Briefe an Freda

Seite 2 von 2 Zurück  1, 2

Nach unten

.

Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2018 12:30 pm

An einem verregneten Tag durchstöbert sie das Gerümpel, das auf dem Heuboden lagert. Neben ein paar verwertbaren Kleinigkeiten, sind eine Staffelei und Malzeug ihr wertvollster Fund. Sie beendet ein angefangenes Bild auf einer alten Leinwand und hängt dieses in ihrem Haus auf. Es soll sie daran erinnern, dass jeder mal klein anfängt und weder große Künstler noch versierte Barmixer vom Himmel fallen.


(Leider ist das Bild etwas dunkel. Die Beleuchtung in Dinas Scheune ist schlecht und ich glaube, das Wetter war es auch in diesem Moment. Aber man kann sicherlich trotzdem dem einzigartige Kunst hinter diesem Gemälde erahnen...)
avatar
Chester
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 5280
Anmeldedatum : 01.03.08

Nach oben Nach unten

.

Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2018 12:35 pm

Den Strand meidet Dina dieser Tage, wenn es möglich ist. Bei einem ihrer ersten Spaziergänge musste sie feststellen, dass es dort nur so von herrenlosen Hunden wimmelt. Als Kind wollte sie zwar unbedingt Tierärztin werden, aber ein unglückliches Ereignis vor wenigen Jahren, bei dem sie von einem Dobermann durch die halbe Stadt gejagt wurde, hat ihr diesen Traum zerstört. Seitdem fürchtet sie sich sogar vor jedem Rehpinscher. Zu ihrem Unglück (oder Glück, das kommt auf den Zeitpunkt der Betrachtung an) lässt sich ein kurzer Strandabschnitt allerdings nicht umgehen, wenn man den Friedhof besuchen möchte. Und dies tut Dina regelmäßig, auch wenn sie niemanden kennt, der auf dem Friedhof von Chesterfield begraben liegt. Sie versucht dabei, dies möglichst vor Einbruch der Dunkelheit zu erledigen, aber Dina ist nicht immer konsequent oder gar strukturiert in ihrer Planung. Und so passiert, was auf lange Sicht unvermeidbar war: Während sich Dina auf dem Friedhof aufhält, bricht die Nacht über Chesterfield herein. (Man könnte auch ganz einfach sagen „Die Sonne ging unter“, aber ich versuche hier, Dinas Gefühlslage wiederzugeben.) Nach einer kurzen Schockstarre, plant sie einen rasanten Rückzug. Dabei ist es nicht der nächtliche Friedhof der Dina in Angst und Schrecken versetzt, sondern der unvermeidliche Heimweg über einen menschenleeren, aber hundeverseuchten Strand.


(Wer nun glaubt, den Ausgang dieses Teils der Geschichte aufgrund vorangegangener Fotos bereits zu kennen, sollte sich und Dina nicht zu früh in Sicherheit wiegen. Er sei daran erinnert, dass Fotos nicht immer die Wahrheit verkünden und auch Bilder der Erinnerung von Angst, Wunsch oder fehlerhafter Selbsteinschätzung getrübt werden können. Etwas, wovon auch Dina von Zeit zu Zeit geringfügig betroffen ist.)
avatar
Chester
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 5280
Anmeldedatum : 01.03.08

Nach oben Nach unten

.

Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2018 12:40 pm

Dina hat erst wenige Schritte durch den Sand zurückgelegt, da taucht vor ihr ein riesiger Hund auf. Zum Sprung bereit versperrt er ihr den Weg.



Das Weglaufen nicht die klügste Variante darstellt, hat sie ja schon als Jugendliche feststellen müssen. Also wählt sie die einzige andere Option, die ihr in den Sinn kommt: „Verschwinde du Teufel oder ich fresse dich!“, schreit sie hysterisch und versucht wild gestikulierend den Streuner abzuwehren. Dieser zeigt sich jedoch wenig beeindruckt. Bellend springt er seinerseits vor Dina herum und kommt ihr dabei gefährlich nahe. „Verpiss dich, Monster, oder ich mach dich kalt! Man nennt mich auch Godzilla! Du solltest fliehen, so lange du noch kannst!“ Dinas Selbstbeherrschung, sofern man das überhaupt noch so bezeichnen kann, ist schnell kurz vor den Nullpunkt gesunken. Nur mit Mühe kann sie ihre Beine daran hindern, es doch mit Weglaufen zu probieren.

„Godzilla? Schau an. Ich dachte dein Name ist „Barkeeperin von Chesterfield“. Gibt es in diesem Ort eigentlich keine andere Menschenseele außer Jo? Dina hat das Gefühl, sich ständig zum Affen zu machen (ich tue alles dafür), wenn er in der Nähe ist. Es könnte auch einmal jemand anderes auftauchen. Aber letztendlich ist Dina froh über Joes Anwesenheit. Irgendwie wirkt sie sich beruhigend auf Dina aus, auch wenn das nicht sofort für jedermanns Auge ersichtlich ist. „Hilfe mir, Joe!“, schreit sie mit schriller Stimme. „Das Vieh will mich fressen!“ „Das ist Ty“, versucht Joe die Situation zu beruhigen, „der will nur spielen.“ Dina fuchtelt wild mit den Armen und schreit aus Leibeskräften. Irgendwie muss das Monster doch zu vertreiben sein. „Halt doch einfach mal still“, hört Dina Joes Stimme aus nicht allzu weiter Entfernung hinter sich, „dann beruhigt er sich auch.“ Doch zwischen hören und verstehen können Meilen liegen. Während Ty unaufhörlich bellt, trampelt Dina weiter auf der Stelle, kneift die Augen zu und schreit: „Rette mich! Mach ihn tot, mach ihn tot!“
avatar
Chester
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 5280
Anmeldedatum : 01.03.08

Nach oben Nach unten

.

Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2018 12:44 pm

„SITZ!“, ruft Joe energisch. Augenblicklich nimmt Ty auf seinen Hinterpfoten Platz und guckt Dina mit schräggelegtem Kopf treuherzig an. Sie hört ebenfalls auf zu hüpfen und geht vorsichtig ein paar Schritte rückwärts in die Richtung, in der sie Joe vermutet. Den Hund lässt sie dabei keinen Augenblick aus den Augen. „Vor Ty brauchst du dich nicht zu fürchten. Der ist absolut harmlos.“  „Ist das dein Hund?“ Dinas Herzfrequenz nähert sich langsam (sehr langsam) wieder dem Normalbereich. „Nein“, antwortet Joe, „er gehörte einem Freund von mir, der… der gestorben ist. Ich habe Ty bei mir aufgenommen, aber er ist immer wieder weggelaufen. Braucht wohl seine Freiheit. Ab und zu gucke ich, ob es ihm gutgeht."

"Hier, gibt ihm das.“ Dina spürt, wie Joe ihr etwas in die Hand drückt. Es ist ein kleiner Hundekuchen, den sie schnell in Tys Richtung wirft. Der Hund springt auf und schnappt den knochenförmigen Kuchen in der Luft, um ihn anschließend mit lautem Knacken zu verspeisen. „ ,Geben‘ hab ich gesagt, nicht ,werfen‘“, beschwert sich Joe und drückt Dina einen weitern Knochen in die Hand. Ty schaut Dina erwartungsvoll an. „Na los, trau dich!“ Dina zögert noch, dann öffnet sie die Hand und streckt Ty die Leckerei entgegen. Ganz langsam, als wüsste er, dass er behutsam mit Dina sein muss, kommt der Hund näher und nimmt das Fressen vorsichtig aus ihrer Hand. Dina nimmt allen Mut zusammen und streichelt das Tier schließlich zaghaft.



„Hier, aber überfüttre ihn nicht!“, kommentiert Joe und  hält Dina einen kleinen Plastikbeutel mit weiteren Knochen und anderen Leckerlies hin. Eine halbe Stunde später ist der Beutel leer und Dina und Ty sind beste Freunde. Ihre Liebe zu Tieren hat sie trotz ihrer schlimmen Erfahrung wohl nie verloren.



„Danke für deine Hilfe“, will sich Dina an Joe wenden, aber dieser befindet sich schon mit einem dicken Grinsen im Gesicht auf dem Heimweg. Ty hingegen begleitet Dina nach Hause. In einigen Metern Abstand trottet er hinter ihr her und bleibt schließlich vor der Scheunentür sitzen.
avatar
Chester
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 5280
Anmeldedatum : 01.03.08

Nach oben Nach unten

.

Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2018 12:50 pm

Nach diesem aufregenden Abend ist Dina sehr erschöpft und schläft schnell ein. Mitten in der Nacht wird sie jedoch von einem lauten Bellen geweckt. Als sie aus dem zukünftigen Küchenfenster schaut, läuft Ty aufgeregt und laut bellend auf dem Grundstück hin und her. Ihre alte Angst vor Hunden schwappt langsam wieder an die Oberfläche. Dennoch nimmt sie all ihren Mut zusammen und öffnet die Scheunentür. „Ty!“, ruft sie und versucht dabei, ihre Stimme so energisch wie möglich klingen zu lasse. „Sitz!“ Der Hund senkt sofort sein Hinterteil und beginnt gefährlich zu knurren. Aber er schaut dabei nicht in Dinas Richtung, sondern behält die umstehenden Bäume und Sträucher im Blick. In der Dunkelheit kann Dina nichts erkennen.



Ein beklemmendes Gefühl jagt ihren Puls in die Höhe. Sie ruft den Hund mehrfach zu sich, aber es dauert eine Weile, bevor er reagiert und sich vor ihren Füßen niederlässt. Als sich Dina zu ihm hinunterbeugt, um ihn zu streicheln, macht sie im Licht der geöffneten Tür eine ungewöhnliche Entdeckung. Sie muss 2x hinsehen, aber es besteht kein Zweifel. Auf den ausgetretenen Boden vor ihrer Tür hat jemand mit einem Stock das Wort „Bienen“ in die Erde gekritzelt. Verdutzt denkt sie einen Moment darüber nach, wer ihr diese Nachricht hinterlassen haben könnte, dann läuft ihr ein Schauer über den Rücken, als ihr die Erkenntnis kommt, dass das Schreibwerkzeug vielleicht doch etwas anderes als ein Stock gewesen sein könnte.
avatar
Chester
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 5280
Anmeldedatum : 01.03.08

Nach oben Nach unten

Re: Briefe an Freda

Beitrag  Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Seite 2 von 2 Zurück  1, 2

Nach oben


 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten