Seasons Island Mysteries

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Beitrag  Chester am Fr Jan 18, 2013 10:54 am

In den nächsten Wochen gab es viel zu tun auf der kleinen Insel. Da niemand wusste, wann der Winter, wie man die kalte Schneezeit auch nannte, kommen und wie lange er dauern würde, mussten einige Vorbereitungen getroffen werden. Griselda arbeitete sich unentwegt durch alte Aufzeichnungen, um hilfreiche Informationen herauszufiltern. So musste die Insel täglich nach reifem Obst und Gemüse abgesucht werden, das haltbar gemacht und im Rathaus eingelagert wurde. Zudem wurde jeder Haushalt aufgefordert, einen Gemüsegarten anzulegen, um die Produktion zu steigern. An Griseldas Haus wurde ein sogenanntes Gewächshaus gebaut, in dem einige Pflanzen auch nach Wintereinbruch noch einen geschützten Raum zum Wachsen finden sollten, um die Versorgung mit Nahrungsmittel auch für längere Zeit zu gewährleisten.



Da es in den letzten 100 Jahren nicht übermäßig kalt auf Seasons Island geworden war, verfügten nur die ältesten Häuser über einen Kamin. Die neueren mussten nachgerüstet werden, und einige Haushalte würden mit dem Küchenofen auskommen müssen. Außerdem musste für wärmere Kleidung gesorgt werden, damit nicht erneut erfrorene Sims zu beklagen sein würden. Zu diesem Zweck wurde ein Einwohner mit dem Teleporter, der die kleinen und großen Inseln dieser Welt verband, entsannt.



Auf Seasons Island gab es keine Währung. Alles gehörte allen und jeder nahm sich das, was er zum Leben brauchte. So führten zwar alle ein einfaches, aber zumeist sorgloses Leben. Dies bezog sich allerdings nur auf Seasons Island. Wollte man etwas von anderen Inseln erwerben, musste man tauschen. Zum Glück gab es auf Seasons Island viele Steine, Samen und Mineralien, die auf anderen Inseln eher rar waren und deshalb gerne als Tauschgut akzeptiert wurden. So würde es auch möglich sein, den Lebensmittelvorrat für den Winter aufzustocken. Da man mit dem Teleporter nicht in Parallelwelten gelangte, war die Reise damit vergleichweise ungefährlich und wurde ohnehin häufiger genutzt, um Handel zu treiben und sich gelegentlich die Erfindungen der anderen Inseln zu eigen zu machen. Auf diese Weise erhoffte man sich auch, in naher Zukunft ein Gerät zur Stromproduktion auf die Insel zu holen. Doch momentan gab es andere Dinge, die Vorrang hatten.
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Beitrag  Chester am Fr Jan 18, 2013 10:59 am

Inmitten der hektischen Vorbereitungen blieb kaum Zeit, um den Tod von Esiriel Hex zu betrauern, der eines Morgens einfach nicht mehr aufwachte. Sein Enkel Xavi, der sich noch im Teenageralter befand, blieb allein zurück, was auf Seasons Island allerdings bedeutete, dass sich quasi jeder für ihn verantwortlich fühlte.

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Beitrag  Chester am Fr Jan 18, 2013 11:01 am

Tennessee ging es schnell sehr viel besser. Griselda versorgte sie mit Medizin, die sie selbst herstellte.



Obwohl es sehr eng war, blieb Tennessee noch eine Weile bei ihrer Familie wohnen. Während die anderen fast täglich die Schule besuchten (es handelte sich dabei tatsächlich um das kirchenähnliche Gebäude), machte sie den Haushalt und kümmerte sie sich nachmittags um den Gemüsegarten.

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Beitrag  Chester am Fr Jan 18, 2013 11:02 am

Das die anderen freiwillig zur Schule gingen, konnte sie nicht verstehen. Ebenso unklar war ihr, warum sie so eifrig an ihren ebenfalls freiwilligen Hausaufgaben arbeiteten, bei denen sie ihren Geschwistern häufig neugierig über die Schulter schaute.



"Warum gehst du eigentlich nicht selber zur Schule, Tennessee?" fragte ihr kleiner Bruder Ohio eines Tages genervt, als sie ihn wieder einmal durch penetrante Fragerei von seinen Hausaufgaben ablenkte. "Ich hab echt Besseres zu tun", entgegnete sie. " Hat mich schon in Nocturn genervt, dass man den halben Tag vorgeschrieben bekam, was man machen sollte. Das meiste hat mich null interessiert. Und wenn doch mal was Spannendes dabei war, wurde man gezwungen, mittendrin wieder aufzuhören, weil die Stunde zu Ende war. Das kann ich mir echt sparen." "Tenn?" Ohio sah sie resignierend an. "Was?" "Du solltest echt einfach mal hingehen."
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Beitrag  Chester am Fr Jan 18, 2013 11:04 am

Tennessee zog es jedoch vor, sich weiter mit der Insel vertraut zu machen. Sie half intensiv bei den Vorbereitungen auf den Winter und brachte ihr Häuschen am Meer wieder auf vordermann. Sie lebte nun schon seit einigen Wochen bei ihrer Familie. Die Katzen fehlten ihr und sie sehnte sich überraschenderweise nach der Einsamkeit am Meer.

Als sie sich endlich auf dem "Heimweg" befand, stellte sie erstaunt fest, dass sich die Natur um sie herum veränderte. Die Farben der meisten Bäume hatten von grün ins Orange, Rot oder Gelb gewechselt und viele dieser gefärbten Blätter fielen einfach ab.



Die Temperaturen waren in den letzten Wochen auch stark gesunken. Starben die Bäume etwa? Sie konnten doch nicht die ganze Insel in ein Gewächshaus verwandeln, damit die Pflanzen überleben konnten. Würden sie, wenn der Winter irgendwann vorüber war, wohlmöglich auf einer völlig kahlen Insel leben?
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Beitrag  Chester am Fr Jan 18, 2013 11:05 am

Zuhause angekommen, erwartete sie eine Überraschung. Griselda hatte hinter dem Haus einen Holzverschlag errichten lassen, in dem nun ein kleines Stutfohlen wohnte. "Kannst du dich darum kümmern, Liebes?" fragte sie. "Es wurde gefunden, wie es ganz allein über die Insel lief. Wir vermuten, dass es von den Wildpferden abstammt. Vielleicht ist die Mutter bei der Geburt gestorben. Du könntest es mit der Flasche aufziehen." Tennessee war sofort einverstanden. Sie kannte sich mit Pferden zwar nicht aus, hatte aber ein gutes Gespür für alle Tiere. Zudem hatte sie Barra, wie sie das Fohlen taufte, schon beim ersten Anblick in ihr Herz geschlossen.

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Beitrag  Chester am Sa Jan 19, 2013 9:23 am

Da das kleine Fohlen noch etwas schwächlich war, empfahl Griselda ihr, im Laden der Insel vorbeizugehen und nach einem Stärkungsmittel zu fragen. Mit gemischten Gefühlen machte sich Tennessee noch am selben Tag auf den Weg. Esiriel Hex, den sie bei ihrem letzten Besuch dort angetroffen hatte, war verstorben. Wer würde jetzt den kleinen Laden mit seinen merkwürdigen Zutaten führen. Fast erwartete sie, den Geist des alten Esiriel hinter der Theke zu sehen, doch sie wurde angenehm überrascht. Als sie die Tür öffnete und sofort wieder von den irritieren Düften eingenommen wurde, kam ein noch recht junger Mann freudestrahlend auf sie zu.




"Guten Tag!" Seine Stimme war tief, aber angenehm warm und ruhig. "Sie müssen Tennessee sein. Mein Name ist Hugo Pott." Er streckte ihr die Hand entgegen. Leicht verwirrt griff sie danach und sagte: "Hallo. Ja, ich bin Tennessee. Aber woher wissen sie das?" "Ihre Geschwister haben mir von ihnen erzählt. Einmal in der Woche unterrichte in der Schule. Falls die Schüler fragen zur Alchemie oder Zauberei haben." "Alchemie oder Zauberei...", hauchte sie ungläubig. "Ja", antwortete er freundlich. "Alchemie und Zauberei. Was haben sie denn gedacht, was das hier für ein Laden ist?" "A...Apotheke?" brachte sie mühsam hervor. Er lächelte freundlich. Oder mitleidig? "Nun, in gewisser Weise haben sie Recht, Tennessee. Viele Dinge der Alchemie dienen der Gesunderhaltung von Sim und Tier. Insofern ist dies hier wohl auch irgendwie eine Apotheke." Mit seiner Linken machte er langsam eine ausholende Geste, um seine Worte zu unterstreichen." Ich entnehme ihrem erstaunten Gesichtsausdruck, dass es in ihrer alten Heimat keine Alchemie gab..." "Hehe", lachte sie leise verlegen, was in ihren eigenen Ohren etwas dümmlich klang. "Chemie gab es, aber keine Al-Chemie. Und natürlich keine Zauberei." "Nun, die Zauberei beherrschen hier auch nur wenige. Um ehrlich zu sein habe ich in diesem Bereich momentan nur einen einzigen Schüler, Esiriels Enkel Xavi."



"Dafür muss man geboren sein. Man kann die Zauberei nicht lernen, man kann nur lernen, sie zu beherrschen. Aber die Alchemie ist für jedermann zugänglich und die Chemie, die sie kennen, ist sozusagen die Grundlagenwissenschaft hierfür. Verbinden sie diese mit einem Quäntchen Philosophie und sie bekommen eine Vorstellung davon, was Alchemie bedeutet." Sie nickte höflich, um zu zeigen, dass sie seine Ausführungen verstanden hatte, aber irgendwie blieb ihr schleierhaft, wie sie Chemie und Philosophie verbinden sollte. "Wenn sie meine Hand loslassen, kann ich ihnen gerne ein paar meiner Produkte zeigen."



Sie starrte hinunter auf ihre Rechte, die immer noch Hugo Potts Hand umklammerte, und zog sie schnell zurück. "Entschuldigung, ich... ich hatte gar nicht...", stammelte sie, doch er hatte sich schon umgedreht und kramte zwischen einigen Flaschen herum. "Griselda hat mir von dem Fohlen erzählt. Sicher wollen sie ein Stärkungsmittel für das Kleine haben." Er entschied sich schließlich für eine Flasche mit einer milchigen Flüssigkeit und hielt sie ihr hin. Sie nahm sie entgegen. "Ich hätte da auch noch...", er wühlte in einem der Bücherstapel auf dem Boden während er redete und zog schließlich ein sehr alt wirkendes Exemplar daraus hervor. "...dieses Buch für sie. Lesen sie darin, wenn sie Zeit und Lust haben, und schreiben sie ihre Gedanken dazu auf. Ich wäre begierig, sie zu lesen und mit ihnen zu besprechen." Es wäre wohl angebracht gewesen, überschwänglich zu lächeln oder wenigstens freundlich zu gucken, aber sie war noch immer verwirrt, stammelte ihren Dank und machte sich auf den Heimweg.
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Beitrag  Chester am Sa Jan 19, 2013 9:37 am

Unterwegs erntete sie noch ein paar Pflanzen. Mittlerweile wusste sie recht genau, wo und wann welches Obst oder Gemüse auf der Insel reif sein musste. Zuhause versorgte sie Barra und die Katzen. Dann setzte sie sich mit einem Brot und einem Tee in ihren Schaukelstuhl vorm Kamin und begann in dem alten Buch, dass Hugo Pott ihr gegeben hatte, zu lesen. Und während sie darin blätterte und las, stellte sich ihr irgendwann die Frage, ob nicht auch die Stellung der Gestirne und des Mondes Einfluss auf das Gelingen und die Qualität der Elixiere haben könnte. Sie nahm sich ein Blatt Papier und einen Stift und setzte sich an den Küchentisch, um ihre Gedanken aufzuschreiben.



