangerschaftserscheinungen waren?
Konnte sie wieder schwanger sein, so kurz nach Elijah? Sie würden in einigen Wochen seinen ersten Geburtstag feiern, er war also noch viel zu klein um ein Geschwisterchen zu bekommen. Außerdem fehlten ihnen das Geld, denn Chase Gehalt war nicht unbedingt sonderlich hoch.
Die Türklingel riss sie aus ihren sorgenvollen Gedanken und ließ sie hochschrecken. Benommen taumelte sie zur Tür und öffnete sie schließlich. „Hallo Pauline.“, begrüßte sie ihre Bekannte, mit der ähnlichen Herkunft. Es schien ihr passend zu sein, dass eine Frau, die vielleicht ihre Freundin werden würde, gerade jetzt vorbei kam. „Was machst du denn hier?“
„Ich war joggen.“, erklärte die agile Frau und deutete lachend auf die auffallend gelben Hotpants, die sie trug. „Passt es dir gerade nicht? Dann könnte ich auch wieder gehen...“
„Nein, nein.“; unterbrach Kaylee sie eilig und zog sie an der Hand herein. „Ich freu mich doch, dass du gekommen bist, ich habe nur nicht damit gerechnet.“ Sie fuhr sich durch das Haar, aus dem sich ein paar Strähnen gelöst hatten. „Willst du etwas trinken oder essen?“
„Dass sollte ich wohl eher dich fragen.“ Mit besorgter Miene betrachtete Pauline ihre Gastgeberin. „Du siehst nicht wirklich gesund aus, Schätzchen. Ist alles in Ordnung?“

Kaylee seufzte und schüttelte unbehaglich den Kopf. „Es ist gibt viele Turbolenzen gerade.“, antwortete sie vage. Mit einer Hand deutete sie auf das Sofa. „Setz dich doch, dann mach ich uns etwas zu trinken. Magst du Kaffee haben oder lieber Tee?“
„Ich mag, dass du mir erzählst was los ist.“, erwiderte Pauline energisch und zog Kaylee hinter sich her zum Sofa. Zum ersten Mal hatte Kaylee dass Gefühl mit einer Frau zu sprechen, die ein paar Jahre älter war als sie selbst. „So wie du aussiehst, sind es nicht nur ein paar Turbolenzen, sondern richtige Kracher, die dich leichenblass aussehen lassen.“
„Nein, das nicht.“ Kaylee runzelte kurz die Stirn, als sie versuchte das Innere Chaos zu beseitigen. „Ich habe den Verdacht, dass ich noch einmal schwanger sein könnte. Mir ist übel und schwindelig und ich fühle mich urplötzlich kraftlos.“
Pauline nickte kurz. „Und dass macht dir Sorgen, weil eure Finanzielle Lage auch nicht rosig ist.“
„Woher weißt du dass?“ Erstaunt sah Kaylee ihre neu gewonnene Freundin an.
Pauline lachte ein sehr herzliches Lachen, dass sie anhörte, als sei es schon tausende Male ertönt. „Dass habe ich mir zusammen gereimt, weil du wie eine Frau aussiehst, die sich über Kinder freut. Dass habe ich gesehen, als du über Elijah und Aiden gesprochen hast.“

„Dass tue ich auch, wirklich.“ Kaylee senkte errötend den Blick. „Aber es passt gerade nur nicht.“
„Kinder kommen nie passend, Kaylee. Daran wirst du dich mehr oder weniger gewöhnen müssen.“, sprach ihr Gast weise. „Julia war nun auch nicht mein Wunschkind, und trotzdem liebe ich sie sehr.“ Ihr Gesicht leuchtete vor Stolz. „Sie ist mein ein und alles und das macht alles weg, was ich wegen ihres Vaters erleben musste und muss.“
Kaylee horchte auf, als sie die vergangene Verzweiflung in der Stimme ihrer Freundin hörte. „Ich will nicht neugierig wirken, aber was ist passiert mit ihrem Vater?“
Pauline seufzte tief und schwer. „Er ist ein Bunch-Nachkömmling.“ sprudelte es schließlich widerwillig aus ihr heraus. „Ich glaube, dass ist sein einziges Problem.“
Kaylee erhob sich von dem weißen Sofa. „Vielleicht doch eine Tasse Kaffee? Ich koche und du erzählst mir die gesamte Geschichte, hm?“
Dankbar nickte Pauline und ließ sich erschöpft in die Kissen gleiten. Es schien ihr gut zu tun, mal wieder darüber reden zu können. „Julias Vater ist ein Bunch, wie ich schon sagte. Eigentlich ist er sogar ein Bunch-McIrish, nachdem die beiden Nachkömmlinge der letzten alten Generation, die ich noch kannte geheiratet haben. Er ist ihr Sohn und damit prädestiniert ein Snob zu sein.“
„Also sind die McIrish auch eine dieser Familien?“, harkte Kaylee interessiert nach, während sie die Kaffeemaschine an schmiss und zwei Becher drunter stellte.

Pauline nickte kurz. „Sie war es, aber sie haben an...Wert verloren, sagen wir es so. Fiona's Mutter hatte den falschen Mann geheiratet. Er hat sie geschwängert, hat ihr Geld genommen und ist verschwunden. Damit war der Ruf der Familie McIrish erst einmal ruiniert. Deswegen haben sich Fionas Eltern und die der Bunch entschieden, die beiden zu verheiraten.“
„Eine arrangierte Ehe, wie wunderbar wirklich.“, lachte Kaylee leise. „Was ist mit den Grusels oder den Jungesels? Sind die nicht eine bessere Partie gewesen?“
„Keine Partner zur Verfügung.“; erwiderte Pauline abwinkend, bevor sie noch einmal seufzte. Sanft begann sie Vasco zu streicheln, der sich auf ihren Beinen niedergelassen hatte. Zumindest hat Fiona schließlich den Sohn der Bunch geheiratet und zwei Söhne bekommen. Zwei Nachfolger. Einer davon, mir ist sein Name entfallen, hat eine Familie gegründet, führt das Haus Familie weiter etc. Der andere, Arlo, wurde praktisch zu einem kleinen Rebell. Er distanzierte sich von seiner Familie und versuchte auf eigenen Beinen zu stehen. So lernte ich ihn kennen.“
„Klingt wie eine Liebesgeschichte.“ Kaylee stellte die zwei Becher auf den Küchentisch und winkte Pauline herbei. „Aber sie scheint kein Happy End zu haben, oder?“
Pauline schüttelte bedauernd den Kopf. „Ganz im Gegenteil. Wir verliebten uns wirklich sehr, lebten eine Weile zusammen und genossen die Freiheit. Ich war gerade nach Sunset Valley gezogen, hatte mich von meinem Ehemann scheiden lassen und hoffte auf ein neues Leben. Doch es lief nicht so, wie ich es mir wünschte. Arlo freute sich, als er erfuhr, dass ich schwanger war und wir schmiedeten haufenweise Pläne. Bis seine Eltern vor der Tür standen und ihn festnagelten.“
„Er hat sich für sie entschieden?“, fragte die Japanerin ungläubig. „Gegen euer Kind?“
Jetzt nickte der Gast, noch trauriger als zuvor. „Nach ein paar Tagen hinterließ er mir einen Brief, dass er an seine Zukunft denken musste, und dass er nun einmal das Kind seiner Eltern war, und dass er nicht mehr mit mir zusammen sein konnte und wollte. Er wünschte mir und dem Kind ein schönes Leben, und hoffte dass ich jemanden finden würde, er mich mehr liebte.“ Pauline seufzte leise. „Danach sah ich ihn nur noch, wenn er mit seiner Familie spazieren geht, oder die Kunsthalle besucht. Julia will er nicht kennenlernen. Er tut als sei sie nicht da.“
„Dass ist das schlimmste, was ich je gehört habe.“ Kaylee konnte sich nicht vorstellen, dass man sein Kind nicht sehen wollte. Dass Kind ist alles was man hatte, was man lieben sollte. „Und was ist mit Unterhalt, Pauline? Du kannst ihn verklagen oder sonst etwas.“

„Einen Bunch-McIrish verklagen?“ Pauline lachte, aber es klang missmutig. „Da kann ich mir meine Tochter auch gleich wegnehmen lassen und in den Bau gehen.“ Sie schüttelte bestimmend den Kopf. „Meine Mutter sagte immer, wenn bestimmte Menschen nicht in deinem Leben sein wollen, dann öffne ihnen die Tür. Und so sehe ich es auch.“
„Und wenn Julia eines Tages fragt?“, harkte die liebevoller Mutter vorsichtig nach. „Was sagst du?“
„Die Wahrheit.“; erwiderte Pauline mit leicht abwesenden Blick. „Ich werde ich sagen, wer ihr Vater ist und ich werde ihr den Brief zeigen. Alles weitere muss er dann ausbaden.“
Kaylee fand es nicht richtig von diesem Arlo, aber Paulines Sicht gefiel ihr. Sie schien das Leben so zu nehmen, wie es kam. Ohne darüber nachzudenken, in wie weit dass alles Konsequenzen haben würde. „Ich wünschte ich wäre so unbekümmert wie du.“, murmelte sie.
„Wünsche dir das nicht, Kaylee.“, wandte Pauline lachend ein. „Ich bin fast fünfzig und immer noch in der Unterhaltungsbranche. Ich habe keinen Mann und muss meine Tochter alleine aufziehen. Du hingegen hast einen Mann, zwei wundervolle Kinder und zwei Pferde. Was willst du mehr?“
Glück, dachte Kaylee bei sich, aber sie nickte, als stimmte sie Pauline zu. Von ihrer Vergangenheit durfte sie niemanden erzählen. Diese Sorge musste sie mit sich ganz alleine ausmachen.
„Mach dir keine Sorgen um das Wie.“, riss Pauline sie aus ihren Gedanken. „Es wird alles seine Wege gehen. Wenn du schwanger bist, dann werdet ihr das Geld für ein weiteres Bett aufbringen.“ Sie runzelte kurz die Stirn. „Wieso reitest du nicht bei den Sunset Valley Cups mit?“
Kaylee errötete leicht vor Erschrockenheit und Traurigkeit. „Ich bin nicht gut genug dafür.“; erklärte sie mit undurchdringbarer Miene und erhob sich, um die beiden leeren Tassen in den Geschirrspüler zu stellen. „Wirklich nicht Pauline. Ich reite nicht so gut.“

„Ach, dass macht doch nichts. Dass ist bloß Stadt intern. Gelangweilte Hausfrauen und Männer in der Midlifecrisis machen mit. Es ist nichts Großes, macht aber jede Menge Spaß. Und das Preisgeld ist auch nicht so wenig. Na komm schon.“
„Ich überleg's mir.“, erwiderte Kaylee vage. Sie wusste, dass es so gut wie unmöglich war, aber ein winziger Teil in ihr, hoffte, dass sie vielleicht doch reiten könnte. Ganz leicht schüttelte sie den Kopf, um diese Hoffnung los zu werden. „Willst du Elijah sehen?“, fragte sie Pauline stattdessen. „Ich glaube der kleine Knirps fängt bald an sich zu langweilen und dann wird es laut.“
Lachend nickte Pauline. „Ich würde deinen kleinen Wonnepropen gerne sehen. Er ist doch nur ein paar Tage jünger als Julia, oder nicht? Vielleicht werden sie ja Freunde.“
„Hoffen wir es mal.“ Kaylee grinste ihre neue Freundin, bevor die Frauen im Kinderzimmer verschwanden.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 4:40 pm

Gut gelaunt trat Chase aus dem Schlafzimmer, nachdem er eine angenehm warme Dusche genommen, seinen Sohn liebevoll gekuschelt und sogar noch eine ganze halbe Stunde in Nickerchen gemacht hatte. Als er seine Frau erblickte, schien er sichtlich überrascht. „Schon wieder zurück?“, fragte er, während er zum Kühlschrank ging. Er wusste, dass Kaylee heute hatte ausreiten wollen, weswegen auch ein Babysitter Elijah hütete, als Chase selber nach Hause kam.
„Ich war gar nicht ausreiten.“ In Wirklichkeit war Kaylee beim Arzt gewesen und hatte sich die erneute Schwangerschaft bestätigen lassen.
Chase hob eine Augenbraue, bevor er den Kopf tief im Kühlschrank vergrub. „Wie meinst du dass? Wo warst du denn so lange? Pauline?“
„Die war heute hier, ist aber zeitig gegangen.“; erwiderte sie nachdrücklich. Das Lächeln, dass sich hinter ihrer gespannten Fassade versteckte, zuckte leicht. Es wollte endlich vollends auf die Lippen der werdenden Mutter.
Chase nahm sich ein wenig Herbstsalat aus dem Kühlschrank. An seinem Gesicht konnte sie erkennen, dass er ungeduldig wurde. „Wird das ein Ratespiel, oder sagst du mir einfach wo du warst?“ Er ließ sich samt Teller am Küchentisch nieder.

„Ich würde gerne noch auf Aiden warten.“, erwiderte Kaylee gelassen und erhob sich von ihrem Platz. Unschlüssig schlenderte sie zum Fenster und sah hinaus. „Er sollte eigentlich gleich von der Sport AG kommen, oder nicht? Er hatte gesagt, Austin würde ihn fahren.“
„Er kommt sicher gleich.“ Chase sah sie unruhig an. „Kannst du es mir einfach sagen, Kaylee?“ Nur selten benutzte er ihren vollen Namen und es klang ungewohnt.
Wie auf ein Stichwort kam Aiden in diesem Moment nach Hause. „Bin zu Hause!“, rief er, bevor er seine Schultasche mit einem gezielten Wurf auf das Sofa warf und dann zu den beiden in die Küche trat. Er sah erschöpft aus, aber irgendwie auch glücklich. „Alles okay?“
Kaylee nahm einen weiteren Teller mit Salat aus dem Kühlschrank und schob Aiden dann sanft zu einem der Stühle. „Setz dich doch, Liebling. Ich würde gerne mit euch beiden reden.“
Aiden warf Chase einen verdutzten Blick zu, der daraufhin nur mit den Schultern zuckte.
Um sich hinzusetzen, war Kaylee viel zu aufgeregt. Ihr Herz schlug, als befürchtete es, dass Unwahrscheinlichste könnte auftreten. Die beiden würden sich nicht freuen. „Ich weiß, uns fehlt momentan wirklich das Geld für alles, und ich weiß, dass wir mit Elijah und dem Eingewöhnen eine ziemlich schwere Phase durchmachen. Und geplant war es bei Weitem nicht.“
„Mum ist schwanger.“, platzte es unbewusst aus Aiden heraus. Er grinste schief. „Oder?“
Noch bevor Kaylee nicken konnte, hatte Chase sich erhoben und eilte auf sie zu. Seine Hände fest um ihre Arme gelegt, fragte er: „Wirklich? Hat Aiden recht? Ich werde nochmal Vater?“
„Ja, dass wirst du.“ lachte Kaylee, als sie die Freude in seinen Augen sah. Stürmisch küsste sie ihn auf den Mund. „Ich hatte Angst, dass du dich nicht freuen würdest.“

„Warum sollte ich mich nicht freuen, Lee?“, fragte Chase verwirrt. „Wir beide bekommen noch ein Baby. Ich denke dass ist ein Grund sich zu freuen. Eigentlich sogar ein Grund um ein Fest zu feiern.“
Kaylee lachte erneut, dann wandte sie sich Aiden zu. „Und du, Liebling?“
„Ich freue mich auch.“, beruhigte Aiden seine Mutter eilig. „Elijah ist wundervoll und das neue Baby wird es sicher auch sein.“ Er schluckte den Salat im Mund eilig herunter. „Aber anstrengend wird es hier alle male. Ein Baby und ein Kleinkind?“
„Ich weiß.“, erwiderte Kaylee und sah nun wieder ihren Mann an. „Es wird nicht leicht werden, Chase. Aber wir schaffen dass doch, oder? Auch finanziell.“
„Natürlich.“ Chase war Feuer und Flamme für die erneute Schwangerschaft seiner Frau. „Ich zweifel nicht daran, dass wir alles schaffen können Lee. Wir bauen ein Zimmer an, wenn es sein muss. Dass wird alles genau so klappen, wie wir es uns wünschen.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 6:21 pm

„Chase!“ Augen rollend zog Kaylee ihrem Mann die Bettdecke weg und bekam als Antwort nur ein genervtes Stöhnen. „Komm, steh endlich auf. Aiden hat heute Geburtstag und ich will frisches Fruchtparfait machen.“ Schließlich ließ sie seufzend von Chase ab und nahm den kleinen Elijah aus seinem Bett, der schon seit geraumer Zeit aufgewacht war. „Wenigstens einer.“, murmelte Kaylee und rieb ihre Nase leicht gegen die ihres Sohnes.
„Ich bin wach.“; kam es mürrisch vom Bett herüber. Chase drehte sich auf den Rücken und rieb sich die müden Augen. „Aber ich verstehe nicht warum wir so früh aufstehen müssen? Aiden wollte doch sowieso erst heute Nachmittag feiern, oder hab ich das falsch verstanden?“
„Hast du nicht.“, erwiderte Kaylee, während sie leichtfertig Elijahs Windel wechselte. Sie klang freudig erwartend. „Ich hab mir überlegt, dass wir heute Morgen zumindest alle zusammen Frühstücken müssen. Wenn das Baby erst einmal da ist, wird es solche ruhigen Morgen nicht mehr geben.“
„Vielleicht wird Aiden dann gar nicht mehr hier wohnen.“, sagte Chase ganz nebenbei, während er sich aus dem Bett quälte. Erst als er ihren Gesichtsausdruck sah, der völlig entgeistert war, wurde ihm die Bedeutung seiner Worte klar. „Kaylee.“, seufzte er. „Er ist achtzehn und will sicher auf eigenen Beinen stehen. Wie jeder von uns damals. Da ist es nicht gerade unmöglich, dass er auszieht.“

Natürlich wusste Kaylee dass, auch schon früher hatte sich es gewusst. Aber ihn hier alleine in ein eigenes Haus ziehen zu lassen, dabei war ihr einfach nicht wohl.
Chase nahm ihr das Baby vorsichtig ab. „Er ist dann nicht aus der Welt, Lee. Nur umgezogen. Außerdem...“ Er zuckte kurz die Schultern. „Das Zimmer bräuchten wir sowieso.“
Kaylee wusste dass er Recht hatte, aber es kam ihr nicht fair vor. Es war, als würde sie ihren ersten Sohn rausschmeißen, nur um zwei neue Babys ein zu quartieren. „Sicherlich hast du Recht. Hoffen tue ich es trotzdem nicht.“ Mit diesem Satz spazierte sie aus dem Schlafzimmer, in die Küche, um das Frühstück vorzubereiten.
Gerade als sie die Zutaten heraus nahm, hörte sie Schritte hinter sich. „Aiden!“, rief sie glücklich heraus und fiel ihrem Sohn, der nun schon so groß war wie sie, in die Arme. „Alles Gute und Schöne zu deinem achtzehnten Geburtstag.“ Liebevoll küsste sie ihn auf beide Wangen.
Aiden errötete über diesen Überschwung der Gefühle. „Danke, Mum.“
„Setz dich hin.“ Kaylee steuerte ihren Sohn zum Tisch und drückte ihn auf einen der Stühle. „Ich mach uns jetzt ein fabelhaftes Frühstück. Dein erstes Frühstück als erwachsener Mann.“
„Mum...“ Aiden wollte protestieren, aber eine Geste seiner Mutter reichte, um ihn zum schweigen zu bringen. Dabei hatte er keinen besonders großen Hunger. In ihm brodelte die Wahrheit, die er seiner Mutter und Chase noch erzählen wollte und von der er nicht genau wusste, wie sie beide reagieren würden. Doch eigentlich war es die einzige richtige Lösung.

„Und nach der Schule machen wir dann eine kleine Feier. Ich hab Pauline eingeladen, ist doch okay oder?“, harkte Kaylee nach, während sie die Sachen für das Fruchtparfait zusammen mischte. Ein kurzer Blick über die Schulter folgte. „Wie sieht es mit deinen Gästen aus?“
„Ich hab zwei eingeladen und sie werden beide kommen.“, erwiderte Aiden Achsel zuckend. Eigentlich hatte er keine Lust auf eine richtige Party, aber seine Mutter hatte sich davon nicht abhalten lassen. „Ann und Austin kommen gleich nach der Schule mit.“
„Wunderbar.“ Das Lächeln seiner Mutter stimmte Aiden ein wenig fröhlicher.
„Guten Morgen Geburtstagskind.“ Chase klopfte seinem Stiefsohn freundschaftlich auf die Schulter. „Na, wie fühlt man sich mit achtzehn?“
Aiden schüttelte grinsend den Kopf. „Eigentlich nicht anders, als mit siebzehn oder sechzehn.“
„Dass kommt noch.“ Kaylee zwinkerte ihm zu und stellte dann nach und nach drei Schüssel auf den Tisch, bevor sie sich in der Mitte von Chase und Aiden niederließ.
„Dein erster Clubbesuch. Dein erster Alkohol. Filme ab achtzehn.“ Chase zählte schwärmend all die Vorzüge am älter sein auf, als wünschte er sich selber noch mal so jung zu sein.
„Und natürlich ein Job, der dir gefallen wird.“, unterbrach seine Frau ihn Kopf schüttelnd über so viel Unvernunft. „Und vielleicht irgendwann deine eigene Familie.“
„Vielleicht.“, unterstrich Aiden und steckte sich ein Löffel des Fruchtparfait in den Mund. An so etwas wollte und musste er noch gar nicht denken. Da war noch so viel Vergangenheit...
Kaylee versuchte das zu übergehen. „Na ja. Erst einmal kannst du einen guten Job finden, der dir Spaß macht. Vielleicht wirst du Arzt oder so etwas.“, schlug sie ihm freudig vor.
„Oder vielleicht auch Rockstar.“, grinste Chase und duckte sich unter dem Schlag seiner Angetrauten. „Dass war ein Witz. Aber cool wäre es schon.“; schob er hinter her.
Aiden lachte über seine Eltern. Urplötzlich viel ihm seine Entscheidung schwer, aber es war immer noch die Richtige. Daran zweifelte er nicht. „Ich wollte mich euch über etwas reden.“

Kaylees Augen wurden besorgt, während die von Chase irgendwie erwartungsvoll aussahen. Er ergriff die Hand von Aidens Mutter und drückte sie sanft.
„Es wird hier ja ein weiteres Baby einziehen, und das Haus ist wirklich klein.“
„Aber wir könnten das Haus ausbauen.“, schlug Kaylee eilig vor. „Dass ist kein Problem.“
Aiden lächelte ihr beruhigend zu. „Dafür fehlt uns momentan noch das Geld, Mum. Aber hör dir doch erst einmal an, was ich zu sagen habe.“, bat er sie liebevoll. „Ich hab ein kleines Haus gefunden, dass mir wirklich gefallen hat. Und ich habe den Mietvertrag unterschrieben.“
„Herzlichen Glückwunsch, Sohnemann.“ Chase reichte ihm die Hand, die Aiden erleichtert ergriff.
Kaylee hingegen sackte ein Stück in sich zusammen. Natürlich hatte sie damit rechnen müssen, aber die Realität war noch um einiges härter.
„Mum, es ist nicht weit von hier. Und außerdem kauf ich mir sofort ein Auto, und komm jeden Tag vorbei.“; versuchte Aiden sie aufzumuntern. „Ist das in Ordnung für dich?“
„Es muss für mich in Ordnung sein.“; erwiderte sie seufzend und tätschelte seinen Arm. „Du wirst erwachsen und ich freue mich wirklich für dich. Es wird nur...ungewohnt.“
„Das wird es.“, pflichtete Chase ihr bei. „Aber wir haben noch Elijah und das neue Baby. Ruhig werden wird es mit Sicherheit nicht.“
„Nein.“, erwiderte Aiden lachend. „Ruhig wird es eine ganze Weile nicht werden.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 6:39 pm

„Der Kuchen ist fertig. Die Brote sind geschmiert.“ Kaylee zeigte nachdenklich auf die beiden Platten, die sie auf die Theke gestellt hatte. Anschließend drehte sie sich zu dem Küchentisch um, auf den der Geburtstagskuchen stand. „Und der Kuchen ist auch fertig.“
„Und du siehst wundervoll aus.“, beendete Chase ihre Aufzählung drückte ihr im Vorbeigehen einen sanften Kuss auf die Wange. „Alles sieht wundervoll aus.“
„Meinst du?“ Kaylee sah sich noch einmal kritisch um. „Glaubst du es gefällt ihm?“
„Natürlich.“; erwiderte Chase überzeugt und knotete den letzten Luftballon zu. „Den befestige ich noch draußen, und dann sind wir fertig. Versprichst du mir dich zu entspannen?“
„Ich versuch es.“ Ertappt legte sie sich die Hand auf den Bauch, der unter dem lila Kleid schon eine deutliche Rundung aufwies. „Das Kleine scheint heute auch ziemlich aufgeregt zu sein.“
„Unser Kind halt.“ Chase zwinkerte ihr zu, dann verschwand er nach draußen um den Luftballon anzukleben.
Kaylee konnte ihre Vorsätze nicht sonderlich gut einhalten. Immer wieder sah sie sich unruhig um, um nach etwas zu suchen, dass ihr fehlte, schließlich wollte sie alles perfekt haben.
Chase kam herein, ein fröhliches Lächeln auf den Lippen. „Es wird langsam kalt, merkst du es?“
„Mh.“, machte Kaylee und deutete dann etwas hektischer auf die Musikanlage. „Kannst du sie kurz anmachen? Ich will schauen wie der Ton sich in der Wohnung verteilt.“
Chase tat, um was sie ihn gebeten hatte und schaltete die Musik an. Ein breites Lächeln entstand auf seinen Lippen, als er die bekannten Töne eines Liedes hörte. Keine zwei Sekunden später war er bei Kaylee, die gerade noch etwas an dem Kuchen herum feilte. Er drehte sie herum, und legte seinen Arm um ihre Taille.
„Was machst du denn da?“, kicherte Kaylee und ließ sich augenblicklich in den langsame Walzer einleiten. „Wir haben keine Zeit, Chase. Ich muss noch was vorbereiten.“
„Musst du nicht!“, erwiderte er überzeugt und drehte sie einmal. Leise summte er die Melodie mit.
Kaylee gefiel die Nähe und sie schloss für einen Moment die Augen, um den langsamen Tanz zu genießen. Dass hatten sie lange nicht mehr getan. Das Baby in ihrem Bauch stupste sie sanft.
„Warum lachst du?“, fragte Chase neugierig, nachdem ihr Kichern vernommen hatte.
„Das Baby hat getreten, das tanzen scheint ihm oder ihr zu gefallen.“
Chase küsste Kaylee zärtlich auf den Mund. „Mir gefällt es auch. Wir sollten das öfter tun.“
Von draußen ertönte die Hupe des Schulbusses und einen Augenblick später klingelte es an der Tür.

