Bluegacy - Heute mach ich blau!

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa März 24, 2012 3:07 pm

LouAnn P.O.V

„Hey Mädchen.“, begrüßte Beau, Iris Vater uns freundlich und tätschelte dabei unsere beiden Köpfe.
Ich konnte Beau gut leiden, weil er wie ein großer, dicker Teddybär aussah. Das war verdammt cool. Außerdem war er immer freundlich und locker, und machte viele Späße.
Iris umarmte ihren Vater herzlich. „Daddy! Was machst du denn hier?“
Ich wusste von meiner Mutter, dass Beau nicht bei Iris und ihrer Mama wohnte, und dass Iris und Beau sich meistens nur am Wochenende sahen. Deswegen konnte ich nachvollziehen, dass sie sich jetzt so freute. Ich freute mich ja auch, wenn mein Papa nach Hause kam!
Beau erwiderte die Umarmung so doll, dass Iris in die Luft gewirbelt wurde. „Ich passe heute auf euch beide auf, weile deiner Mutter noch kurz weg musste.“ Er stellte Iris wieder auf ihre eigenen Füße und zwinkerte mir freundlich zu. „Aber schafft es doch alleine zu spielen oder?“
Eilig nickte ich, denn ich hatte Iris sowieso noch etwas erzählen wollen. Ohne andere Kinder.

„Ich bereite dann schon einmal das Abendessen vor, bleibst du so lange, Lou?“
Ich nickte wieder. „Wenn ich mitessen darf, gerne!“ Denn Beau machte die besten Hamburger.
Als er weg war, beugte ich mich ein Stück zu Iris rüber, um ihr die tolle Nachricht zu überbringen. „Ich muss dir etwas ganz tolles erzählen.“, flüsterte ich. „Ab dem nächsten Schuljahr, gehe ich auf ein Internat. Ein Sportinternat!“ Mit vor stolz abgeschwellter Brust stand ich vor ihr.“
„Und was ist das?“, fragte Iris überrascht nach.
Eigentlich hätte ich mir denken können, dass Iris so etwas nicht wusste. Nicht das sie dumm war, aber sie sah einfach nie weiter als bis zu ihren eigenen Füßen! Na ja, manchmal vielleicht sogar noch bis zu ihrer Staffelei, die sie heiß und innig liebte.
„Ein Internat ist eine Schule, in der man wohnt.“, erklärte ich ihr in einer Kurzfassung, und wedelte dabei mit den Händen, wie unserer Lehrerin, wenn sie etwas unwichtiges erklärte.
Iris nickte, das Gesicht leicht mürrisch verzogen. „Und du du willst in einer Schule wohnen.“
„Klar doch.“; erwiderte ich erstaunt darüber, dass sie nicht zu verstehen schien, wie toll es doch war, was ich plante. „Diese Schule ist super! Ich kann da ganz viel Sport machen, ganz viel Ballett und auch ganz viel Fußball und Abends schlafe ich dann mit meinen Freundinnen in einem Zimmer.“

Ich dachte einen Moment nach, dann grinste ich. „Das ist wie ne Schlafparty!“
„Ich wünschte ich könnte endlich mit Ballett wieder aufhören.“, murrte Iris unzufrieden. Ich wusste wie ungern sie sich bewegte, ganz wie ihr Vater, aber ihre Mutter bestand darauf, dass sie das gleiche machte wie ich, auch wenn es ihr keinen Spaß machte. „Ich will lieber meine Serien zu Hause gucken. Die sind wirklich tausendmal spannender.“
Ich grinste ihr freundschaftlich zu, wie immer wenn sie sich nur beschwerte. „Also würdest du bestimmt nicht mit auf die Schule kommen, oder?“, fragte ich. Ich kannte die Antwort, auch wenn ich mir lieber etwas anderes gewünscht hätte, denn Iris war meine beste Freundin.
„Oh nein! Nie im Leben.“, erwiderte sie lachend, erstarrte aber im nächsten Moment. „Bedeutet dass dann du wohnst gar nicht mehr hier?“ Ihre Stimme wurde leiser. „Und du gehst auch nicht mehr in meine Klasse und bist nicht mehr meine Sitznachbarin?“
Bedauernd schüttelte ich den Kopf. „Ich kann wahrscheinlich am Wochenende immer nach Hause.“
Durch unser angeregtes Gespräch hatten wir gar nicht bemerkt, dass Iris Vater sich auf den Sessel gesetzt hatte und uns freundlich zu hörte. Doch jetzt sagte er etwas: „Wisst ihr, man kann auch sehr gut befreundet sein, ohne dass man sich jeden Tag sieht.“ Er strich Iris tröstend über den Rücken. „Ich und Lous Vater sind auch noch Freunde, und wir sehen uns nicht jeden Tag. Und außerdem kannst du Lou ja auch immer öfter anrufen. Sie hat ja ein Handy.“
Iris nickte langsam. „Du hast Recht, dass werde ich machen.“ Mit wehleidigem Ausdruck in den Augen drehte sie sich zu ihrem Vater um. „Aber ich möchte dann auch auf ein Internat!“
„Kannst du doch auch.“ Beau lachte laut. „Es gibt auch Kunstinternate, die sehr gefragt sind.“
„Da will ich hin!“, jubelte Iris und machte einen Luftsprung.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa März 24, 2012 3:21 pm

Mit Lous Lieblingsbuch in der Hand, betrat ich unser Schlafzimmer, in dem Lou seit Rickys Geburt nächtigte. Sie lag schon im Bett, die Decke bis zur Nasenspitze gezogen. Mit der tiefen Falte, die auch ihre Vater immer hatte, wenn er nachdachte, starrte sie in die Luft.
„Worüber denkst du nach, Liebling?“, fragte ich leise, währen dich mich sanft auf die Bettkante setzte. Das Buch legte ich fein säuberlich auf meinen Schoß.
Seufzend rappelte sie sich ein Stück auf, so dass sie sich auf ihren Ellbogen stützen konnte. „Ich hab Iris gefragt, ob sie mit auf das Internat möchte. Aber sie wollte nicht.“
Mit mitleidigem Gesichtsausdruck, strich ich ihr eine Strähne ihres braunen Haares aus dem Gesicht. „Dass hättest du dir denken können, Liebes. Du weißt doch wie Iris ist.“ Denn schon als Kleinkind war mir klar gewesen, dass Iris ganz nach ihrem Vater kam, was ihre Figur anging. „Ihre Lieblingsdinge sind nun mal Sachen wie Kunst. Und Malen mag sie auch gerne. Und fernsehen.“

„Mh.“, machte Lou bedrückt, aber ich wusste, dass sie es verstand. Sie akzeptierte ihre beste Freundin, so wie sie nun einmal war. „Sie will vielleicht auf ein Kunstinternat.“
„Das wäre das richtige für sie.“, antwortete ich, auch wenn ich mir schon bildlich vor Augen führte, wie Vicky in Tränen ausbrechen würde, wenn ihre Tochter auf einmal weg wäre. Seit Beau nicht mehr bei ihnen lebte, klammerte sie sich förmlich an ihr einziges Kind. Gut das ich Ricky hatte.
„Und Beau hat gesagt wir können telefonieren und uns am Wochenende sehen.“
„Genau.“ Ich lächelte ihr aufmunternd zu. „Und ihr könnt euch Briefe schreiben, und vielleicht kann Iris dich mal besuchen, oder du Iris.“ Ich drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Und du wirst einen Haufen neuer Freundinnen finden, Liebling. Da gibt es viele Mädchen.“ Ich schlug das Buch auf, um ihr daraus vorzulesen, Hanni und Nanni.
Lou bestaunte die Bilder, während ich den Text las, und schien immer mehr und mehr in ihre Traumwelt abzutreiben, bis sich ihre blauen Augen irgendwann schlossen und sie friedlich schlief.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa März 24, 2012 11:18 pm

Am nächsten Tag war endlich auch das zweite Kinderzimmer fertig, so dass wir Ricky in sein eigenes Zimmer verfrachten konnten und Lou wieder in ihrem eigenem Bett schlafen konnte.
„Wann ist Lou so schrecklich groß geworden?“, fragte ich, seufzend, während ich das Bett neben meinem Ehemann richtete. Dazu war ich am Morgen nicht gekommen.
Chris legte das Buch weg, dass er bis eben gelesen hatte und warf mir einen belustigten Blick zu. In seinen Augen sah ich, dass er fand, dass ich übertrieb.
„Guck mich nicht so an.“; warf ich ihm wütend vor. Auch wenn ich nicht wirklich wütend war. Ich konnte es nur nicht leiden, wenn er sich über mich lustig machte. „Dir wird Lou auch fehlen, wenn sie wirklich auf dieses Internat gehen wird.“ Kopfschüttelnd stand ich da und sah in die dunkle Nacht hinaus, die Arme schützend um meinen Körper gelegt. „Meine Kleine Maus.“
„Natürlich wird sie mir fehlen.“ Chris beugte sich über meine Seite des Ehebettes und ergriff meine Hand. Ein tröstender Akt. „Aber irgendwann wird sie sowieso auf eigenen Beinen stehen, und denk nicht das es das leichter macht, wenn wir noch ein paar Jahre warten.“

„Doch.“, erwiderte ich entschlossen. Die Idee, Lou das Internat zu verbieten keimte in mir auf, aber als ich Chris vorwurfsvollen Blick bemerkte nickte ich ergeben. Fast lautlos ließ ich mich auf unserem Bett nieder, meine Hände vehement betrachtend. „Aber sie ist doch noch so klein, Chris. Was ist, wenn es ihr dort nicht gefällt? Wenn sie dort unglücklich ist.“
„Wieso sollte sie das sein?“, hakte er nach. Sanft zwang er mich, mich hinzulegen. „Du kennst Lou. Sie ist von jedem und allem begeistert und Freunde wird sie sicher auch schnell finden.“
Meine Angst blieb. LouAnn war meine einzige Tochter und ich liebte sie immer noch wie am Tag ihrer Geburt. Natürlich hatte ich jetzt noch Ricky, aber das war nicht zu vergleichen. Ich liebte meine Kinder beide, und zwar auch gleich doll!
„LouAnn ist ein starkes, selbstbewusstes Mädchen! Du kennst sie, sie kommt ohne zu Klagen zu Recht. Und ich bin mir sicher, dass es ihr dort gefallen wird. Sport, den ganzen Tag, etwas schöneres gibt es für unsere Tochter doch gar nicht.“

Ich musste lachen, auch wenn ich immer noch bedrückt war. „Du hast Recht.“, erwiderte ich leise und schmiegte mich eng an ihn. „Lou wird zu Recht kommen, aber was ist mit mir?“
Jetzt war er es, der lachte. Laut und schallend, dass ich fürchtete Lou würde nebenan aufwachen. „Das ist typisch du! Nur an dich denken.“ Sanft küsste er mich auf das blaue Haar. „Auch du wirst damit klar kommen, dass Lou auf diesem Internat ist. Du hast ja noch Ricky und mich.“
„Aber keine kleine Tochter mehr.“ Zögerlich sah ich ihn an. „Mein kleines Mädchen, so weit weg.“
„So weit ist sie gar nicht weg, Dalia.“, versuchte er mich zu beruhigen. Ich konnte die Ungeduld in seiner Stimme hören. Mit Sicherheit war er müde vom Tag und wollte einfach etwas schlafen. „Es sind vielleicht vier Stunden mit dem Auto, und dann wären wir bei ihr.“
„Vier Stunden.“, wiederholte ich tonlos. „Weißt du was das bedeutet? In vier Stunden kann alles passieren, Chris. Wirklich alles! Also sag nicht, dass es NUR vier Stunden sind.“
„Es wird aber nichts passieren, weil dort Leute sind, die auf sie aufpassen.“ Er seufzte. „Bitte mach dir keine unnötigen Sorgen. Ich weiß, dass es schwierig für dich ist und auch für mich ist es nicht leicht, meine Tochter im fremde Hände zu geben. Aber ich akzeptiere ihren Wunsch und versuche ihr den perfekten Staat in die Zukunft zu ermöglichen.“

Ich wusste das er recht hatte, aber dass änderte nicht an meiner Gefühlswelt. Und auch als Chris sich schließlich gähnend unter seine Decke schob, war für mich das ganze Drama noch nicht vorbei.
„Also werden wir sie wirklich an dem Internat anmelden?“, fragte ich leise in die Dunkelheit, nachdem auch ich mich unter meine Decke gekuschelt und das Licht gelöscht hatte.
„Ja.“, war Chris kurze und bündige Antwort. Er wollte nicht mehr diskutieren.
„Dann fährt sie in ein paar Tagen.“ Es blieb still neben mir. „Und bleibt sehr lange da.“ Es blieb immer noch still. „Dein kleines Mädchen in fremden Händen.“
Seufzend drehte Chris sich zu mir um, so dass er mir in meine violetten Augen sehen konnte. „Ich sage es nur noch einmal!“ Er holte Luft. „Ich werde unsere Tochter morgen an diesem Internat anmelden, und ich werde ihr beim Kofferpacken helfen und ihr alles Gute wünschen. Was du machst, interessiert mich heute Abend nicht mehr, weil ich einfach müde bin!“
Ergeben nickte ich und gab ihm einen leichten Kuss. „Na gut, Liebling. Gute Nacht!“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am So März 25, 2012 4:02 pm

„Ich glaube, dass wir heute einen Test in Mathe schreiben.“ Lou biss herzhaft von ihrem Brot ab, und sprach mit vollem Mund weiter. „Aber ich schaff den locker.“
Während ich am Herd stand und ihn schrubbte, hatte sich Chris mit unserer Tochter an den Tisch gesetzt. Wir wollten ihr heute verkünden, dass sie auf dem Internat angenommen wurde, und ich wollte nicht, wie sie sah, dass ich ein paar Tränchen verdrückte.
Während ich weiter putzte, spürte ich Chris fragenden Blick in meinem Rücken, aber ich wagte es nicht mich umzudrehen und ihn anzusehen. Am liebsten wäre ich gar nicht hier!
„LouAnn.“ Chris benutzte feierlich ihren ganzen Namen, was wir so gut wie nie taten. Für uns war sie schon immer Lou gewesen. „Deine Mutter und ich müssen dir etwas sagen.“
Ich drehte mich nun doch um und warf Chris einen zweifelnden Blick zu, der ihm verraten sollte, dass ich immer noch nicht besonders glücklich mit seiner Entscheidung war. Doch als ich in Lous gespanntes Gesicht sah, wusste ich, dass es für sie keine bessere Lösung gab.
„Und zwar sind deine Mutter und ich.“, er sah mich nach Zustimmung heischend an. „Der Meinung, dass wir demnächst unbedingt nach SimCity fahren, und ein bisschen was einkaufen müssen.“

Fragend sah Lou zwischen mir und ihrem Vater hin her, auf der Suche nach einer Erklärung für diesen Wunsch. „Wieso müssen wir einkaufen?“, hakte sie schließlich nach.
Chris lächelte. „Na ja, ich denke dass du ein paar neue Sachen und einen neuen Koffer für deine Fahrt ins Internat brauchst.“ Die Bombe war geplatzt.
Mit großen Augen sah Lou ihren Vater an, als konnte sie es gar nicht glauben. „Ihr meint...ihr meint ich darf wirklich auf das Internat gehen? Ihr erlaubt es und die haben mich angenommen.“
Ich nickte, als sich ihr Kopf plötzlich fragend in meine Richtung drehte. „Ja, Schatz.“
Von draußen ertönte die Hupe des Schulbusses. Lou sprang auf, küsste ihren Vater fest aif die Wange und fiel mir dankbar um den Hals. „Ihr seid die besten Eltern, die es gibt.“ Dann nahm sie sich ihren Rucksack und lief hinaus. Wir konnten sie rufen hören: „IRIS! Iris, ich darf auf das Internat, hast du gehört? Sie haben mich angenommen!“

Chris erhob sich lächelnd. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm wohl, dass er sich langsam anziehen musste, denn er verschwand für zehn Minuten im Schlafzimmer, während ich einfach da stand und darüber nachdachte, was für eine folgenschwere Entscheidung ich getroffen hatte.
„Es wird ihr dort gefallen.“ Mein Mann war hinter mich getreten. „Du weißt das, Dalia.“
„Natürlich weiß ich das!“, schniefte ich entrüstet und drehte mich zu ihm um. „Aber mir gefällt es ganz und gar nicht, dass wir unsere Tochter zu abschieben!“
Lachend ergriff er meine Hände. Im Gegensatz zu mir, schien er überhaupt nicht traurig zu sein. „Wir schieben sie doch nicht ab, Blue-Rose.“, erklärte er mir, wie einem kleinen Kind. „Wir sorgen dafür, dass sie schönste Zeit ihres Lebens hat, und das hat sie nun einmal dort.“
„Aber sie wird eine ganze Zeit weg sein, Chris.“ Ich betrachtete unsere verschränkten Hände miteinander. Mir graute es vor dem Abschied. „Dieses Internat...das wird ihr neues zu Hause sein, und sie wird alles in Sunset Vally vergessen. Dich, und Ricky und mich! Und was soll ihr kleiner Bruder überhaupt dazu sagen? Er kann sich doch gar nicht an Lou erinnern.“

„Erst einmal, es gibt so etwas, dass nennt sich Fotos.“, zog er mich liebevoll auf. „Du kannst Ricky ja den ganzen Tag Fotos von Lou zeigen, wenn es dir Spaß macht. Zweitens, Lou kann uns am Wochenende gerne besuchen kommen, haben die vom Internat gesagt. Und Drittens, es gibt auch noch Ferien.“ Er strich mir sanft über die Wange. „Lass sie gehen.“
„Mir bleibt doch nichts anderes übrig.“, erwiderte ich trotzig. Meine Tochter würde mir unendlich doll fehlen. Bevor ich Mutter geworden war, hatte ich niemals damit gerechnet, dass man dadurch so fest an einen Menschen gebunden war. Es war tausendmal stärker als die Liebe zu Chris, und die schien mir schon unendlich. Es war einfach etwas unbegreifliches. „Was ist, wenn sie nie wieder kommen möchte?“, fragte ich leise. „Wenn es ihr dort besser gefällt als hier.“
„Das glaube ich nicht.“ Chris schüttelte besänftigend den Kopf. „Lou ist hier geboren und du weißt doch, was man über Leute sagt, die in Sunset Vally geboren sind.“
„Das Herz bringt einen immer zurück.“, leierte ich den Slogan der Stadt herunter. Aber meine Angst konnte nicht ganz verschwinden. Schließlich war Lou meine Tochter und hatte damit perfekte Ambitionen den Drang nach dem Stadtleben in sich zu tragen.
„Ich muss jetzt los, Liebling.“ Er gab mir einen Abschiedskuss. „Hör bitte auf dir Sorgen zu machen.“
Ich nickte, aber ich wusste, dass ich das nicht konnte.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am So März 25, 2012 4:12 pm

Christophers P.O.V

„Ich gehen eine Runde mit Ricky spazieren.“ Dalia kam aus dem Kinderzimmer, den nun nicht mehr ganz so kleinen Ricky auf dem Arm. Gestern hatten wir seinen ersten Geburtstag gefeiert. „Kannst du Lou bitte noch ein ordentliches Abendessen machen? Sie hat nur ein Brot mit Marmelade heute gegessen.“ Dalia deutete auf den geleerten Teller der vor meiner Tochter stand, die konzentriert an den Hausaufgaben saß. Wie immer dauerte es etwas länger bei ihr.
Ich nickte, ein Lächeln auf den Lippen, dass keineswegs echt war. „Viel Spaß euch beiden.“ Ich begleitete den einen Teil meiner Familie zur Tür und hielt sie auf, damit Dalia mit dem Kinderwagen besser raus kam. Etwas wehleidig sah ich ihnen nach.
Mein Kopf war völlig dicht. Gedanke an Gedanke reite sich dort drinnen und ließen keinen Platz zum Luftholen. Die Unruhen in Simladesh schienen sich auszuweiten, ohne das jemand etwas machen konnte. Es konnte nicht mehr allzu lange dauern, bis der Ernstfall eintrat, vor dem wir uns alle so fürchteten. Zwei Dutzend Männer müssten ihre Familien aus Sunset Valley verlassen, in der Hoffnung sie in ein paar Monaten wieder zu sehen. Und wenn nicht? Die Frage hing jedes Mal im Raum.

Ich hatte Dalia noch nichts davon erzählt, weil ich wusste, dass es ihr Herz brechen würde. Und solange ich noch keinen konkreten Aufruf bekommen hatte, musste ich auch noch nichts sagen. Ich wollte sie nicht verängstigen, genauso wenig, wie meine Tochter.
Mein Blick wanderte zu Lou an, die ihre Deutschaufgabe gerade fein säuberlich mit einem Radiergummi bearbeitete.
Bald würde sie auf ihrem Internat sein, und weit weg, wenn ich mich dann verabschieden musste. Ich wollte sie nicht hier haben und ihr kleines trauriges Gesicht sehen. Es war schon schlimm genug, Dalia und Ricky dabei in die Augen sehen zu müssen.
Was sollte ich Dalia denn auch sagen? „Mach dir keine Sorgen, Liebling. Ich komme bestimmt zurück!“ Wie konnte ich das sagen, wenn es nicht zu hundert Prozent sicher war? Irgendjemand würde mit Sicherheit sein Leben lassen müssen, und wer sagte, dass es nicht ich war?
Ich hatte für den Ernstfall vorgesorgt. Immer wieder hatte ich ein paar Simeleons zur Seite gelegt und auch eine Lebensversicherung hatte ich abgeschlossen, damit, falls mir etwas passiert, Dalia und die Kinder gut versorgt waren. Ich wollte nicht das sie auf einmal Geldmangel hatten.

Das war das Mindeste was ich für meine Familie tun konnte. Meine geliebte Familie!
Aber wenn ich nicht ging, dann würde ich mich verstecken und schon alleine dafür würde ich mich selber hassen. Und wer sagte mir, dass nicht die Unruhen irgendwann hier übergriffen? Ich musste meine Familie und auch alle anderen hier in Sunset Valley schützen. Und wenn das hieß, dass ich Dalia und die Kinder für eine Zeit lang verlassen musste, und mein Leben riskierte, dann machte ich das voller Stolz und Kraft, die Dalias Liebe mir gab.Denn erst seit ich Dalia und meine beiden Lieblinge hatte, schätzte ich das Leben, denn es war endlich etwas wert.
„Daddy?“ Lou holte mich aus meinen düsteren Gedanken. Sie hatte den Stift beiseite gelegt und betrachtete nun nachdenklich mein Gesicht. „Worüber denkst du nach?“
Eilig setzte ich ein lockeres Lächeln auf, damit sie sich nicht sorgte und nachher bei ihrer Mutter nach fragte. Dalia war bis jetzt noch nicht misstrauisch, und das sollte so bleiben. „Ich hab darüber nachgedacht, was ich mit deinem Zimmer mache, wenn du weg bist.“ Ich tippte mir gegen das Kinn, als müsste ich ernsthaft darüber nachdenken. „Vielleicht einen Fitnessraum?“

„Das würde Mama nicht zu lassen.“ In Lous Augen konnte ich trotzdem einen Funken Unsicherheit herauslesen. „Ich will ja doch irgendwann wieder kommen! Außerdem will ich euch besuchen.“
„Weiß ich doch.“, erwiderte ich lachend und erhob mich von meinem gemütlichen Platz, um meiner verängstigten Tochter zärtlich über das Haar zu streicheln. „Dein Zimmer bleibt natürlich so, Lou.“
Die Konzentration für die Hausaufgaben war verschwunden. Lou setzte sich auf ihre Hände, wie immer wenn sie aufgeregt war. „Fahrt ihr mich hin?“
„Nein.“ Ich schüttelte bedauernd den Kopf. Das Internat bat darum, die Kinder alleine fahren zu lassen, um den Abschiedsschmerz auf die Fahrt zu verteilen. „Aber ich verspreche dir hoch und heilig, dass wir dich sofort anrufen werden, wenn du angekommen bist, ja?“
Lou nickte zaghaft, aber ich konnte ein paar Tränchen in ihren blauen Augen sehen, die sonst nur so vor Tatendrang trotzten. „Darf ich Felizitas mitnehmen?“ Das war ihr Teddy.
Ich schlang meine Arme fest um ihren ihren zierlichen Körper. „Natürlich, Liebes. Du kannst zwei Spielzeuge mitnehmen, haben die gesagt, also mach dir keine Sorgen.“ Liebevoll küsste ich sie auf das Haar, dass meinem glich wie ein Ei dem anderen. „Meine kleine Lou.“
In Gedanken war das schon fast meine letzte Umarmung für meine Tochter.


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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mo März 26, 2012 7:33 pm

„Oh, Mummy.“ Mit großen Augen stand meine Tochter da, und betrachtete mich, als wäre ich Prinzessin Diana persönlich. „Du siehst so wunderschön aus! So toll.“
Dankbar hauchte ich ihr einen Luftkuss zu, um mein Outfit nicht zu zerstören. „Danke, Liebes.“ ich hatte geschlagene zwei Stunden gebraucht, um so auszusehen, wie ich es wollte. Denn ich hatte mir unglaublich große Mühe gegeben. Es war seit der Geburt von Lou das erste Mal, dass Chris und ich alleine ausgehen würden. Einen schönen Abend miteinander verbringen. Die kurzen Abendessen, die wir zu Hause zusammen einnahmen, zählten nicht wirklich und wenn wir uns dann sehr spät zu Bett legten, waren wir beide so fertig, dass wir nur noch schlafen wollten.
„Sei heute ein liebes Mädchen.“, ermahnte ich meine Tochter liebevoll, auch wenn ich nicht wirklich daran zweifelte. Lou war eigentlich immer lieb und sehr höflich. „Carina macht dir noch etwas zum Abendessen und bringt dich anschließend ins Bett. Sei so lieb und helfe ihr ein bisschen bei Ricky, ja? Zeig ihr wo sein Lieblingsbuch ist und sein Kuscheltier, okay?“

Augen rollend nickte Lou, bevor sie mit ihren Sportübungen begann. „Natürlich, Mummy!“
Ich war ein wenig erleichtert, dass Lou schon so selbstständig war, denn ich ließ meine Babys ungern bei fremden Menschen. Aber da ich Chris hoch und heilig versprochen hatte, mit ihm essen zu gehen, ließ es sich nicht umgehen. Außerdem freute ich mich selber auch riesig auf meinen freien Abend. Chris und ich, ganz alleine. Und ein paar Kerzen natürlich.
Da fiel mir noch etwas ein. „Wenn etwas ist, gehst du einfach zu Vicky, ja?“
„Ja, Mummy.“ Lou warf mir einen genervten Blick zu. „Hoffentlich kommt Dad gleich, damit ich in Ruhe weiter trainieren kann.“ Ich streckte ihr die Zunge heraus.
Genau in diesem Moment ging die Schlafzimmertür auf und Chris trat heraus. Er hatte ein breites Lächeln auf den Lippen, anscheint freute er sich eben so wie ich. „Du bist schon fertig?“
Ich zog eine Grimasse über seinen ironischen Unterton. „Sehr witzig. Es brauchte eben seine Zeit um so auszusehen.“ Stolz drehte ich mich einmal um mich selber. „Gefällst dir?“
„Mehr als das.“ Hinter seinem Rücken zauberte er urplötzlich einen Strauß roter Rosen hervor und hielt sie mir lächelnd hin. „Für die schönste Frau des Abends, die schönsten Blumen.“
Kichernd nahm ich den Strauß entgegen. Die Verliebtheit des Anfanges unserer Beziehung kehrte zurück und ließ die Schmetterlinge in meinem Bauch los. „Wie süß du doch bist.“ Ich schnupperte tief an den Blumen und betrachtete sie verliebt. „Die sind wirklich herrlich.“

Lou schnaubte verächtlich. „Man, Mum, Dad! Könnt ihr nicht endlich losgehen.“ Mit hängenden Schultern sah sie uns an, und hob verärgert die Augenbraue, als wir lachten.
Aber wir taten ihr den Gefallen. Verliebt und Hand in Hand stolzierten wir den Weg hinunter in das neue Bistro, um es endlich mal auszuprobieren. Wir hatten nicht reserviert und waren froh, dass der Kellner uns noch einen Platz zuweisen konnte. Sogar einen schönen.
„Ich bin so froh, dass wir endlich Zeit für uns gefunden haben.“ Chris hatte über den Tisch hinweg meine Hand ergriffen. „Wir waren in letzter Zeit mehr Mutter und Soldat als ein Ehepaar!“
Ich nickte. Auch ich war schrecklich froh gewesen endlich wieder mit Chris alleine zu sein, aber der Gedanke an seine Arbeit machte mir genau in diesem Moment wieder Bauchschmerzen. „Wie sieht es eigentlich mit den Unruhen in Simladesch aus?“, fragte ich vorsichtig.
Augenblick verdunkelte sich Chris Gesichtsausdruck und er nahm die Hand von meiner. „Wir sollten den Abend genießen, Dalia und nicht über die Arbeit sprechen.“
„Die Arbeit ist aber ein Teil unseres Lebens geworden, Chris.“, erinnerte ich ihn unsanft. „Ich schlafe schließlich jeden Tag mit der Angst ein, dass du am nächsten Tag deine Koffer packen musst. Jedes mal wenn ich das Abendessen serviere, überlege ich fieberhaft, ob es das letzte Abendessen für eine lange Zeit sein kann. Und jedes Mal, wenn ich Lou oder Ricky ansehe, fragte ich mich besorgt wie ich die beiden ohne dich großziehen soll.“ Ein paar Tränen fanden ihren Weg in meine Augen, also wandte ich eilig den Blick ab. Ich wollte nicht, dass er meine Tränen sah, es musste schwer genug für ihn zu sein, mit der selben Angst zu leben.

Eine Weile schwieg Chris. Aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, dass er den Kopf gesenkt hatte und nachdenkliche unsere Hände anstarrte, an denen unsere Eheringe im Kerzenschein funkelten.
„Ist es schon entschieden?“ Als er mich fragend ansah, schluckte ich, um meine belegte Stimme wieder klar zu machen. „Ob du schon weißt, wann du gehen musst.“
„Nein.“ Er schüttelte unbehaglich den Kopf, wagte es aber immer noch nicht mich anzusehen. „Ich weiß noch keinen genauen Zeitpunkt Dalia, aber...aber es kann jeden Moment los gehen.“
Irgendwo tief in mir drinnen hatte ich es geahnt. Ich hatte gewusst, dass der Zeitpunkt nicht mehr allzu lange entfernt war. Eine Ehefrau spürte so etwas. Ich schluckte wieder.
„Ich konnte es dir nicht sagen, Dalia. Ich weiß auch nicht...“ Er verstummte, bevor er von neuem begann. „Dich und die Kinder zu verlassen...für mich gibt es nichts schlimmeres. Glaub mir!“
„Ich glaube dir.“ Ein liebevolles Lächeln auf dem Gesicht, sah ich ihn eilig an, damit er die Wahrheit in meinen Augen sehen konnte. „Ich glaube dir das alles, Chris. Aber es ändert nichts.“
„Noch ist nichts entschieden. Es kann sich alles ändern.“ Vehement nickend biss er sich auf die Lippe. Seine Worte klangen eher nach einem Wunsch, als nach der Wahrheit. „Ich weiß es.“
„Ich nicht.“, erwiderte ich tonlos und erhob mich von meinem Platz. Ich konnte nicht hier sitzen und mit ihm essen, immer den Gedanken an seine Arbeit im Hinterkopf. Es ging einfach nicht!
„Wo willst du hin?“, fragte er besorgt, ebenfalls aufstehend. Unruhe breitete sich in ihm aus, als er meine Hand ergriff um mich aufzuhalten.
„Ich...ich brauche frische Luft. Mein Kopf muss ich frei bekommen.“ Ich riss mich los und stolzierte eilig, so gut es in meinen hohen Schuhen eben ging die Straße hinunter. Mein Ziel: Der Stand. Ich brauchte die Meeresluft, die mir meinen Kopf frei blies, um nachzudenken.
Doch kaum war ich unten am Strand angekommen und hatte mich auf die von der Sonne des Tages gewärmten Fliesen gesetzt, hörte ich Chris hallende Schritte hinter mir.
Ich wagte es nicht aufzusehen, als er sich neben mir niederließ, so nahe, dass ich seinen rauen Atem hören konnte. Etwas, an das ich mich mit Freude gewöhnt hatte, und ohne dass ich mich nur wie ein halber Mensch vorkommen würde. Ich brauchte Chris.
Und genau das sagte ich ihm, mit brüchiger Stimme. „Ich brauche dich, Christopher. Ohne dich...ohne dich weiß ich nicht wohin! Du bist mein ganzer Halt hier. Mein Anker!“

„Und jetzt sind es Ricky und Lou.“; erwiderte er sanft. „Sie sind deine Anker, so lange ich weg bin, Dalia, siehst du dass denn nicht? Deine Kinder lieben diesen Ort und sie lieben dich. Und sie werden den Platz, den ich verlasse so lange ausfüllen, bis ich wiederkomme.“
„Und wenn du nicht wieder kommst?“ Diese Frage lag schon die ganze Zeit zwischen uns.
Ich spürte, wie er einen Moment die Luft anhielt, bevor er langsam nickte. „Du wirst versorgt sein.“, sagte er, ohne einen Funken Emotion in seiner Stimme. „Ich habe eine Lebensversicherung abgeschlossen, so dass es dir und den Kindern niemals schlecht gehen wird.“
„Geld soll mir helfen wenn du tot bist?“, fauchte ich ihn wütend an. „Und den Kindern auch? Soll das Geld ihnen den Vater ersetzen? Mit ihnen spielen und ihnen bei den Hausaufgaben helfen?“ Kopfschüttelnd wandte ich mich ab und schlank meine Arme fest um meine Beine. „Wenn du denkst, dass Geld uns wieder glücklich machen kann, hab ich den falschen Mann geheiratet.“
Tröstend legte er den Kopf um meine Schultern. „So meinte ich das nicht, Dalia. Es geht mir nur einfach besser, wenn ich weiß, dass ihr keine Geldsorgen haben werdet.“ Er küsste mich sanft auf mein Haar. „Ich verspreche dir, dass ich zurückkommen werde!“
„Du kannst mir das nicht versprechen.“ Obwohl ich wütend war und am liebsten weglaufen würde, lehnte ich mich noch fester in seinen Arm, als müsste er mich am nächsten Tag verlassen. „DU kannst mir nicht versprechen, dass dich irgendjemand dort...“ Ich konnte es nicht aussprechen.
„Shh.“,machte Chris eilig und begann meinen Kopf zärtlich zu streicheln. „Shh. Ich werde alles versuchen um wieder heil zu meiner Familie zurückzukehren, Dalia. Wirklich!“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di März 27, 2012 8:48 am

Gerade sammelte ich die letzten Spielsachen von Ricky, die überall im Wohnzimmer verstreut lagen, ein und verstaute sie in der Spielzeugkiste, als es an der Haustür klingelte. Überrascht sah ich auf. Ich hatte niemanden erwartet, denn Lou war schon seit zwei Stunden auf dem Weg ins Internat und auch Chris war schon zur Arbeit gefahren, nachdem er Lou gefühlte zehn Stunden im Arm gehalten hatte. Ebenso wie ich, denn es war mir schwer gefallen Lou gehen zu lassen.
Das erneute Türklingeln riss mich aus meinen Gedanken, und zwang mich zur Tür zu eilen, um sie zu öffnen. Zu meiner Überraschung blickte ich auf Vicky und fragte mich unwillkürlich, ob ich unsere Verabredung vielleicht vergessen haben könnte, aber mir fiel nichts ein.
„Jetzt guck doch nicht wie so ein Auto!“, bat sie mich lachend und viel mir freundschaftlich in die Arme. „Ich bin dein Aufmunterungskomitee. Hier um die Tränen zu trocknen.“
Ein Schmunzeln stahl sich auf meine Lippen, obwohl mir überhaupt nicht nach lachen war. „Du bist lieb, Vicky.“, erwiderte ich also und trat einen Schritt zur Seite, damit sie eintreten konnte. „Aber mir geht es wirklich gut. Ich hab viel zu tun, wirklich!“
Vicky sah sich in unserer kleinen Wohnung einmal um, bevor sie eine Augenbraue hob. „Also nach viel Haushalt sieht das hier nicht aus, und Ricky scheint auch zu schlafen.“ Sie zwinkerte mir aufmunternd zu. „Wie wäre es also, wenn du einfach mal Pause machst?“
Ergeben nickte ich, auch wenn ich meine Gedanken lieber noch eine Weile in Putzmittel und Wasser ertränkt hätte. Aber so einen Vormittag mit meiner besten Freundin, konnte auch ganz ablenkend wirken, oder etwa nicht ?

