Das Flüstern der Pferde

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Aug 11, 2012 10:50 am

Yin warf einen besorgten Blick zu Nuri herüber, der mit nachdenklichem Blick an der Glastür stand und in die Nacht hinaus spähte.
Es war kurz vor neun und Gavin konnte jeden Moment auftauchen. Schon den ganzen Tag war Nuri ebenso unruhig wie Yin selber. Er tigerte umher, beschäftigte sich lautlos mit Vasco und musste alle halbe Stunde aus seinen tiefen Gedanken gerissen werden. Auch Gracie war dies aufgefallen, als sie zum Mittagessen da war. Immer wieder hatte sie Yin vielsagende Blicke zugeworfen und Yin hatte sie wohl oder übel erwidert. Ihr war klar worüber der sechsjährige Junge nachdachte.
Sie selber tat nicht anderes, den ganzen Tag.
„Du wirst schon sehen, wenn er auftaucht.“, rief sie Nuri zu. Liebevoll lächelte sie ihren nervösen Sohn an, der augenblicklich zu seiner Mutter gesehen hatte.
Er seufzte leise. „Aber wann, Mum? Ich warte schon den ganzen Tag! Ist es schon neun?“
„Würdest du die Uhr lernen, so wie deine Lehrerin es gesagt hat, dann müsstest du mich dass jetzt nicht fragen.“, zog sie ihn grinsend auf, während sie den letzten Hamburger formte und in die Pfanne legte. Saftig brutzelte er vor sich hin.
Nuri warf ihr einen genervten Blick zu und ließ sich auf einen der Stühle nieder. Unruhig nestelte er an seinem Halstuch herum. „Bist du dir denn ganz sicher, dass er kommt?“
„Natürlich, Spatz.“; versuchte sie ihren kleinen Jungen zu beruhigen. Sanft strich sie ihm über das schwarze Haar. „Du hast doch gehört, wie ich mit ihm telefoniert habe, oder nicht? Und er hat zu gesagt, ganz sicher, Nuri.“ Ein liebevoller Kuss folgte, bevor Yin sich wieder dem Abendessen zu wandte. „Willst du nicht noch mal nach Cowboy gucken? Vielleicht hat er noch Hunger.“

„Mum!“, stöhnte Nuri genervt und rollte mit seinen hübschen Augen. „Wenn ich jetzt weggehe, verpasse ich ihn doch.“ Sie hörte wie er tief durchatmete. „Vielleicht findet er es nicht.“
„Er wird es schon finden.“, erwiderte Yin ruhig. Es entsprach nicht ihrem Inneren, aber sie versuchte Nuri nicht zu zeigen, wie aufgewühlt sie eigentlich war. Dafür war er noch zu jung.
Kaum hatte Yin ihren Gedanken zu Ende gedacht, klopfte es sachte an der Glastür, und als sie sich umdrehte, erkannte sie Gavins hübsches Gesicht, geschmückt mit einem Lächeln.
„Da ist er!“, rief Nuri eilig aus, sprang von seinem Stuhl und stürmte zur Tür. Mit einem erfreuten Grinsen riss er sie auf. „Hallo, ich bin Nuri. Und du musst mein Vater sein.“
Zu Yins Überraschung schien Gavin kein bisschen überrumpelt. Er erwiderte das Lächeln des kleinen Jungen und nickte sogar. „Das bin ich. Schön dich endlich kennenzulernen.“ Sein Blick wanderte zu Yin, und sein Lächeln wurde unsicher. „Hallo Yin, schön dich zu sehen.“
„Hallo Gavin.“, brachte sie mühselig über ihre Lippen. Nervös deutete sie auf die Pfanne, in der es immer noch fröhlich brutzelte und zischte. „Dass Essen ist noch nicht ganz fertig, vielleicht setzt ihr beiden euch noch ein wenig nach draußen und redet. Hm?“
„Klar, Mum.“, erwiderte Nuri, schnappte sich Gavins Hand und zog ihn in die Dunkelheit der Terrasse. Hinter sich schloss er sorgfältig die Tür. „Mum ist nervös.“, teilte er Gavin entschuldigend mit. Seine Augen, die die seiner Mutter so sehr glichen schauten den blonden Mann nachdenklich an. „Ich glaube nicht, dass sie sich wohl fühlt, wenn du da bist.“

„Für einen kleinen Jungen merkst du sehr viel, Nuri.“, erwiderte Gavin, mit einem traurigen Lächeln. Wie sollte er seinem Sohn die Umstände erklären? „Es ist nicht immer leicht erwachsen zu sein.“, murmelte er. „Manchmal muss man Sachen machen, die einem nicht wirklich gefallen, oder die man im Nachhinein bereuen wird. Aber man tut es trotzdem, weißt du Nuri?“
„Ich verstehe nicht warum.“, erwiderte Nuri nachdenklich. Er runzelte seine kleine Kinderstirn. „Wenn man weiß, dass etwas falsch ist, warum macht man es dann?“
„Dass weiß ich selber nicht.“, antwortete Gavin seufzend. Er lächelte seinen Sohn aufmunternd auf. „Wenn ich es weiß, dann werde ich es dir sofort sagen, ist das okay?“
„Klar.“ Nuri nickte zuversichtlich. Dann rutschte sein Blick hinunter zu Gavins Klamotten. „Mum hat erzählt, dass du im Krankenhaus arbeitest. Bist du ein Doktor?“
„Ja.“ Gavin lachte leise. „Dass ist die einzige Sache, die ich wirklich gut kann.“ Er zuckte die Achseln. „Ich bin Chirurg weißt du? Dass sind Menschen, die Menschen zusammenflicken.“
Nuri nickte. „Ich weiß was dass ist. Ich schau mich manchmal eine Fernsehserie an, da geht es auch um Chirurgen.“ Er grinste stolz. „Ich weiß viel über deinen Beruf.“
„Essen ist fertig.“, erklang es aus dem Inneren des Hauses und Yins schwarzer Schopf tauchte in der Tür auf. Ihr Lächeln schien um einiges fester als zuvor, und auch ihre Laune schien sich gebessert zu haben. „Kommt ihr beiden? Sonst wird es kalt.“
Die drei ließen sich an den hölzernen Esstisch nieder und begangen die Burger zu verdrücken.
„Und? Habt ihr euch gut unterhalten?“, fragte Yin in die anhaltende Stille hinein.
Nuri nickte eilig, glücklich lächelnd. „Dad hat mir erzählt, was sein Beruf ist.“ Er stockte einen Moment und sah Gavin ängstlich an. „Darf ich dich eigentlich Daddy nennen?“
„N-natürlich.“; stotterte der Blonde und sah überrascht von Nuri zu Yin, die ihren Blick gesengt hatte. „Wenn du mich so nennen möchtest, dann darfst du das gerne tun.“
„Gut, dann tue ich das.“ Nuri warf seiner Mutter einen erfreuten Blick zu, als wollte er ihr zeigen, dass alles okay war. Als wenn er wirklich glücklich wäre.
„Die Farm ist wirklich schön, Yin.“, versuchte Gavin ein neues Gespräch zu starten. Sein Blick wich unruhig von seinem Teller ab, zu ihrem Gesicht. „Dass war immer dein Traum, oder nicht? Eine große Farm mit vielen Tieren. Wie viele Pferde hast du jetzt?“

„Drei.“ Yin nickte kurz. „Drei Pferde, aber eins davon ist noch ein Fohlen. Ich züchte jetzt.“
„Mum sagt, nur so können wir Geld verdienen.“, mischte Nuri sich wieder ein. Er rollte mit seinen auffälligen Augen. „Dabei sagt Tante Gracie immer, dass sie mehr Geld verdienen könnte, wenn sie wieder an den Rennen teilnehmen würde. Aber Mum will nicht.“
„Unverständlich.“ Gavin sah Yin fest an. „Deine Mutter ist in meinen Augen die beste Reiterin, die ich je kennengelernt habe, Nuri.“
„Jockey.“; korrigierte Yin ihn mit einem zarten Lächeln. Als ihre Blicke sich trafen, wusste sie, dass er sich auch an die alte Zeit erinnerte. „Es heißt immer noch Jockey.“
Nuri sah von seinem Vater zu seiner Mutter und wieder zurück. Das was er jetzt sah, ließ in dem Kinderherzen so etwas wie Hoffnung aufsteigen. Vielleicht...
Yin wandte den Blick eilig ab, bevor sie die Schmetterlinge wieder spürte. „Außerdem ist das Vergangenheit. Ich habe jetzt andere Ziele.“ Sie sah Nuri liebevoll an.
Gavin verstand. „Kinder sind das Glück unserer Erde.“, flüsterte er schmunzelnd.

„Tschüss, Dad.“, rief Nuri noch einmal in die Dunkelheit, bevor er die große Glastür hinter sich schloss. Als er sich zu Yin umdrehte, war sein Gesicht zufrieden. „Dass war ein toller Abend, Mum.“, murmelte er lächelnd. „Dad ist wirklich toll. Er rettet anderen Menschen, dass Leben, Mummy, hast du das gehört? Er ist so etwas wie ein...Superheld.“
Yin kicherte über den Enthusiasmus ihres Sohnes. „Dein Vater ist Arzt, Spatz.“; korrigierte sie ihn, während sie ihn sanft in Richtung Badezimmer schob. „Er rettet anderen Menschen das Leben, aber nicht weil er Superkräfte hat, sondern einfach weil er das studiert hast, weißt du?“

„Ja, ja.“ Nuri rollte mit den Augen, nahm die Zahnbürste vom Waschbecken und verteilte großzügig Zahnpasta darauf. „Für mich ist er trotzdem ein Superheld.“, murmelte er leise, bevor er sich die Zahnbürste in den Mund steckte und zu schrubben begann.
Yin sah ihm dabei zu, völlig in ihren eigenen Gedanken versunken. Es war wirklich kein schlechter Abend gewesen. Sie hatten gegessen und geredet und wirklich viel gelacht. Und Gavin war so unglaublich herzlich mit seinem Sohn umgegangen, dass Yin keinen Moment mehr daran zweifelte, dass er ein guter Vater sein würde. Er liebte Nuri, eben so wie Yin selbst das tat. Dass sah man.
„Noch cooler wäre es, wenn Dad hier schlafen könnte.“, riss Nuri seine Mutter aus ihren Gedanken. Seine blauen Augen blitzen frech. „Er kann ja in meinem Bett oder im Wohnzimmer schlafen.“
„Nein, Nuri. Gavin hat ein eigenes Haus, in dem er schlafen will.“, erstickte Yin diese Idee sofort im Keim und schob Nuri, der inzwischen fertig war mit Zähneputzen, aus dem Zimmer. Liebevoll dirigierte sie ihn ins Kinderzimmer und gab ihm seinen Schlafanzug.
Nuri schob die Unterlippe vor. „Aber Tante Gracie darf doch auch manchmal hier schlafen.“
„Dass war bevor sie Lealand bekommen hat, Schätzchen.“, erwiderte Yin. Liebevoll schlug sie die Decke auf, wartete bis Nuri sich hingelegt hatte und deckte ihn zu. „Es ist spät und morgen ist Schule. Wir reden ein andern Mal darüber, okay?“ Sie küsste ihn auf die Stirn.
„Na gut.“; erwiderte Nuri und gähnte laut. Lächelnd registrierte er, dass Vasco sich wie gewöhnlich an seinem Fußende zusammen gerollt hatte, schloss seine Augen und schlief ein.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Aug 11, 2012 10:58 am

Bevor Yin selber ins Bett ging, wollte sie noch einmal nach Cowboy schauen. Das Fohlen hatte am heutigen Tag so einen trägen Eindruck gemacht, dass sie sich ein wenig sorgte.
Eilig schlüpfte sie aus den ungemütlichen Sachen, die vielleicht schön waren, aber ganz und gar nicht bequem und zog die gewohnten Hotpants an. Obenrum zog sie einen gemütlichen Pferdepullover, den sie sich vor einiger Zeit in der Stadt gekauft hatte.
Ein letzter Blick in das Zimmer von Nuri, verriet ihr, dass der Junge tief und fest schlief, bevor sie durch die Küche nach draußen schlich.
Erschrocken zuckte sie zusammen, als sie eine Gestalt in der Dunkelheit ausmachen konnte. Im ersten Moment dachte sie, es wäre Gavin, aber die Person war etwas kleiner und nicht so muskulös, wie ihr Exfreund. „Entschuldigung?“, rief sie halblaut. „Kann ich ihnen helfen?“
Der Mann hob den Kopf und sah sie an. Anscheint hatte er sie zuerst nicht bemerkt, denn er wirkte überrascht. Sein Lächeln war unbefestigt. „Ja, natürlich. Mein Name ist Karan, ich bin Journalist.“ Er stieg die wenigen Treppen zur Veranda hinauf und hielt ihr seine Hand hin.
Zögerlich ergriff Yin sie, mit der anderen tastete sie nach ihrem Handy, für den Notfall. „Und was machen sie so spät auf meinen Grundstück?“, hackte sie misstrauisch nach.

„Ich bin gerade aus Indien angekommen, und habe einen super Job bei der Zeitung hier bekommen. Leider wollen die etwas haben...eine Story, verstehen sie?“ Er sah Yin unsicher an.
Yin fiel sofort auf, dass er nicht von hier war. Die Leute zu siezen, war keine Normalität von Appaloosa Plains. Sie strafte die Schultern und verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Und was wollen sie dann von mir? Sehe ich aus wie ein Promi?“
„Zumindest waren sie auf dem besten Weg einer zu werden.“ Er lachte leise, ein raues kehliges Lachen. „Sie sind doch Yin Yaming, oder nicht? Sie sind doch früher Rennen mit ihrer Stute Lady geritten. Bis sie plötzlich verschollen sind und niemand mehr etwas von ihnen hörte.“
„Ich bin nicht verschollen, ich habe mich zurückgezogen.“; erwiderte Yin streng. „Aus privaten Gründen.“
Karan nickte leicht. „Dass habe ich mir gedacht. Und jetzt bin ich hier, um mehr über sie heraus zu finden. Ich würde gerne einen Artikel über ihr jetziges Leben schreiben.“
Unsicherheit durchfuhr Yin, als sie daran dachte in einer Zeitung zu stehen. Dann wäre auch Nuri betroffen, und dass wollte sie nicht. Sie hatte sich aus dem Rampenlicht verabschiedet, genau wegen Nuri und ein Artikel würde die gegensätzliche Aufgabe erfüllen. „Dass ist keine gute Idee.“; entschied sie schließlich mit einem halbherzigen Lächeln. „Ich habe mich zur Ruhe gesetzte, sozusagen und dabei bleibt es auch. Alles was ich jetzt noch habe, ist mein Sohn und meine Zucht.“

Karan horchte interessiert auf. „Sie züchten?“ In seinen Augen blitzte eine neue Idee auf. „Sie meinen das fabelhafte Rennpferd Lady, wird weiter gezüchtet?“
„Nein.“ Yin schüttelte den Kopf. „Lady habe ich noch nicht gezüchtet. Ich habe eine andere Stute, ein ehemaliges Wildpferd und sie hat ein Fohlen bekommen.“
„Wissen sie was.“ Karan kramte in seiner Hosentasche, bis eine Visitenkarte zum Vorschein kam. „Ich gebe ihn meine Telefonnummer und sie rufen mich einfach an, okay? Ich habe nämlich ziemlich große Lust einen Artikel über ihre Zucht zu schreiben, fern von der ganzen Sache mit den Rennen. Nur ihre Zucht und sie, alles klar? Dann würden die Pferde mit Sicherheit auch besser verkauft werden. Kostenlose Werbung praktisch.“ Er fasste sich kurz an die Mütze. „Ich muss jetzt aber auch leider los, schließlich ist es schon spät. Ich warte auf ihren Anruf.“
„Okay.“, antwortete Yin völlig überfordert und starrte einen Moment auf die Visitenkarte.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 4:40 pm

Abwesend stand Yin an diesem Mittag auf ihrem Hof und überblickte das große Grundstück. Es war ein großartiges Bild und erfüllte die Japanerin, die mittellos hergekommen war mit Stolz.
Kirschblüte und Cowboy hatten es sich im Schatten der großen Scheune gemütlich gemacht. Liebevoll knapperte die Stute an dem Fell des Fohlen, dass ganz schläfrig wirkte. Die Liebe, die nur zwischen einer Mutter und einem Kind herrschen konnte, war hier nicht zu übersehen.
Lady hingegen stolzierte wie so oft auf dem Hof herum. Yin hatte heute einen langen und ausgiebigen Ritt mit ihr gemacht, und seit langem mal wieder das Gefühl von völliger Freiheit erlebt. Noch immer war die Stute außergewöhnlich schnell, und Yin war sich mehr als sicher, dass sie noch immer Preise mit nach Hause bringen würde. Die Rennen fehlten ihnen beiden.
Ein Auto hielt mit quietschten Reifen hinter Yin, und parkte schließlich am Straßenrand. Schließlich erstarb der Motor und die Tür klapperte, zum Zeichen, dass jemand ausstieg.
Yin drehte sich um und lächelte erfreut, als sie Gracie entdeckte. „Was führt dich zu mir?“, fragte sie und umarmte ihre beste Freundin, die sie eher selten sah.

Seit Lealand auf der Welt war, kümmerte sich Gracie hauptsächlich um ihre eigene kleine Familie. Und ansonsten arbeitete sie immer noch als Lehrerin in der Schule.
„Die Kinder sind momentan auf einem Ausflug, und Lealand bei Zac.“ Sie schnitt eine Grimasse, als Yin ihr einen fragenden Blick zu warf. „Wir haben uns vor einer Woche ca. getrennt.“ Sie seufzte leise. „Es hat einfach nicht mehr funktioniert weißt du? Wir haben uns gestritten und dass war auch für den Kleinen nicht so gut.“ Ihr Lächeln war nur halbherzig. „Aber es ist okay.“
„Wirklich?“ Besorgt sah Yin ihre beste Freundin an. „Wieso bist du denn nicht gleich zu mir gekommen, Gracie? Ich hätte immer ein offenes Ohr für dich gehabt, weißt du?“
„Ach was.“ Gracie winkte ab. „Mir geht es gut, Yin und ich hatte einfach keine Zeit mich bei dir zu melden, weißt du? Die Schule und Lealand, die ganzen Organisationen, die gemacht werden mussten...ich hatte echt den Kopf bis zum Rand voll, tut mir Leid Yin.“ Noch bevor die Schwarzhaarige etwas erwidern konnte, wechselte Gracie das Thema. „Erzähl doch erst mal! Wie war es mit Gavin? Habt ihr beide es gut überstanden.“
Yin nickte. „Es war wirklich ganz okay. Er hat sich super mit Nuri verstanden. Der Junge nennt ihn Daddy, kannst du dir das vorstellen?“ Sich sanft erinnernd fuhr sie sich durch das dunkle Haar. „Die beiden sind seit dem ein Herz und eine Seele. Manchmal glaube ich Nuri ist öfter bei Gavin als bei mir.“

Gracie lachte über die Eifersucht ihrer Freundin. „Ich kann nachvollziehen, dass du Nuri am liebsten ganz für dich hättest, aber du musst ihn teilen. Zac und ich müssen uns auch irgendwie arrangieren, schließlich ist es wichtig für Lealand. Und für Nuri auch.“
„Ich weiß, ich weiß. Eine Beziehung zu seinem Vater ist wichtig.“ Yin zog eine Grimasse und lächelte anschließend. „Lass uns doch reingehen, in einer Stunde kommt Nuri nach Hause.“

Als es Abend wurde, saßen die beiden Frauen schließlich am Abendtisch, während Nuri am Boden mit Vasco spielte. Die Hausaufgaben lagen wie so oft unberührt in seiner Schultasche.
„Lealand kommt auch bald in die Schule, oder nicht?“, fragte Yin interessiert nach, während sie ihren Gemüseburger aß.
Gracie nickte und seufzte laut. „Ja, nicht mehr lange und ich muss meinen kleinen Sohn in die Welt hinaus lassen.“ Noch einmal seufzte sie, diesmal etwas leiser. „Deswegen bin ich auch in die Stadt gezogen, weißt du? Von hier dauert es fast eine Stunde, bis der Kleine in der Schule wäre, und dass möchte ich nicht. Von meinem jetzigen zu Hause braucht der Schulbus knappe zwanzig Minuten.“
„Stimmt.“, machte Yin zustimmend. Ihr Blick fiel auf Nuri, der immer noch am Boden saß. „Manchmal glaube ich auch, dass es auch zu lange für Nuri ist. Vielleicht ist er deswegen die meiste Zeit bei Gavin, weißt du? Gavin wohnt ja nicht sehr weit weg.“
„Ach, was.“ Gracie schüttelte den Kopf und legte ihr die Hand auf den Arm. „Nuri ist sehr glücklich hier, weißt du? Er liebt die Pferde, und er liebt Vasco. Außerdem ist es hier doch ganz schön abgelegen. Dann kann er so viel und so lange wie er will draußen bleiben.“
Yin kam der Gedanke an Karan und sie biss sich nachdenklich auf die Lippen. „So abgelegen kann das hier gar nicht sein, Gracie. Letztens war hier ein Reporter, weißt du? Er wollte ein Interview.“
Gracies Augen wurden groß. „Mir dir? Weswegen denn, Yin.“
Mit einem kurzen Blick über ihre Schulter, entschied Yin, dass es für Nuri nun Zeit war ins Bett zu gehen. Sie wollte nicht, dass er das hörte, bevor sie sich nicht ausgiebig mit Gracie darüber beraten hatte, was nun das beste für die kleine Familie war. „Nuri? Mach dich Bett fertig, es ist spät.“

