Daralina - Random Legacy Challange

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Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Sa Nov 23, 2013 9:19 pm

Da ich bei meiner Apokalypse Challange (Wayfar) immer noch einen totalen Hänger hab, hab ich vor einiger Zeit eine Random Legacy Challange gestartet. Hier sind die Regeln dazu, sie sind aber allerdings auf Englisch, ich weiß nicht ob es sie auch so ausführlich auf Deutsch gibt.

Um das Ganze etwas spannender für euch zum Lesen zu gestalten, werde ich die gewürfelten Parameter für die aktuelle Generation erst bei dem Wechsel zur nächsten Generation bekannt geben.
Sofern mehrere Erben zur Wahl stehen, werde ich dann zu gegebener Zeit Umfragen starten, über wen ihr am Liebsten weiter lesen möchtet.

Folgende Mods habe ich derzeit für die Challange installiert:
- MasterController
- MasterControllerCheats
- Overwatch
- Register
- StoryProgression
- StoryProgessionExtra
- Woohooer
Ich hoffe das geht auf Dauer gut, mit so vielen Mods habe ich bisher noch nie auf einmal gespielt. Bisher läuft es aber einwandfrei, und die Nachbarschaft bleibt schön lebendig.
Die Challange spiele ich in der Nachbarschaft die ich selbst erstellt habe, die Insel Caldonia. Da dies gewissermaßen auch ein Testspiel über längere Zeit wird für meine Insel, wird meine Challange-Familie bei Problemen in eine andere Nachbarschaft auswandern.

Die Altersstufen weiß ich jetzt nicht auswendig, sind aber ca. doppelt so lang wie normalerweise.
Die Jahreszeit sind jeweils zwei Wochen lang.

Viel Spaß beim Lesen! Smile
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Sa Nov 23, 2013 9:19 pm

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Sa Nov 23, 2013 9:50 pm


Generation 1 (Gründerin): Sofia Daralina




Da ich bei manchen Icons Probleme hab zu erkennen was genau damit gemeint ist, hier nochmal alles in Textform:


Merkmale
Athletisch
Freundlich
Genie
Liebt die Natur
Tapfer


Favoriten
Herbstsalat
Songwriter
Braun


Sternzeichen
Fische


Lebenswunsch
Paranormale Profitjägerin


Zuletzt von GreenPhoenix am Sa Nov 23, 2013 10:00 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Sa Nov 23, 2013 9:58 pm

Kapitel 1.1

Eine warme Brise fuhr mir durch die Haare, als ich mich gerade erschöpft auf eine Parkbank fallen ließ. Ich holte tief Luft, und atmete die warme Sommerluft ein. Sie roch herrlich nach Rosen, die hier überall im Park wuchsen. Mein Körper richtete sich völlig ohne mein Zutun bequem auf der von mir gewählten Sitzgelegenheit ein. Zurückgelehnt, und mit lang ausgestreckten Beinen, fiel die Anspannung des Tages von mir ab, und ich begann mich von den mir umgebenden Geräuschen berieseln zu lassen. Die Kinder kicherten und tobten ausgelassen umher als gäbe es kein morgen, während die Erwachsenen über die neuesten Skandale auf unserer Insel tuschelten. Heute war ein so heißer Tag, dass man die Luft über dem Asphalt flimmern sah. Diese Hitze machte mich langsam schläfrig, während ich auf meinen Freund wartete. Als schließlich in dem Baum neben mir auch noch ein Vogel anfing seinen Kleinen ein Wiegenlied zu trällern, begann ich vollends weg zu dösen... Bis mich jemand mit dem Finger in die Seite piekste.
"Aaahh!" Ich sprang aus meiner gemütlich gelümmelten Sitzposition auf und war schlagartig wieder hellwach. Ein mir wohl bekanntes Lachen ließ mich schließlich umdrehen.
"Jeremiah!" vergeblich versuchte ich meinen Freund böse anzustarren, was ihn nur um so lauter zum Lachen brachte. Schließlich gab ich es auf und knuffte ihn freundschaftlich in die Seite.


(Jeremiah Hempelsberger mit Sofia Daralina)

"Hey Sofia, schön dich zu sehen... und hören." Er grinste mich an wie ein kleiner Junge dem gerade ein Geniestreich gelungen war. Ich konnte spüren wie sich in meinem Gesicht das gleiche Grinsen ausbreitete, und fühlte mich um einige Jahre zurück versetzt als wir noch jünger waren.
Wir hatten uns in der Schule kennen gelernt, und waren von Anfang an eng miteinander befreundet gewesen. So eng, dass in unseren Teenager Jahren das Gerücht umging, wir wären mehr als nur Freunde. Das Gerede hält sich bis heute hartnäckig, obwohl Jeremiah seit einiger Zeit glücklich verheiratet war.
"Alles in Ordnung bei dir? Ich hoffe Bernadette geht es inzwischen besser." Jeremiah und Bernadette waren vor kurzem aus den Flitterwochen zurück gekommen. Die beiden waren zwar bereits seit zwei Jahren verheiratet, hatten es zeitlich durch ihre Arbeit aber nicht geschafft früher zu flittern. Seit dem Rückflug aus Frankreich, litt Jeremiahs Frau Bernadette an einer beständigen Übelkeit, weigerte sich aber hartnäckig zum Arzt zu gehen.
"Nein, deshalb werde ich auch morgen mit ihr zum Arzt gehen." Jegliche Freude wich aus seinem Gesicht und ein besorgter Ausdruck erschien in seinen Augen. "Arbeit hin oder her, wenn das so weitergeht ist sie bald zu schwach um weiter ihren Job auszuüben." Bernadette arbeitete bei der Polizei, und seit kurzem war die Einbruchsrate deutlich angestiegen, was ihren Alltag auf der Wache nicht eben entspannter machte.
"Hoffentlich ist es nichts schlimmes. Lasst mich bitte wissen so bald ihr etwas neues erfahrt." Ich war fast genauso besorgt um Bernadette wie Jeremiah, schließlich war sie auch meine beste Freundin.


Er nickte mich dankbar an und ich schloss ihn kurz in meine Arme. Froh darüber, dass wir einander hatten lösten wir uns wieder voneinander. "Komm, lass uns das schöne Wetter ausnutzen und hier draußen noch eine Partie Schach spielen bevor ich weiter muss." schlug Jeremiah dann vor. Ich stimmte zu, dass hatten wir schon lange nicht mehr gemacht. Durch unsere unterschiedlichen Arbeitszeiten sahen wir uns leider kaum noch. Jeremiah arbeitete als Lehrer in der örtlichen Schule, und opferte heute seine Mittagspause um sich mit mir zu treffen. Für mich war es schon erstaunlich, dass ich um diese Zeit überhaupt auf den Beinen war. Als Geisterjägerin war meine Hauptarbeitszeit nun mal zur Geisterstunde, dann wenn der größte Teil der Insel schlief (zumindest der Teil der noch einen Herzschlag besaß, und tatsächlich Türen zuerst öffnen musste um in ein anderes Zimmer zu gelangen... sofern besagtes Zimmer überhaupt eine Tür hatte).


Die Zeit verging wie im Flug, und nur allzu bald musste Jeremiah wieder zurück in die Schule. Was mich anging... ich fuhr nach Hause in mein kleines Appartement und haute mich noch eine Runde aufs Ohr, bevor auch ich meine Brötchen verdienen ging.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Di Nov 26, 2013 1:07 pm

Kapitel 1.2

Am nächsten Tag wurde ich durch das Klingeln meines Handys aus dem Schlaf gerissen. Erschrocken fuhr ich hoch ,und tapste blind nach meinem Telefon, wobei ich es versehentlich vom Tisch fegte. Grummelnd setzte ich mich auf und schaltete die Nachttischlampe ein. Ich warf einen bösen Blick in Richtung Tür, wo mein Handy immer noch aufdringlich klingelte. Leicht schlaftrunken erhob ich mich, torkelte in Richtung des nervtötenden Geräusches, und schaute aufs Display. Meine Mine hellte sich schlagartig auf, es war Bernadette die mich anrief.
"Hey, Bernadette! Was ist los? Wie geht's Dir?" Normalerweise rief sie mich um diese Uhrzeit, es war gerade kurz nach Mittag, nicht an. Sie wusste ja, dass ich wegen meinen Arbeitszeiten meist tagsüber schlief.
"Sofia! Entschuldige dass ich dich so früh anrufe, aber ich konnte einfach nicht warten dir die Neuigkeiten mitzuteilen." Sie klang unheimlich aufgeregt und hatte wahnsinnig gute Laune, und steckte mich damit sofort an.


"Ach was, macht doch nichts." winkte ich ab. "Was hat der Arzt gesagt?"
"Ich bin schwanger! Jeremiah und ich werden Eltern!"  sie quikte vor Aufregung, und ich konnte förmlich hören wie sie vor Freude auf und ab hüpfte.
"Das ist ja großartig, herzlichen Glückwunsch! Das freut mich so für euch, ich weiß ja wie sehr ihr euch Kinder wünscht."  Ich war darüber wirklich glücklich, die beiden versuchten schon seit ihrer Hochzeit ein Baby zu bekommen, und hatten die Hoffnung mittlerweile fast aufgegeben. Umso erfreulicher war es jetzt, da Bernadette endlich schwanger war.
Wir telefonierten noch eine Weile, und verabredeten uns schließlich für ein Treffen in der Stadt am Samstag. Nun da ich schon mal wach war, konnte ich auch gleich aufstehen. Ich rieb mir den restlichen Schlaf aus den Augen, und begann mein Frühstück herzurichten.


Während ich wartete, dass meine Waffeln im Ofen fertig wurden, grübelte ich darüber nach, wie es wohl wäre selbst Mutter zu sein. Ehrlich gesagt hatte ich darüber noch nie ernsthaft nachgedacht. Die Faszination nach Paranormalem hatte mich seit ich denken konnte in ihren Bann gezogen. Während die anderen Mädchen in der Schule über Jungs, heiraten und Babys kriegen tratschten, verzog ich mich lieber Richtung Friedhof und wartete gespannt, dass die Uhr Mitternacht schlug. Kopfschüttelnd lächelte ich über mich selbst, und holte die herrlich duftenden Waffeln aus dem Ofen.


Mein Handy klingelte erneut als ich gerade den ersten Bissen von meinem Frühstück zu mir nehmen wollte. Sehnsüchtig legte ich die Gabel beiseite, und ging ans Telefon.
"Sofia Daralina, Geisterjägerin" Da mir die Nummer nicht bekannt war, ging ich davon aus, dass es sich um einen Kunden handelte, und meldete mich mit meinem vollen Namen. Es war auch immer besser, gleich selbst das Thema Geister anzuschneiden. Ich hatte die Erfahrung gemacht, dass es vielen zu peinlich war, von sich aus auf den Punkt zu kommen.

Dabei gab es generell vier Kategorien von Kunden.

Heimgesuchte der Kategorie eins, waren das erteilen von Befehlen, und vor allem deren Befolgung, gewohnt, und kamen gar nicht auf die Idee, dass man sich ihnen wiedersetzen könnte. Sie ließen einem nicht einmal Zeit Luft zu holen, und rappelten in rekordverdächtiger Geschwindigkeit ihre Adresse herunter, ohne jegliche Begrüßung, geschweige denn weiteren Angaben. Als Geisterjäger hatte man schließlich selbst zu wissen was los war. Eine höfliche Verabschiedung konnte man sich hier ebenfalls sparen, da zu diesem Zeitpunkt der Gesprächspartner schon lange aufgelegt hatte. Personen dieser Gruppe legten sehr viel Wert auf ihr Ansehen bei den Nachbarn, deshalb war es hier extrem wichtig, möglichst schnell am Ort des Geschehens einzutreffen. Sie waren nämlich sehr darauf bedacht, dass Ereignis so schnell wie nur irgendwie möglich unter den Teppich zu kehren (wobei es wohl sinnvoller wäre, die ganze Sauerei auf den Teppich zu kehren, diesen dann vorsichtig zusammen zu rollen, und anschließend spurlos verschwinden zu lassen... Teppiche sind nun wirklich nicht zu schwer, um sie hoch zu heben, um einen Blick darunter zu werfen). Umso später der Auftrag ausgeführt wurde, umso knauseriger wurde der Kunde bei der Bezahlung. Individuen mit diesen Eigenschaften, waren auch als Snobs bekannt.

Zeitgenossen der zweiten Kategorie waren am Telefon die am schwierigsten zu Handhabenden, dafür war hier die Bezahlung am Besten. Man konnte froh sein, wenn der Kunde überhaupt so viel Mut aufbrachte, um einen seine Adresse mitzuteilen. Prinzipiell grenzte es bei diesen Exemplaren schon fast an ein Wunder, wenn sie es zum Telefon schafften. Ich konnte bisher nie rausfinden, ob das Klappern, das man immer während des Telefongespräches hörte, von den Geistern kam, oder von den Zähnen meiner Gesprächspartner. Wenn sie es jedoch einmal zum Telefon geschafft hatten, war es schwer sie wieder davon weg zu bekommen. Es ist kein Einzelfall, dass ich nach getaner Arbeit den Besitzer des Hauses, zitternd und an sein Telefon klammernd, in einer Ecke fand. Nicht wenige verloren sogar ganz das Bewusstsein, und sind nach ihrem Erwachen nur schwer davon zu überzeugen, dass wirklich Geister ihr Unwesen bei ihnen trieben. Ein häufiges Phänomen bei Verdrängung von Ereignissen. Deshalb war es auch immer ratsam, vor Beginn der Arbeit, ein Foto der Geister zu schießen. Mit derlei Beweisen war es ein leichtes den Kunden von deren Existenz zu überzeugen, was wiederum wichtig für meinen Geldbeutel war. Diese Spezies nannte man auch den Feigling.

Das Positivste, dass man über die dritte Gruppe sagen konnte, war, dass sie in Sachen Höflichkeit auf jeden Fall alle Anderen toppte. Nach einer sachlichen und kühlen Vorstellung, wurde von diesen Personen, abrupt und ohne Umwege, auf das Thema Preis der Geisterbeseitigung gelenkt. Das Problem wurde dermaßen kleingeredet, dass sich ein Elefant in eine Mücke verwandelte. Mein Honorar würde hier um einiges geringer ausfallen, wenn die Geister nicht bei dem Telefonat mithören würden. Da sie hier aber ganz besonders die Ohren spitzten, bekamen sie immer mit, wie ihre Opfer wortwörtlich versuchten ihre Macht zu schmälern. Das führte unweigerlich dazu, dass besagte Mücken den Elefanten im Porzellanladen losließen. Dabei segnete jegliches Geschirr, das meine Kunden zu diesem Zeitpunkt besaßen, das Zeitliche. Und zwar in einer Lautstärke, dass sich der größte Polterabend dabei klein und mickrig vorgekommen wäre (Daher kam übrigens auch die Bezeichnung Poltergeist). Zu meinem Glück, war bisher keiner meiner Kunden auf die Idee gekommen, die Freisprechanlage einzuschalten. Sonst würden die Geister Wind davon bekommen, dass der Bewohner des Hauses gerade über ihre Beseitigung feilschte, und sich kleiner machen, als dieser sie in seiner Beschreibung schrumpfen ließ. Mit dem Ergebnis, dass ich meinen Auftrag verlieren würde. Hat man sich schließlich auf einen vernünftigen Preis geeinigt, sollte man meinen, dass man endlich zur Tat schreiten konnte. Weit gefehlt, jetzt ging es erst richtig los. Worüber man sich bisher einig wurde, war nichts weiter, als eine kleine Basis-Pauschale, die in keinem Vergleich zu den Benzinkosten stand, die mich die Hinfahrt zum Kunden kosten würde. Während die ungebetenen Mitbewohner meines Gesprächspartners mittlerweile kurzen Prozess mit dem Porzellan gemacht hatten, und sich nun lautstark den Töpfen und Pfannen widmeten, besaßen meine Kunden die Nerven, in aller Seelenruhe den Wert jedes einzelnen Geistes in Frage zu stellen. An dieser Stelle ist es allemal erwähnenswert, dass Personen dieser Gruppe immer die Höflichkeit in Person blieben, komme da was wolle, wohingegen mit mir schon einmal mein Temperament durchging. Unschwer zu erkennen, warum diese Individuen auch als Feilscher bekannt waren.

Die letzte Gruppe gewann eindeutig in der Kategorie "Nervensäge", mit meilenweitem Vorsprung. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich als Kunde selbst in diese Kategorie fallen würde, wenn ich nicht in der Lage wäre mich eigenhändig um das Problem zu kümmern, was ich glücklicherweise aber bin. Bei Zeitgenossen dieser speziellen Art, kam man nach dem Abheben des Telefons gar nicht dazu, sich vorzustellen. Man wurde schlicht und einfach mit Informationen überrannt. Nach seiner konfusen Schilderung und Einschätzung der Lage, bombardierte einen der Hobbyspezialist für Paranormales mit Fragen ,wie z.B.: Warum bestanden Geister aus Ektoplasma, wo trieben Geister sich Mittags rum, wie fing man Geister selbst ein und verwahrte sie sicher zu Hause... Dabei wurden die Fragen so schnell hintereinander abgefeuert, dass man nicht einmal die Zeit hatte, Luft zu holen, um eine Antwort zu formulieren. In den meisten Fällen endeten solche Gespräche immer damit, dass die genervte Ehefrau, oder der genervte Ehemann, seinem Partner das Telefon entriss, mir in gehetztem Tonfall die Adresse durchgab, und sich damit verabschiedete, dass ich mich bitte beeilen sollte, da einer der Geister die Deckenlampe in der Küche abmontiert hatte, und jetzt gerade stattdessen den Mixer dort anschloss. Mein persönlicher Rekord, was die Länge eines solchen Telefonates anging, lag bei drei Stunden (Bin ich froh, dass der Anrufer die Kosten daran alleine trägt... noch mehr Ärger mit dem Lebensgefährten bzw. der Lebensgefährtin). Leidensgenossen dieser Gruppe, ordnete man den Fanatikern zu.

Mein derzeitiger Anrufer gehörte zur ersten Kategorie, zu den Snobs. Das Gespräch war also dementsprechend kurz. Gut für mich, so waren meine Waffeln immer noch schön warm, als ich mich endlich über sie her machen konnte.
Es war ungewöhnlich, dass ich um diese Uhrzeit (es war schließlich erst kurz nach Mittag) bereits einen Auftrag bekam. Aber was soll's, gerade bei diesem Kunden war Zeit schließlich Geld, also legte ich einen Gang zu, und machte mich auf den Weg zu dessen Haus, um heute einmal früher mit der Arbeit loszulegen.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Fr Nov 29, 2013 4:50 pm

Kapitel 1.3

Endlich war Wochenende. Die ganze Woche über klingelte pausenlos mein Telefon. Ich bekam dermaßen viele Aufträge, dass man den Eindruck bekam, jemand buddelte einen alten Friedhof um. Nicht dass ich mich beschweren würde, schließlich war das gut fürs Geschäft. Wenn es so weiter ging, konnte ich mir bald ein eigenes kleines Häuschen leisten.


Heute werde ich mich mit Bernadette in der Stadt treffen, aber jetzt musste ich erst einmal meinen Magen versorgen, der sich lautstark zu Wort meldete. Während meine Waffeln, nach einem alten Geheimtipp meiner Oma, im Ofen vor sich hin brutzelten (vielleicht sollte ich nachher mal bei der Buchhandlung vorbei schauen und ein paar neue Rezepte besorgen), war ich mit den Gedanken ganz wo anders. Genauer gesagt bei heute Nacht, als ich gerade von meinem letzten Kunden zurück kam.

Ich wartete ungeduldig auf den Aufzug, der mich geradewegs nach oben in mein Apartment bringen würde. Gedanklich war ich schon eingekuschelt in meinem warmen Bett. Wahrscheinlich muss ich wohl wirklich kurz eingenickt sein, denn ich hatte einen seltsamen Traum von rosafarbenen  Hasen, die mir gnadenlos meine Karotten stahlen. Was mir an sich schon hätte zu denken geben müssen, Möhren hatte ich sowieso nie zu Hause, die mochte ich nämlich gar nicht.... von mir aus konnten die Hasen sie gerne haben. In meinem Traum baute ich die Ankunft des Aufzuges, und das Geräusch der sich öffnenden Türen, folgendermaßen ein:

Ein besonders fettes Exemplar meiner wuscheligen Besucher, das ein Glöckchen um den Hals trug, hoppelte panisch davon. Der Auslöser dafür war ich selbst, da ich mich nach vorne bewegte, um die anderen Hasen davon abzuhalten, meinen Kühlschrank, in dem sich unter anderem die Karotten befanden, mitgehen zu lassen. Da der Kühlschrank aber keine Füße zum Laufen besaß, versuchten die rosafarbenen Fellknäuel das riesige Ding zu schieben, was ein schleifendes Geräusch verursachte. Das Bimmeln ihres Kumpanen ließ die restlichen Hasen ebenfalls in Panik verfallen, woraufhin sie alle  Reißaus nahmen. Mit meiner Vorwärtsbewegung hatte ich mittlerweile so viel Schwung angesammelt, dass ich frontal gegen den Kühlschrank knallte, den die Hasen plötzlich mitten im Weg stehen ließen.

"Verdammte Hasen! Was soll der Blödsinn!" entfuhr es mir unwillkürlich. Im Nachhinein bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich mir die Nase angehauen hatte. Dadurch legte ich mir aus einem Schutzreflex heraus die Hand darüber, was wiederum auch meinen Mund zum Teil verdeckte, wodurch mein Fluch zu einem unverständlichen Gebrabbel wurde. Der Schlag auf mein Riechorgan hatte mich nämlich wieder vollends wach werden lassen, so dass ich jetzt sah gegen was, oder besser gesagt gegen wen, ich wirklich geprallt war.
Mich sahen ein paar rehbrauner Augen treuherzig an, während die Augenbrauen darüber fragend in die Höhe schossen, und ein charmantes Lächeln einen Satz strahlend weißer Zähne entblößte.


(Sofia Daralina mit Josef Sumpf)

*Riiiiinnnnnngggg* Die Küchenuhr riss mich aus meinen Gedanken, und ich spürte dass mir die Röte ins Gesicht gestiegen war, was nicht an der Hitze lag die mir jetzt aus dem Backofen entgegen kam. Die ganze Situation gestern Abend war mir so peinlich gewesen, dass ich kaum mitbekam was mir mein Gegenüber erzählte, geschweige denn was ich von mir gab. Ich weiß noch dass er sich als Josef Sumpf vorgestellt hatte, und neu hier auf der Insel war. An mehr kann ich mich nicht mehr erinnern, woran aber zum größten Teil auch die Müdigkeit Schuld war (Zumindest redete ich mir das ein, was meinem Gesicht wieder zu einer halbwegs normalem Farbe verhalf).

~~~

Bernadette und ich verbrachten einen wunderschönen Shoppingsamstag zusammen in der Stadt. Wir wollten gerade den restlichen Tag gemütlich im Park ausklingen lassen, als es anfing in Sturzbächen zu regnen. Meine Freundin wollte dann stattdessen unbedingt ins Fitnessstudio gehen, ihr tägliches Training wollte sie nämlich trotz Schwangerschaft nicht missen. Da ich selbst auch schon immer sehr sportbegeistert war, ließ ich mich bei sowas nicht zweimal bitten.


(Bernadette Hempelsberger und Sofia Daralina)

Bevor ich mich jedoch auf das nächstbeste Trainingsgerät stürzen konnte, nahm mich Bernadette zur Seite, und blickte mich schweigend und mit einem Lächeln im Gesicht an, als wüsste sie etwas was ich nicht wusste.
"Was?" brach ich schließlich die Stille zwischen uns.
"Ich würde ja sagen, du siehst aus als hättest du ein Gespenst gesehen. Aber da dich dass ja absolut kalt lässt, muss jemand dahinter stecken der noch unter den Lebenden weilt."
Perplex blinzelte ich sie ein paar Mal an, bevor ich ein geistreiches "Hä?" von mir gab.
"Komm schon, spann mich nicht noch länger auf die Folter, ich sitze schon den ganzen Tag wie auf heißen Kohlen! Wie heißt er?"
"Wie heißt wer?" ich spürte wie ich rot anlief, weil mir wieder die Begegnung von gestern Nacht im Kopf rumspukte. "Äh...." jetzt war auch bei mir der Groschen gefallen, worauf Bernadette hinaus wollte. "Nein, das kann nicht sein."
"Oh doch, meine Liebe. Du bist verliebt, und zwar bis über beide Ohren." sie grinste mich begeistert an. "Das wurde auch endlich mal Zeit!" Bernadette sah aus, als hätte sie gerade im Lotto gewonnen.
Ich wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte... ich sollte verliebt sein? Mit den Lebenden kam ich doch eigentlich nicht gut aus, mal abgesehen von Bernadette und Jeremiah, deshalb war ich ja auch so gut in meinem Job. Und jetzt? Naja, es würde zumindest erklären warum ich seither so neben der Spur war, wobei ich dachte es läge daran, dass mir die ganze Situation so peinlich gewesen war. Bernadette wollte von dem Thema auch partout nicht ablassen, also erzählte ich ihr schließlich von gestern Nacht (den Teil mit den Hasen ließ ich aber besser weg).
"Du musst mir Josef unbedingt vorstellen, kommt doch morgen Abend einfach zu uns zum Essen."
"Bernadette! Das geht nicht, ich kenne ihn doch überhaupt nicht!" ich war regelrecht empört über ihren Vorschlag.
"Das ist doch der Sinn der Sache, so lernt ihr euch besser kennen!" versuchte sie mich zu überreden. Aber in diesem Fall biss sie bei mir auf Granit. Ich musste erst einmal wieder einen klaren Kopf bekommen. Bernadette gab schließlich klein bei, zumindest vorerst.
Wir widmeten uns dann endlich unserem Training, aber nach dem Lächeln auf Bernadettes Gesicht zu urteilen, war mir klar, dass sie mich demnächst wohl bei jeder unserer Begegnungen über das Thema ausfragen würde.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am So Dez 01, 2013 1:26 pm

Kapitel 1.4

Zwei Wochen waren seit unserer ersten Begegnung vergangen, und ich hatte seither nichts mehr von Josef gehört oder gesehen. Da wir im gleichen Hochhaus wohnten, wartete ich auf ein weiteres zufälliges Treffen... vergeblich. Es war,  als wäre er vom Erdboden verschluckt. Dabei behauptete der Briefkasten im Eingangsbereich etwas anderes, aus dem bereits die Post anfing heraus zu quellen. Ich brachte sogar den Mut auf, um bei ihm zu klingeln, es öffnete jedoch niemand. Ich fragte mich ob er mir aus dem Weg ging, oder ob er einfach nicht da war.
Um auf andere Gedanken zu kommen, beschäftigte ich mich mit meinem Hobby. Normalerweise betrieb man das Sternegucken ja nachts, da ich dann aber für gewöhnlich keine Zeit hatte, blickte ich eben meist tagsüber in die Sterne.


Wie in letzter Zeit üblich, war es noch hell als ich meinen ersten Auftrag für heute bekam. Bis ich mich auf den Weg machen konnte, setzte allerdings schon die Dämmerung ein. Da mein Kunde zu der Gruppe der Feilscher gehörte, dauerte das Telefongespräch dementsprechend lang. Mein Anrufer besaß einen Bauernhof mit Pferden. Das Heu, das er aus diesem Zweck Zuhause lagerte, hatten die Geister über das Gesamte Grundstück verteilt, mit Vorliebe in Bereichen wo es Nass werden würde, und damit unbrauchbar. Es dauerte ziemlich lange, bis ich mein Gegenüber davon überzeugen konnte, dass ich für den Schaden den die Geister anrichteten, nicht verantwortlich war. Obwohl mein Gesprächspartner nach wie vor höflich blieb, konnte ich die Enttäuschung in seiner Stimme hören. Als ich am Ort des Geschehens eintraf, sah ich das ganze Ausmaß der Zerstörung vor mir. Von außen sah es gar nicht so schlimm aus, aber im Haus waren sämtliche Abflüsse mit Heu verstopft worden.  Dazu waren auch noch alle Wasserhähne aufgedreht, so dass sich bereits überall Wasserpfützen gebildet hatten. Jetzt war mir auch klar, warum mein Kunde die Kosten für den Sachschaden auf mich abwälzen wollte. Hier würde eine komplett Renovierung der Badezimmer fällig werden. In dieser Größenordnung habe ich bisher Geister nur selten wüten sehen. Es schien in letzter Zeit nicht einfach nur mehr Fälle von paranormalen Erscheinungen zu geben, sondern die unliebsamen Mitbewohner wurden auch immer aggressiver.


Mein nächster Kunde warf mir am Telefon ohne Vorstellung eine Adresse um die Ohren, ich wusste was das bedeutete... einer von der pingeligen Sorte.
Als ich bei ihm ankam, schaute er mir die ganze Zeit kritisch über die Schulter. Und als ob das nicht schon lästig genug gewesen wäre, hatte ich ganz genau gesehen, wie er immer wieder heimlich eine Stoppuhr hinter seinem Rücker hervorzauberte.


Nach der Geisterbeseitigung stand ich gerade bei dem Snob, als mein Telefon schon wieder Aufmerksamkeit forderte. Mein Kunde verzog missbilligend den Mund, während er mir den Scheck überreichte. Mein Anrufer entpuppte sich als Jeremiah. Ich war gleich besorgt, normalerweise rief er mich nicht während der Arbeit an. Doch es war nicht weiter schlimm. Es stellte sich heraus, dass er heute meine Dienste als Geisterjägerin benötigte. Das Gespräch mit ihm verlief extrem kurz. Er musste unbedingt noch die Aufsätze seiner Klasse bis morgen korrigieren, und hatte sich dazu in die Bibliothek verzogen, da sich bei ihnen zu Hause Geister in den Möbeln eingenistet hatten. Bernadette war auch nicht da, als ich die Wohnung meiner Freunde betrat. Sie war trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft auf der Wache. Jeremiah erzählte, dass es gerade wieder einen Einbruch gegeben hatte, und die Spuren sahen ganz nach dem Täter aus, hinter dem Bernadette her war. Also ließ sie es sich nicht nehmen, persönlich einen Blick auf den Fall zu werfen.


Ich hatte gerade kurzen Prozess mit dem vorrübergehenden Bewohner des Bücherregals gemacht, als mein Handy erneut klingelte. Was war heute nur los? Zum Glück war das Timing meiner Anrufer perfekt. Man könnte meinen, sie würden sich untereinander absprechen wer wann anruft. Ich atmete einmal tief ein und hob ab. Am anderen Ende der Leitung hörte es sich an, als würde jemand haufenweise Popcorn herstellen. Es dauerte einen Moment, bis ich darauf kam, dass das Geräusch das Zähneklappern meines Anrufers war. Geduldig wartete ich auf die Adresse, während ich einen Seufzer unterdrückte. Immerhin dauerte es nur fünf Minuten bis ich wusste wo's hinging.
Auf dem Weg nach draußen fiel mein Blick auf den Tisch im Eingangsbereich. Dort lag ein Zettel mit meinem Namen darauf, in Bernadettes Handschrift. Verwirrt blieb ich Stehen und griff danach. Auf der Rückseite des kleine Papierfetzens stand "Josef?", und dahinter war ein Herzchen gemalt. Ich verdrehte die Augen, Bernadette wartete ungeduldig auf Neuigkeiten. Damit war sie nicht alleine... Ich steckte den Zettel ein und machte mich auf den Weg zum nächsten Geisteropfer.
Heute hatten es die Gespenster wirklich mit dem Mobiliar. Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass ich die gefangenen Geister ausbruchssicher verwahrte, würde ich fast sagen, sie wandern, sobald ich sie eingefangen hatte, von einem Ort direkt zum Nächsten.


Der Morgen brach schon fast an, als ich auf dem Heimweg war. Ich schlenderte müde die Straße entlang in der mein Appartement lag. Als ich gerade das Hochhaus betreten wollte, sah ich seltsame Lichter in den Glasfenstern der Tür leuchten. Verwirrt öffnete ich die Tür und blickte hinein, konnte aber nichts ungewöhnliches entdecken. Ich ließ die Tür wieder zufallen, die Lichtpunkte waren wieder da. Sie mussten also von irgendwo hinter mir kommen, so dass ich nur die Spiegelung davon sehen konnte. Komisch, als ich her gelaufen war, hatte ich nichts bemerkt. Ich drehte mich langsam um, und sah die Lichter in der Luft schweben.


Mir fielen zwei Möglichkeiten ein.
Entweder hatte ich einen wirren Traum, und würde gleich aufwachen. Wahrscheinlich so wie letztes Mal, indem ich gegen Josef prallte... was furchtbar peinlich wäre, aber ich würde ihn zumindest wieder sehen. In diesem Fall würde privat etwas bei der komischen Geschichte dabei rausspringen.
Oder ich hatte es mit etwas Paranormalem zu tun, und ein paar Geister wollten mir einen Streich spielen. So gesehen war es aus beruflichen Gründen meine Pflicht der Sache auf den Grund (oder besser "in die Luft") zu gehen.
Ich fügte mich dem Unvermeidlichen und betrachtet die Lichter aus nächster Nähe. Als ich direkt darunter stand wurde ich von einem Lichtstrahl getroffen.


Gegen meinen Willen wurde ich nach oben gezogen. Ich strampelte wild um mich (wie ein kleines Baby das die Windeln voll hatte), konnte aber nichts dagegen tun (wie besagtes Baby das sich selbst nicht wickeln konnte).


Das Nächste an das ich mich erinnerte war, dass ich unten vor meiner Wohnung stand. Ich hielt mir die Hände vors Gesicht, weil mich etwas so sehr geblendet hatte, dass ich das Gefühl hatte blind zu werden.


Ich war verwirrt... was war gerade geschehen? Meine Augen hatten sich zumindest so weit erholt, dass ich die Hände wegnehmen konnte. Blinzelnd blickte ich dorthin wo ich die Lichter gesehen hatte. Ein undefinierbares Objekt schwebte dort mitten über der Straße. Ich blinzelte noch einmal, um meinen Blick besser darauf zu fokussieren. Dann war es plötzlich verschwunden. Ich stand da wie bestellt und nicht abgeholt, und guckte dabei auch noch dumm aus der Wäsche.


Es vergingen mindestens weitere fünf Minuten, in denen ich nichts weiter tat, als dumm dorthin zu starren, wo ich meinte gerade noch etwas gesehen zu haben. Ich kniff meine Augen einmal fest zusammen und schüttelte mich. Der Schrecken wollte sich nicht so einfach vertreiben lassen. Mir wurde langsam kalt, also begab ich mich steifbeinig in mein Appartement. Dort angekommen wäre ich am liebsten gleich in mein Bett gefallen. Aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund begann ich Kekse zu backen. Die Sonne war gerade am aufgehen als ich damit fertig wurde. Bevor ich mich schlafen legte aß ich noch einen warmen Keks.


Als ich aufstand um ins Bett zu gehen, fiel ein Zettel herunter. Ich hob ihn auf, es war die kurze Notiz die mir Bernadette hinterlassen hatte. Dann fiel mir wieder ein was ich vorhin unten im Eingangsbereich gesehen hatte. Ich musste lächeln, Josefs Briefkasten war geleert worden.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Fr Dez 27, 2013 7:29 pm

Kapitel 1.5

Es war wirklich Wahnsinn. Was die Geister in letzter Zeit mit den Möbeln hatten war mir ein absolutes Rätsel. Vielleicht  lag es daran, dass sie einfach keine Lust mehr hatten die Sims zu erschrecken, indem sie durch die Gegend schwebten und "Buh!" riefen. Wahrscheinlich war es gerade In sich in Gegenständen zu verkriechen, und sie scheppernd auf und ab hüpfen zu lassen. Auf jeden Fall schonte es die Stimmbänder, zumindest die der Geister, nicht die der Sims. Gespenster mussten sich wohl auch dem Wandel der Zeit anpassen, wenn sie nicht als langweilig angesehen werden wollten.


Wie dem auch sei. Ich war mal wieder gerade dabei, die ungewollten Untermieter aus einem Bett zu saugen, als mich ein Heißhunger überkam. Die hübsche Schlafgelegenheit sprang besonders hoch rauf und runter, so dass ich mich fragte was die Geister wohl darin trieben. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich allerdings dafür, es lieber nicht wissen zu wollen. Mittlerweile musste ich mich gewaltig zusammenreißen, um nicht alles stehen und liegen zu lassen, damit ich mich  nicht sofort auf die Suche nach etwas Essbarem begab. Das ging schon die ganze Woche so, seit dem seltsamen Ereignis mit den bunten Lichtern letzte Woche. Vielleicht sollte ich mal einen Arzt aufsuchen.
Ich brachte meinen derzeitigen Job so schnell wie möglich hinter mich, und steuerte das Stadtzentrum an. Mein Magen fühlte sich an als wäre darin ein riesiges schwarzes Loch, in dem alles was ich aß, sofort verschwand. Der Duft nach frischen Hotdogs und Zuckerwatte, lockte mich schließlich zum Sommerfest, das gerade im Stadtparkt ausgerichtet wurde. Ich kam genau rechtzeitig um bei einem Hotdog-Wettessen mitzumachen.


Die Tatsache, dass ich es genoss, einen Berg Hotdogs in mich hinein zuschaufeln, während meine Tischnachbarn ihren halben Mageninhalt wieder heraus würgten, sprach eindeutig dafür, dass etwas mit mir nicht stimmte. Mein Verdacht mit einem Arzt sprechen zu sollen, verhärtete sich. Ich fühlte mich wie ein Staubsauger der auf Hochtouren lief, um die Platte vor mir möglichst schnell sauber zu bekommen. Nichtsdestotrotz verlor ich.


Ich wollte gerade die letzen Krümel von meinem Teller putzen, als der Kontrahent neben mir in Jubel ausbrach. Mit einem Seitenblick stellte ich fest, dass er gewonnen hatte (sein Staubsauger hatte wohl die höhere Wattzahl). Meine beiden anderen Leidensgenossen rannten panisch Richtung Toilette, als wäre ihnen gerade erst aufgefallen, dass das Ganze nicht die beste Idee gewesen war. Was mich betraf, ich verspürte weder Übelkeit noch den Drang, meinen Mageninhalt wieder loszuwerden (das hing wohl mit dem schwarzen Loch zusammen).
Erst jetzt fiel mir auf wie still es eigentlich um uns herum war. Die Musik war aus, die Stände waren alle geschlossen, und wir waren völlig alleine im Park. Kein Wunder, es war mitten in der Nacht, das Sommerfest hatte um diese Uhrzeit eigentlich geschlossen. Eine drückende Stille begann sich zwischen dem Sieger des Hotdog-Wettessens und mir auszubreiten. Ich war es nicht gewohnt, dass es so leise war. Die Abwesenheit von Geistern um diese Uhrzeit machte es irgendwie unheimlich für mich (hab ich schon mal erwähnt, dass ich mit Lebenden meist nicht so gut zurecht kam?). Vor allem da mein Gegenüber mich nur forschend ansah. Schließlich brachte ich es fertig, mir gedanklich einen Ruck zu geben, und ihn für seinen Sieg zu gratulieren.


(Sofia Daralina mit Emeraldo Acuna)

Wir unterhielten uns längere Zeit miteinander, und ich merkte, dass ich mit ihm ziemlich gut klar kam (zumindest wenn man bedachte, dass er zu den Lebenden gehörte). Er stellte sich mir als Emeraldo Acuna vor, und erzählte mir, dass er als Arzt im hiesigem Krankenhaus tätig war. Oha... Volltreffer! Ich überlegte, ob ich ihm von meinem Essverhalten der letzten Tage erzählen sollte. Jetzt wo sich schon mal gerade die Gelegenheit dazu ergab. Dass ich bunte Lichter mitten auf der Straße habe schweben sehen, verschwieg ich aber besser vorerst einmal.
Als ich mich gerade dazu überwunden hatte ihn um Rat zu fragen, unterbrach er mich, dass er jetzt gehen müsse. Er bat mich aber morgen in seine Sprechstunde zu kommen, dann würde er auch gleich eine Blutuntersuchung durchführen. Ich willigte ein und wir verabschiedeten uns. Just in dem Moment klingelte mein Telefon, und ich bekam noch einen Auftrag für heute.
Die Geister die ich hier einzusammeln hatte, hingen der Zeit wohl etwas hinterher. Sie spukten nämlich noch auf die altmodische Weise.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am So Dez 29, 2013 8:06 pm

Kapitel 1.6

Heute war mein freier Tag. Ich schlenderte gemütlich in Richtung Schlafzimmer, um vor dem Termin bei Emeraldo noch ein kurzes Training einzulegen.  Aber bevor ich dort meine Trainingsklamotten heraus kramen konnte, klingelte es an der Tür. Was war denn jetzt schon wieder? Konnte ich denn nicht einmal für 5 Minuten meine Ruhe haben? Ich überlegte noch ob ich das Klingeln ignorieren sollte, als jemand klopfte. Eine tiefe Stimme rief meinen Namen. Schlagartig wurde ich nervös. Obwohl ich ihn erst einmal getroffen hatte, würde ich den Klang seiner Stimme überall wiedererkennen.
Ich öffnete die Tür und versuchte dabei meine Nervosität zu unterdrücken. Wir standen uns schließlich schweigend gegenüber und ich wandte verlegen meinen Blick ab.


(Josef Sumpf und Sofia Daralina)

"Sofia?" ich spürte Josefs Augen auf meinem Gesicht ruhen und schaute ihn nun doch an. Es durchfuhr mich wie ein Blitz. Meine Haut begann zu kribbeln, und ein Schauer durchlief mich von Kopf bis Fuß. Ich schnappte nach Luft, und merkte wie sich meine Mundwinkel von selbst zu einem Grinsen nach oben zogen.
"Hm?" brachte ich schließlich hervor.
"Ich wollte mich schon früher bei Dir melden, tut mir leid. Aber ich war in letzter Zeit dienstlich unterwegs und gar nicht auf der Insel."
"Oh,.... äh... hab ich mir irgendwie gedacht." Eine Augenbraue schoss fragend in die Höhe, weshalb ich weiter stammelte: " Äh.... ich mein... also, dein Briefkasten..."  ich brach ab und biss mir auf die Zunge. Während sein Grinsen immer breiter wurde, spürte ich wie meine Wangen die Farbe einer überreifen Tomate annahmen.
"Äh,... wo warst du denn?" hastig versuchte ich das Thema zu wechseln, bevor er auf meine letzte Bemerkung eingehen konnte. Dankbarerweiße ging er darauf ein, behielt aber sein Grinsen. Dabei hatte er auch noch ein Leuchten in den Augen, das mich irritierte. Ich konnte es einfach nicht einschätzen, und es machte mich noch nervöser als ich sowieso schon war.
Er erzählte mir, dass die alte Fabrik auf der Insel hier renoviert wurde, und er dort als Innenarchitekt arbeite. Von Zeit zu Zeit musste er deshalb aufs Festland, um einiges mit den Lieferfirmen abzuklären.
"Was machst du eigentlich beruflich?" fragend blickte er mich an.
"Ähm... ich bin Geisterjägerin."  ich fühlte mich noch nie so unwohl dabei jemanden davon zu erzählen. In seiner Nähe konnte ich mich einfach nicht richtig konzentrieren. Normalerweise war es mir vollkommen egal was die Leute von mir dachten, bei Josef aber nicht.
"Ehrlich? Ich wusste gar nicht dass es sowas wirklich gibt." Ich versuchte in seinem Gesicht zu lesen ob er mich auf den Arm nehmen wollte, konnte aber nur ehrliches erstaunen in seinen sanften braunen Augen erkennen. Damit war das Eis gebrochen, und ehe ich mich versah, waren wir mitten in einer lebhaften Unterhaltung über Geister und deren lästigen Angewohnheiten. Wir waren gerade dabei zu ergründen, warum Geister von Ertrunkenen so gerne im Meer schwammen, als uns ein piepen jäh unterbrach. Er sah mich entschuldigend an, zog sein Handy hervor und begann eine SMS zu lesen. Mein Blick fiel dabei auf seine Armbanduhr und ich erschrak wie viel Uhr es schon war. Jetzt musste ich mich aber beeilen wenn ich nicht zu spät zu meinem Termin kommen wollte!
"Hrmpf..." Josef gab ein unwilliges Geräusch von sich. "Ich muss gleich noch in die Arbeit, Probleme auf der Baustelle." fügte er noch leicht genervt hinzu.
Wir verabschiedeten  uns, und er blickte mir noch einmal lange in die Augen bevor er aus meiner Wohnung verschwand.


Nachdem ich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, lehnte ich mich glücklich an sie und versank noch einen Moment in Träumereien bevor ich mich auf den Weg machte. Ich schwebte eher zu Emeraldos Praxis als dass ich ging.


~~~


Ahhhh! Das konnte doch nicht wahr sein, das war ja dermaßen peinlich gewesen.... Ich versuchte sämtliche Gedanken an das Gespräch mit Emeraldo zu verdrängen, also begann ich kopflos durch die Gegend zu joggen.

Auf den letzten Drücker hatte ich es gerade noch so geschafft pünktlich zu meinem Termin zu kommen. Die Arzthelferin winkte mich gleich ins Sprechzimmer durch, bevor ich überhaupt Luft holen konnte. Emeraldo begrüßte mich dort ganz förmlich als hätten wir uns noch nie getroffen. Das überraschte mich zuerst etwas, ich schob es aber darauf, dass wir uns jetzt ja nicht privat trafen. Als ich bei der Beschreibung meiner Beschwerden auf unser gestriges Zusammentreffen zu sprechen kam, schaute er mich mit einem Blick an als hätte ich nicht mehr alle Tassen im Schrank (das erinnerte mich daran, dass ich zu Hause abspülen sollte, ich hatte wirklich keine Tassen mehr im Schrank). Jetzt war ich vollends verunsichert.
"Frau Daralina, wir sind uns heute zum ersten Mal begegnet." teilte er mir vorsichtig mit, als hätte er es mit einer geistig verwirrten Person zu tun. Daraufhin brachte ich erst mal kein Wort mehr hervor und guckte ihn nur aus großen Runden Augen sprachlos an, während mein Mund auf und zu klappte wie bei einem Fisch auf dem Trockenen. Ich hörte nicht mehr weiter zu was er mir noch erzählte. In meinem Kopf lief der gestrige Abend im Park nochmals wie ein Film ab. Das Hotdog-Wettessen... das Gespräch mit Emeraldo... wenn das nicht passiert sein sollte, wann bitteschön soll ich einen Termin mit ihm vereinbart haben? Das Wort "Schwangerschaft" brachte mich wieder zurück in das Sprechzimmer, und ich vergaß die Frage die mir eben in den Sinn gekommen war.
"Schwanger? Wie soll das denn passiert sein?!" ich hatte meine Sprache wieder gefunden, nur um gleich ins nächste Fettnäpfchen zu treten. "Äh, also... wie.... theoretisch....." versuchte ich meinen Ausruf stammelnd zu erklären, als er mich nur noch stumm ansah. Ich brach ab und übte mich im Schweigen, wobei mir die altbekannte Röte ins Gesicht stieg. WIE das funktionierte ist mir natürlich völlig klar. Ich hatte nur keinen der entsprechenden Schritte getan um überhaupt schwanger werden zu können. Irgendwie brachte ich es aber nicht auf die Reihe, dass auch in Worten auszudrücken.


Wruuuummm.... Ein Auto raste dicht an mir vorbei und riss mich damit aus meinen Gedanken. Reflexartig machte ich einen Sprung zur Seite, und wäre dabei beinahe in einen Gartenzaun gekracht. Ich betrachtete meine Umgebung, und zum ersten Mal seit ich mich auf den Weg gemacht hatte, nahm ich wahr, wo ich mich befand. Meine Füße hatten mich wie von selbst in das Wohnviertel gebracht in dem meine beiden besten Freunde wohnten. Das war wohl ein Wink mit dem Zaunpfahl, ging es mir durch den Kopf. Ich legte die letzten Meter zum Haus der Familie Hempelsberger zurück und klingelte.


(vorm Haus: Sofia Daralina, im Haus: Jeremiah Hempelsberger)

"Sofia! Schön dich zu sehen!" Jeremiah öffnete die Tür, umarmte mich zur Begrüßung und zog mich dabei gleich in den Eingangsbereich herein. Er wirkte total aufgekratzt, und als Bernadette sich zu uns gesellte wurde mir auch klar warum. Sie schob eine dermaßen riesige Kugel vor sich her, dass sie nur noch in der Lage war sich watschelnd wie eine Ente vorwärts zu bewegen. Es konnte nicht mehr lange dauern bis das Baby auf die Welt kam.
"Ha!" rief Bernadette aus. "Du hast Josef wiedergesehen!" triumphierend blickte sie mich an.
"Wie.... woher..." begann ich und ärgerte mich gleich über mich selbst. War heute der Tag des Stotterns? Trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass ein verträumtes Lächeln auf meinen Lippen erschien. Meine Freundin wertete das offensichtlich als Zustimmung.
"Wusst ich's doch gleich! Du hattest eben einen Blick drauf wie ein schwer verliebter Teenager." Diesmal brauchte ich gar nicht erst rot anzulaufen. Ich spürte dass mein Kopf immer noch leuchtete wie eine rote Ampel, seit ich bei Emeraldo im Sprechzimmer saß.
"Und?!" drängelte sie nach weiteren Informationen. Ich hörte wie Jeremiah versuchte ein Lachen zu unterdrücken. Als ich ihm einen bösen Blick zu warf, tat er so als hätte er einen Hustenanfall. Bernadette knuffte mich in die Seite damit ich ihr endlich mehr erzählte.  Ich seufzte, Wiederstand war zwecklos. Sie konnte mich sowieso lesen wie ein offenes Buch, etwas vor Bernadette zu verheimlichen war sinnlos. Mir war bewusst, dass ich die ganze Zeit dämlich grinste, als ich ihr von Josef erzählte, war aber machtlos dagegen. Als ich geendet hatte, schaute sie mich prüfend an, während ihre linke Augenbraue nach oben schoss. Ich konnte ihr ansehen, dass sie wusste, dass ich ihr nicht alles gesagt hatte. Den Teil mit Emeraldo hatte ich nämlich ausgelassen, schließlich hatte der nichts mit Josef zu tun. Ich wollte darüber auch nicht reden. Irgendwie wäre ich mir komisch dabei vorgekommen, Bernadette zu erzählen, dass ich heute einen Schwangerschaftstest habe machen lassen (der natürlich negativ ausgefallen war). Insbesondere wenn wir gerade über Josef sprachen. Glücklicherweise hatte meine Hautfarbe bereits die maximale Rötung erreicht (ich sah aus als hätte ich den schlimmsten Sonnenbrand aller Zeiten), sonst wäre ich bei meinem letzten Gedanken wohl noch um einiges knalliger im Gesicht geworden.
"Ich freu mich ja so für dich!" sie sah darüber hinweg dass ich ihr offensichtlich nicht alles gesagt hatte und drückte mich freundschaftlich.
"Oh!" entfuhr es mir. Ich konnte spüren wie das Baby in ihrem Bauch trat als sie mich so fest drückte. Nachdem ich mich aus ihrer Umarmung befreit hatte, strich ich bewundernd über ihren gewölbten Bauch.


(Bernadette Hempelsberger und Sofia Daralina)

"Zum Glück ist es bald soweit, Bernadette ist schon ganz zappelig dass sie wieder auf die Wache kann." mischte sich Jeremiah jetzt ein.
"Da tut sich momentan sowieso nichts. Gerade als wir den Dieb, hinter dem wir schon so lange her sind, fast geschnappt hätten, ist er wieder im Untergrund verschwunden." winkte Bernadette ab, und wedelte dabei mit ihrer Hand herum, als würde sie eine lästige Fliege vertreiben wollen.

Später als ich auf dem Heimweg war, beschloss ich kurzfristig noch in die Kneipe bei mir ums Eck zu gehen. Ich bestellte mir einen Drink an der Bar und freute mich schon auf meinen morgigen Arbeitstag.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Sa Jan 04, 2014 6:01 pm

Kapitel 1.7

Die Zeit raste nur so dahin, sich in Möbeln zu verstecken stand bei den Geistern aber immer noch hoch im Kurs. Dabei gab es auch keinen Unterschied zwischen Reich und Arm, wie mein derzeitiger Kunde mal wieder bewies. Der weltberühmte Rockstar, der sich mit seiner Familie auf Caldonia niedergelassen hatte, wurde genauso heimgesucht wie der arme Schlucker von nebenan. Nach wie vor bekam ich massenhaft Aufträge, so dass ich langsam eine ordentliche Summe meines Einkommens zurücklegen konnte.


Seit neuestem trieb sich zusätzlich zu den Möbelfanatikern eine neue Manifestation von Plasmawesen auf unserer Insel herum, die dazu auch noch sehr gesprächig war. Ziemlich ungewohnt für mich in meinem Job so viel reden zu müssen, aber ich gewöhnte mich langsam daran. Bei meinem nächsten Kunden stellte ich wieder fest, was man so alles für interessante Informationen von diesen Geisterwesen bekommen konnte.


"Aaaaaliiiieeeeeeeeeeeensssssssss....." hauchte das transparente Wesen, während es durch eine Wand geschwebt kam. Die Besitzerin des Hauses hatte mich gerade zur Tür hereingelassen, und versuchte sich jetzt unsichtbar zu machen, indem sie versteinert in der Gegend stand und so tat, als würde um sie herum nichts passieren. Ich stellte mich dem Gespenst in den Weg, damit ich mich sofort um das Problem kümmern konnte, ohne erst ewig suchen zu müssen wo die unliebsamen Mitbewohner sich gerade aufhielten. Man sollte meinen, dass das keinen Effekt hatte, da die Spezies mit der ich hier konfrontiert wurde, durch alles hindurch schweben konnte. Erstaunlicherweise war dies aber die beste Methode um ihnen den Garaus zu machen. Aus irgendeinem mir bisher unerfindlichen Grund, scheuten sie sich nämlich davor lebende Materie zu durchdringen. Was mir nur sehr gelegen kam.

"Alieeeeeeeeeeeeeeenssssssssssssssssss!!" flüsterte das Wesen nochmals. Dabei sah es mich durchdringend an. Es irritierte mich immer noch etwas, dass sie beim Sprechen den Mund nicht bewegen mussten. Manchmal taten sie es und manchmal nicht. Wozu dann diese Gestalt annehmen wenn man sie nicht richtig benutzte. Die Füße verwendeten sie ja auch nicht wirklich, nur wenn sie Treppen 'benutzten'. Wer sollte das schon verstehen, aber vielleicht musste man dazu erst einer von ihnen sein.

"Aliens." stellte ich nüchtern fest, und starrte den transparenten Sim vor mir an. Gestern ging es um Wiedergeburt, und der davor hatte es mit Gehirnwäsche. Heute waren wir also bei Außerirdischen angekommen. Ich fragte mich langsam was diesen Spukgestalten so im Kopf herum ging.

"Du!" kam sofort die Antwort von meinem Gegenüber geschossen. Was sollte das denn heißen? Dass ich ein Alien war? Ich wollte schon protestieren, dass es sowas wie Aliens überhaupt nicht gab, hielt mich aber dann doch zurück. Mir war gerade eingefallen, dass ich genau den gleichen Kommentar bekam, wenn es um Geister ging. Wer war ich, dass ich abstritt, dass es außerirdische Lebensformen gab. Aber ich selbst gehörte auf jeden Fall nicht dazu, so seltsam ich auch manchmal sein mochte.

"Nein!" warf ich dem Wesen deshalb entschlossen zurück. Manche von ihnen waren furchtbar einsilbig, so wie das Exemplar mit dem ich es gerade zu tun hatte. Aber das konnte ich genauso gut.

"Doch!" konterte dieses, und fügte überraschenderweise noch hinzu: "Kaninchen!" Mir kam mein peinliches erstes Treffen mit Josef wieder in den Sinn.

"Rosafarbene!?" rief ich entsetzt aus. Ich bekam aber keine Antwort mehr, denn mein Gesprächspartner hatte sich in Luft aufgelöst. Er hatte sich dazu entschlossen weiter zu ziehen, und die lebenden in Frieden zu lassen.

Ich stand noch grübelnd in der Gegend herum, und fragte mich ob ich dem Gerede von Geistern überhaupt einen Sinn beimessen sollte, als sich meine Kundin aus ihrer Versteinerung löste. Das Ableben ihres unerwünschten Gastes hatte sie aus ihrer Starre befreit, bei mir hatte es eher den gegenteiligen Effekt gehabt.


~~~


Es war mal wieder Wochenende und ich nutzte meinen freien Tag um Bernadette und Jeremiah zu besuchen. Ich verband das Ganze gleich mit meinem Training und joggte gemütlich zu dem Wohnviertel in dem ihr Haus stand. Gedankenverloren trabte ich vor mich hin, und ließ mir die Geisterbegegnungen dieser Wochen noch einmal durch den Kopf gehen. Ich bildete mir sogar ein, ein gewisses Muster zwischen den Gesprächsinhalten zu erkennen. Mal abgesehen davon, dass auffällig viele Gespenster ein Mitteilungsbedürfnis über Aliens hatten, fielen auch die Themen Gehirnwäsche, Wiedergeburt, Kaninchen und Austestung der Geschmacksnerven mehrmals. Da meine Quellen hier aber sehr fragwürdig waren, behielt ich jegliche Ideen diesbezüglich besser für mich.

Meine Heißhungerattacken hatten genauso abrupt aufgehört wie sie begonnen hatten. Sie hielten genau eine Woche an. Begonnen hatte es nach dem Ereignis mit den bunten Lichtern, und aufgehört hatte es in der Nacht mit dem Hotdog-Wettessen. Austestung der Geschmacksnerven?
Am Morgen danach war ich bei Emeraldo, der mich offensichtlich nicht wiedererkannte. Gehirnwäsche?
Sollten womöglich Aliens hinter der ganzen Sache stecken?
Aber was sollte das mit Wiedergeburt und Kaninchen zu tun haben?
Unwillig zuckte ich mit den Schultern, dass ergab doch alles keinen Sinn. Ich hörte auf mir den Kopf darüber zu zerbrechen, denn ich war mittlerweile an meinem Ziel angekommen.

Als ich klingelte, begann synchron zu der Glocke eine Babystimme los zu kreischen. Bernadette hatte vor Kurzem einen Sohn zur Welt gebracht. Der kleine Titus hatte auch schon angefangen herum zu krabbeln.


(Titus Hempelsberger)

Jeremiah öffnete mir die Tür, während sich das Babygeschrei schon wieder in ein glückliches Glucksen gewandelt hatte.

"Sofia, schön dich zu sehen! Ich wollte mich heute noch bei dir melden, Jebidiah hat mal wieder was von sich hören lassen." Jebidiah Lansing war ein Freund aus Kindertagen von Jeremiah und mir. Seine Familie zog weg, als wir gerade in der 4.Klasse waren. Wir hielten aber immer schriftlich Kontakt zueinander. Von Zeit zu Zeit besuchte uns Jebidiah auch hier auf Caldonia.

"Er schafft es dieses Jahr leider nicht mehr uns hier zu besuchen, da er letzte Woche einen neuen Job als Flugbegleiter bei SimAir angefangen hat." fuhr er fort.

Titus begann wieder zu quengeln. Ich sah meinem Freund an, dass er sehr gestresst war. Bernadette schlief gerade weil sie schon wieder von einer Übelkeit geplagt wurde. Um sie zu entlasten, kümmerte sich Jeremiah auch zu einem Großteil um den Kleinen. Mein Besuch bei den Hempelsbergers fiel daher auch sehr kurz aus.



Ich begann gemütlich nach Hause zu joggen. Als ich gerade an der Rockfabrik, der Kneipe bei mir ums Eck, vorbei lief, kam mir Josef entgegen. Als ich vor ihm stand, umarmte er mich mit seinen starken Armen. Mir wurden die Knie weich und ich nahm nur am Rande wahr, dass sich mein Herzschlag verdoppelte. Ich merkte, dass ich schon wieder rot anlief. Ich konnte spüren, wie mein Gesicht glühte, als sich bei der Umarmung zufällig unsere Wangen berührten. Seine Haut fühlte sich angenehm kühl an.
Er kam gerade aus der Arbeit und wollte den Abend in der Rockfabrik ausklingen lassen. Er lud mich auf einen Drink ein, und fragte ob ich Lust hätte ihm Gesellschaft zu leisten. Und ob ich Lust hatte!


"Es ist wohl momentan sehr stressig bei dir in der Arbeit?" fragte ich ihn, als wir gemütlich an der Bar saßen.

"Ja, es sind einige Schwierigkeiten mit der Umsetzung auf der Baustelle aufgetreten. Deshalb muss ich momentan auch am Wochenende für meinen Brötchengeber arbeiten." meinte er, und nahm einen Schluck von seinem Drink.

"Für welche Firma arbeitest du eigentlich?" die Renovierung der Fabrik hatte sich mittlerweile auf der Insel herumgesprochen. Aber wer das Ganze finanzierte habe ich bisher irgendwie nicht mitbekommen. Josef begann zu husten, er hatte sich an seinem Drink verschluckt.
"Für D.L.G." brachte er hervor, als er sich von seinem Hustenanfall erholt hatte. Die Ratlosigkeit muss mir ins Gesicht geschrieben gewesen sein, denn er fügte hinzu: " Das steht für Design- und Liefergesellschaft".

Nachdem wir mit unseren Drinks fertig waren, spielten wir noch eine Runde Shuffelboard.


Wir verbrachten einen wunderschönen Abend zusammen. Heute Nacht schlief ich dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am So Jan 05, 2014 11:14 pm

Kapitel 1.8

Die Wochen vergingen, und es war mal wieder Sonntag. Als ich bei meinen beiden besten Freunden zu Besuch war, unternahm Jeremiah gerade einen Spaziergang mit seinem Sohn Titus. So hatten Bernadette und ich ausgiebig Zeit zum Quatschen. Oder besser gesagt, Bernadette konnte mich ungestört ins Verhör nehmen. Sie konnte die Polizistin nämlich nicht komplett abschalten.
Ihre Übelkeit hatte sich als erneute Schwangerschaft entpuppt, und so war sie weiterhin in Mutterschutz. Jeremiah und sie freuten sich wahnsinnig darauf, dass Titus kein Einzelkind bleiben würde, besonders da sie so lange auf Nachwuchs gewartet hatten. Ich konnte meiner Freundin aber ansehen, dass sie ihren Job vermisste. Und so wie ich sie kannte, wurmte es sie gewaltig, dass der Dieb hinter dem sie schon so lange her war, immer noch auf freiem Fuß war.


"Wie läuft's mit Josef? Wann werd' ich ihn endlich kennenlernen?" überfiel mich Bernadette, kaum hatte ich ihr Haus betreten. Tatsächlich hatten weder sie noch Jeremiah bisher Josef getroffen. Wir mussten beide so viel arbeiten, dass ich ihn selbst nicht sehr oft sah. Und wenn wir schon mal Zeit hatten, wollte er lieber mit mir alleine sein. Hin und wieder gingen wir in die Rockfabrik, meistens jedoch besuchte er mich zu Hause. So auch gestern Abend. Bei den Gedanken daran lief ich rot an, woraufhin Bernadette anfing wissend zu lächeln.
"Es wird also ernst mit ihm." stellte meine Freundin fest. Sie konnte so gut ablesen was in mir vorging, dass ich den Mund gar nicht erst aufmachen musste.
"Hm, ich denke schon." ich druckste etwas herum, fügte mich aber dann doch in das Unvermeidliche, und erzählte ihr von gestern Abend.


"Du bist etwas ganz besonderes." sein warmer Atem kitzelte mich am Ohr, während er mir charmante Worte zuraunte. Dann lehnte er sich zurück und sah mir tief in die Augen. Ich war so überwältigt, dass es mir die Sprache verschlug. Immerhin schaffte ich es zu lächeln und dabei seinen Blick zu erwidern. Gut, ich grinste wahrscheinlich ziemlich dämlich, und hätte auch nicht damit aufhören können wenn ich es gewollt hätte, aber das war immer noch besser als interessiert meine eigenen Füße anzustarren.


Seine Hand streifte meine Wange, und wanderte von dort in meinen Nacken. Ein Prickeln folgte seiner Berührung und lief mir den Rücken herab. Mir wurde bewusst, wie nah er bei mir stand, und ich atmete tief seinen Geruch ein. Es war mir bisher nie aufgefallen, wie intensiv er nach Holz roch. Bevor ich jedoch irgendeinen klaren Gedanken fassen konnte, zog er mich vollends zu sich heran, und küsste mich.



"Uuuuiiiiiiiii!" quitschte Bernadette, und Unterbrach mich so in meiner Erzählung. Was mir ehrlich gesagt ganz recht war, auf weitere Details wollte ich nämlich gar nicht eingehen.
"Du musst ihn endlich mal mit hierher bringen!" forderte meine Freundin zum wiederholtem Mal. Ich bekam keine Gelegenheit ihr zu antworten, denn sie erdrückte mich fast in einer Umarmung. Sie ließ mich auch gar nicht zu Wort kommen, da sie bereits laut darüber nachdachte, was es dann alles zu essen geben würde. Davon bekam ich allerdings aber herzlich wenig mit, meine Gedanken hingen noch bei dem Abend mit Josef.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Mo Jan 06, 2014 9:13 pm

Kapitel 1.9

Das konnte doch wohl nicht wahr sein. Die Heißhungerattacken hatten wieder angefangen. Diesmal sah ich zuvor aber keine bunten Lichter. Ich wachte sogar mitten in der Nacht auf und hatte einen Bärenhunger.


Ich überlegte ob ich nochmal zu Emeraldo in die Praxis gehen sollte. Bevor ich mich jedoch zu einer Entscheidung durchringen konnte, gesellte sich auch noch eine Übelkeit dazu, wie ich sie in diesem Ausmaß noch nie erlebt hatte.


Nachdem es mehrere Tage so ging, hatte ich langsam einen Verdacht was los sein könnte. Also beschloss ich Emeraldo aufzusuchen, diesmal erkannte er mich auch. Schließlich saß ich nervös in seinem Sprechzimmer, und wartete auf die Testergebnisse.
"Herzlichen Glückwunsch, sie sind schwanger." teilte er mir lächelnd mit.
In meinem Kopf rasten die Gedanken. Mit meiner Vermutung lag ich also richtig. Mein erster Gedanke war, wie wohl Josef darauf reagieren würde, dass er Vater wurde. Wir hatten uns noch nie über das Thema Familie und Kinder unterhalten, ich wusste überhaupt nicht wie er darüber dachte. Genau genommen wusste ich auch nicht wie ich selbst darüber dachte. Ich hatte mich nie als den Typ Sim gesehen, der eine Familie gründete und Kinder großzog.
Beschützend legte ich meine Hände über meinen noch flachen Bauch. Ich würde dieses Kind bekommen, so viel stand fest. Ich wusste noch nicht wie es jetzt weiter ging, aber zuerst einmal musste ich mit Josef reden.

Das war wesentlich leichter gesagt als getan. Josef war mal wieder beruflich auf dem Festland unterwegs, und so beschränkte sich unser Kontakt derzeit auf kurze Telefonate. Aber dass, was ich ihm zu erzählen hatte, wollte ich ihm persönlich mitteilen.
Bernadette überschlug sich förmlich vor Freude, als ich ihr erzählte, dass ich Mutter werden würde. Ihre zweite Schwangerschaft verlief völlig problemlos, und da sich meine Übelkeit mittlerweile auch in Grenzen hielt, wollte sie ständig mit mir in die Stadt um Babysachen kaufen zu gehen. In meinem Fall hielt ich das für etwas übertrieben, mir sah man ja noch nicht einmal an, dass ich ein neues Leben in mir trug. Im Gegensatz zu Bernadette, die schon wieder eine ordentliche Kugel spazieren führte. Trotzdem ging ich ihr zuliebe mit, vor allem da es mich auch auf andere Gedanken brachte.


