Fiary Rainbowcy

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Di Nov 08, 2016 6:01 pm

Einige Drinks später, schlug ich vor nach nebenan zu gehen und etwas Shuffleboard zu spielen. Sie willigte ein und so vergnügten wir uns dort eine Weile. Und die ganze Zeit dachte ich, wie gut die Chemie zwischen uns stimmte. So sehr, dass ich alle Warnungen meiner Mutter in den Wind blies. Nach dem dritten Spiel legte ich lachend den Arm um sie und – ich wusste nicht genau, was mich dazu brachte – küsste sie.



Es war sicher nicht das erste Mal, dass eine gemeinsame Nacht mit einem solchen Kuss angefangen hatte und normalerweise hatte ich mit dieser Taktik gute Erfahrungen gemacht. Andere Simas hatten nur zu willig den Kuss erwidert. Darum überraschte mich Rubinias Reaktion umso mehr. Sie stieß mich heftig von sich und ohrfeigte mich so kräftig, dass ich für einen Moment die Sterne tanzen sah. „Du denkst wohl du kannst jede haben!“, fuhr sie mich an und sah mich angewidert an.
„Beruhige dich doch“, flehte ich. „Ich dachte, wir würden uns gut verstehen und...“
„Es gibt ja wohl noch ein paar Stufen zwischen 'gut verstehen' und 'flirten'“, gab sie unvermindert laut und verärgert zurück. Und damit drehte sie sich auf dem Absatz um und stolzierte hoch erhobenen Hauptes davon. Ich blieb noch eine Weile wie angewurzelt stehen, dann schüttelte ich den Kopf. „Simas“, murmelte ich verständnislos.


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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 16, 2016 5:40 pm

Kapitel 3

Ich vergass Rubinia schnell wieder. Sie war nur eine Sima unter vielen, die mich abgelehnt hatte, und nach der ersten Verblüffung, tat ich es schnell ab und dachte nicht weiter daran. Wie versprochen hatte ich meiner Schwester den Briefumschlag mit den Fotografien übergeben und die Gelegenheit genutzt, ein Spaziergang durch den Park mit ihr zu unternehmen, bevor sie wieder den Mannschaftsbus bestieg und zurückfuhr. Meine Mutter hatte sich am nächsten Tag gemeldet und bedankt und sich ausnahmsweise nicht über mich beschwert. Ich schloss daraus, dass Rubinia ihr bisher nicht erzählt hatte, dass ich sie geküsst hatte. Ich selbst würde heute ebenfalls verreisen. Ich hatte eine Promo-Tour vor mir, direkt gefolgt von Dreharbeiten in der Saribik. Die nächsten Monate vergingen wie im Flug. Ich bewegte mich ständig zwischen Dreharbeiten, rotem Teppich und Fernsehinterviews und wieder zurück ins Studio zu Dreharbeiten. Bei den Dreharbeiten zu dem dritten Film in dieser Periode lernte ich Scarlett kennen. Sie war eigentlich hauptsächlich Model, aber wie so viele übernahm sie gelegentlich auch kleinere Rollen in Filmen. Dieser Film war ihre erste größere Rolle und als meine Filmpartnerin schlug sie sich ganz hervorragend. Es mochte daran liegen, dass es gar nicht lange dauerte, bis wir ein Paar wurden.



Ebenso wie ich wohnte sie auch in Bridgeport, aber bei meinem Terminkalender war es kein großes Wunder, dass wir uns bisher nie über den Weg gelaufen waren. Es gefiel mir, mit Scarlett auszugehen. Sicher, sie konnte eine snobistische Diva wie aus dem Buche sein, aber dafür war sie im Bett eine echte Kanone.



Mit ihr konnte ich mich auch im Gegensatz zu meinen flüchtigen Bekanntschaften gut auf dem roten Teppich zeigen. Sie kannte das Einmaleins des Stardaseins in und auswendig. Sie wusste, wie sie sich zu kleiden hatte, wie sie auf Fotos posieren musste, wie man Journalisten antwortete, ohne ihnen mehr zu sagen, als man sie wissen lassen wollte. Sie störte sich auch nicht daran, wenn ich ihr in den Wochen, in denen wir uns nicht sahen, gelegentlich untreu wurde. Kurzum: Sie war die perfekte Partnerin für mich und das sah die Presse auch so.


