Felinger Legacy

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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Fr März 04, 2016 6:40 pm

Natalyas Verdacht

Bobby und Natalya waren hinreichend überrascht, dass wir so plötzlich zwei Kinder hatten. Die beiden bekamen kaum eine ruhige Minute – Jeremy blieb ein forderndes Kind. Bobby arbeitete nun von zuhause aus, während Natalya sich jeden Morgen zur Polizeistation aufmachte. Der örtliche Polizeichef war auf sie aufmerksam geworden und hatte sie gebeten, ihren Dienst als Sicherheitskraft zu kündigen und als Streifenpolizistin zu arbeiten. Die Bezahlung war sehr viel besser und Natalya war Polizistin mit Herz und Seele. Gelegentlich brachten sie Jeremy zu uns, wenn es nötig war, dass Bobby doch ins Büro fuhr.
„Ich versteh' einfach nicht wie ihr das schafft.“ Natalya sah vielsagend auf das Baby in meinen Armen. Ihr eigener Sohn Jeremy lag friedlich in MaxiCosi zu unseren Füßen. „Ein Kleinkind UND ein Baby.“



Ich zuckte mit den Schultern. „So schwer ist es nicht. Lennard ist ja schon sehr selbstständig und Damian pflegeleicht.“ Erneut zuckte ich mit den Achseln. „Wir haben einfach Glück.“ Und jahrzehntelange Erfahrung, dachte ich amüsiert.
Natalya bemerkte das Zucken in meinen Mundwinkeln und stieß einen tiefen Seufzer aus. „Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass du dich über mich lustig machst?!“
„Ich bitte dich!“ Beleidigt zog ich einen Schmollmund und legte Damian ins Kinderbettchen. „Ich konnte ja auch schon mit Lennard üben, als er geboren worden ist. Du und Bobby wurdet ins kalte Wasser geschmissen.“
Die Erklärung war mehr als dürftig, aber die Erwähnung meines Bruders lenkte Natalya ab. „Wie hat er sich denn eingewöhnt?“
„Ziemlich gut, würde ich sagen. Er vermisst meine Eltern nicht wirklich. Und er LIEBT Darrel. Da könnte ich glatt eifersüchtig werden.“
„Hm.“, machte Natalya und sah mich lange prüfend an. Ich bemerkte den argwöhnischen Blick und zog die Augenbrauen hoch.
„Ich...nimm's mir nicht übel...Ist Lennard dein Kind?“, brachte sie schließlich leise hervor.
Ich sah sie eine geschlagene Minute verwirrt an. „Wir haben ihn adoptiert, also ja.“



„Du weißt was ich meine.“
Langsam nickte ich. „Ich kann verstehen, dass du auf diesen Gedanken kommst. Meine Eltern waren schließlich nicht die jüngsten, als sie ihn bekommen haben und es war zu der Zeit, als ich mich langsam auf den Umzug nach Simerika vorbereitet habe. Aber nein. Er ist – genetisch – mein Bruder. Rechtlich ist er durch die Adoption Darrels und mein Kind.“
Sie musterte kurz ihre Fußspitzen, bevor sie erneut mich musterte. „Ich muss es wissen. Wegen Darrel. Ich will nicht,...“
„Dass er verletzt wird.“, beendete ich ihren Satz. „Ich weiß das, Natalya. Aber ich versichere dir, dass Lennard mein Bruder ist.“ Ich versuchte meine Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle zu halten, doch ich war wütend. An Natalyas Blick sah ich, dass man es mir anmerkte. Ich atmete einmal tief durch und fuhr fort: „Wenn er mein Kind wäre, hätte ich ihn erstens nicht zurückgelassen und zweitens Darrel davon erzählt.“ Ich hob ihren MaxiCosi hoch und reichte ihn ihr. „Ich glaube Bobby wartet schon auf dich.“
Natalya sah mich betrübt an. Sie setzte an etwas zu sagen, doch ich drehte mich von ihr weg und verließ das Schlafzimmer.



Bobby und Darrel unterhielten sich im Wohnzimmer. Darrel sah zu mir, als ich das Schlafzimmer verließ. Er zog die Augenbraue hoch. Warum hatte ich meine Mimik nie im Griff? Natalya folgt mir wie ein begossener Pudel. Ich nahm Lennard, der vor der Couch gespielt hatte und verkündete, ihn baden zu wollen. Etwas einsilbig verabschiedete ich mich von Bobby und Natalya.

Als ich später nach unten kam, waren die beiden gegangen. Darrel saß auf der Couch und las.
„Was hat Natalya dir getan?“, fragte er, nachdem ich ihm Lennard auf den Schoß gesetzt hatte. Ich ließ mich neben ihn fallen und behauptete: „Nichts.“
„Na klar. Deswegen hast du sie auch angesehen, als wolltest du die Krallen ausfahren. Es hat nicht viel gefehlt und du hättest gefaucht.“
„So schlimm?“
Darrel lachte leise. Lennard kuschelte sich an. Ihm fielen schon fast die Augen zu. Darrel sah ihn liebevoll an, bevor er mir zunickte.
Entnervt sprang ich auf und marschierte ins Schlafzimmer, um mich umzuziehen. Darrel folgte mir mit Lennard.
„Ach...Natalya ist der Meinung, deine persönliche Leib-  na eher Herzwache zu sein.“ Ich nahm Damian aus seinem Bettchen. Er war noch hellwach. Darrel setzte Lennard auf unser Bett und ich legte mich mit dem Säugling daneben. Wie immer betrachtete Lennard fasziniert das Baby.
„Möchtest du das weiter ausführen?“, fragte Darrel, während er aus seiner Jeans schlüpfte.
Ich schüttelte den Kopf. „Später.“



Nachdem Darrel sich umgezogen hatte, kuschelten wir noch eine Weile mit den Kindern, bevor wir sie in die Betten legten und uns ins Wohnzimmer zurückzogen.
„Natalya verdächtigt mich, Lennards leibliche Mutter zu sein.“, erklärte ich dort. „Und sie würde mir die Augen auskratzen, wenn es so war wäre. Ihre Loyalität dir gegenüber ist...fast schon krankhaft.“
Darrel nahm mich in den Arm. „Mach dir keinen Kopf. Sie ist immer so beschützend gegenüber ihren Freunden. Sie würde dich genauso verteidigen.“
„Da bin ich mir nicht so sicher.“ Ich war selbst überrascht davon, wie bitter ich klang.
Darrel küsste mich. „Vergiss es einfach.“
Ich sah ihn nachdenklich an. „Du glaubst nicht...?“
Das brachte Darrel so herzhaft zum lachen, dass ich Sorge hatte, die Jungs könnten aufwachen.
„Kätzchen, du hättest es mir erzählt. Und außerdem hättest du nie ein Kind zurückgelassen – wenn du nicht dazu gezwungen wärst.“ Er sah mich so lange liebevoll an, bis ich seufzte.
„Das stimmt. Aber es trifft mich, dass Natalya so was von mir denkt!“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am So März 06, 2016 10:45 pm

Date Night

„Vielen Dank, dass ihr Jemmy heute noch mal nehmt! Natalya und ich brauchen wirklich mal eine Auszeit.“
Darrel hatte Jeremy bereits auf dem Arm. Ich verdrehte die Augen, aber Bobby stand zum Glück mit dem Rücken zu mir. Er und Natalya waren zu einem Date verabredet. Ich fand das reichlich blöde, schließlich waren sie verheiratet und wohnten zusammen. Aber bitte, des Sims willen ist sein Himmelreich... Natalyas und mein Verhältnis hatte sich in den letzten Jahren als Achterbahnfahrt entpuppt. Mal waren wir die besten Freundinnen, dann standen wir kurz vor einem Krieg. Sie machte mir das Leben nicht leicht. Mehr als einmal gab sie mir zu verstehen, dass sie vermutete, ich würde Darrel den Dolch in den Rücken rammen. Ich versuchte es zu ignorieren. Meist verging ihre Laune recht bald wieder und sie war die süße, freundliche Natalya, die ich von früher kannte.
„Wir würden ja anbieten, dass wir euch auch mal einen freien Abend verschaffen, aber...“ Bobby brach ab und sein Blick wanderte zu der Szene vor dem Kamin. Ich kicherte leise.



Vor dem Kamin saßen – bis auf eins – unsere Kinder und spielten. Der Altersunterschied zwischen Lennard und Damian schien perfekt, so dass wir mit dem nächsten Kind auch zwei Jahre gewartet hatten. Wir hatten allerdings nicht damit gerechnet, Zwillinge zu bekommen. Unsere Familienplanung wurde vollends durcheinander geworfen, als ich nur wenige Monate nach der Geburt von Katrina und Derek erneut schwanger geworden war. Unser Nesthäkchen David war gerade drei Monate alt.  


(vorne Damian, dahinter der blonde Schopf Derek, Lennard, dahinter Katrina)



Obwohl wir quasi Profis waren, hätten wir unsere Meute ohne die Hilfe von Oma nie bewältigt. Kurz nachdem wir Lennard adoptiert hatten, war Oma nach Riverview gezogen. Als Künstlerin hatte sie ein besonderes Visum erhalten, das lediglich daran gebunden war, dass sie regelmäßig an Kunstausstellungen und Workshops teilnahm.



Die Wohnsituation wurde langsam etwas eng. So lange David noch bei uns im Raum schlief, war es nicht so schlimm. Die Zwillinge teilten sich einen Raum und Lennard hatte darauf bestanden, dass Damian mit ihm einen Raum teilte – auch wenn er zweieinhalb Jahre jünger war und noch im Gitterbett schlief. Für Oma hatten wir die obere Etage der Scheune ausgebaut, so dass sie sich dort zurückziehen konnte. Das tat sie allerdings nur zum schlafen. Oma liebte es die Kinder um sich zu haben und es kam mehr als einmal vor, dass SIE bettelte die Kinder noch nicht ins Bett bringen zu müssen.



Wenn David und die Zwillinge größer wurden, mussten wir uns die Zimmeraufteilung noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Wir hatten vier Jungs in verschiedenen Altersstufen, aber nur ein Mädchen.



Lennard hatte bereits nach ein paar Monaten begonnen, Darrel und mich mit „Papa“ bzw. „Mama“ anzusprechen. Mein Vater sprach zwar einmal in der Woche mit Lennard über Skype und kam einmal pro Halbjahr zu Besuch, aber die beiden entfernten sich immer weiter von einander. Ich wollte Lennard nicht unter Druck setzten zu Vater Kontakt zu halten und dieser schien mit seinem eigenen Leben – woraus auch immer das bestand – beschäftigt genug zu sein. Sämtliche Versuche, mit ihm über Lennard zu sprechen und ihn mehr an unserem Leben teilhaben zu lassen, verliefen im Sande.



„Bis später!“ Bobbys Verabschiedung riss mich aus meinen Gedanken. Darrel setzte Jemmy zu den anderen Kindern. Alle unsere Kinder hatten von Akki eine Puppe erhalten. Mit den Puppen für die Zwillinge war sogar eine für Lennard gekommen, auch wenn Akki der Meinung war, dass er aufgrund seines Alters keine enge Bindung mehr aufbauen würde. Lennard spielte wirklich nicht oft mit seiner Puppe. Er benutzte die meistens, um den kleineren Kindern etwas vorzuspielen oder eine Geschichte zu erzählen.


(Damian, Katrina, Derek)



Ich winkte Bobby nach und ging in die Küche. Die Kinder hatten schon gegessen, aber Darrel, Oma und ich noch nicht. Das war ein weiteres Problem, dass wir noch in Angriff nehmen mussten: Der Küchentisch war zu klein. Bisher saß nur Lennard mit am Tisch. Sobald Damian und die Zwillinge auch mit an den Tisch kamen, würden wir einen größeren Tisch brauchen. Darrel beschäftigte sich schon eine ganze Weile damit. Er hatte verschiedene Ideen zu Papier gebracht, bisher hatten wir uns aber noch nicht entscheiden können.



„Eigentlich hat Bobby recht.“, meinte Oma während Darrel Suppe verteilte.
„Womit?“
„Ihr könntet auch mal einen Abend nur für euch haben!“
Darrel und ich wechselten einen Blick und lachten los. „Klar Oma – wir lassen dich mal eben mit fünf Kindern allein und gehen feiern.“, sagte ich schließlich und zeigte ihr einen Vogel.
„Ich war schon mit den Kids allein.“, erinnerte mich Oma.
„Ja, als sie Mittagsschlaf gehalten haben und ich für eine halbe Stunde weg war.“ Ich deutete mit dem Löffel auf Darrel. „Darrel war in der Scheune und hat deine Dusche repariert. Das zählt wohl kaum.“
Darrel lachte leise in sich hinein. Er schielte über seinen Suppenteller zu mir und sah so, wie ich zum zweiten Mal an diesem Abend die Augen verdrehte.
„Ich mein' ja nur.“, grummelte Oma. „Sonst bleibt eure Beziehung hinterher auf der Strecke! Ich habe erst neulich in diesem Elternmagazin gelesen, ...“
„Oooooma!“, unterbrach ich sie. „Ich hab dich schon dreimal gebeten, diesen Schund, den Natalya abonniert hat, nicht zu lesen!“
„Pff...da stehen nützliche Dinge drin!“
„Da stehen Dinge drin, die meine Mutter gemacht hätte!“



Oma sah beleidigt drein, musste mir aber zustimmen: „Vielleicht. Manchmal. Aaaber...“
Ich rollte mit den Augen und rührte meine Suppe mehrfach um. Darrel beteiligte sich nicht an dem Gespräch, aber aus den Augenwinkel sah ich, dass er sich königlich amüsierte.
„Kira-Kind, ich mein ja nur. Nicht alles da drin ist Müll. Und der Hinweis, dass auch Eltern ein Privatleben haben sollten und sich mal Zeit für sich nehmen sollten, ist doch richtig!“
„Unserem Privatleben geht’s gut. Frag die Dusche!“
Nun verschluckte Darrel sich an seiner Suppe. Oma und sich sahen ihn an. Sie war mit der Erwähnung der Dusche offenbar überfordert. Ich war mit Omas Generve wegen kinderfreier Zeit überfordert. Nachdem Darrel sich erholt hatte, wechselten er und ich einen langen Blick.
„Henny, es ist wirklich lieb von dir. Aber du machst dir umsonst Sorgen.“, sagte er endlich. Er täschelte ihr Hand. „Bei uns ist es eben anders. Und wir haben – auch dank deiner Hilfe – genug Zeit für uns.“
„Eben. Und wir haben nie gedatet, also seh' ich gar nicht ein, warum wir jetzt damit anfangen sollten.“, fügte ich hinzu.
Darrel schlug sich die Hand vor den Kopf und murmelte etwas, dass verdächtigt nach „Manchmal, Kira, solltest du deine Klappe halten“ klang.
Omas Augen wurden so groß wie Untertassen. „Nie gedatet?“, echote sie und sah verstört zwischen uns hin und her. Ich verfluchte mein flottes Mundwerk – jetzt würde sie nie Ruhe geben!

„Du siehst schön aus, Mama.“ Lennard schlich zum Kühlschrank. Ich hatte den Verdacht, dass er sich einschleimen wollte, damit ich ihm erlaubte, länger aufzubleiben. Oma würde es ihm eh durchgehen lassen. Dabei ging Lennard seit ein paar Wochen in die Vorschule und musste morgens früh raus. Jeden Tag gab es auf ein neues Theater: Lennard ging zwar gern, aber Damian war beleidigt, weil er nicht mit durfte. Die Zwillinge schlossen sich meist aus Sympathie an.



„Danke, Schatz. Bist du nachher brav, wenn wir unterwegs sind?“
Lennard warf einen Blick über die Schulter, der so viel hieß wie: Ich bin immer brav!
Ich grinste ihn an und wuschelte durch sein Haar als er mit einem Joghurt an mir vorbei marschierte. „Ich weiß, du bist der Beste.“
„Dann kann ich heute – nur heute! - eine halbe Stunde länger aufbleiben?“
Ich seufzte. Dann grinste ich erneut – ein bisschen hinterhältig vielleicht. Lennard konnte noch nicht die Uhr lesen und ein besonders gutes Zeitgefühl hatte er ebenfalls nicht. Ich müsste nur auf Omas Zeitgefühl setzten.... „Na gut, aber kein Gejammer' morgen früh, wenn du aufstehen musst! Und auch nur ausnahmsweise!“
„Ganz bestimmt nicht!“, rief er begeistert aus, während ich mir vornahm von Oma das Versprechen abzunehmen, dass er nur fünfzehn Minuten länger aufbleiben durfte und sie schummeln sollte.



„Bist du fertig?“ Darrel kam in die Küche. Lennard grinste ihn begeistert an und machte auch ihm ein Kompliment. Jetzt wusste ich auch, wie er durch den Kindergarten und die Vorschule kam – er wusste wie er Leute manipulieren konnte. Bisher hatte er das noch nicht bei uns ausprobiert, aber ich vermutete Oma war eins seiner beliebtesten Opfer. Die geschummelte halbe Stunde würde ich mir abschminken können...
„Verrat mir noch mal, warum wir das hier machen?“, fragte ich Darrel etwas genervt. „Auch wenn ich zugeben muss, dass du gut aussiehst.“ Ich musterte ihn von oben bis unten und lächelte.
„Weil du wahnsinnig geworden wärst, wenn Oma noch eine Woche länger wegen eines Dates genervt hätte.“, antwortete Darrel. Er gab mir einen raschen Kuss. „Du siehst toll aus.“
Lennard machte genervte Geräusche und ich fuhr ihm nochmal durch sein Haar. „Nanana, sonst gibt’s doch keine halbe Stunde länger.“
„Bin schon still!“
Auf dem Weg zum Auto erklärte ich Darrel meinen Plan aus einer halben Stunde eine viertel Stunde zu schummeln. Er lachte sich fast tot – mit Oma konnte man so etwas vergessen. „Wir können froh sein, wenn die Kids im Bett sind, wenn wir wiederkommen.“
Ich seufzte als ich mich auf den Beifahrersitz setzte. Mir taten jetzt schon die Füße von den hohen Schuhen weh.



Ein paar Stunden und einen gar nicht mal so schlechten Actionfilm später, machten Darrel und ich uns auf den Heimweg. Wir hatten noch im Diner gegessen. Oma würde tot umfallen, wenn sie erfuhr, dass wir nicht im Bistro waren, aber das hatte schon zu. Außerdem war nichts gegen das Diner, Burger und Fritten einzuwenden.
„Soo...wie hat dir der Abend gefallen?“, fragte ich auf dem Weg zum Auto. Ich versuchte nicht zu auffällig zu humpeln. Warum hatte ich mir von Natalya diese Schuhe aufschwätzen lassen?
Darrel antwortete nicht sofort, sondern sah vielsagend auf meinen Gang.
„Die Schuhe bringen mich um!“, sagte ich gequält.
Darrel grinste und zog mich an sich. „Armes Kätzchen.“ Nach einem Kuss fuhr er fort: „Ich habe die Zeit mit dir genossen.“
„Klingt einschränkend.“
„Nun, mir wäre Zeit, die wir GANZ allein verbringen können lieber.“
Ich kicherte und boxte ihn. „Du denkst immer nur an das eine.“
Er lachte. „Hm, ausgerechnet gerade gingen meine Gedanken gar nicht in diese Richtung. Und wir haben ja unsere Dusche...“ Wir küssten uns. „Ich dachte eigentlich mehr an Ruhe und...“
„...Orte wo du nicht immer nach möglichen Gefahren durch andere Menschen suchst?“ Natürlich hatte ich bemerkt, dass er das Kino und das Diner scannte und jeden Sim mit einem prüfenden Blick bedachte.



„Und ich dachte, meine leichte Paranoia würde dir nicht auffallen.“, ätze er grinsend
„Darrel, dazu kennen wir uns zu lange.“
Ich spürte wie er mich hoch hob. „Ich weiß, Kätzchen. Falls uns Oma nochmal auf die Nerven geht, dann verbringen wir unser Date einfach woanders. Wir suchen es uns selbst aus.“
„Hauptsache ich kann flache Schuhe tragen!“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mo März 07, 2016 4:19 pm

Glücklich

Auch wenn es inzwischen einige Jahre her war, dass sie mich verdächtigt hatte, Lennards leibliche Mutter zu sein, stand ich beständig unter Natalyas Beobachtung. Inzwischen knabberte es sehr an mir. Bei allem was ich tat – ob es meine Arbeit im Laden war, mit den Kindern oder in der Interaktion mit Darrel – fühlte ich mich von ihr beobachtet. Selbst wenn sie gar nicht da war. Unser Verhältnis, das vor allem während unseren Schwangerschaften mit Damian und Jeremy und kurz danach sehr gut war, hatte sehr gelitten. Ich glaubte nicht, dass es außer Darrel jemand bemerkte. Und Natalya bemerkte ganz sicher nicht, wie sehr sie mir auf die Zehen trat.
Darrel und ich hatten kein zweites „klassisches“ Date gehabt. Wir waren beide nicht der Typ dafür. Aber wir nutzen die zunehmende unabhängigkeit der Kinder – Lennard war immerhin schon in der Schule, Damian in der Vorschule und die drei kleinen im Kindergarten – um zusammen durch Riverview und die Umgebung zu stromern. In den weiten Feldern, auf denen man selten anderen Sims begegnete, konnten wir uns ein bisschen so fühlen wie in Sanctuary.



Es war auf einem dieser Ausflüge als Darrel mich auf Natalya ansprach.
„Wie schlimm ist es zwischen euch?“
Ich seufzte und genoss das Gefühl seiner warmen Hände um meine eisigen Finger.
„Es geht dir nahe Kätzchen.“, merkte er an, als ich nicht antwortete.
„Ja.“, beschied ich schlicht. Ich ließ seine Hände los und fuhr mir durch die Haare, bevor ich meine Hände in die Taschen meiner Jacke rammte.
„Als Oma heute morgen vorgeschlagen hat, dass wir ein Doppel-Date mit Bobby und Natalya haben sollten, sahst du so aus, als wolltest du sie erwürgen.“
Normalerweise war ich gegenüber Darrel immer offen mit meinen Gefühlen und er musste sie mir nicht einzeln aus der Nase ziehen. Doch ich zögerte mit ihm über Natalya zu sprechen. Sie war seine Freundin und ihr Verhalten resultierte letztlich aus ihrem Bedürfnis ihn zu schützen.  Das konnte ich verstehen, schließlich wollte ich das auch. Natalya hatte nur keine Ahnung, wie weit ich gehen würde um Darrel zu schützen und ihm das Leben zu ermöglichen, dass er verdient hatte. Ungebeten stiegen die Bilder von Fawns Tod in Sanctuary vor meinem inneren Auge auf.



Darrel legte sanft seine Hand an mein Kinnd und schob es hoch, so dass er mir in die Augen sehen konnte. „Du bist doch sonst nicht so schweigsam.“
„Es tut mir leid Darrel. Ich fühle mich von Natalya ständig beobachtet und bewertet. Als würde ich in ihren Augen nichts richtig machen! Es geht so weit, dass...“ Ich wollte meinen Blick senken, doch Darrel schob mein Kinn erneut sanft, aber nachdrücklich hoch.
„So weit, dass?“, hakte er nach.
Seufzend fuhr ich fort: „So weit, dass ich mich frage, ob du wirklich glücklich bist. Ob unser … ob dein Leben so ist, wie du es dir vorgestellt hast. Mit den Kindern und Oma und dem Haus und … Ich habe nur diesen Nebenjob und du reißt dir den Arsch in der ganzen Nachbarschaft auf, damit wir die Rechnungen bezahlten und für die Ausbildung der Kids sparen können. Und die Schwiegeroma bei sich wohnen zu haben und meinen Bruder als dein Kind anzunehmen und ...“ Mir waren die Tränen in die Augen gestiegen und ich wollte sie mir aus den Augen wischen, doch Darrel kam mir zuvor und küsste sie weg.
„Das, mein Kätzchen, ist das dümmste was du jemals von dir gegeben hast.“ Er lachte leise und zog mich an sich. „Ich lebe genauso, wie ich es will. Ich kann tun und lassen was ich will und habe – außer dir und den Kindern gegenüber – keine Bindungen. Und diese Bindung ist die, die ich will. Ich will dich. Ich will jedes einzelne unsere Kinder – einschließlich Lenny. Und Oma.“ Er schob mich auf Armeslänge von sich und sah mich fest an. „Wir haben keine Geldsorgen. Auf unserem Konto ist ausreichend Geld um die Rechnungen für die nächsten Jahre zu bezahlen und für die Kinder ist auch gesorgt.“



„Aber...“
„Kein aber, Kätzchen. Ich werde mit Natalya sprechen. Schließlich ist mir schon vor unserem Gespräch aufgefallen, dass du unglücklich wirkst.“ Er strich über meine Wange. „Und das ist etwas das ich nicht will. Ich will, dass du glücklich bist.“
„Ich bin glücklich. Nur Natalya...“ Ich seufzte abermals. „Sprich nicht mit ihr. Ich schaff das schon allein. Irgendwie.“
Er schmunzelte. „So wie du es in den letzten Jahren einfach ertragen hast? Du hast nie mit ihr darüber gesprochen oder?“
„Ich hab's versucht.“ Ich legte meine Arme um ihn. Die Kälte kroch langsam meinen Körper hoch. „Sie sagt immer nur, dass sie dich beschützen will. Und dagegen kann ich schlecht was sagen!“
„Ich muss schon eine bedauernswerte und hilflose Figur abgeben, dass gleich zwei Frauen sich überschlagen mich zu beschützen.“



Ich boxte ihn unsanft in den Rücken. „Du weißt wie ich es meine!“
„Ich weiß wie weit du gehen würdest.“ Er klang mit einem Mal sehr ernst. Er strich über meinen Rücken und wir schwiegen eine Weile. „Dich an meiner Seite zu haben, ist jeder Schutz, den ich brauche.“ Er küsste meinen Scheitel. „Ich rede mit Natalya. Denn manchmal brauchst auch DU Schutz.“
Ich hob überrascht den Kopf und sah ihn irritiert an. Darrel lachte leise. Mir lief ein Schauder über, der nichts mit der Kälte zu tun hatte. „Ich liebe dich. Und ich liebe es wenn du lachst.“
Er lächelte mich an und gab mir einen raschen Kuss. „Ich liebe dich, Kätzchen. Ich fürchte nur manchmal, dass du nach all der Zeit vergessen hast, dass du nicht allein gegen die Welt und die Beobachter stehst. Du hast immer für andere gekämpft. Lass mich einen Teil deiner Last tragen.“
Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und küsste ihn. „Ich bin glücklich, dass ich dich habe.“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mo März 14, 2016 5:07 pm

Ein klärendes Gespräch

„Können wir kurz reden?“
„Simmer, was ist mit euch Leuten? Wollt ihr mich dauernd zu Tode erschrecken?“ Ich war aus der Haut gefahren, als Natalya mich ein paar Wochen später auf unserer zugeschneiten Auffahrt abpasste.
„Entschuldige.“



Ich warf ihr einen schrägen Blick zu. Es war ein paar Wochen her, dass ich mit Darrel über Natalya gesprochen hatte. Mir war nicht wohl dabei gewesen, dass er mit ihr reden wollte. Ich war es gewohnt meine Kämpfe selbst auszufechten. Welches Bild entstand denn schon dabei, wenn mein Ehemann angerannt kam und ihr sagte, dass ich von ihrem Verhalten getroffen war? Trotzdem ließ ich ihn gewähren. Ich vertraute Darrel. Wenn er der Meinung war, dass es half, bitte.
„Was gibt’s?“, fragte ich unschuldig. „Oh, wenn es um Schimpfwörter geht: Jemmy hat die nicht von mir!“



„Du ziehst immer alles ins Lächerliche.“, beschwerte Natalya sich. Sie sah mich nachdenklich an. „Darrel hat mit mir gesprochen.“
Ich nickte nur.
Natalya musterte für einen Moment ihre Schuhspitzen. „Ich kenne dich nicht so gut wie Darrel. Er ist mein Partner gewesen und er ist mein Freund. Du bist auf dem Nichts aufgetaucht und ihr beide habt eine Beziehung...“ Sie breitete etwas hilflos die Hände aus. „Ich verstehe sie nicht. Bobby versteht sie nicht. Ich glaube, nicht mal Henny versteht sie. Ich sehe nur, dass du auf einmal da warst und Darrel sich verändert hat. Er war immer schweigsam und zurückhaltend. Hat mehr beobachtet als gehandelt. Er ist ein anderer Mensch.“
Ich hörte an ihrer Stimme, dass das nicht notwendig eine schlechte Entwicklung war. Ihre nächsten Worte bestätigten mich: „Ich finde es gut, wie er sich entwickelt hat. Er wirkt nicht mehr so getrieben. Aber weil ich nicht einschätzen kann, wer du bist, was du bist und warum du auf einmal aufgetaucht bist, habe ich die Sorge, dass du ihn verletzt und zerstörst.“
Wow, ich hätte nicht gedacht das einmal so klare Worte von ihr zu hören bekam. Ich sah zum Himmel und spürte neue Schneeflocken auf meinem Gesicht. Lächelnd musste ich daran denken, wie Darrel und ich uns beide mit der Zeit verändert hatten. Wir waren einen weiten Weg gegangen, bevor wir angekommen waren.



