Fiary Rainbowcy

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Di Nov 08, 2016 6:01 pm

Einige Drinks später, schlug ich vor nach nebenan zu gehen und etwas Shuffleboard zu spielen. Sie willigte ein und so vergnügten wir uns dort eine Weile. Und die ganze Zeit dachte ich, wie gut die Chemie zwischen uns stimmte. So sehr, dass ich alle Warnungen meiner Mutter in den Wind blies. Nach dem dritten Spiel legte ich lachend den Arm um sie und – ich wusste nicht genau, was mich dazu brachte – küsste sie.



Es war sicher nicht das erste Mal, dass eine gemeinsame Nacht mit einem solchen Kuss angefangen hatte und normalerweise hatte ich mit dieser Taktik gute Erfahrungen gemacht. Andere Simas hatten nur zu willig den Kuss erwidert. Darum überraschte mich Rubinias Reaktion umso mehr. Sie stieß mich heftig von sich und ohrfeigte mich so kräftig, dass ich für einen Moment die Sterne tanzen sah. „Du denkst wohl du kannst jede haben!“, fuhr sie mich an und sah mich angewidert an.
„Beruhige dich doch“, flehte ich. „Ich dachte, wir würden uns gut verstehen und...“
„Es gibt ja wohl noch ein paar Stufen zwischen 'gut verstehen' und 'flirten'“, gab sie unvermindert laut und verärgert zurück. Und damit drehte sie sich auf dem Absatz um und stolzierte hoch erhobenen Hauptes davon. Ich blieb noch eine Weile wie angewurzelt stehen, dann schüttelte ich den Kopf. „Simas“, murmelte ich verständnislos.

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 16, 2016 5:40 pm

Kapitel 3

Ich vergass Rubinia schnell wieder. Sie war nur eine Sima unter vielen, die mich abgelehnt hatte, und nach der ersten Verblüffung, tat ich es schnell ab und dachte nicht weiter daran. Wie versprochen hatte ich meiner Schwester den Briefumschlag mit den Fotografien übergeben und die Gelegenheit genutzt, ein Spaziergang durch den Park mit ihr zu unternehmen, bevor sie wieder den Mannschaftsbus bestieg und zurückfuhr. Meine Mutter hatte sich am nächsten Tag gemeldet und bedankt und sich ausnahmsweise nicht über mich beschwert. Ich schloss daraus, dass Rubinia ihr bisher nicht erzählt hatte, dass ich sie geküsst hatte. Ich selbst würde heute ebenfalls verreisen. Ich hatte eine Promo-Tour vor mir, direkt gefolgt von Dreharbeiten in der Saribik. Die nächsten Monate vergingen wie im Flug. Ich bewegte mich ständig zwischen Dreharbeiten, rotem Teppich und Fernsehinterviews und wieder zurück ins Studio zu Dreharbeiten. Bei den Dreharbeiten zu dem dritten Film in dieser Periode lernte ich Scarlett kennen. Sie war eigentlich hauptsächlich Model, aber wie so viele übernahm sie gelegentlich auch kleinere Rollen in Filmen. Dieser Film war ihre erste größere Rolle und als meine Filmpartnerin schlug sie sich ganz hervorragend. Es mochte daran liegen, dass es gar nicht lange dauerte, bis wir ein Paar wurden.



Ebenso wie ich wohnte sie auch in Bridgeport, aber bei meinem Terminkalender war es kein großes Wunder, dass wir uns bisher nie über den Weg gelaufen waren. Es gefiel mir, mit Scarlett auszugehen. Sicher, sie konnte eine snobistische Diva wie aus dem Buche sein, aber dafür war sie im Bett eine echte Kanone.



Mit ihr konnte ich mich auch im Gegensatz zu meinen flüchtigen Bekanntschaften gut auf dem roten Teppich zeigen. Sie kannte das Einmaleins des Stardaseins in und auswendig. Sie wusste, wie sie sich zu kleiden hatte, wie sie auf Fotos posieren musste, wie man Journalisten antwortete, ohne ihnen mehr zu sagen, als man sie wissen lassen wollte. Sie störte sich auch nicht daran, wenn ich ihr in den Wochen, in denen wir uns nicht sahen, gelegentlich untreu wurde. Kurzum: Sie war die perfekte Partnerin für mich und das sah die Presse auch so.

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Kapitel 4

Beitrag  singingmiri am So Jun 18, 2017 3:09 pm

Lange hielt dieses Glück nicht an. Je länger wir zusammen waren, desto mehr störten mich Scarletts ständige Diva-Anfälle. Hatte ich sie zu Beginn noch als amüsant abgetan, fand ich sie bald nur noch anstrengend. Natürlich war sie nach wie vor die perfekte Begleiterin, aber kaum waren wir allein, fing sie an zu meckern. Meistens darüber, dass ich so viel unterwegs war und sie wochenlang nicht sah. Ich fing bald wieder an, alleine auszugehen (was der Presse nicht entging) und das schien sie noch mehr auf die Palme zu bringen. Noch schlimmer war jedoch, dass sie nach wenigen Monaten Beziehung anfing anzudeuten, dass ihr eine bloße Beziehung nicht genug war und dass sie sich eine Traumhochzeit wünschte. Der bloße Gedanke erfüllte mich mit Schrecken. Zunächst hielt ich sie vage hin, aber natürlich redete ich mit einer Sima, die jeden Kniff kannte, wie man der Presse entkam. Ich konnte sie nicht lange täuschen, dass ich es im Grunde nicht ernst mit ihr meinte. Es war eine Erleichterung, als ich nach einem knappen Jahr die Beziehung beendete. Daraufhin machte sie mich gründlich vor der Presse schlecht. Ich hatte mir jedoch den ein oder anderen Kniff bei ihr abgeschaut und mithilfe meines Managers gelang es mir den Schaden zu begrenzen. Scarlett verschwand von der Bildfläche und lange interessierte sich niemand mehr für sie.