„Oh man.“, murmelte das Schulkind, nahm Vasco auf den Arm und tigerte ins Badezimmer.
Yin wartete noch bis seine Tür sich geschlossen hatte, dann fuhr sie fort. „Erst wollte er etwas über mich schreiben, wegen Lady und mir damals, weißt du? Aber nachdem ich ihm gesagt habe, dass ich nichts mit den Rennen mehr zu tun habe, da hat er sich auf meine Zucht konzentriert. Er will so etwas wie kostenlose Werbung machen, oder so.“
„Das klingt doch super.“, rief Gracie erfreut auf, sprang von ihrem Stuhl und folgte Yin zum Geschirrspüler, wo sie gerade das Geschirr einsortierte. „Etwas Besseres kann dir gar nicht passieren, Yin, ist dir das eigentlich klar? Du kannst viel Geld verdienen.“
„Ich weiß.“ murmelte Yin. „Aber ich trau dem Ganzen einfach nicht.“ Sie seufzte und fuhr sich über den ordentlichen Zopf. „Ich habe keine Ahnung ob ich ihm trauen kann.“
„Versuch es.“, versuchte Gracie sie sanft zu begeistern. „Du hast das Rennen für Nuri aufgeben, aber deine Zucht ist doch jetzt deine einzige Geldeinnahme. Also, versuch es wenigstens.“
Nach kurzen Nachdenken, nickte Yin schließlich. „Ich rufe ihn gleich morgen früh an, okay?“ Ihr Blick glitt zurück zum Tisch. „Wollen wir noch ein Glas Wein trinken?“
Gracie schüttelte entschuldigend den Kopf. „Ich muss Lealand unbedingt von Zac abholen, sonst schläft er da ein und dann gibt es wieder Ärger.“ Sie seufzte und verabschiedete sich mit einem Kuss auf die Wange. „Wir telefonieren die nächsten Tage, oder nicht?“
„Klar.“; erwiderte Yin und schloss hinter ihrer besten Freundin die Tür.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 5:28 pm

Am nächsten Morgen entschied Yin sich, mit Nuri darüber zu reden, bevor sie diesen Karan anrief.
Eine Weile sah sie ihrem Sohn schweigend zu, wie er hungrig sein Marmeladenbrot verdrückte.
„Warum guckst du mich denn so an?“, fragte der Junge neugierig.
Yin lachte und wuschelte ihm durch das schwarze Haar. „Darf ich meinen tollsten Sohn der ganzen Welt nicht einfach mal angucken?“, fragte sie belustigt.
Nuri zuckte die Achseln. „Klar darfst du, aber wenn Dad mich so anguckt, dann hat er immer eine Idee, weißt du? Dann kommt so etwas wie ins Schwimmbad gehen.“ Sein Blick glitt zur Küchenuhr. „Aber ich glaube das schaffen wir heute morgen nicht mehr, Mum.“
Yin lachte über die verrückten Ideen ihres einzigen Sohnes. „Ich will heute auch gar nichts mit dir ins Schwimmbad. Es geht um etwas völlig anderes, Nuri.“
Nuri blickte seine Mutter neugierig an. „Hat es was mit Daddy und dir zu tun?“
„Nein.“ Yin sah ihren Sohn überrascht an. Damit hatte sie nicht gerechnet. „Was soll denn mit mir und deinem Vater sein, Spatz? Willst du mir irgendetwas sagen?“

„Nein, nein. Ich dachte nur.“ Nuri schüttelte eilig den Kopf und wechselte wieder das Thema. „Was gibt es denn jetzt, was du mir erzählen willst, Mummy?“
„Ach ja.“ Yin nickte, sich wieder fangend. „Ich habe letztens jemanden von der Zeitung kennengelernt, Nuri. Er möchte gerne einen Artikel über meine Zucht schreiben, und ich habe noch nicht zu gesagt.“ Sie machte eine kleine Pause. „Ich möchte erst mal wissen, was du davon hältst. Du musst mir deine ehrliche meine Meinung sagen, okay?“
Nuri nickte langsam. Sein Blick blieb einen Moment nachdenklich an seinem Teller hängen, dann lächelte er. „Klar ist das okay, Mum. Komm ich dann auch in die Zeitung?“
„Dass weiß ich nicht.“, erwiderte Yin wahrheitsgemäß und stand auf. Sie hatten den Schulbus von draußen gehört, also nahm sie Nuris Rucksack und reichte ihn ihm. „Du musst zur Schule, Spatz. Grüß Gracie ganz lieb von mir, okay?“
„Mach ich.“, rief er und lief nach draußen, gefolgt von Vasco, der ihn immer noch bis zum Briefkasten begleitete und da schließlich sitzen blieb um ihm hinterher zu sehen.
Yin nahm ohne weiter nachzudenken ihr Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer des Reporters. Nervös wartete sie auf eine Antwort.
„Karan hier?“, ertönte seine tiefe Stimme.

„Äh...hallo...hier ist Yin.“, meldete sie sich schüchtern. „Ich rufe an..wegen dem Artikel. Ich weiß nicht ob sie sich noch erinnern. Sie waren bei mir zu Hause...also...“
„Natürlich erinnere ich mich.“ Karan schien sich irgendwo hinzusetzen. Er klang ehrlich erfreut. „Ich dachte schon sie rufen gar nicht mehr an. Haben sie sich entschieden?“
„Ja, dass habe ich.“; erwiderte Yin lächelnd. „Ich würde mich freuen, wenn sie einen Artikel über mich schreiben würden. Also...über meine Zucht, meine ich natürlich.“
Am anderen Ende raschelte es kurz. „Super, dann sollten wir uns doch treffen. Wann passt es ihnen denn? Und wo, ich richte mich da ganz nach ihnen.“
„Vielleicht übermorgen? Morgen habe ich leider schon einen Termin. Passt das ihnen?“
„Natürlich.“, erwiderte ´Karan und schien sich den Termin aufzuschreiben. Der Kugelschreiber kratzte auf seinem Papier, Yin konnte es genau hören. „Ich komme dann so gegen zwei Uhr, okay?“
„Gut.“ Yin seufzte innerlich erleichtert. Dann war Nuri in der Schule und sie müsste sich keine Gedanken über die Fragen machen, die Karan ihr stellen würde. „Dann sehen wir uns übermorgen.“
„Genau. Und vielen Dank, dass sie es sich überlegt haben.“ Es klickte in der Leitung und Karans sympathische Stimme war verschwunden.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 5:41 pm

Nuri trat verschlafen in die Küche. Er hatte heimlich gestern unter der Bettdecke noch ein paar Rätsel gelöst, weil er nicht hatte schlafen können. Wenn seine Mutter das rausbekommen hätte, wäre sie mit Sicherheit wütend geworden, dass wusste Nuri.
Als er sich suchend nach ihr umsah, stockte er einen Moment. Seine Mama, die er so unglaublich doll lieb hatte, sah plötzlich vollkommen anders aus.
Ihr schwarzes Haar, dass sie meistens praktischerweise als Zopf trug, fiel glatt und glänzend über ihre Schultern. Die waren von einem wunderschönen, hellblauen Oberteil bedeckt, dass die Augen der hübschen Japanerin stark betonten. Zur Abwechslung trug Yin nicht die alten Cowboystiefel, sondern hellbraune Pumps, ihre dünnen Beine wurden von der neuen Jeans ins rechte Licht gerückt. Und zu Nuris großer Überraschung war sie sogar geschminkt.
„Wow, Mum.“, murmelte erstaunt und rieb sich noch einmal die Augen. Vielleicht träumte er ja. „Du siehst ja wirklich richtig hübsch aus. Als wenn du auf eine Party gehen würdest.“

Verlegen lachte Yin und strich sich noch einmal das Oberteil glatt. Ihre schmalen Wangen färbten sich leicht rot. „Sehe ich wirklich okay aus, Nuri? Oder ist es etwas zu viel?“
„Nein.“ Kopf schüttelnd betrachtete er seine Mutter noch eine Weile. „Du siehst wirklich aus wie eine japanische Prinzessin, Mum. So wie Dad es immer sagt.“
Yin hob überrascht den Kopf. „Du redest mit deinem Dad über mich?“, fragte sie vorsichtig.
Nuri nickte ertappt, denn Lügen gehörte nicht unbedingt zu seinen Stärken. „Manchmal.“, verriet er leise. „Er sagt dann immer, dass ich Glück habe so eine wundervolle Mutter zu haben.“ Er hielt einen Moment inne und grinste anschließend frech. „Und ich finde, dass er da Recht hat.“
Yin lächelte und drückte ihren Sohn liebevoll an sich. Die Sorge über seine Worte versteckte sie hinter dem Lächeln. Wenn Gavin über sie sprach, bedeutete es, dass er noch etwas fühlte und sie fürchtete sich davor selber noch irgendwo Gefühle für den hübschen Mann zu haben.
„Du bist mir doch nicht böse, oder?“, fragte Nuri leise in ihr schwarzes, dichtes Haar.
Yin schüttelte eilig den Kopf und küsste ihn auf den Scheitel. „Ach, nein, mein Schatz.“ Langsam löste sie sich von ihm und versuchte ihn durch einen Themawechsel auf andere Gedanken zu bringen. „Und ich sehe wirklich hübsch aus? Wie hübsch denn?“

„So hübsch, dass morgen alle Cowboy kaufen wollen.“, grinste Nuri und lachte mit seiner Mutter.
Yin schmunzelnde und schob ihren Sohn sanft in Richtung Tür. „Der Bus ist gleich da, Spatz. Wenn du nicht immer so spät aufstehen würdest, dann würdest du es auch schaffen mal zu frühstücken.“
„Ach, das geht schon.“; erwiderte Nuri und nahm die braune Tüte mit seinem Pausenbrot entgegen. „Ich esse einfach in der Pause und bis dahin halte ich das schon aus.“ Er blieb noch einmal stehen und sah seine Mutter aus seinen blauen Augen treu an. „Du bist die beste Mutter, die man auf der ganzen Welt haben kann, Mummy. Nur damit du das weißt!“
Yin stiegen ein paar Tränchen in die Augen, die sie eilig weg blinzelte. „Und du bist der beste Sohn, den man auf der ganzen Welt haben kann.“ Am liebsten hätte sie ihn wieder an sich gezogen und fest durch geknuddelt, aber sie wusste, dass sie ihn dann nicht wieder gehen lassen konnte und in ein paar Stunden würde Karan schon sein. Aber bevor er hier auftauchte, musste sie sich noch um die Pferde und Vasco kümmern. „Grüß Gavin von mir.“, rief sie Nuri hinter her, als ihr einfiel, dass er nach der Schule mit seinem Vater im Imbiss essen würde.
„Mach ich!“, rief Nuri zurück und winkte noch einmal, bevor er in den gelben Schulbus einstieg.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 5:56 pm

Nervös rieb Yin sich die schweißgebadeten Hände an ihrer Jeans ab. Immer und immer wieder glitt ihr Blick rüber zu dem kleinen Wecker, den sie sich auf die Terrasse gestellt hatte. Er war fünf Minuten über der Zeit und dabei hatte Yin sich extra so beeilt.
Vasco, der neben ihr saß und ihre Nervosität spürte jaulte leise und schleckte ihr sanft die Hand ab, als wollte er sie beruhigen. Aber Yin konnte rein gar nichts mehr beruhigen.
Endlich fuhr ein grauer Golf vor, alt und abgenutzt sah er aus. Yins Herz blieb einen Moment stehen, als sie sah wie Karan ausstieg und das Auto davon fuhr.
Sie erhob sich wie ein Roboter von ihrem Platz und stelzte langsam die Treppen hinunter, um ihren Gast in Empfang zu nehmen. Verfolgt wurde sie dabei von dem Mops.
„Wow.“ Karan blieb einen Meter von ihr entfernt stehen und betrachtete sie eingehend. Seine Augen blieben an ihren hübschen Gesichtszügen hängen. „Sie sehen einfach...wundervoll aus.“
„Danke.“, errötend blickte Yin für einen Moment zur Seite. Kaum merklich atmete sie tief durch, bevor sie ihm die Hand reichte. „Schön, dass sie kommen konnten.“
„Schön, dass sie mich eingeladen haben.“, erwiderte er und schüttelte ihre zierliche Hand. Sein Blick war intensiv und fesselte Yin für einen Moment. „Wenn ich ehrlich bin habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass ich über sie schreiben darf. Sie klangen sehr..abweisend.“

„Wie wäre es, wenn wir uns duzen?“, fragte Yin leise. „Ich bin es gewohnt, weil man hier in Appaloosa niemals siezt. Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft.“
„Habe ich schon gemerkt.“, er lachte, als erinnerte sich an etwas. „Aber es gefällt mir hier wirklich gut, weißt du? So...Naturverbunden. Es erinnert mich an meinen Heimatort.“
Yin blinzelte ihn fragend an. „Wo kommst du denn her, wenn ich fragen darf?“
„Sunset Valley.“. Antwortete er und fuhr sich durch das blonde Haar. „Es ist nicht ganz so ländlich wie hier, aber es ist eine sehr kleine, feine Stadt. Manchmal wünschte ich, dass ich eines Tages dahin zurückkehren könnte. Dass wäre ein wirklich großer Traum von mir.“
„Und warum gehst du nicht?“, fragte Yin. Aber als ihr auffiel wie abweisend das klang, fügte sie eilig hinzu: „Ich meine...du hast sicher Familie dort. Willst du sie nicht besuchen?“
„Ich habe keine Familie mehr.“; gab Karan mit betrübter Miene zu. „Meine Eltern starben bei einem Autounfall, als ich ungefähr sieben Jahre alt war. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen, aber sie sind leider beide schon verstorben. Sie sind sehr alt geworden.“
Yin sah ihn mitfühlend an, und strich ihm kurz über den Arm. „Das tut mir wirklich Leid.“
„Muss es nicht.“, erwiderte er, mit einem aufmunternden Lächeln. „Außerdem bin ich doch hier um mehr über dich und deine Zucht zu erfahren, und nicht über mich zu reden.“

Eilig nickte Yin. „Natürlich, komm doch rein. Ich zeig dir mein Haus und anschließend kannst du mir Fragen stellen. Oder läuft dass anders?“, fragte sie besorgt.
Karan lachte nur und schüttelte den Kopf. „Wir beide machen es ganz locker.“
Yin führte ihren Gast durch die Küche in das kleine Wohnzimmer. „Es ist gemütlich.“; erklärte sie mit entschuldigenden Blick. „Mein Sohn und ich sind nur zu zweit. Wir brauchen nicht viel.“
Karan sah sie interessiert an. „Du hast einen Sohn? Dass wusste ich überhaupt nicht.“
„Er ist der Grund, warum ich mich von der Öffentlichkeit verabschiedet habe.“; erklärte Yin mit gesenktem Blick. „Er ist mein Ein und Alles und ich wollte einfach nicht, dass er ein unruhiges Leben hat. Er sollte ganz normal aufwachsen. Ohne eine Mutter zu haben, die berühmt ist.“
Verständnisvoll nickte Karan. „Du wolltest ihn schützen, nicht wahr?“ Nachdem Yin genickt hatte, lächelte er sanft. „Wenn ich Kinder hätte, würde ich es genau so machen.“ Er machte eine kleine Pause, dann fragte er leise. „Und was ist mit dem Vater deines Sohnes?“
„Wir leben nicht zusammen.“, presste Yin zwischen den Lippen hervor. Sie dachte an das Leiden, was sie wegen Gavin durchgemacht hatte und ihr Herz begann zu schmerzen.
Als wenn Karan ihre Gefühle in ihrem Gesicht hatte lesen können, strich er ihr sanft über den Arm.

Yin lächelte eilig. „Es ist eine lange Geschichte, weißt du? Zu lange, um sie zu erzählen.“
„Manchmal hilft es.“ Karan sah sie liebevoll an. „Manchmal muss man darüber reden, um damit abschließen zu können.“
Yin dachte über seine Worte nach und wusste das er Recht hatte. Sie würde niemals mit Gavin abschließen, wenn sie sich nicht alles von der Seele reden würde. Aber noch einmal mit ihm zusammen zu sein, dass könnte sie nicht, auch wenn Nuri sich das wünschen würde.
Karan steckte den Block, den er provisorisch schon heraus genommen hatte wieder in seine Tasche und auch der Kugelschreiber verschwand. „Der Artikel kann warten.“; erklärte er ihr, als sie ihn fragend ansah. „Ich glaube dass du jetzt eher einen Freund, als einen Reporter brauchst.“
Dankbar nickte Yin. Mit der Hand deutete sie auf das Sofa. „Vielleicht setzen wir uns hin.“ Sie hatte in den letzten Minuten ein unglaubliches Vertrauen zu diesem Mann aufgebaut und sie wusste nicht mal wieso. Es war, als würde ein inneres Ich ihr sagen, dass er der Richtige war.
Die beiden ließen sich auf den Sofa nieder und binnen einer Stunde, hatte Yin Karan alles erzählt. Alles, bis auf den Grund, warum sie nach Appaloosa Plains gekommen war.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 6:06 pm

„Mum?“ Nuris müde Stimme erklang aus der Küche und riss die beiden Erwachsenen aus ihrem angeregtem Gespräch.
Yin sprang sofort auf und sah auf die Uhr. Es war schon weit nach zwanzig Uhr, und sie hatte Nuri eigentlich von Gavin abholen wollen. „Mist.“; murmelte sie und fuhr sich durch das lange Haar. „Ich hab die Zeit total vergessen.“ Ihr Blick fiel zurück auf Karan. „Es tut mir wirklich Leid, aber es ist schon spät. Vielleicht wäre es besser, wenn du jetzt gehst.“
„Natürlich.“ Er erhob sich von seinem Platz und folgte Yin in die große Küche, die gleichzeitig auch der Eingangsbereich war.
Yin küsste Nuri sanft auf den Kopf, als sie in der Küche entdeckte. „Es tut mir unglaublich Leid, mein kleiner Liebling. Ich habe die Zeit total vergessen, weil ich mich mit dem Reporter unterhalten habe, kannst du mir verzeihen?“
Nuri nickte langsam und spähte an seiner Mutter vorbei. „Dad hat mich nach Hause gefahren.“; erwiderte er schließlich lächelnd. „Er hat einen ganz neuen Sportwagen, Mum.“
„Dass freut mich.“ Yin setzte ein Lächeln auf und schob Nuri sanft an sich vorbei, damit Karan ihn sehen konnte. „Dass ist mein Sohn Nuri, Nuri dass ist der Reporter von dem ich dir erzählt habe. Sein Name ist Karan.“
„Hallo.“, murmelte der kleine Junge misstrauisch und reichte ihm höflich die Hand, so wie seine Mutter es ihm gelehrt hatte.

Karan erwiderte den Händedruck leicht, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen. „Hallo Nuri, schön dich kennenzulernen. Deine Mutter hat mir viel von dir erzählt.“ Sein Blick glitt wieder zu Yin hinüber, die die beiden abwesend beobachtet hatte. „Ich muss jetzt auch wirklich los, aber es war wirklich nett. Vielleicht sehen wir uns ja nochmal wieder, Yin.“
„Ganz bestimmt.“, erwiderte sie und sah ihm nach, wie er pfeifend das Haus verließ.
Nuri sah seine Mutter nachdenklich an. Da war etwas in ihren Augen, dass er lange nicht mehr gesehen hatte. Ein besonderer Ausdruck von Glück, wie in den Liebesfilmen, die Tante Gracie sich immer ansah. „Ich soll dich von Dad grüßen.“; riss er sie mit Absicht aus ihren Gedanken.
Yin sah überrascht zu ihrem Sohn, als hätte sie vergessen, dass er auch noch da war. „Danke.“, war schließlich ihre schlichte Antwort, bevor sie auf die Uhr sah. „Es ist schon spät, Nuri. Hast du deine Hausaufgaben gemacht?“ Er nickte. „Hast du schon gegessen.“
„Dad hat für mich gekocht. Er kann wirklich gut kochen, findest du nicht, Mum?“
„Ja.“, machte Yin schmunzelnd, auch wenn sie sich nicht daran erinnern konnte, dass Gavin jemals für sie gekocht hatte. „Aber jetzt musst du ins Bett, Nuri. Morgen ist Schule.“
Nuri gehorchte und folgte seiner Mutter ins Kinderzimmer. Nachdenklich schlüpfte er in seine Schlafsachen. „Mum?“ Er sah Yin bittend an. „Kannst du mir was vorlesen?“

„Klar.“ Yin nahm sein Lieblingsbuch aus dem Regal und ließ sich neben Nuri nieder, nachdem der sich fest in seine Decke gekuschelt hatte. Aber bevor sie auch nur ein Wort lesen konnte, unterbrach Nuri sie schon wieder.
„Wusstest du das Dad ein Foto von dir im Schlafzimmer stehen hat? Es steht auf dem Nachttisch.“
Yin hob den Blick von den Buchstaben und runzelte die Stirn. Was sollte sie sagen?
„Und ich weiß, dass er noch viel an dich denkt. Elmar hat es mir erzählt.“
Elmar war Gavins Sohn, und Yin wusste, dass er manchmal mit Nuri in den Park ging oder ins Schwimmbad. Die beiden Halbgeschwister verstanden sich trotz des großen Altersunterschied wirklich gut. Und bisher hatte Yin dass sogar für gut befunden.
„Wieso magst du Dad eigentlich nicht mehr?“, fragte der müde Junge schließlich vorsichtig.
Yin seufzte leise. „Nuri, es ist nicht so, dass ich deinen Vater nicht mehr mag. Er ist ein wirklich guter Vater, oder nicht?“ Nuri nickte. „Aber ich liebe deinen Vater einfach nicht mehr. Nicht so wie früher. Und deswegen können wir nicht mehr zusammen sein.“

„Dad sagt er hat etwas gemacht, warum du noch wütend auf ihn bist.“ Er sah seine Mutter liebevoll an. „Aber ihr könnt euch doch einfach vertragen. Wie ich und Lealand auch.“
„Dass ist etwas anderes.“, lachte Yin leise. „Bei Erwachsenen geht es nicht immer so leicht, Liebling. Du kannst doch noch nicht verstehen, erst wenn du älter bist, denke ich.“ In ihr stieg die Wut darüber, dass Gavin es ihm erzählt hatte. Nuri war doch einfach noch zu jung dafür. „Willst du jetzt noch eine Geschichte hören, oder willst du gleich schlafen?“, fragte sie stattdessen.
Nuri legte sich zurück in seine Kissen und lächelte. „Jetzt kannst du vorlesen.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 6:13 pm

Ein paar Tage später bekam Yin endlich die Möglichkeit mit Gavin zu reden, denn der inzwischen ergraute Schönling brachte Nuri an diesem Nachmittag nach Hause.
„Mum!“, rief Nuri und sprang aus dem schicken Wohnwagen. Sein Rucksack flog hinter ihm her, wie ein Cape von einem Superheld. „Ich war heute bei Daddy auf der Arbeit! Ich durfte an den Computer und ich durfte ein paar Patienten besuchen, dass war so toll.“
Yin setzte ein eiliges Lächeln auf, auch wenn die Wut wieder in ihr hochkochte. „Dass klingt wirklich spannend. Aber ich denke dass du da kaum Zeit für Hausaufgaben hattest, oder?“
Schuldbewusst sah Nuri zu Böden und stöhnte leise. „Och Mum, die kann ich doch auch morgen im Bus machen. Oder in der Pause. Ich will lieber mit Vasco spielen.“
Yin machte ein strenges Gesicht und deute mit dem Kinn leicht in Richtung Haus. „Ich diskutiere nicht mit dir darüber, Nuri. Ab ins Haus und Hausaufgaben machen. Vasco muss dann eben noch fünf Minuten warten, hast du gehört?“
„Dad!“, rief Nuri mit verschränkten Armen aus und sah seinen Vater bittend an, aber der schüttelte, Yin unterstützend, den Kopf.

