Wohin der Wind mich bringt!

Seite 9 von 9 Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do März 01, 2012 12:53 pm

Lotte…

Ich knallte den Teller auf den Tisch und ließ mich auf den Stuhl plumpsen. Stöhnend versteckte ich mein Gesicht in den Händen. Ich hatte die ganze Nacht kaum ein Auge zu getan!
Heute war mein großer Tag. Ich würde endlich eine Braut sein und in meinem hübschen Hochzeitskleid auf meinen Verlobten Noah zu laufen. Und er würde da warten und mich anlächeln…
„Schläfst du?“, neckte Noah mich, als er herein kam und mir einen Kuss in den Nacken drückte. Er hatte die ganze Nacht wie ein Murmeltier geschlafen und dabei geschnarcht wie ein Sägewerk.
„Nein, aber das hätt ich heute Nacht liebend gern.“ Ich hob den Kopf und drehte mich auf meinem Platz so um, dass ich ihm einen bösen Blick zu werfen konnte. „Du schnarchst lauter als mein Vater, und der schnarcht schon unglaublich doll.“ Ich hob skeptisch eine Augenbraue. „Wie konntest du nur schlafen?“
Überrascht wandte er den Blick von der Pfanne ab, in der er gerade Pfannkuchen briet. „Wie, wie konnte ich schlafen? Es war Nacht! Normale Menschen schlafen nachts, nicht so wie du, die sich die ganze Zeit herumwälzt.“ Er lachte über mein wütendes Gesicht. „Was war denn los?“
„Ich konnte einfach nicht schlafen.“, rief ich aus, und hob als Unterstreichung die Arme hilflos in die Luft.

Beleidigt schob ich die Unterlippe vor. „Ich bin so unglaublich aufgeregt wegen der Hochzeit heute Abend und du anscheint überhaupt nicht! Machst du dir denn keine Sorgen, dass was schief läuft?“
Er schüttelte überzeugt den Kopf. „Nicht ein bisschen.“ Als er mein unzufriedenes Gesicht sah, lachte er leise auf. „Ach Lotte.“, erwiderte er und klang dabei wie mein Vater, wenn ich früher eine schlechte Note nach Hause brachte. „Es wird heute alles super laufen, dass weiß ich. Alles was ich brauche ist hier, und das bist du!“
Ich lächelte über den kitschigen Satz, der mir die Ruhe gab, die ich für das Frühstück brauchte. „Ich liebe dich.“
„Ich dich auch.“ Grinsend kam er mit der Pfanne herum und legte auf beide Teller drei Pfannkuchen, bevor er sie wieder zurück auf den Herd stellte. „Weißt du was ich heute geträumt habe?“ Mit einem verschlossenen Gesichtsausdruck ließ er sich neben mir nieder und betrachtete das Essen, als sei es sein Gesprächspartner.
Besorgt musterte ich ihn. „Was denn?“ Ich legte meine Hand fürsorglich auf seine.
„Wir haben geheiratet.“ Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Du sahst großartig aus, wunderhübsch. Und…und meine Eltern waren auch da, weißt du? Obwohl er immer noch lächelte, wurden seine hübschen Augen traurig. „Mein Dad hatte den Arm um meine Mum geschlungen und sie liebevoll geküsst. Und meine Mum hatte Tränen in den Augen, als sie uns beide so gesehen hat. Sie haben dich Tochter genannt und gerufen wie stolz sie doch auf mich sind. Es war ein wunderschön, weißt du?“

„Sie sind stolz auf dich!“, erinnerte ich ihn leise. „Du weißt es Noah, hier drin.“ Ich legte meine Hand auf seine Brust und hörte wie sein Herz in einem gleichmäßigen Rhythmus schlug. „Und dass sie nicht hier sein können, ändert nichts daran, dass sie da oben an uns denken und uns zusehen.“
Noah lächelte mich an und nickte sanft. „Sicher hast du Recht.“ Er küsste mich, aber ich spürte, dass ihn das Thema immer noch beschäftigte. Noah hatte seine Eltern mehr als alles geliebt. „Mit Sicherheit weint meine Mama dort oben den Himmel voll, wenn sie sieht wie wunderschön du aussehen wirst.“
Ich kicherte verlegen. „Ich glaube sie wird vor Glück weinen, weil sie weiß, dass wir beide unglaublich glücklich sind.“ Ich steckte mir eine Gabel mit Pfannkuchen in den Mund. „Aber jetzt müssen wir uns ranhalten. Es muss noch so viel vorbereitet werden, und ich muss mein Kleid noch anziehen.“
Noah lachte. „Wir schaffen das schon. Jetzt frühstücke erst mal, nicht dass du uns nachher umkippst.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do März 01, 2012 2:05 pm

Noah…

Da stand ich. Am Brunnen, in meinem neuen Anzug, den ich noch heute Vormittag aus der Reinigung abgeholt hatte. Mason hatte mir anschließend dabei geholfen ihn ordentlich und adrett anzuziehen. Zwar hatte ich nie besonders viel mit meinen großen Geschwistern zu tun, aber dieser Brüder-Vormittag hatte mich gefallen. Wir hatten uns unterhalten, gelacht und über alte Zeiten gesprochen. Sehr oft über unseren gemeinsamen Dad. Es war wirklich toll gewesen, auch als Masons fast erwachsene Tochter April dazu kam.
Und jetzt stand ich an diesem Brunnen und wartete darauf, endlich meine Braut zu sehen. Ich wollte ihr Kleid sehen, von dem sie mir den ganzen Tag, ohne es auszusprechen, berichtet hatte. Ich wollte ihr Lächeln sehen, wenn sie sah wie gut ich aussah, extra für sie und wie ungeduldig ich auf sie wartete. Und ich wollte ihre errötenden Wangen sehen, wie sie bemerkte wie jeder sie anstarrte und nur Augen für die wunderschöne Braut hatte. Meine wunderschöne Braut und bald auch meine wunderschöne Ehefrau.

Lange genug hatte ich darauf gewartet. Bald würde sie meins sein, bis der Tod uns scheiden würde.
Ein Raunen ging durch die Menge, die vor mir stand und ich folgte ihren ehrfürchtigen Blicken. Da stand sie und sah mich an, als erwartete sie ein Zeichen, dass sie losgehen sollte. Aber ich konnte sie nur anstarren.
Sie sah so wunderschön aus, in dem weißen Kleid, das sich ihrer Figur so perfekt anpasste.
Die glitzernden Träger lagen perfekt auf ihren schmalen Schultern und die weißen Handschuhe, die sie trug ließen ihre Arme schlank und lang aussehen, ebenfalls ihre Finger sahen einfach wunderschön aus.
Allen in Allem sah sie mehr als großartig aus. Für sie gab es keine Worte mehr.
Sie ging auf mich zu. Einen langsamen und ehrfürchtigen Schritt nach dem anderen, während aus der Anlage, die ein Freund von mir hier her geschafft hatte, der Hochzeitsmarsch drang.
Ihre Wangen hatten sich unter dem Rouge noch dunkler gefärbt und in ihren hübschen blauen Augen sammelten sich ein paar Tränen. Ich hoffe natürlich, dass es Tränen des Glückes waren.

Die Leute um uns herum waren ganz still geworden. Das Raunen, das vorhin durch die Menge ging war verstummt und sie sahen meine Braut an, als wäre sie ein Engel. Melanie schniefte in ein Taschentuch, und Leonora hatte den Arm fürsorglich um sie gelegt. Augustin fehlte. Neben den beiden entdeckte ich Sue und Lottes Vater, die mit ihren klaren Blicken an ihrer Tochter hängen blieben.
Lotte hatte mich erreicht. Schüchtern stand sie vor mir, und sah mich von unten an, als wüsste sie nicht was sie tun sollte, also ergriff ich ihre Hand, um es ihr leichter zu machen. Sie zitterte leicht.
„Hallo schöne Frau.“, murmelte ich lächelnd. Am liebsten hätte ich sie an mich gerissen und sie geküsst, bis alle Gäste weg waren und wir wieder alleine. Aber ich hielt mich zurück. „Du siehst….unglaublich aus.“
Schüchtern lachte sie auf. „Du hast dich aber auch ganz schön in Schale geworfen.“ Sie zwinkerte mir leicht zu, dann sah sie auf unsere verschränkten Hände. „Da sind wir also.“
„Ja.“ Ich folgte ihrem Blick. „Da sind wir also. Angekommen. Letztendlich wieder bei uns.“ Ich drückte ihre Hände leicht, und sah dann wieder in ihre blauen Augen, die mich glücklich ansahen.
Neben uns räusperte sich der Pastor leise. „Wollen wir denn jetzt anfangen?“, raunte er uns lächelnd zu.
Synchron nickten wir. Ich war bereit und sie war bereit.



Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do März 01, 2012 7:28 pm

Lotte…

„Wir haben uns heute hier versammelt, um diesen beiden Menschen, Lotte Pracht…“ Der Pastor schenkte mir ein freundliches Lächeln. „…und Noah Cunningham...“ Jetzt sah er meinen Verlobten an, „…dabei zuzusehen, wie sie den heiligen Bund der Ehe eingehen.“ Er räusperte sich kurz und ließ den Blick in die Runde schweifen. „Die Ehe ist heilig, da sind wir uns alle sehr sicher. Wenn zwei Menschen, die sich mehr lieben, als alles andere beschließen, den Bund einzugehen, wissen sie, dass es für immer ist. Dass ein Band, das Gott geknüpft hat, niemals wieder getrennt werden kann und darf. Schon gar nicht von Menschenhand. Manche Menschen finden ihre große Liebe, den Partner, mit dem sie für immer zusammen sein wollen erst sehr spät, um so doller freuen wir uns, wenn wir sehen, dass so junge Menschen, wie Lotte und Noah sich schon so früh getroffen hab.“ Er schlug sein Buch zu. „Wenn ich sie jetzt bitten darf, ihre Gelübde vorzutragen.“
Ich nickte, denn ich wusste, dass ich anfangen sollte. „Ich liebe dich, Noah.“, begann ich und brachte damit die Menge zu schmunzeln. Auch ich musste schmunzeln, weil ich wusste, dass der Anfang ein wenig merkwürdig war. „Du bist das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist. Dass wusste ich von dem Tag an, an dem wir in der Schule nebeneinander gesetzt wurden. Mit sechs Jahren wusste ich, dass du meine große Liebe sein würdest und dass ich dich einmal heiraten würde.“ Meine Stimme wurde belegt, obwohl ich lachen musste, als ich daran dachte. „Wir haben schon so viel durchgemacht, durchgestanden, dass ich nicht im Geringsten daran zweifle, dass wir den Rest unseres Lebens miteinander glücklich sein werden. Dich zu heiraten ist das, was ich mir am meisten wünsche, und ich kann es gar nicht erwarten dich Ehemann zu nennen. Deswegen möchte ich dir sagen, dass ich immer an der Seite sein werde, so lange ich es kann.“ Ich schluchzte leise und tupfte mir mit einem Taschentuch, das mir Melanie eilig reichte, die Augenwinkel ab.