„Ich kann dir niemals sagen, was ich für Darrel bin und was er für mich ist. Was wir aneinander angetan haben und was wie einander Gutes getan haben.“, sagte ich nach einer Weile. Ich hatte mir meine Worte gut überlegt. Natürlich klang das mysteriös, aber so konnte ich ihr etwas mitteilen, ohne das meine Maulsperre sich aktivierte. Vieles wäre so viel einfacher, wenn wir einfach darüber sprechen könnten. Aber nichts ist jemals einfach...
„Ich kann dir lediglich sagen, dass ich für Darrel Wohlergehen über Leichen gehen würde. Im Zweifel über meine eigen.“ Ich sah Natalya mit einem Mal so scharf an, dass sie fast erschrocken zurückgewichen wäre. „Er ist mein ein und alles. Und ich würde es vorziehen, wenn du deine Zweifel in Zukunft für dich behältst. Wenn du mit mir nicht klar kommst: Es zwingt dich keiner mich zu besuchen.“
Wir sahen einander fest in die Augen.



„Das sind harte Worte.“, stellte Natalya fest, nachdem sie sich geräuspert hatte.
„Es sind nicht nur Worte, Natalya.“ Ich versuchte meine Gesichtszüge zu glätten und brachte ein schiefes Lächeln zustande. „Ich mag dich Natalya. Ich weiß deine Loyalität zu schätzen. Aber du solltest meine Loyalität und Liebe NIEMALS unterschätzen.“
Wir standen einander gegenüber, unser Atem bildete weiße Wölkchen in der kalten Winterluft.
„Darrel hat es mir ähnlich erklärt.“, erwiderte Natalya schließlich. „Er klang dabei nur nicht so hart.“
Ich musste lachen. Wenn mir jemand vor ein paar Jahren erklärt hätte, dass ich als härter als Darrel empfunden werden würde, ich hätte diesen Sim für verrückt erklärt. Natalya sah mich irrtiert an. Ich zwang mich ruhig durchzuatmen und freundlich zu lächeln. Vielleicht war es inzwischen wirklich so, dass Darrel der sanftere von uns war. Er hatte definitiv sensible Antennen. Nicht nur für mich, sondern auch für unsere Mitmenschen.
„Natalya, habe ich in den vergangenen Jahren jemals etwas getan, dass Darrel verletzt hat?“ Ich war mit dem Thema noch immer nicht durch. Vielleicht glaubte Natalya jetzt, mir vertrauen zu können, doch wie sah es in ein paar Jahren aus?
Als sie den Kopf schüttelte, fuhr ich fort: „Und ich werde es nicht tun. Diese Zeiten sind vorbei.“
„Heißt das...heißt das, es gab eine Zeit in der du es getan hast?!“ Sie ballte die Fäuste und ihr Blick sagte: Hab' ich's doch gewusst!



„Wer sagt, dass nur ich ihn verletzt habe?“, merkte ich sanft an. Ich sah erneut gen Himmel. Die Flocken fielen sanft und leise zu Boden. Ich dachte an die Zeiten vor Poppy und Basil. Wir hatten uns mehr als nur verletzt...
„Er hat dich verletzt?“
Dingdingding, die Kandidatin hat hundert Punkte! Ich sagte jedoch nichts, sondern lächelte nur. Natalya hatte es zwar gesagt, aber sie sah mich ziemlich ungläubig an. Hatte sie nicht vor ein paar Minuten selbst zugegeben, dass Darrel sich zum positiven verändert hatte? Sie kannte sein altes Selbst. Sie musste wissen, dass er ein harter Mann gewesen war. Langsam machte sich diese Erkenntnis auf ihrem Gesicht breit.
„Woher kennt ihr euch? Wie lange kennt ihr euch?“, hauchte sie.
„Länger als du dir vorstellen kannst.“ Ich war überrascht, dass ich das hatte sagen können. Natürlich hielt mein Glück nicht an. „Wir waren....argh, Maulsperre... hm...Wir...“ Ich brach ab. „Geht nicht.“
Mein Gegenüber nickte langsam. „Das Problem hatte Darrel auch.“ Sie machte einen zögernden Schritt auf mich zu und drückte mich rasch. „Er konnte nichts über die Länge eurer Beziehung sagen, nur, dass ihr euch an einem dunklen Ort kennengelernt habt.“
„Du hast keine Ahnung...“, murmelte ich. Doch ich lächelte Natalya freundlich an.
„Ich verstehe das nicht.“ Sie klang frustriert und rammte ihre Hände in die Jackentaschen. Ich lachte. „Oh, glaub mir. Da bist du nicht allein. Lass' uns reingehen und was Warmes trinken.“



Sie sah mich überrascht an. Manchmal musste ich ihr sehr wetterwendisch vorkommen.
„Sind wir...?“
„Alles ist gut, Natalya. So lange du verstehst, dass dein Verdacht unbegründet ist und deine Zweifel mich verletzten.“
Wir gingen langsam nebeneinander zum Haus. Der Schnee knirschte unter unseren Sohlen.
„DAS verstehe ich.“ Sie nahm die Hände aus den Taschen und gestikulierte wild. „Nachdem Darrel mit mir gesprochen hat, hab ich versucht, mich in deine Lage zu versetzten. Ich wäre wohl mehr als sauer, wenn du meine Gefühle und Aufrichtigkeit für Bobby anzweifeln würdest.“
Endlich hatte sie es verstanden! Ich seufzte tief und grinste dann.
„Es tut mir leid, Kira.“ Sie streckte mir die Hand entgegen. Ich schlug ein und drückte sie fest.
„Das heißt aber nicht, dass ich dich nicht bis an dein Lebensende verfolge, solltest du ihn verletzten!“, flüsterte sie mir zu. Ich drückte ihre Hand noch einmal fest, beugte mich vor und zischte etwas rauer als beabsichtigt: „Eher würde ich sterben.“ Sie ließ erschrocken meine Hand los. Während ich die Stufen zur Haustür hoch ging, blieb sie überrascht im Schnee stehen. Als ich die Tür öffnete, warf ich einen Blick über die Schulter und bedeutete Natalya mit einem Blick mir zu folgen. Mit einer Mischung aus Überraschung, Ernst und vielleicht einem Hauch Angst sah sie mich aus ihren ausdrucksstarken blauen Augen an. Dann nickte sie langsam. „Ich verstehe, Kira.“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Do März 17, 2016 6:13 pm

Wie die Zeit vergeht

Seit auch die drei Kleinen in den Kindergarten gingen, hatte Oma sich eine neue Vormittagsbeschäftigung gesucht. Nachdem sie sich eine Woche über die Langeweile beschwert hatte, die sie vormittags zu ertragen hatte – ich ging in den Laden und Darrel war ebenfalls unterwegs – hatte Darrel sie eines Morgens mit den Kindern ins Auto geladen und sie am Seniorenzentrum abgesetzt. Zunächst hatte sie Zeter und Mordio geschrien, aber nach ein paar Tagen hatte sie neue Freunde gefunden. Nicht alle älteren Sims waren so langweilig und angestaubt, wie sie zunächst befürchtet hatte. Sie freundete sich besonders mit einer neu zugezogenen Dame names Liz an. Liz war einige Jahre jünger als Oma und ich hatte ein bisschen der Verdacht, dass Oma sie als Tochter adoptiert hatte. Ich kannte sie aus dem Laden. Sie machte einen zurückhaltenden und leicht reservierten Eindruck auf mich, aber ich hatte lange genug gelebt um unter ihrer kühlen Oberfläche eine verletzte Seele zu erkennen. Oma – die sonst gerne klatschte – machte gelegentlich Andeutungen, dass Liz kein einfaches Leben gehabt hatte und trotz ihres Alters einen Neustart in Riverview suchte.



Damian und Lennard waren trotz ihres Altersunterschieds unzertrennlich. Lennard hatte zwar auch einige Schulfreunde, die immer gern zu uns kamen, aber meistens verbrachte er seine Nachmittage und Wochenenden mit Damian. Sie spielten zusammen im umgestalteten Garten oder in dem Baumhaus, dass Darrel für die Kinder gebaut hatte. Zu Beginn hatten Darrel und ich das Baumhaus auch benutzt, aber ein paar Splitter und Davids Umzug ins zweite Kinderzimmer später, verlegten wir uns nach Jahren doch wieder auf Sex im Bett (wesentlich bequemer!).



Die Zwillinge waren ebenfalls meist im Doppelpack anzutreffen. Derek war etwas zurückhaltender als Katrina, die schon als Kleinkind eine Hoppla-hier-komm-ich-Einstellung hatte. Es schien ihr nichts auszumachen, das einzige Mädchen zu sein. Allerdings benahm sie sich auch meist wie ein weiterer Junge. Derek und sie banden aber auch David in ihre Spiele ein. Vielleicht lag es an dem geringen Altersunterschied oder daran, dass David der cleverste von den Kindern war, doch man bemerkte kaum einen Unterschied zwischen den dreien.



Bis auf Lennard spielten die Kinder hingebungsvoll mit den Puppen. Darrel und ich waren uns sicher, dass zumindest Damian schon auf einer höheren Stufe mit Kitty war. Er schleppte die Puppe nur noch selten durch die Gegend, doch sie tauchte an den merkwürdigsten Orten auf. Wenn Damian allein spielte und sich unbeobachtet fühlte, dann konnte man sehen, dass er mit einem unsichtbaren Freund interagierte. Akki schien recht behalten zu haben. Ich fragte mich nur, wie Damian Kitty zum Leben erwecken sollte – und wo wir einen weiteren Bewohner unterbringen sollten.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Fr März 18, 2016 9:22 pm

Ein unerwartetes Wiedersehen

Ich winkte Horace zu, während er sein Auto rückwärts aus der Einfahrt bugsierte. Darrel hatte unseren Pickup heute gebraucht und deswegen hatten Horace und Lucas mich mit in den Laden genommen. Ich hielt kurz am Briefkasten, doch entweder hatten wir heute keine Post bekommen oder Oma hatte sie schon reingeholt. Ich grinste. Oma liebte es, wenn sie nachmittags die Kinder alleine hatte. Sie bedauerte fast, dass ich in Zukunft nicht mehr im Laden stehen würde. Doch mir war die Zeit mit den Kindern und Darrel zu wichtig. Außerdem war der Garten mir mit einer Arbeitsstelle langsam über den Kopf gewachsen. Deswegen hatten Darrel und ich beschlossen, dass ich nun zuhause blieb. Mit dem Haushalt, dem Garten und den Kindern hatte ich ausreichend Beschäftigung. Unsere Ernte war mittlerweile so reichlich, dass ich einen großen Teil im Laden verkaufen konnte. Ein Einkommen war – zusammen mit den Handwerkjobs, die Darrel annahm – also gesichert. Es hatte eine Zeit gegeben, in der ich mir um unsere finanzielle Situation Sorgen gemacht hatte, doch inzwischen sah es sehr gut aus. Wir mussten uns nicht sorgen.
Während ich zur Haus ging, erinnerte ich mich daran, dass Lennard übers Wochende bei seinem Schulfreund war. Ein Kind weniger im Haus! Er wurde immer selbstständiger und kam langsam aber sicher in die Vorpubertät. Erneut musste ich grinsen. Lennard war pflegeleicht und freundlich. Zwar ließ er sich weder von Oma noch von mir so sehr knuddeln und herzen, wie es noch vor einem dreiviertel Jahr der Fall gewesen war, doch bisher neigte er noch zu keinen pubertätsbezogenen Tobsuchtsanfällen. Ich war mir sicher, dass wir mit ihm eine entspannte Zeit haben würden. Er war klug, liebenswert und verantwortungsbewusst. Ob die anderen Kinder auch so sein würden? Ich schüttelte den Kopf als meine Hand die Klinke berührte. Jedes Kind war anders und jedes Kind wurde anders erwachsen. Schnell schluckte ich die beginnende Melancholie herunter. Warum nur wurden Kinder so schnell groß?



Ich war überrascht, dass Oma Besuch hatte. Rasch begrüßte ich Liz. Sie erwiderte meine Begrüßung auf ihre zurückhaltende Art.
„Liz hat sich nicht so gut gefühlt.“, erklärte Oma, nachdem wir uns gesetzt hatten. „Da habe ich ihr angeboten, zu uns zu kommen. Damit sie nicht so allein ist.“
„Ein Todestag...“, murmelte Liz.



Ich schenkte ihr ein freundliches Lächeln. „Das tut mir leid. Kann ich irgendwas tun?“
Sie versuchte zu lächeln, doch es misslang ihr gründlich. Ich hörte die Kinder oben spielen. Dies schien Liz etwas auszumuntern.
„Kinder sind so lebensbejahend.“, brachte sie hervor.
Ich nickte langsam. Es war klug von Oma gewesen, Liz einzuladen. Ein Haufen Kinder vertrieben leicht die Erinnerung an Tod und Verfall. Man nahm das Leben und die Zukunft besser wahr...
Wir sprachen ein wenig über die Kinder. Liz und Oma hatten zusammen mit den Zwillingen gespielt und David vorgelesen. Unser Jüngster liebte es, vorgelesen zu bekommen.



Ich hörte Darrel die Auffahrt hochfahren. Damian, der im Garten gespielt hatte (vermutlich mit seiner unsichtbaren Freundin Kitty), lief ihm entgegen und begrüßte ihn. Ich hörte seine aufgeregte Stimme und lächelte. Mir fiel auf, dass Liz mich musterte und ebenfalls lächeln musste. Wir nickten einander in stillen Einvernehmen zu.
Damian stürmte durch die Vordertür, die Wangen glühend vor Freude. Er platzte fast vor Aufregung.
„Mom! Mom! Dad hat...“ Er brach unvermittelt ab, sah über seine Schulter – ein sicheres Zeichen, dass Kitty etwas gesagt hatte. Damian zwang sich, seine Aufregung niederzukämpfen, doch sein Grinsen erreichte mindestens hundert Watt. „Dad kommt hinten rum. Ich geh' mir die Hände waschen!“ Damit flitzte er die Treppe hoch. Ich kicherte. Offenbar führte Darrel irgendwas im Schilde, wollte aber erst mit mir sprechen, bevor Damian es verraten konnte.
Wenig später hörte ich die Hintertür. Darrel kam durch die Küche ins Wohnzimmer.
Auf seinem Arm hatte er eine schwarze Katze.



„Hey, Kira. Hallo Oma!“ Er bemerkte Liz, der er noch nicht begegnet war und nickte ihr zu.
Vermutlich hatte es außer mir keiner gemerkt, doch ich fühlte, dass Darrel etwas an Liz irritierte. Die schwarze Katze in seinen Armen lenkte ihn jedoch ab. Sie versuchte sich zu befreien, fauchte dabei aber nicht nicht. Darrel zwang sich zu grinsen und suchte meinen Blick.
Ich schnaubte. „Wirklich?“
„Ich hab sie Poppy genannt.“, erwiderte er und streichelte das Tier. Die Katze beruhigte sich augenblicklich, während ich erneut schnaubte.
„Das ist nicht dein Ernst?!“
„Sie streunt seit ein paar Tagen am Sägewerk herum. Ich dachte, wir nehmen sie zu uns.“ Sein Blick flackerte zu Liz und wieder verspürte ich seine Irritation. Ich folgte seinem Blick nicht, sondern konzentrierte mich auf die Katze. Innerlich wollte ich lauthals loslachen.
„Sie hat mich an Poppy erinnert.“, brachte Darrel schließlich hervor und grinste aus vollem Herzen.



„Das war ja klar.“, murmelte ich. Ich erhob mich, stellte mich behutsam neben meinen Mann und hielt der Katze meine Hand hin. Sie schnupperte vorsichtig und ich streichelte sie langsam. Die Katze musterte mich kurz, dann schnurrte sie. Ich nahm sie Darrel ab und wollte gerade etwas sagen, als ich hörte wie Liz sehr urplötzlich aufstand.
„Blake?“, hauchte sie ungläubig.



Darrel riss die Augen auf. Ich warf einen Blick über die Schulter, musterte Liz, die genauso überrascht wie Darrel aussah. Oma sah von Liz zu Darrel und versuchte herauszufinden, was vor sich ging. Ich starrte Liz eine Weile intensiv an, dann winkte ich Oma zu. „Kannst du mal sehen was die Kids machen, Oma?“
Es schien für den Bruchteil einer Sekunde, als wollte sie mir widersprechen, doch dann erhob sie sich und ging rasch zur Treppe. Ich fasste die Katze etwas fester und ging in Küche, nachdem ich Darrel kurz an der Hand berührt hatte. Was ging hier vor?



In der Küche schaltete ich das Radio an, damit Darrel und Liz ein bisschen Privatssphäre hatten. Küche und Wohnzimmer trennten keine Tür, doch wir hatten einen Vorhang, den ich einhändig zu zog. Poppy schien es in meinem Arm bequem zu finden, sie blieb ganz ruhig. Ich unterdrückte ein Kichern. Poppy! Das hatte Darrel natürlich mit voller Absicht gemacht! „Dann schauen wir mal, ob ich was zu fressen für dich finde.“

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Liz starrte den Mann vor sich an. Konnte es wahr sein? Ihr Herz wummerte heftig in ihrer Brust und sie zwang sich, ihm in die Augen zu sehen. Bilder aus der Vergangenheit tauchten vor ihrem inneren Auge auf. Ein Kind, das sich vor sie gestellt hatte, das versucht hatte sie zu beschützen. Ein Teenager, der nicht länger nur aushielt, sondern sich wehrte...Ein Leichenwagen, der vor der Bruchbude hielt, in der sie hausten. Ein freundlicher Polizist, der sich mit dem Teenager unterhielt, während ein paar Sanitäter sich um ihren gebrochenen Arm kümmerten. Sie, wie sie den Teenager anschrie und von sich stieß...
„Blake?“, fragte sie noch einmal, nachdem die Erinnerung verblasst waren. „Blake?“ Erneut kamen ungewollt Bilder. Eine Beerdigung, Jahre später. Polizisten in Uniform, die einem der ihren das letzte Geleit erwiesen.
Der Mann räusperte sich. Sie musterte sein Gesicht. Er sah gut aus. Älter als sie ihn Erinnerung hatte, natürlich. Er trug die dunklen Haare länger, einen Hauch von Bart. Oben hörte sie ihre Freundin Henny mit den Kindern lachen. Seine Kinder...



„Momma?“ Er machte einen Schritt auf sie zu. Liz brach in Tränen aus und warf sich an seine Brust.
„Kannst du mir jemals verzeihen?“, weinte sie, während er etwas zögerlich die Arme um sie schloss. Er roch nach Holz und einem milden Aftershave. Er war ein erwachsener Mann. Nicht länger das Kind, das sie von sich gestoßen hatte, das sie verlassen hatte, nachdem es bei der Verteidigung ihres Lebens den Mann getötet hatte, den sie glaubte zu lieben.
„Es gibt nicht zu verzeihen.“, sagte ihr Sohn. Er klang sogar anders. So selbstbewusst, liebevoll. Nicht düster, unsicher. Sanft schob er sie von sich und betrachtete ihr Gesicht. Sie dachte an Henny, die lebensfrohe, lebenshungrige Henny. Ihre Enkelin, die im Bioladen arbeitete. Kira war freundlich uns zugewendet – auch wenn sie Haare auf den Zähnen hatte. Die Kinder...
„Und hier dachte ich, Riverview wäre am Ende der Welt.“, sagte Darrel leise lachend. „Sieht so aus, als hätten sie recht, wenn sie sagen, die Welt wäre ein Dorf.“



Liz starrte ihn an. Ihr Sohn machte keine Witze. Er war düster, brütend, immer im Kampf mit seinen inneren Dämonen. Er sah ihre Überraschung und lachte noch einmal. „Sie sind fort, Momma.“
„Du bist tot.“, sagte sie ungläubig.
Darrel sah sie lange an, dann grinste er. „Blake Lamargue ist tatsächlich tot. Heute seit elf Jahren. Ich habe das Datum nicht vergessen.“
„Ich habe dich beerdigt, ohne dich jemals um Verzeihung bitten zu können.“ Sie strich sich eine Träne von der Wange. „Ich konnte dir nie sagen, dass es mir leid tut.“
Langsam schloss er seine Mutter in die Arme. Darrel beruhigte sein eigenes schlagendes Herz. Er hörte Kira in der Küche mit der Katze reden. Eine Woge voller Liebe glitt aus seinem Herzen über seinen ganzen Körper.



„Es ist in Ordnung. Wir waren beide an einem dunklen Ort damals. … Dieser Mann hat dich jahrelang manipuliert und missbraucht. Du warst nicht du selbst.“
Sie nickte an seiner Schulter. „Ich habe nach deinem Tod eine Therapie gemacht. Mich verbindet nichts mehr mit...Lucien Lamargue. Ich habe meinen Mädchennamen angenommen.“ Sie spie den Namen voller Verachtung aus. Darrel war überrascht. Nachdem er in der körperlichen Auseinandersetzung seinen eigenen Vater getötet hatte, hatte er diesen Namen nicht mehr gehört. Den Ekel und Abscheu in der Stimme seiner Mutter, nahm er befriedigt war. Damals war sie sicher gewesen, ihren Mann mehr zu lieben als ihr Kind. Er hatte lange Zeit gebraucht um ihr zu verzeihen und Verständnis für ihr Verhalten aufzubauen. Seine Gedanken schweiften zu Kira. Ohne sie hätte er selbst nach all den Jahren nicht erreicht, ohne Zorn an seine Eltern zu denken.



„Du bist tot.“, wiederholte seine Mutter und berührte ungläubig sein Gesicht. „Ich verstehe das nicht.“
Darrel lächelte sie freundlich an. „Nachdem was in Bridgeport passiert ist, war es nötig. Und ich brauchte einen Neuanfang. Ich bin nicht mehr Blake Lamargue. Schon lange nicht mehr. Ich bin Darrel Felinger.“

Sie hörten Henny Damian etwas nachrufen, der wenig später die Treppe herunter rannte. Er sah seinen Vater irritiert an, weil er Miss Tanner im Arm hielt. Dann blickte er sich um,
„Wo ist die Katze, Dad? Darf ich sie streicheln?“
Sein Vater lachte. „Komm her, Großer.“ Damian gehorchte und sein Vater wuschelte ihm durch die Haare. „Deine Mom macht sich gerade mit der Katze bekannt. So lange kannst du dich mit deiner Großmutter bekannt machen.“ Er schob den Jungen vor sich. „Momma, das ist Damian. Unser Zweitältester.“



„Aber, Dad. Ich kenn Miss Tanner doch schon!“ Trotzdem streckte er ihr die Hand entgegen.
Liz wischte sich mit der linken Hand noch einmal die Tränen aus dem Gesicht. Mit der rechten Hand schüttelte sie ihrem Enkelsohn die Hand.
„Du kannst Liz zu mir sahen. Oder Grandma.“
Damian strahlte sie an. Oma Henny war super. Eine zweite Großmutter zu haben, war bestimmt cool!
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Sa März 19, 2016 9:18 pm

Großmütter

Obwohl ich das Radio angestellt hatte und der Vorhang die Geräusche aus dem Wohnzimmer etwas dämpfte, hatte ich das Gespräch zwischen Liz und Darrel in großen Teilen mitbekommen. Poppy machte sich hungrig über eine Dose Thunfisch her. Ich hatte in meinem Smartphone schon eine Einkaufsliste notiert. Wir brauchten einen Kratzbaum, ein Katzenklos, Streu, Futter... Ich holte ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank und begann das Abendessen zuzubereiten.
Der Vorhang wurde beiseite geschoben und Darrel kam in die Küche. Er lächelte, doch hinter seinem Lächelns sah ich die leisen Anzeichen von Stress.



„Hey.“
„Hey.“ Er kam zu mir und schlang die Arme um meine Hüfte, während ich Gemüse schnitt. Ich hatte mich erinnert, wie er mit seiner Mutter auseinander gegangen war. Darrel hatte es mir in Sanctuary erzählt. Sein Vater war ein schlechter Mann, der ihn und seine Mutter geprügelt hatte. Als Teenager war Darrel dazwischen gegangen und hatte in einem Kampf seinen Vater geschubst, der so unglücklich gefallen war, dass er gestorben war. Ich unterdrückte ein Schnauben. Geschah ihm recht! Ich fand, dass das Aufwachsen in dieser giftigen Atmosphäre einen großen Teil dazu beigetragen hatte, dass Darrel sich zu dem Mann entwickelt hatte, der er einmal gewesen war. Seine Mutter hatte ihn danach verstoßen...Was bedeutete es, dass sie jetzt hier auftauchte?



„Alles okay?“ Ich schon das Brettchen und das Messer von mir und drehte mich in Darrels Umarmung um. Intensiv musterte ich seine Züge und suchte nach Hinweisen über seine Verfassung.
Darrel küsste meinen Scheitel und dann meine Nase. Ich kicherte, als seine Bartstoppeln mich kitzelten. Darrel grinste und fuhr fort, arbeitete sich von der Nasenspitze über die Wangen zu meinen Lippen.
„Ja. Alles okay.“, antwortete er schließlich. „Ich hätte nicht erwartet sie ... meine Mutter noch einmal zu sehen.“ Er rieb sich über den Kiefer.
„Ist es wirklich okay?“, hakte ich nach.



„Ja.“ Er ließ mich langsam los und bückte sich, um die Katze zu streicheln. „Ist es okay, dass ich Poppy gebracht habe?“
Schnaubend wendete ich mich wieder der Arbeitsplatte zu. „Dass ausgerechnet DU mal eine Katze – noch dazu eine schwarze! - anschleppst, hätte ich nicht gedacht.“
Er lachte. Hinter ihm kamen Henny, Liz und Damian in die Küche. Damian schnatterte auf die beiden älteren Frauen ein. Henny grinste, während Liz ein wenig sprachlos zwischen uns anderen hin und her sah. Darrel beugte sich vor und gab mir einen schnellen Kuss auf die Wange. „Was soll ich tun? Ich liebe schwarze Katzen.“



Die Kinder gewöhnten sich schnell daran, eine zweite Großmutter zu haben. Liz war zunächst zurückhaltend, aber sie schloss die Kids schnell ins Herz. Wir hatten uns mit ihr und Henny zusammen gesesetzt und die Notwendigkeit besprochen, nichts über Darrels Leben als Blake Lamargue zu offenbaren. Da Liz den Namen ebenfalls abgelegt hatte, war es kein Problem, dass sie trotzdem offen seine Mutter sein konnte. Außer Bobby und Natalya wusste in Riverview niemand von der Bridgeport-Geschichte. Henny und Liz waren mehr als bereit darüber zu lügen. Sie würden alles tun um ihre Kinder und Enkel zu schützen.



Das Verhältnis zwischen Darrel und Liz war gut. Sie war wesentlich zurückhaltender als er und schien immer wieder überrascht darüber, wie sehr er sich verändert hatte. Eines Tages kam sie zu mir in die Küche, drückte mich und bedankte sich. Ich lächelte nur.

Kurz bevor die Zwillinge in die Schule kamen, beschlossen Oma und Liz, gemeinsam einen Bungalow zu mieten. Oma bekam mehr und mehr Probleme mit den Treppen in unserem Haus und den Treppen zu ihrem Studio in der Scheune. Liz wohnte zur Untermiete bei einem Paar, dass ihr winziges Einlieger-Appartment nun für ihre Tochter brauchten. Als in der Straße, in der Bobby und Natalya mit Jeremy und ihrem zweiten Sohn Vincent lebten, der Bungalow frei wurde, mieteten die beiden älteren Damen das Haus.



Damit unsere Kinder bei ab und zu auch bei ihren Omas schlafen konnten, baute Darrel auf der Garage noch ein kleines Kinderzimmer und ein zweites Bad an. Liz konnte noch ohne Probleme Treppen steigen, aber so lange die Kids nicht bei ihnen übernachteten, waren beide Simas froh, dass alles andere ebenerdig war.

Kaum war Oma aus dem Haus kündigte sich bei uns ein Nachzügler an...
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mo März 21, 2016 10:58 pm

Und da waren's plötzlich sechs

„Hast du Kopfschmerzen?“
Darrel nahm die Hände von den Schläfen und drehte sich ertappt zu mir um. Etwas verlegen grinste er mich an. „Ein bisschen.“
„Armer Darrel.“, bemitleidete ich ihn wenig enthusiastisch. „Warum? Willst du eine Tablette?“
Er schüttelte den Kopf.