„Hast du schon etwas von Lou gehört?“, riss Vicky mich heute zum zweiten Mal aus meinen tiefen Gedanken. Sie sah mich mit einem aufmerksamen Blick an, als wollte sie mich analysieren.
Ich schüttelte den Kopf, auch darüber hatte ich viel nachgedacht, wann sie sich wohl melden würde. „Nein, ich habe ihr gesagt, sie soll sich melden, sobald sie gut angekommen ist.“
„Dass wird sie sicher noch. Erst einmal muss sie ja ankommen und sich ein wenig einleben.“ Vicky strich sich eine Strähne aus dem Gesicht, ein erleichtertes Lächeln auf den Lippen. „Ich würde wahrscheinlich vor Sorge sterben, wenn Iris wirklich auf das Internat gewollt hätte. Du weißt gar nicht wie glücklich ich Übermutter darüber bin, dass sie bleibt.“
Ich konnte es mir vorstellen. Vicky hing an ihrer Iris, wie damals an Beau und würde die Kleine wahrscheinlich niemals wirklich gehen lassen. Ich hingegen wollte ein selbstständiges Mädchen und das hatte ich mit Lou ja auch bekommen, obwohl sie mir unglaublich fehlte.
„Und wie geht es Ricky?“ Vicky sah zur Schlafzimmertür, von dem aus das Kinderzimmer abging.
„Gut.“, erwiderte ich lächelnd. „Er hat heute sein erstes Wort gesprochen.“ Mit Traurigkeit dachte ich daran, dass Chris vielleicht seine ersten Schritte überhaupt nicht miterleben würde.
„Ist irgendetwas mit dir, außer die Sehnsucht nach deiner Tochter?“ Vicky schien meine Gedanken gelesen zu haben. Meine beste Freundin konnte manchmal tief in meine Seele sehen.

Einen Moment schwieg ich, dachte darüber nach, wie ich meine Gedanken in Worte fassen konnte, ohne dabei anzufangen zu weinen. Es war so unendlich schwer für mich. „Die Unruhen in Simladesch sind so viel schlimmer geworden.“, teilte ich ihr mit. „Chris könnte jeden Moment abberufen werden, um dort auszuhelfen. Sie bringen ihn in Lebensgefahr.“
Mitleidig strich mir Vicky über den Arm, ich konnte die Angst um Chris auch in ihren Augen sehen, denn auch sie hatte ihn fest in ihr Herz geschlossen. „Das ist ja schrecklich.“
Ich nickte und wischte mir eilig die einzelnen Tränen von der Wange. „Ich weiß nicht wie ich das den Kindern erklären soll. Oder wie ich sie ohne ihn großziehen soll! Es kann so viel passieren.“
Sanft schloss Vicky mich in ihre zierlichen Arme. Es tat unendlich gut jemanden an seiner Seite zu haben, der einen verstand, auch wenn er nicht wirklich inbegriffen war. „Chris wird auf sich aufpassen, Dalia. Er liebt dich und die Kinder und nichts würde ihm ferner legen, als sich in Gefahr zu bringen und damit die Chance zu riskieren, dass er euch nie wieder sieht.“
„Wieso hat er bloß diesen dämlichen Beruf angenommen?“, wütete ich halblaut. Kopfschüttelnd fasste ich mir an die Stirn. „Er musste doch wissen, dass es irgendwann so ausgehen könnte.“

„Ihr brauchtet Geld und er wollte dich beschützen.“ Vicky hatte sich wieder von mir gelöst und sah mir jetzt fest in die Augen, um mich daran zu erinnern, für wen mein Mann das alles tat. „Chris ist so ein mutiger starker Mann. Für seine Familie würde er alles tun, Dalia. Das weißt du.“
„Ja.“, erwiderte ich. Traurigkeit ersetzte die Wut, hinterließ aber trotzdem eine schmerzhafte Leere, als ich daran erinnert wurde, für wen er das ganze doch tat. Für mich.
„Noch ist es doch noch gar nicht so weit.“ Vicky hatte sein aufmunterndes Lächeln aufgesetzt, dass aber keinen festen Halt auf ihrem Mund zu haben schien. „Oder hat er schon einen Termin?“
Ich schüttelte den Kopf. „Er hat gesagt, sie können ihn jeder Zeit einberufen“ Ich verschränkte die Arme vor der Brust, als müsste ich mich selber zusammen halten. „Unser wunderbares Leben kann jeden Moment vorbei sein, Vicky, verstehst du das? Ich nämlich nicht.“
„Alles wird wieder gut.“, prophezeite sie mir leise. „Alles wird gut werden, Dalia.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di März 27, 2012 9:29 am

Nachdem Vicky gegangen war, machte ich mich daran Lous Zimmer auf Vordermann zu bringen. Nicht das das in irgendeiner Art und Weise von Nöten gewesen wäre, denn Lou war schon immer ein ordentliches Mädchen gewesen, aber ich brauchte Ablenkung. Und nachdem ich und Vicky den ganzen Vor- und Nachmittag gequatscht und mit Ricky gespielt hatten, war der kleine gegen frühen Abend lautlos in meinen Armen eingeschlafen. Und jetzt war ich alleine.
Und genau so fühlte ich mich auch. Alleine. Lou war auf dem Internat, und hatte immer noch nicht angerufen. Aber ich nahm es ihr nicht übel, denn es gab so schrecklich fiel zu sehen für sie. Sie sollte sich ruhig erst einmal einleben, bevor sie sich bei uns meldete.
Und Chris arbeitete noch. Wahrscheinlich musste er wieder Überstunden einlegen, denn nach und nach hatten sich Kollegen entschieden auch ohne Einberufung nach Simladesch zu gehen. Sie wollten für ihr Land kämpfen und den Leuten dort helfen, und ich wusste, das auch Chris mitgegangen wäre, wenn er nicht eine Familie zu Hause gehabt hätte.
Immer wieder schlich sie die Frage nach seiner Rückkehr in meinen Kopf. Was sollte ich tun, wenn er nicht zurückkam? Wenn er dort tödlich getroffen wurde? Dann wäre ich wirklich alleine.

„Blue-Rose?“ Die Kinderzimmertür ging auf und Chris kam herein. Er sah erschöpft aus und müde von Tag, aber trotzdem lächelte er glücklich, als er mich entdeckte. „Ach hier bist du!“
„Ja, ich wollte mich etwas um Lous Kinderzimmer kümmern. Ich habe das Gefühl, als wäre es ohne sie so unbelebt.“ Betrübt sah ich mich einen Moment in dem grün gehaltenen Zimmer um.
„Mir fehlt sie auch.“ Chris schloss die Tür hinter sich und kam ein paar Schritte nach vorne, beide Hände fest hinter seinem Rücken verschränkt. „Aber ich denke, dass es ihr dort so gut gefällt, dass sie nicht einmal daran denkt uns anzurufen. Du weißt doch wie Kinder sind.“
Ich nickte langsam. Mit Sicherheit hatte er Recht, und trotzdem tat es einfach gut in ihrem Zimmer zu sein, über die Decke zu streichen, in der sie gelegen hatte und das Bild zu betrachten, dass sie zuletzt gemalt hatte. Es war, als wäre sie bloß in der Schule, und würde gleich zurückkommen.
Chris seufzte leise. Nun stand er vor mir, ergriff mit einer Hand mein Handgelenk und zwang mich ihn anzusehen. „Hör bitte auf Trübsal zu blasen, Liebling, ja?“ Hinter seinem Rücken holte er einen Straß weißer Tulpen hervor und hielt sie mir hin. „Erfreue dich lieber an diesen Blumen.“
Dankbar nahm ich sie entgegen und schnupperte daran. „Die sind unglaublich schon.“, murmelte ich leise, aber die Traurigkeit und Verzweiflung über Chris konnten sie mir nicht nehmen.
„Aber sie helfen nicht?“, wiederholte er meine Gedanken, als Frage verpackt. In seinen Augen konnte ich die Enttäuschung lesen, denn anscheint hatte er sich gedacht, mich damit wieder fröhlich und glücklich zu stimmen. Aber wie sollte ich das sein?
„Hör zu Chris.“, begann ich vorsichtig. „Die Blumen sind wunderschön und ich danke dir dafür. Aber...aber sie können mir nicht meine Angst nehmen, verstehst du was ich meine?“
Er nickte, schloss seine Arme fest um meine Taille und zog mich ganz nah an sich heran. „Natürlich verstehe ich dich, Dalia. Aber was soll ich denn tun? Was verlangst du von mir.“
Obwohl ich wusste, dass es unmöglich war, presste ich es hervor. „Sag mir, dass du bleibst. Hier bei mir und deinen Kindern. Dass du nicht nach Simladesch gehen wirst, und dich nicht in Gefahr begibst.“ Sehnsüchtig legte ich meinen Kopf auf seiner Schulter ab. „Verspreche mir das.“
„Dass kann ich nicht.“, erwiderte er tonlos. Der Schmerz darüber, dass er es nicht konnte, war klar und deutlich heraus zu hören. „Ich MUSS gehen, Dalia. Meine Einheit braucht mich, und die Leute in Simladesch brauchen mich. Ich muss ihnen helfen und euch davor schützen, dass dieser Krieg sich bis nach Sunset Valley ausbreitet. Verstehst du das?“

Ich verstand es, aber auch gleichzeitig nicht. Seine Familie brauchte ihn auch. „Du musst am verhungern sein.“, wechselte ich mit brüchiger Stimme das Thema. Mir fiel einfach nicht ein, was ich noch sagen könnte, dass ihn daran hindern würde zu gehen. „Ich mach Abendessen.“ Und mit diesen Worten löste ich mich von ihm und eilte an ihm vorbei in die Küche.
Chris folgte mir auf leisen Sohlen. „Das Gespräch ist nicht beendet.“, teilte er mir leise mit.
Ich nickte wissend. „Aber du hast doch bestimmt Hunger, oder? Dann lass mich kochen, so lange du redest.“ Ich brauchte eine Beschäftigung für meine Hände.
Chris setzte sich auf einen der Stühle, ich konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie er die Hände nachdenklich gefaltet hatte. „Dich und die Kinder zu verlassen, dass ist das schwerste Opfer, was man je von mir verlangt hat.“, erklärte er sanft. All seine Liebe klang bei diesen Worten mit. „Du weißt, dass meine Eltern starben, als ich sechs Jahre alt war und seit dem bin ich von Kinderheim zu Kinderheim und von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gewandert, und nie habe ich mich wirklich richtig angenommen gefühlt. Hier in Sunset Valley, wo ich als letztes hinkam, gab es endlich eine ältere Frau, die sich meiner Annahm. Und hier lernte das erste Mal was es heißt geliebt zu werden.

Deswegen blieb ich auch hier, nachdem sie verstarb, in der Hoffnung irgendwann eine richtige Familie zu haben. Mit allem drum und dran, weißt du?“ Er lächelte zaghaft, ich konnte es an seiner Stimme hören. „Und dann kamst du, stelltest mein ganzes Leben auf den Kopf. Aber im positives Sinne. Erfülltest mir meinen großen Wunsch, machtest mich zu deinem Ehemann und schenktest mir zu guterletz, auch noch zwei wunderbare, gesunde Kinder. Für mich gab es nichts mehr, was ich mir wünschen konnte. Außer dich und die Kinder immer glücklich und in Sicherheit zu wiegen. Verstehst du was ich meine? Euch sollte es an nichts fehlen und ihr solltet immer wohl behütet sein. Und genau deswegen fiel es mir nicht schwer den Job als Soldat anzunehmen. Einerseits brauchten wir die gute Bezahlung und andererseits, wusste ich dass ich euch damit immer beschützen würde können. Ihr müsstest euch nie fürchten.“
„Du hast wohl vergessen, dass das meiste vor dem wir uns nun fürchten dein Ableben ist.“, teilte ich ihm mit, während ich zwei Teller mit Spagetti befüllte. „Vielleicht werden wir Geld haben, ja. Und vielleicht werde wir auch immer ein Dach über den Kopf haben, aber nie wieder einen Vater und Ehemann.“ Nachdem ich mich neben ihn gesetzt hatte, sah ich ihm fest in die Augen. „Ich liebe dich, Chris. Und ich würde alles dafür geben dich und die Kinder für immer bei mir zu haben.“

„Ich weiß.“ Gedankenverloren tauchte er seine Gabel in die Nudeln. Uns beiden schien der Appetit vergangen zu sein. „Aber es lässt sich nicht mehr rückgängig machen und ich kann dir nicht mehr versprechen, als dass ich auf mich aufpassen werde. Es gibt keine andere Möglichkeit.“
„Ich weiß.“, sagte diesmal ich. „Ich weiß, dass du schon längst entschieden hast. Es ändert aber nichts.“ Ich legte meinen Kopf schluchzend in meine Hände und fühlte im nächsten Moment Chris Hand auf meinen Rücken. Er versuchte mich zu beruhigen.
„Bitte, Dalia.“, bat er mich flehentlich. „Mach es mir doch nicht noch schwerer, als es schon ist.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di März 27, 2012 2:42 pm

Christophers P.O.V

Gedankenverloren warf ich einen letzten Blick auf das aufgebaute Szenario um mich herum. Die Luftballons schienen in der Luft zu schweben, ohne angebunden zu sein, denn durch die Dunkelheit konnte man die schwarzen Fäden nicht sehen. Das Buffet stand fertig zum servieren neben der großen Tanzfläche und der Anlage, die ich extra gemietet hatte. Und der Tisch mit den Stühlen, stand ebenfalls so perfekt, dass man Problemlos die Leute beim Tanzen beobachten konnte, ohne sich dabei den Hals zu verrenken. Es war einfach perfekt.
Und dass alles nur für meine geliebte Frau Dalia. Nach all dem, was ich ihr zumuten musste, hatte sie sich einen wunderschönen Geburtstag verdient, und den hatte ich sorgfältig organisiert.
Endlich tauchten die ersten Gäste auf. Vicky kam mit Beau, auch wenn die beiden kein Paar mehr waren, sah man sie öfter miteinander spazieren gehen.
Vicky winkte mir aufgeregt zu. „Das hast du so toll organisiert, Chris.“, staunte sie. „Wow.“
Dankbar begrüßte ich die beiden. „Für Dalia eben nur das Beste.“ Anschließend machte ich mich daran die anderen Gäste zu begrüßen, und ihnen einen Platz zuzuweisen. Dann nahm ich mein Handy raus und schrieb Dalia eine SMS, dass ich draußen auf sie wartete. Ich hatte ihr am Nachmittag gesagt, dass wir zur Feier ihres dreißigsten Geburtstag Essen gehen würde, und sie sich bitte schick machen sollte. Es würde sie mit Sicherheit umhauen, was kommen würde.
Und ich sollte Recht behalten, denn als sie nach weiteren fünf Minuten endlich aus der Tür trat, das wunderschöne lange blaue Kleid am Leib, was sie damals auch bei der ersten Verabredung mit mir getragen hatte, blieb sie erstaunt sehen, als sie all die Gäste und das Tamtam sah.