„Tu was deine Mutter dir gesagt hat.“, bat er im liebevollen Ton und strich ihm durch das schwarze Haar. „Du bist doch ein schlauer Junge, du brauchst doch eh nur ein paar Minuten.“
Nuri seufzte erneut und stampfte ins Haus. Er wusste, dass sein Vater Recht hatte und eigentlich fand er die Matheaufgaben auch gar nicht so schlimm. Er mochte Mathe und er war gut.
Yin wandte sich zu Gavin um, nachdem Nuri hinter sich die Tür geschlossen hatte. „Was fällt dir eigentlich ein, Nuri von unserem Beziehungsende zu erzählen?“, fauchte sie wütend.
Gavin ging vor Schreck ein paar Schritte zurück und sah seine Ex-Freundin aus großen Augen an. „Warum denn nicht?“, war seine naive Nachfrage. „Warum sollte er es nicht wissen?“
„Weil er ein Kind ist!“, rief Yin immer noch wütend aus. „Er muss nicht wissen, dass du mir das Herz gebrochen hast und er muss schon gar nicht wissen, dass ich deswegen noch wütend bin.“
Gavin lachte leise. Er schien sie nicht ganz Ernst zu nehmen. „Yin. Er ist kein kleines Kind mehr. Er wird bald ein Teenager sein und dann wird er eh hören was passiert ist.“ Er biss sich beschämt auf die Lippe. „Was ich damals getan habe ist nicht zu entschuldigen Yin, und dass weiß ich. Aber darauf, dass du noch sauer auf mich bist, wäre Nuri auch so gekommen. Man sieht es in deinem Gesicht.“

Fast erschrocken fasste Yin sich an das Gesicht, als wollte sie überprüfen ob es stimmte, was er sagte. Schließlich schüttelte sie unwirsch den Kopf. „Es ist aber etwas anderes, wenn du es ihm sagst.“, beharrte sie nun etwas ruhiger. Ein Seufzen entwich ihrer Kehle. „Er ist mein kleiner Junge, Gavin. Und ich will nicht dass sein Leben durch irgendetwas...behindert wird. Verstehst du? Ich will nicht, dass er sich Gedanken darüber macht, warum wir beide kein Paar mehr sind.“
„Er wünscht es sich aber.“ Gavin sah ihr fest in die blauen Augen. „Ich sehe es, und er macht Andeutungen, Yin. Er will eine richtige Familie haben.“
Yin seufzte erneut leise. Mit geschlossenen Augen murmelte sie: „Ich weiß, aber diese Familie wird nicht aus uns bestehen, Gavin. Es tut mir Leid, aber es ist einfach viel zu viel passiert.“
Gavin nickte langsam, ein trauriges Lächeln auf den Lippen. „Dass habe ich mir gedacht, auch wenn ich es mir anders gewünscht hatte.“
Yin wusste nicht genau was sie sagen sollte. Sie spürte nur einen Schmerz, der dem von Früher aber nicht glich. Es war etwas anderes. Mitleid vielleicht?
„Ich muss gehen.“ Gavin räusperte sich. „Sag Nuri Gute Nacht von mir, ja?“
Yin nickte und sah ihm noch lange nach. Es tat ihr Leid, aber sie wusste, dass es die beste Entscheidung war.


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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Aug 14, 2012 7:11 pm

„Ich geh mit Vasco spazieren.“ Nuri drückte seiner Mutter einen herzlichen Kuss auf die Wange, bevor er sich einen Stock schnappte und Vasco verspielt jagend zum Hügel scheuchte.
Yin sah ihm nach und innerlich machte sich wieder die Angst vor dem Verlust breit. Nuri würde nicht immer ein Kind bleiben, und vielleicht würde er einmal Entscheidungen treffen, die ihn weiter von ihr entfernen würden, als sie sich wünschte. Und vielleicht würde er auch irgendwann sauer auf sie sein, wegen Gavin. Vielleicht würde er irgendwann lieber bei ihm leben...
„Hey, Yin.“ Eine männliche Stimme riss sie aus ihren trübsinnigen Gedanken und ließ sie die Flasche, mit der sie Cowboy gerade fütterte kurz daneben gehen.
Yin warf überrascht einen Blick über die Schulter und strahlte, als sie Karan entdeckte. „Was machst du denn hier?“, fragte sie freudig und wäre ihm am liebsten in die Arme gefallen, aber Cowboys Fütterungszeit war jetzt wichtiger. „Ich würde dich ja umarmen, aber Cowboy ist da wirklich ungnädig.“ Sie zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Kein Problem.“, erwiderte Karan lächelnd und strich dem Fohlen sanft über das glänzende Fell. „Ich glaube für ihn bekommst du ziemlich viel Geld. Er ist ein Prachtkerl.“
Yin nickte zustimmend. „Wenn ich ihn verkaufen würde, würde ich bestimmt auch ziemlich viel Geld bekommen.“ Sie legte den Kopf schief und betrachtete das Fohlen lächelnd. „Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht ob wir ihn verkaufen können. Nuri hängt an ihm.“

„Für dein Sohn würdest du alles tun, oder nicht?“, fragte Karan grinsend. Aber hinter seinem fröhlichen Gesicht konnte Yin so etwas wie Sorge sehen.
„Ist alles okay bei dir?“, fragte Yin leise. Sie stellte die Nuckelflasche auf den Boden und gab Cowboy einen kurzen Klaps, als Zeichen, dass er gehen durfte.
Karan nickte, dann sah er sie mit dem schelmischen Zug um den Mund an, den er immer hatte. „Ich bin heute Morgen gefeuert worden.“, erklärte er ihr ruhig.
Yin öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber sie wusste nicht was. „Aber doch nicht wegen mir oder? Ich meine, weil du den Artikel nicht geschrieben hast?“, brachte sie schließlich heraus.
Er schüttelte den Kopf, aber Yin konnte sehen, dass er log. „Hat wohl einfach nicht gepasst.“ Als er ihren besorgten Gesichtsausdruck sah, seufzte er leise und strich ihr sanft über die weiche Wange. „Mach dir keine Sorgen, ich hab schon einen ganz neuen Job. Einen besseren.“
Überrascht sah Yin ihn an. „Hast du?“
Karan nickte eilig. „Ein super Angebot. Ich bin bei einer großen Zeitung und ich verdiene wirklich unglaublich viel Geld. Und dass alles unter der warmen Sonne Indiens.“ Er seufzte schwärmerisch. „Ich kenne das Land. Ich habe dort zwei Jahre gelebt und ich vermisse es.“

Yin versuchte sich mit zu freuen, aber es war der schüchternen Japanerin nicht möglich. Ihr Herz klopfte quälend langsam und die Tränen stiegen ihr in die auffallenden Augen. Eilig wandte sie den Kopf zur Seite und wischte sich die Tränen weg. „Dass freut mich.“; erwiderte sie mit belegter Stimme. Warum sie jetzt weinte wusste sie auch nicht genau, sie fühlte nur dass sie wirklich traurig war. Wie damals bei Gavin, oder sogar noch ein bisschen mehr.
Karan trat ein paar Schritte näher an sie heran. „Weinst du etwa, Yin?“, fragte er fassungslos.
„Nein.“ Yin schüttelte eilig den Kopf und wischte sich erneut über die Augen. „Ich hab nur was im Auge. Dass geht schon gleich wieder weg.“
„In beiden Augen?“, fragte Karan belustigt. Inzwischen war er ihr so nah, dass sie seine Körperwärme spüren konnte und seinen Duft riechen konnte.
Yin schüttelte erneut den Kopf. „I-ich...ich hab einfach nur sehr mitfühlende Augen. Wenn dass eine tränt, dann tränt dass andere eben mit.“ Sie zog eine Grimasse und brachte Karan damit zum lachen.
Liebevoll schloss er seine Arme um sie. „Weißt du, ich würde bleiben, wenn du mir sagen würdest, dass du wegen mir weinst.“ Er flüsterte die Worte, aber sie waren wie Klingen in Yins Kopf.

„Ich weine nicht.“, wiederholte sie ihre Worte und löste sich eilig von ihm. Sie setzte ein Lächeln auf und versuchte fröhlicher zu klingen. Karan wollte nach Indien, und dann sollte dass auch so sein. „Ich hoffe dass du da alles findest, was du jemals gesucht hast.“
Karan lächelte ebenfalls, aber auch er sah in diesem Moment nicht wirklich glücklich aus.
„Dass ist deine große Chance.“, sprudelte es weiter aus ihr heraus, und sie brachte sogar ein kleines Kichern zu Stande. „Du musst deinen Traum verfolgen, Karan. Dass ist wichtig.“
„Und wieso tust du es dann nicht?“, hakte Karan mit ernster Miene nach.
Yin zuckte die Achseln und wandte den Blick zu Lady, die dösen in der Sonne stand. „Mein Traum ist Vergangenheit, Karan. Ich habe jetzt eine Familie und die ist...“
„Wichtiger als alles andere.“, unterbrach Karan sie Augen rollend. „Aber du kannst beides unter einen Hut bringen, Yin. Du kannst ein berühmter Jockey sein und gleichzeitig die beste Mutter, die Nuri sich nur wünschen könnte. Verstehst du dass?“ Yin schluckte. „Du bist dafür geboren um auf einem Pferderücken zu sitzen, Yin Yaming. So wie ich geboren bin um Journalist zu sein.“
„Ich weiß nicht, ob ich dass kann. Ich will Nuri nicht...ich will ihn nicht alleine lassen. Sonst geht er noch zu Gavin und dann...dann bin ich wieder alleine.“
„Nuri würde dich nie verlassen.“, lachte Karan leise. „Er liebt dich Yin. Hast du mal gesehen wie er dich ansieht? So wie er dein ganzer Stolz ist, bist du auch sein ganzer Stolz. Ihr seid eine Familie.“
Langsam nickte Yin, als würde sie verstehen. Ihr Herz klopfte und sie fühlte sich plötzlich bereit wieder auf einen Pferderücken zu steigen und davon zu reiten.
„Ich muss los.“, holten die traurigen Worte von Karan sie von ihrem Höhenflug. „Mein Flug geht in ein paar Stunden und ich muss auch noch zur nächsten Stadt fahren. Appaloosa Plains hat ja leider keinen Flughafen, so weit ich weiß.“ Er lachte leise.
Yin nickte betrübt und schlang ihre Arme seufzend um ihn. „Ich werde dich vermissen.“, gestand sie flüsternd. „Schreib mir, ja? Ich will Postkarten und deine Artikel sehen.“
Karan lachte erneut, aber sie spürte, dass er nickte. „Ich verspreche es hoch und heilig, Yin.“ Er löste sich von ihr und ging Rückwärts in Richtung Straße. Er lächelte noch einmal, hob die Hand zum Abschied und stieg in das Taxi, dass neben ihm gehalten hatte.
„Auf wiedersehen, Karan.“, flüsterte Yin leise und atmete tief durch.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Aug 18, 2012 8:08 am

Zwei Jahre später...

„Und es ist wirklich okay?“ Schuldbewusst sah Yin zu ihrem Sohn, der genüsslich seinen Geburtstagskuchen verdrückte. „Ich meine heute ist dein Geburtstag! Heute solltest nur du wichtig sein und dass mein erstes Rennen gerade auf diesen Tag fällt...“ Sie verstummte.
Nuri rollte mit seinen blauen Augen. „Ich bin kein Baby mehr.“, klärte er sie im fachmännischen Ton auf und tauchte die Gabel erneut in das leckere Kuchenstück. „Ich kann mir meine Zeit schon vertreiben. Außerdem...“ Er blinzelte ihr schelmisch zu. „Ich freu mich endlich mal meine Mutter bei einem Rennen zu sehen. Bei Dad hab ich ja immer nur Fotos davon gesehen.“
Yin seufzte innerlich bei den Gedanken an Gavin. Seit dem sie ausgesprochen hatte, dass zwischen ihnen nichts mehr entstehen würde, schien er noch verstärkt Nuri von einer heilen Familie zu überzeugen zu wollen. Es war schrecklich anstrengend.
„Na, dann ist dass heute dein Geburtstagsgeschenk.“, erwiderte Yin schließlich Augen zwinkernd und registrierte mit Genugtuung, wie Nuri die Gesichtszüge entgleisten. „Dass war nur ein Spaß.“; beruhigte sie ihn schließlich lachend.
„Selbst wenn.“; erwiderte Nuri provozierend und zuckte mit den Achseln. „Dad hat mir versprochen, dass wir in die nächste Stadt fahren und da nach einem Auto für mich gucken.“ Er warf seiner Mutter einen vorsichtigen Blick. Welche Reaktion würde sie zeigen?

Obwohl Yin dass ganz und gar nicht gefiel, zwang sie sich zu nicken. „Dein Vater verwöhnt dich.“; erklärte sie diplomatisch und erhob sich von ihrem gemütlichen Platz. Aber wirklich Zeit, sich darüber einen Kopf zu machen, hatte sie jetzt nicht. Sie würde in gut einer Stunde beim Rennen reiten. Und sie hoffte mit Lady den ersten Platz machen. Sie mussten einfach.
Nuri folgte ihr auf leisen Sohlen. „Mach dir keine Gedanken.“; murmelte er und klang dabei wie sein Vater. Er hatte ein schiefes Grinsen auf den Lippen. „Ich bin auch stolz auf dich, wenn du nicht gewinnst, Mum. Ehrlich. Mach dir einfach keinen Druck, ja?“
Yin lachte über die erwachsenen Worte ihres Sohnes. Diese Situation war so verkehrt. „Dass sollte ich zu dir sagen.“, antwortete sie mit einem tiefen Seufzer. Nervös strich sie sich nochmal die Reitjacke glatt, nur um fabelhaft auszusehen. „Vielleicht kann ich das ja bald. Wenn du Cowboy richtig trainierst wird er mit Sicherheit ein gutes Springpferd.“
Nuris auffallende Augen wurden groß und er folgte seiner Mutter eilig zu Terrasse. „Meinst du das ernst?“, fragte er hoffnungsvoll. „Ich darf Cowboy wirklich trainieren?“
„Es ist dein Pferd, also warum nicht?“, fragte Yin sorglos. In den leuchtenden Augen konnte sie die Freude ihres Sohnes sehen, und es machte sie glücklich. Auch wenn es kein Sportwagen war.
„Mein Pferd?“ Wenn es überhaupt möglich war, wurden Nuris Augen noch um einiges größer, ebenso wie das Strahlen auf seinem Gesicht. „D-du...du schenkst mir Cowboy? Aber ich dachte...ich dachte du wolltest ihn verkaufen, wie Kirschblüte?“

Yin schüttelte sanft den Kopf. Es hatte ihr weh getan, Kirschblüte zu verkaufen, weil ihr die hübsche Stute sehr ans Herz gewachsen war, aber das Geld was sie für sie bekommen hatte, war mehr als notwendig gewesen. Aber Cowboy, den konnte sie einfach nicht verkaufen. Sie hatte ihn mit der Flasche aufgezogen und sie hatte sich um ihn gekümmert, bis er ausgewachsen war.
Nuri fiel ihr lachend um den Hals. „Mum! Du bist einfach die Beste der ganzen Welt, weißt du das?“ Er drückte ihr noch einen sanften Kuss auf die Wange. „Einfach klasse!“
Lachend löste sich Yin von ihm und strich ihm durch das schwarze Haar, dass er nun zu einer coolen Frisur trug. Sie hatte ein paar Tränen in ihren Augen, als sie ihren großen Jungen so ansah.
„Mum, bitte!“ Nuri lachte sie nicht aus, aber er kicherte sanft. „Du brauchst doch nicht weinen.“
„Doch.“, erwiderte Yin eigensinnig und mit belegter Stimme. „Mein kleiner Junge wird jetzt erwachsen. Es kommt mir vor, als wärst du gerade noch über den Hof gekrabbelt.“
Nuri lächelte. „Na und? Dann werde ich eben größer. Aber dein Sohn bleibe ich trotzdem.“ Er zwinkerte und warf dann einen hektischen Blick auf die Uhr. „Wir müssen los, wenn du nicht zu spät kommen willst.“, erklärte er Yin und schob sie eilig die Treppen hinunter.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Aug 18, 2012 8:24 am

„Warum genau musste ich mich bei dir umziehen?“, murmelte Yin, während sie abwesend aus dem Fenster sah und die Landschaft beobachtete, die eilig an ihr vorbei rauschte.
„Weil es eine Überraschung ist.“ Gracie warf ihr einen kurzen Blick zu, bevor sie wieder auf die Straße vor sich sah. „Aber mit dem Gesicht wird die Überraschung davon laufen.“
Yin hob erstaunt den Kopf. „Du meinst die Überraschung kann laufen?“
Lachend bog Gracie um die Ecke und hielt schließlich vor Yins Hof. Sie parkte und schaltete den Motor aus. „Da sind wir.“, erklärte sie überflüssigerweise.
Yin beugte sich vor, um an Gracie vorbei sehen zu können. „Meine Überraschung ist aber nicht Gavin, oder?“, fragte sie mit gerunzelter Stirn.
Wieder lachte Gracie, aber diesmal ließ sie sich sogar zu einem Kopf schüttelnd hinreißen. „Lass uns aussteigen.“, befand sie und öffnete die Tür ihres Autos.
Yin tat es ihr gleich, stieg aus und folgte ihr zu Gavin und Nuri, die abwartend am Briefkasten standen. Ein besorgtes Gefühl ging ich durch den Bauch.
„Hallo Yin.“ Gavin kam ein paar Schritte auf sie zu und umarmte sie unbeholfen. Sein Blick glitt anerkennend an ihr herunter. „Du siehst wirklich fabelhaft aus.“ Noch immer konnte der, in die Jahre gekommene Mann es nicht lassen, Yin mit seinen Komplimenten zu schmeicheln.

„Danke.“ Yin lächelte halbherzig, bevor sie sich an Nuri wandte, der mit undurchdringlicher Miene neben seinem Vater stand. „Was ist hier los, Nuri? Seid ihr meine Überraschung.“
„Nö.“, machte der Jugendliche mit einer tiefen Falte zwischen Augenbrauen. Sein Blick glitt herüber zu Gracie und wie durch ein Zauber, versuchte er schließlich zu Lächeln.
Yin seufzte. Sie war müde und wollte in ihr Bett. Für eine Feier hatte sie eigentlich gar keine Kraft mehr, nach dem anstrengend Tag. Sie hatte trainiert und trainiert, bis Gracie gekommen war.
„Das hier ist eine Feier.“, erklärte Gracie schließlich und grinste dabei wie ein Honigkuchenpferd. „Und zwar eine Feier zu deinen Ehren. Du hast es geschafft, Yin. Du bist wieder auf dem Treppchen. Schon bald wirst du bei den internationalen Rennen mit machen.“
Yin setzte ein müdes Lächeln auf und nickte. „Danke, dass ist lieb von euch, aber ich bin müde.“
„Dass ist egal.“ Grinsend zog Gracie ihre beste Freundin zum Haus herüber. „Setz ein Lächeln auf, Schatz und komm mit. Deine Überraschung wartet.“
Nuri schnaubte verächtlich und folgte seinem Vater, der wie ein trauriger Dackel hinter den beiden Frauen her ging. Glücklich war etwas anderes, dachte Yin besorgt.