Ich war zufällig gerade in Bridgeport als ich die Nachricht erhielt, dass mein Vater im Sterben lag. Ich sagte meine Termine ab und flog sofort nach Hause. Ich war lange nicht mehr Zuhause gewesen. Meine Besuche, seit ich Filmstar geworden war, waren sehr selten geworden. Ich kam mir fremd vor, als ich wieder in meinem alten Zimmer auf dem Bett lag und ein Nickerchen hielt. Das Haus war voller Erinnerungen und trotzdem fühlte ich mich nicht mehr Zuhause.



Mein Vater starb schon am nächsten Nachmittag. Vormittags hatten wir uns lange unterhalten. Er hatte mich gebeten mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen und vor allem für meine Mutter da zu sein, wenn er fort war. Ich versprach es. Wie konnte man einem Sterbenden einen Wunsch abschlagen? Zumal mein Vater Recht hatte, wenn er sagte, dass ich mich nicht wie ein Familienmitglied verhalten hatte. Er warf mir nicht meinen Lebensstil vor, er verlangte nicht, mich von Grund auf zu ändern. Er wollte nur, dass wir zusammenhielten. Mir wurde klar, wie sehr ich ihn vermissen würde und plötzlich tat es mir Leid, dass ich so wenig Zeit hier verbracht hatte.

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Kapitel 5

Beitrag  singingmiri am Mi Jun 21, 2017 4:18 pm

Ich hielt Wort. Nach der Beerdigung blieb ich einige Zeit in meinem Elternhaus, um meiner Mutter zur Seite zu stehen. Ich reduzierte die Zahl meiner Termine auf ein Minimum, nahm keine neuen Rollenangebote an. Die Angebote, die ich bereits unterschrieben hatte, erfüllte ich, aber ich sorgte dafür, dass in meiner Abwesenheit immer einer meiner Geschwister Zuhause war. Seit dem Tod meines Vaters hatte meine Mutter, die immer so vor Energie gesprüht hatte, kaum noch Antrieb. Sie aß mechanisch, was man ihr vorsetzte, aber sie kochte nie selbst. Bisher hatte das immer mein Vater getan. Ich wusste nicht, ob sie es nicht konnte, oder ob sie in der Küche von Erinnerungen eingeholt wurde. Vermutlich beides, dachte ich. Tante Ginny hatte mir mal erzählt, dass meine Mutter noch nie in ihrem Leben gekocht hatte. Vielleicht übertrieb sie damit etwas, aber ich hatte sie tatsächlich noch nie Kochen sehen. Das hatte immer mein Vater übernommen. Ihre Teilnahmslosigkeit machte meinen Geschwistern und mir Angst. Sicher wollte sie nicht einfach aufgeben und sterben... oder?



Ich grübelte, wie ich meine Mutter aus ihrer Lethargie reißen konnte, während wir gemeinsam aßen. Mechanisch aß sie Gabel für Gabel. Ich bezweifelte, dass sie überhaupt bemerkte, was sie aß. Nicht, dass das Essen, das ich gekocht hatte, außergewöhnlich gut schmeckte. Dem Vergleich mit dem Essen meines Vaters würden meine Kochkünste nie standhalten, aber ich fand ich hatte schon Fortschritte gemacht, nicht zuletzt, weil Akelei mir das ein oder andere gezeigt hatte.
Ich wollte eben einen neuen Versuch starten, meine Mutter in ein Gespräch zu verwickeln (bisher fruchtlose Bemühungen, mehr als einsilbige Antworten bekam ich für gewöhnlich nicht), als es an der Tür läutete. Ich wischte mir den Mund ab und ging zur Haustür.



Vor der Tür stand die letzte Person, die ich erwartet hatte. Einen Augenblick war ich sprachlos, dann fiel mir auf, dass sie nicht allein war.
„Darf ich?“, fragte Scarlett schnippisch und trat ohne eine Antwort abzuwarten über die Schwelle.
„Was tust du hier?“, fragte ich verwundert und verärgert über ihr Auftauchen.
„Ich bringe dir deine Tochter“, gab sie bissig zurück.
„Bitte was?“ Ich sah sie entsetzt an.
„Deine Tochter“, wiederholte sie so langsam als sei ich schwer von Begriff. „Es ist an der Zeit, dass du dich um sie kümmerst.“
„Du willst mir ein Kind unterjubeln? Woher soll ich wissen, dass das wirklich von mir ist?“ Ich verschränkte die Arme.
„Du kannst einen Vaterschaftstest machen, wenn es dir nicht genügt, wie ähnlich sie dir sieht“, gab sie verächtlich zurück.
„Aber sollte ein Kind nicht bei seiner Mutter bleiben?“, versuchte ich zu argumentieren.
Scarlett fuhr auf: „Das hättest du wohl gerne! Du schwängerst mich, muss ich das Balg austragen und soll dann auch noch meine Karriere an den Nagel hängen, um es großzuziehen! Und du hast so viel Geld, dass es gar kein Problem ist, wenn du nicht arbeitest.“ Das Kind in ihren Armen erwachte von ihren lauten Worten und begann ungnädig zu schreien.
„Du glaubst, du kannst sie mir einfach anhängen?“, gab ich laut zurück, um das Geschrei zu übertönen.
„Es ist mir egal, was du mit ihr tust!“, schrie sie mich an. „Wenn du sie nicht willst, gib sie in ein Heim oder frag deine Mutter, ob sie es großzieht. Ich jedenfalls will sie nicht.“ Und damit drückte sie mir das schreiende Bündel in die Arme und verließ eilig das Haus.


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Kapitel 6

Beitrag  singingmiri am Sa Jul 01, 2017 10:32 am

Ich stand wie vom Donner gerührt da und starrte ratlos auf die Tür, durch die Scarlett gerade verschwunden war. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Zu sagen, dass ihre letzten Worte mich schockiert hatten, wäre eine glatte Untertreibung. Ich war mehr als das – ich konnte kaum fassen, zu was meine Exfreundin fähig war. Nachdenklich sah ich auf das kleine Würmchen in meinen Armen herunter. Während unserer Auseinandersetzung hatte sie wie am Spieß gebrüllt, aber nun sahen mich große, tränennasse Augen an. Ob sie wohl spürte, dass ihre Mutter sie verstoßen hatte? Ob sie fürchtete, dass ich dasselbe tat? Ich wischte den Gedanken beiseite. Sie war noch ein Baby! Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb durchwogte mich unerwartet eine Welle des Mitleids für das kleine Ding, das keiner wollte und nichts dafür konnte, das es existierte. Und ich wusste, dass ich sie nicht weggeben konnte, auch wenn ich ein wenige Wochen altes Baby nun wirklich nicht gebrauchen konnte.



„Deins, nehme ich an?“, fragte meine Mutter hinter mir. Ich hatte nicht bemerkt, dass sie unsere Auseinandersetzung mitangehört hatte, obwohl nach dem Geschrei vermutlich auch der letzte in der Stadt wusste, dass ich Vater war. Vater! Meine Knie wurden ganz weich und für einen Moment fürchtete ich, dass ich das Kind fallen lassen würde. Aber der Moment der Schwäche verging und ich drehte mich langsam zu meiner Mutter um.
„Sie hat sie mir einfach in den Arm gedrückt und ist gegangen. Sie will nichts mit ihr zu tun haben“, antwortete ich immer noch fassungslos.
„Was für eine reizende Person“, bemerkte meine Mutter sarkastisch und in diesem Moment klang sie wieder, als wäre sie ganz die Alte. In ihre Augen kehrte ihr altbekanntes Funkeln zurück. „Herzlichen Glückwunsch“, setzte sie noch dazu.
Ich widerstand mühsam dem Impuls ihr das Baby in die Arme zu drücken, ebenso wie Scarlett es eben bei mir getan hatte, und das Weite zu suchen.



Meine Mutter schien zu ahnen, was in meinem Kopf vorging. „Glaub ja nicht, dass du das auf mich abwälzen kannst“, warnte sie.
„Komm schon, Mama. Sie braucht jemanden und sie kann doch nichts dafür!“
„Ach – und ich schon? Nein, nein. Das kommt gar nicht in Frage. Die Suppe hast du dir eingebrockt, nun löffel sie auch aus.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich schluckte schwer und sah auf das Kind – mein Kind - herunter. „Ich kann das nicht“, meinte ich schließlich jämmerlich. „Ich habe keine Ahnung, wie man ein Baby versorgt und ich habe einen Job, der mich wochenlang außer Haus sein lässt. Ich kann mich nicht um sie kümmern.“
„Dann gib sie doch weg“, schlug meine Mutter gleichmütig vor.
Ich sah sie entsetzt an. Was war nur in die Simas der Welt gefahren? Ich schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht.“
Sie seufzte erleichtert. „Nun gut. Dann lass uns Pläne machen.“
Ich sah sie irritiert an. „Du hast das gar nicht ernst gemeint, dass wir sie weggeben?“
Sie stemmte grinsend die Arme in die Seiten. „Für wen hältst du mich? Du glaubst doch nicht, dass ich mein Enkelkind aus dem Haus werfe!“ Damit ging sie zurück in die Küche. Ich sah ihr ungläubig hinterher. Es schien fast, als würde das kleine Würmchen sie aus ihrer Lethargie reißen.

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Kapitel 7

Beitrag  singingmiri am Mo Jul 10, 2017 6:33 pm

Es stellte sich heraus, dass das kleine Würmchen Persia hieß. Das ging aus der Geburtsurkunde hervor, die wir in einer Tasche mit Babysachen fanden, die Scarlett vor der Tür zurückgelassen hatte. Sie war tatsächlich nur wenige Wochen alt. Meine Mutter wies mich an, mein altes Babybett aus dem Keller zu holen und im Babyzimmer aufzustellen. Dann zeigte sie mir, wie man ein Baby versorgte. Anfangs fasste ich Persia noch wie ein rohes Ei an, da ich ständig befürchtete, ihr wehzutun, aber unter Anleitung meiner Mutter wurde ich schon nach wenigen Tagen geschickter im Umgang mit ihr.
Meine Mutter erklärte sich bereit, sich um das Kind zu kümmern, wenn ich unterwegs war, bestand aber darauf, dass ich die Verantwortung trug und nicht wochenlang außer Haus war. Ihre Argumente, dass sie zu alt und schwach war, um sich um ein Baby zu kümmern, waren sicher nicht ganz unbegründet, auch wenn sie seit Persia im Haus war, wieder aktiver wirkte und sich weniger gehen ließ.