~~~


Als Josef wieder zurück auf Caldonia war, zeichnete sich unter meinem Shirt bereits eine kleine Rundung an. Es klopfte an meiner Wohnungstür, und ich fühlte mich zurück versetzt an den Tag, an dem er mich das erste Mal besuchte. Ich war genauso nervös wie damals, als ich ihn jetzt herein ließ. Er küsste mich zur Begrüßung, ließ aber schnell wieder von mir ab.
"Was ist los? Ist etwas passiert?" fragend schossen seine Augenbrauen in die Höhe. Ihm war wohl nicht entgangen, dass ich mit meinen Gedanken ganz wo anders war. Ich holte tief Luft, jetzt bloß nicht anfangen zu stottern.


"Ich... ich bin schwanger." gespannt wartete ich auf seine Reaktion. Doch die blieb vorerst aus, er schaute mich weiterhin mit großen Augen an. Ich habe ihn bisher noch nie sprachlos erlebt.
"Du... wir.... ehrlich?" kam nach gefühlten fünf Minuten seine Antwort. Das war definitiv nicht dass, worauf ich gehofft hatte. Ich versuchte in seinem Gesicht abzulesen was er dachte, und wünschte Bernadette wäre jetzt hier. Sie war in diesen Dingen viel besser als ich.
Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Keiner von uns beiden wusste was er jetzt sagen sollte. Josefs Handy fing an zu klingeln, und durchbrach somit das Schweigen zwischen uns. Zu meiner Enttäuschung reagierte er darauf ohne zu zögern.
Er beendete das Gespräch und sah mich entschuldigend an. "Tut mir leid, ich muss gleich nochmal weg." ich meinte so etwas wie Erleichterung in seinem Blick zu erkennen, war mir aber nicht sicher.


"Wir reden später noch einmal darüber, ja?" er wartete meine Antwort gar nicht erst ab, sonder küsste mich kurz auf die Wange und verschwand aus meiner Wohnung.
Wie versteinert stand ich da, unfähig mich zu bewegen. Was war das denn gewesen? Ich war kein bisschen klüger geworden als zuvor. Ich fühlte mich sogar weit mehr verunsichert als vor Josefs Besuch. Ich fragte mich wann 'später' sein würde. Hoffentlich nicht in allzu weiter Ferne.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Mi Jan 08, 2014 4:47 pm

Kapitel 1.10

Ich hatte das starke Gefühl, dass mir Josef aus dem Weg ging. Mittlerweile war ich im Schwangerschaftsurlaub, und ich hatte ihn seit unserer seltsamen kurzen Begegnung nicht mehr gesehen. Am Morgen nachdem ich ihm mitteilte, dass er Vater werden würde, bekam ich eine SMS von ihm, dass er für längere Zeit verreisen müsste. Mehrmals versuchte ich ihn telefonisch zu erreichen, sein Handy war jedoch immer ausgeschaltet.

Damit ich nicht andauernd über Josef grübelte, ging ich viel spazieren. Allerdings gelang es mir nicht wirklich auf andere Gedanken zu kommen. Da ich derzeit ja nicht arbeitete, hatte ich auch keinen Kontakt zu meinen Informationsquellen, betreffend einiger anderer Dinge dir mir noch unklar waren. Zwar war ich mir nach wie vor nicht sicher, wie viel Glauben ich dem Gerede von Geistern schenken sollte, jedoch war ich inzwischen ziemlich neugierig geworden, was es mit dem ganzen Gefasel auf sich hatte. Das musste aber warten, bis mein Baby auf der Welt war.

Wir hatten gerade Herbst und es regnete in Strömen. Das hielt mich aber nicht von meinen Spaziergängen ab. So auch heute nicht, als es mich mal wieder zu dem Haus meiner Freunde verschlug.


Bernadette öffnete mir die Tür und umarmte mich umständlich. Sie war erst seit Kurzem wieder zurück aus dem Krankenhaus, wo sie ihr zweites Kind zur Welt gebracht hatte. Eine Tochter, die sie Malenka genannt hatten.


(Bernadette Hempelsberger mit ihrer Tochter Malenka Hempelsberger)

Als sie mich endlich losließ, betrachtete ich das Neugeborene in ihren Armen. Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, die Kleine war so niedlich. Sie blinzelte mich verschlafen an, und konnte die Augen kaum noch offen halten. Es würde nicht mehr lange dauern, bis ich selbst Mutter werden würde. Ich sah nach oben zu Bernadette, deren Blick ich auf mir ruhen spürte. Die Freude über ihre Kinder stand ihr ins Gesicht geschrieben, das konnte selbst ich erkennen.

"Ich bin gleich wieder bei dir, ich bringe Malenka nur schnell in ihr Bettchen." damit verschwand meine Freundin in den ersten Stock Richtung Kinderzimmer.

"Sofia!" Jeremiah war gerade aus der Küche getreten, seinen Sohn Titus auf dem Arm, der auch schon ziemlich schläfrig wirkte. Er drückte mich fest und sah mich danach nur noch schweigend an.


(Jeremiah Hempelsberger mit seinem Sohn Titus Hempelsberger)

"Was ist?" platze es aus mir heraus.

"Wie kommst du zurecht mit der ganzen Situation?" fragte er mich schließlich besorgt. Nun war ich es die schweigend dastand. Wie ich zurecht kam? Ich war schwanger von Josef, der nicht mehr mit mir sprach, und ich wusste nicht einmal wo er momentan war. Ich lief die ganze Zeit auf unserer Insel herum um auf andere Gedanken zu kommen. Aber es holte mich immer wieder ein, davor wegzulaufen funktionierte offensichtlich nicht. Zumal ich sein Kind unter meinem Herzen trug.

"Bernadette hatte da eine Idee wie wir dir vielleicht helfen könnten..." begann er, als ich nicht antwortete.

"Lass nur, ich erkläre ihr gleich alles." meinte Bernadette, als sie die Treppe wieder herunterkam. Jeremiah schloss mich noch einmal fest in die Arme, bevor er Titus noch eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen ging.

"Also, ich hoffe du bist mir nicht böse, dass ich bereits ein paar Nachforschungen angestellt habe." ich schwieg weiterhin, so fuhr sie fort: "Naja, bisher nur als privat Person, deshalb hab ich auch noch nicht allzu viel rausgefunden. Eigentlich hab ich nur bei der Firma angerufen bei der Josef arbeitet, D.L.G. Natürlich wollten sie mir nichts sagen, allerdings war die Dame am Telefon schon sehr unfreundlich, und sie wurde auch ziemlich nervös als ich nach Josef fragte. Ich glaube da steckt mehr dahinter als es den Anschein hat. Nächste Woche bin ich wieder auf der Wache, und wenn es dir recht ist, würde ich der Sache gerne auf den Grund gehen." ich blinzelte sie verständnislos an.

"Sofia?" sprach mich Bernadette vorsichtig an.

"Oh mein Gott..." entfuhr es mir, mir war aufgegangen worauf meine Freundin anspielte. "Du meinst ihm ist etwas passiert und sein Arbeitgeber versucht das Ganze zu vertuschen?" rief ich entsetzt aus.


Bernadette blieb im Gegensatz zu mir vollkommen ruhig, und schaffte es schließlich mich wieder zu beruhigen. Ich stimmte ihrem Vorschlag zu und bedankte mich überschwänglich bei ihr.
Kaum hatte ich das Haus meiner Freunde wieder verlassen, versuchte ich erneut Josef auf seinem Handy zu erreichen. Die Leitung war aber nach wie vor tot.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Mo Jan 13, 2014 4:29 pm

Kapitel 1.11

Auf einem meiner Spaziergänge war es dann soweit. Mitten auf der Straße setzen plötzlich die Wehen ein. Zu meinem Glück kam in diesem Moment ein Taxi vorbei. Der Fahrer war sehr freundlich zu mir und brachte mich kostenlos ins Krankenhaus. Zu Fuß hätte ich es weder dorthin, noch nach Hause geschafft.


Es dauerte gerade mal zwei Stunden, dann hielt ich meine Tochter im Arm. Ich sah in ihr kleines rundes Gesicht und war einfach nur überglücklich. "Cassandra" flüsterte ich. Sie war perfekt, und ich hatte in diesem Moment das Gefühl Vollkommen zu sein. Nichts fehlte zu meinem Glück, an Josef verschwendete ich in diesem Moment keinen einzigen Gedanken.
Als ich das Krankenhaus mit meiner kleinen Cassandra verließ, war es bereits dunkel. Perplex blieb ich am Eingang stehen, ich hatte das Gefühl einen Blick in die Zukunft zu werfen. Anscheinend fand gerade vor dem Krankenhaus ein Jugendtreff statt. Anders konnte ich mir die Anwesenheit der ganzen Teenager hier nicht erklären. Ich hoffte, dass meine Tochter ihre Hausaufgaben mal nicht im Dunkeln auf der Straße erledigen würde. Oder wer weiß was sonst. Aber bis dahin war noch viel Zeit, sie war ja gerade erst geboren worden.


Zuhause angekommen drückte ich meine Kleine fest an mich. Zärtlich fuhr ich mit meinen Fingern durch den braunen Flaum auf ihrem Köpfchen. Das erinnerte mich an ihren Vater, und ich fragte mich, wo er wohl gerade war. Ich hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass meine kleine Cassandra mit ihrem Vater an der Seite aufwachsen würde.


Bernadettes Nachforschungen bezüglich Josef hatten bisher noch nichts neues ergeben. Bei ihr auf der Wache überschlug sich gerade aber auch alles, da die Einbruchsrate seit ein paar Wochen immer weiter anstieg. Dazu kam noch der ganze liegengebliebene Papierkram, als sie im Schwangerschaftsurlaub und Mutterschutz gewesen war. Da blieb ihr kaum Zeit, um sich um meine privaten Probleme zu kümmern.

Cassandra entpuppte sich derweil als ein kleines Schreikind, und brauchte sehr viel Aufmerksamkeit. Ich war über mich selbst erstaunt, dass ich die Zeit mit ihr so sehr genoss, obwohl sie mich jede Nacht mehrmals aus dem Schlaf riss. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, ob sie wohl ihren Vater vermisste.


Als ich meine Maus mal wieder Nachts in meinen Armen wog um sie zu beruhigen, gab ich ihr das Versprechen, immer für sie da zu sein. Komme da was wolle, und egal wie die Sache mit Josef ausging.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Di Jan 14, 2014 3:16 pm

Kapitel 1.12

Leise schloss ich die Schlafzimmertür hinter mir. Cassy war den ganzen Vormittag unruhig gewesen. Sie hatte sich die Seele aus dem Leib gebrüllt und war nur schwer zu beruhigen gewesen. Jetzt wo sie gerade eingeschlummert war, hatte ich endlich mal wieder etwas Zeit für mich. Erschöpft ließ ich mich auf die Wohnzimmercouch plumpsen und streckte alle Viere von mir. Für eine Sekunde schloss ich die Augen und schlief augenblicklich ein.
Ich schreckte aus dem Schlaf hoch, lange konnte ich noch nicht weg gewesen sein. Mir war als hätte mich etwas geweckt. Gespannt lauschte ich Richtung Schlafzimmer ob Cassy sich rührte. Dann klopfte es hinter mir an der Eingangstür, was dazu führte, dass ich erschrocken zusammenzuckte.
"Sofia?" ich drehte mich um und glotze ungläubig in die Richtung aus der die Stimme kam. Natürlich stand dort niemand, aber ich wusste wer hinter der Tür stehen musste. Unschlüssig blieb ich auf dem Sofa sitzen, ich traute meinen Sinnen nicht. Konnte das wirklich wahr sein?
Als er erneut meinen Namen rief, sprang ich wie von der Tarantel gestochen auf, machte einen riesen Satz zur Tür und riss sie mit so viel Schwung auf, dass ich sie beinahe aus den Angeln hebelte. Ich glaube die Tatsache, dass er Cassy hätte wecken können wenn er weiterhin so viel Lärm machte, verlieh mir Flügel.
Schweigend standen wir uns gegenüber. Er sah so gesund und munter aus wie immer, wo war er die ganze Zeit gewesen? Was war passiert? Bevor ich eine der Fragen die mir durch den Kopf gingen formulieren konnte, spürte ich wie sich seine Hände auf meine Hüften legten.
"Josef...." setzte ich an. Weiter kam ich nicht, denn er verschloss meinen Mund mit einem Kuss. Ich schob meine Hände zwischen uns und drückte ihn bestimmt von mir weg. Ich wollte zuerst wissen was los war. Das Lächeln auf seinem Gesicht erstarb, als ich mich aus seiner Umarmung befreit hatte. Der Blick mit dem er mich ansah ließ mein Herz rasen. Aber nicht vor Freude oder Erregung wie ich es sonst gewohnt war, sondern vor Angst. Ich atmete einmal tief durch und schüttelte innerlich über mich selbst den Kopf. Das war doch Blödsinn, wieso sollte ich Angst vor ihm haben?
"Wo... wo warst du die ganze Zeit?" meine Stimme kam mir so piepsig vor wie das gequike einer Maus, und es ärgerte mich, dass ich mal wieder stotterte wenn ich mit ihm redete.


"Spielt das eine Rolle?" antwortete er gelassen nach einer gefühlten Ewigkeit. Mir klappte die Kinnlade nach unten. Meinte er das etwa ernst? Fassungslos starrte ich ihn an. Irgendwie kam ich mir auf einmal unglaublich lächerlich dabei vor, dass ich mir Sorgen um ihn gemacht hatte. Sein charmantes Lächeln erschein wieder auf seinem Gesicht und er zwinkerte mir spitzbübisch zu. Er machte einen Schritt nach vorn, und ich konnte ihm ansehen, dass er vorhatte mich zu küssen. Das löste schließlich meine Starre.
"Ja...... ich habe mehrmals versucht dich zu erreichen." Ich hatte mich halbwegs gesammelt und machte einen Schritt rückwärts um den Abstand zwischen uns wieder zu vergrößern. Die Wandlung die sich daraufhin in seinem Gesicht abspielte, war einem Oscar-Schauspieler würdig. Eben noch hatte er mich wie ein verliebter Teenager angehimmelt, so dass man meinte, die Welt wäre rosarot. Man konnte förmlich die Vögel in den Bäumen zwitschern hören, während die Schmetterlinge über üppige Blumenwiesen flatterten. Von eine Sekunde auf die Nächste drehte sich das Bild um 180 Grad. Schwarze Gewitterwolken erschienen urplötzlich vor der strahlenden Sonnen. Ein Blitz zerriss die Dunkelheit, und spaltete den Baum entzwei ,in dem eben noch fröhlich die Vögel gespielt hatten. Der Donner der gleichzeitig zu hören war, ließ die Erde beben.
"Was geht dich das an?!" schrie mich Josef an.


Ich zuckte zusammen und fühlte mich als hätte er mir körperlich eine Ohrfeige verpasst. Was war nur in ihn gefahren? So hatte ich ihn noch nie erlebt. Mein Blick wanderte Richtung Schlafzimmer, hoffentlich hatte er Cassy nicht aufgeweckt. Noch war alles ruhig. Er folgte meinem Blick und erriet wer wohl in dem anderem Zimmer war.
"Und lass mich bloß mit dem Balg in Ruhe!" donnerte er weiter. Es klang beinahe wie eine Drohung. Wie gelähmt stand ich da und war unfähig mich zu bewegen oder zu sprechen. Ich fühlte mich ausgenutzt und mein Herz  verkrampfte sich schmerzhaft zu einem festen Klumpen, bevor  eine Taubheit begann sich von dort aus in meinem Körper auszubreiten.


Ein durchdringender Schrei riss mich zurück in die Wirklichkeit. Cassy war wach. So wie sie schrie, war sie wohl unfreiwillig aufgewacht. Josef verdrehte die Augen und starrte mich böse an.
"Verschwinde von hier und lass dich nie wieder bei mir blicken! Und wage es ja nicht meiner Tochter zu nahe zu kommen!" Cassy's Schreie hatten mich wachgerüttelt und den Mutterinstinkt in mir geweckt. Der Blick mit dem er mich bedachte war geradezu feindselig. Schweigend ging er an mir vorbei und schlug geräuschvoll die Tür hinter sich zu als er meine Wohnung verließ.


Ich war völlig durch den Wind. Aber bevor ich mir darüber klar werden konnte was in mir vorging, machte ich mich zuerst einmal auf den Weg meine Tochter zu beruhigen.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Do Jan 16, 2014 6:45 pm

Kapitel 1.13

Mir kam die Realität seit letzter Nacht wie ein Traum vor. Ich war mir nicht sicher ob Josef gestern Abend wirklich in meiner Wohnung gewesen war. Naja, eigentlich stimmte das nur teilweise. Einem Teil von mir war schmerzlich bewusst was gestern passiert war. Der andere Teil wollte das nur nicht wahrhaben.
Cassy hatte noch sehr lange lautstark ihren Unmut verkündet. Ich glaube sie spürte wie aufgewühlt ich war, und schrie deshalb nur noch lauter. Spät in der Nacht wurde sie dann doch ruhig, und bemerkenswerterweise war es das erste Mal, dass sie durchschlief. Im Gegensatz zu mir. Ich hatte in dieser Nacht kein Auge zugetan. Als meine Kleine friedlich schlummerte, begann das Geschehene langsam in mein Bewusstsein zu sickern. Und damit kamen dann auch die Tränen.
Am Rande nahm ich dabei wahr, dass mein Handy mehrmals klingelte. Ich meinte eine Zeit lang sogar Polizeisirene zu hören, mittlerweile war ich mir dessen aber nicht mehr so sicher. Meine Reaktion bestand darin, mir die Decke nur noch weiter über den Kopf zu ziehen. Ich wollte niemanden sehen oder hören, und schon gar nicht reden. Die Einzige für die ich diesen Zustand in diesem Moment aufgegeben hätte, wäre meine Tochter gewesen. Ich bin ihr aber sehr dankbar, dass sie mir eine ruhige Nacht gönnte. Die Zeit nutzte ich, um mich in Embryonalstellung unter meiner Bettdecke zusammenzurollen.