Was war hier los? Warum war Gavin hier und warum hatte Nuri so schlechte Laune? Er hatte sich doch so sehr für sie gefreut, als sie schließlich sogar wieder in der Zeitung stand. Der Star war zurück, stand da in großen schwarzen Buchstaben und ließ das Herz der Reiterin hüpfen.
Nuri schloss langsam die Tür auf, zu langsam in Yins Augen, als wollte er irgendetwas verhindern, dann hielt er sie auf, damit der Rest der Truppe eintreten konnte. Er sah Yin nicht an, klebte mit dem Blick fest an seinem Vater, als wollte er ihn zu irgendetwas auffordern.
Aber Gavin hatte das Gesicht zu Boden gewandt. Er sah nicht mehr aus wie der selbstbewusste Mann, den Yin damals kennengelernt hatte, was aber auch kein Wunder war. Seine zweite Frau, die Schwester von Alouette, hatte sich inzwischen auch von ihm getrennt und ihn wie einen Truthahn ausgenommen. Das Haus in dem er lebte war klein und schäbig.
„So.“ Gracie machte ein gespanntes Gesicht. Sie standen nun vor der Tür, die zum Wohnzimmer führte und die Blonde hatte ihr zierliche Hand auf den Knauf gelegt. „Hier ist deine Überraschung.“, murmelte sie mit geheimnisvoller Miene und stieß die Tür auf.
Yin hob zweifelnd die Augenbrauen, bevor sie an Gracie vorbei ins Wohnzimmer trat. Ihr Herz begann nervös oder freudig, Yin wusste es nicht genau, zu flattern, als sie ihn erblickte. Er hatte sich so gar nicht verändert. Nicht ein Stück. „Karan.“, murmelte sie halblaut.
„Hallo Yin.“ Er grinste sein schiefes Grinsen und erhob sich von dem Sofa, auf dem er gesessen hatte. Unsicher sah er sie an. „Schön dich zu sehen. Du siehst wunderbar aus.“

„Danke.“, errötend drehte Yin sich nochmal kurz zu der wartenden Menge um, strahlte sie an und lachte leise. „Dass ist wirklich eine schöne Überraschung.“ Dann sah sie Karan wie an. „Was machst du denn hier? Ich meine...musst du nicht arbeiten?“
„Doch.“ Er zuckte kurz mit den Schultern. „Aber ich habe hier einen Auftrag. Verbunden mit meinem Urlaub. Außerdem wollte ich dich sehen. Die berühmte Yin Yaming.“
Yin lachte über die kleine Übertreibung und deutete auf das Sofa. Nur aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie Nuri und Gavin das Zimmer verließen. „Setz dich doch hin, du musst völlig erschöpft sein, kann dass sein?“
Karan nickte und rieb sich einmal über die Stirn, wie zur Bestätigung. „Aber lass uns über dich reden! Du hast meinen Rat also befolgt.“ Yin nickte lächelnd. „Und hast Erfolg, so wie ich es geahnt habe. Du stehst in allen Zeitungen, Yin. Sogar in Indien.“
Schulter zuckend wandte Yin den Kopf ab. Mit verschränkten Armen sah sie aus dem Fenster. „Ach, dass ist doch gar nichts Karan. Ich gebe mein Bestes, aber die wirkliche Arbeit macht Lady.“

„Ph.“, machte Gracie, die immer noch im Wohnzimmer verweilt. „Jetzt sei nicht so bescheiden.“ Sie seufzte und warf einen kurzen Blick auf die Uhr. „Ich gebe euch zehn Minuten, dann wird gegessen. Ich habe Hunger und ich denke Nuri und Gavin sowieso.“
Yin nickte und ließ sich neben Karan nieder, nachdem Gracie endlich den Raum verlassen hatte. Ihr Bauch kribbelte vor Glück. Sie konnte es kaum fassen, dass Karan wieder da war. „Ich freu mich so.“
„Und ich mich erst.“ Schüchtern sah Karan sie an. „Ich...ich bin glücklich da drüben, weißt du.“, murmelte er leise. „Aber ich habe das Gefühl noch nicht alles gefunden zu haben. Nicht ganz.“
Yin hob den Kopf und sah ihn unverwandt an. „Und du meinst es hier finden zu können?“
„Ich hoffe es.“; erwiderte er grinsend. „Ich hoffe es wirklich, Yin.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Aug 18, 2012 8:37 am

In Yin flatterten die Glücksgefühle, als sie einen Abend später am Herd stand und das Abendessen zubereitete. Karan blieb für eine Weile hier, und weil es noch kein Hotel in Appaloosa gab, hatte Yin ihm freundlicherweise angeboten für die Zeit bei ihr zu wohnen. Sie hatte ihn gern um sich.
Die Haustür ging auf und Nuri betrat das Haus. Sein Gesicht war nachdenklich. „Hey, Mum.“
„Hallo, Liebling.“, begrüßte Yin ihren Sohn, füllte zwei Teller mit Nudeln und Tomatensoße und reichte sie Nuri, damit er sie auf den Tisch stellen konnte. „Du kommst genau richtig zum Abendessen. Wo warst du denn nach der Schule? Ich hab mir Gedanken gemacht.“
Nuri ließ sich mit den beiden Tellern nieder und sah überrascht zu meiner Mutter, als diese einen dritten Teller füllte. Unbehagen stieg in ihm auf. „Haben wir einen Gast?“
„Mh.“, machte Yin und nickte freudig. Auf ihrem Gesicht entstand wieder das Strahlen, was Nuri so ewig nicht mehr gesehen hatte. „Karan wohnt jetzt für eine Weile hier.“
„Warum?“, fragte Nuri missmutig. Als er gestern Abend mit seinem Vater die Feier verließ, hatte es sich so angehört, als würde Karan ein paar Nächte bei Gracie schlafen und sich dann irgendwo eine kleine billige Hütte suchen, für die restliche Zeit, die er hier war.
„Weil es so einfach ist.“, erklärte Yin pragmatisch, und kam nicht drum herum die verstimmte Miene ihres Sohnes zu sehen. Innerlich seufzte sie betrübt. Vorsichtig klopfte sie an die Wohnzimmertür, in der Karan sich für die letzten Stunden verschanzt hatte. „Karan? Essen ist fertig. Kommst du?“
„Ja, sofort.“, erklang es gedämpft aus dem Wohnzimmer, und Yin konnte hören, wie er ein paar Zettel zusammen packte.

„Wie war es bei deinem Vater?“, fragte Yin freundlich und ließ sich neben Nuri nieder. Eigentlich wollte sie gar nichts von Gavin hören, aber um ihres Sohnes Willen, fragte sie.
Nuri zuckte die Achseln, den Blick starr auf ihren Teller gerichtet. „Ganz gut eigentlich.“
Im nächsten Moment wurde die Wohnzimmertür so schwungvoll aufgerissen, dass Vasco, der ordentlich neben Nuri gelegen hatte, zusammen zuckte. „Oh, hallo Nuri.“, begrüßte er seinen zweiten Gastgeber und ließ sich neben Yin nieder. „Dass sieht lecker aus.“ Seine Augen funkelten erfreut, als er Yin das Kompliment machte. „Ich hab lange nicht mehr so was herrliches gesehen.“
Errötend winkte Yin ab. „Probiere doch erst mal. Vielleicht schmeckt es dir ja gar nicht?“
Und das tat Karan. Er schaufelte eine Gabel voll in den Mund und seufzte glücklich. „Es schmeckt wirklich himmlisch, Yin.“, murmelte er mit halbvollen Mund.
Nuri stieß ein verächtliches Schnauben aus, bevor er den Kopf hob und seinen ungebetenen Gast unverwandt ansah. „Wie lange willst du hier überhaupt bleiben?“
Karan warf erst Yin, dann wieder Nuri einen Blick zu. „Na ja...“, dachte er laut nach. „So lange bis ich meinen Artikel fertig habe, denke ich mal. Dann fliege ich wieder.“
Yin warf ihrem Sohn einen wütenden Blick zu. „Karan ist hier erwünscht, Nuri. Warum fragst du denn dann so unhöflich? Er kann so lange bleiben, wie er will.“
Der schwarzhaarige Junge hob eine Augenbraue und sah seine Mutter zweifelnd an. „Ist ein Gast nicht etwas viel Arbeit, Mum? Du hast die Pferde und du hast die Rennen.“

„Und es ist meine Entscheidung.“, vollendete Yin seine Aufzählung und nahm einen Bissen von dem Abendessen. Würdevoll schluckte sie ihn nach einer Weile herunter. „Außerdem, ich hätte weniger Arbeit wenn du dich um dein Pferd kümmern würdest, Nuri.“
Karan erwählte den Moment als richtig, um einen freundlichen Einwurf zu machen. „Deine Mutter hat mir erzählt, dass Cowboy jetzt dein Pferd ist. Klingt ziemlich cool.“
Nuris Blick war skeptisch, als er den blonden Mann ansah. „Ich glaube nicht dass du eine Ahnung davon hast wie viel Arbeit ein Pferd macht. Cool wird es erst, wenn man so weit ist wie Mum.“
„Und dass wirst du auch noch.“, erwiderte Yin und strich ihm sanft über den Arm. Sie hatte gesehen, dass Cowboy keine besonderen Fortschritte beim Springreiten machte und dass Nuri das fast zur Verzweiflung trieb. „Er ist noch jung und muss gebändigt werden.“
Karan nickte folglich. „Ach, dass bekommst du bestimmt ganz schnell hin. Hast bestimmt die Art deiner Mutter mit Pferden umzugehen.“ Er grinste verschmitzt.
Nuri schob seinen Stuhl geräuschvoll zurück. „Du hast keine Ahnung von mir oder meiner Mutter.“ Und mit diesen Worten verschwand er wütend in seinem Zimmer, gefolgt von Vasco. Die beiden Erwachsenen konnten einige Sekunden später die Tür hören, die laut ins Schloss fiel.
„Es tut mir Leid.“, entschuldigte Yin sich mit gesenktem Kopf. „Er ist da etwas empfindlich momentan...ich weiß auch nicht genau was mit ihm los ist.“
„Er ist ein Teenager, der seinen Vater verehrt und einen keinen anderen Mann leiden kann.“ Karan grinste sie verschmitzt an. „Dass ist alles, Yin.“
Yin seufzte tief und schwer, bevor sie sich von ihrem Platz erhob und die Teller zusammen räumte. „Dass ist alles Gavins Schuld.“; murmelte sie verstimmt. „Er setzt dem Jungen Flausen in dem er ihm von einer schönen Familie erzählt. Nuri ist total hin und her gerissen.“

„Und dass ist auch völlig normal.“, erwiderte Karan und folgte Yin mit seinem leeren Teller. Vorsichtig stellte er ihn in den Geschirrspüler. „Ich habe Gavins Blick gesehen und ich weiß, dass er dich noch liebt. Wahrscheinlich hat er nie damit aufgehört.“
Über Yins Rücken fuhr ein unangenehmer Schauer. „Zwischen ihm und mir ist es aus.“, erklärte sie im sachlichen Ton. In Karans Augen forschte sie danach, ob er ihr glaubte. „Er hat mich damals so sehr verletzt, dass ich ihm das niemals wieder verzeihen könnte.“ Wieder seufzte sie leise. „Ich will einfach nur, dass Nuri glücklich ist. Und ich dachte, wenn er Zeit mit seinem Vater verbringt macht ihn das glücklich genug, aber anscheint will er jetzt mehr. Eine Familie.“
„Dass war vorher zu sehen, Yin.“ Karans Stimme war weich und tröstend geworden. „Jedes Kind wünscht sich seine Eltern wieder zusammen zu sehen, schließlich sind es die beiden Menschen, die sie am meisten lieben.“ Er legte seine Hände sanft um ihre Taille und zog sie ein Stück näher an sich heran. „Aber du kannst nicht immer nur für Nuri leben. Er ist jetzt alt genug um auf eigenen Beinen zu stehen, findest du nicht? Lass ihn sauer sein, lass ihn schreien. Er wird sich beruhigen.“
Dankend für die tröstenden Worte umarmte Yin ihren guten Freund fest und innig. „Ich hoffe es.“, flüsterte sie dabei hoffnungsvoll. Denn ihr war von Anfang an bewusst geworden, dass sie sich mit Karan mehr vorstellen konnte. Dieser Mann war einfach ein Glücksgriff, und sie wollte ihn nicht wieder verlieren. Auch nicht wegen Nuri, auch wenn sie für ihren Sohn fast alles tun würde.

Langsam löste sich Karan wieder von ihr und sah ihr ins Gesicht. „Wie wäre es, wenn wir morgen mal einen Tag frei machen und wegfahren?“, fragte er freundlich.
Yin hob überrascht eine Augenbraue. „Ich kann nicht wegfahren.“; erklärte sie gewohnheitsmäßig. „Die Pferde müssen versorgt werden, ich muss trainieren und der Hof muss auch sauber gehalten werden. Da bleibt mir leider keine Zeit für Urlaub, Karan.“
„Und was hältst du von einem halben Tag am Wasser?“ Hoffnungsvoll sah er sie an. „Der Fluss unten ist richtig warm, ich war kurz schwimmen heute Morgen. Wir versorgen morgen die Pferde, kümmern uns um den Hof und dann fahren wir mal einen halben Tag an den Strand, okay?“
„Du willst mir bei den Pferden helfen?“, fragte Yin belustigt. „Sie striegeln und ihre Hufe auskratzen?“ Mutig nickte Karan. „Und du willst die Ställe säubern und das Heu verteilen?“ Wieder nickte Karan. Belustigt lachte Yin. „Na gut, wenn du mir morgen wirklich hilfst, werde ich als Dankeschön einen Tag vom Training absehen.“ Sie lächelte verschmitzt und warf dann einen kurzen Blick auf die Küchenuhr. „Wenn du mir wirklich helfen willst, sollten wir ins Bett gehen. Aufstehen um fünf Uhr gehört zu meinem natürlichen Tagesverlauf.“
Karan zuckte kurz zusammen, dann nickte er gewissenhaft. „Gute Nacht, Yin.“; verabschiedete er sich lächelnd, bevor er sich ins Wohnzimmer zurückzog.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Fr Aug 24, 2012 9:28 am

„Bist du bereit für ein neues Abenteuer?“ Karan grinste Yin an, in der Hand einen voll gepackten Picknickkorb. Der Duft von frischem Brötchen und Erdbeeren umflog sie beide sanft.
Yins Blick glitt noch einmal hinüber zu Cowboy und Lady, die dösend im Schatten standen. Auch sie schienen ihren freien Tag in vollen Zügen zu genießen. „Ja.“, stieß sie schließlich lächelnd heraus.
Dass reichte Karan als Antwort. Mit einem Kopfnicken deutete er auf die beiden Fahrräder, die er für den heutigen Ausflug ausgeliehen hatte. „Ich dachte mir, bei diesem schönen Wetter, wäre es eine Todsünde, wenn wir mit dem Auto fahren würde, oder?“
Die blauen Augen der Japanerin leuchteten erfreut auf. Das letzte Mal, dass sie Fahrrad gefahren war, musste Jahre her sein. So lange, dass sie sich kaum daran erinnerte. Wie ein kleines Kind stürmte sie los, stieg auf das klapprige Rad und warf einen Blick zu Karan, der nur langsam hinter her kam. „Wer als erstes am Strand ist!“, rief sie ihm lachend zu und trat in die Pedale.
Karan konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als er das Kind in Yin sah, dass immer noch tief in ihr hockte. Dass liebte er so sehr an ihr. Sie hatte es nie verloren.

Mit einem Affenzahn rasten die beiden Erwachsen, kichernd und schnaubend die unbefestigten Straßen von Appaloosa Plains entlang, bogen mal auf Wanderwege ab und kamen an Häusern vorbei. Sie fuhren Umwege, nur um die Freude zu genießen und für einen Moment dass zu sein, was sie sich beide von Kindheit an gewünscht hatten. Frei zu sein.
„Erste!“, rief Yin lachend, hüpfte von ihrem Fahrrad und ließ es unaufmerksam ins Gras fallen. Wie eine Sechsjährige reckte sie die, zu Fäusten geballten, Hände in die Höhe und lachte dabei so ausgelassen, dass sie bald keine Luft mehr bekam.
Auch Karan stoppte sein Fahrrad. Glücklich blickte er auf Yin, ein Schmunzeln in den Mundwinkeln. Noch nie in seinem Leben hatte er einen Menschen so fröhlich und frei gesehen, als gäbe es nichts Schlechtes auf dieser Welt. Als bestünde der Tag aus Sonne, Blumen und Glück.
„Na, komm!“, Yin hatte inzwischen gemerkt, dass Karan nicht so enthusiastisch hinter ihr her stürmte, wie sie es gedacht hatte. Mit roten Wangen sah sie ihn an, den Kopf schief gelegt. „Wir wollten doch baden gehen oder nicht?“ Grinsend lief sie in Richtung Wasser, ohne darauf zu achten, ob Karan ihr folgte. Sie wollte endlich das warme Wasser des Flusses spüren.
Karan schloss die beiden Fahrräder an, nahm den Korb und beeilte sich ihr hinter her zu kommen. Lautlos stellte er den Picknickkorb auf einen Tisch und sah sich nach Yin um.

Die hübsche Japanerin stand ein paar Meter weiter am Strand und starrte auf die funkelnde Oberfläche des Flusses, der Appaloosa Plains von der Außenwelt abschnitt. Ihr Gesicht war undurchdringlich, nachdenklich und freudig zu gleich. Es schien, als könnte ihr Gehirn all die Emotionen, die sie gerade fühlte gar nicht verarbeiten.
„Gefällt es dir?“, fragte Karan, nachdem er an sie heran getreten war. Er sah sie neugierig von der Seite an, versuchte ihr Gesicht zu studieren.
Yin nickte langsam. „Ich lebe schon einige Zeit hier, aber noch nie kam mir das Wasser so blau und schön vor.“ Sie wandte den Kopf zu Karan und grinste ihn breit an. „Und baden, war ich auch noch nie im Fluss, dafür hatte ich gar keine Zeit. Die Pferde, der Hof, Vasco und Nuri...“
„Jetzt hast du die Zeit.“, unterbrach Karan sie sanft, bevor er seine Knöpfe der Hose öffnete und eilig aus ihr heraus schlüpfte. „Wer als erstes im Wasser ist hat endgültig gewonnen.“; erklärte er mit einem Augenzwinkern und beeilte sich aus seinem Shirt zu kommen.
So schnell es ging war auch Yin aus dem karierten Hemd und den Shorts bekommen. Darunter trug sie einen knappen, hübschen grünen Bikini, den Gracie ihr vor kurzem Geschenkt hatte. Eilig machte sie sich zwei Zöpfe und hüpfte schon los in das kühle Wasser.
Eine Weile tobten die Erwachsenen herum, bespritzen sich, tauchten sich gegenseitig unter, oder schwammen lachend voreinander weg. Die Passanten, die sie schmunzelnd beobachteten, bemerkten sie gar nicht, so vertieft waren sie in ihr Spiel.

„Ich kann nicht mehr.“, keuchte Karan schließlich nach drei Stunden und schwamm genüsslich zum Ufer. „Ich glaube ich bin in meinem Leben noch nie so lange geschwommen.“
Yin folgte ihm, wenn auch widerwillig. „Du Weicheich.“; neckte sie ihn sanft. „Ich könnte noch einen ganzen Tag im Fluss bleiben. Ich glaube ich hatte noch nie in meinem Leben so einen Spaß.“ Draußen angekommen, trocknete sie sich kurz mit einem Handtuch ab, bevor sie sich wieder zu Karan wandte. Erst jetzt bemerkte sie seinen nachdenklichen Blick. „Was ist?“, fragte sie besorgt.
„Hast du das früher nicht gemacht?“, fragte der Blonde vorsichtig nach, ohne Yins Gesichtszüge aus den Augen zu lassen. Er wollte jede Veränderung sehen.
Yin senkte den Blick, als sie an ihre Kindheit dachte. Nach kurzen Überlegen schüttelte sie schließlich den Kopf. „Nein, schwimmen zum Spaß gab es nicht. Ich habe im Wasser trainiert eine gute Schwimmerin zu sein, aber Spaß hatte ich nie.“ Als sie wieder den Kopf hob, hatte sie erneut ein glückliches Lächeln auf den Lippen. „Aber dass habe ich ja jetzt nachgeholt.“
Karan bemühte sich um ein sorgloses Lächeln, aber die Worte von Yin hatten ihn nachdenklich gestimmt. Langsam kam er zu ihr herüber und ergriff ihre Hände. Er wusste nicht was er sagen sollte, aber er ahnte, dass in Yins Vergangenheit irgendetwas schief gelaufen war.
Yin sah auf ihre verschränkten Finger. Ihr Gedankengang ähnelte dem von Karan keineswegs. Alles was sie sah, waren ihre zarten Fingern, eng verschränkt mit seinen. Sie spürte seine Wärme, glaubte sogar seinen Puls an seinem Daumen zu spüren. Glücklich hob sie den Blick und sah Karan an. Sah in sein nachdenkliches Gesicht und lächelte sanft.