„Lass mich raten, warum du Kopfschmerzen hast.“ Ich legte die Hand ans Kind und machte ein ernsthaftes Gesicht. „Im Haus rennen fünf Kinder herum, von denen vier einen unsichtbaren Freund  haben, mit dem sie sich in normaler Lautstärke unterhalten. Alle. Gleichzeitig. Durcheinander.“ Mein ernster Gesichtsausdruck wich einem gequälten Grinsen. „Das fünfte Kind ist ein Sportfanatiker, der am liebsten zu wummernden Beats Fitnessübungen macht. Stundenlang. Lautstark. Im Wohnzimmer.“ Darrel grinste ähnlich gequält. „Dann haben wir noch eine sehr gesprächige Katze, die – egal wie oft man sie bespielt, streichelt, füttert, bürstet – grundsätzlich der Meinung ist, dass sie zu wenig Liebe bekommt und lautstark auf diesen Missstand aufmerksam macht.“ Ich deutete auf die Katze, die es sich auf der Wohnzimmercouch gemütlich gemacht hatte und dabei mehr Platz verbrauchte, als ihr aufgrund ihrer Größe eigentlich vermochte. Sie maunzte. „Dazu kommt, dass unsere Jüngste nur in der Schaukel zu dieser unerträglichen Kindermusik schlafen kann.“



„Nicht zu vergessen eine Frau, die wie ein Wasserfall redet.“
Ich sah ihn säuerlich an. Er grinste noch breiter und fuhr fort: „Man könnte fast meinen, DU seist diejenige mit Kopfschmerzen.“
Ich schüttelte vehement den Kopf – was dann doch beinahe zu Schmerzen führte. Im Nacken. „Nee. Ich wusste auf was ich mich einlasse.“
Seufzend begann Darrel erneut seine Schläfen zu massieren. „Ja, da wusstest du definitiv mehr als ich.“ Er warf einen Blick zu Baby Kara (wann waren wir eigentlich auf die bescheuerte Idee gekommen, allen Kinder Namen mit unseren Anfangsbuchstaben zu geben?). Sie lag warm eingemummelte in besagter Schaukel und schlief selig. Ausnahmsweise ohne Musik. Welche süße Stille …



„Versteh mich nicht falsch!“, merkte Darrel an, nachdem er mich kurz gemustert hatte. Offenbar sah er mir wieder an, was ich dachte. Ich war ein wenig beunruhigt, dass die Kinder auf seinen Nerven trapsten. „Ich liebe die Kinder und ich bin froh um ihren Trubel. Manchmal ist es nur ein kleines bisschen viel!“
Ich stieß ein tiefen Seufzer aus. „Wem sagst du das?! Und weißt du was? Es wird nicht besser, wenn sie alle Teenager sind! Warte bis die Hormone durch sie rauschen. Besonders bei Kat. Stell dir vor, wie es wird, wenn sie ihre Brüder stundenlang aus dem Badezimmer aussperrt um sich zurecht zu machen, Herzchen in ihre Hausaufgaben malt und ihre Unterschrift als Mrs. Soundso übt.“ Während sie als Kleinkind eher eine „von den Jungs“ war, legte Katrina seit sie zur Schule ging ein wesentlich mädchenhafteres Verhalten an den Tag.


Katrina & Charlie (Ich hab zwischenzeitlich die Alterseinstellungen angepasst. Irgendwie sind die IFs der Zwillinge dabei schon zum Teen geworden.)

„Danke, jetzt fühle ich mich so viel besser.“, äzte mein Mann. „Können wir sie und Kara nicht einfach in der Scheune einsperren, bis sie dreißig sind?“
„Keine gute Idee, es sei denn du willst da Überwachungskameras aufbauen. Wir beide wissen schließlich am besten, zu was man die dunklen Ecken in der Scheune am besten nutzen kann. Und wie man sich rein und raus schmuggelt. Außerdem: Jungs sind nicht so viel einfacher als Mädchen in dem Alter.“
„Ja, aber Jungs hatte ich dem Alter schon! Und ich war selber einer.“


Derek & Liri

„Lang, lang ist's her.“ Dann stutzte ich kurz. „Keine Tochter?“
Darrel nickte. „Die einzigen beiden Töchter, die ich je hatte, waren Cait, die nicht mit mir aufgewachsen ist und Elaine. Wir wollen beide nicht über Elaine sprechen oder?“
„Hm.“ Ich legte wieder meine Hand an mein Kinn. Dann nahm ich sie runter und stützte sie in die Hüfte. „Nein. Wollen wir nicht.“ Dann lachte ich leise. „Armer Darrel. Das ist ja eine völlig neue Erfahrung für dich!“ Ich musste mich zwingen nicht bösartig zu kichern. „So gesehen sind deine Kopfschmerzen völlig verständlich.“
„Dein mitgefühl ist Balsam für meine Seele.“ Darrel klang ein wenig beleidigt, so dass ich zu ihm ging und ihn in die Arme schloss.


David & Izzy

„Ich zieh' dich nur auf. So schlimm wird es nicht.“ Das „hoffentlich“ stieß ich als Stoßgebet lautlos gen Himmel. „Du bist großartig mit den Mädels. Und den Jungs. Und der Katze.“
„Poppy, ihr Name ist Poppy. Nicht Katze.“ Darrel grinste mich an. Er wusste wie sehr ich hasste, dass unsere Katze Poppy hieß. Ich gönnte ihm den Triumph für ein paar Sekunden, bevor ich ihm in die Seite boxte. „Hm, mit der Frau bin ich wohl nicht so großartig.“, murmelte er und rieb sich die Stelle, an der ich ihn getroffen hatte.
„Klar, deswegen war die Frau auch nur viermal von dir schwanger.“

Damian & Kitty
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Di März 22, 2016 7:53 pm

Experimente

„Mach' das noch mal!“, forderte David konzentriert von Ian. Sein älterer Bruder sah ihn säuerlich an, dann nahm er die Puppe aus dem Puppenhaus und wiederholte das Spiel. Kara sah ihn mit großen Augen an und brabbelte etwas in ihrer unverständlichen Kleinkindsprache.
„Interessant.“, bemerkte David und notierte etwas in sein Notizbuch.
„Bist du jetzt fertig? Ich will noch Hausaufgaben machen.“ Damian legte die Puppen zurück ins Puppenhaus, was bei Kara zu einer bebenden Unterlippe und tränenüberlaufenden Augen führte. „Ian! Puppe!“, forderte sie mit zitterndem Stimmchen.
„Du hast keine Hausaufgaben. Wir bekommen nie Hausaufgaben vor einem Feiertag.“, erinnerte David ihn mit ruhiger Stimme. Endlich sah er von seinen Notizen auf und lächelte seine Geschwister an. „Aber ich hab' was ich brauche. Ich spiele mit Kara weiter.“



„Oh Simmer sei dank!“ Damian sprang schneller auf, als Kara verstand und streichelte der Kleinen über den Kopf. „Dave spielt mit dir weiter. Komm Kitty!“ Dann suchte er das Weite. Er flitzte an mir in der Küche vorbei. Ich begann in Gedanken bis zehn zu zählen. Bei drei angekommen, begann Karas Gebrüll. „Iiiiiiiiiaaaaaaaaaan!“
„Oh, pscht, Kara. Ich spiel' doch mit dir. Hier, guck: Mama Puppe und Papa Puppe...“ Doch Karas Geschrei machten seine nächsten Worte unverständlich. Ich legte das Messer außer Reichweite und wischte mir die Hände an.
„Du weißt schon, dass Kara so nicht mit den Puppen spielt?“, fragte ich David amüsiert.
Hoheitsvoll erwiderte: „Ian weiß schon, dass ich nicht Dave genannt werden will?“ Er warf die Puppen genervt ins Puppenhaus. Kara sah ihn empört an und wollte einen neue unverständliche Tirade starten, doch David begann einfach sie zu kitzeln. Das lenkte sie Kara stets erfolgreich ab. Ich grinste die beiden an. „Lies' ihr einfach was vor. Von mir aus auch ein Comic. Ich bin am Kochen.“



„Ich koche.“, korrigierte er mich. „Die Verlaufsform...“
„Ja, ich weiß, DAVE!“, erwiderte ich weiterhin grinsend. David sah mich beleidigt an. Ich zwinkerte ihm rasch zu und seine Miene wurde sanfter.
„Ok, Mom. Ich kann ihr ja auch die Ergebnisse meiner Untersuchung vorstellen.“
„Tu das, Schatz. Ich bezweifle allerdings, dass Kara den Wert deiner Erkenntnisse zu schätzen weiß. Auch wenn die im Moment dein bevorzugtes Studienobjekt ist.“ Ich ging zurück in die Küche. David folgte mir wenig später mit Kara auf dem Arm. Er setzte sie auf den Boden und gab ihr ihren Teddybären, den sie ihrer Puppe vorzog. Akki hatte auch Kara eine Puppe geschickt, aber als einziges der Kinder schien sie kaum Interesse daran zu haben. Der Teddy von Oma Liz hingegen war ihr bevorzugtes Spielzeug.
„Kara hört nicht zu.“
„Ich hab' dich gewarnt.“ Ich reichte ihm ein Stück Karotte. „Warum erzählst du mir nicht, was du herausgefunden hast.“
Seine Augen begannen zu glänzen und er sah mich freudig an. „Alscho...“ Auf meinen erhobenen Zeigefinger schluckte er das Stück Karotte, das er abgebissen hatte, eilig herunter. „Also, ich glaube, dass man anhand von Karas Sprache einen Weg zur Entschlüsselung eurer Aufzeichnungen finden kann.“



In Gedanken überlegte ich mir drei neue Wege Bobby zu ermorden. Darrel und ich hatten seit Jahren nicht mehr an unsere Aufzeichnungen über unsere früheren Leben gedacht. Bis uns Bobby eines Tages – vor den Kindern – daran erinnert hatte. Sein Programm war all die Jahre gelaufen und hatte versucht die Texte zu entschlüsseln. Wirklich erfolgreich war es trotz Bobbys stetiger Bemühung nicht gewesen. Immerhin hatte das Programm die unleserlichen Buchstabenreihen in – wahrscheinliche – Satzeinheiten aufgesplittet. Die Kids waren zunächst alle sehr interessiert an diesem mysteriösen Text. Doch nachdem ein jeder von ihnen (mit Ausnahme von Kara) versucht hatte, es zu lesen und daran gescheitert war, hatten sie das Interesse verloren. Bis auf David. Er hatte sich von Bobby einen Crashkurs im Programmieren geben lassen und sich linguistische Fachbücher aus dem Netz bestellt und versuchte nun offline und online den Code zu knacken. Manchmal machte der Siebenjährige mir Angst...
„Okaaaay.“, erwiderte ich und versuchte mir nicht in die Finger zu schneiden.
„Die Laute, mit denen Kara die meiste Zeit über kommuniziert, haben einen bestimmten Bedeutungsgehalt.“



„Wirklich?“
„Mom. Hörst du mir „wirklich“ zu?“ David stand neben mir, die linke Hand in die Hüfte gestützt, die rechte mit der angebissenen Karotte anklagend auf mich gerichtet.
„Hey, nicht mit angebissenen Karotten auf Sims zeigen!“ Ich grinste. „Ja, ich höre dir zu, David. Ich bin nur nicht sicher, worauf deine Theorie hinausläuft.“
Er nahm die Hand herunter und knabberte nachdenklich auf der Karotte herum, bevor er erwiderte: „Wenn ich es schaffe aus dem Code Laute zu identifizieren, die Karas Lauten entsprechen, dann kann ich einen Teil übersetzten.“
„Und warum denkst du, dass es entsprechende Laute in dem Text gibt?“
„Nun, Kara ist euer Kind. Es ist euer Text über euer frühes Leben. Kara ist in einem frühen Stadium ihrer Sprachentwicklung...“ Er verstummte, offenbar der Meinung, dass es sich von selbst verstand.
„Ich sollte das Wissenschaftsmagazin kündigen. Und das Bildungsprogramm im Kabel...“, murmelte ich leise. David zog die Augenbraue hoch. Das konnte er genauso gut wie sein Vater. „Schatz, das mit dem frühen Leben ist nicht so  ganz … adäquat.“ Ich fragte mich ob mein Zögern vor „adäquat“ aus der Maulsperre oder dem Wunsch vor meinem Sohn nicht vollkommen ungebildet zu erscheinen und deswegen dieses Wort zu wählen resultierte.
„Wie meinst du das?“ Knackend kaute er auf dem letzten Rest Karotte.
„Du denkst, damit ist unsere Kindheit gemeint oder vielleicht die Zeit vor euch.“
Er nickte kauend. „Ja, nun...argh...du hast mitbekommen, dass dein Dad und ich über manche Sachen nicht reden können. Wir wissen auch nicht warum.“ Das war nicht ganz richtig, aber David auch noch über die Beobachter zu informieren und damit wer-weiß-was für Interesse in ihm zu wecken, erschien nicht angebracht. Dazu kam natürlich die Frage, ob wir gegenüber den Kindern überhaupt über Beobachter sprechen KONNTEN. Über Wiedergeburt und frühere Leben konnten wir es nicht. „Ich kann das nicht präzisieren. Aber in dem Text steht höchstens in den ersten paar Zeilen etwas über unsere Kindheit.“
„Also kann ich diesen Teil eventuell mit Karas Hilfe übersetzten.“, entgegnete David stur. Er warf einen Blick zu seiner Schwester, die hingebungsvoll am Ohr ihres Teddys kaute. „Meinst du ich kann ihr lesen beibringen?“
Bewusst langsam legte ich das Gemüse zur Seite, ging zur Spüle und wusch das Messer ab, bevor ich es zurück in den Messerblock außerhalb von Kindereichweite steckte. „David. Kara ist vierzehn Monate alt. Sie spricht noch nicht einmal vernünftig simlisch und du willst sie lesen lehren?“
„Eben! Noch spricht sie Kara-Sprache! In ein paar Monaten ist das Fenster zu!“ Unter meinem skeptischen Blick wurde er etwas unsicher. „Okaaaay. Vielleicht hast du recht. Kara ist noch zu klein.“ Nachdenklich rieb er sich den Hinterkopf. „Ich sollte einfach alles aufnehmen, was sie sagt und die Daten später auswerten!“
„Eine gute Idee.“, stimmte ich zu. „Übrigens, was macht dein anderes Experiment?“
„Der Trank für Izzy und die anderen?“



Nachdem wir Kitty benannt hatten, war es uns bei den anderen Kindern schwergefallen auch Namen zu wählen, so dass wir es ihnen selbst überlassen hatten, ihre Puppen zu bennennen – mit leichter Manipulation in Richtung „vernünftiger“ Namen (wobei man über Kitty wirklich streiten konnte). Derek hatte seine Puppy Liri genannt, Kats Puppe hörte (ihr zufolge) auf den Namen Charlie und David rief seine Izzy (was nach Darrels Theorie auf einen Abend mit Oma vor dem TV und einer dämlichen Arztserie folgte). Nur Karas Puppe war zurzeit noch namenslos. Und so wie sie sie missachtete, würde das auch so bleiben. Ich fragte mich ob das irgendwelche Folgen für sie oder die Puppe haben würde? Akki hatte sie als Schutz geschickt. Gegenüber Darrel behauptete ich, Karas Unabhängigkeit von der Puppe wäre ein Zeichen dafür, dass sie den Schutz nicht brauchte sondern selbst auf sich aufpassen würde. Sicher war ich mir dessen nicht …
„...als nächstes wird Ian es mit der neuen Formulierung versuchen.“
Erschrocken stelle ich fest, dass ich David nicht zugehört hatte. Er schien es nicht zu bemerken, deswegen nickte ich zustimmend. Er lächelte selig und begann dann leise mit Izzy zu sprechen. Hoffentlich verriet sie mich nicht!
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mi März 23, 2016 10:16 pm

Hormone

„Danke, Dad! Ich dachte schon ich versteh' das nie.“ Kat drückte ihrem Vater einen Kuss auf die Wange. Er drückte sie einmal kurz und lächelte. Kat grinste und begann ihre Mathematik-Hausaufgaben einzupacken.
„Duuhuuu, Dad?“
Ich konnte Darrel förmlich zusammenzucken sehen – obwohl ich im Wohnzimmer hockte und die Katze bürstete. Ich weigerte mich immer noch sie Poppy zu nennen.
In der Küche hatte Darrel Katrina offenbar bedeutet fortzufahren.
„Aaalso...gestern als Anita da war. Da bist du ja extra in die Scheune gegangen um da zu malen, obwohl du und Oma immer der Meinung seid, dass das Licht da schlechter als im Wintergarten ist.“



„Derek wollte im Wintergarten malen.“, wendete Darrel ein.
„Weil du es ihm angeboten hast.“ Katrina war ungerührt. „Hat Liri Charlie erzählt und der hat's mir erzählt.“
Es war manchmal, als würden wir in einem Haus voller Spione leben! Immerhin hatten wir die Kinder überzeugen können, ihre unsichtbaren Freunde nicht absichtlich rum schnüffeln zu lassen. Unabsichtlich passierte es natürlich – hoppla?! Oops?! - dauernd. Manchmal stellte ich mir vor, Akki langsam über dem Feuer zu rösten …
„Worauf willst du hinaus?“



„Nun ja....du und Mom sagt, es ist nicht okay, wenn wir hinter euch her spionieren. Aber du bist Len und Anita gefolgt. Ist das nicht...“ Sie suchte nach dem richtigen Wort.
„Doppelmoral.“, bot ihr Zwilling Derek an, der bisher still am Küchentisch gelernt hatte.
„Ja genau. Doppelmoral!“
Nun sah ich Darrel vor meinem inneren Auge nicht nur zusammenzuckend, sondern auch schwitzend. Fast bekam ich etwas Mitleid mit ihm.
„Es ist etwas anderes, wenn ich mich sichtbar im selben Raum aufhalte wie Len und Anita als wenn ihr eure nur für euch sichtbaren Freunde bittet, anderen Sims heimlich zu folgen.“



Daumen hoch für Darrel! Er schlug sich gut. Sein sicheres Auftreten gegenüber Erwachsenen stand oft im krassen Gegensatz zum Verhalten gegen über den Kindern. Sie konnten ihn viel zu leicht manipulieren. Oder er täuschte uns alle und ließ sich manipulieren. Manchmal war ich da nicht ganz sicher.
„Außerdem habe ich als euer Vater auch Verantwortung und muss gelegentlich sicher gehen, dass ihr keinen Unfug macht.“
„Also eigentlich bist du ja nicht Lens Vater.“, wusste Kat dagegen zu halten.
Danke Vater, dachte ich. Mein Vater hatte seit ein paar Monaten intensiveren Kontakt zu Lennard und hatte ihn auf seine unnachahmliche Art daran erinnert, dass er adoptiert war. Zum Glück war Lennard ein sich seiner selbst und unserer Liebe sicherer Junge, der damit gut umgehen konnte. Zumal wir es ihm nie verheimlicht hatten. Die jüngeren Kinder hatten es bis zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst und die Ansprache meines Vaters vor versammelter Mannschaft hatte zu einiger Verwirrung, Nachfragen und Tränen geführt. Inzwischen hatten sich alle Gemüter beruhigt, auch wenn Lennard dazu übergegangen war und mit Kira und Darrel anzusprechen. Ich hoffte, er tat es um sich erwachsener und unabhängiger zu fühlen.



„Er hat ihn adoptiert.“, warf Derek ein. Das war typisch für ihn: Ein Gespräch verfolgen und nur gelegentlich etwas einzustreuen. Seine Einwürfe hatte allerdings meistens Hand und Fuß.
„Das stimmt. Und damit sind eure Mutter und ich nicht nur eure, sondern auch Lens Erziehungsberechtigte.“
„Also quasi doch Eltern.“, folgerte Katrina.
Eine kurze Stille trat ein und ich nahm an, dass Darrel zustimmend genickt hatte.
„Und welchen Unfug könnten Len und Anita in der Scheune machen? Außer beim Domino zu betrügen.“, fragte Katrina nun. Oh süße Unschuld...
Ich versuchte erfolglos ein Lachen zu unterdrücken, als Darrel erklärte: „In diesem Fall heißt Unfug, etwas, dass sie später bereuen würden....“ Er brach ab und ich nahm die Katze und ging in die Küche.
„Darrel, sie sind vierzehn. Mehr als ein Kuss passiert da nicht.“ Hoffentlich!
„Ach so was...“ Kat wedelte angewidert mit der Hand. „Da hättest du früher kommen müssen. Das haben sie schon hinter sich.“



Irritiert wechselten Darrel und ich einen Blick.
„David sagt, es hat was mit Hormonen zu tun.“, informierte Derek seine Schwester. Er überlegte einen Moment bevor er sein Vokabelheft zu klappte.
„Ich frag' mich, von wem er das hat.“, zischte Darrel mir durch den halbgeöffneten Mund zu. Ich zuckte unschuldig die Achseln. War es meine Schuld, dass David clever, intelligent und wissbegierig war? Und Izzy uns bei „dem Gespräch“ mit Len belauscht hatte, was ernsthafte Fragen von Davids Seite zur Folge hatte? So kam es, dass unser jüngster Sohn vor seinen älteren Geschwistern aufgeklärt wurde. Natürlich hatte irgendjemand – sprich: die unsichtbare Spionfraktion in unserem Haus – gepetzt und wir hatten alle Kinder aufklären müssen. Früher als gedacht.



„Oh, das was ihr uns erklärt habt?“ Eigentlich hatten wir die naturwissenschaftliche Seite nur David (auf seine vehemente Nachfrage) erklärt und den anderen Kindern die kinderfreundliche Was-passiert-wenn-ich-älter-werde-und-mein-Körper-sich-verändert- Rede gegeben. Inklusive auf die Frage, wo die Babys herkommen in zwei Varianten.
Darrel und ich nickten.
„Also das mit dem Küssen hat was mit Hormonen zu tun?“, hakte Kat noch einmal nach. Als wir erneut nickten, schüttelte sie sich. „Puh, dann hoffe ich, die Hormone lassen sich bei mir noch Zeit!“
„Und ich erst!“, murmelte Darrel.
„Nee Charlie, dich küss' ich bestimmt nicht!“, sagte Katrina empört in die Luft. Sie schnaubte und stürmte aus der Küche.



„Das klärt wenigstens die Frage, ob Charlie ein Mädchen oder ein Junge ist.“, flüsterte ich Darrel zu.
„Warum sollte er ein Mädchen sein?“, fragte Derek, der viel zu gut hörte (wenn er wollte). „Außerdem können Mädchen auch Mädchen küssen.“ Er sah uns ernst an und fast erwartete ich ein Diversitätsansprache von ihm zu bekommen.
„Klar. Und da ist nichts schlimmes dran!“, beeilte ich mich zu sagen.
„So lange beide einverstanden sind.“, fügte Darrel hinzu.
Derek zuckte mit den Achseln. „Ich versteh' ohnehin nicht, was das alles soll. Mit dem Küssen.“ Er legte den Kopf schief, lauschte. Dann nickte er. „Nach Liris Meinung müssen EURE Hormone sehr aktiv sein.“
Ich spürte, wie ich sehr langsam sehr rot wurde. Ein kurzer Seitenblick verriet mir, dass es Darrel nicht anders erging.
„Warum?“, fragte Kat, die sich entschieden hatte zurück in die Küche zu kommen. Vermutlich hatte sie Charlie im Bad eingesperrt. Das versuchte sie manchmal, wenn sie sich von ihm geärgert fühlte. Es half nichts, er konnte sich irgendwie teleportieren. Ein genervter Blick von Kat über ihre Schulter verriet mir, dass er es wieder getan hatte.
„Na, weil sie sich DAUERND küssen.“
Hoffentlich meinte Liri wirklich nur küssen …
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Do März 24, 2016 2:25 am

Du hast ein Date...

Eins, zwei, drei... Irritiert hielt ich beim Durchzählen inne. Dann stöhnte ich entnervt auf. „Ian! Kat! Wo zum Simmer steckt ihr schon wieder?!“ Ich drehte mich um, bedeutete Len den Schulbus anzuhalten und rannte in die Scheune. Wie erwartet stand Kat am Chemietisch, während Ian Gitarre spielte.
„Habt ihr mal auf die Uhr geguckt? Der Bus ist da!“ Ich stemmte die Hände in die Hüfte und atmete schnaubend aus. Da bemühte man sich jahrelang die Morgenroutine so zu gestalten, dass gemeinsam gefrühstückt wurde und trotzdem alle Kinder gewaschen und angezogen mit gepackter Schultasche in den Schulbus steigen konnten und dann so was...
„Ian, dass du dich in Musik verlierst ist ja nichts neues, aber wozu hast du dir einen Alarm ins Smartphone einprogrammiert, der dich an den Schulbus erinnert?“ Überrascht stellte ich fest, dass er noch nicht einmal angezogen war. Ergo würde er auch kein Handy in der Hosentasche haben. „Simmer, Damian!“ Hoffentlich hatte er sich wenigstens die Zähne geputzt. Beim Frühstück war er zumindest anwesend gewesen.
„Bin schon auf dem Weg, Mom!“ Er lächelte entschuldigend und machte sich linkisch auf den Weg ins Haus um sich anzuziehen. Ich hoffte, dass Kitty ihm Feuer unterm Hinter machte. Sonst würde er auf halbem Weg wieder vergessen, was er im Haus wollte.
Währenddessen hatte Kat die Chemikalien weggeräumt und ihre Schutzbrille und den Labormantel ausgezogen. „Sorry Mom.“
„Jaja, jetzt trödel' nicht noch weiter!“



„Ich war aber dran!“ Sie deutete auf den Chemietisch. Mit Akkis letztem Päckchen zu Karas Geburt war auch der Hinweis gekommen, dass die Kinder selbst einen Trank am Chemietisch brauen mussten, um ihre Freunde real zu machen. Sie stürzten sich mit Feuereifer ans Experimentieren. Nach anfänglichem gedankenlosen Herumprobieren, kleineren Explosionen und heftigen Rangeleien um die Vorherrschaft am Chemietisch, hatte Len für die Kinder einen Plan erstellt, wer wann an den Chemietisch durfte. Er selber nahm sich aus – wie erwartet hatte er mit seiner Puppe keine Beziehung aufbauen können. Es schien im nichts auszumachen. Außerdem hatte er mittlerweile eine Freundin und das war spannender als imaginäre Freunde (zumindest für Darrel und mich – und spannend dabei nicht im Sinne von positiver Aufregung sondern im Sinne von ängstlichen Befürchtungen).
„Du bist nachher auch noch dran! Ich dachte ihr habt Tage und nicht Stunden ausgemacht...Simmer, egal. Wo ist deine Tasche?“
Kat sah mich beleidigt an, nahm ihren Rucksack und stolzierte Richtung Tür. „Im Gegensatz zu Ian vergesse ich nicht alles.“
Ich musste wider Willen grinsen und brachte Kat so zum Lächeln. Sie winkte und rannte zum Bus, während ich einmal kurz durchatmete und zurück ins Haus eilte um Ian anzutreiben.



Er kam mir auf halbem Weg entgegen – ohne Schultasche und mit falsch zugeknöpften Hemd.
„Bin schon weg, Mom!“
„Aber...“, wollte ich ihn aufhalten, doch er rannte an mir vorbei. Nur um plötzlich stehen zu bleiben, eine Kehrtwende hinzulegen und zum Haus zurück zu rasen. Die Tür ging wie von Zauberhand auf und seine Schultasche schwebte in der Luft. Damian riss sie an sich, murmelte einen Dank und rannte zum Bus, dessen Fahrer mittlerweile ungeduldig hupte. In Gedanken nahm ich mir vor, ihm bei der Tour am Nachmittag ein paar süße Brötchen zu geben. Der arme Mann verlor wahrscheinlich jeden Morgen ein paar Haare mehr wegen unserer Kinder – und er hatte schon eine Halbglatze. Ich trottete zu Haus, dessen Tür weiterhin offenstand. „Danke, Kitty.“ Mir war als hörte ich ein leises Lachen …


Am Nachmittag konnte ich den Busfahrer mit süßen Brötchen und selbstgemachter Marmelade besänftigen. Überraschenderweise äußerte er Verständnis. Er hatte zwar nur zwei Kinder (inzwischen erwachsen), aber er erinnerte sich gut an die morgendliche Hektik. Len bekam meine Bestechung mit.
„Wenn ich ein Auto hätte, konnte ich Damian morgens zur Schule mitnehmen.“
Ich warf ihm einen spöttischen Blick zu. „Träum' weiter. Du hast mich ach und Krach deine Führerscheinprüfung bestanden. Bis Darrel sagt, wir können dich ohne seinen Beistand auf die Straße entlassen, kommst du nicht an irgendein Steuer.“



„Boaaah. Wie lange muss ich mir das eigentlich noch anhören?“
„Ich weiß nicht? Bis einer der anderen es schafft sich so dämlich anzustellen?“, schlug ich vor.
„Manchmal bin ich froh, dass du meine Schwester und nicht meine Mutter bist.“ Er klopfte mir auf die Schulter. Wir hatten zur Zeit ein merkwürdiges Verhältnis. Lennard fühlte sich nicht mehr als Kind, aber auch noch nicht wirklich als Erwachsener. Er kam wesentlich besser mit mir im Schwesternmodus klar, als im Muttermodus. Das beinhaltete Spott und Hohn. Er kam damit klar und schien unsere Streitereien zu genießen. „Übrigens hab' Ian heute ein Date besorgt. Falls er sich noch daran erinnert...“
Ich starrte Lennard an. Manchmal war der Schwesternmodus ganz schlecht. „Du hast meinem Baby ein Date besorgt? Spinnst du?“
„Kira, er ist kein Baby. Er ist dreizehn.“



„Und was macht ihn damit nicht zu meinem Baby?“, murmelte ich.
„Kizzy hat gefragt, ob ich was tun kann. Sie mag ihn, seit sie mit ihm im Schulorchester spielt.“
„Kizzy? Kizzy wer?“
„Kizzy Joy. Eine von den vielen Joy-Kindern.“
„Die Joys haben nur sechs Kinder. Wie wir.“
„Ich zähle nicht.“
„Du zählst wohl. Oh, und was ist mit den IFs?“ Die Abkürzung hatte Len selbst eingeführt.
Er sah mich an, als würde er an meinem Verstand zweifeln. „Kira...man nennt das nicht umsonst imaginäre Freunde!“
Ich zuckte mit den Schultern. „Wir sind ohnehin vom Thema abgekommen. Warum zum Simmer verschacherst du mein Kind?!“
„Ich verschachere ihn doch nicht!“
„Wer verschachert wen?“ Ian war unbemerkt zu uns in die Küche gekommen. Er hatte seinen üblichen leicht abwesenden Gesichtsausdruck. Seine Finger waren wie immer tintenverschmiert und sein Hemd immer noch falsch zugeknöpft.



