Felinger Legacy

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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Mi Jan 10, 2018 7:28 pm

Kapitel 8 – Von Wanzen und Toten

Mein Blick wanderte von einem paar grüner Augen zu einem paar blauer Augen. Beider Paare Besitzer sahen mich unverwandt an. Ich runzelte die Stirn. Warum hatte ich die Fremden gleich ins Haus gelassen? - Ach ja, weil der eine behauptete ein Freund meines Vaters zu sein. Das war ungewöhnlich genug – Dad hatte keine Freunde. Weder er noch sein Begleiter hatten Allerweltsgesichter, weswegen meine Alarmglocken nicht ansprangen (zumindest nicht über die Maße). Dazu kam, dass Mr. Grüne-Augen zudem noch sagte, er käme aus Moonlight Falls, dem Geburtsort meiner Großmutter Akki. Nun saßen wir zu dritt am Küchentisch. Keiner ließ die anderen aus dem Augen.
„Alsooooo?“, fragte ich schließlich gedehnt, während ich gleichzeitig hoffte, dass Dad bald nach Hause kam. Die Besucher hatten gesagt, dass sie wichtige Informationen für ihn und mich hatten, aber so langsam hatte ich keine Lust mehr auf Dad zu warten.



Die beiden Männer wechselten einen Blick. Der Blonde nickte schließlich, woraufhin der andere begann: „Wir sind uns sicher, dass die Beobachter dieses Haus ausspionieren.“
Ich zuckte zusammen – aus zwei Gründen: Zum einem, weil die Fremden von den Beobachtern wussten, zum anderen weil die Vorstellung in unserem Haus beobachtet zu werden, wie ein Schlag in die Magengrube war. Bevor ich etwas erwidern konnte, hörte ich, wie die Haustür geöffnet wurde.
Mein Vater kam in die Küche. Er runzelte die Stirn, als er mich mit zwei Fremden am Küchentisch sitzen sah.
Der rothaarige Sim grinste ihn breit und fast ein bisschen unverschämt an. „Hey, Gabriel.“



„Kennard?!“
Nun hatte ich auch einen Namen zu dem Fremden – sich vorzustellen hatten die beiden nämlich mal fein unterlassen und ich war zu überrollt von ihrem plötzlichen Auftauchen gewesen, als dass ich danach gefragt hätte.
Kennard, der Name kam mir entfernt bekannt vor. Ich erinnerte mich daran, dass Mom und Dad mal über einen Kennard und seinen Besuch gesprochen hatten, als ich noch ein Kind gewesen war. Irgendetwas war damals vorgefallen, dass Dad ganz schön ans Flunkern brachte. Ich bin nicht sicher, dass Mom es gemerkt hatte, aber mir war klar, dass Dad die Wahrheit umschiffte. Das war merkwürdig genug, Dad log einfach nie! Bevor sie das Thema damals vertiefen konnten, war Oma dazugekommen und hatte meine Nicht-Wahrnehmung  beendet. Besagter Besuch hatte vor meiner Geburt stattgefunden, was ich angesichts der Jugend von Kennard ziemlich bemerkenswert fand – er hatte offensichtlich gute Gene. Andererseits kam er aus Moonlight Falls und nachdem, was ich mir aus den belauschten Gesprächen zusammengereimt hatte, gab es dort – sagen wir ungewöhnliche Sims.
Mein Dad erholte sich schnell von seiner Überraschung. „Was tust du hier? Ist was passiert?“
„Kann ein Magier nicht einfach so Moonlight Falls verlassen und alte Freunde besuchen?“
Dads schräger Blick sprach Bände. Kennard grinste und zuckte mit den Schultern.
„Mein … Begleiter -“ Er wies auf den blonden Mann, der weiterhin seelenruhig am Küchentisch saß. „Und ich vermuten, dass die Beobachter euch beobachten.“ Der Blonde kicherte über die Formulierung, was die finstere Miene meines Vaters nur noch finsterer werden ließ.
„Ist es nicht das was Beobachtern tun? Beobachten?“, fragte ich, um die Herren der Schöpfung an meine Anwesenheit zu erinnern.
„Schon.“, gab der Blonde zu. „Aber eigentlich sollten sie nicht in der Lage sein, dieses Haus direkt zu beobachten.“
Ich klappte meinen Mund zu und sah mehr als beunruhigt zu meinem Vater. Der starrte den Blonden eine Weile an, bevor er sich wieder zu Kennard drehte. „Und wer ist das? Ein weiterer Magier?“