Karan erwiderte ihr Lächeln. „Du bist eine tolle Frau, Yin.“, murmelte er halblaut. Es schien, als wäre um sie herum alles still und leise geworden, überließen den beiden Verliebten die Bühne. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich du bist. Nicht nur deine Schönheit, sondern auch deine Art und dein starker Wille, mit dem du alles geschafft hast.“ Als Yin den Kopf wegdrehen wollte, vor Verlegenheit, hielt er sie sanft am Kinn fest. „Du bist Mutter eines wunderbaren Jungens und du bist auf dem besten Weg Weltmeisterin zu werden. Du hast ein riesiges Herz, trotz allem, was dir angetan wurde. Ich bin einfach nur...sprachlos.“
„Ich bin wie du.“, erklärte Yin schließlich leise. „Ein ganz normaler Mensch, der sich durchs Leben schlägt und dabei versucht das Beste daraus zu machen Karan.“ Sie legte ihre Arme um seinen Hals und zog ihn so nah an sich heran, dass zwischen ihre Körper kein Blattpapier gepasst hätte.
Karan vergrub sein Gesicht in ihrem Haar und schloss die Augen. „Ich bin aber nur ich, weil du mich zu dem gemacht hast, Yin.“, gestand er ihr leise. „Du macht mich glücklich.“
Yin löste sich aus der innigen Umarmung, dass glücklichste Lächeln auf den Lippen, was Karan je an ihr gesehen hatte. Wie wunderschön sie doch aussah.

„Ich hätte niemals geahnt, dass Liebe oder Menschen einen so verändern können.“ Er lachte verlegen, denn solche Worte hatte er noch nie in den Mund genommen.
Yin nickte sanft. „Jeder Mensch verändert dich. Manchem mehr, manche weniger.“ Sie fuhr mit dem Finger an seiner Wange entlang. „Und du hast mich genau so verändert, wie ich dich, Karan.“
Bevor er etwas erwidern konnte, hatte sie ihre Lippen sanft auf seine gelegt. Ein drängender Kuss, der ihm zu verstehen geben sollte, dass sie nicht vor hatte, ihn jemals wieder gehen zu lassen.
Karan empfand nicht anderes als dieses wohlige Gefühl. Als wenn man nach langer Reise endlich da angekommen war, wo man die ganze Zeit hin wollte. Als hätte man endlich erreicht, wonach man so ewig gestrebt hatte. Er hatte sich das erste mal restlos verliebt. Für immer.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Fr Aug 24, 2012 9:38 am

Als Yin am nächsten Nachmittag aus dem Haus trat und ihren Blick sorglos über ihren Hof schweifen ließ, entdeckte sie Nuri, der mit großer Sorgfalt Cowboy striegelte. Sie lächelte sanft.
Nach dem glücklich Tag gestern, der genau so wunderschön geendet hatte, wie er angefangen hatte, gab es nichts in der Welt, dass Yin noch unglücklich machen konnte. Nicht der Gedanke an Gavin, nicht der Gedanke an das nächste Turnier, oder das sie es nicht gewinnen könnte.
Auch nicht Nuri, dessen Gesichtsausdruck nicht besonders glücklich war. Er musste bemerkt haben, dass Karan heute nicht auf dem Sofa genächtigt hatte.
Yin setzte sich in Bewegung, um mit ihrem Sohn darüber zu reden. „Guten Morgen, Liebling.“, begrüßte sie ihn, wie immer mit einem sanften Kuss auf den Kopf. Nur dass Nuri sich das erste mal halb weg drehte, als sie es tat. Yin atmete lautlos durch. „Wie war es bei deinem Vater?“
Nuri schenkte ihr bloß ein Schulterzucken, und machte weiter damit, Cowboy zu striegeln.

„Hast du dich schon für ein Auto entschieden?“ Yin strich dem wartenden Cowboy liebevoll über die Nase, um eine Beschäftigung für ihre Hände zu finden. Es machte sie nervös, dass Nuri nicht mit ihr sprach. Als der sechzehnjährige Junge noch immer keine Antwort gab, seufzte sie. „Wir müssen darüber reden, Nuri. Hast du gehört? Es ist wichtig.“
„Gar nichts ist mehr wichtig.“; erwiderte Nuri eigensinnig. Sein Gesicht war zu einer wütenden Grimasse verzogen, so hatte Yin ihn noch nie gesehen.
„Du bist mir wichtig.“; erwiderte sie sachlich, und unterdrückte den flehentlichen Ton, der sich in ihre Worte mischen wollte. Sie war erwachsen und hatte das Recht sich neu zu verlieben. Karan hatte Recht, Nuri war jetzt alt genug um das zu akzeptieren. „Sehr sogar, schließlich bist du mein Sohn. Und genau deswegen müssen wir darüber reden, wie es jetzt weiter geht.“
Nuri hielt kurz inne mit der Bürste. Fast sah es so aus, als wollte er sich zu Yin umdrehen, aber er unterließ es dann doch. „Gar nicht.“, sprach er eher in Cowboys dunkles Fell, als zu seiner Mutter. „Du hast gesagt er ist ein Gast. Gracie hat gesagt ihr seid gut befreundet, und du würdest ihn vermissen. Und der einzige, der mich nicht angelogen hat, war Dad. Er hat gesagt, dass du dich in diesen Mann verliebt hast und dass du eine neue Familie gründen willst.“
Yin blieb kurz die Luft weg. Unwillkürlich fasste sie sich an den Hals und versuchte ihr Gemüt wieder zu beruhigen. „Ich habe dich nie angelogen, Nuri.“, sprach sie langsam, jedes Wort genau betonend. „Er ist ein Gast, immer noch. Aber ich habe mich in ihn verliebt.“
„Warum?“, fragte Nuri bissig und sah sie das erste Mal in diesem Gespräch an. „Warum hast du dich in so einen...Lappen verliebt, Mum? Warum kannst du nicht einfach wieder mit Dad zusammen sein? Ich weiß, dass du ihn noch liebst und ich weiß dass er dich noch liebt.“

„Ich liebe ihn nicht mehr, Nuri.“ Yin sah ihn traurig an. „Es tut mir unendlich Leid, mein Schatz, aber ich liebe deinen Vater nicht mehr. Ich kann nicht wieder mit ihm zusammen sein.“
Nuri ballte die Hände zu Fäusten und Yin konnte sehen, wie sein Kiefer malte.
„Nuri...“ Sie streckte ihre Hand nach ihm aus, wollte ihn in den Arm nehmen, aber er entzog sich ihr kommentarlos. Mit geschlossenen Augen fasste Yin sich an die Nasenwurzel. „Es tut mir wirklich Leid, Nuri. Aber ich kann es nicht ändern, okay? Lass uns reingehen, Kakao trinken und dabei nochmal über alles reden. Wir können absprachen treffen.“
Eine Fahrrad klingel durchriss die angespannte Stimmung und brachte Nuri dazu, sich umzudrehen. Sein Gesichtsausdruck entspannte sich, als er das Mädchen am Straßenrand entdeckte. „Ich habe keine Lust und keine Zeit mit dir zu reden.“, erklärte er Yin eisig und stapfte davon.
Yin sah ihm nach, sah das Mädchen an, dass ihn liebevoll in die Arme schloss, als er sie erreicht hatte. Sie sah den flüchtigen Kuss, den die beiden Jugendlichen miteinander austauschten und sie sah ihr nachdenkliches Gesicht, als Nuri zu sprechen begann.
Nuri glitt ihr aus den Händen, sie sah es und sie fühlte es. Er suchte andere Vertrauenspersonen. Dieses Mädchen, und Gavin. Er entfernte sich von ihr, ging auf eigenen Beinen und hatte seinen eigenen Kopf. Aber wieso musste dass gleichzeitig zu einem Bruch mit ihr führen?
Das Mädchen ergriff Nuris Hände, sie lächelte ihn aufmunternd an und aus ihrem aufgepinselten Mund, drangen tröstende Worte. Yin konnte nur Fetzen verstehen.
Mit einem letzten Blick in die Richtung des jungen Paares, brachte sie Cowboy zurück in den Stall und vergrub sich dann in Ladys Box, als wollte sie der Welt entrinnen. Die stummen Tränen die sie vergoss, sollte niemand sehen. Nicht Karan, nicht Nuri.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Sep 15, 2012 10:13 am

Unsicher stöckelte Yin den unbefestigten Weg entlang, in Richtung des mittleren Sees, der sich in den Bergen von Appaloosa Plains angesammelt hatte.
Nur hier war sie sicher vor den Paparazzi, die sie nach der Presseveranstaltung verfolgt hatten, nur die Schuhe hätten andere sein sollen. Ihr fehlten die unkomplizierten Stiefel, die sie sonst den ganzen Tag trug. Aber Gracie hatte darauf bestanden, dass Yin sich für das Fernsehen schön machte. Und dass hatte sie wahrlich.
Schimpfend blieb sie schließlich stehen und schlüpfte aus den High Heels, um sie gemütlich in der Hand zu tragen. So kam sie deutlich schneller voran! Nur hoffe Yin innerlich keinem Fotografen über den Weg zu laufen. Das würde Schlagzeilen geben.
Sie hob den Kopf und sah sich suchend nach der Person um, mit der sie verabredet war. Ein paar Meter weiter erkannte sie den weißen Kittel von Gavin in der Dunkelheit.
„Danke, dass du gekommen bist.“, begrüßte sie ihren Gast, ein sanftes Lächeln auf dem Gesicht.
Gavin drehte sich zu ihr um, er sah müde und erschöpft aus. „Hallo Yin.“ Er räusperte sich kurz. „Du hast mich hier her bestellt und ich bin gekommen. Was soll ich sonst tun?“
Yin überging diesen kleinen Hinweis, in dem sie sich beeilte ihre Schuhe wieder anzuziehen. Dafür musste sie ihm wenigstens nicht ins Gesicht sehen. „Du musst mit Nuri reden.“, erklärte sie ihm sachlich. „Er ist mit der Situation unglücklich und ich möchte das ändern.“

Sie hörte wie Gavin leise schnaubte. „Ist das ein Wunder, Yin? Du schleppst einfach einen billigen Reporter aus Indien an, und gibst ihm das Recht bei euch zu wohnen, bei dir im Bett zu schlafen?“
„Karan ist kein billiger Reporter Gavin, sondern mein Lebensgefährte.“ Weiterhin versuchte Yin ihre Stimme ruhig klingen zu lassen. Sie wollte kein Streit. Damit erreichte sie nichts. „Ich habe mich in ihn verliebt, Gavin und dass einzige was uns noch im Weg steht ist Nuri.“
„Dein Sohn steht dir also im Weg?“, erwiderte Gavin verächtlich, über die unglückliche Formulierung seiner Ex-Freundin. Sein Blick strahle Feindseligkeit und Sturheit aus.
Yin seufzte und fuhr sich durch die Enden ihrer schwarzen Haare. „So meinte ich dass nicht, Gavin und das weißt du. Für Nuri würde ich alles in meiner Macht stehende tun, weil ich ihn liebe. Er ist das Wichtigste in meinem Leben und nichts liegt mir ferner, als ihn los zu werden. Aber so geht es nicht.“ Ihr Blick wurde traurig, als sie Gavin ansah. „Ich will ein normales Leben, mit den Menschen die ich liebe. Ich will Harmonie und Glücksseligkeit. Verstehst du?“
In Gavins Gesicht konnte man lesen, wie weh ihm diese Worte taten. Sein Gesicht verhärtete er sich und er blickte demonstrativ zur Seite. „Ich habe immer nur dich geliebt, Yin. Weißt du das eigentlich? Von dem Moment an, an dem ich mit dir zusammen war, fühlte ich mich glücklich. Und ich habe dich auch während meiner Ehe mit Oriole geliebt. Und du? Du hast damit aufgehört.“
„Nach dem du mich verletzt hast, belogen und betrogen, da habe ich aufgehört dich zu lieben.“, erklärte Yin ihm eigensinnig, und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ist das ein Grund, mein Leben klein zu halten? Soll ich deswegen nie wieder glücklich werden?“

„Du kannst doch glücklich sein, Yin!“, beharrte Gavin leise, aber mit fester Stimme, die Yin beeindruckte. „Mit mir. Und mit Nuri. Warum kannst du uns nicht noch eine Chance geben?“
„Weil ich dich nicht mehr liebe, Gavin.“, flüsterte sie halblaut. Der alte Mann, mit dem flehenden Gesichtsausdruck, der nicht mehr viel mehr hatte als seine Kinder und seinen Job tat ihr Leid. Ja, sie hatte Gavin geliebt, aber die Liebe war verschwunden. Den Wunsch ihn irgendwo noch glücklich zu sehen, nicht. Vorsichtig trat sie ein paar Schritte näher. „Du bist ein herzensguter Mensch, Gavin und der beste Vater, den ich Nuri wünschen kann. Aber mehr nicht.“
Gavin wandte den Kopf zur Seite, als könnte er es nicht ertragen sie anzusehen. Er schwieg.
Yin seufzte leise. „Wenn du mich wirklich mal geliebt hast, oder immer noch tust, dann gebe mir Frieden. Lass mich glücklich sein, mit meinem neuen Leben und steh mir und Nuri nicht im Weg. Weil dem du am meisten schadest, ist deinem eigenen Sohn, Gavin. Er wird zerrissen von seinen Gefühlen, kannst du dass nicht sehen?“ Bittend legte sie ihm eine Hand auf den Arm. „Du liebst ihn doch genau so sehr wie ich. Springe über deinen Schatten.“
„Ich kann nicht mehr als mit ihm reden.“, murmelte Gavin schließlich schleppend. Als er Yin jetzt ansah, lag so viel Schmerz in seinen Augen, wie Yin es erst einmal gesehen hatte. Als sie ihm sagte, dass er sein Kind niemals kennenlernen würde.

Sie nickte ein wenig zitternd. „Dass muss erst einmal reichen.“ Sie versuchte zu lächeln, ihn irgendwie zu trösten, aber sie wusste selber, dass es kaum möglich war. Da wo er jetzt stand, hatte sie damals gestanden, aber zu ihrer Überraschung fühlte sie keine Genugtuung. Nur Mitleid.
Gavin räusperte sich in die Stille hinein. „Du und Karan...ihr seid jetzt ein richtiges Paar?“
„Ja.“ Yin nickte erneut. Aber die Freude verschwand schnell wieder, als sie seinen Ausdruck sah. „Es tut mir Leid, wenn ich dir damit weh tue, Gavin.“
„Ich weiß. Du wolltest noch nie jemandem weh tun, Yin, deswegen habe ich dich immer so geliebt, weißt du? Du bist einer der besten Menschen, die ich kennengelernt habe.“ Er lächelte, aber es sah immer noch sehr gequält aus. „Ich werde mit Nuri sprechen, ihm versuchen zu erklären wie die Situation ist. Aber ich kann dir nichts versprechen, dass weißt du, oder?“
Erleichtert ließ die Japanerin die Schultern sinken. „Natürlich. Aber der Versuch alleine reicht schon. Ich danke dir aus vollem Herzen.“ Nach kurzem Zögern schloss sie ihren Ex-Freund liebevoll in die Arme und schloss für einen Moment die Augen. „Wenn du irgendetwas brauchen solltest, Gavin, und sei es nur eine Gesprächspartnerin, dann bin ich da, okay?“
Sie spürte wie er sanft nickte, bevor er sich von ihr löste. „Das weiß ich zu schätzen, danke.“ Sein Blick glitt gen Himmel und er seufzte leise. „Es ist schon recht spät, wir sollten nach Hause gehen.“
„Ja.“ Yin warf ihm einen letzten Blick zu, bevor sie sich verabschiedete und umdrehte. „Mach's gut.“, murmelte sie. „Und Danke nochmal.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Sep 15, 2012 10:23 am

Als Yin eine Stunde später die Haustür aufschloss, war sie verwundert, als sie Karan in der Küche entdeckte. Es war schon recht spät und sie hatte damit gerechnet, dass er schlief.
„Wieso bist du denn noch wach?“, fragte sie verwundert und stellte ihre Handtasche ganz nebensächlich auf die Theke neben sich.
Karan fuhr sich durch das blonde Haar, ein unsicheres Lächeln auf den Lippen. „Ich hab auf dich gewartet. Die Pressekonferenz ist doch schon lange zu Ende.“
Sie hörte die ungestellte Frage in seiner Antwort und biss sich auf die Unterlippe. Wollte sie ihn anlügen? Gleich am Anfang ihrer Beziehung? Aber wenn sie ihm die Wahrheit sagte, würde er nicht misstrauisch werden? Sie seufzte kaum hörbar.
Hinter Karans Rücken raschelte es, als er ein Blattpapier hervorzog und es ihr reichte. Sein Gesicht zeigte keine Regung, keine Verärgerung, nicht einmal Eifersucht. „Frisch aus dem Internet.“
Vorsichtig nahm Yin es entgegen, als sei es heiß, oder gefährlich. Sie erblickte zuerst das Foto von ihr und Gavin. In der Dunkelheit, näher beieinander, als es vielleicht nötig war. „Oh.“, machte sie und sah auf. Entschuldigend sah sie aus, als sie Karan nun ansah. „Oh.“

„Ist das der Grund warum du so spät kommst?“, hakte er nach, und fuhr sich erneut durch das Haar, als sie langsam nickte. „Wieso hast du mir nicht erzählt, dass du dich mit Gavin triffst?“
„Weil es mit dir nicht direkt was zu tun hatte.“, erwiderte sie mit fester Stimme, knüllte das Blatt zusammen und schmiss es in den Mülleimer. Sie hatte nicht einmal die Schlagzeile gelesen, denn es interessierte sie nicht, was ich ein dämliches Blatt über sie schrieb. „Ich musste mit Gavin reden, wegen Nuri und ich wollte dich nicht unnötig beunruhigen.“
Karan hob skeptisch eine Augenbraue. „Wenn es nur ein einfaches Gespräch war, warum triffst du dich dann an so einer einsamen Stelle mit ihm?“
„Dass war eine dumme Idee.“, gab Yin zweifelnd zu. „Aber ich dachte da würden die Paparazzas uns nicht finden und wir könnten ungestört reden. Ich dachte, wenn ich mich in einem normalen Café mit ihm treffen würde, dann würden sie Gerüchte in die Welt setzen und genau dass hier würde passieren.“ Sie machte ein ausladende Geste. „Ein Streit.“
„Wir streiten nicht.“, erklärte Karan mit einem plötzlichen Lächeln und legte seine Hände sanft um ihre Taille. „Ich habe dich nur gefragt, was es damit auf sich hat, weil ich wissen wollte, was los ist.“ Liebevoll gab er ihr einen sanften, aber kurzen Kuss. „Ich vertraue dir, wenn du mir sagst, dass es auch berechtigt ist, Yin. Ich liebe dich.“

„Ich dich auch.“; erwiderte die Schwarzhaarige leise und legte ihre Hände sanft an seine Wangen. „Und genau deswegen musste ich mit Gavin reden, verstehst du? Ich wollte, dass er das mit Nuri klärt, damit wir endlich alle glücklich mit der Situation sein können. Doofe Idee?“
„Nein.“; er lachte über ihr ertapptes Gesicht. „Eigentlich eine wirklich wunderbare Idee. Hat es geklappt? Wird er mit Nuri reden?“
Sie nickte, aber wirklich freuen konnte sie sich nicht darüber. Zu tief saß die Erinnerung an Gavins schmerzverzerrten Gesichtsausdruck. „Er hat versprochen mit Nuri zu reden.“
„Dass ist doch gut.“ Irritiert sah Karan seine Freundin an. Auch er konnte sehen, dass sie nicht zu hundert Prozent glücklich war. „Oder etwa nicht?“
„Doch!“, beeilte Yin sich zu sagen. „Es ist ganz wunderbar. Nur...Gavin. Er tut mir so Leid, Karan. Er hat niemanden mehr. Er steht völlig alleine da, während ich hier mein Glück genieße.“
Karan nickte, als würde er verstehen. „Aber hast du nicht auch langsam das Recht wieder glücklich zu sein?“, fragte er, an ihr Gewissen appellierend. „Gavin ist nicht alleine, Yin. Er hat Nuri und er hat Elmar. Und im Notfall hat er auch immer dich, dass weißt du und dass weiß ich.“
Das stimmte. Yin seufzte leise. „Du hast mit allem Recht, aber ich kann nichts dafür, dass ich mich schlecht fühle. Ich würde gerne...irgendetwas für ihn tun, weißt du?“
„Damit würdest du ihm mehr weh tun, als wenn du ihn jetzt einfach eine Weile in Ruhe lässt.“; entschied Karan fest überzeugt. Er legte seinen Kopf schief. „Gib ihm etwas Zeit. Kümmere dich um deine Karriere, um Nuri und alles andere. Er wird schon wieder.“
Obwohl Yin nicht sicher war, ob er Recht hatte, nickte sie und ließ sich ohne Widerstand ins Schlafzimmer schieben. Vielleicht war es einfach wichtig, dass Gavin erst mal zu sich selber fand, bevor er wieder mit ihr befreundet sein konnte.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Okt 02, 2012 7:59 am