„Du hast am Samstag ein Date, Mann!“, gratulierte Len seinem Neffen strahlend. „Du kennst doch Kizzy? Aus dem Orchster? Sie spielt...egal irgendein Instrument.“
„Irgendein Instrument?“ Damians sonst so ruhige und abwesende Miene änderte sich augenblicklich. „Len, du hast keine Ahnung von Musik im Allgemeinen und einem Orchester im Besonderen.“ Er schnaubte und murmelte noch etwas. „Sie spielt Klarinette.“
„Du Glücklicher!“, rutschte es Len heraus. Ich boxte ihm in die Seite. „Au!“
Zum Glück war Ian zu unschuldig und zu abgelenkt um Lens Anspielung zu verstehen. Ich warf Len ein paar böse Blicke zu und wandte mich dann an Ian. „Schätzchen, wenn du dich nicht mit Kizzy treffen möchtest, dann musst du das nicht. Und außerdem ist das kein Date. Ihr datet nicht, bevor ihr nicht mindestens dreißig seid!“ Ich drohte grinsend mit dem Finger. „Falls Dad fragt, dann ist das ein Treffen. Im Zweifel als Lerngruppe.“
„Respekt, Sis!“, lachte Len, während Ian verwirrt aus der Wäsche guckte.
„ 'Sis' mich nicht.“ Ich sah noch einmal zu Ian, der flüsternde Worte mit Kitty tauschte.
„Ich kann hingehen.“, sagte er schließlich laut, aber mit fragendem Unterton. „Ich will ja nicht, dass Len Ärger mit Kizzy bekommt.“
Dieser zeigte ihm beide Daumen hoch. Ich zog eine Schnute. Ob ihnen die Ähnlichkeit der Namen – Kitty und Kizzy – aufgefallen war?


„Wie war dein … äh Treffen?“, fragte ich einige Tage später meinen Ältesten. Er lag auf der Couch, die Nase tief in ein Notenblatt vergraben. In einem Ohr steckte der Ohrstöpsel seines Smartphones. Der zweite Teil des Kopfhörer baumelte neben Ian. Ich griff danach und lauschte.
„Ich konnte Beethoven nie leiden.“, sagte ich.
„Das ist Chopin!“, erwiderte Ian bestürzt. Er sah mich an, als hätte ich ein Verbrechen begannen.
„Ich weiß!“, log ich schamlos. „Ich wollte nur deine Aufmerksamkeit.“



Ich konnte an seinem Gesichtsausdruck sehen, dass er mir nicht glaubte. Aber Ian war zu freundlich und harmoniebedürftig um das Thema weiterzuverfolgen. „Was gibt’s denn?“
„Wie war dein Treffen?“, wiederholte ich. Auf seinen fragenden Ausdruck hin präzisierte ich: „Mit Kizzy? Heute morgen? Im Jugendzentrum?“
Erkenntnis machte sich langsam auf seinem Gesicht breit. Er war immer so geistesabwesend. Wenn seine Noten nicht durchschnittlich gut gewesen wären, würde ich mir ernsthafte Sorgen machen.
„Ok, glaube ich.“
„Hast du dich wohl gefühlt?“
Er nickte und lächelte leicht. „Wir haben an den Arcadegeräten gezockt und uns über Musik in Computerspielen unterhalten. Kizzy ist nett.“ Bei seinen letzten Worten zog er etwas die Stirn kraus. „Ich glaube, ich hab sie gelangweilt. Weil ich NUR über Musik gesprochen hab.“



„Tja, manchmal muss man sich etwas zurücknehmen.“, erwiderte ich vorsichtig.
„Mhm.“ Er spielte mit seinen Kopfhörern. „Es hat schon irgendwie Spaß gemacht mal mit jemand anderem was zu unternehmen. Der auch noch was von Musik versteht.“ Er grinste mich an. „Kitty findet es auch gut.“
„Kitty oder Kizzy?“ Nun war ich verwirrt. Ian starrte mich wie ein Spiegelbild an. Dann deutete er in Luft neben sich. „Kitty.“ Er lauschte. „Oh...wow mir war gar nicht aufgefallen, wie ähnlich die Namen klingen.“ Er kicherte, wobei seine Stimme kikste. Er sprache leise mit Kitty und ich begann mich zu wundern, ob Kitty auch ein normaler Teenager war. Und was das bedeutete...
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Do März 24, 2016 9:56 pm

Noch immer kein Trank

Als ich mich erhob und meinen Rücken streckte, merkte ich nicht zum ersten Mal, dass ich älter wurde. Das rumkrebsen im Garten auf den Knien wurde immer anstrengender. Vielleicht sollte ich mir gepolsterte Knieschoner kaufen. Und mir Massagen verschreiben lassen... Ich nahm den Korb mit den Paprikaschoten, die ich eben geerntet hatte und trug ihn zu den Tomaten. Durch die großen Fenster der Scheune konnte ich Ian am Chemietisch sehen. Keins der Kinder hatte bisher einen Durchbruch erzielt – egal wie sicher sich David wähnte die richtigen Chemikalien bestimmt zu haben. Er hatte die Untersuchung des Textes inzwischen zurückgestellt und sich ganz auf die Herstellung des Trankes verschrieben. Er hielt nach, wie welche Chemikalien gemischt wurden, schrieb seitenlange Versuchsbeschreibungen und unterstützte seine Geschwister nach bestem Wissen. Es würde ihm nichts ausmachen, wenn einer der anderen vor ihm Erfolg hatte – wichtig war für ihn die Erreichung des Ziels.



Neben Damian stand Kara an der Werkbank. Ich seufzte – nicht nur wegen meiner schmerzenden Knochen, sondern vor allem wegen des Anblicks der Sechsjährigen mit einem Lötkolben. Ich war nicht glücklich mit ihrem Interesse an der Werkbank und allem Mechanischem. Sie kam ganz und gar auf Darrel was das betraf. Dieser stand zum Glück hinter Kara um im Notfall einzugreifen. Kara durfte nicht allein an die Werkbank. Für sie war das eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, denn die anderen durften auch allein an den Chemietisch. Da half kein Argumentieren und kein Erklären. Kara war zwei Tage so unerträglich, dass Darrel ihr schließlich erklärte, mit diesem Verhalten dürfe sie gar nicht an die Werkbank. Das brachte sie zur Räson.



Zu sagen, Kara war verwöhnt, wäre ein bisschen untertrieben. Als jüngste – und dann auch noch mit fast sechs Jahren Abstand zu David, hatte sie immer viel Aufmerksamkeit bekommen. Darrel und ich versuchten zwar, es nicht ausufern zu lassen, aber Nesthäkchen sind immer etwas Besonderes. Zumal ihre älteren Geschwister sie als Kleinkind auch verwöhnt hatten (von Oma und Liz ganz zu schweigen). Die Jungs waren zwar manchmal von Kara angenervt, aber sie beherrschte diesen Augenaufschlag, der ihre Brüder gleich einem Kommando zwang ihr zu Diensten zu sein. Bei Katrina funktionierte das nicht. Die beiden Mädchen zickten sich gelegentlich an, aber meistens hielten sie Frieden. Sie teilten sich ein Zimmer, während alle Jungs inzwischen im größeren Kinderzimmer schliefen. Darrel und ich machten uns Sorgen, dass die Kinder unter der Zimmersituation litten, aber selbst Len hatte kein Problem damit. Im Zweifel gab es immer noch die Scheune als Rückzugsort.
Jungenzimmer

Lennards und Dereks Bett

Leseecke

Damians und Davids Bett

Mädchenzimmer





„Ach Mist.“, hörte ich Ian in der Scheune fluchen. „Deeeeee!“ Derek hatte im Gegensatz zu David kein Problem mit einem Spitznamen. Auch wenn er es vorzog Derek genannt zu werden. „Du bist dran.“ Offenbar waren sie von Tagen wieder in einen Stundenrhythmus gewechselt.
„Wieder nichts?“, fragte Kara mitfühlend. Sie stieg von ihrem Hocker, den sie benötigte um an der Werkbank arbeiten zu können. „Danke Dad! Können wir nachher noch was weiter basteln?“
„Nachher kommen Liz und Henny um auf euch aufzupassen, während eure Mutter und ich ausgehen.“ Er strich ihr über den Kopf. „Sorry, Prinzessin. Morgen ist auch noch ein Tag.“
Prinzessin! In der Tat...
„Dad, findest du nicht, wir sind alt genug allein zu bleiben?“, fragte Derek, während er von Damian den Labormantel übernahm.
Ich hörte Darrel nicht direkt antworten, konnte mir aber seinen Gesichtsausdruck vorstellen. „Vielleicht will er ja auch, dass wir auf Oma und Granny aufpassen?!“, schlug Ian in einem Anfall von Geistesgegenwart vor. Dass oder Kitty hatte es ihm eingeflüstert.
„Gut erkannt, Ian.“ Darrel klopfte seine Schulter und verließ lachend die Scheune. Er zwinkerte mir zu und begann mir ihm Garten zu helfen.



„Meinst du wirklich?“, fragte Kara mit großen Augen ihren Bruder.
Der sah sie irritiert an. Offenbar hatte er schon vergessen, was er gesagt hatte. Derek schnaubte nur und begann Chemikalien zusammen zu schütten.
„Kara, will Buddy nicht mit dir spielen?“, wechselte Ian schließlich das Thema. „Kitty sagt, sie sieht ihn nie.“
„Liri auch nicht.“
Kara hatte endlich ihre Puppe benannt. Sie trug sie oft durch die Gegend, was mich irritierte. Die anderen Kinder hatten mit dem Eintritt in Schulalter ihre Puppen selten getragen und begonnen mit ihnen in ihrer IF-Form zu sprechen und spielen. In diesen Moment waren ihre Puppenkörper übrigens wie vom Erdboden verschwunden.
„Äääh.“, sagte Kara und trat hektisch von einem Bein aufs andere. Sie sah sehr unwohl aus. Mit einer unauffälligen Handbewegung wollte ich Darrel auf sie aufmerksam machen, doch er beobachtete die Kinder schon.
„Er ist...schüchtern! Sehr schüchtern. Und er hat Angst vor den Großen!“ Selbst auf die Entfernung konnte ich sehen und hören, dass sie sich das ausdachte. „Ähm...ich muss los.“ Damit entwischte Kara ihren Brüdern und lief schnell zum Haus. Darrel und ich senkten schnell die Köpfe, betont in unsere Arbeit vertieft, doch Kara sah weder nach links noch nach rechts.
„Sie lügt.“, stellte Derek ungerührt fest.
„Was?“ Ian hatte seine Gitarre geholt und bereits einen Akkord angeschlagen.


Am nächsten Morgen kam Kara früher zum Frühstück als die anderen. „Morgen Mom.“
„Hey Kara.“ Ich gab ihr einen raschen Kuss und fragte sie nach ihrem Frühstückswünschen. Wer als erster kam, durfte das Frühstück bestimmen.
„French Toast.“, bat sie begeistert. Kara war selten die erste. Meist waren es Derek oder Katrina, die beide für Pfannkuchen stimmten.
„Alles klar.“ Ich begann das gewünschte zuzubereiten, während Kara sich an den Tisch setzte und Löcher in die Luft starrte.
„Kara, möchtest du über etwas reden?“, fragte ich vorsichtig. Mit Blick über die Schulter fuhr ich fort: „Vielleicht über deine Puppe?“
Aus der Kehle meiner Jüngsten entrang sich ein abgrundtiefer Seufzer. „Wenigstens sagst du Puppe!“
Ich sah sie irritiert an und sie seufzte abermals. Darrel hatte vorgeschlagen, dass wir gegenüber Kara das Thema Puppe bzw. Buddy vorsichtig angehen sollten.
„Mom, die anderen sind so sicher, dass die Puppe echt ist! Aber es ist nur eine Puppe!“
„Mhmm.“
„Sie fragen immer Buddy dies oder Buddy das.“
„Und deswegen … ähm biegst du die Wahrheit über Bu-...die Puppe gegenüber den anderen?“
Sie sah auf die Tischplatte. „Ich lüge sie an.“
„Mhmm.“, machte ich erneut und richtete eine Portion für Kara an. „Du weißt, was dein Dad und ich von Lügen halten.“
Im Seufzen wollte Kara an diesem Morgen wohl einen neuen Rekord aufstellen. Ich stellte ihr den Teller hin und sah sie erwartungsvoll an. Ihre Unterlippe bebte leicht.
„Kara?!“



„Lügen ist nicht in Ordnung. Nur in absoluten Notfällen.“, sagte sie schließlich. Natürlich seufzend.  „Aber Mom, das ist ein Notfall!“
„Warum glaubst du das?“
„Weil die anderen sonst gemein zu mir sind. Weil ich das Puppenspiel nicht mitmache!“
„Das nimmst du zumindest an. Len macht es auch nicht mit. Sind die anderen gemein zu ihm?“
„Nein.“
„Und glaubst du dein Dad und ich würden es akzeptieren, wenn ihr Kinder unter einander zu gemein wäret?“
„Nein.“
„Siehst du? Kein Grund wegen einer Puppe zu lügen.“
„Ich HASSE diese Puppen.“, stieß sie hervor. „Sie sind unheimlich und hässlich und … und … doof!“
Oje, das war heftiger als ich erwartet hatte. „Meinst du deine Puppe oder die der anderen?“, fragte ich vorsichtig.
„Meine. Alle.“ Sie verschränkte die Arme und schob den Teller von sich. Statt bebender Unterlippe war jetzt zorniger Blick angesagt. „Sie finden immer alles raus und petzen!“
„Das hab ich auch schon festgestellt.“, murmelte ich zu mir selbst. Ich warf einen Blick auf das Frühstück, befand die Menge für ausreichend und ging zum Tisch. Ich zog Kara von ihrem Stuhl, setzte mich selbst und nahm sie auf den Schoß. „Wenn du nicht mehr lügst und den anderen erklärst, dass du keine Beziehung zu deiner Puppe aufgebaut hast, dann kannst du die anderen bitten, ihre Puppen zurückzuhalten.“
„Wer soll sich zurückhalten?“ Kat kam mit Derek und David im Gefolge in die Küche. „Oh...French Toast.“ Sie klang enttäuscht. David hingegen zuckte die Schultern. Er war genügsam und aß sprichwörtlich alles was auf den Tisch kam.
„Kara möchte euch etwas sagen.“ Damian war zwar noch nicht unten, aber vermutlich würde er die Hälfte des Gesprächs ohnehin nicht verfolgen sondern in Gedanken eine Opfer spielen oder eine Partitur schreiben.
„Muss ich?“, fragte Kara mit ihrer besten Kleinmädchenstimme. Ich nickte. Sie seufzte. Das Kind würde definitiv „Die Seufzende“ als Titel bekommen.
„Buddy ist nicht echt.“, murmelte sie leise. Auf einen ermunternden Blick von mir, wiederholte sie das.
Die anderen drei wechselten einen Blick. Derek und David nickten schließlich nur und sahen dann Katrina erwartungsvoll an. Sie nickte ebenfalls. „Das wissen wir.“
„Was?!“ Kara sprang von meinem Schoß auf und starrte ihre älteren Geschwister zornig an.



„Beruhige dich. Und wolltest du nicht noch etwas hinzufügen?“ Ich ging zur Kaffeemaschine und sah sie erwartungsvoll an.
Kara verschränkte empört die Arme. „Nein!“
„Kara!“ Ja, Kaffee war definitiv angesagt.
„Sie wissen es doch eh!“
„Kara, entschuldige dich bei deinen Geschwistern, dass du sie angelogen hast.“
Die anderen drei sahen zwischen uns her wie Zuschauer bei einem Tennisspiel.
„Nein!“
„Dann kannst du es vergessen in dieser Woche noch einmal an die Werkbank zu gehen.“
Kara schnappte empört nach Luft und wurde rot im Gesicht. Warum musste Darrel heute morgen so früh zum Sägewerk? Er kam mit ihren Launen wesentlich besser klar als ich.
Katrina wollte etwas sagen, doch sie hielt sich zurück. Sie hielt kurze Zwiesprache mit Charlie und nickte still.



Kara starrte mich ungläubig an. Sie war kurz davor mit dem Fuß aufzustampfen oder davon zu stürmen. Ich sah sie eisern an. Schließlich brach sie ein. Sie sah auf den Boden und murmelte eine Entschuldigung. Ihre Geschwister beeilten sich sie anzunehmen – keiner begann gerne seinen Morgen mit solchen Szenen.
Lennard und Damian kamen kurz darauf in die Küche. „Haben wir was verpasst?“, fragte Len, als er die Gesichter der anderen sah.
„Kaum.“, meinte David. „Kara hat endlich gesagt, dass sie wegen Buddy gelogen hat und sie hat sich entschuldigt.“
„Ah. Okay.“ Len setzte sich neben Kara und grinste sie an. „Willkommen im Club der IF-Losen.“
Sie sah ihn schmollend an und stocherte in ihrem Frühstück. Len klopfte ihr auf die Schulter. „Kopf  hoch, Zwerg.“
„Nenn mich nicht so!“
Die anderen vier kicherten. „Lass dich nicht ärgern, Kara.“
„Kinder, Kara hat sich entschuldigt und es ist in Ordnung, dass sie keinen IF hat. Aber sie fürchtet, dass eure IFs ein bisschen zu neugierig auf Karas Leben sind.“ Ich nippte am Kaffee und bedeutete Kara jetzt ihre Bitte hervorzubringen.
„Ja.“ Kara nickte. „Bitte lasst sie nicht in meinen Sachen rum schnüffeln.“
„Uh, hier nimmt sich jemand viiiiiel zu wichtig.“, sagte Katrina zu niemand bestimmten.
Lennard schnaubte. „Das sagt die richtige.“



„Izzy schnüffelt nicht herum.“, verteidigte David seine IF.
„Niemand schnüffelt oder spioniert.“, warf Derek ein. Er sah zu Kara und nickte ihr zu.
Katrina sah Lennard böse an, dann warf sie ihren schweren Zopf über die Schulter und sah ihre kleine Schwester ebenso böse an. „Keine Sorge, Zwerg. Unsere FREUNDE wollen sich auch gar nicht mit dir abgeben.“
Die beiden Mädchen starrten sich gegenseitig an, und nur Damians verwirrtes: „Warum gibt es eigentlich French Toast?“, vermied den Ausbruch eine Zickenkriegs.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Do März 31, 2016 7:15 pm

Es bleibt Hoffnung

Ich legte meinen Kopf schief und lauschte. Nichts. Stille. Keine Stimmen, kein Getrampel aus dem Obergeschoss, keine schlagenden Türen...
„Oh Simmer, wenn es noch leiser wäre, könnten wir den Schnee fallen hören.“, stieß ich hervor und ließ mich neben Darrel auf die Couch fallen. „Hm, vielleicht übertreibe ich.“
Er grinste und legte den Arm um mich. „Ich verstehe, was du meinst. Kaum zu glauben, dass wir heute Abend das Haus ganz für uns allein haben! Das ist das erste Mal seit ….“
„Nein! Sprich es nicht aus! Sonst fühl' ich mich so alt.“
Er war mir einen schrägen Blick zu und zog die Augenbraue hoch.
Lennard war seit ein paar Wochen in Seutschland zu Besuch bei Vater. Er hatte die Highschool abgeschlossen und würde bald anfangen an einem College in der Nähe von Appaloosa Plains zu studieren. Er hatte dort ein Sportstipendium bekommen. Appaloosa lag zum Glück nicht so weit entfernt von Riverview, so dass er im Notfall in paar Stunden zu Hause sein konnte.
Die anderen Kinder (und die Katze!) waren an diesem Abend bei Liz. Henny war Anfang des Jahres gestorben. Eines Morgens war sie einfach nicht mehr aufgewacht. Auf Grund ihres hohen Alters konnte man wirklich nicht behaupten, dass ihr Tod überraschend gekommen wäre, aber wir waren trotzdem alle sehr mitgenommen. Oma war einfach eine Marke für sich. Sie war immer da und sie von heute auf morgen zu verlieren riss ein großes Loch in unsere Familie. Nach einigen Monaten hatten wir alle gelernt damit umzugehen, auch wenn ich mich oft dabei erwischte bei einem bestimmten Anblick, Geruch oder Geräusch an Oma zu denken. Manchmal tat ich es mit einem Lächeln, manchmal mit Tränen in den Augen.



Liz fühlte sich in ihrem Bungalow ziemlich einsam. Im Sommer hatte Darrel deswegen auf einem Teil unseres Grundstückes den alten Getreidespeicher zu einem Wohnhaus umgebaut. Diese Woche war Liz dort eingezogen. So konnte sie jederzeit zu uns kommen ohne das Gefühl haben zu müssen, bei uns zu wohnen (das wollte sie nun wirklich nicht) und wir konnten ein Auge auf die alte Sima haben, ohne ihr das Gefühl zu geben, ein Pflegefall zu sein.
Der Getreidespeicher hatte so viele Zwischenetagen, dass neben dem Erdgeschoss, in dem Liz' Schlafzimmer, ein Bad und ein Wohnbereich mit Küchenzeile untergebracht waren, noch eine Fernsehetage und zwei Etagen mit Gästeschlafzimmern entstanden waren. Die Kids wollten heute einen Filmmarathon mit einem Haufen Junkfood, Limonaden und Popcorn veranstalten, um ihre Großmutter in die Geheimnisse von Comic-Verfilmungen einzuweihen. Ich bedauerte Liz etwas, aber nicht so sehr, als dass ich Scham gehabt hätte, ihr die Katze auch noch aufs Auge zu drücken. Ich fand, Darrel und ich hatten uns einen Abend ohne Anhang verdient!







Als es klopfte, war ich entsprechend angesäuert.
„Wenn das eins DEINER Kinder ist ...“, drohte ich Darrel, als er mich sanft zur Seite schob um die Tür zu öffnen.
„Erstens würden sie nicht klopfen und zweitens habe ich Momma verboten sie nach Einbruch der Dunkelheit nach draußen zu lassen. Nicht so lange Wölfe in der Gegend gesichtet werden.“
Ich versuchte meine Augenbraue so spöttisch hochzuziehen wie er es zu tun pflegte, aber ich bezweifle, dass es mir gelang. Die Erwähnung der Wolfsichtung jagte mir allerdings einen Schauder über den Rücken. Die Berichte reichten von einem Wolf bis zu einem ganzen Rudel, von wilden Bestien, die das Vieh angriffen hatten zu einem durchreisenden Paar, das sich weit möglichst von Sims entfernt hielt. Wenn es kluge Tiere waren, würden sie bei der letzten Strategie bleiben...
„Mach dir keinen Kopf wegen des Wolfs.“ Darrel hatte mein kurzes Zittern bemerkt und wartete mit dem Türknauf in der Hand. „Wahrscheinlich ist er harmlos und hat mehr Angst vor uns als wir vor ihm haben müssen.“ Damit öffnete er die Tür – und erstarrte.



Vor unsere Haustür stand ein halbnacktes, barfüßiges Mädchen mit einer merkwürdigen Haarfarbe und leuchtenden Augen. Und damit meine ich nicht leuchtende Augen vor Begeisterung oder so. Sondern wortwörtlich leuchtend.
„Ihr müsst euch wirklich keine Sorgen vor dem Wolf machen!“, platzte das Mädchen hervor. Der zentimeterhohe Schnee, der sich trotz Schneeschippens schon wieder auf der Veranda angesammelt hatte und die eisigen Temperaturen schienen ihr nichts auszumachen. Darrel war am ganzen Körper erstarrt. Seine Muskeln waren angespannt und ich wusste, er würde jeden Moment los schellen können, bereit zum Angriff. Das Mädchen wirkte nicht wirklich wie eine Bedrohung, aber leuchtende Augen bei Sims sind immer ein Warnhinweis. Ich musterte sie. Sie war klein, erschreckend dünn und wirkte wie ein unterernährter Hundewelpe. Das Hemd, das sie trug, kam mir sehr bekannt vor...
„Ist das Darrels Hemd?“
Das Mädchen sah verlegen an sich herunter, während Darrel mir einen seiner Wirklich-Kira?-Blicke zu warf.
„Ähm...ja...Sorry. Ich wollte nicht nackt hier auftauchen. Es hing in der Scheune.“
Nackt...leuchtende Augen....
„Kira, ich schätze da hast du deinen Wolf.“ Darrel entspannte sich etwas und verschränkte die Arme vor der Brust. Er versuchte die Kleine nieder zu starren.
„Guck sie hier drin weiter böse an. Es wird kalt, wenn die Tür die ganze Zeit offen steht.“ Das brachte mir einen weiteren Wirklich-Kira?-Blick ein, doch Darrel machte den Weg frei und das Mädchen trat ohne Scheu ein. Sie sah sich kaum im Raum um, musterte dafür umso mehr Darrel und mich.
„Wer bist du?“, fragte ich während Darrel gleichzeitig wissen wollte: „Was willst du?“
Das dünne Ding grinste breit. „Ich bin Akki!“



Die Eröffnung, dass die kleine Werwölfin Akki sei, traf Darrel und mich mehr als unerwartet. Ich bin ziemlich sicher, dass mein Kiefer ein paar Zentimeter tiefer fiel – und erst mal dort verharrte. Aus Darrels bösen Starren wurde ein ziemlich ungläubiges Starren. Dann trat er neben mich an die Couch und setzte sich plötzlich.
Das Werwolf-Mädchen grinste noch einen Ticken breiter und ging zum Kamin. Sie hinterließ feuchte Fußspuren auf dem Holzboden und dem Teppich. Nachdem sie kurz ins Feuer gestarrt hatte (weiterhin grinsend), hockte sie sich hin und drehte den Kopf zu uns. „Yay, ich hätte nie gedacht, euch einmal so überraschen zu können.“
Sie hatte mich wirklich auf dem kalten Fuß erwischt – und Darrel käsiger Gesichtsfarbe zufolge ihn genauso. Ich nahm seine Hand und drückte sie beruhigend.
„Wir sind wirklich geschockt.“, begann ich schließlich, nachdem ich meine Stimme wiedergefunden hatte. Wobei ich unsicher war, ob ich über die Tatsache, dass ein halbstarker Werwolf vor unserem Kamin hockte oder ihre Behauptung, Akki zu sein, geschockt war.
„Ich weiß! Ich war es auch...“, plauderte sie.
Darrels Gesicht nahm langsam wieder seine natürliche Bräune an. Erneut spannte sich sein ganz Körper und er nahm das Mädchen scharf in den Blick. „Wir wissen nicht, ob sie lügt. Sie könnte auch eine Beobachterin sein.“
„NEIN!“, rief sie mit solcher Vehemenz aus, dass mir die Ohren schallten. Sie sprang auf und tigerte unruhig hin und her. Dann blieb sie abrupt stehen und begann zu reden...



„So viel zu unserem ruhigen Abend allein.“ Ich ließ mich auf unser Bett fallen und massierte meine Nasenwurzel zwischen Daumen und Zeigefinger. Darrel setzte sich neben mich. Still nahmen wir einander bei der Hand und schwiegen, während wir unseren Gedanken nachhingen.
Das Werwolf-Mädchen hatte uns überzeugen können, dass sie wirklich Akki war. Ihr Wissen über uns, Sanctuary, die Puppen und so vieles andere hätte sie nur von uns oder Akki erhalten können. Wir hatten niemanden davon erzählt (wir konnten es ja nicht) und ich war sicher, dass Akki selbst unter Folter nichts darüber preisgegeben hatte. Außerdem entsprach ihr Verhalten so sehr der Akki, die in Chats und Briefen kennengelernt hatte.