Es musste schon weit nach Mitternacht gewesen sein, als sie es endlich schaffte, alles beiseite zu legen und ins Bett zu gehen. Doch in der Nacht stand sie immer wieder auf, um ihre Notizen erneut zu lesen und zu ergänzen. ,Ich wäre begierig, ihre Gedanken zu lesen und mit ihnen zu besprechen', ging es ihr unentwegt durch den Kopf. Hatte er das nur so gesagt, oder interessierte er sich wirklich für ihre Überlegungen. Dieser Gedanke versetzte sie so in kribbelnde Aufregung, dass sie die ganze Nacht keine Auge zutat und erst einschlief, als draußen die Sonne bereits aufging. Gegen Mittag wachte sie auf. Sie war ausgeruht, aber die Aufregung hatte sich kein bisschen gelegt. Schnell schnappte sie ihre Notizen und machte sich ohne Frühstück auf den Weg zum Alchimiegeschäft
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Beitrag  Chester am Sa Jan 19, 2013 9:57 am

Auf halbem Weg blieb sie abrupt stehen. Plötzlich erinnerte sie sich an ihren letzten Traum, in dem sie ebenfalls in den Laden gegangen war, um Hugo Pott von ihren Überlegungen zu berichten. Obwohl es ihr in ihrem Traum viel größer erschienen war als in Wirklichkeit, war das Geschäft voll mit Sims gewesen. Alle Einwohner, die sie von Seasons Island kannte waren dort, ebenso viele Freunde und Bekannte aus Nocturn Valley, unter anderem auch ihre Eltern. Sie hatte den Zettel herausgeholt und Hugo entgegen gestreckt, als Arizona plötzlich danach griff und ihn laut vorlas. Zunächst war es mucksmäuschenstill und alle lauschten gespannt. Dann hörte man leises Kichern und schließlich war der Raum von lautem Gelächter erfüllt. Arizona hielt sich den Bauch und konnte vor Lachen nicht weiterlesen. Tennessee senkte den Blick. Sie konnte nicht länger in diese lachenden Fratzen schauen. Da spürte sie einen warmen Händedruck und sah, dass ihre Finger in einer sehr männlich wirkenden Hand ruhten. ,Robin!' schoss es ihr sofort durch den Kopf, doch als sie der Hand zu dem dazugehörigen Gesicht folgte, blickte sie plötzlich in die braunen Augen Hugo Potts.



"Komm", flüsterte er und zog sie mit nach draußen. Sie gingen ein paar Schritte, dann stand sie plötzlich allein vor dem Schulgebäude, in dem Hugo Pott wohnte und klopfte laut pochend an die Tür. An mehr konnte sie sich nicht erinnern.
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Beitrag  Chester am Sa Jan 19, 2013 9:59 am

Mit gemischten Gefühlen setzte sie ihren Weg fort und stand kurze Zeit später vor dem Alchemiegeschäft. Beherzt öffnete sie die Tür. Erleichtert stellte sie fest, dass sich außer Mr. Pott niemand darin befand. Sie grüßte ihn freundlich und streckte ihm den Zettel entgegen. "Hier, falls sie es lesen möchten..."



"Wie ich sehe, haben sie ihre Hausaufgaben gemacht." Vorsichtig, fast ehrfürchtig nahm er ihr das Blatt aus der Hand. "Welche Hausaufgaben? Ich gehe doch nicht zur Schule. Das wissen sie doch." Ärgerlich schaute sie ihn an. "Ach ja, Entschuldigung. Das hatte ich für einen Moment vergessen." Sein Gesichtsausdruck war ernst, während er das Papier auffaltete, aber sie konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er sich amüsierte. Es war eindeutig ein Fehler gewesen, hierher zu kommen und zu denken, er würde sich wirklich für sie oder ihre Gedanken interessieren. Wenn er erst las, welche kindischen Überlegungen sie angestellte hatte, würde er kaum noch Luft bekommen vor lauter Lachen. Sollte er doch daran ersticken!!! Alchemie und Zauberei... wie hatte sie nur darauf hereinfallen können...

"Sie sind nicht nur hübsch, sondern, wie mir scheint, auch noch ausgesprochen klug," hörte sie ihn sagen. Ihr Herz rutschte ungefähr auf Höhe der Kniekehlen, obwohl sie es noch in ihrer Brust schlagen fühlte und zwar sehr heftig und zunehmend schneller. "Die Astronomie ist tatsächlich ein weiterer Aspekt der Alchemie. Ich wollte sie gestern nur nicht überfordern. Meine Anmerkungen zur Beteiligung der Philosophie schienen sie schon ein wenig zu irritieren. Aber wie ich sehe, stellen sie sich jeder Herausforderung. Was halten sie davon, wenn wir dem Schulgebäude einen Besuch abstatten? Ich würde ihnen dort gerne etwas zeigen."
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Beitrag  Chester am Do Jan 24, 2013 12:20 pm

Ein wenig überrascht willigte Tennessee ein und folge Hugo Pott zur Schule. Da der Nachmittag bereits begonnen hatte, waren kein Schüler mehr in dem Gebäude und Tennessee konnte sich die Räume in Ruhe ansehen. Genaugenommen handelte es sich nur um einen großen Raum, der als Klassenzimmer diente. Er unterschied sich sehr von den Unterrichtsräumen, die sie aus ihrer Schulzeit kannte. Zwar gab es auch hier Tische, an denen die Schüler sitzen und arbeiten konnten, aber sie waren nicht auf irgendeine Tafel ausgerichtet. Stattdessen waren sie dem übrigen Geschehen im Raum abgewandt, sodass es leichter fiel sich zu konzentrieren.



"Ich denke, die Schule in ihrer alten Heimat hat anders funktioniert als diese." Mr. Pott kramte einen kleinen Schlüssel aus seiner Jackentasche. "Ihre Geschwister berichteten mir davon, dass alle Schüler einer Klasse am selben Thema arbeiteten. Das kommt hier so gut wie nie vor, da schon die Kleinsten selber bestimmen, womit sie sich beschäftigen wollen. Anfangs sind sie natürlich meist ganz wild darauf, lesen und schreiben zu lernen. Einige sind auch besonders von Zahlen fasziniert und lassen alles, was mit Buchstaben zusammenhängt, erst einmal links liegen. Doch irgendwann treibt ihre natürliche Neugier sie dazu, in den Schriften etwas herausfinden zu wollen, beispielsweise welche Früchte unsere Haustiere auf keinen Fall fressen dürfen."

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Beitrag  Chester am Do Jan 24, 2013 12:23 pm

"Hier drüben haben wir einen Tisch für Experimente. Die Alchemie probiert nahezu jeder Schüler irgendwann einmal aus. Aber nur wenige gelangen hier zur Perfektion. Es wäre ja auch überflüssig, wenn alle das gleiche könnten."



"Wir sollten immer alle das gleiche können", warf Tennessee ein. " Nach Lust oder Interesse hat nie jemand gefragt. Am Ende eines Themas wurden wir meist abgefragt, was wir darüber wussten. Das war eigentlich der einzige Grund, warum wir überhaupt versucht haben, zu lernen, damit man bei den Tests nicht so blöd dasteht." "Das Wissen abzufragen erscheint mir durchaus sinnvoll, um herauszufinden, wo man ansetzen soll", erwiderte Mr. Pott. "Aber wenn ich sie richtig verstanden habe, wurde diese Abfrage am Ende durchgeführt. Welchen Zweck sollte das denn erfüllen?" Er schien etwas verwirrt. "Keine Ahnung." Tennessee zuckte mit den Schultern. "Ich denke, es war einfach eine Drohung, die unausgesprochen im Raum stand, damit man überhaupt bereit war, sich mit dem langweiligen Zeug auseinanderzusetzen. Wenn man in diesen Tests nichts wusste und auch nicht geschickt genug war, bei einem Mitschüler abzuschreiben, hat man schlechte Noten bekommen. Also keine Musiknoten, sondern Zahlen. Hatte man am Ende eines Jahres zwei schlechte Zahlen, musste man im nächsten Jahr alles noch einmal machen, auch das, was man schon konnte. Die Zahlen, die man am Ende der Schulzeit bekam, entschieden dann darüber, welche Berufe man lernen durfte. Um zum Beispiel Heiler zu werden, musste man alles können. Es reichte nicht, sich mit Biologie und Chemie auszukennen und lesen und schreiben zu können. Man musste auch in Simlisch bestimmte Geschichten gelesen haben, die der Lehrer bestimmte, und herausfinden, was der Verfasser sich dabei gedacht hat. Na ja, eigentlich musste man herausfinden, was der Lehrer dachte, was der Verfasser sich gedacht hatte."

Mr. Pott, der bei Tennessees Ausführungen über die Schule zunehmend verwirrter dreinblickte, schien nun zu verstehen. "Ah, das hört sich für mich ganz wie unser ,Wahrsagen' an. Aber momentan haben wir niemanden, der unsere Schüler in diesem Fach unterrichten könnte. Es gibt auch nur sehr selten Schüler, die die Fähigkeit besitzen sich in diesem Fach zu bilden. Es ist ein wenig wie mit der Zauberei, es muss angeboren sein. Aber in ihrer alten Heimat war es dann wohl sehr verbreitet. Das erklärt auch, warum der Orakelstein sie als Medium ausgewählt hat." Tennesee sah ihn sprachlos an. Wahrsagen? Doch dann musste sie grinsen. Wenn sie so darüber nachdachte, hatte er irgendwie Recht. Wie viel Zeit hatte sie erfolglos damit verbracht, herauszufinden, was die Lehrer eigentlich hören wollten.

Hugo Pott ergriff wieder das Wort. "Tut mir leid, dass ich sie unterbrochen habe. Erzählen sie bitte weiter. Was musste man außer Wahrsagen noch lernen, um die Erlaubnis zu erhalten ein Heiler zu werden?" "Man musste eigentlich alles können. Neben Mathematik und mehreren Sprachen, die aus irgendeinem Grund immer ganz wichtig waren, obwohl sie teilweise schon so alt waren, dass sie nirgendwo mehr gesprochen wurden, musste man künstlerisch und musisch begabt sein, sich mit Politik und Religion auskennen, sportlich sein und noch einiges mehr, sonst durfte man die Heilkunst gar nicht erst studieren." "Bei uns ist es wichtig, dass ein Heiler neben ausreichend Kenntnissen in der Alchemie vor allem Empathie besitzt. Wenn er sich gut in die Situation und die Gefühle des Kranken hineinversetzen kann, fällt es ihm leicht zu entscheiden, was dem Patienten hilft." Er grübelte einen Moment, dann fuhr er fort. "Es fällt mir zugegebenermaßen recht schwer, das Gesellschafts- und vor allem das Schulsystem ihrer alten Heimat zu verstehen, Aber ich werde sie gerne darin unterstützen, das unserige zu begreifen. Vielleicht setzen wir zu diesem Zweck die kleine Führung durch unsere Schule fort."
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Beitrag  Chester am Do Jan 24, 2013 12:28 pm

"Auch in unserer Schule kann man die Kunst der Malerei oder der Musik studieren, wie sie sehen."



"Wir regen die Schüler an, alles wenigstens einmal auszuprobieren. Für diejenigen, die Gefallen daran finden, folgt dann meist eine lange Zeit der freiwilligen intensiven Beschäftigung mit der Staffelei oder einem Musikinstrument und sie vollbringen wahre Meisterleistungen auf ihrem Gebiet. Doch es gibt auch Sims, die kein Interesse daran entwickeln und das Studium in diesen Bereichen sehr schnell aufgeben. Aber wenn man den Schülern nur genug Zeit lässt, entfaltet jeder früher oder später auf irgendeinem Gebiet eine besondere Fähigkeit, die er dann in die Gemeinschaft einbringt."
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Beitrag  Chester am Do Jan 24, 2013 12:29 pm

"Unsere Schüler arbeiten häufig auch in Gruppen. Es kommt oft vor, dass jemand eine Idee hat, die er nicht alleine umsetzen kann oder will. Dann sucht er sich Partner. Wenn der "Ideengeber" von seinem Projekt selber begeistert ist, fällt es ihm in der Regel auch nicht schwer, diese Begeisterung auf andere zu übertragen und eine Projektgruppe zu gründen. An diesem Tisch arbeiten übrigens gerade ihre Brüder gemeinsam mit Bloothy Rubino. Sie versuchen ein Gerät zu konstruieren, mit dem man Musik einfangen und wieder freilassen kann. So ganz habe ich es nicht verstanden, aber sie schienen es aus ihrer alten Heimat zu kennen."