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Kapitel 4

Beitrag  singingmiri am So Jun 18, 2017 3:09 pm

Lange hielt dieses Glück nicht an. Je länger wir zusammen waren, desto mehr störten mich Scarletts ständige Diva-Anfälle. Hatte ich sie zu Beginn noch als amüsant abgetan, fand ich sie bald nur noch anstrengend. Natürlich war sie nach wie vor die perfekte Begleiterin, aber kaum waren wir allein, fing sie an zu meckern. Meistens darüber, dass ich so viel unterwegs war und sie wochenlang nicht sah. Ich fing bald wieder an, alleine auszugehen (was der Presse nicht entging) und das schien sie noch mehr auf die Palme zu bringen. Noch schlimmer war jedoch, dass sie nach wenigen Monaten Beziehung anfing anzudeuten, dass ihr eine bloße Beziehung nicht genug war und dass sie sich eine Traumhochzeit wünschte. Der bloße Gedanke erfüllte mich mit Schrecken. Zunächst hielt ich sie vage hin, aber natürlich redete ich mit einer Sima, die jeden Kniff kannte, wie man der Presse entkam. Ich konnte sie nicht lange täuschen, dass ich es im Grunde nicht ernst mit ihr meinte. Es war eine Erleichterung, als ich nach einem knappen Jahr die Beziehung beendete. Daraufhin machte sie mich gründlich vor der Presse schlecht. Ich hatte mir jedoch den ein oder anderen Kniff bei ihr abgeschaut und mithilfe meines Managers gelang es mir den Schaden zu begrenzen. Scarlett verschwand von der Bildfläche und lange interessierte sich niemand mehr für sie.



Ich war zufällig gerade in Bridgeport als ich die Nachricht erhielt, dass mein Vater im Sterben lag. Ich sagte meine Termine ab und flog sofort nach Hause. Ich war lange nicht mehr Zuhause gewesen. Meine Besuche, seit ich Filmstar geworden war, waren sehr selten geworden. Ich kam mir fremd vor, als ich wieder in meinem alten Zimmer auf dem Bett lag und ein Nickerchen hielt. Das Haus war voller Erinnerungen und trotzdem fühlte ich mich nicht mehr Zuhause.



Mein Vater starb schon am nächsten Nachmittag. Vormittags hatten wir uns lange unterhalten. Er hatte mich gebeten mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen und vor allem für meine Mutter da zu sein, wenn er fort war. Ich versprach es. Wie konnte man einem Sterbenden einen Wunsch abschlagen? Zumal mein Vater Recht hatte, wenn er sagte, dass ich mich nicht wie ein Familienmitglied verhalten hatte. Er warf mir nicht meinen Lebensstil vor, er verlangte nicht, mich von Grund auf zu ändern. Er wollte nur, dass wir zusammenhielten. Mir wurde klar, wie sehr ich ihn vermissen würde und plötzlich tat es mir Leid, dass ich so wenig Zeit hier verbracht hatte.


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Kapitel 5

Beitrag  singingmiri am Mi Jun 21, 2017 4:18 pm

Ich hielt Wort. Nach der Beerdigung blieb ich einige Zeit in meinem Elternhaus, um meiner Mutter zur Seite zu stehen. Ich reduzierte die Zahl meiner Termine auf ein Minimum, nahm keine neuen Rollenangebote an. Die Angebote, die ich bereits unterschrieben hatte, erfüllte ich, aber ich sorgte dafür, dass in meiner Abwesenheit immer einer meiner Geschwister Zuhause war. Seit dem Tod meines Vaters hatte meine Mutter, die immer so vor Energie gesprüht hatte, kaum noch Antrieb. Sie aß mechanisch, was man ihr vorsetzte, aber sie kochte nie selbst. Bisher hatte das immer mein Vater getan. Ich wusste nicht, ob sie es nicht konnte, oder ob sie in der Küche von Erinnerungen eingeholt wurde. Vermutlich beides, dachte ich. Tante Ginny hatte mir mal erzählt, dass meine Mutter noch nie in ihrem Leben gekocht hatte. Vielleicht übertrieb sie damit etwas, aber ich hatte sie tatsächlich noch nie Kochen sehen. Das hatte immer mein Vater übernommen. Ihre Teilnahmslosigkeit machte meinen Geschwistern und mir Angst. Sicher wollte sie nicht einfach aufgeben und sterben... oder?



