Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

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Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Nov 03, 2015 11:35 am

Hallo Smile

Wie bereits erwähnt, spiele ich seit einigen Wochen wieder intensiv mit meinen Sims und zwar die Apokalypse-Challenge. Das juckte mich schon in den Fingern seit Doggie die Regeln bei uns gepostet hat. Da ich gleich zwei völlig unterschiedliche unvereinbare und unausgereifte Ideen hatte, dauerte es etwas, bis ich mich für eines entscheiden konnte. Tatsächlich hatte ich schonmal mit der anderen Idee als die, die ihr jetzt zu lesen bekommt, angefangen und es hat auch Spaß gemacht, aber ich wollte nicht 30 Projekte auf einmal am Laufen haben und habe es deshalb auf Eis gelegt. Vielleicht kommt das später mal... Wink

Wie dem auch sei. "Back to Origin" wurde durch verschiedene Dinge inspiriert. Meinen ersten Anlauf mit der Erzählerin Roswhita hatte ich schon als das Regelwerk gepostet wurde. Roswhita war ein Charakter aus meinem Punchinello, den ihr nie richtig kennen gelernt habt, weil ich über die letzten zwei Wochen, die ich gespielt habe, nie geschrieben habe. Zum Zeitpunkt der Katastrophe war sie Teenagerin und Tochter von Susanne und Benjamin (s. 2. Bild im Eintrag) (das waren die, die sich trennten, weil ihre Eltern heirateten und dann auf dem College kreuzunglücklich waren). Roswhita habe ich übernommen, allerdings als junge Erwachsene und ohne die magischen Fähigkeiten, die ich ihr ursprünglich zugedacht hatte. Und sie heißt auch nicht mehr Doll mit Nachnamen. Very Happy
Ein zweiter Einfluss war der Anime "Origin - Spirits of the Past". Obwohl ich den Film ingesamt eher langweilig und zu typisch Anime empfunden habe, fand ich doch das Intro und die Idee ziemlich gut. Es geht kurz zusammen gefasst um ein Dorf nach einer Katastrophe, bei der durch ein fehlgeschlagenes Genexperiment an Pflanzen auf dem Mond, eben diese Pflanzen eine Art eigenen Willen entwickelten, sämtliche menschliche Zivilisationen zerstörten und anschließend quasi die Herrschaft inne hatten. Die Menschen des Dorfes versuchen friedlich mit den Pflanzen zusammen zu leben, was meistens gelingt, aber nicht immer, vor allem weil es auch noch andere Städte gibt, die versuchen den "bösen Wald" zu zerstören und die Erde in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Leider hat der Film das Potenzial der Geschichte nicht völlig ausgeschöpft und vieles blieb nicht ausreichend erklärt, aber die Grundidee ist in meine Geschichte eingeflossen. Wer sich das Intro des Films (einer der besten Teile des Films) anschauen will, der schaue hier. Ich habe leider keine vollständige Version auf deutsch gefunden, daher müsst ihr euch mit meiner Übersetzung zufrieden geben (s. Spoiler)
Übersetzung Origin:
Der fehlende Teil am Anfang: "Vor langer, langer Zeit erwachte im Herzen des Waldes ein Samenkorn. Das Waldungeheuer mit seinem feueroten Atem und seinen grünen Tränen fiel. Und die Menschheit duckten sich vor Angst. Vor langer Zeit als die Tränen des Ungeheuers trockneten acheteten sie sehr auf die Stimme des Waldes.
Der Songtext:
In der Stille fiel nur ein Tropfen.
Ein Kräuseln des Wassers, eine Welle am Grund des Brunnens.
Durch den wispernden Wald in meinem Herzen weht ein eisiger Wind.
Was gemeinsam existieren kann, sollte unverändert bleiben.
Jeder, der in diesem Wald ein Flüstern hört, vergießt wegen des Geräuschs eine Träne.

3 25 15 21 23 1

In diesem Wald endet das Geschrei nie
und mit Stille bring zurück die friedlichen Zeiten
in mein stürmisches Herz.

Lärm ist geboren, geboren, geboren
versinkt, versinkt im Ozean des Lärms.

Ich will euch nicht weiter mit meiner Inspiration langweilen. Ich lade gleich meine ersten Einträge hoch.
Und keine Angst: Mit Yvaine und Tyler wird es noch weiter gehen - ich brauche nur eine Pause. Wink

LG
Miri


Zuletzt von singingmiri am So Nov 08, 2015 9:49 pm bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Nov 03, 2015 11:36 am



Zuletzt von singingmiri am Sa Nov 14, 2015 1:33 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Durst!

Beitrag  singingmiri am Di Nov 03, 2015 11:41 am

Ich gab auf, als ich bereits Stunden durch die verlassene Gegend um mich herum gewandert war. Die Sonne brannte erbarmungslos auf mich herab. Weit und breit war kein Trinkwasser zu finden. Das Meerwasser wurde von Minute zu Minute verlockender. Ausgedürstet stolperte ich am Strand entlang, in der Hoffnung eine Flussmündung zu finden. Auf der Suche nach – wonach eigentlich? Wasser? Nahrung? Oder einfach nur einer Simseele? Es musste Tage hersein, seit ich zuletzt einen Sim oder wenigstens ein Lebewesen gesehen hatte. Das Leben auf der Welt schien auf einen Schlag ausgelöscht worden zu sein, als die Katastrophe über uns hereinbrach. In Bruchteilen von Sekunden war ausgelöscht, was die Simheit über Jahrtausende ausgebaut hatte. Wie hatte es nur passieren können. Es hatte keinerlei Vorwarnung gegeben. Ich konnte mich nicht einmal erinnern, was genau passiert war. Einen Moment hatte ich noch darüber nachgedacht, ob ich zuerst zur Post und dann ein Eis essen gehen sollte oder umgekehrt und im nächsten zerbrach auf einen Schlag alles um mich herum. Die Stadt wurde von einem Tsunami überflutet, daran konnte ich mich noch erinnern, aber ich hatte eine vage Erinnerung, an einen lauten Knall, Lichtblitze am Himmel, ein starkes Erdbeben und Pflanzen. Überall waren plötzlich Pflanzen gewesen, die ihre Wurzeln und Äste durch Gebäude schlugen. Es konnte nicht sein. Ich musste halluzinieren. Bestimmt war es der Durst. Ich musste endlich Trinkwasser finden! Ich stolperte weiter. „Wasser!“, schrie ich im Kopf mit jedem Schritt. „Wasser!“ Noch ein Schritt. „Wasser!“ Und noch einer.
Als die Sonne am höchsten stand brach ich schließlich zusammen und kam nicht mehr hoch. Die Kraft hatte mich endgültig verlassen. Ich schloss die Augen, weil ich schon seit Stunden nicht mehr klar sehen konnte. Mund und Rachen waren völlig trocken. Ich hatte das Gefühl, dass in mir alles aufriss. Ich würde einfach verdursten, begriff ich. Wäre ich nicht so ausgetrocknet gewesen, hätte ich darüber sicher geweint. So blieb mir nichts, als meinen Kopf zwischen die Knie zu stecken und auf mein Ende zu warten. Ich hatte die Katastrophe überlebt – als eine von wenigen, vermutete ich, oder sogar als einzige – und ich würde an Durst sterben. Ein solches Ende hätte ich für mich nie für möglich gehalten.



Er fand mich, als ich schon lange Zeit in mich zusammen gesunken da saß und auf den Tod wartete. In meinen Ohren rauschte es schon seit Stunden, darum nahm ich seine Schritte nicht wahr.
„Komm zu dir“, hörte ich eine männliche Stimme neben mir. Es klang als spräche er durch eine Glaswand. Ich wollte nachsehen, woher die Glaswand kam, aber ich konnte meinen Kopf nicht drehen. Ich hatte die Kontrolle über meinen Körper verloren. Es konnte nicht mehr lange dauern.



Dann spürte ich plötzlich Wasser an meinen Lippen, auf meiner Zunge. Es war nicht genug. Mein Mund war immer noch zu trocken. Er saugte alle Flüssigkeit auf. Es blieb nichts herunterzuschlucken.
„Langsam.“, mahnte die Stimme. Wieder spürte ich Wasser. Doch ich konnte nicht schlucken. Ich hatte es verlernt. Ich versuchte zu sprechen, ihm klar zu machen, dass ich keinen Tropfen Wasser herunterbekam.
„Schscht“, beruhigte er mich. „Nicht sprechen. Du musst erst wieder trinken können. Dann bringen wir dich ins Lager.“
Ins Lager. Das klang wunderbar nach Zivilisation und Menschen. Nach Leben. Ich schöpfte Mut und ließ mir artig Schluck für Schluck einflößen. Es brauchte einige Anläufe, bis ich dazu in der Lage war, tatsächlich zu schlucken, wenn auch unter Schmerzen. Ich verschluckte mich einige Male, weil das Wasser in die Lunge lief. Zwischen ein paar Schlucken hatte ich das Gefühl, dass der Simo mich irgendwo hin trug, wo es kühler wurde. Nach und nach fühlte ich mich besser. Meine Sicht wurde klarer und das unerträgliche Rauschen in den Ohren ließ nach. Es war immer noch (oder wieder?) hell und ich lag im Schatten.
Der Simo neben mir bemerkte, dass meine Schlucke kräftiger wurden und überließ mir seinen Wasserschlauch. Ich trank ihn gierig leer.
„Ich bin Mattis.“, stellte er sich vor. „Wie geht es dir jetzt?“
„Besser.“, krächzte ich.
„Wie heißt du?“
„Roswhita.“, brachte ich mühsam hervor. Ich hatte das Gefühl noch mindestens einen Wasserschlauch trinken zu müssen.
Er lächelte. „Es ist wohl besser, wenn du nicht weiter sprichst, Roswhita. Leider ist der Schlauch leer, aber nicht weit entfernt ist ein Bach. Kannst du aufstehen?“