Am nächsten Tag lenkte Yin sich mit dem Training ab. Schon Karan zu Liebe verbot sie sich jeglichen Gedanken an den leidenden Gavin, versuchte nicht mitfühlend zu sein, sondern einfach an sich zu denken. Als sich und Karan. Und natürlich an Lady.
Gerade als sie die gelassene Stute fertig gesattelt hatte, hörte sie, wie ein fremder Wagen vor ihrem großen Grundstück hielt. Überrascht richtete sie sich auf und sah sich um.
Der Wagen schien teuer, und dass war ungewohnt für das ruhige Appaloosa Plains. Und der Mann, der kurz darauf ausstieg, hatte einen Gesichtsausdruck, den Yin nur zu gut kannte. Es war dieser überhebliche, desinteressierte Ausdruck, den nur ein höherrangiger Mann haben konnte.
Ihr Vater hatte ihn auch gehabt, ebenso wie ihre Mutter. Yin hatte es gehasst.
Der Mann sah sich einen kurzen Moment um, bevor sein Blick an der immer noch überraschten Yin hängen blieb. Er rümpfte kurz die Nase, bevor er seinen Weg zu ihr fortsetzte.
„Sind sie Yin Yaming?“, fragte er eher barsch als freundlich.
Die Schwarzhaarige nickte langsam, als Bestätigung. „Und wer sind sie, wenn ich fragen darf?“
„Dürfen sie.“, erwiderte er überheblich, zog einen Ausweis aus seiner Tasche und hielt ihn ihr so hin, dass sie einen kurzen Blick darauf werfen konnte. „Mein Name ist Josef Moriwake.“

Yin erstarrte einen kurzen Moment, als sie den japanischen Nachnamen hörte. Ihr Herz begann zu flattern und sie erwähnte sich schon weg zu laufen. Sie durften sie nicht zurückholen. Was würde dann aus Nuri werden? Sie würde alles dafür tun, dass er nicht mitkommen musste, in den goldenen Käfig in dem sie sterben musste, wenn sie zurückkehrte.
„Ihre Eltern schicken mich.“; sprach der unfreundliche Mann weiter, während er seinen Ausweis wieder zurücksteckte. „Sie haben von ihnen in der Zeitung gelesen und soll ihnen übermitteln, dass sie nicht mehr zur Familie gehören. Sie sind eine Schande.“ Josef spuckte ihr die letzten Worte ins Gesicht, als seien sie giftig.
Was er nicht wusste, dass für Yin diese Worte wie Honig waren. Sie spürte erneut die Freiheit, die sie plötzlich umgab und sie spürte, wie die Last der Angst von ihren zierlichen Schultern fiel. Sie war frei. „Sie meinen, ich muss nicht zurück zu ihnen?“, hauchte sie.
„Sie haben nicht das Recht jemals zurückzukehren.“, klärte er sie mit einem schrägen Blick auf, als wunderte er sich über die Freude in ihrer Stimmte. „Sie sind verbannt, verstehen sie das?“
Yin nickte, lächelte ihn an und versuchte nicht freudig heraus zu lachen. „Danke für ihren Besuch.“
„Dass war noch nicht alles, Frau Yaming.“ Er runzelte seine junge Stirn und sah mit einem Mal um Jahre älter aus, als er vielleicht war. Sein Blick glitt hinüber zu Lady. „Da sie nun aus der Familie verbannt worden sind, wird ihnen nicht nur ihr Titel als Prinzessin abgenommen, sondern auch alle gesamten Reichtümer, die sie durch die Familie bekommen haben.“
Yin hob nachdenklich eine Augenbraue. „Was meinen sie mit Reichtümer?“, hakte sie nach. „Die Farm die ich damals besessen habe, hat einerseits meinen Großeltern gehört und wurde an mich überschrieben und andererseits habe ich sie auch schon verkauft.“

Josefs nachdenkliche Miene wurde zu einen fiesen Grinsen, als er die plötzliche Unruhe in der hübschen Japanerin sah. „Ich meine nicht die Farm, Miss Yaming. Die ist ihren Eltern egal. Ich meine Ihr Pferd.“ Er sah erneut herüber zu der gesattelten Lady. „Sie gehört ihren Eltern und sie wollen nicht, dass sie weiterhin Erfolg mit ihr haben.“ Wie auf ein Stichwort hielt ein weiteres Auto vor dem Haus, einen Hänger zum Transport für Pferde hinten dran. „Wir nehmen Lady gleich mit. Ebenso wie Vasco.“ Und Yin hörte die Bösartigkeit aus seinen Worten.
„Dass können sie nicht machen.“; protestierte Yin wütend und trat einen Schritt auf ihn zu. „Es ist mein Pferd und mein Hund. Sie haben nicht das Recht mir irgendetwas wegzunehmen.“
„Und ob ich dass habe.“, erwiderte er gelassen, nahm ein Papier aus seiner Jackentasche und reichte es ihr. „Hier steht alles drin, was sie wissen müssen.“ Nachdem Yin das Blatt entgegen genommen hatte, schaute er sich nochmal um, rümpfte seine perfekte Nase erneut und drehte sich auf den Absatz um. Hinter ihm erschienen ein paar Männer, die Lady anleinten.
Yin war hilflos und zu Tode betrübt. Fassungslos starrte sie auf die schwarzen Buchstaben, bevor sie schließlich den Kopf hob und zu sah wie ihre liebsten Tiere abtransportiert wurde. Mit Tränen in den Augen stapfte sie über den Hof ins Haus und sah sich suchend nach Karan um.
„Yin.“ Erschrocken betrachtete der Blonde seine aufgelöste Freundin, als sie ihn endlich im Badezimmer vorfand, wo er gerade geduscht hatte. Sein Haar tropfte noch, als er Yin in die Arme schloss. „Was ist denn passiert? Ist etwas mit Nuri? Ist er vom Pferd gefallen?“

„Nein.“ Yin schüttelte schluchzend den Kopf und wischte sich wie ein kleines Mädchen über die triefende Nase. „Sie haben sie mir einfach weggenommen, Karan. Einfach so. Wie können sie nur?“
Immer noch völlig verwirrt strich Karan ihr sanft und beruhigend über den Rücken. „Warte mal, du musst von vorne anfangen. Ich weiß nicht was du meinst, Yin.“
Yin unterdrückte einen weiteren tiefen Schluchzer, löste sich von ihm und sah ihn an. „Meine Eltern sind königlich, Karan, deswegen bin ich abgehauen. Ich bin eine Prinzessin, die keine sein will und um mein Leben zu zerstören, haben sie mir alles genommen, was ich liebe.“ Sie hielt ihm den Zettel hin, den sie zuvor bekommen hatte. „Wir müssen irgendetwas tun.“
Karan las sich in aller Ruhe durch, was Yin bereits wusste. In seinem Kopf schwirrten die Gedanken so sehr, dass er kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Er nickte schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht, nachdem die Kopfschmerzen begangen hatten. „Du bist also eine Prinzessin?“
Yin schluckte und nickte erneut langsam. Ängstlich sah sie ihn an. „Ja...beziehungsweise, ich war eine. Seit ich hier bin, hier in Appaloosa Plains, bin ich keine mehr.“ Sie legte sanft eine Hand auf seinen Arm, als hätte sie Angst, dass er weglaufen würde. „Es tut mir leid...“
Karan unterbrach sie sanft, ein angestrengtes Lächeln auf den Lippen. „Schon gut, Yin. Lass uns in die Küche gehen und dann erzählst du mir alles von vorne, okay?“ Er holte kurz Luft.

Nachdem die beiden sich gesetzt hatten, jeder eine Tasse Kaffee in der Hand, erzählte Yin von ihrer gefangen Kindheit als Prinzessin und ihren Hass gegen ihre Eltern, die sie formten, als sei sie ein Stück Knete und kein Mensch. Und sie erzählte von der Liebe, die sie nie bekommen hatte.
„Ich brauche Lady und Vasco.“, beendete sie ihre Erzählung, die mehr nach einem schrecklichen Märchen, als nach einer wirklichen Vergangenheit klang. „Die beiden waren das einzige was ich damals hatte, verstehst du? Sie sind meine Familie und ich liebe sie.“
Karan nickte nachdenklich, den Blick abwesend auf seine Tasse gerichtet. Nachdem er eine Weile geschwiegen hatte hob er schließlich den Kopf und sah sie unverwandt an. „Ich sitze also neben einer Frau, die eigentlich eine Königin werden sollte.“
Yin rollte mit ihren hellen Augen. Für sie war es keine angenehme Wahrheit, und obwohl die Angst, dass Karan sie verlassen würde, verschwunden war, umgab sie immer noch ein schlechtes Gewissen. „Es ist nichts besonderes.“, meinte sie schließlich ernst und wich seinem neugierigen Blick aus. „Für mich nicht. Ich würde alles geben, wenn ich in einer normalen Familie aufgewachsen wäre, so wie du. Ich wollte nie etwas Besonderes sein.“
„Du wirst immer etwas Besonderes sein, Yin, Egal ob Prinzessin oder einfach nur du.“ Er ergriff ihre Hand und küsste zärtlich ihren Handrücken.
Yin warf ihm einen kurzen, liebevollen Blick zu, bevor ihr Gesichtsausdruck wieder düster wurde. „Was soll wir denn jetzt tun, Karan? Ich...ich bin so...“ Sie verstummte, bevor ihre Worte in ein Schluchzen übergehen konnten.
„Wir rufen meinen Anwalt an.“ Als Yin ihn mit großen Augen ansah, nickte er ihr beruhigend zu. „Ich hab einen sehr guten Anwalt, da ich als Reporter öfter mal in brenzlige Situationen komme. Er wird sicher einen Rat wissen und dann wird alles wieder gut, Yin.“
„Und wenn nicht?“, lag Yin auf der Zunge, aber sie schwieg. Sie musste Karan vertrauen, denn es war nun der einzige Weg, wie sie ihre Tiere vielleicht zurück bekommen konnte.
Seufzend ließ sie sich von ihrem Lebensgefährten in den Arm nehmen und schloss ihre Augen.
Warum musste gerade alles schief gehen? Sie könnte doch eigentlich so glücklich sein!

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Okt 02, 2012 8:09 am

Unruhig saß Yin an dem großen Küchentisch und starrte Löcher in die Tischplatte. Sie hörte das Ticken der Uhr und ihren Herzschlag, der ungewöhnlich unregelmäßig war.
Als das Holz der Küche zu knirschen begann, sah sie hoffnungsvoll auf, aber da war niemand.
Ihre schweißgebadeten Hände wischte sie sich an den kurzen Shorts ab, die sie trug.
Gut dass Nuri bei Gavin war. Ihren zappeligen Sohn konnte sie nun nicht auch noch um sich haben, dann wäre sie explodiert, denn der Junge vermisste Vasco und Lady ebenso wie Yin selber.
WO blieb Karan denn? Ihr Blick huschte zur Uhr, die nur zwei Minuten weiter gegangen war. Nervös gähnte sie, fuhr sich durch das schwarze Haar und versuchte nicht erneut auf die tickende Uhr zu schauen. Sie musste warten, etwas anderes blieb ihr nicht übrig.
Als die Tür schließlich aufgerissen wurde, sprang Yin erschrocken und erfreut zugleich auf. Als sie Karan erblickte beschleunigte sich ihr Herzschlag noch mal.
„Da bist du ja endlich.“; hauchte sie, zittrig mit den Händen wedelnd. „W-wie wars?“
„Gut.“ Karan ließ seinen Rucksack zu Boden fallen, seine Miene war undurchdringlich.
„Was heißt gut?“, hakte Yin nach. Sie war wütend auf Karan, dass er sich alles aus der Nase ziehen ließ. „Jetzt sag doch endlich, was der Anwalt gesagt hat.“

„Es ist alles in Ordnung, Yin.“ Das angespannte Gesicht des blonden Mannes entspannte sich, und er lächelte glücklich. „Wir haben uns geeinigt und du wirst Lady und Vasco wieder haben.“
Mit einem Freudenschrei fiel Yin ihrem Geliebten um den Hals. „Meinst du das ernst?“, fragte sie glücklich. „Wirklich? Ich bekomme die beiden wirklich zurück? Wann?“
„Morgen.“, erwiderte Karan lächelnd, nachdem Yin sich wieder einigermaßen beruhigt hatte. „Die Anwälte deiner Eltern, ganz merkwürdige Vögel übrigens, haben eine Nachricht für dich gehabt.“
Yin schluckte. „Was wollten sie?“
„Es ist von deiner Mutter.“, erklärte Karan. Seine Stimme war vorsichtig und mitfühlend geworden. „Ich soll dir sagen: Die Kinder des Frosches, sind Frösche.“ Er runzelte die Stirn. „Kannst du damit etwas anfangen?“
Yin brauchte keine Sekunde nachdenken. Sie nickte, den Blick zu Boden gerichtet. „Eine alte Japanische Weisheit.“ Ihr Lächeln geriet ins Wangen. „Es bedeutet, dass du das bist, was deine Eltern sind. Sie will mich daran erinnern, dass ich immer das sein werde. Eine Prinzessin.“
Karan schloss seine Arme sanft um sie. „Du bist Yin. Mach dir keine Sorgen was deine Eltern sagen wer du bist. Du meine große Liebe, Nuris Mutter und eine gute Freundin für Gracie.“ Er küsste sie sanft auf die Stirn. „Du musst nichts sein, was du nicht sein willst.“
Yin schüttelte den Kopf, um gleich wieder zu nicken. „Ich will nicht mehr darüber reden, Karan.“, beeilte sie sich zu sagen. „Ich hab jetzt ein neues Leben angefangen und...und ich werde es mir von niemanden zerstören lassen.“ Verliebt blickte sie ihn an. „Ich will endlich genießen frei zu sein.“

„Okay.“ Langsam nickte Karan. Sein Lächeln wurde schief, als er Yin schließlich mit seinen treuen Augen ansah. „Aber bevor wir deine Freiheit genießen, kann ich dich noch etwas fragen?“
„Natürlich.“ Erleichtert über diese Wendung des Schicksals war Yin mit ihren Gedanken schon ganz woanders. Sie wollte Nuri davon erzählen. Deswegen schaute sie auch um so überraschter, als Karan sich plötzlich vor ihr niederließ und eine dunkle Schatulle aus seiner Westentasche nahm.
„Yin Yaming.“, begann er mit ehrfürchtiger Stimme. „Seit ich dich kennen gelernt habe, habe ich das Gefühl endlich angekommen zu sein. Ich bin glücklich, so glücklich, dass ich es in die Welt hinaus schreien könnte. Noch nie in meinem ganzen Leben habe ich so etwas gefühlt und ich bin mir sicher, dass es nie vergehen wird. Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr, dass ich dich hier und jetzt fragen will, nachdem ich diesen Ring schon Wochen mit mir herum schleppe, ob du meine Frau werden willst? Mit mir zusammen sein, bis wir irgendwann alt und gebrechlich sind?“
Yins Augen waren größer als Untertassen. Mit geöffnetem Mund stand sie da und sah auf den Mann hinunter, der sein ganzes Leben ihr zu Füßen legte. „Ja.“, hauchte sie schließlich leise, zu mehr war ihre Stimme nicht fähig. „Natürlich will ich dich heiraten, Karan.“

Mit einem zufriedenem Lächeln steckte er ihr den silbernen Ring an und erhob sich schließlich wieder, bevor sie ihm freudestrahlend um den Hals fallen konnte.
Niemals hatte Yin damit gerechnet, dass jemand sie so lieben würde, dass er sie heiraten wollte. Nach der Sache mit Gavin hatte sie sowieso sehr lange nicht mehr an die große Liebe geglaubt.
„Du machst mich damit zum glücklichsten Menschen der ganzen Welt, weißt du das?“, hörte sie Karan leise an ihrem Ohr flüstern.
„Und du mich erst.“, lachte sie ausgelassen. „Ich liebe, liebe, liebe dich.“
Karan küsste sie leidenschaftlich auf den Mund. „Und ich dich erst, Yin.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Di Okt 02, 2012 9:22 am

„Du bist unruhig.“, stellte Karan überflüssigerweise fest, als er neben Yin in einem Liegestuhl auf der Terrasse saß. Die ganze Zeit hatte er sie nicht aus den Augen gelassen, beobachtet, wie sie immer wieder zur Straße sah, dann zwei Minuten die Augen schloss und schließlich ihre Fingernägel betrachtete.
Yin ließ sich für einen Moment ablenken, nickte nur kurz und sah dann wieder zur Straße.
„Er muss es akzeptieren.“, erinnerte Karan sie sanft. Als sie schließlich nicht antwortete runzelte er besorgt die Stirn. „Oder zweifelst du schon wieder an deiner Entscheidung?“
„Nein!“, rief Yin eilig aus und ergriff seine Hand. „Nein, Karan. So etwas darfst du gar nicht denken. Ich mach mir doch nur Sorgen.“ Sie seufzte traurig. „Nuri ist so...anders. Ich weiß einfach nicht wie ich ihm beibringen soll, dass es jetzt was wirklich ernstes ist. Wir haben uns gerade erst vertragen.“
„Yin.“ Karan sah sie streng an. „Denk doch nur einmal in deinem Leben an dich an erster Stelle und nicht an Nuri. Willst du nicht glücklich sein?“
„Natürlich will ich das, Karan. Aber für mich stand Nuri immer an erster Stelle. Er ist mein Sohn und ich liebe ihn. Dass musst du doch verstehen.“, bat sie ihren Verlobten inständig.
Natürlich verstand Karan dass, aber er liebte Yin und wollte sie nicht verlieren. „Ich liebe dich.“, sagte Karan sachlich. „Aber wenn du dir nicht sicher bist, dann sollten wir nicht vorschnelle Schritte einleiten. Vielleicht sollten wir mit dem heiraten noch eine Weile warten und...“

„Nein.“ Yin schüttelte bedächtig den Kopf und versuchte ein zuversichtliches Lächeln aufzusetzen. „Ich will dich heiraten, lieber früher als später.“
Bevor Karan etwas erwidern konnte, hielt ein schicker Sportwagen vor dem Grundstück und Nuri stieg aus. Er winkte noch einmal in Richtung Fahrertür, dann kam er mit einem zufriedenem Gesichtsausdruck auf das frisch verlobte Paar zu. „Hey, Mum.“ Etwas kühler begrüßte er Karan. „Hallo Karan.“
Der Blonde fasste sich mit einem Lächeln an die Mütze und ignorierte die Kälte freundlich.
Yin bemühte sich um Normalität. „Wie war es bei deinem Vater?“
„Gut.“ Nuri zuckte die Achseln und wollte schon zurück ins Haus, um sich schlafen zu legen, als Yin ihn noch einmal aufhielt.
„Hast du vielleicht einen Moment Zeit, Nuri? Ich würde gerne mit dir reden, unter vier Augen?“
Der schwarzhaarige Junge nickte und ging seiner Mutter voran ins Wohnzimmer, wo er sich gähnend auf dem alten Sofa niederließ. „Aber schnell, Mum. Ich bin müde.“
Yin nickte und ließ sich etwas verlegen auf Nuris alten Sitzsack nieder. Es tat ihr gut ein wenig Distanz zu ihrem Sohn zu haben, jetzt wo sie ihm das sagte. Tief atmete sie durch. „Liebling, du weißt, dass du immer das Wichtigste in meinem Leben bist, oder?“
Nuri nickte, sein Blick war misstrauisch geworden.

„Ich würde dir niemals absichtlich weh tun, dass musst du einfach wissen. Aber manchmal treffen Erwachsene in ihrem Leben Entscheidungen, die so getroffen werden müssen. Um sich und andere zu schützen, insbesondere die Kinder.“ Sie sah Nuri zweifelnd an. „Und dass ist alles was ich jemals wollte. Ich wollte Sicherheit für dich und Schutz. Liebe und Harmonie.“
„Dann hättest du Karan nicht ins Haus holen sollen.“, erwiderte Nuri kalt. Er sah seine Mutter mit erhobener Augenbraue an. „Es war alles gut, bis er kam.“
Yin erhob sich von dem Sitzsack und versuchte nicht ein zu knicken unter den Gewicht der Worte. Sie musste standhaft bleiben, schließlich war sie die Erwachsene. „Nein, Nuri, nur für dich. Ich habe mich in Karan verliebt und ich will mit ihm zusammen sein. Jetzt ist für mich alles gut, weil ich Karan bei mir habe. Und ich wünschte, du würdest mir das alles leichter machen.“
Auch Nuri war inzwischen aufgestanden. „Du, immer nur du, Mum. Warum denkst du immer nur an dich? Wer denkt denn mal an mich? Was ich will und was gut für mich ist?“
„Genau das mache ich doch.“, wütete Yin zurück. Zum ersten Mal wurde sie laut in der Gegenwart von ihrem Sohn. „Ich bin nicht mehr mit deinem Vater zusammen weil es keine Familie gewesen wäre. Zumindest keine glückliche. Und Karan und ich sind jetzt glücklich.“
„Wie schön für dich und Karan.“, fauchte Nuri mit verschränkten Armen.

Yin holte tief Luft. Sie versuchte sich zu sammeln, denn dass was sie eigentlich hatte sagen wollen, war noch gar nicht ausgesprochen. „Eigentlich habe ich dich gebeten mit dir zu reden, um dir zu sagen, dass Karan und ich uns verlobt haben und dass es mir egal ist, wenn du dagegen bist.“
Nuris Gesichtszüge entgleisten für einen Moment, als er seine Mutter entsetzt ansah. „Dass ist nicht dein ernst?“, flüsterte er leise. „Du hast dich mit diesem Kerl verlobt?“
„Nenne ihn nicht so.“, ermahnte Yin ihren Sohn wütend. „Er will dir doch nichts böses. Er will einfach mit mir zusammen sein und für dich vielleicht...vielleicht einen Kumpel.“
„Niemals.“ Eigenwillig schüttelte er seinen Kopf und funkelte Yin aus denselben Augen wütend an. „Wenn ihr heiraten solltet werde ich zu Dad und Elmar ziehen.“ Er holte tief Luft, seine wütende Grimasse verwandelte sich ins bösartige. „Und Oriole. Dad und sie versuchen es nochmal, weil sie nämlich schwanger von ihm ist. Das ist richtige Familie, Mum. Nur das.“ Und mit diesen Worten verschwand er aus dem Wohnzimmer. Türen knallend natürlich!
Seufzend atmete Yin einen Moment durch, rang nach ihrer Fassung und versuchte nicht erneut in Tränen auszubrechen. Als sie sicher war, dass sie nicht weinen würde, marschierte sie stumm und leise ins Schlafzimmer, wo Karan sich schon ins Bett gelegt hatte.

