Fiary Rainbowcy

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Kapitel 1

Beitrag  singingmiri am Mi Apr 18, 2018 1:50 pm

„Aus dem Weg ihr Beiden“, rief Pumpkin übermütig und nahm Anlauf, um zu uns in den Pool springen. Orange und mir blieb gerade noch genug Zeit um uns rasch zur Seite zu werfen und bekamen dennoch einen Schwall Wasser ins Gesicht.
„Na warte, du Spinner“, knurrte Orange, aber er lachte, während er sich daran machte, Pumpkin durch den Pool zu verfolgen, um ihn unterzutauchen. Man konnte meinen, wir wären kleine Kinder. Ich lachte lauthals als die beiden Simos sich in der Mitte des Pools eine Wasserschlacht lieferten und kraulte rasch selbst zum Ort des Geschehens, um den Spaß nicht zu verpassen. Heute morgen hatten wir die Ergebnisse der Prüfungen erhalten. Ich hatte mit Bravour bestanden und auch meine beiden Freunde hatten es geschafft. Pumpkin war wie ich Medizinstudent, allerdings zwei Semester über mir. Wir hatten dennoch einige Kurse gemeinsam belegt und er hatte mich mit größer Selbstverständlichkeit in seine Lerngruppe aufgenommen. Ich war erleichtert gewesen, dass es so einfach war, Anschluss zu finden. Natürlich wusste auch hier jeder, wer mein Vater und meine berühmten Vorfahren waren und gelegentlich stieß ich deshalb auf Ablehnung, aber im Großen und Ganzen schien es niemanden zu kümmern, welch illustre Persönlichkeiten in meinem Stammbaum verzeichnet waren. Und mit Pumpkin und Orange als Freunde, war es mir egal, was hinter meinem Rücken über mich geredet wurde.
Orange, der dritte im Bunde, studierte Wirtschaft. Deshalb war er natürlich auch nicht Teil unserer Lerngruppe. Wie genau es gekommen war, dass er immer mit uns abhing, konnte keiner so genau sagen. Wir hatten uns auf einer der unvermeidlichen Studentenpartys, die über das Semester verteilt stattfanden, kennengelernt und uns ab da oft getroffen. Orange kannte gefühlt jeden auf dem Campus, feierte ein wildes Studentenleben in seiner WG und scherte sich kaum darum, was für Noten er erhielt. Dennoch hatte er es bisher immer durch die Prüfungen geschafft.



„Los, Cherry! Wer länger die Luft anhalten kann, bekommt ein Eis spendiert“, rief Pumpkin, als er mich entdeckte. Ich hatte ihn selten so ausgelassen gesehen. Ich grinste und tauchte gleichzeitig mit ihm ab. Pumpkin war gut, aber er konnte nicht wissen, dass ich meine Sommer bisher quasi durchgängig im Swimming Pool meiner Eltern verbracht hatte und die Schwimmmeisterschaften an der Schule gewonnen hatte.
„Wie machst du das?“, fragte Pumpkin halb verdrossen, halb bewundernd, als ich Sekunden nach ihm wieder an der Oberfläche auftauchte.
Ich grinste. „Du dachtest wohl, ein Streber wie ich war sicher nie im Schwimmclub, was?“ Ich streckte ihm die Zunge raus. „Mein Eis, wenn ich bitten darf.“
Er lachte. „Vielleicht sollte ich dich besser kennen lernen, bevor ich dich nächste Mal zu etwas herausfordere.“ Dann machte er sich auf dem Weg zum Beckenrand, um wie versprochen das Eis zu besorgen. Ich schwamm gemächlich mit Orange zum Beckenrand zurück.
„So still?“, fragte ich, während ich mich am Beckenrand hochzog.
„Ich komme noch nicht ganz darüber hinweg, dass ihr beiden so verrückt sein könnt.“ Er schüttelte grinsend den Kopf. „Ich dachte immer, ihr könntet gar nicht so ausgelassen sein.“
„Was er damit sagen will, ist, dass er uns für ziemliche Langweiler hält“, unterbrach Pumpkin und streckte uns beiden jeweils ein Eis entgegen.
Orange drosch ihm auf die Schultern. „Stille Wasser sind tief, nicht wahr?“
Ich lehnte mich zurück, genoss Eis und Sonne und hörte nicht weiter hin, was sie sprachen. Das Semester war anstrengend gewesen. Pumpkin und ich hatten oft bis spät nachts noch gelernt und so die ein oder andere Party verpasst – umso wichtiger, dass wir uns jetzt endlich erholten.
Oranges Stimme holte mich aus meinen Gedanken zurück: „Bist du in den Ferien bei deinen Eltern?“, fragte er mich.
„Nur kurz“, antwortete ich und ließ mich wieder ins Wasser gleiten. „Dann fliege ich nach Isla Paradiso.“

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singingmiri
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Kapitel 2

Beitrag  singingmiri am Di Apr 24, 2018 10:20 am

Isla Paradiso zog fast das ganze Jahr hindurch jede Menge reiche Touristen an. Fast das ganze Jahr war es hier heiß und sonnig, selbst in der Nebensaison war es immer noch warm genug, um im Meer zu baden, wenn auch regnerischer. Schnee fiel hier fast nie. Ich war hier nicht, weil ich als luxusverwöhnte Sima Urlaub machen wollte, ich war hier um Geld zu verdienen. Ich hatte einen Ferienjob als Rettungsschwimmerin ergattert. An vier Tagen in der Woche bewachte ich jeweils einen der vielen Strände und zog Sims aus dem Wasser, die drohten zu ertrinken. Ab und an musste ich einem von ihnen auch Wasser aus der Lunge pumpen. Die meiste Zeit jedoch, blieb es ruhig. Ich saß auf dem Ausguck, sah zu, dass die Sonne mich nicht völlig verbrannte und beobachtete das Geschehen am Strand und im Wasser.




Meine Eltern hatten darauf bestanden, ein kleines Hausboot zu kaufen, auf dem ich wohnte. Ich hatte anfangs protestiert, aber sie ließen sich davon nicht abbringen. Mein Vater hatte erklärt, er wolle mit meiner Mutter dort selbst Urlaub machen, sobald ich wieder an der Uni war. Also war mir nichts anderes übrig geblieben und ich hatte es sehr zu schätzen gelernt. An meinen freuen Tagen schipperte ich zwischen den Inseln umher, verbrachte die Nächte auf dem Wasser und schnorchelte tagsüber um das Hausboot herum. Es war halb Urlaub, halb Arbeit und ich genoss die Zeit in vollen Zügen.



Viel zu schnell waren die Monate seliger Freiheit auf den Inseln vorbei und ich kehrte zurück an den Campus, wo es nun sehr viel kälter war. Die Agentur, die die Rettungsschwimmer anheuerte hatte es sehr bedauert, dass ich schon weg musste, bot mir aber an, in den nächsten Semesterferien wieder zu kommen – ein Angebot, das ich gerne annahm. Also bezog ich wieder mein altes Zimmer im Wohnheim, besorgte mir meine neuen Bücher und stürzte mich wieder in den Lernstoff, übernachtete ab und an fast in der Bibliothek, ging in die Vorlesungen, ging mit Orange und Pumpkin feiern, bestand die Prüfungen mit exzellenten Noten und flog wieder nach Isla Paradiso. Auf diese Weise vergingen mehrere Semester ...

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singingmiri
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Kapitel 3

Beitrag  singingmiri am Mo Mai 07, 2018 3:39 pm

Ich schloss die Zimmertür hinter mir und lehnte mich einen Augenblick dagegen, um durchzuatmen. „Scheiße“, murmelte ich. Ich schmiss meine Tasche neben meinen Schreibtisch und warf mich dann auf den Sessel – normalerweise mein bevorzugter Platz zum Lernen, doch heute konnte ich das vergessen. Ich war zu aufgewühlt. Es ließ sich einfach nicht mehr leugnen: Mich hatte es total erwischt. Zum ersten Mal im Leben war ich richtig verliebt. Natürlich hatte mich dann und wann mal ein Simo interessiert, aber mehr als eine kleine Schwärmerei war dabei nicht herausgekommen. Ich hatte mich ab und an gefragt, ob mit mir etwas nicht stimmte. Die meisten Simas in meinem Alter hatten schon mehrere Partner gehabt. Nur ich blieb irgendwie immer Single. Nicht, weil sich keiner für mich interessiert hätte, sondern weil ich mich nie richtig verliebte. Doch das hier war anders. Eigentlich hätte mich das ja erleichtern sollen, dass ich zumindest dazu fähig war, einen Simo zu lieben, aber warum um alles in der Welt musste es ausgerechnet mein Dozent sein?



Prof. Realgar Bernstein war in diesem Semester als Austauschdozent an unsere Universität gekommen, um einige Semester im Ausland zu forschen. Eigentlich war er nicht in meinem Fachbereich – er war Professor für Biochemie, aber einige seiner Kurse gehörten fachlich zur Medizin. Also hatte ich mich dafür eingeschrieben – um meinen Horizont zu erweitern, so hatte ich mir selbst eingeredet. Mittlerweile war mir klar, dass ich es zumindest zum Teil auch deshalb getan hatte, weil ich schon bei der Semestereinführungsveranstaltung ein Auge auf ihn geworfen hatte – auch wenn ich das damals mir niemals eingestanden hätte. Und die sogar für meine Verhältnisse hohe Motivation für seine Kurse war sicher auch eher darauf zurückzuführen, dass ich ihn mochte. Ich wollte ihn beeindrucken.



Es machte es auch nicht einfacher, dass er so ein sympathischer und kompetenter Professor war. Er verlangte viel von uns, aber ich hängte mich gern rein – wie gesagt: Ich wollte beeindrucken. Ob mir das tatsächlich gelang? Schwer zu sagen. Meistens machte mein Herz einen kleinen Hüpfer und meine Knie wurden weich, wenn er mich ansah oder noch schlimmer: ansprach.



Ich hörte Schritte vor der Tür und griff mir rasch ein Buch, falls meine Zimmergenossin hereinkommen sollte. Kurz darauf ging tatsächlich die Tür auf und Violet kam herein. Ich beeilte mich, mit dem Lesen anzufangen, damit sie nicht misstrauisch wurde. Ich bemühte mich, mich auf den Text zu konzentrieren, aber nach wenigen Sätze stellte ich fest, dass ich mich nicht erinnern konnte, was ich da gelesen hatte. Also wieder von vorne.
„Schwieriger Text?“, fragte Violet nachdem ich diese Prozedur ein paar Mal wiederholt hatte. Vielleicht wäre es unauffälliger gewesen, wenn ich mich einfach mit meinem Smartphone beschäftigt hätte.
„Mhm“, machte ich. „Liest sich nicht gut.“
„Das macht dir doch sonst nichts aus“, grinste Leaf.
Ich legte das Buch seufzend weg. Half ja nichts. „Ich probiere es nachher nochmal. Ich muss den Kopf frei kriegen.“
„Prima“, strahlte Violet. „Ich weiß genau das Richtige dafür.“
Ich verdrehte die Augen. „Ich hoffe es hat nichts damit zu tun, in die Villa zu gehen, um dort Sportstudenten abzuschleppen.“ Ich erinnerte mich nur ungern an dieses letzte Mal als ich mich von Violet dazu hatte überreden lassen, auszugehen. Die Sportstudenten waren von uns zwar sehr angetan gewesen, aber mir waren sie etwas zu oberflächlich gewesen und was „Nein“ hieß, hatte ihnen wohl noch keiner erklärt.
Violet kicherte bei der Erinnerung. „Nein, nein. Keine Sorge. Aber in der Nähe hat eine neue Billardbar aufgemacht und die sollen echt leckere Drinks haben.“
Ich seufzte ergeben. Blieb zu hoffen, dass die Sportstudenten nicht auf dieselbe Idee kamen.

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Kapitel 4

Beitrag  singingmiri am So Mai 20, 2018 3:07 pm

In der Grotte herrschte eine entspannte Atmosphäre. Studenten aller Fachrichtungen trafen sich dort und die Sportstudenten benahmen sich anständig. Violet und ich schlossen uns einer Gruppe an einem der Billardtische an und verbrachten den Abend in einer Runde netter Sims. Es tat gut, abends mal etwas anderes zu tun als zu lernen und so fanden wir uns in der folgenden Zeit immer wieder in der Bar ein. Manchmal kamen auch Orange und Pumpkin mit, aber meistens waren es nur Violet und ich. Zu sagen, wir wären beste Freundinnen, war vielleicht übertrieben. Wir redeten nicht viel über das, was uns beschäftigte, wir gingen nur gern miteinander weg.