„Der?!“ Kennard grinste und sah zu seinem Begleiter. Dieser zuckte mit den Schultern, bevor er verneinte: „Ich bin eigentlich tot, aber das ist jetzt nicht relevant.“
Kennard seufzte und blickte kurz zur Decke. „Du musst wirklich an deinen Gesprächsfertigkeiten arbeiten.“
Der Blonde zuckte die Schultern und erhob sich. „Kann ich jetzt die Wanzen suchen gehen?“
„Wanzen?!“, riefen Dad und ich entsetzt im Chor. Der Blonde sah uns verwirrt an. „Wie sollen die denn sonst beobachten? Das Allsehende Auge dürfen sie hier nicht einsetzen.“
„Ich sag's ja: Deine Kommunikation!“, stöhnte Kennard. „Tot sein ist keine Entschuldigung!“
„Ex-Tot-Sein.“, korrigierte sein Begleiter. „Ich fang dann mal an.“



Mein Büro-Laptop war das letzte Gerät, dass überprüft wurde. Bisher hatten wir noch nichts gefunden. Kennard lehnte an meinen Schreibtisch und las sich halb interessiert die Zutatenliste einer meiner Sirupe durch. Der Blonde nahm das Gerät auseinander und ich begnügte mich damit von einem zum anderen zu gucken. Meine Miene musste ziemlich finster gewesen sein. Irgendwann kommentierte der Blonde. „Zieh nicht so ein Gesicht, das gibt Falten.“
Vor lauter Unverschämtheit blieb mein Mund offen stehen. Kennard fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn.
„Aahh.“ Der zufriedene Ausruf des Blonden fiel mit einer schlagartig aufgerissenen Tür zusammen, als Ruth in die Scheune platzte.
Mit weit aufgerissenen Augen sah meine Großcousine wie der Blonde die kleine Wanze aus dem Laptop zog und in meine Hand fallen ließ.
„Was zum...?“, brachte sie hervor. Dann riss sie sich zusammen, sah uns drei der Reihe nach und fragte: „Hat das etwas mit den Beobachtern zu tun?“



Zum wiederholten Male an diesem Tag blieb mir der Mund offen stehen. Die Überraschungen wollten an diesem Tag nicht enden (tatsächlich ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, dass mir die größte Überraschung noch bevor stand...).
„Und du bist?“, fragte Kennard ohne auf Ruths Frage einzugehen.
„Das ist Ruth, Gabriels Cousine.“, erwiderte der Blonde, während er meinen Laptop wieder zusammen schraubte. Diesmal starrten Ruth und ich ihn zusammen an. Kennard nickte nur.
„Woher weißt du das?“ - „Woher weißt du das mit den Beobachtern?!“, fragten Ruth und ich gleichzeitig.
Ruth erholte sich als erste von der Überraschung. Sie nahm meine Hände und drückte sie fest. „Mama hat mir kurz vor ihrem Tod davon erzählt. Sie wollte, dass ich die Familiengeschichte kenne.“ Ruth zuckte mit den Schultern. „Auch wenn das hier ja wohl eher totgeschwiegen wird.“ Dann wies sie auf das kleine elektronische Gerät in meiner Hand. „Und als ich die Wanze gesehen habe, schien es mir, als könne sie nur von ihnen kommen. Es sei denn, du bist ihm Zielkreuz eines Geheimdienstes.“
Ich schüttelte wie wild den Kopf, der mir ohnehin schon schwirrte.