Die Monate flogen dahin, ohne dass ich es bemerkte. Mein Tagesablauf kreiste um meine Tochter, um die ich mich mit Sorgfalt kümmerte. Sie wuchs schnell, wie ich nicht ganz ohne stolz feststellte und als sie mich zum ersten Mal anlachte, spürte ich zum ersten Mal eine Regung in mir, die nichts mit Mitleid zu tun hatte. Ich brauchte lange, bis ich mir eingestand, dass ich Persia liebte. Ich hatte sie nicht gewollt, aber wenn sie mir ihre Ärmchen entgegen streckte, sich an mich schmiegte oder mich zahnlos anstrahlte, ging mir jedes Mal das Herz auf.
Und dennoch, wurde ich nach einiger Zeit unruhig. Der lange Aufenthalt im Haus, das Fehlen jeglicher sozialer Kontakte mit erwachsenen Menschen, die nicht meiner Familie angehörten und nicht zuletzt die fehlende Nähe einer Sima, machte mir mehr und mehr zu schaffen. Ich fing mehr aus Einsamkeit denn aus echtem Interesse eine Affäre mit dem Hausmädchen an, der meine Mutter allerdings schnell einen Riegel vorschob, in dem sie das Hausmädchen entließ. Ich konnte nicht sagen, dass ich ihr nachtrauerte.



Am Morgen von Persias Geburtstag schlurfte ich gähnend in die Küche. Persia zahnte gerade und hatte mich fast die ganze Nacht wach gehalten. Entsprechend müde steuerte ich nun die Kaffeemaschine an, als ich zwischen halb geschlossenen Lidern wahrnahm, dass wir einen Gast hatten. Ich hielt in meiner Bewegung inne und rieb mir ungläubig die Augen. Am Tisch mit meiner Mutter saß die Person, von der nie gedacht hätte, sie noch einmal zu sehen.

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Kapitel 8

Beitrag  singingmiri am Mi Aug 09, 2017 3:19 pm

„Guten Morgen“, begrüßte meine Mutter mich fröhlich.
„Morgen“, gähnte ich zurück.
„Du kennst Rubinia ja schon. Sie wird ein paar Tage bei uns bleiben. Wir haben ein paar wichtige Dinge zu besprechen.“
Ich nickte müde und wandte mich wieder der Kaffeemaschine zu, wo erfreulicherweise schon eine heiße Kanne Kaffee wartete. Ich stürzte mir den Gebräu herunter, in der Hoffnung, dass das Koffein so schneller in meinem Blut ankam und verließ die Küche schleunigst wieder mit der Begründung, nach Persia sehen zu müssen. Die schlief mittlerweile selig, aber die Ausrede kam mir gerade recht. Rubinias Auftauchen hatte mich mehr aus der Bahn geworfen, als ich mir selbst eingestehen wollte. Ich erinnerte mich nur ungern an den Abend, an dem ich meinen ersten Korb bekommen hatte – nicht, weil das meinen Stolz verletzt hatte, sondern weil ich mich ein wenig schämte. Ich hätte wissen müssen, dass sie von anderem Kaliber war, als die Simas, die ich sonst in mein Bett geholt hatte. Ich hätte die Finger von ihr lassen sollen.



Ich holte den fehlenden Schlaf mittags, während Persia schlief, nach. Als ich aufwachte und nach ihr sah, fand ich im Babyzimmer schon beide Simas vor. Meine Mutter führte Rubinia gerade stolz ihr Enkelkind vor. Meine Mutter hatte wirklich viel mehr Lebenskraft als noch vor einigen Monaten, fand ich. Ich beobachtete Rubinia verstohlen. Sie schien nichts davon erzählt zu haben, was zwischen uns vorgefallen war. Überhaupt wirkte sie sehr offen. Sie kam offenbar sehr gut mit meiner Mutter klar. Nach einer Weile gesellte ich mich zu ihnen und übernahm Persia wieder. Und am Abend feierten wir gemeinsam ihren Geburtstag.



Ich ging Rubinia die nächsten Tage erfolgreich aus dem Weg, in dem ich fast den ganze Zeit mit Persia verbrachte. Es war vielleicht nicht notwendig sie rund um die Uhr zu betreuen, aber ich stürzte mich mit Feuereifer darauf, ihr Sprechen und Laufen beizubringen und sie an das Töpfchen zu gewöhnen.




Zuletzt von singingmiri am Mi Aug 09, 2017 3:21 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Mi Aug 09, 2017 3:21 pm

Aus ein paar Tagen wurden Wochen. Da ich mich nicht ewig im Kinderzimmer verkriechen konnte, begann ich mich wieder mehr im Haus zu zeigen und nahm ab und an Termine außer Haus wahr. Persia konnte sich auch gut ein paar Stunden alleine beschäftigen und meine Mutter sah gerne ab und an nach ihr. Am Weihnachtsmorgen saß ich gemeinsam mit den beiden Simas am Frühstückstisch und ging gedanklich all die Dinge durch, die bis zum Abend noch vorbereitet werden mussten. Viele meiner Verwandten würden abends kommen und mit uns feiern.
„Ich habe dir etwas mitzuteilen“, unterbrach meine Mutter meine Gedanken. Kauend sah ich sie an. „Ich habe vor, ein Museum zu eröffnen“, fuhr sie fort.
Ich verschluckte mich fast an meinem Bissen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich noch befürchtet, dass sie sterben würde und nun plante sie ein solches Großprojekt! „Denkst du nicht, dass das ein bisschen viel Arbeit ist?“, fragte ich darum vorsichtig.
„In meinem Alter, meinst du?“ Meine Mutter grinste mich wissend an. „Ich sprühe geradezu vor Energie. Unbeschäftigt zu sein hat mir noch nie gut getan.“
„Okay“, sagte ich gedehnt. „Und was für eine Art Museum?“
„Ein Museum über uns“, gab sie ruhig zurück.
Diesmal verschluckte ich mich wirklich. „Über uns?“, krächzte ich und griff eilig nach einem Glas Wasser. „Was soll denn da zu sehen sein?“
„In unserem Keller lagern eine Menge Kunstwerke, die in den letzten Generationen von unserer Familie hervorgebracht wurden. Nicht zu vergessen die Sammlung an Artefakten, die dein Großvater gesammelt hat.“
Ich sah meine Mutter zweifelnd an. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das jemanden interessierte.
„Deine Urgroßmutter Pure und deine Großmutter Oceana und ihre Schwester Heaven waren sehr berühmte Musiker. Ein Teil der Ausstellung wird sich mit ihrem Leben und ihren Erfolgen befassen. Dein Großonkel Silver war ein berühmter Autor und Maler. Einige Werke hat er zu Lebzeiten verkauft, aber der Großteil befindet sich hier in diesem Haus. Dann ist da noch dein Urgroßvater Blueberry, ebenfalls ein Maler und dazu Bildhauer. Wir haben einige seiner Skulpturen noch hier. Die Kunst wird einen weiteren Teil des Museums ausmachen. Der dritte Teil wird die gesammelten Artefakte und Fotografien von den Reisen meines Vaters behandeln. Darum habe ich Rubinia hier her gebeten. Sie kennt sich damit besser aus.“
Ich streifte Rubinia flüchtig mit einem Blick.
„Ich habe Archäologie und alte Kunst studiert und außerdem ein paar Kurse in moderner Kunst belegt“, erklärte sie.



„Außerdem hat sie viele der Länder, in denen mein Vater war, ebenfalls bereist und selbst einige Artefakte gefunden, die gut in unsere Sammlung passen. Noch dazu ist sie eine hervorragende Fotografin. Mit anderen Worten: Sie wird die Kuratorin des Museums sein und die Arbeit fortsetzen, wenn ich sterbe“, setzte meine Mutter hinzu. „Natürlich wird sie dafür bezahlt und ich habe ihr angeboten, dass sie hier wohnen darf. Sie wird Auroras altes Zimmer beziehen und im Keller richten wir ihr einen Arbeitsraum ein.“
Als guter Schauspieler gelang es mir meinen Unwillen über diese Nachricht zu verbergen. Rubinia dauerhaft im Haus zu haben würde sicherlich kein Spaß werden. Aber ich wusste, dass ich meine Mutter von dieser Idee nicht abbringen konnte. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, also würde sie es durchziehen.
Meine Mutter war schon wieder bei den Plänen zu ihrem Museum „Außerdem möchte ich einen Teil des Museums als Platz für Sonderausstellungen einrichten, um damit junge Künstler zu unterstützen. Diesen Platz wird zunächst Rubinia mit ihren Fotografien einnehmen.“
„Aber das wäre dann doch kein reines Familienmuseum mehr“, wandte ich vorsichtig ein.
„Das ist richtig. Aber ich möchte junge Künstler gerne unterstützen. Ich wäre mit meiner Akrobatik nie so weit gekommen, wenn mich nicht auch Sims unterstützt hätten. Das würde ich gerne weitergeben.“

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Kapitel 9

Beitrag  singingmiri am Mo Nov 20, 2017 8:18 pm

Ich schlug die Augen auf und sah mich verwundert um. Der Platz neben mir im Bett war leer. Das war nicht weiter ungewöhnlich, denn in den letzten Jahren war das eher der Normalzustand geworden. Was mich wunderte, war meine Umgebung. Ich war nicht in meinem Schlafzimmer, sondern – wie mir aufging – in Rubinias. Ich hatte diesen Raum bisher nach Möglichkeit gemieden, darum war mir die Umgebung nicht vertraut. Woran ich mich allerdings gut erinnerte, war wie ich hierher gekommen war. Wie hätte ich die letzte Nacht auch vergessen können. Doch zuerst einmal von vorne.



Nach ihrer Ankündigung, ein Museum eröffnen zu wollen, waren beide Simas mit Feuereifer an die Arbeit gegangen. Rubinia hatte sich dieses Zimmer eingerichtet und ihren Arbeitsplatz in unserem Werkraum im Keller eingerichtet. Von nun an fand man sie oft bis tief in die Nacht an ihrem Zeichenbrett, wo sie Entwürfe für die Einrichtung des Museums skizzierte, Ideen und Konzepte entwarf, die sie dann mit meiner Mutter besprach. Die kümmerte sich dann darum, das Handwerker anrückten, um die Ideen in die Tat umzusetzen.



Zwischendrin reiste sie immer wieder für einige Wochen ins Ausland, um dort Inspiration und weitere Artefakte zu finden und natürlich um zu fotografieren. Die Sammlung der Ausstellungsstücke, die bislang sorgfältig verpackt in unserem Lagerraum im Keller aufbewahrt wurden wuchs ständig. Anfangs hatte ich mich bemüht, mich nicht allzu interessiert zu zeigen, aber nachdem ich den Umfang der Sammlung zu Gesicht bekommen hatte, wurde mir klar, dass es ein großes Museum werden würde.

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Mo Nov 20, 2017 8:21 pm

Noch bevor die Bauarbeiten abgeschlossen waren, begann Persia zur Schule zu gehen. Mein kleines Baby wurde groß, bemerkte ich nun und ich fragte mich, wo nur die Zeit geblieben war.