Gerührt verstärkte sich der Griff um meine Hand. „Ich liebe dich auch.“, erwiderte er, bevor er mit seinem eigenen Gelübde begann. „Ich war nie ein einfacher Junge.“ Wieder ging ein belustigtes Raunen durch unsere Gäste, auch ich musste lachen, denn das war er alle Male nicht gewesen. „Und trotzdem hat Gott mir zugestanden, so einen wundervollen Menschen wie dich zu treffen, und dann auch noch entschieden, dass dieser Mensch mein passendes Gegenstück sein sollte. Und ich danke ihm dafür, aus vollem Herzen. Du, Lotte, bist das was mich morgens dazu bringt zu lächeln, bevor ich überhaupt richtig wach bin. Du bist das, was mir meine Inspirationen für meine Bilder gibt und du bist vor allem das, was mein ganzes einfaches Leben lebenswert macht. Ohne dich geht nicht nur ein Mensch, der meine größte Stütze ist, sondern auch das Licht meines Lebens. Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich keine Ahnung was ich ohne dich tun sollte.“ Er lachte leise, aber ich konnte die Traurigkeit und die dunklen Gedanken daraus hören. Aber ich wollte mich nicht bewegen, ich wollte endlich dass er darüber sprach, was ihn innerlich so sehr bewegte. „Mein Haus wäre ein einziger Schweinestall, meine Kunst wäre Müll und eigentlich würde ich nie wieder aus meinem Bett kommen. Ich liebe dich, Lotte, unbeschreiblich doll und ich bin froh ab sofort mein ganzes Leben mit dir als Mann und Frau verbringen zu können, denn das ist eigentlich das einzige was ich mir wünsche.“
Die Leute hinter uns klatschten und ich sah wie Melanie weinte, als gäbe es kein Morgen. Auch mein Vater und meine Stiefmutter waren sichtlich gerührt, mein Vater hatte seinen Arm sanft um sie gelegt.
„Dann möchte ich jetzt die alles entscheidende Frage stellen.“ Der Pastor legte unsere Hände sanft aufeinander.

„Willst du, Lotte Pracht, den hier anwesenden Noah Cunningham zu deinem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen, ihn lieben und ehren, in guten wie in schlechten Tage, bis das der Tod euch scheide? So antworte mit: Ja, ich will.“ Abwartend sah er mich an.
„Ja ich will.“, hörte ich mich selber sagen, ohne den Blick von Noah abzuwenden, der mich ebenso glücklich anstarrte. Ich lächelte. „Ich will unbedingt.“ Die Leute und auch der Pastor lachten leise.
„Schön.“ Er richtete sich an Noah. „Willst du, Noah Cunningham, die hier anwesende Lotte Pracht zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen, sie lieben und ehren, in guten wie in schlechten Tagen, bis das der Tod euch scheide? So Antworte mit: Ja, ich will.“ Nun sah er Noah abwartend an.
„Ja, ich will.“ Er lächelte mich stolz an. „Bis zum Tod und auch danach, Lotte.“
Nur wir beide wussten, was wir meinten, und Melanie. Und dementsprechend war es für uns der intimste Moment unserer ganzen Trauung. Es war perfekt. Wir waren glücklich.
„Dann tauschen sie jetzt die Ringe, und verbinden sich somit für ihr ganzes restliches Leben.“
Noah legte mir zärtlich meinen Ehering an, der golden über meinem Verlobungsring schimmerte. Nachdem auch ich ihn den Ring angelegt hatte, hielten wir uns fest aneinander.
Der Pastor legte seine Hände auf unsere und sagte feierlich: „Dann erkläre ich euch hiermit zu Mann und Frau.“ Er sah Noah Augenzwinkernd an. „Sie dürfen die Braut jetzt küssen.“
Und das tat er. Er küsste mich, als gäbe es kein Morgen.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Fr März 02, 2012 2:22 pm

Noah…

„Penelope!“
Die Frau in dem hautengen Abendkleid blieb stehen und drehte sich zu mir um. Ihr Gesicht war hinter einer weißen Sonnenbrille versteckt, aber sie lächelte, als sie mich entdeckte.
„Wolltest du einfach so von meiner Hochzeit verschwinden?“, fragte ich leicht belustigt. „Ohne zu gratulieren?“
Sie schüttelte den Kopf. Hinter den getönten Brillengläsern erkannte ich, dass sie Tränen in den Augen hatte. „Es war wirklich rührend.“, sagte sie, in einem sanften Ton. „Ich wünsche euch das aller Beste.“
Penelope und ich waren seit der Beerdigung in Kontakt geblieben, wenn auch eher unregelmäßig, da sie oft auf Tour war. In ihr hatte ich jemanden gefunden, von dem ich mich verstanden fühlte. Eine gute Freundin.
„Danke.“ Ich breitete meine Arme ein Stück aus, eine Aufforderung für eine Umarmung. „Umarmung?“
Lachend ließ sie sich von mir in den Arm nehmen und hielt mich fest, als wollte sie mich nie wieder verlieren. Ich spürte wie ihr Körper in meinen Armen leicht bebte. Weinte sie etwa?
Vorsichtig schob ich sie ein Stück von mir weg, ließ sie aber nicht los. „Was ist los, Penny?“
„Nichts.“ Mit einem Lächeln schüttelte sie den Kopf, wischte sich die Tränen von der Wange und sah mich überzeugend an. „Ich freue mich einfach nur so für dich. Du und Lotte, ihr seid das perfekte Paar.“

Ich lachte. „Danke. Ich freue mich so, dass du gekommen bist. Du siehst wirklich wundervoll aus.“
„Du hast mich eingeladen.“, erwiderte sie leise. Einen sehnsüchtigen Blick warf sie auf den Trubel, der weiter unten stattfand. „Deine Frau sieht so wunderschön aus. Und so unglaublich glücklich.“ Sie schluckte. „Ich beneide sie wirklich. Sie hat alles, alles was man sich wünschen kann.“
„Und du nicht?“, fragte ich belustigt, als ich an ihr aufregendes Leben außerhalb von Sunset Valley dachte. „Du hast doch alles, Penny. Ein wunderbares Haus, Klamotten von den teuersten Marken und Aufregung pur. Was will man denn mehr?“ Ich folgte ihrem Blick, sah meine Frau an, die glücklich mit ihren Freundinnen tanzte und wusste plötzlich was Penelope meinte. Sie meinte Liebe.
Als hätte sie meine Gedanken gelesen, nickte sie sanft. „Genau das meine ich. Nicht ich hab alles, sondern du! Du hast eine Frau, die du liebst und die dich liebt. Und wahrscheinlich werdet ihr in nächster Zeit eine Familie gründen, wie jeder hier in Sunset Valley.“ Seufzend umklammerte sie mit ihren dünnen Armen ihren Körper. „Manchmal wünsche ich mir nichts mehr, als von einer Tour nach Hause zu kommen und jemanden in meinem Haus anzutreffen, der sich einfach freut mich zu sehen. Weißt du was ich meine?“

„Bei uns ist das andersrum. Ich hocke den ganzen Tag zu Hause und Lotte kommt nach getaner Arbeit nach Hause.“, scherzte ich leicht, wurde aber sofort wieder ernst, als ich ihren betrübten Blick sah. Liebevoll legte ich ihr eine Hand auf die Schulter. „Auch du wirst jemanden finden, der zu dir passt, wie Ying und Yang.“
Sie nickte, aber ich konnte an ihrem falschen Lächeln sehen, dass sie selber nicht darauf vertraute. „Natürlich, als Person des Rampenlichts ist das ja die einfachste Lösung.“, murmelte sie. „Ich hab eigentlich gar keine Zeit dafür, Noah, also ist das schon okay. Mein Beruf stets immer an erster Stelle und das wäre einem Freund gegenüber nicht besonders fair oder?“ Schultern strafend sah sie mich an. „Und jetzt geh wieder runter, los!“
„Kommst du mit?“, fragte ich hoffnungsvoll. Ich würde Penelope gerne meiner Frau vorstellen, denn Lotte hatte sie noch nie gesehen, und ich wusste, dass sie danach trachtete.
„Nein, danke.“ Sie schüttelte leicht den Kopf. „Ich muss noch einmal aufs Festland ins Studio und eine Single zu Ende aufnehmen. Aber ich wünsche dir noch ganz viel Spaß.“ Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Wir telefonieren die Tage, ja?“
Ich nickte und sah ihr mit Händen in den Hosentaschen nach. Wie gerne würde ich ihr helfen, nur wie?

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mo März 05, 2012 10:18 am

„Warte, Lotte. Ich helfe dir.“ Seufzend lief ich einmal um das Taxi herum, um meine frisch angetraute Frau vor dem freien Fall in ihrem hübschen Hochzeitskleid zu bewahren. Ich raufte den ganzen Tüll zusammen und half ihr auf zu stehen und dann hinter ihr die Tür zu schließen.
„War das nicht eine tolle Feier?“ Kichernd legte Lotte einen Arm um mich und würgte mir fast die Luft ab, aber sie schien es gar nicht wahrzunehmen, denn sie war völlig dicht. „Sooo viele Blumen!“ Wieder kicherte sie.
Ich nickte, reichte dem Taxifahrer einen Geldschein und winkte ab, als er mir das Wechselgeld geben wollte. Dann schlug ich die Tür zu und versuchte mich wieder auf meine Frau zu konzentrierte, die trotz meiner Stütze hin und her wankte, als stände sie auf einem Schiff.
„Und Geschenke!“ Mit großen Augen sah sie mich an. „So viele tolle Geschenke habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht bekommen.“ Wild gestikulierte sie. „Einen Mixer haben wir auch bekommen.“
Ich musste lachen, denn sie klang wieder wie ein kleines Mädchen von sechs Jahren. „Ich weiß doch, Lotte. Ich war dabei.“ Verständnisvoll strich ich ihr über die Wange, die vor Aufregung und vielleicht auch noch vom Alkohol, rötlich glühte. Im Schein des Mondes sah sie immer noch unglaublich schön aus.

