Bluegacy - Heute mach ich blau!

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Jul 11, 2012 1:52 pm

Drei Wochen später war die Trauerfeier. Meine Mutter und ich hatten unser gesamtes Herzblut hineingesteckt, um es so schön wie möglich zu machen und ich musste sagen, dass es uns gelungen war.
Alle waren sie da. Unsere gesamte Familie, sogar der kleine Silvio, der vor zwei Tagen erst sechs geworden war. Sie trugen alle elegante Klamotten, worum ich gebeten hatte in der Einladung. Wenn wir Molly die letzte Ehre erwiesen, dann in unseren schönsten Klamotten. Und alle trugen sie schwarz, sogar Sophie.
Wie hatten ein großes Buffet bestellt, mit all den Dingen, die Molly gern gegessen hatte und ein paar Luftballons hatten wir auch in der Wohnung verteilt.
Und jetzt stand ich hier, und sah mir das Ganze an. Wie die Leute herum standen und sich in kleinen Gruppen unterhielten. Oft viel Mollys Name und ich wusste, dass sie kleine Geschichten austauschten.
„Du siehst wundervoll, Ava.“ Aaron war an mich heran getreten. Seine Augen waren genau so traurig wie meine, und ich wusste, dass nur er fühlen konnte, was ich fühlte. Ein Stück unseres Geschwisterbandes war gestohlen worden. „Wo hast du dieses wundervolle Kleid nur versteckt?“
„Ich habe es neu auf dem Festland gekauft.“ Unbeholfen strich ich mir über den teuren Stoff des langen Kleides. „Ich wollte für Molly ganz besonders schön aussehen. Mal ein Kleid anziehen, wie sie es sich gewünscht hätte.“
Aaron nickte langsam. „Sie hat Kleider geliebt. Mode allgemein. Ich hatte immer gedacht sie würde später einmal etwas damit machen, weißt du? Vielleicht Designerin oder so etwas.“ Er lachte leise.

Tränen traten mir erneut in die Augen, als ich mich an den Abend unseres Abschlussballs erinnerte. „Als du auf dem Internat warst, da hatten wir unseren Abschlussball.“, erklärte ich meinem Bruder, der mich besorgt ansah. „Ich hatte gar nicht vor dahin zu gehen, wegen der Geschichte mit Dave damals. Aber Molly...“ Ich schluckte schwer. „Molly hat mir ein Kleid gekauft, in dass ich mich sofort verliebt hatte und...und hat mich so schön gemacht, dass ich wirklich auf den Ball gehen wollte. So etwas konnte nur sie.“
„Molly war etwas ganz Besonderes.“, beendete er meine Geschichte schmunzelnd. „Schon immer.“
Nickend kramte ich in meinem Ausschnitt nach dem Taschentuch und tupfte mir sachte die Augen ab, bedacht darauf mein Make Up nicht zu verschmieren.
„Sie wäre sehr stolz auf dein heutiges Aussehen.“ Aaron ergriff meine Hände. „Sie war immer stolz auf dich, wusstest du dass eigentlich?“ Überrascht schüttelte ich den Kopf. „Ich hab viel Kontakt gehabt mit Molly, als sie in Sim-Afrika war, weißt du? Und sie hat immer von dir geschwärmt. Was du aus dir gemacht hast und wie glücklich sie war, als du geheiratet hast. Und wie wunderschön du aussahst. Sie war glücklich.“
Jetzt konnte ich das Schluchzen nicht mehr unterdrücken. Die Tränen liefen an meiner Wange herunter und ich wollte und konnte sie nicht aufhalten. Wann sollte ich weinen, wenn nicht hier, auf ihrer Beerdigung?
„Ist schon gut.“, tröstete mein Bruder mich leise und streichelte mir dabei über den Rücken. „Lass es raus, lass es einfach raus. Ich vermisse sie auch. Sie ist wird immer ein Teil von uns bleiben.“
Kaum hatte ich mich ein wenig beruhigt trat ich an meine Mutter heran, die wie versteinert im Raum stand und sich umsah. Ihr Blick blieb schließlich an dem Foto von Molly hängen, dass ich schön verziert auf den Tisch gestellt hatte. Einsame Tränen liefen ihr über die runzlige Wange.

„Mum.“ Mit belegter Stimme ging ich auf sie zu und drückte sie sanft und vorsichtig an mich.
Sie versuchte zu lächeln. „Ava, du siehst wirklich wundervoll aus. So elegant. Alles für Molly?“
„Dass ist das Mindeste was ich für sie tun konnte.“, erwiderte ich leise, und versuchte ebenfalls zu lächeln.
Aber egal wie sehr wir beide es versuchten, der Schmerz in unseren Gesichtern verschwand nicht.
Meine Mutter tätschelte leicht meinen Arm. „Ava, bitte. Du machst so viel. Du hast Dave und Jesse wieder bei dir aufgenommen und kümmerst dich um sie, als wären sie dein Ehemann und Kind. Mehr kannst du doch gar nicht für sie tun, Kind.“ Sie strich sich vorsichtig eine graue Strähne aus dem Gesicht, die sich aus ihrer Frisur gelockert hatte. Ihr Blick wurde nachdenklich. „Arek wollte nicht kommen?“
„Er wollte es versuchen.“, murmelte ich schuldbewusst. In mir schrie alles danach, dass ich Schuld daran war.
Als hätte meine Mutter meine Gedanken gelesen, schüttelte sie sachte den Kopf. „Arek ist ein erwachsener Mann und muss selber sehen, was für in am Besten ist. Vielleicht kann er das Ganze hier einfach nicht.“
„Aber er muss sich doch von seiner Mutter verabschieden.“, widersprach ich mit bebender Stimme.
Meine Mutter nickte leicht. „Aber nicht hier, Ava.“ Ihr Blick wurde angestrengt, als sie an mir vorbei zu den Leuten sah. „Beinahe wäre ich auch nicht gekommen weißt du? Dieses stände: Mein herzlichest Beileid. Irgendwann geht es einen auf die Nerven, weil Molly davon auch nicht zurück kommt. Ich kann dieses Gefühl, oder diesen Willen danach, diese Leute wegzuschicken unterdrücken, denn ich bin alt. Arek aber ist noch jung. Er möchte sich das Ganze sicher nicht antun, und ich kann ihn verstehen. Diese Leute verstehen nicht, was wir fühlen.“
Sie hatte Recht. Niemand in diesem Raum, außer Mollys engsten Angehörigen verstanden, wie es sich wirklich anfühlte, dass sie nie wieder kommen würde. Ich konnte mir auch kaum vorstellen, wie es für Arek sein musste. Für jeden war es ein anderes Gefühl. Ich hatte meine Schwester verloren, ebenso wie Aaron, Lou und Ricky. Meine Mutter und mein Vater hatten ihre Tochter verloren, nochmal ein anderes Gefühl, ein anderes Band. Und dann war da noch Dave, der seine Frau verloren hatte. Den Menschen, den er sehr sehr geliebt hatte.
Und für Arek war es nochmal um einiges Schlimmer. Er hatte den Menschen verloren, der ihn geboren hatte. Der für ihn zu Hause bedeutete und Vertrauen. Seine innerste Familie war tot.
„Es ist Zeit für die Rede.“ Lance stupste mich vorsichtig an, und überreichte meiner Mutter nebenbei die kleine Sophie. „Soll ich mit dir vorne stehen?“ Er sah mich fragend an.
Ich schüttelte gutherzig lächelnd den Kopf. „Nein...ich denke ich schaff das alleine, aber Danke.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Jul 11, 2012 2:19 pm

Ich atmete noch einmal tief durch, bevor ich mir durch ein lautes Räuspern Gehör verschaffte. Ich wollte nicht weinen, wenn ich das Gedicht vortrug, dass ich nach langer Suche gefunden hatte. Ich wollte mir klarer und fester Stimme reden, um Molly zu zeigen, dass ich genau so stark sein konnte wie sie.
„Erst einmal will ich mich bei euch allen Bedanken.“, begann ich lächelnd und versuchte in jedes Gesicht vor mir einmal kurz zu blicken. In all ihren Augen lag Schmerz und Mitleid. „Danke, dass ihr zu der heutigen Trauerfeier gekommen seid und Molly somit die letzte Ehre erweist. Voller Respekt, denn das hat sie wirklich verdient.“ Ich lächelte sanft, als ich das Bild meiner Schwester ansah. „Molly war eine wunderbare Frau, ich glaube da stimmt ihr mir alle zu. Sie war eine liebevolle Mutter.“ Mein Blick wanderte zu Dave herüber, der mit Jesse im Arm an der Treppe stand und mich beobachtete. „Eine liebende und aufmerksame Ehefrau und Schwester. Und ich denke die beste Tochter, die man haben kann, nicht wahr, Mum?“
Meine Mutter nickte und tupfte sich eilig die Tränen von der Wange. Ein echtes Lächeln zierte ihre Lippen.

„Ich hab Molly immer verehrt. Sie war meine Schwester, ein Teil unserer dreier Konstellation.“ Ricky schmunzelnde leicht. „Und irgendwie immer...immer weiter als ich. Sie wusste so viel, auch wenn man es ihr nie zu traute und dass nur, weil sie mit dem Herzen gesehen hat. Nicht mit den Augen, wie wir das alle tun. Sie hat so viel mehr gesehen als ich, oder Ricky und deswegen war sie für uns alle unersetzlich.“ Tränen stiegen in meine Augen, und ich konnte gar nichts dagegen tun. „Einmal, als wir vielleicht sechs oder sieben Jahre alt waren, da saßen Molly und ich in der Schule auf einer Mauer. Wir...wir haben phantasiert wie unsere Zukunft aussehen würde. Hochzeit, Kinder, dass übliche eben.“ Ein Kichern konnte ich nicht unterdrücken und es steckte die Gäste an. „Da kamen so zwei Typen, mindestens zehn Jahre alt mussten sie sein. Und sie haben mich angepöpelt wegen meine blauen Haare. Molly hat sich nichts sagen lassen.“ Ich schüttelte lächelnd den Kopf, den Blick abwesend auf ihr Foto gerichtet. „Sie hat sich vor mich hingestellt und den Jungen lang und breit erklärt, dass meine Haare tausendmal schöner und interessanter waren als ihr Gerede. Und sie hat die beiden Typen so zusammen geredet, dass sie sich wahrhaftig bei mir entschuldigt hatten.“ Ich wandte den Blick ab und sah wieder einmal in die Runde meiner Zuhörer. „Molly hat niemals etwas über ihre Familie kommen lassen. Weder über ihre Geschwister, noch ihre Eltern. Familie war das Wichtigste in ihrem Leben. Bis zu Letzt.“ Wie auf mein Stichwort begann Jesse leicht zu wimmern, und alle drehten sich zu ihm um. Ich lächelte. „Sie hat gekämpft und gewonnen. Vielleicht sehen dass manche Menschen nicht so, schließlich ist sie gestorben. Aber in meinen Augen hat sie gewonnen und zwar ein weiteres Leben, dass durch sie entstanden ist. Molly wird immer bei uns sein. Bei uns allen.“ Ich wandte den Blick von den Freunden und der Familie ab und richtete ihn auf den Zettel, den ich in der Hand hielt, um endlich das Gedicht vorzulesen.
„Dein Leben ist dahin geschieden,
durch des Todes starker Hand.
Wir werden ewig daran denken,
was gemeinsam uns verband.
In tiefer Trauer steh'n wir hier,
voll Tränen vor dein Grab
und tief im Innern denken wir,
schön war's das es Dich gab.

Obwohl wir Dir die Ruhe gönnen,
ist voller Trauer unser Herz,
Dich leiden sehen und nicht helfen können,
das war für uns der größte Schmerz.

Dein junges Herz hat aufgehört zu schlagen.
So plötzlich und unfassbar früh.
Was wir fühlen, kann mit Worten niemand sagen.
Vergessen werden wirst Du nie. „
Die Leute klatschten nicht, sondern schwiegen. Alle hingen sie ihren eigenen Erinnerungen an meine geliebte und verehrte Schwester Molly-Sue Mojica nach...

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mo Jul 23, 2012 6:48 pm

Die nächste Zeit war nicht leicht, aber wir versuchten zu überleben. Lance kümmerte sich aufopfernd um Sophie, die mit ihren kurzen Beinen die ganze Wohnung erkundete und mit ihren Fragen einen zur Weißglut bringen konnte. Elian beschäftigte sich hauptsächlich mit der Suche nach seinem Cousin Arek, der immer noch nicht aufgetaucht war. Ich fand das okay, so lange seine schulischen Leistungen nicht darunter litten.
Dave kümmerte sich die meiste Zeit um Jesse, der vor kurzem gerade seinen ersten Geburtstag feierte. Bei seiner Arbeit hatte er sich frei genommen, um die Zeit mit seinem Sohn zu verbringen.
Auch als ich diesem Nachmittag, an Jesses erstem Geburtstag, nach Hause kam, fand ich meinen Schwager nicht vor. Elian saß am Tisch und machte Hausaufgaben, während seine kleine Schwester auf dem Boden mit dem Xylophon saß. „Hey Liebling.“, begrüßte ich meinen Sohn liebevoll und küsste ihn kurz auf das blonde Haar. „Ist Dave nicht zu Hause? Er hatte gesagt er ist heute Nachmittag da.“
„Nein.“ Elian schüttelte kurz den Kopf, ohne von seinem Heft aufzusehen. „Ich glaub er ist im Park mit Jesse.“
Ich nickte leicht, schnappte mir meine Tochter und murmelte: „Ich geh auch in den Park mit Sophie. Essen ist noch im Kühlschrank, okay?“
Keine zehn Minuten später war ich in dem Park, der gleich bei uns um die Ecke war. Augenblicklich erinnerte ich mich an den Nachmittag, den ich mit Molly hier verbrachte. Elian war kaum drei Jahre alt gewesen.

Lange musste ich nach Dave nicht suchen. Er stand neben einer kleinen Rakete, auf die er Jesse gesetzt hatte, der nun freudig damit hin und her schaukelte. Sein niedliches Kinderlachen durchdrang die Stille des Parks.
„Dave!“, rief ich lächelnd und winkte. In letzter Zeit hatten wir nicht besonders oft miteinander gesprochen. Ich hatte es zwar versucht, aber Dave war schweigsam geworden. „Hier bist du.“
Er sah auf, ein leichtes Lächeln zierte seinen Mund, als er mich ansah. „Hier bin ich. Ich dachte das es Jesse ganz gut tun würde, wenn wir ein wenig die Wohnung verlassen. Er ist etwas unruhig.“
Mein Neffe streckte seine dicken Ärmchen nach mir und Sophie aus, als wir die beiden erreichten. Genau wie Arek und Elian verstanden die beiden sich blendend.
„Ava...“ Dave sah mich einen Moment unschlüssig an. Er versuchte zu lächeln, aber es glich eher einen ungemütlichen Grimasse. „Ich wollte mich bei dir bedanken. Für die letzte Zeit.“
„Dafür nicht.“, erwiderte ich leise. „Wir müssen zusammen halten, oder nicht?“
Dave nickte, betrachtete seinen Sohn einen Moment und seufzte dann leise. „Er sieht von Tag zu Tag seiner Mutter ähnlich, findest du nicht? Ihre Haare. Und ihre Gesichtszüge.“
Lächelnd betrachtete ich Jesse einen Augenblick. Dave hatte Recht. Er sah seiner Mutter so ähnlich, dass es fast einen Moment weh tat, ihn anzusehen. Aber auf der anderen Seite empfand ich einfach nur Liebe. Die Liebe, die ich Molly geschenkt hatte, schenkte ich nun Jesse.