Da sie nun älter war, konnte ich mich mehr der Schauspielkarriere widmen. Ich nahm wieder mehr Rollen und Termine an. In vielen Fernsehshows und Interviews wurde ich zu meiner Entscheidung, meine Karriere zu unterbrechen, um mich um mein Kind zu kümmern befragt. Es hatte meiner Beliebtheit keinen Abbruch getan, stellte ich fest. Natürlich war ich einige Zeit nicht präsent gewesen, aber der Name Fiary öffnete mir immer noch viele Türen. Falls Scarlett gehofft hatte, so meine Karriere zu zerstören, hatte sie sich getäuscht, dachte ich mit Befriedigung. Im Gegenteil: Die Presse war geradezu begeistert, dass ich trotz meines Lebenswandels als Draufgänger genug Pflichtbewusstsein gezeigt hatte, mich um ein ungewolltes Kind zu kümmern. Dass ich öffentlich zeige, dass die Verantwortung nicht immer an der Sima hängen bleiben müsse und ich damit der Gleichberechtigungsbewegung einen großen Dienst erweise, schrieben einige Journalisten. Ich hatte natürlich nichts dergleichen im Sinn gehabt, als ich mich dazu entschlossen hatte und dass meine Mutter mir quasi die Pistole auf die Brust gesetzt hatte, um mich dazu zu bewegen, verschwieg ich wohlweislich. Ich genoss lieber den Rummel. Und dennoch hatten sie in einem Punkt recht: Ich hatte mich verändert. Ich hätte die ein oder andere Sima immer noch gerne für eine Nacht in mein Bett genommen, aber ich tat es nicht.
Der Grund war Rubinia. Mir war schon bei unserer ersten Begegnung klar gewesen, dass ich sie anziehend fand. Je länger ich mit ihr unter einem Dach lebte, desto mehr mochte ich sie. Nachdem ich aufhörte, ihr aus dem Weg zu gehen, stellte ich nicht nur fest, dass sie mir wegen des einen Abends nichts nachtrug, sondern dass sie nicht so zickig war, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Ihre Abenteuerlust, Tatkraft und Warmherzigkeit faszinierten mich und ehe ich mich versah war ich über beide Ohren verliebt. Ich gab mir Mühe, mir nichts anmerken zu lassen. Ich hatte nicht vor, mir eine zweite Abfuhr einzuhandeln. Aber ich konnte nicht anders, als immer wieder ihre Nähe zu suchen. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie sich gerne mit mir unterhielt. Und ich konnte stundenlang den Geschichten von ihren Reisen lauschen. Natürlich war auch ich viel um die Welt gereist, aber ich hatte oft das Gefühl, dass sie mehr erlebt hatte. Auch Persia kam gut mit Rubinia zurecht. Sie schien in ihr eine Art Mutterersatz zu sehen. Rubinia störte sich daran nicht. Sie mochte meine Kleine sehr.



Und trotzdem zögerte ich lange, ob ich einen Schritt weiter gehen und zeigen sollte, was ich empfand. Ich hatte Angst, dass das alles kaputt machen würde. Doch dann starb meine Mutter überraschend. Keiner hatte es kommen sehen. Sie hatte so vital gewirkt. Die Eröffnung des Museums stand bevor, aber meine Mutter würde es nicht mehr erleben.

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Mo Nov 20, 2017 8:23 pm

Zu allem Übel ging wenige Tage später die Küche in Flammen auf. Rubinia schnappte sich geistesgegenwärtig den Feuerlöscher und versuchte der Flammen Herr zu werden, während ich meine Tochter aus der Gefahrenzone zog. Als das Feuer gelöscht war, lagen unsere Nerven blank. Ich schickte Persia ins Bett und schenkte Rubinia und mir erstmal einen Drink ein.



Der Saft hatte vor allem eins zur Folge: dass sich unsere Zungen lösten. Wir sprachen uns den Kummer von der Seele, trösteten uns gegenseitig und vertrauten uns unsere Sorgen an. Wir trauerten gemeinsam um meine Mutter, bedauerten, dass sie die Eröffnung ihres Museums nicht miterleben konnte und sprachen darüber wie es weitergehen würde. Meine Mutter hatte in ihrem Testament verfügt, dass Rubinia auch nach der Eröffnung des Museums noch weiter im Haus leben durfte, wenn sie wollte, und sie zur Direktorin ernannt. Einen Teil unseres Vermögens stellte sie ihr für das Museum zur Verfügung. Sicher hatte Rubinia sich in dieser Hinsicht Sorgen gemacht, aber ich hätte es ihr auch ohne das Testament meiner Mutter angeboten.



Und nach einiger Zeit fingen wir an miteinander herumzuknutschen. Eins führte zum anderen und als ich am nächsten Morgen fand ich mich in ihrem Bett wieder.