„Was guckst du mich denn so an?“, zerstörte sie diesen romantischen Moment. Mit einem matten Lächeln richtete sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf etwas anderes, als wäre nichts gewesen. Sie hob den Tüll ihres Rockes ein Stück hoch und versuchte schwerfällig auf ihre Schuhe zu starren. „Meine Füße bringen mich um, Noah. Ich will mich einfach nur noch hinlegen.“ Weinerlich verzog sie das Gesicht.
Ich nickte, seufzte leise und versuchte sie ein Stück nach vorne zu bewegen, doch sie stolperte über irgendetwas und wäre fast zu Boden geglitten, wenn ich sie nicht mit all meiner Kraft aufgehalten hätte. „Das wird so nichts.“, prophezeite ich missmutig, schnappte mir ihre Beine und hob sie hoch, als wäre sie krank.
Mit einem Kichern registrierte Lotte ihre neue Position. „Wow, mein Ehemann trägt mich über die Schwelle.“ Mit verklärtem Blick strich sie mir durch das Haar, was ich an diesem Morgen feinsäuberlich frisiert hatte. „ich wusste gar nicht dass du auf so altmodische Dinge stehst. Du neumoderner Künstler!“

Ich musste ein Lachen unterdrücken, während ich sie die wenigen Stufen zu unserem Haus hinauf trug. „Das hier hat nichts mit altmodisch zu tun, Liebling. Du kannst nur einfach nicht mehr laufen, deswegen trag ich dich.“ Unter ihrem leichten Gewicht fing ich doch etwas zu schnaufen, denn das Kleid schien mehr zu wiegen, als Lotte selbst. „Und wenn wir oben sind, legen wir dich einfach hin, okay?“
Lotte schüttelte energisch den Kopf, ließ sich im Schlafzimmer jedoch ohne ein weiteres Widerwort aufs Bett legen. Gähnend streckte sie ihre Arme. „Ich bin Tod müde, Noah. Aber es war so eine tolle Hochzeit.“ Lächelnd klopfte sie auf die Fläche neben sich. „Komm, leg dich zu mir. Ich möchte einfach nur kuscheln.“
„Wollen wir nicht erst einmal unsere Schlafsachen anziehen?“, schlug ich gutmütig vor.
„Nein.“ Mit einem beherzten Griff zog sie mich zu sich aufs Bett und drückte ihre Lippen zärtlich auf meine. „Ich hab eine viel bessere Idee. Du ziehst mir mein Kleid aus und ich dir deinen Anzug und dann…“ Sie grinste.
Das Grinsen erwidernd öffnete ich in den Verschluss ihres weißen Hochzeitskleides.



Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mo März 05, 2012 10:49 am

Die nächsten Tage waren schrecklich. Schon am nächsten Morgen fühlte Lotte sich schlecht, übergab sich mehrmals über der Toilette und verbrachte den Rest des Tages im abgedunkelten Schlafzimmer. Zuerst machte ich mir keine Sorgen, ich dachte es wäre der Alkohol gewesen, und kümmerte mich so gut es ging um sie.
Doch als sie am Tag darauf auch noch hohes Fieber bekam und begann u fantasieren, machte ich mir ernsthaft Sorgen. Ich rief Melanie an, die versprach am Nachmittag vorbei zu kommen und auch Sue rief ich an, aus Sorge etwas konnte der Fall der Fälle eintreten und mir meine große Liebe nehmen.
„Sie sieht so friedlich aus.“, flüsterte Sue. Sie stand lautlos neben mir im Schlafzimmer und betrachtete das entspannte Gesicht ihrer Stieftochter, die zugedeckt im Bett lag.
„Das ist die Ausnahme.“, erklärte ich betrübt. „Ich denke sie ist erschöpft. Die letzten Stunden hat sie sich immer wieder herum gewälzt und herum fantasiert, nach ihrer Mutter gerufen und…“ Ich verstummte.
Sue nickte, legte mir sanft eine Hand auf die Schulter und versuchte zu lächeln, aber auch in ihren Augen konnte ich die Angst sehen. Sagen tat sie nichts, als hätte sie Angst vor den nächsten Worten.
„War es bei ihrer Mutter auch so?“, fragte ich.

Sue schüttelte den Kopf. „Nein, ihre Mutter hatte einen langen Leidensweg. Jeder Tag war anders. Mal schlief sie die ganze Zeit, mal war sie hellwach und aufgedreht, erkannte uns aber nicht. Dann gab es Tage an dem sie in sich gekehrt war und wünschte alleine zu sein.“ Sie seufzte leise bei diesen Erinnerungen. „Ich denke, dass das die Tage waren, an dem sie am klarsten war. Sie schämte sich für ihr Verhalten.“
Wehmütig betrachtete ich meine frisch gebackene Ehefrau. Das war einfach nicht fair. Wieso musste es Lotte sein? Ohne Lotte wären wir alle verloren, das wusste ich. Ich wollte sie nicht verlieren.
Sanft schob mich Sue zurück zur Tür. „Lass uns nach unten gehen. Melanie wollte doch gleich kommen.“
Ich nickte und folgte ihr aus dem Zimmer, die Treppe herunter in die Küche. Sofort machte ich mich daran einen frischen Kaffee aufzusetzen, nur um mich zu beschäftigen.
Sue rieb sich nervös den Nacken. „Ich hab Lottes Vater angerufen, er wollte sofort von seiner Geschäftsreise zurückkommen, aber ich hab gesagt, dass er dort bleiben soll. Ich hoffe das war richtig.“
„War es.“, erwiderte ich, mit dem Rücken zu ihr. „Zu viele Menschen könnten Lotte unruhig machen.

Außerdem wird sie wieder gesund.“ Ich warf einen schnellen Blick über die Schulter. „Ich weiß es.“
Sue erwiderte kein Widerwort. Sie wechselte ganz einfach das Thema. „Wie läuft es mit deiner Kunst?“
Es kam mir merkwürdig vor über etwas normales zu reden, wenn ich wusste das meine Frau oben im Schlafzimmer lag und vor sich hin vegetierte, aber andererseits fühlt es sich auch einfach mal befreiend an.
„Ganz okay.“, murmelte ich also als Antwort. „Die Kunsthalle hat das letzte Bild, was ich gemalt hab genommen. Es kommt also wieder etwas Geld in die Kasse.“ Ich setzte ein missglücktes Lächeln auf. „Für das Bild was ich letztens von Lotte gemalt habe, wollen sie mir viel, Geld geben.“ Nachdenklich sah ich Sue an. „Aber ich werde es nicht verkaufen. Ich will es behalten und hier aufhängen weißt du?“
Sue nickte sanft. „Das kann ich verstehen.“ Lächelnd nahm sie den Becher entgegen, denn ich ihr reichte. „Danke. Ich glaube so ein heißer Kaffee hilft jetzt wirklich wahre Wunder.“
„Ich muss kurz an die frische Luft. Kannst du Melanie zu Lotte bringen, wenn sie ankommt?“ Ich fuhr mir durch das schwarze Haar. Nachdem sie genickt hatte ging ich zur Haustür. „Danke, Sue.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi März 07, 2012 3:36 pm

„Dad und Kelly haben hier geheiratet.“ Melanie war hinter mich in den Garten getreten. Ebenso gedankenverloren wie ich, starrte sie auf die Überbleibsel der Hochzeit vor langer, langer Zeit.
Ich nickte langsam, aber erinnern konnte ich mich natürlich nicht daran, denn damals war ich noch nicht einmal in Planung gewesen. Ich kam erst ein Jahr später zur Welt. „Erzählst du mir davon?“, bat ich sie leise. Ich brauchte jetzt etwas Tröstliches, etwas normales aus der Vergangenheit, wo noch alles gut war.
Melanie nickte, ohne mir einen merkwürdigen Blick zuzuwerfen, wie es andere vielleicht getan hätten. „Deine Mutter hatte ein wunderschönes weißes Kleid an. So richtig…richtig schön. Und ihr rotes Haar war geschmückt von einer weißen Blume, das weiß ich noch.“ Sie lachte leise. „Und Dad sah wie immer fabelhaft aus, in seinem neuen Anzug.“ Träumerisch strich sie über einen der weißen Stühle. „Ich hab noch vor Augen wie deine Mutter langsam den Gang entlang geschritten ist, geführt von deiner Schwester Philomenia, und wie Dad gelächelt hat, als er sie gesehen hat. Es war wirklich ein sehr atemberaubender und emotionaler Moment, für alle Anwesenden. Wir haben fast alle geweint.“ Sie lachte leise.

„Die beiden haben sich wirklich unglaublich geliebt.“, stellte ich fest. Ich dachte an all die Blicke und Worte, die meine Eltern täglich ausgetauscht hatten. „Und ohne dass ich es wusste, habe ich mir auch immer gewünscht so etwas zu haben. Und dann kam Lotte in mein Leben.“ Ich fuhr mir durch das schwarze Haar. „Und jetzt geht alles den Bach runter, Melanie. Ich verliere die Frau meines Lebens und kann nichts dagegen tun.“
„Du verlierst sie nicht.“ Liebevoll legte sie eine Hand auf meinen Arm, um mich zu beruhigen. Und es half. „Zumindest jetzt noch nicht. Lottes Körper ist erschöpft.“ Ein Lächeln bildete sich auf ihrem geschminkten Mund. „So eine Schwangerschaft ist in Lottes Zustand nicht einfach.“
Erschrocken schaute ich sie einen Moment sprachlos an. Was hatte sie gerade gesagt? Eine Schwangerschaft? Meine Lotte, meine zierliche Lotte sollte ein Kind bekommen? Von mir?
„Ich werde Vater.“, hauchte ich fast lautlos, und sah immer noch abwesend auf die Hand von Melanie, die immer noch auf meinem Arm ruhte. Mein Herz raste. „Lotte und ich werden Eltern.“
„Richtig.“ Melanies Augen glänzten. „Herzlichen Glückwünsch Bruderherz. Du gründest eine Familie.“

Die Freude die ich in ihrem ganzen Wesen wahrnahm, sprang nicht zu mir herüber. Ich fühlte mich schrecklich. Ein Kind wäre eine schreckliche Anstrengung für Lotte, und wer wusste ob sie das aushalten konnte? Außerdem könnte dieses Kind doch ebenfalls diese Krankheit besitzen und das würde ich nicht aushalten. Niemals.
Besorgt sah Melanie mich an. „Du freust dich gar nicht.“; stellte sie nüchtern fest. „Was ist los?“
„Lotte kann kein Kind bekommen.“ Ich sah ihr fest in die Augen. „Das packt sie nicht. Und ich auch nicht.“
„Beruhig dich!“ Melanies Druck um mein Handgelenk wurde fester. „Lotte ist in einer guten Verfassung. Sie wird wieder gesund, ihr Körper ist gerade nur etwas geschwächt. Ich hab ihr etwas gegeben was sie aufpäppeln wird und anschließend sollte sie einfach nur vorsichtig sein, wie andere Schwangere auch.“ Lächelnd strich sie mir über die Wange. „Freu dich über dein Kind. Du wirst Vater, das ist das schönste Glück der Welt.“


Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi März 07, 2012 4:14 pm

Lotte…

„Möchtest du etwas essen?“ Noah sah mich fragend an, aber der kalte Ausdruck in seinen Augen, den er hatte, seit ich wieder leicht gesund war. Mit großer Besorgnis und ohne Liebe.
„Nein.“ Ich schüttelte zaghaft den Kopf, die Hände beschützend auf meinen Bauch gepresst. „Noah wir müssen dringend reden. Jetzt.“ Auffordernd sah ich ihn an, aber er machte keine Anstalten etwas zu sagen.
Gerade als ich noch etwas sagen wollte, hörte ich unsere Haustür aufgehen und Absätze auf dem Boden klacken. „Lotte? Noah, seid ihr zu Hause?“ Einen Moment später tauchte der Kopf von Noahs Nichte im Türrahmen auf. Sie sah hübsch aus, in einem wallenden Kleid.
„Hallo, Leo.“, begrüßte ich sie matt, denn der Schmerz über Noahs Reaktion war immer noch nicht vergangen.
Besorgt sah sie erst mich, und dann Noah an, bevor sie zu mir rüberkam und mich sanft in den Arm nahm. „Hallo, Lotte. Ich war gerade im Bistro und dachte…“ Sie wechselte zwischen mir und Noah hin und her. Schließlich blieb sie an mir hängen und hob eine Augenbraue.
Kopfschüttelnd zeigte ich ihr, dass wir später darüber reden würden. Ich setzte ein Lächeln auf. „Mit wem warst du denn im Bistro, das du dich so hübsch gemacht hast?“

Noah stellte die Schüssel mit den Käsenudeln auf die Anrichte. „Hier ist Abendessen. Ich geh noch etwas spazieren.“ Er warf Leonora ein kurzes Lächeln zu und würdigte mich keines Blickes.
„Was ist denn bei euch los?“, fragte Leonora, sobald wir die Haustür zu gehen gehört hatten. „Streit?“
„Streit wäre schön, dabei redet man ja wenigstens.“ Bedrückt schnappte ich mir die Tasse Tee, die ich mir zuvor gemacht hatte und behielt sie in der Hand. „Seit Noah weiß, dass ich schwanger bin, redet er überhaupt nicht mehr mit mir. Er schweigt mich an und tut so als sei ich an allem schuld.“ Ich seufzte laut. „Dabei kann ich nichts dafür, dass ich schwanger bin. Auch wenn ich mir immer Kinder gewünscht habe, habe ich es nicht darauf angelegt ein Kind zu bekommen und das sollte er wissen.“
Sie nickte leicht. „Ich denke, dass er das weiß. Aber er hat einfach unglaubliche Angst.“ Als ich sie fragend ansah, seufzte sie. „Lotte! Er hat unglaubliche Angst dich zu verlieren. Merkst du das nicht?“
„Warum sollte er mich verlieren?“, fragte ich Augenrollend. „Ich bin schwanger. Ich bekomme ein Kind und vollende damit unser wunderschönes Leben. Meine Krankheit spielt dabei nur eine Nebenrolle.“ Liebevoll strich ich mir über den Bauch, an dem man schon leichte Rundungen sehen konnte. „Ich liebe dieses Baby. Egal ob es gesund oder krank auf die Welt kommen sollte. Und er sollte das auch tun.“

„Du kennst Noah.“ Sie nahm mir liebevoll den Becher ab, denn ich unvorsichtig nur noch in einer Hand hielt. „Noah liebt dich und hat unglaubliche Angst das einzig Wertvolle in seinem Leben zu verlieren. Und aus dieser einzigen Person, die er irgendwann verlieren wird, machst du jetzt zwei. Was würdest du denn denken?“
Wenn ich diese ganze Sache von dieser Seite betrachtete, wurde mir langsam klar, was in Noah vorgehen musste. Er liebte mich einfach so sehr, dass er es nicht verkraften konnte, dass es da jemanden geben würde, den er wohl genau so lieben würde wie mich, und immer in der Angst leben musste, dass das Kind auch krank sein würde. „Warum redet er denn nicht einfach mit mir darüber?“, fragte ich mich selber leise.
„Weil Noah noch nie ein Mensch war, der viel über seine Gefühle geredet hat.“ Sie lachte leise. „Da kommt er ganz nach Opa Mick.“
Ich musste ihr Lächeln erwidern, auch wenn mir das Herz immer noch schmerzte. „Da hast du wohl Recht.“ Seufzte ich leise. „Aber ich muss mit ihm reden! So kann das nicht weitergehen.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am So Apr 08, 2012 11:31 am

Lotte...

„Das Wetter heute ist wirklich unglaublich, oder nicht?“, freundlich warf ich meinem Ehemann einen Blick zu, der sein Gesicht tief in seinem Teller vergraben hatte. Noch ein Stück und er würde mit der Nase in seinen Keksen liegen, so viel war klar. „So ein richtiges Strandwetter. Wollen wir zum Strand, nach dem Essen?“
„Ich muss malen.“, erklärte er mir ohne viel Elan.
Seufzend nickte ich. „Natürlich.“
Noahs Laune war in letzter Zeit einfach tödlich und ich hatte keine Ahnung wie lange ich noch darüber hinweg sehen konnte. Wenn er sich nicht änderte, dann musste ich darüber nachdenken, was das Beste für das Kind war. Unser Kind, dass ihn nicht im Geringsten interessierte. Unverständlich für mich, denn ich liebte dieses Kind jetzt schon unglaublich. Jedes Mal wenn es sich bewegte, durchfuhr mich ein Schauer an Mutterliebe und ich wusste, dass es das Richtige war. Auch wenn es gefährlich war. Es war mir egal.
„Wie...wie kommst du denn voran?“, versuchte ich erneut ein Gespräch aufleben zu lassen. So leicht gab ich nicht auf, früher hatte ich es schließlich auch jedes Mal geschafft.
Noah blickte auf. In seinen Augen funkelte eine Wut, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte. Sie machte mir Angst. „Wie kannst du das, Lotte? Wie kannst du reden, als sei nichts passiert, als würdest du nicht...“ Er verstummte und blickte bissig auf meinen gerundeten Bauch.

„Als würde ich nicht ein Baby von dir in meinem Bauch tragen?“, fauchte ich. „Ich liebe dieses Kind, Noah, denn es ist unser Kind. Eine Mischung von uns beiden! Ein bisschen Du und ein bisschen Ich.“ Ich schüttelte bedauernd den Kopf. „Und ich frage mich eher, wie du dieses Kind nicht lieben kannst.“ Mit diesen Worten ließ ich meinen halb geleerten Teller stehen und spazierte aus dem Restaurant hinaus. Ich wollte alleine sein.
Doch kaum dass ich den Strand erreicht hatte, hielt Noahs Auto mit quietschenden Reifen neben mir.
Noah sprang aus dem Auto und lief mir hinter her. „Lotte! Lotte warte bitte! E-es tut mir leid.“
„Tut es nicht.“ ich drehte mich zu ihm um, Tränen in meinen Augen obwohl ich mich dagegen wehrte. „Ich hab dich bei allem unterstützt! Jedes Mal wenn du drohtest unterzugehen war ich da, hab dich raus gezogen. Ich hab deine Launen ausgehalten und dir die Wahrheit offenbart, wenn es nötig war. Und was bekomme ich als Dank? Kälte und Hass, und dass nicht nur mir gegenüber, sondern auch unserm Baby. Du hasst es.“
„Ich hasse es nicht!“, platzte es aus ihm heraus. Sein Gesicht war schmerzverzerrt, als er mich ansah. „Ich liebe es. Ich liebe dieses Kind und das ist das Problem. Was, wenn es auch krank ist? Ich kann nicht euch beide verlieren. Ich...ich würde es nicht verkraften euch beide sterben zu sehen!“
Einen Moment schwiegen wir beide. Noahs zitterte am ganzen Körper, wandte den Blick jedoch von mir ab, damit ich seine Tränen nicht sah. Aber dass hätte ich sowieso nicht, denn mein Blick war verschwommen.

In meinen Bauch begann sich etwas zu regen. Mein Baby, nein unser Baby bewegte sich sachte, als wollte es vorsichtig sein, fast zärtlich. „Unser Baby liebt dich auch.“, flüsterte ich halblaut. Sanft ergriff ich seine Hand und legte sie auf meinen Bauch. „Fühlst du das? Es liebt dich und wünscht sich nichts mehr als einen Vater.“
Noah sah mich an. Seine Augen waren geweitet und sein Mund geöffnet. „Ich spüre das Baby.“, flüsterte er ebenso leise wie ich, aber ein erfreutes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
„Ich glaube daran, dass es gesund ist.“ Selbstsicher sah ich ihn an, so fest ich konnte. „Dieses Kind in meinem Bauch wird gesund sein. Es wird das tollste Leben haben, was es gibt. Mit einer unglaublich kindischen Mutter und einem Vater, der es in Watte packen wird, aus Angst, dass ihm etwas passiert.“
Noah lachte. Es war ein leises und auch eher gequältes Lachen, aber er lachte und das war alles was zählte.
„Bitte.“ Ich legte meine Arme sachte um seinen Nacken und genoss die Zärtlichkeit, die ich seit langem mal wieder bekam. „Bitte mach unsere Ehe, unsere Familie nicht kaputt, Noah. Ich flehe dich an.“
„Werde ich nicht.“ Er küsste mich sanft auf die Nasenspitze. „Es tut mir leid, wie ich mich in den letzten Wochen benommen habe. Ich verspreche dir, dass ich mich ändern werde!