Kaylee löste sich schwerfällig von ihrem Mann und öffnete die große Haustür. Lächelnd umarmte sie erst ihre neue Freundin Pauline. „Wie schön, dass du kommen konntest. Wo ist Julia?“
„Ich hab sie bei meiner Nachbarin gelassen. Sie ist momentan nicht sonderlich gut drauf.“; verriet Pauline und zog eine Grimasse. „Sei mir nicht böse.“
„Ach, Quatsch nein. Geh doch schon mal rein und nimm dir etwas zu essen. Der Mann da vorne ist übrigens mein Ehemann Chase.“, bat Kaylee sie, bevor sie Aidens Freunden freundlich die Hand reichte. „Und ihr seid dann bestimmten Ann und Austin, hab ich Recht?“
„Ja, Mum.“ Aiden drängelte sich an den beiden vorbei und rollte mit den Augen. „Können wir nicht einfach reingehen? Es wird langsam etwas kühl hier draußen.“
Kaylee, die nichts von der Nervosität ihres Sohnes merkte, nickte. „Natürlich. Am besten pustest du gleich die Kerzen aus, bevor der Kuchen sie versenkt.“
Aiden nickte einverstanden und ging, gefolgt von Ann und Austin, die sich neugierig umsahen, zum Tisch, auf den der Kuchen auf ihn zu warten schien.
Chase schaltete sofort und zündete die Kerzen an. Mit einem Grinsen deutete er auf die leuchtenden Stäbe. „Na, dann wünsche dir mal was, Aiden.“
Und das tat Aiden. Er wünschte sich, dass er die Vergangenheit ruhen lassen konnte und hier, in Sunset Valley endlich sein Glück finden würde.
Die Leute klatschten und jubelten, insbesondere Kaylee freute sich, als sie ihren erwachsenen Sohn so sah. Sie fühlte sich plötzlich alt, obwohl sie noch zwei kleine Kinder hatte.

Chase legte liebevoll den Arm um sie und drückte sie leicht an sich. „Er wird ein wunderbarer junger Mann werden. Er hatte die beste Erziehung, die man sich wünschen kann.“
„Danke.“, flüsterte Kaylee ihm zu. Ihre Augen glänzten verräterisch.
Die Gäste ließen sich mit Limetten- und Geburtstagskuchen am Tisch nieder und begangen freudig zu plaudern.
Ann war ein freundliches Mädchen, mit einem sehr rundlichen Gesicht. Ihre hellbraunen Augen schienen ihre Umgebung wachsam aufzunehmen, insbesondere ihren guten Freund Austin.
Austin selber war witzig und ziemlich aufgedreht. Er war sehr höflich zu den Erwachsenen und man bemerkte so gleich aus welchem Haus er kam. Insbesondere Pauline schien er interessant zu finden, was darauf hinaus lief, dass er viel über seine Cousine fragte.
Kaylee beobachtete das rege Treiben vergnügt. Sie warf Chase einen dankenden Blick zu. „Danke, dafür, dass du mein Mann bist, Chase.“, flüsterte sie so leise, dass nur er es hören konnte.
Chase lächelte. „Dafür solltest du dich nicht bedanken. Es ist mein Glück dich zu haben, Lee.“
Als die beiden aufsahen, traf sie der neidische Blick von Pauline, die das glückliche Paar eine Weile beobachtet hatte. Sie lächelte eilig. „Ihr beiden seid wirklich ein tolles Paar.“
„Dass ändert sich sicher noch.“, scherzte Chase Augen zwinkernd. „Wir sind ja noch nicht so lange verheiratet.“
„Wirklich?“ Ann sah die beiden verblüfft an. „Ich dachte sie seien schon sehr lange verheiratet. Es scheint zumindest so. Wie lange sind sie verheiratet?“
„Fast ein halbes Jahr.“, erwiderte Kaylee glücklich lächelnd, als sie sich an die wunderschöne Hochzeit erinnerte. „Aber es kommt mir schon viel länger vor.“

Chase stimmte ihr zu. „Aber trotzdem kommt es mir vor, als hätten wir uns gerade erst kennengelernt.“
„So etwas wünsche ich mir auch.“, antwortete Ann schwärmerisch. Ihr Blick glitt für eine Sekunden zu Austin, der nachdenklich in seinem Kuchen herum stocherte. „Wahre Liebe eben.“
„Dann ist Aiden gar nicht euer gemeinsamer Sohn?“, harkte Pauline interessiert nach.
Aiden selber schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin sein Stiefsohn. Mum hatte einen Freund bevor sie Chase kennenlernte. Meinen Vater.“
„Und du hast keinen Kontakt zu ihm?“ Pauline runzelte verwundert die Stirn. „Willst du nicht?“
Kaylee sah wie Aiden unter dieser Frage litt und übernahm stattdessen die Antwort. „Aidens Vater ist früh verstorben.“, log sie. Sie konnte die beißende Blicke ihres Sohnes und ihres Mann auf ihr spüren. „Er war ein sehr sehr guter Mann und ein wirklich guter Vater. Wir bedauern es sehr.“
„Alter, dass tut mir Leid.“ Austin warf seinem Freund einen bedauernden Blick zu.
Aiden nickte, dann sah er seine Mutter einen Moment nachdenklich an. Es war richtig was sie gesagt hatte, oder nicht? Seine Vergangenheit war tot. „Ich komm klar.“, sagte er schließlich mit einem aufmunternden Lächeln. „Lasst uns den heutigen Tag einfach genießen, ja?“
Die Gäste stimmten einstimmig zu und keine zwei Minuten später wurde die Tanzfläche gerockt.
Kaylee schnappte sich ihren Sohn und legte mit ihm eine flotte Sohle aufs Parkett.
Chase saß auf einen Stuhl und betrachtete das Ganze eingehend. Es erfreute ihn seine Frau und seinen Stiefsohn so unbeschwert zu sehen und er hoffte, dass es immer so bleiben würde.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 6:46 pm

Zwei Tage später war es so weit. Der Tag, an dem Aiden auszog war unweigerlich gekommen, aber Kaylee hatte sich damit abgefunden. Sie hatte das Haus betrachtet, in dem er wohnen würde und es waren mit den Auto wirklich nur ca. zwanzig Minuten. Ein wahrer Katzensprung.
„Du siehst zufrieden aus.“, bemerkte Chase, als die beiden in der Küche standen, um zu frühstücken.
Kaylee nickte. „Ich hab heute Nacht wirklich gut geschlafen.“; gestand sie lächelnd. „Das Baby hat sich heute beruhigt und dass mit Aiden habe ich auch langsam verkraftet.“
„Das freut mich.“, erwiderte Chase und küsste sie.
Die beiden setzten sich an den Küchentisch und verspeisten kalte Waffeln vom Vortag.
„Es ist trotzdem merkwürdig sein ältestes Kind gehen zu lassen.“, murmelte Kaylee leicht bewegt. Sie hatte sich lange den Kopf darüber zerbrochen und es für richtig befunden, dass Aiden auszog. Aber ihr Mutterherz schmerzte. „Was ist wenn er sich einsam fühlt?“
„Dann kommt er uns besuchen.“; antwortete Chase pragmatisch. Seufzend sah er die Mutter seiner Kinder an. „Wir sind nicht aus der Welt, Lee und dass habe ich dir schon mal gesagt.“
„Ich weiß, ich weiß.“ Kaylee seufzte laut und legte den Kopf zurück.

Bevor sie noch etwas antworten konnte, öffnete sich die Haustür und Aiden kam herein. Seine Wangen waren Rot und Kaylee war sich nicht sicher ob es auf Grund der Kälte war, oder auf Grund der Vorfreude. „Es wird langsam echt kalt. Dass habe ich noch nie erlebt.“
„Sunset Valley eben.“, erklärte Chase Achsel zuckend. Mit den Kopf deutete er auf den Stuhl vor sich. „Willst du mit uns frühstücken?“
Aiden nickte und kam in die Küche zu den anderen. Leichthändig nahm er sich einen Teller mit Waffeln aus dem Kühlschrank. „Ann hat mir erzählt dass es im Herbst hier immer so kalt ist. Und es soll regnen und schneien ab und zu.“ Er runzelte die Stirn. „Merkwürdig.“
Kaylee stimmte ihm nickend zu. „Ich hab mir auch schon Gedanken gemacht. Was machen wir mit Cowboy und Lady? Im Stall ist es relativ warm, aber beim ausreiten....Schnee...“
Chase rollte mit den Augen. „Schnee wird die beiden schon nicht umhauen. Hauptsache ihr bewegt die beiden.“ Dann richtete er sich an Kaylee. „Hast du es ihm schon gesagt?“
„Mir was gesagt?“, harkte Aiden fast etwas besorgt nach. „Habt ihr Geheimnisse?“

Kaylee und Chase tauschten zwei glückliche Blicke, bevor sie sich zu Aiden beugte und feierlich verlautete: „Chase und ich haben uns entschieden, dass du Cowboy mitnehmen sollst.“
„Wirklich?“, fragte Aiden erstaunt. Er hatte gedacht, dass das Vollblut bei seiner Mutter bleiben würde und sie es früher oder später verkaufen würde.
„Natürlich. Schließlich gehört er dir, Liebling.“, antwortete sie glücklich darüber, dass er sich freute.
Aiden konnte es kaum glauben. „Dass bedeutet, dass du ihn nicht verkaufen willst? Ich meine, er würde doch mit Sicherheit eine Menge einbringen, oder nicht?“
Chase antwortete für Kaylee. „Dass stimmt natürlich, aber deine Mutter und sich sehen ihm ein größeres Potenzial. Vielleicht kannst du ihn ein reiten und als Trainer fungieren.“
Aiden nickte begeistert. „Natürlich. Dass würde ich gerne. Wow, danke.“
„Dafür nicht.“ Kaylee erhob sich von ihrem Platz und küsste Aiden liebevoll auf das Haar. „Tut mir Leid, aber ich muss los. Pauline und ich haben uns für heute in der Bibliothek verabredet.“
„Du willst dich ja nur vor dem Umzug drücken.“; zog Chase sie grinsend auf.
Kaylee streckte ihm die Zunge heraus. „Ich nehme Elijah mit, dann könnt ihr ganz in Ruhe alles einpacken und um räumen und und und.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 7:06 pm

Eine viertel Stunde später hievte Kaylee den Maxikosi mit Elijah die Treppen der Bibliothek hinauf. Drin war es angenehm warm und Kaylee war erleichtert, dass sie sich doch nicht im Park getroffen hatten, sondern hier. Denn dass war Paulines erster Vorschlag gewesen.
Als sie sich suchend in der leeren Bibliothek umsah, entdeckte sie Pauline, die es sich mit einem dicken Wälzer in einem der Sessel gemütlich gemacht hatte, die Beine angewinkelt.
Fast lautlos machte Kaylee ein paar Schritte nach vorne, um ihre Freundin nicht zu sehr zu erschrecken. „Pauline?“, murmelte sie halblaut und grinste, als die Schwarzhaarige ordentlich zusammen zuckte. „Ich wollte dich nicht erschrecken, verzeih mir.“
Pauline sprang von ihrem Platz auf, dass übliche freundliche Lächeln auf den Lippen. Sie zuckte die Schultern. „Wenn ich auch so vertieft in dieses Buch bin.“ Sie hob den Wälzer hoch, damit Kaylee ihn sehen konnte. „Aber dieses Buch ist so schrecklich spannend.“ Als nächstes fiel ihr schwärmerischer Blick auf den Maxikosi, den Kaylee immer noch trug. „Da ist ja der kleine Elijah.“
Kaylee folgte ihrem Blick und lächelte ihren Sohn stolz an. „Ich glaube die Männer waren ganz froh, dass ich ihn mitgenommen habe. So ein Baby macht mehr Arbeit, als Chase es erwartet hat.“
„Davon kann ich dir ein Lied singen.“, erwiderte Pauline Augen rollend und nahm ihr den Autositz samt Baby ab. Vorsichtig stellte sie ihn in die Nähe der Sofa, wo der Kleine geschützt war vor fremden Blicken. Liebevoll sah sie das Baby an, dem langsam die Augen zu vielen.
Kaylee rieb sich erleichtert den Arm. So leicht wie am Anfang war ihr Sohn nicht mehr und ihn durch die Gegend zu tragen wurde von Tag zu Tag anstrengender.
Pauline hatte sich inzwischen wieder aufgerichtet und umarmte ihre Freundin einmal fest. „Um nochmal zum Thema zurück zu kommen.“, begann sie mit wachsamen Blick. „Ich glaube dir selber tut es auch ganz gut aus dem Haus zu kommen, wenn Aiden auszieht. Glücklich siehst du nicht aus.“

„Bin ich auch nicht.“, gab Kaylee zögerlich zu. Sie hoffte dass Pauline als Mutter sie eher verstehen würde, als Chase, der nun einmal nicht der richtige Vater von Aiden war.
Und zu ihrer Freude nickte Pauline verständnisvoll. „Ich weiß was du meinst.“; verlautete sie, bevor ihr Blick zum Seitenflügel der Bibliothek wanderte. „Was ich machen werde, wenn Julia einmal auszieht, weiß ich leider auch nicht wirklich.“
Kaylee folgte ihrem Blick. Das kleine Mädchen das auf dem Boden saß und leise mit Spielzeug vor sich hin spielte, schien sich kein bisschen gestört zu fühlen.
„Nur der Unterschied ist, du hast Chase und ich habe niemanden.“, fuhr Pauline im betrübten Tonfall fort. Der Schmerz stand ihr ins Gesicht geschrieben.
Kaylee strich ihr tröstend über den Arm. „Wer sagt dass du nicht noch den Mann deines Lebens triffst, Pauline. Es laufen so viele hier herum.“
„Ich bin alt.“, erwiderte diese seufzend. Es schien als hätte sie sich mit der Situation abgefunden und schon lange beschlossen aufzugeben. „Niemand möchte eine alte Frau mit Kind.“
„Okay, ich war damals nicht alt, aber auch nicht mehr so jung, und ich hatte ein Kind im schlimmsten Alter.“, erinnerte Kaylee sich selbst an die Zeit, als sie Chase kennenlernte. „Und trotzdem hat Chase sich darauf eingelassen.“
„Du warst jung genug um noch zwei weitere Kinder zu bekommen.“, bemerkte Pauline mit einem scheelen Seitenblick. Unzufrieden zupfte sie an dem kurzen Kleid herum, dass sie trug. „Das kürzeste was ich trage ist dieses Bühnenkostüm und selbst darin fühle ich mich mehr als unwohl.“
Was Kaylee darauf antworten sollte wusste sie nicht. Betreten sah sie zu Boden und suchte nach den richtigen Worten. „Du bist nicht alt, Pauline.“
„Lass gut sein.“ Jetzt war es Pauline, die ihr den Arm tätschelte. Sie hatte ein Lächeln auf den Lippen, dass eher zu seiner älteren Frau passte, als zu ihr. „Ich habe mich schon lange damit abgefunden, und so lange ich Julia habe, ist mein Leben weitestgehend in Ordnung.“
„Und du hast mich.“; fügte Kaylee Augen zwinkernd hinzu. Sehnsüchtig sah sie zu dem kleinen Mädchen. „Darf ich sie auf den Arm nehmen, oder mag sie das nicht?“
Pauline schüttelte den Kopf. „Sie mag merkwürdigerweise alle Menschen. Wie ihr Vater früher.“ Ein Hauch alte Liebe steckte in ihren Worten, und ein Lächeln, dass wohl noch dass einer verliebten zwanzig Jährigen war, erschien auf ihren Lippen.
Kaylee ließ sie mit ihren schönen Erinnerungen einen Moment alleine und trat an das niedliche Mädchen mit den dunklen braunen Haaren heran. In ihrem Gesicht steckte nicht viel ihrer Mutter, außer die Augen, die eine mandelförmige Form hatten.
„Du bist also die kleine Julia.“; wisperte Kaylee lächelnd und streckte ihre Arme aus, damit Julia selber entscheiden konnte, ob sie zu ihr kommen wollte.

Das Mädchen, dass nur ein bisschen älter war als Elijah, lächelte ein wirklich schönes Lächeln, bevor sie sich in Kaylees Arme fallen ließ und sich fest an sie kuschelte.
Muttergefühle. Mehr spürte Kaylee nicht, obwohl es ja nicht einmal ihre Tochter war. „Du bist so ein zauberhaftes Ding.“; murmelte sie der Kleinen zu und lachte, als diese daraufhin fröhlich mit den Kopf wackelte. „Ich bin begeistert von deiner Tochter.“, rief sie Pauline zu.
„Ich auch.“, erwiderte diese grinsend. Sie beobachtete ihre neugewonnene Freundin und ihre Tochter etwas abwesend. „Julia ist das Beste, was mir passieren konnte.“
„Etwas anderes kann ich von meinen dreien auch nicht behaupten.“, stellte Kaylee fest und begann das Mädchen auf ihrem Arm liebevoll zu kitzeln. „Aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich jetzt schon gerne ein Mädchen. Ich hab zwei Jungen, und dass ist wundervoll. Aber da fehlt etwas.“
„Verständlich.“; erwiderte Pauline nickend. „Ich weiß nicht, ob es genau so gut laufen würde, wenn ich einen Jungen bekommen hätte.“
Kaylee kam zu ihr herüber, um nicht mehr durch die ganze Bibliothek schreien zu müssen, auch wenn sie um diese Uhrzeit ziemlich leer war. „Ich zweifel nicht daran, dass du dann nicht eine genau so gute Mutter gewesen wärst, wie du es jetzt bist.“
Dankbar lächelte die Schwarzhaarige ihr zu. „Ich finde wir sind beide ganz wundervolle Mütter.“, sagte sie schließlich ziemlich ernsthaft. Eine Falte hatte sich zwischen ihren Augenbrauen gebildet. „Und genau dass ist es, was unsere Kinder brauchen. Eltern die da sind.“
Kaylee wusste, worauf sie hinaus wollte, aber sie schüttelte eilig den Kopf. „Kinder brauchen irgendjemanden, der für sie da ist. Sei es der Vater oder die Mutter, die Tante oder die Oma. Hauptsache, da ist jemand, an den sie sich IMMER wenden können.“

„Du machst mir Mut.“ Pauline grinste, bevor sie vorsichtig eine Strähne von Julias Haar wegstrich. „Ich bin wirklich froh, dass ihr hier her gezogen seit, Kaylee.“
„Und ich bin froh, dass du hier wohnst.“; erwiderte diese Augen zwinkernd. Sie gab das kleine Mädchen ihrer Mutter in die Arme und rieb sich den Rücken. „So niedlich sie auch sind, um so älter, um so schwerer sind sie auch. Und zwei auf einmal zu tragen ist so gut wie unmöglich.“
Pauline lachte. „Dafür hast du dann ja Chase.“ Sie hielt einen Moment inne. „Er freut sich sehr auf das Baby, nicht wahr?“
„Manchmal glaube ich sogar, dass er sich mehr freut als ich.“, scherzte Kaylee Achselzuckend. Sie warf einen Blick auf Elijah, der völlig entspannt in seinem Autositz lag und leise mit einem der Stofftiere spielte, die an dem Trageriemen angebracht worden waren. „Ich bin einfach nur froh, wenn ich all meine Kinder bei mir habe.“ Ein Seufzer entfuhr ihr. „Ausgenommen Aiden.“
„Aiden ist erwachsen.“, sagte Pauline, ebenso wie Chase es gesagt hatte. „Er will sowieso sein eigenes Leben führen, Kaylee und dagegen wirst wenig machen können. Freue dich lieber über euer gutes Verhältnis, denn das ist am Ende das wichtigste.“
„Wenn sie nur wüsste.“, dachte Kaylee bekümmert bei sich. „Wenn sie nur einen Hauch einer Idee hätte, warum sie hier waren und was sie alles zurück gelassen hatten, dann würde sie anders denken.“
Sie betrachtete Pauline vorsichtig, während diese sich mit ihrer Tochter beschäftigte. Und plötzlich zweifelte sie daran, dass sie da jemals so eine enge Freundschaft bilden würde, wie es bei Gracie der Fall war. Denn Gracie hatte alles gewusst und Pauline wusste gar nichts.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 7:37 pm

Als Kaylee die Haustür aufschloss, durchfuhr es sie einmal kalt. Obwohl sie noch nicht in Aidens Zimmer gewesen war, dass nun mit Sicherheit leer da stand, fühlte sie, dass er weg war.
Chase hingegen hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. In ein leichtes Nickerchen verfallen, hatte er den Kopf nach hinten gelegt und schnarchte mit offenem Mund.
Kaylee kicherte leise, stellte den Maxikosi lautlos ab und schlich zu ihrem Mann hinüber. Mit einem stürmischen Kuss, weckte sie ihn und lachte, als sie sein erschrockenes Gesicht sah.
„Wie spät ist?“, murmelte Chase mit verschlafener Stimme. Sein Blick glitt zum Fenster, hinter dem der Mond schon aufgegangen war. „Wie lange warst du denn weg, Lee?“
„Ziemlich lange.“, antwortete diese und erhob sich von ihrem Platz neben Chase. „Pauline und ich sind noch kurz etwas essen gegangen, weil die Kleinen Hunger hatten.“ Nachdenklich rieb sie sich die riesige Kugel, die sie vor sich her schob. „Aber ich könnte jetzt noch eine Kleinigkeit vertragen, wenn ich ehrlich bin.“
Chase lachte. „Etwas anderes hätte ich auch nicht erwartet.“; zog er sie auf, während er ihr hinter her dackelte. „Du scheinst dich richtig wohl zu fühlen, mit deinem Los als Schwangere, hm?“
„Ich hab dir gesagt, dass ich zunehmen werde.“; erwiderte Kaylee mit vollem Mund, den Kopf noch halb im Kühlschrank. Sie riss ein Stück einer Waffel ab. „Außerdem esse ich für zwei.“
Chase belächelte seine schwangere Frau. „Ich gönne dir alles, Liebling.“

Dankbar warf Kaylee ihm einen Luftkuss zu, bevor ihre Miene wieder etwas ernster wurde. „Habt ihr bei Aiden schon alles eingeräumt und aufgebaut?“, fragte sie sorgenvoll.
„Natürlich.“ Chase seufzte über die unnötige Angst. „Ich habe ihn sogar noch etwas zu Essen vom Restaurant gebracht, damit er bloß nicht verhungern muss, aber Austin ist sowieso vorbei gekommen. Die beiden vollen ein bisschen Fernsehen und dabei Pizza essen.“
Es beruhigte Kaylee, dass ihr Sohn nicht alleine war, aber trotzdem fühlte sie sich merkwürdig Elend. Dass konnte aber auch an den Bauchschmerzen liegen, die sie urplötzlich bekam. „Ich glaube ich sollte nicht mehr so spät Abend essen.“, murmelte sie mit einer Grimasse. „Und schon gar nicht so durcheinander, da ist es ja kein Wunder dass ich...“ Augenblicklich verstummte sie, als sie etwas nassen zwischen ihren Beinen spürte. „Wehen bekomme.“
Chase hob erstaunt den Kopf. „Wehen? Wir müssen sofort ins Krankenhaus!“, rief er besorgt aus.
Bei Elijah war es damals so schnell gegangen, dass sie es fast nicht mehr ins Krankenhaus geschafft hatten. Dementsprechend besorgt war er nun.
Doch Kaylee beruhigte ihn mit einer simplen Geste. „Die Wehen kommen noch in zu großen Abständen.“, erklärte sie ihm lächelnd. „Ich glaube dieses Baby lässt sich etwas mehr Zeit.“ Aber schon im nächsten Moment wurde sie wieder von einer schmerzhaften Wehe überrollt und hielt sich dabei, die Lippen fest aufeinander gepresst den Bauch.