Ich grübelte, wie ich meine Mutter aus ihrer Lethargie reißen konnte, während wir gemeinsam aßen. Mechanisch aß sie Gabel für Gabel. Ich bezweifelte, dass sie überhaupt bemerkte, was sie aß. Nicht, dass das Essen, das ich gekocht hatte, außergewöhnlich gut schmeckte. Dem Vergleich mit dem Essen meines Vaters würden meine Kochkünste nie standhalten, aber ich fand ich hatte schon Fortschritte gemacht, nicht zuletzt, weil Akelei mir das ein oder andere gezeigt hatte.
Ich wollte eben einen neuen Versuch starten, meine Mutter in ein Gespräch zu verwickeln (bisher fruchtlose Bemühungen, mehr als einsilbige Antworten bekam ich für gewöhnlich nicht), als es an der Tür läutete. Ich wischte mir den Mund ab und ging zur Haustür.



Vor der Tür stand die letzte Person, die ich erwartet hatte. Einen Augenblick war ich sprachlos, dann fiel mir auf, dass sie nicht allein war.
„Darf ich?“, fragte Scarlett schnippisch und trat ohne eine Antwort abzuwarten über die Schwelle.
„Was tust du hier?“, fragte ich verwundert und verärgert über ihr Auftauchen.
„Ich bringe dir deine Tochter“, gab sie bissig zurück.
„Bitte was?“ Ich sah sie entsetzt an.
„Deine Tochter“, wiederholte sie so langsam als sei ich schwer von Begriff. „Es ist an der Zeit, dass du dich um sie kümmerst.“
„Du willst mir ein Kind unterjubeln? Woher soll ich wissen, dass das wirklich von mir ist?“ Ich verschränkte die Arme.
„Du kannst einen Vaterschaftstest machen, wenn es dir nicht genügt, wie ähnlich sie dir sieht“, gab sie verächtlich zurück.
„Aber sollte ein Kind nicht bei seiner Mutter bleiben?“, versuchte ich zu argumentieren.
Scarlett fuhr auf: „Das hättest du wohl gerne! Du schwängerst mich, muss ich das Balg austragen und soll dann auch noch meine Karriere an den Nagel hängen, um es großzuziehen! Und du hast so viel Geld, dass es gar kein Problem ist, wenn du nicht arbeitest.“ Das Kind in ihren Armen erwachte von ihren lauten Worten und begann ungnädig zu schreien.
„Du glaubst, du kannst sie mir einfach anhängen?“, gab ich laut zurück, um das Geschrei zu übertönen.
„Es ist mir egal, was du mit ihr tust!“, schrie sie mich an. „Wenn du sie nicht willst, gib sie in ein Heim oder frag deine Mutter, ob sie es großzieht. Ich jedenfalls will sie nicht.“ Und damit drückte sie mir das schreiende Bündel in die Arme und verließ eilig das Haus.



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Kapitel 6

Beitrag  singingmiri am Sa Jul 01, 2017 10:32 am

Ich stand wie vom Donner gerührt da und starrte ratlos auf die Tür, durch die Scarlett gerade verschwunden war. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte. Zu sagen, dass ihre letzten Worte mich schockiert hatten, wäre eine glatte Untertreibung. Ich war mehr als das – ich konnte kaum fassen, zu was meine Exfreundin fähig war. Nachdenklich sah ich auf das kleine Würmchen in meinen Armen herunter. Während unserer Auseinandersetzung hatte sie wie am Spieß gebrüllt, aber nun sahen mich große, tränennasse Augen an. Ob sie wohl spürte, dass ihre Mutter sie verstoßen hatte? Ob sie fürchtete, dass ich dasselbe tat? Ich wischte den Gedanken beiseite. Sie war noch ein Baby! Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb durchwogte mich unerwartet eine Welle des Mitleids für das kleine Ding, das keiner wollte und nichts dafür konnte, das es existierte. Und ich wusste, dass ich sie nicht weggeben konnte, auch wenn ich ein wenige Wochen altes Baby nun wirklich nicht gebrauchen konnte.