„Hey Schönheit.“, begrüßte er sie schlaftrunken, als sie das Licht anschaltete und sich ihrer Klamotten entledigte. „Wie war das Gespräch mit dem Knirps?“
„Schrecklich.“; erwiderte Yin traurig, und zog sich ihren Katzenpullover über. Kopfschüttelnd ging sie ums Bett herum und ließ sich auf der Matratze nieder. „Ich verstehe sein Problem einfach nicht, Karan. Ich und du, wir wollen ihm doch nichts böses. Du willst ja nicht sein Vater werden.“
„Aber ich bin ein Mann, der ihm seine Mutter wegnimmt, und dazu noch nicht einmal sein verehrter Vater.“ Karan legte den Arm um seine betrübte Verlobte und zog sie näher an sich heran. „Ich weiß nicht ob ich anders reagiert hätte, Yin. Ich kann ihn verstehen.“
„Toll.“, brummte Yin unzufrieden. „Dann verbünde dich doch mit ihm gegen mich und dann sind wir alle schrecklich glücklich.“ Sie zog eine Grimasse, bevor sie sich aus seinen Arme drehte und hinlegte. „Dabei hat Gavin doch auch eine neue Frau. Sie bekommen sogar noch ein Baby.“
„Na, dann meinen herzlichen Glückwunsch.“ Karan grinste leise an ihrem Ohr. Ohne dass sie es gemerkt hatte, hatte er sie wieder fest in seine Arme geschlossen. „Gib Nuri Zeit.“, murmelte er müde. „Er wird sich in den weiteren Jahren daran gewöhnen.“
„Und wenn nicht?“, fragte Yin besorgt. Die Angst Nuri zu verlieren, tauchte wieder auf.
Karan seufzte. „Ich habe es dir schon einmal erklärt, meine Liebste. Dein Sohn liebt dich. Du bist die erste Person, die er hatte und er würde dich niemals verlassen, auch wenn er es androht. Lass ihn jetzt schmollen, spätestens bei der Hochzeit wird alles wieder gut.“
„Klar.“, erwiderte Yin abwesend. In ihrem Kopf plante sie schon ein neues Gespräch mit Gavin. Vielleicht konnte er ihren Sohn zur Vernunft bringen.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Okt 06, 2012 5:52 pm

Am nächsten Tag fuhr Yin, nachdem sie ein paar Sachen im Zentrum erledigt hatte, weiter zu Gavins Haus. Es war oben auf dem Berg von Appaloosa Plains und gehörte eigentlich Oriole und nicht Gavin, aber seit dem die beiden wieder zusammen waren, gehörte es auch Gavin.
Yin seufzte angestrengt, als sie ausstieg und die Taxitür hinter sich zu schmiss. Gavin war ihre letzte Hoffnungen, er war der Einzige, der noch an Nuri heran kam. Und einen so großen Schritt, wie das Heiraten zu machen, ohne mit dem Rest ihrer Familie im Reinen zu sein, konnte sie sich einfach nicht vorstellen. Dafür liebte sie zu sehr die Harmonie.
Ohne noch einen Moment zu zweifeln, drückte sie auf den goldenen Klingelknopf und lauschte anschließend auf die gedämpften Schritte, die aus dem Inneren des Hauses drangen.
Eine blonde Frau, die Yin sofort als Oriole identifizierte, öffnete die große Eingangstür, ein freundliches Lächeln auf den Lippen. Unter dem weitem Oberteil, dass sie trug, wölbte sich ein kleiner, aber gut sichtbarer Babybauch.
„Hallo.“, begrüßte Yin sie, und versuchte dabei ebenso freundlich zu gucken. „Mein Name ist Yin, ich bin die Mutter von Nuri. Ist Gavin vielleicht zu Hause.“
Oriole ergriff kurz ihre Hand und schüttelte sie. „Natürlich, Yin. Komm doch rein, ich glaube Gavin sitzt oben und schaut sich seine alten Fotos aus Studienzeiten an.“ Sie seufzte leicht theatralisch, als sie einen Schritt zur Seite trat, damit Yin reinkommen konnte. „Seit er in Rente gegangen ist, langweilt er sich wohl ein bisschen. Da kommt der kleine Racker wohl ganz Recht.“ Sie warf einen kurzen Blick auf ihren Bauch, bevor sie sich schließlich zur Treppe wandte. „Gavin?“

„Ja?“, ertönte es leise von oben. Yin konnte sich vorstellen wie er still und leise in seinem Ledersessel saß und über alte Zeiten sinnierte. Vielleicht auch über sie.
„Yin ist hier. Kannst du bitte mal runter kommen?“, rief Oriole. Dann wandte sie sich an Yin. „Er kommt sicher gleich. Möchtest du etwas trinken oder essen? Ich könnte Kaffee kochen.“
„Nein, danke.“, erwiderte Yin schnell, die Hände nervös vor dem Bauch gefaltet. Eigentlich wollte sie nur kurz mit Gavin reden und dann wieder gehen.
Keine zwei Minuten später erschien Gavin am Treppenabsatz und schaute neugierig zu ihr herunter. Eine dicke Sorgenfalte hatte sich auf seiner Stirn gebildet. „Yin, was machst du denn hier? Ist irgendetwas passiert? Mit Nuri?“
„Nicht direkt.“, erwiderte Yin. Sie fühlte sich unwohl so hinauf schreien zu müssen, denn Oriole stand immer noch neben ihr und schien sie zu beobachten.
„Aber?“, hakte der ergraute Schönling nach und bequemte sich schließlich die Treppen herunter zu kommen. „Du siehst nicht besonders glücklich aus.“
Und dabei müsste sie es sein, schließlich hatte ihr der Mann ihres Lebens einen Heiratsantrag gemacht. „Es geht mir gut.“, murmelte sie schließlich halbherzig und verschränkte die Arme nachdenklich vor der Brust. Ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen, als sie ihren Ring aus den Augenwinkeln sah. „Karan hat mich gefragt ob ich ihn heiraten will.“
„Herzlichen Glückwunsch.“ Gavin lächelte und es sah wirklich ehrlich aus. Sein Blick huschte kurz zu Oriole, die sich in diesem Moment mit einer entschuldigenden Geste verabschiedete. Als sie in der Küche verschwunden war, sah Gavin Yin wieder an. „Hast du es Nuri schon gesagt?“

Yin nickte gequält. „Genau deswegen bin ich hier. Er...er hat es nicht sonderlich gut aufgenommen.“
„Dass habe ich mir gedacht.“, erwiderte er leise und fuhr sich durch das graue Haar. Er sah besorgt aus. „Nuri deutet immer wieder an, dass er nicht weiß, was du mit Karan willst. Er versteht eure Liebe nicht, oder er will sie nicht verstehen. Was soll ich tun?“
„Ich dachte vielleicht ihr könntet miteinander reden.“, schlug sie leise vor. „Ich meine...du bist sein Vater und ihr habt ein gutes Verhältnis miteinander, Gavin.“
Er nickte kurz, den Blick abwesend auf seine Füße gelegt. „Eigentlich schon, aber seit dem ich ihm gesagt habe, dass ich es okay finde, dass du und Karan...“ Er schluckte kurz. „Dass ihr ein Paar seid, da ist er sehr reserviert zu mir. Ich dachte er würde langsam damit leben, schließlich lebt er auch damit, dass ich und Oriole erneut ein Kind bekommen.“
Yin nickte zu stimmend. Auch dass verstand sie nicht. Warum durfte sie selber kein neues Leben beginnen, Nuris Vater aber schon? Wo war da die Fairness?
„Vielleicht wendest du dich lieber an Desdemona.“, schlug Gavin schließlich vor. „Sie hat momentan am meisten Einfluss auf den Jungen, Yin. Ich glaube sie kann mehr erreichen.“
Yin konnte in seinen Augen sehen, dass es ihm widerstrebe mit Nuri zu reden. Er wollte es sich wohl nicht mit seinem Sohn verscherzen. „Desdemona?“, wiederholte sie den ihr unbekannten Namen fragend.
Gavin nickte. „Nuris Freundin. Ein sehr nettes Mädchen. Sie war öfter hier in letzter Zeit.“
Vor dem inneren Augen der jungen Japanerin tauchte das Bild des hübschen Mädchen aus, dass Nuri letztens aus einer Streitigkeit mit ihr riss. „Ich glaube ich hab sie mal gesehen.“, erwiderte sie schließlich, nachdem sie einmal tief Luft geholt hatte. „Aber wirklich mit ihr geredet hab ich noch nie. Vielleicht sollte ich Nuri mal bitten sie einzuladen.“
„Dass ist eine gute Idee.“ Gavin nickte zustimmend. „Du wirst sie lieben, Yin. Sie ist ein bisschen wie du. Stark und selbstbewusst unter einer zierlichen zarten Hülle.“
Leicht errötend unter dem Kompliment ihres Ex-Freundes, drehte sie sich zur Tür, um ihn nicht anzusehen. Alte Zeiten stiegen ihr in den Kopf und ließ ihr Herz einmal gequält aufschlagen. Was war mit ihr los? Warum dachte sie auf einmal daran?
„Ich wünsche dir, dass endlich alles wieder gut wird, Yin.“, hörte sie Gavin halblaut flüstern. Als sie ihn wieder ansah, konnte sie das ehrliche Lächeln auf seinen Lippen sehen. „Wirklich. Ich wünsche mir für dich nichts mehr, als dass du endlich glücklich bist. Was ich damals getan habe...“

„Ist schon gut.“, unterbrach Yin ihn fürsorglich. Es musste nicht noch einmal ausgesprochen werden. Yin hatte ihm verziehen. „Lass uns nicht mehr darüber reden.“
„Mir ist aber wichtig, dass du weißt, dass ich dass alles bereue. Und nicht, weil ich dich zurück haben will, sondern weil ich dir niemals hätte so weh tun sollen.“ Er fuhr sich kurz und nervös durch das Haar, wie er es schon früher getan hatte. „Es wäre doch schön, wenn wir eine große einheitliche Familie werden könnten, oder? Ich meine, dich und Karan und Oriole, Elmar und das Baby. Und natürlich Nuri. Vielleicht...vielleicht schaffen wir das.“
„Wenn wir Nuri dazu überreden können, dann würde ich mich sehr freuen.“; gab Yin fröhlich zu. „Wir müssen ihn einfach überreden, Gavin. Es kann einfach nicht so weitergehen.“
Er nickte langsam, dass Gesicht zu einer nachdenklichen Grimasse verzogen. „Ich werde morgen mit ihm reden und wenn du willst rede ich auch noch einmal mit Desdemona. Er muss sich langsam mal zusammen reißen, denn so geht es wirklich nicht weiter.“
„Ich danke dir.“ Ganz kurz drückte Yin ihn an sich, bevor sie erleichtert die Schultern hängen ließ. „Mehr will ich auch gar nicht. Du sollst nur einmal kurz mit ihm reden.“ Ihr Blick huschte zur Uhr an der Wand und sie hob erschrocken eine Augenbraue. „Ich muss los, tut mir Leid. Gracie und ich müssen noch ein paar Dinge für die Hochzeit erledigen.“ Sie sah Gavin freundlich an. „Ihr bekommt übrigens auch noch eine Einladung, dass ist doch klar, oder?“
„Danke.“, erwiderte Gavin und geleitete sie zur Tür. „Grüß Karan von mir, ja? Und Gracie natürlich.“
„Klar mach ich. Und du grüß Oriole.“ Sie schenkte der geschlossenen Küchentür ein freundliches Lächeln. „Ich glaube mit ihr hast du die Richtige gefunden, Gavin.“
„Dass glaube ich auch.“, erwiderte er grinsend.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Okt 06, 2012 6:06 pm

Als Yin zu Hause ankam, entdeckte sie Gracie schon von Weitem. Doch zu Yins Überraschung trug die Blondine ein kleines Kind auf dem Arm, dass eindeutig nicht ihres sein konnte. Schließlich kannte Yin Lealand und er war nur ein Jahr jünger als Nuri.
„Da bist du ja endlich.“, schimpfte Gracie mit gequältem Gesichtsausdruck los. Sie trug noch ihre Klamotten aus der Arbeit und unter den Augen tiefe dunkle Ringe. „Ich warte schon seit Stunden.“
„Tut mir Leid.“ Yin beeilte sich zu ihrer besten Freundin zu kommen. „Das Gespräch mit Gavin hatte länger gedauert, als ich gedacht hatte.“ Fragend sah sie das Kind an. „Wer ist dass denn?“
„Zacs Nichte aus Sunset Valley.“ Gracie seufzte mit einem schiefem Lächeln, während sie dem Mädchen sanft über den kaum behaarten Kopf strich. „Es gibt gerade einige Probleme zwischen ihren Eltern und Zac hat sie erst einmal zu sich genommen.“
„Und was macht sie dann bei dir?“ Yin runzelte neugierig die Stirn.
Das Gesicht der Blonden errötete leicht, als sie den Kopf abwandte und zur Seite sah. „Weißt du, Zac ist wieder bei uns eingezogen. Letztens habe ich Lealand bei ihm abgeholt, aber er hat schon geschlafen, also haben Zac und ich uns eine Weile über alte Zeiten unterhalten. Er hat sie sich ziemlich geändert, bekommt sein Leben wieder unter Kontrolle. Er hat sogar einen neuen Job.“

Yin dachte einen Moment darüber nach, ihrer Freundin sofort die Augen zu öffnen, aber sie wusste, dass Gracie nicht zuhören würde. Sie war verliebt, wie damals. Also seufzte sie nur laut und zuckte mit den Achseln. „Wenn du meinst, dass es diesmal besser klappt.“
„Ich bin mir sicher. Außerdem...“ Sie sah das kleine Mädchen liebevoll an. „Ich hätte gern wieder ein Baby im Haus. Lealand ist so schrecklich schnell groß geworden.“
„Was soll ich denn sagen.“, erwiderte Yin mit finsterer Miene. „Nuri führt ein Eigenleben.“
Gracie sah ihre beste Freundin besorgt an, als sie die Sorgen in Yins Augen sah. „Es ist nicht besser geworden?“, harkte sie leise nach.
Yin schüttelte den Kopf und kramte kurz in ihrer Hosentasche, um den Haustürschlüssel heraus zu holen. „Lass uns ins Wohnzimmer zu gehen.“, schlug sie eilig vor. „ Nuri kommt bald nach Hause und ich will nicht, dass er hört, dass ich über ihn rede.“
„Kann ich verstehen.“, erwiderte Gracie und folgte ihr in das gemütliche Wohnzimmer. Das kleine Mädchen setzte sie dort auf den Boden und gab ihr einen Spielzeughasen, bevor sie sich auf dem Sofa niederließ. „Jetzt erzähl, Süße. Was ist bei dem Gespräch raus gekommen.“
„Nicht viel.“, erwiderte Yin, unruhig in der Wohnung hin und hergehend. „Gavin will mit ihm reden, aber ich glaube nicht, dass es hilft. Nuri ist so dickköpfig, da kommt niemand durch.“
Gracie nickte mitfühlend. „Aber dass ist doch für dich keinen Grund die Verlobung aufzulösen, oder?“ Besorgt sah sie die Schwarzhaarige an.

Yin spielte nachdenklich an ihren Haarspitzen herum. „Nein, dass nicht. Aber vielleicht sollten wir die Hochzeit noch eine Weile nach hinten schieben.“ Es bedrückte sie, dass sie den Termin verändern musste, aber in einer Woche zu heiraten, ohne dass Nuri einverstanden war, kam ihr einfach nicht richtig vor. „Ich will dass so nicht.“
„Karan wird enttäuscht sein.“, erinnerte Gracie sie sanft. „Er liebt dich von ganzem Herzen, Yin, aber auch er hat irgendwo seine Grenzen. Ich weiß nicht, ob eure Beziehung das aushalten würde.“
„Du meinst er würde mich verlassen?“, murmelte Yin traurig und entsetzt zu gleich. Sie hatte sich zum Fenster gedreht und sah nachdenklich hinaus. „Ich will ihn nicht verlieren, Gracie.“
„Ich weiß und ich weiß auch, dass es ihm mehr als schwer fallen würde.“ Yin hörte wie Gracie unruhig auf ihren Platz hin und her rutschte. „Nuri steht eurem Glück im Weg, und er wird es zerstören, wenn er es sich nicht ändert. Vielleicht sollte er eine Weile zu Gavin ziehen.“
„Nein, Gracie, dass kann ich nicht zulassen.“ Yin schüttelte eigenwillig den Kopf und drehte sich wieder zu ihrer Freundin um. „Ich habe Nuri versprochen, als er geboren wurde, dass ich ihn niemals verlassen werde und dass werde ich auch nicht jetzt tun.“

„Es ist kein verlassen, Yin.“, versuchte Gracie sie sanft zu überreden. „Es ist eine Hilfe, verstehst du dass nicht? Er muss lernen, dass manchmal nicht alles so läuft, wie man es sich vorstellt.“
Yin wusste, dass Gracie recht hatte, aber sie wollte ihn nicht gehen lassen. Nicht früher als nötig war. Dafür liebte sie ihren Sohn einfach zu sehr.
„Okay, wie wäre es, wenn du erst einmal mit Nuri redest. Noch einmal.“ Sie erhob sich von ihrem Platz und nahm das kleine Mädchen wieder auf den Arm. „Die Hochzeitsvorbereitungen müssen eben noch eine Weile warten. Erst wenn ihr es geklärt habt, machen wir weiter.“
Yin nickte, dankbar über das Verständnis, dass Gracie ihr entgegen brachte. „Dass ist lieb von dir, Gracie. Danke, wirklich vielen Dank.“
„Dafür nicht. Hauptsache du versprichst mir, dass du die Hochzeit nicht absagst.“ Sie hob eine Augenbraue. „Sonst ist der Junggesellinnenabschied am Wochenende ganz umsonst.“
Yin rümpfte die Nase. Wirklich Lust auf so eine rauschende Party hatte sie nicht. „Nein, ich sag sie nicht ab.“, versprach sie dennoch zuversichtlich. „Ich ruf dich an, wenn ich weiß wie es weitergeht.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Sa Okt 06, 2012 6:22 pm

Am nächsten Tag nahm Yin sich vor, noch einmal mit Nuri zu reden. Sie wollte weder Karan noch ihren Sohn verlieren, aber so konnte es auch nicht weitergehen.
„Was soll ich nur mit ihm machen?“, murmelte Yin Vasco zu, der sich heute mal bereitwillig bürsten ließ. Yin wusste, dass er in letzter Zeit vernachlässigt wurde, und es tat ihr Leid, also nahm sie sich heute mal nur Zeit für den Hund. Nuri war mit Cowboy auf der Trainingsbahn und Lady genoss die Weide mal ganz für sich alleine. „Er ist so störrisch!“
Vasco schaute sein Frauchen ein, als wollte er sie erinnern, woher er diesen dicken Kopf hatte.
„Nicht von mir.“, beeilte Yin sich zu sagen und zog eine Grimasse. „Ich war niemals so, Vasco. Dass hat er alles von seinem Vater.“ Wieder seufzte sie bedrückt, als sie daran dachte, dass Gavin ihr nicht sonderlich viel positives von dem Gespräch mit Nuri erzählt hatte. „Nicht einmal Gavin kann ihm umstimmen. Was soll ich denn noch machen? Ich liebe Karan, aber Nuri will ich auch nicht verlieren. Was soll ich denn bloß tun?“
Vasco schmiegte sich sanft an ihre Beine, als wollte er sie trösten. Und das tat er.
„Ich wünschte manchmal ich wäre ein Hund.“, murmelte Yin abwesend, während sie weiter das schwarzweiße Fell des Hundes bürstete. „Dann hätte ich all diese Sorgen gar nicht.“
Vasco schnüffelte sanft an Yins Hosenbein. Der alt gewordene Hund schien sie zu verstehen.