Zuletzt von singingmiri am So Nov 08, 2015 9:52 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Nov 03, 2015 11:44 am

Ich nickte stumm und machte Anstalten aufzustehen. Es fiel mir schwerer als gedacht. Mattis half mir hoch und stützte mich. Es dauerte eine Weile bis ich meine zitternden Beine beruhigt hatte. An seinem Arm machte ich ein paar vorsichtige Schritte, bevor mir wieder schwindelig wurde. Ich taumelte. Er musste das erwartet haben, denn er fing mich sofort auf.
„Langsam.“, sagte er wieder. „Wir versuchen es noch einmal. Du schaffst das schon.“
Wie ich es ins Lager schaffte, würde mir immer ein Rätsel bleiben.
Mattis stützte mich halb, halb trug er mich zu besagtem Bach. Wir rasteten dort eine Weile und ruhten uns im Schatten aus, denn die Sonne brannte immer noch unerträglich, obwohl sie schon niedriger stand. Da ich immer noch Probleme hatte zu sprechen, musste ich mich mit Nicken und Kopfschütteln begnügen, wenn er mich etwas fragte. Er machte mein Schweigen wett, in dem er mir von dem Lager erzählte. Er sei nach der Katastrophe auf ein paar andere überlebende Sims gestoßen. Sie hatten sich zusammen getan und eine Art Camp errichtet.



Dass davon noch nicht viel zu sehen war, erfuhr ich als wir ankamen. Sie hatten auf der anderen Seite der Insel in der Nähe des Strands (soviel zu nicht weit weg!) die Trümmer beiseite geräumt und aus den wenigen brauchbaren Überresten eine Feuerstelle, einen Grill und einige Stühle gebaut. Danach waren sie jeweils alleine in unterschiedliche Richtungen losgezogen um Nahrung, Ressourcen und andere Überlebende zu finden. Das war zwei Tage zuvor gewesen. Mattis war besorgt, ob die anderen überlebt hatten und fragte sich, was sie erreicht hatten. Darum schlug er, als wir wieder aufbrauchen ein zügigeres Tempo an, um noch vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu kehren. Meine Füße taten mir bald weh. Stöhnend erklomm ich den letzten Hügel vor dem Camp. Die anderen mussten nach Mattis Ausschau gehalten haben, denn als wir uns dem Lager näherten , hörten wir bald Rufe, die Mattis umgehend beantwortete. Kurz darauf lief uns eine junge Sima entgegen.



„Ein Glück lebst du!“, rief sie erleichtert, als sie näher kam. Dann sah sie mich an.
„Das ist Roswhita.“, erklärte Mattis. „Ich hab sie halb verdurstet am anderen Ende der Insel gefunden.“ Er wandte sich mir zu. „Das ist Judith.“ Ich nickte der Sima zu.
„Du musst erschöpft sein.“, sagte Judith. „Komm. Du musst dich ausruhen und etwas trinken. Niels hat auch ein paar Fische gefangen.“

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Nov 03, 2015 11:46 am

Unten im Camp herrschte bereits ein geschäftiges Treiben. Offenbar waren seit Mattis Aufbruch einige Sims dazu gekommen, denn Judith stellte die anderen nach der Reihe vor.
„Ich bin nicht sehr weit weg gegangen.“, erzählte sie. „Nur bis zu den Sümpfen. Dort bin ich auf Tobit und Michael gestoßen. Sie haben sich uns angeschlossen. Gestern kamen Harriet und Tamera eher zufällig hier vorbei. Wir haben sie auch hier aufgenommen. Niels war zwei Tage mit dieser Angel unterwegs, die er gefunden hat. So haben wir jetzt wenigstens etwas zu essen.“
„Ich habe auch nichts anderes zu Essen gefunden.“, seufzte Mattis. „Aber in all dem Schrott, an dem im vorbeigelaufen bin, könnte einiges Brauchbares sein.“
Michael und Niels hatten den Grill bereits zum Laufen gebracht, während Harriet und Tamera die Fische ausnahmen. Judith stellte mich vor und drückte mich auf den nächsten Stuhl, trieb etwas zu Trinken auf und überwachte, dass ich nicht zu hastig trank. Als ich später meine erste Mahlzeit seit Tagen aß, erzählten die anderen ihre Geschichten, was sie gesehen hatten, als die Katastrophe hereinbrach und wie sie seitdem überlebt hatten.



Danach legten wir uns um das Lagerfeuer in Schlafsäcken schlafen. Doch ich schlief lange nicht und sah hinauf zu den Sternen, die so anders wirkten als ich sie in Erinnerung hatte. In einem waren sich alle bei ihren Erzählungen einig gewesen: Die Pflanzen hatten sich bei der Katastrophe nicht normal verhalten.

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Hunger!

Beitrag  singingmiri am Sa Nov 14, 2015 1:01 pm

Der Hunger war das nächste Problem. Wir ernährten uns ausschließlich von den Fischen, die Niels, der darin einiges Geschick bewies, fing. Aber es reichte nicht aus. Obwohl auch wir anderen unser Glück beim Angeln versuchten (mit meist schlechten Ergebnissen), verging kein Tag, an dem wir uns nicht hungrig am Feuer schlafen legten und kein Morgen, an dem wir nicht von unseren knurrenden Mägen geweckt wurden. Wir alle bemühten uns, es klaglos zu ertragen, aber die Grundstimmung war schlecht und oft fingen wir wegen unwichtigen Dingen an zu streiten. Jeder von uns wusste, dass es unter diesen Bedingungen nur eine Frage der Zeit war, bis der erste verhungern würde. Wir machten uns nichts vor: Wenn wir bis zum Wintereinbruch keine andere Nahrungsquelle fanden, würden wir überhaupt nichts mehr zu Essen haben. Wir hatten weder die Möglichkeit Fische einzulagern, noch würde es im Winter frischen Fisch geben. Also durchkämmten wir die Insel Tag für Tag auf der Suche nach Essbarem und nach nützlichen, noch brauchbaren Dingen. Nach und nach sammelte sich im Lager ein großer Haufen an Kisten, halb kaputten Möbeln und elektrischen Geräten an, die ohne funktionierendes Stromnetz freilich völlig nutzlos waren. Nur Nahrung fanden wir nicht.


Harriet

Abgesehen von der Nahrungsknappheit, gedieh unser Lager prächtig. Mattis und Michael fanden an einem Tag eine noch intakte Badewanne, die sie schwitzend ins Lager schleppten. Sie wurde vor allem von uns Simas mit Begeisterung begrüßt. Vorerst war das Baden natürlich eine anstrengende Angelegenheit, da wir das Wasser mühsam in Eimern vom Fluss herschaffen uns über dem Feuer erhitzen mussten. Die Simos errichteten um die Badewanne herum eine wackelige Bretterkonstruktion, um etwas Privatsphäre zu ermöglichen.



Bei unserer abendlichen Lagerfeuerrunde, bei der wir die Lage besprachen und Pläne schmiedeten, kündigte Tobit eines Tages an, ein provisorisches Stromnetz einzurichten, da er einen kleinen Generator gefunden habe, der noch funktionieren könnte.
„Wüsste nicht, wozu wir ein Stromnetz brauchen, wenn wir ohnehin in ein paar Wochen alle verhungert sind.“, munkelte Niels. Mir war bereits aufgefallen, dass ihm der Hunger besonders zusetzte und meistens miesepetrig gelaunt war.
Tobit sah verunsichert in die Runde. „Ich dachte, es sei eine gute Idee. Es wird einiges erleichtern, wenn wir ein paar dieser Geräte in Betrieb nehmen können.“, meinte er kleinlaut und machte eine vage Bewegung zu unserem Berg aus geborgenen Geräten.
Die anderen schwiegen dazu. Das ärgerte mich. „Ich finde die Idee gut.“, sagte ich mit Nachdruck und schenkte ihm ein ermutigendes Lächeln. „Wir sollten uns nicht nur um den nächsten Tag sorgen und ob wir etwas zu Essen finden. Dieser Sommer wird nicht ewig halten. Und wenn der Winter kommt, werden wir dankbar sein, wenn wir Strom haben.“
Die anderen lächelten zustimmend und Niels zuckte die Schultern.
„Ich gebe dir durchaus Recht, dass wir endlich etwas anderes zu Essen finden müssen.“, antwortete ich freundlich. „Aber es braucht mehr als ein paar anständige Mahlzeiten um über den Winter zu kommen.“
„War nicht so gemeint.“, brummte Niels missmutig.
Tobit war sichtlich erleichtert. „Ich mache mich gleich morgen dran. Vielleicht können wir auch die Wasserversorgung reaktivieren.“
„Ich helfe dir.“, bot Michael sich an.
„Gute Idee. Wenn wir alle zusammen arbeiten können wir das schaffen. Und irgendwann wird sich auf dieser Insel etwas zu Essen finden, da bin ich sicher.“, meinte ich zuversichtlich.