Um mir meinen Prof aus dem Kopf zu schlagen wäre es sicher effektiver gewesen, ihm aus dem Weg zu gehen und seinen Seminaren fern zu bleiben. Nur brachte ich das nicht fertig. Ich musste hingehen, ihn sehen und hören. Selbst die E-Mails, die er an die Teilnehmer seines Seminars schrieb, verschlang ich wie eine Hungrige, las sie oft mehrmals, bis ich sie fast auswendig kannte. Ich erwischte mich manchmal sogar, wie ich absichtlich auf dem Campus herumlungerte, in der Hoffnung, einen Blick auf ihn zu werfen. Er war wie eine Droge für mich, von der ich nicht ablassen konnte. Und so vergingen die Wochen. Ich hatte das Gefühl mich nur im Kreis zu drehen. Ich ging in seine Seminare, weil es mich so glücklich machte ihn anzusehen, kam nach Hause und war unglücklich, weil mir die Aussichtslosigkeit meiner Lage wieder klar wurde und verbrachte den Abend mit Violet in der Grotte. Um nicht ins Hintertreffen zu geraten (und um meinen Prof zu beeindrucken) lernte und erledigte ich meine Hausaufgaben trotzdem gewissenhaft und saß oft noch die halbe Nacht oder ab früh morgens in der Bibliothek. Viel Schlaf bekam ich dabei nicht. Es war unvernünftig, das wusste ich auch ohne Pumpkins mahnende Worte. Aber ich konnte nicht anders. Ich sah keine andere Möglichkeit, mit meinem Leben, das irgendwie aus den Fugen geraten war, klarzukommen.

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Re: Fiary Rainbowcy

Beitrag  singingmiri am So Mai 20, 2018 3:11 pm

„Ist das nicht dein neuer Prof?“, fragte Violet an einem dieser Abende und machte eine halbe Kopfdrehung zu ihm herüber. Ich hatte ihn schon vor einer halben Stunde, als er die Bar betreten hatte, bemerkt. Er trug Freizeitsachen und machte auch sonst den Eindruck, als erwarte ihn ein freies Wochenende, an dem er endlich mal weggehen wollte. Ich gab nun vor, ihn noch nicht entdeckt zu haben, warf einen kurzen Blick über Violets Schulter, wo er gerade an der Bar anstand und nickte so desinteressiert ich konnte.
„Ich habe gehört, seine Seminare sollen richtig gut sein“, bemerkte sie.
Ich konnte ein Lächeln nicht vermeiden und bejahte das.
„Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen“, kicherte sie. „Wie ist er so?“
Ich hob eine Augenbraue. „Nun ja, ich kenne ihn eigentlich nicht, aber als Professor ist er ...“ Ich suchte nach einem passenden Wort. „... großartig“, beschloss ich. Das klang unverfänglich. „Sehr nett und kompetent“, fügte ich noch hinzu.
„Mehr hast du nicht zu sagen? Du warst doch in jeder Sitzung da!“
Woher hatte sie das nun wieder her? Ich runzelte die Stirn. „Das ist kein Stuhlkreis, sondern ein Biochemie-Seminar!Mehr als dass er ein sehr guter Professor ist, kann ich über ihn nicht sagen.“ Das war streng genommen nicht ganz richtig, aber ich fand nicht, dass ich Violet auf die Nase binden musste, dass ich ihn im Unterricht genauer beobachtete, als das von einem Studenten zwingend gefordert war.
Leider ließ sich Violet von dem Thema nicht abbringen. Sie musterte ihn genauer. „Er sieht nicht schlecht aus“, stellte sie fest.
„Ein bisschen zu alt für dich, meinst du nicht?“, murmelte ich scheinbar in die Getränkekarte versunken. „Ich glaube, ich probiere heute mal einen neuen Drink aus.“ Ich klappte die Karte zu. „Willst du auch noch was?“ Ich leerte mein Glas und stand auf.
„Stimmt was nicht?“, fragte Violet verdutzt. „Hat es mit deinem Prof zu tun?“
Mist. War wohl zu offensichtlich. „Ja... nein, nicht direkt“, stotterte ich. Na klasse, das kam einem Geständnis gleich. Ich atmete tief durch. „Ich will nur heute Abend mal nicht an die neunzig Seiten denken, die ich bis Montag für sein Seminar gelesen haben muss.“
Violet lachte. „Verständlich.“ Anscheinend hatte sie es gekauft.
„Soll ich dir noch was holen?“, fragte ich noch einmal.
„Ich hab noch.“ Sie deutete auf ihr halb volles Glas. Ich zuckte mit den Schultern und steuerte auf die Bar zu, wo er noch stand. Das Herz schlug mir bis zum Hals. Vor Violet mochte ich so tun, als wolle ich lieber nicht an ihn denken, aber eigentlich war die Gelegenheit günstig, ein lockeres Gespräch mit ihm anzufangen. Wenn ich nur wüsste, wie ich mit ihm ins Gespräch kommen sollte.