„Nee, es sind schon die Beobachter.“, sagte der Blonde.
Kennard kam um den Schreibtisch herum und griff nach der Wanze. „Ich werde sie zurückverfolgen.“ Er schloss kurz die Augen und die Luft war wie von Elektrizität erfüllt. Dann lief er ohne ein weiteres Wort los.
„He! Warte! Ich bin Polizistin, ich komme mit!“, rief Ruth ihm nach und rannte ihm hinterher.



Ich starrte den beiden nach. Dann sah ich zu dem Blonden, der mich intensiv musterte.
„Du bist also tot.“, sagte ich, weil mir nichts anderes einfiel.
Der Blonde lachte donnernd auf. „Du bist nicht gerade empathisch.“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Sa Jul 07, 2018 7:52 pm

Kapitel 9 – Ex-Sensemann




„Du bist nicht gerade empathisch.“ Wie ein lauter Knall hallte der Satz in meinen Ohren nach. Vielleicht war es nur ein Zufall, aber dieser Tag verlief merkwürdig genug. Ich starrte den Blonden an und rief mir alle Gespräche in Erinnerung, die ich jemals mit Jonas geführt hatte.
Ich sah den Blonden an, der wiederum unverwandt mich ansah. Schließlich nickte er langsam.
Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Doch ich schloss ihn wieder. Ich musterte den Blonden – Jonas? - und suchte irgendetwas in seinem Gesicht, das mir bekannt vor kam. Aber ich erkannte nichts vom Sensemann – was ja auch nicht verwunderlich war, denn außer einer dunklen Kapuze hatte ich ja nie etwas gesehen.
„Entschuldige mich.“, brachte ich schließlich hervor, bevor ich mich auf dem Absatz umdrehte und eilig die Scheune verließ.

Sobald ich die Scheune verlassen hatte, machte ich mich nicht wahrnehmbar. Ich schlich ins Haus, holte meine Jacke und ließ das Grundstück hinter mir. Seufzend kickte ich einen Kiesel vor mir her, als ich gedankenverloren den Weg zum Friedhof einschlug. In meinem Kopf fuhren die Gedanken Achterbahn. Konnte der blonde Mann mit dem Hang zu unangemessenen Kommentaren wirklich Jonas sein? Er war doch der Sensemann! Der verschwundene Sensemann, erinnerte ich mich.

Mit einem Räuspern machte sich Jonas auf mich aufmerksam. Er hielt einen respektvollen Abstand zu mir.
„Wie?“, fragte ich schließlich, nachdem wir uns eine Weile angesehen hatten.
Jonas Blick glitt über mich hinweg zu Omas Grabstein. Er grinste kurz. Dann sah er wieder mich an.
„Ich habe mich selbst in den Ruhestand versetzt, als ich Felicia markiert habe.“, begann er. Nun mied er meinen Blick. „Um sie vor dem Zugriff der Beobachter zu schützen, musste ich sie zu meiner Nachfolgerin machen.“
Bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er fort: „Ich bin nicht für ihren Tod verantwortlich! Ihr Todestag stand schon vorher fest.“
„Das hast du Oma und Grandpa auch gesagt.“, erinnerte ich mich. Ich ballte die Fäuste. „Du hast gesagt, ich wüsste, wo ich dich finde. So als wärst du immer für mich da.“ Zornig funkelte ich ihn an. „Da wusstest du schon, dass du es nicht sein würdest. Du bist einfach gegangen.“
Jonas senkte den Blick und nickte betroffen. „Ja.“, erwiderte er schlicht.
„Du hättest es mir sagen können.“, sagte ich. „Du hättest mir sagen können, dass Felicia sterben muss. Und dass du verschwindest.“
„Nein.“, antwortete er genauso schlicht wie zuvor. „Das hätte gegen jedes Gesetz der Sensemänner verstoßen.“



Meine Zähne knirschten, so fest presste ich die Kiefer aufeinander. Diese Antwort war nicht, was ich hören wollte. Erst als Jonas mit dem Daumen ein Träne von meiner Wange wischte, wurde mir bewusst, dass ich weinte.