(hinten: Mattis und Tobit; um das Lagerfeuer im Uhrzeigersinn bei Roswhita beginnend: Niels, Judith, Michael, Tamera, Harriet)
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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Sa Nov 14, 2015 1:04 pm

Am nächsten Morgen machten wir alle uns mit neuem Elan ans Werk. Tobit und Michael tüftelten an dem Stromnetz; Niels zog wie üblich mit Angel und Eimer los; Judith, Harriet und Tamera gingen erneut auf die Suche nach Nahrung und Mattis und ich blieben zurück im Lager und versuchten die Bretterkonstruktion zu stabilisieren. Am Abend zuvor war es windig geworden und wir alle hatten bei unserem abendlichen Bad befürchtet von den Brettern erschlagen zu werden. Außerdem hatten wir vor einen Unterstand zu bauen, der uns gleichermaßen vor Sonne und Regen schützen sollte.



„Das Wetter wird bald umschlagen.“, bemerkte Mattis bei unserem kärglichen Mittagessen – ungesalzenem Fisch.
Ich würgte einen Bissen hinunter. „Die Frage ist nur wie bald und ob wir es schaffen bis dahin eine Hütte zu bauen. Alles Essen der Welt nützt uns nichts, wenn wir es nicht lagern und vor Waschbären sichern können.“
Mattis sah mich nachdenklich an.
„Was?“, fragte ich patzig, als mir sein Blick zu lang wurde.
„Tut mir Leid.“ Er grinste.
Ich sah ihn abwartend an. Aber er schien nichts dazu sagen zu wollen. „Willst du mir nicht sagen, warum du mich dauernd so anstarrst?“, fragte ich giftig. Es war nicht das erste mal gewesen. Auch gestern am Lagerfeuer hatte ich seine Blicke auf mir gespürt.
Er kaute unnötig lange auf seinem Bissen herum. „Ich beobachte dich.“
„Ach nee.“, gab ich ironisch zurück. „Und warum?“ Einen Moment lang bereute ich meine Frage. Was, wenn er mir nun sagen würde, dass er auf mich stand? Wenn hier etwas im Moment keinen Platz hatte, dann Liebe.
„Ich beobachte jeden hier.“, antwortete er. „Wir werden vermutlich eine Weile zusammen leben müssen. Darum versuche ich euch alle so gut wie möglich kennen zu lernen.“
Ich war irgendwie erleichtert. Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück. „Ob wohl jemand kommen wird, um uns zu evakuieren?“
„Wer weiß. Ich würde nicht darauf bauen. Wir wissen nicht, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Ob es dort auch so eine Katastrophe gab und ob sie überhaupt wissen, dass hier etwas passiert ist.“
„Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, uns darauf einzurichten, dass nie jemand vorbei kommen wird.“, seufzte ich. „Es wird schwierig werden. So müssen sich die ersten Sims gefühlt haben. Völlig auf sich selbst gestellt und ohne Versorgung von außen.“
„Als wäre alles wieder auf null gestellt.“, stimmte er mir zu. Ich schauderte ohne zu wissen wieso. Aber er hatte Recht. Wir begannen quasi bei Null mit dem Aufbau. „Lass uns wieder an die Arbeit gehen.“, schlug ich vor, um nicht weiter darüber nachdenken zu müssen.
„Sklaventreiber.“, schmunzelte er. Ich streckte ihm die Zunge raus. „Während wir die Bretter und Balken für unsere erste Hütte herbeischafften und zurecht sägten, dachten wir gemeinsam darüber nach, was es bis zum Winter zu tun gab, um unser Überleben zu sichern. Mattis war eine großartige Hilfe dabei. Er stimmte mir in den meisten Punkten zu, ergänzte meine Überlegungen und brachte mich auf neue Ideen. So verflog die Zeit und ehe wir uns versahen, ging die Sonne unter und die anderen kehrten nach und nach ins Lager zurück.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Sa Nov 14, 2015 1:07 pm

„Was gibt’s Neues?“, fragte ich, während wir uns beeilten, das Lagerfeuer wieder in Gang zu bringen.
„Tobit hat den ganzen Tag an diesem Generator getüftelt. Ehrlich, er hat richtig Ahnung davon.“, erzählte Michael voller Bewunderung. Ich habe währenddessen die Leitungen geprüft und mir die Wasserrohre angeschaut. Sie sind ganz schön verstopft.“
„Was denkst du wie lange du brauchst, um das Stromnetz in Betrieb zu nehmen?“, fragte ich Tobit, während ich mit geübten Handgriffen, die Fische ausnahm.
„Ein paar Tage, wenn es gut läuft.“, gab er zurück und fügte zögernd hinzu: „Es wird nicht sehr viel Kapazität haben, fürchte ich.“
„Nun, ich hatte nicht vor in nächster Zeit einen HD-Fernseher anzuschließen.“, warf Mattis grinsend ein und schlug Tobit und Michael anerkennend auf die Schulter.
„Alles Tobits Verdienst.“, wehrte Michael ab. „Er kennt sich mit diesen Schaltkreisen wirklich gut aus.“



In diesem Moment trafen die anderen Simas unter lautem Hallo im Lager ein. An ihren aufgeregten Gesichtern sah ich sofort, dass sie ebenfalls gute Neuigkeiten brachten.
„Essen?“, fragte Niels hoffnungsvoll.
„Das nicht, aber...“ Tamera öffnete vorsichtig ein Tuch, das sie bei sich trug. „... Samen.“
Niels sah enttäuscht aus. Ich ignorierte ihn.
„Wo habt ihr die gefunden?“, kam mir Mattis in meiner Frage zuvor.
„Weiter im inneren der Insel sind alte Felder. Die Früchte sind alle vergammelt, aber man findet dort jede Menge Samen.“, erklärte Harriet. „Wir haben natürlich keine Ahnung, was es für Samen sind, aber Tamera meint, sie habe ein paar davon erkannt.“
„Kennst du dich mit Pflanzen aus?“, fragte ich Tamera.
„Ein wenig. Meine Eltern hatten ein paar Gemüsepflanzen im Garten.“
„Dann solltest du am besten gleich morgen damit anfangen, daraus Pflanzen zu ziehen. Ich denke, wir werden alle dankbar sein, wenn wir etwas Abwechslung auf die Speisekarte bringen.“
„Ich kenne mich ein wenig mit Kräutern aus.“, warf Harriet ein. „Ich helfe Tamera.“
„Wunderbar.“, freute ich mich und reichte Niels strahlend ein paar der ausgenommenen Fische zum Grillen. Er sah mich verwirrt an, nahm die Fische aber wortlos entgegen und machte sich ans Werk.




„Was steht morgen an?“, fragte Judith, als wir gut gelaunt am Lagerfeuer saßen. Ich bemerkte, dass mich unwillkürlich alle ansahen.
Ich dachte nach. „Nun, die Samen müssen eingepflanzt werden. Das übernehmen Tamera und Harriet. Niels wird sicher wieder fischen gehen. Tobit arbeitet weiter an dem Stromnetz, zusammen mit Michael. Bleiben noch Mattis, Judith und ich.“ Ich dachte wieder nach. „Die Hütte muss weitergebaut werden. Und jemand sollte losziehen und weitere Samen sammeln. Das solltest du tun, Judith, weil du den Ort kennst.“
„Ich könnte morgen alleine an dem Generator arbeiten.“, schlug Tobit vor. „Dann kann Michael beim Bau der Hütte helfen.“
„Du willst alleine am Stromnetz arbeiten?“, fragte ich entsetzt. „Und wenn du einen Schlag bekommst?“
„Ich bekomme schon keinen Schlag!“, wehrte er ab. „Michael wird hier dringender gebraucht.“
„Das mag ja sein, aber sie hat Recht Tobit. Du solltest nicht alleine damit sein.“, mischte sich Niels ein. Nun war es an mir, Niels verwirrt anzusehen. Er gab mir nie Recht. „Interessant, was ein Lächeln bewirkt.“, dachte ich und nahm mir vor, das in Zukunft häufiger auszuprobieren.
„Wir sind nicht genug, um jemanden abzustellen, der für meine Sicherheit zuständig ist. Es gibt genug andere wichtige Aufgaben. Michael kann sich hier unten viel nützlicher machen.“
„Du nützt uns nichts, wenn du tot bist.“, gab ich entschieden zurück.
Plötzlich begannen alle durcheinander zu reden, welche Lösung die Beste sei, während ich das Für und Wider abwägte. Als die anderen anfingen zu streiten, räusperte ich mich vernehmlich. Sofort verstummten alle.
„Lasst uns nicht darüber streiten. Tobit hat Recht. Michael kann Mattis viel besser hier unten bei der Hütte helfen als Judith oder ich. Darum werde ich dich morgen begleiten und Judith sammelt die Samen.“
„Kennst du dich mit Generatoren aus?“, fragte Tobit abschätzend.
„Kein bisschen.“, gab ich grinsend zurück. „Aber du wolltest ja alleine daran arbeiten. Ich werde in der Nähe sein, falls du meine Hilfe brauchst, und bergen.“ Mattis musste sich ein Lachen verbeißen, während er mir gleichzeitig einen anerkennenden Blick zuwarf. Die anderen nickten wie so oft zustimmend zu meiner Entscheidung.