„Deins, nehme ich an?“, fragte meine Mutter hinter mir. Ich hatte nicht bemerkt, dass sie unsere Auseinandersetzung mitangehört hatte, obwohl nach dem Geschrei vermutlich auch der letzte in der Stadt wusste, dass ich Vater war. Vater! Meine Knie wurden ganz weich und für einen Moment fürchtete ich, dass ich das Kind fallen lassen würde. Aber der Moment der Schwäche verging und ich drehte mich langsam zu meiner Mutter um.
„Sie hat sie mir einfach in den Arm gedrückt und ist gegangen. Sie will nichts mit ihr zu tun haben“, antwortete ich immer noch fassungslos.
„Was für eine reizende Person“, bemerkte meine Mutter sarkastisch und in diesem Moment klang sie wieder, als wäre sie ganz die Alte. In ihre Augen kehrte ihr altbekanntes Funkeln zurück. „Herzlichen Glückwunsch“, setzte sie noch dazu.
Ich widerstand mühsam dem Impuls ihr das Baby in die Arme zu drücken, ebenso wie Scarlett es eben bei mir getan hatte, und das Weite zu suchen.



Meine Mutter schien zu ahnen, was in meinem Kopf vorging. „Glaub ja nicht, dass du das auf mich abwälzen kannst“, warnte sie.
„Komm schon, Mama. Sie braucht jemanden und sie kann doch nichts dafür!“
„Ach – und ich schon? Nein, nein. Das kommt gar nicht in Frage. Die Suppe hast du dir eingebrockt, nun löffel sie auch aus.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
Ich schluckte schwer und sah auf das Kind – mein Kind - herunter. „Ich kann das nicht“, meinte ich schließlich jämmerlich. „Ich habe keine Ahnung, wie man ein Baby versorgt und ich habe einen Job, der mich wochenlang außer Haus sein lässt. Ich kann mich nicht um sie kümmern.“
„Dann gib sie doch weg“, schlug meine Mutter gleichmütig vor.
Ich sah sie entsetzt an. Was war nur in die Simas der Welt gefahren? Ich schüttelte den Kopf. „Das kann ich nicht.“
Sie seufzte erleichtert. „Nun gut. Dann lass uns Pläne machen.“
Ich sah sie irritiert an. „Du hast das gar nicht ernst gemeint, dass wir sie weggeben?“
Sie stemmte grinsend die Arme in die Seiten. „Für wen hältst du mich? Du glaubst doch nicht, dass ich mein Enkelkind aus dem Haus werfe!“ Damit ging sie zurück in die Küche. Ich sah ihr ungläubig hinterher. Es schien fast, als würde das kleine Würmchen sie aus ihrer Lethargie reißen.


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Kapitel 7

Beitrag  singingmiri am Mo Jul 10, 2017 6:33 pm

Es stellte sich heraus, dass das kleine Würmchen Persia hieß. Das ging aus der Geburtsurkunde hervor, die wir in einer Tasche mit Babysachen fanden, die Scarlett vor der Tür zurückgelassen hatte. Sie war tatsächlich nur wenige Wochen alt. Meine Mutter wies mich an, mein altes Babybett aus dem Keller zu holen und im Babyzimmer aufzustellen. Dann zeigte sie mir, wie man ein Baby versorgte. Anfangs fasste ich Persia noch wie ein rohes Ei an, da ich ständig befürchtete, ihr wehzutun, aber unter Anleitung meiner Mutter wurde ich schon nach wenigen Tagen geschickter im Umgang mit ihr.
Meine Mutter erklärte sich bereit, sich um das Kind zu kümmern, wenn ich unterwegs war, bestand aber darauf, dass ich die Verantwortung trug und nicht wochenlang außer Haus war. Ihre Argumente, dass sie zu alt und schwach war, um sich um ein Baby zu kümmern, waren sicher nicht ganz unbegründet, auch wenn sie seit Persia im Haus war, wieder aktiver wirkte und sich weniger gehen ließ.