Bevor Yin noch weiter über die Situation meckern konnte, öffnete sich die Haustür und Karan betrat das Haus. Er sah geschafft und müde aus, rang sich aber trotzdem ein Lächeln ab. „Hey, Yin. Was machst du denn hier? Ich dachte du wolltest mit Lady trainieren.“
„Ich gönne uns beiden mal eine Pause.“, erwiderte Yin halbherzig, richtete sich auf und legte die Bürste beiseite. Vasco warf sie noch ein Leckerli zu. „Wie war dein Tag, hm?“
„In Ordnung.“ Karan nahm kurz die Mütze ab und fuhr sich durch das blonde Haar. „Ein wenig stressig. In Indien läuft bald mein Urlaub aus und...na ja.“
„Du musst wieder zurück und arbeiten.“, vollendete Yin seine Gedanken. Zu ihrer eigenen Überraschung war sie nicht so traurig, wie sie sein sollte. Die Hochzeit eine Weile nach hinten zu schieben, würde ihr gar nicht so schwer fallen.
Auch Karan schien der gleichgültige Ton aufgefallen zu sein. Er runzelte besorgt die Stirn. „Du scheinst ja wirklich sehr traurig darüber zu sein, dass ich bald gehen muss.“
Yin seufzte leise und versuchte zuversichtlich auszusehen. „So war dass nicht gemeint, Karan. Ich meine nur...vielleicht ist es ganz gut, wenn wir die Hochzeit eine Weile nach hinten schieben.“
Es war toten still in der Küche. Selbst Vasco hatte sich lautlos unter den Tisch verkrochen.
„Du willst mich nicht heiraten.“, erwiderte Karan schließlich gedämpft. Er sah Yin dabei nicht einmal an, als würde es ihm weh tun. Und das tat es wahrscheinlich auch.
„Doch.“, beeilte sich Yin zu sagen. Eilig kam sie auf ihn zu und schlang ihre dünnen Arme um seinen Hals. „Ich liebe dich, Karan, von ganzem Herzen. Ich...ich frag mich nur warum wir die ganze Zeit Steine in den Weg gelegt bekommen. Was will man uns damit sagen?“
Karan schüttelte wütend den Kopf. „Nichts, Yin. Gar nichts will man damit sagen.“ Er löste sich aus ihrer Umklammerung und machte ein paar Schritte nach hinten. „Ich liebe dich, wie oft soll ich es dir noch sagen? Aber was soll ich denn machen, wenn ich nicht gegen Nuri ankomme? Ich weiß, er ist dein Sohn und er wird immer an erste Stelle stehen, aber wo stehe ich, Yin? Wo?“

„In meinem Herzen.“, war ihre zittrige Antwort. „Du bist genau da, wo Nuri ist, Karan. Dass musst du mir glauben. Aber wie soll ich es dann machen? Ich kann doch nicht für meine große Liebe meinen Sohn hergeben.“ Ihre Stimme war lauter geworden. „Was soll ich tun?“
Karan nickte. Seine Züge waren angespannt. „Und was soll ich tun, Yin? Was verlangst du von mir? Soll ich die Hochzeit absagen, eine Weile nach Indien gehen und warten bist du wieder Lust hast mich zu heiraten? Stellst du dir so unser Leben vor?“
„Nein.“ Yin schüttelte den Kopf, die Tränen in den Augen. So fest sie konnte, presste sich an Karan und küsste ihn so leidenschaftlich, wie sie es schon lange nicht getan hatte. Er sollte nicht weiter reden, denn jedes Wort, dass er sagte, tat ihr unendlich doll weh. Als sie sich wieder von ihm gelöst hatte, seufzte er und Yin versuchte zu lächeln. „Es tut mir unendlich Leid.“; brachte sie leise hervor. „Wirklich. Ich wollte dir niemals das Gefühl geben, nebensächlich zu sein.“
„Dass weiß ich.“, erwiderte Karan mit halb geschlossenen Augen. „Aber so geht es nicht mehr Yin.“
„So wird es auch nicht weitergehen.“ Yin legte ihre Hände sanft an seine Wange. „Ich rede noch einmal mit Nuri, versprochen und...und es wird sich alles regeln. Du darfst mich nur nicht verlassen. Bitte.“
„Nein, Yin.“ Er nahm sie sanft in den Arm und küsste sie auf das dicke schwarze Haar. „Ich verlass dich nicht, Yin. Damit würde ich mir selber mehr weh tun, als dir.“

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mi Okt 24, 2012 3:53 pm

Zwei Stunden später hörte Yin, wie die Hufe des Hengstes auf dem Boden gedämpft galoppierten. Sie erhob sich von dem ungemütlichen Platz, den sie eingenommen hatte. Sie warf Karan einen kurzen Blick zu. „Ich geh dann mal raus und versuche mit ihm zu reden.“
Karan nickte, erhob sich ebenfalls. „Ich setzte mich mit Indien in Verbindung.“, nach kurzem Zögern beugte er sich zu ihr nach vorne und küsste sie flüchtig auf die Stirn.
Yin schenkte ihm ein letztes zuversichtliches Lächeln bevor sie regungslos an der Glastür verharrte.
Nuri stieg gerade ab, strich Cowboy noch einmal sanft über die Nüstern, bevor er ihn von seinem Sattel befreite und auf die Koppel brachte. Erst als er sich zum Haus drehte, schien er seine Mutter zu entdecken, denn sein Gesicht verfinsterte sich für einen kurzen Moment.
„Hallo, Liebling.“ Yin schenkte ihm ein kurzes Lächeln, als er eintrat. „Wie war es mit Cowboy?“
Nuri nickte ihr kühl zu. „Gut. Er gewöhnt sich langsam an die Hindernisse. Noch ein paar Wochen und ich kann mit ihm das erste Turnier starten, denke ich.“
Zufrieden mit dieser Nachricht nickte Yin ebenfalls, bevor sie sich zur Anrichte drehte und zwei Schüsseln mit Käsemakkaroni hervor zauberte. „Ich hab mir gedacht, dass du vielleicht Hunger hast. Dein Lieblingsessen, Käsemakkaroni.“
Bereitwillig ließ Nuri sich an dem großen Tisch nieder und begann schweigend zu essen, nachdem Yin ihm seine Schüssel hingestellt hatte.

Yin selber bekam keinen Bissen herunter. Nervös rührte sie in dem Gericht herum, als würden dort die Worte stehen, die ihr gerade fehlten. „Ich war gestern bei deinem Vater.“, begann sie schließlich vorsichtig. „Er hat mir erzählt...dass du eine Freundin hast.“
Nuri sah von seiner Schüssel auf und blickte sie misstrauisch an. „Was hat er dir erzählt?“
„Dass sie Desdemona heißt und ein nettes Mädchen ist.“ Yin lächelte ihn nach Vertrauen heischend an. „Ich würde sie gerne mal kennenlernen, Nuri, was hältst du davon?“
„Okay.“ Er erhob sich von seinem Platz, nahm seine Schüssel und schlenderte zum Geschirrspüler. „Ich wollte sie für das Wochenende hier her einladen. Passt also gut.“
„Dass freut mich.“ Unschlüssig hielt Yin einen Moment inne. „Bist du sehr verliebt in sie?“
Nuri räusperte sich und Verlegenheit mischte sich in seinen Blick. „Mum. Wir sind noch nicht sonderlich lange zusammen. Ich weiß nicht wirklich...aber ich hab sie zumindest sehr gerne.“ Als er Yins zufriedenes Lächeln sah, hob er misstrauisch eine Augenbraue. „Nur weil ich eine Freundin habe, Mum, heißt dass nicht, dass ich auf einmal einverstanden bin mit dir und Karan.“
Yin seufzte leise. „Ich weiß. Ich würde nur...ich würde nur gerne verstehen warum du so gegen uns beide bist, Nuri. Von Erwachsenem zu Erwachsenem.“
Nuri schwieg eine Weile, als sammelte er seine Gedanken. Erst als Yin aufgestanden war, schien die Sprache zu ihm zurück zu kehren. „Ich glaube nicht, dass er der Richtige ist, Mum. Dad...“
„Dein Vater ist glücklich mit Oriole.“, unterbrach Yin ihn fein säuberlich. „Also, warum kannst du dass akzeptieren, dass mit mir und Karan aber nicht?“

„Weil...weil du keinen Mann brauchst, Mum.“ Nuri hob hilflos die Schultern. „Wir waren immer mehr oder weniger zu zweit, oder nicht? Bis auf, Dad. Aber Dad gehört auch biologisch gesehen zu uns. Karan ist so etwas wie...wie ein Spenderorgan, und wir sind der Körper, der es nicht annehmen kann.“ Er atmete laut aus.
Yin schüttelte den Kopf, ein liebevollen Ausdruck auf dem Gesicht. „Du bist der Körper, Nuri. Ich nicht. Verstehst du dass? Ich habe Karan angenommen. Nur du nicht.“
Nuri schwieg. Er hatte sich Unterlippe gebissen und versuchte seine Mutter nicht anzusehen.
Yin tat es unendlich weh ihren Sohn so...geschlagen zu sehen. Er wusste, dass er verloren hatte, schließlich hatte er keine Argumente mehr, aber der Zorn würde nicht so einfach verschwinden.
„Du bist das Wichtigste für mich.“, murmelte Yin leise, und erhob sich von ihrem Platz um zu ihren Sohn zu gehen. „Aber du musst lernen, dass ich auch ein anderes Leben habe, als Mutter zu sein. Ich liebe Karan und ich möchte ihn heiraten. Aber ich werde es nicht ohne dich tun.“
Nuri sah sie an. Der Junge, aus dem langsam ein Mann wurde, war kurz davor in Tränen auszubrechen. Als Wut, aus Kummer, aus Angst. „Warum musst du ihn lieben, Mum?“
„Weil er mir gut tut.“, erwiderte sie leise. „Er ist das Beste nach dir, was mir passieren konnte, Nuri.“ Sie schloss ihre Arme sanft um ihren Sohn und genoss die Nähe, die sie in letzter Zeit nie von ihm bekommen hatte. „Und er kann auch dir gut tun, weißt du dass?“

„Warum können wir nicht eine normale Familie sein?“ Nuri wischte sich die Tränen wütend von der Wange. Yin konnte die Anspannung in seinen Muskeln spüren. „Mum, Dad und ich.“
„Dass sind wir doch irgendwie.“ Yin löste sich ein Stück von ihm, um ihn anzusehen. „Du hast einen Dad, der sich hervorragend um dich kümmert, und du hast eine Mutter, die dich über alles liebt. Und noch dazu hast du zwei Halbgeschwister, eine Stiefmutter und einen coolen Freund, der zudem noch der Mann an der Seite deiner Mutter ist.“ Sie strich ihm eine schwarze Strähne aus dem Gesicht. „Nuri, dass ist mehr als die meisten Menschen haben. Vielleicht solltest du es zu schätzen wissen, anstatt dich die ganze Zeit dagegen zu wehren. Hm?“ Sie sah ihm fest in die Augen und versuchte an sein Gewissen zu appellieren. „In Japan sagt man: Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres.“
Nuris Mundwinkel zuckten leicht, als er seine Mutter diesmal ansah. „Jetzt kommst du mir mit japanischen Weisheiten?“, fragte er belustigt. „Mum, ich bitte dich.“
„Ich meine ja nur.“ Yin ließ ihn los, aber nicht aus den Augen. „Kannst du vielleicht versuchen dich mit der gesamten Situation zu arrangieren? Mir und dir zu liebe, Nuri? Ich will nicht ohne dich heiraten, aber ich will Karan heiraten. Verstehst du es?“
Langsam nickte Nuri, dann seufzte er ermüdet. „Ich brauch ne Nacht, Mum.“; entschuldigte er sich mit geplagtem Gesichtsausdruck. „Wir können morgen noch reden, oder?“
„Klar.“ Yin küsste ihn zur guten Nacht kurz auf die Wange und sah ihm nach, wie er in dem Flur verschwand, von dem sein Zimmer abging.
Vielleicht hatte sie es geschafft. Vielleicht hatte sie Nuris harte Hülle geknackt.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mi Okt 24, 2012 3:59 pm

Als Yin am nächsten Morgen aus dem Schlafzimmer kam, hörte sie gedämpfte Stimmen aus der Küche und es verwunderte sie. Niemals redeten Karan und Nuri miteinander, deswegen war es Morgens totenstill. Nur an diesem Tag nicht.
„Willst du Kaffee?“, dass war Nuri. Yin hob überrascht eine Augenbraue. „Ich hab zu viel gemacht.“
„Gerne.“, erwiderte Karan, ebenso überrascht wie Yin.
Leise beugte sich die Japanerin um die Ecke, um das Geschehen unbemerkt beobachten zu können.
Nuri kippte in zwei Becher die schwarze, dampfende Flüssigkeit, sein Gesichtsausdruck war angestrengt. „Willst du Milch oder Zucker?“, war seine nächste Frage, ohne Karan anzusehen.
Der Blonde nickte langsam und sah schweigend zu, wie Nuri seinen Kaffee bestückte. Dann räusperte er sich. „Danke, Nuri. Dass ist wirklich nett von dir.“
Yins Sohn zuckte die Achseln. „Dafür nicht.“ Nachdem er selber einen langen ausgiebigen Schluck seines Kaffees genommen hatte, sah er Karan wieder an. „Ich...ich wollte mich übrigens entschuldigen. Für die...die letzte Zeit, halt. Also...“
„Ich glaube ich versteh was du meinst.“ Karan grinste ihn freundschaftlich an. „Und ich nehme die Entschuldigung wirklich ernst. Aber irgendwo kann ich dich auch verstehen.“

Nuri sah ihn fragend an. „Wie meinst du dass?“
Seufzend lehnte Karan sich gegen die Theke, die dampfende Tasse in der Hand. „Als ich etwas jünger war als du, haben sich meine Eltern getrennt.“ Er verzog das Gesicht, bei der Erinnerung. „Wir haben zu der Zeit in Indien gelebt, ein schönes Haus, nette Leute. Ein tolles Leben.“
„Und dann?“ Interessiert sah Nuri ihn an. Ihn schien die Geschichte wirklich interessieren.
Karan legte den Kopf schief und sah abwesend vor sich auf den Boden. „Mein Vater kam eines Tages früher von der Arbeit und ich hörte wie er nach oben ging, dann lautes Geschrei und schließlich polterte er mit samt seines Koffers die Treppen wieder herunter.“ Karan seufzte erneut. „Meine Mutter hinter her, halb angezogen. Mich hat keiner beachtet, weißt du? Mein Vater ging und kam erst drei Jahre später wieder zurück. Mit samt seiner neuen Familie.“
Eine Weile blieb es still in der Küche, nur der Atem der beiden Männer war zu hören.
Yins Herz blutete, als sie den Schmerz in Karans Stimme hörte. Warum hatte er ihr nie etwas gesagt? Sie waren schließlich verlobt miteinander.
„Und was hast du dann gemacht?“, fragte Nuri schließlich leise. „Ich meine...warst du sauer?“
„Mehr als dass. Meine Mutter hatte mich zu meiner Großmutter geschickt, nachdem mein Vater uns verlassen hat. Ich hab sie bis zu ihrer Beerdigung nicht wieder gesehen und trotzdem konnte ich ihr nie verzeihen. In meinen Augen hat sie meine Familie kaputt gemacht.“ Er stellte den Becher zurück auf die Anrichte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Die Familie meines Vaters konnte ich nicht annehmen, obwohl sie alle sehr nett zu mir waren. Es ging nicht.“

Nuri atmete kurz durch. Yin konnte an seinem Gesicht erkennen, dass er nachdachte. „Du hast dich nie mit ihnen vertragen? Nicht mit deiner Mutter und nicht deinem Vater?“
Karan schüttelte betrübt den Kopf. „Ich hatte nicht die Chance mehr, Nuri, als ich schließlich so weit war. Mein Vater verstarb als ich 19 Jahre alt war und seine Familie verschwand. Aber ich bereue es.“ Er sah den Jungen eindringlich an. „Ich würde alles dafür geben, wenn ich mich mit ihnen hätte aussprechen können und vertragen. Schließlich sind sie meine Eltern.“
„Es tut mir wirklich Leid, Karan.“, murmelte Nuri nach einer Weile überzeugt und fest. „Ich hatte niemals das Recht mich zwischen euch zu stellen oder sonst irgendetwas zu tun, dass weiß ich. Ich...ich hatte glaub ich einfach nur Angst und ich war Eifersüchtig.“ Er grinste schief. „Eigentlich bist du ja ganz okay, ausgenommen, dass du nicht reiten kannst.“
„Dass kann ich ja noch lernen.“; erwiderte Karan lachend und haute Nuri spielerisch in die Schulter.
Yin atmete erleichtert aus. Jetzt war sie sich sicher, dass alles besser werden würde.

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Re: Das Flüstern der Pferde

Beitrag  Finplay8 am Mo Nov 12, 2012 3:20 pm

„Ich hab eigentlich gar keine Lust zu feiern, Gracie.“, murrte Yin und zog unsanft an dem kurzen weißen Kleid herum, dass Gracie ihr zum anziehen geben hatte. Ihrer Meinung nach war es einfach zu kurz und auch der Hut sah eher lächerlich als modisch aus. „Hätte ich nicht etwas von meinen Sachen anziehen können? Dann würde ich mich nicht so dumm fühlen.“
Gracie lachte aus vollem Halse. „Dass gehört sich so, Yin. Du kennst das vielleicht nicht, aber es ist ein angesehener Brauch, dass die Braut in einem sehr kurzen weißen Kleid und mit diesem Hut ihren letzten Tag genießt. Und dass werden wir.“ Die Blonde zog ihre beste Freundin sanft hinter sich her, wobei sie gar keine Probleme hatte auf den hohen Schuhen zu laufen.
„Wenigstens die Schuhe.“, jammerte Yin leise und sah an sich herunter.
Wieder lachte Gracie. „Stell dich nicht so an, Yin. Du heiratest bald, was erwartest du?“
„Meine gemütlichen Reitstiefel.“, erwiderte Yin mürrisch und blieb überrascht stehen, als sie merkte, dass auch Gracie stehen geblieben war. „Und was machen wir hier?“
„Feiern.“, erwiderte Gracie grinsend. „Du wolltest keine richtige Party, also gehen wir ins Schwimmbad.“ Sie stellte ihre schwarze Tasche auf den Boden und kramte eine Weile darin herum, bis sie eine Flasche Sekt heraus holte. „Zum Feiern, hm?“

Yin sah sie skeptisch an. „Wir wollen uns vor dem Schwimmbad betrinken? Ich würde lieber nach Hause und mich etwas um Lady kümmern. Nuri ist ganz alleine...“
„Nuri ist fast erwachsen.“, vollendete Gracie ihren Satz und reichte ihr Glas mit Sekt. „Und du wirst heute gefeiert, und wenn es das letzte ist was ich tun werde.“ Traurig sah sie ihre beste Freundin an. „Ich finde dass bist du mir schuldig. In letzter Zeit hast du so viel zu tun...“ Sie verstummte.
Über diese Glanzleistung musste Yin augenblicklich kichern. „Na gut.“, gab sie sich geschlagen und nahm einen kräftigen Schluck aus dem Glas. „Dann feiern wir heute den letzten Tag meiner Freiheit.“ Sie kicherte über den Gedanken, dass die Leute hier, die Ehe wohl als das Gegenanteil ansahen. Yin selber konnte sich nichts schöneres vorstellen als verheiratet zu sein. Endlich zu jemanden gehören, der sie liebte. Ohne Angst ihn zu verlieren.
Gracie viel ihr freudig um den Hals. „Du bist die beste Freundin, die man sich wünschen kann.“ Sie strahlte, als sie sich wieder von Yin löste und ihr ins Gesicht sah. „Ich kann es kaum glauben, Yin. Vor ein paar Jahren hattest du der Liebe noch abgeschworen und jetzt wirst du heiraten. Mein Gott, Yin, du wirst heiraten. Und dann auch noch so einen attraktiven jungen Mann, wie Karan. Eigentlich kann man da nur neidisch werden.“

Yin kicherte errötend und sah zu Boden. Obwohl ihr natürlich bewusst war, wie gut Karan aussah und dass er vollkommen ihr gehörte, war es merkwürdig so etwas zu hören. „Es gibt keinen besseren Mann als Karan, dass weiß ich. Ich liebe ihn so sehr.“
„Einen gibt es.“, erwiderte Gracie kichernd und warf einen Blick an der schwärmenden Yin vorbei. Ihre Augen begangen zu leuchten, als hätte sie eine riesige Sahnetorte gesehen. „Glaub mir, Schätzchen. Es gibt einen Mann, der sogar den Mann deiner Träume toppt.“
Neugierig drehte Yin sich um, um anschließend erschrocken zusammen zu zucken. Da stand ein halbnackter Mann mit Sonnenbrille und einer Polizeimütze. Sein Grinsen war anzüglich, und sie war sich sicher, dass er sie mit seinem Blick praktisch auszog. Wieder errötend wandte sie den Blick ab und zischte Gracie vorwurfsvoll zu. „Was macht dieser Mann hier, Gracie?“
„Strippen.“, war die kichernder Antwort der Blonden, die sich augenblicklich an Yin vorbeischmuggeln wollte. Sie schien es kaum abwarten zu können. „Was glaubst du warum ich dieses Schnuckelchen ansonsten eingeladen habe. Der war nicht billig, Yin.“
„Aber...aber du bist doch...“ Yin verstummte kurz, fuhr sich durch die Haarspitzen ihrer schwarzen Mähne, und versuchte sich zu erinnern, dass hier alles anders ist. „Ich heirate morgen.“
„Deswegen ja.“, lachte Gracie und rollte mit ihren hübschen Augen. „Komm mal runter, Yin. Du sollst den Mann nicht küssen, oder mit ihm schlafen. Du sollst bloß etwas Spaß haben.“
„Und dass habe ich mit...mit halb nackten Männern?“; fragte die Japanerin irritiert und lukte noch einmal an ihrer besten Freundin vorbei. Der Mann baute gerade eine Musikanlage auf. „Mein Gott, Gracie! Was machst du nur mit mir? Du weißt doch wie ich bin...“
Gracie nickte eilig. „Genau deswegen mache ich das. Jetzt komm! Hab ein bisschen Spaß, du kannst auch gerne nur mit mir tanzen, okay? Und ab und zu mal hinlinsen.“
Nachdem Yin eine Weile nachgedacht hatte, nickte sie leicht. „Aber nur heute.“, murmelte sie halblaut.

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Re: Das Flüstern der Pferde

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