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Ein Anfang

Beitrag  singingmiri am Sa Dez 05, 2015 6:23 pm

Ich begleitete Tobit oft in den nächsten Tagen zum Generator, an dem er unermüdlich bastelte. Nach und nach legte er mir gegenüber seine Schüchternheit, die er sonst an den Tag legte, ab. Er erzählte, dass er Technik studiert und gerade die Semesterferien genossen hatte, als die Katastrophe hereinbrach. Wir überlegten gemeinsam, was wohl passiert war und warum sich die Pflanzen so eigenartig verhalten hatten. Dabei bemerkte ich, dass er auch umfangreiche Kenntnisse in Naturwissenschaften besaß und am liebsten die Sache erforscht hätte. Das war freilich im Moment nicht möglich. Vorerst mussten wir überleben. Manchmal befürchtete ich, dass unsere langen Unterhaltungen ihn von der Arbeit ablenkten und ich unseren Fortschritt aufhielt. Er winkte nur ab und meinte, die Gespräche beflügelten ihn, als ich ihn vorsichtig danach fragte, was mich seltsam glücklich machte.
Natürlich stand ich dabei nicht untätig neben ihm. Während er die vielen Schaltkreise im Stromnetz und am Generator prüfte und reparierte, sortierte ich systematisch die Schrotthaufen. Viele der Geräte und Möbel, die ich fand, waren so kaputt, dass sie nur noch dem Recycling dienten, aber an einem Tag fand ich einen Schrank voller Kleider, die Tobit und ich abends ins Lager schleppten. Wir waren erleichtert nicht mehr in denselben stinkenden Sachen herumlaufen zu müssen. Vor allem hatten sich die Kleider, die wir am Leib trugen, oft als unpraktisch erwiesen und nun konnten wir endlich bequemere Klamotten anziehen.



Unterdessen hatten Mattis und Michael einen provisorischen Unterstand für die empfindlichen Dinge, die wir fanden, gebaut. Darunter bauten wir auch ein paar Werkbänke auf, an denen wir – meistens Michael und Tobit – handwerkliche Aufgaben erledigen konnten. Unsere erste Hütte war ebenfalls in Arbeit. Michael verbrachte seine Tage damit, Bretter dafür zurecht zu sägen.



Bisher hatte es noch kein einziges Mal geregnet, was mir verdächtig vorkam. Zwar waren wir erleichtert, dass wir nicht im Matsch schlafen mussten, aber Tamera und Harriet brachte es zusätzlich ins Schwitzen. Sie mussten täglich große Mengen Wasser vom Fluss herbeischaffen, um die Pflanzen zu bewässern. Der Gemüsegarten war sehr groß geworden. Judith hatte eine Menge Samen gefunden, die Tamera alle eingepflanzt hatte. Sie hatte natürlich nicht damit gerechnet, dass sie alle aufgehen und so schnell wachsen würden. Zu zweit war die Arbeit bald nicht mehr zu bewältigen, so dass jeder von uns einsprang, wenn er Zeit erübrigen konnte. Michael unterbrach die Arbeit an der Hütte für ein paar Tage, um gemeinsam mit Niels die Wasserleitungen zu untersuchen. Sie fanden einige Verstopfungen, die sie mühsam beseitigten. Sie fingen auch einige Fische in der Kanalisation, die wir mangels einer Alternative trotzdem aßen.
Es war eine große Erleichterung als Strom und fließendes Wasser endlich funktionierten.

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Der erste Regen

Beitrag  singingmiri am Di Dez 29, 2015 5:53 pm

Ich fuhr mit quietschenden Bremsen auf den Rasen und stellte das Fahrrad ab. Fahrräder waren eine unserer neuen Errungenschaften. Tobit hatte mit gelegentlicher Unterstützung von uns anderen acht Fahrräder zusammengebaut. Seit wir nicht mehr jede Strecke zu Fuß zurücklegen mussten, war alles schneller von der Hand gegangen. Wenn wir bergen gingen, konnten wir jetzt größere Mengen zurücktransportieren. Wenn wir Rohstoffe sammelten, konnten wir uns weiter vom Lager entfernen und neue Teile der Insel erkunden.



Wir hatten zum Beispiel herausgefunden, dass es einen Flecken gab, der von der Katastrophe völlig unberührt war. Es handelte sich um einen eigenartigen weißen, leuchtenden Turm, der inmitten seltener und eigenartiger Pflanzen stand. Es gab dort auch ein paar Nutzpflanzen, die überlebt hatten und köstliche Früchte trugen. Und die Samen, die wir dort fanden, schienen immer die besten und größten Pflanzen hervorzubringen.



Mattis hatte bereits einige Edelsteine und Metalle an diesem Ort gefunden, die bis zur Katastrophe sehr wertvoll gewesen waren. Da es jetzt keinen Markt dafür gab, waren sie freilich ziemlich nutzlos. Mattis sammelte sie trotzdem. Harriet und er machten sich dafür stark, eine Edelsteinschleifmaschine zu bauen. Ich sah nicht wirklich einen Sinn darin, aber da sie so darauf bestanden, leistete ich keinen Widerstand. Man wusste schließlich nie, wozu diese funkelnden Steine noch nützlich sein würden. Es konnte immerhin sein, dass uns eines Tages doch jemand hier abholte. Dann wären wir auf einen Schlag steinreich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Harriet sammelte außerdem die Splitter und den Staub, der beim Schleifen von den Edelsteinen abfiel, in Gläsern. Zuerst wollte sie nicht so recht damit rausrücken, aber schließlich gestand sie mir im Vertrauen, dass sie ein paar Bücher gefunden habe, in denen von Tränken die Rede sei, die Krankheiten heilen konnten. Ich nahm an, es ging um eine Art Alternativmedizin und da wir nichts anderes zur medizinischen Versorgung hatten, unterstützte ich Harriet so gut es ging bei ihrem Vorhaben, diese Tränke zu brauen.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Dez 29, 2015 5:57 pm

Das alles war in diesem Moment, in dem ich nach Hause kam, völlig nebensächlich. Denn es regnete und ich war patschnass. Eilig rannte ich zum unserer Hütte hinüber. Sie war gerade noch rechtzeitig fertig geworden, bevor die ersten Regentropfen seit Wochen gefallen waren. Seitdem regnete es recht häufig, als hätte das Wetter nur darauf gewartet, dass wir endlich ein Dach über dem Kopf hatten.



Die Hütte bot gerade so eben genug Platz für eine Küche mit Essbereich, zwei Bäder, einen Gemeinschaftsraum und einen Schlafraum, in dem wir unsere Schlafsäcke ausgebreitet hatten. Es war nicht besonders bequem, aber wir hatten uns bereits daran gewöhnt, auf dem Boden zu schlafen.



Außerdem hatte Mattis auf seinen Streifzügen ein paar halb verhungerte Hühner gefunden, die er mit Hilfe seines Proviants wie der Rattenfänger von Hameln ins Lager führte. Michael hatte in Rekordzeit ein Hühnerhaus gebaut, in dem die Hennen nun hausten und täglich frische Eier lieferten.



Wir hatten auch ein paar Bienenkästen aufgestellt, um den Ertrag der Pflanzen zu steigern. Judith und Tobit fanden mit Hilfe einiger Bücher, die wir gefunden hatten, heraus wie man aus den Waben Honig gewinnen konnte.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Dez 29, 2015 6:04 pm

Unsere Überlebenschancen für den Winter waren damit gar nicht mehr so schlecht. Natürlich würden wir streng rationieren müssen, aber ich sah mittlerweile eine realistische Chance, dass keiner von uns verhungern oder erfrieren würde. So machte ich mir nun zum ersten Mal seit der Katastrophe Gedanken, was wohl wäre, wenn niemand uns retten käme, wenn es vielleicht gar keine anderen Sims mehr auf der Welt gab. Wäre es dann an uns die Welt wieder zu bevölkern? Der Gedanke behagte mir nicht. Ich war in einer Welt aufgewachsen, in der es nicht zwingend nötig war, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Aber wenn wir hier bleiben mussten, war es überlebenswichtig Kinder zu haben, die unser Werk fortführen und uns im Alter versorgen konnten. Ich wollte gar nicht über all die Implikationen, die das mit sich brachte, nachdenken. Ganz abgesehen davon, dass bei unserer mangelnden medizinischen Versorgung Schwangerschaften wieder lebensbedrohlich waren.



Ich wusste nicht, wie die anderen darüber dachten, aber mir fiel auf, dass einige Partnerschaften nicht abgeneigt waren.
An einem Abend sah ich Michael und Harriet eng nebeneinander am Strand sitzen und in die Sterne sehen. Worüber sie dabei redeten konnte ich glücklicherweise nicht verstehen und ich trat schleunigst den Rückzug an, um sie nicht zu stören. Aber ich dachte viel darüber nach, ob die Beiden sich im Klaren waren, dass es hier keine Möglichkeit zur Verhütung gab und dass ein bisschen harmloses Vergnügen schnell zu sehr viel Verantwortung für ein Kind führen konnte. Ich nahm mir vor, das Thema Harriet gegenüber bei Gelegenheit anzusprechen.