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am So Apr 08, 2012 3:30 pm

Die Zeit verging schneller, als ich gedacht hatte. Noah und ich verbrachten viel zeit zusammen, suchten die Kindermöbel aus, kauften Spielzeug und Kleidung und dachten über mögliche Namen für unser Kind nach.
Wenn Noah sich dann zurückzog, um zu malen, traf ich mich mit Leonora, um zu quatschen oder mit Sue, um ein wenig von der Zukunft zu träumen und mir die Angst vor der Geburt nehmen zu lassen.
Am heutigen Abend beschloss ich spontan einen kleinen Spaziergang durch die Stadt zu machen. Noah war für ein paar Stunden zu seinem Bruder gefahren, um mit ihm etwas zu besprechen. Zwar hatte er mich gefragt, ob ich mitwollte, aber da April nicht da sein würde, hatte ich beschlossen hier zu bleiben. Oder eben zu spazieren.
Gerade als ich am dunklen Park vorbei ging, entdeckte ich Melanie, die geistesabwesend in den Himmel sah.
„Melanie.“ Überrascht ging ich zur ihr rüber und berührte sie sanft am Arm.
Erschrocken zuckte sie zusammen. „Oh Gott, Lotte. Hast du mich erschreckt!“ Doch im nächsten Moment bildete sich ein Lächeln auf ihren Lippen, als sie auf meine runde Babykugel sah. „Macht ihr einen Spaziergang?“
Ich nickte. „Ich brauchte etwas Bewegung. Irgendwie...zieht sich alles langsam nach unten.“ Ich seufzte und rieb mir über den gespannten Bauch, der jeden Moment platzen konnte.
Melanie runzelte besorgt die Stirn. „Wann ist dein errechneter Geburtstermin, Lotte?“
„Ähm, genau in einer Woche.“, erwiderte ich und beobachtete sie fragend. „Wieso? Was ist los?“
„Na ja, vielleicht will das Baby gar nicht mehr eine Woche warten.“ Sie grinste mich freudig an. „Besonders bei Erstgebärenden kommen die Kinder manchmal früher, dass ist ganz normal. Und eine Woche ist gar nichts!“
Nachdenklich sah ich auf meinen Bauch, um den ich immer noch meine Hände gespannt hatte. „Du meinst, das Baby könnte auch in den nächsten Tagen kommen, oder sogar jetzt gleich?“
„Genau.“ Melanies Lächeln wurde zu einem ärztlichen Lächeln, wie bei meiner Therapeutin. „Hast du dich denn in den letzten Tagen noch einmal untersuchen lassen? Einen Ultraschall machen lassen?“

Ich nickte. Noah hatte mich dazu gezwungen sämtliche Untersuchungen machen zu lassen, die es wohl gab. „Ja, letzte Woche war ein Termin und der Arzt meinte, es wäre alles in Ordnung und ich würde voraussichtlich nächste Woche gebären.“ Unbehagen überzog mich, als ich daran dachte, dass es jeden Moment losgehen konnte. Noah war bei Mason, bis er hier war wäre das Kind vielleicht schon auf der Welt!
Melanie schien meine Gedanken gelesen zu haben. Fürsorglich ergriff sie meinen Arm. „Wie wäre es, wenn wir zu mir gehen und einen Tee trinken? Die Zwillinge sind auf einer Schlafparty, Teddy ist mit Elfie bei ihren Eltern und Augustin arbeitet noch. Wir könnten also ganz in Ruhe quatschen.“
Einverstanden nickte ich. „Dass hört sich super an, Melanie. Ich wollte mich sowieso gerade hinsetzen.“
Wir gingen den kurzen Weg bis zu ihrem dreistöckigen Haus zu Fuß und unterhielten uns dabei über Gott und die Welt. Es war herrlich mit einer erfahrenen Mutter zu reden, die einem Tipps geben konnte.
„Wie läuft es denn mit den Zwillingen?“ Ich folgte Melanie in das innere ihres Hauses.
Sie zuckte die Achseln. „Wie es mit zwei Rabauken eben läuft.“ Sie grinste leicht. „Ich bin froh, dass sie artig in der Schule sind und zu Hause auch ihre Hausaufgaben machen.“ Sie seufzte. „Den Rest der Zeit schicke ich sie zu irgendwelchen Freundinnen, damit sie sich da austoben.“

Ich lachte leise. Wie es mit Zwillingen war, konnte ich mir kaum vorstellen. „Aber du schaffst das Melanie.“
Gerade als wir die Treppe in den zweiten Stock gehen wollten, verspürte ich einen ungewohnten Schmerz in meinem Unterleib. Überrascht griff ich mir an den Bauch und keuchte.
Melanie blieb stehen und sah mich besorgt an. „Ist alles in Ordnung, Lotte?“
„I-ich weiß es nicht.“, erwiderte ich unsicher, der Schmerz war verschwunden aber schon im nächsten Moment kam er zurück. „Ich glaube...ich glaube das Kind kommt, Melanie. Fahr mich bitte ins Krankenhaus.“
„Natürlich.“ Mit ruhiger Stimme nahm sie mich an die Hand und führte mich zu ihrem Auto, dass unten in der Garage stand. Sie beförderte mich sanft auf den Autositz. „Beruhige dich, Lotte. Mach deine Übungen.“
Ich nickte keuchend, versuchte meinen Atem unter Kontrolle zu bringen. „Ruf Noah an, er muss zum Krankenhaus kommen, Melanie. Es ist wichtig.“
Keine drei Stunden später brachte ich meinen ersten Sohn Leo auf die Welt.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mo Apr 09, 2012 11:49 am

Liebevoll wiegte ich Leo hin und her, bedacht darauf ihn immer bei Laune zu halten. Was bei diesem Kind nicht besonders schwer war. Leo war ein Kind von Fröhlichkeit, dass hatte ich noch nie gesehen. Selten weinte er, aber um so öfter lachte er oder gluckste er. Ich war schrecklich glücklich mit meiner kleinen Familie.
„So.“ Grinsend drapierte Noah den Kuchen, den er am gestrigen Tag gebacken hatte, auf der Anrichte und steckte eine einsame Kerze hinein. Sein Blick glitt stolz zu uns herüber. „Das Essen ist angerichtet.“
Ich nickte bestätigend und schlenderte mit meinem Sohn im Arm zu meinem Mann und den Kuchen. Lächelnd betrachtete ich ihn eine Weile. „Der Kuchen sieht fabelhaft aus, Noah. Wirklich.“
„Ich hab mir auch schreckliche Mühe gegeben.“ Er lachte leise, als er an das Durcheinander zu denken schien, dass vor ein paar Stunden noch in der Küche geherrscht hatte. „Für meinen Sohn, nur das Beste.“ Er strich Leo liebevoll über die pausbackige Wange, woraufhin er fröhlich mit den Füßen zappelte.
Mit Freude sah ich, wie sehr Noah seinen Sohn liebte. Denn obwohl ich mir zunächst große Sorgen gemacht hatte, kümmerte Noah sich hingebungsvoll um den Kleinen. Ständig wurde er bespaßt und bespielt. Wenn Leo Nachts weinte, war Noah der erste auf seinen Füßen und verbrachte manchmal ganze Nächte damit zu, ihn zu beruhigen. Selbst wenn Leo schon wieder eingeschlafen war, blieb er noch und beobachtete ihn glücklich.
Sanft riss Noah mich aus meinen Erinnerungen, in dem er den Arm um meine Hüfte legte und mich näher zu ihm heran zog. Seine Nase vergrub sich sanft in meinem Haar. „Dass ist alles was ich mir je gewünscht hab, Lotte.“

Ich lächelte zärtlich. „Was? Einen Geburtstagskuchen für deinen Sohn zu backen?“, scherzte ich.
Noah lachte leise, schüttelte aber anschließend den Kopf. „Nein. Eine Familie mit dir zu haben.“
„Genau das habe ich mir auch gewünscht.“, erwiderte ich glücklich lächelnd.
Leo in meinen Armen bewegte sich vorsichtig, als wollte er diesen schönen Moment nicht zerstören. Mit seinen ersten beiden Zähnen grinste er uns an und griff nach meinem blonden Haar.
„Ich glaube Leo möchte endlich seine Kerzen auspusten.“ Ich warf Noah einen Blick zu. „Filmst du?“
„Natürlich.“ Voller Elan eilte er um die Theke herum, schnappte sich die Kamera, die wir gekauft hatten und hielt auf uns beide. „Und Action!“
Ich lachte über seine Übertreibung, zündete mit einer Hand die Kerze an und warf dann einen abwartenden Blick auf meinen Sohn, der mich mit seinen lilanen Augen erfreut ansah. Die Cunningham Augen. „Happy Birthday, kleiner Leo. Ich hoffe das dein weiterer Lebenswegs ebenso erfreulich wird, wie bis jetzt.“ Und dann pusteten wir die Kerze zusammen aus und ich wünschte mir etwas für Leo. Das er niemals meine Krankheit bekommen würde.
Erfolgreich klatschte Noah in die Hände so gut es ging. „Alles Gute Zum Geburtstag, Leo.“, rief er, wobei er die Kamera für einen Moment auf sich selber richtete. „Ich bin dein Papa, und ich liebe dich wirklich, Sohn.“ Dann richtete er die Kamera wieder auf mich und Leo. „Und dass ist deine Mama! Und du, aber wenn du dass siehst, dann wirst du mit Sicherheit nicht glauben können dass du das bist.“
„Jetzt ist genug.“ Ich legte den Kopf schief. „Lass mich den Kleinen kurz anziehen, mit seinen neuen Sachen und dann kannst du dich eine Weile um ihn kümmern, während ich Frühstück mache.“ Leichthändig zog ich meinen Sohn an und drückte ihm anschließend seinem Vater in die Hände.