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Beitrag  Chester am Do Jan 24, 2013 12:31 pm

"Und hier sehen sie sozusagen das Herz unserer Schule." Hugo Pott deutete auf eine Ecke des Raumes, in der mehrere unscheinbare Hocker zu einem Kreis aufgestellt waren.



"Das einzige, für alle verbindliche Fach ist ,Sprechen - hören - denken'. Es findet zu keiner bestimmten Zeit statt, sondern immer dann, wenn es ein Schüler ausruft. Hier haben sie Gelegenheit, ihre Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren. Hier entstehen Ideen, hier werden Lösungen erdacht. Schüler, die gerade einen wichtigen Schritt in ihrer Arbeit vollziehen, können sich aber durch die Gemeinschaft auf Antrag davon befreien lassen."
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Beitrag  Chester am Do Jan 24, 2013 12:34 pm

Hugo Pott hielt den Schlüssel hoch, den er nun schon eine zeitlang in der Hand hatte und wedelte damit. "Aber eigentlich wollte ich ihnen etwas anderes zeigen, Tennesse. Dazu müssen wir allerdings in den Turm hinauf." Er öffnete mit dem Schlüssel eine Tür, die Tennessee bisher noch gar nicht aufgefallen war, und hinter der sich eine Wendeltreppe verbarg. Gemeinsam stiegen sie die steilen Stufen hinauf. "Nachdem ich vorhin ihre Überlegungen zur Verbindung von Alchemie und Astronomie gelesen habe, dachte ich mir, das hier könnte sie interessieren."



"Ein Teleskop!" Tennessee war sofort fasziniert. "Warum ist es eingeschlossen? Haben sie Angst, es könnte gestohlen werden?" "Nein, Diebstahl kommt auf Seasons Island eigentlich so gut wie nie vor. Aber es kam gelegentlich zu ... unangenehmen Zwischenfällen während der Benutzung. Deshalb achten wir darauf, dass die Schüler nicht allein den Himmel erkunden. Da die Neugier manchmal stärker ist als der Verstand, halten wir das Teleskop unter Verschluss." "Schade." Tennessee zuckte enttäuscht mit den Schultern. "Der Himmel hätte mich schon interessiert." "Sie können jederzeit während der Öffnungszeiten der Schule vorbeikommen. Jeder Lehrer hat einen Schlüssel." Gemeinsam stiegen sie wieder hinab und Hugo Pott verschloss die Turmtür wieder sorgfältig. "Und wenn sie möchten kann ich ihnen auch gerne einmal nachts Zutritt verschaffen. Nie ist der Himmel so schön wie in der Dunkelheit."

Die Tür ging auf und ein Junge kam hereingestürmt. "Was machen Sie hier, Herkules" fragte Hugo Pott ihn freundlichen. "Ich hatte etwas vergessen, Mr. Pott", antwortete der Steppke, schnappte sich ein Buch von einem Tisch und stürmte wieder aus dem Gebäude, um die Straße hinunterzurennen.

"Sie siezen den Kleinen?" fragte Tennessee erstaunt. "Der ist doch höchstens 6." "In der Schule siezen wir uns immer. Das schafft eine gewisse Distanz, die für die Erörterung wissenschaftlicher Themen vonnöten ist. Persönliche Beziehungen sind sachlichen Disputen nur abträglich. Und so führen fachliche Meinungsverschiedenheiten auch anschließend nicht zu zwischensimlischen Konflikten. Wenn ich ihn nachher am Strand treffen sollte, ist er einfach nur Herkules, der mich fragt: ,Hugo? Zeigst du mir, wie man Steine übers Wasser schnippt?'" "Das heißt, wenn sie beispielsweise mit ihrer Frau über ein wissenschaftliches Thema sprechen, siezen sie sich?" "Anfangs taten wir das, ja." "Später nicht mehr?" hakte Tennessee nach. "Später nicht mehr. Das war...", er sah auf seine Hände. Die rechte drehte versonnen an einem Ring der linken. Er sah Tennessee wieder an und sagte mit fester Stimme: "Das war ein Fehler." "Was ist...", setzte Tennessee an. Doch Hugo Pott unterbrach sie. "Es wird Zeit, dass wir uns verabschieden. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Abend."
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Beitrag  Chester am Fr Jan 25, 2013 9:53 am

Als Tennessee einige Abende später aus dem Fenster sah, schien die Welt da draußen direkt ihrer Vision entsprungen zu sein.



Ein mulmiges Gefühl beschlich sie. Nun war es soweit. Der Winter hatte begonnen. Der erste Schnee ihres Lebens (und auch aller anderer Bewohner Seasons Islands) fiel und versteckte die Welt langsam unter einer eiskalten Decke.



Die Vorbereitungen der letzten Monate waren gut vorangegangen. Sie hatten einige Vorräte anlegen können. Darunter auch viele Steine, mit denen sie später auf anderen Inseln noch Lebensmittel ertauschen konnten, falls denn der Teleporter auch bei Schnee und eisigen Temperaturen funktionieren würde. Doch niemand wusste, wie lange der Winter anhalten würde. Griselda hatte in den alten Schriften gelesen, dass er das letzte Mal über 5 Jahrzehnte gedauert hatte. Würde Seasons Island diesmal wieder so lange unter dem Schnee ruhen? Oder gar noch länger? Niemand konnte es wissen oder auch nur eine Prognose abgeben.

Zudem war Jeromy Duvall, der schon vor Wochen mit dem Teleporter gereist war, um warme Kleidung, zusätzliche Lebensmittel und Baumaterialien zu ertauschen, noch nicht zurückgekehrt. Hatte er die begehrten Güter nicht bekommen können? Oder hatte er sich wohlmöglich entschlossen, dem Winter zu entfliehen und nicht zurückzukehren?