„Was ist denn hier los?“, fragte sie erstaunt und wechselte von einem Gesicht zum anderen, bis sie schließlich an meinem festhing. „Was hat das hier zu bedeuten, Chris?“
Ich breitete die Arme weit aus. „Das hier, Liebling, ist eine Geburtstagsfeier. Alles Liebe und Gute zum Geburtstag, Blue-Rose.“, rief ich laut aus, und die anderen Gäste fielen in meine Glückwünsche ein, während sie Konfetti auf das Geburtstagskind warfen.
Lachend fiel sie mir um den Hals. Etwas, was ich lange nicht mehr von ihr gehört hatte. „Du bist der beste Ehemann, den es auf der ganzen Welt gibt.“, flüsterte sie mir zu und als sie sich wieder von mir gelöst hatte, konnte ich die Tränen in ihren Augen glitzern sehen. „Danke.“
„Dafür brauchst du dich nicht bedanken.“, erwiderte ich glücklich. „Dich glücklich zu machen ist mein Job als Ehemann. Dafür brauch ich kein Danke und keine Küsse.“ ich dachte einen Moment nach, bevor ich eilig hinzufügte. „Obwohl, so ein Kuss wäre doch echt wunderbar.“
Wieder lachte sie, bevor sie ihre Lippen leidenschaftlich auf meine drückte. Es war ein Kuss, der all ihre Liebe an mich ausdrückte und ihre Freude über diese wundervolle Party.
Als wir uns wieder voneinander gelöst hatten, sah ich sie neugierig an. „Bist du glücklich.“
„Für den Moment ja.“, erwiderte sie und ein Fetzen der Trauer mischte sich in ihre Worte.

Ich wusste was sie meinte, aber ich sagte nichts. Dieser Moment sollte einfach nur wunderschön sein. Eine Erinnerung, an die sie noch lange zurückdenken konnte, ohne in Tränen auszubrechen.
„Ach ja!“ Eilig nahm ich das Geschenk, dass ich vorsichtig neben den Tisch gestellte hatte in die Hand, und reichte es ihr, voller Stolz. „Das kam gerade gestern aus dem Internat. Es ist von Lou.“
Die Freude in den Augen meiner Frau, war kaum noch zu bändigen. Wie ein kleines Mädchen, schnappte sie sich das Paket und riss es auf. Dabei biss sie sich auf die Unterlippe, die Spannung wohl kaum aushaltend. Als ein hübsches, in Leder gebundenes Buch hervorkam, blieb ihr der Mund offen stehen. „Dass muss doch ein Vermögen gekostet haben.“ Sie öffnete es und das erste was wir erblickten, ich warf ebenfalls einen Blick hinein, war eine glücklich lachende Lou, mit einer Freundin neben sich und einem Fußball in ihrer Hand. Darunter stand: „Mir geht es gut. Ich liebe dich, Mama.“ Und geschmückt war es mit lauter kleinen Herzen. „Es ist wundervoll.“, stammelte Dalia und drückte das Buch einmal fest an sich. „Das schönste Geschenk in meinem Leben.“
Die Gäste klatschten und immer wieder kam der Ruf: „Erster Tanz! Erster Tanz!“ Wahrscheinlich von Beau, nach der tiefe seiner Stimmenlage zumuten.
Dalia lachte, ließ sich aber Widerspruchslos von mir auf die Tanzfläche ziehen. Vicky schaltetet auf einen langsameren Song um, Dalia legte die Hände sanft auf meine Schultern und ich umklammerte ihre Hüfte. In dem wundervoll ruhigen Takt der Musik, bewegen wir uns.

„Wieso?“, fragte Dalia plötzlich. Ich war froh über das Lächeln auf ihren Lippen, sonst hätte ich gedacht es ginge wieder über das Thema meiner Abberufung.
„Wieso ich dass hier gemacht habe?“ Sie nickte. „Weil du nicht nur die schönste Frau der ganzen Welt bist, sondern auch noch die beste. Und dass sollte gefeiert werden.“ Ich küsste sie auf die Nasenspitze. „Außerdem weiß ich doch, dass du Partys liebst.“
„Aber ich hatte keine für den heutigen Tag geplant.“ Mit ihren pinken Augen sah mich durchdringend an. „Ohne Lou und...und wegen deines Weggehens, war mir nicht nach feiern.“
„Und jetzt bist du froh, es doch getan zu haben.“, vollendete ich spitzbübisch ihren Satz, ohne auf die feuchten Augen ihrerseits zu achten. „Heute ist dein Geburtstag, Dalia. Heute solltest du nur an schöne Dinge denken, ja?“ Sie nickte, aber die Tränen verschwanden nicht. „Happy Birthday to you. Happy Birthday to you.“ Begann ich zu singen und zauberte ihr ein belustigtes Lächeln auf die Lippen, da mein Gesang nicht gerade angenehm war. „Happy Birthday, dear Dalia. Happy Birthday to you!“ Ich fiel in ihr belustigtes Lachen ein und freute mich.
Dalia lächelte zaghaft, als sie sich wieder beruhigt hatte. „Gott hat mir von allem nur das Beste gegeben.“ Sie strich mir verliebt über die Wange. „Und dafür danke ich ihm.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di März 27, 2012 3:28 pm

Völlig geschafft von der Aufräumarbeit, ließ ich Ricky auf den Boden nieder. Während ich mich um die Reste der Party gekümmert hatte, hatte leise und fröhlich im Gras gespielt. Es hatte entzückend ausgesehen und jeder, der vorbei kam, hatte sanft gelächelt.
Stolz meinen Sohn betrachtend, glitten meine Gedanken zu meiner Tochter. Wir hatten gestern zwei Stunden lang telefoniert. Ich hatte mich für das wundervolle Geschenk bedankt und sie hatte mir von ihrem Alltag erzählt, und dass sie schon viele neue Freunde gefunden hatte und das sie sich dort unglaublich wohl fühlte. Dass ihr Vater uns vielleicht bald verließ, hatte ich ihr verheimlicht. Ich wollte keineswegs, dass sie sich sorgte, es reichte schon, wenn ich das tat.
„Trinken!“, murmelte Ricky vorsichtig, als wollte er mich sachte aus meinen Gedanken reißen. Das war öfter so, und manchmal vermutete ich, dass er mehr mitbekam, als wir wussten.

„Natürlich, mein Kleiner.“ Entschuldigend strich ihm durch das bräunliche Haar und eilte dann zum Kühlschrank um eine Flasche mit Orangensaft heraus zu nehmen. Sein Lieblingsgetränk. Mit einem mütterlichen Lächeln, drückte ich ihm die Flasche in die Hand. „Hier, Liebling.“
Gerade als ich mich wieder vollends aufgerichtet hatte, und in Versuchung war die Küche zu putzen, ging die Haustür auf und Chris kam herein. In seiner Uniform sah er beeindruckend aus.
„Hallo schöne Frau!“, begrüßte er mich strahlend und gab mir einen zärtlichen Kuss. „Wie ich sehe hast du schon ohne mich aufgeräumt. Du hättest auch warten können, dann hätte ich dir geholfen.“ Etwas beleidigt warf er einen Blick aus dem Fenster.
Ich lachte. „Ach, dass bisschen aufräumen. Ich hab momentan ja nicht wirklich mehr zu tun.“
„Wie wäre es wenn du mal wieder anfängst ein Buch zu schreiben?“ Chris Gesichtsausdruck wandelte sich von belustigt zu ernst, als er mich so durchdringend ansah. „Du hast schon ewig kein Buch mehr geschrieben, Dalia und deine Fans warten.“

„Ich habe keine Fans.“, gab ich kichernd zurück. „Wo soll man in diesem Kaff auch Fans haben?“
Chris zog mich an meiner Hand sanft zu sich zurück. „Ich bin dein Fan und auch Ricky ist dein Fan.“ Wir bedachten unseren Sohn beide mit einem Blick. „Warum schreibst du nicht?“
„Mir fehlen die Ideen.“, antwortete ich knapp. Und vor allem log ich. Ich hatte viele Ideen, die alle in meinem Kopf herumschwirrten, aber ich war nicht bereit auch nur eine Sekunde, meiner kostbaren Zeit mit Chris, an diesen Computer zu verschwenden. Und Vormittags musste ich mich um Ricky kümmern. Ich wollte meine Elternzeit mit ihm richtig genießen.
Chris zog eine Augenbraue in die Höhe. Anscheint log ich doch nicht so gut, wie ich immer dachte. „Du willst wirklich sagen, dass du keine Idee hast. Tut mir leid, aber dass kann ich dir nicht glauben.“ Er schüttelte unterstreichend den Kopf. „Wirklich nicht.“
„Zeit hab ich auch keine.“, erwiderte ich rigoros. „Ich bin zweifache Mutter. Da bleibt nicht viel Zeit, Chris. Das müsstest du von früher doch recht gut wissen.“
„Natürlich weiß ich das.“ Chris lachte leise, schlang seine Arme um meine Taille und hielt mich so auf, mit dem Putzen anzufangen. „Aber du sollst auch deinen Traum erfüllen. Autorin sein.“

„Meine Familie ist mein Traum.“ ich lächelte ihn fest überzeugt an. Diesmal brauchte ich nicht einmal lügen. „Und dafür ich ich alles in den Hintergrund, egal wie sehr ich es mir wünsche.“ Sie holte einmal tief Luft. „Ich kann es selber nicht glauben, Chris. Aber aus mir scheint ein kleines Hausmütterchen geworden zu sein. Als ich hier nach Sunset Valley kam, wünschte ich mir nichts mehr, als einfach wieder zu verschwinden. Ich wollte hier nicht bleiben, ich war ein Stadtmädchen. Und dann kamst du. Und dann kamen Lou und Ricky, jetzt gibt es keinen Ort mehr, an dem ich lieber sein würde. Und das ist merkwürdig für mich. Ein komisches Gefühl.“
„Du bist erwachsen geworden.“, erwiderte er scherzhaft und küsste mich sanft auf den Mund. „Du bist vor allem Mutter geworden. Und ein Mutterherz bindet. Für immer.“
Ich nickte einverstanden. Er hatte Recht, denn genauso fühlte ich mich. Gebunden an die Stadt, mit Seilen aus der Liebe meiner Kinder und meines Mannes.
„Wenn du schon kein Buch schreibst, können wir die Zeit auch mal anders nutzen.“ Grinsend deutete er auf das Schlafzimmer hinter uns.
Ich sah ihn erstaunt an. „Und was soll ich mit Ricky machen?“ Mein Sohn spielte immer noch leise auf den Fußboden mit seiner Flasche, öffnete sie und schloss sie wieder.
„Der Kleine kann sich fünf Minuten alleine beschäftigen.“, lachte Chris, und hatte mich schon sachte hochgehoben. „So und jetzt komm, wir nutzen diese Zeit jetzt mal spaßig aus!“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di März 27, 2012 6:03 pm

Christopher P.O.V

Mit schweren Schritten schlenderte ich den Fußweg entlang. Als der Anruf mich erreichte, hatte ich gerade mit Ricky gespielt. Somit war ich völlig unvorbereitet gewesen. Ich hatte nicht mehr daran gedacht, bis ich den Namen auf dem Display gelesen hatte. Ralph, stand da. Mein Chef.
Und von dem Moment an hatte ich es gewusst, auch wenn Ralph nicht viel gesagt hatte. Bloß, dass er mich in einer halben Stunde beim alten Bistro treffen wollte. Mich und die anderen.
Ich war nicht geschockt, aber auch nicht vorbereitet. Ich war nachdenklich. Ein Gedanke nach dem anderen tauchte in meinem Kopf auf, gefolgt von Bildern. Bilder von Lou, von Ricky, von Dalia.
Ich verdrängte sie. Immer noch. Ich wollte nichts von alle dem sehen, wenn ich es hörte, nicht an meine Familie denken, nicht an die Gefahr denken. Das einzige, was ich denken wollte war: Ich bin ein Soldat und beschütze unser Land. Dafür bin ich geschaffen worden. Unser Eid.
Noch jetzt, wo ich doch schon so weit weg von unserem Haus war, konnte ich Dalias fragenden Blick sehen, als ich aufstand und ihr Ricky in den Arm drückte. Sie hatte nichts mitbekommen von meinem Telefonat, und auf die Frage, wohin ich noch gehe, hatte ich geantwortet. „Ich treffe mich mit Beau. Warte nicht auf mich.“ Eine Antwort hatte ich nicht mal abgewartet.

Ralph stand alleine da. Das Bistro war so gut wie leer und meine Kameraden waren auch nicht da. Er lächelte nicht, als er mich entdeckte und das sollte etwas heißen. Denn Ralph war ein sehr fröhlicher Mensch. Immer zu Scherzen bereit und immer am lachen. Nur jetzt nicht.
„Ralph.“ Ich salutierte, wie es sich für mich gehörte, auch wenn ich meinen Chef freundschaftlich beim Vornamen nannte. Er hatte immer noch eine Position über mir.
„Hallo, Chris. Es tut mir leid, dass ich dich noch am späten Abend belästigen musste.“ Seine Begrüßung war absurd, wenn man daran dachte, was er mir anschließend sagen musste. „Die anderen verspäten sich.“; teilte er mir mit. „Sie haben noch etwas zu erledigen.“
Ich nickte. Ich hatte später auch noch etwas zu erledigen. Ich musste mich verabschieden. „Kannst du mir schon einmal sagen, warum wir hier her berufen wurden?“, fragte ich, mit stocksteifer Stimme, als wären wir auf unserem Stützpunkt und trugen Tarnsachen oder Uniform.
Ralph legte mir freundschaftlich eine Hand auf die Schulter. „Lass uns wie Freunde reden.“; bat er mich ruhig. „Ich möchte dir das nicht als dein Chef überbringen, sondern als dein Freund.“
Einverstanden nickte ich. Egal wie ich es drehte und wendete, es würde nicht einfacher werden.
„Ich glaube du weißt worum es geht.“ Er fasste sich nervös in den Nacken. Ich hatte Ralph noch nie nervös gesehen, und es verwunderte mich. „Wir sind einberufen worden, Chris. Die ganze Einheit. Vierundzwanzig Männer.“ Er seufzte. „Männer, dessen Familien ab sofort in Angst leben müssen.“
Ich dachte an Dalia, und wie sehr sie geweint hatte. Und meine Kinder. Ohne Vater.

„Es tut mir leid.“, hörte ich ihn sagen, aber es klang weit weg. „Aber wir müssen gehen. Simladesch braucht uns, unsere Kameraden dort brauchen uns. Deren Familien warten schon viel zu lange. Jetzt sind wir dran und wir sollten diese Chance als Gewinn sehen.“
„Dass tue ich.“; erwiderte ich, stark, ganz im Gegensatz zu meinem Inneren, dass schwach und verängstigt auf dem Boden zu liegen schien. Ich wollte nicht gehen. „Ich fürchte nichts.“
„Ich weiß, Chris.“ Wieder klopfte er mir auf die Schulter, aber diesmal mit Stolz. „Du bist einer meiner besten Männer und wir brauchen dich dort drüben. Und ich weiß was für ein Opfer du bringst. Deine Kinder sind wundervoll und deine Frau hinreißend. Und deswegen frage ich dich, ein letztes Mal: Willst du austreten? Es ist deine letzte Chance.“
Ich hatte viel darüber nachgedacht meinen Beruf beim Militär zu kündigen, bevor es zu spät war, aber seit ein paar Wochen war ich davon ausgegangen, dass es zu spät war. Und jetzt war es das nicht? Änderte das etwas an meiner Entscheidung? Blieb ich? Nein.
„Ich werde mitgehen.“, hörte ich mich sagen, kaum das ich den Gedanken zu Ende gedacht hatte. „Ich werde meine Kameraden nicht im Stich lassen. Und ich werde mein Land beschützen.“ Ich schluckte die Tränen herunter. „Ich bin ein Soldat und beschütze unser Land. Dafür bin ich geschaffen worden.“, sagte ich unseren Eid aufrecht hervor.