„Deine Hände sind ja eiskalt!“, quietschte ich auf. Jonas und ich fuhren auseinander, als hätte uns ein Schwall Eiswasser getroffen. Ich bemerkte erst jetzt, dass Jonas keine Jacke angezogen hatte. Es  war Winter und bitterlich kalt.
„Ich hab vergessen, dass ich mich jetzt gegen Kälte schützen muss.“, gestand Jonas ein. Er klemmte die Hände unter die Achseln.
Ungläubig starrte ich ihn an. „Idiot.“, murmelte ich, bevor ich nach seiner Hand griff und ihn zurück zum Haus zerrte.




Ruth und Kennard waren noch nicht wiedergekommen. Dafür hatte mein Vater meine Mutter und seine Eltern informiert. Wir kamen dazu, als sie in eine aufgeregte Diskussion verwickelt waren. Unser Eintreten brachte das Gespräch zu verstummen. Mein Vater erinnerte sich daran, dass Jonas vorhin nicht richtig vorgestellt worden war und bestand darauf, dass er das nun nachholte.
Nach einem kurzen Seitenblick erklärte ich bemerkenswert entspannt. „Das ist Jonas.“
„Jonas?“, echote Dad und sah seine Mutter an. „Jonas, wie in „Jonas, der Sensemann“?“
„Ex-Sensemann.“, erwiderten Jonas und ich wie aus einem Mund.
Grandma erhob sich und marschierte auf uns zu. Sie fasste Jonas scharf ins Auge. „Das lässt sich nachweisen.“ Sie schnippte mit dem Finger und bedeutete Jonas, ihr zu folgen.

Wenige Minuten später kehrten Grandma Akki und Jonas zurück.
„Es stimmt. Er ist der Sensemann.“
„Ex-Sensemann.“, korrigerten Jonas und ich erneut.
Grandma ließ sich neben Granda nieder. „So wie Jonas damals den Job von Bob übernommen hat, hat Jonas den Job an Felicia weitergegeben.“
„Und wie kann es dann sein, dass er nun wieder lebt? Wenn ich mich recht entsinne ist Bob damals dann … äh richtig gestorben?“, fragte ich.
Akki sah Jonas an, so als erwartete sie, dass er etwas dazu sagte. Jonas musterte seine Fingerspitzen, bis Akki sich hörbar räusperte. Er fuhr zusammen, bevor er begann. „Also … die Einzelheiten sind mir selbst nicht so ganz klar. Ich glaube, Felicia hat etwas damit zu tun – und vielleicht eine weitere Macht?“ Er sah Akki fragend an.
„So wie bei Oma als sie Lethe war?“, hakte ich nach, was mal wieder zu einer Menge irritierter Gesichter führte. Alle starrten mich an.
„In einem von Omas Leben kam sie in einem erwachsenen Körper zu sich, ohne das sie jemals erfahren hat, wie sie daran gelangt ist.“ Ich sah zu Grandma und Jonas, die beide zur Bestätigung nickten.
„Möglich.“, gab Jonas einsilbig zu. „Ich kam in Moonlight Falls zu mir. Kurz bevor ich ...in Ruhestand gegangen war, hatte ich jedoch herausgefunden, dass die Beobachter euren Haushalt infiltriert hatten.“ Er hob beschwichtigend die Hände. „Keine Sorge, ich habe nur eine Wanze gefunden und unschädlich gemacht. Kennard und Ruth verfolgen gerade ein Spur.“
Wieder sprachen alle durcheinander. Ich warf einen schrägen Blick zu Jonas. „Warum manche Nachrichten auch schonend beibringen.“ Jonas hob grinsend die Schultern, so als wolle er sagen: Du hast gut reden.
Ich schaffte es mir Gehör zu verschaffen und den anderen zu erklären, dass Ruth von ihrer Mutter über die Beobachter aufgeklärt worden war. Wir unterhielten uns noch ein Weile, bevor Dad seine Eltern nach Hause brachte und anschließend Mom zur Arbeit fuhr. Ihm war sichtlich unwohl mich mit Jonas allein zurück zu lassen. Ich beruhigte ihn.
„Ist ja nicht so als hätte er noch seine Sense...“
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am So Jul 15, 2018 1:55 pm