Sicher, sie hätten alle mit dem Teleporter fliehen können. Aber eigentlich wollte das niemand. Tennessee hatte sich schon oft gefragt, warum die Menschen aus erdbeben- und orkangefährdeten Gebieten nicht einfach wegzogen. Nun konnte sie es nur zu gut verstehen. Man verließ die Heimat nicht, solange es noch eine Chance gab. Hier auf Seasons Island hatte sich eine Gemeinschaft gebildet. Und auch wenn sie noch nicht so lange hier lebten und auch noch nicht jedermann kannten, waren sie und ihre Familie aufgenommen, gehörten wie selbstverständlich dazu, begriffen nun langsam die "Regeln", nach denen die Sims hier lebten. Niemand wollte weg. Und so harrte man aus und wartete hoffnungsvoll auf Jeromy Duvalls Rückkehr.
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Beitrag  Chester am Fr Jan 25, 2013 9:57 am

Tennessee schlang sich eine Decke um den Körper und setzte sich in den Schaukelstuhl direkt am Feuer. In dieser Nacht, der ersten des Winters, würde sie garantiert kein Auge zutun. Während draußen die dicken Schneeflocken zur Erde rieselten, dachte sie an Robin und Arizona, die sich aneinanderkuscheln konnten, um sich zu wärmen. Würden sie umgekehrt auch nur einen Gedanken an sie verschwenden? Sich vorstellen, wie sie allein hier in der Kälte ausharrte?

Griselda pflegte eine enge Beziehung zu Wolf Gang. Sie hatte ihr erzählt, dass er die ersten Wintertage bei ihr verbringen würde, bis man sich etwas an das "neue Leben" gewöhnt hatte.



Tennessee musste auch an Hugo Pott denken. Sie stellte ihn sich vor, wie er auf einem dicken Teppich vor dem Kamin saß und eine Frau liebevoll im Arm hielt und wärmte. Seine Frau. Tennessee war ihr nie begegnet. Die Insel war klein und es gab nur wenige Einwohner, trotzdem kannte sie scheinbar noch nicht alle. Es gab zwar einen kleinen Festplatz in der Mitte der Insel, doch seit sie hier angekommen waren, hatte es noch keine Feier gegeben. Zu beschäftigt waren alle mit den Vorbereitungen auf den Winter gewesen. Hatte Hugo Pott eigentlich Kinder? Unwillkürlich drängte sich ihr das Bild auf, wie er eine ihr fremde Frau an die Hand nahm, sie zärtlich küsste und auf ein Bett zog. Während ihre Hände unter sein Hemd glitten, waren ihre Lippen noch immer aufeinander gepresst. Sie konnte nicht umhin, sich vorzustellen, sie selbst sei diese Frau. Gerade, als der Austausch von Zärtlichkeiten immer intensiver wurde und sie begann ein schlechtes Gewissen deshalb zu bekommen, wurde sie durch ein lautes Klopfen aus ihren Gedanken gerissen.

Schnell schälte sie sich aus der Decke, um nachzusehen, wer sie besuchte. Ihr war ohnehin etwas warm geworden bei den ungewohnten Gedanken und sie spürte, wie ihr zudem die Röte ins Gesicht stieg, als sie hoffte und zugleich befürchtete, es könnte Hugo Pott sein, der (durch väterlich-beschützende Gefühle natürlich) zu ihr kam, um sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. Als sie nach der Türklinke griff, hatte sich diese Unsicherheit fast in Panik gewandelt. "Lass es nicht Hugo Pott sein", betete sie in Gedanken und wäre am liebsten schon jetzt im Erdboden versunken. Mit zitternden Knien öffnete sie die Tür. Vor ihr stand nicht Hugo, sondern Robin, was ungefähr genauso schlimm war. "Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht, Tenn", sagte er leise. "Geht es dir gut?" Sie wusste nicht, was sie antworten sollte und schwieg. "Erst jetzt, wo ich solche Angst hatte, du könntest hier erfrieren, habe ich gemerkt, wie sehr ich dich liebe." Er nahm ihre Hand. "Komm, ich trage dich nach Hause", flüsterte er und hob sie hoch.



Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und flüsterte ebenfalls: "Ich liebe dich auch."
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Beitrag  Chester am Sa Jan 26, 2013 9:59 am

Während er sie durch den knietiefen Schnee trug und ihr Herz vor Glück zu zerspringen drohte, merkte sie, wie sich langsam die Kälte in ihren nur sommerlich bekleideten Körper schlich, obwohl sie sich eng an Robin schmiegte, der sie scheinbar schon seit Stunden unermüdlich durch den Schnee trug, ohne auch nur die leisesten Ermüdungserscheinungen zu zeigen. An Hugo Pott verschwendete sie keinen Gedanken mehr. Bis sie seine Stimme vernahm, die laut nach ihr rief. "Tennessee?!" In der Nähe rumpelte etwas. "Tennessee?! Sind sie zuhause? Antworten sie bitte, wenn sie da sind!" Die verschneite Welt um sie herum löste sich langsam auf. Sie öffnete die Augen und stellte fest, dass sie sich noch immer in ihrer Hütte befand. Die Decke war zu Boden geglitten und das Feuer im Kamin erloschen.



Noch während sie versuchte, sich zurecht zu finden, wurde die Tür langsam geöffnet und Hugo Pott streckte seinen Kopf herein. Als er Tennessee sah, deren Beine über der Armlehne des Schaukelstuhls hingen, die Arme liebevoll die Rückenlehne umschlingend, musste er grinsen. "Hat der junge Mann auch einen Namen?" fragte er belustigt und deutete dabei auf den Schaukelstuhl.

Unwillkürlich stiegen die Bilder ihres Traumes wieder auf. Es war allerdings vor allem der Teil vor Robins Ankunft, der ihr die Röte ins Gesicht trieb. "Ich bin eingeschlafen und das Feuer muss wohl ausgegangen sein", erklärte sie überflüssigerweise, während sie aufstand. "Da ist der Schaukelstuhl aber nicht der richtige Partner, um sie zu wärmen", erwiderte er, hob die Decke vom Boden auf und legte sie ihr um die Schultern.
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Beitrag  Chester am Sa Jan 26, 2013 10:03 am

"Sie müssen während des Winters unbedingt darauf achten, dass der Kamin in der Nacht nicht ausgeht. Ich werde ihnen ein magisches Feuer entzünden. Das brennt wesentlich länger als ein Holzscheit. Aber es muss auch nach ein paar Tagen erneuert werden." Er drehte sich zum Kamin und schwang seinen Holzstab. Sofort prasselte wieder ein warmes, gemütliches Feuer darin.



"Vielen Dank." Ihre Stimme zitterte vor Kälte, als sie sich neben ihn vor den Kamin stellte und die Hände wärmeheischend den Flammen entgegenstreckte. Ein wohliges Kribbeln durchflutete sie, aber Tennessee war nicht sicher, ob es der Wärme des Kamins entsprang oder Hugo Potts Nähe zuzuschreiben war. "Ich werde ab und zu vorbeikommen und das Feuer neu entfachen", erklärte Hugo, während Tennessee darüber nachzudenken begann, ob ihm die Zweideutigkeit seiner Worte bewusst war. "Falls es doch ausgeht, scheuen sie sich nicht, mir oder Griselda Bescheid zu geben. Ich muss jetzt leider in den Laden. Wenn die Leute unsicher sind, decken sie sich gerne mit den verschiedensten Mittelchen ein. Kommen sie zurecht?" "Ja klar. Gehen sie ruhig", antwortete sie, obwohl sie das Gefühl hatte, als würde sie jeden Moment ohnmächtig werden. Aber dieser Zustand schien durch seine Anwesenheit nur verschlimmert zu werden.

Er schlug den Kragen seines Mantels hoch und eilte hinaus. Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, konnte sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Die weichen Knie gaben nach und sie ließ sich auf den Boden sinken. Tennessee war mental völlig erschöpft und begann, hemmungslos zu schluchzen. Die Gedanken wirbelten unkontrolliert durch ihren Kopf. Das Glück, das sie in ihrem Traum mit Robin erlebt hatte, die Enttäuschung beim Erwachen, Hugo, der gekommen war, um nach ihr zu sehen, seine starke Präsenz, die sie kaum noch klar denken ließ, wenn er auftauchte. Robin, den sie schon so viele Jahre liebte. Sie hatte immer gespürt, dass er auch etwas für sie empfand, aber scheinbar liebte er Arizona mehr als sie. Und Hugo war verheiratet. Sein leiser Spott und seine liebevolle Fürsorglichkeit machten es nicht leichter, sich ihrer Gefühle für ihn klar zu werden.
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Beitrag  Chester am Sa Jan 26, 2013 12:29 pm

An diesem Tag konnte sie nicht mehr viel Energie aufbringen und verließ sie das Haus nur kurz, um die Tiere zu versorgen. Doch am nächsten Morgen hatte sie sich nach einer, wie ihr schien, traumlosen Nacht wieder von dem Durcheinader ihrer Gefühle erholt. Sie hatte beschlossen, dass es keine Rolle spielte, ob sie Robin oder Hugo liebte oder beide, denn sie waren bereits vergeben.

Statt darüber nachzudenken, ob Hugo Pott nur aus Pflichtgefühl bei ihr vorbeigekommen war und ob sie sich von ihm nur Schutz versprach oder etwas ganz anderes wollte, was fast anzunehmen war, wenn man bedachte, wie sie sich vorgestellt hatte, sie sei die Frau unter seinem Kuss, seinen Händen, seinem Körper ... Verdammt! Es ging schon wieder los. Sie konnte einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken, solange sie sich selbst hier im Haus einsperrte.

In der Nacht hatte es aufgehört zu schneien und die Sonne brachte die dicke Schneedecke zum Glitzern. Obwohl sie nicht die richtige Kleidung für diese winterlichen Temperaturen besaß, machte Tennessee sich auf den Weg ins Dorf. Unterwegs begegnete ihr Milena auf einem merkwürdigen Gefährt, die auf dem Weg in die Schule war.



Natürlich, alle ihre Geschwister würden jetzt in der Schule sein oder auf dem Weg dorthin. Auch Griselda war heute in der Schule anzutreffen, wo sie Dienstags immer alle Fragen zur Botanik beantwortete. Und Hugo Pott wäre ganz sicher auch nicht der richtige Ansprechpartner für ihr derzeitiges Dilemma. Kurz kam ihr der Gedanke, die Schule sei vielleicht doch ein guter Ort, um sich abzulenken. Aber stattdessen machte sie sich lieber auf den Weg zum Festplatz.
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Beitrag  Chester am Sa Jan 26, 2013 12:32 pm

Er war simsleer und so nutzte sie die Gelegenheit des unbeobachteten Augenblicks, sich wie ein Kind auf der Schaukel zu vergnügen.



Die Bewegungen beruhigten sie. Je höher und länger sie schwang, umso freier wurde der Kopf von den zermürbenden Gedanken.

"Hi, Tenn!" hörte sie Robins Stimme. Blitzschnell sprang sie von der Schaukel und landete in einer Schneewehe. "Was machst du hier?" Welch blöde Frage, hatte er nicht gesehen, dass sie geschaukelt hatte. "Die Frage ist doch wohl eher, was du hier machst", gab sie zurück und klopfte sich den Schnee vom Kleid. "Müsstest du nicht in der Schule sein?" " Hab mir heute selber frei gegeben", antwortete Robin. "Ich wollte ein bisschen nachdenken." "Ich dachte, zum Denken ist die Schule da", versuchte sie ihn zu provozieren. Tennessee verspürte eine Aggressivität gegenüber Robin, die sie eigentlich nicht wollte, aber auch nicht abstellen konnte, obwohl er irgendwie geknickt aussah. "Ich wollte alleine sein, um mir über ein paar Dinge klar zu werden." "Na, dann ist hier wohl nicht der richtige Ort. Hier bin nämlich ich schon", warf sie ihm schnippisch an den Kopf. "Was ist denn los mit dir? Du bist genauso schlecht gelaunt wie deine Schwester." Mit gesenktem Kopf ging er ein paar Schritte und kickte dann eine dicke Schneewehe auseinander. "Tut mir leid", lenkte sie ein. "Also was ist los?" "Na ja, ich habe bald Geburtstag, wie du weißt. So langsam müsste ich mir überlegen, was ich mit meinem Leben anfangen will." "Warum besprichst du das nicht mit Arizona?" "Sie ist komisch in letzter Zeit. Launisch. Keine Ahnung."