Ralph nickte. „Du bist ein guter Soldat und ein guter Familienvater und Ehemann.“ Noch nie war er so persönlich geworden. „Und ich werde alles daran setzen, dass ihr alle heil zurückkehrt.“
„Natürlich.“, erwiderte ich, ein Lächeln auf dem Gesicht. Es war kein glückliches oder gar fröhliches Lächeln. Es war ein Lächeln aus Angst und den Gedanken an Schutz in der Truppe.
„Die anderen kommen sicher gleich. Ich will es ihnen persönlich sagen. Sie sollen keinen Brief bekommen, der sie einberuft.“ Ralph nickte sich selber zu. „Willst du bleiben? Wir werden wahrscheinlich alle noch ein Bier trinken. Oder willst du zu deiner Familie?“
„Es tut mir leid, Ralph.“ Ich lächelte ihn nach Verständnis suchend an. „Du verstehst doch sicher, dass ich jetzt bei meiner Frau und meinem Sohn sein will oder?“ Er nickte. „Wann...wann geht es los?“ Die Frage war das letzte was ich wissen wollte.
„Heute Abend gegen dreiundzwanzig Uhr.“ Ralph schluckte. „Heute Abend, Chris.“
Nickend drehte ich mich um. Über die Schulter antwortete ich noch: „Wir sehen uns heute Abend.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi März 28, 2012 7:11 pm

Obwohl Chris gesagt hatte, ich sollte nicht auf ihn warten, hatte ich es doch getan. Ich war beunruhigt, weil Chris mit so einer versteinernden Miene verschwunden war.
Als die Haustür endlich aufging, sprang ich vom Sofa auf und eilte ihm entgegen, aber als ich sein Gesicht sah erstarrte ich. Seine Augen waren gerötet, und seine Wangen blass. Er hatte geweint.
„Was ist los, Christopher?“, fragte ich, meine zitternden Hände an meinen Mund gelegt. Ich hatte schrecklich Angst vor dem, was er sagen würde. Und gleichzeitig hatte ich Angst, dass etwas sein würde, was ich nicht erwartete. Zum Beispiel etwas mit Lou.
Mit dem Kopf deutete er auf unsere Sitzplätze am Esstisch und ließ sich anschließend auf einen der Stühle nieder. Obwohl seine Miene verschlossen war, hatte ich das Gefühl bis zum Grund seiner Seele zu sehen. Bis zum Boden seines Herzens.
Ich tat was er verlange. Wie ein Roboter setzte ich mich ihm gegenüber, die feuchten Hände auf meinen Rock gelegt. Die Angst kochte hoch, wenn das überhaupt noch möglich war.
Eine Weile sagt niemand etwas. Ich traute mich nicht nachzufragen, und er schien sich nicht zu trauen anzufangen. Wir sahen uns bloß an, als wäre das der letzte Tag in unserem Leben.
„Ich liebe dich.“; brachte er schließlich heraus. Seine Stimme war stark und kräftig, ganz im Gegensatz zu seinem Aussehen. Es fürchtete mich. „Ich liebe dich wirklich, Dalia-Rose.“

„Ich dich auch.“, hauchte ich, unfähig mehr zusagen. Ich wollte nichts mehr sagen. Denn vielleicht war das eine Wort, was ich sagen würde, schon ein Wort zu viel. Wer wusste das schon?
„Es ist so weit. Sie haben uns einberufen, Dalia. Ich muss gehen.“ Er wandte den Blick von meinem Gesicht und richtete ihn stattdessen auf die Schlafzimmertür, als vermutete er, dass Ricky dahinter saß und lauschte, jedes Wort mit anhören konnte. „Verstehst du.“
Ich war mir sicher das man es hatte klirren hören. Mein Herz war auf den Boden gefallen und zerbrochen. Aus Angst. Ich liebte diesen Mann mit allem was ich hatte und jetzt würde er gehen, in eine ungewisse Zukunft, und ich und die Kinder müssten ohne ihn weiterleben. Vielleicht. Ich konnte ihn nicht aufhalten, ich konnte ihn nicht beschützen. Er war auf sich alleine gestellt.
„Mach dir keine Sorgen.“, bat er mich, immer noch Stock und steif. Er sah mich an, mit seinen hübschen blauen Augen, in die ich mich so sehr verliebt hatte. Die ich jeden Morgen erwartete, wenn ich erwachte und die mich mit ihren Lachfältchen einfach glücklich machten. „Kümmere dich so lange gut um Lou und Ricky, ja? Bis ich wieder da bin...“ Er schluckte die Unsicherheit, die in dieser Aussage lag mühsam herunter. „Bis ich wieder da bin, erzähl Ricky viel von mir und zeig ihm Fotos. Ich bin mir sicher, dass er sich nicht mehr an mich erinnern wird, wenn ich wiederkomme.“
Ich sprang von meinem Stuhl auf. Heiße Tränen liefen über mein Gesicht und ließen meine Schminke verlaufen. Aber es kümmerte mich nicht. Laut, wie ein Schoßhund, weinte ich, die Hände fest vor das Gesicht gepresst. Ich spürte wie ich bei jedem Schluchzen durchgeschüttelt wurde, wie mir heiß und kalt zu gleich wurde und ich beinahe das Gefühl hatte, zu ersticken.

„Dalia, bitte!“ Auch Chris war inzwischen aufgestanden. Unbeholfen versuchte er mich zu beruhigen, aber er berührte mich dabei nicht und ich war froh darüber. Eine einzige seiner zärtlichen Berührungen, und ich würde innerlich sterben. „Es tut mir so leid. So unendlich leid.“
Ich wusste es, aber es änderte nichts. Ich war wütend. Wütend auf mich selber, dass ich ihn nicht von Anfang an gehindert hatte, diesen Beruf anzunehmen. Und Wütend, weil es zu spät war, um ihn zu bitten einfach hier zu bleiben. Damit würde ich ihn noch unglücklicher machen.
Chris war inzwischen zu Versprechen übergegangen, die er wie ein ständiges Gebet wiederholte. „Ich komme heil zurück, versprochen. Nur ein Jahr, dann bin ich wieder bei euch. Ich verlass euch nicht für immer, Dalia. Ich verspreche es dir! Du musst nur warten.“
„Nur?“, fragte ich, das nasse Gesicht aus meinen Händen nehmend. „Du sagst nur, Chris, aber du weißt nicht was es für mich bedeutet. Ich warte. Ich warte auf eine Nachricht, jeden Tag, verstehst du? Jeden verdammten Tag werde ich mich in jeder einzelnen Sekunde fragen, ob mein Mann noch lebt. Ob er zurück kommt. Und wie er zurückkommt? Im Ganzen? Ohne Arme, ohne Beine? In einer Urne?“ Ich spukte ihm die Worte praktisch entgegen. „Dann sag noch einmal, NUR!“
„So meinte ich das nicht.“ Hilflos hob er die Hände und ließ sie anschließend wieder sinken. In seinen Augen konnte ich die Traurigkeit sehen, die auch ich fühlte. „Bitte, verzeih mir, Dalia.“
Natürlich würde ich ihm verzeihen. Ich würde ihm alles verzeihen, wenn er bloß heil zu mir und den Kindern zurückkehren würde. „Versprich mir, dass du auf dich aufpasst?“, schluchzte ich leise.

„Bring dich nicht unnötig in Gefahr und schreib mir, so oft du kannst, ja?“
Er nickte und schloss mich fest in seine Arme. So fest hatte er mich noch nie gehalten. „Ich schreibe dir jeden Tag, ich verspreche es. Und den Kindern schreibe ich auch.“ Nachdem er sich von mir gelöst hatte, sah er mir tief in die Augen. „Vergiss mich nicht, ja? Und mach Bilder von den Kindern. Ich will alles wissen, alles sehen. Rickys ersten Schultag, Lous Geburtstag!“
Nickend versuchte ich die Tränen aufzuhalten, doch Chris umschloss meine Hand mit seiner, so dass ich bewegungsunfähig wurde. Gequält sah er auf meine Wange. „Nichts tut mehr weh, als dich weinen zu sehen, Dalia. Und ich hab mir immer geschworen dich nie zum weinen zu bringen.“
Statt einer Antwort küsste ich ihn, als wäre es das letzte Mal meines Lebens. So einen langen und leidenschaftlichen Kuss, hatten wir lange nicht mehr gehabt und er übertraf alle Gefühle, die ich in meinem ganzen Leben gespürt hatte. Es war unbeschreiblich.
„Ich muss gehen.“, murmelte er schließlich, die Augen immer noch geschlossen. „Sie warten und ich muss noch packen. Ich...ich werde jetzt ins Schlafzimmer gehen.“
Ich nickte und ließ ihn los, im Hinterkopf immer der Gedanke, dass ich ihn nie wieder sehen könnte. Doch statt tatenlos herum zu sitzen, machte ich mich daran ihn Lunch für die Reise zu machen. Irgendetwas musste ich tun.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi März 28, 2012 8:12 pm

Die Leute auf den Straßen sahen mich mit mitleidigen Gesichtern an. Sie riefen ihr Beileid aus. Stumm. Aber ich hörte es trotzdem. Es war nicht besonders schwer.
Dabei war ich bei weitem nicht die einzige. Vierundzwanzig Frauen liefen herum, als wäre die Welt stehen geblieben. Sie sahen nichts, sie fühlten nichts. Fungierten nur noch als Mütter ihrer Kinder und warteten jeden Tag mit zitternden Fingern am Briefkasten auf den Postboten. Genau wie ich.
Meine Tage verbrachte ich mit schreiben. Ich hatte einen neuen Roman angefangen um meine Gefühle zu verarbeiten, denn ich musste ausgeglichen bleiben, Ricky und Lou zu Liebe.
Lou hatte ich nichts erzählt. Ich wollte nicht, dass sie sich fürchtete, denn sie war noch ein Kind. Sie sollte einfach leben und Spaß haben, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob ihr Vater lebte.
Ich betrachtete Ricky ein letztes Mal, der gerade friedlich eingeschlafen war. Er hatte seine Augen fest geschlossen, den Mund jedoch ein klein wenig geöffnet. In diesem Moment sah er genau aus wie Chris, wenn er schlief. Ganz der Vater also, wie es auch schon bei Lou war.

Auf leisen Sohlen verließ ich das Kinderzimmer, im Wohnzimmer hörte ich meine Absätze hallend auf dem Holzboden. Es vermittelte mir ein Gefühl von Einsamkeit, denn es war niemand da, der mich liebevoll bat endlich die Schuhe auszuziehen und mich aufs Sofa zu legen.
Chris fehlte mir. Seit er gegangen war, waren nur ein paar Tage vergangen, aber es kam mir vor wie Jahre. Und die Ungewissheit über sein Befinden, über seine Rückkehr, machte es noch schlimmer.
Ich versuchte mir niemals die Frage zu stellen, was passierte, wenn Chris nicht zurückkehrte, denn es war zu schrecklich für mich. Ohne ihn war ich nicht fähig ich zu sein, geschweige denn eine Mutter von zwei Kindern. Alles würde zusammenbrechen, nicht nur meine Welt.
Seufzend betrachtete ich das Bild, das im Schlafzimmer stand. Chris in seiner Uniform, er war so schrecklich stolz auf das Bild gewesen. Und jetzt hasste ich es. Ich hasste es so sehr.
„Jetzt bin ich ein richtiger Soldat, Blue-Rose“, hatte er grinsend gesagt und mich geküsst. Und ich hatte mich mit ihm gefreut, denn ich hatte keineswegs gewusst, was es bedeutete.

Wenn es abends war, und Ricky schlief, dann dachte ich viel darüber nach, wie es Chris wohl gerade ging. Was er tat und ob er an uns dachte. Und es schmerzte mich keine Antwort zu haben.
Was sollte ich Lou erzählen, wenn sie das nächste Mal nach ihrem Vater fragte? Bisher hatte ich sie hinhalten können, aber dass würde ich auch nicht mehr lange können.
„Verspreche mir, dass du heil zurück kommst.“, flüsterte ich dem Bild zu und legte mich dann sanft auf seine Bettseite. Ich wollte ihm so nah sein wie möglich.
Die Übelkeit, die ich seit einigen Tagen verspürte, keimte erneut hoch. Fest rollte ich mich zusammen und versuchte sie zu verdrängen. Das war Trauer Übelkeit, da war ich mir sicher. Mein Körper wehrte sich gegen das Vermissen von Chris, er fühlte sich unwohl.
Ich würde morgen zum Arzt gehen und mir etwas verschreiben lassen. Irgendetwas.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Do März 29, 2012 9:04 pm

Nein, es war keine Traurigkeit Übelkeit. Keine Rebellion meines Körpers wegen Chris. Es waren die natürlichen Anzeichen einer Schwangerschaft. Ich bekam ein Kind von Chris. Erneut.
Gedankenverloren wusch ich die Teller vom Frühstück ab, während ich darüber nachdachte was jetzt passieren würde. Was sich jetzt ändern würde.
Alles. Das war die einzige Antwort in meinem Kopf. Ich war alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und in meinem Bauch wuchs ein weiteres Kind. Ohne Vater.
Ich war alleine. Von Grund auf alleine, bis Chris endlich wieder zu mir zurückkehren würde.
Nachdenklich strich ich mir über den Bauch, der immer noch flach war und keine Andeutungen eines Babybauchs hatte. Ebenso wie bei Lou und Ricky, war es fast unmöglich für mich, mir vorzustellen, dass dort ein Baby drin wachsen würde. Mein Baby. Unser Baby.
Und Chris war nicht da. Er würde sich nicht um mich kümmern können, und bei der Geburt wäre er auch nicht dabei. Ich war alleine. Und vielleicht würde er erst weit nach der Geburt erfahren, dass ich schwanger war, denn obwohl ich ihm noch heute einen Brief geschrieben hatte, in dem ich alles erklärte, wusste ich, dass die Postverbindung nach Simladesch fast unmöglich war.
Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken. Ich trocknete mir die Hände eilig am Geschirrhandtuch ab und eilte zur Tür, um sie zu öffnen. Vor mir stand Vicky, ein aufmunterndes Lächeln auf den dunklen Lippen. Wie immer, wenn sie mich sah, seit Chris weg war.

„Dalia, gut dass du zu Hause bist.“ Ihr Blick glitt an meinem neuen Outfit herunter. „Warst du etwa ohne mich shoppen?“ Sie klang fast etwas beleidigt.“
Ich nickte langsam. Gleich nach dem Arztbesuch, hatte ich mir neue Klamotten gekauft, um nachzudenken. Es hatte geholfen und für die Schwangerschaft hatte ich eh neue gebraucht.
„Hättest du doch etwas gesagt, dann wäre ich mitgekommen.“ Sie zuckte die Achseln. „Egal, nächstes Mal. Wollen wir etwas essen gehen? Ricky ist doch im Kindergarten, oder?“
Ich nickte wieder. „Ich kann nicht, Vicky.“, stammelte ich unsicher. „Ich...ich bin schwanger.“
Erstaunt sah meine beste Freundin mich an. „Schwanger?“, wiederholte sie meine Aussage überrascht. Aber im Gegensatz zu mir, freute sie sich augenblicklich. „Herzlichen Glückwunsch!“
„Mein Mann ist in Simladesch, Vicky.“ Ich versuchte ihr klar zu machen, was mein Problem war, dass ich völlig alleine da stand. „Ich bin alleine. Ich kann kein weiteres Kind aufziehen.“
„Doch kannst du.“, bestimmend tätschelte sie meine Schulter. „Du bist vor allem nicht alleine, Dalia. Ich bin immer für dich da, egal wie spät es ist und welcher Tag ist! Und Chris wird zurückkommen und dann wird er glücklich sein, das neue Baby zu sehen.“
Ihre Worte munterten mich auf, nahmen mir aber nicht die Angst. Halt suchend fiel ich ihr in die Arme. „Ich will keine alleinerziehende Mutter sein, Vicky. Ich will das Chris zurück zu mir kommt und mit mir die Schwangerschaft erlebt. Ich will einfach nicht allein sein.“

Vicky nickte, verstehend und zog mich sanft in die Wohnung. Während ich auf einen Stuhl positioniert wurde, machte Vicky uns schnell etwas aus dem Kühlschrank warm. „Jetzt isst du erst einmal was. Das Baby in dir muss groß und stark werden!“
Langsam stopfte ich das Essen in mich hinein. Obwohl ich keinen Appetit hatte, wusste ich, dass ich essen musste, schließlich wollte ich auch, dass dem Baby gut ging.
„Mach dir bitte keine Sorgen, Dalia. Alles wird wieder gut.“, ermahnte Vicky mich, nachdem sie einen festen Blick auf mich geworfen hatte. „Freue dich doch lieber über dein Baby!“
„Tue ich!“, erwiderte ich leise. „Ich freue mich sehr auf mein Baby, aber ich will nicht, dass es ohne Vater aufwächst. Es reicht schon wenn Lou und Ricky das eine Zeit lang müssen.“
Meine beste Freundin schüttelte eilig den Kopf. „Keins deiner Kinder wächst ohne Vater auf! Sie kennen ihren Vater und wissen dass er sie liebt. Das ist der große Unterschied, Liebes.“
Vielleicht hatte sie Recht, dachte ich dem Moment. Ich dachte an den Augenblick an den ich Lou in den Armen gehalten hatte, oder Ricky und ich dachte dabei an Chris Gesicht, wie es vor Vaterstolz nur so leuchtete. Und genau das würde ich mir bei der nächsten Geburt vorstellen. Denn ich wusste, auch wenn er noch nichts wusste, dass er dieses Baby lieben würde. Wie die anderen.