„Ich vermiss sie immer noch.“; gestand Dave mir, und zwang mich so aus meinen Gedanken. „Jeden einzelnen Tag sitze ich zu Hause und denke darüber nach, wie es wäre, wenn wir das alles zusammen erleben könnten. Seine ersten Schritte, seine ersten Worte. Stattdessen muss ich das alles alleine machen.“
„Wieso alleine.“ Ich berührte ihm sanft am Arm. „Wir sind da, Dave. Ich bin da und Lance ist da. Und Elian.“
Dave lachte verächtlich, nahm Jesse wieder auf den Arm und warf mir einen abschätzigen Blick zu. „Ich bitte dich, Ava. Lance? Lance würde nichts lieber sehen, als dass ich mit Jesse ausziehen würde.“
Mit Sophie auf dem Arm folgte ich ihn eilig. „Das stimmt doch nicht. Es ist für uns alle eine schwierige Zeit.“
„Ja, aber dass einzige was für ihn schwierig ist, ist die wenige Aufmerksamkeit die du ihm schenkst.“ Dave zuckte die Achseln, als sei ihm das alles egal. „Er ist eifersüchtig auf Jesse und auf mich.“
Ich schluckte schwer. „Ach, dass stimmt doch nicht.“, versuchte ich meinen Ehemann automatisch in Schutz zu nehmen. Denn dass hatte ich ihn bei der Hochzeit doch versprochen oder nicht? „Auch Lance trauert um Molly und...und die gesamte Situation ist nicht einfach für ihn. Er versucht für mich und die Kinder da zu sein...“
„Aber nicht für Jesse und mich.“, unterbrach mein Schwager mich unzufrieden. „Er verabscheut uns. Und ich kann es ihm, wenn ich ehrlich bin nicht einmal verübeln, Ava.“
Überrascht sah ich ihn an. „Was meinst du damit?“
Dave schüttelte den Kopf, als wenn es ihm gleichgültig wäre, aber ich konnte in seinen Augen etwas sehen, was ich nicht deuten konnte. Aber ich kannte diesen Blick irgendwo her. „Lass uns nach Hause. Es ist dunkel.“
Schweigend folgte ich ihm die Straße hinunter nach Hause.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Jul 25, 2012 10:20 am

Ich stieg erschöpft die Stufen mein es Hauses hinauf. Der Tag war lang und anstrengend gewesen und ich freute mich auf nichts mehr, als auf meine Kinder. Sophie würde schon bald in die Schule kommen und Elian war sowieso ein wahres Prachtstück. Mein kleines Genie.
„Überraschung!“, kam es mir entgegen, als ich die letzte Stufe erklommen hatte und in unserem Wohnbereich stand.
Ein paar Luftballons waren auf der Decke aufgehängt worden und eine große Torte hatte ihren Platz auf der Theke gefunden. Drum herum standen Elian und Dave und rasselten mit ihren Tröten.
„Was ist denn hier los?“, fragte ich überrascht und fuhr mich durch das blaue Haar, dass in letzter Zeit um einiges länger geworden war. Ich ließ es wachsen. „Hab ich irgendetwas verpasst?“
„Wohl eher vergessen.“ Mein Sohn grinste mich skeptisch an. „Dein Geburtstag, Mum?“
Resigniert nickte ich. Natürlich. Ich hatte heute Geburtstag. Heute würde ich dreißig werden. Wie konnte das ein Tag zum feiern sein, fragte ich mich innerlich, aber meinen Kindern zu liebe, machte ich gute Miene zum bösen Spiel. „Ja, natürlich. Ich habe ja heute Geburtstag...Und ihr habt einen Kuchen gebacken!“
Elian lachte und warf seinem Onkel einen kurzen Blick zu. „Ehrlich gesagt haben wir ihn gekauft, Mum. Meine Backkünste sind nicht so besonders und Onkel Dave meinte auch, dass es netter wäre einen zu kaufen.“

Ich lachte leise und wuschelte ihm durch das blonde Haar, bevor ich mich zu dem Kuchen beugte um die Kerzen auszublasen. „Ich wünsche nicht mir was, sondern dir Molly. Ich wünsche, dass du da oben im Himmel glücklich und zufrieden bist. Happy Birthday, Schwesterherz.“, murmelte ich mir selber zu, aber ich war mir sicher, dass Dave es gehört hatte, denn als ich aufsah, schien er mir kurz lächelnd zuzunicken.
Sophie klatschte in ihre kleinen Hände. „Hast du dir was gewünscht, Mummy?“
Nickend küsste ich sie auf den blonden Schopf und blinzelte eilig die kleinen Tränen in meinen Augen weg.
Im nächsten Moment spürte ich Daves Hand sachte auf meinen Rücken. Liebevoll und beruhigend streichelte er mich, als wollte er mich erinnern, dass ich nicht alleine war mit meiner Trauer.
„Sie feiert oben für uns mit.“, raunte er mir leise zu und ein zufriedenes Lächeln bildete sich auf seinem Mund.
„Ja.“, antwortete ich überzeugt und konnte mich sogar zu einem Kichern hinreißen lassen. „Und ich wette mit die dir, dass sie fabelhaft aussieht. Im Gegensatz zu mir in meinen Arbeitsklamotten.“
Elian mischte sich in unser Gespräch ein. „Dave und ich waren uns nicht sicher, ob du eine richtige Party willst. Wir dachten in der Familie zu feiern macht doch viel mehr Spaß. Außerdem sind Oma und Opa mit Iris, Ricky und den Kindern in die nächste Stadt gefahren.“
„Schon gut.“ Ich streichelte ihm sanft über die Wange, die schon so markant geworden war, wie die seines Vaters. „Ich bin froh, dass wir nur zu fünft sind, Liebling. Ich danke dir.“

Stolz erwiderte Elian meinen Blick. Ich konnte in seinen Augen lesen, dass er das getan hatte, um mich glücklich zu sehen. Er tat so viel für mich, dabei war doch eigentlich ich die Mutter.
„Wo ist eigentlich dein Vater?“, fragte ich schließlich, als wir eine Weile geschwiegen hatten. Die Beziehung zwischen und mir und Lance hatte sich seit dem Tod von Molly verbessert und ich hatte darauf getippt, dass er meinen Geburtstag nicht vergessen würde. Wir waren doch jetzt schon so ewig verheiratet.
Elian und Dave tauschten einen kurzen Blick. „Dad muss arbeiten.“, murmelte mein Sohn schließlich kalt, dann kramte er kurz in seiner Tasche herum und nahm ein Geschenk heraus. „Dass ist von ihm.“
Ich nahm es nickend entgegen, schenkte ihm aber keine weitere Aufmerksamkeit. Wenn Lance es nicht für nötig hielt hier aufzutauchen, dann musste ich mich auch nicht weiter um sein Geschenk kümmern.
Elian blinzelte mich durch seine dichten Wimpern besorgt an. „Hast du jetzt keine Lust mehr zu feiern?“
„Doch doch.“, beeilte ich mich mit einem überzeugendem Lächeln zu sagen. „Lass uns den Kuchen essen, ich hab wirklich einen riesigen Hunger.“ ich legte meinen Arm sanft um seine Schultern und schob ihn zur Theke, gefolgt von Dave und der kleinen Sophie. „Heute feiern wir meinen Geburtstag.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Jul 25, 2012 12:10 pm

„Ich bringe Sophie ins Bett.“ Elian schnappte sich seine kleine Schwester, die vor lauter Müdigkeit auf dem Sofa eingeschlafen war. „Gute Nacht, Mum. Gute Nacht Onkel Dave.“
„Nacht, Liebling.“, rief ich ihm hinter her und erhob mich ebenfalls von meinem gemütlichen Platz. Dankend warf ich Dave einen Blick zu. „Dass war ein schöner Geburtstag, vielen Danke, Dave.“
Mein Schwager zuckte die Achseln. „Dass ist doch das mindeste, was ich für dich tun kann, oder nicht?“ Er warf einen Blick auf seinen Sohn, der ebenfalls eingeschlafen war. Zusammen gerollt lag er neben uns auf der Couch und schnarchte hin und wieder leise. „Am besten ich bringe den Kleinen auch ins Bett.“
„Kann ich vielleicht mitkommen?“, fragte ich vorsichtig. Ich wollte nicht in mein Bett, denn dort wartete niemand auf mich. Lance war immer noch nicht zu Hause, obwohl er schon lange Feierabend hatte.
Als wenn er meine Gedanken gelesen hatte, nickte er. „Ich kann dich verstehen.“
Zusammen gingen wir nach oben. Ich hatte Jesse sanft auf den Arm genommen und beobachtete ihn bei jedem Schritt den ich tat. „Er ist von oben bis unten Molly, ist dir das aufgefallen?“
Dave nickte. „Er hat auch ihr Lachen, weißt du? Wenn wir spielen und er freut sich über etwas, dann sehe ich seine Mutter in ihm. Durch Jesse lebt Molly weiter, habe ich das Gefühl und das ist gut so.“
Oben angekommen öffnete Jesse seine kleinen Augen und sah unsicher von mir zu seinem Vater.
Dave lächelte ihm beruhigend zu und strich ihm über das braune Haar. „Bist du doch nochmal aufgewacht, Kleiner?“

Noch nie hatte ich so viel Liebe in Daves Augen gesehen. Für seinen Sohn würde er alles tun, dass wusste ich und im gleichen Moment viel mir auf, dass ich diese Liebe nie in Lance Augen gesehen hatte.
„Weißt du, dass du nicht besonders glücklich aussiehst, in letzter Zeit?“, riss Dave mich sanft aus meinen Gedanken. Er hatte seine Aufmerksamkeit immer noch auf Jesse gelegt, aber ich wusste, dass die Worte an mich gerichtet waren.
Eilig wandte ich den Blick ab. „Meine Schwester ist gestorben, Dave. Wie kann ich da glücklich sein, hm?“
„Dass ist es aber nicht.“, entschied er nach kurzem Nachdenken. „Ich bin nicht blind, Ava. Mollys Tod ist nun schon eine ganze Weile her, und ich weiß, dass du dich damit abgefunden hast. Du vermisst sie, natürlich, aber traurig bist du über etwas ganz anderes und das weißt du.“
Widersprechen konnte ich nicht, denn er hatte ja Recht. Aber ich wollte es nicht aussprechen, wollte noch eine Weile in meiner Traumwelt leben, in der alles okay war.
Dave nahm mir Jesse aus den Armen und setzte ihn fürsorglich in sein Gitterbett, wo der Kleine seine Augen innerhalb der nächsten Minuten schloss und erneut ins Land der Träume verschwand.
„Seien wir doch ehrlich zueinander.“, sprach Dave nun an mich gewandt. Seine auffallenden Augen sahen mich fest an. „Du bist nicht mehr glücklich, so wie es jetzt ist, Ava.“

„Nein.“ Ich schüttelte sachte den Kopf und gestand mir damit das erste Mal seit Mollys Tod ein, dass etwas nicht in Ordnung war. „Nein, ich bin ganz und gar nicht glücklich Dave.“ Tränen rannen über meine Wange.
Mein ehemaliger bester Freund schloss mich augenblicklich in seine Arme. Sie gaben mir endlich wieder den Halt, denn ich in all den Jahren so vermisst hatte.
„Ich weiß nicht wie es weitergehen soll, Dave? Wo ist die Liebe hin, die ich und Lance füreinander empfunden haben? Ich kann es einfach nicht verstehen. Ich will und kann es nicht verstehen.“
Ich spürte wie Dave nickte und mir dabei sanft den Rücken streichelte. Aber er schwieg, ließ mich reden.
„Ich sehe ihn kaum noch, die Kinder sehen ihn kaum noch. Unsere Ehe besteht doch nur noch auf dem Papier. Aber ich hatte gehofft, dass sich dass alles wieder bessert. Nach dem Tod von Molly...er war so liebevoll und für mich da. Aber jetzt, jetzt hat sich alles wieder zum Alten gewandt.“ Die Tränen versiegten langsam und ich löste mich aus der innigen Umarmung, immerhin war ich immer noch verheiratet. „Tut mir Leid.“, murmelte ich unter einem Tränenreichen Lächeln. „Ich wollte dich nicht so...voll heulen.“
„Als wenn mich das jemals gestört hätte.“, erwiderte er und sah mich mit seinen türkisen Augen liebevoll an. Wie früher... „Ich war und bin immer für dich da, Ava. Vergiss das bitte nicht, okay?“
„Danke.“ Ich fuhr mir noch einmal durch das lockige Haar und nickte mir dann selber zu. „Ich gehe jetzt am besten Schlafen. Ich muss morgen wieder früh raus und...und alles.“
Dave nickte und sah mir nach, wie ich den Raum verließ. Ich spürte seinen Blick in meinem Rücken.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Jul 25, 2012 12:15 pm

„Lance.“ Überrascht hielt ich einen kurzen Moment inne, als ich meinen Ehemann an der Theke sitzen saß. Er trug seine normalen Klamotten ein Zeichen dafür, dass er nicht von der Arbeit zu kommen schien. Mein Blick eilte zur Uhr an der Wand, die drei in der Früh anzeigte.
Lance hob den Blick von seinem Teller und sah mich an. Sein Blick wurde skeptisch, als er an meinem Körper herunter sah. „Wie siehst du denn aus?“, fragte er gedehnt.
Ich zuckte die Achseln, schlenderte zum Kühlschrank und nahm ein Stück Kuchen heraus. Der eigentliche Grund, warum ich mitten in der Nacht aufgestanden war. Ich hatte nicht schlafen können. „Wieso? Wie sehe ich denn aus?“, fragte ich provozierend.
„Anders.“, war seine kurze Antwort. Ich hörte wie er mit der Gabel auf dem Teller herum kratzte. „Seit wann schläfst du ohne deine langweilige Schlafanzughose und das kurze Top, hä?“
„Seit ich dass so will.“ Ich drehte mich zu ihm um und blinzelte ihn wütend an. „Hast du etwas getrunken?“
Er nickte langsam, das Gesicht zu seinem Teller gewandt. „Ein zwei Biere, vielleicht. Vielleicht auch noch den ein oder anderen Schnaps. Daniel hatte Geburtstag.“
„Ich auch.“ Ich stocherte wahllos in dem Rest meiner Geburtstagstorte herum. „Oder warum glaubst du stand da eine halbe Torte im Kühlschrank, Lance? Mein Gott. Bekommst du noch irgendetwas mit.“

Er grinste mich halbherzig an, die Augenränder waren gerötet. „Alles Gute zum Geburtstag mein Herz.“ Er hob seine Gabel als wollte er mir zu prosten. „Darauf, dass alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.“
Ich schüttelte verächtlich den Kopf. „Lass es, Lance. Du machst dich hier nur zum Affen, verstehst du?“
Einen Moment blieb es still, und ich fürchtete schon, dass er eingeschlafen war, aber in Wirklichkeit schien er über etwas nachzudenken. Denn urplötzlich durchbrach ein lautes Lachen die Stille.
„Shh.“, machte ich wütend mit einem schnellen Blick zur Elians Tür. Ich wollte nicht, dass mein Sohn seinen Vater in dieser Verfassung sah. „Was ist denn bloß los mit dir? Wo ist mein Ehemann?“
„Soll ich dir sagen wo er ist?“ Lance sprang von seinem Platz auf. Seine braunen Augen funkelten mich wütend an. „Er ist da wo deine Liebe für ihn ist. Tot, Ava. Tot. Unsere Ehe ist eine einzige Lüge, merkst du dass? Du liebst mich doch gar nicht mehr. Du schaust mich nicht mehr an wie früher, im Bett läuft auch nichts mehr und ich kann mich nicht daran erinnern, wann wir beide mal ehrliche Zärtlichkeiten ausgetauscht haben.“
„Und du bist Schuld.“; warf ich mich wütend vor und versuchte meine Stimme unter Kontrolle zu halten. Mit erhobenem Zeigefinger kam ich auf ihn zu. „Du bist ein Arbeitstier geworden, Lance und du benimmst dich wie das größte A**** auf der ganzen Welt. Wie soll ich dich da lieben? Sag es mir!“

Mein Ehemann sah mich einen Augenblick lang an. Dann nickte er. „Wer war für dich da, in den letzten Wochen, Ava?“, fragte er kalt. „Wer hat sich um dich gesorgt und dir alles abgenommen? Und was habe ich als Danke dafür bekommen? Nur Lügen. Du lügst, wenn du mich ansiehst und mir sagst, dass du mich liebst. Und du lügst, wenn du dich von mir in den Arm nehmen lässt, obwohl du mit den Gedanken bei jemanden anderen bist.“
Ich schluckte schwer. „Das Gespräch ist für mich beendet.“, murmelte ich leise. „Ich will nicht im diesen Zustand mit dir darüber reden, Lance. Du bist betrunken und deswegen verlass jetzt sofort mein Haus.“
Ein bisschen von dem alten Lance schien noch in ihm vorhanden zu sein, denn er nickte leicht. Nach einem kurzen Blick zu Elians Tür setzte er sich in Bewegung und torkelte hinunter. Keine zwei Minuten später hörte ich die Haustür.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Jul 25, 2012 4:40 pm

„Schmeckt dir dein Kuchen?“, fragte ich meine Tochter. Im Schlafanzug saß sie neben mir und verdrückte ein ziemlich großes Stück ihrer Geburtstagstorte. „Ich hab extra Prinzessin drauf schreiben lassen.“
Sophie nickte, aber sie schien nicht so glücklich, wie ich es mir erhofft hatte.
Dave warf mir über den Tisch hinweg einen kurzen Blick zu. Ich erwiderte ihn sorgenvoll.
„Liebes, ist alles okay?“, fragte ich meine Tochter und strich ihr über das lange blonde Haar.
Sie nickte kurz, bevor sie ihren Kopf wieder schüttelte. „Warum ist Daddy nicht hier, Mummy?“
Ich schluckte schwer. Meinen Kindern hatte ich noch nicht sagen wollen, wie es um meine Ehe stand, zumindest nicht so lange keine Nägel mit Köpfen gemacht wurden. Aber ich hätte dran denken müssen, dass es den Kindern auffallen würde, wenn ihr Vater ein paar Tage nicht nach Hause kam.
„Er ist schon so lange nicht nach Hause gekommen.“, murmelte Sophie und sah mich aus ihren pinken Augen traurig an. „Und heute an meinem Geburtstag ist er auch nicht da. Dabei hat er es versprochen!“
Nickend strich ich ihr erneut über den Kopf, als könnte dass ihre Probleme lösen. „Schätzchen, jetzt gerade arbeitet dein Papa, weißt du? Du hast ja sehr lange geschlafen heute und ich hab heute frei, deswegen kann ich hier sein und Dave auch. Aber Elian musste ja auch heute Morgen in die Schule.“
„Das versteh ich.“, erwiderte sie fachmännisch. „Aber Papa ist doch schon so lange nicht nach Hause gekommen. Wo ist er denn? Wo schläft er und wo isst er?“

Dass ich nicht wusste wo er war, wollte ich ihr nicht sagen. Sie war noch zu klein um sich Sorgen um ihn zu machen. „Papa schläft bei einem Freund zur Zeit. Und da geht es ihm mit Sicherheit gut.“
Ich spürte Daves Blick auf meinem Gesicht. Auch ihm hatte ich nichts von der Vorzeitigen Trennung von Lance erzählt, dass wollte ich einfach für mich behalten, bis ich wusste, wie es weiter ging.
„Aber warum? Und wann kommt er endlich wieder nach Hause?“ Sophie runzelte die Stirn. „Ich mag es nicht so lange ohne Daddy zu sein. Er hat mir versprochen eine Staffelei zu kaufen und auf den Spielplatz zu gehen.“
„Dass macht er auch sicher.“, erwiderte ich eilig. „Er kommt sicher ganz bald wieder nach Hause. Wie wäre es wenn du jetzt nach oben gehst und dich fertig machst, hm? Wir müssen doch noch einen Schulranzen für dich kaufen und ein schönes Kleid für deine Einschulung morgen.“
Das Gesicht meiner Tochter hellte sich im nächsten Moment auf. „Oh ja, ich beeile mich.“ Und weg war sie.
„Ihr habt euch getrennt?“, fragte Dave, kaum das Sophie verschwunden war. Er half mir die Teller zusammen zu stellen.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich habe ihn erst einmal gebeten das Haus zu verlassen. Wegen den Kindern.“ Ein gequältes Lächeln zierte meine Lippen. „Er war völlig betrunken und ich wollte nicht das Elian oder Sophie jemals so eine Erinnerung an ihren Vater haben. Verstehst du?“
Er nickte und ich wusste, dass er wirklich verstand was ich meinte. „Du hast das einzig Richtige getan.“; urteile er freundlich. „Aber weißt du schon wie es weiter gehen soll?“
Die Teller in meiner Hand zitterten und ich registrierte erleichtert, dass Dave sie mir aus der Hand nahm, nur im nächsten Moment meine Hände zu ergreifen und sie in seinen zu halten.

„Ich weiß es nicht.“, gab ich leidend zu. Meine Stimme war brüchig. „Ich weiß es einfach nicht, Dave. Ich kann ihn nicht einfach so verlassen. Was würde ich den Kindern damit antun? Sophie...sie liebt ihn so sehr.“
„Aber du kannst nicht wegen deinen Kindern mit jemanden zusammen bleiben, den du nicht liebst.“ Dave sah mir fest in die Augen. „Die Kinder werden es verkraften, Ava. Auch Sophie.“
„Ja.“, murmelte ich noch immer nicht ganz überzeugt. Denn nichts lag mir ferner, als meine Kinder verletzen zu müssen. „Ich wollte nie alleine sein, weißt du? Niemals. Ich wollte immer eine glückliche Ehe.“
„Aber du bist nicht alleine, siehst du das nicht?“ Er kam mir näher, ich spürte seine Körperwärme. „Du warst es nie und du wirst es auch nie sein. Ich war immer da, wenn auch vielleicht auf einem anderen Kontinent. Aber ich war da.“ Er kam noch einen Schritt näher und beugte sich ein Stück nach vorne. Seine Lippen verschlossen meine und ich wehrte mich nicht dagegen. Es fühlte sich im ersten Moment so richtig an.
Doch dann kam mir alles wieder in den Kopf. Ich sah Lance und ich sah Molly und ich sah Jesse, Elian und Sophie. „Nein.“, murmelte ich und löste mich eilig von ihm. „Was tun wir hier? Ich bin verheiratet und du bist der Ehemann meiner toten Schwester. Wir können dass nicht machen...“ Ohne darauf zu warten, dass er was sagte, lief ich nach oben. Weg von meinen Gefühlen.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Do Jul 26, 2012 1:12 pm

„Mummy?“ Sophie spielte gerade still und leise an ihrem Spieltisch, während ich mich immer noch völlig aufgewühlt an diesen Abend um Jesse kümmerte. „Daddy ist immer noch nicht da.“
„Ich weiß.“ Schwerfällig unterdrückte ich einen tiefen Seufzer. Innerlich hoffte ich, dass Lance noch eine Weile weg blieb, denn so sollte er mich nicht sehen. Mit dem schlechten Gewissen, dass mir praktisch ins Gesicht geschrieben stand, würde er sofort wissen was los war. Am liebsten hätte ich mich in mein Bett gelegt und ordentlich geweint. Aber ich war eine Mutter von zwei Kindern. Ich musste stark sein.
Sophie warf einen Blick über ihre Schulter und sah mich besorgt an. „Aber morgen ist er wieder da, oder nicht?“
Jetzt konnte ich den Seufzer nicht mehr unterdrücken. Er kroch einfach meine Kehle hinauf. „Liebling, ich weiß es nicht, okay? Es tut mir wirklich sehr Leid, mein kleiner Schatz, aber ich kann dir nicht sagen wann er kommt.“
Sophies Augen fühlten sich mit schimmernden Tränen. „Aber morgen ist doch meine Einschulung. Da muss er da sein. Ich will nicht ohne Daddy in die Schule gehen. Dass ist nicht fair.“
Ich setzte Jesse eilig auf den Boden, eilte zu meiner Tochter und kniete mich neben sie. Liebevoll legte ich meine Arme um ihren bebenden Körper. „Aber ich bin doch da. Und Oma und Opa. Und Onkel Dave...“

„Ich will aber das Daddy dabei ist.“, erwiderte sie eigenwillig. Sie löste sich von mir, um mir in die Augen sehen zu können. „Es ist nicht das selbe, wenn Daddy nicht dabei ist, Mummy.“
Ich nickte, unfähig etwas zu sagen. Die Entscheidung mich von meinem Ehemann zu trennen, viel mir von Sekunde zu Sekunde schwerer. Sophie litt jetzt schon und was würde ich ihr antun, wenn ich mich von ihrem Vater trennen würde und er ausziehen müsste. Dass konnte ich nicht tun.
„Warum weinst du denn, Mummy?“ Vorsichtig wischte sie mir ihren zierlichen Fingern eine Träne von meiner Wange. Ihr Blick war besorgt. „Bist du auch traurig, weil Daddy nicht da ist?“
„Ja.“, log ich mit einem zittrigen Lächeln und erhob mich aus der ungemütlichen Position. „Dass ist es, Sophie.“
Meine Tochter tat es mir gleich. „Ich Dummerchen! Ich hab ganz vergessen, dass du ja noch viel trauriger als ich sein musst. Schließlich muss du jetzt jeden Abend alleine einschlafen.“ Sie tätschelte fürsorglich meinen Arm.
Schmunzelnd nickte ich und wischte mir die nassen Tränen von der Wange. „Aber dass ist nicht so schlimm, Liebes. Ich bin ja schon erwachsen und kann auch ganz super alleine schlafen.“

Sophie sah mich einen Moment nachdenklich an, dann nickte sie leicht. „Aber wenn du mal Angst haben solltest oder dich zu alleine fühlst, dann kannst du gerne in mein Bett kommen. Oder ich komme in deins.“
Über diesen wunderbaren kindlichen Vorschlag musste ich lachen. Liebevoll drückte ich meine Tochter fest an mich und bedeckte ihr blondes Haar mit leichten Küssen. „Du bist die beste Tochter, die ich habe.“
„Und die einzige.“, kicherte meine Tochter und befreite sich aus meiner festen Umarmung.
Ich nickte, als ich plötzlich lautes Gerede vom unteren Stockwerk hörte. „Spielst du ein bisschen mit deinem Cousin?“, fragte ich meine Tochter, die daraufhin artig nickte. „Gut. Ich komm gleich nochmal hoch.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am So Jul 29, 2012 10:49 am

Schon von weiten konnte ich hören, dass Lance wieder zu Hause war. Ich schloss eilig die Tür hinter mir und beeilte mich in den unteren Wohnbereich zu kommen.
Lance und Elian standen sich gegenüber, in eine wilde Streiterei verfangen.
„Ich biete dir hier noch etwas Gutes an, Elian. Und wenn du dass nicht wertschätzen kannst, halte ich dich für undankbar. So einfach ist das.“, wütete mein Ehemann.
Elian schnaubte verächtlich. „Alles was du willst ist, dass ich springe, wenn du es sagst. Aber so nicht.“
„Du bist mein Sohn und hast immer noch das zu tun, was ich sage! Hast du mich verstanden?“ Lance Stimme war so laut, dass ich vermutete dass selbst unsere Nachbarn es hören mussten.
Bevor die Situation noch mehr eskalierte, ging ich dazwischen. „Was ist denn hier los?“, rief ich dazwischen.
Lance wandte den Kopf zur Seite und sah mich an. In seinem Gesicht konnte ich etwas zwischen Sehnsucht und Verzweiflung lesen. „Ava.“, murmelte er halblaut. „Wie...wie geht es dir?“
„Gut.“, antwortete ich kühl und wandte mich von ihm ab. Ich wollte und konnte ihm nicht ins Gesicht sehen.

Nicht nach dem heutigen Morgen. „Was ist hier los?“, fragte ich also erneut, diesmal an Elian gerichtet.
Mein Sohn verschränkte seine Arme vor der Brust, abweisend. „Dad will mich auf eine Militärschule schicken.“
Ich sah Lance entgeistert an. „Du willst was? Du willst unseren Sohn auf eine Militärschule schicken?“
Lance zuckte die Achseln. „Ja.“, war seine knappe Antwort. „Ich denke dass ist das Beste für ihn.“
„Hörst du das Mum? Sonst kümmert er sich einen Dreck um mich und jetzt auf einmal will er Vater spielen und sich um meine Zukunft kümmern? Nicht mir mir.“ Elian funkelte seinen Vater zornig an.
„Ich BIN dein Vater!“, schrie Lance zurück, und es hätte mich nicht gewundert, wenn ihm dabei die Hand ausgerutscht wäre. Momentan traute ich ihm alles zu.
„Schluss!“ Ich hielt meine Arme schützend vor Elian. „Es reicht endgültig.“ Ich drehte mich zu meinem Sohn und warf ihm einen bittenden Blick zu. „Elian, geh doch bitte in dein Zimmer, ja? Ich will mit dein Vater alleine reden.“
Mein Sohn nickte zögerlich, aber ich konnte sehen, dass es ihm widerstrebte. „Gut.“
„Was fällt dir eigentlich ein?“, zischte ich Lance zu, als Elian endlich verschwunden war. „Warum willst du deinen Sohn weg schicken? Was hat er dir getan, Lance?“
„Es ist besser für ihn.“, antwortete er im ruhigen Ton. „Da wird er perfekt auf die Zukunft vorbereitet und...“

„So lange er mein Sohn ist, wird er niemals auf diese Schule gehen.“, erwiderte ich fest, die Hand drohend erhoben. „Und so lange du nicht klar denken kannst, hältst du dich von meinen Kindern fern. Verstanden?“
Lance funkelte mich mit seinen braunen Augen an. „Es sind auch meine Kinder, vergiss das nicht, Ava.“ Urplötzlich war der aggressive Ausdruck in seinen Augen verschwunden und stattdessen sah er mich weich und liebevoll an. Der alte Lance schien wieder da zu sein. „Es sind unsere Kinder, weißt du dass noch? Wir sind ein Ehepaar, Ava und ich liebe dich. Warum kannst du mich nicht auch lieben?“
Ich schluckte schwer. Was sollte ich denn sagen? Dass ich selber nicht wusste, wo meine Gefühle hingehörten? Dass heute Morgen war schon schwer genug für mich, auch ohne Lance.
„Hör zu.“ Lance ergriff meine Hände. „ich werde mich ändern, okay? Ich...ich werde der beste Vater und Ehemann, den die auf der ganzen Welt gesehen hast und es wird alles wie früher.“
„Ich glaube...nicht dass das geht.“, murmelte ich bedrückt. Mein Herz brach still und leise, als ich meine kleine Sophie dachte. Wieso musste das Leben so schwer sein? „Wir haben uns auseinander gelebt.“
Lance ließ meine Hände los. „Ich liebe dich, Ava. Gib uns noch eine Chance.“ Er breitete seine Arme aus und wollte mich an sich ziehen, aber ich entzog mich ihm.
„Vielleicht war die Trennung ganz gut für uns beide.“ Ängstlich sah ich zwischen meinen Wimpern hervor. „Dabei sollten wir es vielleicht fürs erste belassen, Lance. Sehen wie es mit uns beiden weitergeht. Hm?“
Obwohl es ihm zu widerstreben zu schien, nickte er leicht. „Okay. Dann geh ich am besten erst mal.“ Zögerlich drehte er sich um, bereit das Haus und vielleicht auch mein Leben zu verlassen.
„Lance?“ Abwartend blieb er stehen, einen funken Hoffnung in seinen braunen Augen. „Vergiss nicht, dass Sophie morgen eingeschult wird, ja? Sie...sie wünscht sich sehr, dass du kommst.“
„Ich werde da sein.“, erwiderte er mit einem halbherzigen Lächeln. „Sag ihr, dass ich sie liebe, ja?“
Ich nickte und sah ihm nach, wie er langsam im dunklen Hausflur verschwand.
Was machte ich nur?