„Ihre Strafe war wirklich hart.“, begann Darrel schließlich.
Ich nickte still. Akki hatte diesen Teil nur sehr langsam und widerstrebend berichtet. Nachdem Sanctuary aufgeflogen war, hatte man sie verurteilt und bestraft. Sie hatte ihre Strafe inzwischen hinter sich gebracht – und hätte eigentlich sterben sollen. Doch obwohl man sie ihrer Kräfte beraubt hatte, hatte sie es vollbracht ihre Essenz in den sterbenden Körper einer kleinen, neugeborenen Werwölfin zu produzieren.
„Und das sind die guten Nachrichten!“ Akkis Stimmung wechselte plötzlicher als das Wetter im April. „Nicht nur, dass ich jetzt ein ziemlich cooles Leben habe und ein übernatürliches Wesen bin...hm, technisch gesehen war ich das vorher auch, aber...“ Sie hatte unseren Blick bemerkt und sich zurückgenommen. „Die guten Nachrichten...Ihr werdet zwar in ein paar Jahrzehnten sterben, aaaber!“ Sie grinste noch breiter als sie es zuvor schon getan hatte. „Aaaber – die Essenz eines Sims stirbt nie! Sie ist unsterblich. Jeder von uns wird wiedergeboren! Nicht so, wie ihr es gewohnt seid, aber...“ Sie begann wild mit den Händen zu diskutieren und erklärte uns das Konzept, nachdem das Leben von uns Sims aufgebaut war. Es verursachte mir mehr als einen Knoten im Gehirn. Das was einen Sim ausmachte – seine Essenz – war demnach unsterblich. Sie gelangt in den Körper (ob bei der Zeugung oder erst bei der Geburt, da war Akki sich nicht sicher drüber) und macht damit den Sim und sein Leben aus. Wenn er stirbt, dann verlässt die Essenz den Körper und geht (sofort? Nach einer kurzen oder einer langen Zeit? Auch das wusste Akki nicht) in einen neuen Körper über. In der Regel werden dabei die Erinnerungen an das vorige Leben gelöscht. Manch Sim verspürt vielleicht noch einen Nachhall – und manche gehen durch die Manipulation der Beobachter einen Deal mit dem Sensemann ein und verlieren ihre Erinnerungen nicht. Wie Darrel und ich.
Ich drückte Darrels Hand noch etwas fester und wandte mich ihm zu. „Etwas gutes hat ihr Besuch: Wir wissen, dass wir nie endgültig sterben. Wir müssen uns nur im nächsten Leben finden ohne zu wissen, dass es den anderen gibt.“



„So wie du es sagst, klingt es wirklich einfach.“ Darrel wirkte mitgenommener als ich. Doch er drückte meine Hand und versuchte sich schließlich in einem Lächeln. „Es gibt Hoffnung.“
„Schön, dass fast zwanzig Jahre mit mir in diesem Leben endlich auf dich abfärben!“ Ich hauchte einen Kuss auf seine Wange.
„Du reibst mir die Sache mit Hoffnung schon eine Weile länger unter die Nase.“ Er zog mich zu sich und ich schlang meine Arme um ihn.
„Hoffnung ist auch das einzige was bleibt.“, sagte ich etwas steif. „Akki hat uns eröffnet, dass sich eins unserer Kinder mit den Beobachtern auseinander setzen muss. Sie werden versuchen in sein oder ihr Leben einzudringen und es zu manipulieren. Sie wollen ein neues Spielzeug.“
Darrel strich langsam meinen Rücken. Ich kämpfte sehr mit mir, nicht in hemmungsloses Schluchzen zu verfallen. Es war eine Sache, sich selbst diesen hinterhältigen Monstern ausgesetzt zu sehen, aber zu wissen, dass das eigenes Kind in ihre Fänge geraten könnte...
Darrel machte beruhigende Geräusche, doch ich wusste, dass er für mich stark war. Ich spürte seine Anspannung, seine Wut und seine Angst. Ich war Akki dankbar, dass sie gewartet hatte, bis die Kinder nicht da waren, bevor sie diese Nachrichten überbracht hatte.



Und ja, es gab Hoffnung. Nicht nur für Darrel und mich, sondern auch für die Kinder. Zum einen waren die Beobachter gezwungen, wirklich nur ein Kind (und jeweils ein Kind seiner Nachfahren) zu belästigen. Zum anderen würden wir als Familie dieses Kind selbst auswählen können. Zehn Generationen lang. Dann mussten die Beobachter von uns ablassen. Wir und unsere Nachkommen hatten die Aussicht, dass in ein paar hundert Jahren kein Felinger mehr von den Beobachtern gequält werden konnte und der Felinger, der sich der Beobachter erwehren musste, konnte von unserer Familie ausgesucht werden. Es war nicht viel. Aber es war eine Hoffnung.

Außerdem konnten wir auf Akki zählen. Sie hatte es sich zu ihrer Lebensaufgabe gemacht den Felingers zur Seite zu stehen. Für unsere Kinder hatte sie dafür die IFs geschickt. Und sie würde ihr Leben lang daran arbeiten, den Beobachtern Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Akki hatte zwar noch keine Ahnung wie, aber sie war mehr als entschlossen. Sie sah sich als Guerilla-Kämpferin gegen die Beobachter und ihre Strafe hatte sie nicht gebrochen, sondern umso entschlossener gemacht. Ihre Wiedergeburt als Werwölfin würde sich sicherlich als hilfreich erweisen. Als Werwölfin (selbst als so ein dürres, schwächliches Wölfchen wie sie es war), war sie langlebig und widerstandsfähig. Dazu kam, dass sie eine echte Werwölfin war (weswegen sie den Begriff Wolf vorzog). Sie war eine reinblütige, geborene Wölfin und kein bedauernswerter Sim, der von einem Wolf mit dem Lykantropie-Virus gebissen wurde.  Das bedeutete, dass sie nicht gezwungen war bei Vollmond als Wesen zwischen Wolf und Sim herumzugeistern, sondern sich willentlich jeder Zeit in einen Wolf verwandeln konnte. So war sie auch zu uns gekommen: Als Wolf (als ziemlich magerer und wenig furchteinflößender Jungwolf). Akki gehörte außerdem einer der bedeutendsten Familien in Moonlight Falls an. In Moonlight Falls hatten die Beobachter keinen Einfluss. Es war wie ein blinder Fleck für sie. Akki erklärte, dass es an der Magie und den übernatürlichen Wesen dort lag. Uns alle nach Moonlight Falls umzusiedeln wäre natürlich viel zu einfach: Als normale, diesseitige Sims konnten wir nicht dort einreisen. Moonlight Falls war ein Zufluchtsort für Übernatürliche und sehr strikt in seinen Einreiseregularien. Selbst wenn wir uns einen Vampir oder einen Lykantropie-Wolf suchen würden, um uns von ihnen beißen zu lassen, würden wir als „neue“ Übernatürliche nicht unbedingt dort hinziehen können (und gegen Vampire habe ich was, danke nein!). Moonlight Falls war sehr isoliert und hatte in der Vergangenheit schlechte Erfahrung mit normalen Sims gemacht und war deswegen so restriktiv. Sie ließen nur „echte“, d.h. geborene Übernatürliche einreisen. Ich war ziemlich sicher weder einen Wolf, eine Hexe, einen Vampir, eine Fee oder einen Geist geboren zu haben (wahrscheinlich gab es noch ein paar mehr übernatürliche Wesen, die ich nicht auf dem Plan hatte). Dieser Ausweg war uns also versperrt. Aber Akki hatte die Erlaubnis ihrer Eltern sich in unsere Angelegenheiten einzumischen. Sie versprach uns Hilfe und Unterstützung. Sie musste zurück zu ihrer Familie aber sie würde mit unserem Erben Kontakt aufnehmen und ihm oder ihr beistehen.



„Kira?“ Darrel schob mich ein Stück von sich weg. Seine dunkelgrünen Augen sahen mich intensiv an. Der Schmerz und die Wut darin waren zwar noch da, aber es schimmerte etwas anderes durch.
Ich lächelte schwach, als er meine Hand nahm und sie küsste.
„Kira, jedes unserer Kinder ist großartig. Jedes Kind hat seine Geschwister, Akki und uns, die ihm beistehen. Jedes Kind hat Hoffnung.“
Mein Lächeln wurde stärker und ich nahm nun seine Hand und küsste sie. „Und wir haben sie auch.“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Fr Apr 01, 2016 11:05 am

Interludium (Teil I)

Man hörte nur das Knistern des Feuers im Kamin. Die Kinder sahen sich untereinander fragend an, wechselten hilflose Blicke und suchten Rat in den Augen ihrer Eltern. Akki zwang sich nicht ungeduldig mit mit den Fingern auf ihrem Unterarm zu tippen. Darrel, Kira und sie hatten den Kids gerade eröffnet, dass einer von ihnen mit der Einflussnahme von eine übermächtigen Fraktion rechnen musste. Es half nicht, dass keiner der drei präzisieren konnte, wer dahinter steckte, warum sie es taten und warum es ausgerechnet einen von ihnen traf. Mit der Maulsperre der Eltern hatten sie bereits Erfahrung gemacht, aber dass es auch dieses fremde, seltsame Mädchen betraf, das ihre Eltern besser zu kennen schien, als sie es von rechts wegen sollte, war unheimlich.



„Bullshit.“, sagte schließlich Derek. Er saß zusammengesunken auf einem der Küchenstühle, den er ins Wohnzimmer gezogen hatte.
Seine Familie und Akki sahen zu ihm. Derek rollte mit den Augen. „Bullshit.“, wiederholte er.
„Hey, keine Schimpfwörter.“, wies Kira ihn zurecht.
„Nicht dein bester Kommentar.“, sagte seine Zwillingsschwester trocken. Kat hatte Kara die Hand auf die Schulter gelegt und ihr beruhigend den Rücken gestreichelt.
Derek zog es vor, nicht darauf zu antworten, sondern sah zu seinem Vater. „Dad, wir sind wirklich aus dem Alter raus, in dem man uns Geschichten auftischen kann. Ich verstehe ja, dass ihr uns vor der ach so bösen Welt beschützen wollt, aber das ist...Bullshit.“



Darrel hatte seinem Sohn aufmerksam zugehört. Er antwortete nicht sofort, sondern tauschte einen langen Blick mit Kira aus. Die Kinder kannten diese Blicke, mit denen ihre Eltern scheinbar mehr kommunizierten als es schien. Gerade als Darrel antworten wollte, ergriff David das Wort.
„Derek, auf den ersten Blick würde ich dir zustimmen.“ Er lächelte seinen Bruder verständnisvoll an. „Aber es scheint mehr dran zu sein.“
Derek murmelte etwas von wegen unerträglicher Neugier, aber sein jüngerer Bruder ignorierte ihn und fuhr fort: „Denk an die IFs.“ Dann sah er zu seinen Eltern. „Hat es etwas mit euren Aufzeichnungen zu tun?“
„Ihr habt eure Geschichte aufgezeichnet?“, erkundigte sich Akki, bevor Darrel oder Kira antworten konnten. Ihr gefiel Davids Art zu denken.



„Ja. Nachdem wir erfolglos versucht haben darüber zu sprechen, haben wir es mit Schreiben ausprobiert.“ Kira zuckte mit den Achseln. „Es kann keiner lesen.“
„Interessant.“ Akki legte den Finger an die Lippen. „Kann ich es sehen?“
„Hallooo? Haben wir gerade nichts wichtigeres zu besprechen?“ Kat nahm die Hand von Karas Schulter und sah sich in der Runde um. Ihr Vater nickte, aber Damian war schon von seinem Platz zwischen Darrel und Akki aufgesprungen, um die Aufzeichnungen zu holen. Akki hatte gemerkt, dass der Älteste sich sehr unwohl fühlte und nach Angst roch. Sie wunderte sich, ob es an ihr lag (obwohl sie den Kindern nicht einmal mitgeteilt hatten, dass sie ein Wolf war) oder ob die Situation ihn unter Stress setzte. Akkis ausgeprägter Geruchssinn nahm war, dass sich auch Damians IF aus dem Raum entfernt hatte. Sie konnte die IFs nichts sehen, aber ihre Nase nahm sie sehr wohl war. Es waren vier: Kitty, Charlie, Liri und Izzy. Kara hatte keinen IF. Akki warf dem Kind einen kurzen Blick zu. Sie roch noch schlimmer nach Angst und Unsicherheit als ihr Bruder. Aber sie war auch die Jüngste. Bisher hatte sie noch nie schlimme Erfahrungen gemacht. Leise seufzend wandte Akki ihre Aufmerksamkeit dem Rest der Familie zu.



Katrina war unzufrieden, dass das Gespräch unterbrochen war. Ein Teil von ihr stimmte (mehr aus Gewohnheit) Derek zu: Bullshit! Aber war die Tatsache, dass sie alle IFs hatten nicht ein Hinweis darauf, dass etwas Merkwürdiges im Gange war? Und dieses Mädchen, Akki, war definitiv nicht normal! Ihre Augen leuchtend auffällig und die Haare... Kat musterte sie vorsichtig aus dem Augenwinkel. Akki schien einen siebten Sinn dafür zu haben und warf ihr ein wölfisches Grinsen zu.
In diesem Moment kam Damian zurück und reichte Akki die Kladde. Er zog sich an die Wand zurück und knabberte nervös an seinen Fingernägeln. Sie blätterte sie rasch durch, zog hier und da eine Augenbraue hoch. „Der Teil in... argh, ihr wisst was ich meine...entspricht nicht ganz meinen Erinnerungen.“
Darrel zog einen Augenbraue hoch und warf ihr einen spöttischen Blick zu, während Kira schnaubte.



„DU kannst es lesen?“, fragte David aufgeregt.
„Ja.“ Akki zuckte mit den Schultern. „Aber natürlich wusste ich vorher schon … das meiste.“ Akki starrte auf die Kladde nieder. „In den Aufzeichnungen steckt der Schlüssel. Wenn ihr sie versteht, könnt ihr herausfinden, was wir euch nicht sagen können.“
„Wunderbar!“, äzte Derek. „Wir können es nicht lesen!“
Wieder räusperte sich David. Als alle Augen auf ihn gerichtet waren, atmete er ruhig durch. „Tatsächlich stimmt das nicht ganz.“
Aufgeregt begannen alle durcheinander zu sprechen. Alle bis auf Darrel und Kira, die einen langen Blick austauschten. Kira bereute es sehr, nicht neben Darrel zu sitzen und aus seiner Berührung Kraft schöpfen zu können. Der Ausdruck in seinen Augen verriet ihr, dass es ihm nicht anders ging.




Langsam beruhigten sich die jüngeren Sims und David konnte fortfahren. „Onkel Bobbys Software konnte Sätze identifizieren und ich bin ziemlich sicher, dass die Einteilung stimmt. Ich kann nicht wirklich etwas lesen, aber ich bin mir sicher einige Wörter übersetzt zu haben.“ Er ging zu Akki und ließ sich die Kladde geben. Er suchte eine bestimmte Seite heraus, zeigte sie seiner Mutter und deutete auf eine bestimmte Stelle, die für Kira ein Wort, für ihn nur ein Haufen sinnloser Buchstaben war. „Steht da „Fuck“?“
Kira zuckte etwas zusammen und sah schuldbewusst drein. „Ähm … Ich … ja.“ Sie biss sich verlegen auf die Lippe und wurde tatsächlich etwas rot, als Derek sie nachmachte: „Hey, keine Schimpfwörter!“



David ignorierte das und strahlte übers ganze Gesicht. „Ich wusste es!“ Er klopfte begeistert auf die Kladde und nahm dann seinen Platz wieder ein.
Stille machte sich einmal mehr breit, bevor Damian seinen Mut zusammennahm und fragte: „Wir müssen also einen von uns bestimmen, der sich diesem … diesem Problem stellt?“
Kira, Darrel und Akki tauschten ein paar Blicke aus und nickten dann traurig.
„Warum nur einer? Wenn diese Fraktion sich in unser Leben einmischen will, warum dann nur bei einem? Den wir auch noch bestimmen können?“, hakte Derek nach. Er schien immer noch nicht überzeugt zu sein.
Akki übernahm es zu antworten: „Sie würden am liebsten auf euch alle einwirken. Es gibt aber noch andere Parteien, die ein kleines bisschen Einfluss nehmen konnten und so sind die … die … argh. So ist diese böse Partei gezwungen sich auf einen von euch auserwählten zu beschränken.“ Sie verschränkte die Arme und warf sich in der Couch zurück. „Simmer, das ist so frustrierend!“



„Du hast keine Ahnung...“, murmelte Kira.
„Ist das wie bei Dornröschen?“, piepste Kara. „Die letzte Fee konnte den Fluch der bösen Fee abschwächen.“
„Hervorragender Vergleich!“ Akki beugte sich begeistert vor und strahlte Kara an.
„Wir wissen, dass du was für Märchen übrig hast.“ Darrels tiefe Stimme triefte vor Sarkasmus. Er hielt sich in diesem Gespräch sehr zurück und wünschte sich nichts sehnlicher als ein Leben ohne Beobachter für seine Kinder. Er und Kira wollten kein Kind auswählen, dieses Kreuz zu tragen. Besonders nicht ohne die Kinder einzuweihen. Daher waren sie an diesem Morgen zu dem Gespräch mit Akki zusammengekommen. Die Kinder begannen leise miteinander zu reden.



„Ich werde es übernehmen.“, sagte schließlich David laut. Er sah seine Geschwister der Reihe nach an. „Wir sind uns alle einig, dass Kara zu kl-... zu jung ist. Derek glaubt nicht daran und wird sich deswegen mit Händen und Füßen dagegen wehren. Ian – so sehr ich dich liebe und schätze – aber du würdest es vergessen. Wenn Kitty nicht wäre, würdest du vergessen zu atmen. Kat.“ Er sah seine schwarzhaarige Schwester an. „Ich weiß, du würdest es ebenfalls übernehmen und für uns andere deine eigenen Wünsche zurückstecken, aber...“ Er grinste schief. „Als Schauspielerin wirst du nicht viel Zeit haben für die Übersetzung.“ Er bemerkte, dass ein erleichterter Gesichtsausdruck über ihr Gesicht huschte. David wendete sich seinen Eltern zu. In den Augen seiner Mutter standen Tränen, doch sie hielt den Rücken gerade und sah ihn aufmunternd an. Der Gesichtsausdruck seines Vaters war schwerer zu deuten. Mit den Jahren hatte er gelernt, dass sein Vater – so freundlich, fröhlich und sorglos er die meiste Zeit über wirkte – eine sehr nachdenkliche und melancholische Seite hatte. David legte den Kopf schief und hörte eine leise Stimme hinter sich.



„Er ist stolz auf dich. Gleichzeitig hat er Angst.“ Eine weiche, wattierte Hand klopfte seine Schulter. „Aber hey! Du hast mich. Ich sorg' schon dafür, dass alles glatt läuft!“
David sah über seine Schulter in Izzys Puppengesicht. „Du sorgst wohl eher dafür, dass ich in Schwierigkeiten gerate.“, erwiderte er grinsend. Er griff nach der Hand der lebensgroßen Puppe und drückte sie kurz.
„Hey, dafür bin ich da!“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am So Apr 03, 2016 1:45 pm

Überleitung (Teil II)

Das leise Vibrieren ihres Smartphones – eines der wenigen in Moonlight Falls – lenkte Akkis Aufmerksamkeit von ihren Hausaufgaben ab. Sie zögerte kurz, bevor sie ihr Simlish-Buch zu klappte und nach dem Telefon griff. Mobile Telefone waren in Moonlight Falls nicht verboten – die Stadt hatte sogar ein eigenes Mobilnetz – aber die meisten übernatürlichen Sims sahen keinen Sinn darin. Viele hatten andere Möglichkeiten der Kommunikation. Kontakte nach außen gab es nur selten. Akki war eine der wenigen Ausnahmen, die nicht nur Sims außerhalb von Moonlight Falls schützenden Grenzen kannte, sondern auch mit ihnen Kontakt hielt. Wobei auch ihr Bekanntenkreis sehr eingeschränkt war. Ihre Kontaktliste im Smartphone umfasste nur drei Leute: Kira, Darrel, und David. Bevor Akki über den Touchscreen wischte um die Nachricht zu lesen, dachte sie an ihren letzten Tag in Riverview.



Nachdem David sich bereit erklärt hatte, Erbe zu sein, hatte sie bald aufbrechen müssen, weil sie ihren Eltern versprochen hatte den Besuch so kurz wie möglich zu gestalten. Ihre Eltern verstanden genauso wenig wie Kiras und Darrel Kinder was vor sich ging, aber sie waren sich darüber im Klaren, dass Akki kein normales Wolfkind war. Sie hätte ihre Geburt als kleinstes und schwächstes Kind von Vierlingen beinahe nicht überlebt. Sie war immer klein und schwächlich geblieben, aber ihr Verstand arbeitete anders. Sie war stets hellwach und schien schneller zu begreifen als ihre Wurfgeschwister. Dazu kam, dass sie ihre Eltern ziemlich bald nach den Beobachtern fragte. Dass es Beobachter gab, war zwar kein Geheimnis in Moonlight Falls, aber man sprach nur hinter vorgehaltener Hand von ihnen. Der Schutz der übernatürlichen Bewohner war die wichtigste Aufgabe von Moonlight Falls. Gefahr drohte zum einen von normalen Sims und zum anderen von den Beobachtern, denen es ein Dorn im Auge war, dass sie die Stadt nicht unter Kontrolle hatten. Akkis Familie, der führende Wolfclan, bildete gemeinsam mit den wichtigsten Familien der anderen übernatürlichen Arten den Rat der Stadt, der die Stadt und ihre Einwohner schützte. Alle teilten eine starke Abneigung gegen die Beobachter (und normale Sims, aber ersteres grenzte an Hass). So war es für Akki ein leichtes gewesen, ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie dieser normalen Familie im fernen Riverview helfen musste. Sie ließen Akki die IF-Puppen verschicken und schließlich sogar nach Riverview reisen. Ihre Eltern wussten, dass Akki außergewöhnlich war. Ihr Hass auf die Beobachter war besonders stark ausgeprägt und das bereits seit einem Alter, in dem ihre Geschwister noch nicht einmal ahnten, dass es die Beobachter gab.



Akki warf einen letzten Blick auf ihre Hausaufgaben (den Schulbesuch und das Lernen ersparten ihre Eltern ihr trotzdem nicht) und öffnete ihren Messenger.
Die Nachricht stammte von David. Seit er sie an diesem letzten Tag verabschiedet hatte, hielten sie regelmäßig Kontakt. Er war noch so jung und doch schon so verantwortungsbewusst. Sie hatten noch allein in der Scheune gesprochen an diesem letzten Tag. Beiden Teenagern war klar, dass sie eine andere Zukunft erwartete als seine (oder was das anging: ihre) Geschwister. Während Akki wusste, dass sie nie den Platz als Anführerin ihres Clans übernehmen werden könnte und stattdessen weiterhin mit den sterblichen Sims arbeiten würde um den Beobachtern so viele Knüppel wie möglich zwischen die Beine zu werfen, stand David ein schwereres Leben als seinen Geschwistern bevor. Das Gefühl etwas besonderes zu sein verband die beiden jungen Sims. Dank Akki wusste David inzwischen, wer ihn bedrohte.



Akki klebte an der Fensterscheibe und sah mit ihren leuchtenden Augen nach draußen. David nahm sich die Zeit das Mädchen genau zu mustern. Sie war furchtbar dünn, ihr Körperbau wies kaum die Kurven auf, die Mädchen normalerweise so anziehend und attraktiv machten. Ihr Gesicht war nicht wirklich schön, aber es war apart und machte sie interessant. Er fragte sich, ob sie ihre Haare gefärbt hatte oder ob es ihre natürliche Farbe war. Wenn ja, warf das neue Fragen auf: Welcher Sim hatte in diesem Alter so weiße Haare und dazu Strähnchen in lila und türkis? Sie mussten gefärbt sein, zumindest die Strähnchen. Als sie sich räusperte, merkte er, dass sie ihre Aufmerksamkeit von dem Schneetreiben draußen auf ihn zugewendet hatte.



„Ich finde es sehr tapfer und aufopferungsvoll, dass du dich freiwillig gemeldet hast.“, merkte Akki an. Ihre Stimme passte kaum zu ihrem schmalen, kleinen Körper. Sie war tief und voll.
David zuckte mit den Achseln und verlagerte sein Gewicht etwas. Er hatte sich ins Gästezimmer in der Scheune zurückgezogen. Selbst Izzy hatte ihn nicht begleitet. Sie hatte die Eröffnung, dass er in Zukunft mit einer unbekannten Fraktion kämpfen musste, gut aufgenommen und ihm versprochen, ihm zur Seite zu stehen. Daran zweifelte David auch nicht. Er wusste, er würde sich immer und überall auf Izzy verlassen können.
„Ich könnte es keinem der anderen aufdrücken.“, sagte er schließlich, nachdem er und Akki sich lange angesehen hatten. „Wie könnte ich Ian dazu zwingen? Oder Kara und Kat in Gefahr bringen? Und Derek...“ Er brach ab und zog eine Grimasse. Es hatte ihn nicht überrascht, dass sein älterer Bruder sich so ablehnend verhalten hatte. Derek war nicht besonders fantasievoll – trotz seiner Verbindung zu Liri. Es wunderte David immer wieder, dass Derek ein kreativer Zeichner war, aber andererseits vollkommen logisch und kalkulierend ans Leben heranging. Das würde man eher von David erwarten, der immer alles in Frage stellte und den Dingen auf den Grund gehen wollte. Er war von Natur aus neugierig und wissbegierig. Trotzdem fiel es ihm viel leichter als all seinen Geschwistern sich etwas derartig übernatürliches vorzustellen wie eine übermächtige, unsichtbare Macht, die ihre Familie auf dem Zug hatte. Vermutlich lag es daran, dass er ein Träumer war.



Akki nickte langsam. „Ich verstehe dich.“ Sie fuhr sich durch die Haare und trat an das Bett auf dem David saß. „Zeig mir noch mal deine Überlegungen zu dem Trank.“ Sie nahm das Notizheft von ihm und überflog seine Kalkulationen. Zu seiner Überraschung schien Akki – im Gegensatz zu seinen Geschwistern – mit den Zahlenkolonnen und den chemischen Formeln etwas anfangen zu können. Ian, Derek und Kat hatten immer nur planlos darauf gestarrt und dann die Chemikalien nach seinen Anweisungen zusammengemischt. Akki runzelte die Stirn und tippte dann auf eine bestimmte Tabelle. „Da ist der Fehler. Du musst die Mischung bei konstant neunundzwanzig Grad halten.“
Er griff nach dem Heft, rechnete nach und nickte erstaunt. „Du hast recht! Das erklärt auch die Beobachtungen, die ich gem-...“
„Das ist es!“, unterbrach ihn Akki. „Die Beobachtungen!“ Sie sah ihn aufgeregt an. Ihre Stimme vibrierte vor Aufregung Emotionen. „David, wie nennt man jemanden, der Beobachtungen macht?“



Er sah sie irritiert an. „Beobachter. Oder Beobachtenden, wenn du das Partizip meinst.“
Sie versuchte etwas zu sagen, aber ihre Stimme gehorchte ihr nicht. Die Maulsperre, die seine Eltern so regelmäßig befiel, schien auch bei Akki wieder aufzutreten. Sie machte ein frustriertes Geräusch, das verdächtig nach einem Knurren klang. Doch dann nickte sie. „Das erste Worte. Das …  sind …  sie.“ Der letzte Satz kam merkwürdig stockend.
David verstand zunächst nicht was sie meinte, doch dann traf ihn die Erkenntnis mit aller Macht. Akki ließ sich neben ihn auf das Bett fallen und sah erschöpft aus. David streckte die Beine aus und stützte den Kopf in die Hand. „Beobachter? Das sind sie? Die Fraktion, die sich in mein Leben einmischen will?“
Akkis Gesichtsausdruck verdüsterte sich. Sie wirkte gleichzeitig traurig und erzürnt. Wer oder was auch immer diese Beobachter waren, Akki hatte nichts für sie übrig.
David unterdrückte ein Seufzen und warf ihr einen Blick zu. „Jetzt haben sie immerhin einen Namen. Beobachter.“
Die beiden jungen Sims schwiegen einen Moment und hingen ihren Gedanken nach.



„Mit was muss ich rechnen?“, fragte er schließlich. Das beschäftigte ihn schon seit ihnen von der Bedrohung erzählt worden war.
Sein Gegenüber hob die Schultern. „Ich weiß es nicht.“ Ein abfälliges Schnauben folgte. „Und ich bezweifle, dass ich es dir mitteilen könnte, wenn ich es wüsste.“
„Wird mich diese Maulsperre auch betreffen? Wenn ich jemandem davon erzählen will? Mit Izzy konnte ich darüber sprechen.“
Wieder hoch Akki die Schultern. „Ich nehme an, dass du mit deinen Geschwistern, deinen Eltern und Izzy darüber sprechen werden kannst. Mit anderen Sims? Ich bezweifle es.“
„Mit meinen Kindern?“ Der Gedanke Kinder zu haben, kam David furchtbar absurd vor. Er war doch selbst noch ein Kind! Selber eine Familie zu gründen und ein Vater zu sein, lag so weit in der Zukunft.



„Ich weiß es nicht.“, wiederholte Akki. Sie sah frustriert aus. „Es könnte alles so einfach sein, wenn Kira, Darrel und ich sprechen könnten!“ Dann legte sie ihre Hand auf seine. Obwohl sie nach wie vor nur in ein dünnes Hemd seines Vaters gehüllt war und es nicht allzu warm in der Scheune war, war ihre Hand warm. „David, du bist nicht allein. Ich kenne deine Eltern lange und gut genug, dass ich weiß, sie werden so lange sie können alles tun werden, um dir zu helfen. Du hast Izzy und du hast auch mich.“
David sah auf ihre kleine Hand, die auf seiner lag. Obwohl er in dieser absurden Situation steckte und sich seine Zukunft so düster zeichnete, wurde ihm mit einem Mal bewusst, dass er noch nie einem Mädchen so nah gewesen war. Langsam begannen sich seine Wangen zu röten. Akki kicherte leise, so als würde sie es bemerken. Sie tätschelte seine Hand und zog sie dann weg. David starrte auf den Boden und hoffte, dass die flammende Röte auf seinen Wangen schnellstmöglich verging. Als Akki sich erhob, sprang er ebenfalls auf. Er atmete ein paar Mal tief durch, bevor er sich traute sie anzusehen. Ihr Gesicht war vollkommen ruhig und fast schon ausdruckslos. Doch in ihren leuchtenden Augen bemerkte er ein amüsiertes Funkeln. Einmal mehr wunderte er sich über das Mädchen. Sie mochte vielleicht Damians Alter haben oder etwas älter sein. Und doch hatte er den Eindruck sich mit einer Erwachsenen zu unterhalten. Einer reifen Erwachsenen, nicht so wie Lennard, der trotz seine Volljährigkeit nur Flausen im Kopf hatte und von seiner Mutter mit Recht als unreif bezeichnet wurde. Davids Verlegenheit verflog. Er konnte Akki dankbar zu lächeln.