„Wenn du möchtest können Iris und ich auch eine Weile zu dir ziehen. Wir könnten in Lous altem Zimmer schlafen und dich unterstützen, wo es nur gut.“, riss Vicky mich sanft aus meinen Gedanken. Sie war immer so schrecklich hilfsbereit und das liebte ich an ihr.
„Dass ist lieb.“, antwortete ich dankend. „Aber ich möchte für Ricky alles so gewöhnlich wie möglich lassen, verstehst du?“ Lachend sah ich mich in unserem kleinem Haus um. „Außerdem ist hier glaub ich immer noch viel zu wenig Platz, als dass wir alle hier reinpassen.“
Vicky stimmte fröhlich in mein Lachen ein. „Egal wie klein dein Haus ist, ich liebes es.“ Ihr Gesicht wurde wieder ernster, aber auch liebevoller. „Aber ich helfe dir beim Streichen und beim Möbel aussuchen, okay? Wir machen ein wunderschönes Kinderzimmer, wenn wir wissen was es wird.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr März 30, 2012 12:24 pm

Ich setzte Ricky vorsichtig auf den Boden, und rieb mir den gerundeten Bauch. Dort drinnen ging es zu, wie in einer Einkaufspassage, nie war es ruhig. Und trotzdem liebte ich mein Baby jetzt schon. Nachdem ich noch viel mit Vicky und auch mit meinem Arzt darüber gesprochen hatte, wusste ich, dass das in meinem Bauch ein weiteres Geschenk von Gott war. Etwas, was mir über die Zeit helfen würde, wie es auch Lou und Ricky taten. Und wenn Chris wiederkommen würde, wären wir wieder eine glückliche Familie. Mit drei, statt vier Kindern wohl bemerkt.
Gerade als ich zum Kühlschrank gehen wollte, um Ricky sein Abendessen vorzubereiten, vibrierte mein Handy in meiner Hosentasche. Überrascht nahm ich es heraus und warf einen Blick auf den Bildschirm. Es war das Internat das Lou besuchte. Ein Schauer überfuhr mich.
„Dalia-Rose Mojica am Apparat?“, meldete ich mich mit zitternder Stimme. Ricky, der zu merken schien, dass etwas in mir vorging, sah mich mit seinen pinken Augen aufmerksam an.
„Guten Tag Frau Mojica, hier ist Frau Weidenburg, die Direktorin der Sportakademie für Mädchen.“ Sie machte eine kleine Atempause, in der meine Sorge ins unermessliche zu wachsen schien. „Haben sie einen kurzen Moment Zeit, wir müssten etwas wegen ihrer Tochter besprechen.“
Mein Herz sackte mir in die Hose. Um mich herum war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Selbst das Kind in meinem Bauch bewegte sich nicht.
„Geht es ihr gut?“, hörte ich mich selber flüstern. Meine Hand hatte sich fest um den Hörer geschlungen, als suchte ich Halt daran. „Ist etwas passiert?“

„LouAnn geht es dem Umständen entsprechend gut.“, erwiderte Frau Weidenburg. Obwohl sie förmlich wie eh und je sprach, hatte sie immer einen sehr liebevollen Unterton. „Aber ich setzte mich mit ihnen in Verbindung, um sie darum zu bitten, ihre Tochter nach Hause zu nehmen.“
Erschrocken hob ich eine Augenbraue. „Wieso? Hat sie etwas angestellt?“
„Nein, nein.“, wehrte meine Telefonpartnerin eilig ab. „Ihre Tochter ist eine unserer besten Schülerin, und ich bin immer noch sehr hoffnungsvoll, dass sie eines Tages zu uns zurückkehrt, aber in diesem Moment wäre es einfach das Beste für das Kind, wenn es nach Hause kehrt.“ Sie seufzte einmal schwer, und ich konnte mir bildlich vorstellen wie sie in ihrem Büro saß und die Brille von der Nase nahm. „Wissen sie, wir haben vor kurzem ein anderes Mädchen aus Sunset Valley bei uns aufgenommen. Ihre Mutter wollte, dass sie eine Weile eine andere Luft atmet, um sie von der Trauer um ihren Vater abzulenken, der vor kurzen in den Krieg gezogen war.“
„Nein.“, flüsterte ich. LouAnn durfte es nicht von jemand anderem erfahren haben. Sie war noch nicht so weit, und ich hatte es ihr selber sagen wollen, sobald sie mich besuchte.
„Es tut mir sehr leid, Frau Mojica, aber LouAnn war nicht damit bekannt, dass ihr Vater ebenfalls in Simladesch verweilt. Sie macht sie große Sorgen, wissen sie. Und sie weint sehr oft.“
Ich ließ mich auf einen der Stühle nieder. Meine Beine ließen nach. Geschockt legte ich mir eine Hand auf den Bauch. „Schicken sie so schnell es geht nach Hause.“, bat ich höflich.
„Ich stimme ihnen zu, dass es das beste ist, was wir tun können.“ Es raschelte ein wenig. „Ich werde LouAnn in den nächsten Zug setzen, sie können sie morgen erwarten.“
„Ich danke ihnen.“, erwiderte ich und legte auf. Was hatte ich bloß getan?

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr März 30, 2012 1:05 pm

Am nächsten Abend, ich stand gerade im Wohnzimmer und wischte zum zehnten Mal den Staub vom Fernseher, hörte ich das Taxi vor unserem Haus anhalten. Einen Moment blieb mein Herz stehen. Ich hatte schreckliche Angst meiner Tochter gegenüber zu treten, nachdem ich sie angelogen hatte. Würde sie mich hassen? Wäre sie sauer? Wie fühlte sie sich?
Ich war wie versteinert, als ich erkennen konnte, dass Lou mit einer gepackten Sporttasche den kleinen Weg zu unserem Haus herauf kam. Ihr Gesichtsausdruck war neutral.
Als es schließlich klingelte ging ich mit langsamen Schritten zur Tür, die Hand fest auf meinen Bauch gelegt. Ich brauchte Kraft von dem Ungeborenen.
Meine Tochter sah mich aus den Augen ihres Vaters unverwandt an. „Hey, Mum.“, begrüßte sie mich, ein ganzes Stück gewachsen, seit ich sie das letzte Mal gesehen hatte.
Ich trat einen Schritt zur Seite, ließ sie rein und schloss die Tür. Die Außenwelt sollte ausgeschlossen werden von unserem Streit, unserer Trauer. „Hör zu, Liebes...“, begann ich, nachdem ich tief Luft geholt hatte. Ich wollte mich entschuldigen, sie um Verzeihung beten, aber dazu kam ich gar nicht. Lou schloss so schnell sie konnte ihre langen Arme fest um meinen Hals.

„Ich hab dich so vermisst, Mummy. So sehr.“, flüsterte sie in mein Haar, und bald spürte ich eine gewissen Nässe, die Tränen die sie vergoss. „So sehr! So sehr! So sehr!“
„Ich dich auch.“, flüsterte ich. Die Überraschung in mir hatte noch die Überhand übernommen. Mit allem hatte ich gerechnet. Wut, Zorn, Angst, Fragen. Aber niemals, dass sie mich so herzlich umarmt hätte. Liebevoll strich ich ihr über das braune Haar, dass unglaublich lang geworden war.
Als sie sich wieder von mir gelöst hatte, sah sie mich mit ihren rötlichen Augen an. „Stimmt es? Ist Dad einfach gegangen, ohne sich bei mir zu verabschieden? Ich hab gesagt ich glaube es nicht, aber Mary hat...ich meine...stimmt es, Mum...“
„Shh.“, machte ich eilig. Beruhigend streichelte ihre Hände. „Dein Vater ist in Simladesch, Lou-Schätzchen, aber er konnte sie einfach nicht bei dir verabschieden. Es ging alles so schnell und er wollte dich nicht belasten. Genauso wie ich.“ Ich küsste sie sanft auf beide Wangen. „Es tut mir leid, dass du es so erfahren musstest, aber ich konnte einfach nicht anders.“

Lou nickte, nicht nur äußerlich, auch innerlich schien sie älter geworden zu sein. Das kindliche Denken schien fast verschwunden zu sein. „Aber er kommt wieder nach Hause, oder?“
Ich nickte, und verdrängte den Gedanken, dass es nicht die Wahrheit sagen könnte. So etwas musste eine Halbwüchsige nicht hören. Eilig ging ich zum Kühlschrank, um ihr ein Abendessen zuzubereiten. „Du musst schrecklichen Hunger haben, Lou. Reichen dir Spagetti von gestern?“
„Ja.“ ich hörte wie sie sich an den Tisch setzte und wartete. „Mum? Kann ich eine Antwort haben?“
„Dein Vater wird zurück kommen.“; erwiderte ich felsenfest und stellte ihr keine zwei Minuten später einen gefüllten Teller vor die Nase. Stöhnend ließ ich mich ebenfalls am Tisch nieder.
„Und wenn nicht?“, hakte sie nach. Ihre blauen Augen beäugten mich misstrauisch. „Was machen wir dann? Was passiert mit Ricky und mir? Und dem kleinem Baby in deinem Bauch.“

Ich folgte ihrem Blick, sah an mir herunter, und erinnerte mich an sein Versprechen. „LouAnn, dein Vater wird gesund zurückkehren.“, Wiederholte ich mich und zwang mich im selben Moment zu lächeln. „Er hat es versprochen, und er hält seine Versprechen, also denk nicht drüber nach.“
Lou nickte, aber ich wusste, dass sie es nur tat um mich nicht zu verunsichern. Meine Tochter war schon immer ein offenes Buch für mich gewesen, und ich wusste, dass sie litt.
Es bewegte mich, dass sie sich so sorgte und ich litt darunter, dass sie so litt. Sollte ich sie nicht beschützen? Sie in den Arm nehmen und ihr vermitteln, dass alles gut war? Oder war sie zu alt?
Im selben Moment durchfuhr mich ein Schmerz in der Bauchgegend. Ich keuchte.
Lous Blick glitt wieder zu mir, erschrocken sah sie mich an. „Ist alles okay, Mum?“
„Das Baby.“, erwiderte ich, ebenso überrascht wie meine Tochter. Der errechnete Geburtstermin sollte erst in drei Wochen sein, aber das waren unverkennbar Wehen. „Tu mir einen Gefallen, Lou und geh rüber zu Vicky.“ Ich erhob mich, mit schmerzverzerrtem Gesicht, die Hände fest an meinen Bauch gepresst. „Sag ihr, sie muss auf dich und Ricky aufpassen.“
„Und wer fährt dich zum Krankenhaus?“, besorgt war auch Lou aufgesprungen, und schon im Gehen, als sie mir die Frage stellte.
„Ich nehme ein Taxi.“; erwiderte ich in einer Pause der Wehen und deutete dann mit den Kopf zur Tür. „Beeile dich bitte, Lou! Sie soll so schnell es geht rüber kommen.“
Zweiunddreißig Stunden später waren Molly-Sue, Aaron und Ava-Mercy auf der Welt. Drillinge.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr März 30, 2012 1:45 pm

LouAnns P.O.V

„Heute ist mein Geburtstag, Molly.“ Ich strich meiner kleinen Schwester lächelnd über die winzige Nase, die jetzt schon sehr nach der Nase meiner Mutter aussah. Ein kleines Stupsnässchen. „Aber wir feiern ihn nicht. Nicht richtig zumindest. Ich mag nicht feiern, so lange Daddy nicht hier ist.“
Meine Schwester öffnete für einen winzigen Moment ihre Augen, bevor sie sie wieder zusammen kniff, als sei sie zu geblendet von dem Tageslicht, dass in den Raum schien.
„Aber das macht nichts, weißt du. Sechzehn ist kein bedeutendes Alter und Geburtstage kann ich eh nicht leiden.“ Ich seufzte über meine Sorgen. „Und wen sollte ich denn auch einladen?“
Erst am Montag würde für mich die Schule wieder anfangen. Die Schule, die ich als sechsjährige verlassen hatte und an die ich seit dem nicht gedacht hatte. Ich kannte hier niemanden, außer Iris vielleicht, aber auch irgendwie nicht richtig. Früher waren wir die besten Freundinnen gewesen, aber seit dem ich weggegangen war, hatten wir kaum noch Kontakt.Sie war somit eine fremde Freundin, konnte man sagen. Also. Es gab niemanden, den ich einladen hätte können.
Lächelnd nahm ich Molly aus ihrem Bett, um sie zu füttern. „Du hast sicher Hunger, Kleine.“
Ich nahm Mum so viel ab, wie ich konnte, denn ich wusste, dass sie mit Ricky sowieso schon viel zu tun hatte. Aber wenn er erst einmal aus seinen Windeln raus war, und dass konnte sich nur noch um Tage handeln, würde es wieder ein wenig entspannter zu Hause werden, hatte sie gesagt.

Aber ich wusste das Dad fehlte. An allen Ecken und Enden fehlte er hier. Sei es die Kindererziehung, oder das Geld. Obwohl Mum wirklich nicht schlecht verdiente. Oder sei es einfach als Gesprächspartner, nicht nur für meine Mutter, sondern auf für mich. Er fehlte mir.
„Was Mum wohl zu meinen neuen Haaren sagen wird?“, grinsend fuhr ich mir mit der freien Hand durch die kurzen Haare, die ich mir noch am heutigen Morgen hatte schneiden lassen. Ich wollte etwas Neues, ein Zeichen, dass ich ein neuer Mensch war. Ein dynamischer Mensch, und die Frisur passte regelrecht dazu. Außerdem wären mir so die Haare nicht im weg, wenn ich joggte.
„Jetzt tu mir einen Gefallen und Schlaf ein paar Stündchen.“; bat ich Molly, nachdem ich sie wieder in ihr Bettchen gelegt hatte und samt der geleerten Flasche den Raum verließ.
Wo ich beinahe gegen meine Mutter gelaufen wäre. „Um Himmelswillen, Lou!“, rief sie erschrocken aus, so dass auch Ricky auf ihrem Arm kräftig zusammen zuckte. „Was hast du gemacht?“
„Meine Haare abgeschnitten.“, erwiderte ich wahrheitsgemäß.Um Perfektion bemüht zupfte ich eine Weile daran herum, bis ich mir sicher war, dass sie nun perfekt saßen. „Gefällst dir?“

„Es ist ungewohnt.“, verlautete meine Mutter, ein wenig unruhig, wie es mir vorkam. „Wieso...ich meine...aus welchem Grund.“ Sie deutete auf meine Haare, als wäre ihr das Wort dafür entfallen.
„Ich brauchte mal etwas neues.“, erwiderte ich lächelnd. „Immer die gleichen langen Haare, die mich beim Sport gestört haben, sind langweilig geworden.“ Dass ich sie eigentlich noch hatte färben wollen, verschwieg ich lieber. „Kurze Haare sind viel praktischer.“
Meine Mutter nickte benommen, klammerte sich aber an meinen Bruder, wie an ein Geländer. „Aber...aber dass hat nichts mir der Arbeit deines Vaters zu tun, oder?“ Sie sah mich kritisch an.
Erschrocken wandte ich den Kopf zurück zu ihr, obwohl ich bis eben damit beschäftigt war die Flasche abzuwaschen. „Wie meinst du dass denn?“, hakte ich nach.
„Na ja...dein Vater ist Soldat. Für Simladesch...“ Sie schluckte. „Sie haben ihm die Haare geschoren. So wie es beim Militär üblich ist. Alles ab, was er hatte.“
„Nein, Mum. Damit hat es nichts zu tun.“, beruhigte ich sie eilig. „Ich wollte einfach mal etwas Neues, verstehst du.“ Nachdem sie genickt hatte nahm ich ihr Ricky vorsichtig ab. „Leg dich doch etwas hin, ich kümmere mich schon um den kleinen Racker.“

Meine Mutter legte den Kopf schief, und ihre Augen drohten mal wieder überzulaufen. In den letzten Tagen war sie schrecklich sentimental. „Ich sollte dich das nicht tun lassen! Geh raus und hab deinen Spaß, Lou. Du bist noch jung. Du solltest dich nicht um deine Geschwister kümmern.“
„Ich mache das aber gerne.“, versicherte ich ihr eilig. „Außerdem, es gibt nicht sonderlich viel, was mich hier hält, Mum. Ich hab noch keine Freunde...und außerdem.“ Ich drückte Ricky einmal fest an mich. „Ist mir meine Familie um mich herum momentan am liebsten.“
Meine Mutter nickte, aber sie schien immer noch zu zweifeln. „Ich gehe kurz einkaufen.“, erwiderte sie schließlich, als sie hin und her überlegt hatte. „Ich nehme Ricky mit und du kümmerst dich um die Drillinge, ja? So komm ich mir nicht so ganz nutzlos vor.“
Zustimmend nickte ich, gab ihr Ricky zurück und sah ihr nach wie sie das Haus verließ.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am So Apr 01, 2012 4:10 pm

Obwohl Lou sich wirklich hinreißend um die Drillinge kümmerte, und mir damit einen großen Teil der Last abnahm, ging es mir bei dem Gedanken, dass sie ans Haus gebunden war nicht besonders gut. Sie war ein Teenager, und Teenager sollten ihr Leben genießen, denn so einfach würde es nie wieder werden. Sie sollten ihren Spaß haben, Freunde treffen, Partys schmeißen und Partys besuchen. Und ich hatte das schreckliche Gefühl, genau das Lou zu nehmen. Auch wenn sie es gerne tat, wie sie mir jedes Mal wieder vermittelte. Mein Gefühl blieb.
Seufzend ließ ich von den eingeräumten Einkaufen ab, schnappte mir Ricky und ging mit ihm in sein Zimmer, damit er seinen Mittagsschlaf halten konnte. Auch wenn er ihn hasste.
Lou hatte ich vor gut einer Stunde aus dem Haus gejagt. Sie sollte sich doch bitte ein paar Schulbücher aus dem Buchladen holen, denn das hatte ich nicht mehr geschafft, hatte ich sie gebeten, und da Lou mir gerne einen Gefallen tat machte sie das. Innerlich hoffte ich darauf, dass sie vielleicht noch in den Park schlendern würde, um etwas Luft zu schnappen.
Ricky ließ sich ohne zu Murren in sein Bett legen, sah mich mit seinen pinken Augen jedoch immer noch skeptisch an. „Bist du müde, Mum?“, fragte er mich leise.