Es war bereits später Vormittag als ich meine Position aufgab. Draußen hatte es begonnen zu regnen, und die Tropfen klopften gegen die Fensterscheiben. Cassy war davon wohl aufgewacht, denn sie begann leise zu wimmern. Ich gab mir einen Ruck, und hörte auf, mich in Selbstmitleid zu suhlen.
Während ich meine Süße gerade fütterte, fasste ich einen Entschluss. Ich würde aus dieser Wohnung ausziehen. Alles hier erinnerte mich an Josef. Und außerdem war es hier zusammen mit Cassy schon viel zu eng. Sie würde bald älter werden und anfangen herumzukrabbeln. Spätestens dann war es allerhöchste Eisenbahn für etwas Größeres.
Mir fiel wieder ein, dass jemand verzweifelt versucht hatte mich zu erreichen letzte Nacht. Ich warf einen Blick auf das Display meines Handys, eine SMS und 20 entgangene Anrufe, alle von Bernadette. Ich stöhnte laut auf, ich hatte eine gewisse Ahnung um wen es bei ihren Anrufen gegangen wäre. Wobei, woher sollte sie wissen was gestern Nacht passiert war? Schließlich drehte sich die Welt nicht nur um meine Probleme. In ihrer SMS bat sie mich, sie so schnell wie möglich zurück zu rufen. Auf Gespräche hatte ich im Moment aber noch keine Lust, also ging ich erst mal nach unten und holte die Zeitung von heute Morgen.


Ich wollte sehen, was auf dem Häusermarkt angeboten wurde, um so meine Entscheidung von vorhin so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen. Zum ersten mal an diesem Tag huschte ein Lächeln über mein Gesicht, als ich mir vorstellte, zusammen mit Cassy in einem kleinen gemütlichen Häuschen zu wohnen. Voller Elan ließ ich mich auf die Couch plumpsen. Mein Blick fiel dabei auf die erste Seite, bevor ich die Zeitung überhaupt auseinanderfaltete. Irritiert hielt ich inne und glotze das Bild darauf an. Ich hatte das Gefühl, seine Augen würden mich daraus anstarren.


Mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Gerade eben hatte ich noch einen kleinen Anflug von guter Laune gehabt, jetzt wurde ich brutal zurück auf den Boden der harten Tatsachen geschmettert. Die Zeit blieb stehen, und mein Kopf war wie leer gepustet. Gestern rasten meine Gedanken als ich ihn sah, jetzt war dort nur ein riesiges gähnendes Loch.
Ich zwang mich den Artikel nochmals durchzulesen, denn ich konnte nicht glauben was dort stand. Meine Ahnung, um was es in dem Telefongespräch mit Bernadette gehen würde, wurde zur Gewissheit.
Es wurde langsam zur Gewohnheit, dass mich Cassy aus meiner Starre befreite. So auch jetzt. Diesmal war es allerdings kein Weinen oder Schreien das mich aufhorchen ließ, nein, sie gluckste fröhlich vor sich hin. Das Geräusch vertrieb augenblicklich meine schlechte Laune, und ich musste unwillkürlich lächeln. Ich ließ die Zeitung achtlos zu Boden fallen und ging ins Schlafzimmer zu meiner Tochter.
Sie quitschte glücklich und strampelte lebhaft als sie mich hereinkommen sah. Als ich sie aus ihrem Bettchen genommen hatte, viel mein Blick auf eine Puppe die zuvor definitiv nicht da gewesen war.


Ich stutze, wo kam die denn her? Misstrauisch betrachtete ich sie während ich geistesabwesend meiner Tochter über den Rücken streichelte. So eine seltsame Puppe hatte ich noch nie gesehen, und sie hatte auch noch eine Bommel auf dem Kopf, die leuchtete wie eine Glühbirne. Was sollte das denn darstellen? Das Ganze war mir irgendwie unheimlich, und ich beschloss die Puppe vorerst außerhalb der Reichweite meiner Tochter zu bringen.

Bernadette wartete gar nicht erst ab, dass ich sie zurück rief. Sie kam einfach in ihrer Mittagspause bei mir vorbei. Als ich die Tür öffnete, betrachtete sie mich einen Moment schweigend. Es stand mir wohl ins Gesicht geschrieben, dass ich wusste was los war, denn sie fiel mir einfach wortlos um den Hals.
"Ach Sofia, es tut mir ja so leid." flüsterte sie mir zu. Ich brachte kein Wort heraus. Mir war als hätte ich einen riesigen Kloß im Hals, und ich spürte wie mir erneut Tränen über die Wangen liefen. Bernadette hielt mich die ganze Zeit einfach nur fest, und wartete bis ich mich wieder beruhig hatte. Dann erzählte sie mir was gestern Nacht passiert war.

Bei den Nachforschungen die sie über Josefs Verbleib durchführte, nahm sie in erster Linie die Firma unter die Lupe, für die er nach eigenen Angaben arbeitete. Es schien soweit alles seine Richtigkeit mit der D.L.G. zu haben, aber ihr Instinkt sagte ihr, dass dort irgendwo der Wurm drin war. Sie hatte allerdings nie die Zeit der Sache ordentlich auf den Grund zu gehen, da die Einbruchsrate auf der Insel dermaßen in die Höhe geschossen war, dass sie zu nichts anderes mehr kam. Schließlich lag das in ihrem Zuständigkeitsbereich.
Irgendwann fiel ihr auf, dass Josef immer dann nicht auf Caldonia war, wenn Einbrüche stattfanden. Von Zeit zu Zeit verkroch sich der Serientäter den sie schon so lange suchten, und verschwand spurlos von der Bildfläche. Zu diesen Zeiten war Josef immer auf der Insel unterwegs. Ihr Polizeiinstinkt sagte ihr, dass das doch ein richtig gutes Alibi für ihren Täter wäre. Nun konnte sie aber nicht ohne irgendwelche Beweise anfangen, eine Zivilperson zu beschatten. Also beschloss sie gestern Nacht, aus einem Gefühl heraus, sich bei der alten Fabrik auf die Lauer zu legen.
Sie staunte nicht schlecht, als sie sah, wie in aller Heimlichkeit Holzkisten verladen wurden. Dies erinnerte sie an den Fall der Dubios Lagerhaus Gesellschaft, die in genau diesem Fabrikgebäude ihren Sitz hatte, und der nie aufgeklärt werden konnte. Jetzt war sie sich sicher, dass sie auf der richtigen Spur war, was ihren Einbrecher anging. Wenig später tauchte dort dann Josef auf, dass überraschte sie zu diesem Zeitpunkt nun auch nicht mehr.

Bernadette wollte mich vorwarnen was sie herausgefunden hatte, bevor ihre Kollegen am Tatort eintrafen. Ihr war klar, dass der Fall am nächsten Tag für eine Schlagzeile in der Zeitung sorgen würde, und sie wollte mir das Ganze zuerst schonend beibringen bevor ich es auf anderem Wege erfuhr. Nun, der Teil war ordentlich in die Hose gegangen.
Die Polizeisirenen die ich in der Nacht meinte zu hören, hatte ich mir nicht eingebildet. Wie mir meine Freundin erzählte, hatte Josefs Bande schließlich Wind davon bekommen, dass die Polizei gerade dabei war sie zu umstellen. Er nahm daraufhin ohne Rücksicht auf Verluste Reißaus. Dabei ließ er nicht nur sämtliches Diebesgut links liegen, sonder auch seine Komplizen. Während Bernadette den Rest der Schmugglerbande verhaftete, lieferte sich Josef eine einstündige Verfolgungsjagd mit ihren Kollegen, die damit endete, dass sein Auto in einer Kurve von der Fahrbahn abkam. Dabei krachte der Wagen gegen einen Baum und ging in Flammen auf. Dass er das nicht überlebt hatte, musste sie mir nicht erst sagen, das wusste ich bereits aus der Zeitung.
Ich war schon wieder kurz davor in Tränen auszubrechen, und fand mich schließlich in einer Umarmung meiner Freundin wieder. Mir fiel es schwer zu glauben, dass der Vater meiner Tochter wirklich tot sein sollte. Ich war enttäuscht und wütend, alles was er mir erzählt hatte war eine Lüge gewesen. Wieso hatte ich nichts gemerkt? Plötzlich ergab es Sinn, dass er immer ein Treffen mit Bernadette und Jeremiah aus dem Weg gegangen war. Josef wusste von mir, dass meine Freundin für die Polizei arbeitete und mit den Einbruchsfällen betraut war. Und sie war verdammt gut darin, jemanden zu durchschauen. Sie anzulügen war zwecklos. Zum wiederholtem Male stöhnte ich heute laut auf, und bekam nur am Rande mit, wie Bernadette mich tröstete.

Mittlerweile war es bereits dunkel geworden, und mir wurde bewusst, wie lange meine Freundin schon hier war.
"Ich hab mir den Nachmittag frei genommen." Winkte sie ab, als ich sie darauf ansprach. "Wenn du möchtest, bleibe ich auch über Nacht hier und helfe dir mit Cassy." Bot sie mir dann noch an.
"Danke, ich schaff das schon." Das konnte ich nicht annehmen, sie hatte schließlich selbst zwei kleine Kinder zu Hause. Dennoch blieb sie noch eine Weile bevor sie sich auf den Nachhauseweg machte. Zuvor schärfte sie mir aber noch ein, dass ich mich sofort melden sollte wenn ich etwas bräuchte.


(Bernadette Hempelsberger)

Nachdem Bernadette gegangen war, sah ich nach meiner kleinen Tochter, die die ganze Zeit über erstaunlich ruhig gewesen war. Ich drückte sie fest an mich und kuschelte ausgiebig mit ihr. Es tat mir so leid, dass sie ohne Vater aufwachsen würde. Das war zwar nach dem letzten Gespräch mit Josef schon abzusehen gewesen, aber ich hatte die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben gehabt, dass er sich doch für seine Tochter interessieren würde.
Die seltsame Puppe die ich zuvor aus Cassys Bettchen entfernt hatte, saß jetzt wie durch Zauberhand wieder dort, aber dass entging mir an diesem Abend.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Fr Jan 17, 2014 8:22 pm

Kapitel 1.14

Cassys Geburtstag hielt für mich gleich zwei Überraschungen bereit. Seit kurzem ging ich wieder meiner Tätigkeit als Geisterjägerin nach, und man könnte meinen, die Gespenster hatten sich während meiner Abwesenheit fleißig vermehrt. An dem Geburtstag meiner Tochter wollte ich aber nicht arbeiten, sondern den ganzen Tag gemütlich mit ihr verbringen.
Bernadette kam mich am Morgen von Cassys Geburtstag besuchen, sie wusste, dass ich heute zu Hause sein würde. Ihr Grinsen, als ich sie zur Tür herein ließ, sagte mir, dass sie etwas ausgeheckt hatte.
"Guten Morgen meine Liebe! Auf geht's, wir haben noch viel zu tun bevor die ersten Gäste kommen!" begrüßte sie mich voller Elan und mit unverschämt guter Laune.
"Hä?" war meine äußerst geistreiche Begrüßung.
"Na, Cassys Geburtstagsparty!" sie strahlte bis über beide Ohren und knuffte mich freundschaftlich in die Seite.
"Bernadette, ich habe überhaupt keine Party geplant..." sagte ich langsam. Ich war misstrauisch geworden, und ahnte was gleich folgen würde.
"Dafür aber ich! Um 3 Uhr kommen die ersten Gäste." stellte mich meine Freundin vor vollendete Tatsachen, und bestätigte so meinen Verdacht. Ich stöhnte laut auf. Als ich sie nur böse anfunkelte, fügte sie noch hinzu: "Stell dich nicht so an, dass wird ein riesen Spaß! Und außerdem ist es jetzt schon zu spät um das Ganze noch abzublasen."

Ich fügte mich schließlich. Mir war auch klar, dass Bernadette es nur gut meinte, und mich aus der Reserve locken wollte. Seit Josefs Tot hatte ich die meiste Zeit über Trübsal geblasen, und mich mehr und mehr zurück gezogen. Ich lebte nur noch für die Arbeit und meine kleine Tochter. Meinen beiden besten Freunden war das natürlich nicht entgangen.
Eine Stunde bevor die ersten Gäste kommen sollten, verabschiedete sich Bernadette von mir. Sie wollte zu Hause nach dem Rechten sehen, bevor die Party losging. Zuvor hatten wir noch die Geburtstagstorte aus der Konditorei abgeholt, und jetzt verströmten die Kekse, die ich gerade im Ofen backte, einen wunderbaren Duft nach frischem Gebäck mit Schokolade. Ich holte die Kekse gerade aus dem Backofen, als es an der Tür klingelte.
"Tür ist offen!" rief ich Richtung Eingangstür, und verdrehte genervt die Augen. Da hatte es wohl jemand besonders eilig. Als ich mich endlich umdrehte, stand Überraschung Nummer zwei mitten in meiner Wohnung. Mir klappte die Kinnlade nach unten, und ich glotzte den Simmo vor mir dämlich an. Da stand er vor mir, der Freund aus Kindheitstagen von Jeremiah und mir. Ich hatte ihn seit über drei Jahren nicht mehr gesehen.
"Ich freue mich auch dich zu sehen" mein Gegenüber grinste mich frech an.
"Jebidiah!" entfuhr es mir. Ich umarmte ihn überschwänglich, als ich mich endlich wieder im Griff hatte.


(Sofia Daralina und Jebidiah Lansing)

"Ich dachte du schaffst es dieses Jahr nicht mehr uns zu besuchen" überrascht sah ich ihn an.
"Das dachte ich auch. Aber ich habe jetzt doch kurzfristig ein paar Tage frei bekommen. Und ich dachte, naja.... nach dem...." er kratzte sich verlegen am Hinterkopf. Meine Augenbrauen schossen fragend in die Höhe. Mich beschlich das Gefühl, dass Bernadette hier schon wieder ihre Finger im Spiel hatte. Oder Jeremiah, aber das lief auf das Selbe hinaus. Ich schaffte es aber nicht deshalb sauer auf die beiden zu sein, dafür freute ich mich einfach zu sehr Jebidiah zu sehen.
"Darf ich Cassandra sehen?" fragte er mich jetzt vorsichtig. Natürlich durfte er. Ich konnte nicht verbergen, wie sehr ich mich darüber freute, dass er nach meiner Tochter fragte.
Ich lehnte lässig am Türrahmen, während ich zusah, wie Jebidiah Cassy aus ihrem Bettchen hob. Das erinnerte mich daran, dass ich mir immer vorgestellt hatte Josef so zu sehen, wie ich jetzt Jebidiah mit meiner Tochter auf dem Arm sah. Unwillig schüttelte ich den Kopf über diesen Gedanken. Dabei fiel mein Blick in Cassys Bettchen. Abrupt hielt ich in meiner Bewegung inne. Das konnte doch nicht sein, die seltsame Puppe saß wieder dort. Verwirrt blinzelte ich mehrmals. Hatte ich die Puppe nicht in den Kleiderschrank verbannt? Dann zuckte ich gleichgültig mit den Schultern, wahrscheinlich hatte ich das in der ganzen Aufregung um Josef wohl doch vergessen. Nur seltsam, dass mir das erst jetzt auffiel.

Schließlich war es so weit. Die Gäste waren eingetroffen und die Party nahm ihren Lauf. Ich hatte nicht wirklich einen Überblick darüber wen Bernadette alles eingeladen hatten.
Die Party heiterte mich wirklich auf, darin hatte meine Freundin recht behalten. Als sie nämlich anfing mir einige Grimassen zu schneiden, ging ich sogar auf ihre Blödeleien ein. Doch dann bekam ich einen gehörigen Schrecken, als sich hinter mir jemand geräuschvoll räusperte.


(v.l.n.r. Emeraldo Acuna, Sofia Daralina, Bernadette Hempelsberger)

Ich zuckte zusammen und wurde rot bevor ich mich überhaupt umdrehte um zu sehen wer dort stand. Diese Stimme kannte ich, das war Emeraldo, mein Arzt. Ich warf Bernadette einen Blick zu, warum hatte sie ihn eingeladen? Als ich mich ihm zuwandte, meinte ich in seinen Augen zu sehen, dass er mich jetzt für völlig durchgedreht hielt. Nun, da ich jetzt sowieso nichts mehr zu verlieren hatte, pikste ich ihn in die Seite, und schnitt ihm jetzt meinerseits ein paar Grimassen. Ein Stein fiel mir von Herzen als er darauf einging. Ich merkte wieder wie gut ich mit ihm klar kam, und musste an unser erstes Treffen denken. An das er sich nicht mehr erinnern konnte. Das sprach ich aber vorsichtshalber nicht an. Es war mir immer noch ein Rätsel, und meine Informationsquellen hatten mich der Lösung dessen noch keinen Schritt näher gebracht.
Meine Gäste waren inzwischen wie ausgehungerte Raubtiere über meine Kekse hergefallen. Es war höchste Zeit die Geburtstagstorte anzuschneiden. Ich holte Cassy und pustete die Kerzen für sie aus.