Robin vertraute sich ihr an, weil er Probleme mit Arizona hatte? Das musste wieder ein Traum sein. Schnell kniff sie sich ins Bein. "Autsch!" Nein, definitiv kein Traum. "Was ist los?" fragte Robin erschrocken. "Ach, mich hat nur irgendwas gestochen", log sie schnell. "Gestochen? Bei den Temperaturen? Diese Insel ist merkwürdig. Ich wünsche mir oft, wir wären noch in Nocturn. Dann wäre Vieles einfacher. Mr. Nocturn würde mir schon sagen, was ich machen soll und ich könnte mir diese ganzen Überlegungen sparen."

"Du meinst, er würde dir befehlen, was du machen sollst." Sie legte ihm vereinnahmend die Hand auf die Schulter. "Robin, ab morgen arbeiten sie als Tigerfutter", machte sie die zischelnde Stimme des Mannes nach, mit dessen Hilfe sie hierher gelangt waren. Robin musste lachen. "Komm, wir bauen uns einen Mr. Nocturn aus Schnee. Vielleicht spricht er zu dir...", schlug Tennessee vor und begann eine Schneekugel zu rollen, die den unteren Teil des Körpers bilden sollte. Robin tat es ihr gleich und sie waren den Rest des Vormittags damit beschäftigt, unbeschwert im Schnee herumzualbern.

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Beitrag  Chester am Sa Jan 26, 2013 12:38 pm

Gegen Mittag verabschiedeten sie sich von einander. Tennessee beschloss, noch bei Griselda vorbeizuschauen. Sie war von der Schule zurück und arbeitete gerade im Gewächshaus, in dem sie auch ein paar Bienen hielt, die hervorragenden Honig produzierten.



"Ich habe dich schon gesucht", verkündete Griselda erfreut. "Jeromy ist heute mit der Lieferung eingetroffen. Er hat für den Rückweg nicht den Teleporter genommen, weil er so viel zu transportieren hatte, sondern ein Schiff angeheuert. Er hat jede Menge Glas für Gewächshäuser besorgt. Du solltest unbedingt im Rathaus vorbeischauen. Dort bekommst du warme Sachen. Er hat auch Eisschuhe mitgebracht. Damit kann man angeblich im Winter über das Wasser fahren."

Das war mal wirklich eine gute Nachricht. Die Informationen machten Tennessee zu neugierig, um Griselda bei der Arbeit im Gewächshaus zu helfen. Nachdem sie sich kurz aufgewärmt hatte, verabschiedete sie sich schnell wieder und stapfte durch den kniehohen Schnee zum Rathaus.
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Beitrag  Chester am So Jan 27, 2013 11:23 am

Es war ausgerechnet Hugo Pott, der damit beschäftigt war, im Rathaus einige der Wintersachen an die Bewohner Seasons Islands zu verteilen. Erfreut hielt er Tennessee ein paar lange Hosen und eine Jacke aus Kuhfell hin. Mit entsprechendem Gesichtsausdruck nahm sie die Sachen entgegen. Auf eine Art, die sie an den alten Esiriel Hex erinnerte, neigte er den Kopf zu ihr und flüsterte in verschwörerischem Ton: "Ich weiß, die werden ihrer Schönheit nicht gerecht. Aber sie wärmen gut. Dem Schaukelstuhl mag es egal sein, ob sie zu einem Eisklotz frieren, aber falls sie mal einen Mann aus Fleisch und Blut umarmen sollten, wird er bei diesen Temperaturen froh um jedes Grad Körperwärme sein." Jetzt wurde ihr richtig warm, schon bevor sie die Sachen anhatte. Mit hochrotem Kopf eilte sie in den Nebenraum, um die neuen Klamotten anzuprobieren. Sie passten und waren warm, mehr aber auch nicht. Sie ließ die Sachen gleich an und erbat sich bei Jeromy Duvall noch ein paar Eisschuhe, von denen ihr Griselda erzählt hatte. Dann machte sie sich wieder auf zum Festgelände, um sie dort zu testen.



Es war nicht ganz leicht, sich auf den Dingern fortzubewegen und der eigentliche Sinn erschloss sich ihr nicht so ganz. Man konnte zwar mühsam von einer Seite des Teiches auf die andere gelangen, aber im Schnee und auf eisfreiem Boden waren sie gar nicht zu gebrauchen.


Zuletzt von Chester am So Jan 27, 2013 11:35 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Beitrag  Chester am So Jan 27, 2013 11:26 am

Tennessee versuchte gerade, mit staksenden Schritten wieder den Rand zu erreichen, als sie Robins Stimme zum zweiten Mal an diesem Tag erschreckte. "Hi, Tenn!" Ein bekanntes Kribbeln durchfuhr ihren Körper. Aber es war anders als das, was sie noch am Vortag verspürt hatte, als sie neben Hugo Pott am Kamin gestanden hatte. Dieses Kribbeln kannte sie schon seit dem Schulalter und es verhieß nichts Gutes. Noch bevor sie sich unter Kontrolle bringen konnte, verwandelte sie sich in ihre Puppenform, eine Besonderheit, die sie und ihre Geschwister von ihrer Mutter geerbt hatten und wegen der sie gezwungen gewesen waren, Nocturn Valley zu verlassen.



Robin wusste davon und hatte dieser Verwandlung schon oft beigewohnt. Doch als Teenager war es ihr ausgesprochen peinlich, fast so, als würde man sich im Beisein eines Anderen in die Hose machen. Sie gab Gas und versuchte, sich so schnell wie möglich zu verstecken, was zur Folge hatte, dass sie ausrutschte und auf ihrem Po landete. Zumindest sorgte der Sturz dafür, dass sie sich blitzschnell zurückverwandelte. Robin, der auch Eisschuhe trug und ihr zu Hilfe eilen wollte, kam ebenfalls ins Schlittern und schlug der Länge nach hin.



Tennessee befand, dass das mindestens genauso peinlich war. Als Robin den Kopf vom Eis hob und sie ansah, mussten beide lachen.
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