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Zuviele Köche verderben den Brei

Beitrag  singingmiri am So Jan 03, 2016 1:39 pm

„Das kann nicht euer Ernst sein!“, rief ich schockiert aus. „Ihr wollt mich mit so einer Aufgabe betrauen? Das wäre nicht richtig. Wir sind nur so eine kleine Gruppe, braucht es da wirklich einen Bürgermeister?“ Ich sah ungläubig von einem zum andern, aber sie schienen das alle für eine gute Idee zu halten.
Nachdem unsere erste Hütte fertig geworden war und wir nun eine Weile darin lebten, hatte ich es für eine gute Idee gehalten, abends am Lagerfeuer zu besprechen, wie wir langfristig vorgehen wollten. Wer für was zuständig sein sollte, was wir alles aufbauen wollten, ob wir uns auf die Suche nach anderen Sims machen sollten, kurz: einen genauen Fahrplan auszuarbeiten. Vielleicht kam den anderen diese Planung übertrieben vor, aber ich mochte es, Pläne auszuarbeiten. Es hatte sich auch niemand gesträubt, als ich den Vorschlag gebracht hatte, dass jeder für etwas anderes zuständig sein sollte. Mittlerweile kannten wir uns recht gut und wussten, wer was gut konnte. Es war auch mehr eine pro-forma-Angelegenheit. Vor allem wollte ich erreichen, dass ich nicht die ganze Verantwortung tragen und an alles denken musste. Wir waren uns sehr schnell einig gewesen, dass Tamera und Niels für die Nahrungsbeschaffung zuständig sein sollten. Tamera hatte ohnehin die letzten Wochen hauptsächlich mit unseren Nutzpflanzen verbracht und kannte sich damit am besten aus. Niels versorgte uns nach wie vor oft mit frischen Fisch und hatte auch schon einiges Geschick im Kochen bewiesen. Gemeinsam würden sie entscheiden, was zu tun war, um Vorräte anzulegen, was angebaut wurde und wie wir das Essen über den Winter rationieren sollten.
Ebenfalls klar war, dass Tobit sich um alles Technische kümmern würde, von Elektrizität über die Wasserleitungen bis hin zu den Geräten, die wir benötigten. Er hatte bereits viel Erfinderreichtum bewiesen, in dem er ein Bewässerungssystem für den Garten erfunden hatte, das Tamera das mühevolle Gießen abnahm. Auch wenn sie sonst Technik eher kritisch gegenüber stand, hatte sie bereits zugegeben, wie sehr es ihr die Arbeit erleichterte. Bei dieser Arbeit würde ihn gelegentlich Michael unterstützen, der sonst hauptsächlich mit Konstruktionsaufgaben betraut wurde. Er sollte die Pläne für unsere Hütten machen und auch unsere Möbel zimmern. Wir hatten sein handwerkliches Geschick schon oft bewundert.
Doch dann hatte Tamera, die sonst bei unseren Planungsrunden eher selten den Mund aufmachte, vorgeschlagen, dass ich die Bürgermeisterin sein sollte. Ich fand das reichlich albern und überhaupt nicht nötig, dass bei acht Personen einer die ganze Verantwortung trug.
„Ich weiß nicht, was du hast.“, meinte Harriet kopfschüttelnd. „Es ändert doch überhaupt nichts. Du hast uns bisher immer gut geführt und ohne dich wären wir nie so weit gekommen. Du hast einfach eine Gabe, den Überblick zu behalten und zu entscheiden, was als nächstes wichtig ist.“
„Es geht doch gar nicht so sehr darum, dass du alles allein bestimmen sollst. Aber wir brauchen jemanden, der die Fäden in der Hand hält, der all unsere Aktionen koordiniert. Ich finde, wenn wir die Aufgaben schon verteilen, dann brauchen wir auch jemanden, der über alles Bescheid weiß.“, fügte Tamera hinzu.
„Aber der Sinn der Aktion ist doch, dass jeder seine Zuständigkeit hat. Ich will euch nicht ständig sagen, wer was wann zu tun hat. Ich verstehe auch nicht soviel von Technik wie Tobit oder kann entscheiden, wieviel Essen angebaut werden muss. Ich würde zwangsläufig irgendwann Fehler machen und das kann in unserer Situation schnell fatal sein.“, erklärte ich verzweifelt.
„Das ist ja richtig, Rosi, aber das widerspricht doch nicht deiner Aufgabe als Koordinatorin.“, meinte Tobit und Michael fügte hinzu: „Du sollst doch gar nicht alles alleine entscheiden. Wenn ich eine Hütte baue, besprechen wir gemeinsam, was wir brauchen, wo wir sie hinstellen und wie groß sie sein muss. Wenn Tobit wieder eine geniale technische Neuerung vorhat, erzählt er dir davon und vielleicht fällt dir dann noch etwas ein, was beachtet werden muss, weil du den Überblick über all unsere Bereiche hast. Und du behältst den Überblick, was wann getan werden muss und wendest dich an die Experten.“
Die anderen nickten zustimmend. Ich sah wieder von einem zum anderen. „Ihr habt das geplant, oder?“, fragte ich argwönisch und sah Mattis an.
Er hob abwehrend die Hände. „Das war nicht nötig, Rosi. Jeder von uns weiß, dass wir nie so weit gekommen wären, wenn du nicht wärst und über unsere nächsten Schritte nachdenken würdest. Du bist ein Naturtalent im Organisieren und Planen. Warum siehst du das selbst nicht? Im Grunde wollen wir doch nur, dass du genauso weiter machst wie bisher. Irgendjemand muss den Überblick haben. Zuviele Köche verderben den Brei, das weißt du doch.“
„Wir werden dir auch nicht den Kopf abreißen, wenn irgendetwas schief läuft.“, sagte Tobit mit einem Zwinkern. „Das hier ist nicht nur ein Abenteuer, sondern ein Kampf ums Überleben. Wir wissen das. Und wir wissen auch, dass allerlei schief gehen kann. Keiner von uns war auf das hier vorbereitet und ich finde dafür schlagen wir uns ganz gut. Und das liegt nicht nur daran, dass Tamera einen grünen Daumen hat oder Michael der geborene Handwerker ist. Das liegt auch daran, dass du da bist und immer einen langfristigen Plan hat und darüber nachdenkt, was getan werden muss, um das zu erreichen. Und das wunderbare daran ist, dass du kein bisschen machthungrig bist und nie den Boss raushängen lässt.“
Ich war bei Tobits Worten errötet. Es stimmte, was sie sagten. Wir brauchten jemanden, der koordinierte und ich konnte das gut. Aber es missfiel mir, soviel Verantwortung zu tragen.
Niels räusperte sich. „Genug der Lobhudeleien. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass du ein großartiger Sim ist. Du bist demokratisch gewählt, Rosi. Denk ja nicht darüber nach, dich zu drücken.“
Ich musste lachen und eigenartigerweise fegte das meine Bedenken weg. „Na schön.“, sagte ich. „Ich habe es nie so gesehen, aber ich werde mein Bestes geben. Können wir dann weiter die Aufgaben verteilen?“
„Von wegen 'nie den Boss raushängen lassen'“, murmelte Mattis grinsend.



Wir einigten uns schließlich darauf, dass Harriet sich mehr auf ihre Alternativmedizin konzentrieren sollte, damit uns nicht das erste Fieber umbrachte. Sie versprach sich in einer Art Selbststudium durch die Bücher, die wir fanden, medizinisches Wissen anzueignen. Mattis und Judith würden hauptsächlich bergen. Judith erklärte sich bereit, die Fundstücke, insbesondere die Bücher zu katalogisieren, denn unser Lager wurde bereits unübersichtlich. Mattis würde weiterhin längere Streifzüge über die Insel zu machen, um Rohstoffe aufzutreiben. Er würde auch Michael dabei helfen Bäume für unsere Hütten zu fällen. Außerdem schlug er vor, dass er nach weiteren Tieren Ausschau halten könnte. Ich hatte bereits bemerkt, dass er Tiere gern mochte und auch ein Händchen für sie hatte. Da es nun nicht mehr lange dauern konnte bis der Herbst hereinbrach und kältere Temperaturen mit sich brachte, stimmten wir zu, ein paar Tiere bei uns zum Überwintern unterzubringen.

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Spätsommerliebe

Beitrag  singingmiri am Sa Feb 06, 2016 12:29 pm

Das Ende des Sommers kündigte sich nun deutlich an. Die Abende waren schon deutlich frischer und es wurde tagsüber nicht mehr so brütend heiß. Tamera und Niels begannen systematisch Vorräte für den Winter anzulegen. Tobit hatte zu diesem Zweck ein paar Kühlschränke mit Gefrierfächern reaktiviert. Einer davon stand in unserer Hütte, einer in der zweiten Hütte, die Michael in den letzten Wochen gebaut hatte. Dort zogen er selbst, Tobit und Judith ein. Sie erntete überraschte Blicke als sie das vorschlug, aber ich vermutete schon länger, dass sie eine Schwäche für Michael hegte. Ob sie erfolgreich sein würde, wenn er doch auf Harriet stand, fragte ich mich, doch ich versuchte nicht, es ihr auszureden.



Sie fing sofort an, vor dem Haus einen Nutzgarten anzulegen. Wir hatten vereinbart, dass vorerst jeder Haushalt einen Garten anlegen sollte, um mehr Nahrung zu produzieren und vor allem, um nicht vor dem Nichts zu stehen, wenn durch irgendeinen blöden Zufall die gesamte Ernte in einem Garten vernichtet wurde. Judith hatte Tamera oft geholfen und kannte sich mittlerweile sehr gut mit den Pflanzen aus. Sie brachte auch Michael und Tobit dazu, ihr gelegentlich zu helfen.