(sitzend: Bernadette Hempelsberger, Emeraldo Acuna; hinten: Sofia u. Cassy Daralina)
(rechts vorn: Bruno Neumeier, ein Sim der bei jeder Party uneingeladen auftauchte und Sofia gar nicht kennt)

Nachdem ich sie auf den Boden gesetzt hatte, krabbelte sie zielstrebig auf unseren Balkon. Ihr war es wohl zu voll in unserer Wohnung. Ich kann es ihr nicht verübeln, wenn so viele Leute hier waren, trat man sich ständig gegenseitig auf die Füße.
Gestern hatte ich mir ein hübsches Häuschen angesehen, das Ideal für uns beide wäre. Ich hoffte, dass ich den Zuschlag dafür bekommen würde. Die Wohnung ist jetzt wirklich zu klein für mich und Cassy, dachte ich als ich ihr das Fläschchen reichte. Sie quittierte es mir mit einem glücklichen Quieken.


(Sofia Daralina mit ihrerer Tochter Cassandra Daralina)
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am So Jan 19, 2014 4:01 pm

Kapitel 1.15

Es wurde gestern Abend ziemlich spät. Aber Cassy schlummerte schon lange friedlich in ihrem Bettchen als sich der letzte Gast verabschiedete. Dementsprechend früh warf sie ihre Kleinkindsirene an um mich aufzuwecken. Da wir im gleichen Zimmer schliefen, war das so laut, dass ich vor Scheck senkrecht in die Höhe schoss. Ich befreite mich aus den Decken und stand auf. Cassy hatte ihr Ziel erreicht, denn sie hörte augenblicklich auf zu schreien, und setzte eine Unschuldsmine auf, als könne sie kein Wässerchen trüben.
Nachdem ich meine Tochter frisch gewickelt hatte, setzte ich sie in den Babystuhl, und stellte ihren Frühstücksbrei vor ihr ab. Der Löffel mit dem ich sie füttern wollte, fiel mir aus der Hand, und landete scheppernd auf dem Boden. Ich bückte mich um ihn aufzuheben, und als ich mich wieder aufrichten wollte, traf mich etwas hartes am Kopf. Mir wurde schwindelig und ich sah Sterne, so dass ich erst mal einen Moment benommen am Boden sitzen blieb.
Während ich wieder hochkam, blieb mein Blick an dem Objekt hängen, das mich halb Bewusstlos geschlagen hatte. Es war Cassys Teller, allerdings ohne Inhalt. Meine Tochter summte fröhlich vor sich hin, und malte mit ihren Fingern Kreise in den Brei der sich vor ihr ausbreitete. Als ich mich auf ihrer Augenhöhe befand, hielt sie inne, und sah mich grinsend an. Dann holte sie tief Luft und pustete einmal kräftig in ihr Essen, während sie mit beiden Händen in den Brei schlug, dass es nur so klatschte.
Als ich mir kurz darauf Cassys Frühstück aus Gesicht und Haaren wusch, betrachtete ich dabei grummelnd mein Spiegelbild. Es war wohl dringend nötig an den Tischmanieren meiner Tochter zu arbeiten.

Beim zweiten Anlauf schafften wir es die Prozedur erfolgreich hinter uns zu bringen. Da es bald Winter werden würde, war es draußen bereits ziemlich kühl, was meiner Lust nach einem Spaziergang aber keinen Abbruch tat. Ich hatte das Gefühl etwas frische Luft schnappen zu müssen, und nach den morgendlichen Eskapaden konnte Cassy sowieso etwas Abkühlung gebrauchen. Bevor ich das Hochhaus, in dem sich mein Appartement befand, jedoch verlassen konnte, klingelte mein Handy.


Es war der Makler von dem Häuschen, das ich mir angesehen hatte. Ich hatte es bekommen. Cassy und ich würden umziehen und darüber war ich richtiggehend aus dem Häuschen.


~~~


Schon am nächsten Tag ließen wir unser altes Leben hinter uns. Ich trat aus meiner bisherige Bleibe, mit Cassy auf dem Arm, ohne einen Blick zurück zu werfen.


Unser neues zu Hause war auf der anderen Seite der Insel, und zu meiner Freude befand es sich auch noch im selben Viertel, in dem Bernadette und Jeremiah wohnten. Ein kleiner Garten gehörte ebenfalls zu dem Häuschen, der sogar Platz für einen Gemüsegarten bot, den ich im nächsten Frühjahr auch anlegen wollte.


(Vorderansicht)


(Rückansicht)


(Draufsicht, nach dem Einzug fanden kleinere Änderungen bei den Möbeln statt)

Die erste Nacht im neuem Heim war wunderbar ruhig. Hier wurde ich von Vogelgezwitscher geweckt, und nicht von der lauten Technomusik eines Nachbarn aus dem Schlaf gerissen. Nachdem ich mich gut erholt aus meinen Laken geschält hatte, schlich ich auf Zehenspitzen in Cassys Zimmer. Dort schlief meine Tochter noch tief und fest. Deshalb versorgte ich zuerst einmal mich selbst, bevor ich Cassy wecken ging.


Es war Wochenende und so hatte ich erst einmal ausgiebig Zeit, um mich mit meiner süßen Maus einzuleben. Cassy krabbelte in jeden neuen Winkel den es zu entdecken gab, und schließlich begann sie mit meiner Hilfe unser Haus auf zwei wackeligen Beinen zu erkunden.


Ich war so glücklich wie schon lange nicht mehr. Eigentlich konnte ich mich gar nicht erinnern, mich jemals so gut gefühlt zu haben. Meine Tochter sah es anscheinend genauso, denn sie kicherte ausgelassen bei jeder sich bietenden Gelegenheit.


Meine Stimmung verbesserte sich am nächsten Tag noch mehr, was ich gar nicht für möglich gehalten hatte. Der Grund dafür war ein Anruf von Jebidiah, in dem er fragte, wie es mir und Cassandra ging, und ob wir den Umzug gut überstanden hatten. Darüber freute ich mich wie ein kleines Kind wenn Weihnachten und Geburtstag zusammen fielen.


Nach dem Telefongespräch bekam ich aber wieder einen Dämpfer. Als ich in das Zimmer meiner Tochter ging, sah ich sie mit der seltsamen Puppe spielen. Mir lief es kalt den Rücken herunter. Wie konnte das sein? Ich hatte sie vor unserem Umzug in den Second-Hand-Shop gegeben.
Cassy schien diese Puppe sehr zu mögen, also brachte ich es nicht übers Herz sie ihr wegzunehmen. Ich wollte die Sache trotzdem im Auge behalten.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Mo Jan 20, 2014 6:31 pm

Kapitel 1.16

Die nächste Zeit konnte ich mich vor paranormalen Aufträgen kaum retten. Das war auch gut so, denn der Kauf des Häuschens hatte beinahe meine ganzen Rücklagen verschlungen.
Ich hatte es schon fast aufgegeben noch brauchbare Informationen bezüglich einiger Fragezeichen zu bekommen, die mit dem bunte Lichter Ereignis zusammen hingen. Denn so viele Kunden ich auch hatte, Gespenster waren am Ort des Geschehens oftmals gar nicht sichtbar, und somit als Informationsquelle für mich unbrauchbar. Das hieß allerdings nicht, dass man dort nichts gruseliges zu Gesicht bekam. Meist war das in Form des Auftraggebers trotzdem vorhanden.


Die Geister schraken auch nicht davor zurück, die gleichen Sims mehrmals heimzusuchen. Also war ich mal wieder als Arbeitnehmerin bei meinen beiden besten Freuden zu Gast. Ich staunte nicht schlecht als ich ihr Haus betrat. Ihr Sohn Titus war richtig in die Höhe geschossen, und Malenka krabbelte genauso fleißig wie meine kleine Cassy durch die Gegend.


(v.l.n.r Malenka, Bernadette, Jeremiah, Titus)

Richtig spannend wurde es für mich dann, als ich mich in den ersten Stock begab. Denn dort wartete die erste Gespenstermanifestation, in Form eines Sims, seit Langem auf mich. Begierig stürzte ich mich auf dieses Exemplar, und hoffte, dass ich es hier mit einer gesprächigen Ausgabe zu tun hatte.


"Ich freu mich auf meine Wiedergeburt
Und nen großen Becher Erdbeerjoghurt"
Reimte mein Gegenüber. Verwirrt blinzelte ich das transparente Wesen an.
"Manch einer wird zum Schutzengel
Andere zum Rotzbengel"
Ging es weiter
"Äh..." mehr fiel mir dazu nicht ein. Hier hatte ich es wohl mit einem Möchtegerndichter zu tun. Gesprächig war er ja, aber da war wohl nichts an Informationen rauszuholen.
"Noch schnell einen Löffel Suppe
Für meine kleine Lieblingspuppe
Dann kehr ich auch schon heim
Aber wo das ist, ist geheim"
Der Geist zwinkerte mir zu und löste sich in Luft auf.
So sehr ich mir den Kopf darüber zerbrach, ich konnte mir auf sein Gerede keinen Reim machen.
Es war schon spät als ich mit meiner Arbeit bei den Hempelsbergers fertig wurde. Deshalb verabschiedete ich mich gleich, ich wollte nach Hause zu meiner Tochter.

Sie schlief bereits als ich unser Haus betrat. Ich betrachtete meine kleine Cassy, wie sie da eingekuschelt in ihrem Bettchen lag, und tief ein- und ausatmete. Ihre Puppe, die sie selbst im Schlaf festhielt, bewegte sich sanft auf und ab im Rhythmus ihres Atems. Da fiel mir der Reim meiner letzten Geisterbegegnung wieder ein. Unwillkürlich fragte ich mich, ob Cassys Puppe wohl ein Schutzengel oder ein Rotzbengel war.


~~~


Jebidiah rief mich in letzter Zeit regelmäßig an. Er arbeitete immer noch als Flugbegleiter für die Fluggesellschaft SimAir, und war für eine Linie eingeteilt worden, die ihn regelmäßig in die Nähe von Caldonia brachte. Wenn er dann mal wieder ein paar Tage frei hatte, bot er mir immer an Cassy und mich zu besuchen.


Was ich auch freudig annahm. Mir entging nicht, dass meine Tochter Jebidiah gern hatte, und umgekehrt ebenso. Es zauberte mir jedesmal ein Lächeln aufs Gesicht wenn ich die beiden zusammen sah. So auch dieses mal.
"Baba lieb!" brabbelte Cassy, als Jebidiah sie gerade hochgehoben hatte. Er lächelte sie an, während sie mit ihrer Patschehand seine Nase befühlte.


(Jebidiah Lansing mit Cassandra Daralina)

"Ich hab dich auch lieb." er küsste sie auf die Wange bevor er begann sie ordentlich durch zu kitzeln. Ich hatte die beiden von der Tür aus beobachtet, und war bei den Worten meiner Tochter vor Verlegenheit rot angelaufen. Hielt Cassy Jebediah etwa für ihren Vater? Ich weiß dass meine Tochter das Wort "Papa" aufgeschnappt hatte, als wir bei Bernadette und Jeremiah zu Besuch waren. Sie hörte wie Jeremiah so von Malenka angesprochen wurde. Ich musste mir eingestehen, dass Jebediah der Vaterfigur für meine Kleine wohl am nächsten kam. Mein erster Gedanke war, dass ich es sofort unterbinden musste, dass sie ihn für ihren Papa hielt. Ich machte den Mund auf um etwas zu sagen, schloss ihn aber wieder ohne einen Laut von mir gegeben zu haben. Wieso hatte er ihr eigentlich nicht widersprochen? Das musste ich zuerst einmal mit ihm klären.
"Jebidiah? Kann ich dich mal kurz sprechen?" machte ich mich bemerkbar.
"Ja, natürlich. Ich komme gleich" er setzte Cassy auf dem Boden ab, und sie begann sofort mit ihrer Puppe zu spielen. Dann folgte er mir in die Wohnküche.
"Cassy hat dich eben Papa genannt" begann ich das Gespräch.
"Ja" er zuckte mit den Achseln, was ich zuerst für Gleichgültigkeit hielt. Aber dann bemerkte ich, dass er sich verlegen am Hinterkopf kratzte. Das tat er immer wenn ihm etwas unangenehm war. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm nichts ausgemacht hatte so von meiner Tochter genannt zu werden. Er verbarg wohl etwas vor mir.
"Das war nicht das erste mal" stellte ich nüchtern fest. Er nickte nur.
"Wieso hast du nichts gesagt? Du hättest ihr widersprechen müssen!" meinte ich verärgert.
"Was hätte ich ihr denn erzählen sollen?" er hob hilflos die Hände. Die Wut die sich gerade begann in mir aufzubauen verrauchte ins Nichts. Ich schwieg, denn darüber hatte ich noch nicht nachgedacht. Mir fiel auch keine Antwort darauf ein.
"Außerdem mag ich die Kleine, und sie mich auch" fuhr er fort als ich still blieb.
"Das weiß ich doch. Aber du bist nun mal nicht ihr Vater, das ist Josef" antwortete ich, und wappnete mich innerlich gegen den Schmerz, der mich immer durchfuhr, wenn ich an Cassys Vater dachte. Doch er blieb diesmal aus. Dabei war mir entgangen, dass Jebidiah bei meinen Worten merklich zusammengezuckt war.
"War, Sofia... war! Und selbst als er noch gelebt hat, hatte er diese Bezeichnung nicht verdient!" hielt er mir entgegen. Ich seufzte, schließlich hatte er damit recht. Auf mein schweigen hin fügte er hinzu: "Und Cassy ist doch jetzt auch noch viel zu klein um das alles zu verstehen. Außerdem macht es mir wirklich nichts aus wenn sie mich so nennt" er zuckte wieder mit den Schultern und verfiel schließlich in verlegenes Schweigen.
Mir kam der Gedanke, dass er vielleicht gerne ihr Vater gewesen wäre. Ich wurde rot und schüttelte den Kopf um diese Idee wieder loszuwerden.
"Ich bin dir sehr dankbar, dass du mir mit Cassy so sehr hilfst. Sie mag dich wirklich gerne, und ich sehe ja, dass es sie glücklich macht wenn du hier bist. Ich denke nur es ist nicht richtig sie in dem Glauben zu lassen du wärst ihr Vater. Aber du hast recht, sie ist noch zu klein um die Situation zu verstehen. Irgendwann wird sie anfangen Fragen über ihren leiblichen Vater zu stellen, und, um ehrlich zu sein, ich weiß nicht wie ich ihr erklären soll was für ein Sim er war..." meine Stimme versagte mir den Dienst. Wie brachte man seinem Kind bei, dass der Vater tot war, und zu Lebzeiten ein Verbrecher und Lügner?
"Du schaffst das! Und du weißt doch, dass ich immer für dich da bin, genauso wie Bernadette und Jeremiah." versicherte Jebediah mir, während er mir eine Träne von der Wange wischte. Ich hatte gar nicht mitbekommen das ich angefangen hatte zu weinen. Er nahm mich tröstend in die Arme, und ich erlaubte mir, mich für einen Moment an ihn zu lehnen und seine Nähe zu genießen.



Jebidiah war gerade zur Tür raus um sich auf den Weg zurück zum Festland zu machen. Als ich Cassy in ihr Bettchen legen wollte, da fragte sie mich mit ihrer kleinen unschuldigen Stimme: "Baba?" Ich hatte plötzlich einen Kloß im Hals und musste schwer Schlucken.
"Papa ist nicht da" teilte ich ihr tapfer mit. "Aber Mama ist immer für dich da, und hat dich ganz doll lieb"


"Mama!" meine kleine Tochter gluckste fröhlich und blinzelte mich verschlafen an. Ich musste lächeln, und gab ihr noch einen Gutenachtkuss bevor ich sie zudeckte.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am So Jan 26, 2014 9:18 pm

Kapitel 1.17

Mittlerweile war es Winter geworden und draußen so kalt, dass nicht einmal tagsüber die Eisblumen von den Fenstern verschwanden. Jebidiah hatte momentan soviel Arbeit um die Ohren, dass wir uns kaum sahen. Wahrscheinlich flohen alle bei dem Wetter in ein wärmeres Klima und suchten sich dazu SimAir als Fluggesellschaft aus. Zu meiner Erleichterung hatte Cassy aufgehört von ihrem Papa zu reden, was vermutlich mit der Abwesenheit von Jebediah zusammenhing. Das Thema war damit nur aufgeschoben, was mir natürlich klar war, aber ich war darüber nicht traurig. Wenn es nach mir ging, konnte dieses Gespräch noch lange warten. Am liebsten würde ich es meiner Tochter ganz ersparen.