„Weißt du was mich am meisten freut?“ Noah stand im Flur mit Leo und ärgerte ihn mit seiner Hand, die er zu einer Kralle geformt hatte. „Dass er die roten Haare meiner Mutter geerbt hat. Wie sehr sie sich freuen würde, weißt du. Sie war schon traurig darüber, dass weder Philomenia, noch Cecilia noch ich ihre Haare geerbt haben.“
Ich erinnerte mich daran, wie Kelly mir mal ihr Leid darüber geklagt hatte, und ich konnte sie verstehen. Dass gerade Leo diese Haarfarbe geerbt hatte, hätte ich ihr sehr gerne noch gezeigt.
„Ach, ja, Noah.“ Ich lehnte mich ein Stück aus dem Türrahmen. „Wie wollen wir das jetzt eigentlich machen? Ab morgen muss ich wieder arbeiten. Wir könnten Leo tagsüber zu meinen Eltern bringen, oder in die Tagesstätte, im hinteren Teil der Stadt. Sie soll wirklich schon sein, ganz neu aufgemacht.“
Verblüfft runzelte er die Stirn. „Wieso dass denn? Ich kann doch auf Leo tagsüber aufpassen.“
„Und was ist mit dem Malen? Und wolltest du nicht anfangen zu schreiben?“, hakte ich besorgt nach.
Noah nickte, während er Leo sanft an sich drückte und ihm durch das rote Haar strich. „Ach dass. Das kann dich alles warten. Oder ich male, wenn Leo seinen Mittagsschlaf hält.“ Sein Blick wurde plötzlich ernst, als er mich ansah. „Ich möchte für meinen Sohn da sein, Lotte. Wenn es geht, den ganzen Tag.“
Einverstanden nickte ich ihm lächelnd zu. Für Noah schien es nichts Wichtigeres mehr in seinem Leben zu geben, als Leo. Und das freute mich, denn so wusste ich, sollte ich einmal nicht mehr da sein, wäre Leo gut aufgehoben.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Apr 03, 2013 12:50 pm

Viele viele Jahre später, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit.
Dort wirst du mich finden.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Apr 03, 2013 12:55 pm

Noah.
Ich strich mit der Hand leicht über den rauen Stein, bis ich die goldene Tafel erreicht hatte, die edel darauf prangte. „Dir würde es hier gefallen.“, murmelte ich halblaut. Angst dass jemand mich hörte, hatte ich bei weitem nicht. „Eine wunderschöne Landschaft haben wir. Und die Stadt ist sowieso sehr schön. Tausendmal größer als Sunset Valley.“ Lachend schüttelte ich den Kopf. „Aber du mochtest gerade dass so sehr an unserer Heimat, oder?“
Seufzend richtete ich mich wieder auf und ließ meinen Blick über Riverview gleiten. Vom Friedhof aus, hatte man einen wirklich schönen Blick über all die kleinen und großen Häuser. Man konnte sogar bis zu dem Sumpfgebieten sehen. Angeblich sollten sich dort wahre Talente verstecken.

„Wir haben ein ziemlich großes Haus, direkt um die Ecke der örtlichen Schule. Ich habe ausnahmsweise mal wirklich mitgedacht.“ Ich grinste, als ich mich daran erinnerte, wie Lotte mir oft vorwarf, dass ich nicht bis zum Ende überlegte. Und damals hatte sie Recht gehabt. „Leo wird ab Morgen hingehen. Er scheint sich sogar zu freuen. Klar, ich kann nicht in ihn reinschauen, aber er sieht wirklich gut aus, Liebling. Er scheint es gut verkraftet zu haben.“ Mein Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, die eine undeutliche Mischung aus Erleichterung und Schmerz war. „Du hast ihn wirklich gut darauf vorbereitet. Viel besser als ich es jemals könnte.“
Seufzend fuhr ich mir über das Gesicht. Wie so oft zweifelte ich daran dass alles zu packen. Ein Leben als alleinerziehender Vater, wie sollte ich das machen? Ich war nicht bereit dafür.

Aber du musst. Flüsterte eine Stimme in meinem Kopf. Sie klang so sehr nach Lotte.
„Ich weiß.“, flüsterte ich und ging ein paar Schritte zu der Bank, die ein Stück neben dem Grab stand. Wie ein nasser Sack ließ ich mich fallen, und sackte förmlich in mir zusammen. „Ich werde auch alles versuchen, dass unsere Kinder glücklich sind, Lotte. Dass habe ich dir versprochen und ich halte meine Versprechen. Ich liebe dich. Und ich werde dich immer lieben. Und wenn du da oben gerade den Kopf schütteltest über meinen Umzug, dann lass mich erklären.“ Luft holend sah ich in den Himmel. „Ich weiß, dass meine ganze Familie helfen würde. Aber ich kann dass nicht. Dass weißt du. Ich war noch nie so, Ich musste einen Neuanfang wagen. Mit den Kindern, ganz woanders, weit weg von zu Hause. Ich hoffe du verzeihst mir.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Apr 03, 2013 3:11 pm


Leo.
„Dann hoffen wir mal, dass dein Bruder noch eine Weile schläft.“ Ich zog die Haustür hinter mir zu, auf dem Arm meine kleine Schwester und in der Hand das Babyphone. Eins der wenigen Sachen die wir aus Sunset Valley mitgenommen hatten.
Mein Blick wanderte zurück zu Sola, die mit ihrem typischen Lächeln auf meiner Hüfte saß. Sie sah so niedlich aus, und so sorglos, dass ich manchmal auch für einen Moment vergaß was passiert war.
Aber nur für einen kleinen Moment, dann dachte ich an sie zurück. An meine Mutter.
„Bei dem schönen Wetter müssen wir ein bisschen draußen bleiben.“, plapperte ich fröhlich weiter, während ich die Treppen herunter in den großen Garten ging.
Ich machte mir innerlich eine Notiz, dass ich Dad bitten würde ein paar Spielplatzgeräte aufzubauen, damit Sola und auch Gideon später einmal etwas zum spielen hatten.
Meine Schwester deutete mit ihren kleinen Fingern auf die Gebäude, die sich ein Stück weiter friedlich aufbauten. Darunter war die Schule, die ich ab Morgen besuchen würde.

„Is Papa da?“, lispelte sie neugierig. Ihre grünen Augen sahen mich fragend an.
Ich schüttelte lächelnd den Kopf. „Papa ist Mama auf dem Friedhof besuchen.“, erklärte ich und stupste ihr dabei leicht auf die niedliche Nase. „Aber er kommt bestimmt gleich zurück.“
Sola lachte und wie immer war es ein Lachen, dass die Sonne aufgehen ließ. Alles an meiner kleinen Schwester war reine Freude und es gab keinen Menschen, der mich so aufbauen konnte, wie sie.
„Is will Pilot sein!“, verlangte sie. Begeistert klatschte sie in die Hände, als ich mit den Augen rollte.
Dass hatte ich heute schon drei mal gemacht. „Bald kann ich dich nicht mehr hochheben, Sola. Du wirst langsam schwer, weißt du das eigentlich?“
Doch wirklich zu kümmern schien Sola das nicht. Mit wackelnden Kopf streckte sie ihre dicken Arme in die Luft und schloss die Augen, während sie immer wieder: „Flieg! Flieg!“ rief.
Und ich tat ihr den Gefallen. Ich konnte ihr sowieso kaum etwas abschlagen.

Als ich zur Straße sah, entdeckte ich unser Auto, dass langsam und vorsichtig auf unserer Grundstück fuhr.
„Guck, da ist Daddy.“ Erleichtert, dass ich endlich aufhören konnte Pilot zu spielen, setzte ich Sola wieder gemütlich auf meine Hüfte.
Mein Vater stieg aus und wie erwartet sah er aus wie immer.
Es war schon gleich nachdem meine Mutter gestorben war so gewesen. Mein Dad hatte getrauert, er trauerte noch, aber niemals so, dass wir Kinder es merken würden. Er tat es für uns, dass wusste ich.
„Hey ihr beiden.“ Er küsste Sola liebevoll auf das braune Haar. „Hattet ihr einen angenehmen Tag?“
Ich und Sola nickten synchron, bevor meine Schwester fröhlich ausrief: „Wir haben Pilot gespielt!“
Dad lächelte immer noch, während er sie eingehend betrachtete. Ich wusste woran er dachte: Sola sah aus wie Mum. Dass war jedem aufgefallen, der sie angesehen hatte.
„Lass uns reingehen.“, schlug mein Vater vor und schob mich sanft zum Haus herüber. „Ich muss noch einen Roman fertig schreiben. Wo ist eigentlich Gideon?“

„Er schläft.“; erwiderte ich, bevor ich die Haustür hinter mir schloss und ebenfalls in den großen Wohnraum trat.
Wie gewohnt setzte Dad sich samt seines Laptops an den Tisch und öffnete sein Schreibprogramm.
Ich hingegen setzte Sola in den Stuhl und nahm die Flasche mit dem O-Saft vom Tisch, um ihn ihr zu reichen.
„Was wollt ihr heute eigentlich zum Abendessen?“, fragte mein Vater abwesend, während er schon in die Tasten haute, als ginge es um sein Leben.
Ich ließ mich am Schachbrett nieder und schob etwas lustlos die Figuren hin und her. Mum hatte mir Schachspielen beigebracht. „Weiß nicht, Nudeln?“ Ich sah meinen Vater an, aber dass merkte er nicht mal. „Dad? Weißt du, ich wollte dich sowieso mal etwas fragen.“
„Wegen dem Essen?“, harkte er leise nach, ohne seine Worte wohl überhaupt selber wahrzunehmen.
Ich schüttelte grinsend den Kopf. „Eigentlich eher wegen unserem Geld. Kommen wir hin? Ich meine das Haus hat sicher nicht wenig gekostet.“

Mein Vater sah einen Moment auf von seinem Bildschirm und drehte sich zu mir um. Sein Gesicht war nachdenklich. „Darüber brauchst du dir keine Gedanken.“; erklärte er im sanften Ton. „Wirklich, Leo. Wir stehen ganz gut da. Ich bekomme noch immer Tantiemen für die geschriebenen Bücher und ich schreib ja auch noch weiterhin Bücher. Unsere Konten sind so weit gefüllt, dass wir ein kleines Polster haben.“
Ich nickte eilig, bevor mein Vater sich wieder um wandte. „Ich dachte nur, dass ich ansonsten sicher einen Job annehmen könnte.“, schlug ich beiläufig vor.
„Musst du nicht.“; erwiderte er. „Ich würde es besser finden, wenn du dich erst einmal auf die Schule konzentrieren würdest. Dann können wir ja gerne nochmal darüber reden.“
„Dad.“ Ich erhob mich von meinem gemütlichen Platz, nachdem ich es aufgegeben hatte wirklich ein Schachspiel gegen mich selber zu beginnen. „Ich war in Sunset Valley durchgehend auf Platz eins der Liste der besten Schüler der Schule. Meinst du ein kleiner Nebenjob wird daran etwas ändern.“

„Hier ist der Anspruch etwas höher, Leo.“, erklärte er mir fachmännisch. „Ich habe es dir ja nicht verboten, sondern nur gesagt, dass wir eine Weile warten sollten.“
Ich wusste dass dagegen überhaupt nichts sprach, aber es ärgerte mich trotzdem. Manchmal erwischte ich mich dabei, wie ich dachte Mum hätte es mir erlaubt. Auch wenn dass nicht der Fall war.
„Ich geh angeln.“, sagte ich stattdessen und schlenderte zu Sola herüber. „Ich geh noch Angeln, kann ich Sola mitnehmen?“
Mein Vater ließ ab von seinem Buch und sah zu uns herüber. Er lächelte. „Ich wäre dir dankbar wenn du dass tust. Dann hab ich vielleicht noch etwas Ruhe, bevor Gideon aufwacht.“
Ich nickte und nahm meine Schwester auf den Arm, was bei ihr ein fröhliches Kichern entlockte.
„Leo?“ Ich drehte mich nochmal zu ihm um. „Ich hoffe du bist jetzt nicht böse oder so.“
„Nein.“, Ich schüttelte beruhigend den Kopf. „Alles okay, Dad. Mach dir keine Sorgen.“
„Gut.“ Er sah wirklich erleichtert aus, als er sich wieder an seinen Roman machte.
Und wiedermal bemerkte ich, dass Dad es nicht einfach hatte als alleinerziehender Vater.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Apr 03, 2013 3:36 pm