Epilog



Schwer atmend schreckte sie aus dem Albtraum hoch. Ihre Hände krampften sich um die dünne, schweißnasse Bettdecke. Nach einigen tiefen, bewussten Atemzügen, schob sie die feuchte Decke zur Seite und stand auf. Leise streifte sie ihr ebenfalls nasses Nachthemd ab. Auf dem Weg ins Kinderzimmer griff sie nach einem T-Shirt, das sie sich überwarf.



Die Zwillinge schliefen tief und fest. Erleichtert setzte sie sich auf den Boden des Kinderzimmers, um den Kindern beim Schlafen zu zusehen. Dadurch innerlich gestählt, ließ sie noch einmal ihren Albtraum an ihrem inneren Auge vorbeiziehen.



Ruth blinzelte Tränen weg und sah zur Decke. Die Nachwehen von Laces Tod wirkten immer noch. Gabriel hatte einen Nervenzusammenbruch erlitten, als er erfahren hatte, dass der Angriff der Beobachter seiner Tochter, seiner Erbin das Leben gekostet hatte.



Ruth war als einzige mit dem Leben davon gekommen war. Sie erinnerte sich noch gut – Lace war zusammengebrochen, ihr Leben hing am seidenen Faden. Jonas, der schrie – erst unartikuliert, dann um seine Liebste und das ungeborene Kind. Kennard war zunächst aschfahl geworden, dann hatte sich eine entschlossene, grimmige Miene auf seinem Gesicht gezeigt. Mit tonloser Stimme erklärte er den Zauber mit dem er zumindest das Kind retten wollte. Ruth war zu keiner Äußerungen fähig gewesen, hatte nur schockiert auf die beiden Männer geschaut, die sich über Laces leblosen Körper gebeugt an den Händen fassten. Kennard begann einen Spruch in einer uralten Sprache zu singen. Er unterbrach sich nur kurz, um Ruth zu zurufen, in die Krypta des Familienfriedhofs zu fliehen. Fast gegen ihren Willen bewegte sich Ruth auf die Tür zu, warf sich in den Raum und schmiss die Tür hinter sich zu. Von draußen hörte sie lautes Rauschen, wie bei einem heftigen Gewitter. Durch den Schlitz unter der Tür, sah Ruth Lichter aufblitzen. Das Rauschen schwoll an, da Licht wurde so hell, dass selbst die sonst so düstere Krypta hell erleuchtet war. Dann – so plötzlich, dass Ruth es zunächst nicht begriff – endeten Rauschen und Licht. Es dauerte noch ein paar Minuten bevor sie sich soweit gefasst hatte, dass sie die Krypta verlassen konnte.









Der Familienfriedhof lag still im des aufgehenden Mondes. Als Ruth in die Krypta geflohen war, war es noch helllichter Tag gewesen. Es musste mehr Zeit vergangen als Ruth empfunden hatte.
„Ruth.“ Eine körperlose Stimme sprach sie an und Ruth schrak zusammen. Aus dem Nichts verdichtete sich Nebel und der Sensemann tauchte auf.



„Felicia!?“, fragte Ruth unsicher. Jonas und Lace hatten Kennard und ihr erklärt, dass Jonas Laces Freundin als Nachfolgerin bestimmt hatte. Das war kurz nachdem der Magier und sie das Versteck der Beobachter in einer zu einer Disko umgebauten alten Dosenfabrik gefunden hatten. Bevor die vier sich vorgenommen hatten die Beobachter auszuspionieren. Und jedes Wochenende in die Dosenfabrik gingen. Tanzten, Spaß hatten und nebenbei versuchten die Beobachter auszuspionieren. Und dort von ihnen konfrontiert wurden, zum Friedhof flohen, wo sie gestellt wurden …


































Das Nicken des Sensemanns – der Sensefrau? - riss Ruth aus ihren Gedanken.
„Kennards Spruch hat funktioniert. Seine und Jonas Lebensessenz haben das Kind gerettet.“ Mit dem Arm wies sie auf den Boden vor Ruth. Dort lagen zwei Säuglinge. „Mit ungeahnten Konsequenzen. Das Mädchen ist die Tochter von Lace und Jonas. Der Junge ist der Sohn von Kennard und Lace. Er entstand als … Nebenwirkungen des Zaubers.“
Ruth konnte nur nicken, bevor sie sich niederkniete und das Mädchen hochnahm. Das Baby war ganz still und blinzelte. Ruth verschob sei Gewicht und nahm das zweite Kind hoch.
„Die Beobachter haben ihre Grenzen überschritten.“ Die Stimme der Sensefrau klang hart. „Sie müssen mit Konsequenzen rechnen. Trotzdem werden wir die Kinder schützen müssen. Wenn die Beobachter sich nicht mehr an die Regeln halten...“
Wieder nickte Ruth stumm. Die Sensefrau begann sich langsam aufzulösen, sprach aber weiter. „Im Haus wirst du Geburtsurkunden finden. Originale, die Lace als Mutter ausweisen. Die musst du geheim halten. Und Fälschungen, die dich als Mutter ausweisen.“ Die Sensefrau verschwand, doch ihre Stimme hörte Ruth noch weiter. „Versteck dich mit den Kindern. Rivervale ist im Moment nicht sicher.“






Im Hier und Jetzt wieder angekommen, sah Ruth zu Asher und Ayah, die immer noch selig in ihren Betten lagen. Gabriel und Nell waren unfähig gewesen, sich um die Kinder zu kümmern. Der eiligst einberufene Familienrat hatte der Sensefrau zu gestimmt und Ruth zu dem Vormund der Kinder erklärt. Noch in der selben Nacht war Ruth, ausgestattet mit den gefälschten Geburtsurkunden und zwei MaxiCosis, aus Rivervale geflohen. Die Originale deponierte sie an einem geheimen Ort. In einem Van war sie die ganze Nacht durchgefahren, hatte nur die nötigsten Pausen gemacht um die Kinder zu versorgen und dann weitergefahren. Tagelang war sie durch das Land gefahren, bis sie eine Stadt gefunden hatte, die ihr brauchbar erschien: Starlight Shores. Hier würde sie Asher und Ayah aufziehen. Irgendwann würde sie ihnen die Wahrheit sagen, vielleicht sogar nach Rivervale zurückkehren. Und den Tod der Eltern der Kinder rächen.





Asher: Der Gesegnete
Ayah: Zeichen Gottes
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Re: Felinger Legacy

Beitrag  Akki am Di Jul 17, 2018 10:20 pm

Zwischenspiel - Teil 1



Ruth schreckte hoch, weil es zu leise war. Die Albträume waren in den letzten Monaten zurückgegangen, sie wachte kaum mehr davon auf. Schlaftrunken rollte sie sich vom Bett und warf dabei einen Blick auf ihren Wecker. Es war früher Nachmittag. Eigentlich hatte sie gar nicht schlafen wollen – es war noch so viel zu tun! Doch nachdem Asher und Ayah endlich in ihren Bettchen lagen, hatte sie sich kurz auf ihrem Bett ausgeruht. Sie musste lang genug weg genickt sein, dass die leise Musik, ohne die Asher sich weigerte zu schlafen, schon zu Ende war. Zumindest drang kein Laut aus dem Babyphon. Die Abwesenheit der Musik hatte Ruth geweckt.



Rasch schritt sie zum Kinderzimmer und schielte durch die halb offene Tür. Asher schlief. Ayah hatte sich auf ihre Seite gedreht und betrachtete interessiert ihre Hände, die sie in immer neuen Bewegungen wackelnd drehte. Ruth lächelte. Ayah war das einfachere Kind. Mit ihren erdbeerblonden Haaren, die sie von ihrer Großmutter Nell geerbt hatte, und den dunkelgrünen Augen, die auf Ruths Großvater Darrel zurückgingen, war sie ein süßes kleines Ding. Ayah quengelte selten, spielte ruhig mit Asher und auch gern allein. Manchmal war Ruth geneigt sie in bisschen zu übersehen, denn Asher forderte oft genug all ihre Aufmerksamkeit. Ob sie genauso in der Lage war wie Lace, sich unbemerkbar zu machen?

Ruth schlich leise die Treppe nach unten. Die Wäschefront hatte sich leider nicht in luft aufgelöst und die Küche schrie nach einem nassen Lappen und dem Wischmopp. Wie hatten das ihre Großeltern mit sechs Kindern und dem Hof nur geschafft? Seit Ruth über Nacht Mutter von Zwillingen war, hatte sie gefühlt keine ruhige Sekunde mehr. Zum Glück hatte ihre Mutter Katrina Ruth so gut abgesichert, dass sie sich zur Zeit keine Sorgen um ihr Auskommen machen musste. Das war auch gut so, denn zum Schutz der Kinder war Ruth fast untergetaucht. Sie hatte zwar ihren Namen behalten, aber ihre Bankkonten geändert, das Telefon entsorgt und sämtliche Social Media Accounts stillgelegt. In Absprache mit ihrem Onkel David und seiner Frau Akki, sollte Ruth die Kinder so lange wie möglich so weit wie möglich von Rivervale fern halten – und absolute Funkstille einhalten.



Dadurch, dass sie selbst nicht in Rivervale aufgewachsen war, war Ruth sich immer etwas wie eine Außenseiterin vorgekommen. Dazu kam das hohe Alter Katrinas bei ihrer Geburt. Ruth war kaum älter als Lace, die die Tochter ihres Cousins Gabriel war. Erst durch die Freundschaft mit Lace, Kennard und Jonas hatte Ruth sich akzeptiert und aufgenommen gefühlt. Ihre drei – einzigen – Freunde auf einen Schlag zu verlieren – und dann auf diese Art und Weise, hatte Ruth mehr als mitgenommen. Ihre Albträume waren da ein sicheres Zeichen! Aber die Fürsorge für Asher und Ayah ließen ihr mittlerweile kaum Zeit, nicht mal für Albträume. Ruth schmunzelte, als sie an einen Sinnspruch dachte, den sie vor ein paar Tagen beim Einkaufen auf dem Display der Soccer-Mum vor ihr gelesen hatte: „Wie schaffst du es nur, bei dem ganzen Stress nicht zusammenzubrechen? - Keine Zeit!“. Natürlich bestand der Stress der Soccer-Mum wohl eher in der Entscheidung ob die den SUV oder den Hybrid nehmen sollte, wenn sie nach dem Kauf ihres Soya Lattes das Kind vom Training holen würde, während das Au-pair das Abendessen vorbereitete. Kaum hatte Ruth den Spruch auf dem fremden Display gelesen, versuchte Asher aus dem Einkaufswagen heraus nach einem Schokoriegel zu greifen und anschließend einen Tobsuchtsanfall zu bekommen, weil Ruth den Riegel zurücklegte. Es war einer dieser Momente in denen sie versucht war, seiner Laune nachzugeben. Doch da nahm Ayah Ashers Hand und tätschelte sie. Asher – schon ganz rot im Gesicht – schnappte nach Luft und sah seine Schwester an. Die lächelte leicht und zeigte dann auf die ältere Dame hinter ihnen, die den Kindern Grimassen schnitt. Asher sah sie beeindruckt an und versuchte ihre Grimassen nachzumachen.






Ruth schüttelte bei dieser Erinnerung grinsend den Kopf, während sie die Mülltüte zusammenschnürrte und aus dem Haus trug. Es war nur gemietet, samt Einrichtung. Sie lebten mittlerweile seit fast zwei Jahren hier, doch Ruth war sich nicht sicher, ob sie wirklich bleiben sollten. Durch die beiden Kinder kannte sie nur ihre Nachbarn, den Kinderarzt und die Angestellten des Supermarkts. Manchmal traf sie Nannys oder Au-pairs auf dem Spielplatz wieder, die sie schon einmal gesehen hatte. Aber die jungen Frauen, fast noch Mädchen, quatschten die meiste Zeit miteinander oder starrten auf ihre Handys. Dass sie meistens nur ein Kind im Gepäck hatten, ließ ihnen viel mehr Zeit dazu, während Ruth in der Regel hinter Asher herjagte ohne dabei Ayah aus den Augen zu verlieren.



Immerhin hatte Ruth einen Fitnessstudio gefunden, die eine vernünftige Kinderbetreuung anboten. Ihr fiel so sehr die Decke auf den Kopf. Jeden zweiten Tag lud sie die Zwillinge für eine Stunde bei der freundlichen Ersatzoma ab und powerte sich aus: Laufband, Krafttraining. Zwar hatte sie ihren Job als Polizistin abgegeben, aber Ruth brauchte das Gefühl, jederzeit eine Tür eintreten zu können oder einem Verdächtigen hinterher zu sprinten. Manchmal schwamm Ruth auch einfach nur. Den Pool benutzten kaum andere Besucher. Entweder man ging ans Meer oder in den hauseigenen Pool. Starlight Shores war eine Stadt für die Neureichen, die Erfolgreichen. Ruth kannte die Außenbezirke, in denen die weniger erfolgreichen und weniger wohlhabenden Sims wohnte nur vom vorbeifahren. Ihr Haus hatte zwar keinen Pool, aber dafür (zumindest teilweise) Meerblick.



„Hi!“
Es war einer der Vormittage, an denen Ruth sich für den Pool entschieden hatte, ein paar Tage nachdem sie mittags eingeschlafen war. Asher und Ayah waren an diesem Morgen beiden die reinsten Engel und Ruth war entspannt und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr.
Ein braunhaariger Mann in ihrem Alter winkte Ruth lächelnd zu.
„Hi.“, erwiderte sie zurückhaltend.
„Ich bin Conrad.“ Er hielt ihr die Hand hin, die Ruth zunächst argwöhnisch musterte. „Ich musste dich einfach ansprechen, weil Debbie mir erzählt hat, dass ich seit ein paar Monaten nicht mehr der einzige bin, der den Pool nutzt.“ Er grinste breit, aber nicht unangenehm.
„Ruth.“, stellte sie sich einsilbig vor. Debbie war die furchtbar neugierige Rezeptionistin des Studios. Bei jeder sich bietender Gelegenheit, versuchte sie irgendetwas aus Ruth herauszufinden. Partnerschaften, Vater der Kinder, mögliche Liebschaften …  Sie sparte auch nicht mit Tratsch über andere Besucher, weswegen Ruth sich meistens beeilte ihr eine nichtssagende Antwort zu geben und sich aus dem Staub zu machen.
„Ohje, da ist wohl noch jemand Debbie-geschädigt.“, schloss Conrad aus Ruths Einsilbigkeit. Er zwinkerte ihr verschmitzt zu. „Unglaubliche Tratschtante.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich wollte mich dir auch nicht aufdrängen. Aber ich dachte ich sag mal, hallo. Falls du bei Schwimmen deine Ruhe haben willst: Ich komm meistens nur an Mittwochsvormittagen zum schwimmen, sonst geh ich nachmittags.“



Er tippte sich lächelnd an einen imaginären Hut und ging Richtung Poolleiter. Ruth starrte ihm perplex nach. Normalerweise war sie nicht mundfaul, aber die Flucht aus Rivervale – und die Zwillinge – mussten den Teil ihres Hirn, der für soziale Interaktion zuständig war, ziemlich auf Eis gelegt haben.
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