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am So Jul 29, 2012 11:04 am

Tief atmete ich ein, dann wieder aus. Mein Herz schlug um einiges schneller und ich war mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob es richtig war mich an meine Eltern zu wenden.
Sie liebten mich. Natürlich. Aber gleichzeitig war die Ehe auch das Wichtigste in den Augen meiner Mutter. Und sie war so unglaublich glücklich gewesen, als ich Lance ehelichte und ich wusste, dass sie ihn als Schwiegersohn ins Herz geschlossen hatte.
Aber das war meine Ehe, mein Leben! Ich traf die Entscheidungen und nicht sie. Nicht bei dieser Sache...
Mit einem kurzen Schwung von Selbstbewusstsein, drückte ich auf den Knopf der Klingel. Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich Schritte vernahm und durch die kleinen Fenster der Tür schließlich meine Mutter erkannte.
„Hallo Kind.“, begrüßte sie mich lächelnd und drückte mir wie immer einen sanften Kuss auf die Wange. „Wie schön, dass du uns besuchst.“ Sie trat einen Schritt beiseite und ließ mich eintreten.
Nervös knetete ich meine Hände. Wie sollte ich bloß anfangen? Es war für mich selber nicht einfach.
Der Blick meiner Mutter wurde besorgt, als ich immer noch nichts sagte. Sie ergriff meine Hand und drückte sie vorsichtig. „Ist alles in Ordnung bei dir, Liebes? Du siehst nicht besonders gut aus.“

„Mir geht es auch nicht gut.“, erwiderte ich wahrheitsgemäß. Unruhig zupfte ich an meinen Locken herum. „Ich werde mich von Lance scheiden lassen.“ Meine Stimme zitterte, als ich die Worte endlich mal aussprach. Und es viel mir leichter, als ich gedacht hatte.
„Oh.“, machte meine Mutter überrascht. Ihre Augen waren groß, als sie meine Hand nun los ließ und sich damit an den Hals faste. Sekunden vergingen, in denen meine Mutter schwieg. Dann räusperte sie sich: „Und du bist dir sicher, dass du...dass du das wirklich willst?“
Ich nickte leicht. „Ich hab mir lange darüber Gedanken gemacht, Mum. Denk nicht, dass es eine spontane Entscheidung ist.“ Ängstlich sah ich sie an, in ihre pinken Augen, die mich fest fixierten. „Unsere Ehe ist am Ende, Mum. Und ich weiß nicht, was wir anderes tun sollten. Die Scheidung ist das einzig Richtige.“
„Und was ist mit Sophie und Elian?“, fragte sie zögerlich.
Wieder nickte ich. Auch darüber hatte ich mir lange Gedanken gemacht. „Ich will ihnen nicht weh tun, aber so kann es auch nicht weitergehen. Ich bin unglücklich und das macht die Kinder auch unglücklich.“
Meine Mutter seufzte bedrückt. In ihrem Gesicht konnte ich die Enttäuschung über meine Entscheidung sehen.
„Mum, da gibt es noch etwas, was ich dir sagen muss.“ Dass mit Dave musste ich einfach los werden, sonst würde es mich in den weiteren Nächten verfolgen und mir den Schlaf rauben. „Ich hab Dave geküsst.“
„Um Gottes Willen.“ Stöhnend fasste sich meine Mutter an die Stirn, die Augen fest zusammengekniffen. „Was machst du denn nur, Ava, Kind?“, fragte sie mich vorwurfsvoll. „Nicht nur, dass du deine Ehe so einfach aufgibst, nein, du musst auch noch den Mann deiner toten Schwester küssen.“

„Ich hab mir das alles doch nicht so ausgesucht.“, murmelte ich mit brüchiger Stimme. Ich hatte zwar geahnt, dass meine Mutter nicht begeistert sein würde, aber ich hatte auch auf etwas mehr Unterstützung gehofft. „Ich dachte ich und Lance würden für immer zusammen bleiben. Ich dachte, dass wir eine perfekte Familie sind, aber das sind wir einfach nicht, Mum. Ich liebe ihn nicht mehr und ich will nicht mehr mit ihm verheiratet sein.“
„Du kannst aber nicht immer nur an dich denken, Ava-Mercy. Als du Kinder bekommst hast, hast du dich im ersten Moment dazu entschieden, als aller erstes immer an deine Kinder zu denken.“ Sie sah mich mit ihrem strengen Blick an. „Sophie und Elian werden am Boden zerstört sein.“
Dass Elian wirklich traurig wäre, konnte ich nicht ganz glauben, aber bei Sophie hatte sie Recht. Meine kleine Tochter würde nicht im geringsten verstehen, warum ich ihren Vater verließ. Warum wir keine Familie waren.
„Und dann willst du ihnen Dave als ihren neuen Vater vorsetzen?“ Sie schnalzte missbilligend mit der Zunge. „Dass kannst du nicht tun, Kind. Dass kannst du deinen beiden Kindern und auch Jesse nicht antun.“
Ich atmetet tief durch und versuchte die Wut zu unterdrücken, die in meinem Bauch an schwellte. „Es sind MEINE Kinder und ich weiß selber, was am Besten für sie ist. Und ein zerrüttetes Heim zählt nicht dazu.“, murmelte ich halblaut. „Es ist die einzige richtige Entscheidung, Mum.“
Es schien als würde meine Mutter merken, dass meine Schwelle erreicht war, denn sie setzte ein halbherziges Lächeln auf. „Natürlich weißt du, was am besten für deine Kinder ist. Es tut mir Leid.“ Sie schloss sanft ihre Arme um mich und drückte mich, als sei ich wieder acht Jahre alt. „Wenn du irgendetwas brauchst und sei es dein altes Zimmer, dann sind dein Vater und ich jederzeit für dich da.“
Ich nickte. „Ich würde jetzt am liebsten einfach in die Küche gehen und mich etwas von meiner Familie zurückziehen, wenn dass okay ist?“ Dankbar lächelte ich ihr zu, als sie nickte und ging ihr voraus in die Küche.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mo Jul 30, 2012 10:43 am

„Hast du schon...mit Lance geredet?“ Meine Mutter drückte sich an mir vorbei, um Wasser für Tee aufzusetzen.
Kopfschüttelnd fuhr ich mir einmal durch das Haar und seufzte bedrückt. „Er ist für einige Zeit ausgezogen, bis wir uns über unsere Gefühle klar geworden sind. Für ihn ist es auch nicht einfach.“
„Für niemanden ist eine Scheidung einfach, Ava. Am wenigsten für die Betroffenen.“ Sie hatte ein tröstendes Lächeln aufgesetzt, dass mir zeigen sollte, dass es kein Vorwurf war. „Ich wünschte ich könnte dir irgendwie helfen, Kind, aber ich weiß leider nicht wie. Du musst da jetzt durch.“
„Ich weiß.“ Ich nickte, den Blick abwesend auf die Theke gelegt.
Niemand konnte mir helfen. Nicht Dave, nicht Mum und Dad und nicht einmal Molly, wenn sie noch hier gewesen wäre. In diesem Moment fehlte sie mir mehr denn je.
Meine Mutter holte mich rasch aus meinen traurigen Gedanken. „Und wie willst du das mit Dave jetzt machen?“
„Ich weiß es nicht genau. Erstmal will ich mich von Lance scheiden lassen. Ich kann mich jetzt nicht mit Dave beschäftigen, so viel ist klar. Sophie und Elian brauchen mich jetzt, und dass ist die Hauptsache.“
„Ja, dass denke ich auch.“ Meine Mutter stellte zwei Tassen auf die Anrichte und wandte sich dann wieder mir zu.

Sie sprach mit zärtlicher Stimme. „Vielleicht ist es das Beste, wenn ihr erst einmal zu uns zieht, hm? Du könntest wieder in dein altes Zimmer und Elian könnte in Daves altes Zimmer und Sophie in das von Arek.“
„Und was ist mit Jesse?“, murmelte ich abwesend. „Ich kann Dave und ihn nicht im Stich lassen.“
Meine Mutter seufzte. „Du musst auch mal an deine eigene Familie denken, Ava. Ich weiß, dass du Molly versprochen hast immer für Dave und Jesse da zu sein, aber jetzt sind Elian und Sophie wichtiger.“ Sie drückte mich sanft auf einen der Stühle vom Esstisch. „Denk doch mal darüber nach.“
Das hatte ich. Aber ich wollte und konnte Dave nicht alleine lassen. Er brauchte mich jetzt, genau so wie ich ihn irgendwo brauchte. Ohne ihn würde ich die ganze Sache mit der Scheidung nicht schaffen. Aber dass konnte ich meiner Mutter nicht sagen. Alles was ich bekommen würde, wären Vorwürfe. „Aber wo sollen die beiden denn hin?“, fragte ich sie stattdessen besorgt. „Wenn ich ausziehe, können Dave und Jesse nicht bei Lance bleiben, Mum. Und es ist im Grunde Lance Haus. Also, was soll ich tun?“
„Dein Vater und ich werden Dave ein Haus suchen.“, erwiderte sie mit ihrer eigentümlichen Art. „Du weißt doch, dass es hier ein paar billige Objekte gibt und...“

„Nein.“; unterbrach ich sie unwirsch. „Nein, Mum. Ich werde die beiden nicht alleine lassen. Entweder er zieht mit uns hier her, oder wir suchen uns eben zusammen ein kleines Haus.“
„Wenn du das für Richtig hältst.“, murmelte sie als Antwort, aber ich hörte raus, dass sie wirklich unzufrieden damit war. Am liebsten hätte sie sich wahrscheinlich in mein Leben eingemischt.
Eine Weile schwiegen wir beide vor uns hin, bis meine Mutter schließlich seufzend das Wort ergriff. „Ich verstehe deinen Standpunkt.“, klärte sie mich lächelnd auf. „Auch wenn ich es ganz anders sehe, verstehe ich deinen Standpunkt wirklich, Liebes. Ich will dir nur sagen, dass unsere Türen immer offen sind, ja?“
„Danke, Mum.“, erwiderte ich schwach lächelnd und richtete meinen Blick wieder aus dem Fenster. Wäre ich doch bloß niemals erwachsen geworden, dachte ich bedrückt bei mir. Wenn ich bloß immer ein Kind geblieben wäre, dann wäre das alles hier nicht passiert.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mo Jul 30, 2012 11:31 am

Kaum eine halbe Stunde später verabschiedete ich mich von meiner Mutter und trat den Heimweg an. Unser Gespräch war zuletzt nur noch schleppend gelaufen und ich hatte keine Lust mehr gehabt mir weiter ihre, in Liebe verpackten Vorwürfe anzuhören. Langsam hatte ich die Platte drauf. Meine Mutter hatte eine Traumehe und ich tat gerade alles dafür um meine 'Traumehe' zu zerstören. Pah!
Ich parkte mein Auto in der Garage und atmete einen Moment durch, bevor ich das Fahrzeug verließ. Dass meine Kinder noch in der Schule waren, tat mir gut, so konnte ich einen Moment zur Ruhe kommen.
Oben im Wohnbereich erwartete mich Dave und Jesse, die gerade das Laufen übten.
„Was machst du denn hier?“, fragte ich ihn überrascht und ließ meine Tasche auf die Theke gleiten. „Wieso bist du denn nicht bei der Arbeit?“
„Habe gekündigt.“, erwiderte er gleichgültig und nahm Jesse sanft auf den Arm. Augenblicklich kuschelte sich der schüchterne Junge an seinen Vater.
Erstaunt sah ich ihn an. „Du hast einfach so gekündigt? Warum?“
Dave seufzte tief und schwer, und es war als würde all die Last, die er in der letzten Zeit getragen hatte, aus ihm herauskommen. Er schaffte sogar ein ziemlich zuversichtliches Lächeln aufzusetzen. „Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht, Ava. Und das Leben ist in meinen Augen zu kurz um an Dingen fest zu halten, die uns nicht glücklich machen, hm? Findest du nicht?“

Ich wusste dass es ein Wink mit dem Zaunpfahl war, aber ich war gerade nicht bereit über uns zu reden. Stattdessen nahm ich ihm Jesse aus den Armen und stellte ihn auf seine wackeligen Beinchen. „Du kannst doch nicht einfach kündigen, Dave?“, begann ich vorwurfsvoll. „Was ist mit den Geld?“
Ich dachte besorgt daran, dass mein Gehalt uns alle nicht ernähren konnte, so viel war klar. Und wenn Dave jetzt keinen Job mehr hatte, dann mussten wir vielleicht wirklich zu meinen Eltern ziehen.
„Dass Geld bekomme ich schon irgendwie ran, mach dir keine Sorgen.“, erwiderte er gelassen, während er mir zusah, wie ich Jesse weiter das Laufen lehrte. „Im Notfall arbeite ich halbtags in der Bücherei, wenn Jesse in die Schule kommt.“ Er sah seinen Sohn stolz an. „Ich will so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen, verstehst du? Ich will ihn aufwachsen sehen und nicht wie Lance eine Nebenrolle spielen.“
„Hör auf damit.“, ermahnte ich ihn sanft. Ich wollte keine Schimpftiraden über meinen baldigen Exmann hören, er war schließlich kein schlechter Mensch. Sanft gab ich Jesse wieder an seinen Vater zurück, um zum Kühlschrank zu gehen. „Sophie liebt ihren Vater und Elian auch. Er war anscheint ein guter Vater.“
„War er nicht.“, widersprach er mir. „Elian hegt eine ziemliche Wut gegen ihn, und Sophie ist noch zu klein...“

„Die Kinder lieben ihren Vater, Dave. Und daran wird sich nichts ändern.“; unterbrach ich ihn unsanft. „Und ich will auch nicht, dass es sich ändert. Ich will, dass die beiden einen wunderbaren Kontakt zu ihrem Vater haben und niemals daran zweifeln, dass wir beide sie so sehr lieben, wie es nur geht.“
„Dass will ich auch.“, hörte ich Dave hinter mir sagen. „Ich will Sophie oder Elian nicht unglücklich machen, aber ich will dich auch glücklich sehen.“ Ich hörte wie er an mich heran trat und einen Augenblick später seine Hand sanft an meine Taille legte. „Ich liebe dich, Ava. Das weißt du.“
„Ich brauch Zeit.“; erwiderte ich, ohne mich umzudrehen. Mein klopfendes Herz und die Schmetterlinge in meinem Bauch versuchte ich zu verdrängen. „Ich muss mich jetzt erst einmal scheiden lassen, okay?“
„Ich lass dir alle Zeit der Welt.“, erwiderte er und ich spürte das er lächelte. „Jesse und ich warten.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Do Okt 25, 2012 3:52 pm

Noch am gleichen Tag rief ich Lance an, um mich für den Abend mit ihm zu verabreden.
Als ich in dem kleinen Restaurant ankam, wartete er schon sehnsüchtig auf mich.
„Ava.“ Er schloss mich sanft in seine Arme und ich ließ es zu. „Schön, dass du dich bei mir gemeldet hast.“
„Ja, Lance...“, begann ich, aber er unterbrach mich sofort wieder.
„Ich hab einen Tisch reserviert und schon bestellt.“, erklärte er mir grinsend und drückte mich sanft auf einen der Stühle. Sein Gesichtsausdruck war erfreut, als er mich über den Tisch hinweg ansah. „Weißt du noch? Hier hast du mir gesagt, dass Sophie unterwegs ist. Es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen.“
Ich nickte betroffen. „Ja, ich weiß was du meinst.“ Nachdenklich sah ich auf die Tischplatte. „Lance, hör zu...“
„Ja, dass ist mein Stichwort.“ Er unterbrach mich erneut und ließ mir somit keinen Chance meinen Satz zu Ende zu führen. Von Sekunde zu Sekunde fühlte ich mich miserabler. „Ich habe dir in der letzten Zeit zu wenig zu gehört, Ava, dass weiß ich. Und es tut mir unendlich Leid. Ich verspreche dir, dass sich alles ändern wird, okay? Unsere ganze Ehe wird einfach nochmal auf null gestellt und dann...werden wir eine Familie.“ Nur nebenbei registrierte er, dass uns das Essen vorgesetzt wurde, und während ich darin herumstocherte, nutzte er die Gabel um seine Aussage zu unterstreichen. „Wir lieben uns doch. Und wir haben zwei wundervolle Kinder. Warum sollten wir das wegwerfen, hm? Andere Leute würden für so etwas sterben.“

„Ich finde ich auch, dass wir zwei wundervolle Kinder haben Lance.“ Meine Stimme war lauter geworden, damit er es nicht wagte mich erneut zu unterbrechen. „Und ich liebe die beiden, sie sind mein Leben. Aber dass hat nicht mit unserer Ehe zu tun.“ Ich sah ihm fest in die Augen, um ihn klar zu machen, wie ernst es war.
„Doch hat es.“, erwiderte er so eigensinnig wie Sophie manchmal. „Unsere Kinder sind die Krönung unserer Ehe, Ava. Und wenn wir die Ehe begraben, begraben wir auch unsere Kinder.“
Ich schüttelte wütend den Kopf. „Nein, dass siehst du falsch. Unsere Ehe ist am Ende, Lance. Das weißt du.“ Er wollte etwas sagen, aber ich hob die Hand, um ihn zum schweigen zu bringen. „Ich liebe dich nicht mehr, und wenn du ehrlich bist liebst du mich auch nicht mehr. Zumindest nicht so sehr wie deinen Job.“
„Ich hab doch gesagt, dass ich mich ändern werde.“, erklärte er eilig, ein zuversichtliches Lächeln auf den Lippen.
Den Blick bedrückt abwendend nickte ich. „Aber es ist zu spät, Lance. Es ist einfach viel zu spät für unsere Ehe.“
Einen Moment war es still, und wir hörten nur die Leute um uns herum, die sich mehr oder weniger fröhlich unterhielten. Praktisch konnte ich hören, wie er nach einen Grund suchte, die Ehe bestehen zu lassen.
„Aber ich liebe dich.“, flehte er mich leise an. „Ich liebe dich und unsere Familie, Ava. Bitte.“

„Nein.“ Als Unterstreichung schüttelte ich den Kopf. Auch wenn es weh tat, zwang ich mich ihm ins Gesicht zu sehen, wenn ich die Worte aussprach, die dass alles beenden würde. „Ich habe die Scheidung heute Nachmittag eingereicht und ich möchte, dass du sie unterschreibst, wenn du die Papiere bekommst, okay?“
Lance nickte verwirrt. Es schien, als konnte er gar nicht fassen was ich da gerade gesagt hatte.
„Ich bin dafür, dass wir alles außerhalb des Gerichtes besprechen, oder nicht? So ersparen wir den Kindern...“
Lance sprang von seinem Platz auf, das Gesicht zu einer wütenden Grimasse verzogen. „Du denkst du kannst hier einfach machen, was du willst? Alles über meinem Kopf hinweg entscheiden?“
„Lance...“, versuchte ich mich sanft zu rechtfertigen und erhob mich ebenfalls von meinem Platz. Ich wollte ihm meine Hand auf den Arm legen, um ihn zu beruhigen, aber er zuckte zurück.
„Nichts Lance.“, wütetet er kalt weiter. „Die Scheidung kannst du haben, aber die Kinder kommen zu mir. Ich werde sie auf gar keinen Fall bei dir und diesem...Typen lassen. Auf gar keinen Fall.“
Bevor ich noch etwas erwidern konnte, war er verschwunden und ließ mich betrübt und besorgt zurück.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa Okt 27, 2012 6:19 pm

Als ich nach Hause kam, entdeckte ich einen kleinen Zettel auf dem Esszimmertisch. Sofort erkannte ich Daves unordentliche Schrift und konnte mir ein kleines Lächeln, trotz dem unschönen Ereignisses nicht verkneifen.
„Sind zu deiner Mutter gefahren. Ich hoffe es war nicht so schlimm, wie du es dir vorgestellt hast. Wir lieben dich, Dave und Jesse.“
Seufzend schmiss ich den Zettel in den Mülleimer und erlaubte mir selbst einen Moment um zur Ruhe zu kommen. Ich fasste mir an die Stirn, und schloss die Augen, um einmal in mich hinein zu horchen. Mir ging es nicht gut, aber auch nicht schlecht. Ich spürte Erleichterung über ein Ende, aber Traurigkeit über das Wie dieses Endes. Und ich verspürte deutlich Angst, dass Lance seine Drohung wahr machen könnte.
Das lautes Geräusch eines Fernsehers holte mich aus meinen Gedanken und ließ mich wieder an die nächste schwierige Aufgabe denken, die ich vor mir hatte. Ich muss es Elian und Sophie sagen.
Da das Zimmer meines Sohnes am nächsten wahr, und weil es mir davor graute es meiner Tochter zu sagen, steuerte ich die geschlossene Tür ohne weiter darüber nachzudenken an. Nachdem ich geklopft hatte, öffnete ich die Tür vorsichtig und lukte hinein.
Elian saß auf dem Sofa und schaute mich mit seinen großen Augen überrascht an. „Ich dachte du bleibst länger weg, Mum. War es nicht gut mit Omi?“, fragte er besorgt.
„Doch, doch.“ Eilig nickte ich, und ließ mich anschließend langsam neben ihm auf dem Sofa nieder. „Liebling, ich war nicht nur bei Oma.“, begann ich sanft zu erklären. „Dass habe ich euch nur erzählt, damit ihr euch keine Sorgen macht. In Wirklichkeit war ich anschließend noch mit deinem Vater essen.“
Elian hob eine Braue. „Habt ihr euch vertragen?“, fragte er verwundert, als würde er sich nicht darüber freuen.
„Nein.“ ich schüttelte den Kopf und legte ihm eine Hand auf den Arm. Konnte es sein, dass Elian froh darüber war? Würde er gar nicht traurig sein? „Ich habe dein Vater erklärt, dass ich die Scheidung eingereicht habe.“

Einen kurzen Moment blieb es still in dem Zimmer. So still, dass ich glaubte die Wellen rauschen zu hören.
Schließlich schien Elian seine Sprache wieder gefunden zu haben, denn er nickte, ein halbherziges Lächeln auf den Lippen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so trifft, schließlich...schließlich habe ich es geahnt. Ich meine, ihr habt euch nur noch gestritten und ich habe ja gesehen, dass du und...ich meine...“ Er stockte.
Wachsam sah ich meinen halbwüchsigen Sohn an. „Es ist normal, dass du traurig bist, Elian. Er ist dein Vater und...wir waren bisher eine Familie. Auf einmal zieht er aus und wir leben nicht mehr zusammen.“
„Aber ich habe ja gemerkt, dass es zwischen euch nicht mehr läuft.“, erwiderte er achselzuckend. Er setzte ein Lächeln auf, dass ich aber sofort als unecht identifizierte. Schließlich war er mein Sohn. „Es ist okay, Mum. Wirklich. Ich würde jetzt gerne nur etwas alleine sein und darüber nachdenken. Ist das okay?“
„Natürlich!“, erwiderte ich eilig. Liebevoll küsste ich ihn auf die Stirn, bevor ich mich von dem gemütlichen Sofa erhob und in Richtung Tür schritt. „Wir sehen uns später, Liebling.“
Kaum hatte ich das Zimmer meines Sohnes verlassen, hörte ich, wie Sophie die Treppe herunter polterte. Summend blieb sie in der Küche stehen, als müsste sie sich orientieren. Als sie mich entdeckte grinste sie. „Mummy! Was machst du denn schon hier? Elian meinte, du kommst heute ganz spät, weil du bei Granny bist.“
Ich nickte, versuchte mir die Angst nicht anmerken zu lassen, die durch meine Adern floss. Meine kleine Sophie, mein Nesthäkchen. Ich würde ihr ihr kleines Kinderherz brechen und das tat mir einfach nur weh. „Sophie, mein Schatz. Wie wäre es denn, wir wir beide zum Abendbrot ausnahmsweise mal Kekse essen, hm?“
Überrascht sah sie mich an. „Echt? Kekse? Aber du hast gesagt, dass wir zum Abendessen keine Kekse bekommen.“ Sie sah mich mit schief gelegtem Kopf an.
Ich lachte leise, ging auf sie zu und nahm sie kurz in meine Arme. Kaum merklich vergrub ich mein Gesicht für einige Sekunden in ihrem blonden Haar, bevor ich mich von ihr löste und sie angrinste. „Wir machen eine Ausnahme.“, erklärte ich ihr sanft. „Komm, wir holen uns die Schokokekse und setzen uns, okay?“

Gesagt, getan. Wir nahmen uns jeder einen Teller mit Kekse und ließen und an der Theke nieder. Eine Weile mümmelte Sophie stumm ihren Keks und schien verträumt in ihrer eigenen Welt zu sein.
Ich betrachtete sie, dachte darüber nach, wie ich es anstellen sollte. Würde sie mich hassen?
„Sophie?“ Sanft riss ich sie aus ihrer Gedankenwelt, immer noch ein liebevolles Lächeln auf dem Gesicht.
Meine Tochter hob den Blick und sah mich fragend an.
„Du weißt doch sicher, dass dein Vater und ich dich sehr lieb haben, oder nicht?“
„Klar.“ Sophie nickte grinsend, bevor sie sich den Rest des Kekses in den Mund stopfte. „Dass sagt ihr mir ja so oft, dass kann ich gar nicht vergessen, Mummy.“ Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich für einen Moment. „Kommt Daddy jetzt endlich wieder zurück? Er ist schon so ewig weg und hat gesagt er vermisst und alle. Wenn er wieder da ist, musst du nicht mehr traurig sein, weil du alleine bist.“
Ich schluckte schwer. „Genau darüber wollte ich mit dir reden, Liebling.“ Ich legte den Keks beiseite und drehte mich ganz zu ihr um. Vorsichtig nahm ich ihre kleine Kinderhände in meine und betrachtete sie einen Augenblick. „Weißt du, obwohl dein Vater und ich dich so sehr lieben, ist dass leider keine Garantie dafür, dass er und ich uns noch so sehr lieben. Manchmal, wenn man sich nicht mehr so liebt, wie am Anfang, dann ist es besser, wenn man getrennte Wege geht, kannst du verstehen, was ich dir gerade gesagt habe?“
Mit ihren pinken Augen sah sie mich an. „Meinst du, Daddy kommt nie wieder zurück?“ Ihre zarte Stimme zitterte und in den Augen, die mich so anstarrten, sammelten sich durchsichtige Tränen.
Ich unterdrückte einen schweren Seufzer, der meine Kehle hinaufkroch. „Natürlich. Er wird dich besuchen, Liebes, so oft er will und du kannst ihn besuchen, so oft du willst.“ Ich versuchte zuversichtlich auszusehen, zu lächeln und ihr das Gefühl zu geben, dass alles okay war.

„Dass ist nicht das selbe.“, murmelte Sophie. Wütend wischte sie sich die Tränen von den Wangen und funkelte mich an. „Dass ist einfach nicht das selbe, Mum! Daddy gehört zu uns. Er muss hier wohnen.“
„Aber es geht nicht, Schatz.“, versuchte ich ihr deutlich zu machen. „Es tut mir unglaublich Leid, Sophie, aber es funktioniert nicht. Dein Daddy und ich lieben uns nicht mehr, dass ändert aber...“
„Dass ändert alles, Mum.“, unterbrach sie mich verzweifelt. „Ich will Daddy behalten. Ich will ihn nicht verlieren.“
Ich schüttelte eilig den Kopf und beugte mich ein Stück zu ihr herüber, aber genau wie Lance, wich sie zurück. „Liebes.“; versuchte ich es erneut. „Hör mir zu, du wirst deinen Vater niemals verlieren. Er ist und bleibt dein Vater, okay? Nur, dass er nicht mehr hier wohnt, Sophie. Dass ist alles.“
Meine Tochter riss sich wutentbrannt von mir los und stürmte die Treppe nach oben. „Ich hasse dich und ich hasse Dad. Ich hasse alles hier und...und ich zieh zu Grandma, wenn ihr euch wirklich trennt. Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben und mit Dad auch nicht mehr.“
Seufzend sah ich ihr nach. Mein Mutterinstinkt schrie mir praktisch zu, dass ich ihr jetzt nicht hinter her laufen sollte. Sie würde eh nicht mit mir reden wollen. Zuerst müsste sie sich beruhigen und dann konnten wir noch einmal über alles sprechen.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Sa Okt 27, 2012 6:37 pm

Seufzend ließ ich mich auf dem Sofa nieder und schloss die Augen. Die Tränen die über meine Wange rollten, wischte ich nicht einmal weg. War ich so eine schlechte Mutter? Was hatte ich falsch gemacht, dass alles so hatte enden müssen? Warum konnte ich nicht wie meine Mutter sein und einfach von Anfang an das Richtige tun?
Ich hörte wie jemand unten die Haustür aufschloss und langsam die Treppe hinauf ging. Außer diesem Geräusch konnte ich noch Jesses leises Gebrabbel und Daves sanfte Stimme hören.
„Wir gehen gleich in den Park, Jesse. Aber Daddy muss erst mal neue Klamotten für dich holen, hm? So bekleckst kannst du mit Sicherheit nicht in den Park gehen.“ Dave lachte, dann verstummte er und schien auch stehen geblieben zu sein. Denn seine Schritte waren auch verstummt. „Ava, du bist schon hier?“
Ich hob eilig den Kopf, versuchte mir kaum merklich die Tränen abzuwischen und ein Lächeln aufzusetzen. „Ja, es ging alles...etwas schneller, als erwartet.“ Ich zuckte die Achseln und wandte den Blick ab.
Dave nickte leicht, setzte Jesse vor sich auf den Boden und gab ihm eins seiner Spielzeuge. Stumm kam er zu mir und ließ sich neben mir nieder, so nah, dass ich seine Körperwärme spüren konnte. „War es sehr schlimm?“
„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf ganz sachte. „E war eigentlich ziemlich einfach, weißt du? Ich liebe Lance nicht mehr, und dass er um alles kämpfen wollte, konnte die ganzen Jahre nicht wieder gut machen.“
Dave bewegte sich so, dass seine Hand ziemlich nah an meine heran kam, aber wir berührten uns nicht.
„Es ist nur Sophie.“, murmelte ich mit zitternder Stimme. Der Kloß in meinen Hals schwoll an. „Sie ist am Boden, Dave. Sie...sie hat gesagt sie hasst mich. Mich und Lance.“ Beinahe wäre ich wieder in Tränen ausgebrochen, aber ich hielt mich zurück. „Ich weiß nicht, wie ich ihr das antun kann.“

„Was wäre denn die Alternative, Ava?“, fragte Dave mit seiner üblichen weichen Stimme. „Für immer mit einem Mann zusammen zu bleiben, den du nicht liebst? Unglücklich und alleine, bis er dich irgendwann verlässt?“
„Nein!“, protestierte ich eilig. „Aber ist es denn die Lösung, dass meine siebenjährige Tochter leidet?“
Dave seufzte, ihn schien das alles auch zu bedrücken. „Den Satz willst du sicher nicht hören, Ava, aber die Schwachen leiden immer am meisten, weißt du. Aber Sophie wird sich irgendwann daran gewöhnen.“
Ich schüttelte den Kopf und fuhr mir erschöpft durch die blauen Haare. Was wenn nicht?
„Lass uns einen Spaziergang machen.“, schlug mein bester Freund mit einem zuversichtlichen Lächeln vor. „Ich hab Jesse sowieso versprochen, dass wir auf den Spielplatz gehen und du hast frische Luft mal nötig.“
Besorgt sah ich zur Decke, als könnte ich meine Tochter dadurch beobachten.
Dave nahm meine Hand und zog mich vorsichtig hoch. „Dass hilft nicht, Ava. Lass ihr erst mal ihre Zeit und dann rede noch einmal mit ihr. Jetzt kannst du sowieso nichts ausrichten.“
Ich stimmte ihm mit einem Nicken zu, wir zogen Jesse um und gingen in den Park, damit Jesse noch eine Weile auf dem Spielplatz spielen konnte.
Eine Weile sahen Dave und ich ihm schweigend zu, hingen jeder unseren Gedanken nach. Oder ich hing meinen Gedanken an die Scheidung nach und Dave litt mit mir.
„Ich hatte Angst, dass du dich um entscheidest.“, murmelte Dave schließlich. Sein Gesicht sah erleichtert aus, als er mir fest in die Augen sah. „Ich hatte wirklich Angst, Ava, dass Lance dich bequatscht.“

Eilig schüttelte ich den Kopf. Am liebsten hätte ich ihn in den Arm genommen, ihn geküsst und gesagt, dass alles gut war, aber ich fühlte mich nicht wohl dass in der Öffentlichkeit zu tun. „Niemals, Dave.“
„Gut.“, er lachte leise und es klang irgendwie nervös, als er eine Weile in seiner Hosentasche herum wühlte. Ein kleiner Schlüssel kam zum Vorschein. „Ich habe nämlich ein Haus gekauft, von meinem wenigen Ersparten und ich würde ungern alleine da einziehen weißt du. Und nachdem du dich von Lance getrennt hast...“
„Ich bin noch nicht so weit.“, erwiderte ich eilig, und unterbrach ihn somit. „Ich kann nicht einfach eine Beziehung mit dir führen, Dave...nicht so schnell. Das könnte ich Sophie auch nicht antun.“
„Du sollst keine Beziehung mit mir führen, Ava.“, beeilte er sich zu sagen, immer noch liebevoll lächelnd. „Du sollst einfach nur mit mir einziehen. Bei Lance kannst du nicht mehr wohnen, dass weißt du. Wir ziehen einfach in das Haus, mit Sophie und Elian. Von mir aus auch erst mal als Übergangslösung.“