Chase griff sich an die Mütze. Wie auch letztes Mal wusste er nicht genau, wie er ihr helfen konnte. „Atmen.“, befand er schließlich und ergriff ihre Hand. „Du musst regelmäßig atmen, Lee.“
„Wirklich?“, fragte diese ironisch nach und watschelte in Richtung Wohnzimmer, wo sie sich mit geschlossenen Augen auf einen der Sessel niederließ. „Chase, ich habe zwei Geburten mitgemacht, die eine davon zu Hause, alleine. Ich denke ich weiß, was ich tun muss.“ Sie rollte mit den Augen. „Du solltest jetzt schnell meine Tasche aus dem Schlafzimmer holen und dafür sorgen, dass wir Elijah irgendwo unter bekommen. Am besten bei Aiden.“
Während Chase sich darum kümmerte, dass Aiden innerhalb von fünf Minuten mit samt Austin hier auftauchte, und die Tasche seiner Frau durch die Gegend schleppte, nutzte Kaylee die Zeit zwischen den Wehen, um sich ihre Winterjacke anzuziehen, denn draußen war es sehr kalt geworden. Der Reißverschluss ließ sich über dem dicken Bauch nicht wirklich schließen, aber sie gab ihr Bestes und schaffte es tatsächlich. Wie eine Ente watschelte sie in die Dunkelheit.
„Haben wir alles?“, rief Chase ihr hinter her, bevor er selbst samt Jacke neben ihr stand.
Kaylee sah die Straße hinunter, wo gerade ein Auto angefahren kam. „Wenn dass Aiden ist können wir ganz beruhigt los gehen.“, erwiderte sie, die Hände in den Rücken gestemmt, vor Schmerz.
Dem Himmel sei Dank, war es Aiden. Er sprang vom Beifahrersitz und eilte zu seiner Mutter, um sie mit einem hektischen Kuss auf die Wange zu begrüßen. „Wir sind so schnell gekommen, wie es ging.“, erklärte er ihr außer Atem. Hinter ihm kam Austin. „Wir kümmern uns um Elijah.“
„Sehr gut.“; erwiderte Kaylee lächelnd. „Dann kann Chase mich ja jetzt zum Krankenhaus bringen.“
„Natürlich.“ Eilig ergriff er ihren Arm und führte sie zu ihrem blauen Transporter, wo sie auf den Beifahrersitz Platz nehmen musste. „Dann mal los.“, sagte er und startete den Motor.
Ganze 26 Stunden später, kam die kleine Elizabeth auf die Welt.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 20, 2013 8:24 pm

Eine Woche hatte die Familie Zeit sich einzuleben und es klappte. Der Spagat zwischen Arbeit, in Chase Fall, den Pferden und den Kindern, war wirklich eine große Herausforderung, die die beiden Eltern oftmals um halb Sieben in die Federn zwang, um dann zwei Stunden später wieder aufzustehen, weil eins der Kinder die Lautstärke ihres oder seines Gebrülls testete.
Deswegen schloss Kaylee die Tür zum Kinderzimmer an diesem Abend auch, ohne jedes Geräusch, und atmete erleichtert auf, als sie die Stille vernahm die sie umgab.
So sehr sie die beiden auch liebte, am schönsten war es einfach, wenn sie schliefen.
Nicht anders war es bei Chase. Obwohl sie ihren Mann liebte, und die Zeit, die sie früher miteinander hatten, vermisste, war sie froh, dass er mit Lady und dem Fohlen einen Ausritt machte. Somit war sie völlig alleine und konnte einfach mal ein paar Minuten für sich sein.
Doch kaum hatte sie sich auf dem Sofa niedergelassen, klingelte es an der Tür.
Kaylee kniff die Augen zusammen. In ihr flehte alles danach, dass ihre beiden Lieblinge einfach weiterschlafen würden, und als sie nach einigen Sekunden noch immer nichts hörte, erhob sie sich und schlich zur Tür. „Aiden!“, flüsterte sie erfreut und zog ihren Sohn herein, ohne, dass dieser ein Protest einlegen konnte. „Wie schön, dass du mich besuchst. Ist alles okay?“
Aiden nickte. „Schlafen die Kleinen?“, fragte er. Er wirkte nervös auf seine Mutter.

„Ja, dem Himmel sei Dank.“, grinste Kaylee und zog ihren Sohn in ihre Arme. „Ich bin so froh, dass du vorbei gekommen bist. Ohne dich ist es doch etwas anders hier zu Hause.“
Aiden erwiderte die Umarmung seiner Mutter fest. „Mum, ich komm doch so oft ich kann vorbei.“
„Ich weiß.“ Seufzend löste sie sich von ihm und schenkte ihm ein mattes Lächeln, dass von reiner Müdigkeit zeugte. Dass seine Hilfe hier auch fehlte, wollte sie nicht zugeben, stattdessen wechselte sie eilig das Thema. „Wie geht es Cowboy? Kommst du weiter mit dem Training?“
Wieder nickte Aiden. Ein Leuchten trat auf sein Gesicht. „Ich glaube aus ihm kann wirklich etwas werden. Noch ein paar Wochen und ich werde ihn dem ersten Jockey anbieten.“
„Dass freut mich sehr.“ Unschlüssig sah Kaylee ihn einen Moment an, dann deutete sie auf den Kuchen. „Wir haben noch Geburtstagskuchen von heute Morgen. Magst du ein Stück?“

„Gerne.“ Er folgte seine Mutter in die kleine Küche und sah ihr zu, wie sie zwei Stücke auf zwei verschiedene Teller manövrierte. „Tut mir Leid, dass ich heute Morgen nicht gekommen bin, aber ich hatte einen wichtigen Termin.“ Unbehaglich sah er auf seine Hände.
Kaylee merkte, dass da etwas in ihm brodelte. Schon seit einigen Tagen hatte sie das Gefühl, als verschwieg ihr Sohn etwas. Doch bisher hatte sie gedacht es war etwas, was ihn glücklich machte, was nun aber ganz anders aussah. „Setz dich, doch.“, bat sie ihn freundlich. Mit ihren auffallenden Augen durchleuchtete sie ihn, wie es nur eine Mutter konnte. „Was ist los, Aiden?“
„Wow.“ Aiden lachte nervös. „Ich dachte ich hätte noch ein paar Minuten, aber du scheinst heute wirklich...wirklich gut zu sein.“ Unsicher stocherte er in dem Kuchen herum, schob ihn auseinander, und anschließend wieder zusammen. Man konnte die Anstrengungen in seinem Gesicht deutlich sehen. „Mum, ich habe eine Frau kennengelernt.“, erklärte er gedehnt. „Ihr Name ist Candy.“
„Aber das ist doch wunderbar.“ Erleichtert atmete Kaylee aus. „Das freut mich wirklich, Aiden.“
Aiden lächelte, aber es war nicht vollkommen losgelöst, wie seine Mutter es erwartet hatte.
„Dass ist also noch nicht alles.“; schlussfolgerte sie überrascht. Ihr Herz begann zu klopfen. Was kam jetzt? War sie eine Mafiabraut? Hatte er ihr von seiner Vergangenheit erzählt? Junge Verliebte waren immer so naiv, aber Aiden doch nicht, oder?
„Nein.“ Er schüttelte den Kopf, nahm den Blick von seinem Teller und sah ihn. „Candy...Candy ist schwanger.“, murmelte er kaum hörbar.

Kaylee schluckte. Wie froh war sie in diesem Moment, dass sie kein Stückkuchen gegessen hatte, denn dann hätte sie sich mit Sicherheit verschluckt. Ein paar mal blinzelte sie vor sich hin, dann nickte sie. „Okay.“, war ihre eintönige Antwort. „Okay.“
„Okay?“, harkte Aiden vorsichtig nach. „Meinst du, okay, ich freu mich für euch, oder okay, du wirst enterbt, Aiden?“
„Was willst du denn hier noch erben?“, erwiderte Kaylee lachend und fuhr sich durch den unordentlichen Zopf. „Wir haben so überhaupt nichts, mein Liebling.“ Aus dem Babyphone, dass auf der Theke stand, erklang ein leises Gewimmer. Kaylee seufzte, nachdem sie einen Blick auf die Uhr geworfen hatte. „Wow, Elijah hat heute wirklich eine halbe Stunde durchgehalten. Ich gehe mal kurz nach ihm gucken.“
Aiden erhob sich eilig. „Lass mich.“, bat er liebevoll. „Schließlich muss ich jetzt etwas üben.“
Kaylee wusste, dass er sie provozieren wollte, aber sie nickte bloß bescheiden. „Na gut.“ Sie folgte ihrem Sohn in das Kinderzimmer, wo der erwachsene junge Mann, seinen kleinen Bruder liebevoll aus dem Kinderbett nahm.
„Na, Elijah.“, begrüßte er das Geburtstagskind, dass sich bis auf die schwarzen Haare, vollkommen von seinem Bruder unterschied. „Lässt du die Mama und den Papa gar nicht schlafen?“
Elijah erkannte seinen großen Bruder sofort und ein freudiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Er gluckste zufrieden, als er sicher war, dass er nicht im Bett bleiben musste.
Kaylee beobachtete das Treiben nachdenklich. Bald würde ihr Sohn sein eigenes Baby in den Armen halten und dann würde sie Oma werden. War sie nicht noch viel zu jung um Oma genannt zu werden? Und wer war diese Candy überhaupt?

„Mum?“, riss Aiden sie unsanft aus dem Gedanken.
Kaylee schüttelte kurz den Kopf und setzte ein Lächeln auf. „Tut mir Leid, Liebling. Was hast du gesagt?“
Aiden schwieg einen Moment, sah seine Mutter bedächtig an, dann nickte er. „Lass uns ins Wohnzimmer gehen.“, schlug er liebevoll vor. „Ich glaube wir müssen reden.“
Kaylee nickte, immer noch ein verblasstes Lächeln auf den Lippen. Eilig streckte sie ihre Arme aus. „Gib mir den Kleinen, sonst kommt er nie zur Ruhe.“; bat sie ihn und küsste ihren zweiten Sohn sanft auf das schwarze Haar, als sie ihn endlich in den Armen hatte.
Aiden war vorgegangen ins Wohnzimmer und sah sich nun im Bücherregal um, ohne wirklich interessiert zu sein. Er wartete, dass seine Mutter etwas sagte.
„Candy.“, wiederholte Kaylee den Namen, der ihr im Kopf herum schwirrte. „Ist sie von hier?“
Aiden atmete erleichtert aus, als seine Mutter begann Fragen zu stellen. „Sie ist auch gerade erst hier her gezogen.“; erklärte er freundlich. „Sie arbeitet meistens auf den Festivals.“
„Auf den Festivals.“, wiederholte seine Mutter leise. Besonders sesshaft Klang es nicht. „Und da habt ihr euch auch kennengelernt?“, fragte sie.
Aiden schüttelte den Kopf. „Wir haben uns im Supermarkt kennengelernt.“ Lächelnd drehte er sich zu Kaylee um. „Wir wollten beide den letzten Apfel und dann hab ich sie angesehen und es war um mich geschehen, Mum. Egal wie merkwürdig sich das jetzt anhörte.“

„Schönheit ist nicht alles.“, gab Kaylee ihm zu bedenken. Sie zuckte leicht die Schultern. „Ich meine, wenn du glücklich bist freu ich mich sehr, aber...ein Kind? Jetzt schon? Ihr kennt euch doch kaum.“
„Ich weiß, es ist verrückt. Aber es ist passiert. Was sollen wir tun?“ Aiden hob hilflos die Hände.
Dass wusste Kaylee auch nicht, aber einfach ein Kind zu bekommen kam ihr auch nicht richtig vor.
„Du hast mich auch sehr sehr früh bekommen.“, erinnerte Aiden sie sanft.
„Und das bereue ich nicht.“; erklärte Kaylee eilig, ein Lächeln auf den Lippen. „Und ich meine auch nicht, dass ihr es bereuen werdet. Aber ihr kennt euch kaum.“ Sie seufzte einmal, dann setzte sie ein zuversichtliches Lächeln auf. „Na ja, heutzutage muss man ja nicht gleich heiraten wenn man ein Kind bekommt. Dass bedeutet du kannst ein wundervoller Vater sein, selbst wenn ihr euch trennen würdet.“
Aidens Gesichtsausdruck wurde wieder besorgt. Er wandte den Blick ab.
„Aiden?“, ängstlich suchte Kaylee nach Augenkontakt mit ihrem Sohn. „Willst du mir noch etwas sagen?“
„Ich...“ Aiden seufzte leise. „Ich fand es richtig Candy zu heiraten Mum. Und bevor du jetzt los schreist, lass mich doch erst einmal erklären.“, bat er eilig.
Kaylee biss sich auf die Lippen und bedeutete ihm durch ein kurzes Nicken, fortzufahren.
„Ich liebe Candy. Ich...ich weiß nicht warum, aber es ist so. Sie ist eine wundervolle Frau und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mein Leben mit ihr zu verbringen. Es ist wie bei Dee damals.“
„Und deswegen müsst ihr gleich heiraten?“, harkte Kaylee wütend nach. Wie froh war sie, dass sie den kleinen Elijah auf dem Arm hatte, so musste sie sich gezwungenermaßen etwas beruhigen.
„Wir mussten nicht, aber wir wollten.“, antwortete Aiden bestimmt. „Wir bekommen ein Baby, Mum. Nichts könnte uns mehr zusammenschweißen, oder? Du hast mich auch so früh bekommen...“

„Aber ich habe deinen Vater nicht geheiratet.“, wütete sie zurück, die Augenbrauen fest zusammen gezogen. „Ich habe dich alleine aufgezogen, Aiden. Ohne Hilfe und gezwungenermaßen.“
„Aber du hättest ihn geheiratet, wenn er dich gewollt hätte.“, brach es aus Aiden heraus, aber im selben Moment bereute er was er gesagt hatte. Schuldbewusst schwieg er.
„Ja.“, antwortete Kaylee nach einer Weile. Man konnte sehen wie sehr ihr der Schmerz ins Gesicht geschrieben stand. „Ja, dass hätte ich mit Sicherheit. Entschuldige mich, ich muss Elijah ins Bett bringen.“ Ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen, eilte sie ins Kinderzimmer.
Aiden seufzte und rieb sich die Stirn, doch viel Zeit zum nachdenken blieb ihm nicht. Chase betrat keine zwei Sekunden später das Haus.
„Aiden.“, erstaunt sah der erschöpfte Mann seinen Stiefsohn an. „Was machst du denn hier?“
„Ich hatte etwas mit Mum zu besprechen.“; erwiderte er Achsel zuckend und reichte seinem Stiefvater freundschaftlich die Hand.
Chase las in seinem Gesicht, dass es nichts Positives war. „Und es ist nicht gut ausgegangen?“, fragte er also vorsichtig. Als Aiden den Kopf schüttelte seufzte er. „Mach dir bitte nichts draus, Aiden. Deine Mutter ist momentan einfach schrecklich müde und überfordert mit den beiden Kleinen, Lady und ihrem Fohlen. Sie...hat nicht die beste Laune.“
„Vielleicht hätte ich es ihr wann anders sagen sollen, aber dann wäre es zu spät.“ Als Aiden den fragenden Ausdruck von Chase sah, seufzte er erneut. „Ich habe eine Freundin, sei kurzer Zeit. Und...sie ist schwanger. Also habe ich entschieden sie kurzfristig zu heiraten.“
„Wow.“ Chase schnaubte, während er sich erstaunt über das Gesicht rieb. „Das sind natürlich ziemlich...große Neuigkeiten.“ Es graute ihm jetzt schon davor, mit Kaylee zu reden.

„Dass weiß ich. Aber trotzdem hätte sie sich nicht so stur stellen müssen.“ Sein schlechtes Gewissen stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Aber ich hätte ihr auch nicht so etwas an den Kopf werfen sollen.“
„Was hast du denn gesagt?“, fragte Chase besorgt und wollte es im gleichen Moment nicht hören.
Aiden sah zu Boden. „Sie sagte, dass ich Candy nicht gleich hätte heiraten müssen, und ich warf ihr darauf hin an den Kopf, dass sie Dad auch geheiratet hätte, wenn er sie gewollt hätte.“
Hörbar saugte der gestandene Mann die Luft ein. „Starkes Stück, Aiden.“ Sie beide wussten wie sehr Kaylee damals unter Gavin gelitten hatte, und alte Wunden sollte man nicht aufreißen.
„Ich...gehe besser.“ Aiden sah seinen Stiefvater ausdruckslos an. Er schien schier überfordert.
Chase nickte, dann schüttelte er wiederum den Kopf. „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, Aiden. Ich glaube, deine Mutter ist auch etwas überempfindlich, durch den ständigen Schlafmangel. Nimm es dir bitte nicht so sehr zu Herzen. Sie wird es akzeptieren.“
„Sie muss es akzeptieren, denn es ist nun einmal so.“, erwiderte Aiden kalt, bevor er sich zur Tür wandte. Kurz davor blieb er noch einmal stehen. „Aber ich würde mich sehr wünschen, dass wir es klären, bevor Candy ihr Kind bekommt.“
„Natürlich.“ Chase klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter. „Sie wird sich sicher Morgen bei dir melden. Ich rede noch einmal mit ihr, wenn sie etwas ausgeschlafener ist und dann regelt sich das.“
„Danke, Chase.“ Er lächelte ihm noch einmal zu, dann verließ er mit schnellen Schritten das Haus.
Chase sah ihm nach. Wahrscheinlich wollte er schnell zurück zu seiner kleinen Familie, die er bald gründen würde. War das nicht eigentlich ein Grund zur Freude?

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mo Jan 21, 2013 6:50 pm

Kaylee stand am nächsten Morgen recht früh auf, und diesmal ausnahmsweise nicht wegen eines der Kinder. Elizabeth schlummerte friedlich in ihrem Bett und Elijah hatte es sich es neben seinem Vater im großen Ehebett gemütlich gemacht. Selbst Chase hatte wohlverdient und ruhig geschlafen, während Kaylee selber, sich von einer Seite auf die andere gewälzt hatte.
Um kurz nach sechs war sie dann lautlos aufgestanden, hatte kurz nach Liz gesehen und sich dann angezogen, um mit einem schwarzen Kaffee am Küchentisch zu sitzen.
Gedankenverloren starrte sie nun das viel zu bittere Getränk in der roten Tasse an.
Sie hatte sich nicht mit Aiden streiten wollen, aber sie konnte nicht verstehen, dass er diese Frau einfach heiraten hatte müssen. Und das alles im Stillen, so dass sie praktisch ausgegrenzt war.
Und genau das hatte sie all die Jahre befürchtet. Irgendwann würde sie nicht mehr so einen wichtigen Teil in dem Leben ihres Sohnes spielen, wie es früher einmal war.
Sie hörte wie sich die Schlafzimmertür öffnete. Chase betrat das Wohnzimmer, auf dem Arm einen verschlafenen Elijah. „Du bist früh aufgestanden.“, begrüßte er seine Frau vorsichtig. Er konnte in ihrem blassen Gesicht die Sorge und die Traurigkeit lesen, die sie seit dem gestrigen Abend nicht mehr abgelegt hatte. Vorsichtig setzte er seinen Sohn in seinen Hochstuhl.
Kaylee schenkte ihm ein verblasstes Lächeln und nickte kurz. „Ich konnte einfach nicht mehr schlafen, Chase. Ich...“ Sie verstummte, nahm stattdessen einen tiefen Schluck aus ihrer Tasse.