Ich nickte und strich meinem schlauen Jungen sanft über das braune Haar. Seine perfekte Ausdrucksweise imponierte mir jedes Mal wieder. „Ein bisschen, mein Lieber. Aber wenn du mir jetzt den Gefallen tust und ein paar Stunden schläfst, dann kann ich mich auch hinlegen.“
Ricky nickte ließ sich zurückfallen und schloss demonstrativ die Augen. „Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Ricky.“ Lautlos verließ ich das kleine Kinderzimmer, und atmete erst wieder auf, als ich schon in Lous Jugendzimmer war. In solchen Moment fiel mir wieder ein, wie sehr Chris hier doch fehlte. Nicht nur mir, sondern auch den Kindern und im Haushalt natürlich auch. Ich brauchte mindestens zwei Arme mehr, um alles gleichzeitig zu meistern und ich versuchte mich täglich dagegen zu streben, dass diese beiden Arme Lou gehörten. Aber ich schaffte es kaum. Ein Kleinkind und drei Babys waren nicht besonders leicht zu bewältigen.
Aus dem Babyzimmer drang leises Gewimmer an mein Ohr und ich trat eilig ein, um nach dem Rechten zu sehen. Lächelnd nahm ich meine kleine Molly-Sue aus ihrem Bett und drückte sie an mich. „Was hast du bloß, mein kleiner Schatz?“, fragte ich sie leise, ihr beruhigend über den kahlen Kopf streichelnd. An ihren braunen Augenbrauen konnte ich erkennen, dass sie die Haare ihres Vaters geerbt hatte, ebenso wie Aaron. Nur die kleine Ava-Mercy hatte meine blauen Haare und dem Himmel sein Dank auch meine pinken Augen. Ein Abbild von mir vielleicht?

„Wahrscheinlich fehlt dir einfach dein Papa.“, schlussfolgerte ich seufzend. „Mir fehlt er auch.“
Das tat er wirklich. Bei jedem Schritt, den ich Tat, aber ich wusste, dass er zurückkommen würde. Die Drillinge hatten mir neue Kraft gegeben, denn ich glaubte nicht daran, dass sie ohne Vater aufwachsen würde. Das würde niemals jemand zulassen!
Nur wann das sein würde, da war ich mir noch nicht sicher, aber ich hoffte so schnell wie möglich. Er musste nicht die gesamte Kindheit der Drillinge verpassen, dass war nicht nötig.
„Er ist bald wieder da.“, versprach ich den Drillingen leise. „Und bis dahin schaffen wir es alleine.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr Apr 06, 2012 8:21 pm

Die Zeit verging wie im Flug. LouAnn wurde mit jeden Tag älter und hübscher, wie mir auffiel und auch Ricky gedieh gut. Er war ein wahres Genie, brachte nur gute Noten mit nach Hause und liebte es sich mit kniffeligen Mathe-Aufgaben auseinanderzusetzen. Chris wäre stolz auf ihn gewesen.
Die Drillinge wurden anstrengender, aber ich lieblicher. Seit einer geraumen Zeit erkundeten sie unser Wohnzimmer schon auf ihren wackeligen Beinen. Chris wäre stolz auf sie!
Und ich lebte mein Leben vor mich hin. Tagsüber hatte ich kaum Zeit zum nachdenken. Ich kümmerte mich um die Kinder, versorgte sie mit der fehlenden Liebe ihres Vaters. Lou half mir dabei. Obwohl sie seit einiger Zeit einen Freund hatte, sein Name war Elliot, half sie oft im Haushalt und mit den Kindern. Und nebenbei besuchte sie noch die Sport AG ihrer Schule! Mein großes Mädchen war ein Naturtalent im Leben meistern, und ich wusste, dass ich mir nie Sorgen machen musste, wenn sie dann irgendwann auszog.
Nachdenklich stellte ich die Reste des kurzen Frühstücks zurück in den Kühlschrank und warf einen Blick auf die Uhr. Jetzt war meine Zeit, die Zeit die ich nutzte um an Chris zu denken. Die Drillinge schliefen und die Großen waren in der Schule. Ich war allein und meine Gedanken frei.

Ich hörte wie vor unseren Haus ein Auto hielt, der Motor verstummte kurz, dann wurden Autotüren geöffnet und wieder geschlossen. Ich runzelte die Stirn. Wollte Vicky vorbeikommen?
Überrascht eilte ich zum Fenster, um einen Blick auf den Besucher zu werfen, der gerade angekommen war. Mein Herz erstarrte, als ich ihn erkannte und schien im selben Moment schneller zu schlagen. Ein Ding der Unmöglichkeit, wie das, was vor meinen Augen stand. So schnell mich meine wackeligen Beine trugen, sprintete ich hinaus, ließ die Tür offen stehen, stolperte fast, als ich die Stufen hinunter rannte und warf mich dem Ankömmling in die Arme.
Die Tränen liefen wie Sturzbäche von meinen Wangen, ich sah kaum noch etwas. „Chris!“
„Blue-Rose.“, flüsterte er. Seine Arme hatten sich fest um meinen zierlichen Körper geschlungen und ich spürte seinen warmen Atem in meinem Haar. „Ich bin wieder da.“
„Ich weiß.“, erwiderte ich, die Augen fest geschlossen, aus Angst, das Ganze könnte doch nur ein Traum sein. Das würde ich nicht verkraften, niemals! „Du bist wirklich wieder hier. Wir sind wieder zusammen und nichts wird uns jemals auseinander bringen, oder?“
„Nein.“ Er lachte. Ein leises Lachen, dass ich so unglaublich vermisst hatte.
Erst nach zehn Minuten konnte ich ihn wieder los lassen. Nicht komplett, denn dafür fürchtete ich, dass er mir wieder weggenommen werden könnte, aber soweit, dass ich ihn ansehen konnte.

Seine blauen Augen musterten mein verheultes Gesicht. Liebevoll fuhren sie an meinen Gesichtszügen entlang und blieben schließlich wieder an meinen Augen hängen. „Du siehst noch immer so wunderschön aus, wie ich dich in Erinnerung hatte.“ Er lächelte sanft.
„Du auch.“, erwiderte ich, und ein schüchternes Lachen drang aus meinen Mund. „W-warum hast du nicht angerufen? I-ich meine...ich hätte dich abgeholt, die Kinder...“ Ich verstummte.
Chris strich mir beruhigend eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ganz ruhig, Dalia.“ Er ergriff meine Hände und betrachtete sie eine Weile, bevor er anfing zu sprechen. „Es war eigentlich nicht geplant, dass ich heute schon zurückkomme. Mein eigentlicher Termin war in drei Monaten.“ Er schluckte einmal schwer. „Es gab einen Zwischenfall...etwas, was wir nicht einkalkuliert hatten.“
Erschrocken hielt ich mir die Hand vor den Mund, doch Chris schüttelte bloß den Kopf.
„Lass uns nicht darüber sprechen. Lass uns einfach glücklich sein, dass ich heil bei dir bin.“
Ich nickte und drückte ihm einen leidenschaftlichen, aber kurzen Kuss auf den Mund. Denn das war ich. Ich war mehr als glücklich, dass ich meinen Mann wieder hatte und nicht jeden Tag um ihn bangen musste. Chris würde jetzt für immer bei mir bleiben.
„Jetzt erzähl!“, bat er mich sanft. „Wie geht es Lou? Und Ricky? Und meinen bezaubernden Drillingen?“ Ein stolzes Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht. „Wie sehen sie aus?“
Ich lachte über seinen Übermut. „Sie sind herrlich Chris! Molly und Aaron haben deine Haarfarbe bekommen und Ava meine. Und alle drei haben sie meine Augen. Und...und sie laufen schon.“
„Gut. Sehr.“ Er küsste mich noch einmal kurz, bevor er auf das Haus deute. „Komm, wir gehen rein.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr Apr 06, 2012 8:26 pm

Ava P.O.V

„Ava?“ Überrascht drehte meine Mutter sich auf ihrem Stuhl so um, dass sie mich ansehen konnte, als ich schon fast die Tür erreicht hatte. „Wo willst du denn jetzt noch hin, Liebes?“
Ich hielt einen Moment inne, drehte mich um und lächelte engelsgleich. „Ich wollte mir nochmal unser Geburtstagsgeschenk anschauen, Mum. Darf ich? Ganz kurz nur!“
„Es ist schön spät.“; erwiderte sie Kopfschüttelnd, was einem Nein gleich kam. „Und es war ein langer Tag, Ava. Am besten ihr drei geht jetzt ins Bett.“
Mein Vater legte ihr sanft die Hand auf den Arm, und bedachte sie mit einem väterlichen Blick. „Lass sie doch, Dalia. Sie hat sich so über das Chemielabor gefreut.“
Meine Mutter nickte ergeben. „Na gut, aber nicht zu lange, Liebes.“ Sie schenkte mir ein liebevolles Lächeln, bevor sie sich wieder zu meinem Vater umdrehte und ihn verliebt ansah.
Das tat sie immer, seit er wieder da war. Und das war nun schon eine ziemlich lange Zeit her. LouAnn hatte gestern ihren achtzehnten Geburtstag gefeiert, Ricky würde morgen seinen sechzehnten Geburtstag feiern und Aaron, Molly und ich hatten heute unseren sechsten gehabt. Die Zeit war wirklich schnell vergangen, und ich konnte es kaum erwarten selbstständiger zu sein. Wenn auch niemals in meinem Leben alleine. Denn dafür hatte ich meinen besten Freund, Schnute.
Lautlos schloss ich die Tür hinter mir, und sperrte somit das freudige Gelächter von drinnen ein. Ich wollte etwas für mich sein, frische Luft schnappen und mein Geburtstatgeschenk betrachten.
Schnute folgte mir lautlos. Immer ein Stück hinter mir, stand er und beobachtete mich.
„Vielleicht finden wir etwas, was dich lebendig machen kann.“, murmelte ich ihm zu, als ich vor dem großen Labor zum Stehen kam. „Einen Trank oder eine Pille, wäre das nicht toll?“
„Ja.“, Schnute kicherte kurz. „Dass wäre toll, aber was würden deine Eltern sagen?“

Ich zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung. Sicher würden sie mich für verrückt halten, wenn ich ihnen erzählen würde, dass meine Puppe aus Kindertagen wirklich mit mir redete.“ Ich wandte mich zu meinem besten Freund um, der immer noch aussah wie eine Puppe, nur größer. „Deswegen behalte ich es lieber für mich. Sei nicht sauer, Schnute, ja?“
Er schüttelte seinen weichen Kopf, wobei seine Antenne fröhlich hin und her wackelte.
Ich wusste was er dachte, denn ich dachte das selbe. Aaron.
Mein Bruder hatte ebenfalls eine Puppe, die lebendig war. Aber er machte kein Aufsehen darum, dass er mit ihr reden konnte. Im Gegensatz zu mir und Molly, sprach er in jeder erdenklichen Situation mit ihr, spielte mir ihr fangen und kletterte mit ihr ins Baumhaus.
„Es ist unklug was er mach.“ Schnute legte mir einen Arm um die Schulter. Tröstend. „Aber deine Eltern haben noch nichts gesagt. Mach dir keine Sorgen, ja?“
Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich mache mir keine Sorgen um Aaron. Sondern eher darum wie wir einen Trank für dich herstellen können. Ich muss Ricky mal fragen...“
„Ava!“ Der Ruf meiner Mutter unterbrach mein Gespräch. Sie stand auf unserer kleinen Terrasse und deutete mit den Kopf in Richtung Haus. „Komm jetzt rein, Liebling. Es ist spät.“
„Ja, Mum.“, erwiderte ich seufzend, zwinkerte Schnute zu und eilte nach drinnen.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr Apr 06, 2012 9:17 pm

„Ich treffe mich noch mit Elliot.“ Lou drückte mir einen schnellen Abschiedskuss auf die Wange, bevor sie beschwingt zur Tür eilte und davon rauschte.
„Muss Liebe schön sein.“, murmelte ich schmunzelnd. Kopf schüttelnd drehte ich mich um, schnappte mir die letzten Sachen für Lous Koffer und machte mich auf den Weg in ihr Zimmer.
Morgen Abend wollte meine Älteste ausziehen, ihr eigenes Leben führen. Dass es einmal so schnell gehen würde, hätte ich im Traum nicht erwartet, aber im Gegensatz zu meinen anderen Erwartungen, verkraftete ich das Ganze ziemlich gut. Nur ein zwei Tränchen waren geflossen, als sie es uns mitgeteilt hatte, aber Chris hatte mich nur lächelnd in den Arm genommen und gesagt: „Du wusstest das unsere Küken irgendwann einmal Flügel bekommen.“
Natürlich hatte ich das gewusst! Aber das es einmal so schnell gehen würde, war mir nicht wirklich klar gewesen. Dabei war Lou ja schon achtzehn Jahre alt. Es war Zeit dass sie auszog und ihr eigenes Leben führte. Mit ihrem Freund Elliot an ihrer Seite. Und soweit würde sie ja nicht wegziehen. Ein paar Straßen weiter hatte sie ein ziemlich kleines Haus gefunden.
Als ich an die angelehnte Zimmertür von Lous Jugendzimmer trat, ertönte Aarons Stimme. Er hielt sich gerne in dem geräumigen Zimmer seiner großen Schwester auf. Wahrscheinlich war ihm das Drillingszimmer zu voll, denn dort hielten sich auch Ava und Molly gerne auf.

Doch als ich einen Blick durch den Türspalt warf, sah ich, dass er mit sich selbst zu reden schien. Und das war bei weitem nicht das erste Mal, dass er so etwas tat. Chris und ich hatten das schon oft beobachtet und es bereitete uns von Mal zu Mal mehr Sorgen.
„Ja, dass du nicht mit in die Schule willst, kann ich das verstehen.“ Nachdenklich kratzte mein Sohn sich am Kopf. „Aber willst du dann die ganze Zeit zu Hause rumhängen?“ Er schien jemanden zuzuhören, nur dass da niemand war. Dann lächelte er schließlich. „Dass ist eine geile Idee, Lolo. Das Baumhaus ist bei guten Wetter toll! Und nach der Schule spiele ich mit dir!“
Leise öffnete ich die Tür, um Aaron nicht zu erschrecken. „Liebling?“ Er wandte den Kopf ab, von dem Punkt, mit dem er geredet hatte, und sah mich überrascht an. „Was machst du da?“
„Ich spiele mit Lolo.“; erwiderte er, als sei es das natürlichste der Welt.
„Und wer ist Lolo?“
„Mein Freund.“
Ich runzelte die Stirn. Ich hatte schon einmal etwas darüber gelesen, dass Kinder imaginäre Freunde entwickelten. Nur mich damit konfrontiert zu sehen, erschwerte meine Gedankensuche. „Dein Freund?“, wiederholte ich seine Aussage, etwas ungläubig. „Woher kennst du ihn denn?“
Aaron lächelte breit. „Aber Mummy! Dass musst du doch wissen. Den hat Großtante Anna uns geschenkt. Weißt du nicht mehr? Als wir noch ganz, ganz klein waren.“

Seine Puppe? „Du meinst...du meinst du redest jetzt mit deiner Puppe Aaron?“ Ich bemühte mich um einen neutralen Ton, auch wenn ich am liebsten angefangen hätte zu heulen. Das war nicht normal was mein Sohn mir erzählte und ich machte mir augenblicklich Sorgen was ich in meiner Erziehung so falsch gemacht haben konnte. „Aber ich sehe sie gar nicht.“
„Natürlich nicht. Nur ich kann sie sehen.“
„Nur du, also.“ Wiederholte ich seufzend. Gut dass ich schon graue Haare hatte, denn wenn nicht, dann hätte ich sie mit Sicherheit jetzt bekommen. „Und...und wo schläft Lolo?“
„Sie schläft nicht.“ Aaron zuckte die Achseln. „Wenn ich schlafen gehe, verwandelt sie sich einfach wieder in eine Puppe und dann, am nächsten Morgen ist sie wieder lebendig.“
Ich seufzte noch einmal und wünschte mir, dass Chris nicht zu seinem Scotch Abend gegangen wäre, sondern hier geblieben und mit Aaron geredet hätte. Ich beugte mich ein Stück zu meinem Sohn herunter, um mit ihm auf einer Höhe zu sein. „Hör zu, Liebling. Wenn du irgendwelche Probleme hast, kannst du immer zu mir und zu deinem Vater kommen, okay?“

Aaron nickte, immer noch so gelassen wie zuvor. „Weiß ich doch, Mum.“ Er sah wieder auf den Punkt, der wohl seine Freundin darstellen sollte. „Aber mit Lolo kann ich auch super reden. Wir sind richtig dicke Freunde, Mum.“ Er lachte. „Sie mag genauso gerne malen, wie ich.“
Ich nickte, versuchte verständnisvoll zu sein, auch wenn es mir nicht gerade leicht viel. „Okay. Okay, Aaron. Ist gut.“ Ich schloss meinen Sohn liebevoll in die Arme. „Aber es ist spät und du...ich meine ihr beide solltet schlafen gehen, okay?“
„Ist gut, Mum.“ Er drückte mir noch einen Gute-Nacht-Kuss auf die Wange, griff nach einer imaginären Hand und schlenderte ins Kinderzimmer.
Seufzend sah ich ihm nach. Was sollte ich tun? Aaron schien...nicht normal...