„Sie haben recht, wenn sie sagen, dass ich eine Tagträumerin bin.“, schalt sich Akki selbst und las endlich die Nachricht. Die Erinnerung an das Gespräch mit David hatte ihre Gefühl, dass er der Richtige war, noch einmal bestätigt. Er war jung, aber er war clever, reflektiert und ruhte in sich selbst.
„Hey Akki. Post ist angekommen! Vielen Dank für die Unterlagen. Können wir telefonieren?“, schrieb David.



Nachdem David den richtigen Trank hergestellt hatte und die Kinder ihre IFs real gemacht hatten, hatte Akki (mithilfe ihrer Eltern) falsche Geburtsurkunden und Zeugnisse aus Moonlight Falls für Izzy, Kitty, Charlie und Liri hergestellt und an die Felingers geschickt. Damit waren die vier nicht nur real, sondern konnten auch mit einer Identität durchs Leben gehen. Zwar besagten die Geburtsurkunden, dass alle Mütter und Väter unbekannt waren und die jungen Sims von ein und derselben Familie (einem Seitenzweig von Akkis eigener Familie, der bis auf einen alten, senilen Onkel ausgestorben war) adoptiert worden waren, aber sie waren legal. Als Erziehungsberechtigte hatten Kira und Darrel Liz eingetragen, die die vier bei sich im ehemaligen Getreidespeicher aufgenommen hatte.
Akki sah in der App, dass David noch online war. Sie wählte seine Nummer und lauschte dem knackenden Rauschen der Leitung. Nur weil es hier ein Mobilnetz gab, hieß es nicht, dass es gut war.

















„Akki?“ Seine Stimme klang etwas hohl, doch Akki wusste, dass es an der Leitung lag.
„Hallo David.“
„Danke, dass du anrufst.“
Es folgte eine sekundenlange, unangenehme Stille, wie sie schon mal bei Teenagern unterschiedlichen Geschlechts entstand. Akki musste grinsen.
„Was gibt’s?“, erkundigte sie sich schließlich.
„Ich glaube, sie waren da.“



Alarmiert ruckte Akkis Kopf hoch. Sie wusste, dass sich ihre Nasenlöcher weiteten und bemerkte wie ihre Fangzähne länger wurden. Mit Mühe und Not unterdrückte sie ein tiefes, grollendes Knurren. Sie zwang sich tief ein und auszuatmen. Als sie die Kontrolle über ihre Wolfsgefühle wieder hatte, bat sie um eine Erläuterung.
Am anderen Ende der Leitung hörte sie David ebenfalls tief einatmen. „Bevor dein Pakte angekommen ist, hat mich ein Mann angesprochen. Er sah ganz gewöhnlich aus. Vielleicht etwas zu gewöhnlich. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr erinnern WIE er ausgesehen hat. Ein Sim, der in der Masse untergeht, über den man nicht näher nachdenkt.“
Grimmig nickte Akki. Das passte.
„Er wusste von Izzy und den anderen.“ Davids Stimme überschlug sich fast, aber Akki nahm an, dass es mehr mit dem Stimmbruch zusammenhing, als mit Angst. David neigte nicht zu Panik. „Er bot mir an, ihnen legale Papiere zu besorgen und sich darum zu kümmern, dass alles rechtens ist. Dafür wäre ich ihm einen Gefallen schuldig.“
Um Akkis Magen ballte sich eine kalte Faust. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die Beobachter so früh aktiv werden würden.
„Wie hast du reagiert?“



„Ich hab ihm gesagt, er soll sich zum Teufel scheren.“ Sie könnte trotz der schlechten Leitung hören, wie David trocken schluckte. „War das richtig?“
Akki bemerkte, dass sie während des gesamten Telefonats durch ihr Zimmer getigert war. Abrupt hielt sie inne und starrte missmutig an die Wand. Als sie David ihren Namen sagen hörte, bemerkte sie, dass sie ihm eine Antwort schuldig geblieben war. Sie seufzte. „Ich denke schon.“ Sie fuhr sich mit ihrer freien Hand durch das Haar. „Du hast nichts falsch gemacht.“ Hoffte sie. „Ich schätze es ist so wie bei unseriösen Telefonanrufen. Auf keinen Fall etwas Bejahendes sagen.“ Sie wusste selbst wie wenig hilfreich das klang. Hoffentlich flippte David nicht aus.
„Mh.“, machte er. „Er wirkte sehr unzufrieden mit meiner Antwort. Aber er ist dann gegangen, ohne ein weiteres Wort. Ich habe ihm seitdem nicht gesehen und auch nicht bemerkt, dass jemand mir folgt.“
„Gut.“ Verzweifelt suchte Akki nach Worten, die David beruhigen oder aufmuntern würden. „Hast du es deinen Eltern erzählt?“



Zu ihrer Erleichterung lachte David. „Ja, direkt nach dieser Begegnung. Dad musste Mom fast einsperren, damit sie sich nicht auf die Suche nach diesem Mann macht. Er selbst ist dann schon gucken gegangen. Hat nichts gefunden. Ich schätze er hat sich in Luft aufgelöst.“
„Du hast keine Ahnung, wie richtig du damit liegst.“, murmelte Akki mehr zu sich selbst. „Haben sie sich beruhigt?“
„Oberflächlich ja. Sie wollen nicht, dass wir uns Sorgen machen.“ David dachte kurz nach. „Dad hat das ganze Gelände mit Bewegungssensoren ausgestattet und eine neue Alarmanlage installiert. Er hat Tante Natalya gebeten, nach dem Mann zu schauen. Aber meine Beschreibung ist nicht wirklich hilfreich.“
Akki sparte sich einen Kommentar über die Hinfälligkeit dieser Maßnahmen. Nichts davon würde die Beobachter aufhalten. Aber wenn es die Felingers nachts schlafen ließ...
„Ich glaube, du kannst beruhigt sein. Du hast dich richtig verhalten.“, sagte Akki nach kurzer Bedenkzeit. Diese Annäherung war stümperhaft und offensichtlich. Andererseits mussten die Beobachter sich David direkt nähern. Er musste sie einlassen – wie man einen Vampir in sein Haus einladen musste, damit er es betreten kann (Was lediglich ein Aberglaube war, wie Akki wusste. Sie kannte keinen Vampir, der nicht einfach so ein fremdes Haus betreten konnte, wenn er es wollte. Natürlich gab es den ein oder anderen Zauber, aber auf die Gastfreundlichkeit der Bewohner war nun kein Vampir angewiesen um in ihr Heim zu gelangen).



Am anderen Ende der Leitung atmete ein erleichtertet David auf. Er tauschte noch ein paar Nettigkeiten mit Akki aus und beendete dann das Gespräch. Er zeigte Izzy, die die ganze Zeit still neben im gestanden und mitgehört hatte, die Daumen hoch. Sie lächelte.
„Simmer sei dank.“, sagte sie. Dann klopfte sie David freundlich auf die Schulter. „Diese Hürde hätten wir geschafft.“
David lächelte schwach. „Du weißt, dass du nichts damit zu tun haben musst...“, begann er vorsichtig.
Izzy rollte die Augen. „Oh vergiss es! Du bist mein bester Freund. Ich bin dein IF. Ich bin da um auf dich aufzupassen.“ Erneut klopfte sie seine Schulter.
„Und ich frage mich manchmal, ob darin nicht die eigentliche Gefahr liegt. Wenn dein Aufpassen so endet wie in der Bio-Stunde gestern...“
Izzy kicherte teuflisch. „Ein bisschen Fischrogen im Gesicht hat noch keinem geschadet.“
David schüttelte den Kopf über Izzy, musste dann aber lachen. Sie hatte es einfach faustdick hinter den Ohren. „Wer weiß, vielleicht ist Rogen ja die Abwehrmaßnahme schlechthin.“
Izzy grinste noch breiter. „Das ist die richtige Einstellung!“ Dann stemmte sie die Hände in die Hüften. „So was stellen wir jetzt an?“ Sie nahm David an der Hand und zog ihm aus dem Zimmer.
Er hatte keine Ahnung was der Nachmittag noch bringen würde – oder der Rest seines Lebens, was das betraf – aber er wusste, so lange Izzy etwas dazu zu sagen hatte, würde es nicht langweilig werden.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mi Apr 06, 2016 7:24 pm

Kapitel 1

„Da wären wir.“
Izzy antwortete nicht direkt, sondern ließ ihren Blick langsam an der Fassade des Wohnheims hoch und runter gleiten. Schließlich machte sie „Hm.“
Ich legte ihr den Arm um die Schultern und drückte sie beruhigend. „Mach' dir keine Sorgen.“
„Pff. Als würde ich mir Sorgen machen!“ Ihr schräger Blick verriet mir jedoch, dass ich ins Schwarze getroffen hatte. Die meisten würden es nicht glauben, aber Izzy neigte tatsächlich dazu, sich Sorgen zu machen. Besonders wenn es um andere Sims ging. Es stand im krassen Gegensatz zu ihrer quirligen und scheinbar extrovertierten Art, mit der sie offen auf andere zu ging. Dass sie erst mit vierzehn Jahren zu einem richtigen Sim geworden war, sorgte für Unsicherheiten bei ihr. Sie versuchte es stets zu überspielen und in der Regel gelang es ihr ausgezeichnet. Ihre natürliche Neugier – ein Charakterzug, den wir teilten – und der Wunsch alles auszuprobieren, ermöglichten ihr, die meisten Situationen gut zu meistern. Außerdem war sie immer zu Schabernack aufgelegt. Niemand würde bei der schelmischen, stets gut gelaunten und offensiv flirtenden Izzy glauben, dass sie eigentlich ein brütender, unsicher Sim war. Niemand außer mir wusste, wie sie wirklich war. Doch auf der anderen Seite wusste auch niemand außer Izzy, wie ich wirklich war. Wir neigten beide dazu Rollen zu spielen.



Wir grinsten uns aufmunternd an und betraten das Wohnheim. Eine Studentin mit einem Klemmbrett begrüßte uns. Sie suchte unsere Namen auf der Liste, hakte uns ab und sagte dann: „David, dein Zimmergenosse ist Anoki Moon.“ Sie wies mit einem Stift in der Hand auf einen dunkelhaarigen jungen Mann, der ein paar Meter von uns entfernt stand und wie wild auf seinem Smartphone tippte. „Isobel, du bist meine neue Zimmergenossin. Ich bin Lauri.“ Die beiden Mädchen musterten sich kurz und ich konnte die Spannung beinahe greifen. Izzy kam nicht besonders gut anderen Mädchen aus. Sicher, sie liebte Kitty und Liri wie Schwestern und auch mit Katrina und Kara kam sie aus, aber sonst … Ich unterdrückte ein Seufzen und ging auf Anoki zu um mich vorzustellen. Ich hörte noch wie Izzy – mit beginnender Abneigung in der Stimme – Lauri bat, sie Izzy zu nennen. Urgs, hoffentlich würden die beiden nicht das ganze Semester wie zwei verfeindete Katzen miteinander umgehen. Leider schwante mir Böses – ich kannte meine beste Freundin zu gut.
„Hi, ich bin David. Dein neuer Zimmernachbar.“, stellte ich mich Anoki vor. Er warf einen letzten Blick auf sein Handy und streckte mir dann die Hand entgegen. Sein Händedruck war fest. Ich kannte das von Len. Ohne die Miene zu verziehen erwiderte ich den Druck und lächelte ihn freundlich an. Offenbar hatte ich einen Test bestanden – Anoki begann zu grinsen.
„Freut mich. Anoki Moon.“ Er musterte mich kurz. „Puh, ich hatte schon Angst, dass ich so einen Nerd oder so was bekomme."



Mein Lächeln wurde nicht schwächer, aber innerlich zog ich eine Grimasse. Er hatte ja keine Ahnung...
Anoki begann mit mir zu plaudern. Er war auch ein Erstsemester und studierte Sport. Das überraschte mich nicht wirklich. Er war Footballspieler und hatte ein Stipendium bekommen. Izzy und ich hatten beide nach der Schule ein halbes Jahr gejobbt. Zusammen mit den Geldanlagen meiner Eltern und Großmutter, konnten hatten wir ein ordentliches Polster, dass uns ein komfortables Studium ermöglichen sollte. Aus Kostengründen hatten wir uns erst einmal trotzdem für das Wohnheim entschieden.
„Ich studier' Biologie.“, beteiligte ich mich schließlich an dem Gespräch. In Anokis Augen konnte ich den Nerd-Alarm losgehen sehen. Ich ignorierte es und warf einen Blick zu Izzy. Ihr Gespräch mit Lauri schien ähnlich schleppend zu verlaufen. Sie bemerkte, dass ich rüber sah, sagte noch etwas zu Lauri und schlenderte zu uns.



„Deine Freundin?“, fragte Anoki flüsternd. Ich wendete mich ihm zu und sah wie er Izzys weibliche Attribute musterte.
„Nein. Wir sind beste Freunde, aber nicht zusammen.“, erklärte ich. Im Gegensatz zu Kitty und Ian hatten wir keine romantische Gefühle für einander.
Der Gedanke an meinen älteren Bruder und seine Freundin löste einen kurzen Anfall von Heimweh in mir aus. Ian und Kitty waren vor ein paar Monaten zuhause ausgezogen und hatten sich ein kleines Häuschen näher am Stadtkern von Riverview gemietet. Beide arbeiteten als Studiomusiker.
„Anoki, das ist Izzy. Izzy, Anoki – wir teilen uns das Zimmer.“
Izzy klimperte mit dem Wimpern und strahlte ihn an. „Hi Anoki.“
Jepp, das war Izzy nach außen hin. Kokett. Ich drehte mich kurz zur Seite und warf einen Blick auf mein Smartphone, damit die beiden mein Grinsen nicht sahen.



Wir lebten uns schnell ein. Bald aßen Izzy, Anoki und ich jeden Tag gemeinsam. Izzy hatte sich für Philosophie entschieden. Lange war sie nicht sicher gewesen, ob sie überhaupt studieren sollte. Wir hatten beide einen überdurchschnittlich hohen IQ und hatten nie viel Zeit für Schulaufgaben aufwenden müssen. Neues zu lernen fiel uns leicht und wir hatten sogar Spaß daran. Aber im Gegensatz zu mir hatte Izzy nie ein Lieblingsfach oder ein Feld, dass sie besonders interessierte (mit Ausnahme des anderen Geschlechts vielleicht). Da sie aber neigte über das Leben im Allgemeinen und ihr Dasein im Besonderen ziemlich viel nachzudenken, hatte sie sich schließlich für Philosophie entschieden. Denn mich alleine gehen zu lassen, kam gar nicht in Frage. Wer würde dann auf mich aufpassen? Zwar hatten die Beobachter sich nach ihrem ersten stümperhaften Versuch sich einzumischen, nichts mehr von sich hören lassen, aber Izzy nahm ihre Aufgabe mich zu beschützen und zu unterstützen sehr ernst. Ich war außerdem ziemlich sicher, dass sie sich sonst alleine gefühlt hätte.



Izzy und Anoki flirteten während der ersten Wochen und Monate ziemlich heftig miteinander. Izzys Zimmergenossin Lauri rollte jedes Mal mit den Augen und machte abfällige Bemerkungen. Für sie war die Uni ein Ort des Lernens – Platz für so kindische Interaktionen, Partys und Flirts gab es nicht. Es war kein Wunder, dass sie und Izzy nicht besonders gut miteinander auskamen. Lauri war sehr ehrgeizig und arbeitete den ganzen Tag, während Izzy ihr Studium einfach laufen ließ (und trotzdem gute Noten bekam). Nach außen hin ahnte keiner, dass es ihr wirklich Spaß machte und ihr Philosophie wirklich etwas bedeutete.
Mir bereitete das Studium große Freude. Ich war mit Moms blühendem Garten aufgewachsen, mit Dad fischen gegangen und hatte den Großteil meiner Kindheit an der frischen Luft verbracht. Ich liebte die Natur und es erschien mir nur natürlich ein Fach zu wählen, in dem ich die Bausteine unserer Umwelt erforschen konnte. Kurz hatte ich darüber nachgedacht eher Informatik oder Linguistik zu wählen, weil ich mit der Übersetzung der Aufzeichnungen meiner Eltern noch nicht wirklich voran gekommen war, aber nach langen Gesprächen mit meinen Eltern und Izzy hatte ich mich dagegen entschieden: Ich durfte mir von den Beobachtern nicht mein Leben diktieren lassen. Auch wenn es mich fast wahnsinnig machte, nicht zu wissen, was in den Aufzeichnungen stand.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am So Apr 10, 2016 11:03 pm

Kapitel 2

Einige Wochen später wurde mein Schlaf unsanft von streitenden Stimmen unterbrochen. Lauri stand in Anokis und meinem Zimmer. Er und die steife Studentin hatten eine flüsternde Auseinandersetzung. Mein Hirn war noch nicht auf voller Leistungsbereitschaft – ist es morgens nie, erst Recht nicht nach einer langen, alkoholschwangeren Nacht – und so verstand ich nicht, worum es geht. Als jedoch mein Name fiel, wurde ich aufmerksam. Ich setzte sich abrupt auf. Sofort schwiegen die beiden und warfen mir einen seltsamen Blick zu.



„Worum geht’s?“
Die beiden schwiegen weiter und sahen mich ausdruckslos an. Ein seltsames Gefühl kroch meine Wirbelsäule hoch.
„Nichts.“, sagte Lauri schließlich, drehte sich auf der Stelle um und ging. Anoki starrte mich weiter an, dann schüttelte er sich plötzlich und setzte ein freundliches Gesicht auf. „Sorry, Mann. Lauri und ich … äh … sie ist unglücklich mit Izzy als Mitbewohnerin.“
Ich zog die Augenbraue hoch.
Anoki schlenderte zu seinem Schrank und wühlte in einer seiner Schubladen. Er fuhr nicht fort, deswegen hakte ich nach: „Und deswegen müsst ihr mitten in der Nacht in unserem Zimmer darüber streiten.“



„Äh … ja hehe … dumm ich weiß.“ Jede einzelne Silbe, die aus seinem Mund kam, erschien mir gelogen. Das seltsame Gefühl in meinem Rücken verstärkte sich immens. Irgendetwas stank zum Himmel.
Anoki zog schließlich frische Unterwäsche aus dem Schrank, nahm seinen Kulturbeutel und ging zur Tür. Ich warf einen raschen Blick auf die Uhr. „Es ist vier Uhr morgens.“, stellte ich fest.
Anoki zuckte zusammen. „Echt? Ja also … ich will noch etwas lernen vor meinem ersten Kurs. Die Prüfungen fangen ja bald an.“ Er beeilte sich aus dem Zimmer zu gelangen.
Langsam ließ ich mich wieder auf die Matratze gleiten und starrte auf die geschlossene Tür. Was ging hier vor? Ich tastete nach der Wasserflasche neben meinem Bett und nahm einen großen Schluck. Dann zückte ich mein Smartphone und schrieb eine Nachricht an Izzy.
Bist du wach?

Sie antwortete nur Sekunden später.
Ja. Lauri kam gerade laut hereingestürmt. Blöde Kuh.

Ist sie noch da?
Ja. Wirft sich auf dem Bett herum und guckt mich böse an. Wer hat hier wen geweckt?
Lass uns frühstücken gehen.
Es ist kurz nach vier!
Der Coffee Shop macht um halb sechs auf. Wenn wir uns jetzt fertig machen, können wir gemütlich hinlaufen und die ersten sein.
Und uns vorher eine halbe Stunde die Beine in den Bauch stehen.
Ich tippte noch eine Antwort, als sie erneut schrieb:
Kk. Ich steh auf. BG.
Lächelnd löschte ich meine angefangene Antwort und stand auf.

„Ich sagte doch, wir stehen uns erst noch die Beine in den Bauch. Und wir waren nicht mal die ersten.“ Izzy stellte ihr Tablett auf einen der Tische und fläzte sich auf den Stuhl.
Ich verdrehte die Augen und nahm vorsichtig einen Schluck des heißen Kaffees zu mir. Schon zu Schulzeiten hatte ich einen Geschmack dafür entwickelt, doch es kam mir so vor, als würde ich in der Uni von dem Zeug LEBEN! Izzy hielt es eher mit Energydrinks. Sie trank davon so viel, dass ich mir Sorgen um ihren Kreislauf und ihre Magenschleimhaut machte. Ihr schien es jedoch nichts auszumachen und sie schlief nachts ohne Probleme. Was mich zu dem abrupten Ende meiner Nacht zurückführte.



„Also, was denkst du?“, fragte ich. Auf dem Weg zur Cafeteria hatte ich Izzy von Anokis und Lauris Streit in meinem Zimmer erzählt. Bisher hatte Izzy nur zugehört. Sie war wesentlich mehr ein Morgenmensch als ich, aber jeder hatte seine Grenzen. Vier Uhr morgens war Izzys.
Izzy zupfte ihren Muffin auseinander und schob die Brocken über ihren Teller. Schließlich klaubte sie ein besonders kleines Stück mit spitzen Fingern auf und schob es sich in den Mund. Für Izzy war Essen immer eine sehr ernste Angelegenheit. Sie erklärte, es lag an ihrem früheren Leben als Puppe, in dem sie darauf verzichten musste. Nachdem sie kurz nach dem sie real geworden war, ziemlich viel Essen in sich rein gestopft hatte (meine Mom kochte aber auch ziemlich gut – im Gegensatz zu Grandma, weswegen sie und die Kids eigentlich immer bei uns gegessen hatten) und daraufhin zugenommen hatte, war sie allerdings vorsichtiger geworden. Inzwischen lebte sie nach dem Motto: Besser weniger, aber dafür besonders gut. Die Blaubeer-Muffins in der Cafeteria waren besonders gut und sie verzichtete beim Frühstück sogar auf ihren Energydrink und trank schwarzen ungesüßten Tee. Bah. Tee war nichts für mich, ich hielt es mit Kaffee – mit viel Zucker und vollfetter Milch. Mom sagte, dass hätte ich von ihrer Oma.



Izzy leerte ihren Mund, nippte am Tee und meinte schließlich: „Vielleicht denkt sie, weil Anoki und ich miteinander flirten, hätte er Einfluss auf mich.“
„Ja, sicher. Nachts um vier. Anoki hasst frühes Aufstehen. Und wäre sie nicht eher zu mir gekommen, damit ich auf dich einwirke?“
„Eifersüchtig?“ Izzy grinste und klaubte ein weiteres Bröckchen Muffin auf.
„Pff. In deinen Träumen.“ Ich begann mich über mein Rührei herzumachen. Man konnte über die Uni im Allgemeinen und die örtlichen Lokale im Besonderen sagen was man wollte – hier gab es wenigstens ordentliches Frühstück. Wenn wir im Wohnheim frühstückten lief es meistens auf Müsli oder Brote mit Marmelade hinaus.
Izzy kicherte. „Es war auch mehr ein lahmer Erklärungsversuch.“ Sie seufzte, sah sich verstohlen um und flüsterte mir dann zu: „Meinst du sie könnten was mit den Beobachtern zu tun haben?“



Wir steckten vertraulich die Köpfe zusammen und ich erwiderte in eben so leisem Tonfall: „Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Vielleicht sind sie beauftragt einen Hebel zu finden.“
Izzy nickte ernsthaft, doch ich schüttelte über meine eigene Vermutung den Kopf. „Vielleicht bin ich aber auch nur furchtbar paranoid.“
„Vielleicht.“ Sie sah traurig auf ihr letztes Stück Muffin. Bevor sie sich darüber hermachte, fuhr sie jedoch fort: „Vielleicht hast du aber auch recht. Du hattest ein ungutes Gefühl, und deine Mom sagt immer, man soll auf sein Bauchgefühl hören.“ Sie schob sich den letzten Rest Muffin in den Mund. „Dein Dad übrigensch auch.“
„Die beiden sagen auch, man soll nicht mit vollem Mund kauen, und du tust es trotzdem.“



Sie schluckte, machte ein säuerliches Gesicht und streckte mir die Zunge raus. „Pff. Sind deine Eltern nicht meine.“
Ich sparte mir den Kommentar, dass Izzy meine Eltern, besonders meine Mom, heiß und innig liebte und die beiden das nächste waren, was sie und die anderen an Eltern hatten. Man musste ja nicht noch Salz in die Wunde reiben.
„Hast du mal mit Akki geschrieben?“ Izzy wechselte das Thema. Sie sah sehnsüchtig zur Auslage der Cafeteria, in der der Vorrat an Blaubeer-Muffins recht schnell kleiner wurde. Ihr Blick fiel auf ihren Tee und zog eine Grimasse.
„Ich habe darüber nachgedacht. Aber ich will auch nicht jedes Mal zu ihr gerannt bekommen, wenn ich nur ein ungutes Gefühl habe.“
Izzy nickte verstehend. „Ich weiß was du meinst. Davon abgesehen ist sie MERKWÜRDIG.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Vielleicht. Aber ich irgendwie mag ich sie.“
Izzy grinste verschmitzt und musterte mein Gesicht. „Aaaw, wie süß, du bist verknallt.“



„Izzyyyyy.“ Ich verdrehte die Augen. „Nicht jede Interaktion und jedes Mögen zwischen Männlein und Weiblein heißt gleich, dass man verknallt ist.“
Izzy kicherte wie wild. Ich machte ein säuerliches Gesicht. „Ich mein, schau uns an!“ Was nur dazu führte, dass sie mehr kichern und lachen musste. Ein paar andere frühe Gäste sahen irritiert zu uns herüber.
„Du bist wirklich morgens noch nicht auf der Höhe.“, brachte Izzy schließlich japsend hervor. „Ich zieh dich nur auf.“
Das hellte meine Miene nicht wirklich auf. Vielleicht weil Izzy ein kleines bisschen Recht hatte – zumindest als Teenager hatte ich ein bisschen für Akki geschwärmt (einfach weil sie so anders war). Inzwischen hatte sich diese kindische Schwärmerei längst gelegt, aber ich schämte mich trotzdem, jedes Mal zu ihr gerannt zu kommen, wenn ich dachte es wäre was im Busch.
„Jetzt mach' nicht so ein Gesicht.“ Sie stand auf. „Pass auf ich, kauf dir als Entschuldigung einen Muffin.“ Sie war so schnell an der Theke, dass ich nicht mehr protestieren konnte.
Grinsend stellte Izzy einen Blaubeer-Muffin vor mich. „Tadaaa – sorry!“



„Izzy, du weißt ganz genau, dass ich Blaubeeren nicht mag.“
Noch breiter grinsend klaute sie den Muffin von meinem Tablett. „Schade, dann muss wohl leider ich ihn vernichten.“ Sie sah gespielt bedauernd auf den Muffin nieder. Dann tauschte sie unsere Tabletts und ich fand plötzlich eine Portion Bacon vor mir, den sie wohl gemeinsam mit dem Muffin gekauft hatte. Ich sah sie lächelnd an. Izzy warf mir ein Luftküsschen zu.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Di Apr 12, 2016 8:37 pm

Kapitel 3

Gegen Ende des Semesters hatte ich noch immer keine Ahnung, was Anoki und Lauri umtrieb. Ich vermied den Kontakt mit ihnen, aber sie tauchten einfach immer wieder in meiner Nähe auf. Lauri ließ sich sogar dazu herab sich mit Izzy zu beschäftigen, die sie aber ziemlich auflaufen ließ. Sie stellte auch ihre Flirts mit Anoki ein und zeigte ihm die kalte Schulter. Ich hätte erwartet, dass Anoki sich bei mir darüber beschwerte, aber er ging gar nicht darauf ein. Stattdessen versuchte er mehr und mehr mich auszufragen – wie auch Lauri. Ich blockte sie ab und sprach fast nur noch über die Uni. Izzy und ich verlegten uns darauf meistens in der Cafeteria zu essen und in der Bibliothek zu lernen, um den beiden aus dem Weg zu gehen. Als endlich die Prüfungen und damit die Semesterferien vor der Tür standen, war uns klar, dass wir im kommenden Semester auf gar keinen Fall ins Wohnheim zurück wollten.



Die Prüfungen liefen wie erwartet hervorragend ab (über alles andere wäre ich auch ziemlich erstaunt gewesen). Kurz darauf packten wir unsere Sachen und verließen auf Nimmerwiedersehen das Wohnheim. Wir hatten bereits ein Häuschen für das nächste Semester gemietet. Allerdings würden wir noch einen Mitbewohner aufnehmen müssen, da es drei Schlafzimmer hatte und wir uns die Miete sonst nicht auf Dauer würden leisten können. Den möglichen Mitbewohner würden wir allerdings auf Herz und Nieren prüfen!



Meine Eltern und Grandma waren mehr als glücklich uns den Sommer über für sich zu haben. Bis auf Kara waren alle anderen ausgezogen. Nach Ian und Kitty waren auch Derek und Liri zusammen gezogen, allerdings unter strikt platonischen Bedingungen. Derek verstand überhaupt nicht, warum man sich an einen anderen Sim binden sollte und hatte ihm allgemeinen nicht viel für Beziehungen und Techtelmechtel übrig. Liri hingegen hatte ein stabile Fernbeziehung mit einer ihrer ehemaligen Mitschülerinnen, die allerdings im Ausland studierte. Derek und Liri arbeiteten gemeinsam für eine Werbefirma; Derek als Graphiker, Liri als Texterin.