Noah.
Ich sah aus den Augenwinkeln wie Leo leichtfertig, als würde es schon immer getan haben, die Wickeltasche füllte und Sola ein paar Spielzeuge gab, bevor er sie in den Buggy setzte und aus dem Haus manövrierte.
Als ich sicher war, dass er nicht zurück kommen würde, erhob ich mich von meinem Arbeitsplatz und trat an das Fenster, was auf die ruhige Straße zeigte, die vor uns lag.
Ich konnte Leo sehen, wie er mit samt Sola die Straße hinunter ging, fröhlich vor sich hin plappernd, nur um seine Schwester ohne Pause zu belustigen.
Ich war Leo so dankbar dafür. Er war mehr als ein Mustersohn, er war das Wichtigste momentan. Ohne ihn würde ich es sicher nicht packen, mit einem kleinen Kind und einem Baby. Gideon war erst neun Monate alt.
Aber manchmal fragte ich mich, ob ich nicht alles falsch machte. Wie konnte ich ihm erlauben so viel Zeit für seine Familie aufzubringen, wo er doch Freunde finden sollte. Teenager Sachen eben.
Aber Leo beschwerte sich nie und hatte immer ein aufmunterndes Lächeln für mich. Dafür dankte ich ihm noch mehr, denn manchmal kam mir die Zukunft doch etwas dunkel vor.

Gerade als ich beschlossen hatte das Kapitel meines Buches noch zu beenden, ertönte das zarte Stimmchen meines Jüngsten aus dem Babyphone. Erst leise und vorsichtig, dann immer fordernder.
„Natürlich.“, seufzte ich mit einem Achselzucken und beeilte mich in das Zimmer zu kommen, dass meine beiden Kleinen für sich beansprucht hatten.
Fest in seine Decke eingewickelt lag er in seinem Bett und streckte mir seine kleinen Arme entgegen, als würde er ertrinken. Ich erinnerte mich, wie Lotte bei seinem Anblick ehrfürchtig geflüstert hatte: „Er ist das Geschenk der Götter an uns, Noah. Sieh ihn dir an. Hast du schon einmal so etwas Besonderes gesehen?“
Und sie hatte Recht gehabt. Ich hatte meinen Sohn angesehen und war urplötzlich unglaublich ruhig gewesen.
Genau wie jetzt. Ich stand vor seinem Bett und betrachtete Gideon. Er hatte sich beruhigt, aufgehört zu weinen und sah mich aus seinen großen Augen fürsorglich an.
Und ich fühlte mich plötzlich sicher und geborgen.

Ich nahm ihn auf den Arm und küsste vorsichtig seine Stirn. „Mein kleines Geschenk der Götter.“, schmunzelte ich in seine weiche Haut hinein und nahm den lieblichen Geruch des Babys in mich auf.
„Du hast sicher Hunger.“, murmelte ich halblaut. Um diese Uhrzeit bekam Gideon immer sein Abendessen.
Mein Blick viel auf den Nachttisch unter dem riesigen Bild von Lotte, dass Leo und ich hier aufgehängt hatten. Eine Babyflasche stand da, und ein kleiner gelber Zettel.
„Ich hab dir schon mal die Flasche gemacht. Leo.“, las ich mir selber vor und mal wieder beglückwünschte ich Lotte für diesen wunderbaren Sohn, den sie erzogen hatten.

Leichtfertig, denn dass hatte ich wirklich schon öfter gemacht, fütterte ich Gideon, ohne meinen Blick von seinem Gesicht abzuwenden.
Eine Sache würde Lotte freuen, daran, dass wir umgezogen waren. Gideon war in Sicherheit, für immer und ewig, denn hier würde ihn mit Sicherheit keiner suchen.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Apr 04, 2013 7:54 pm

Leo.
Ich beobachtete Sola eine Weile, wie sie singend und kichernd im warmen Sand spielte, der in der Nachmittagssonne wirklich schön aussah.
Dann drehte ich mich zum Wasser.
Von dem kleinen Strand, der sich hier gebildet hatte, hatte man einen ganz guten Blick auf die andere Seite von Twinbrook. Ich erkannte die Häuser am See, von denen Dad mir erzählt hatte, als er mir den Umzug hatte schmackhaft machen wollen.
Doch dass hätte er gar nicht machen müssen. Ich war mehr als froh weg zu ziehen. Nicht, weil ich Sunset Valley nicht mochte, sondern eher, weil mich da so viel mit Mum verband und an sie erinnerte.
Ich vermisste den Rest meiner riesigen Familie, zum Beispiel Onkel Mick, oder meine Cousine April. Ganz besonders meine fast Namensverwandte, Leonora. Aber es war das beste für uns alle gewesen.

Sola quietschte erfreut, als sie eine Muschel fand und sie in die Höhe hob. „Guck mal Leo!“
Ich tat aufrichtig begeistert. „Wow, dass ist eine schöne Muschel, Sola. Wir bringen sie Dad mit, dann freut er sich mit Sicherheit.“
Sola nickte erfreut und schmiss die Muschel sanft in ihren kleinen Eimer, den sie zum spielen nutzte.
Ich seufzte in mich hinein.
Sola und Gideon waren zu klein, um sich an ihre Mutter zu erinnern, darüber hatte ich schon lange nachgedacht. Ich würde ihr jeden Tag etwas von ihr erzählen und Fotos zeigen, und dann würde sie sich niemals fühlen, als hätte sie diese Frau, die groß in ihrem Kinderzimmer hing, nicht gekannt.
„Sola, wir müssen gleich nach Hause.“; rief ich meiner Schwester zu. „Dad macht bestimmt gerade Essen.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Apr 04, 2013 8:03 pm

Noah.
Leo betrat den Raum, in der Hand Fischfutter. Er schlenderte zum Tisch und beugte sich zu unserem Goldfisch herunter, den wir schon eine ziemlich lange Zeit hatten. Lotte hatte ihn mal an geschleppt.
„Deine Mutter liebte das Angeln, aber sie hasste es die Fische zu töten, oder zu verletzten.“
Leo grinste. „Ich kann mich noch dran erinnern, wie sie Donnie mitgebracht hat.“ Donnie war der Name des besagten Goldfisches. „Sie hat ihm aus Versehen die Flosse verletzt und hat ihn dann mitgebracht, damit sie und ich ihn wieder zusammenflicken.“
Ich nickte. Daran erinnerte ich mich auch noch sehr gut. Es war einer der letzten glücklichen Tage mit meiner Frau gewesen. Bald darauf hatte sich ihr Geisteszustand so weit verändert, dass sie mich kaum erkannte.
„Ist gut, Dad.“ Leo beobachtete mich aus seinen Augen intensiv. Er schien genau zu wissen was ich denke.
Mit einem zustimmenden Lächeln widmete ich mich wieder dem Essen.

„Freust du dich auf die Schule?“, fragte ich, um wieder vom Thema abzufinden.
Leo zuckte die Achseln, bevor er die Dose mit dem Fischfutter wieder auf dem Kamin stellte, damit seine Geschwister nicht daran kamen. „Ich denke es wird ganz cool werden.“
„Dass wird es mit Sicherheit. Denk an all die neuen Leute, die du kennenlernen wirst.“
„Ich weiß.“ Er lächelte zuversichtlich. „Ich hab schon ein paar Teenager gesehen heute. Sie haben mich angestarrt.“
„Du bist der Neue.“; versuchte ich eine Erklärung zu finden, verstummte aber augenblicklich, als er den Kopf schüttelte.
Er deutete auf seine Feuerroten Haare, die er von meiner Mutter geerbt hatte. „Sie haben mich wegen meinen Haaren angestarrt, Dad.“
„Weil du sie dir nicht schneiden lässt.“, witzelte ich, wie immer wenn es um die Haare meines Ältesten ging, die wirklich eine beachtliche Länge hatten.

Leo zog eine Grimasse und lehnte sich gegen die Theke, während er mir zu sah, wie ich das Essen vorbereitete. „Mum mochte meine Haare so, weiß der Teufel warum.“
„Ich mag es nicht wenn du so redest.“, ermahnte ich ihn väterlich. „Und deine Mutter mochte es auch nicht!“
Leo lachte. „Das ist eine glatte Lüge, Dad. Mum hat selber so geredet und sie fand es zum totlachen, wenn ich es ihr nachgemacht habe. Erinnerst du dich nicht mehr?“
Natürlich tat ich es, aber ich dachte es wäre ein pädagogisches Druckmittel gewesen. „Ich erinnere mich gut.“; erwiderte ich gespielt düster. „Aber wenn du so in der Schule redest, findest du bestimmt nicht all zu schnell Anschluss. Nicht nur deine Haare, sondern dann auch noch deine Sprache.“
Leo zuckte die Schultern. „Die Leute müssen mich wohl so nehmen wie ich bin.“

Ich rührte eine Weile schweigend in dem Topf mit der Soße, dann nickte ich. „Sie werden dich gut leiden können, mein Sohn. Ich glaube nicht, dass du dir Sorge machen musst.“
Genau das selbe sagte mein Dad an dem Abend vor meinem ersten Schultag zu mir, als ich ihm erklärte, dass ich Angst hatte. Wie sehr wünschte ich mir gerade sie beide bei mir zu haben. Mum und Dad.
„Wird schon.“, erwiderte Leo, reckte sich und nahm zwei Teller aus dem Schrank, bevor er sie grinsend neben mich stellte. „Und wenn nicht kaufe wir uns eine riesigen Hund und...“
„Dass werden wir nicht.“, stellte ich eilig klar. Leo nervte mich schon eine ganze Weile mit der Idee. Ich füllte die beiden Teller und drückte ihm einen davon in die Hand.
eo zog schon wieder eine Grimasse. „Ich verstehe nicht, warum du dich so dagegen wehrst.“ Er folgte mir zum Tisch und ließ sich auf einem der Stühle nieder. „Sola und Gideon würden sich auch über einen Hund freuen. Er muss ja nicht riesig sein, Dad. Kann auch ein Minihund sein.“
Schmunzelnd schluckte ich meinen ersten Löffel mit Nudeln herunter, bevor ich den Mund zum sprechen frei hatte. Ich hatte einen Bärenhunger gehabt. „Und wer geht mit ihm raus?“
„Ich.“, entschied Leo eigensinnig. „Und wenn Sola alt genug ist rekrutiere ich sie eben dazu.“ Er zuckte die Achseln als sei es schon eine beschlossene Sache. „Dass würden wir schaffen, Dad.“

„Ich hab Nein gesagt.“, erwiderte ich so freundlich wie möglich und zwinkernde ihm zu. Doch im nächsten Moment wurde ich etwas ernster. „Das was ich vorhin gesagt habe, als du mich nach dem Job fragtest, sehe ich immer noch so, Leo. Du solltest dich um deine Schule kümmern, gerade jetzt bei einem neuen Start. Und ich kümmere mich um deine kleinen Geschwister.“
„Und das Schreiben.“, fügte mein Sohn hinzu. Es klang wie eine Frage.
Und weil ich diese Frage nicht genau beantworten konnte, sah ich meinen Teller an, statt ihn. „Wie gesagt, wir haben erst einmal ein gutes Polster. Ich bin der Meinung ihr Kinder seit erst einmal wichtiger.“
Leo wollte etwas erwidern, aber Solas lauter Rufen hinderte ihn daran. Er schaute zum Flur.
„Ich geh schon.“, erwiderte ich lächelnd und erhob mich um nach meiner Tochter zu sehen.