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr Apr 06, 2012 10:01 pm

Avas P.O.V

Ich betrachtete die großen Koffer, die Dad, einen nach dem anderen, in das spärliche Taxi bugsierte. Trotz seiner grauen Haare und den ganzen Falten, die er schon hatte, machte er das erstaunlich gut, und ich konnte nicht mehr als mich darüber wundern.
Mum stand mit Lou an der Seite, betrachtete sie und wischte sich immer mal mit einem zerknüllten Taschentuch über die Augen, aus denen tausende Tränen kamen.
„Versprich mir mich so oft anzurufen, wie du kannst.“, bat sie meine große Schwester, die daraufhin grinsend nickte. „Und wenn etwas sein sollte, wir sind und bleiben deine Eltern.“
„Ja, Mum.“ Augen rollend warf Lou mir einen Blick zu. „Ich mach alles, wenn du aufhörst zu weinen. Bitte.“ Flehentlich faltete sie ihre Hände. Ich kicherte.
Auch Mum kicherte, aber es hörte sich merkwürdig an, gemischt mit dem Schluchzen und der belegten Stimme. „Was soll ich denn sonst tun, wenn mein großes Mädchen geht?“
Ich machte es mir etwas bequemer und ließ mich auf eine der Stufen nieder, die zu der kleinen Veranda führten.So traurig wie Mum war ich nicht, dass Lou ging. Zwar liebte ich meine große Schwester sehr, aber dadurch dass sie auszog, würden wir etwas mehr Platz hier haben.

Dad war inzwischen fertig und gesellte sich zu seiner Frau. Liebevoll legte er ihr einen Arm um die Hüfte,wie er es oft tat, wenn sie über etwas betrübt war. „Lass sie ziehen, Dalia.“
„Mach ich doch.“; erwiderte meine Mutter schnippisch und riss sich los, um Lou seufzend um den Hals zu fallen. „Aber dabei muss ich eben die eine oder andere, sehr kleine Träne verdrücken.“
Lou ließ sich gefühlte zehn Minuten durch knuddeln, bevor sie sich mit einem sachten Lächeln von Mum löste. „Ich bin nicht aus der Welt Mum. Nur fünfzehn Minuten entfernt. Selbst Ava kann mich ohne Probleme auf ihrem Fahrrad erreichen.“ Sie deutete auf mich und ich nickte eilig.
Meine Mutter nickte nun auch, verschränkte die Finger vor ihrem Bauch und nickte noch einmal. „Natürlich, ich weiß doch, natürlich.“ Dann seufzte sie, machte eine kleine Pause und deutete schließlich mit einem missglücktem Lächeln auf das Taxi. „Nun fahr schon. Elliot wartet sicher.“
Lou drückte ihr noch einen kurzen Kuss auf, bevor sie sich auch bei Dad verabschiedete. „Ich melde mich, sobald ich etwas Luft habe, ja?“ Dann richtete sie das Wort an mich. „Komm her, kleine Schwester und verabschiede dich von mir.“ Mit ausgebreiteten Armen wartete sie.
Ich erhob mich von meinem Platz und umarmte sie fest. „Mach's gut, Lou.“
„Komm mich bald mal besuchen, ja?“ Meine Schwester hing an uns Drillingen, dass war mir schon immer bewusst gewesen. „Und bring Aaron und Molly mit, versprochen?“

Ich nickte. „Klar, versprochen.“ Und dann sah ich zu, wie sie mit einem letzten Winken in das Taxi stieg und es sich mit lautem Motor in Bewegung setzte.
Dad drehte sich zu Mum um und ergriff ihre Hände. „So langsam bekommen alle unsere Kinder Flügel, merkst du das? Ricky wird auch nicht mehr all zu lange hier wohnen.“
„Ach hör doch auf.“ Meine Mutter schnappte hörbar nach Luft, als gefiel ihr dieser Gedanken ganz und gar nicht. „Ricky geht noch zur Schule, und bis er auszieht, hat Lou sicher schon ein Kind.“
Laut und schallend lachte Dad, drückte Mum einen Kuss auf die Stirn und wandte sich dann mit einem Funkeln in den Augen mir zu. „Oder Ava hat uns dann schon ein Kind geschenkt.“
„Mit Sicherheit nicht.“, erwiderte meine Mutter, bevor ich auch nur etwas erwidern konnte. Kopfschüttelnd riss sie sich von Dad los und stapfte an uns vorbei ins Haus. „So weit kommt es noch! Entweder würde das heißen, dass Ricky noch Jahre brauchen wird, bis er auszieht, oder das Ava eine minderjährige Mutter werden würde und beides gefällt mir nicht.“
Dad wuschelte mir durch mein blaues Haar, und zwinkerte mir verschwörerisch zu. „Na komm, wir gehen rein und beruhigen deine Mutter ganz schnell wieder.“
Ich nickte lachend und folgte ihm ins Haus.


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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Fr Apr 06, 2012 10:28 pm

Aber aus dem Beruhigen wurde nicht besonders viel. Kaum dass ich mein Abendessen aufgegessen hatte, sah Mum mich mit einem bestimmten Blick an, wie immer wenn sie mich um etwas bat, dass ich unbedingt tun musste. Ohne Widerrede.
„Ava, wie wäre es, wenn du schon einmal deine Schulsachen zusammen packst? Wenn Aaron, Ricky und Molly gleich nach Hause kommen ist es wieder so ein Gewühle.“
Ich nickte artig, auch wenn ich wusste, dass es nur ein Vorwand war, damit ich sie alleine ließ. Anscheint wollten sie ungestört unterhalten, und ich schien dabei eindeutig zu stören.
Doch nachdem ich den Raum verlassen hatte, lehnte ich mich gegen die Tür, presste mein Ohr dagegen und versuchte zu lauschen. Als das nichts brachte, öffnete ich die Tür einen Spalt.
„Was sollen wir tun?“ Meine Mutter fuhr sich nervös durch das Haar, und warf immer wieder einen Blick aus dem Fenster. „Mit ihm stimmt irgendetwas nicht, Chris.“
„Vielleicht macht er einfach eine Phase durch.“, versuchte mein Vater sie hoffnungslos zu beruhigen. Er hatte seine Hand auf die meiner Mutter gelegt.
„Ach, du weiß, dass es keine Phase ist.“ Unruhig entzog sie sich ihm. „Wir haben schon immer bei Aaron Züge erkannt, die nun einmal anders sind, als bei Molly oder Ava. Oder Ricky, oder Lou!“

„Du hast diese Züge gesehen, ich nicht.“ erwiderte mein Vater pragmatisch. „Ich hab die meiste Zeit seiner Kindheit in Simladesch verbracht, ich habe ihn nicht aufwachsen sehen und ich kann nicht glauben, dass du wirklich denkst er sei...er sei verrückt! Das ist er nicht.“
Zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass mein Vater aufgebracht schien. Etwas, was ich noch nie erlebt hatte, denn normalerweise war er ein freundlicher alter Mann.
Meine Mutter schüttelte den Kopf, aber ich wusste nicht worüber. „Sag nicht, dass er verrückt ist.“
„Das sagst du die ganze Zeit, nicht ich!“, erbost fuhr mein Vater sich durch das graue Haar. „Lass ihn Kind sein, Dalia. Und mach dir keine Gedanken darum was für ein Kind!“
„Aber vielleicht...vielleicht können wir ihn zu einer Therapeutin schicken.“ Meine Mutter warf meinen Vater einen flehentlichen Blick zu. „Lass es uns versuchen, Chris.“
„Und was soll das bringen? Nur weil er einen imaginären Freund hat?“
„Weil er denkt dass seine Puppe sein imaginäre Freundin ist.“, erwiderte meine Mutter tonlos.
Ich erstarrte. Wenn sie doch wüssten, dass alles was Aaron sagte wahr war. Aber wie sollte man ihnen zeigen, dass ihr Sohn nicht verrückt war, dass er sogar ein wahres Genie war?
Ich rutschte ein Stück herunter an der Tür. Der Rest des Gespräches ging in den lauten Schritten und Begrüßungen meiner Geschwister unter. Armer Aaron.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa Apr 07, 2012 11:01 am

„Hier, bitte!“ Mein Dad stellte mir einen Teller mit Pfannkuchen vor die Nase. Zwei weitere Teller fanden ihren Platz auf der Anrichte und ein dritter auf dem Couchtisch. Jeder da wo er sitzen mochte. Und Dad setzte sich zu mir an den Tisch, wie jeden Morgen. „Du bist mal wieder die Erste.“, lobte er mich lächelnd. „Ich wünschte deine Geschwister wären so.“
Ich erwiderte sein Lächeln. „Eigentlich bin ich nur so früh, damit es hier im Wohnzimmer nicht so voll ist.“, teilte ich ihm pragmatisch mit, während ich ein riesiges Stück meines Pfannkuchens verdrückte. „Die sind mal wieder echt klasse, Daddy. Richtig lecker!“
„Das freut mich.“ Vertieft in seinen eigenen Teller schmatzten wir eine Weile vor uns hin, bis ich endlich aussprach, was mir schon die ganze Zeit auf dem Herzen lag.
„Dad?“, fragte ich gedehnt und wartete bis er mich ansah. „Ich muss mit dir reden.“
Sein Gesichtsausdruck wandelte sich von fröhlich zu besorgt. „Natürlich, Ava. Was ist los?“
Unruhig rutschte ich auf meinem Stuhl hin und her, die Gabel hatte ich sicherheitshalber beiseite gelegt. Nicht dass ich mir aus lauter Angst in die Hand stach. „Es geht um Aaron, Daddy.“ Durch meine dichten Wimpern konnte ich sehen wie mein Vater überrascht eine Augenbraue hob. „I-ich finde...nein, ich weiß! Dass Aaron nicht verrückt ist, Daddy. Ganz und gar nicht.“

„Wie kommst du darauf, dass jemand denkt, dass Aaron verrückt ist?“
„Ich weiß dass man nicht lauschen darf, Daddy, dass weiß ich ganz sicher.“, flüsterte ich, nun überkam mich doch die Angst und ich wünschte mir nichts mehr, als das Schnute da sein würde. Denn Schnute war so mutig, dass er mir immer etwas Mut abgab. „Aber als du und Mummy letztens darüber geredet habt, da hab ich alles gehört. Es tut mir wirklich leid, Daddy.“
Er nickte, mit einer undurchdringlichen Miene. Das freundliche Lächeln war verschwunden und ich war mir fast sicher, dass er schrecklich böse auf mich war. „Gut, dass du weißt, dass man so etwas nicht macht. Seinen Fehler einzusehen ist der erste Weg zur Besserung.“ Er runzelte die Stirn, sah aus dem Fenster und schien darüber nachzudenken was er sagen sollte. Dann seufzte er tief und wie ein alter Mann, obwohl er in meinen Augen noch kein alter Mann war. Abgesehen von den grauen Haaren und den paar Falten in seinem Gesicht. „Ava, hör zu. Manchmal gibt es Menschen, die ein klein wenig anders sind als die anderen. Und Aaron ist einer von ihnen.“
„Eben nicht!“, erwiderte ich energisch. „Aaron ist ganz normal, Daddy. Und sein imaginärer Freund, der existiert wirklich. Ich weiß das es Lolo gibt, weil...“ Ich verstummte. Jemanden von Schnute zu erzählen hatte ich mir verboten und ich würde daran nichts ändern.

„Weil was?“, fragte Dad misstrauisch. Seine blauen Augen ließen mich nicht los. „Ava?“
„Weil ich meinen Bruder kenne.“, erwiderte ich überzeugend. „Und er ist nicht verrückt!“
Mein Vater seufzte, anscheint hatte er auf eine Erklärung gehofft, denn aus seinem Gesicht war sämtliche Hoffnung gewichen. Er erhob sich von seinem Platz, strich mir einmal über das Haar und betrachtete dabei das Treiben draußen. „Manchmal wünschte ich, dass es so einfach wäre.“
„Es ist so einfach.“; erwiderte ich leise. Ich hob den Kopf, damit ich ihn ansehen konnte, damit er den flehentlichen Blick in meinen Augen sehen konnte. „Du musst mir nur glauben.“
Er nickte, aber ich wusste, dass er mir nicht glaubte. Er würde mir niemals glauben.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa Apr 07, 2012 11:43 am

„Was sollen wir denn tun, Schnute?“ Hoffnungslos hob ich die Schultern und sah meinen besten Freund an. „Ich will nicht, dass sie Aaron in eine Therapie schicken, schließlich ist er nicht verrückt.“
Schnute nickte zustimmend. „Ich weiß das, und du weißt das, Ava. Aber deine Eltern nicht. Sie können uns nicht sehen.“ Er zuckte mit den Achseln, aber weniger hoffnungslos als ich. „Was sollen wir da tun?“
„Ich wünschte sie könnten euch sehen.“; erwiderte ich seufzend und ließ den Kopf hängen. Es war doch aussichtslos. Nie würden sie uns glauben, wenn ich ihnen erzählen würde, dass es Schnute und Lolo und Kosmo wirklich gab. Und beweisen konnten wir es eben nicht. „Bestimmt schicken sie ihn weg.“
Schnute sah mich erstaunt an. „Wie kann man sein Kind denn wegschicken? Mit der Post, oder wie?“
Ich kicherte übers Schnutes Unwissenheit. Das war eben der Nachtteil, wenn man sein halbes Leben eine Puppe war. „Ach nein, Schnute! Es gibt Schulen wo man wohnen kann, weißt du? Und da kann man seine Kinder dann hinschicken. Meine große Schwester war auf so einer Schule. Man nennt sie Internat.“
„Interessant.“, machte Schnute und kratzte sich dabei am Kopf. „Es gibt noch so viel, was ich lernen muss.“

„Aber als Puppe wird das schwierig.“, erwiderte ich Stirn runzelnd. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass jemand eine Puppe einstellen würde, geschweige denn sehen würde. Schnute war für ein Leben in völliger Unwissenheit verdammt, wie ich mal gehört hatte. „Du darfst ja nicht mal mit zu Schule.“
Schnute seufzte betrübt. „Ich weiß doch, ich weiß doch. Trotzdem ist träumen schön.“ Er kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Manchmal, wenn du in der Schule bist, und die Sonne scheint, dann setze ich mich ins Baumhaus und träume davon wie schön mein Leben wäre, wenn ich ein normales Kind wäre.“
„Dass würde ich auch schön finden.“ Ich lächelte ihn an und tätschelte aufmunternd seine Schulter. „Dann wären wir den ganzen Tag zusammen. In der Schule wärst du mein Sitznachbar und zu Hause würden wir uns ein Zimmer teilen und uns Abends unsere Geheimnisse erzählen. Dass wäre so toll.“
Zustimmend nickte Schnute. „Und ich hätte endlich richtige Eltern.“ Er sah mich besorgt an. „Oder glaubst du, dass deine Eltern nicht meine Eltern sein wollen würden, wenn ich ein Mensch wäre?“
„Mum würde einen kräftigen Schrecken bekommen, aber dann würde sie dich mögen.“, versprach ich lachend.
„Weißt du, was mir da gerade einfällt?“ Schnutes kleine Knopfaugen leuchteten, ebenso wie seine Antenne. Ein Zeichen, dass er schrecklich aufgeregt war.
Ich schüttelte den Kopf. Seine Aufregung übermannte mich langsam aber sicher. „Na, sag schon.“
„Ich hab im Internet eine Seite gefunden.“, erzählte er mir grinsend. „Ich hatte sie schon fast vergessen, weil sie so ungläubig klang, aber einen Versuch ist es wert, oder?“
„Dass weiß ich nicht, Schnute. Du hast mir ja noch nichts erzählt.“, erklärte ich Augen rollend.
Schnute lachte herzlich. „Tut mir leid, Ava. Ich rücke gleich mit der Sprache raus. Es war eine Seite über Puppen wie mich. Dort haben sie uns IFs genannt. Abkürzung für imaginäre Freunde.“
Wieder rollte ich mit den Augen. „Ich weiß wofür das steht, Schnute. Ich bin nicht doof.“

„Okay.“ Er grinste wieder. „Aber das Wichtige, was ich gelesen hab, war: IFs können real werden.“
„Wie?“ Mein Mund klappte auf und wieder zu, so groß war die Überraschung.
„Na ja, es gibt einen Trank, denn können wir Puppen trinken und dann werden wir echte Menschen.“ Wieder kratzte er sich am Kopf. „Und wenn wir real werden würden, ich meine Kosmo, Lolo und ich, dann könnten wir deinen Eltern beweisen, dass wir real sind.“
„Natürlich.“, erwiderte ich erfreut. „Dass ist die Idee! Wir machen euch einfach real.“
„Wenn das so einfach wäre. Dort steht, dass man den Trank nicht einfach kaufen kann, und wenn doch wäre das doch viel zu teuer. Bei deinem Taschengeld.“ Schnute seufzte betrübt.
„Aber mein großer Bruder ist ein wahres Genie.“ Ich lächelte aufmunternd. „Wenn jemand so einen Trank brauen kann, dann mit Sicherheit Ricky. Ich werde ihn gleich fragen!“ Und schon rannte ich los, gefolgt von Schnute. Wenn mir jemand glaubte, dann Ricky!


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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

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