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Kapitel 10

Beitrag  singingmiri Heute um 7:16 pm

„Papa, ich will ins Internat“, teilte meine Tochter mir an einem Nachmittag wenige Tage später mit. Ich hielt abrupt im Laufen inne. Ich hatte gerade hinunter wollen, um mich auf meinen nächsten Termin vorzubereiten. In den letzten Tagen hatte eine Aufgabe die nächste gejagt. Rubinia hatte sich mit Feuereifer in die Vorbereitung der Eröffnung gestürzt, übernahm sie doch nun auch die Aufgaben, die zuvor meine Mutter erledigt hatte. Ich hatte ihr bereits einiges abgenommen, aber auch ich hatte einen vollen Terminkalender. Und so hatte ich, wie mir nun schuldbewusst klar wurde, kaum Zeit mit meiner Tochter verbracht.
„Wenn die Eröffnung erst um ist, nehme ich mir wieder mehr Zeit für dich, versprochen“, sagte ich deswegen und fuhr ihr mit der Hand über den Kopf.
Sie schüttelte den Kopf. „Darum geht es nicht. Du hast viel zu tun und Ruby auch, das verstehe ich schon. Dafür könnt ihr doch nichts. Aber wenn ich im Internat bin, kannst du viel mehr Rollen annehmen. Ich will dir nicht im Weg sein“, gab sie ernst zurück.
„Du bist mir nicht im Weg“, lächelte ich. „Ich bin froh, dass ich dich habe.“
Sie konnte nicht anders als zu strahlen. „Aber Oma hat mir gesagt, dass du gerne mehr Karriere machen würdest.“
Ich zuckte die Achseln. „Man kann nicht alles im Leben haben. Und du bist mir wichtiger.“
Sie schwieg eine Weile nachdenklich. Mir war schon aufgefallen, dass sie für ihr Alter viel zu nachdenklich war. Und seit sie Lesen konnte, war sie kaum noch vom Bücherregal wegzubekommen. Vermutlich konnte sie sich deshalb so gut ausdrücken.
„Ich will trotzdem ins Internet. Das wäre doch für uns alle am Besten. Du und Ruby könnt mehr arbeiten und für mich ist gesorgt. Außerdem habe ich schon eine tolle Schule gefunden, an die ich will.“
Ich fragte mich, ob sie in einem ihrer Bücher auf die Idee gekommen war. Der Gedanke, mein Baby wegzugeben, gefiel mir nicht. Aber wenn sie unbedingt wollte... „Welche?“, fragte ich.
„Es ist nicht ganz billig.“ Ihr Blick flackerte unsicher. Ich winkte ab. Ich bezweifelte, dass es irgendetwas gab, dass wir uns nicht leisten konnten. Das Vermögen meiner Familie war riesig, wie mir nun, da ich es selbst verwaltete, klar geworden war. Persia atmete tief durch. „Die LeFromage Kunstschule.“
Das war mir ein Begriff. Ich kannte nicht wenige Künstler, die dort zur Schule gegangen waren. Meine Tochter würde dort jede Fördermöglichkeit in Sachen Kunst bekommen, die sie sich wünschen konnte. Aber es war weit weg. Ich sah sie an. Sie war so schnell groß geworden. Konnte ich sie wirklich schon gehen lassen? Ich würde einen Teil ihrer Kindheit verpassen. Aber ich konnte an ihrem Blick sehen, dass sie sich nichts sehnlicher wünschte.
„Ich würde dir nie etwas abschlagen, was du unbedingt willst. Lass uns die Schule gemeinsam anschauen und dann entscheiden wir, okay?“
„Danke, Papa“, jubelte sie und fiel mir um den Hals. Ich nahm an, dass es nichts gab, was sie von ihrem Vorhaben ablenken konnte, also würde ich sie wohl gehen lassen müssen.



Ich hielt Wort und sah mir gemeinsam mit Persia das Internat an. Es machte einen ausgezeichneten Eindruck auf mich. Meine Tochter war hellauf begeistert und ließ mir keine Ruhe, bis ich sie anmeldete und schon bald machte sie sich auf den Weg in ihr neues Zuhause.



Nachdem die Limousine, die Persia fortbrachte meinen Blicken entschwand, verschloss ich seufzend die Haustür und setzte mich ins Auto. Persias Abreise war ausgerechnet am Tag der Eröffnung und es gab noch eine Menge zu tun. Ruby hatte mir eine lange Liste an Besorgungen in letzter Minute gegeben und ich musste mich sputen. Einige Stunden später schleppte ich meine Einkäufe die Stufen zum Museum hinauf. Ich war natürlich schon einige Male hier gewesen, aber ich musste sagen, dass ich von der Ausstellung immer noch beeindruckt war. Das Gebäude war riesig. Manche Räume wirkten noch etwas leer, aber es gab auch so Vieles zu sehen. Mir war nicht klar gewesen, wie groß die Sammlung in unserem Keller war. Und dabei wurde nicht mal alles ausgestellt. Es gab noch etliche Statuen, Gemälde und Artefakte, die weiterhin in unserem Keller lagerten.

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri Heute um 7:22 pm

Ruby drückte sich die Hände ins Kreuz als ich mich näherte. Sie wirkte erschöpft. Als sie mich sah, hellte sich ihr Gesicht auf.
„Hast du alles bekommen?“, fragte sie.
Ich nickte. „Ich musste meine Beziehungen spielen lassen, dass die Schneiderin den Auftrag sofort erledigt hat, aber sie hat es hinbekommen. Das Kleid sieht aus wie neu.“
„Ein Glück. Mit diesem Riss hätte ich heute unmöglich herumrennen können.“ Sie grinste und schnappte sich die Tüte mit dem Kleid. „Ich ziehe mich eben um. Bringst du den Rest ins Hinterzimmer?“
Ich nutzte die Zeit, während sie im Bad war, um zu prüfen, ob der Caterer alles vorbereitet hatte und warf mich dann selbst in Schale.




Bald darauf trudelten die ersten Gäste ein. Da ich eine große Verwandtschaft hatte und fast jeder in unserem Ort auf die eine oder andere Weise mit mindestens einem der Künstler verwandt war, hatte ich bald das Gefühl, dass fast die ganze Stadt anwesend war. Ruby ging in ihrer Rolle als Kuratorin voll auf, führte durch die verschiedenen Räume, erklärte wer welches Werk geschaffen hatte oder woher die Artefakte stammten. Ich hielt mich eher im Hintergrund und beobachtete sie heimlich, während ich gleichzeitig mit Interesse die Ausstellungsstücke begutachtete.






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singingmiri
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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri Heute um 7:23 pm

„Du liebst sie“, stellte mein Bruder fest. Akelei hatte sich unbemerkt neben mich gestellt. Er hatte Falten bekommen, fiel mir auf als ich ihn ansah.
„Schön, dass du da bist“, sagte ich ohne zu antworten. „Wie gefällt es dir?“
„Was denkst du denn? Es ist großartig!“ Seine Augen leuchteten auf. „Es ist schön zu sehen, was unsere Familie erreicht hat. Nur schade, dass Mutter nicht dabei sein kann.“
Ich nickte. „Sie hat sich so für dieses Projekt eingesetzt.“
„Und dir eine passende Sima ins Haus geholt“, neckte er. Ich verdrehte die Augen und er schlug mir lachend auf die Schulter. „Hab dich nicht so. Sie ist großartig. Versemmel es nicht.“
„Das würden wir dir nie verzeihen, hörst du?“ Aurora tauchte unvermittelt neben ihrem Zwilling auf und grinste mich schalkhaft an.
Ich stöhnte und rang theatralisch die Hände. „Was hab ich nur verbrochen, dass mir ständig jemand Ratschläge geben will?“ Akelei lachte nur noch mehr und ich musste unwillig einstimmen. Aurora drückte uns jeweils ein Glas Champagner in die Hand. „Auf dein Glück, Bruderherz.“ Sie prostete mir zu.