Chase überlegte sich einen Moment was wohl in der Tasse drin war, verwarf den Gedanken aber wieder. Stattdessen nahm er ein paar Bananen und Müsli aus dem Kühlschrank und legte sie auf die Anrichte. „Aiden hat mir erzählt was passiert ist, Lee.“, erklärte er leise. Lautlos nahm er eine kleine Schüssel und ein Messer zur Hand, um Elijah das Frühstück anzurichten. „Ich bin der festen Überzeugung, dass es nicht richtig war, was er gesagt hat...“
„Das ist es doch gar nicht.“, unterbrach Kaylee ihn schon wieder leicht erregt. Zornig funkelte sie die dunkle Flüssigkeit vor sich an. „Das mit Gavin ist Vergangenheit, Chase. Darüber komm ich hinweg. Es geht nur darum...Er schließt mich komplett aus seinem Leben aus.“
„Aber, Lee.“ Chase schlug einen weichen, liebevollen Ton an. „Kann es nicht vielleicht sein, dass du ihn noch zu sehr in deinem Leben haben möchtest?“, fragte er leise.
Darüber dachte Kaylee einen Moment schweigend nach. Dann schüttelte sie den Kopf. „Wie kann man sein Kind zu sehr in seinem Leben haben wollen?“, fragte sie empört. „Er ist mein Sohn.“
Chase nickte, während er das fertig pürierte Müsli noch einmal durchmischte. „Eben, er ist dein Sohn. Und er ist achtzehn und führt sein eigenes Leben. Und wenn er es für richtig befand Candy zu heiraten und mit ihr ein Kind zu bekommen, dann sollte er das tun. Fehler sind da um gemacht zu werden, oder etwa nicht? Wenn es überhaupt ein Fehler ist.“
„Aber nicht so einen Fehler.“, bebte Kaylee. „Ein Kind ist kein...kein Spielzeug, Chase. Und eine Heirat ist auch nicht billig, wenn es zur Scheidung kommt.“

Chase brachte das Frühstück zu seinem Sohn und sah ihm zu, wie er es mit seinen kleinen Fingern durchmischte. „Er kann trotzdem ein guter Vater sein. Gavin war es doch auch.“
Kaylee erinnerte sich gerne daran, wie liebevoll Gavin mit Aiden damals umgegangen war. Natürlich zweifelte sie nicht daran, dass Aiden sich ebenso gut um sein Kind kümmern würde, aber eine Angst blieb. Er war nur der Vater, nicht die Mutter. Er hatte weniger Rechte hier in Sunset Valley. „Ich will nur nicht, dass er bereut, was er jetzt aus jugendlichem Leichtsinn tut.“
„Ich denke nicht, dass es Leichtsinn ist, Lee.“, entschied Chase für sich selber. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Ich halte Aiden für sehr verantwortungsbewusst, und deswegen denke ich, dass er es schon richtig machen wird, wie er es macht.“
Kaylee erhob sich von ihrem Platz und stellte die geleerte Tasse in den Geschirrspüler. Gedankenverloren starrte sie aus dem Fenster. „Ich glaube auch an ihn, trotzdem sorge ich mich.“
„Dass verstehe ich, aber dennoch solltest du dringend mit Aiden reden. Und zwar bevor er Vater wird.“, schlug Chase liebevoll vor. „Du willst seine Frau doch auch sicher kennenlernen, oder nicht?“
Natürlich wollte Kaylee es, aber auf der anderen Seite war sie zu stolz um auch nur einen Schritt auf Aiden zuzugehen. Zu sehr hatte es sie verletzt, dass er einfach so entscheidende Schritte gegangen ist, ohne es für richtig zu halten, sie darüber zu informieren.
„Wie wäre es wenn du einen Spaziergang machst?“ Chase nahm ein Tuch und wischte Elijah den Mund und die Hände ab, die voll von Bananenresten waren. „Ich glaube du brauchst ein wenig frische Luft. Und ich kümmere mich so lange um die Kinder, hm?“
Kaylee nickte leicht. „Ich nehme Elijah mit.“; entschied sie schließlich. „Dann kannst du Liz mal in Ruhe baden.“ Sie setzte ein Lächeln auf, dass ihn aufmuntern sollte. „Und wenn ich wieder da bin, dann kümmern wie uns um die Pferde, ja?“
„Genau.“, Chase küsste sie zärtlich auf den Mund und drückte ihr dann seinen Sohn in den Arm.
Kaylee lächelte noch einmal, bevor sie im Kinderzimmer verschwand um Elijah anzuziehen.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mo Jan 21, 2013 7:01 pm

Der Boden knirschte unter den Reitstiefeln, die Kaylee gerne bei diesen kalten Temperaturen trug. Der Herbst war merkwürdig. Es gab Tage, da war es bitter kalt und auf dem Boden bildete sich eine weiße, harte Schicht, die Kaylee an den Schnee erinnerte. Und dann gab es Tage, da war es ebenso warm wie im Sommer, und die Sonne strahlte nur so über Sunset Valley.
Aber darüber konnte Kaylee sich gerade kaum Gedanken machen. Mit nachdenklicher Miene hielt sie an dem großen Haus an, dass Aiden bewohnte. Sie war unschlüssig, ob sie eintreten sollte.
Natürlich wollte sie sich mit ihrem Sohn versöhnen, aber es ängstigte sie auch ein wenig, dass sie vielleicht Candy kennenlernen würde. Seine neue Frau, wie merkwürdig das klang.
„Was meinst du?“, fragte sie ihren Sohn, der fest in seinem Schneeanzug gekleidet, auf ihrem Arm saß und sich umsah. „Sollen wir deinem Bruder mal einen Besuch abstatten?“
Elijah lächelte sie vielsagend an, als wollte er sie stärken.
Kaylee erwiderte das sorgenlose Lächeln ihres Sohnes. „Du hast Recht.“, murmelte sie überzeugt. „Ich sollte reingehen und mich mit deinem Bruder versöhnen.“
Gesagt, getan. Mit schnellen Schritten stolzierte sie die kleine Treppe zur Veranda hinauf, blieb stehen und klingelte einmal kurz. Hoffentlich war Aiden zu Hause.
Als sich nach etlichen Minuten noch immer nichts tat, seufzte Kaylee resigniert und drehte sich um, um den Heimweg einzuschlagen. Doch genau in diesem Moment öffnete sich die Tür.

Aiden sah seine Mutter erstaunt an. „Mum? Was machst du denn hier?“ Liebevoll strich er Elijah über die blau-weiße Pudelmütze, als er seinen Bruder entdeckte.
Kaylee lächelte eilig. „Ich wollte noch einmal mit dir reden, Aiden.“, bat sie ihn sanft. „Ich finde es war gestern kein gutes Ende für unsere Unterhaltung, und das war meine Schuld.“
Ihr Sohn nickte langsam. Sein Gesichtsausdruck war angespannt. „Wir können gerne noch einmal darüber reden, Mum. Aber nur wenn es nicht darauf hinaus läuft, dass du mich umstimmen willst.“
„Wie soll ich dass denn noch tun? Du bist doch schon verheiratet.“ Ein Hauch von Bitterkeit floss in Kaylees harte Worte, aber sie versuchte ihnen den Stachel zu nehmen, in dem sie weiterhin liebevoll lächelte. „Ich will nur mit dir reden, um mich zu entschuldigen. Und um Candy kennenzulernen. Das wäre langsam doch angebracht, oder nicht?“
„Schon, aber sie ist noch bei sich zu Hause, um die letzten Sachen zu klären.“ Aidens Gesicht leuchtete auf. „Aber du wirst sie lieben, Mum. Sie ist wirklich eine tolle Person.“
„Das erwarte ich nicht anders. Schließlich hast du dich entschieden diese Frau zu heiraten.“ Sie deutete mit dem Kopf zur Haustür. „Können wir trotzdem reingehen? Es ist ziemlich kalt hier.“
„Oh, natürlich.“ Aiden zuckte kurz zusammen, dann eilte er zur Haustür und schloss sie auf. Hinter seiner Mutter und seinem Bruder schloss er sie wieder. „Willst du mir Elijah geben?“

Kaylee nickte und drückte ihm den kleinen Windelträger in den Arm. Unschlüssig sah sie sich einen Moment um. Noch war nichts davon zu sehen, dass hier nun eine weitere Frau wohnen sollte. Da fiel ihr etwas ein. „Was sagt Austin eigentlich dazu?“, fragte sie unschuldig.
Aiden zuckte die Achseln. „Er hat mir gratuliert, hält das Ganze aber für einen Fehlern.“, erzählte er, weniger bedrückt, als Kaylee es erwartet hatte. Anscheint war die Freundschaft doch nicht so fest gewesen, wie sie es erwartet hatte. „Er ist der Meinung, dass ich meine Jugend wegschmeiße, aber ich denke er ist einfach nur neidisch, weil ich die Wahl habe und er nicht.“
„Wie meinst du das?“, fragte Kaylee interessiert nach.
Aiden seufzte während er mit der anderen Hand ein Monster imitierte, dass Elijah fressen wollte. „Seine Eltern sind der festen Überzeugung, dass es so weit ist, eine Frau für ihn zu finden. Um so schneller er heiratet und einen guten Berufszweig eingeht, desto besser.“
„Und du machst das freiwillig.“, flüsterte Kaylee im bedächtigen Ton. Ein Seitenblick auf ihren Sohn verriet ihr, dass er es nicht gehört hatte. „Ich kann Austin verstehen.“
„Ich auch.“ Aiden zuckte erneut die Achseln. „Ich habe es auch nicht geplant, Mum. Kinder und eine Frau kamen erst viel später. Eigentlich wollte ich reisen, die Welt sehen. Aber dann kam Candy, wurde schwanger und wir heirateten. Wenn ich es bereuen sollte, wird es zu spät sein.“
„Hauptsache dein Kind wird niemals unter deiner Entscheidung leiden.“, ermahnte seine Mutter ihn mit einem strengen Blick.

„Niemals.“, erwiderte Aiden lachend. Er würde sich niemals schlecht um sein Kind kümmern. Er würde es genau so lieben, wie seine Mutter ihn liebte.
„Und Candy räumt gerade ihr Haus aus?“, wechselte Kaylee schließlich das Thema.
Aiden nickte und setzte den kleinen Elijah auf den Boden. „Ja, sie hat bei einer Freundin gewohnt, weil sie eigentlich nicht lange bleiben wollte. Aber jetzt zieht sie natürlich zu mir.“
„Das bedeutet sie ist eine Art...Pendlerin?“ In Kaylee wuchs die Idee, dass sie vielleicht irgendwann ihre Sachen packen würde, und wieder verschwinden würde.
Aiden, der ihre Gedanken gelesen zu haben schien, schüttelte eilig den Kopf. „Sie war Ruhe los, Mum. Ihre Eltern haben sie sehr früh rausgeschmissen und dann ist sie von Job zu Job gewandert. Aber jetzt hat sie mich. Einen Ehemann. Und...vielleicht eine Familie?“
Kaylee wusste worauf ihr Sohn hinaus wollte und sie nickte seufzend. „Natürlich.“, antwortete sie mit einem freundlichen Lächeln. „Schließlich ist sie deine Frau und somit ein Teil dieser Familie.“
„Danke, Mum.“ Liebevoll umarmte er die dreifache Mutter fest. „Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann.“
„Unter einer Bedienung.“, murmelte Kaylee in seine blaue Jacke. „Ich will sie endlich kennenlernen.“
Aiden lachte und löste sich wieder von ihr. „Klar, Mum. Am besten übermorgen? Chase hat doch Geburtstag, und ich könnte sie mitbringen. Ihr werdet sie wirklich lieben, Mum.“
„Eine gute Idee.“, erwiderte Kaylee. „Ich muss jetzt noch schnell ein bisschen was einkaufen. Wir sehen uns also übermorgen, okay?“
„Okay.“ Aiden lächelte ihr glücklich zu und schloss die Tür hinter seiner Mutter und Elijah.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mo Jan 21, 2013 7:13 pm

Doch es kam anders. Am nächsten Tag entschied Kaylee noch einmal bei Aiden vorbei zu fahren, um ihn zu sagen, dass sie etwas zu Essen mitbringen sollten. Da sie sowieso in der Stadt war, sparte sie sich den Anruf und fuhr an seinem Haus vorbei.
Doch als sie den blauen Wagen am Straßenrand parkte, und auf das Haus hinunter sah, entdeckte sie eine junge Frau, mit einer sehr rundlichen Figur. Sie betrachtete die Blumen, die im Garten blühten und rieb sich ab und zu über den sehr rundlichen Bauch.
Das musste Candy sein, fuhr es Kaylee durch den Kopf. Sie blieb einen Moment sitzen und betrachtete die Frau mit den langen schwarzen Haaren und dem hübschen Lächeln.
Langsam stieg sie aus und schmiss die Autotür hinter sich zu. Die Frau sah erstaunt auf.
„Hallo.“, begrüßte Kaylee sie und streckte ihr ihre Hand entgegen. „Mein Name ist Kaylee McFort.“
„Sind sind Aidens Mutter.“ Candy ergriff die Hand, die ihr gereicht wurde und schüttelte sie sanft. „Ich habe Fotos von ihnen im Haus gesehen, aber in echt sind sie noch viel hübscher.“
Geschmeichelt wandte Kaylee kurz den Blick ab, bevor sie ihre Schwiegertochter erneut musterte. „Und sie sind dann Candy.“ Sie nickte ihr kurz zu. „Aber wir sollten uns als Familie duzen, oder nicht?“
„Ich würde mich wirklich sehr freuen.“; erwiderte Candy mit leuchtenden Augen. Das Wort Familie schien bei ihr ein wahres Glücksgefühl ausgelöst zu haben. „Wollten sie zu Aiden?“

Kaylee nickte. „Morgen ist der Geburtstag meines Mannes, und wir wollen ein wahres Festessen machen. Deswegen wollte ich euch bitten etwas mitzubringen.“
„Oh, wie schön. Eine Geburtstagsfeier.“ Candy lächelte selig. „Ich backe einen ganz wundervollen Kürbiskuchen, dass ist meine absolute Spezialität.“
Kaylee lächelte. „Dann freu ich mich wirklich auf deinen Kürbiskuchen.“ Ein Regentropfen landete auf ihrer Nase und sie warf einen besorgten Blick nach oben. „Vielleicht sollten wir reingehen.“; schlug sie freundlich vor. „Ich denke es fängt gerade an zu regnen.“
„Natürlich.“ Candy ging ihrer Schwiegermutter hinter her, in das geräumige Haus und schloss die Tür hinter sich. Als sie sich zu Kaylee umdrehte, sah sie zerknirscht aus. „Kaylee, ich muss dir gestehen, dass ich schreckliche Angst hatte dich zu treffen.“
Überrascht sah sie ihre Schwiegertochter an. Noch nie hatte jemand Angst vor ihr gehabt.
„Aiden und ich kennen uns noch nicht sonderlich lange, und es ist alles etwas schneller gegangen, als erwartet.“ Sie schwieg einen kurzen Moment. „Aiden hat sich große Sorgen gemacht, dass du sauer sein wirst, und als du es wirklich warst hat ihm das wirklich zu schaffen gemacht. Und ich liebe Aiden, deswegen hat es mir genau so weh getan, ihn leiden zu sehen.“
Kaylee rührten die Worte der jungen Hochschwangeren. „Es tut mir Leid, dass ihr euch wegen mir solche Gedanken gemacht habt. Ich...habe mir nur Gedanken um meinen Sohn gemacht.“ Nach Mitgefühl heischend sah sie Candy an. „Er ist mein Erstgeborener, weißt du? Ich habe ihn alleine aufgezogen und alles für ihn getan, damit es ihm gut geht. Und jetzt gründet er seine eigene Familie. Dass ist ein merkwürdiges Gefühl.“
„Dass glaube ich dir.“ Lächelnd strich Candy sich über den gerundeten Bauch, einen verträumten Blick in den hübschen Augen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese beiden hier auch irgendwann ausziehen und eigene Familien gründen.“
„Beide?“, echote Kaylee mit erhobener Augenbraue. Überrascht wechselte ihr Blick zwischen dem Gesicht ihrer Schwiegertochter und dem Bauch.
Candys Lächeln verschwand für eine Sekunde, als sie merkte, dass Kaylee keine Ahnung gehabt zu haben schien. „Ich dachte, Aiden hätte es dir gesagt. Wir bekommen Zwillinge. Zwei Mädchen.“
„Wow.“ Eilig versuchte Kaylee sich ein Lächeln auf das überraschte Gesicht zu pressen. „Das freut mich wirklich. Ich bin nur gerade so...überrascht. Ich werde also zweifache Oma.“
„Genau.“ Stolz lächelte Candy sie an. „Und ich glaube die beiden können sich keine bessere Oma vorstellen, als dich. Genau das Gleiche hat Aiden auch zu mir gesagt.“

Kaylee lächelte, schwieg aber. So erstaunt war sie über diese Nachricht, die auf der anderen Seite auch sehr freute. Zwillinge. Ihr Sohn würde also zweifacher Vater werden.
„Entschuldige mich bitte.“, bat Candy mit erneut zerknirschten Gesichtsausdruck. „Ich muss dringend zur Toilette. Die beiden Mädels drücken unglaublich auf meine Blase, aber wem erzähle ich dass denn? Du hast das Ganze ja auch schon dreimal durchgemacht.“
„Stimmt.“ Sie sah Candy zu, wie diese im Badezimmer verschwand.
Zum verschnaufen und nachdenken blieb ihr jedoch keine Zeit. Keine zwei Sekunden später wurde die Haustür geöffnet und Aiden betrat das Haus. Als er seine Mutter entdeckte, blickte er sie ebenso überrascht an, wie sie geguckt haben musste. „Waren wir verabredet?“
„Nein, nein.“; beruhigte diese ihren Sohn. „Ich wollte dir eigentlich mitteilen, dass du morgen etwas zu essen mitbringen sollst, und da habe ich deine Frau kennengelernt.“ Sie lächelte vielsagend. „Sie ist wirklich eine wunderbare Frau, und ich kann verstehen, dass du dich in sie verliebt hast.“
Erleichtert nickte Aiden ihr zu. Er selber schien mehr als stolz auf seine Frau zu sein. „Ich wusste, dass ihr euch verstehen würdet, Mum. Candy kann man einfach nur mögen.“

„Ja, da gebe ich dir recht.“ Mit zusammen zugekniffenen Augen sah sie ihren Sohn an. „Und sie sagt mir auch immer die Wahrheit, im Gegensatz zu meinem eigenen Sohn.“
Erstaunt sah Aiden sie an. „Was meinst du?“
„Candy hat mir erzählt, dass ihr Zwillinge erwartet.“, ließ Kaylee die Bombe platzen. Mit verschränkten Armen stand sie da und sah ihren Sohn an. „Warum hast du mir dass nicht erzählt?“
Aiden lachte ertappt. „Tut mir Leid, Mum. In meinen Augen sah es so aus, als hättest du mit der Neuigkeit, dass sie schwanger ist und ich sie geheiratet habe, genug zu tun.“ Er zwinkerte ihr zu.
Kaylee verkniff sich ein Lächeln, dann umarmte sie ihren Sohn. „Ich bin so froh und stolz auf dich, Nuri Yaming.“; flüsterte sie leise, damit es ja auch keiner hören konnte. „Ich wusste immer, dass du dein Leben in die richtigen Bahnen lenken wirst, und wenn du jetzt zwei Kinder und eine Frau hast, dann freue ich mich unglaublich für dich.“
Aiden rührten die Worte und die Nutzung seines alten Namens. Ein Hauch Vergangenheit durchfuhr ihn, aber es war nicht unangenehm wie sonst. Es war, als hätte er damit abgeschlossen.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 27, 2013 3:53 pm

„Da ist ja Mamas kleiner Liebling.“ Als Kaylee die Haustür aufschloss, krabbelte ihr ein grinsender Elijah entgegen, hielt inne und streckte seine dicken Ärmchen nach ihr aus. Kaylee nahm ihn sofort auf dem Arm und drückte ihn so fest, dass er quietschte. „Wie war dein Tag mit Daddy?“
„Dut!“, entschied Elijah zufrieden. Nachdem er seine Mama einen Moment schweigend angesehen hatte, kuschelte er sich fest in ihre Arme und versteckte sein Gesicht in ihrem Haar.
Kaylee lachte. So verschmust war Aiden nie gewesen, aber es war ein angenehmes Gefühl. Sanft küsste sie ihn auf das schwarze Haar. „Lass dir Zeit mit den groß werden, ja?“
Aus dem Kinderzimmer ertönte lautes Geschrei, anschließend Chase besänftigende Stimme. Noch immer hatte Schwierigkeiten die Kinder so schnell zu beruhigen, wie Kaylee es tat.
„Lass uns nachsehen was dein Papa da wieder anstellt.“, schlug Kaylee seufzend vor, bevor sie eilig dem Geschrei folgte.
„Ja, aber Daddy ist doch da.“, sprach Chase laut, um Elizabeth Weinen zu übertönen. „Aber was hast du denn mein kleiner Liebling? Windel voll? Hunger? Ich hab keine Ahnung...“
„Wahrscheinlich hat sie Bauchschmerzen.“ Kaylee grinste ihren Ehemann mit schief gelegtem Kopf an. „Das hat sie manchmal, dann musst du ihren Bauch massieren und mit ihr reden.“
Chase zog eine Grimasse, hilflos und übermüdet. „Ich bin so froh, dass du wieder da bist, Lee.“, sagte er mit freudiger Stimme. Stürmisch kam er auf sie zu und drückte ihr einen Kuss auf den Mund. „Der Tag war so unendlich lang, ohne dich. Wie hältst du das eigentlich aus?“

„Jahrelange Übung.“; erwiderte Kaylee grinsend, öffnete Elijahs Latzhose und zog sie samt Windel herunter, so dass sie den Kleinen auf seinen Topf setzen konnte. „Du entwickelst ein Gespür, wenn du ganz tief in dich hinein horchst. Manchmal dauert es eine Weile.“
Chase warf ihr einen scheelen Blick zu, während er seiner Tochter den Bauch massierte. „Vielleicht bin ich zu alt dafür.“; dachte er mitleidig bei sich. „Ich bekomme graue Haare, und ich...ich verliere das Gefühl für meine Kinder. So etwas kann schon einmal vorkommen.“
Kaylee lachte über das Selbstmitleid, in dem ihr älterer Ehemann zerfloss. „Dass ist nichts, was man verliert, Chase.“, erklärte sie ihm eigensinnig. „Dass ist eine Bewusstheit, die ein Vater nun einmal hat. Egal wie alt er ist, oder wie viele graue Haare er hat.“ Nach kurzen überlegen, fügte sie hinzu: „Ich dachte immer du hättest keine Schwierigkeiten damit, älter zu werden.“
„Hatte ich auch nicht.“ Chase schien in Erinnerungen zu schwelgen, denn sein Blick war leicht abwesend geworden. „Ich habe mir immer gesagt: Chase, du wirst in Würde altern. Du weißt nicht wo und du weißt nicht wie, aber du wirst es mit Würde tun.“ Er seufzte tief. „Und jetzt wünschte ich mir nichts mehr, als noch einmal jung zu werden.“ Sein Blick glitt hinunter zu Liz, die sich inzwischen beruhigt hatte, und ihn aus ihren blauen Augen aufmerksam beobachtete. „Seit ich Elijah und Elizabeth habe, wünschte ich jung zu sein, weißt du? Ich will mit ihnen spielen und sie aufwachsen sehen. Und ich will sie zum Altar bringen, wenn sie heiraten.“
„Daran wird dich nichts hindern.“ Kaylee machte sich keine Sorgen darüber. Chase war schon immer ein gesunder, agiler Mann gewesen. Er würde noch viele Jahre an ihrer Seite weilen, und das gab ihr jeden Tag Kraft. „Du wirst sehen, nur an deinen ergrauten Haaren, wird man erkennen, dass du alt bist. Ansonsten bleibst du der gleiche Chase, der du jetzt bist.“
„Wenn du das sagst.“ Chase legte sich seine Tochter vorsichtig an die Schulter und strich ihr über den zierlichen Rücken. „Ich werde mir jede erdenkliche Mühe geben, denn euch zu verlassen, wäre das Schlimmste was ich jemals tun würde. Das weißt du.“
„Sicher.“ Kaylee warf ihm einen Luftkuss zu. „Aber lass uns nicht über so ein trauriges Thema reden, wenn wir doch jeden Grund haben zu feiern.“, schlug sie lächelnd vor.

Chase sah sie fragend an. „Aiden bringt mir morgen einen großen Teller mit Käsesandwichs mit?“
Lachend schüttelte Kaylee den Kopf, gab Elijah ein paar Feuchttücher und sah ihren Mann erwartungsvoll an. „Aiden war gar nicht zu Hause, als ich ihn besucht habe. Nur Candy.“
Chase nickte. „Und du hast dir ein positives Bild von unserer Schwiegertochter gemacht?“
„Sie scheint eine wirklich sehr liebe Person zu sein.“, erwiderte Kaylee schwärmerisch. „Total schüchtern, aber irgendwie auch aufgeschlossen neuen Menschen gegenüber. Sie scheint der Familie mit sehr viel Ehrfurcht entgegen zu kommen. Und ich denke sie wird eine fabelhafte Mutter. Und noch eine viel bessere Ehefrau für meinen Aiden.“
„Na, siehst du. Genau das habe ich doch gesagt.“, erklärte Chase ihr lachend. „Und du hast dir unnötige Gedanken darüber gemacht. Jetzt können wir ganz in Ruhe mein Älter werden feiern.“
„Und die Tatsache, dass wir sogar gleich zweifache Großeltern werden.“
Chase hielt inne, drehte sich zu seiner Frau um und sah sie erstaunt an. „Du meinst...“
„Candy bekommt Zwillinge.“, beendete sie seinen Satz stolz lächelnd. Die anfängliche Überraschung war vergangen, stattdessen freute sie sich nur noch. „Ist das nicht wundervoll?“
„Und wie.“ Chase selber war immer noch sehr erstaunt. „Aber packen die beiden das? Ich meine Zwillinge sind ja jetzt nicht unbedingt einfacher zu händeln als ein einzelnes Baby.“
„Aiden wird das schon schaffen.“ Kaylee richtete sich mit samt Elijah wieder auf und nickte noch einmal zur Bestätigung. „Ich hab in seinen Augen das Vaterglück gesehen, dadurch wird er wirklich alles schaffen, da bin ich mir zu hundert Prozent sicher.“
Chase folgte seiner Frau und seinem Sohn ins Wohnzimmer, nachdem er Elizabeth in ihr Bett zurück gelegt hatte, wo sie nun selig schlief. Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich auf dem Sofa nieder. „Wow. Zweifache Großeltern, dabei sind wir selber noch Eltern von zwei kleinen Kindern.“
„So schnell kann es gehen.“, erwiderte Kaylee Achselzuckend und setzte Elijah in seinen Hochstuhl.