Die Monate flogen dahin, ohne dass ich es bemerkte. Mein Tagesablauf kreiste um meine Tochter, um die ich mich mit Sorgfalt kümmerte. Sie wuchs schnell, wie ich nicht ganz ohne stolz feststellte und als sie mich zum ersten Mal anlachte, spürte ich zum ersten Mal eine Regung in mir, die nichts mit Mitleid zu tun hatte. Ich brauchte lange, bis ich mir eingestand, dass ich Persia liebte. Ich hatte sie nicht gewollt, aber wenn sie mir ihre Ärmchen entgegen streckte, sich an mich schmiegte oder mich zahnlos anstrahlte, ging mir jedes Mal das Herz auf.
Und dennoch, wurde ich nach einiger Zeit unruhig. Der lange Aufenthalt im Haus, das Fehlen jeglicher sozialer Kontakte mit erwachsenen Menschen, die nicht meiner Familie angehörten und nicht zuletzt die fehlende Nähe einer Sima, machte mir mehr und mehr zu schaffen. Ich fing mehr aus Einsamkeit denn aus echtem Interesse eine Affäre mit dem Hausmädchen an, der meine Mutter allerdings schnell einen Riegel vorschob, in dem sie das Hausmädchen entließ. Ich konnte nicht sagen, dass ich ihr nachtrauerte.



Am Morgen von Persias Geburtstag schlurfte ich gähnend in die Küche. Persia zahnte gerade und hatte mich fast die ganze Nacht wach gehalten. Entsprechend müde steuerte ich nun die Kaffeemaschine an, als ich zwischen halb geschlossenen Lidern wahrnahm, dass wir einen Gast hatten. Ich hielt in meiner Bewegung inne und rieb mir ungläubig die Augen. Am Tisch mit meiner Mutter saß die Person, von der nie gedacht hätte, sie noch einmal zu sehen.


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Kapitel 8

Beitrag  singingmiri am Mi Aug 09, 2017 3:19 pm

„Guten Morgen“, begrüßte meine Mutter mich fröhlich.
„Morgen“, gähnte ich zurück.
„Du kennst Rubinia ja schon. Sie wird ein paar Tage bei uns bleiben. Wir haben ein paar wichtige Dinge zu besprechen.“
Ich nickte müde und wandte mich wieder der Kaffeemaschine zu, wo erfreulicherweise schon eine heiße Kanne Kaffee wartete. Ich stürzte mir den Gebräu herunter, in der Hoffnung, dass das Koffein so schneller in meinem Blut ankam und verließ die Küche schleunigst wieder mit der Begründung, nach Persia sehen zu müssen. Die schlief mittlerweile selig, aber die Ausrede kam mir gerade recht. Rubinias Auftauchen hatte mich mehr aus der Bahn geworfen, als ich mir selbst eingestehen wollte. Ich erinnerte mich nur ungern an den Abend, an dem ich meinen ersten Korb bekommen hatte – nicht, weil das meinen Stolz verletzt hatte, sondern weil ich mich ein wenig schämte. Ich hätte wissen müssen, dass sie von anderem Kaliber war, als die Simas, die ich sonst in mein Bett geholt hatte. Ich hätte die Finger von ihr lassen sollen.



Ich holte den fehlenden Schlaf mittags, während Persia schlief, nach. Als ich aufwachte und nach ihr sah, fand ich im Babyzimmer schon beide Simas vor. Meine Mutter führte Rubinia gerade stolz ihr Enkelkind vor. Meine Mutter hatte wirklich viel mehr Lebenskraft als noch vor einigen Monaten, fand ich. Ich beobachtete Rubinia verstohlen. Sie schien nichts davon erzählt zu haben, was zwischen uns vorgefallen war. Überhaupt wirkte sie sehr offen. Sie kam offenbar sehr gut mit meiner Mutter klar. Nach einer Weile gesellte ich mich zu ihnen und übernahm Persia wieder. Und am Abend feierten wir gemeinsam ihren Geburtstag.



Ich ging Rubinia die nächsten Tage erfolgreich aus dem Weg, in dem ich fast den ganze Zeit mit Persia verbrachte. Es war vielleicht nicht notwendig sie rund um die Uhr zu betreuen, aber ich stürzte mich mit Feuereifer darauf, ihr Sprechen und Laufen beizubringen und sie an das Töpfchen zu gewöhnen.