„Miss Fiary“, begrüßte er mich kaum dass ich am Tresen stand. Simmer, wie ich diese Stimme liebte! Wenn er meinen Namen so sagte, jagte es mir direkt einen wohligen Schauer den Rücken hinunter.
„Hallo“, lächelte ich und hoffte, die rote Haut würde kaschieren, dass mir das Blut in den Kopf stieg. Ich gab meine Bestellung auf und wandte mich ihm wieder zu. Ich hatte das Gefühl, er hätte mich beobachtet. Ich fand sein Lächeln schwer zu deuten. War es wohlwollend, wissend was ich empfand, oder einfach nur höflich? Auf jeden Fall wurde das Schweigen peinlich, also nahm ich lieber Reißaus und begab mich zurück zu Violet. Hoffentlich bemerkte sie meine Verlegenheit nicht. Ich wünschte, mir wäre etwas eingefallen, was ich hätte sagen können.
Violet hatte ihn glücklicherweise schon wieder vergessen und sich stattdessen einer Gruppe an den Billardtischen angeschlossen. Ich gesellte mich mit meinem Drink dazu und beobachtete das Spiel. Doch so recht bei der Sache war ich nicht. Immer wieder warf ich verstohlene Blicke in seine Richtung und ein paar Mal bildete ich mir ein, seinen Blick aufzufangen. Er war allein hier, ging mir nach einer Weile auf, denn er saß die ganze Zeit am Tresen und unterhielt sich mit dem Barkeeper. Ich zauderte. Ob ich noch einmal hingehen sollte und es mit einem Gespräch versuchen sollte? Ich wollte mit ihm sprechen, ihn besser kennen lernen, herausfinden, ob es vielleicht doch eine Chance gab. Aber ich hatte auch Angst. Was, wenn er etwas bemerkte? Was, wenn ich mich noch mehr in die Sache verrannte und irgendwann grausam aufwachen würde? Was, wenn er schon vergeben war? Diese Gedanken deprimierten mich. Auf einmal machte mir der Abend keinen Spaß mehr. Ich beschloss heimzugehen. Ich gab vor Kopfschmerzen zu haben und verabschiedete mich von Violet.



Als ich in die kühle Nacht hinaustrat, atmete ich tief durch. Die frische Luft tat meinem Körper gut. Eine Weile sah ich hoch in den klaren Sternenhimmel, dann setzte ich mich langsam in Bewegung. Langsam vor allem, weil ich Zeit für mich wollte, um in aller Ruhe nachzudenken. Ich schalt mich einen Feigling, dass ich mich nicht wenigstens um ein unverfängliches Gespräch bemüht hatte. Es hätte nicht geschadet, freundlich zu sein und mich mit ihm zu unterhalten, wenn er schon alleine da war. So eine Chance würde ich sicher nie wieder bekommen. Ich brütete so sehr in Gedanken, dass ich, als ich in meinem Zimmer ankam tatsächlich Kopfschmerzen hatte.

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