Katrina besuchte die Schauspielschule in Bridgeport. Dad war ziemlich unglücklich darüber, auch wenn er nicht sagte, warum. Wesentlich unglücklicher waren wir alle, als die Sache mit Charlie im Frühjahr passiert war. Von allen IFs war Charlie der merkwürdigste. Ich fand ihn einfach unangenehm. Izzy, Liri und Kitty hatten sich ihm zu Beginn noch verbunden gefühlt, doch inzwischen ignorierten sie ihn. Charlie war besitzergreifend und konnte nicht verstehen, dass Katrina nicht das geringste bisschen an ihm interessiert war. Er war ihr – ohne ihr oder unser Wissen – nach Bridgeport gefolgt und hatte sie dort gestalkt. Als sie es wagte (in seinen Augen), sich mit einem anderen Mann zu treffen, hatte er die beiden auf dem Heimweg überfallen. Zum Glück war Katrina nichts passiert, und sie hatte endlich den Mut Charlie anzuzeigen. Nun saß er für achtzehn Monate (eine lächerliche Zeit) im Gefängnis und durfte sich anschließend weder Katrina noch ihrer Begleitung (mehr hatte sich nicht daraus entwickelt) auf zweihundert Meter nähern.



Als Katrina für zwei Wochen im Sommer auch heim kam, versuchte Dad sie möglichst subtil davon abzuhalten, wieder nach Bridgeport zu gehen. Eigentlich waren meine Eltern der strikten Auffassung uns Kindern ihren Willen zu lassen, aber das bedeute nicht, dass sie uns gelegentlich zu manipulieren versuchten. Es funktionierte mal besser mal schlechter (Ich kann von mir behaupten, mich nach Damian am wenigsten manipulieren zu lassen, während Kara das häufigste Opfer war – Ian war einfach zu vergesslich, als dass man ernsthaft Einfluss auf ihn nehmen könnte). Bei Katrina biss Dad dieses Mal auf Stein. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann wich sie selten von ihrem Weg ab. Nach langen Gesprächen erklärte Katrina als Eingeständnis an Dads Sorge sich immerhin bereit ihr Selbstverteidigungstraining (Dad hatte darauf bestanden, dass wir alle entweder einen Selbstverteidigungskurs belegten oder eine Kampfsportart erlernten) wieder aufzunehmen, immer eine schrille Rape-Whistle und ein Pfefferspray mit sich zu führen. Ich war außerdem ziemlich sicher, dass Dad dafür sorgen würde, dass Charlie nach seiner Entlassung von einem Privatdetektiv überwacht werden würde. Oder er würde ihn aufsuchen und einschüchtern.  



„Meinst du, Kat bereut es Charlie den Trank gegeben zu haben?“
Izzys plötzliche, sehr leise gestellte Frage, riss mich aus meinen Tagträumen und ich ließ beinahe meine Angelrute fallen. Schnell fasste ich nach und nutzte den Moment um mich zu sammeln.
„Das weiß ich nicht.“, antwortete ich schließlich unbestimmt.
Izzy musterte mich aus dem Augenwinkel. Sie saugte an ihrer Unterlippe – ein sicheres Zeichen dafür, dass sie sich unwohl fühlte. „Ohne den Trank wären wir immer noch Puppen.“
Ich nickte langsam und bedeutete ihr mit einer Kinnbewegung fortzufahren.
„Das ist ein komischer Sein-Zustand. Leben und Nicht-Leben zusammen. Und man fragt sich, ist es simlisches Leben?“ Sie zuppelte an ihrer Angelschnur. „Je nachdem, welcher philosophischen Schule man folgt, ist Sim-Sein ziemlich unterschiedlich.“
„Für mich bist du so sehr Sim wie ich.“



Izzy ließ ihre Angel fallen und fiel mir um den Arm. Ich wusste um ihre Ängste, aber ich hatte unterschätzt, wie sehr sie es im Moment beschäftigte. Vielleicht war das Philosophie-Studium doch nicht das Richtige für sie? Würde sie nicht noch mehr ins Grübeln und Brüten kommen?
Das Angeln konnten wir ohnehin vergessen und so ließ auch ich meine Angel zu Boden gleiten. Ich drückte Izzy an mich und streichelte ihr beruhigend den Rücken.
„Danke.“, seufzte sie schließlich. Sie strich sich verlegen über die Augen und versuchte sich an einem Grinsen. „Das habe ich gebraucht.“
Ich nickte ihr zu. „Für dich immer.“ Ich begann die Angelutensilien einzusammeln. „Wegen Charlie – da musst du Katrina schon selbst fragen.“



Izzy ging mir zu Hand. „Würdest du sie DAS fragen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Ganz sicher nicht. Und es ist hinfällig sich darüber Gedanken zu machen – es ist nicht reversibel.“
„Pff, warum mach ich mir auch dich Mühe ausgerechnet dich das zu fragen.“ Sie verschloss den Rucksack und setzte sich auf den Boden. Ich nahm neben ihr Platz, so dass wir uns Rücken an Rücken lehnen konnten.
„Vergossene Milch.“, sagte ich.
„Fragst du dich manchmal nicht, was wäre wenn?“



Für einem Moment sinnierte ich über ihre Frage nach. Was wäre wenn ich den Trank nicht entdeckt hätte? Wenn es keine Beobachter gab? … Dann schüttelte ich den Kopf, so dass Izzy sich beschwerte, da ihr Kopf an meinem lehnte. „Ich finde es eine ziemlich Zeitverschwendung. Man kann die Vergangenheit so oder so nicht ändern.“
Izzy schwieg einen Moment. Einträchtig sahen wir auf das Wasser des Fischteichs.
„Also lieber die vergossene Milch aufwischen.“, schloss sie schließlich.
„Bevor sie anfängt zu stinken.“ Und das war es schließlich oder? Vogel friss' oder stirb'. Beobachter hin oder her...
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Di Apr 19, 2016 11:09 am

Kapitel 4

Izzy und ich fuhren ein paar Tage vor Beginn des neuen Semester zurück, damit wir ausreichend Zeit hatten uns einzurichten. Das Haus war zwar möbliert, aber wir brachten neue Matratzen, Geschirr, Bettwäsche und einige persönliche Dinge mit. Um einen Mitbewohner hatten wir uns noch nicht gekümmert, doch während wir einräumten verkündete Izzy mir, dass sie einen aussichtsreichen Mitbewohner hatte, der am nächsten Tag vorbei kommen wollte. Ich versuchte sie zu manipulieren, ich bettelte und bedrohte sie, aber Izzy wollte nicht verraten, wen sie ausgesucht hatte. Hatte ich bereits erwähnt, dass ich unglaublich neugierig bin und Geheimnisse nicht mag? Ich schwöre, dass Izzy es genoss mich leiden zu lassen...
Zum Glück kam der nächste Tag recht bald und ich hatte sogar schlafen können – auch wenn ich mich erst an mein neues Zimmer gewöhnen musste. Zuhause schlief ich immer im unteren Bett des Hochbetts (sich mit drei Brüder über die Bettenverteilung streiten zu müssen ist übrigens entnervend), so dass es ungewohnt war oben zu schlafen. Natürlich stieß ich morgens heftig den Kopf...
„Naaa? Aufgeregt?“



Ich saß bereits auf der Couch und hatte den Fernseher eingeschaltet, als Izzy sich dazu herabließ zu mir zu stoßen. Sie grinste und setzte sich auf den Boden vor die Couch. Ich versuchte sie zu ignorieren, aber sie starrte mich auf ihre unnachahmliche koboldhafte Art an und grinste immer breiter. Als es endlich klopte, gab ich ihr nicht die Befriedigung aufzuspringen und zur Tür zu rennen (auch wenn ich fast platzte). Izzy grinste mich noch einmal an und rief dann: „Es ist offen!“
Die Tür ging auf und eine mir wohl bekannte Person stand plötzlich im Raum. Obwohl sie eine riesige, dunkle Sonnenbrille trug, erkannte ich Akki sofort. Überrascht sah ich zwischen den Mädchen hin und her. Ich hatte nicht einmal gewusst, dass sie in Kontakt zu einander standen.



„Oh wow, er ist sprachlos!“, kicherte Izzy, nachdem sie Akki mit einer Umarmung begrüßt hatte. Akki nahm ihre Sonnenbrille ab. Das merkwürdige Leuchten in ihren Augen hatte nicht nachgelassen.
Meine Kinderstube schloss zu meiner Überraschung auf und ich begrüßte Akki. Sie grinste fast so breit wie Izzy als wir uns auf den Sofas niederließen.
„Gelungene Überraschung?“, fragte Izzy und stieß mich in die Seite.
„Du … ihr habt mich wirklich eiskalt überrascht.“ Ich schenkte ihr ein Lächeln. Sie meinte es ja nicht bösartig...glaube ich. Ich wandte mich an Akki: „Was führt dich ausgerechnet an diese Uni? Ich dachte du lebst in dieser Einsiedelei?“
Akki verzog ihr Gesicht. „Moonlight Falls ist keine Einsiedelei.“
„Ach so? Ich bekam das Gefühl, weil du nie zu Besuch kommen kannst und wir dich auch nie besuchen können.“
Die beiden Mädchen tauschten einen Blick, den ich nicht deuten konnte. Izzy schüttelte dann den Kopf, grinste dabei aber ihr Koboldgrinsen. Akki seufzte. „Moonlight Falls ist  … hm, exklusiv. Für Sims wie meine Familie und mich. Außenstehende werden dort nicht gern gesehen.“



„Ist es ein Sektenort?“, hakte ich nach. Meine Neugier war unlängst geweckt.
Sie beeilte sich den Kopf zu schütteln. „Um Simmers willen, nein! Nur... ähm...meine Augen.“ Sie deutete auf besagten Körperteil. „Die meisten Sims verstehen nicht, warum sie leuchten und es gibt viele Sims, die davor Angst haben oder so.“ Sie verstummte.
Ich sah ihre Augen interessiert an. „Warum leuchten sie so?“
Akki spielte mit ihrer Sonnenbrille, anscheinend in Gedanken vertieft. Ich gab ihr Zeit bis sie sich entschlossen hatte zu antworten. „Es ist … genetisch.“, erklärte sie schließlich. Ich spürte, dass es nicht die ganze Wahrheit war. Meine Eltern kannten die Wahrheit, dessen war ich mir sicher. Vielleicht wusste sogar Izzy mehr. Aber so neugierig ich war, es war Akkis Sache und sie wollte sichtlich nicht darüber sprechen. Also nickte ich nur.
„Deswegen werde ich außerhalb des Hauses auch immer die Sonnenbrille tragen. Hab sogar ein Attest vom Arzt, dass ich sie in den Kursen tragen darf.“ Sie zwang sich zu einem Lächeln. „Damit keine dumme Fragen kommen.“
„Wir werden uns geschlossen halten.“, mischte sich Izzy ins Gespräch ein. „Ist ja schließlich deine Sache, nicht wahr David?“
Ich warf ihr einen säuerlichen Seitenblick zu. Als würde ich mich nicht zu benehmen wüsste...



„Und um auf deine Frage zurück zu kommen: Moonlight Falls hat ein kleines College, aber für meinen Abschluss brauche ich einige Laborkurse, die dort nicht angeboten werden.“ Ihr Lächeln wurde etwas lebhafter. „Hier schon.“
„Akki studiert auch Bio. Vielleicht könnt ihr Laborpartner sein?“
Ich war etwas überrumpelt, aber musste schließlich lächeln. Auf meinem Stundenplan standen tatsächlich hauptsächlich Laborkurse. Akki und ich begannen uns auszutauschen und stellten fest, dass wir die selben Kurse hatten. Die Aussicht mit dem merkwürdigen Mädchen zusammen zu arbeiten, fand ich gar nicht so übel. Nach den Erlebnissen mit Anoki und Lauri war ich anderen Sims gegenüber misstrauischer geworden.
Lauri und Anoki waren dann auch das nächste Thema. Ich hatte Akki bisher noch nicht davon erzählt. Als sie nun davon hörte, verdunkelte sich ihr Blick.
„Ich teile eure Befürchtung – sie könnten von den Beobachtern geschickt worden sein. Vielleicht um einen wunden Punkt zu finden.“ Wenn Akki so grimmig guckte, war sie geradezu furchteinflößend. Ihre Augen leuchteten noch etwas intensiver und ihre Stimme klang etwas gutturaler. Ich war so damit beschäftigt sie mustern, dass ich fast nicht mit bekam, dass die Mädchen weiter sprachen.



„...rumschnüffeln. Dann kann ich es bestätigen.“
„Was?“, klinkte ich mich wieder ein. Zwei weibliche Augenpaare sahen mich irritiert an – Izzys violette Augen mit einem amüsierten Glitzern, Akkis leuchtend – Moment waren ihre Augen gelb? Zumindest sehr hell braun – Akkis leuchtende Augen fragend. Ich versuchte einen entschuldigenden Gesichtsausdruck aufzusetzen. Wenn Dad Mom so ansah, verzieh sie ihm alles...
„Pass doch auf!“, Izzy stieß mich erneut mit dem Ellbogen in die Seite. Sie hatte in den Ferien definitiv zu viel Zeit mit meiner Mutter verbracht...
Akki legte den Kopf schief und betrachtete uns irritiert, bevor sie mit den Schultern zuckte. „Wir sprachend arüber, dass ich den Studenten mal vorsichtig auf den Zahn fühlen werde. Wenn jemand mit den Beobachtern zutun hat, dann finde ich es heraus.“



„Wie?“ Es begann mich zu wurmen, dass ich mich auf sie verlassen sollte. Nicht weil ich sie nicht mochte, aber es kam mir irgendwie … unmännlich vor.
„Ich habe meine Mittel und Wege.“, erwiderte sie mysteriös. Sie lächelte mich warm an. „Keine Sorge – ich liefere nur die Informationen, den Kampf darfst du selbst führen.“ Daraufhin brachen beide Mädchen in Gelächter aus. Ich fühlte mich ziemlich verarscht. Und mir graute vor einem ganzen Semester mit zwei Hühnern im Haus.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mo Mai 23, 2016 7:35 pm

Kapitel 5

Mit zwei Mädchen in einem Haus zu wohnen, hatte aber definitiv seine Vorteile. Wir wurden zu JEDER Verbindungsparty eingeladen. Vermutlich nur Izzy und Akki, aber die Jungs aus der männlichen Verbindung nahmen billigend in Kauf, dass ich immer dabei war. Akki hatte die Jungs alle abgesegnet – sie hatten keine Verbindung zu den Beobachtern. Im Gegensatz zu Anoki und Lauri, die wir deswegen mieden wie die Pest. Es gab einige fiese Gerüchte an der Uni, dass die beiden Dreck am Stecken hatten (welchen unterschied sich, je nachdem mit wem man sprach). Fast verspürte ich etwas Mitleid, als die beiden mehr und mehr zu Pariahs wurden, aber ich war zu froh, sie nicht mehr am Hals zu haben, als dass ich dieses Gefühl ausgelebt hätte.



Akki war eine tolle Laborpartnerin. Sie war ziemlich clever und in ihren Studien weiter fortgeschritten als ich. Ich lernte viel von ihr und unsere Ergebnisse brachten und eine Menge Punkte und das Lob der Dozenten ein. Das College in Moonlight Falls musste ziemlich gut sein – oder Akki eine sehr fleißige und intelligente Studenten … nun, das war sie wirklich. Es wunderte mich wirklich, dass wir drei – trotz des Lernens – so oft dazu kamen die Partys der Bruderschaft zu besuchen.



Ich hatte mich mit Miles angefreundet, dem Ältesten in der Verbindung. Die anderen Jungs kamen mir meistens ziemlich unreif vor. Außerdem sabberten sie in einer Tour Izzy nach (nachdem Akki ihnen mehr als deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass sie definitiv nicht interessiert war). Izzy genoss die Aufmerksamkeit der jungen Männer und ich ließ ihr den Spaß. Sie schien mir in diesem Semester nicht ganz so brütend und melancholisch, was mir große Freude bereitete.



Akki und Izzy waren beste Freundinnen. Zwar hingen wir oft zu dritt zusammen, aber die beiden Mädchen unternahmen noch häufiger etwas zusammen. Ich war nicht eifersüchtig, da ich annahm, dass es Dinge gab, die meine beste Freundin vielleicht eher mit einem anderen Mädchen besprechen konnte. Ich hatte selbst festgestellt wie angenehm es war mit Miles zu quatschen – auch wenn wir häufig genug nur rum alberten oder sprichwörtlich ins Lagerfeuer starrten und uns angrunzten. Akkis und Izzys Freundschaft entließ mich außerdem aus der Verpflichtung mit Izzy in die Studentendisko zu gehen – etwas um das ich ihm ersten Semester glücklicherweise herumgekommen war. Ich hatte nichts gegen Partys, aber Clubs und Diskos waren mir dann doch eine Nummer zu groß. Ich ließ die Mädels mit Freuden (und Rape-Whistle und Pfefferspray – ich bin schließlich Dads Sohn) ziehen. Nach dem ersten Mal kamen sie angeheitert zurück.



Akki rollte sich wie ein Hund auf dem Teppich vor der Couch zusammen und jammerte über ihre schmerzenden Füße. Izzy ließ sich kichernd aufs Sofa fallen und streichelte ihr beruhigend die Schulter, während sie einen Lachanfall nach dem anderen bekam. Ich war bereits umgezogen und hatte noch an einem Essay gearbeitet, als sie heimkamen. Nach zehn Minuten war noch keine Besserung eingetreten – Akki wimmerte, Izzy lachte – so dass ich beiden einen Kaffee verpasste, ihnen anschließend die Treppe hoch half und mehr als glücklich war, als ich endlich in meinem Bett lag und von beiden nichts mehr hörte.
Am nächsten Morgen hatte Izzy einen ziemlichen Kater. Akki humpelte mit säuerlichem Blick durchs Haus und sie schworen NIE WIEDER in die Disko zu gehen. Unnötig zu sagen, dass sich das Spiel ein paar Wochen später wiederholte.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Di Jul 19, 2016 4:41 pm

Kapitel 6

Das Semester mit Akki gehört zu meinen schönsten Erinnerungen an der Uni. Wir drei – Akki, Izzy und ich – lebten in unserer eigenen kleinen Welt. Wir konnten langsam erwachsen werden, uns ausprobieren und und an den Herausforderungen reifen. Natürlich war das alles noch in einem geschützten Raum. Was konnte uns denn schlimmeres als eine schlechte Note, im schlimmsten Fall ein nicht bestandener Kurs oder ein bisschen Liebeskummer passieren? Wir gingen unbeschwert an das Studium heran, besuchten Partys oder gingen mit dem anderen Geschlecht aus (außer Akki).



Alles ohne großen Ernst. Zwar war Akkis Anwesenheit eine beständige Mahnung, dass es die Beobachter gab, aber bis auf gelegentliche Hinweise von Akki, dass Anoki und Laurie weiterhin für sie arbeiteten, verschwendeten wir selten einen Gedanken an sie. Selbst Akki schien es zu genießen einfach ein junger Sim zu sein, der – frei von Eltern und den Konventionen daheim – sich ausprobieren konnte. Wie oft sagte sie: „Das wollte ich schon immer mal ausprobieren!“? Wir alberten rum, aßen ungesundes Fastfood, sprachen zu dritt oder zu zweit bis in die Puppen und schleppten uns unter dem Einfluss von Kaffee oder Energydrinks zu den Vorlesungen (oder auch nicht).



Wir sahen uns nächtelang Serien oder Filme an, die Mädels tanzten die Nacht durch, während ich allein oder mit Miles Computer spielte, tranken mit Miles und seinen Verbindungsbrüdern um die Wette und kurierten am nächsten Tag einen Kater aus. Kurz: Wir hatten die Zeit unseres Lebens. Wir drei waren außerdem die perfekte Wohngemeinschaft: Akki räumte auf und putzte, Izzy kochte leidenschaftlich gern und ich ging einkaufen, sorgte für die Einhaltung von Deadlines und hatte die Finanzen im Blick.



Als das Ende des Semesters immer näher rückte und wir uns etwas mehr auf die Uni konzentrieren mussten, legte sich über unser unbeschwertes, fröhliches Leben ein dunkler Schatten. Wir alle wussten, dass Akki nach diesem Semester zurück musste. Izzy und ich begannen sie schon jetzt zu vermissen...
„Warum muss es so enden?“ Akki fläzte sich unzufrieden in die Couch und schaltete den Fernseher aus.
Für einen Moment überlegte ich, ob sie die Serie, die wir eben zu Ende geguckt hatten oder unser Zusammenleben meinte. Izzy seufzte: „Ich versteh' die Produzenten auch nicht.“ Sie sah auf die Uhr. „Ich muss los, ich treff mich noch mit meiner Lerngruppe in der Bib.“ Sie suchte ihre Sachen zusammen und ließ Akki und mich auf der Couch zurück. Wir hatten unser Lernpensum für diesen Freitagabend schon erledigt.



„Willst du noch was sehen?“, fragte ich Akki und griff nach der Fernsehbedienung. Sie nickte und murmelte: „Ich muss es ausnutzen, dass ich hier Simflix hab. Das krieg' ich in Moonlight Falls nicht.“
Ich ließ Akki einen Film aussuchen und machte uns Popcorn. Wir sahen uns eine Dokumentation über Pop-Kultur, anschließend das Remake eines Zombiefilms. Akki schlief irgendwann an meiner Schulter ein. Ich legte den Arm um sie, sah den Zombiefilm zu ende und schaltete dann auf das Kamindauerbild. Während ich in die digitalen Flammen starrte, lauschte ich Akkis Atem. In wenigen Wochen würden wir getrennte Wege gehen...



Der Nachrichtenton unserer Smartphones weckte Akki. Izzy hatte in unserem Gruppenchat geschrieben, dass sie Miles aufgegabelt hatte und noch mit ihm bowlen ging.
„Willst du mit?“, fragte ich Akki, als diese sich streckte. Sie schüttelte den Kopf und sah verlegen zur Seite. Während sich Izzy gern an mich kuschelte oder sich massieren ließ, hatte Akki immer einen gewissen Mindestabstand gehalten. Ich klopfte ihr freundlich die Schulter und grinste.
„Weißt du...ich werde dich wirklich vermissen.“, sagte ich.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mo Jul 25, 2016 5:07 pm

Kapitel 7

Ein paar Semester später ...

„Sie platzt fast.“, murmelte Izzy vom Tisch und warf mir einen schrägen Blick zu. Ihre Mundwinkel zuckten verdächtig.
Ich verkniff mir ein Grinsen und versuchte es bei meiner Mutter mit einem treuherzigen Lächeln, das jedoch ziemlich bald zu einem Grinsen wurde.
„Gar nicht wahr.“, sagte Mom und drohte Izzy mit dem Zeigefinger. Dann grinste sie ebenfalls breit. „Ok, ich bin schon ein bisschen aufgeregt.“
„Die Untertreibung des Jahrhunderts!“, warf Kara ein. „So aufgeregt war sie seit meinem Ball nicht mehr.“
Mom machte ein entnervtes Geräusch und murmelte etwas von Kindern, die sie ins Grab brächten. Izzy, Kara und ich kicherten. Mom schlich zum Kühlschrank, öffnete ihn und inspizierte ausgiebig seinen Inhalt. Dann schloss die die Tür heftig und seufzte. „Du bist nun mal der erste, der nicht seine Freundin mit nach Hause bringt.“ Mit einem kurzen Blick zu Kara fügte sie hinzu: „Und du die Jüngste.“
Kara zog nur die Augenbraue hoch – ganz so wie Dad es zu tun pflegte. Im Gegensatz zu uns anderen sah sie Dad besonders ähnlich – auch wenn sie jeden Morgen beim Blick in den Spiegel dankbar war, dass ihre Nase kleiner als Dads war.



Bald würde ich losfahren müssen, um meine Freundin Emily und ihre Eltern vom Flughafen abzuholen. Emily und ich hatten uns vor einigen Semestern kennengelernt. Da Akki wieder zurück in Moonlight Falls war, kam ich nicht länger umhin ab und an mit Izzy um die Häuser zu ziehen. Dabei traf ich zufällig Emily. Wir verstanden uns auf Anhieb, wurden gute Freunde und schließlich mehr … Sie war schließlich zu Izzy und mir in die WG gezogen. Kurz darauf zog auch Miles ein, denn Izzy und er hatten – ich weiß nicht wie – ihre Gefühle für einander entdeckt. Es war schon ein bisschen kitschig, so eine Vierer-WG bestehend aus zwei Paaren, aber wir fühlten uns wohl, auch wenn Izzy und ich manchmal – ganz still und heimlich – unserer Zeit mit Akki nachtrauerten.



Mom hatte mir, seit sie das erste Mal von Emily gehört hatte, damit in den Ohren gelegen, dass ich sie unbedingt mit nach Hause bringen sollte. Irgendwann fing Emily auch damit an, dass wir die Eltern des anderen kennenlernen sollten und so wurde – ohne das ich viel Mitspracherecht gehabt hätte – schließlich ein Familientreffen vereinbart. Nachdem Emily mich vor vollendete Tatsachen gestellt hatte, klopft Izzy mit mitfühlend auf die Schulter und spielte dann von ihrem Smartphone den Hochzeitsmarsch ab. Ich hätte sie umbringen können! Das ging mir dann doch etwas zu schnell und zu weit, auch wenn ich das Gefühl nicht los wurde, dass Emily schon ganz genaue Vorstellungen hatte … Sie war zielstrebig.



„Alles ok?“ Moms geflüsterte (was man bei Mom so Flüstern nennen kann) Nachfrage, holte mich ins hier und jetzt zurück. Ich zeigte ihr den erhobenen Daumen. Sie musterte mich nachdenklich. Hinter ihr erhob sich Izzy vom Tisch. „Bis später!“ Sie war zum Frühstück gekommen und wollte jetzt mit Kara zu Ian und Kitty. Izzy hatte beschlossen, dass bei diesem ersten Treffen besser keine weiteren Geschwister, Kinder, Kegel, IFs und Katzen dabei sein sollten. Weswegen Poppy schon am morgen zu Grandma Liz ausquartiert worden war. Im Moment wünschte ich mir Poppy herbei – es war beruhigend sie zu kraulen.



„Du bist nervös.“, stellte Mom schließlich fest und lächelte mich aufmunternd an. Sie drückte mich rasch. „Alles ist gut, David.“
Ich brachte ein Lächeln zu Stande. „Wird schon.“ Tatsächlich machte ich mir etwas Sorgen. Emily kam aus einem sehr wohlhabenden Haushalt. Ihre Familie konnte auf eine lange Tradition erfolgreicher Banker zurückblicken. Ihre Mutter stammte aus einer adligen Familie aus Sim Britannien (auch wenn Izzy nach einer Internetrecherche behauptete, es wäre ein winziger, verarmter Nebenzweig). Emily selbst konnte ein ziemlicher Snob sein, besonders wenn sie mit ihren alten Schulfreundinnen (die ich allesamt grässlich fand – und sie mich ebenfalls) zusammen war. Aber sie hatte ein gutes Herz und ich mochte sie wirklich sehr.



„Wenn du dich noch umziehen willst, wird es langsam Zeit.“, erinnerte mich Mom schließlich. Sie hatte ihren musternden Blick nicht abgelegt. Eine Hand auf meine Schulter legend ermahnte sie mich: „Kopf hoch, David. Und hör immer auf das was dein Herz sagt.“



Ich hatte es befürchtet, doch die die Realität hatte ich mir nicht ausmalen können. Emilys Eltern waren schrecklich. Der simpanische Caravan meiner Mutter, mit dem ich sie vom Flughafen abholte, entsprach definitiv nicht ihren Ansprüchen an ein Auto. Sie sagten es zwar nicht direkt, aber ihre Mimik sprach Bände. Das ländliche Riverview und unser besonders ländlicher Hof, führte zu einigen sehr abfälligen Blicken. Alles in allem versuchten sie zwar freundliche Konversation zu machen, aber meine Mutter floh allzu bald in die Küche um das Essen vorzubereiten. Dad erstaunte mich nicht schlecht, dass er mit Emilys Vater parlieren konnte – auf einem Niveau, dass diesen überraschte. Mr. Carlton versuchte ihn aufs Glatteis zur führen, doch Dad dodgte jedes Fettnäpfechen souverän. Er war eigentlich der stillere von meinen Eltern, handelte eher als darüber zu sprechen, doch an diesem Tag erlebte ich ihn als mehr als eine Nummer zu groß für Emilys Vater. Ich war stolz auf ihn, auch wenn ich mich definitiv an einen anderen Ort wünschte. Emily schien es nicht anders zu gehen, ihr Unbehagen stand ihr ins Gesicht geschrieben. Ich fragte mich, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, unsere Eltern miteinander bekannt zu machen. Ich mochte Emily wirklich, aber solche Begegnungen wollte ich nicht allzu häufig erleben …




Gerade als ich dachte, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, kam das Thema – inzwischen wieder mit Mom – auf Hochzeiten. Ich wünschte, irgendwo täte sich ein Wurmloch auf, dass mich ganz weit weg teleportieren würde...
Und dann kam es wirklich doch noch schlimmer: Es klopfte an der Tür.
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mo Jul 25, 2016 6:37 pm

Kapitel 8

Bevor Mom oder Dad sich erheben konnten, war ich schon aufgesprungen. „Ich geh schon!“, verkündete ich und hoffte, meine Stimme verriet nicht die Erleichterung über die Unterbrechung. Hätte ich gewusst, was mich erwartet, wäre ich nicht so eifrig zur Tür gestürzt …



Kaum hatte ich die Tür einen Spalt geöffnet und einen Schopf heller Haare erblickt, entfuhr mir fast ein Stoßgebet. Ich zwängte mich durch den Spalt und schloss die Tür hinter mir. Dann öffnete ich den Mund, um etwas zu sagen, doch … Entschieden machte ich den Mund wieder zu, verdrängte die Situation im Wohnzimmer und konzentrierte mich auf den unerwarteten Besuch.