Liebevoll schob sie das Tischlein nach hinten, damit der Kleine nicht heraus fiel. „Aber ich denke wir werden eine ganz wundervolle kleine Familie abgeben, oder etwa nicht? Candy, Aiden, die Zwillinge, Elijah, Liz, du und ich. Viel größer als erwartet.“
„Mh.“, machte Chase schwärmerisch, die Augen geschlossen. „Ich stell es mir gerade vor. Die Geburtstage werden sich häufen, und die Feiern immer größer. Bald sind wir so groß wie die Bunch-McIrish.“ Er lachte über seinen kleinen Scherz.
„Woher kennst du die denn?“ Kaylee horchte auf. Sie hatte Chase mit Absicht nichts von Paulines Vergangenheit erzählt. Dass ging ihn nichts an.
Doch Chase schien besten über sie informiert zu sein. „Gegenfrage: Wer kennt sie nicht? Scheint ein ziemlich eingesessener Klan zu sein. Und alle reden mit großer Ehrfurcht von ihnen. Aber das verstehe ich eigentlich gar nicht. Ethan ist ein ganz netter, freundlicher Kerl. Etwas pingelig, aber ansonsten wirklich gut drauf. Und er hat eine liebevolle Frau und Kinder.“
„Und er ist ein Snob.“, fügte Kaylee mit erhobener Braue hinzu. Durch Pauline hatte sie ein schlechtes Bild von dieser Familie. „Diese ganzen Familien sind Snobs.“
„Du kennst sie nicht.“, ermahnte Chase sie sanft aber bestimmt, während er ihr zu sah, wie sie Elijah fütterte. „Sie haben einen schlechten Ruf, ja. Aber vielleicht muss man sie kennenlernen.“
„Vielleicht.“, erwiderte Kaylee vage. Für heute würde sie es darauf beruhen lassen.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 27, 2013 5:00 pm

„Guten Morgen, Geburtstagskind.“ Kaylee schloss ihre Arme sanft um den Körper ihres Mann und vergrub ihr Gesicht für einen Moment in seinem Schlafanzug.
„Morgen.“, Chase lächelte kurz über die Schulter, dann konzentrierte er sich wieder auf seine Tochter. „Ich wollte dich schlafen lassen. Du bist heute Nacht ständig aufgestanden.“
„Liz hat es nicht für nötig gehalten zu schlafen.“, erwiderte Kaylee müde und gähnte. Leicht erschöpft fuhr sie sich durch das unordentliche schwarze Haar. „Aber das ist lieb von dir, Chase. Wahrscheinlich hätte ich noch ein paar Stunden länger geschlafen, wenn das Telefon mich nicht geweckt hätte.“
„Wer ruft den Morgens bei uns an?“, harkte Chase verwundert nach. Liebevoll zog er eine Grimasse nach der anderen für seine Tochter, die ihn mit einem Strahlen belohnte.
Kaylee seufzte leicht betrübt. „Es war Aiden.“; erklärte sie bedauernd. „Er hat mir gesagt, dass Candy und er heute nicht vorbei kommen können. Ihr geht es nicht gut.“
Chase hob besorgt die Augenbrauen. „Hoffentlich nichts ernstes?“, fragte er leise.
„Nein.“, Kaylee schüttelte den Kopf. „Er hat gemeint, dass sie sich nur nicht sonderlich fühlte. Ihr Rücken tut weh und sie hat leichte Übelkeit. Er möchte sie auf keinen Fall über strapazieren.“

„Dass kann ich verstehen.“ Chase nickte. „Außerdem stört es mich auch nicht sonderlich. Ich hab heute keine besondere Lust auf eine große Party mit vielen Leuten, die ich doch kaum kenne.“
„Werden wir etwas melancholisch?“, harkte Kaylee belustigt nach und löste sich von ihrem ergrauten Ehemann. Seufzend lehnte sie sich gegen das kalte Fenster. „Chase, hör mir zu. Ja, du wirst heute älter und ja du hast jetzt graue Haare, Liebling, aber trotzdem bist du der gleiche. Und vielleicht sind hier nicht die Leute, die du dir wünscht, weil sie nicht mehr leben oder aber weil sie woanders leben. Aber wir sind hier. Liz und Elijah, Aiden und Candy. Und vor allem ich. Wir alle lieben dich, also wieso machst du dir Sorgen?“
„Ich mache mir keine Sorgen.“, erwiderte er leise. Aber seine Miene verriet etwas anders. „Ich finde nur, dass dieser Tag mir zeigt, was ich alles nicht erreicht habe, Kaylee.“
„Du bist kein weltberühmter Journalist geworden, und ich bin kein weltberühmter Jockey geworden. Aber wir führen ein Kleinunternehmen.“ Sie lachte leise. „Mit drei wundervollen Kindern, einer Schwiegertochter und bald zwei Enkelkindern. Ist das kein Grund zu feiern?“
„Doch natürlich...“

„Also warum feiern wir dann nicht?“ Kaylee kam ein paar Schritte auf ihn zu. „Feiern wir dein Leben, deine Lieben und dein weiteres Lebensglück.“, schlug sie aufmunternd vor. Liebevoll nahm sie ihm die kleine Liz ab und legte sie zurück in ihr Bett, bevor sie ihre Arme sanft um seinen Nacken schlang. „Ich liebe dich, Chase. Und ich wünsche dir nur das Beste zu deinem heutigen Geburtstag, also tu mir den Gefallen, auch wenn wir keinen großen Geburtstag feiern, und habe gute Laune. Für Elijah, denn der Kleine freut sich riesig auf den Kuchen.“
„Natürlich.“ Chase küsste seine Frau leidenschaftlich auf den hübschen Mund. „Für euch würde ich ich mich sogar in ein Tigerkostüm steigen und einmal durch die Stadt laufen, Schatz.“
„Siehst du.“ Glücklich sah sie ihm in die Augen. „Und dass musst du nicht einmal.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 27, 2013 5:11 pm

„Wow.“, erledigt ließ Kaylee sich an diesem Abend auf einem Stuhl plumpsen. Ihre Beine schmerzten, und ihre Arme fühlten sich an die Blei. Ganz zu schweigen von ihrem Kopf, der beinahe zu explodieren schien.
„Du sagst es.“ Gleich neben ihr ließ Chase sich nieder, das Gesicht leicht schmerzverzerrt. „Ich liebe unsere Kinder, Lee, wirklich. Aber ich habe nicht geahnt, dass es so anstrengend sein kann mit ihnen auf ein kleines Fest zu gehen.“
Weil Aiden und Candy abgesagt hatten, hatte sich die kleine Familie entschieden das Herbstfest zu besuchen. Nicht nur, dass heute Chase Geburtstag war, gleichzeitig war auch noch Mußetag, was sämtliche Menschen veranlasste das Fest in dem großen Park zu besuchen.
Doch es war ein einziges Desaster geworden. Elijah hatte auf seinen kurzen wackeligen Beinen alles erkundet, und verschwand dafür mindestens dreimal für eine geschlagene halbe Stunde unter dem Tisch für den Kuchenesswettbewerb. Bis eine völlig aufgelöste Kaylee ihn schließlich wieder in ihre Arme schlang und jedes Mal so erleichtert war, dass sie nicht einmal schimpfte.
Elizabeth hingegen lag in ihrer Karre und schrie sich den kleinen Kopf rot. Weder Kaylee noch Chase schafften es ihren kleinen Liebling zu beruhigen, und standen einfach nur hilflos daneben.
Als Elijah schließlich die Eismaschine umriss und voller kalten Eis war, beschlossen die beiden Eltern, dass es Zeit war nach Hause zu gehen.
„Ich liebe sie auch.“, stimmte Kaylee ihm zu, das Gesicht in den Händen vergraben. „Aber ich werde nie wieder auf dieses Fest gehen, so lange die beiden nicht erwachsen sind, dass schwöre ich.“

Lachend rieb Chase ihr den Rücken, bevor er sich erhob und zum Kühlschrank schlenderte. „Ich finde wir beide gönnen uns ein richtig großes Stück von dem Kürbiskuchen, den ich vorhin gekauft habe. Er duftet wirklich lecker, und ist genau das richtige für einen ausklingenden Abend.“
„Und ein Glas Rotwein.“, bettelte Kaylee dumpf durch die beiden Handflächen.
„Auch das bekommst du.“, erwiderte Chase grinsend. Leichthändig stellte er die zwei Teller auf den Tisch und reichte seiner Frau ein Glas. Als er ihren fragenden Gesichtsausdruck bemerkte, schüttelte er den Kopf. „Ich trinke keinen Wein.“
„Wein ist gesund.“, erwiderte Kaylee überzeugt. Vorsichtig hob sie das Glas. „Ich habe gelesen ein Glas am Abend ist wirklich gut für den Kreislauf oder so etwas.“
„Eben. Oder so etwas.“ Chase zwinkerte ihr zu, bevor er sich ein großes Stück Kuchen in den Mund steckte. „Ich bleib da lieber bei meinem schönen Kürbiskuchen.“
Kaylee lachte. „Wie du willst. Aber ich brauche das heute Abend.“ Entspannt lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück. „Nicht mehr lange und Liz ist auch ein Jahr alt. Was machen wir dann nur?“
„Sie wird sich verändern.“; erklärte Chase ihr aufmunternd. „Sie macht nur momentan eine schwierige Phase durch. Da bin ich mir ganz sicher.“
„Väterliche Intuition?“, zog Kaylee ihn grinsend auf. Als ihr Handy vibrierte schluckte sie eilig und erhob sich von ihrem Platz. Sie schlenderte zum Fenster. „Kaylee McFort?“
„Mum?“ Aidens Stimme klang gehetzt und durcheinander. Sofort machte Kaylee sich Sorgen.

„Mum, ich...ich bin gerade Vater geworden. Es sind zwei bildhübsche Mädchen. Ich...ich bin Vater.“
„Oh Gott, Aiden. Das ist wundervoll.“ Glücklich wandte Kaylee sich zu Chase um und gab ihm ein Zeichen, dass er sofort verstand. Sie lächelte. „Wie, wie geht es ihnen? Wie geht es Candy? Und wie heißen die beiden, habt ihr euch dass schon überlegt?“
Am anderen Ende wurde etwas hektischer geatmet. Kaylee konnte spüren, wie nervös ihr Sohn war. „Es geht ihnen allen gut, Mum. Die Babys sind kerngesund und Candy geht es auch gut. Sie ist schrecklich erschöpft und schläft, aber die Ärzte sagen, dass es ganz normal ist.“
„Wunderbar.“, antwortete Kaylee stolz auf Aiden und Candy zu gleich. „Und die Namen?“
„Wir haben es aufgeteilt. Die Erstgeborene hat sie benannt, ihr Name ist Kimberly. Aber wir haben sie von der ersten Minute an Kim genannt. Ich finde es klingt zuckersüß, genau so wie sie eben ist, unsere kleine Kimi.“ Er holte tief Luft. „Und keine zwei Minuten später kam auch schon die Zweite. Ich habe sie Letitia genannt. Ich weiß nicht. Der Name fiel mir sofort ein, als ich ihr runzliges Gesicht gesehen habe. Mum, so etwas habe ich noch nie erlebt.“
Natürlich nicht, dachte Kaylee lächelnd bei sich. Aber das war eine Erfahrung, die er niemals in seinem Leben vergessen würde. „Ich freue mich so sehr, Aiden.“
„Ich auch, Mum.“ Im Hintergrund sprach ihn jemand an. „Mum. Ich muss Schluss machen, Candy ist aufgewacht.“, erklärte er ihr rasch. „Wir sehen uns.“

„Ja, und...“ Für mehr war keine Zeit mehr. Aiden hatte schon aufgelegt. Glücklich drehte sie sich zu Chase um, der inzwischen aufgestanden war. „Wir sind zweifache Großeltern, Chase.“
Chase fing seine Frau auf und wirbelte sie einmal vor Freude in der Luft herum. „Wie heißen sie?“
„Letitia und Kimberly, kurz Kim.“, erklärte Kaylee mit fachmännischen Stolz. Hektisch sah sie zum Fenster. „Ich würde die beiden so gerne sehen. Und Candy natürlich auch. Ich kann es kaum erwarten.“
„Lass den Vieren ihre ersten Stunden.“, bat Chase sie sanft, legte die Hände auf ihre Schultern und massierte sie sanft. „Außerdem bist du völlig erledigt und solltest unbedingt schlafen.“
„Ich weiß.“ Kaylee seufzte, immer noch hin und her gerissen. „Du hast Recht. Ich gehe jetzt ins Bett, aber morgen fahre ich sofort ins Krankenhaus und besuche die vier, okay?“
„Natürlich.“ Chase lachte. „Aber bevor du schlafen gehst, sollten wir diesen Kuchen essen.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am So Jan 27, 2013 5:21 pm

Chase...
In dieser Nacht war ich es, der kein Auge zu machen konnte. Obwohl Kaylee neben mir schon lange schlief, glücklich und beruhigt, schaffte ich es nicht meinen Atem ihren an zu passen.
Ich war innerlich unruhig, aber warum, dass wusste ich nicht genau.
Vielleicht war es das Älter werden, was mich innerlich noch etwas beschäftigte. Ich hatte graue Haare bekommen, war irgendwie Großvater geworden, und hatte trotzdem noch zwei Kinder. Ich fürchtete mich sie irgendwann alleine lassen zu müssen.
Vielleicht würden sie es verkraften, aber Kaylee nicht, da war ich mir sicher. Für Kaylee musste ich so lange auf dieser Erde weilen, bis auch sie fähig war zu gehen.
In dem dunklen Schlafzimmer drehte ich mich zur Seite, so dass ich meiner wunderhübschen Frau eine Weile in das entspannte Gesicht sehen konnte und wie so oft fragte ich mich, womit ich das verdient hatte? Diese wunderbare große Familie. Diese herrliche Frau und die liebenswürdigen Kinder. Aber war dass schon das Ende?
Ich erhob mich von meinem Bett und schlich aus dem Schlafzimmer. Ich konnte nicht schlafen, deswegen entschloss ich mich einen kleinen Spaziergang zum Pferdestall zu machen.
Die Füße zu vertreten würde mir sicher gut tun, beim nachdenken.
Doch kurz vor unserem Stall, blendeten mich auf einmal ein paar bunte Lichter. Meine Augen blieben an ihnen hängen, es war vergleichbar mit Hypnose. Blinzelnd sah ich nach oben, kniff die Augen zusammen als mich ein weißes Licht blendete und dachte bei mir: Das ist das Ende.
Ich war tot, mit Sicherheit. Aber warum? Hatte ich einen Herzinfarkt? Etwas falsches gegessen?
„Du bist nicht tot.“ Eine merkwürdig nasale Stimme drang an mein Ohr.

War das Gott?, fragte ich mich, die Augen immer noch geschlossen. Gott, der sprach?
„Ich bin nicht Gott. Wer ist dieser Gott überhaupt?“ Die nasale Stimme lachte. „Wenn du deine Augen öffnen würdest, könntest du dich selber davon überzeugen, mein Lieber.“
Ich tat was mir gesagt wurde. Ich öffnete die Augen und hob den Kopf, damit ich mich besser umsehen konnte. Neben mir, in einem Sessel saß ein...Alien. Zumindest sah dieses Etwas so aus. Große schwarze Augen, grüne Haut und einen Raumanzug an. Er grinste.
„Mein Name ist...Ted.“ Er nickte sich selber zu, als hätte er das gerade jetzt beschlossen. „Du bist auf meinen Raumschiff und nicht tot, dass kann ich dir sagen.“ Er rieb sich die Stirn. „Obwohl es mich wirklich interessieren würde wie ihr Menschen ein weißes Licht mit dem Tod verbindet.“
Ich blinzelte ein paar mal. „Dass...dass ist eine Vorstellung der Menschen...“ Verstummend schüttelte ich den Kopf. „Was mache ich hier? Wo ist Kaylee, die Kinder?“
„Sie schlafen.“, erwiderte Ted und erhob sich. Mit seinen langen grünen Fingern nahm er eine Tasse von einem Regal und stellte sie auf einen kleinen Tisch. „Mach dir keine Sorgen, Chase. Oder Karan. Wie auch immer du genannt werden willst. Ihnen geht es gut und dir geht es gut. So weit, zumindest.“
„Was meinst du damit?“ Ich war ängstlich und besorgt zu gleich. Wenn Kaylee erwachte und bemerkte, dass ich nicht da war, dann würde sie sich Sorgen machen.
„Ich bringe dich zurück, bevor die anderen aufwachen.“, erklärte Ted mir mit einem Augenrolle. Inzwischen hatte er mir so etwas wie einen Tee zubereitet. „Lass mich erklären und um so schneller bist du dann auch wieder zu Hause.“ Räuspernd reichte er mir seine Tasse und ließ sich dann wieder in seinem Sessel nieder. „Ich habe dich eine Weile aus deiner Welt geholt, um mit dir darüber zu reden, was dich so sehr beschäftigt. Ich will dir auf die Sprünge helfen, sagen wir es so.“

Ich begriff nicht was er meinte, aber ich schwieg, um ihn fortfahren zu lassen.
„Du hast Zukunftsängste, und eine leichte Form der Midlifecrisis, denke ich. Aber ich bin wahrlich kein Psychologe.“, er lachte leise. „Ist es nicht dass worüber du nachdenkst?“
„Doch.“ Urplötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich dachte fiel an meine Vergangenheit, an meine rosige Zukunft als Journalist. „Ich bin glücklich.“, sagte ich eilig.
„Natürlich.“ Wieder lachte Ted. „Natürlich bist du glücklich, mein Junge. Du hast eine wunderhübsche Frau, du hast drei wundervolle Kinder, eine liebreizende Schwiegertochter und zwei zuckersüße Enkelkinder.“ Er seufzte zufrieden. „Ja, dann wäre ich auch glücklich. Aber du bist nicht erfüllt.“
„Ich bin nicht erfüllt?“, echote ich überrascht. „Bin ich nicht erfüllt, wenn ich glücklich bin?“
„Nein.“ Ted schüttelte seinen grünen Kopf. „Dass ist nicht das selbe, mein Lieber. Dir fehlt etwas. Eine Berufung. Du bist kein Polizist, auch wenn du versuchst dich damit zu arrangieren.“
„Ich muss das Geld verdienen.“, erklärte ich ihm, leicht erbost. „Ich habe eine große Familie zu ernähren, also habe ich den Job angenommen, der mir Geld bringt.“
„Das wird dich krank machen.“ Ted faltete seine Hände. „Du wirst unzufrieden sein, Chase. Und Unzufriedenheit wirkt sich auf deine Ehe und deine Mitmenschen aus. Willst du dass?“
„Nein.“, erschrocken schüttelte ich den Kopf.
Ted nickte. „Hab ich mir gedacht.“ Er beugte sich zu mir nach Vorne, als wollte er mir ein Geheimnis sagen. „Dann tu endlich etwas dagegen. Kündige deinen Job. Sei frei wie ein Vogel.“

„Und wie ernähre ich meine Familie? Woher bekomme ich Essen und Kleidung? Wie bezahle ich die Rechnungen? Wenn dass alles einfach wäre, dann wäre ich glücklich.“
„Tu das, was du immer tun wolltest, als du ein Kind warst. Erinnerst du doch noch?“
„Ich wollte ins Weltaal.“ Ich lachte laut, denn es war albern. „Raumschiffe, so etwas.“
„Gut, du wirst nicht mehr zu den Sternen kommen, aber du kannst dich damit beschäftigen oder nicht? Sein fit, im Kopf und im Körper. Ich sage dir, dass wird dir helfen.“ Ted nickte wieder. Wie ein kleiner Wackeldackel sah er aus, aber das behielt ich für mich.
„Und damit verdiene ich Geld?“ Ich schüttelte den Kopf. „Nein, so leicht ist es nicht.“
„Es ist deine Entscheidung. Aber wenn du in dich hinein horchst, wirst du sehen, was dich glücklich macht.“ Er warf einen Blick auf ein Quadrat an der Wand, dass an eine Uhr erinnerte. „Ich muss dich zurück bringen, Chase. Es wird bald hell und deine Frau wird sich Sorgen.“
Ich hatte noch viele Fragen, aber ich nickte bloß. Eilig schloss ich dich Augen und wünschte wieder zu Hause zu sein. Keine zwei Minuten später spürte ich meine Füße auf dem Boden.
„Mach's gut, Chase.“ Ted reichte mir die Hand und lächelte. „Triff eine weise Entscheidung, ja?“
„Natürlich.“; murmelte ich verwirrt und realisierte, wie mein neuer Bekannter sich in Luft auf löste.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Fr Feb 01, 2013 12:12 pm

Kaylee schloss das Gatter der roten Box wieder und stellte die Mistgabel erschöpft in die Ecke. Es war anstrengend die Pferdeboxen zu säubern, aber es gab ihr etwas Zeit über Dinge nachzudenken, die sie beschäftigten, ohne das eins der Kinder nach ihr verlangte.
Darunter waren natürlich ihre Enkelinnen, die sie am heutigen Morgen besucht hatte. Und ihre eigenen Kinder, hinter den sie kaum noch herkam.
Aber am aller meisten, dachte sie an diesem Morgen über ihren Mann nach. Chase war schrecklich nachdenklich gewesen. Sie hatte das Gefühl, als wenn ihn etwas beschäftigte, dass er nicht mit ihr teilen wollte, oder konnte. Und das bedrückte sie sehr.
Es klopfte sachte an der Scheunentür, bevor sie schwerfällig aufgeschoben wurde. „Lee?“ Pauline steckte ich ihren schwarzen Schopf herein und sah sich suchend nach ihrer Freundin um. Als sie sie entdeckte, lächelte sie erfreut. „Hatte Chase doch Recht, dass du hier bist. Stör ich?“
„Ach nein.“ Eilig schüttelte Kaylee den Kopf. Ihr Blick glitt hinüber zur blauen Box, die sie eigentlich noch hatte saubermachen wollen. „Eigentlich erlöst du mich sogar irgendwie.“, grinste sie.
Erstaunt folgte Pauline ihrem Blick. Ein Hauch von Sehnsucht lag darin. „Ich beneide dich, habe ich dir dass eigentlich schon mal gesagt?“ Als sie Kaylees überraschten Blick bemerkte, lachte sie. „Ich bin früher viel geritten, als ich noch jung war. Ich hatte sogar eine Reitbeteiligung, aber dann bin ich nach Sunset Valley gezogen und das wars mit dem reiten. Dabei liebe ich Pferde.“
„Warum hast du denn nichts gesagt?“, fragte Kaylee bestürzt. „Du kannst doch jederzeit bei uns reiten, wirklich. Lady ist zwar alt, aber unglaublich einfühlsam. Also, wenn du möchtest...“
„Dann melde ich mich bei dir.“, vollendete Pauline ihren Satz lachend. Dankbar umarmte sie ihre Freundin. „Wow, ich hab das Gefühl als würde ich jetzt alles zum Guten wenden.“
„Alles?“, harkte Kaylee nach. Heute sprach die Schwarzhaarige wirklich in Rätseln, und danach stand Kaylee der Kopf überhaupt nicht. Noch immer dachte sie über Chase Verhalten nach.