Außerdem reaktivierte sie mit Tobits Hilfe einen Laptop, den wir gefunden hatten. Darauf begann sie mit der Katalogisierung der Fundsachen. Nebenbei begann sie eine Art Chronik unserer Neubesiedlung zu schreiben. Natürlich hing davon nicht unser Überleben ab, aber ich fand es trotzdem eine gute Idee. Es konnte noch nützlich werden, wenn wir aller Ereignisse niederschrieben. Ich fand auch, dass wir nicht in der simlischen Entwicklung völlig zurückfallen sollten, nur weil wir plötzlich wieder Pioniere waren. Tatsächlich hatte ich bereits überlegt, dass ich darauf bestehen würde, dass etwaige Kinder, sollten sie einer Tages die Insel bevölkern, eine Schulbildung erhalten sollten. Natürlich würden wir nicht dazu in der Lage sein, ein Schulsystem wie in früheren Zeiten aufzubauen, oder dasselbe Bildungsniveau, das wir erhalten hatten, weitergeben können.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Sa Feb 06, 2016 12:31 pm

Dass der Gedanke nicht so abwegig war, sollte sich bald heraus stellen. Michael und Judith verkündeten so bald ihre Beziehung, dass ich mutmaßte, dass schon vor dem Umzug einiges zwischen den Beiden gelaufen sein musste. Tobit erzählte mir bald, dass man in ihrer Hütte immer wieder einen einen trauten Moment der Beiden platzte. Und das Schlafzimmer teilten sie sich auch.



Tobit versuchte unterdessen sein Glück bei Harriet. Die war allerdings, nachdem Michael sich anders entschieden hatte, frustriert von der Simowelt und wies ihn ab. Das mochte der Grund sein, warum ihm Judith und Michael ihm so sehr auf die Nerven gingen.



Es tat mir Leid für ihn, dass er so niedergeschmettert war. Gleichzeitig war ich eigentlich nicht unfroh über diese Entwicklung. Ich mochte Tobit sehr gern, und der Gedanke, dass er mit einer Sima zusammenkam, missfiel mir, auch wenn ich das nie offen zugegeben hätte. Ich wusste, dass die anderen spekulierten, ob Mattis und ich heimlich zusammen waren, weil wir oft die Köpfe zusammen steckten, weil uns eine enge Freundschaft verband oder auch einfach aufgrund der Tatsache, dass wir uns ständig neckten. Aber er war für mich nichts weiter als ein Freund. Ich hoffte, dass er das auch so sah. Bei Tobit lagen die Dinge anders...

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Ein Festessen und eine Überraschung

Beitrag  singingmiri am Fr Feb 26, 2016 4:19 pm

Es waren jedoch nicht Michael und Judith, die den ersten Nachwuchs auf der Insel bekamen, obwohl vermutlich jeder das vermutet hatte.
Im Herbst wurde unsere dritte Hütte fertig, die Niels und Mattis bezogen. Es gab einige verwunderte Blicke, was mich in meiner Vermutung, dass alle dachten, ich sei mit Mattis zusammen, bestätigte. Es blieben also Harriet, Tamera und ich in unserer ersten Hütte zurück. Das bedeutete vor allem, dass wir nicht mehr in Schlafsäcken übernachten mussten, sondern Betten aufstellen konnten. Wir begrüßten den neuen Komfort mit Erleichterung. Harriet richtete außerdem eine Art Labor ein, in dem sie ihre Heilmittel, Tinkturen und Salben herstellte und auch die Zutaten aufbewahren konnte. Für mich sahen ihre Utensilien verdächtig nach einem Hexenkessel aus. Natürlich gab es keine Hexen, aber der Vergleich drängte sich mir immer auf, wann immer ich den Raum betrat.



„Ich werde meine Hände nie bis heute Abend sauber kriegen.“, seufzte Harriet und betrachtete ihre orange verfärbten Hände. „Wer hätte gedacht, das Kürbisse aushöhlen so eine Sauerei ist.“
Tamera sah von ihrem auf. „Sag bloß, du hast noch nie einen Kürbis geschnitzt.“
„Ich bin aus Sasien, schon vergessen?“, gab Harriet grinsend zurück. „Da ist das eben nicht üblich. Aber es macht Spaß.“ Sie begutachtete ihr Werk. „Ich bin nur noch nie mit schmutzigen Händen zu einer Party gegangen.“
„Man wird es uns nachsehen“, meinte ich. „Immerhin sorgen wir dafür, dass Niels heute seinen Kürbiskuchen backen kann.“
Wir hatten beschlossen Halloween zu feiern. Natürlich hatten wir keine Kostüme, also wurde es eigentlich eher ein Festessen. Die Idee hatte viel Anklang gefunden. Nach all den Wochen unermüdlicher Arbeit und bangen um unser Überleben, fanden wir, dass wir uns so ein Festessen verdient hatten. Jeder von uns hatte sich verpflichtet eine Speise beizusteuern. Vermutlich würden wir uns heimrollen können und noch Tage davon essen können, aber es tat gut, zur Abwechslung mal verschwenderisch zu sein.



Wie erwartet hatten wir viel zu viel zu Essen. Wir schlemmten uns durch Berge von Vorspeisen, Hauptspeisen und Nachspeisen, ohne, dass es je weniger zu werden schien. Und dabei waren wir ausgelassen und fröhlich. Wir hatten uns alle hübsch gemacht und bewunderten Mattis' und Niels' neue Hütte. Letzterer war der Einzige, der nicht so recht in Stimmung kam. Ich war es gewohnt, dass er miesepetrig war, aber er wirkte regelrecht bedrückt, als mache er sich um irgendetwas Sorgen. Ich fühlte mich darin bestätigt, als er mich irgendwann zur Seite nahm und mich bat, nach dem Fest kurz zu bleiben, um etwas zu besprechen. Er wirkte dabei so nervös, dass ich es ihm sofort versprach.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Fr Feb 26, 2016 4:21 pm

„Also, was hast du auf dem Herzen.“, fragte ich, als alle gegangen waren. Ich hatte meinen Aufbruch verzögert und Tamera und Harriet vorgehen lassen. Wahrscheinlich würde es nun wieder Gerüchte um Mattis und mich geben.
Niels fuhr sich nervös durch die Haare. „Mir ist etwas Merkwürdiges passiert.“, sagte er schließlich.
„Was denn?“, wollte ich wissen
„Naja... du wirst es mir vermutlich nicht glauben. Versprich mir, dass du nicht lachen wirst.“
Ich versprach es. Das schien ihm Mut zu machen. „Ich glaube, wir sind nicht allein.“
„Du meinst, es gibt andere Bewohner auf der Insel?“
Er zuckte die Schultern. „Das vielleicht nicht. Ich meine das Universum.“ Er holte tief Luft. „Neulich habe ich draußen eigenartige Lichter gesehen und bin rausgerannt, um mir das genauer anzusehen. Und dann tauchte über mir plötzlich irgendetwas auf – ich wage es kaum, es UFO zu nennen, aber genau das muss es gewesen sein. Jedenfalls wurde ich da hinein gesogen. Ich kann mich nicht dran erinnern, was da oben geschehen ist. Ich wurde irgendwann im Morgengrauen wieder vor dem Haus abgesetzt. Ich hab das UFO nochmal kurz gesehen, aber es war zu schnell verschwunden, um es wirklich zu erkennen.“



„Seitdem fühle ich mich oft unwohl. Mir ist ständig übel. Und die Sache ist die: Ich glaube ich bin schwanger.“
Mir fiel gerade noch rechtzeitig ein, dass ich versprochen hatte, ihn nicht auszulachen. „Simos können nicht schwanger werden.“, erinnerte ich ihn stattdessen.
„Ich dachte mir, dass du mir das nicht glauben wirst. Aber ich habe ein paar Sachen über Schwangerschaften gelesen und die Symptome passen. Außerdem habe ich zugenommen. Und zwar ziemlich schnell.“

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Ein grüner Neuankömmling

Beitrag  singingmiri am So März 13, 2016 7:50 pm

Ich mochte den Kopf schütteln und Niels für übergeschnappt halten – vorerst erschien mir das die wahrscheinlichste Erklärung (auf einer recht einsamen Insel sicher nicht ungewöhnlich). Tatsache war, dass Niels tatsächlich rasant an Gewicht zulegte. Aus Sorge, dass er krank geworden war, zog ich Harriet hinzu, die genauso ratlos wie ich blieb. Sie schien allerdings die Einzige zu sein, die Niels glauben konnte, dass er schwanger war. Sie selbst hatte kurioserweise übrigens auch kräftig an Gewicht zugelegt, war sich aber sicher, nicht schwanger zu sein. Sie verbrachte nun täglich einige Stunden mit Niels, um seine „Schwangerschaft“ zu überwachen. In der restlichen Zeit, recherchierte sie dieses Phänomen in uralten Wälzern.