Akki hatte sich kaum verändert. Sie trug ihr volles Haar noch genauso wie vor einigen Jahren, die große Sonnenbrille versteckte ihre leuchtenden Augen. Was allerdings neu war, war das Kleinkind auf ihrem Arm. Das ziemlich blonde, ziemlich grünäugige Kleinkind.
„Hallo David.“, sagte Akki schließlich mit ihrer dunklen, vollen Stimme.



Ich schluckte trocken. „Akki.“ Ich warf einen Blick hinter mich, auf die geschlossene Tür. „Hast du Lust mit mir durchzubrennen? Jetzt sofort?!“
Akkis Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen. „Ich wusste, dass du eins und eins zusammen zählen kannst, wenn du Gabriel siehst.“
Gabriel …  Der kleine Junge sah mich aus wachen Augen neugierig an. Erneut schluckte ich und lächelte vorsichtig. Gabriel fing sofort an ebenfalls zu lächeln und ich konnte nicht leugnen, dass er mir ziemlich ähnlich sah.
„Es tut mir so leid, dass ich nichts gesagt habe und jetzt so plötzlich vor der Tür stehe.“, begann Akki. „Ich werde dir alles erklären.“
„Du hast mich wirklich auf dem kalten Fuß erwischt.“ DAS war die Untertreibung des Jahrhunderts, um Kara zu zitieren. Ich schüttelte leicht den Kopf um meine Gedanken, die wie wild durcheinander flogen, zu ordnen. An dem letzten Abend, an dem Akki und ich allein TV geguckt hatten und Izzy unterwegs gewesen war, an diesem Abend war zwischen Akki und mir mehr passiert, als wir uns beide am nächsten Morgen oder den Jahren danach  hatten eingestehen wollen. Wir hatten nie darüber gesprochen. Und Akki hatte definitiv nicht von Gabriel gesprochen. Sie hatte ihn mit keinem Wort erwähnt. Unter meine absolute Überraschung mischte sich leichter Ärger.



Ich löste meinen Blick von Gabriel und sah Akki fest an. „Auf die Erklärung bin ich gespannt.“
Akki nickte. Ich wünschte, sie hätte ihre Sonnenbrille nicht getragen, denn dann hätte ich besser ihre Augen sehen und lesen können. Irritiert hielt ich inne und sah Gabriel in die Augen – seine Augen leuchteten nicht, sondern waren so wie meine. Akki bemerkte meinen Blick und ich sah, wie ihre Züge traurig wurden. Sie holte Luft um etwas zu sagen, als die Tür aufging …
„David, findest du es nicht etwas unhöflich …“, setzte Emily an zu sagen.



Als sie Akki und Gabriel sah, verstummte sie genauso plötzlich, wie sie aufgetaucht war. „Wer ist das?“
Wer ist das. Wie ein Sim in drei so kleinen Wörtern so viel Abscheu formulieren konnte, war mir selbst in diesem Moment schleierhaft. An Emilys Gesicht und ihrem Ton konnte ich genau sehen, dass die ebenfalls zu dem Schluss gekommen war, dass Gabriel mein Sohn sein musste. Das blonde Haar, das ich von meiner Mutter geerbt hatte, die grünen Augen, die ich von Dad hatte – und die Gesichtsstruktur, in der man ein wenig von Akki und viel von mir sehen konnte. Während ich Emilys wahrscheinlichen Gedankengang nachvollzog, traf es mich mit aller Macht: Ich hatte ein Kind. Für einen Moment war mir schwindelig. Tief holte ich Luft. Akki Blick ruhte ruhig und stetig auf mir und ich fand Halt darin.
„David? Ich warte auf eine Erklärung!“ Emilys Tonfall war schneidend geworden. Ihre Stimme hatte die Höhe erklommen, die ich nervtötend fand und die sie für gewöhnlich bei Gesprächen mit ihren Schulfreundinnen bekam.



„Hi. Ich bin Akki, das ist Gabriel.“, stellte Akki sich schließlich vor, da ich unfähig war Worte zu formulieren, die diese Situation NICHT explodieren lassen würden.
„Ich habe nicht mit dir gesprochen.“, zischte Emily.
Soviel zur Verhinderung von Explosionen. … „Akki, könntest du mit Gabriel bitte reingehen?“, bat ich leise. „Wir haben oben noch Spielzeug.“
Akki nickte mir verstehend zu. Sie ignorierte Emily und ging hocherhobenen Kopfes ins Haus. Ich sah ihr mit gemischten Gefühlen nach – gemischt! Wieder so eine Untertreibung! Mein Herz, mein Kopf, mein Magen – alles fuhr Achterbahn. In Lichtgeschwindigkeit.



„Wer ist sie?“, fragte Emily mehr als nachdrücklich. Mit verschränkten Armen stand sie vor mir.
Dieser Tag lief wirklich aus dem Ruder. Ich betrachtete Emily nachdenklich. Ich mochte sie, war gern mit ihr zusammen.
„Akki ist ...“, begann ich und brach ab. Was war Akki denn für mich? Ich verdrängte dieses Problem – darüber würde ich später nachdenken müssen. Zunächst war ich Emily eine Eklärung schuldig, auch wenn ihre Reaktion mich unwillig werden ließ. Sie war offenbar schon mit einer vorgefassten Meinung auf die Terrasse gekommen – was ich ihr nach dem bisherigen Tag nicht verübeln konnte. Ich schüttelte den Kopf, schluckte und sagte schließlich: „Akki war im zweiten Semester unsere Mitbewohnerin. Gabriel ist … unser Sohn.“
Emily schnappte nach Luft. Sie wurde zornesrot und ballte die Fäuste. Mehrfach öffnete sie den Mund um etwas zu sagen.



„Ich wusste bis heute nicht, dass es Gabriel gibt.“, fuhr ich deswegen vor. Hoffentlich klang meine Stimme nicht zu sehr nach Rechtfertigung. Ich wollte mich nicht vor Emily rechtfertigen. Ich hatte keinen Fehler begannen.
Emily schnaubte ungläubig. „Das glaube ich nicht. Ich hätte auf meine Eltern hören sollen!“
Wider besseren Wissens ging ich darauf ein. „Was soll das denn bedeuten?“
Emily sah mich an, als sei ich ein besonders widerliches Ungeziefer. Gerade als sie ansetzte etwas ekliges zu sagen, stand mit einem Mal Izzy hinter ihr.



„Stör' ich?“
Emily fuhr erschrocken herum. Als sie Izzy erkannte, wurde ihr zorniger Blick noch wütender. „Du!“, giftete sie, bevor sie sich wieder an mich wandte. „Wahrscheinlich gehört SIE auch zu deinem Harem! Du … du Widerling.“
„Harem?“, fragte Izzy in Konversationston. Sie lächelte. „Wow, ich wusste bisher gar nicht, das David bei den Damen derartig beliebt ist.“ Sie warf mir einen kurzen Blick zu und ich kommunizierte über einen Blick, dass sie verschwinden sollte. Izzy zuckte mit den Schultern.
„Ich hab heute morgen was vergessen.“, erklärte sie deshalb Emily. Ich wusste, dass es gelogen war – Izzy hatte irgendwie geahnt, dass etwas passiert war – vielleicht hatten Mom oder Akki sie auch informiert. Sie nickte Emily kurz zu und verschwand im Haus. Als die Tür ins Haus fiel, atmete ich kurz durch, bevor ich Emily ansah.
„Izzy ist niemals mehr als eine gute Freundin gewesen. Du wusstest von Anfang an, dass mein bester Freund ein Mädchen ist. Es ist ungerecht von dir, so was vorzuwerfen.“
„Oh, aber deine sogenannte beste Freundin wusste bestimmt von dem Kind und ihr habt es mir beide nicht gesagt! Du hinterhältiger ...“ Emily brach ab. Sie benutzte niemals Schimpfwörter.
„Selbst wenn Izzy von Gabriel gewusst hätte – was nicht der Fall ist, ich wusste es bis eben ja selbst nicht! - dann wäre ihr wohl kaum ein Vorwurf zu machen. Außerdem geht es jetzt ja wohl gerade nicht um Izzy!“
„Nein.“, stimmte sie mir überraschenderweise zu. Emily verschränkte die Finger. Sie atmete ein paar Mal tief ein und aus. Sie ließ den Blick über den Hof schweifen. „Meine Eltern hatten Recht. Nur weil du studierst, bist du deswegen nicht weniger ein Bauer.“ Sie musterte mich, begierig zu sehen, ob mich das traf.
Ich hätte am liebsten laut losgelacht. Solch eine Hybris! Doch ich zuckte nur mit den Schultern. „Wenn du meinst.“ Mit Blick auf die Haustür und die erregten Stimmen, die man dahinter vernehmen konnte, fügte ich hinzu. „Dieses Familientreffen war eine schlechte Idee.“
„Ja.“ Emilys Züge blieben hart und wütend. „Nicht nur das.“
Ich nickte. „Ich mag dich Emily und ich war gern mit dir zusammen, aber ich halte es für das Beste, wenn wir uns trennen.“
KLATSCH! Ihr Hand traf mich unvorbereitet.



„Wie kannst du es wagen mit mir Schluss zu machen?!“, wütete sie. „Ich bin die Einzige, die einen Grund hat Schluss zu machen! Ich mache mit dir Schluss, nicht du mit mir! Es ist aus!“
Ich sah sie sprachlos an und musste mich zurückhalten, ihr einen Vogel zu zeigen. „Ist das nicht egal? Wir trennen uns – wer mit wem Schluss macht ist ja wohl …“
„Oh nein! Ich lasse nicht zu, dass so ein … so ein Bauer mit mir – mit MIR! - Schluss macht.“ Sie stürmte an mir vorbei ins Haus, verkündete lauthals, dass sie Schluss gemacht hätte und verlangte sofort dieses Kaff zu verlassen. Ihr Vater hatte offenbar schon ein Taxi gerufen. Er und Emilys Mutter warfen meiner Familie bitterböse Blicke zu, die meine Eltern an sich abperlen ließen. Izzy und Gabriel waren nicht im Erdgeschoss und mein Vater stellte sich zwischen Akki und Emily, die noch ein oder zwei Versuche machte etwas beleidigendes zu sagen. Dann verließen sie endlich unser Haus. Mom und Dad tauschten einen dieser langen Blicke, die mir als Kind immer das Gefühl gegeben hatten, dass sie eine telepathische Verbindung teilten. Mom sah so als, als wollte sie etwas sagen, aber dann zuckte sie mit den Schultern. Ich nickte ihr dankbar zu, sah Akki kurz an und bedeutete ihr mit einem Nicken, mir zu folgen.

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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mi Jul 27, 2016 5:19 pm

Kapitel 9

Wir fanden uns in der Scheune wieder – genau dort, wo wir vor so vielen Jahren das erste Mal miteinander gesprochen hatten. Akki nestelte an ihrer Sonnenbrille und nahm sie schließlich ab. Achtlos warf sie die Brille auf das untere Bett. Sie richtete ihre leuchtenden Augen auf mich und wir sahen uns lange an. Schließlich legte ich meine Arme und sie und zog sie an mich. Akki erwiderte die Umarmung augenblicklich und mir wurde bewusst, wie schrecklich ich sie vermisst hatte. Ich erinnerte mich an Izzys Stichelei, ich sei verknallt in Akki. Es war nicht nur das...



„Es tut mir schrecklich leid, dass ich dich im Unklaren gelassen habe.“, sagte Akki schließlich. Sie brach die Umarmung nicht und ihr warmer Atem kitzele an meinem Hals. „Als ich nach Hause kam und dann feststellte, dass ich schwanger war, wusste ich zunächst nicht was ich tun sollte.“
„Du hättest mich anrufen sollen.“, sagte ich weich. „Ich hätte dir geholfen.“
„Ich weiß.“ Sie seufzte. „Das Problem ist, du hättest nicht nach Moonlight Falls kommen dürfen. Und ich weiß nicht, ob ich auf Dauer außerhalb klar kommen könnte.“ Sie wich ein kleines Stück zurück und suchte meinen Blick. „Trotzdem hätte ich es dir sagen müssen.“



Beruhigend streichelte ich ihre Wange und nickte. Sie hielt meine Hand fest und es war mir, als würde ich Tränen in ihren leuchtenden Augen sehen.
„Ich muss zurück nach Hause.“, sagte sie schließlich abrupt. Sie drehte sich um und wischte sich über die Augen.
Irritiert sah ich ihren Rücken an, dann tröpfelte langsam der Inhalt ihrer Worte in das Verständniszentrum meines Gehirns. Ich öffnete den Mund, schloss ihn aber sofort, sprachlos über die Implikation ihrer Worte.
Akki bemerkte es. Sie drehte sich um und ich sah, Tränen, die ich mir nicht länger einbildete. „Gabriel kann nicht länger bei mir bleiben.“, brachte sie hervor.
Ich starrte sie weiterhin baff an. Sie fuhr sich durch die Haare, zog die Nase hoch und rieb sich die Augen. „Er ist wie du, nicht wie ich und Moonlight Falls ist nicht länger ein sicherer Ort für ihn.“
„Wa – wie - … ich verstehe gerade gar nichts.“, schaffte ich schließlich zu sagen.
Akki erstarrte und sah mich an. Dann schüttelte sie den Kopf. „Nein. Wie auch?“ Sie fuhr sich noch einmal durch das Gesicht und atmete tief durch. „David, ich bin ein Wolf. Also...so eine Art Werwolf – das verstehst du vermutlich eher.“
Ja, klar. … Ich meine, wer hätte auf diese Eröffnung nicht mit Unverständnis reagiert? Deswegen starrte ich sie nur an. Werwolf. Na klar...
Akki bemerkte mein Staunen und meinen Unglauben. Sie nickte. „Ich vergesse immer, dass du die Aufzeichnung deiner Eltern noch nicht gelesen hast. Dann würde es Dir vermutlich leichter fallen, mir zu glauben.“ Sie ging zum Fenster und mit einem entschlossenen Ruck zog sie die Vorhänge zu. „Ich zeig's dir.“



Zwanzig Minuten später war ich um eine dicke Beule am Kopf und eine Erfahrung reicher. Akki hatte sich vor meinen Augen in einen weißen Wolf und zurück in einen Sim verwandelt. Nun – zumindest die erste Verwandlung hatte ich gesehen, die zweite musste sich während meiner Bewusstlosigkeit, die mich wie einen Baum gefällt hatte, abgespielt haben. Nun saßen wir gemeinsam auf dem Bett und unterhielten uns. Es fiel mir schwer zu begreifen, dass in Moonlight Falls noch mehr Wölfe  - und offenbar auch andere übernatürliche Sims – lebten. Doch ich sah ein, dass Gabriel, der ein diesseitiger Sim wie ich war, dort nicht länger bleiben konnte. Seine Altersgenossen waren allesamt stärker oder schneller und nicht den Umgang mit gewöhnlichen Sims gewöhnt. Sie wussten nicht, wie zerbrechlich wir sein konnten.



„Und ich kann Moonlight Falls auf Dauer nicht verlassen.“
Es klang so endgültig und lag schwer wie Steine in meinem Magen. Ich sah sie an und fast entschuldigend fügte Akki hinzu: „Meine Familie braucht mich.“
„Ist Gabriel nicht Teil deiner Familie?“, fragte ich möglichst behutsam.
„Natürlich!“, knurrte sie fast. „Aber … wir haben Schwierigkeiten in Moonlight Falls und sie brauchen meine Unterstützung.“ Wieder liefen ihr Tränen über das Gesicht. „Mein Wissen wird gebraucht um das Überleben der Sims dort zu gewährleisten.“ Dankbar nahm sie ein Taschentuch an, das ich ihr reichte. „Das war überhaupt der Grund mein Studium zu vertiefen. Es gibt Probleme: Seuchen, Missbildungen, die unser Überleben bedrohen. Sie brauchen mich.“



Ich zog Akki an mich und streichelte sanft ihren Rücken. Einerseits konnte ich nicht nachvollziehen, wie sie ihr … unser Kind im Stich lassen konnte, andererseits schätze ich ihre Loyalität und ihr Verantwortungsbewusstsein. Ich war innerlich zerrissen und das Bewusstsein, dass in Zukunft ich für ein knapp zweijähriges Kleinkind, dessen Gene zufällig zur Hälfte meine waren und von dessen Existenz ich bis vor kurzem nicht einmal etwas geahnt hatte, sickerte nur langsam zu mir durch. Ein Teil von mir wollte in irgendein Loch kriechen, eine dicke Decke über sich ziehen und die Umwelt ignorieren. Für immer...
„Ich will Gabriel nicht aufgeben.“ flüsterte Akki an meiner Brust. „Ich liebe ihn mehr als mein Leben. Er ist mein Kind und meine Verantwortung...aber meine Verantwortung gegenüber meinem Volk...“
„Er ist nicht nur deine Verantwortung.“, unterbrach ich sie. „Er ist auch meine. Auch wenn ich davon bis jetzt nichts wusste.“ Ich tätschelte ihren Rücken. „Ich werde für ihn sorgen und ich werde ihn großziehen. Mach dir keine Sorgen.“ Nein, die Sorgen machte ich mir schon von alleine. Wie zur Hölle sollte ich das alleine schaffen?! „Und wenn ich dir bei deinen Forschungen irgendwie helfen kann ...“
Akki hob den Kopf und sah mich lange nachdenklich an. In ihrem Blick lag etwas, das ich nicht deuten konnte – es erinnerte mich an die Blicke, die meine Eltern manchmal austauschten. In diesem Moment fühlte ich mich, als hätte man mir in den Magen getreten. Akki und ich würden genauso getrennt bleiben, wie sie und Gabriel. Es würde nie ein wir geben – und bisher war mir nicht einmal klar gewesen, dass ich ein wir wollte. Ich stöhnte auf und lehnte meine Stirn an Akkis. Sie legte ihre Hände um mein Gesicht. „ich weiß David, ich weiß.“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am So Jul 31, 2016 9:38 am

Kapitel 10

Das Leben als Vater mit einem Kleinkind zu beginnen, birgt seine eigenen Herausforderungen. Gabriel verarbeitete die Abwesenheit seiner Mutter indem er innerhalb kürzester Zeit Izzy als neue Ersatzmutter erkoren hatte. Sie hatte sich während Akkis und meinem Gespräch um ihn gekümmert und Gabriel weigerte sich anschließend, von irgendeinem anderen Sims als ihr oder Akki berührt zu werden. Ganz langsam konnten wir ihn daran gewöhnen, dass ich oder meine Eltern ihn auf den Arm nahmen, aber eines meiner Geschwister oder Grandma Liz mussten es gar nicht erst versuchen.



Gabriel schlief in meinem Zimmer und wir gewöhnten uns nach diesen Anlaufschwierigkeiten recht schnell aneinander. Das einzige, was mir wirklich schwer fiel, war zu begreifen, wie so ein Kleinkind tickt. Man kann ihm ja nicht logisch Dinge erklären und ein Alles-wird-gut hilft auch nur begrenzt, wenn sich das Kind gestoßen hat oder gestürzt war. Izzy bewies mit mir unendliche Geduld, so dass ich lernte mich auf Gabriel und seine Bedürfnisse einzulassen.



Da mein Sohn – es war ein komisches Gefühl das zu sagen: Mein Sohn – so auf Izzy und mich fixiert war, beschlossen wir ihn nach den Semesterferien mit an die Uni zu nehmen. Emily war glücklicherweise still und ohne weitere Konfrontationen ausgezogen. Gemeinsam mit Miles organisierten wir unsere Stundenpläne so, dass immer Izzy oder ich zuhause waren. Miles übernahm die meisten anderen Pflichten. Er versuchte alles, um Gabriel auf seine Seite zu bringen, aber der Kleine verweigerte sich ihm genauso wie allen anderen.



Meine Tage bestanden gefühlt nur noch aus rennen. Ich rannte zu den Vorlesungen, rannte nach Hause, rannte zu Laborkursen und in die Bibliothek, rannte nach Hause, rannte zu Sprechstunden, rannte nach Hause … Mir ist klar, dass ich auf hohem Niveau jammerte, immerhin hatte ich finanziell kaum Sorgen, wurde von meinen Eltern, Izzy und Miles unterstützt und hatte verständnisvolle Dozenten. Gabriel war – von seiner kleinen Eigenheit, nur Izzy und mich zu akzeptieren mal abgesehen – ein freundliches und pflegeleichtes Kleinkind. Trotzdem hatte ich eine harte Zeit. Das lag zum einen an der plötzlichen Umstellung und zum anderen an … zum anderen lag es an meinem Liebeskummer.



Es dauerte eine Weile bis ich die Gefühle in meinem Herzen benennen konnte. Ich fühlte mich schrecklich: Traurig, leer, im Stich gelassen … Zugleich zornig und wütend. Das lag weniger an Emily und mehr an Akki. Ich hätte nie gedacht, dass die unausgesprochenen Dinge und Gefühle zwischen uns mehr als nur eine Schwärmerei waren. Doch an dem Tag, an dem sie Gabriel zu mir gebracht hatte, war mir bewusst geworden, dass ich sie liebte. Leider war mir an diesem Tag auch klar geworden, dass es keine Chance auf ein gemeinsames Leben mit ihr gab. Ich durfte nicht nach Moonlight Falls, sie konnte es nicht auf Dauer verlassen. Akki würde versuchen, ihr Dorf regelmäßig zu verlassen, um Gabriel zu sehen, doch welche Chance gäbe das einer Beziehung zwischen uns? Es wäre ja nicht mal eine Wochenendbeziehung … Dazu kam, dass ich mir über ihre Gefühle nicht sicher war. Sie hatte es nicht ausgesprochen (ich auch nicht) und wir waren nur mit dem Versprechen auseinander gegangen, beide immer das Beste für Gabriel zu wollen.



Ich war wütend über die Situation und fühlte mich vom Leben ungerecht behandelt. Dass ich trotzdem mein Leben irgendwie auf die Reihe bekam, grenzte an ein Wunder. Vielleicht lag es daran, dass ich mir wenig Zeit zum Grübeln einräumte. Wenn ich mich um Gabriel kümmerte, versuchte ich nur ihn wahrzunehmen, wenn ich für die Uni lernte, verbannte ich jeden anderen Gedanken. Die kümmerliche Freizeit, die ich hatte, verwendete ich für die Forschung. Akki war auf mein Angebot zurück gekommen und schickte mir regelmäßig Proben, zum Beispiel des Trinkwassers oder der Luft in Moonlight Falls, die ich untersuchte um herauszufinden, was die Krankheiten dort verursachte. Jede Beschäftigung mit unserem Sohn oder den Proben bedeutete natürlich auch eine unbewusste Beschäftigung mit Akki dar. Ein Teil von mir suhlte sich darin und sei es nur, um sich selbst zu bemitleiden …



„Du hast heute Abend frei!“, verkündete Miles ziemlich plötzlich nach einem dieser Tage, die zum Kotzen sind. Natürlich war für mich im Moment jeder Tag zum Kotzen …
Unmotiviert sah ich vom Spülbecken auf. Izzy widmete sich gleichgültig ihrem Sandwich. Normalerweise hätte ich mich darüber gewundert, war es doch ein PBJ und sie liebte PBJs gewöhnlich, doch ich war zu sehr mit mir beschäftigt. Miles sah sie zumindest irritiert an. „Alles ok?“
Izzy nickte, dann drehte sie sich zu mir um. „Ich kümmer' mich um Gabriel. Du und Miles werdet heute mal etwas ausspannen.“
Während ich mir die Hände abtrocknete, legte ich mir eine Ausrede zurecht, NICHT mit Miles zu gehen. Was auch immer er plante, es kam mir zu spontan, ich wollte lieber etwas anderes tun und vermutlich hatte es mit anderen Sims zu tun und darauf hatte ich erst recht keine Lust …
„Keine Widerrede.“, kam Miles mir zuvor. Er grinste. Dann deutete er auf Gabriel, der vergnügt auf dem Boden saß und mit Bauklötzen spielte. „Izzy und Gabriel machen sich einen ganz entspannten Abend und wir beide gehen auf die Verbindungsparty.“ Er setzte ein wehleidiges Gesicht auf. „Alleine will ich nicht gehen.“
Mir lag ein „Nicht mein Problem.“ auf der Zunge, aber ich hielt mich zurück. Izzy sah mich unverwandt an und ich wurde das Gefühl nicht los, dass egal was ich sagte, sie mich definitiv mit Miles zu dieser Party schicken würde. Ich kannte diesen Blick von ihr. Izzy hatte sich in den letzten Wochen sehr zurückgehalten, nachdem sie bei mir gegen eine Mauer des Schweigens gelaufen war. Sie hatte bisher nicht sauer oder wütend reagiert, aber tief im Inneren war mir klar, dass sie sich Sorgen machte. Ich an ihrer Stelle hätte mir zumindest Sorgen gemacht. Langsam nickte ich. „Meinetwegen.“

Kaum hatten wir das Haus der Bruderschaft betreten, als Miles schon von seinen ehemaligen Verbindungsbrüdern beiseite gezogen und in irgendein Saufspiel verwickelt wurde. Er warf mir entschuldigende Blicke zu und ich nickte ihm mit aufgesetzten Grinsen zu. Ich plante mir ein zwei Bier zu holen, mit einigen von Miles' Freunden zu sprechen, so dass meine Anwesenheit bezeugt werden konnte, und mich dann still und heimlich vom Acker zu machen.
„Hey, was kann ich dir geben?“, sprach mich ein unbekannter junger Student plötzlich an. Ich wäre beinahe vor Schreck zusammen gefahren.



„Äh...“, stotterte ich. Er grinste und drückte mir ein Bier in die Hand. Sein Gesicht war absolut nichtssagend, so ein Allerweltsgesicht, das man einmal sieht und für immer vergisst. Etwas regte sich in meinem Hinterkopf, doch ein großzügiger Schluck Bier spülte es fort.
„Du bist David, stimmt's?“
Ich nickte stumm.
„Hab' gehört du hast etwas Stress.“ Er machte eine unbestimmte Geste in Richtung der anderen Verbindungsbrüder. „Ist bestimmt nicht so einfach, so mit Kind und so.“
Ich öffnete meinen Mund um etwas zu erwidern, aber er plauderte munter weiter. „Und dann diese Sache mit deiner Freundin. Also der anderen. Die dich sitzen gelassen hat, wegen dem Kind. Du weißt bestimmt nicht, wo dir der Kopf steht.“



Sprachlos starrte ich den Unbekannten an. War das der Stand der Gerüchteküche? Armer David, alleinerziehend, mitten im Studium und von Emily verlassen worden – wegen des unehelichen Kindes, kein Zweifel! Schnell nahm ich noch einen Schluck Bier und versuchte meine Gedanken zu ordnen. Der Student sprach derweil weiter, von meinem harten Leben, der unbekannten Mutter des Kindes – süßes Kind übrigens, bring ihn doch mal mit auf den Campus! - und Emily. Ich nippte immer weiter an meinem Bier und als es leer war, griff er nach dem Becher um mir nachzuschenken. Während er das Getränk zapfte, betrachtete ich ihn nachdenklich. Ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen und war ziemlich sicher, dass ich Schwierigkeiten haben würde, ihn woanders wiederzuerkennen.



„Wie sagtest du ist dein Name?“, fragte ich und war entsetzt, wie verwaschen ich klang. Ich hatte doch nur ein Bier getrunken …
„Weißt du David, ich kenn' da jemanden, der könnte dir vielleicht helfen.“ Er reichte mir das Bier und ignorierte meine Frage. „Klar, du machst das alles echt super. Aber jeder braucht dann und wann Hilfe! Und man hilft ja untereinander. Eine Hand wäscht die andere und so.“
Mit dem Bier in der Hand, den Mund wie ein Schwachsinniger leicht geöffnet, glotzte ich ihn an. Ganz langsam sickerte das ungute Gefühl, das ich zu Beginn des Gespräches gehabt hatte, zurück. Ich nippte vorsichtig am Bier. Es schmeckte normal, aber etwas anderes war hier ganz und gar nicht normal.
„Willst du nicht einfach dein Leben zurück? Mit deinem Mädchen? Egal welchem?“ Er war näher gekommen, hatte mich vertraulich am Arm gefasst und flüsterte beschwörend auf mich ein. Ich zwang mich zu einem debilen Grinsen, exte den Rest Bier und murmelte etwas davon pinkeln zu müssen. Dann stürzte ich an ihm vorbei, stürmte zur nächsten freien Toilette und steckte den Finger in den Hals.

Nachdem ich mich auf diese unschöne Art des Bieres entledigt hatte, wusch ich mir die Hände und spülte den Mund aus. Ich starrte mein Spiegelbild an. „Scheiße.“ Als hätte ich nicht genug Mist an den Hacken, jetzt kamen auch noch die Beobachter zurück. Wütend fuhr ich mir durch die Haare. Mein erster Impuls war zu dem jungen Mann zu rennen und ihn zur Rede zu stellen. Doch was würde das bringen? Brachte ich mich damit nicht nur noch mehr in Gefahr? Gab ich ihnen am Ende so gar das was sie wollten? Ein paar tiefe Atemzüge später hatte ich mich soweit gefangen, dass ich das Bad verlassen konnte. Ich schlich vorsichtig durch die Hintertür aus dem Haus und joggte heim.
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