„Ach.“, flötete Pauline, während sie mit dem Kopf hin und her wackelte. „Ich habe da wohl jemanden kennengelernt. Ganz so wie du es mir prophezeit hast.“
Kaylee riss erfreut die Augen auf. „Na, siehst du! Ich habe es dir doch immer gesagt, oder nicht? Du bist noch nicht alt genug, um als alte Frau zu sterben, meine Liebe. Wie heißt er?“
„Sein Name ist Jared Frio.“, erklärte Pauline glücklich. „Er ist wirklich ein ganz wundervoller Mann. Groß und stattlich, witzig und auch gebildet. Und das Beste: Er versteht sich so gut mit Julia.“
„Dass ist das Wichtigste.“, stimmte Kaylee zu. Kurz dachte sie an die schwierige Anfangszeit, die sie mit Chase und Aiden durchgemacht hatte. Das wünschte sie niemanden. „Und er lebt hier?“
„Ja. Er ist Koch in dem Restaurant am Berg.“ Pauline nickte zustimmend. „Er ist hier in Sunset Valley geboren und kennt wirklich jeden. Also mit den Bunch hat er nicht viel zu tun, er hält aber auch nicht viel von ihnen.“ Einen Moment verstummte sie. „Er ist wütend auf Arlo, weil er Julia so im Stich gelassen hat. Er sagt er würde seine Kinder niemals alleine lassen.“
„Hat er denn welche?“, fragte Kaylee überrascht.
Doch Pauline schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Er hat keine Familie, die er verlassen hat, Lee.“
„Das klingt alles wundervoll.“ pflichtete Kaylee ihr zu. „Wie wäre es wenn wir reingehen und uns ein paar Sandwichs machen? Ich finde es wird doch etwas kühl.“
Pauline harkte sich bei ihr ein. „Dann hast du den Winter noch nicht erlebt.“, lachte sie schallend, während die beiden rüber zum Haupthaus gingen. „Es wird Schnee fallen, richtig dick. Und ohne Winterjacke bist du wirklich verloren. Gab es so etwas bei euch nicht?“
„Nein.“ Kaylee schüttelte den Kopf. „In unserer Heimat war es immer gleich warm.“, erklärte sie leicht abwesend, als sie an Appaloosa Plains dachte. Ihre Heimat...

Drinnen angekommen, kam ihnen Chase entgegen. Er wirkte noch immer etwas zerstreut. „Ich muss eben in die Stadt, ich bin in einer guten Stunde zurück, ja?“
„O-okay.“, erwiderte Kaylee überrascht und sah ihm einen kurzen Moment hinter her. Wieso fuhr er jetzt in die Stadt? Sie waren doch gerade erst einkaufen gewesen.
„Alles okay?“, fragte Pauline besorgt, als sie das nachdenkliche Gesicht ihrer Gastgeberin sah.
Doch Kaylee nickte eilig, und setzte ein Lächeln auf. Eilig ging sie zum Kühlschrank und nahm die Zutaten für Geleesandwichs heraus. „Momentan ist es nur ein wenig stressig hier zu Hause.“ Sie seufzte leise. „Ich versuchte Aiden und Candy bei den Zwillingen zu helfen, wo ich kann. Das nimmt mir wirklich viel Zeit weg.“
„Herzlichen Glückwunsch nochmal dafür.“, warf Pauline eilig ein. Sie lächelte. „Sie sind sicher süß.“
„Mehr als dass.“, Kaylee warf ihrem Gast einen stolzen Blick zu. „Sie sind wirklich allerliebst. Kimberly kommt ganz nach ihrer Mutter, aber Letitia, die hat viel von ihrem Vater.“ Mit seligem Blick strich sie das Gelee auf die Sandwichs. „Aber wenn ich mich jetzt nur um die Zwillinge kümmern müsste, dann wäre es leicht, aber gleichzeitig habe ich selber noch zwei Kinder. Elijah und Liz nehmen auch sehr viel Zeit ein. Und dass ich mich dann noch um die beiden Pferde kümmern muss, bringt sehr nah an meine Grenzen. Und das Geld ist auch knapp.“
Pauline sah sie mitleidig an. „Das tut mir wirklich Leid, Lee. Wenn ich dir irgendwie helfen kann, musst du nur Bescheid sagen. Ich nehme die beiden Rabauken gerne zu mir.“

Dankbar lächelte Kaylee, und füllte jedem eins der Sandwichs auf den Teller. „Dass ist lieb und ich werde mit Sicherheit darauf zurückkommen. Komm, wir essen.“ Die beiden ließen sich am Tisch nieder. „Das ändert leider nichts an unseren Geldproblemen. Chase verdient nicht viel, und ich kann nicht arbeiten gehen. Aber wie sollen wir dann Geld verdienen.“
„Ich erinnere dich noch einmal an diese kleinen Wettrennen, Stadt intern.“ Pauline schluckte einen großen Bissen herunter. „Es würde dir sicher Spaß machen und ich finde Lady sieht total fit aus.“
„Mh.“, machte Kaylee abwesend. Natürlich hätte sie Lust, aber sie konnte nicht riskieren erkannt zu werden. Was, wenn dort ein Fotograf war und jemand erkannte sie? Dann mussten sie wieder umziehen und das wollte und konnte sie ihren Kindern, insbesondere Aiden nicht antun.
„Ach, Lee. Mach dir doch bitte keine Gedanken. In Sunset Valley wird es immer etwas geben, dass dir helfen kann, vertrau mir. Hier gibt es zur Not immer einen halbtags Job, den du annehmen könntest. Oder du könntest Hilfe beantragen. Ich bin sicher, da lässt sich etwas machen.“
Kaylee hatte die Hoffnung noch nicht verloren, aber Angst machte sich schon in ihrem Bauch breit. Die Miete für das kleine Haus war nicht gerade billig, und eigentlich mussten sie es vergrößern, denn Liz und Elijah konnten nicht ihr Leben lang ein Zimmer teilen. Aber woher sollten sie das Geld nehmen? Die einige Möglichkeit war es, sich von Wikinger, Ladys Fohlen zu trennen, wenn es Erwachsen war. Es würde mit Sicherheit eine Stange Geld einbringen.
„Wie geht es denn deinen Kindern?“, versuchte Pauline das Thema zu wechseln, als sie die Bedrückung ihrer guten Freundin bemerkte.

„Den geht es gut.“ Kaylees Stimmung hob sich augenblicklich, wie immer wenn sie von ihrem Sinn des Lebens redete. „Elijah wird von Tag zu Tag sportbegeisterter. Manchmal geht Chase mit ihm raus und spielt eine abgeschwächte Form von Fußball mit ihm und Elijah hat so unglaublich viel Spaß dabei, dass ist wunderbar. Er ist so ein wundervolles Kind.“ Sie seufzte schwärmerisch. „Und Liz erst. Obwohl wir erst ihren ersten Geburtstag gefeiert haben, redet sie mehr als Aiden in dieser Zeit. Ständig plappert sie irgendwelche Wörter nach und freut sich dann riesig, wenn wir sie loben. Nur beim Laufen hapert es ein wenig, sie ist etwas tollpatschig.“
„Das klingt doch super, Liebes.“ Pauline lächelte zustimmend. „Du hast eine intakte Familie, was willst du denn eigentlich mehr, hm?“
„Chase hat sich auch verändert.“ Es musste aus Kaylee raus, auch wenn sie es am liebsten irgendwo für sich behalten hätte. „Seit ein paar Tagen ist er merkwürdig still, sitzt viel da und grübelt. Dann fährt er ständig in die Stadt und kommt nach zwei Stunden wieder.“ Sie seufzte leise. „Seit er Geburtstag hatte, ist er anders geworden. Ich mache mir Sorgen.“
„Vielleicht eine Midlifecrisis?“, harkte Pauline grinsend nach. „Manche Männer haben so etwas.“
„Nein, dass ist es nicht.“ Mal wieder fiel Kaylee auf wie anders es mit Pauline war, als damals mit Gracie. Sie hatte sie immer verstanden. „Nicht so wichtig.“, murmelte sie also schnell, damit Pauline nicht weiter nach harkte. Sie erhob sich von ihrem Platz und nahm die Teller.
Pauline hatte sich ebenfalls erhoben, nahm ihrer Freundin die Teller ab und stellte sie in den Geschirrspüler. „Nein, es ist schon sehr wichtig. Kinder stellen eine Ehe oft auf eine Probe, aber ihr seit füreinander bestimmt. Dass sehe ich daran, wie ihr euch anseht.“

Lachend nahm Kaylee die restlichen Sandwichs und stellte sie in den Kühlschrank. „Dass kann also in unseren Augen sehen?“, scherzte sie. Doch dann nickte sie leicht. „Du hast Recht. Chase und ich, wir sind Seelenverwandte. Und deswegen spüre ich auch, dass ihn etwas bedrückt. Ich weiß nur leider nicht was und wie ich ihm helfen könnte.“
„Vielleicht solltest ganz locker mit ihm darüber reden.“ Pauline schwieg einen Moment. „Ich möchte dir wirklich keine Angst machen, Liebes, aber bei Arlo hat es auch so angefangen.“
„Das ist etwas anderes.“, gab Kaylee ihr selbstsicher lächelnd zu denken. „Arlo hatte eine Familie, die ihn unter Druck gesetzt hat. Das hat Chase nicht. Chase hat nur uns.“
Pauline nickte langsam, aber die Zweifel waren nicht verschwunden. „Ich meine ja nur.“
„Du brauchst dir keine Gedanken.“ Kaylee beruhigte ihre Freundin mit wahrer Zuversicht. Sie wusste, dass Chase ihr niemals fremdgehen würde oder so etwas. Sie vertraute ihm maßlos. „Ich werde einfach mit ihm reden und dann wird sich schon heraus stellen...“
Weiter kam sie nicht. Die Haustür riss die beiden Frauen aus ihrer angeregten Unterhaltung.
Chase betrat das Haus, einen ausnahmsweise mal freudigen Gesichtsausdruck auf dem Gesicht.
Pauline warf Kaylee einen vielsagenden Blick zu, bevor sie ihr einen sanften Kuss auf die Wange drückte. „Ich mach mich mal auf den Weg. Julia ist bei Jared und ich will die neue Beziehung ja nicht überstrapazieren.“ Sie grinste, bevor sie an ihr vorbei rauschte. „Tschüss Chase.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Fr Feb 01, 2013 12:17 pm

„Tschüss Pauline.“, erstaunt sah Chase der Freundin seiner Frau einen Moment nach, bevor er sich zu Kaylee umdrehte. „Sie hätte noch nicht gehen müssen.“
„Doch, sie wollte Julia abholen.“ Kaylee war hin und her gerissen zwischen dem Vertrauen was sie Chase gegenüber empfand und die Worte, die Pauline ihr ins Ohr gesetzt hatte. Sie wusste nicht ob sie wütend oder besorgt sein sollte. Oder doch einfach gar nichts von beiden?
„Ist alles okay?“, fragte Chase besorgt nach, als er ihren nachdenklichen Gesichtsausdruck zu bemerken schien.
Einen Moment schwieg sie, dann schüttelte sie den Kopf, resigniert. „Ich glaube dass sollte ich dich fragen.“; befand sie im selbstbewussten Ton, die Hände in die Hüften gestemmt.
„Mich?“, echote Chase, aber es klang als wüsste er was sie meinte, auch wenn sein entgeistertes Gesicht ihr etwas anderes vermitteln sollte. Als Kaylee ihre Haltung immer noch nicht aufgab, seufzte Chase aufgebend. „Na gut.“, murmelte er. Er hielt ihre die Hand hin. „Komm her, dann erkläre ich dir, was in den letzten Tagen mit mir los war.“
Weil Kaylee Chase vermisst hatte und seinen Zärtlichkeiten sowieso nicht widerstehen konnte, sträubte sie sich nicht und kam mit schnellen Schritten auf ihn zu. Ein warmes Gefühl breitete sich in aus, als er ihre zierlichen Hände in seinen hielt.
„Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich in meinem Leben nicht geworden bin. Und das ist bei weiten viel mehr, als ich geworden bin.“ Er lachte leicht verbittert. „Du und die Kinder ihr macht mich zum glücklichsten Menschen der ganzen Welt.“
Kaylees Herz flog ihm in diesem Moment praktisch entgegen und ein glückliches Lächeln bildete sich auf ihren hübschen Lippen.

„Aber dass...erfüllt mich nicht zu hundert Prozent.“ Kaylees Herz fiel zu Boden, hart und versteinert. Doch bevor sie etwas sagen konnte, fuhr er fort. „Ich hatte mehrere Träume, als ich jung war. Ich wollte Astronaut werden, dann wollte ich unbedingt Journalist werden. Und beides habe ich nicht im entferntesten erreicht. Ich bin...nichts.“
„Du bist mein Mann und der Vater von zwei wundervollen Kindern.“, widersprach Kaylee ihm, schockiert über seine Aussage. Wie konnte er behaupten Nichts zu sein, wenn er doch so viel war. Er war ihr Chase und daran zweifelte er.
„Natürlich.“ Chase nickte langsam. „Und wie gesagt, dass macht mich glücklich, Kaylee. Aber es erfüllt mich nicht. Ich...ich muss etwas daneben haben. Einen Ausgleich.“
Das verstand Kaylee. Jeder Mensch brauchte einen Ausgleich. Sie hatte die Pferde und das erfüllte sie vollkommen. Aber er hatte einen neuen Beruf. „Die Polizei.“, erwiderte sie also irgendwie erleichtert. „Du willst mir damit sagen, dass du dich etwas mehr auf einen Beruf konzentrieren willst. Und das ist völlig in Ordnung, Chase. Ich kümmere mich um die Kinder.“
„Nicht direkt.“ Chase sah auf ihre verschränkten Hände und seufzte leise. „Die Polizei hat mich nicht glücklich gemacht. Es war ein Job wo man schnell Geld verdienen konnte, deswegen habe ich diese Chance genutzt. Ich meine erst kam Elijah und dann kam Liz, und die Zwillinge...“ Er stockte einen kurzen Moment. „Aber ich war nicht erfüllt. Ich war nicht einmal zufrieden gestellt.“
Angst brodelte in Kaylee hoch. Es machte ihr Sorgen wie niedergeschlagen ihr ergrauter Ehemann klang. Vorsichtig spähte sie in seine blauen Augen, die gedankenverloren vor sich hinstarrten.

„Ich habe gekündigt.“; sagte er plötzlich, laut und deutlich, als wollte er es sicher selber bewusst machen. „Ich habe meinen Job bei der Polizei gekündigt, Kaylee. Mein erster Schritt.“
Erschrocken ließ Kaylee seine Hände los. Sie starrte ihn an, fassungslos. „Du hast was?“, fragte sie. „Du hast was getan, Chase McFort?“
„Meinen Job gekündigt. Und das war das einzig Richtige, was ich tun konnte. Dieser Job hat mich unglücklich gemacht und das hätte sich auf unsere ganze Familie ausgewirkt.“; wiederholte er die Worte von Ted. Er nickte sich selber zustimmend zu. „Ich bin frei und kann endlich einmal das tun, was mich glücklich macht. Meinen mentalen Verstanden stärken und fit bleiben.“
„Chase.“ Kaylee schluckte ihre Wut mühsam herunter. „Wir können es uns nicht leisten, dass du arbeitslos bist. Ist dir das klar? Wovon soll ich das Essen bezahlen? Die Miete? Das Futter für die beiden Pferde? Die Kindergarten gebühren von Elijah? Wie stellst du dir das vor?“
Chase Gesichtsausdruck veränderte sich noch immer nicht. Er sah mehr als zuversichtlich aus, und obwohl es dass war, was Kaylee so an ihm liebte, hätte sie ihm jetzt am liebsten den Kopf abgerissen. „Mach dir keine Sorgen um das Geld, Lee. Erst einmal ist Geld nicht alles.“

„Oh mein Gott.“, stöhnte diese verzweifelt. Sollte Pauline recht gehabt haben? War ihr Mann in eine Midlifecrisis gefallen? „Geld ist nicht alles?“, wiederholte sie seine Worte wütend. „Aber Geld ist notwendig, damit wir etwas zu Essen haben. Damit wir uns Kleidung kaufen können und in diesem Haus hier wohnen können.“ Sie fuchtelte wild mit ihren Händen herum. „Hast du auf unser Konto geguckt? Hast du gesehen wie wenig dort drauf ist? Damit kommen wir nicht weit.“
Chase nickte zustimmend. „Aber auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht.“, erklärte er mit euphorischer Miene. „Ich war schon immer ein begnadeter Schachspieler...“
„Nein.“ Für einen Moment vergrub Kaylee ihr Gesicht in ihren Händen. „Bitte erzähl mir jetzt nicht, dass du unseren Unterhalt mit Schachspielen verdienen willst. Wie stellst du dir das vor?“
„Man kann eine Menge verdienen.“; erklärte er ihr im sachlichen Ton. „Hier werden unglaublich viele Turniere angeboten und wenn ich etwas übe...“
„Mir ist schlecht.“ Kaylee wandte sich von ihrem Mann ab, krallte sich die Autoschlüssel und eilte aus dem Haus hinaus.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Fr Feb 01, 2013 12:25 pm

Ihr Herz pochte, als sie mit dem blauen Wagen im rasanten Tempo über die befestigten Straßen von Sunset Valley raste. Es war spät und kaum noch Leute unterwegs, deswegen achtete Kaylee nicht sonderlich auf die Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Es war als hätte sich ihre gesamte Wut in ihren Fuß gelegt und ließ ihn zu Blei werden. Das Gaspedal war durchgedrückt, und die Knochen an den Fingern weiß vor Anstrengung.
Wie konnte Chase nur so verantwortungslos sein?
Ihr fiel keine Antwort auf diese Frage ein, außer, dass ihr Mann nun letztendlich verrückt geworden war. Er war vollkommen durchgedreht. Dass war die einzige passende Lösung.
Seinen Job kündigen, wie hatte er das tun können?
Tränen der Wut sammelten sich in ihren hübschen Augen und sie wischte sie energisch weg.
Was sollte aus den Kindern werden, wenn sie kein Geld mehr hatten? Was sollte aus ihnen beiden werden? Sie wusste, dass sie Chase nicht mehr lieben konnte, wenn er dafür verantwortlich war, wenn es ihren Kindern schlecht ginge. Elijah und Liz waren ihr Ein und Alles.
Wie von selber war Kaylee ans andere Ende der Stadt gelangt, wo Aiden sich mit Candy ein gemütliches zu Hause aufgebaut hatte. Der Wagen hielt langsam und Kaylee konnte einen Blick durchs Fenster werfen.
Sie erkannte Aiden, der eins der Babys auf den Arm hatte. Er rieb seine Nase an der seiner Tochter, so wie Kaylee es immer getan hatte, als Aiden noch sehr klein gewesen war.
Sehnsucht packte die dreifache Mutter und sie machte den Motor aus, um eine Weile sitzen zu bleiben und das Treiben zu beobachten. In diesem Moment wünschte sie sich niemals aus Appaloosa Plains weggegangen zu sein. Sie hätte Gracie gehabt und sie hätte Gavin gehabt. Jetzt fühlte sie sich alleine und im Stich gelassen. Von Chase.

Zu Pauline wollte sie nicht. Die beiden verband nicht dass was Gracie und sie verbunden hatte und es war wenig sinnvoll sich mit Pauline darüber zu unterhalten, befand Kaylee für sich.
Seufzend lehnte sie sich in ihrem Sitz zurück und sah auf die Straße, die schon mit leichtem Frosts bedeckt war. Ihr Herz fühlte sich nun genau so schwer an, wie ihr Fuß vor ein paar Minuten.
Plötzlich klopfte jemand gegen die Scheibe und als sie den Blick dorthin wandte, erkannte sie Aiden.
Er hatte die Hände an die Scheibe gelegt und warf ihr einen besorgten Blick zu.
Kaylee öffnete ihre Tür und stieg aus. „Aiden, was machst du denn hier draußen?“, fragte sie überrascht und zu gleich peinlich berührt, weil er sie erwischt hatte.
„Dass sollte ich wohl eher dich fragen.“, konterte er mit erhobener Augenbraue. In seinen hübschen Augen lag pure Besorgnis. „Ist alles okay, Mum?“
„Ich...“ Kaylee stotterte. Ihr wollte nicht recht einfallen was sie sagen wollte. Ihren Sohn mit ihren Problemen zu belasten würde ihr nicht im Traum einfallen. „Ich habe eine Spazierfahrt gemacht.“, erklärte sie mit zittriger Stimme. „Da bin ich hier vorbei gefahren und hab kurz angehalten.“
Aiden nickte, aber man konnte in seinem Gesicht lesen, dass er ihr nicht glaubte. „Kommst du mit rein?“, fragte er stattdessen freundlich. „Candy hat gerade Tee gekocht und die Zwillinge sind auch noch wach.“
Kaylee winkte eilig ab. „Nein, nein. Macht euch nur einen netten Abend, ich fahr einfach...“ Sie stockte kurz. Und Tränen sammelten sich erneut in ihren Augen. „Nach Hause.“
„So wirst du nicht fahren.“, befand Aiden eigensinnig, nahm sie am Arm und zog sie hinter sich her zum Haus. Als er die Tür aufgeschlossen hatte, rief er: „Candy? Wir haben Besuch.“

Ein erfreutes Lächeln erschien auf dem rundlichen Gesicht von Aidens Frau, wie immer wenn man sie ansah. „Kaylee, wie schön dass du uns besuchst. Magst du einen Tee?“
„Mh.“, machte Kaylee und versuchte ein echtes Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. Ihr Blick fiel auf die kleine Kimberly, die in einem Klappbett in der Nähe des Kamins lag und vor sich hin strampelte. Wie von selbst steuerte die dreifache Mutter dorthin und nahm sie aus ihrem Bett. „Na du kleiner Grashüpfer. Kannst du etwa nicht schlafen? Dabei ist es doch so spät.“ Sie drückte ihre Enkelin fest an ihre Brust und horchte auf das leise Atmen. Liz und Elijah fehlten ihr, aber sie war gerade nicht in der Lage wieder nach Hause zu gehen. Zu enttäuscht war sie noch.
„Also, was führt dich zu einer nächtlichen Spazierfahrt?“ Aiden beobachtete sie intensiv. Er hatte Letitia auf den Arm, leichthändig, als würde er es jeden Tag machen.
Kaylee wusste, dass sie ihrem Sohn nichts vormachen konnte, auch wenn sie es gewollt hätte. Aber sie unterdrückte den Seufzer in ihrer Kehle, und versuchte stattdessen sachlich zu klingen. „Chase hat seinen Job gekündigt.“
Sie konnte sehen wie Aiden und Candy einen entsetzten Blick wechselten und unwillkürlich fragte sie sich, warum sie jemals daran gezweifelt hatte, dass Candy die Richtige für Aiden war.
„Hat er gesagt warum?“ Aiden nahm eine der Babyflaschen von der Anrichte und begann seine Tochter liebevoll zu füttern.
Kaylee nickte kurz. Ein Schatten legte sich über ihr hübsches Gesicht, als sie an seine Erklärung dachte. „Er...er fühlt sich nicht erfüllt dort. Er hat etwas gefaselt von Astronauten und Journalist.“
Aiden senkte den Blick kurz. „Kannst du es nicht ein wenig verstehen?“, fragte er vorsichtig nach. Als er ihren wütenden Blick bemerkte, fügte er versöhnlich hinzu: „Natürlich ist dass keine Entschuldigung, aber du musst ihn auch verstehen. Chase hat alles aufgegeben. Für dich.“
„Ich habe auch alles aufgegeben.“; erklärte Kaylee ihm. Ihre Stimme bebte unter den Worten, die sie immer noch so sehr verletzten. „Und ich habe ihn nie gebeten mit mir zu kommen. Er hat es für sich selber entschieden und deswegen...“ Sie verstummte, als ihr Blick auf Candy fiel, die mit nachdenklichem Blick in der Küche stand und ihre Schwiegermutter beobachtete.