Ich dachte einen kurzen Moment darüber nach und umso mehr ich das tat, um so einfacher kam mir diese Lösung vor. Zu meiner Mutter wollte ich nicht ziehen, aber in unserem alten Haus konnte ich auch nicht bleiben. „Es ist nicht besonders groß.“ redete Dave unbeirrt weiter, ein Glänzen in den Augen, dass ich nicht sonderlich oft in letzter Zeit gesehen hatte. „Aber es wird erst einmal reichen. Sophie und Elian müssten in ein Zimmer, aber vielleicht können wir das bald ausbauen. Und Jesse schläft bei uns im Schlafzimmer. Wir können zwei Betten ins Schlafzimmer stellen, wenn es dir lieber ist.“
Mit einem dankbaren Lächeln legte ich meine Hände sanft an seine Wange und schaute ihm fest in die auffallenden Augen. „Danke, Dave. Ich danke dir vom ganzen Herzen.“
„Dass musst du nicht.“, erwiderte er lachend. „Das ist selbstverständlich.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 6:16 am

„Dass war die letzte Kiste.“ Dave sah mich erleichtert an, mit roten Wangen von der Anstrengung. „Oder ist hier noch irgendetwas auszuräumen, dass ich übersehen habe?“
Ich schüttelte sachte den Kopf, ohne die alte Tür, die zum Kinderzimmer führte, aus den Augen zu lassen. „Ich glaube, dass war alles.“
„Geh zu ihr.“ Ich spürte seinen liebevollen Blick auf mir. Dave tat alles, damit es mir gut ging und den Kindern. Nur eine ließ sich nicht von ihm helfen. „Ich sehe doch, dass du es kaum aushältst.“
Ich seufzte halbherzig. Natürlich hatte er Recht, aber ich fürchtete mich. Mich meiner Tochter aufzudrängen war nicht meine Art und ihre abweisende Kälte mir gegenüber, tat mir mehr weh, als alles andere. Trotzdem strafte ich die Schultern und nickte leicht. „Du hast Recht. Ich werde jetzt mit mir reden und nicht aufgeben, bis sie den Mund auf macht. Irgendwann müssen wir doch wieder miteinander reden.“
Dave grinste mich schief an, lässig gegen die Wand gelehnt. „Go Ava!“, murmelte er leise.
Ich rollte mit meinen pinken Augen, bevor ich zitternd die Hand erhob und an die abgenutzte Tür klopfte, die zum Kinderzimmer führte. Wie erwartet bekam ich keine Antwort, denn Elian hatte sich, kaum dass seine Kisten ausgeräumt waren in den Park verdrückt. Zurück blieb Sophie und die gab mir keine Antwort.
Ich trat trotzdem ein, angespannt, denn ich würde zum ersten mal nicht die ruhige, verständnisvolle Mutter sein, sondern versuchen meinen Willen durchzusetzen. „Sophie.“, sagte ich schließlich mit fester Stimme. „Würdest du mich bitte einen Moment ansehen, damit wir endlich sprechen können.“

Mir immer noch den Rücken zu gewandt, schwieg Sophie und spielte weiter mit den Bauklötzen, die sie vor sich zu einem Turm stapelte. Sinn frei, aber eine Beschäftigung.
„Okay.“ Ich nickte und hob die Hände kurz, als wollte ich es wirklich akzeptieren. „Wenn du nicht redest, werde ich reden und du hörst einfach nur zu.“ Ich seufzte leise und flüsterte mir selber zu: „Das ist mit Sicherheit sowieso einfacher als ein richtiges Gespräch.“ Ohne weiter nachzudenken, spulte ich schließlich meine Gedanken vor ihr ab, in der Hoffnung ich würde sie irgendwie erreichen.
„Hör zu, mein Schatz. Ich kann verstehen, dass du traurig bist wirklich, dass ist auch dein gutes Recht, verstehst du? Du darfst weinen und mich anschreien und...ich weiß nicht. Einfach wütend sein. Dass ist okay, weil ich und dein Vater dich sehr sehr verletzt haben. Dass wissen wir, und es tut uns beiden unendlich Leid.“ ich trat einen Schritt auf sie zu und beugte mich ein Stück herunter, um näher bei ihr zu sein. „Aber wir lieben dich, mein kleiner Schatz und ich, ich meine wir, wir wollen dass du uns irgendwann verzeihen kannst. Dass muss nicht jetzt sein und auch noch nicht morgen. Aber kannst du dir vorstellen uns zu verzeihen?“
Ihr blonder Kopf nickte leicht und ich konnte die Anspannung fühlen, die es sie kostete.
„Okay.“ Erleichtert atmete ich aus. Ich richtete mich auf und setzte ein zuversichtliches Lächeln aufzusetzen. „Ich bin im Wohnzimmer, wenn du mich suchst, ja? Ich bin immer da, rund um die Uhr, kleiner Schatz.“
Kaum hatte ich die Türklinke in der Hand, hörte ich sie, wie sie aufstand, zögerlich. „H-hast du jetzt Onkel Dave lieb, Mummy.“, fragte sie zögerlich.
Ich hielt inne, biss mir auf die Unterlippe um nicht zu seufzen. Bevor ich mich umdrehte setzte ich eine undurchdringliche Miene auf. „I-ich...ich hab euch alle sehr lieb, mein Schatz.“

Sophie nickte, schüttelte anschließend wieder den Kopf. „Nein, dass meine ich nicht. Ich meinte doch, ob du Onkel Dave so lieb hast, wie du Daddy einmal lieb hattest. Elian hat das gesagt und ich hab gesagt, dass er lügt.“ Sie runzelte ihre Stirn. „Dass würdest du ja nicht tun, Mummy, weil Daddy dann traurig wäre.“
„Dein Daddy und ich sind jetzt nicht mehr zusammen, Sophie. Dass heißt jeder von uns beide darf einen neuen Partner haben. So etwas wie einen neuen Freund, weißt du?“, versuchte ich es ihr schonend bei zu bringen.
Mein kleines Mädchen sah mich aus den pinken Augen nachdenklich an. „Ist Onkel Dave dein neuer Freund?“
„Nein.“ ich schüttelte den Kopf, legte meine Hand sanft an ihre Wange und sah ihr tief in die Augen. „Erst einmal brauche ich ein bisschen Zeit für mich und für euch. Wir müssen uns alle um gewöhnen.“
„Okay.“, erwiderte Sophie, und ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. „Sei nicht böse, Mummy, aber ich möchte nicht dass Onkel Dave mein neuer Papa wird. Jetzt noch nicht. Ich hab ja noch einen.“
„Man kann auch mehr als einen Papa haben, Liebling.“, erinnerte ich sie sanft. „Genau so wie du auch mehr als eine Person lieben kannst. Aber das hat Zeit.“ ich küsste sie nach kurzem Zögern auf das blonde Haar. „Dass hat noch lange, lange Zeit mein Schatz, dass verspreche ich dir.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 6:26 am

Die nächste Zeit verging wie im Flug, und von Tag zu Tag kam es mir richtiger vor was ich getan hatte. Elian und Sophie hatten sich damit abgefunden eine Weile das Zimmer zu teilen, aber wir sparten auf einen kleinen Anbau.
Sophie redete wieder mit mir und wurde von täglich ein Stück weit mehr zu einem glücklichen Mädchen.
Ihren Vater sahen die beiden regelmäßig und ich wusste, dass es ihnen gut tat.
„Ich denke darüber nach Jesse einen Hund zu schenken.“ Dave schmiss die alte Zeitung in den Mülleimer und ließ sich geräuschvoll auf der Couch nieder. Sein Blick blieb an mir hängen, als fragte er mich um Erlaubnis.
„Nein.“, war meine kompromisslose Antwort. Dieses Haus war winzig und hatte kaum Platz für uns fünf. Einen Hund noch mit hineinzubringen wäre wahrer Selbstmord. „Wir haben keine Zeit für ein Haustier, Dave.“, versuchte ich ihm eilig klar zu machen, als ich seinen enttäuschen Ausdruck sah. „Ich arbeite den ganzen Tag, die Kinder sind in der Schule und du...“ Ich verstummte kurz. „Das Geld fehlt übrigens auch.“
Es war eine leichte Anspielung auf seine Faulheit, die er bezüglich eines Jobs an den Tag legte, aber er überging sie einfach, als hätte ich gar nichts gesagt.
„Ach, Ava. Finanziell bekommen wir dass hin und ich weiß, dass auch Sophie sich einen Hund wünscht.“
Ich lachte künstlich. „Sophie wünscht sich außerdem ein Pferd und einen Affen und am liebsten auch noch ein Nashorn. Trotzdem bekommt sie nichts davon, Dave.“
„Ein Pferd könnten wir ihr schenken.“, erwiderte er teilnahmslos.

Ich drehte mich wütend zu ihm um, bevor ich aus dem Kühlschrank die Zutaten für frischen Lachs nahm. „Sophie bekommt Reitstunden, dass ist das Einzige was ich als Kompromiss sehe. Lance hat sich bereit erklärt etwas dazu zu geben, also sollte dass eigentlich klappen.“ Ich seufzte erleichtert. Sophie noch einen Wunsch abschlagen zu müssen hätte mich innerlich umgebracht. So hatte sie wenigstens einmal die Woche eine Freude.
„Ich finde dann hat Jesse es auch verdient ein Hobby zu haben.“ Ich spürte Daves festen Blick in meinem Rücken. „Ich meine, der Junge kommt sowieso viel zu kurz und es würde ihn sicherlich glücklich machen.“
„Seine Mutter bringt es ihm auch nicht zurück.“, dachte ich betrübt bei mir. Aber ich schwieg.
Dave seufzte leise. „Überlege es dir doch nochmal, Ava. So einen süßen kleinen Hund, was ist denn dabei?“
„Wir haben keinen Platz!“, erwiderte ich und servierte den Lachs auf einem großen Teller. „Und damit ist mein letztes Wort gesprochen, Dave.“ Ich warf ihm einen warnenden Blick zu, als er etwas erwidern wollte und schnitt ihm so das Wort ab. „Kinder! Das Essen ist fertig, kommt ihr bitte.“
Erst kam Elian aus seinem Zimmer, trug schon seinen Schlafanzug und hinter ihm kam Jesse heraus. Aus dem kleinen, niedlichem Kleinkind, war gewitzter sechsjähriger Junge geworden, der die Welt mit seinen pinken Augen fast etwas misstrauisch beobachtete.
„Hier Geburtstagskind.“ Ich stellte meinem Neffen einen Teller mit Fisch hin und strich ihm anschließend sanft über das braune Haar. „Dein Lieblingsessen, extra für dich.“

Jesse blinzelte mich erfreut zu. „Du bist die beste Tante, die man sich nur wünschen kann, Tante Ava.“
Elian schnaubte verächtlich. „Dann musst du mal Tante Kosmo beim Essen machen sehen. Da gibt es hauptsächlich nur Nachspeisen, und die sind lecker, Jesse. Dass glaubst du gar nicht.“, witzelte mein Sohn.
Ich zog eine Grimasse. „Und was glaubst du warum dein Cousin und deine Cousine so oft zum Zahnarzt müssen.“
Jesse kicherte leise, bevor er genüsslich begann das Essen zu verspeisen.
Als ich mich von meinen kleinen Schützlingen abwandte, bemerkte ich Daves Blick, der liebevoll auf mir ruhte. Ich lächelte schüchtern, kam ein paar Schritte auf ihn zu und berührte ihn sanft am Arm.
„Ihm geht es gut.“, versuchte ich ihm durch meine Augen klar zu machen. „Ihm fehlt nichts. Er ist glücklich.“
Dave nickte kaum merklich. Ich wusste, dass er an Molly dachte, genau wie ich. Denn immer wenn wir Jesse ansahen, sahen wir nicht nur einen tollen Jungen, sondern auch seine tolle Mutter.
„Sophie schläft heute übrigens bei Dad.“, verkündete Elian mit halbvollen Mund und spukte dabei ein paar Brocken des Fisches auf den Tisch. Mit entschuldigendem Blick wischte er sie weg. „Sorry, Mum.“
Kopf schüttelnd strich ich ihm über das Haar. „Jetzt iss schnell auf, bevor das halbe Essen wieder auf den Tisch landet.“ Ich lachte leise. „Ich hab mir ja nicht umsonst so viel Mühe gegeben.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 6:29 am

„Ich fahr am Wochenende zu Arek.“ Elian schüttete sich noch ein wenig mehr Müsli in die Schüssel, so dass die Milch plätschernd überlief. Er registrierte es mit einer schiefen Grimasse in meine Richtung.
Wie gewohnt warf ich ihm einen Lappen zu, ehe ich ein Stück des Kuchens abschnitt, den Mum für uns gebacken hatte. „Das freut mich. Frag ihn doch mal, ob er nicht mal wieder herkommen möchte.“
Elian schwieg, ich spürte wie er sich innerlich anspannte.
Ohne ihn aus den Augen zu lassen, nahm ich meinen Teller und schlenderte zum Esszimmertisch. Ich wusste, was meinem fast erwachsenem Sohn auf der Zunge lag.
Nach einem kurzen Moment riss er sich zusammen und mit einem halbherzigen Lächeln ließ er sich neben mir nieder. „Ich werde ihn fragen, Mum. Aber ich bin mir nicht sicher, ob er kommen wird.“
„Ich auch nicht.“, erwiderte ich leise. Wehmut schwang in meiner Stimme mit, als ich daran dachte wie lange ich meinen geliebten Neffen nicht mehr gesehen hatte. Er fehlte mir.
„Er will nicht her kommen, Mum, und ich bin mir sicher, dass es nichts mit dir zu tun hat.“ Elian rührte eine Weile in der Schüssel rum, bevor er erneut ansetzte. „Er kommt mit der gesamten Situation nicht klar.“

„Das ist verständlich.“ Ein warmherziges Lächeln auf den Lippen, sah ich ihn an. „Vielleicht kannst du ihm ausrichten, dass wir hier immer eine offene Tür für ihn haben. Ich will ihn nicht drängen, ich will nur das er weiß, dass er niemals alleine ist. Wir sind hier.“
„Ich werde es ihm ausrichten.“, versprach er. Grinsend tätschelte er meinen Arm.
Dankbar küsste ich ihn auf die Wange. „Du bist mein Held.“, erklärte ich ihm grinsend. „Ohne dich wüsste ich manchmal wirklich nicht wo mir der Kopf steht, Elian.“
„Ach, Mum.“ Die leichte Röte auf seiner Wange stach mir sofort ins Auge. Er lachte. „Ich mach doch gar nichts, sondern du. Ich kenne keine Mum, die so absolut cool ist wie du. Da kannst du dir sicher sein.“
Der Schulbus ertönte von draußen, ein nervtötendes Hupen.
„Ich muss los.“, erklärte mein Sohn mir und erhob sich. „Ich gehe nach der Schule zu, Dad ja?“
„Natürlich.“ Ich schenkte ihm einen liebevollen Blick. „Richte Sophie aus, ihr Bett zu Hause würde sich darauf freuen auch mal wieder bewohnt zu werden.“
Elian lachte, schnappte sich einen Apfel und verließ das Haus.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 6:34 am

Eine halbe Stunde später, hörte ich wie die Haustür ins Schloss viel und Schritte drangen an mein Ohr. Ich fuhr mir ein letztes Mal mit der Bürste durch die Haare, bevor ich sie weglegte und ins Esszimmer trat.
„Guten Morgen, schöne Frau.“, begrüßte Dave mich, ein breites Lächeln auf den Lippen.
Ich erwiderte es, unsicher. „Morgen, wo warst du denn so früh?“
„Unterwegs.“, erwiderte er geheimnisvoll. Ich konnte eine Zeitung in seiner Hand entdecken. Er wedelte sachte damit herum, als handelte es sich um eine Schatzkarte.
Mit gerunzelter Stirn setzte ich mich schließlich an den Tisch. „Und was hast du unterwegs getan?“
„Eine Zeitung geholt.“ Wieder deutete er an, dass dies sein einziger Satz bleiben würde, doch als er meinen genervten Blick bemerkte lachte er leise. „Schon gut. Du konntest noch nie besonders lange warten. Weißt du noch, als du einmal an Weihnachten...“
„Dave!“, unterbrach ich ihn, unfreundlicher als gewollt. Ich rollte mit den Augen und Dave nickte bloß.
„Richtig! Ich wollte dir erzählen, warum ich so gut drauf bin.“ Er trat an meinen Tisch, beugte sich auf die Arme und lehnte sich ein wenig nach vorne. „Ich habe in der Zeitung gestöbert und eine Anzeige gefunden, die mich wirklich interessiert hat. Im Rathaus. Klar es ist nichts Besonderes, also noch nicht, aber ich könnte...“