Ich nutzte jede sich bietende Gelegenheit um mit Cassy zu kuscheln und zu spielen. Denn ich kam selbst kaum mit der Arbeit hinterher, deshalb war meine Tochter meist in Gesellschaft eines Babysitters. Das gefiel mir zwar nicht besonders, aber ich konnte es im Moment nicht ändern.
Die Arbeitszeit die ich benötigte um einen Auftrag auszuführen, wurde auch immer länger. Nicht weil ich etwa schlechter in meinem Job wurde, nein, die unliebsamen Mitbewohner meiner Kunden wurden einfach immer dreister. Allerdings musste man den Geistern immerhin zu Gute halten, dass sie das Mobiliar meiner Auftraggeber mit deutlich mehr Sorgfalt behandelten als früher. Noch vor ein paar Wochen hätte ich mein derzeitiges Exemplar in der Mikrowelle gefunden und nicht davor.


*Pling* Das Essen war gerade fertig geworden als ich mich meinem nächsten Opfer näherte. Ich sah auf den Teller und hatte einen kurzen Flashback. Vor meinem inneren Auge sah ich Emeraldo vor einer Servierplatte mit einem Stapel Hotdogs. Ich schüttelte den Kopf um das Bild loszuwerden und mich meiner Arbeit zu widmen.
"Hmmmm.... Hotdogs!" hauchte es durch die Küche. Die Stimme schien dabei von überall her gleichzeitig zu kommen, was mir einen kurzen Schauer über den Rücken jagte.
"Auch einen?" der Geist zog fragend eine Augenbraue in die Höhe während er sich selbst bediente. Ich schüttelte stumm den Kopf, denn ich war total perplex. Bisher hatte ich noch nie gesehen wie ein Gespenst Nahrung zu sich nahm. Außerdem irritierte mich die Stimme.
"Keine Angst, ich will nur noch schnell aufessen, dann verschwinde ich ins Tal der Seelen. Mal sehen wies dann ab dort weitergeht." flüsterte es durch den Raum. Bevor ich mich zu irgendeiner Reaktion durchringen konnte fuhr die Erscheinung fort: "Weiß du, ich hab seit der Entführung ständig so einen Heißhunger, und ich konnte mir das selbst nach meinem Tod nicht abgewöhnen. Ich hoffe nur, dass hört in meinem nächsten Leben auf." dabei schob er sich den Hotdog so weit in den Mund, dass ich schon vom Zusehen einen Würgreflex bekam. Ich war fast erleichtert als ich ihn husten hörte.


Mit der Gewissheit, dass die Ausgabe dieses Geistes zwar etwas irre, aber sonst ziemlich harmlos war, begab ich mich auf den Weg in den ersten Stock. Dort angekommen folgte ich einem quietschenden und piepsenden Geräusch, das ich schon von unten gehört hatte. Als ich das Zimmer betrat aus dem der Lärm zu kommen schien, viel mir die Kinnlade nach unten. Da saß ein Geist vor dem Laptop und spielte voller Begeisterung ein Autorennspiel. Diesmal fand ich meine Stimme wieder, und zu meiner Überraschung sprach ich aus was mir als erstes in den Sinn kam: "Wie geht das Überhaupt, dass ihr durch alles durch schweben könnt, aber die gleichen Objekte auch benutzen könnt wie normale Sims?"


*Krawummmmm* es krachte laut, weil das Fahrzeug, das von dem Geist gesteuert wurde, von der Fahrbahn abgekommen war. Er wandte den Blick von der Mattscheibe und sah mich böse an. Auf dem Bildschirm blinkten indes die Worte 'Game Over'.
"Selbstbeherrschung" rief er mir zornig entgegen. Dann verschwand sämtlicher Groll aus seinen Gesichtszügen, und er zuckte einmal gleichgültig mit den Schultern, bevor er sich in Luft auflöste.
Jetzt zuckte ich Meinerseits gleichgültig mit den Schultern, heute hatte ich es wohl nur mit Spinnern zu tun. Ich ging wieder nach unten, um nach Kandidat Nummer zwei zu sehen, der noch Hilfe für den Weg ins Jenseits benötigte.
Als ich die Küche betrat, räumte der Geist gerade das dreckige Geschirr in die Spülmaschine. Er ließ sie zuschnappen und schaute mich grinsend an.


"Man sieht sich!" schwebten seine letzten Worte noch im Raum, während er sich ebenfalls in Luft auflöste.
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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Mi März 05, 2014 11:31 am

Kapitel 1.18

Der Winter hatte Caldonia fest im Griff, dabei war Weihnachten noch in weiter Ferne. Immerhin hatte Jebidiah mal wieder frei bekommen, und so besuchte er mich diesen Sonntag. Ich freute mich darauf mehr, als ich mir selbst eingestehen wollte.
Nachdem ich die Zeitung herein geholt hatte, begann ich mir mein Frühstück vorzubereiten.


Gedankenverloren schob ich meine Waffeln in den Ofen. Als mir ein Schwall Hitze aus der Backröhre entgegen kam, wurde mir bewusst, dass ich noch in voller Wintermontur gekleidet war. Wo war ich zur Zeit nur mit meinen Gedanken? Als ich mir vorhin die Zutaten aus dem Kühlschrank geholt hatte, konnte ich den paar Eiern, die jetzt in meinem Waffelteig gelandet waren, richtig ansehen, wie einsam sie sich fühlten. Ich hatte vergessen einzukaufen, und heute war Sonntag und der Supermarkt geschlossen. Nur gut, dass ich noch genug für Cassy zuhause hatte.

Am Nachmittag klingelte es schließlich an der Tür. Ich war gerade dabei Jebidiah zu begrüßen, als Cassy aus ihrem Zimmer getapst kam. Es war als könnte sie riechen wer uns gerade besuchen kam, denn normalerweise ignorierte sie alles um sich herum und spielte mit ihrer Puppe.
"Baba!" quietsche meine Tochter aufgeregt während sie auf Jebidiah zuwankte. Ich sah wie er anfing zu lächeln, und merkte wie ich rot anlief. Es war mir zwar immer noch peinlich wenn sie ihn so nannte, aber gleichzeitig fing mein Herz an vor Freude Purzelbäume zu schlagen. Ich wollte nicht darüber nachdenken, warum das so war. Jebidiah hatte Cassy mittlerweile hochgehoben, und dass meine Tochter sich so vertraut an ihn kuschelte, machte mich nur noch verlegener.


Jetzt wanderte mein Blick von meiner Tochter zu seinen Augen. Er sah mich so intensiv an, dass mir für einen Moment die Luft weg blieb. Mein Kopf war wie leergefegt, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Ich spürte wie sich mein Mund als Erwiderung auf sein Lächeln zu einem dämlichen Grinsen verzog.
"Pizza!" war das Erste was mir in den Sinn kam, und jetzt laut aus mir herausbrach.
"Was?" Er sah mich verwirrt an.
"Ich, äh, hab vergessen einzukaufen... Aber wir könnten Pizza bestellen" meine Hautfarbe machte inzwischen meiner Haarfarbe Konkurrenz.
Wir einigten uns schließlich darauf nachher eine vegetarische Pizza zu essen. Bis sie geliefert wurde vertrieben wir uns mit einer Runde Schach die Zeit.


Heute war ich irgendwie total zappelig, ich konnte kaum still sitzen und Jebidiahs Nähe machte mich nur noch nervöser. Und das obwohl er im Gegensatz zu mir die Ruhe selbst war. Genau genommen war er an diesem Sonntag sogar ungewöhnlich still. Das alles lenkte mich so sehr ab, dass ich nur am Rande mitbekam wie Cassy in ihrem Kinderbuch blätterte, anstatt, wie gewöhnlich, mit ihrer Puppe zu spielen.


Als es an der Tür klingelte, wäre ich vor Schreck fast vom Stuhl gefallen. Jebidiah warf mir einen belustigten Blick zu, während ich aufstand um unser Abendessen in Empfang zu nehmen. Ich grinste ihn heute zum wiederholtem mal blöde an, und ging die Pizza bezahlen. Draußen war es inzwischen bitter kalt geworden, und dadurch merkte ich nur umso mehr wie sehr meine Wangen glühten.
Wir machten es uns am Esstisch gemütlich, nachdem ich Cassy ihr Abendessen gegeben hatte. Schweigend saßen wir uns gegenüber, und ich bekam mein Essen kaum hinunter. Ich konnte sehen dass es ihm genauso ging.


Als wir dann doch nach Nachschub griffen, langten wir im gleichen Moment nach dem selben Stück Pizza. Dabei berührten sich zufällig unsere Hände. Ein wohliger Schauer durchlief mich von der Stelle aus, an dem er meine Haut berührt hatte, und nistete sich in meinem Bauch ein. Schmetterlinge im Bauch, ging es mir durch den Kopf, jetzt verstehe ich was damit gemeint ist.
Ich spürte wie er mich ansah. Bevor ich meinen Blick jedoch von dem Stück Pizza löste um ihm in die Augen zu sehen, blinzelte ich ein par mal. Bei meinem letzten Gedanken hatte mein Herz angefangen wie wild zu rasen, und ich wollte nicht, dass es mir allzu deutlich ins Gesicht geschrieben stand, woran ich gerade dachte. Damit hatte ich bei Jebidiah aber anscheinend genauso viel Erfolg wie bei Bernadette.
Er lächelte mich glücklich an, nun ja, das war eine ziemliche Untertreibung. Er grinste bis über beide Ohren als hätte er gerade den Hauptgewinn im Lotto gezogen, dabei strahlte er so hell, dass die Sonne bald in Rente gehen konnte. Das veranlasste die Schmetterlinge in meinem Bauch dazu, so sehr rum zu zappeln, dass ich mich fragte, was die da drin denn trieben. Mich beschlich der Verdacht, dass es immer mehr wurden. Ich tat das Einzige zu dem ich in diesem Moment noch in der Lage war, und erwiderte sein Lächeln.
Ein lautes kreischen ließ uns beide wie von der Tarantel gestochen hochspringen, was den Moment zerstörte. Cassy war, im Gegensatz zu Jebidiah und mir, mit ihrem Essen fertig, und forderte lautstark um Aufmerksamkeit. Nachdem wir sie beide anblickten, wandelte sich ihr Geschrei in ein fröhliches glucksen, dabei streckte sie uns zappelnd ihre Arme entgegen, damit wir sie endlich aus dem Hochstuhl befreiten.
Kaum hatten wir sie abgesetzt, steuerte sie zielstrebig auf ihre Puppe zu. Stirnrunzelnd blickte ich ihr nach. Ich wusste dass es ihr Lieblingsspielzeug war, trotzdem war es mir immer noch etwas unheimlich.
Jebidiah riss mich aus meinen Gedanken, indem er mich leicht an der Hand berührte. Mir wurde plötzlich bewusst wie nah er gerade bei mir stand, und die Schmetterlinge meldeten sich mit voller Wucht zurück. Seine Linke streichelte nach wie vor meine Rechte, während er jetzt mit seiner freien Hand sanft unter mein Kinn fasste. Er hob es leicht an, und unsere Blicke trafen sich. Dann blieb die Zeit stehen. Ich realisierte jedes noch so kleine Detail in seinem Gesicht, vor allem von seinen Augen wurde ich wie magisch angezogen. Das Gefühl, das ich dabei empfand, war so überwältigend, dass ich kaum zu atmen wagte. Und dann küsste er mich.

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Re: Daralina - Random Legacy Challange

Beitrag  GreenPhoenix am Mi Sep 10, 2014 3:32 pm

Kapitel 1.19

Die ganze Insel wirkte wie von einer dicken Schicht Puderzucker überzogen. Meine Schritte, und Cassys aufgeregtes rumgezappel in ihrem Kinderwagen, wirkten durch den vielen Schnee gedämpft. Davon bekam ich aber sowieso nicht viel mit, da meine Gedanken bei einer Geisterbegegnung von vorgestern Abend hingen…


„Verschiedene Substanzen miteinander zu vermengen kann zu erstaunlichen Effekten führen.“ klärte mich das transparente Wesen auf, während ich ihm verblüfft beim Kochen zusah.
„Mitunter bewirkt es die Zurückverwandlung von Ektoplasma in lebende Materie.“ führte es weiter aus, ohne von seiner Arbeit aufzublicken.
In meinem Kopf regte sich daraufhin eine Erinnerung über ein Gespenst, dem ich vor längerer Zeit einmal begegnet war. Dabei handelte es sich um einen Möchtegerndichter der nur in Reimen sprach. Ich konnte mich nicht an den exakten Wortlaut erinnern, aber es ging auf jeden Fall um Wiedergeburt und Essen.
„Aha!“ rief ich triumphierend aus. „Ihr esst also noch etwas bevor ihr weiterzieht damit ihr wiedergeboren werdet!“ Logisch, um ins Diesseits zurück zu kehren wird bestimmt eine ganze menge Energie benötigt, die muss der Reisende wohl selbst mitbringen. Jetzt ergab es endlich einen Sinn, warum die Kühlschränke meiner Auftragsgeber immer mehr von den ungebetenen Gästen geplündert wurden.
„Nein, das ist wegen den Aliens“ teilte mir der Geist seelenruhig mit, ohne von seiner Arbeit aufzublicken. „Und den Kaninchen natürlich…“ fügte er noch hinzu.
Mein wissendes Grinsen fiel in sich zusammen, und mir klappte ungläubig die Kinnlade nach unten. Eine Erinnerung an einen Stapel Hotdogs kämpfte den Gedanken an rosafarbene Häschen nieder. Ein plätschern holte mich schließlich in die Gegenwart zurück, das Gespenst war gerade dabei Nudeln in kochendes Wasser zu geben. Ungeduldig schüttelte ich den Kopf um wieder klar denken zu können. Das fasste mein Gegenüber wohl als Widerspruch auf.
„Doch, wirklich“ versicherte er mir, und jetzt drehte er sich endlich zu mir um. Bei dem Anblick seiner transparenten Augen lief es mir eiskalt den Rücken herunter, dabei sollte ich das doch mittlerweile gewöhnt sein. Trotzdem war es irgendwie unheimlich.
„Die Anderen wollen nicht, dass ich mit dir darüber rede, aber ich finde du solltest das wissen.“ Verwirrt blinzelte ich den Geist an und wartete gespannt auf weitere Erklärungen. Er tat mir den Gefallen: „So manch einer von uns kehrt aus dem Tal der Seelen in diese Welt zurück, wenn auch nicht immer freiwillig. Oftmals geschieht dies in Form eines... wie soll ich sagen... Schutzengel trifft es wohl am ehesten. Jedenfalls bauen diese Wesen für gewöhnlich eine besondere Beziehung zu nur einem einzigen Sim auf. Sie begleiten ihn von Geburt an, und sind auch nur für diesen als lebendes Geschöpf zu erkennen. Für jeden anderen sehen sie aus wie eine leblose Puppe.“
„Cassys Lieblingspuppe!“ stöhnte ich auf, das Gespenst nickte zustimmend.
„Ja. Man kann diese „Schutzengel“ mithilfe eines speziellen Tranks zu...“ er unterbrach sich mitten im Wort und seine Augen weiteten sich vor Entsetzen.
Mit einem lauten 'Plopp' löste sich das transparente Wesen vollkommen auf. Über das vor sich hin sprudelnde Nudelwasser meinte ich noch ein gehauchtes Wort zu verstehen: „... Chemielabor...“



Mit einem Grinsen im Gesicht setzte ich meinen Weg durch den Schnee fort. Gestern war ich in der Stadt gewesen um im örtlichen An- und Verkauf nach einem Chemielabor zu fragen. Der Verkäufer musste wohl neu auf der Insel gewesen sein, denn er hatte mich ziemlich blöde angeglotzt, und verwundert gefragt wofür ich denn ein Chemielabor bräuchte. Zugegebenermaßen wäre das normalerweise eine berechtigte Frage gewesen, aber da ich die ortsansässige Geisterjägerin von Caldonia bin, wundert sich eigentlich Keiner über sonderbare Bestellungen meinerseits. Und ein Chemielabor war da noch ziemlich harmlos.
Erst als ein Kollege ihn über die Geistergeschichten unserer Insel aufgeklärt hatte, nahm er endlich meine Bestellung auf. Ich denke aber, dass er das Ganze mit den Geistern nur für einen Scherz gehalten hatte, und dachte wir würden ihn veräppeln. Na, dem stand noch sein blaues Wunder bevor.
Mein Chemielabor bekomme ich dann nächste Woche nach Hause geliefert. Ich wusste wirklich noch nicht was ich damit anstellen sollte, aber ich war fest entschlossen heraus zu finden, was es mit Cassys Puppe auf sich hatte. Auch auf die Gefahr hin, dass ich nur einem Hirngespinst hinterher jagte.

~~~

Sehr zu Cassys – und auch meinem – Glück, verbrachte Jebidiah inzwischen jedes Wochenende komplett bei uns. Bernadette hatte mich beinahe vor Freude erdrückt, als sie erfuhr, dass ich jetzt fest mit Jebidiah zusammen bin.


Am Liebsten wäre es ihm, und auch mir und Cassy, wenn er ganz bei uns einziehen würde. Doch da er beruflich ständig auf Achse ist, ist das derzeit leider noch nicht möglich. Dafür freue ich mich immer umso mehr wenn er dann an seinen freien Tag hier ist.

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