Aiden folgte ihrem Blick, dann sah er wieder seine Mutter an. „Aber darum geht es gar nicht, Mum. Du weißt wie sehr Chase dich und die Kinder liebt. Ihr seid sein Ein und Alles und euch zu verlieren wäre das Schlimmste für ihn.“ Er hielt einen Moment inne, um Kaylee die Chance für eine Antwort zu geben, aber sie schwieg. „Aber er will nicht nur Vater und dein Mann sein.“
„Dass verstehe ich auch. Wirklich. Aber er kann nicht einfach so seinen Job kündigen.“ Kaylee sah in das unschuldige Gesicht ihrer Enkelin. Niedergeschlagen ließ sich am Tisch nieder, und schenkte Candy ein dankbares Lächeln, als diese ihr eine Tasse Tee hinstellte. „Wir brauchen das Geld.“
„Aber es gibt noch andere Möglichkeiten.“ Aiden zuckte die Achseln. „Ich bin mir sicher dass Chase jetzt nicht nur gelangweilt herum sitzen will. Er hat doch sicher einen Plan oder so etwas.“
Beschämt nickte Kaylee. „Er will Schachturniere gewinnen und damit unseren Lebensunterhalt erbringen.“ Sie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht. „Merkt er nicht selber wie das klingt?“
„Und wenn ihr beide etwas macht?“ Candy hatte sich das erste Mal in das Gespräch eingemischt. Schüchtern sah sie zwischen ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter hin und her. „Ich meine, er könnte Schachturniere machen, die sind sehr beliebt hier. Und du könntest eine Pferdezucht eröffnen.“ Sie warf Aiden einen verliebten Blick zu. „Aiden hat mir erzählt was für ein gutes Händchen du für Pferde hast. Und ich bin mir sicher, dass sie viel einbringen.“
„Dass ist eine gute Idee.“, befand auch Aiden erleichtert über diese Wendung.
Kaylee malte mit ihrer freien Hand unsichtbare Kreise auf die Tischplatte, während sie darüber nachdachte. Eine Pferdezucht. Sie liebte ihre Tiere und wenn sie nicht mehr Rennen reiten konnte, dann könnte sie wenigstens anders mit den Pferden Geld verdienen. „Wikinger wird bald erwachsen.“, murmelte sie. „Vielleicht können wir mit ihm unseren ersten Versuch starrten.“

Candy klatschte erfreut in die Hände, als sie bemerkte, dass ihre Idee Anklang fand. „Dass klingt wunderbar. Und wenn du möchtest stelle ich dir einen super guten Vermittler für Pferde vor. Er hat aus erstklassige Stuten, mit denen du deine Zucht beginnen kannst.“
Wieder lächelte Kaylee ihr dankbar zu. „Dass ist wirklich nett von dir, Candy.“ Sie erhob sich von ihrem Platz, ging zu ihrer Schwiegertochter und küsste sie sanft auf die Wange. „Du scheinst wirklich ein wahrer Engel zu sein. Dass ist einfach wundervoll.“
Candy errötete unter so vielen Komplimenten und war froh, als Aiden kam und ihren Arm um sie Schlang. „Ich habe niemals daran gezweifelt dass meine Frau die beste Frau der Welt ist.“ Er warf Kaylee einen besorgten Blick zu. „Wenn du willst kannst du heute auf dem Sofa schlafen. Candy macht dir das Bett gleich zu Recht.“
„Nein, nein.“, winkte Kaylee eilig ab. „Ich fahre besser nach Hause. Elijah und Liz würden ihren Vater zur Weißglut bringen, da bin ich mir sehr sicher.“ Lachend drückte sie Candy ihre Tochter in den Arm und verabschiedete sich von dem jungen Ehepaar. „Wir sehen uns dann die Tage.“
„Bis dann, Mum.“ Aiden brachte sie zur Tür und lächelte ihr aufmunternd zu. „Das wird.“
„Ich weiß.“; erwiderte diese.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Fr Feb 01, 2013 12:35 pm

Als Kaylee nach Hause kam, lag das Haus im Dunkeln. Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es schon kurz vor Mitternacht war und somit nicht ungewöhnlich, dass Chase sich hingelegt hatte.
Sie schloss die Haustür mit einem leisen Klicken auf, schlich durch das Wohnzimmer, dass noch immer wie ein kleines Schlachtfeld aussah und verschwand schließlich im Schlafzimmer.
Erschrocken zuckte sie zusammen, als jemand das Licht anknipste.
„Kaylee.“ Chase klang erleichtert. Seine Augen waren ermüdet, aber sie konnte sehen, dass er noch nicht eine Sekunde geschlafen hatte. Ein feines Lächeln hatte sich auf seinem Mund gebildet.
Egal was Chase getan hatte, sie liebte diesen Mann. Immer wieder spürte sie es, wenn sie in seiner Gegenwart war. Die aufwallenden Gefühle, das Herzklopfen und das wohlige Gefühl im Bauch.
Aber sie schwieg, blieb da stehen wo sie war und sah ihn mit undurchdringlicher Miene an.
„Ich dachte du würdest heute nicht zurückkommen.“, gestand er ihr mit gesenktem Kopf. Schuldbewusstsein zeichnete seine halbschattigen Züge.
„Ich wusste noch nicht ob ich es tun würde.“; gestand sie ihm zögerlich. Sachte streifte sie erst die Winterjacke und ihr Stirnband ab. „Ich hatte mit den Gedanken gespielt bei Aiden zu schlafen, aber ich wollte den beiden nicht noch mehr zumuten.“ Sie stieg aus ihrer Hose, zog sich das Oberteil über den Kopf und fuhr sich anschließend durch die schwarze Haarpracht. Schnell war das blaue Nachthemd mit den Schafen angezogen. „Du hast dich falsch verhalten.“; ließ sie ihn mit kühler Stimme wissen. Die Wut war verraucht, aber die seine Sorglosigkeit mit der Zukunft seiner Familie belastete sie immer noch. Kaylee war bemüht nicht in Tränen auszubrechen. „Wie kannst du einfach deinen Job kündigen, Chase, wenn du zwei kleine Kinder hast?“

„Aber ich hatte doch eine Alternative.“, versuchte Chase sich hilflos zu verteidigen.
Kaylee lachte spöttisch. „Du meinst es reicht wenn du ein paar Mal Schachmeister wirst?“ Kopfschüttelnd ließ sie sich neben ihm nieder und zog die Decke bis zum Kinn. „Damit würden wir nicht einen Monat über die Runden kommen. Und darüber hast du keine Sekunde nachgedacht.“
„Es tut mir Leid.“, murmelte Chase. Als sie ihn ansah, konnte sie sehen wie ehrlich er es meinte. Es schien, als sei er ein klein wenig zur Besinnung gekommen.
Sie seufzte innerlich. „Aber das bringt uns nichts, Chase. Du hast deinen Job gekündigt. Du hast es nicht einmal mit mir besprochen. Wir sind doch ein Team?“ Fast flehentlich sah Kaylee ihn an, in seine treuen blauen Augen, die sie doch so sehr liebte. „Oder nicht?“
„Doch!“, er rief es aus, als sollte es die ganze Welt wissen. „Wir sind ein Team. Ich...ich habe nur einmal für mich gehandelt, verstehst du? In meine Interesse. Ein einziges Mal. Willst du mir das wirklich vorwerfen? Kannst du mir das vorwerfen.“
Seine Worte entzündeten in Kaylee neue Wut. Sie kniff die Augen zusammen. „Und ob ich das kann, Chase McFort. Du hast einmal an dich gedacht und damit deine ganze Familie aufs Spiel gesetzt. Wenn es dir das wert war, mach nur weiter so, aber dann sind wir nicht mehr lange hier.“
„Wie meinst du dass?“, fragte Chase heiser. Seine Stimme war brüchig.
„So wie ich es gesagt habe.“; erwiderte sie kalt. Die guten Vorsetze und Vorschläge von Candy waren vergessen. Sie war wütend, dass Chase nicht wirklich das Problem zu sehen schien. „Wenn du dich weiter so benimmst und anfängst ein Einzelspieler zu sein, dann nehme ich die Kinder und verschwinde. Hast du dass verstanden?“

Sie hörte wie er das Licht ausschaltete und sich anschließend in seine Kissen sinken ließ. „Du verstehst mich nicht.“, flüsterte er in die Dunkelheit. „Du verstehst mich nicht und willst mir dann dass nehmen, was ich am meisten liebe? Vielleicht sollten wir beide eine Weile darüber nachdenken, was in dieser Ehe gerade falsch läuft. Ich denke ich bin nicht alleine der Schuldige.“
Seine harten Worte verletzten Kaylee, mehr als sie jemals erwartet hatte. Dass hatte sie bei weitem nicht gewollt. Stand ihre Ehe auf dem Spiel? Waren es doch zu viele Strapazen?
Aber sie schwieg, rollte sich auf die Seite und spürte wie er neben ihr langsam in einen ruhigen Schlaf verfiel. Ihr Herz pochte schmerzhaft.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 02, 2013 8:37 pm

Kaylee sah nun das dritte Mal innerhalb von fünf Minuten aus dem Fenster der Tür. Sie hatte die Arme fröstelnd um ihren Körper geschlungen, biss sich nervös auf der Unterlippe herum.
Die Uhr an der Wand tickte so laut, dass es ihr Kopfschmerzen machte. Oder Bauchschmerzen, wo genau es weh tat wusste sie nicht. Alles was sie spürte war die grenzenlose Sehnsucht nach Chase und einer Versöhnung. Aber er war nicht da.
Sie hatte den ganzen Tag gelitten, weil sie nicht wusste wie es weitergehen sollte. Chase letzte Worte ließen sie nicht Ruhen, entfachten das Feuer der Angst in ihr.
Was war denn, wenn er sie verließ? Wenn sie sich nicht zusammenraffen könnten? Hatte der Umzug und die gesamte schwere Zeit zu viele Narben hinterlassen? Waren sie nicht mehr fähig so zusammen zu arbeiten, wie sie es früher getan hatten? Liebte er sie nicht mehr?
Draußen hielt ein Auto am Straßenrand und als Kaylee erneut hinaus sah, entdeckte sie Chase, der mit gesenktem Kopf zum Haus herüber lief, während der Regen auf ihn einprasselte.
Ohne zu überlegen riss Kaylee die Tür auf und lief ihm entgegen. Sie schlang ihre Arme fest um seinen Nacken und vergrub ihr Gesicht in der, vom Regen, feuchten Weste.
Erleichtert spürte sie, wie Chase die Umarmung erwiderte, ebenso weich und herzlich, wie er es früher getan hatte. „Ist gut, Lee.“, hörte sie ihn leise flüstern, während er ihr über den Rücken strich.
Erst jetzt fühlte Kaylee, wie ihr heiße Tränen über die blasse Wangen liefen. Ob sie weinte, weil sie erleichtert war, oder weil sie glücklich war, wusste sie nicht genau. Vorsichtig hob den sie den Kopf und sah Chase in seine blauen Augen. „Ich will mich nicht streiten.“; schluchzte sie, wie ein kleines Mädchen. „Lass uns endlich damit aufhören, Chase.“

Er nickte, lächelte und küsste sie sanft auf die zitternden Lippen.
Der Kuss war ausgiebig und leidenschaftlich, als hätten die beiden Verliebten sich Jahre nicht gesehen. Und so fühlte es sich für beide an, obwohl sie nur ein paar Stunden getrennt waren.
„Ich liebe dich.“, murmelte er, nachdem er sich von ihr gelöst hatte. Mit seinem zuversichtlichen Lächeln sah er ihr fest in die Augen. „Und es tut mir wirklich Leid, Liebling.“
„Ich weiß.“, auch Kaylee versuchte zu lächeln. „Und mir tut es auch Leid.“ Sie schniefte leise. „Ich hatte wirklich Angst, dass du mich und die Kinder verlassen willst. Du klangst so...kalt.“
Chase Gesichtsausdruck veränderte sich zum Entsetzen. Er hob eine Augenbraue. „Du meinst ich würde das verlassen, was ich am meisten auf dieser Welt liebe? Du scheinst mich nicht gut genug zu kennen.“ Zum Zeichen, dass er seine Worte nicht ganz ernst meinte, küsste er sie sanft auf die Nasenspitze. „Ich würde dich niemals verlassen, Kaylee McFort.“
„Dass will ich dir auch geraten haben.“, erwiderte Kaylee gespielt wütend und haute ihm leicht auf den Oberarm. Sie atmete tief durch. „Wir sollten noch einmal darüber reden, Chase.“
„Und zwar genau jetzt.“ Chase löste sich aus ihrer Umarmung und ergriff ihre zarten Hände. „Ich war bei Aiden, weißt du. Wir haben uns lange unterhalten.“

„Und er hat dir von der Pferdezucht erzählt.“, vollendete Kaylee seine Antwort lächelnd. Aiden, dachte sie bei sich. Er wollte immer nur das beste. Nachdem Chase genickt hatte fuhr sie fort. „Ich wollte es dir eigentlich selber sagen, aber dann...“ Sie verstummte für einen Moment. „Egal. Die Hauptsache ist, dass ich die Idee mit der Zucht wirklich gut finde, aber ich weiß nicht ob wir es finanziell hinbekommen, verstehst du? So eine Stute kostet viel, denn Lady ist nicht mehr in der Lage ein Fohlen zu bekommen, nach Wikinger.“
„Ich wusste dass du dir darüber Sorgen machst, aber ich habe schon alles nachgerechnet.“; erwiderte Chase lächelnd. „Wir könnten eine Stute aus dem Tierheim holen.“, erklärte er sachlich. „Dann müssten wir nur noch die Befruchtung bezahlen und dass könnten wir uns leisten.“ Sein Blick wurde besorgt. „Und wenn wir eine Pferdezucht gründen, könnte ich gleichzeitig Schach spielen. Natürlich nur wenn du...wenn es dir Recht ist.“
„Natürlich.“ Kaylee war alles Recht, so lange sie Chase an ihrer Seite hatte und sie über die Runden kommen würde. „Wenn es dir so Wichtig ist, dann sollst du Schach spielen.“
„Ich danke dir.“ Lächelnd küsste er sie. „Aber lass uns reingehen, wir sind durchnässt bis auf die Unterwäsche, und ich habe keine Lust krank zu sein.“
Kaylee stimmte ihm lachend zu und zusammen gingen die beiden ins Haus.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 02, 2013 8:49 pm

Ein paar Tage später war es so weit. Kaylee war zum Tierheim gefahren, und hatte sich dort die Stuten angeguckt. Nicht sehr lange hatte sie gebraucht, um die wunderschöne Bonita für sich aus zu suchen. Die Papiere waren schnell unterschrieben und der Leiter des Tierheimes versprach Bonita gleich mit Kaylee zusammen zu ihr nach Hause zu bringen.
„Vielen Dank, und eine gute Heimfahrt.“, verabschiedete Kaylee sich bei dem jungen Mann, in der einen Hand die Zügel von Bonita und mit der anderen Hand winkend. Sie drehte sich zu ihrer neuen Stute um und bedachte diese mit einem freundlichen Blick. „Willkommen zu Hause.“, flüsterte sie einfühlsam, um die leicht nervöse Stute nicht zu ängstigen. „Glaub mir, es wird dir hier sehr gefallen. Lady und Wikinger sind zwei ganz wunderbare Pferde, dass kannst du mir glauben.“
Die Haustür ging auf und Chase kam heraus. Auf dem Arm trug er eine nun nicht mehr so kleine Elizabeth, die mit ihren wachen Augen das Pferd zu untersuchen schien. „Dass ist sie also.“, begrüßte Chase seine Frau lächelnd. Sein Blick huschte über das helle glänzende Fell. „Sie ist wirklich eine sehr schöne Stute und hat unheimliche Ähnlichkeit mit Lady.“
Kaylee zuckte lachend die Achseln. „Manche haben eben einen Typ von dem sie nicht so leicht weg kommen.“ Über die Doppeldeutigkeit dieses Satzes schmunzelnd, gab sie ihm einen zärtlichen Kuss, bevor sie ihrer Tochter über das blonde Haar strich. „Und du Mäuschen?“
„Mäuschen?“, echote Chase entsetzt. „Wohl eher kleines Monster. Den ganzen Tag hat sie mich und Elijah terrorisiert, bis Elijah es aufgegeben hat und alleine spielen wollte. Seit dem klebt sie auf meinen Arm, als hätte ich sie dort mit Sekundenkleber befestigt.“
Kaylee konnte sich ein Lachen über die Übertreibungen ihres Mannes nicht verkneifen. Liebevoll küsste sie ihre einzige Tochter auf die dicken Wangen. „Dann bist du eben mein kleines Monster.“ Ihr Blick fiel auf das Haus. „Spielt Elijah jetzt alleine drin?“, fragte sie besorgt nach.
„Nein, nein, Vasco ist bei ihm.“ Chase folgte ihrem Blick und nickte leicht. „Die beiden sind wie Aiden und Vasco damals, können doch gar nicht genug voneinander bekommen.“
„Dass freut mich.“ Kaylee strich der wartenden Stute sanft über den Hals. „Ich glaube bei drei Pferden, die geputzt und bewegt werden müssen, habe ich nicht mehr all zu viel Zeit für Vasco.“ Sie verstummte, einen besorgten Ausdruck auf dem Gesicht. „Ich mache mir sowieso etwas Sorgen um die Kinder. Wir werden wenig Zeit haben, aber ich will nicht dass sie zu kurz kommen.“
„Mach dir keine Sorgen darüber, dass bekommen wir hin.“, beruhigte Chase sie und drückte kurz ihre Hand. „Wir sind zu zweit, und wir sind die meiste Zeit zu Hause. Einer wird immer da sein. Außerdem sind wir bei weitem nicht die ersten die zwei Kinder und eine Pferdezucht haben.“
„Hier in Sunset Valley schon.“, erwiderte Kaylee mit einem Hauch Zufriedenheit. Es würde bei weitem einfacher werden die Pferde zu verkaufen, wenn sie keine besonders große Konkurrenz haben würde.

„Wir schaffen dass trotzdem.“ Eigensinnig knuffte er ihr in die Seite. „Es sei denn dein viel zu großes Mutterherz explodiert wieder und du wirst dich von keinen der Tiere trennen können.“
Kaylee wusste, dass es nicht einfach für sie werden würde. Sie liebte jedes ihrer Tiere, aber sie hatte sich gut eingeprägt, dass sie keines behalten durfte. Trotzdem konnte sie einen tiefen Seufzer nicht unterdrücken. „So lange ich weiß, dass sie ein schönes neues zu Hause bekommen, werde ich mich mehr oder weniger damit abfinden könne. Außerdem habe ich ja noch meine beiden Engel.“ Wieder sah sie Elizabeth an, die immer noch schweigend auf dem Arm ihres Vaters verharrte. „Und bis die beiden ausziehen vergeht noch eine Menge, Menge, Menge Zeit, nicht war.“ Sie kitzelte ihre Tochter, die sich daraufhin kichernd zusammen krümmte.
„Und dann bekommen wir einfach neue.“, witzelte Chase und drehte sich um, um Elizabeth auf den Boden zu setzen. So konnte er dass nachdenkliche Gesicht seiner Frau nicht sehen.
Kaylee hatte im Stillen darüber nachgedacht noch ein, zwei Kinder zu bekommen. Sie liebte ihre drei und noch mehr davon zu bekommen, schien ihr einfach richtig zu sein. Aber natürlich nicht in dieser Situation. Momentan konnten sie es sich finanziell nicht einmal leisten das Zimmer der Kinder auszubauen.
Bonita stieß sie sanft mit den Nüstern an, als wollte sie sie erinnern, dass sie nicht zum rumstehen hier war. Sie wieherte leise und fast liebevoll.
„Tut mir Leid, Liebes.“, entschuldigte Kaylee sich mit einem Lächeln, nachdem sie aus ihrer Gedankenwelt aufgetaucht war. „Sollen wir dich mal eben bürsten? Eine Massage, hm?“ Sie eilte kurz zu den Boxen, nahm den Eimer mit den Putzutensilien heraus und ging wieder zurück zu der Stute. Liebevoll strich sie ihr über das goldene Fell.
Chase hatte es sich mit Elizabeth auf den Boden bequem gemacht und übte das Laufen, dass dem Kleinkind, ganz im Gegensatz zum Sprechen doch etwas schwere zu fallen schien. „Es wird langsam wirklich kalt, merkst du es?“, begann er ein solides Gespräch. „Ich habe mit Ethan gesprochen und er meinte die Winter hier sind oft sehr kalt und wir sollen uns mit guten Wintersachen eindecken.“

Kaylee nickte, auch Pauline hatte sie darüber informiert. „Ich kann es kaum erwarten bis der erste Schnee fällt, Chase.“, verriet sie ihm wie ein kleines Mädchen mit geröteten Wangen. „Ich habe noch nie Schnee gesehen. So etwas gab es weder in meiner Heimat noch in meinem Geburtsort.“
„Ich weiß.“ Chase lachte leise. „Ich habe Schnee schon auf einigen Reisen gesehen und ich sage dir, dass er dir wirklich gefallen wird.“ Er warf einen Blick über die Schulter zu ihr. „Wir werden einen riesigen Schneemann bauen und ganz viele Schneeengel machen, dass verspreche ich dir.“
„Und wir müssen aufs Winterfest.“, fiel es Kaylee eilig ein. „Pauline meinte man könnte auf dem kleinem See Schlittschuhe fahren und es würde eine Arena für Schneeballschlachten aufgebaut werden.“ Umso mehr sie darüber sprach, um so mehr freute sie sich auf die Winterzeit. „Und dann ist Weihnachten.“, flüsterte sie leise bei sich. Dieses Fest hatte sie auch noch nie gefeiert.
„Stimmt, dann ist Weihnachten.“; Chase trat ein paar Schritte zurück, damit Elizabeth in seine Arme laufen konnte. „Und ich freue mich sehr drauf. Mein erstes Weihnachten mit meiner Familie.“
Kaylee warf ihm einen seligen Blick zu. „Wir machen ein großes Fest ja? Wir laden Aiden, Candy und die Zwillinge ein und dann kochen wir ganz viel Essen. Und dann feiern wir bis in die Morgenstunden.“ Sie lachte, als purer Vorfreude.
Chase nickte ihr zustimmend zu. „Glaub mir, dass wird ganz wundervoll.“
Daran zweifelte sie nicht. Gut gelaunt deutete sie auf den Stall. „Ich sattle Bonita eben und mache dann einen kleinen Ausritt mit ihr. Vorher bringe ich Wikinger und Lady nach draußen, damit die beiden sich auch noch etwas bewegen können, ist das in Ordnung?“
„Natürlich!“ Chase nahm Elizabeth auf den Arm und fröstelte leicht. „Ich mach die beiden Kleinen fertig und dann fahren wir rüber zu Candy. Wir beide sehen uns heute Abend? Gegen sieben?“
„Ja, genau.“ Sie gab ihm einen zärtlichen Kuss und eilte dann mit Bonita zu den Stellen.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 02, 2013 9:01 pm

Obwohl Kaylee geplant hatte zum Abendessen wieder zu Hause zu sein, um mit ihrer Familie zu essen, trudelte sie erst weit nach 21 Uhr ein.
Sie und Bonita hatten einen langen, wirklichen langen Spaziergang gemacht. Kaylee hatte sich vollkommen auf die bildschöne Stute eingelassen und gemerkt wie wunderbar sie sich reiten ließ. Darüber hinaus hatte sie die Zeit vergessen und als es dann schon Dunkel war, hatte sie sich an dem Punkt befunden, der am weitesten von ihrem zu Hause entfernt war.
Eilig sattelte die hübsche Japanerin das Pferd ab, striegelte es und brachte es in die Box neben Lady und Wikinger, die Chase vorhin wohl schon wieder in den Stall gebracht hatte.
„Bis morgen ihr drei.“; verabschiedete sie sich von den Pferden und beeilte sich dann rüber zum Haus zu kommen. Als sie die Haustür aufschloss horchte sie kurz, aber es war noch reges Treiben.
„Elijah, bitte.“ Chase nahm seinen Sohn den Löffel weg, während er mit der anderen Hand versuchte Elizabeth daran zu hindern ihr gesamtes Abendessen auf den Boden zu verteilen.
Kaylee konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Doch anschließend strafte sie die Schultern und kam ihrem Mann zur Hilfe. Sie nahm Elizabeth leichthändig den Teller weg, und hob ermahnend den Finger. „So ganz sicher nicht, mein Fräulein. Du sollst mit deinem Essen nicht spielen!“
Schuldbewusst sah das kleine Mädchen ihre Mutter an, die Tränen in den Augen, wie immer wenn man sie wirklich mal für etwas rügte.
Als Kaylee sich sicher war, dass sie die Message verstanden hatte, stellte sie ihr den Teller wieder hin und gab Chase den Löffel. „Füttere du sie mal, ich kümmere mich um Elijah.“
Dankbar lächelte Chase ihr zu. Sein Gesicht war ganz verzehrt von den Strapazen des heutigen Tages, dass konnte Kaylee sofort erkennen.