„Der nächste Bürgermeister werden?“ Grinsend erhob ich mich und schlenderte zur Küche, wo ich eine Tüte mit Keksen sanft in den Schrank räumte. „Du willst also wirklich in die Politik einsteigen?“
„Wieso denn nicht?“ Leichtfertig fing er den Schwamm auf, den ich ihm zu warf und begann den Herd zu putzen, während ich mir ein paar Teller schnappte und sie abwusch. „Als Politiker verdient man nicht schlecht, und du hast gesagt wir brauchen Geld. Außerdem möchte Jesse unbedingt einen Hund.“
Ich seufzte. „Darüber haben wir doch gerade letztens diskutiert. Kein Hund, Dave! Wir haben dafür keine Zeit.“ Ich warf ihm einen kurzen Blick zu. „Außerdem, wir sollten uns über andere Dinge Gedanken machen.“
„Mache ich jeden Tag.“ Sein Blick war ernst, aber auch liebevoll, als er mich ansah. „Ich warte.“
Noch einmal seufzte ich. „Ich wünschte du müsstest das nicht, Dave. Aber ich...ich weiß noch nicht wirklich was ich tun soll. Ich bin über die ganze Sache mit Lance nicht hinweg und Sophie ist auch noch nicht bereit.“
Dave nickte, ohne mich anzusehen. „Dass ist okay, Ava. Ich hab dir gesagt, dass ich dich nicht dränge, oder sonst irgendetwas. Irgendwann, da bin ich mir sicher, werden wir zusammen sein.“ Er legte den Schwamm zurück an seinen Platz und verschränkte die Arme vor der Brust. „So lange du hier bist, und ich weiß, dass du auch etwas fühlst, so lange geht es mir gut. Ich bin da, wenn du deine Meinung änderst.“

Dankbar warf ich ihm einen Blick zu. „Glaub mir, ich versuche mir so schnell wie möglich über alles klar zu werden. Und Sophie wird bestimmt auch bald über alles hinweg sein.“
Dave drehte mich zu ihm um und nahm mich fest in seinen Arm. „Und so lange Jesse und ich warten, könnten wir uns die Zeit ja mit einem Hund vertreiben, was hältst du von dieser Idee?“
Lachend legte ich mein Kinn auf seiner Schulter ab und schloss für einen Moment die Augen. „Nein, nein, und nochmal nein! Wir werden uns mit Sicherheit keinen Hund kaufen.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 6:55 am

„Es ist kochend heiß!“, mit diesen gewählten Worten, die sie langsam und sorgfältig aussprach, stürmte Roberta in Haus. Eilig fuhr sie sich mit der Hand durch das braune, schulterlange Haar.
Überrascht, aber gleichzeitig erfreut schloss ich die Haustür hinter meiner Freundin und drehte mich zu ihr um. „Dabei hast du doch kaum etwas an.“ Ich spielte grinsend auf das dünne Kleid an, was ihre rundliche Figur umspielte. „Aber du bist doch nicht hergekommen, um mir zu sagen, dass es heiß ist, oder?“
„Nein.“ Roberta grinste. „Eigentlich bin ich hier, um eine Pause zu haben von den Kindern.“ Sie legte den Kopf ein Stück weit in den Nacken, als wollte sie ein Stoßgebet gen Himmel senden. „Ich hab die beiden Kleinen bei Tamra abgeliefert und bin gleich weiter zu dir gedüst.“
Ich erinnerte mich das Tamra, Robertas Älteste vor kurzen ausgezogen war, nachdem sie mit ihrem langjährigen Freund das zweite Kind bekommen hatte.
„Wie geht es ihr denn?“, fragte ich, statt auf ihre Nörgelei einzugehen. „Und dem Kleinen?“
„Beiden geht es gut.“ Der Stolz einer Großmutter flammte in ihren hübschen Augen auf. „Er ist wirklich zuckersüß, Ava, ich kann es immer noch kaum glauben, dass mein kleines Baby selber schon ein Baby hat.“
Bei den Gedanken, dass mein Sohn Vater werden würde wurde mir ganz anders für einen Moment.
Roberta schien meine Gedanken gelesen zu haben, denn sie grinste. „Mach dir keine Sorgen, Ava. Elian ist ein sehr verantwortungsvoller Junge, dass kannst du mir glauben. Bis der ein Kind bekommt, wird die Zeit vergehen und du wirst grauer Haare haben.“ Über meinen entsetzten Gesichtsausdruck lachte sie. „Oder auch keine graue Haare. Vielleicht bleiben die auch so blau.“

„Mit Sicherheit nicht.“ Ich dachte an meine Mutter, und ein wehleidiger Seufzer drang über meine Lippen. „Manchmal wünschte ich mir trotzdem wieder so ein kleines Wesen in den Armen zu halten.“
Roberta kam ein paar Schritte näher. „Und wieso bekommst du kein Kind mehr? Du bist noch jung.“
Mein Blick wanderte zur Tür des Schlafzimmer, in dem sich Dave gerade auf ein wichtiges Gespräch vorbereitete.
Roberta folgte meinen Blick und seufzte leise. „Warum zögert ihr so lange, Liebes?“
„Weil ich noch nicht bereit bin.“; erklärte ich eigensinnig. „Ich habe mich gerade von Lance getrennt, die Scheidung ist auch noch nicht durch. Außerdem...“ Ich stockte für einen Moment. „Sophie...“
„Sophie ist kein Baby mehr, Ava.“ Roberta tätschelte meinen Arm, aufmunternd. „Du kannst nicht immer Rücksicht darauf nehmen, was die Kleine will. Denn das was sie am meisten will, wird sie nie wieder bekommen. Außerdem...“ Sie sah mich vorsichtig, fast ängstlich an. „Lance hat auch eine neue Freundin.“
„Ich hab davon gehört.“; erwiderte ich schlicht. Es wunderte mich nicht, dass der Gedanke noch ein Stück weit schmerzte. Schließlich waren wir lange verheiratet gewesen. „Graciela. Sie ist noch relativ jung.“
„Damit meinst du gerade aus den Windeln raus.“, prustete Roberta los, und ich stimmte in ihr Lachen ein.
„Es ist seine Sache.“, entschied ich schließlich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte. „Aber so weit ich weiß hält er das ganze von den Kindern fern, und dafür bin ich ihm dankbar, wirklich.“

„Trotzdem.“ Roberta sah mich eindringlich an. „Stell dein Glück nicht immer hinten an, Ava.“
Ich wandte mich von meiner Freundin ab und setzte mich auf einen der Stühle. „Ich würde für meine Kinder alles tun, Roberta. Und da ist auf die große Liebe zu verzichten noch das kleinste Übel.“ Seufzend sah ich auf die Tischplatte. „Ich hab mir das alles selber zuzuschreiben. Es hätte alles anders sein können.“
„Ist es aber nicht.“, hörte ich sie sachte sagen. „Du hast diesen Weg damals gewählt, weil du Lance von ganzem Herzen geliebt hast. Und dass du es jetzt nicht mehr tust, ist nicht deine Schuld. Sophie wird es verstehen.“
„Wird sie?“, fragte ich verächtlich.
Roberta schwieg einen kurzen Moment, dann räusperte sie sich. „Vielleicht hast auch nur du Angst, und suchst deine Kinder als Grund. Vielleicht hast du Angst, dass es auch diesmal nicht klappen könnte. Und vielleicht hast du Angst, dass es ein Betrug an deiner Schwester sein könnte.“
Ich fuhr zusammen. So selten hatte ich über Molly geredet, dass es schmerzhafter war, als erwartet.
„Molly wäre glücklich, wenn sie sehen würde, dass Dave und du glücklich seid. Und Jesse. Der Kleine liebt dich wie eine Mutter. So wie Arek es schon getan hat, merkst du es nicht?“
„Ich bin aber nicht seine Mutter.“ Ich sah über die Schulter zu Roberta. „Und ich habe mein Anrecht auf Dave damals verloren. Ich sollte das Ganze nicht tun, Roberta. Es geht nicht. Es spricht zu viel dagegen.“
„Es spricht gar nichts dagegen.“, erwiderte sie eindringlich. „Nichts! Ihr liebt euch, ich sehe das. Und ihr könntet eine wunderbare Familie sein, Ava-Mercy. Also warum zerstörst du dass?“

„Roberta...“ Ich verstummte, unsicher was ich sagen sollte. Seufzend schüttelte ich den Kopf und legte ein halbherziges Lächeln auf. „Es bringt nichts darüber zu diskutieren. Ich will auch gar nicht. Lass uns einfach nicht darüber reden, sondern über etwas...besseres. Wie läuft es im Labor?“
„Es geht.“ Obwohl sie die Stirn runzelte, wusste ich, dass sie meinen Wunsch akzeptierte. „Du fehlst ziemlich.“
Ich grinste. „Natürlich fehl ich, aber es war die richtige Entscheidung damals meinen Job zu kündigen. Ich wurde woanders gebraucht.“ Unzufrieden zuckte ich die Achseln. „Und jetzt arbeite ich im Imbiss um die Ecke.“
„Wo du jederzeit kündigen könntest und zurück ins Labor kommen könntest.“
„Vielleicht.“ Ich lächelte seicht. „Aber die Arbeit im Labor nimmt so viel Zeit in Anspruch, wie kann ich denn da noch für den Rest der Familie da sein. Im Imbiss bin ich den halben Tag, und kann dann für die anderen Sachen da sein. Es passt einfach besser.“
„Aber das Labor war immer dein Traum.“, erinnerte Roberta mich lächelnd. „Und wir haben einen freien Platz.“ Bevor ich etwas erwidern konnte, klingelte ihr Handy in der Tasche. „Hallo?...Oh, Tamra...Oh, natürlich...ja, klar. Ich bin in ein paar Minuten da, versprochen.“ Sie legte auf und zog eine Grimasse. „Tamra bittet mich die Kinder wieder abzuholen. Sie hat kurzfristig einen Termin bekommen.“
„Nicht schlimm.“, erwiderte ich und geleitete sie zur Tür. Fest umarmte ich meine Freundin. „Danke dass du mal wieder vorbei gekommen bist. Wir sollten demnächst mal wieder Essen gehen, hm?“
„Sehe ich genau so.“, erwiderte sie lächelnd und verließ das Haus mit einem Winken. „Bis dann.“
„Bis dann!“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 7:04 am

„Wie war die Schule?“ Ich wischte mit einer schnellen Handbewegung ein paar Krümmel vom Tisch, während meine Augen auf meinem Sohn ruhten.
Elian hob kurz den Kopf. Er sah gestresst aus. „Ganz okay. Wir bekommen morgen die Prüfungsergebnisse.“
Ich nickte. „Mach's du dir Sorgen deswegen?“, harkte ich vorsichtig nach, während ich den Lappen zurück in die angrenzende Küche brachte. Als ich Elian ansah, entdecke ich Angst.
„Ein wenig.“, gestand er mir unsicher. Er legte den Stift beiseite und sah mich eindringlich an. „Da hängt so viel dran, Mum. Wenn ich nicht die Ergebnisse bekomme, die ich erwarte, dann...“
„Dann werden wir eine andere Lösung finden.“, erwiderte ich aufmunternd. Lächelnd strich ich ihm über den Kopf. „Mach dir keine Sorgen, Liebling. Du hast deinen Abschluss bestimmt grandios gemeistert.“
Mein Sohn nickte, nach kurzen Zögern, bevor er seinen Blick wieder auf seine Hausaufgaben richtete.
Ich betrachtete ihn noch einen kurzen Moment, bevor ich meine Aufmerksamkeit auf Jesse und Sophie richtete, die zusammen neben dem Fernseher standen und ein Klatschspiel spielten.
„Du kannst ja gar nichts.“, murrte Sophie schließlich und ließ die Hände sinken. Wütend verschränkte sie die Arme vor der Brust. „Du bist immer noch ein Baby Jesse und kannst gar nichts. Wie dein Vater!“
Jesses Augen begangen wütend zu funkeln. „Mein Dad kann ganz viel, Sophie. Und ich bin kein Baby mehr.“

„Dein Dad kann gar nichts.“ Eingebildet reckte meine Tochter ihre Nase in die Luft. „Mein Vater ist Polizist! Er kann viel mehr als dein Vater und er sperrt Leute ein, die böse Sachen machen.“
„Na und? Mein Vater muss kein Polizist sein. Mein Vater wird nämlich Bürgermeister, weißt du?“
Sophie lachte hämisch. „Dein Vater versucht Bürgermeister zu werden! Aber er schafft es nicht. Außerdem will er dass ja nur werden, damit meine Mama sich in ihn verliebt. Aber dass wird sie nicht. Meine Mama hat nur einen guten Mann verdient, und zwar meinen Vater. Ihr seid nur Gäste bei uns.“
Das reichte. Wütend trat ich auf die beiden Streithähne zu. „Sophie, es reicht.“ Ich warf meiner Tochter einen strengen Blick zu, der sie augenblicklich zum schweigen brachte. „Was ist denn hier los?“
„Sophie sagt mein Vater ist ein Verlierer.“ Jesses pinken Augen sahen mich hilfesuchend an. Der Junge war unglaublich sensibel.
Ich sah mich Tochter an. „Warum sagst du so etwas, Sophie? Was ist denn mit dir los?“

Sophie schwieg einen Moment, hochnäsig. „Ich hab doch nur die Wahrheit gesagt.“, erklärte sie mir eigensinnig. „Dave ist ein Schmarotzer! Dass habe ich heute in der Schule gelernt und Daddy sagt das auch!“
„Hör mir zu, Sophie.“ Ich hob mahnend den Fingern. „So etwas, will ich nie wieder aus deinem Mund hören, hast du mich da verstanden? Und wenn dein Vater noch einmal so etwas sagt, dann kannst du die Wochenendbesuche vergessen, hast du mich da verstanden?“
„Das darfst du nicht.“, erwiderte meine Tochter ruhig. „Dad sagt ich habe ein Recht darauf ihn zu sehen. Und wenn ich will, darf ich auch bei ihm wohnen, und ich glaube das mach ich.“ Mit dem Finger deutete sie auf Jesse. „Mit dem und seinem komischen Vater will ich nicht mehr unter einem Dach wohnen.“
„Sophie!“ Ich war erstaunt wie verletzend meine Tochter reden konnte. So hatte ich sie noch nie gesehen. „Was ist denn bloß los mit dir? Warum bist du so gemein zu, Jesse.“
Mein Neffe blinzelte an mir vorbei. „Sie will nicht, dass du und Daddy ein Liebespaar werdet. Deswegen.“

Sophie wechselte zwischen mir und ihrem Cousin hin und her. Schließlich blieb sie an meinem Gesicht hängen. „Das darfst du auch nicht, Mum. Dad ist verliebt in dich, und ihr gehört zusammen.“
„Sophie, bitte.“ Hilflos sah ich meine Tochter an, wollte nach ihrer Hand greifen, aber sie zuckte zurück.
Mit wütendem Blick schnappte sie sich ihren Rucksack und stampfte zur Tür. „Ich geh zu Dad.“
Ich seufzte leise. Elians mitleidigen Blick spürte ich fest auf meinem Gesicht, aber ich schwieg. Stattdessen wandte ich mich Jesse zu und strich ihm sanft über das Gesicht. „Essen ist gleich fertig, holst du deinen Vater?“
Jesse nickte. Er drückte meine Hand und lief schließlich ins Schlafzimmer.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 7:10 am

Ich stellte den Rest der Hamburger zurück in den Kühlschrank, bevor ich einen erneuten Blick auf die Uhr warf. Langsam sorgte ich mich um meine kleine Tochter, denn noch immer hatte ich nichts von ihr gehört. Und von hier zu Lance waren es vielleicht zwanzig Minuten, höchstens eine halbe Stunde.
„Sie ist sicher nur beleidigt und ruft deswegen nicht an.“ Dave riss mich aus meinen Gedanken. Er hatte sich gegen die Theke gelehnt und beobachtete mein gestresstes Gesicht.
„Und warum ruft Lance nicht an?“, harkte ich Kopfschüttelnd nach. „Er muss doch wissen, dass ich mich Sorge.“
Dave lachte leise. „Ich denke nicht, dass Sophie zu ihm hingegangen ist und ihm gesagt hat, dass sie abgehauen ist. Bestimmt hat sie gesagt, du hast es ihr erlaubt, und dann muss er ja nicht anrufen.“
Ich wollte etwas erwidern, aber in der Sekunde vibrierte mein Handy. Erleichtert las ich Lance Namen auf dem leuchtenden Display. „Hey, Lance.“
„Hallo, Ava.“ Seine Stimmte klang kühl, wie immer wenn wir ein paar wenige Worte miteinander wechselten. Manchmal sehnte ich mich nach der Wärme von früher, aber dann dachte ich an Dave.

„Bitte sag mir, dass Sophie bei dir ist.“, bat ich ihn, fast schon verzweifelt. Ich hatte mir wirklich Sorgen gemacht.
Am anderen Ende blieb es einen Moment still. „Ja, sie ist hier.“ Ich hörte ihn schlucken. „Sie hat mir erzählt, dass du ihr gedroht hast, sie nicht mehr zu mir zu lassen. Stimmt dass?“
„Dass ist in einem ganz anderen Zusammenhang passiert.“, versuchte ich die Situation zu entschärfen. „Sie hat mir erzählt, was du über Dave gesagt hast. Ich bin enttäuscht über so viel Unvernunft, Lance.“
„Unvernunft?“, wiederholte er meine Worte verächtlich. „Ich sage nur, wie es ist, Ava-Mercy. Dave ist ein Schmarotzer und das weißt du. Du hättest etwas Besseres verdient.“
Mir lag auf der Zunge ihm seine Taten vorzuhalten, aber ich verbot es mir selber. „Ich diskutiere nicht mit dir über meine Beziehung zu Dave. Ich möchte nur, dass du dich vor unserer Tochter zusammenreißt.“
„Tue ich.“, erwiderte er kalt. „Ich muss auflegen. Sophie und ich schauen einen Film.“
Ich nickte leicht. „Gib ihr einen Kuss von mir. Gute Nacht, Lance.“

Eine Antwort bekam ich nicht. Stattdessen ertönte das Tuten laut und deutlich.
Dave klopfte auf dem Platz neben sich. „Setz dich her.“, bat er mich sanft.
Ich tat ihm den Gefallen. Mit einem tiefen Seufzer ließ ich mich neben ihm auf unser braunes Sofa fallen und legte den Kopf in den Nacken. Ich war erledigt.
„Sie wird sich beruhigen.“; redete mein ehemaliger bester Freund mir liebevoll zu.
Ich nickte. „Aber sie ist nicht das Problem, sondern Lance.“, erwiderte ich mit Nachdruck. „Er beeinflusst sie und Sophie ist noch zu klein um das alles zu differenzieren. Sie kann im Grunde nichts dafür.“
Dave sah mich an. „Und was willst du jetzt tun, Ava? Warten bis sie erwachsen ist und weiß was richtig und was falsch ist?“ Er klang unglücklich.
„Ich weiß es nicht, Dave.“, antwortete ich tonlos. „Ich möchte darüber nicht nachdenken. Ich möchte...“ Ich verstummte und schüttelte den Kopf. „Können wir vielleicht morgen darüber reden? Ich bin unglaublich müde und würde am liebsten einfach ins Bett gehen.“
„Natürlich.“ Er seufzte, lächelte aber als ich ihn ansah. „Dann schlafe gut, ich schau mir noch einen Film an.“
„Okay, gute Nacht.“ Nach kurzem Zögern küsste ich ihn auf die Wange.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Di Mai 21, 2013 7:20 am

„Beeile dich bitte, Jesse.“ Dave klopfte ein letztes Mal an die Tür, bevor er sich mit einer genervten Grimasse zu mir umdrehte. „Ich glaube, dass hat er von seiner Mutter.“, fachsimpelte er.
Ich grinste leicht. „Ja, Molly hat auch immer Stunden im Bad gebraucht. Was glaubst du wie oft Mum an die Decke gegangen ist, deswegen. Und Ricky erst. Obwohl er sonst so ruhig ist.“
„Ich verstehe ihn.“ Dave erwiderte mein Grinsen gut gelaunt, bevor er sich einen Apfel schnappte und sich am Tisch niederließ.
Überrascht kramte ich meiner Rocktasche, als mein Handy zu vibrieren begann. „Mum.“, bemerkte ich, nachdem ich einen Blick aufs Display geworfen hatte. Ich sah Dave fragend an. „Warum ruft sie an?“
„Vielleicht weil sie ihre geliebte Tochter mal wieder sprechen will?“ Dave biss noch einmal von dem Apfel ab und kaute ihn genüsslich.
Ich rollte mit meinen Augen, bevor ich auf den grünen Hörer drückte und mir das kleine Mobiltelephon ans Ohr hielt. „Hey, Mum. Wie schön dass du anrufst, aber ich wollte heute Vormittag sowieso vorbeikommen.“
Am anderen Ende blieb es einen Moment still, dann ertönte die zerbrechliche Stimme meiner Mutter. „Hallo Ava, Kind.“, murmelte sie, kaum hörbar. „Ich rufe aus keinem schönen Grund an.“

„Was ist passiert?“ Ich drehte mich von Dave weg und sah stattdessen aus dem Küchenfenster. Angst breitete sich in mir aus, gepaart mit Unruhe. Mein Herz klopfte schneller und in Sekundenschnelle fuhren an meinem inneren Auge sämtliche Bilder meiner Familie vorbei.
„Dein Vater ist am heutigen Morgen nicht mehr aufgewacht. Er ist friedlich im Schlaf gestorben, Ava.“
Meine Muskeln erschlafften und ich sackte ein Stück in mich zusammen. Der Schmerz, den ich gerade verarbeitet hatte, keimte wieder hoch. Mein Daddy.
„Ich dachte ich rufe dich gleich an, bevor du es von den anderen erfährst.“ Sie schwieg einen Moment, schien mir Zeit für eine Antwort zu lassen, aber ich konnte nicht. „Ava bist du noch dran?“
„Natürlich, Mum.“, krächzte ich und musste mich erst einmal räuspern. „Ich bin nur...“
„Ich weiß, Liebling. So geht es uns allen.“ Sie weinte nicht. „Wie wäre es wenn du heute vorbeikommst, hm? Mit den Kindern? Dir trinken Kaffee und reden über alles.“
„Ich komm ohne die Kinder.“, erwiderte ich eilig. Ich musste mit meiner Mutter alleine sein. „Gib mir eine halbe Stunde, dann sind sie in der Schule und ich komm rüber.“
„Okay, Liebes. Bis gleich. Ich hab dich lieb.“
„Ich dich auch.“, erwiderte ich tonlos und legte auf.
Dave war aufgestanden. Ich spürte, dass er hinter mir stand. „Ist alles okay, Ava?“

Ohne wirklich hinzusehen, öffnete ich den Kühlschrank und nahm Frühstück für die Jungs heraus. „Ich...ich weiß es nicht.“, gab ich abwesend zu.
„Du gibst den Jungs Hamburger zum Frühstück, irgendetwas scheint nicht in Ordnung sein.“
Mein Blick wanderte zu meinem besten Freund. „Mein Vater ist heute Nacht verstorben.“, erklärte ich ihm leise.
Dave ergriff meine Hand und drückte sie fest. „Ich nehme mir heute frei.“
„Nein.“, bestimmt schüttelte ich den Kopf, ein unfertiges Lächeln auf den Lippen. Ich nahm den Teller mit dem Burger und betrachtete ihn eine Weile. „Ich gehe gleich zu Mum rüber. Ich will erst einmal alleine sein.“
„Dass verstehe ich natürlich.“; erwiderte er.
Ich wusste, dass es auch für ihn ein großer Verlust war. Schließlich war mein Vater immer so etwas wie sein Vater gewesen. Er war offiziell unser Pflegekind.
Jesse durchbrach meine Gedankengänge, als er vorwitzig aus dem Badezimmer kam. „Ich hab so schnell gemacht, wie ich konnte, Daddy. Bin ich noch pünktlich?“
„Klar.“ Daves Gesichtsausdruck hatte sich in wenigen Sekunden verändert. Er sah unbelastet und fröhlich aus. „Los, heute darfst du ausnahmsweise mal einen Burger zum Frühstück essen.“
„Klasse!“, rief mein Neffe aus und stürzte sich auf den Teller, den ich noch immer in der Hand hatte.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Mai 22, 2013 8:25 am

„Hey, Mum.“ Ich umarmte sie fest, nachdem ich eingetreten war. „Wie geht es dir?“
Meine Mutter lächelte halbherzig, bevor sie die Tür hinter mir schloss und sich ganz zu mir um wandte. „Den Umständen entsprechend.“
Ich nickte verstehend. „Hast du es den anderen schon gesagt?“ Mit den Anderen, meinte ich meine Geschwister.
„Natürlich. Lou hat gesagt, sie kommt heute Abend vorbei und Aaron hat sich ins Schlafzimmer eingeschlossen, hat Kosmo mir erzählt. Er kann doch so schlecht mit Verlusten umgehen.“ Sie schüttelte bekümmert den Kopf. „Er war so wichtig für die Familie, Ava. Ich weiß wirklich nicht...“ Sie hielt einen Moment inne, Tränen in den Augen. „Was soll ich denn jetzt tun? Ich...ich bin alleine in diesem großen Haus.“
„Komm doch erst mal zu uns.“, schlug ich vor. Ich hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, aber meine Mutter hier ganz alleine zu lassen, kam mir mehr als schlimm vor.
Meine Mutter lachte leise, aber nicht besonders glücklich. „Ava, das Haus ist für euch doch schon viel zu klein. Die drei Kinder teilen sich ein Zimmer. Wo soll ich da noch hinein passen. Nein.“ Sie schüttelte den Kopf.

„Außerdem kann ich dieses große Haus auch nicht verlassen. Dein Vater und ich haben das zusammen erbaut und...und ich liebe es. Hier hab ich euch groß gezogen, Ava. Ich könnte es nicht verkaufen.“
„Musst du auch nicht, Mum.“ Ich tätschelte leicht ihren Arm. „Ich spreche mich mit den anderen ab, und einer wird immer hier bei dir sein, okay? Wir wechseln uns einfach ab.“
Meine Mutter schüttelte den Kopf. „Ach, nein. Dass macht alles zu viel Arbeit.“ Sie deutete auf die Küche. „Lass uns in die Küche gehen, ich muss mich dringend hinsetzen. Meine Gelenke sind auch nicht mehr die jüngsten.“
Ich folgte ihr, und während sie sich hinsetzte, nahm ich ein paar Zutaten aus dem Kühlschrank und machte mich daran einen Früchtekuchen zuzubereiten.
„Weißt du, Ava.“ Meine Mutter lehnte sich ächzend in ihrem Stuhl zurück. „Ich hab mir immer vorgestellt, dass einer von euch fünf einmal dieses Haus erbt. Ich habe mir gewünscht, dass die Tradition weiter geführt wird, und das Haus von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.“
„Von wem hast du das Haus denn bekommen?“, harkte ich überrascht nach.
Meine Mutter lachte. „Von meiner Großmutter damals. Ich hab sie nie kennengelernt, aber sie hat in ihrem Testament festgelegt, dass ich dieses Haus bekommen sollte. Damals war es noch eine Hütte.“

„Ich erinnere mich.“, erwiderte ich erfreut. Mein kleines zu Hause damals.
„Ich hab eine verrückte Idee.“, verkündete meine Mutter zögerlich. „Ich will auch nicht, dass du dich gezwungen fühlst, aber ich wünsche mir, dass du sie dir anhörst.“
Ich wandte mich für einen Moment um, um ihr ins Gesicht zu sehen. „Klar, erzähl.“
„Wie wäre es, wenn du mit den Kindern und Dave hier einziehst?“ Bevor ich etwas erwidern konnte, hob sie schmunzelnd die Hand. „Hör mir zu Ende zu.“, bat sie sanft. „Wir haben hier so viele Zimmer, in denen ihr wohnen könntet. Und ich bin nicht mehr den ganzen Tag alleine. Die Kinder hätten immer jemanden, an den sie sich wenden könnten und du könntest wieder in deinen alten Job.“
„Natürlich klingt das verlockend.“ Ich schob den Kuchen in den Ofen. „Ich meine, dass hier ist der pure Luxus. Aber ich muss erst mit den Dave und den Kindern reden, Mum.“
„Tu das.“, erwiderte sie zufrieden Lächelnd. „Ich würde mich wirklich freuen.“

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

Beitrag  Finplay8 am Mi Mai 22, 2013 8:31 am

„Tante Ava!“ Jesse sprang von seinem Stuhl auf und fiel mir erfreut in die Arme. „Ich hab heute eine Eins in Deutsch bekommen und die Lehrerin hat mich ganz doll gelobt.“
„Das freut mich, Liebling.“, erwiderte ehrlich erfreut. Ich tätschelte sein braunes Haar, dann sah ich die anderen an, die am Tisch saßen. Sogar Sophie war zurück von ihrem Vater. „Tut mir Leid, dass ich so spät bin.“
„Dass macht nichts.“, erwiderte Dave und deutete auf den Platz vor sich. „Wir haben trotzdem für dich gedeckt.“
Ich nickte. Während ich zu meinem Platz ging küsste ich Sophie sanft auf das blonde Haar und wuschelte Elian durch sein kurzes. „Na ihr beiden, wie war die Schule bei euch?“
Sophie sah mich an. Ihre Augen wirkten niedergeschlagen und ich ahnte, dass Lance es meinen Kindern gesagt haben musste. Er konnte sich einfach nicht zurückhalten.
Seufzend setzte ich mich hin und sah noch einmal in die Runde. „Ich glaube es ist Zeit etwas anzusprechen.“
Elian nickte leicht. Er saß neben mir und schien mich zu durchleuchten.
„Dass ist sicher schwer für euch, für uns alle.“ Ich betrachtete insbesondere Jesse, der von dem ganzen noch nichts mitbekommen zu haben schien. „Jesse, Opa Chris ist heute Morgen leider gestorben.“
„Er ist im Himmel?“, fragte er nachdenklich nach. „Also, auf den Wolken, bei Mummy?“
Dave nickte eilig. „Genau, Kleiner. Er sitzt jetzt mit Mum da oben und schaut uns zu, was wir hier so machen.“
Sophie räusperte sich. „Oma ist bestimmt ganz traurig, oder nicht?“

„Ja, dass ist sie.“; gab ich mit einem sanften Nicken zu. „Und das ist das ist das nächste, worüber ich mit euch reden wollte.“ Ich machte eine kleine Pause, bevor ich das Thema vor ihnen ausbreitete.
Nachdem ich geendet hatte schwiegen sie eine Weile.
„Also ziehen wir zu Oma?“, fragte Sophie neugierig. „Ist denn da genug Platz für uns alle. Wir sind so viele.“
Dave ergriff das Wort vor mir. „Natürlich, Sophie. Wir waren vorher ja auch nicht weniger, als wir noch jung waren. Das würde schon passen. Du und Jesse müsstest euch ein Zimmer teilen.“
„Und du und Mum auch, oder was?“, herrschte meine Tochter ihn mit funkelnden Augen an.
Ich versuchte den Streit zu entkräften: „Was haltet ihr denn jetzt davon? Eure Oma fühlt sich alleine und sie würde sich wirklich sehr freuen.“
„Klar.“ Elian nickte. Er biss von seinem Käsesandwich ab. „Bei Oma ist es wirklich cool und ich hab endlich ein eigenes Zimmer. Also, ich sehe da kein Problem.“
Auch Jesse schien begeistert, nur Sophie sah skeptisch aus.
„Wenn ihr alle dafür seid.“, murmelte sie, das Gesicht dem Teller zu gewandt.
„Oma hat diesen riesigen Pool hinten.“; versuchte Elian seine Schwester fürsorglich aufzumuntern. Er zwinkerte ihr zu. „Und bei dem Wetter lohnt sich dass doch alle male, oder nicht?“
Sophies grimmige Miene verschwand und ein begeistertes Lächeln entstand, dass aber nicht mir galt, sondern ihrem Bruder. „Aber nur wenn wir auch eine Wasserschlacht machen!“
„Klar.“ Elian fuhr ihr kurz durchs Haar.

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Re: Bluegacy - Heute mach ich blau!

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