Zu meiner grenzenlosen Überraschung berichtete mir Tamera, als sie davon erfuhr, dass sie eine ähnliche Entführung erlebt hatte. Sie hatte nichts davon erzählt, weil sie im Nachhinein zu dem Schluss gekommen war, dass sie geträumt haben musste. Wie wahrscheinlich war es, dass zwei Sims denselben Traum oder dieselbe Wahnvorstellung hatten? Verschwindend gering, befand ich. Darum blieb mir nichts anderes übrig, als diesen Teil zu glauben. Was die Schwangerschaft anging: Tamera war unversehrt zurückgekehrt und war nicht schwanger. Wenn Aliens versuchten sich mit uns zu paaren, dann doch sicher mit einer Sima, oder? Niels' Gewichtszunahme musste also andere Ursachen haben, als die Entführung, schlussfolgerte ich. Doch damit lag ich daneben.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am So März 13, 2016 7:52 pm

Tobit hatte sich selbst übertroffen und ein Funknetz eingerichtet. In jeder Hütte stand nun ein solches Gerät. An einem der ersten kalten Winterabende funkte Mattis uns, dass Niels starke Unterleibsschmerzen habe, die tatsächlich Wehen ähnelten. Harriet eilte sofort hinüber, um Geburtshilfe zu leisten. Ich folgte ihr bald darauf, um verschiedene Tränke, Salben und Kräuter zu bringen, die sie mir per Funk beschrieb. Ich saß mit Mattis in der Küche, während ich Niels in seinem Schlafzimmer schreien hörte. Ich starrte Löcher in die Luft, während ich vermied Mattis anzusehen. Niels' Schreie klangen sehr nach einer Geburt, hatte ich bemerkt. Ich hatte es nicht glauben wollen.
„Ich glaube, er bekommt wirklich ein Kind“, sagte Mattis schließlich und ich hörte seinen eigenen Unglauben heraus.
„Hört sich ganz so an“, stimmte ich hinzu und verkrampfte mich. Es war gefährlich genug, wenn eine Sima ein Baby bekam, aber ein Simo? Es musste noch gefährlicher sein. Ich raufte mir die Haare. Darauf waren wir nicht vorbereitet.
„Du musste dir keine Vorwürfe machen“, beruhigte er mich. „Du kannst doch nichts dafür.“
„Nein.“, seufzte ich. „Aber ich hätte ihm glauben sollen. Warum sollte ich an seinem Verstand oder seiner Aufrichtigkeit zweifeln?“
„Naja. So richtig glauben konnte das doch keiner“, meinte er.
„Außer Harriet.“
„Harriet steht auf solche übernatürlichen Sachen“, lächelte er. „Sie glaubt an so etwas nur zu gern.“



Harriet kam einige Stunden später müde, abgekämpft, aber mit guten Neuigkeiten aus Niels' Schlafzimmer. Es war eine komplizierte Geburt gewesen und die Bücher über Geburtshilfe hatten sich als wenig hilfreich erwiesen, aber am Ende hatte schließlich ein kleiner grüner Junge das Licht der Welt erblickt. Harriet hatte Niels danach einen Schlaftrank verabreicht, damit sein Körper sich erholen konnte. Bevor er einschlief, sagte er, dass sein Sohn Uranus heißen sollte.

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Gestrandet

Beitrag  singingmiri am Mo Apr 04, 2016 7:05 pm

Zuerst hatte ich befürchtet, dass ein Alienbaby besondere Bedürfnisse haben könnte oder Abnormalitäten entwickeln würde, aber ich hütete mich diese zu äußern und bemerkte auch recht bald, dass sie völlig unberechtigt waren. Uranus entwickelte sich völlig normal und wäre die grüne Hautfarbe und die eigenartigen Augen nicht, hätte man ihn für ein gewöhnliches Baby halten können. Niels war vernarrter in seinen Sohn, als ich ihm vorher zugetraut hätte. Und nicht nur er. Unser kleines Alien war der reinste Magnet für jeden von uns. Im Nu hatte er all unsere Herzen erobert. Aber niemand hatte ihn so sehr ins Herz geschlossen wie Harriet. Kein Tag verging, an dem sie nicht hinüber lief, um nach ihm zu sehen. Natürlich fühlte sie sich als seine Hebamme für ihn verantwortlich, aber mich beschlich schnell das Gefühl, dass das nur ein Vorwand war, um bei ihrem kleinen Liebling zu sein. Und ganz nebenbei kam sie dabei auch Niels sehr nahe...

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Mo Apr 04, 2016 7:06 pm

Es hatte zwei Tage fast pausenlos geschneit. Harriet, die ohnehin die meiste Zeit bei Niels und Uranus verbrachte, beschloss kurzerhand in dieser Zeit bei Niels zu bleiben, da sie fürchtete in diesem Schneechaos die Orientierung zu verlieren. Wer konnte es ihr verdenken – ohne Straßenbeleuchtung war es nachts tatsächlich sehr dunkel. Und so waren Tamera und ich allein in der Hütte, als am Vormittag des dritten Tags, unvermittelt Mattis buchstäblich hereingeschneit kam.



Ich hörte sofort auf, auf der Gitarre, die wir gefunden hatten, herumzuzupfen. Ich hatte als Jugendliche ein paar Stunden genommen und spielte eher leidlich, aber an diesen langweiligen Wintertagen, an denen man ohnehin kaum etwas sinnvolles tun konnte, bemühte ich mich krampfhaft, mich an die alten Griffe zu erinnern. Tamera musste eine Engelsgeduld haben oder einfach furchtbar unmusikalisch sein, wenn sie mein Geklampfe nicht störte.



„Was gibt es denn“, fragte ich, während ich die Gitarre vorsichtig an die Wand legte.
„Ihr müsst sofort mitkommen“, gab er außer Atem zurück. „Am Strand. Da sind zwei Kinder gestrandet! Sie müssen halb erfroren sein!“ Er warf mir eilig meinen Mantel zu.
Ich zog ihn hastig an und rief nach Tamera. „Geht schonmal vor“, sagte ich. „Ich funke Harriet an!“

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Mo Apr 04, 2016 7:09 pm

Nach Mattis' Worten hatte ich zwei kleine Kinder erwartet. Tatsächlich waren es fast Erwachsene – ein Mädchen und ein Junge, die leblos am Strand lagen. Zweifellos hatte die Flut sie angespült. Tamera prüfte ihre Lebensfunktionen bereits, als ich kurz nach ihnen eintraf. Harriet hatte versprochen sich so schnell wie möglich durch den Schnee zu kämpfen und in unserer Hütte auf uns zu warten.
„Leben sie noch“, fragte ich atemlos.
„Ja. Aber sie sind schrecklich unterkühlt. Sie müssen sofort ins Warme. Es könnte auch schon zu spät sein“, gab Tamera zurück. „Wenn sie wach wären...“
„Wir sollten keine Zeit verlieren“, beschloss ich. „Schnell in die Hütte mit ihnen. Wir müssen sie so schnell wie möglich warm kriegen.“



Mattis hob das Mädchen hoch und trug sie; Ich warf mir den Arm des Jungen über die Schultern und schleifte ihn mehr, als ich ihn trug voran. Tamera ergriff seinen anderen Arm und zusammen ging es etwas schneller. Trotzdem schwitzten wir furchtbar, als wir endlich in unserer Hütte ankamen, obwohl es eigentlich nicht sehr weit war.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Mo Apr 04, 2016 7:11 pm

Wir legten sie auf unsere Betten und suchten sogleich alles, was wir an Decken und Kleidern finden konnten, um die beiden warmzuhalten, während Harriet die Beiden gründlich untersuchte.
„Schwer unterkühlt“, teilte sie mir mit, als ich einen Berg Textilien ins Zimmer brachte. „Vor allem müssen sie raus aus diesen nassen Sachen.“
„Denkst du, sie schaffen es.“
Harriet hob die Schultern. „Kommt drauf an, wie robust sie sind. Sie sind dummerweise auch unterernährt. Das dürfte ihre Abwehrkräfte schwächen. Aber wir müssen trotzdem alles tun, was in unserer Macht steht.“
„Vielleicht sollten wir sie vor den Kamin legen“, schlug Mattis vor. „Je wärmer desto besser.“
Ich nickte zustimmend. Wir zerrten also zwei Matratzen und einen Berg Decken ins Wohnzimmer, das dank besagten Kamins der wärmste Raum in der Hütte war. Natürlich war es immer noch ziemlich zugig, obwohl Michael alles getan hatte, was er konnte, um die Lücken zu stopfen. Ganz dicht konnte man eine Hütte, die ganz aus Holz bestand wohl nicht bekommen.



Wir wachten abwechselnd einen ganzen Tag und eine ganze Nacht neben den beiden Teenagern. Harriet brühte ihnen einen großen Kessel Tee, den wir ihnen nach und nach einflößten. Als ich Mattis nachts ablöste, berichtete er, dass sie allmählich wieder Farbe bekamen. Beide hatten ein paar mal gehustet. Unter diesen Umständen wertete ich das als gutes Zeichen. Es war wohl nicht zu erwarten, dass die beiden nach so langer Unterkühlung ohne eine Erkältung davon kommen würden. Und am Morgen wachte der Junge zum ersten Mal auf. Er hieße Leroy, ließ er uns röchelnd wissen und das Mädchen sei Carie. Sie seien auf der Suche nach einem Ort, wo sie überwintern konnten in einem Boot unterwegs gewesen, das in dem Schneesturm gekentert sei. Was danach passiert sei, wisse er nicht.
Warum die Beiden in einem Boot mitten im Winter auf dem Meer unterwegs gewesen waren, war nicht aus ihm herauszubekommen, denn ihn plagten üble Hustenanfälle. Ähnlich ging es dem Mädchen, das bald danach zu sich kam. Unsere Freude über ihr Überleben wurde so bald getrübt, denn sie hatten laut Harriet eine schwere Bronchitis.
Wie nun eine Bronchitis heilen ohne Antibiotika? Uns blieb nichts anderes übrig, als zu tun, was wir konnten. Wir teilten uns die Krankenpflege auf. Jeder musste ein paar Stunden neben ihnen sitzen, bevor er abgelöst wurde. Wir hielten sie warm, wenn sie froren, umwickelten ihre Waden mit nassen Tüchern, wenn sie schwitzten. Harriet braute fieberhaft Tränke aus ihren Kräutern, gab uns Anweisungen, wie sie anzuwenden seien und wälzte Bücher, um Hinweise zu bekommen, wie man die Symptome bekämpfen konnte. Dreimal am Tag rieben wir beiden Salben auf Rücken und Brust, um ihren Husten zu lindern. Erst nach drei Wochen konnte Harriet Entwarnung geben. Beide befanden sich auf dem Weg der Besserung und würden wohl überleben.