Sich schuldig fühlend versuchte Kaylee Elijah dazu zu bringen sein Abendessen heute ordentlich zu essen, und nicht die halbe Küche damit voll zu sauen. „Elijah, sonst gehst du heute ohne Abendessen ins Bett.“, drohte sie dem Jungen mit ernster Miene, woraufhin er beleidigt den Löffel nahm und sein Abendessen fein säuberlich verschlang, so wie er es gelernt hatte.
Nachdem die beiden fertig waren, wurden sie gewaschen und umgezogen, damit sie ins Bett konnten.
Kaylee nahm Liz, die sich fest an ihre Mutter klammerte, als wollte sie sie gar nicht mehr los lassen. „Wie war es bei Aiden und Candy?“, fragte sie nun neugierig.
Chase machte den letzten Knopf des Strampelanzug von Elijah zu. „Ganz in Ordnung. Ich soll dich von Candy grüßen, sie würde sich sehr freuen, wenn ihr beide mal wieder einen Kaffee zusammen trinkt.“ Nach kurzem Überlegen fügte er leise hinzu: „Ich glaube sie fühlt sich etwas einsam, seit Aiden den neuen Job angenommen hat. Ich habe das Gefühl er ist kaum zu Hause.“
„Er muss Geld für eine Frau und zwei Kinder verdienen.“, nahm Kaylee ihren Sohn in Schutz, während sie versuchte Elizabeth von ihrer Hüfte zu trennen.
„Dass war kein Vorwurf, Lee.“, erinnerte Chase sie vorsichtig. „Ich meine nur, dass ich sie verstehen kann. Zwei Kinder praktisch alleine aufzuziehen ist nicht besonders einfach.“
Kaylee, die einen Hauch von Vorwurf heraus hörte, stutzte. „Willst du mir damit etwas sagen?“
„Nein, nein. Dass war nicht auf uns bezogen.“ Chase drehte sich lachend zu ihr um. Sein Gesichtsausdruck war aufrichtig. „Ich wollte damit nur sagen, dass Candy sicher etwas Unterstützung gebrauchen könnte, von dir. Sie braucht eine Freundin, verstehst du?“
„Und ich du weißt, ich wäre gern mehr für sie da. Aber diese ganzen Sachen für die Pferdezucht kommen gerade erst ins Laufen.“ Kaylee seufzte leise. „Ich werde wirklich versuchen die Tage noch einmal bei den beiden vorbeizuschauen. Vielleicht kann Candy auch hier her kommen.“ Sie schaffte es endlich Elizabeth ihr in Bett zu setzen, dann drehte sie sich zu ihrem Mann um. „Ich bin dir wirklich sehr dankbar, Chase, dass du die Kinder tagsüber so gut übernimmst.“

Auch Chase hatte seinen Sohn ins Kinderbett gelegt. Zufrieden kam er zu Kaylee herüber und küsste sie sanft. „Es sind auch meine Kinder, als erwarte ich kein Danke. Komm.“ Sie hinter sich herziehend begaben die beiden sich ins Wohnzimmer und ließen sich laut seufzend auf dem Sofa nieder. Chase lächelte. „So lange solche Momente nicht verschwinden.“
„Ich werde mich bemühen.“, lachte Kaylee. „Ich verspreche dir hoch und heilig, dass ich mir für euch drei so viel Zeit nehmen werde, wie nur möglich. Nur Momentan...“
„Moment ist es schwierig.“; unterbrach Chase sie verständnisvoll, den Arm fest um ihre Schultern gelegt. „Und dass verstehe ich und ich werde dir niemals einen Vorwurf machen, Lee. Wenn du irgendwo Hilfe brauchst, dann sag Bescheid. Wir sind ein Team.“
„Das beste Team.“; korrigierte Kaylee ihn sanft. Schmunzelnd betrachtete sie seine gealterten Hände. „Und ich glaube ich kann mir wirklich nichts Schöneres vorstellen. Unser Leben geht wirklich bergauf, merkst du dass?“
„Mein Leben ging von dem Moment an bergauf, an dem ich dich das erste Mal gesehen habe.“, schmelzte Chase mit einem Zwinkern in den blauen Augen. „Nein, im ernst, Lee. Mir ging es nie besser als jetzt. Ich war nie glücklicher und ich war auch nie zufriedener.“
Seine Worte schmeichelten Kaylee. Sanft beugte sie sich zu ihm herüber und küsste ihn ganz zärtlich auf den Mund. „Mir geht es genau so, Chase. Und dass ist die Hauptsache.“ Mit einem unschlüssigen Blick hielt sie einen Moment inne. „Und vielleicht...ich meine, wenn wir finanziell etwas besser situiert sind, dann könnten wir ja über weiteren Nachwuchs nachdenken.“

„Du willst noch mehr Kinder?“, fragte Chase überrascht. Man konnte ihn ansehen, dass mit Elizabeth seine Familienplanung abgeschlossen war.
„Nicht sofort.“, beeilte Kaylee sich zu sagen. „Sondern erst später. Aber, ja. Ich hätte gern noch ein, zwei wundervolle Kinder, wie wir sie jetzt haben. Daran ist nichts auszusetzen, oder?“
„Außer die Ruhe, die wir dann endlich hätten, wenn die beiden groß sind, natürlich nichts.“ Chase rollte grinsend mit den Augen. „Wir sollten noch nicht darüber sprechen. Noch können wir es uns gar nicht leisen, dass weißt du doch sicher.“
„Natürlich.“ Kaylee lächelte zustimmend. „Aber Wikinger wird viel einbringen, da bin ich mir sicher, Chase. Er ist ein hervorragendes Fohlen und bald ist er ausgewachsen und zum Verkauf fähig.“
„Und dann bauen wir ein zweites Zimmer von dem Geld an.“, entschied Chase. Mit seinem strengen Blick wollte er sie daran erinnern, und es funktionierte.
Kaylee nickte seufzend. „Du hast sicher Recht.“ Sie schnappte sich die Fernbedienung und schaltete den Fernseher an. „Vielleicht sollte ich das alles mit der weiteren Familienplanung noch einmal überdenken.“
Chase nickte, man konnte sehen wie erleichtert er war. Zufrieden zog er seine Frau noch näher an sich heran und konzentrierte sich auf das Fernsehprogramm.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 02, 2013 9:16 pm

Aber der Positive Blick, mit den alle auf die nächste Zeit sahen bewahrheitete sich nicht wirklich. Eine Zucht zu führen, war Aufwand auftreibender als Chase es wohl jemals geahnt hatte.
Kaylee verbrachte Stunden damit die Pferde zu putzen, die Stelle zu säubern und die Pferde zu bewegen. Weitere Stunden verbrachte sie damit nach Käufern Ausschau zu halten, Daten und Tierarztbesuche zu beantragen und natürlich die hübsche Stute Bonita, die nun schwanger war so zu verwöhnen, dass auch ein wirklich gutes gesunden Fohlen zu Welt kam.
Die restlichen Stunden verbrachte sie dann damit Wikinger ein zu reiten, damit der Hengst mehr einbrachte, denn dass hatte die Kleinfamilie bitter nötig.
Auch an diesem Morgen kam Kaylee nur kurz für eine Stippvisite ins Haus. Es war kalt draußen geworden, weswegen Kaylee die Weste gegen einen dicken grünen Pullover getauscht hatte. „Morgen.“, begrüßte sie ihren Ehemann, ohne einen Kuss oder eine liebevolle Streicheileinheit. Auch für Elijah und Elizabeth, die gemütlich in ihren Hochsitzen frühstückten, hatte sie nur ein schnelles Lächeln. „Kannst du heute in der Stadt vorbeifahren?“, bat sie Chase, während sie hektisch nach etwas zu Essen suchte und sich anschließend für ein Stück Kuchen entschied.
Chase hielt inne, erstarrte mit der Gabel kurz vor dem Mund. „Wann soll ich dass denn bitte noch machen, Lee?“, fragte erstaunt. „Ich muss mit Elijah heute zur Vorsorgeuntersuchung, erinnerst du dich? So lange muss ich Lizzy bei Candy abgeben, das kostet mich auch Zeit.“
„Aber wenn du eh beim Krankenhaus bist.“, gab Kaylee ihm leichtfertig zu denken. „Das Rathaus ist doch gleich um die Ecke. Du musst nur die Papiere für Wikinger abholen, damit ich ihn in den nächsten Tagen verkaufen kann.“ Sie stopfte sich ein großes Stück des Kuchens in den Mund und setzte sich ausnahmsweise mal an den Tisch zum Essen. „Es ist wichtig, Chase.“, murmelte sie mit vollen Mund und somit kaum verständlich.

„Dann musst du es machen.“ Chase runzelte leicht verärgert die Stirn. „Ich kann nicht alles alleine machen, Kaylee. Glaubst du du bist die einzige, die hier so viel Stress hat? Von Morgens bis Abends auf zwei Kinder aufzupassen ist wirklich kein leichter Job, dass kannst du mir glauben.“
„Dass habe ich nie behauptet.“ Kaylee seufzte. Sie hatte keine Lust und auch keine Zeit auf eine lange Diskussion. „Trotzdem wäre es nett wenn du dass für mich erledigen würdest. Ich schaffe es heute nicht. Außerdem hast du gesagt du unterstützt mich, so wie ich dich.“
„Wo denn?“, spottete Chase Kopfschüttelnd. „Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, aber ich habe noch kein einziges Turnier mitgemacht. Und weißt du warum nicht? Weil ich weder Zeit zum trainieren hab, noch habe ich eine Ahnung wo ich die Kinder sechs Stunden lang lassen sollte.“
„Bring sie in den Kindergarten.“; schlug Kaylee genervt vor.
„Da sind sie nicht mehr angemeldet, Kaylee. Wir können uns den Kindergarten momentan nicht leisten und das wüsstest du, wenn du einmal in unsere Finanzen geguckt hättest.“ Man konnte sehen, dass er vor Wut brannte, aber er beherrschte seine Stimme. Denn Elizabeth und Elijah saßen immer noch in Hörweite und das wollte er den Kindern ersparen. „Nimmst du überhaupt noch Teil an unserem Familienleben, Lee?“
„Natürlich.“, erwiderte sie, obwohl sie in gleichen Moment nicht sicher war, ob es stimmte. Sie war viel unterwegs, musste sich viel um die Pferde kümmern, aber dass hatten sie doch beide gewusst. Und jetzt machte er ihr Vorwürfe?
„Wann hast du sie das letzte mal ins Bett gebracht?“, harkte Chase nach. „Oder ihnen Frühstück gemacht? Wann hast du das letzte Mal mit ihnen ein Buch angeguckt?“ Als Kaylee schwieg, nickte er bestätigend. „Siehst du. Du verpasst alles, Kaylee.“
„Ich weiß, dass ich viel unterwegs bin.“; seufzte sie schuldbewusst. „Aber es ist nun mal eine schwere Phase momentan. Ich muss alles regeln und noch in die richtigen Bahnen lenken, aber du wirst sehen. In ein paar Wochen wendet sich das Blatt und ich habe mehr Zeit für euch drei.“
„Und wenn nicht?“ Chase sah sie misstrauisch an. „Was machst du dann? Uns auf die nächsten Wochen vertrösten?“ Er nahm ihre Hand und hielt sie fest. „Deine Kinder brauchen nicht nur einen Vater, sondern auch eine Mutter. Und ich finde du bist es ihnen schuldig eine ebenso gute Mutter für sie zu sein, wie du es damals für Aiden warst. Oder etwa nicht?“

Kaylees Blick huschte herüber zu ihren beiden Mäusen die das ganze schweigend betrachteten. Sie nickte wie von alleine. „Natürlich haben sie es verdient und ich verspreche dir, dass ich mir Mühe gebe. Aber der Tag hat nur 24 Stunden. Und ich muss so viel tun...“ Sie verstummte, rieb sich die Stirn und schüttelte anschließend den Kopf. „Ich werde schauen, dass ich heute Abend zu Hause bin.“ Fragend sah sie ihn an. „Ist dass nicht schon einmal ein Anfang?“
„Ein sehr guter.“ Chase lächelte ihr erleichtert zu. „Und dann machen wir uns einen schönen Abend zu viert, ja? Heute ist auch Kinderfilmabend im Fernsehen. Wir könnten uns ein Märchen anschauen.“
„Dass wäre schön.“ Und dass sagte Kaylee nicht nur so. Die Sehnsucht nach ihren beiden Kindern war die gesamte Zeit über groß gewesen und einen ganzen Abend damit zu verbringen mit ihnen zu spielen und einen Film anzusehen, versetzte sie in Hochstimmung. „Glaub mir, in einiger Zeit hat sich das Ganze gelegt und dann werden wir eine schöne Familie, wie früher.“
„Hoffentlich noch vor Weihnachten.“, gab Chase ihr mit erhobenen Finger zu bedenken. „Wenn du Weihnachten keine Zeit für Kinder hättest, würdest du ihnen ihr erstes Fest ruinieren. Außerdem freuen Aiden und Candy sich auch schon sehr auf das große Fest.“
„Und ich mich erst.“ Obwohl Kaylee gerade ein Stück Kuchen verschlungen hatte, rieb sie sich den Bauch, als hätte sie Hunger. „Ich hab schon darüber nachgedacht, was ich koche und glaubt mir, ihr werdet wirklich begeistert sein.“ Mit einem Zwinkern beugte sie sich zu ihm herüber und küsste ihn. „Tut mir Leid für die ungehobelte Begrüßung heute Morgen.“
„Schon gut.“ Chase zuckte die Achseln. „Ich kann verstehen, dass du im Stress bist. Aber wir müssen es irgendwie auf die Reihe bekommen, hörst du? Es ist beides wichtig.“

„Wir sind wichtig.“, korrigierte sie ihn leise. „Du, die Kinder und ich. Wir stehen als Familie an erster Stelle und dass wird sich niemals ändern, dass verspreche ich dir.“ Sie warf einen Blick auf die Uhr und stöhnte. „Wenn ich alles schaffen will bis heute Nachmittag muss ich mich ran halten.“
Chase seufzte. „Ich fahr für dich zum Rathaus. Ich mache es, wenn ich Lizzy zu Candy bringe.“
„Und genau dafür liebe ich dich.“; erwiderte freudig, sprang auf, gab ihm einen letzten Kuss und eilte dann schon zur Haustür hinaus, als sei sie nie da gewesen.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 02, 2013 9:28 pm

„Es tut mir unendlich Leid.“, platzte es aus Kaylee, nachdem sie um kurz nach Acht ins Haus gesprintet kam. Schuldig sah sie Chase an. „Ich habe mich wirklich beeilt, wirklich.“
Obwohl Chase leicht verärgert über diese Verspätung war, zuckte er die Achseln. Er saß auf dem Sofa, hatte Elijah neben sich und Elizabeth auf seinem Schoß. „Wir haben schon mal angefangen.“
Elizabeth, die freudig grinste, als sie ihre Mutter entdeckte, kletterte von seinem Schoß und eilte zu ihrer Mutter. Liebevoll streckte sie ihr ihre dicken Ärmchen entgegen. „Is will auf deinen Arm!“
Kaylee lachte über die Forderung, tat ihr aber den Gefallen und nahm ihre einzige Tochter hoch. Sanft strich sie ihr über das lange blonde Haar, dass sie von ihrem Vater geerbt hatte. „Meine kleine Prinzessin.“, liebkoste sie sie grinsend. „Ich glaube du du sprichst jeden Tag tausendmal besser, kann dass sein? Übt Papa etwa so viel mit dir?“
„Nein, nein.“ Elizabeth schüttelte den Kopf und deutete dann auf das Regal. „Ganz viele Wörter.“, befand sie mit einem zufriedenen Lächeln.
Chase lachte, als er Kaylees irritierten Gesichtsausdruck sah. „Sie liest.“, erklärte er leichthin. „Ich habe mich auch erschrocken, aber unsere Tochter, noch keine fünf Jahre alt beginnt schon Bücher zu lesen. Ich habe mit dem Arzt gesprochen und er hat gesagt wir sollten einen IQ Test machen.“
„Aiden damals hatte auch eine leichte Hochbegabung.“; erinnerte Kaylee sich vage. Sie sah ihre Tochter nachdenklich an. „Wir sind hier wohl umgeben von kleinen Genies, hm?“
Elizabeth lachte erfreut und beugte sich zu ihrer Mutter, um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. „Papa sagt, dass du eine Überrasungs Party mast für Elijah. Und is darf auch kommen.“
Lachend strich Kaylee ihr über die Wange. „Natürlich darfst du, Liebes. Aber du darfst nichts deinem Bruder verraten versprochen?“

In Wirklichkeit hatte Kaylee kaum über den Geburtstag ihres Sohnes nachgedacht. Es war nicht so, dass sie ihn vergessen hatte, aber eine Party hatte sie auch nicht geplant.
Chase, der ihren Blick aufgefangen hatte, grinste, erhob sich vom Sofa und kam zu ihr herüber. „Ich habe alles schon vorbereitet. Es wird eine kleine Feier, mit ein paar Freunden, okay?“
„Klar.“, dankbar sah sie ihn an. „Denk nicht ich habe Elijahs Geburtstag vergessen, ich hatte nur noch nichts geplant Chase. Ich wusste nicht genau wie wir finanziell dastehen.“
„Für ein paar bunte Luftballons und ein zwei Geschenke wird es reichen.“; befand dieser mit einem väterlichen Blick auf seinen Sohn. „Ich dachte an einen Football. Ich glaube darüber würde er sich wirklich freuen. Meinst du nicht?“
„Ein Football klingt mehr als gut.“ Kaylee folgte seinem Blick und lächelte glücklich, als sie sah wie viel Spaß Elijah bei dem Kinderfilm hatte. Er lächelte so glücklich, dass es einem fast das Herz zerriss. „Ich werde ein paar Geleesandwichs machen, denke ich. Und den Geburtstagskuchen mache ich diesmal auch wieder selber. Schließlich wird man nur einmal sechs.“
Chase sah an ihr vorbei zum Fenster, und ein breites Lächeln schmückte seinen Mund. „Kaylee, du wirst es nicht glauben, aber es hat tatsächlich angefangen zu schneien.“
Kaylee drehte sich ebenfalls zum Fenster und ihre hübschen blauen Augen weiteten sich vor Überraschung. „Schau doch mal wie es aussieht, Lizzy. Siehst du den weißen Schnee, der vom Himmel kommt. Wie kleine Federn, findest du nicht?“ Als sie spürte, dass Elijah neben sie getreten war um auch aus dem Fenster zu sehen, strich sie ihm fürsorglich durch das schwarze Haar. „Was haltet ihr davon, wenn wir drei rausgehen und den ersten Schnee ordentlich begrüßen.“

„Oh ja.“ Elijah lachte und war der erste bei der Garderobe.
Chase eilte ihm schmunzelnd hinter her und half den fast sechsjährigen Jungen beim anziehen.
Kaylee hingegen machte sich daran die aufgeregte Elizabeth anzuziehen, die wild umher lief und alle fünf Minuten aus dem Fenster sehen wollte.
Als endlich alle dick eingepackt und startbereit waren gingen sie hinaus in die Dunkelheit und erforschten den neuen Schnee, der schon Zentimeter dick am Boden lag.
Besonders Elijah hatte seinen Spaß dabei. Freudig tobte er durch die Schneewehen und warf ihn hoch um sich anschließend darunter begraben zu lassen. Seine blauen Augen wechselten immer wieder völlig versunken zwischen dem weißen Eis und seinen Eltern hin und her, die sein Treiben mit Stolz und Liebe beobachteten.
„Der Schnee ist noch viel herrlicher, als ich es geahnt hatte.“; murmelte Kaylee und ließ auch Elizabeth auf den Boden, damit sie spielen konnte. Liebevoll schmiegte sie sich an Chase. „Es ist herrlich wie die beiden sich amüsieren, findest du nicht?“
„Auf jeden Fall.“ Chase beugte sich hinunter und begann eine kleine Kugel zu formen. „Aber damit wir beiden auch Spaß haben bauen wir einen Schneemann, hast du das schon mal gemacht?“
Bedauernd schüttelte Kaylee den Kopf, aber es sah interessant aus, was Chase machte.

„Du nimmst Schnee und formst den zu einem Schneeball und dann rollst du ihn die ganze Zeit auf den Boden.“; erklärte er grinsend, wie ein kleiner Junge. „Na, komm.“
Die kleine Familie spielte so lange im Schnee, bis die Fingerspitzen fast angefroren waren.
Sie hatten lange nicht mehr so viel Spaß, wie an diesem Abend.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mi Feb 06, 2013 4:44 pm

„Ich fühle mich heute nicht besonders.“ Eine Hand sanft auf dem Bauch stand Kaylee im Flur, lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Ihr war übel.
Chase, der gerade Elizabeth anzog, warf ihr einen besorgten Blick zu. „Nicht, dass du dich gestern erkältet hast und eine Grippe ausbrütest.“
„Hoffentlich nicht.“, murmelte Kaylee und zwang sich die Augen wieder zu öffnen. Ihr Gesichtsausdruck war schmerzverzerrt. „Ich muss mich heute unbedingt mit einem Käufer für Wikinger treffen, ich kann es mir wirklich nicht leisten krank zu sein.“ Es war ein Rat an sich selber, also straffte sie die Schultern, atmete tief durch und versuchte ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Aber lange hielt es nicht an. Eine Welle der Übelkeit überfuhr sie ohne Vorwarnung, und mit der Hand auf den Mund gepresst stürzte sie ins Badezimmer und übergab sich laut.
Chase war ihr gefolgt. Er sah nun noch besorgter aus, als zuvor. „So kannst du nicht zum den Käufer gehen.“, erklärte er ihr überflüssigerweise.
Kaylee rollte mit ihren auffallend blauen Augen, während sie sich über den strengen Zopf strich und durchatmete. „Wir brauchen das Geld aber.“, flüsterte sie leise.

Chase nickte. Er ging zum Waschbecken und reichte ihr ihre Zahnbürste, so wie ein Becher mit Wasser. „Erst einmal trinkst du dass, und dann sehen wir weiter. Willst du Frühstücken?“
Ungläubig sah Kaylee ihn an. „Ja, Chase. Ich bestehe darauf etwas zu essen, um es dann gleich wieder auszukotzen.“, erwiderte sie mit ironischen Unterton. Schwerfällig rappelte sie sich auf, und begann sich die Zähne zu putzen, während sie in den Spiegel starrte.
„Ich verkaufe Wikinger.“ Chase sah sie durch den Spiegel an. „Und du bleibst heute zu Hause. Die Kinder kann ich bestimmt zu Candy bringen, die freut sich immer, wenn die beiden da sind.“
„Nein, nein, wenn du schon los gehst und Wikinger verkaufst, kümmere ich mich um die Kinder.“, murmelte Kaylee leicht unverständlich mit Schaum im Mund. Sie spuckte ihn aus und stellte die Utensilien zurück an ihren Platz. „Ich nehme jetzt ein paar Tabletten und dann geht das.“ Sie streckte ihre Hände nach Elizabeth aus, die Chase auf den Arm hatte.
Mit einem leichten Zögern gab Chase ihrem Streben nach, und folgte ihr dann ins Wohnzimmer.

„Ich striegle jetzt die Pferde und dann bringe ich Wikinger zum Käufer. Wo muss ich hin?“
„Zum Reitsportveranstaltungsort.“ Kaylee lächelte ihm dankbar zu. „Alles weitere regelt der Vermittler. Und ich danke dir, Chase. Wirklich.“ Liebevoll küsste sie ihn auf die Wange.
Chase lachte. „Ich glaube ich sollte wohl eher dir danken. Einen Tag ohne die kleinen Monster kann ich mir wirklich leisten.“ Er strich Elizabeth über die Wange, die ihren Vater nachdenklich ansah. „Obwohl ich dich ja ein kleines bisschen vermissen werde, kleine Lizzy.“
„Is dis auch.“, erwiderte das blonde Mädchen strahlend und küsste ihren Papa auf die runzlige Wange. „Daddy.“
Chase lächelte. „Dann mach ich mich mal auf den Weg, wir sehen uns später.“
Kaylee nickte und begleitete ihn zur Tür, wo die beiden Frauen ihm noch eine Weile hinter her winkten.

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