„Das war eine gelungene Eröffnung“, gratulierte ich Ruby, als sie sich später ächzend zu mir ans Feuer setzte. Nachdem wir spät nach Hause gekommen waren, hatte ich beschlossen, den warmen Tag am Feuer zu beschließen. Sie lächelte erschöpft und streckte die Hände dem Feuer entgegen. Der Tag mochte warm gewesen sein, aber nun wurde es allmählich frisch.
„Ich kann es noch nicht ganz glauben, dass es geschafft ist“, sagte sie schließlich.
Ich nickte und eine Weile schwiegen wir. Ich beobachte sie von der Seite wie sie nachdenklich ins Feuer sah. Sie wirkte nicht nur erschöpft, sondern auch etwas traurig, vielleicht sogar besorgt. Ich nahm an, es lag daran, dass sie nun, da die Eröffnung vorüber war, nicht wusste, wie es weitergehen würde. Ich wollte etwas sagen, das sie aufmunterte. Ich grübelte noch, was die richtigen Worte waren, da hob sie den Kopf und lächelte mich ob meines Blickes unsicher an. Vielleicht hatte es gar nichts mit der Eröffnung zu tun, ging mir auf. Vielleicht machte sie sich Sorgen, was mit uns war. Wir hatten immer noch nicht darüber geredet.
„Ruby, ich will dir sagen, dass...“ Ich brach ab und schüttelte den Kopf über meine eigene Unfähigkeit, meine Gefühle auszudrücken. Man sollte meinen, dass es mir leicht über die Lippen kam, nachdem ich in unzähligen Filmen den Verliebten gemimt hatte und trotzdem fühlte meine Zunge sich plötzlich schwer an. Ich schluckte. „Wegen unserer Nacht letztens: Das war...“ Ich brach wieder ab. Warum war es nur so schwer?
„Du willst sagen, dass es nur passiert ist, weil wir so viel Saft getrunken haben und dass es nichts zu bedeuten hat“, murmelte sie und ihre Schultern sackten ab. Bildete ich es mir ein, oder glitzerte eine Träne in ihrem Augenwinkel. „Ich hätte es wissen müssen.“ Sie schüttelte den Kopf. „Im Grunde wusste ich es.“ Sie erhob sich wieder und wandte sich ab, um davon zu laufen.
„Ruby, nein, bleib hier. Du verstehst das falsch“, rief ich erschrocken.
„Was verstehe ich falsch?“, fragte sie aufgebracht und mit verdächtig zittriger Stimme. „Dass du einfach deine Finger von keiner Sima lassen kannst? Das wusste ich doch schon bei unserer ersten Begegnung. Ich war nur so dumm, zu glauben, du habest dich geändert. Ich hatte gedacht, du meintest es ernst.“ Ihre Stimme schraubte sich zum Ende einige Oktaven höher.“ Sie schluckte und nun konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Verärgert wischte sie sich die Tränen aus den Augen.
Ich hatte bei ihren Anschuldigungen die Hände vor meinen Mund geschlagen. Es war unschön, dass sie so von mir dachte. Zumal sie nicht ganz Unrecht hatte. „Ruby, ich...“
„Sag bitte nichts“, presste sie hervor. „Das macht es nur schlimmer.“
„Himmel, Ruby, ich versuche seit zehn Minuten, dir zu sagen, was ich für dich empfinde und finde einfach nicht die richtigen Worte. Kannst du einfach mal die Klappe halten, damit ich eine Chance habe?“, entfuhr es mir aufgebracht.
„Du... was???“ Sie sah aus, als würde sie gleich ohnmächtig werden. Ich führte sie fürsorglich wieder zu ihrem Stuhl und setzte mich selbst wieder hin.
„Vielleicht fange ich nochmal von vorne an“, seufzte ich. „Es ist wahr, dass ich in der Vergangenheit Simas eher benutzt habe. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht. Ich war nur auf der Suche nach Vergnügen. Und letztlich hat mir keine von ihnen viel bedeutet. Und dann traf ich dich. Ich will nicht behaupten, dass ich damals schon ernsthafte Absichten hatte, aber du warst viel interessanter als diese hohlköpfigen Simas, die sonst um mich herum waren. Das fand ich anziehend. Vielleicht war es gut, dass du mir eine so deutliche Abfuhr erteilt hast. Es hat mich mehr getroffen, als ich für möglich gehalten hätte. Aber ich wollte nicht wahr haben, was wohl der Grund dafür war. Dann bist du hier eingezogen und ich habe mich zuerst gar nicht getraut, dir unter die Augen zu treten, weil ich mich geschämt habe. Aber ich konnte mich ja nicht ewig verkriechen. Und je mehr Zeit ich mit dir verbrachte, desto mehr wurde mir klar, dass du eigentlich etwas Besseres als mich verdienst. Das Problem ist nur, dass ich dich liebe und dich daher nicht gehen lassen will.“ Ich lächelte selbstironisch. „Du sieht, ich bin immer noch ein selbstsüchtiger Blödmann.“
In ihren Augen lag ein warmer Glanz und es schimmerte schon wieder feucht. „Was für eine miserable Liebeserklärung. Zu dumm, dass es nun eh zu spät ist“, meinte sie trocken. „Ich bin schwanger.“

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