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Apr 04, 2013 8:06 pm

„Hey, Sola.“ Ich nahm meine Kleine mit einem großen Schwung auf den Arm und schleuderte sie einmal um mich herum. „Hast du nach deinem Daddy gerufen, hm?“
„Is bin müde.“, erklärte sie mir, nachdem sie aufgehört hatte zu kichern. Ihr grünen Augen waren klein und ihr Mund öffnete sich meistens nur noch zu einem kleinen Gähnen.
Mein Blick wanderte zu Uhr. Es war schon reichlich spät und wenn Lotte noch hier gewesen wäre, dann würde Sola schon längst schlafen. Ich war ein miserabler Vater.
Ich nickte. „Am besten du gehst schlafen, hm?“, murmelte ich und küsste sie sanft auf das braune Haar, bevor ich sie von den Shorts und dem Oberteil befreite und ihr ihr Nachtzeug anzog.

„Eine Gesichte!“, verlange sie und gähnte noch einmal. „Die, die Leo mir vorgelesen hat, bitte.“
„Eine Geschichte, natürlich.“ Ich setzte Sola in ihr Bett, nahm das Buch vom Tisch und hielt es so, dass sie die kleinen Bilder sehen konnte, die auf ein paar Seiten gemalt worden waren. Erst als ich eins der Bilder genau anblickte, bemerkte ich, dass ich das Buch selber geschrieben hatte. Kurz nach ihrer Geburt. „Sola das Sonnenkind.“, flüsterte ich.
Lottes stolzer Blick geriet vor meinem inneren Auge, als ich an die Fertigstellung dachte. Sie war so glücklich gewesen...
„Du musst lesen, Daddy!“, forderte Sola mich mit einem Engelslächeln auf. „Sonst slaf ich nicht.“
„Natürlich.“ ich zwang mich aus meinen Gedanken und begann zu lesen. „Es war einmal eine wunderhübsche Frau, die den ganzen Tag in ihrem Garten verbrachte...“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Apr 04, 2013 8:08 pm

Als ich zurück ins Wohnzimmer kam, nachdem meine Tochter selig eingeschlafen war und ich auch noch einen Blick auf den schlafenden Gideon gelegt hatte, war es leer. Die Teller vom Abendessen waren weggeräumt und Leo wohl schon in seinem Zimmer verschwunden.
Auf Grund des fehlenden dritten Schlafzimmers, bewohnte ich in der Nacht eine Ecke im Wohnzimmer, gleich neben der Tür.
Leo hatte anfangs protestiert und angeboten sein Zimmer mit mir zu Teilen, aber ich fand das nicht gerade jugendgerecht und hatte mich für ein kleines Bett hier entschieden.
Und als ich jetzt aus meinen Klamotten schlüpfte und mich auf die weiche Matratze legte, wusste ich dass es die richtige Entscheidung gewesen war.

„Du wärst stolz auf mich.“, flüsterte ich in die Dunkelheit. „Ich weiß, ich mache noch sehr viele Fehler. Ich bringe Sola nicht zur richtigen Zeit ins Bett und ich hab sicher auch irgendetwas bei Leo und Gideon vergessen, aber ich bemühe mich, Lotte. Wirklich. Wie ich es dir versprochen habe. Ich gebe mein bestes.“ Mit geschlossenen Augen drehte ich mich auf die Seite. „Aber ich muss noch so unglaublich viel lernen. Ich...ich habe Angst dass ich so viel lernen muss, dass ich sie nicht gut genug erziehe.“ Ich schluckte. „Mit dir wäre alles so viel einfacher. Mit dir hätte ich keine Sekunde Angst vor der Zukunft. Du fehlst hier so sehr.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Apr 04, 2013 8:15 pm

Leo.
Als ich am nächsten Morgen durch das Wohnzimmer schlich, schlief mein Vater noch. Ich strengte mich an so leise wie möglich zu sein, damit er noch eine Weile schlafen konnte, bis ich zur Schule musste.
Schon am gestrigen Abend hatte ich mich entschlossen, mich um Sola zu kümmern. Ich wusste das Gideon nicht durchschlief, und wo Mum und Dad sich früher hatten abwechseln können, fehlte nun eine Person.
„Guten Morgen, Prinzessin.“, begrüßte ich meine Schwester lächelnd und küsste sie auf das Haar.
Sola streckte mir ihre dicken Arme entgegen und strahlte mit der Lampe um die Wette. „Is bin son soooo lange wach. Aber Daddy släft noch. Ganz tief, wie ein Bär.“

Lachend nahm ich sie aus dem Bett und strich ihr über die beiden Zöpfe,, die durch den Schlaf etwas durcheinander geraten waren. „Ich muss heute wieder zur Schule, Kleines.“, erklärte ich ihr liebevoll. „Und deswegen bist du ganz alleine mit Dad, verstehst du?“ Sola nickte wissend.
Seit dem meine Mutter gestorben war, hatte ich eine Befreiung für die Schule bekommen und mich den ganzen Tag um Sola gekümmert, während mein Vater mit Gideon oder den Papierkram beschäftigt war.
„Du musst lieb sein, versprochen?“ Ich sah sie ernst an. „Dad hat viel zu tun.“
Mit ebenso ernster Miene nickte sie. Aber das Funkeln in ihren Augen blieb bestehen.

Als Gideon im nächsten Moment begann zu weinen, öffnete sich die Kinderzimmertür und mein Vater trat ein. Überrascht sah er mich an, als er mich bemerkte. „Was machst du denn hier, Leo?“
„Ich dachte du könntest Unterstützung gebrauchen.“, erwiderte ich betont heiter, bevor ich ihm Sola in den Arm drückte und meinem Bruder aus dem Bett nahm.
Mein Vater sah erst mich, dann Sola an. „Aber du musst doch zur Schule. Hast du schon gefrühstückt?“
Kopfschüttelnd wechselte ich Gideon in Windeseile die Windeln. „Ich esse Morgens nie etwas.“
„Seit wann?“ Er sah mich noch überraschter an.
Ich schluckte einmal, dann zwang ich mich zu Lächeln. „Seit einer ganzen Weile, Dad. Ist aber nicht schlimm.“

„Finde ich schon.“ Er verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein und sein Gesicht wurde nachdenklich. „Deine Mutter fand es immer wichtig dass du Morgens etwas isst, Leo. Ich...“
„Ich war sechs, als sie es wichtig fand.“, korrigierte ich ihn grinsend. „Mach dir keine Sorgen, Dad. Ich kauf mir schnell etwas in der Schule, wenn ich Hunger bekomme, okay?“
„Nein, nein. Ich hab dir ein Schulbrot gemacht.“ Etwas zerstreut deutete er auf die Tür. „Es liegt im Kühlschrank. Käsebrote. Ich dachte, die magst du bestimmt, oder hat sich das auch geändert?“
„Nein.“, erwiderte ich lachend, bevor ich Gideon wieder in sein Bett legte. „Ich geh Zähneputzen, der Bus kommt gleich. Wir sehen uns heute Mittag, ja?“
„Ja, bis nachher.“

Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Apr 04, 2013 8:17 pm

Noah.
Frisch angezogen schlenderte ich mit Sola im Schlepptau ins Wohnzimmer und setzte sie in ihren Hochstuhl.
„Wenn ich dich schon nicht pünktlich ins Bett bringen konnte, dann gibt es wenigstens nahrhaftes Frühstück.“, erklärte ich ihr, und begann frisches Obst klein zu schneiden. „Obst am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.“
Sola betrachtete mich mit schief gelegtem Kopf und ihrem typischen seichtem Lächeln auf den Lippen.
„Weißt du, deine Mutter fand es immer wichtig, dass ihr am Tag unglaublich viel Obst esst. Kaum kam sie von der Arbeit hat sie sich in die Küche gestellt und einen Obstteller gemacht.“
Sola nickte begeistert. „Gans viel Obst hat Mama gemacht!“
„Weißt du dass noch, Sola?“ Ich sah sie hoffnungsvoll an. Jeden Tag befürchtete ich, dass meine Kleine ihre Mutter vergessen würde. Sie war doch noch so unglaublich jung.

„Ja!“, bestätigte sie mit zuversichtlichen Nicken. Wartend klopfte sie mit ihren Fäusten auf das Tischlein vor sich. „Is hab Hunger, Daddy! Is hab Hunger!“
„Ja.“, lachte ich, schob das fertige Obst in eine Schüssel und trug sie herüber zu ihr. Sanft stellte ich sie vor ihre Nase und betrachtete sie, wie sie das Obst feinsäuberlich aß. „Da scheine ich ausnahmsweise mal etwas richtig gemacht zu haben.“, flüsterte ich mir eher selber zu, als Sola.
Meine Tochter schien es nicht gehört zu haben. Erst nach einer Weile hob sie den Kopf und lächelte mich an. „Mummy freut sich bestimmt.“; erklärte sie mir. „Sie ist immer fröhlis gewesen.“
„Dass stimmt.“ Ich lachte und küsste sie auf das braune Haar. „Genau wie du, mein Engel.“


Finplay8
Familiensim

Anzahl der Beiträge : 1747
Anmeldedatum : 12.10.09

Nach oben Nach unten

Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Gesponserte Inhalte


Gesponserte Inhalte


Nach oben Nach unten

Seite 9 von 9 Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben

- Ähnliche Themen

 
Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten