Marly

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Marly

Beitrag  Chester am So Jan 26, 2014 12:12 pm

Endlich! Heute ist mein Geburtstag. Und zum ersten Mal haben sich meine Beine in eine richtige Schwanzflosse verwandelt, als sie mit dem Salzwasser in Berührung kamen. Endlich kann ich Papa verstehen. "Du wirst wie ein Pfeil durchs Wasser schießen", sagt er immer. "Es wird überhaupt nicht anstrengend sein. Wenn du tauchst, wirst du dich so lebendig fühlen, wie nie zuvor. Und du wirst nicht auftauchen müssen, um Luft zu holen. Das Wasser wird dir alles geben, was du brauchst. Du wirst ein Teil des Meeres sein und es nie wieder verlassen wollen." Er hat Recht.

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Beitrag  Chester am So Jan 26, 2014 12:14 pm

Aber auch an Land komme ich ganz gut zurecht, wenn ich nicht gerade auf Schlittschuhen stehe.



Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meinen beiden besten Freunden: meiner Halbschwester Janina



und meiner Puppe Schnuck.

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Beitrag  Chester am So Jan 26, 2014 12:15 pm

Falls sich jemand wundert, das ich ein Spielzeug als Freund bezeichne: Schnuck ist keine gewöhnliche Puppe. Er kann sprechen, sich bewegen wie ein ganz normaler Sim und auch ziemlich gut küssen. Nur leider kann ihn scheinbar außer mir niemand sehen, wenn er diese simlischen Eigenschaften zeigt.



Dabei unterscheidet er sich dann kaum von seiner sonstigen Gestalt. Man kann ihn sich einfach als große Puppe vorstellen.

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Beitrag  Chester am So Jan 26, 2014 12:16 pm

Neben Schnuck und mir leben noch meine Mutter und meine kleine Schwester Bijou in unserem Strandhaus. Sie ist gerade eingeschult worden.



Paps ist ein Meermann und hält es nicht allzu lange an Land aus. Deshalb wohnt er nicht bei uns, aber er kommt uns jeden Tag besuchen und wir essen gemeinsam zu Abend.
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Beitrag  Chester am So Jan 26, 2014 12:18 pm

Schnucks größter Wunsch ist es, ein richtiger Sim zu werden, der von allen gesehen werden kann. Zu meinem letzten Geburtstag habe ich mir deshalb ein kleines Labor gewünscht. Wenn Mama gewusst hätte, dass ich es brauche, um meine Puppe lebendig werden zu lassen, hätte ich es sicher nicht bekommen. Sie glaubt mir nicht, dass Schnuck so simlisch sein kann. Aber warum sollte ich mir das ausdenken? Deshalb habe ich ihr erzählt, dass ich später mal Wissenschaftlerin werden will. Das hat gewirkt. Nun verbringe ich viel Zeit damit, Schnucks Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Er kann es kaum erwarten. Ich auch.



Aber eigentlich möchte ich später viel lieber die Welt erkunden, als in irgendeinem stinkigen Labor zu versauern. Unsere Insel ist zwar die größte hier in der Gegend, aber ich habe Karten gesehen, die zeigen, dass es noch viel mehr zu entdecken gibt.



Ich will später unbedingt die Welt bereisen.
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Beitrag  Chester am Mo Jan 27, 2014 11:27 am

Es fällt mir nicht besonders leicht, Freundschaften zu schließen. Mama meint, das hätte ich wohl von ihr. Sie kann bis heute ihre Freunde an einer Hand abzählen. Und es bleiben sogar noch Finger übrig. Dass ich mit einer Puppe rede, hängt auch damit zusammen, meint sie. Wenn sie wüsste, dass ich mit Schnuck nicht nur rede, sondern dass wir uns lieben, würde sie mich sicher einweisen. Aber Mütter müssen ja zum Glück nicht alles wissen.

Und überhaupt, man kann es ihr sowieso nicht recht machen. Vor ein paar Tagen quatschte mich Kai in der Schule an, ob wir nicht zusammen Hausaufgaben machen wollten. Keine Ahnung, warum er ausgerechnet mich gefragt hat, denn ich bin nicht gerade eine Leuchte, was Schule und Lernen angeht. Aber ich dachte: 'Yes! Vielleicht gibt Mama endlich Ruhe, was Schnuck angeht, wenn sie sieht, dass ich noch einen Freund habe., Langsam wird Mamas Phobie, ich könnte verrückt sein, nämlich schon gefährlich. Als ich neulich nach Hause kam, und die Post aus dem Briefkasten nahm, hörte ich ein Rumoren aus der Mülltonne. Zum Glück konnte ich Schnuck befreien, bevor der Müll abgeholt wurde. Ich glaube, diese Aktion werde ich Mama nie verzeihen.

An Hausaufgaben liegt mir eigentlich nicht viel, aber um Mama zu beruhigen, nahm ich Kai nach der Schule also mit.



Doch irgendwie schien ihr das auch nicht recht zu sein. Wir waren gerade in meinem Zimmer verschwunden, als sie auch schon nach uns rief. Wir sollten lieber im Wohnzimmer Hausaufgaben machen, da sei es viel wärmer. Immerhin unterstrich sie ihre Ausrede, indem sie uns einen heißen Tee auf den Stubentisch stellte. Aber ich glaube, sie wollte bloß nicht, dass wir allein sind. Ich glaube allerdings nicht, dass es sie beruhigt hätte, wenn ich erzählt hätte, dass Schnuck sowieso immer dabei ist und uns beobachtet.
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Beitrag  Chester am Mo Jan 27, 2014 11:31 am

Kai blieb den ganzen Nachmittag. Die Hausaufgaben hatten wir zwar schnell fertig, aber wir haben uns auch so ganz gut verstanden. Er hat ein paar tolle Verschwörungstheorien auf Lager und träumt davon, einmal die Welt zu regieren. In Mamas Augen ist er bestimmt genauso verrückt wie ich. Vielleicht wollte sie deshalb nicht, dass ich ihn noch ein Stück nach Hause begleite.



Ich müsse mich fürs Bett fertig machen, sagte sie, obwohl die Sonne doch gerade erst untergegangen war. Und das ist früh im Winter. Wir hatten noch nicht einmal Abendbrot gegessen. Kai muss denken, ich bin noch ein kleines Baby.
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Beitrag  Chester am Mo Jan 27, 2014 11:32 am

Als Papa kam, war dann auch Kai Thema Nr. 1. Mama meinte, der führe nichts Gutes im Schilde. Sie hätte mal gesehen, wie er einem kleinen Kind einen Lolli geklaut hat. Außerdem würde er viel zu gut aussehen. Wie soll ich denn das bitte verstehen?

Wobei... er sieht tatsächlich süß aus. Und er richt auch so.

Zum ersten Mal sind Mama und Schnuck einer Meinung, auch wenn Mama nichts davon weiß. Sie mögen Kai beide nicht. Schnuck meint, er sähe mich so komisch an.

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Beitrag  Chester am Di Jan 28, 2014 7:39 pm

Ich kann noch gar nicht glauben, was gestern passiert ist. Irgendwie ist alles aus den Fugen geraten.

Es fing damit an, dass ich in den letzten Tagen viel Zeit mit Kai verbracht habe. Im Gegensatz zu mir, findet er es nicht klasse, im eiskalten Wasser zu schwimmen. So kam ich auch eine ganze Weile nicht dazu. Gestern fühlte ich mich dann so schlapp, dass ich kaum noch gehen konnte. Statt zur Schule schickte Mama mich ins Meer. Sofort ging es mir wieder besser.

Den freien Tag nutzte ich, um einen neuen Trank für Schnuck herzustellen. Ich habe schon ein paar gebraut, aber sie hatten alle nicht die gewünschte Wirkung. Als ich gerade fertig war, kam Kai mich besuchen. Er muss die letzten Stunden geschwänzt haben. Er begrüßte mich mit einer tröstenden Umarmung, die ich gar nicht nötig hatte. Schließlich ging es mir wieder blendend, aber das konnte er ja nicht wissen.



Es war mir ein bisschen peinlich, weil ich noch im Schlafanzug war, wie sich das für offiziell Kranke gehört (sagt meine Mutter). Schlimmer aber war noch, dass ich ihn beobachtete, wie er auf meine Schuppen an den nackten Füßen starrte. Doch er sagte nichts dazu.
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Beitrag  Chester am Di Jan 28, 2014 7:41 pm

Nachdem er wieder weg und Mama zum Einkaufen in die Stadt gegangen war, überreichte ich Schnuck den Trank. Er roch daran und meinte, er hätte ein gutes Gefühl. Dann kippte er das Gebräu in einem Zug hinunter.

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Beitrag  Chester am Di Jan 28, 2014 7:43 pm

Ich merkte sofort, dass er wirkte. Die Frage war nur: wie?



Nach einigen Sekunden des Blubberns, Zischens und einer leichten Panik meinerseits war Schnuck schließlich von einem pinken Nebel völlig eingehüllt. Als sich die Wolke nach wenigen Augenblicken wieder verzog, stand Schnuck plötzlich in simlischer Gestalt vor mir. Doch er sah ganz anders aus, als ich erwartet hatte. Er hatte lange Haare mit einer Blume darin und trug ein Kleid.

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Beitrag  Chester am Di Jan 28, 2014 7:44 pm

"Du siehst aus wie ein Mädchen", stammelte ich. "Wieso hast du ein Kleid an?" "Ähm, ich bin ein Mädchen", war die lapidare Antwort. "Was dachtest du denn?" Ungläubig starrte ich Schnuck an. Wir hatten uns geküsst und gestreichelt. Wir hatten von einer gemeinsamen Zukunft geredet, wenn Schnuck erst richtig lebendig wäre. Wir hatten uns ausgemalt, wie wir die Welt erkunden wollten, in unserer Fantasie gemeinsam Abenteuer bestanden. Aber wir hatten tatsächlich nie darüber geredet, ob Schnuck ein Junge oder ein Mädchen war.

Schnuck grinste mich glücklich an. "Jetzt guck doch nicht so regenwetterlastig. Ich bin endlich ein richtiger Sim. Freust du dich denn gar nicht?" Um ehrlich zu sein, war mir alle Freude vergangen. Es hätte mir nichts ausgemacht, wenn Schnuck in seiner simlischen Gestalt hässlich gewesen wäre. Um ehrlich zu sein, die Puppe war auch nicht gerade eine Schönheit gewesen. Ich hätte vielleicht sogar damit leben können, wenn die Verwandlung nie geklappt hätte. Aber mit diesem Ergebnis hatte ich nie gerechnet.

"Wir lieben uns doch", lachte Schnuck fröhlich. "Du wirst sehen, alles ist wie früher. Fast..." Und dann küsste er ... sie mich auf den Mund.



Doch es war nicht wie früher. Überhauptnicht. Kein Kribbeln im Bauch, kein Gefühl einer drohenden Ohnmacht bei der Berührung unserer Lippen. Als ich eine glitschige Zunge und fremden Speichel in meinem Mund spürte, befreite ich mich angewidert aus Schnucks Umarmung. Alles hatte sich verändert. Mein Traum war in Erfüllung gegangen und im selben Moment wieder zerplatzt.
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Beitrag  Chester am Di Jan 28, 2014 7:47 pm

Draußen hörte ich meine Mutter, die aus der Stadt zurück war, mit den Katzen schimpfen, die sich scheinbar schon wieder zum Techteln in die Tierhütte zurückgezogen hatten. Es gab ständig neuen Nachwuchs und Mama drohte immer damit, sie alle auf einer unserer Inseln auszusetzen. Aber dann hätte täglich jemand rausfahren müssen, um sie zu füttern.

Schnell schickte ich Schnuck in mein Zimmer und bat sie, sich etwas normaleres anzuziehen. "Nimm etwas, dass ich nie trage", rief ich noch leise. Vielleicht würde es Mama dann nicht auffallen, dass Schnuck meine Klamotten trug. Ich hatte mir immer vorgestellt, wie ich ihr eines Tages beweisen würde, dass ich nicht verrückt war, sondern Schnuck tatsächlich simlisch war. Doch das schien mir jetzt nicht mehr rational. Nie würde sie mir glauben, dass ich eine Puppe mit einem Trank in einen Sim verwandelt hatte.

Während Mama draußen weiter versuchte, die balzenden Katzen auseinanderzutreiben, lief ich hektisch im Wohnzimmer auf und ab. Ich musste mir schnellstens einen Vorwand für Schnucks Anwesenheit einfallen lassen. Und einen Namen. Als ich Mamas Schritte auf der Verandatreppe hörte und mir noch immer keine glaubhafte Geschichte eingefallen war, rannte ich erst einmal in mein Zimmer. Dort stand Schnuck und wartete auf mich. Bei ihrem Anblick blieb mir nun doch fast der Atem weg. Sie war wunderschön. Sie hatte ihre Frisur in Ordnung gebracht und das Kleid, dass ich nie getragen hatte, weil ich so hässlich fand, stand ihr wirklich gut. Am beeindruckensten aber waren ihre Augen, die mit ihrer außergewöhnlichen Farbe vor Lebensfreude nur so leuchteten. Wenn ich ein Junge gewesen wäre, hätte ich mich sicher auf der Stelle in sie verliebt. Aber ich war kein Junge.



"Spiel einfach mit", flüsterte ich und zog sie hinter mir her ins Wohnzimmer, als Mama nach mir rief. Ich hatte immer noch keinen Plan, aber als ich Mamas Lächeln bei Schnucks Anblick sah, kam mir eine Idee.

"Bringst du Marly die Hausaufgaben?", fragte sie freundlich und schüttelte Schnuck in der Hoffnung, einer neuen potentiellen Freundin für mich gegenüberzustehen, die Hand. "Wir kennen uns noch gar nicht. Ich bin Marlys Mutter. Und du bist...?" Schnuck grinste nur blöd, statt zu antworten. "Das ist Scena (ital.: Vortäuschung/Schein/Betrug)", sprang ich schnell ein. "Sie ist meine beste Freundin in der Schule. Da machen wir eigentlich fast alles zusammen. Kann sie heute zum Mittag bleiben? Ihre Eltern sind verreist und es wartet niemand auf sie." "Aber natürlich." Meine Mutter war begeistert. "Marlys Freunde sind uns immer willkommen." Dabei grinste sie ähnlich blöd wie Schnuck, die immer noch mit eingefrorenem Grinsen dastand. Der Plan, der sich langsam in meinem Kopf formte, konnte aufgehen.

Als wir wenig später gemeinsam in der Küche saßen und Käsenudeln aßen, setzte ich an, meinen Plan zu testen. "Stell dir vor Mama", begann ich. "Scenas Eltern sind mit dem Schiff nach Al Simhara gereist." Es war das erste Ziel, das mir einfiel, weil ich selbst schon lange von einer Fahrt dorthin träumte. Außerdem war es weit genug weg. Meine Mutter lächelte zunächst, dann trat Erschrecken in ihr Gesicht. "Oh heiliger Sim! Wie lange werden sie denn weg sein, Scena?" Schnuck grinste völlig unangemessen und blöd. Sie hatte bisher noch kein Wort mit meiner Mutter gesprochen. Unter dem Tisch trat ich sie so heftig, dass ihr das Grinsen verging und stattdessen Tränen in die Augen schossen. Bei diesem Anblick wirkte meine Mutter völlig hilflos und verzweifelt. Der richtige Moment um meinen Plan umzusetzen war gekommen. "Mama, da ist etwas, über das ich mit dir sprechen wollte. Scenas Eltern sind erst gestern gefahren. Die erste Nacht allein war ganz schrecklich für sie. Sie hat kein Auge zugetan vor lauter Angst." Jetzt kam der heikelste Augenblick meines Plans. Jetzt durfte nichts schiefgehen. Ich merkte, wie meine Mutter versuchte, ihre Wut über Scenas Eltern herunterzuschlucken und fuhr fort: "Kann ich vielleicht bei Scena wohnen, bis ihre Eltern zurückkommen?" Das Gesicht meiner Mutter entspannte sich. Ein Lächeln in meine Richtung breitete sich aus. Mein Plan drohte zu scheitern. "Es wäre ja nur für ein paar Wochen", fügte ich schnell hinzu. Mama riss die Augen auf. "Ein paar Wochen?", rief sie ungläubig. "Das kommt überhaupt nicht in Frage. Ich lasse euch beiden Mädels doch nicht ein paar Wochen alleine hausen? Wenn Scena sich fürchtet, kann sie ja gerne bei uns schlafen. Aber alles andere kommt nicht in Frage. Schlag dir das aus dem Kopf!" Yes, mein Plan war aufgegangen. Es ist echt von Vorteil, wenn man seine Eltern gut kennt.
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 9:24 am

Als es am Abend Zeit wurde, ins Bett zu gehen, war Schnuck plötzlich verschwunden. Ich suchte das ganze Haus nach ihr ab und fand sie schließlich draußen auf der Veranda.

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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 9:25 am

"Was machst du hier draußen in der Kälte?", fragte ich vorsichtig. "Warum fragst du?", kam es schnippisch zurück. "Ich dachte du wärst froh, wenn ich nicht mehr da wäre." Wütend stapfte sie die Treppe hinunter. Ich lief an ihr vorbei und stellte mich ihr in den Weg.



"Was ist los? Warum bist du plötzlich so gemein zu mir, Schnuck?"
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 9:26 am

"Das fragst du mich?", schrie sie mich an. "Wer ist hier gemein zu wem? Es war alles in Ordnung, bis dieser Kai hier aufgetaucht ist. Und jetzt stört dich plötzlich, dass ich ein Mädchen bin! Vorher war das kein Problem." "Es war kein Problem, weil ich es nicht wusste", antwortete ich traurig und wütend zugleich.



Ich war vermutlich ebenso verzweifelt wie sie, aber ich versuchte meine Gefühle zu unterdrücken, soweit es ging. Was, wenn Mama uns streiten hörte und Schnuck nach Hause schickte?
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 9:28 am

"Mit Kai hat das nichts zu tun", versuchte ich es ihr zu erklären. "Ich kann doch nichts dafür, dass ich für dich als Frau nicht das Gleiche empfinde, als wenn du ein Mann wärst. Ich liebe dich noch immer, Schnuck, nur auf eine andere Art. Ich finde es einfach nicht mehr schön, dich zu küssen und all das andere. Was soll ich denn machen? Soll ich so tun als ob?"



"Wir hatten einen gemeinsamen Traum", flüsterte Schnuck. "Und jetzt, wo er in Erfüllung gegangen ist, machst du alles kaputt." "Du wolltest ein richtiger Sim werden", flüsterte ich heiser zurück. "Ich habe alles dafür getan. Dein Traum ist in Erfüllung gegangen. Meiner hat sich zu einem Alptraum entwickelt." Es war alles gesagt. Ich ging ins Haus und kuschelte mich in mein Bett. Wenig später kam Schnuck ins Zimmer und legte sich wortlos ins Gästebett. Ich weiß nicht, wer von uns zuerst einschlief, aber ich bin sicher, es dauerte ewig, bis auch nur ein nasses Auge geschlossen wurde.
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:37 pm

Schnuck und ich sprachen nicht mehr über das Thema, aber die Situation zwischen uns blieb angespannt. Vermutlich verschlimmerte die Tatsache, dass Kai nun häufig zu Besuch kam das ganze noch. Dabei war Schnuck natürlich nicht ausgeschlossen. Im Gegenteil, wenn ich dringend ins Salzwasser musste und stundenlang im Meer schwamm, traf ich die beiden oft zusammen an, wie sie sich fröhlich unterhielten oder eine Schneeballschlacht machten.



Auch mit meiner Mutter verstand Schnuck sich wunderbar. Allerdings fragte meine Mom immer häufiger, wann Schnucks Eltern denn von ihrer Reise nach Al Simhara zurückkehren würden. Das war natürlich ein Problem und wir mussten uns langfristig etwas anderes ausdenken. Schließlich kamen Schnuck und ich überein, die alte Lüge durch eine neue zu ersetzen. Das war gefährlich und konnte leicht nach hinten losgehen, aber wir hatten keine andere Wahl. So gestanden wir meiner Mutter, sie belogen zu haben und berichteten ihr stattdessen, dass Schnucks Eltern schon vor Jahren gestorben seien und sie in einem Heim aufgewachsen wäre. Dort ginge es sehr kühl und steril zu und Schnuck hätte die lieblose Umgebung nicht länger ertragen. Deshalb wäre sie davon gelaufen und hätte sich als blinder Passagier auf einem Schiff so weit wie möglich von ihrer alten Heimat entfernt. Als sie kurz vor ihrer Entdeckung stand, wäre sie ins Meer gesprungen, wo ich sie zufällig fand, als sie fast ertrunken wäre.
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:39 pm

Obwohl diese Geschichte ja eigentlich viel haarsträubender war als die erste, schien meine Mutter erleichtert. Sie meinte, sie hätte schon die ganze Zeit das Gefühl gehabt, das wir sie belügen würden und sie wäre sehr froh, dass wir ihr nun endlich die Wahrheit gesagt hätten. Ich hatte ein richtig schlechtes Gewissen. Mama versuchte uns zu überreden, ihr zu sagen, aus welchem Heim Schnuck weggelaufen sei, damit man dort Bescheid geben und offiziell um Schnucks Aufnahme in unsere Familie bitten könnte, aber das ging natürlich nicht. Sie ließ sich jedoch auch so darauf ein, Schnuck bei uns ein neues Zuhause zu geben, denn sie hatte sie sehr in ihr Herz geschlossen. Von da an war Schnuck nun ein reguläres Familienmitglied.

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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:41 pm

Nachdem dieses Problem nun auch langfristig geregelt war, hatte ich Zeit, mich um ein anderes zu kümmern. Schnucks Kuss direkt nach ihrer Umwandlung ging mir nicht aus dem Kopf. Er war ekelig gewesen. Aber lag es wirklich daran, dass Schnuck ein Mädchen war oder lag es vielleicht an mir. Ich musste unbedingt testen, ob es mit einem Jungen anders sein würde. Und das naheliegendste Ziel war Kai. Er schien ein bisschen überrascht, als ich mich, bevor mich der Mut verlassen konnte, ohne Vorwarnung auf ihn stürzte.



Aber nach dem ersten Schreck schien es ihm zu gefallen. Mir auch. Es war ein unglaublich intensives Gefühl, fast so wie mein erstes Eintauchen ins Meer mit Schwanzflosse. Ich konnte nicht genug bekommen. Kai auch nicht.

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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:42 pm

Ich war ziemlich erleichtert. Kurz überlegte ich, ob ich es vor Schnuck geheimhalten sollte, um sie nicht weiter zu verletzen. Aber sicher würde es ihr noch mehr wehtun, wenn sie es irgendwann selbst herausfand. Sie war sichtlich getroffen, machte aber zum Glück keinen Aufstand. Von nun an waren Kai und ich offiziell zusammen.

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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:47 pm

Meine Mutter war von Kai leider nach wie vor nicht begeistert. Sie mochte ihn einfach nicht. Zum Glück hatte Papa nicht dieses Problem. So setzte er gemeinsam mit mir durch, dass Kai am Wochenende manchmal bei uns übernachten durfte. Er musste dann allerdings im Wohnzimmer schlafen und meine Mutter lies ihre Zimmertür zum Flur einen Spalt auf.

Tatsächlich wollte Kai schon bald mehr, als knutschen und kuscheln. Aber wir fanden einfach nicht den richtigen Ort dafür. Bei mir zuhause lag meine Mutter ständig auf der Lauer, bei Kai hatten wir wegen seiner jüngeren Geschwister niemals Ruhe. Zudem waren wir meist mit Schnuck zusammen unterwegs. Sie hatte keine anderen Freunde und ich brachte es einfach nicht übers Herz, ihr zu sagen, dass wir allein sein wollten.

Kai wurde immer unzufriedener, manchmal sogar aggressiv. Aber es blieb immer bei Worten. Er schimpfte auf Schnuck, meine Mutter, meine kleine Schwester und manchmal auch auf mich.



Dann behauptete er, ich würde Schnuck absichtlich mitschleppen und wolle überhaupt nicht richtig mit ihm zusammen sein. Ich hatte tatsächlich ein bisschen Angst vor dem ersten Mal, aber ich wollte es trotzdem. Wirklich.



Nur hatten wir eben nie die Gelegenheit.
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:50 pm

Meistens war Kai aber unheimlich süß. Er brachte mir selbstgebackene Kekse und andere kleine Geschenke mit. Außerdem machte er mir ständig Komplimente und schwärmte davon, wie hübsch seine Töchter einmal werden würden, wenn ich ihre Mutter sei. Wir planten tatsächlich oft für die Zukunft. Wir wollten auf jeden Fall viele Kinder und ein Haus am Meer. Aber zuerst würden wir gemeinsam die Welt bereisen. Al Simhara war noch immer mein Traumziel. Allerdings wusste ich noch nicht genau, wie ich als halbe Meerjungfrau in dem heißen Klima dort lange überleben sollte. Aber vielleicht war es genau das, was mich daran reizte. Denn obwohl ich eigentlich eher ein Feigling bin, fasziniert mich die Vorstellung von Lebensgefahr.

Irgendwann begann Kai dann davon zu reden, dass wir beide durchbrennen sollten, einfach von zuhause weglaufen und gucken, wie wir uns durchschlagen. Er meinte, gemeinsam könnten wir alles erreichen, wir müssten nur endlich damit anfangen.



Klar, ich hatte manchmal auch die Schnauze voll von meiner Observator-Mutter, aber ansonsten lebte ich eigentlich ganz gerne zuhause. Außerdem konnte ich Schnuck doch nicht alleine lassen. Kai war enttäuscht, dass ich so wenig begeistert von der Idee war, aber er gab schließlich Ruhe.
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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:52 pm

Erst einige Wochen nach seinem Vorschlag fing er wieder davon an: "Ich möchte so schnell wie möglich mit dir von hier weg. Ich halte das einfach nicht mehr lange aus. Nie sind wir alleine. Und alles andere kotzt mich auch an, die Schule, meine kleinen Geschwister, einfach alles." "An meiner Meinung hat sich aber nichts geändert", gab ich etwas genervt zurück. Ich hatte keine Lust darauf, die wenigen Minuten, die wir ungestört waren, wenn ich ihn hinausbegleitete, mal wieder mit diesem Thema zu verschwenden. "Du weist, dass ich Scena nicht alleine hier lasse." Ich nannte sie nur Schnuck, wenn wir allein waren. "Und mitnehmen willst du sie ja wohl scheinbar auch nicht." Das Argument hatte schon beim letzten Mal gezogen und für ein paar Wochen Ruhe gesorgt. Doch dieses Mal gab Kai nicht so schnell auf. "Ok", lenkte er ein. "Wir nehmen Scena mit, wenn du es unbedingt willst. Aber dann solltest du dir erst mal anhören, wie loyal deine Freundin wirklich ist." Was wollte er denn damit sagen? Bei wem und womit sollte mich Schnuck denn wohl verraten haben. Hatte sie wohlmöglich von Kais Plänen abzuhauen erfahren und es meiner Mutter erzählt? Aber selbst dann hätte sie doch wohl eher Kai verraten als mich, schließlich hatte ich ja nicht zugestimmt. Ich war gespannt.

"Schieß los", forderte ich ihn auf. "Was hat Scena so Schlimmes verbrochen?" "Bist du sicher, dass du das hören willst?" Ich merkte, dass er nervös wurde. Entweder würde er mir gleich eine fette Lüge auftischen oder es war ihm wirklich unangenehm, davon zu erzählen. "Ja, ich bin sicher", gab ich betont gelangweilt zurück. Er griff nach meinen Händen. Scheinbar hatte er wirklich Angst vor meiner Reaktion. "Also, es ist folgendes, Scena ist hinter mir her. Sie steht auf mich." Ich befreite meine Hände mit einem heftigen Ruck. "Kai, was erzählst du da für einen Schwachsinn! Scena steht auf Mädchen. Wie kommst du bloß auf so eine Idee? Oder hast du dir das ausgedacht, damit ich mitkomme?" Beim letzten Satz überschlug sich meine Stimme. Ich hatte gedacht, er liebt mich und dann kommt so ein blöder Versuch, mich auf seine Seite zu ziehen, auf der ich doch sowieso schon stand. Er machte alles kaputt. "Sie hat... sie ist...", begann er stotternd. "Als ich Sonntag Morgen geduscht habe, ist sie plötzlich reingekommen und hat mich angestarrt."

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Beitrag  Chester am Do Jan 30, 2014 6:55 pm

"Das ist jetzt nicht dein Ernst", fauchte ich ihn an."Warum hast du nicht abgeschlossen? Vielleicht musste sie mal aufs Klo oder sonstwas und wusste nicht, dass du duschst! Unsere Türen haben Schlüssel, um solche Situationen zu vermeiden!"



"Der Schlüssel war weg und ich habe Scena und Bijou Bescheid gesagt. Du hast noch geschlafen." "Dann hat sie es eben vergessen. Kann ja mal vorkommen. Deshalb musst du ihr nicht unterstellen, dass sie hinter dir her ist. "
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