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Von Schulunterricht und Schwangerschaft

Beitrag  singingmiri am Di Apr 19, 2016 4:52 pm

Sobald die Beiden kräftig genug waren, quartierten wir Leroy bei Michael, Tobit und Judith ein, die deutlich mehr Platz hatten. So waren wir Simas wieder unter uns. In der Zeit ihrer Krankheit hatten die Beiden uns ihre Geschichte nach und nach erzählt und wir hatten auf diese Weise einiges über die übrigen Teile der Welt erfahren. Scheinbar handelte es sich um eine globale Katastrophe. Nicht alle Orte waren so schlimm betroffen gewesen, wie unsere Insel. Dennoch waren die Folgen verheerend. Vielerorts herrschte Nahrungsknappheit und in den Trümmern der großen Städte war sämtliche Ordnung zusammengebrochen. Jeder war auf sich allein gestellt und suchte nur seinen eigenen Vorteil. Die Wahrscheinlichkeit zu Verhungern war deutlich geringer, als Opfer eines Verbrechens zu werden. Die Welt da draußen war ein unfreundlicher Ort geworden, das hatten Carie und Leroy nur zu deutlich erfahren. Sie flohen von Stadt zu Stadt – mal davongejagt, mal aus Furcht um ihr Leben – bis sie schließlich ein Boot kaperten, mit dem sie hofften eine einsame Insel zu erreichen – fern von jeglicher Zivilisation. Natürlich hatten sie nicht ahnen können, in diesen Schneesturm zu geraten. Dass sie von uns gefunden wurden, war ihr Glück gewesen und sie dankten uns beinahe täglich für unsere Fürsorge. Bald bettelten sie, bleiben zu dürfen. Natürlich hatte keiner von uns etwas dagegen. Wir hatten genug zu Essen, um zwei weitere Mäuler zu stopfen und wir rechneten mit ihrer tatkräftigen Unterstützung sobald der Frühling kam. Ich machte ihnen freundlich klar, dass hier jeder seinen Beitrag leistete und selbiges von ihnen erwartet wurde. Außerdem bestand ich darauf, dass sie eine Art Bildung erhielten. Judith nahm sich der Sache an und verbrachte mehrere Stunden am Tag mit den Beiden, um mit ihnen zu lernen.



Eines Tages nach dem Unterricht kam Judith mit Carie nach Hause. Ich sah überrascht von meinen Notizen auf. Ich hatte aus Langweile angefangen, unsere Vorgehensweise für das Frühjahr zu planen. Gerade überlegte ich, wie wir Leroy und Carie einbinden konnten.
„Alles in Ordnung“, fragte ich, nachdem Carie in die Küche verschwunden war, um etwas zu essen.
„Ja“, antwortete Judith etwas zu zögerlich. Ich hob die Augenbrauen. „Also...“ Sie atmete tief durch. „Wir bekommen ein Kind“, teilte sie mir mit.
„Das war zu erwarten“, bemerkte ich trocken.
„Ich weiß, du machst dir Sorgen, dass etwas schief gehen könnte“, sagte sie vorsichtig.
„Natürlich“, nickte ich. „Mir wäre es lieber, es wäre nicht passiert. Aber jetzt können wir daran auch nichts mehr ändern.“ Ich seufzte. „Versteh mich nicht falsch. Ich freue mich durchaus für euch. Ich hab nur Angst, dass etwas schief gehen könnte. Wenn du Komplikationen bekommst, kann dir niemand hier noch helfen.“
„Ich weiß.“ Sie schluckte. „Ich habe selbst Angst vor der Geburt. Aber andererseits...“ Sie atmete tief durch. „Die Simheit hätte nicht überlebt, wenn die Erfolgschancen zu gering wären und jetzt, wo wir wissen, dass uns wohl niemand von dieser Insel retten wird, sollten wir daran denken, dass Kinder unsere Altersvorsorge sind.“
„Wie pragmatisch...“, murmelte ich.
Sie lächelte ertappt. „Natürlich ist das nicht der Hauptgrund, warum wir Kinder wollen. Ich hab es mir deutlich schlimmer vorgestellt, dir das zu beichten.“
„Bin ich so furchteinflößend?“ Ich hob erstaunt die Augenbrauen.
„Nein... das nicht. Aber wir alle wissen, dass du... naja... dir etwas viel Sorgen um Schwangerschaften machst. Und da habe ich mir eben ein paar Argumente zurecht gelegt.“



Ihre Offenheit war entwaffend. Ich musste widerwillig grinsen. „Ich will wirklich nicht, dass ihr so viel Angst vor mir habt. Im Grunde bin ich ganz umgänglich, weißt du.“ Ich ließ mich aufs Sofa fallen.
Erleichtert setzte Judith sich neben mich.
„Wie hat Michael es aufgenommen?“, fragte ich, während ich meine Notizen zusammenräumte.
„Er hat sich gefreut. Natürlich ist er besorgt, aber wir sind zuversichtlich, dass alles glatt läuft. Wir wollen im Frühjahr heiraten.“
Ich sah sie erstaunt an. „Heiraten?“
„Das machen Sims gelegentlich.“, bemerkte sie amüsiert.
„Ich weiß. Aber meint ihr, dass das notwendig ist?“ Ich sah keinen Grund für solche Formalitäten. Wir waren schließlich nur zu elft.
„Notwendig vielleicht nicht. Aber ich sehe nicht ein, warum ich darauf verzichten sollte, nur weil die Zivilisation zusammengebrochen ist. Wir müssen ja nicht gleich alle Traditionen über Bord werfen.“
„Schon gut, schon gut“, beruhigte ich sie. „Ich will euch nicht davon abhalten. Ich habe nur nie darüber nachgedacht. Zumindest nicht mehr seit der Katastrophe.“
„Nie?“
Ich schüttelte den Kopf. „Wozu?“
„Es muss doch jemanden geben, der dir gefällt“, meinte sie.
Ich dachte unwillkürlich an Tobit, aber ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Anscheinend gelang mir das nicht besonders gut.
„Dachte ich mir“, fuhr Judith fort. „Ist es Mattis?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Aber ihr verbringt doch so viel Zeit miteinander“, wunderte sie sich.
Ich zuckte die Schultern. „Als Freunde, als Team, ja, aber nicht mehr.“
Sie sah mich nachdenklich an, entschied zu meiner Erleichterung aber, das Thema ruhen zu lassen.

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Re: Back to Origin - eine Apokalypse-Familiendynamik-Challenge

Beitrag  singingmiri am Di Apr 19, 2016 4:58 pm

Trotz der Schwangerschaft bestand Judith darauf, den Unterricht unserer beiden Teenager fortzuführen. Und so wanderte Carie jeden Morgen den Hügel hinauf zu Judith' Haus, um dort gemeinsam mit Leroy zu lernen. Wir waren überein gekommen, dass wir diese Verantwortung nicht allein Judith überlassen konnten und so gab jeder ein paar Lektionen in seinem Fachgebiet. Tamera und Mattis gaben Biologieunterricht – sie im Bereich Botanik, er in Zoologie, Tobit übernahm Physik und Chemie, Harriet Medizin und Heilkunde und Judith unterrichtete in Literatur und Sprachen (sie liebte Bücher). Bei Michael gab es eher praktischen Unterricht mit Handwerken und Kunst, ebenso wie bei Niels, der Kochunterricht und Gartenarbeit unterrichtete (mit Unterstützung von Tamera). Ich spezialisierte mich auf Politik, Geschichte, Philosophie und Management.



Wir stellten bald fest, dass Carie eine natürliche Begabung für Kunst und Literatur besaß. Sie liebte Bücher fast noch mehr als Judith und verschlang sämtliche Romane, deren sie habhaft werden konnte. Sie verbrachte viel Zeit vor der Staffelei, die sie mit Michael gebaut hatte und ihre Gemälde verschönerten nach und nach unsere Hütten.



Leroy mochte Bücher auch und las ebenfalls viel, aber noch lieber kochte er. Er übernahm es bei Michael und Judith bald für den ganzen Haushalt zu kochen. Er stellte sich dabei auch sehr geschickt an. Der Kochunterricht bei Niels machte ihm eindeutig am meisten Spaß. Dem konnte Carie nun gar nichts abgewinnen.



Wenn der Unterricht vorbei war, vergnügten die Beiden sich oft im Schnee. Ob es nun ihre gemeinsamen Erlebnisse oder der Mangel an Alternativen war, der sie so zusammen schweißte, ließ sich schwer beurteilen, aber sie verbrachten tatsächlich die meiste Zeit des Tages miteinander.



So verging Judiths Schwangerschaft im Nu und eines nachts setzten die Wehen ein. Die Geburt verlief so unkompliziert, dass die eilig herbei gerufene Harriet kaum das Haus betrat, als die kleine Martha auch schon das Licht der Welt erblickte.


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