Zuletzt von singingmiri am Mi Aug 09, 2017 3:21 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am Mi Aug 09, 2017 3:21 pm

Aus ein paar Tagen wurden Wochen. Da ich mich nicht ewig im Kinderzimmer verkriechen konnte, begann ich mich wieder mehr im Haus zu zeigen und nahm ab und an Termine außer Haus wahr. Persia konnte sich auch gut ein paar Stunden alleine beschäftigen und meine Mutter sah gerne ab und an nach ihr. Am Weihnachtsmorgen saß ich gemeinsam mit den beiden Simas am Frühstückstisch und ging gedanklich all die Dinge durch, die bis zum Abend noch vorbereitet werden mussten. Viele meiner Verwandten würden abends kommen und mit uns feiern.
„Ich habe dir etwas mitzuteilen“, unterbrach meine Mutter meine Gedanken. Kauend sah ich sie an. „Ich habe vor, ein Museum zu eröffnen“, fuhr sie fort.
Ich verschluckte mich fast an meinem Bissen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich noch befürchtet, dass sie sterben würde und nun plante sie ein solches Großprojekt! „Denkst du nicht, dass das ein bisschen viel Arbeit ist?“, fragte ich darum vorsichtig.
„In meinem Alter, meinst du?“ Meine Mutter grinste mich wissend an. „Ich sprühe geradezu vor Energie. Unbeschäftigt zu sein hat mir noch nie gut getan.“
„Okay“, sagte ich gedehnt. „Und was für eine Art Museum?“
„Ein Museum über uns“, gab sie ruhig zurück.
Diesmal verschluckte ich mich wirklich. „Über uns?“, krächzte ich und griff eilig nach einem Glas Wasser. „Was soll denn da zu sehen sein?“
„In unserem Keller lagern eine Menge Kunstwerke, die in den letzten Generationen von unserer Familie hervorgebracht wurden. Nicht zu vergessen die Sammlung an Artefakten, die dein Großvater gesammelt hat.“
Ich sah meine Mutter zweifelnd an. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das jemanden interessierte.
„Deine Urgroßmutter Pure und deine Großmutter Oceana und ihre Schwester Heaven waren sehr berühmte Musiker. Ein Teil der Ausstellung wird sich mit ihrem Leben und ihren Erfolgen befassen. Dein Großonkel Silver war ein berühmter Autor und Maler. Einige Werke hat er zu Lebzeiten verkauft, aber der Großteil befindet sich hier in diesem Haus. Dann ist da noch dein Urgroßvater Blueberry, ebenfalls ein Maler und dazu Bildhauer. Wir haben einige seiner Skulpturen noch hier. Die Kunst wird einen weiteren Teil des Museums ausmachen. Der dritte Teil wird die gesammelten Artefakte und Fotografien von den Reisen meines Vaters behandeln. Darum habe ich Rubinia hier her gebeten. Sie kennt sich damit besser aus.“
Ich streifte Rubinia flüchtig mit einem Blick.
„Ich habe Archäologie und alte Kunst studiert und außerdem ein paar Kurse in moderner Kunst belegt“, erklärte sie.



„Außerdem hat sie viele der Länder, in denen mein Vater war, ebenfalls bereist und selbst einige Artefakte gefunden, die gut in unsere Sammlung passen. Noch dazu ist sie eine hervorragende Fotografin. Mit anderen Worten: Sie wird die Kuratorin des Museums sein und die Arbeit fortsetzen, wenn ich sterbe“, setzte meine Mutter hinzu. „Natürlich wird sie dafür bezahlt und ich habe ihr angeboten, dass sie hier wohnen darf. Sie wird Auroras altes Zimmer beziehen und im Keller richten wir ihr einen Arbeitsraum ein.“
Als guter Schauspieler gelang es mir meinen Unwillen über diese Nachricht zu verbergen. Rubinia dauerhaft im Haus zu haben würde sicherlich kein Spaß werden. Aber ich wusste, dass ich meine Mutter von dieser Idee nicht abbringen konnte. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, also würde sie es durchziehen.
Meine Mutter war schon wieder bei den Plänen zu ihrem Museum „Außerdem möchte ich einen Teil des Museums als Platz für Sonderausstellungen einrichten, um damit junge Künstler zu unterstützen. Diesen Platz wird zunächst Rubinia mit ihren Fotografien einnehmen.“
„Aber das wäre dann doch kein reines Familienmuseum mehr“, wandte ich vorsichtig ein.
„Das ist richtig. Aber ich möchte junge Künstler gerne unterstützen. Ich wäre mit meiner Akrobatik nie so weit gekommen, wenn mich nicht auch Sims unterstützt hätten. Das würde ich gerne weitergeben.“


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