Wohin der Wind mich bringt!

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Di Feb 07, 2012 4:59 pm

Lotte…

Ich hatte mich langsam aber sicher von der trauernden Gemeinschaft abgewendet und war von meinem Haus verschwunden. Ich musste dringend nachdenken, und dass hatte ich in der Menschenmenge nicht gekonnt. Ständig hatte ich jemanden getröstet, ein paar liebe Worte über Mick verloren, dabei hätte ich ihn selber nun am meisten gebraucht. Meinen Mick, der mich immer so genommen hatte, wie ich war.
Aber wer war ich überhaupt? Vor ein, bis zwei Tagen war ich mir sicher gewesen, dass mein Name Lotte Pracht war. Eine junge Frau, die seit sie sieben war hier in Sunset Valley wohnte und diesen Ort liebte.
Doch als ich das Gespräch zwischen meiner Stiefmutter und Noah mitbekommen hatte, war plötzlich alles anders gewesen. Sie hatten gesagt ich wäre verrückt. Nicht direkt, aber sie sagten Verstandskrank. Und meine Mutter sei daran gestorben. Hatte mein Vater nicht immer gesagt, sie hätte Krebs gehabt?
Nur am Rande bekam ich mit, dass ich weinte. Alles war so durcheinander und ich hatte keine Ahnung was ich glauben oder denken sollte. Und schon gar nicht, was ich fühlen sollte. Jemand hatte das Ende meines Lebens schon geschrieben und ich sollte mich ohne Vorbereitung in diese Rolle einfinden. Warum?
Schluchzend betrachtete ich das Wasser des kleinen Teiches vor mir, die Arme fest um meinen Körper geschlungen. Als müsste ich mich selber fest zusammen halten, weil ich nicht mehr wusste wer ich war.
Ich wollte die Frau bleiben, die ich jetzt war. Für immer und ewig. Nichts sollte sich jemals ändern.

„Warum bist du gegangen?“ Noah tauchte aus der Dunkelheit auf. Er trug immer noch seinen Anzug, den ich ihm extra für die Beerdigung gekauft hatte, aber sein Gesicht war entspannt, als hätte er genug getrauert.
Ich wischte mir eilig meine Tränen von den Augen. „Warum hast du es mir nicht gesagt?“, fragte ich zitternd. Für mich war es ein Vertrauensbruch gewesen, den ich in mich hineingefressen hatte. Aber nun konnte ich nicht mehr an mich halten. Ich wollte die Wahrheit. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich krank bin.“
Ich hörte wie er schluckte, und als ich ihn ansah, war ein schmerzvoller Ausdruck in seine Augen getreten. „Weil ich dich liebe.“, flüsterte er hilflos. „Wenn ich es dir gesagt hätte, wäre nichts wie vorher gewesen. Du wärst nicht wie vorher gewesen! Nicht mehr die Frau, die ich liebe. Verstehst du?“
Ich biss mir auf die Unterlippe um das Schluchzen zu unterdrücken, dass meine Kehle hinaufkroch. „Du bist so egoistisch.“, fauchte ich ihn an. So etwas hatte ich noch nie zu ihm gesagt. Und ich wusste dass es ihn traf, ich konnte es an seinem Gesichtsausdruck ablesen, aber in diesem Moment kümmerte es mich nicht. „Immer denkst du nur an dich, aber hast du vielleicht auch mal an mich gedacht? Wie ich damit umgehen kann? Ich muss es doch wissen, Noah.“ Die Wut war wieder von mir gegangen, wie sie gekommen war. Stattdessen legte ich ihm sanft meine Hände an die Wange. „Lass mich nicht über mich selbst im unwissenden.“
„Ich liebe dich.“, seine Stimme war ebenso belegt wie meine und ich konnte ein paar Tränen in seinen Augen glitzern sehen. „Ich liebe dich so sehr Lotte, dass ich es nicht ertrage dich zu verlieren.“ Er nahm meine Hände von seiner Wange und behielt sie in seinen. „Ich kann das einfach nicht!“

„Ich auch nicht.“, erwiderte ich und unter Tränen bildete sich ein kleines Lächeln auf meinen Lippen. „Ich will nicht von dir gehen, aber wenn dass der Weg ist, den ich beschreiten muss, dann bitte ich dich bei mir zu bleiben.“ Ich wollte nicht alleine sein, wenn ich langsam in mich zusammen fiel. „Bitte!“
Sein Gesichtsausdruck war erschrocken, als er mich ansah. „Natürlich bleibe ich bei dir, Lotte. Hast du nicht gehört? Ich liebe dich und kann nicht ohne dich leben. Wieso sollte ich dich dann früher gehen lassen?“
„Bring mich nicht in diese Klinik.“, führte ich meinen Gedanken mit einem flehentlichen Lächeln fort. „Ich möchte, wenn ich schon sterben muss, hier bei dir zu Hause sterben. In unserem Haus. Okay?“
Ich konnte in seinen Augen ablesen, wie viel Kraft es ihn kostete zu nicken. „Okay, wenn das dein Wunsch ist, muss ich ihn akzeptieren. Auch wenn ich mir nichts mehr wünschte, als dir zu helfen.“
„Das tust du damit.“, antwortete ich klar und deutlich. Mein Schluchzen war verebbt, ich fühlte mich gut, hier mit Noah und ich wusste plötzlich, dass ich keine Angst mehr haben musste, wenn er bei mir bleiben würde.
Nickend schloss er erneut seine Arme um mich und hielt mich so fest, dass ich spüren konnte wie seine Brust sich hob und senkte. Ich hörte sein Herz eigenartig schnell Klopfen und spürte die Körperwärme durch seinen Anzug durch. In diesem Moment fühlte ich mich mehr verbunden als jemals zuvor.

„Lass uns nach Hause gehen.“, schlug ich lächelnd vor und löste mich sanft von ihm. „Da gibt es sicher genug aufzuräumen und ich will nicht bis in die späte Nacht daran sitzen.“
Bevor ich auch nur zwei Schritte nach vorne gehen konnte, hatte Noah mich sanft am Arm genommen und mich so zum Stehen bleiben gezwungen. Auch auf seinem Gesicht hatte sich eins ehr zartes Lächeln gelegt. „Eigentlich hatte ich mir das für unser Essen morgen Abend aufgehoben.“, murmelte er leise vor sich hin, und warf einen verträumten Blick zum finsterten Himmel, der mit tausenden Sternen bedeckt war. „Aber ich denke diese Nacht ist ebenso gut wie die Morgen, wenn nicht sogar noch besser.“ Er kniete sich vor mir nieder und nahm eine kleine Schatulle aus seiner Tasche. Mit einem Lächeln streckte er sie mir entgegen, geöffnet. „Ich will deinen Lebensweg mit dir zusammen bestreiten, Lotte Pracht. All die Höhen und Tiefen die wir erleben werden, mit dir an meiner Seite und auch am Ende für dich da sein, bis Gott seinen schönsten Engel wiederhaben will. Also frage ich dich hier und jetzt, voller Liebe, ob du meine Frau werden möchtest?“
Fast wie festgefroren stand ich da und sah ihn an. Ihn und den glänzenden Ring, den er mir entgegenstreckte. Ich hatte damit ganz und gar nicht gerechnet. „Natürlich will ich.“, hörte ich mich flüstern. Selbst meine Stimme schien zu überrascht zu sein, als das sie stark und laut antworten konnte.
Doch es schien Noah als Antwort zu reichen, denn er steckte mir den Ring mit einem zufriedenen Lächeln an. „Jetzt kann uns nur noch der Tod scheiden.“ Er sah mich an, und ich erwiderte den Blick. Wissend.


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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Di Feb 07, 2012 6:31 pm

Haushalt 2 Frio
(Cecilia / Leonora)


Leonora…

Ich saß am Küchentisch und bearbeitete mit wenig Konzentration meine Hausaufgaben. Immer wieder wanderten meine Gedanken ein Stockwerk höher, wo meine Mutter lag. Den ganzen Tag lag sie in ihrem abgedunkelten Zimmer, aß und trank nichts, als wollte sie sterben.
Seit dem Tod meines Großvaters war es besonders schlimm geworden. Als mein Vater gestorben war, lief sie wie tot herum, aber wenigstens lief sie herum. Sie aß und trank, wenn auch nicht besonders fiel, aber als Grandpa gestorben war, hatte sie sich in ihr Zimmer eingeschlossen und kam seit dem nur noch raus um zur Toilette zu gehen. Selbst bei seiner Beerdigung war sie nicht aufgetaucht, ich war alleine dort gewesen.

Und hätte ich nicht den Rest meiner Familie, dann wäre ich sicher schon selbst im meinem Zimmer vermodert. April, meine Cousine kam regelmäßig vorbei, brachte und Essen, dass Tante Bella für uns gekocht hatte und verbrachte manchmal auch Abende oder Nächte hier. Gerne auch half sie mir bei den Hausaufgaben, denn die waren ein Klacks für sie, die Intelligentsbestie.
Doch wohnen, tat ich mehr oder weniger alleine. Ich kümmerte mich um den Haushalt, wenn ich aus der Schule kam, bezahlte die Rechnungen und sortierte sie in Ordner. Post für meine Mutter legte ich ihr auf den Nachttisch und wenn der Haufen zu groß wurde, nahm ich sie weg und verstaute sie in einem Karton. Wenn etwas kaputt ging rief ich den Handwerker, machte Termine mit ihm aus und empfing ihn auch. Eigentlich wohnte ich alleine, mit meinen sechzehn Jahren, aber es ich schaffte es. Nur die Schule hinkte hier und da hinter her.
Ich seufzte laut, ließ den Cosinosatz Cosinosatz sein und legte den Stift beiseite. Die Stirn reibend erhob ich mich von meinem Platz und ging zum Kühlschrank, um ein paar Lebensmittel herauszunehmen, die ich sorgfältig auf einem Tablett deponierte. Obwohl meine Mutter nichts aß, versuchte ich es jeden Tag aufs Neue.

Als ich gerade hochkam, lief meine Mutter gerade auf die Toilette und übergab sich lauthals. Ich hörte wie sie sich den Mund ausspielte und die Klospülung betätigte, bevor sie wie in Trance wieder an mir vorbei schwebte und sich zurück aufs Bett legte, als sei nichts passiert.
„Mum?“, fragte ich besorgt, stellte das Tablett auf ihre Kommode. „Mum, ich hab dir etwas zu Essen hier hingestellt, ja? Vielleicht bekommst du ja doch Hunger.“
Wie immer bekam ich keine Antwort. Stumm starrte sie auf einen Fleck an der Wand, als sei es ihr Ein und Alles. Etwas, dass ich sein sollte. Dass war nicht mehr meine Mum.
„Ich liebe dich.“; flüsterte ich leise, und mit einem mitleidigen Lächeln, bevor ich den Raum wieder verließ. Und innerlich bildete ich mir ein, sie hätte mir ein: „Ich dich auch.“ Zu gehaucht, wie es andere Mütter taten.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Feb 09, 2012 11:41 am

Ein paar Tage später machte ich mich auf den Weg zu meinem Onkel. Ich wollte ihn endlich davon berichten, dass Mum sich rund um die Uhr übergab und ich eine klare Vermutung hatte, was mit ihr los war.
Doch als ich klopfte, blieb es still und niemand öffnete mir wie sonst mit einem freundlichen Lächeln die Tür.
„Mum und Dad sind bei Tante Melanie.“, berichtete April mir, die gerade das Grundstück betreten hatte, ein erfreutes Lächeln auf dem Gesicht. „Würdest du auch mit mir Vorlieb nehmen?“
Grinsend kam ich die Treppe wieder herunter und fiel ihr in die Arme. „Klar. Hauptsache ich hab jemanden mit dem reden kann.“ Seufzend fuhr ich mir durch das blonde Haar, für das mich April schon immer beneidet hatte.
Wir beide waren mehr oder weniger wie Schwestern aufgewachsen. Nicht nur, dass ihre Eltern meine Tante und mein Onkel waren, nein, sie waren auch noch die besten und einzigen Freunde meiner Mutter und so ständig mit meiner Cousine zu uns gekommen um mit uns Zeit zu verbringen.

„Was ist passiert?“, besorgt sah sie mich an. Es war als würden sie direkt in mich hineinsehen. „Du siehst schrecklich aus, Leo. Ist irgendetwas passiert?“
Ich schüttelte den Kopf, nur um daraufhin wieder zu nicken. „Mum ist krank glaube ich.“, flüsterte ich halblaut und auf einmal viel es mir entsetzlich schwer meine Tränen zurückzuhalten. „Also…nicht unbedingt krank…ich hab nur…ich meine ich hab einen Verdacht.“, presste ich leise hervor. „Ich denke sie ist schwanger.“
Aprils Augen wurden um einiges größer. „Von wem?“, fragte sie, und ihre Stimme hörte sich wieder so ängstlich an, wie damals als wir sieben waren und Onkel Masons uns Gruselgeschichten erzählt hatten.
„Von meinem Vater natürlich.“, erwiderte ich ungeduldig. „Meine Mutter ist seit dem Tod meines Vaters nicht mehr aus dem Haus gegangen und bei uns habe ich auch niemanden getroffen.“
April schluckte. „Du meinst du bekommst noch ein Geschwisterchen?“ Ich konnte sehen wie ihre Augen diesen Glanz bekommen, wie immer wenn es um Kinder ging. April liebte Kinder, und dass ihre Eltern noch ein Kind adoptieren wollten, schloss ich manchmal eher auf Aprils Wunsch, und nicht auf den ihrer Eltern.

Ich mochte Kinder auch, hatte sie gern um mich herum, aber dass meine Mutter noch ein Kind bekommen würde, wäre fatal. Schließlich schaffte es nicht einmal mich zu versorgen. „Wenn es überhaupt bis dahin kommt.“, murmelte ich bestürzt, als mir eine anderer Gedanke in den Sinn kam. „Meine Mutter steht nicht auf, sie isst nicht mehr, was glaubst du wie groß die Chance ist, dass das Baby das alles überlebt?“
April nickte betrübt und erschrocken zugleich. „Mein Gott, Leo. Wir müssen irgendetwas tun!“
„Deswegen bin ich doch hier.“, erwiderte ich Augenrollend, und warf einen Blick an ihr vorbei zum Haus. „Ich wollte mit deinem Vater reden, dass er mit meiner Mutter redet. Sie muss wenigstens zum Arzt.“
April nickte wieder. „Eine gute Idee, aber am besten du kommst rein.“ Sie nahm mich an der Hand, wie wir es schon als Kinder immer getan hatten und zog mich hinter sich her in das geräumige Haus.


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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do Feb 09, 2012 12:44 pm

„Gut dass du vorbei gekommen bist.“, nervös tigerte mein Onkel Mason in dem geräumigen Wohnzimmer hin und her. Er hatte deine Denkermiene aufgesetzt, eine tiefe Falte zwischen seinen Brauen.
Meine Tante Bella hatte sich auf einen Stuhl gesetzt, das Gesicht in den Händen vergraben. Ich wusste dass ihr das ganze entsetzlich nahe ging. Der Zustand ihrer besten Freundin war ein Albtraum.
Neben ihr saß April, hielt ihre Hand und beobachtete abwechselnd mich und Mason mit einem besorgten Blick.
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was wir noch machen sollen.“ Er fuhr sich durch das inzwischen ergraute Haar. „Sie will sich nicht von uns helfen lassen, Leo. Egal wie sehr wir es versuchen.“
„Aber wir müssen ihr helfen! Und dem Baby.“ Inzwischen waren wir davon ausgegangen, dass sie schwanger sei und eine Angst beschlich mich. „Onkel Mason, das Kind hat doch keine Chance wenn sie so weiter macht.“

Er nickte nachdenklich. „Ich weiß.“ Er warf einen Blick auf seine kleine heile Familie und ich konnte in seinen Augen lesen, dass er sich genau das für mich und meine Mutter wünschte. „Ich weiß es doch, Leonora.“
Betroffenheit durchströmte mich auf unangenehme Weise. In mir stellte sich die Angst ein, dass Mason aufgegeben haben könnte. Dass er uns nicht mehr helfen wollte! „Bitte, Onkel Mason…“
Er wandte den Blick von einem unbestimmten Punkt auf den Boden ab. Mein Ton schien ihn erschreckt zu haben, denn eilig kam er auf mich zu und ergriff meine Hand. „Mach dir keine Sorgen, Leo. Wir werden schon irgendetwas erreichen können, um Cecilia zu helfen.“ Er setzte ein liebevolles Lächeln auf, etwas was ich von meinem Vater und meiner Mutter nie bekommen hatte. Zumindest konnte ich mich nicht daran erinnern.
„Deine Mutter war mal so eine starke Frau.“, flüsterte er vor sich hin, ohne mich richtig wahrzunehmen. Er schien in Erinnerungen zu schwelgen. „Schon als wir Kinder waren hat sie sich immer vor mich gestellt und mich beschützt, auch wenn sie es nicht brauchte. Und in der Teenagerzeit ist sie ihren eigenen Weg gegangen, egal was die anderen Menschen dazu gesagt haben.“ Er sah mich an, biss sie auch die Unterlippe, als wollte er etwas herunterschlucken, was ich nicht unbedingt hören sollte.

Und ich wusste was es war. Er wollte sagen, dass mein Vater an allem Schuld war. Ich wusste dass alle ihn gehasst haben. Selbst mein Großvater, der eigentlich jedem gegenüber aufgeschlossen war, konnte ihn nicht leiden. Mehr noch, ich spürte, dass er ihn hasste. Weil er das Leben meiner Mutter zerstörte.
Bella warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Hör damit, Mason. Es ist gut.“ Sie legte den Arm um April, als wollte sie sie beschützen. Und mir warf sie ein liebevolles Lächeln zu. „Leonora macht genug durch.“
Mason nickte sanft. Er tätschelte mir meine Schulter. „Es tut mir leid, Kind. Komm zur Ruhe. Ich werde mit deiner Mutter reden, morgen und du wirst dich jetzt einmal ausruhen.“ Er deutete auf das Sofa. „Esse mit uns zu Abendessen und wenn du möchtest kannst auch gerne heute hier übernachten, hm?“
Ich schüttelte dankend den Kopf. „Ich muss nach Hause und nach Mum schauen, Onkel Mason. Tut mir leid.“

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Di Feb 14, 2012 6:38 pm

Cecilia…

„Mason…was machst du denn hier?“, brachte ich überrascht heraus. Ich hatte mich gerade noch ein paar Stunden hinlegen wollen, denn schlafen war das einzige was gegen die Einsamkeit und den nicht enden wollenden Schmerz half. Warum also störte er mich dabei und holte mich zurück in die Realität?
Mason bedachte mich mit einem Blick, der mich an einen Arzt bei der Untersuchung erinnerte, dann sah er auf meinen gerundeten Bauch. „Du bist schwanger.“, murmelte er halblaut.
Ich nickte, legte die Hand auf den Bauch und dachte nicht einmal daran ihn herein zu lassen. Ich wollte keine Standpauke. Und in Freude würde ich über dieses Baby auch nicht ausbrechen.
„Cecilia, warst du beim Arzt?“, seine Stimme war hart und bestimmt, und ließ mich kurz zusammen zucken. Leonora sprach immer mit einer lieben und sehr fürsorglichen Stimme. „Hast du dich untersuchen lassen?“
Nein, das hatte ich nicht. Ich verließ das Haus nicht und meistens nicht einmal mein Bett, Leonora kümmerte ich um alles und brachte mir mein Essen, während ich versuchte zu flüchten, aus dieser Welt.

„Wach auf, Cecilia!“ Unsanft hatte er mich an den Armen gepackt und schüttelte mich leicht. „Du hast jetzt eine neue Verantwortung. Wenn du dich nicht um Leonora kümmerst, ist das deine Sache, sie schafft es auch ohne dich, auch wenn ich das nicht gutheißen kann! Aber deinem Baby gegenüber…“ Er verstummte, sah mich mit wüsten Augen an, und ich konnte sehen, dass er mich sich haderte. „Was ist bloß mit dir?“
Dass fragte ich mich auch jeden Tag. Was war mit mir los? Ich wusste ja, dass ich eine Tochter hatte, die mich brauchte, aber ich konnte einfach nicht aufstehen. Es war, als würde mein Körper so schwer sein, dass ich ihn alleine nicht aufrichten konnte. Er war schwer wie Blei! Hier Mason gegenüber zu stehen kostete mich sehr viel Kraft. Wie sollte ich es da schaffen zum Arzt zu fahren, wenn ich nicht mal richtig atmen konnte?

„Denkst du nicht an dein ungeborenes Baby?“, fragte er mich fast flehentlich. Sein Blick wanderte wieder hinunter zu meinem Bauch, er schien nachzudenken, bis er schließlich leise, aber dennoch nachhaltig flüsterte: „Denk doch einmal daran, dass es das letzte Geschenk deines Mannes ist, Cecilia.“
Ich nickte benommen. Er hatte Recht. Connor war von mir gegangen, aber er hatte mir etwas dagelassen. Unser Baby. Unser zweites Kind. Ich sah ebenfalls hinunter zu meinem Bauch. „Ich liebe dieses Baby.“
„Dann fang wieder an zu leben.“, bat Mason. „Nimm wieder Nahrung zu dir und lass dich untersuchen. Du willst doch das Beste für dich und das Baby nicht wahr?“ Er schaute mir mit seinen lilanen Augen fest in meine. „Und auch für Leonora? An die solltest du auch langsam mal denken, Cecilia.“
„Leonora.“, echote ich benommen. Meine Älteste. „Ich liebe auch Leonora.“

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Di Feb 14, 2012 7:06 pm

Leonora…

„Mum?“, stieß ich erschrocken aus, als ich meine Mutter am nächsten Morgen in aller Frühe am Tisch sitzen sah. Es war schon lange her, dass ich sie so gesehen hatte. „Was machst du hier?“
„Ich weiß, dass du gleich zur Schule musst.“, begann sie und deutete dann etwas unsicher auf den Stuhl neben ihr. „Aber könntest du dich vielleicht zwei Minuten zur mir setzen, Liebling?“
Liebling? Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass sie mich jemals Liebling genannt hatte. In der ganzen Zeit, in der ich ihre Tochter war, hatte sie nie einen so liebevollen Ton angeschlagen. Trotzdem setzte ich mich, vielleicht auch gerade deswegen. Ich wollte endlich hören, was sie sagen wollte.
„Es tut mir schrecklich leid, dass ich dich die letzten Tage so hängen lassen habe.“, begann sie fürsorglich. Ihre Hände hatte sie fast beschützend auf ihren Bauch gelegt, als redete sie zu uns beiden. „Ich weiß, dass ich meine Rolle als Mutter nicht wirklich erfüllt habe, und ich verspreche dir, dass ich das ändern werde. Aber du musst mir Zeit geben.“ Mit ihren auffallenden Augen, die sie, genau wie ich von meiner Granny geerbt hatte, sah sie mich eindringlich an. Ein Flehen glitzerte darin. „Ich muss mich langsam regenerieren.“

„Natürlich.“, erwiderte ich, immer noch etwas neben der Spur. Es überforderte mich gerade, dass meine Mutter wieder normal werden wollte, beziehungsweise, dass sie endlich eine Mutter sein wollte. Würde das heißen, ich würde ebenso wie die anderen Mädchen in meiner Klasse endlich eine richtige Familie haben? Wie April?
„Sehr gut.“, stöhnend erhob sie sich von ihrem Platz um zum Kühlschrank zu gehen. Sie hielt sich mit einer Hand den Rücken, und mit der anderen den Bauch, und ihr Gesicht war schmerzverzehrt. Man konnte praktisch mitleiden. „Wow, du warst meiner Meinung nie so schwer. Und bei dir hatte ich auch keine Rückenschmerzen.“ Ein zartes Schmunzeln trat auf ihre Lippen, etwas was ich nur von Bildern kannte.
Ich zwang mich ebenfalls zu einem entrückten Lächeln, erhob mich vom Platz und beeilte mich vor ihr beim Kühlschrank zu sein. „Ich mach uns eben ein Frühstück, Mum. Setz dich nur hin!“
Eine Hand legte sich liebevoll auf meinen Arm. „Dass hast du jetzt schon viel zu oft gemacht. Ich werde mich heute um das Frühstück kümmern und du gehst du duschen, oder was du sonst so morgens machst.“

Ich behielt für mich, dass ich meinen ganz eigenen Zeitplan hatte, und das Frühstück einfach da hinein gehörte. Stattdessen stand ich etwas unbeholfen herum, während ich zu sah wie sie nach etwas Essbaren im Kühlschrank wühlte. Mit Grauen sah ich, wie meine Ordnung durcheinander gebracht wurde. „Lass mir dir helfen.“; bat ich und griff schon hinein, als sie wie ein scheues Tier zurückzuckte und mich wütend ansah.
„Ich bin nicht unfähig, Leonora.“, keifte sie mich an. „Lass es mich alleine machen, schließlich bin ich kein Baby mehr und du meine Tochter.“ Wieder verzog sich ihr Gesicht vor Schmerz.
Ich war erschrocken und gleichzeitig besorgt. Aber als ich ihr helfen wollte, stieß sie mich so enorm zur Seite, dass sich meine Sorge einfach nur in Wut umwandelte. „Wenn ich dir nicht helfen soll musst du sehen, wo ich bleibe.“, murmelte ich halblaut, warf ihr einen letzten Blick zu und stapfte nach unten.
Als ich zehn Minuten später das Haus verließ, hatte meine Mutter sich auf das Sofa gelegt, die Augen geschlossen, als wenn sie schlafen würde.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Feb 15, 2012 12:41 pm

Cecilia…

Gedankenverloren erhob ich mich vom Sofa. Ich musste wohl für eine Weile eingeschlafen sein, denn ich fühlte mich besser. So war es immer. Sobald ich eine Weile in meiner Traumwelt gewesen war, fühlte ich mich ganz okay. Denn dort war alles wunderschön gewesen.
Ich hatte eine tolle, sehr glückliche Familie. Nur Connor tauchte darin nicht auf, aber daran hatte ich mich gewöhnt. Er schien nicht ein Teil meines wunderbaren Lebens gewesen zu sein, stattdessen war Scot an meiner Seite. Wie er mich mit verliebten Blicken ansah, war jedes Mal wieder unglaublich schön.
Leonora hatte in meiner Traumwelt ein wundervolles Leben. Sie war ein natürlicher Teenager, und liebte ihre kleine Schwester abgöttisch. Sie war das Ebenbild ihres Vaters Scot…
Ich trat an den Kühlschrank und nahm ein paar Zutaten für ein kleines Frühstück raus. Denn seit ich wirklich erkannte hatte, was ich dem Baby antat, wenn ich nichts aß, kümmerte ich mich darum viel gesunde Sachen zu essen. Ich wollte schließlich nicht, dass meinem kleinen Baby etwas passierte.
Nur zum Arzt war ich immer noch nicht gegangen. Ich wollte das Haus nicht verlassen, denn dann müsste ich so viel sehen, was ich nicht sehen wollte. Denn ich wusste, dass es mich schmerzen würde.
So viele Orte, an denen ich mit Mick gewesen war. Und auch so viele Erinnerungen an Connor verbanden mich mit dieser Stadt. Da war mir ein Haus doch viel lieber. Denn wenn es mir zu viel wurde, konnte ich einfach in meine Traumwelt verschwinden. Draußen hatte ich diese Möglichkeit nicht mehr.
Ich keuchte erschrocken auf, als ich einen starken tritt in meinem Bauch verspürte, und im nächsten Moment fühlte ich etwas Nasses zwischen meinen Beinen. Entsetzt hielt ich mir den Bauch. „Es ist viel zu früh.“, murmelte ich, mit einem Blick auf den dunklen Fleck meiner Hose. Wenn das Baby jetzt kommen würde, würde es doch eine Frühgeburt sein. Und wenn es nicht überleben würde…?

Ich wollte eilig zur Haustür gehen, mich in mein Auto setzen und losfahren, aber ein weiterer Schmerz zwang mich in die Knie. Fast etwas kraftlos sackte ich auf dem Küchenfußboden und blieb dort liegen.
Es war, als fühlte ich meine Beine und Arme nicht mehr wirklich. Nichts konnte ich bewegen, ich war wie gelähmt. Meinen Herzschlag hörte ich so deutlich, dass ich meinte, dass selbst Mason ihn ein Haus weiter hören musste. Und er wurde schneller, mit jedem Atemzug den ich tat. Ich brauchte Hilfe!
„Hilfe!“, meine Stimme war nur ein Flüstern, und ich wusste, dass mich niemand hören würde. „Bitte? Jemand muss mir helfen! Meinem Baby! Bitte!“ Tränen rannen meine Wange hinunter.
Ein erneuter Schmerz machte sich in meinem Unterleib breit und keine zwei Stunden später hatte ich unter höllischen Schmerzen und kraftlosen Schreien zwei Mädchen zur Welt gebracht.
Lächelnd sah ich meine Zwillingsmädchen an. „Ihr beiden seid zu zweit.“ Ich spürte wie mich selbst die Kraft zum Reden langsam verließ, und eine Dunkelheit mich langsam anzog.
Nur sehr verschwommen nahm ich meine Mädchen wahr, es war so schwierig an ihnen festzuhalten, denn die Dunkelheit schien viel gemütlicher und wärmer zu sein.
Die Gesichter meiner Eltern tauchten aus der Dunkelheit auf, sie hielten mir ihre Hände hin.
„Lass los, Liebes.“, bat mich meine Mutter liebevoll. „Sie sind zu zweit, sie werden es schaffen.“
Mein Vater nickte zustimmend. „Du hast endlich verdient glücklich zu sein, Cecilia. Komm zu uns, hier ist es wirklich schön.“ Er sah meine Mutter verliebt an. „Hier ist man restlos glücklich!“
Ich nickte leicht, warf einen letzten Blick auf die verschwommenen Gesichter der Babys und ließ mich dann endgültig in die Dunkelheit fallen.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Feb 15, 2012 12:57 pm

Leonora…

Überrascht stieg ich aus dem gelben Schulbus, entdeckte meinen Tante und meinen Onkel sofort. „Hallo ihr beiden.“, begrüßte ich sie freundlich. Meine Wut über meine Mutter war so schnell verflogen, wie sie gekommen war. Schließlich musste ich etwas Geduld mit ihr haben und dass würde ich. Ich wollte eine richtige Mutter haben, egal um welchen Preis. „April ist schon zu Hause, glaube ich. Sie ist eine Stunde früher gegangen.“
Als ich meinen Onkel ansah, durchfuhr mich ein Schreck. Seine Augen waren gerötet, als hätte er geweint. Fest hatte er die Arme um seinen Körper geschlungen, und schien nach Fassung zu ringen. Meine Tante stand neben ihm, hatte sanft ihren Kopf auf seiner Schulter gebettet und hatte Tränen in den Augen, als würde sie jeden Moment wieder anfangen zu weinen. Ihr zierlicher Körper bebte leicht.
„Was ist passiert?“, fragte ich tonlos. Etwas stimmte nicht, und es konnte nur etwas mit meiner Mutter zu tun haben, ging es mir durch den Kopf, so schnell, dass mir schlecht wurde. Verwirrt fasste ich mir an die Stirn.

„Willst du nicht lieber erst einmal mit zu uns kommen?“, fragte Onkel Mason, mit belegter Stimmte. Er zog die Nase hoch, löste sich aus der Umklammerung seiner Frau und kam ein paar Schritte auf mich zu. „Wir machen uns eine heiße Tasse Tee, setzen uns hin und dann erklären wir dir alles, okay?“
Immer noch neben der Spur schüttelte ich völlig benommen den Kopf. „Sagt mir was los ist.“, verlange ich.
Tante Bella wandte sich in Stück ab, um sie mit einem zerknüllten Taschentuch die Augen zu tupfen.
„Wo ist meine Mutter?“, fragte ich leise, aber mit einem intensiven Drängen in meiner Stimme.
Onkel Mason warf einen Blick zur Seite, als hatte er dieser Frage aus dem Weg gehen wollen. Doch dann schien er sich zu sammeln, denn er straffte seine Schultern und nickte. Liebevoll ergriff er meine Hand. „Hör zu, Leo. Es gab einige Komplikationen bei deiner Mutter, wegen der Schwangerschaft. Sie…“
„Nein!“, unterbrach ich ihn, denn ich wusste was er sagen würde. Und ich wollte es nicht hören, nein.

Eilig und mit einem festen Blick schloss er mich in seine Arme und das war gut so. Denn in dem Moment hatte ich das Gefühl als würde ich in tausende Scherben zerfallen. Mein Herz zersprang, meine Lunge, ich bekam keine Luft. Und ich sah nichts mehr. Die Welt um mich herum verschwamm zu seiner ekelhaften Masse.
„Es tut mir so schrecklich Leid, mein Kind.“, hörte ich Tante Bella schluchzen, auch sie hatte wohl inzwischen die Arme um mich gelegt, denn ich schien mich nicht aufzulösen. Nicht einfach zu zerfallen.
„Sie kann nicht tot sein.“, flüsterte ich mir selber zu. „Sie hat mich geliebt! Sie würde mich nicht einfach so alleine lassen.“ Wie blind riss ich mich von ihnen los und stürmte an ihnen vorbei zum Haus. Mit fahrigen Fingern schloss ich die Tür auf und trat ein. Ich lief nach oben, in das Schlafzimmer, in der Hoffnung sie hätte sich nur hingelegt, aber das Bett war leer. Die Decke war gemacht und das Kissen aufgeschüttelt.
Kopfschüttelnd und schluchzend legte ich mich auf die Seite, auf der auch sie immer geschlafen hatte.
„Du darfst nicht tot sein.“, murmelte ich ins Kissen. „Das geht nicht, Mum! Ich brauche dich doch hier. Ich schaffe es nicht alleine, bitte!“ Ich hörte wie jemand das Zimmer betrat und sich leicht auf die Kannte setzte. Eine zarte Frauenhand strich mir unaufhörlich über das blonde Haar, bis ich eingeschlafen war.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Mi Feb 15, 2012 7:03 pm

Ich wurde wach, als ein wehleidiges Babygeschrei an mein Ohr drang. Nicht besonders laut, sondern eher so als würde das Baby sich selber dafür schämen, dass es mich stören musste.
Ich öffnete die Augen, um mich zu vergewissern wo ich war. Immer noch lag ich im Bett meiner Mutter.
In diesem Moment fiel mir alles wieder ein. Meine Mutter war tot. Bei Komplikationen der Geburt meines Geschwisterchens gestorben, einfach so. Ich würde sie nie wieder sehen, nie mehr.
Erneut drang das zarte Wimmern eines Babys an mein Ohr und ließ mich zusammen zucken. Mein Geschwisterchen war also auch noch hier. Es musste ganz nah sein, ich konnte es hören.
Langsam und vorsichtig erhob ich mich von dem Bett, testete aus wie mein Körper sich anfühlte, ob der Schmerz, den ich im Inneren spürte auch im Äußeren spüren konnte, aber da war nichts.
Als ich in den Flur schlich, stolperte ich fast über das Baby Bett, das im Flur stand. Es war mein altes, dass konnte ich gerade noch so erkennen. Und als ich einen Blick hineinwarf, erschreckte ich fast.
Statt, wie erwartet ein Baby zu sehen, entdeckte ich zwei kleine Mädchen, die in rosa Decke eingewickelt waren und aufmerksam zu mir hinauf schaute. Meine Mutter hatte also Zwillinge das Leben geschenkt und dafür ihrs geopfert. Tränen sammelten sich erneut in meinen Augen. Trauer und Stolz.

„Ihr seid also meine Schwestern.“ Ich nahm eins der kleinen Mädchen sanft auf den Arm und spürte wie ein Schauer voller Liebe sich über mich ergoss. Mit nachdenklichem Blick schaukelte ich sie hin und her. „Ich denke meine Mutter hatte keine Zeit euch einen Namen zu geben, hm?“
Als wenn das kleine Mädchen mir antworten wollte, verzog sie ihr zartes Gesicht zu einem Weinen, doch bevor auch nur ein Wimmern aus ihrem Mund kommen konnte, strich ich ihr beruhigend über die Wange.
„Dich meine Kleine, nenne ich Rumer!“, flüsterte ich dem Baby zu. „Ist das nicht ein wundervoller Name?“
Lächelnd sah ich zu ihrer Zwillingsschwester, die beruhigend an einer Nuckelflasche saugte. „Und du, meine Hübsche nenne ich Liberty. Wie die Freiheit, die meine Mutter jetzt wohl gefunden hat.“
In meinen Armen beschwerte Rumer sich erneut, also nahm ich die zweite Flasche die im Bett lag und fütterte meine kleine Schwester vorsichtig. „Wir meistern das.“, flüsterte ich ihr zu.
Als ich die Treppe herunter kam, entdeckte ich meinen Onkel und meine Tante, die sich leise in der Küche unterhielten. Meine Tante hatte einen besorgten Ausdruck in den Augen, während sie nervös mit einem Handtuch spielte. Ein Zeichen, dass sie sich unwohl fühlte.

„Leonora wird so schnell wie möglich ihre Sachen packen und zu uns ziehen.“, erklärte Onkel Mason und seufzte tief, bevor er sich mit der Hand durch das graue Haar fuhr. „Die dreien ziehen einfach zu uns und wir werden in ein größeres Haus ziehen. Wir schaffen das schon, Liebling.“
Meine Tante legte das Handtuch zurück auf die Anrichte. „Ich weiß nicht ob es so eine gute Idee ist, sie so schnell aus ihrem Umfeld zu nehmen. Ich meine, sie vermisst ihre Mutter sicher und…und will vielleicht noch eine Weile hier bleiben. Schließlich hat sie sich sofort ins Bett ihrer Mutter gelegt.“
„Und gerade deswegen dürfen wir sie nicht hier ihrer Trauer überlassen, Bella.“, versuchte er ihr energisch zu erklären. „Ich werde nicht den gleichen Fehler machen, wie bei Cecilia. Ich lass Leo nicht im Stich!“
„Das hat damit nichts zu tun.“, schaltete ich mich nun von der Treppe aus ein. Die letzten Stufen kam ich langsam hinunter, immer den Blick auf meine Verwandten gerichtet. „Ich werde hier bleiben, Onkel Mason, ob du willst oder nicht! Mit den Zwillingen, ich schaffe das!“
Tante Bella drückte mich sanft einen Teller mit Marmeladenbrot in die Hand. „Bitte, Liebes. Iss erst einmal was. Danach können wir immer noch darüber reden.“ Auch Mason warf sie einen Blick zu, doch er ignorierte sie.

„Wie stellst du dir das vor?“, fragte er erstaunt. „Willst du dich alleine um die Kinder kümmern?“
Ich nickte bestimmt. „Genau so habe ich mir das vorgestellt. Mum hat mir genug Geld dagelassen, das ich davon leben kann. Tagsüber passt ein Babysitter auf die Zwillinge auf und nachmittags bin ich wieder da.“
„Und die Schule?“, hakte er nach, immer energischer werdend. „Wie willst du dass den meistern, Leonora? Glaub mir, es ist besser wenn ihr alle zu uns zieht. Das ist die einzig richtige Entscheidung.“
Ich schüttelte hartnäckig den Kopf. „Ich werde hier bleiben, Onkel Mason, ob du es willst oder nicht!“
Bevor ein heftiger Streit ausbrechen konnte, ging meine Tante dazwischen, mit einem nachsichtigen Lächeln. „Wir machen einen Kompromiss.“, schlug sie in einem sanften Tonfall vor. „Leonora bleibt erst einmal hier und ich kümmere mich tagsüber um die Zwillinge. Dann habe dich auch etwas im Blick, Kind.“ Sie strich mir beruhigend über den Arm. „Lass es gut sein. Leonora soll jetzt erst einmal etwas essen.“
Ich nickte ihr dankbar zu und ignorierte den zweifelnden Blick meines Onkels.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Fr Feb 17, 2012 3:22 pm

Als es am nächsten Morgen an der Tür klingelte, erwartete ich schon Onkel Mason, der mit Kartons bepackt vor meiner Tür stehen würde und mich zwingen würde zu ihm und Tante Bella zuziehen.
Aber es war meine andere Tante, Lotte. Nach Bella war sie mir die liebste. Etwas durchgedreht, aber lieb.
„Hallo Leo.“, begrüßte sie mich mit einem mitleidigen Lächeln. Sie trug noch ihre Klamotten aus dem Krankenhaus und neben ihr auf dem Boden stand eine Tasche. „Tut mir leid, dass ich so früh hier auftauche, aber ich wollte nur eben nach dir und den Babys sehen.“ Sie machte eine kleine Pause, bevor sie zärtlich und fast liebevoll nachhakte: „Und wie fühlst du dich heute?“
Ich horchte leise in mich hinein, aber der Schmerz den ich gestern noch gefühlt hatte, war dick verpackt unter einem Bausch Watte. Und diese Watte bestand aus der Liebe die ich in dieser einen Nacht zu meinen beiden neuen Schwestern aufgebaut hatte. Reine Geschwisterliebe, unermüdlich! „Ganz in Ordnung.“, antwortete ich also mit einem halbherzigen Lächeln. Dann deutete ich auf das Haus. „Libby und Rumer schlafen gerade.“
„Libby und Rumer?“, fragte sie erfreut. „Das sind schöne Namen, die du da ausgesucht hast.“

Ich nickte dankend. „Eigentlich heißen sie Liberty und Rumer. Weißt du, ich hab mir überlegt dass Freiheit ein passendes Wort für meine kleine Schwester ist. Denn irgendwie haben die beiden meine Mutter ja erlöst.“
Mit Lotte wollte ich als einzige darüber reden, denn ich hatte das Gefühl sie war mir näher als alle anderen meiner Verwandten. Vielleicht durch unser Alter und vielleicht auch nur dadurch, dass sie noch ein halbes Kind war, aber es war einfach so. Ich hatte das Gefühl sie würde mich verstehen.
Denn auch jetzt nickte sie verständnisvoll. „Das ist eine wunderschöne Idee, Leo.“ Ein Seufzen drang aus ihrer Kehle und strich sich überanstrengt ihr blondes Haar hinter die Stirn. „Ich habe gestern mit Mason telefoniert und er hat mir erzählt, dass du nicht zu ihm ziehen willst?“ Auf ihren fragenden Blick nickte ich. „Wieso denn nicht? Ich meine, es wäre doch optimal! Du hättest jemanden der sich um deine Schwestern kümmerst.“
„Ich möchte aber hier bleiben.“, erwiderte ich, ebenso konsequent, wie am gestrigen Tag. Innerlich bereitete ich mich darauf vor eine Menge Argumente aufzudecken, doch Lotte nickte nur.
„Wenn du das für richtiger hältst, dann stehe ich voll und ganz hinter dir.“, erklärte sie mir diplomatisch.

Lächelnd strich sie mir über den Arm. „Aber wenn du in irgendeiner Hilfe brauchst, dann melde dich doch bitte sofort bei mir. Über meinen Piepser bin ich ständig und überall erreichbar.“ Ihr Blick wurde für einen Moment entschuldigend. „Ich habe Noah gefragt, ob ihr nicht bei uns wohnen könnt, aber er ist der Meinung dass uns erstens der Platz fehlt und zweitens die Zeit für zwei Babys. Künstler eben.“ Sie rollte mit den Augen.
Abwehrend schüttelte ich den Kopf. „Das passt schon alles, Lotte.“ Ich warf einen Blick zur aufgehenden Sonne und war mit einem Mal sehr sicher, dass ich das alles meistern würde. „Ich schaffe das hier zu Hause schon. Die Zwillinge sind bis jetzt sehr pflegeleicht und ich hoffe das bleiben sie auch noch.“ Ich grinste leicht.
Lotte nickte und lächelte, ein Lächeln das ausdrückte, dass sie mir vertraute und an mich glaubte. Nicht wie Onkel Mason. „Wie gesagt, wenn du jemanden brauchst, zum Aufpassen, oder einfach nur zum Reden, dann bin ich zu jeder Tag und Nachtzeit da, verstanden?“ Ich nickte leicht. „Kann ich jetzt eben zu den Zwillingen? Ich möchte sie unbedingt sehen, außerdem wollte ich gleich eine kleine Nachsorgeuntersuchung zu machen?“
„Dafür bist du vorbeigekommen?“, fragte ich erstaunt. „Ich wäre morgen doch ins Krankenhaus gekommen.“
„Das geht schon.“, lächelnd nahm sie ihre Tasche hoch und trat ein paar Schritte auf das Haus zu. „Ich bin schließlich Krankenschwester, und damit zuständig für so etwas.“, verschwörerisch blinzelte sie mir zu. „Außerdem nehme ich dir dadurch einen Weg ab, der dich Zeit kostet. Die kannst du zum Schlafen nutzen.“
Dankbar folgte ich ihr zur Haustür. Lotte war die Beste!

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Fr Feb 17, 2012 4:52 pm

Doch damit, dass ich alles alleine schaffen würde, sollte ich kein Recht behalten. Liberty und Rumer wurden zu wahren Schreikindern, und schliefen so gut wie gar nicht. Ich konnte kaum schlafen und der Babysitter, den ich für die Stunden, die ich in der Schule war, bestellt hatte, kündigte mir kaum, dass sie zweimal da war. Mit der Begründung dass die beiden sich nicht beruhigen ließen. Doch sobald ich sie in den Armen hielt und sanft hin und her wiegte, wurden sie ruhig und schauten mich mit ihren hübschen Augen vertraut an.
Das bedeutete, dass ich seit ein paar Tagen auch die Schule nicht mehr besuchte. Ich schaffte es einfach nicht in den Unterricht zu gehen, denn Rumer und Liberty brauchten mich zu Hause, das hatte ich schnell mitbekommen.
„Kann ich dir irgendwie helfen?“ Lotte stand an der Tür, sie war gerade zu Besuch gekommen und sah mich an.
Ich schüttelte den Kopf, während ich versuchte die kleine Rumer in meinen Armen zu beruhigend. „Geht schon. Wenn du etwas Essen willst, im Kühlschrank steht noch Ratatouille von Bella, sonst kannst du dich schon einmal setzen, ich komm sofort wenn ich die Kleine eingeschläfert habe.“

Obwohl Lotte mich mit einem nachdenklichen Blick bedachte, sagte sie nichts, und dafür war ich dankbar.
Ich musste schrecklich aussehen, dachte ich bei mir. Augenringe mussten mein Gesicht schmücken und auch die Kleidung war nicht gebügelt worden. Eigentlich war ich völlig zerknittert.
Vorsichtig legte ich Rumer ins Bett, als sie schließlich eingeschlafen war und kehrte dann eilig zurück zu Lotte, doch bevor ich beim Sofa ankam, überraschte mich einer dieser Schwindelanfälle. Stöhnend fasste ich mir an die Stirn und schloss die Augen für einen Moment, damit die Welt aufhörte sich zu drehen.
Sofort erhob Lotte sich von ihrem Platz und eilte zu mir. Ich spürte ihren Arm an meinen Rücken, wie sie mich stützte, um mich davor zu bewahren zu Boden zu fallen.
„Wie lange hast du nicht mehr geschlafen?“, fragte sie mich besorgt und bugsierte mich sanft zum Sofa. „Und hast du genug getrunken?“ Ich spürte wie sie mit ihrer kalten Hand meinen Blutdruck maß. „Ich glaube dein Blutdruck ist zu niedrig, am besten wir gehen schnell ins Krankenhaus und…“
„Wir können nicht ins Krankenhaus!“, unterbrach ich sie eilig. „Außerdem geht es mir schon wieder besser. Ich habe wohl nur einfach zu wenig geschlafen in der letzten Zeit.“ Ich setzte ein müdes Lächeln auf. „Zwei kleine Babys sind anstrengender als ich gedacht hatte.“

Lottes Lächeln war nachsichtig, als sie mich ansah. Sanft legte sie mir eine Hand auf den Arm, es war seltsam beruhigend. „Du bist eigentlich noch viel zu jung für diese Verantwortung. Vielleicht solltest du…“
„Nein sollte ich nicht!“, unterbrach sie ein zweites Mal. Ich sah sie nach Verständnis heischend an. „Ich möchte das alleine schaffen, verstehst du Lotte? ICH bin verantwortlich für diese beiden Mädchen, und das möchte ich an niemanden abgeben. Außerdem…“ Ich seufzte leise. „Ich würde mich bei Onkel Mason immer wie ein Gast fühlen, niemals, als wäre das mein zu Hause. Ich will niemanden zur Last fallen.“
Lotte sah mich entsetzt an. „Als wenn du Mason jemals zur Last fallen würdest, Leonora.“ Selten sprach sie meinen ganzen Namen aus, kaum jemand aus meiner Familie tat dies. „Er liebt dich ebenso wie April, und er hat deine Mutter geliebt. Die beiden waren nicht nur Geschwister sondern gleichzeitig auch beste Freunde. Du würdest ihm eine Sorge weniger bereiten, wenn du bei ihnen wohnen würdest.“
„Ich weiß.“, erwiderte ich leise. „Aber ich finde es ist keine sonderlich gute Idee. Ich habe mich dagegen entschieden und damit Ende!“, Gähnend schloss ich die Augen. „Am besten ich schlafe jetzt ein paar Runden, damit ich fit bin wenn die Mädchen wieder aufwachen. Ist das in Ordnung?“
Lottes Antwort bekam ich gar nicht mehr mit, so schnell war ich weggetreten.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 18, 2012 12:13 am

Ein paar Tage später beschloss ich auf dem Rückweg von der Schule ganz spontan noch im Schwimmbad vorbeizuschauen. Die Zwillinge waren für den heutigen Nachmittag sicher bei Lotte untergebracht, die mit ihnen zu einem Babytreff im Krankenhaus gegangen war, damit ich endlich mal Schulaufgaben machen konnte, die sich auf meinem Schreibtisch schon türmten. Doch bei dem warmen Wetter hatte ich deutlich mehr Lust meine Füße in das kalte Nass zu halten, bevor ich in meinem stickigen Zimmer sitzen würde.
Doch noch bevor ich mich an den Rand setzen konnte, kam das Schwindelgefühl von vor einigen Tagen zurück. Ich fühlte mich plötzlich elend und kraftlos. Vor meinen Augen wurde es dunkler und ich fürchtete schon nähere Bekanntschaft mit dem Boden des Schwimmbades zu machen, aber auch diesmal kam mir jemand zur Hilfe.
„Ist ihnen nicht gut?“, fragte eine Frauenstimme und stützte mich sanft.
Ich öffnete die Augen wieder, wartete einen Moment bis die Bilder sich wieder ordneten und sah meine Hilfe an. „Danke, mir geht es gut.“, erwiderte ich der blonden Frau gegenüber höflich.
Doch sie ließ mich nicht aus den Augen. Sie trug einen Arztkittel, und sah wirklich professionell aus. „Ich bin Ärztin.“, erklärte sie mir sanft, als sie meinen neugierigen Blick bemerkte. „Ich kann ihnen helfen.“
„Das ist nett, aber mir geht es gut.“; erwiderte ich eilig. Ich wollte wenig Aufmerksamkeit auf mich ziehen, nicht dass eines Tages noch das Jugendamt vor meiner Tür steht. „Wirklich, vielen Dank trotzdem.“

Sie reichte mir ihre Hand, anscheint wollte sie mich nicht gehen lassen. „Mein Name ist Melanie Donner.“, stellte sie sich freundlich vor. „Ich möchte nicht aufdringlich sein, aber sie sehen wirklich nicht gut aus. Lassen sie uns schnell ins Krankenhaus fahren, ich untersuche sie schnell und dann können sie wieder gehen.“
Erstaunt sah ich sie an. Donner war der Mädchenname meines Onkels gewesen. Also musste das meine Tante Melanie sein, von der mein Onkel schon ein paar Mal erzählt hatte. Aber gesehen hatte ich sie noch nie.
„Sind sie einverstanden?“, hakte sie besorgt nach, nachdem ich ihr eine Weile nicht geantwortet hatte.
„Es geht schon.“ Ich schüttelte ihre Hand trotzdem höflich. „Mein Name ist übrigens Leonora Frio.“
Ihr Gesicht erhellte sich zuerst, und wurde anschließend mitleidig. „Du bist meine Nichte, nicht wahr?“ Ich nickte sanft. „Es tut mir schrecklich leid, was mit deiner Mutter passiert ist, Leonora.“
„Leo.“, verbesserte ich sie mit einem Lächeln. „Aber vielen Dank für ihr Mitleid.“ Ich hatte es schon so oft gehört, dass ich es langsam nur als eine Floskel ansah. Ja, mir tat es auch schrecklich leid.
Melanie warf einen fast ärztlichen Blick auf mein Gesicht. „Ich habe gehört, dass du dich alleine um deine beiden Schwestern kümmerst, stimmt das?“, fragte sie vorsichtig.

Ich nickte. „Ja, nach dem Tod meiner Mutter muss sich ja jemand um die beiden kümmern. Sie haben ein geordnetes Leben verdient.“ Ich hatte es schon so oft erklärt, dass es mir ebenfalls wie eine Floskel vorkam.
„Ja sicher.“ Melanies Gesichtsausdruck wurde sanftmütig. „Aber denkst du nicht, dass die beiden auch bei deinem Onkel ein geordnetes Leben führen könnten?“ Anscheint hatte Onkel Mason sie schon geimpft, denn sie redete wie alle anderen Erwachsenen. „Und du könntest dich mal so richtig erholen. Deine Schule fertig machen, das Übliche eben. Wieder ein richtiger Teenager sein.“
„Meine Schule schaff ich auch so.“, log ich gekonnt. „Und dieses ganze Feiern und Party machen kann ich mir auch sparen. Ich liebe meine Geschwister und würde alles für sie tun!“
„Und das ehrt dich auch, Leo, trotzdem denke ich bist du der ganzen Sache nicht gewachsen.“
Wut stieg in mir auf. Was dachte diese Frau, wer sie war. Wir kannten uns nicht einmal richtig, sie war nur eine entfernte Tante, und machte sich allen Ernstes Hoffnungen ich würde auf sie hören?
„Überleg dir das mit Mason doch nochmal.“, schlug sie in einem seichten Ton vor. „Er würde sich sehr freuen, wenn du zu ihm ziehen würdest. Und Bella liebt doch die Zwillinge abgöttisch.“
Damit hatte sie natürlich Recht, trotzdem würde ich meine Verantwortung nicht einfach aufgeben. „Ich muss jetzt nach Hause.“; murmelte ich verstimmt. Ich hatte keine besonders große Lust weiter mit Melanie darüber zu diskutieren und entschied mich die Flucht zu ergreifen. „Die Zwillinge müssen abgeholt werden und ein paar Hausarbeiten warten noch auf mich. Wenn du Onkel Mason das nächste Mal siehst, grüß ihn bitte.“ Und ohne eine Antwort abzuwarten drehte ich mich um und verließ das Schwimmbad.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 18, 2012 12:43 am

Ich war erstaunt, als es ein paar Tage später an meiner Tür klingelte und Melanie davor stand.
„Tut mir leid, wenn ich dich störe.“, sie warf einen Blick an mir vorbei. „Was machst du gerade?“
Augenrollend trat ich einen Schritt zur Seite und ließ sie eintreten, es hatte ja doch keinen Sinn, dass ich sie versuchte wegzuscheuchen. Es hörte ja doch keiner auf den Teenager.
Melanie sah sich kurz um, und in diesem Moment war ich schrecklich froh noch aufgeräumt zu haben, obwohl ich mich lieber hingelegt hätte. Denn ihrem kritischen Blick würde nichts entgehen.
„Die Zwillinge schlafen oben.“, antwortete ich auf ihren fragenden Blick in Richtung des leeren Babybettes, das an der Wand stand. „Wenn ich hier unten arbeite, lege ich die beiden oben zusammen hin.“
Melanie nickte lächelnd. „Das ist eine gute Idee.“ Nachdenklich warf sie mir einen auf meine verteilten Hausaufgaben, die auf dem Wohnzimmertisch lagen. „Machst du gerade Hausaufgaben?“
Ich nickte und folgte ihrem Blick kurz. Dann sah ich sie wieder an. „Was möchtest du Melanie?“

„Ich möchte dir einen Vorschlag machen.“ Leben trat in ihre Augen, als hätte sie die ganze Zeit darauf gewartet, dass ich danach fragte. „Ich weiß ja, dass du nicht bei Mason einziehen willst, und dass akzeptiere ich. Aber wir beide, als Mason und ich, sind der Meinung das es so auch nicht weitergehen kann.“ Plötzlich erinnerte sie mich an eine fürsorgliche Mutter, die mit Strenge versuchte ihr Kind zu erziehen. Hatte sie Kinder? „Deine schulischen Leistungen sacken ab, außerdem siehst du völlig krank aus. In diesem Zustand kann und möchte ich dich nicht mehr alleine lassen, Melanie. Also hör mir zu, bevor du los diskutierst.“ Abwehrend hob sie die Hände, bevor sie einmal tief Luft holte. „Du und die Zwillinge zieht bei mir und meinem Lebensgefährten ein. Wir wollten sowieso in ein größeres Haus ziehen, damit unser Sohn Teddy auch eigenes Zimmer bekommt. Dann nehmen wir einfach ein noch viel größeres Haus und du, ich meine ihr zieht mit ein.“
„Ich schaffe das alleine.“, wiederholte ich den Satz, den ich in den letzten Tagen schon so oft gesagt hatte. Und langsam war ich es einfach leid, den Leuten zu erklären, dass ich es schaffte, ohne ihre Hilfe.
„Das glaube ich nicht.“ Melanie hatte ein besorgtes Lächeln aufgesetzt und strich mir über das blonde Haar, das ihrem so ähnlich war. „Du siehst schrecklich aus, Leonora. Müde und erschöpft. Du brauchst eine Pause.“

Energisch schüttelte ich den Kopf. „Ich brauche keine Pause, wie du siehst. Jetzt wo die Kleinen schlafen kann ich meine Hausaufgaben machen. Es ist sehr ordentlich hier und den Kinder geht es auch gut.“ Mit verschränkten Armen deutete ich zur Tür. „Am besten du gehst jetzt, damit ich weiter machen kann.“
„Du bist nicht alleine, Leo.“; sagte sie zärtlich. So leise und vorsichtig, dass es durch die Watte aus Liebe drang, hinein in den Schmerz den ich wegen dem Tod meiner Mutter noch in mir trug.
Und dann platze es aus mir heraus. „Doch genau das bin ich! Sie hat mich alleine gelassen, sie hat mich einfach alleine gelassen!“, schluchzte ich urplötzlich los und schmiss mich in die Arme von Melanie. Die Tränen flossen, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, und auf einmal wollte ich das auch gar nicht. „Meine Mutter ist einfach von dieser Welt gegangen ohne darüber nachzudenken, was mit mir und den Zwillingen passiert. Sie ist tot.“
„Ich wie, Liebes.“, murmelte Melanie und strich mir beruhigend über den Rücken. Es fühlte sich herrlich an, zum aller ersten Mal fühlte ich mich wirklich geborgen in einem Arm. „Wir packen eure Sachen und ihr zieht noch heute zu uns.“, erklärte sie mir im bestimmten, aber trotzdem liebevollen Ton.
Und ich leistete keinen Widerstand, als sie schließlich damit begann meine Sachen in Kartons zu packen. Vielleicht war es das Beste für uns alle, wenn ich zu ihr ziehen würde.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 18, 2012 10:11 am

Haushalt Donner / Frio
(Melanie, Augustin, Teddy, Liberty, Rumer)


Melanie…

Ich warf einen nachdenklichen Blick auf meine Nichte, die mit Rumer auf dem Boden spielte. Liebevoll und geübt ging sie mit dem zweijährigen Mädchen um, als sei es das Natürlichste der Welt.
Vorsichtig klopfte ich, bevor ich das Zimmer betrat und ihr eine der beiden Flaschen in die Hand drückte. „Hier bitte, Rumers Abendessen.“ Aufmunternd lächelte ich ihr zu.
Leichtfertig nahm Leonora die Flasche entgegen und gab sie dann wiederrum an das kleine Mädchen vor ihr weiter. „Hier, Kleine. Endlich Esse, hm?“ Ein erfreutes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
So wie Leonora ihr Leben bisher gemeistert hatte, konnte man mehr als stolz auf sie sein. Sie ging zur Schule, schmiss einen ganzen Haushalt und kümmerte sich nebenbei auch noch um Zwillingsmädchen im schwersten Alter. Etwas, was nicht jedes Mädchen in ihrem Alter jemals gemeistert hätte.
„Gefällt dir das Zimmer?“, fragte ich freundlich, nachdem ich eine Weile schweigend im Türrahmen gestanden hatte. Um nicht weiterhin untätig dazustehen ging ich auf Liberty zu und nahm sie sanft auf den Arm.
Leonora nickte. „Es ist wirklich schön und sehr groß.“ Sie warf mir ein scheues Lächeln zu. „Danke Melanie, dass wir hier bei euch wohnen dürfen. Auch nur so lange, bis ich die Schule fertig habe.“

„Ach nein, mach dir deswegen keine Sorgen.“, beschwichtigte ich sie eilig, denn nichts lag mir ferner, als ihr irgendwie Druck zu machen. Wenn ich ehrlich war, hatte ich die drei sehr gerne um mich, auch wenn mir dadurch zu nichts anderes Zeit blieb. „Wir haben beschlossen dass wir hier zusammen wohnen und das werden wir jetzt auch. Dieses Haus ist doch eindeutig groß genug mit den drei Etagen, oder nicht?“
„Ja.“ Unsicher sah sie sich um, bevor sie zaghaft nickte. „Ich möchte nur niemanden zur Last fallen.“
Ich strich der kleinen Liberty lächelnd über das blonde Haar, dass sie eindeutig von ihrer Mutter geerbt hatte.
„Es tut mir leid, dass du so wenig Zeit für deinen Mann hast.“; platzte es plötzlich aus dem jungen Mädchen heraus. Mit ihren türkisenen Augen sah sie mich entschuldigend an. „Du musst dich den ganzen Vormittag um die Zwillinge kümmern und kommst weder zum Schreiben, noch dazu mit deinem Mann Zeit zu verbringen.“
„Da hast du sicher Recht.“; erwiderte ich nachsichtig. „Aber das macht mir rein gar nichts aus, weißt du?“ Ich dachte an die vielen einsamen Abende, die ich verbracht hatte, als Teddy noch klein war. Augustin war ein aufstrebender Musiker, hatte viele Gigs und ich und Teddy blieben zu Hause. „Das Schreiben kann ich soweit verlegen, dass es irgendwann in meinen Zeitplan passt. Meine Arztkarriere, die ich nie besonders ernst genommen habe, hab ich gerne aufs Eis gelegt und Augustin ist eh nicht besonders oft da. Momentan ist meine oberste Priorität meine Familie. Damit meine ich meinen Sohn Teddy, dich und die Zwillinge.“

Leonora errötete leicht, wahrscheinlich hatte sie so etwas nicht besonders oft zu hören bekommen.
Ich wusste von Mason, dass Cecilia eine herzensgute Frau war, aber einfach gebrochen vom Leben. Sie hatte nicht mehr die Kraft nach dem Tod unseren Vaters und ihres Ehemannes sich um Leonora zu kümmern, deshalb vermutetet ich, dass das arme Mädchen selten viel Liebe und Nähe erfahren hatte.
„Ich hab einen Nebenjob angenommen.“, berichtete sie mir nach ein paar Minuten schließlich. „So kann ich etwas zu unserem Lebensunterhalt beisteuern und fühle mich nicht wie ein Schmarotzer.“
Entgeistert sah ich sie an. „Wieso denn Schmarotzer, Leo? Du gehörst zu meiner Familie und ich bin wirklich glücklich darüber dich aufzunehmen, verstehst du das? Ihr seid keine Last in diesem Haus!“ Ich seufzte einmal leise. Anscheint lag noch ein langer Weg vor mir um das endgültige Vertrauen meiner Nichte zu gewinnen. „Ich werde jetzt das Abendessen zubereiten, ich denke Teddy hat auch schon Hunger. Ich rufe dich dann, okay?“
Sie nickte, antwortete jedoch nicht, sondern beschäftigte sich wieder voll und ganz mit den Zwillingen-

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 18, 2012 10:39 am

Teddy…

„Meine Cousinen wohnen jetzt bei uns.“, erklärte ich als ich Roxanne, als sie einen Blick auf die vielen paar Schuhe warf, die an der Treppe standen und auf ihren Besitzer warteten.
Roxanne sah nun mich fragend an. „Und wieso wohnen deine Cousinen bei dir? Und wie viele?“
„Drei.“; erwiderte ich nebensächlich. „Ihre Mutter ist vorkurzem gestorben, hat meine Mama erzählt und jetzt müssen sie irgendwo wohnen und weil wir ein großes Haus haben, wohnen sie bei uns.“
Roxanne lächelte mich freundlich an. „Dann seid ihr ja wirklich herzensgute Menschen. Meine Mama sagt immer, dass Nächstenliebe das Wichtigste auf der ganzen Welt ist.“ Stolz präsentierte sie mir ein Armband, das genau diesen Spruch beinhaltete. „Das soll mich daran erinnern.“
Ich warf einen kurzen Blick darauf und lächelte. Roxanne war meine beste Freundin, seid der Grundschule, also seit der ersten Klasse. Und ich war sehr froh, dass wir so gut befreundet waren, denn sie schien mir immer wieder zu zeigen, was Richtig und was Falsch ist. Denn eigentlich war ich überhaupt nicht damit einverstanden, dass Leo und die Zwillinge bei uns einziehen würden! Mein Papa war eh so selten zu Hause, und Mama schrieb neben ihrem Beruf als Ärztin auch noch Kinderbücher. Wenn jetzt noch zwei Kleinkinder dazu kamen, dann würden sie sicher keine Zeit mehr für mich haben und das nervte mich sehr.

„Du bist eifersüchtig.“, stellte Roxanne mit einem kurzen, aber wissenden Blick auf fest.
„Bin ich überhaupt nicht!“ Mitverschränkten Armen folgte ich ihr in unser geräumiges Esszimmer. „Ich finde das nur blöd, dass ich nicht einmal gefragt wurde. Ich hab ja nichts gegen die drei.“, gab ich nachsichtig zu.
Roxanne kicherte leise. „Deine Haltung sagt aber etwas ganz anderes, Teddy.“ Ihr Gesichtsausdruck wurde verständnisvoll. „Man muss doch auch nicht alles mögen! Aber du musst dich dran gewöhnen.“
„Du hast leicht Reden.“ Wütend kickte ich einen der Schuhe weg. „Du bist ein Einzelkind und hast deine Mama ganz für dich alleine. Ich muss sie jetzt mit vier Personen teilen!“
„Dafür habe ich keinen Vater.“, erwiderte sie klar und deutlich, ohne einen Anflug von Traurigkeit. „Mein Papa ist schon vor langer, langer Zeit verschwunden. Mama sagt immer, er fährt übers Meer mit seinen Schiffen, aber das glaube ich nicht!“ Nachdenklich warf sie einen Blick aus dem Fenster. „Ich glaub er wollte einfach kein Vater sein. Er hatte mich und meine Mama einfach grundsätzlich satt!“

Mitleidig legte ich einen Arm um sie, wie ich es öfter machte, wenn sie traurig war. Dafür war ich doch da, als bester Freund, oder? „Wenn er dich satt hatte, dann ist er doof, Roxy. Ich finde du bist ein cooles Mädchen!“
„Danke!“, dankbar grinste sie mich an. „Deswegen sind wir beide doch auch beste Freunde, oder nicht?“
„Genau deswegen!“, erwiderte ich grinsend und umarmte sie einmal fang fest.
„Oh, Hallo Roxy.“, begrüßte meine Mutter meine beste Freundin, mit einem erfreuten Lächeln. „Ich wusste gar nicht, dass du heute vorbeikommen wolltest. Ist deine Mama arbeiten?“
Roxanne nickte. „Sie sagt sie muss heute eine Extra Schicht im Restaurant belegen, und fragt ob ich hier schlafen kann?“ Mit ihren großen Augen sah sie meine Mutter bittend an. „Und sie grüßt schön.“
Meine Mutter lachte. „Natürlich, Liebes. Teddy teilt heute Nacht sicher gerne sein Bett mit dir.“ Liebevoll wuschelte sie mir durch das blonde Haar. „Aber wenn ihr schon mal da seid, könnt ihr mir auch super gerne beim Tischdecken helfen. Es gibt heute Spagetti.“ Lächelnd stellte sie zwei Teller auf den Tisch.
Das ließen Roxanne und ich uns nicht zweimal sagen! Wir liebten Spagetti, und die von meiner Mutter waren mit Abstand die besten. Also rauschten wir ran und deckten den Tisch für fünf Personen.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 18, 2012 11:03 am

Melanie…

„Wo warst du schon wieder den ganzen Tag?“, fragte ich leicht verstimmt, während ich aus meinen Alltagsklamotten schlüpfte, um mir mein Nachtzeug anzuziehen.
Augustin war vor gut einer halben Stunde nach Hause gekommen, und es war schon weit nach elf Uhr. Alle Kinder schliefen schon selig in ihrem Betten, und ich hatte eigentlich auch nur noch auf ihn gewartet.
Augustin seufzte. Einer seiner Schuhe flog durch den halben Raum und landete dann polternd neben der Kommode. „Irgendjemand muss ja dafür sorgen, dass wir die Miete dieses Hauses bezahlen können.“
„Tu nicht so, als würde ich nichts dazu beitragen.“; erwiderte ich kühl, von der Kommode, wo ich mich daran machte mein Make Up zu entfernen. „Ich beziehe ein kleines Gehalt für meinen Urlaub und meine Bücher bringen auch jeden Sonntag etwas Geld ein. Trotzdem bin ich oft zu Hause!“

Augustin zog eine Augenbraue hoch, dass konnte ich im Spiegel sehen. „Und du meinst das reicht? Du meinst wirklich wir könnten davon leben, wenn ich jetzt meinen Job aufgeben würde?“ Er lachte verächtlich, was mir einen Stich im Herzen versetzte. „Melanie, wach endlich auf.“
Wut stieg in mir auf. „Dass nennst du Job? Du trittst überall auf, um etwas Geld zu verdienen, Augustin! Du müsstest mit Sicherheit nicht so viel arbeiten, wenn du etwas Vernünftiges tun würdest!“
„Das ist mein Traum, Melanie!“ Seine Stimme war lauter geworden, denn auch in ihm schien die Wut zu arbeiten. „Du wusstest, dass es immer mein Traum sein würde Musik zu machen.“
„Aber du hast mir nie gesagt, dass dein Job immer vor deiner Familie stehen wird.“, erwiderte ich lautstark und erhob mich von meinem Platz. Wütend fuchtelte ich mit den Händen in der Luft herum. „Teddy und ich sollten das Wichtigste in deinem Leben sein, aber das sind wir nicht. Dass waren wir nie!“

Augustin legte ich Kopfschüttelnd ins Bett, als müsste er überlegen, was er darauf sagen könnte. „Ich liebe dich und ich liebe auch Teddy.“, erwiderte er schließlich. „Aber wer hat denn entschieden plötzlich ein volles Haus zu machen? Einfach mal drei weitere Leute bei uns einziehen zu lassen?“
„Das ist es also.“, erwiderte ich tonlos, legte mich neben ihn und versuchte meinen Atem zu regulieren. „Du bist sauer, weil ich meine Nichten aufgenommen habe?“ Er erwiderte nichts, als fuhr ich fort. „Vielleicht kennst du das Wort Familie nicht, aber es bedeutet jemanden zu helfen, egal was passiert! Und Leonora hat ihre Mutter verloren, sie steht völlig alleine da mit zwei Babys! Ich bin stolz sie aufgenommen zu haben.“
„Ich werde nicht weiter mit dir diskutieren, wenn du so rumschreist! Morgen habe ich einen anstrengenden Tag und würde jetzt gerne schlafen, als gute Nacht!“ Er drehte sich um und zog die Bettdecke bis zu den Ohren.
Vor Wut quietschend schmiss auch ich mich auf mein Kissen und versuchte mich zu beherrschen, manchmal konnten Männer einen auch sooo wahnsinnig machen!


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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 18, 2012 1:55 pm

Leonora…

Es war das erste Mal seit langem, dass ich mich für eine gute Stunde gemütlich auf das Sofa setzen konnte und mir eine Serie nach der anderen reinziehen konnte. Liberty und Rumer schliefen ihren wohlverdienten Mittagsschlaf und vorher hatte Melanie sich um die beiden gekümmert, damit ich ganz in Ruhe Hausaufgaben machen konnte. So viel Zeit hatte ich schon lange nicht mehr gehabt.
Plötzlich ertönten Schritte auf der Treppe und Melanie kam herunter. Sie hatte sich für eine Stunde in ihr Büro verzogen, um an ihrem neuesten Kinderbuch zu schreiben. Sie sah besorgt, sogar fast traurig aus, aber als sie mich erblickte, setzte sie eilig ein Lächeln auf. „Oh, Leo. Was machst du denn hier? Wolltest du nicht weg?“
Ich nickte, das Lächeln erwidernd. „Die Müdigkeit und Faulheit hat mich erwischt denke ich.“
„Das kenne ich.“, erwiderte sie schmunzelnd und ließ mich nach einem fragenden Blick, den ich mit einem Nicken beantwortete, neben mir nieder. Ein lautes Seufzen entrann ihrer Kehle. „Ich bin froh endlich ein Mädchen in meinem Haushalt zu haben.“; gestand sie mir Grinsend. „Teddy ist ein toller Junge, aber eben ein Junge. Also könnte man fast meinen ich bin etwas eigennützig, was die Zwillinge angeht!“
Ich war so froh, dass Melanie uns aufgenommen hatte, ohne dass ich mich in irgendeiner Weise zu einer Gegenleistung aufgefordert fühlte, dass ich nicht einmal daran dachte eifersüchtig zu sein. Ich saß einfach neben meiner Tante und lächelte selig und vollkommen ausgeruht.

„Fühlst du dich denn hier auch wohl?“, fragte sie schließlich und klang dabei so, als brannte es ihr schon eine Weile auf der Zunge. „Ich meine, hast du alles was du brauchst, oder…?“
„Nein, ich hab wirklich alles.“, beeilte ich mich zusagen, nicht das sie noch Schuldgefühle bekam. „Mein Zimmer ist riesig und wundervoll und die Zwillinge haben auch ein herrliches Zimmer.“
„Dann ist gut.“, erwiderte sie mit einem leicht abwesenden Blick. Vorsichtig sah sie mich an. „Leo, wenn du mit mir über irgendetwas reden möchtest, einfach von der Seele reden, dann bin ich da, ja?“
Ich nickte schweigend. Wollte ich mit ihr reden? Natürlich, es hatte sich gut angefühlt als ich so geweint hatte und sie mich in den Arm genommen hatte, aber wollte ich nochmal diesen Schmerz fühlen?
„Deine Mutter muss dir fehlen.“, sprach sie leise und abwartend weiter, als erwartete sie irgendeinen Widerstand. „Und es tut mir schrecklich leid, dass du sie so früh verloren hast. Ich hoffe dass…“

„Ich habe sie nicht früh verloren.“, unterbrach ich sie leise. „Meine Schwestern haben sie früh verloren. Sie haben sie nicht einmal kennengelernt. Sie wissen nicht wie sie aussah, wie sie gerochen hat, und wie ihre Stimme war.“ Ich hob den Kopf und sah sie mit einem leicht verschwommenen Blick an. „Und obwohl sie sich keinen Deut um mich gekümmert hat, so lange ich mich daran erinnere, war sie die beste Mutter, die ich in meinem ganzen Leben getroffen habe, weißt du? Weil ich weiß, dass sie mich und die Zwillinge abgöttisch geliebt hat. Niemand konnte das sehen, nur ich! Denn ich war jeden Tag bei ihr.“
Melanie nickte verständnisvoll. „Ich glaube dir, dass deine Mutter eine sehr gute Mutter war und ich wusste, dass sie dich über alles geliebt hat!“ Sie strich mir liebevoll über das blonde Haar. „Ich kenne deine Mutter schon seit ich klein bin und ich kenne sie als einen sehr wunderbaren, sehr intelligenten Menschen. Immer hilfsbereit und so lebenslustig. Ehrlich gesagt habe ich sie immer bewundert.“
Neugierig sah ich sie an. „Wirklich?“, fragte ich leise. Es tat gut so etwas über meine Mutter zu hören.
Melanie nickte wieder. „Wirklich! Mason hat noch ganze viele Fotos aus Kindertagen, wenn du möchtest kann ich ihn bitten sie mir vorbeizubringen, dann kannst du sie dir ganz in Ruhe angucken und auch ein paar für deine Geschwister raussuchen.“ Ihre Augen glänzten vor Tatendrang. „Und die hängen wir dann in schönen Bilderrahmen an die Wand des Kinderzimmers, damit sie immer wissen wie hübsch ihre Mutter war.“
Dankbar sah ich sie an. „Das ist so lieb von dir, Melanie. Wirklich.“
„Das ist selbstverständlich.“, erwiderte sie lachend und schloss mich kurz in die Arme.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 25, 2012 10:11 am

Melanie…

Unruhig ging ich vor dem Fenster hin und her. Immer wieder warf ich einen Blick hinaus, versuchte das Auto meines Lebensgefährten zu erspähen, denn es war schon weit nach Mitternacht und die Müdigkeit überrannte mich förmlich. Ich wollte nichts lieber als in mein Bett und meinen wohl verdienten Schlaf genießen.
Seufzend nahm ich mir einen Teller aus dem Kühlschrank, gefüllt mit dem Spagetti, die ich heute Mittag gemacht hatte und ließ mich an unseren großen Küchentisch nieder.
Manchmal war Augustin so ein schrecklicher Sturkopf, dass ich mit mir haderte, ob ich ihn nicht einfach vor die Tür werfen sollte. Aber natürlich tat ich es nicht, denn ich liebte ihn, trotz aller unser Streitigkeiten.
Aber dass er so viel unterwegs war belastete nicht nur unsere Beziehung, sondern auch mich als Person. Ich kam zu überhaupt nichts mehr. Neben dem Haushalt war ich Mutter und Tante, voller Elan. Und die freien Minuten die irgendwo aufbringen konnte, spendete ich meinen Kinderbüchern. Wäre Augustin öfter hier, hätte er mich sich mehr und mehr entlasten können, aber daran schien er nicht einmal zu denken, und das betrübte mich.

Natürlich, ich hatte mich selbst für diese Großfamilie entschieden, und ich war auch stolz mich zumindest Ziehmutter von vier Kindern nennen zu können, aber das änderte nichts daran, dass ich dabei die Hilfe meines Mannes brauchte. Denn alleine würde ich bald im Chaos versinken.
Und dass Augustin nicht einmal am sechzehnten Geburtstag seines Sohnes da war, machte mich wütend. Es schien, als hätte er es vergessen, dabei wusste er doch, wie sehr Teddy ihn verehrte.
Von unten drang die Haustür zu mir hoch. Sie wurde geöffnet und wieder geschlossen und schließlich hörte ich wie er die Treppenstufen hinauf stieg, einen müden Schritt nach dem anderen.
„Melanie.“ Überrascht sah er mich an. „Du bist noch wach? Hast du auf mich gewartet?“
Ich nickte, fuhr mir einmal durch das blonde Haar und versuchte ein einigermaßen überzeugendes Lächeln auf die Lippen zu zaubern. „Wo kommst du so spät her?“ Obwohl ich mir alle Mühe zu einem neutralen Tonfall gab, konnte man meine Ungeduld klar und deutlich heraus hören.
Augustin seufzte leise, tat es mir gleich und fuhr sich ebenfalls durch das Haar. Seine Gitarre stellte er in die Ecke und rauschte an mir vorbei ins Wohnzimmer, wo er sich stöhnend auf dem Sofa niederließ. „Ich musste noch ein paar Sachen klären. Wegen unserer ersten CD, verstehst du?“

Nickend ließ ich mich neben ihn nieder und sah ihn an. Ich versuchte interessiert auszusehen, doch Augustin erzählte nicht weiter. Er saß einfach und hatte die Augen geschlossen. Und ich saß da und sah ihn an, und wusste wieder, warum ich mich so unglaublich in ihn verliebt hatte. Er war immer noch der Mann meiner Träume.
„Wir sollten noch ein Kind bekommen.“, murmelte er plötzlich. Völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Er öffnete seine Augen und sah mich mit einem Strahlen an, dass ich nur kannte, wenn er über seine Musik redete. „Wir beide sollten noch ein Kind bekommen. Teddy ist doch jetzt schon so groß und…“
„Und ich hab Zwillinge im Alter von Kleinkindern.“; unterbrach ich ihn erstaunt. „Noch ein Kind schaff ich nicht. Außerdem kommt dann noch die Schwangerschaft hinzu und du bist nie zu Hause…“ Ich verstummte, als ich sein Augenrollen bemerkte. Erneut staute sich in mir die Wut vom letzten Abend auf. „Augustin! Weißt du denn gar nicht wo das Problem liegt? Siehst du es nicht? Wir leben aneinander vorbei.“
„Das ist doch Quatsch.“, erwiderte er mit einem genervten Blick. „Ich habe einen Job, ja. Und du bist zurzeit zu Hause und kümmerst dich um deine Familie. Dass ist alles.“
„Das ist also alles.“ Ich erhob mich von meinen Platz und warf ihm einen verächtlichen Blick zu. „Dann habe ich dir heute Abend auch nichts mehr zu sagen, Augustin. Du kannst auf dem Sofa schlafen!“

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 25, 2012 4:25 pm

Leonora…

Tief über meinen Teller gebeugt saß ich am anderen Ende des Esstisches und verdrückte mein Frühstück. Ich hatte eindeutig diese Uhrzeit gewählt, in der noch nicht allzu viel los war. Die Zwillinge schliefen noch, Melanie und Augustin ruhten auch noch in ihren Betten, beziehungsweise machten sich im Badezimmer fertig, nur Teddy hatte wohl den gleichen Gedanken gehabt, denn er saß am Tisch und kritzelte irgendwelche Hausaufgaben in seinen Block. Es sah nicht besonders professionell aus.
Urplötzlich hob er den Kopf und sah mich an. Er hatte die gleichen Augen wie seine Mutter, nur steckte in ihnen so viel weniger Verständnis als in ihren. „Kann ich dir eine Frage stellen?“
Ich verkniff mir der Kommentar, dass die Frage nach einer Frage schon eine Frage sei und nickte bloß. Sollte er seine Neugierde stillen, denn ich merkte schon seit langem, dass er mich von einer sicheren Distanz aus beobachtete. Als erwartete er irgendwann einen Fehler oder so etwas.
„Bleiben du und die Zwillinge für immer?“ Er hob eine Augenbraue, die mir wohl zeigen sollte, dass er das nicht besonders stark hoffte. „Ich meine, wenn du achtzehn bist, willst du die beiden dann mitnehmen?“

Ich ließ mir nicht anmerken, dass ich genau darüber auch schon nachgedacht hatte. Was würde sein, wenn ich erwachsen wurde? Sollte ich die beiden hier bei Melanie lassen, oder mitnehmen? Bevor ich hier her gezogen war, hatte ich mir zu hundert Prozent klar gemacht, dass dies hier nur auf Zeit war, aber langsam genoss und liebte ich es hier. Melanie war eine gute Freundin für mich geworden und für die Zwillinge fast so etwas wie eine Ersatzmutter. Ich könnte sie mit Sicherheit nicht einfach hier rausreißen.
Um zu verbergen, dass ich mir selber noch nicht sicher war, stellte ich eine Gegenfrage. „Willst du, dass wir ausziehen?“ Ich hob den Kopf und sah ihn an, auf eine Antwort wartend.
Teddy wandte den Blick ab. „Ich will euch nicht vertreiben oder so.“ Er schien mit sich selber zu hadern. „Aber…ihr seid ein Konfliktpunkt. Ein Streitpunkt zwischen meinen Eltern. Und dass ist momentan alles, was sie nicht brauchen.“ Ich hörte wie er leise durchatmete und mir offenbarte sich, dass hinter der harten Schale von Teddy ein sehr weicher, und sehr verletzlicher Kern steckte. Der bewahrt werden musste. „Ich möchte, dass sie endlich wieder ein glückliches Paar werden, wie sie es waren, bevor ihr kamt!“
Ich schluckte. Die Worte trafen hart und verletzten ein, auch wenn ich wusste, dass es anders war. Das schon vorher etwas nicht geklappt hatte und ich und die Zwillinge keinesfalls ausschlaggebend waren. Trotzdem durchfuhr mich so etwas wie Verantwortung für die kritische Beziehung.
„Wenn sie sich scheiden lassen, ist das eure Schuld.“, schob er eisig hinter her, als wäre ich nicht schon verwundet. Aber ich hörte an seiner Stimme wie verzweifelt er war, und bekam Mitleid. Er liebte seine Familie.

„Es tut mir leid, Teddy.“, erwiderte ich ernsthaft und sah ihn fest in die Augen. „Es tut mir sehr leid, wenn du denkst, dass die Zwillinge und ich deine Familie zerstören, aber dem ist nicht so.“ Schon an seinem abweisenden Blick konnte ich erkennen, dass ich sagen konnte, was ich wollte, er würde mir nicht glauben. Also versuchte ich es anders. Auf eine positive Art und Weise. „Deine Eltern lieben sich sehr und ich glaube nicht, dass etwas sie so schnell auseinander bringen kann. Sie werden das hier schon alles meistern.“
„Du hast doch keine Ahnung von meinen Eltern.“, ging er mich ungewöhnlich aggressiv an. „Wie lange kennst du sie? Zwei Wochen? Vielleicht auch knappe drei? Dann denk dir nicht, dass du dir ein Bild von ihnen machen kannst. Sie sind MEINE Eltern und ich kenne sie. Und ich weiß wie es um sie steht.“
Ich nickte ihm zustimmend zu. „Dass bestreite ich doch gar nicht. Ich will dir damit nur sagen, dass…dass deine Eltern erwachsen sind und für sich selber sorgen können. Du musst das nicht tun.“ Ich warf einen abwartenden Blick auf meinen leeren Teller und überlegte das Kriegsfeld jetzt einfach wieder zu verlassen, oder hier zu bleiben und mich mit einem pubertären Jungen, mit Verlustängsten auszutauschen.
Er nahm mir meine Entscheidung ab, indem er aufstand, den Block schloss und zur Treppe schlenderte. „Wir sehen uns in der Schule.“, murmelte er mir zu, als packte ihn doch ein mehr oder weniger schlechtes Gewissen für das, was er eben gesagt hatte.
Ich nickte, wartete bis er nach oben verschwunden war und erhob mich dann ebenfalls, um meinen Teller in den Geschirrspüler zu stellen. Ich war nachdenklich geworden, über das was Teddy befürchtete, denn ich wollte auf keinen Fall schuld sein, am dem Bruch von Augustin und Melanies Beziehung.


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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Sa Feb 25, 2012 4:52 pm

Melanie…

„Hier bist du.“ Ich schloss die Zimmertür meines Sohnes hinter mir und warf Augustin einen kurzen Blick zu. Noch immer war ich halbseitig wütend auf ihn, aber andererseits hatte ich ihn die ganze Nacht neben mir vermisst. „Hast du einigermaßen gut geschlafen?“
Augustin nickte leicht. „Die Couch ist wirklich sehr bequem.“ Ein leichtes Schmunzeln erreichte seinen Mund, und ließ ihn nur halb so grimmig aussehen, wie vorher.
„Ich will nicht immer mit dir streiten, Augustin, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass du mich nicht verstehst.“ Bewusst blieb ich in meiner Ecke stehen und suchte nicht seine körperliche Nähe, weil ich wusste, dass ich dann nicht mehr richtig darüber nachdenken konnte, was ich ihm sagen wollte. „Ich liebe dich und ich bin sehr glücklich mit dir eine Beziehung zu führen. Und ich bin sehr glücklich, dass wir nebenbei auch noch unsere Träume leben können, du als Musiker und ich als Schriftstellerin. Aber wir dürfen uns nebenbei nicht vergessen, Augustin und dass tun wir gerade. Wir leben auf verschiedenen Ebenen.“

Er schüttelte sanft den Kopf, auf seine ganz bestimmte sture Art, die einem vermittelte wirklich im Unrecht zu sein. „Nur weil wir jetzt gerade wenig Zeit für einander haben, heißt es nicht, dass wir aneinander vorbei leben. Es wird wieder einen Zeitraum geben, wo wir mehr beieinander sind, und bis dahin müssen wir durchhalten.“
Seine positive Sicht hätte ich auch gern gehabt. „Weißt du wie lange dieser Zeitraum schon geht?“, fragte ich ihn verzweifelt. „Seit Teddys Geburt! Seit dem versuchst du deinen Traum zu leben, und ich und Teddy kommen immer zu kurz.“ Bevor wieder ein handfester Streit ausbrechen konnte, versuchte ich ihn eilig zu besänftigen: „Ich weiß, dass es ist nicht deine Absicht ist und ich weiß, dass du mich und Teddy liebst, aber wir müssen unbedingt daran arbeiten, denn so funktioniert es leider nicht. Nicht mehr lange.“
„Was soll das heißen?“, fragte er, leicht aufgeregt. „Willst du damit sagen unsere Beziehung hat ein Ablaufdatum? Willst du dich von mir trennen, wenn das so weitergeht?“ Er klang so angriffslustig.
Obwohl alles in mir dagegen strebte, nickte ich zaghaft. „Ich kann das dann einfach nicht mehr, Augustin.“
„Damit gibst du uns doch jetzt schon auf.“; warf er mir wütend vor. Ich konnte die Angst und den Stress in seinen Augen lesen, denn wir liebten uns schließlich noch. Er fuhr sich einmal hektisch durch das Haar, als überlegte er, was er nun sagen konnte. „Wir hätten die drei nicht aufnehmen sollen.“, platzte es aus ihm heraus.
Ich schnaubte verächtlich als Antwort. „Das hat damit doch überhaupt nichts zu tun! Wir waren schon vorher nur am Kämpfen. Zumindest ich! Vielleicht hast du es nicht gesehen, weil du nicht da bist, nie, aber es gab schon Probleme in unserer Beziehung, bevor Leo und die Zwillinge auf uns stießen. Schieb es nicht auf sie.“

„Aber durch sie hast du doch jegliche Kraft und Zeit verloren.“, fuhr er mich unsanft an. „Wären die die drei nicht da, dann könnten wir beide noch ein Kind bekommen und wären wieder so glücklich, wie damals bei Teddys Geburt. Weißt du noch? Wir hätten die ganzen Probleme doch überhaupt nicht!“
„Ein Kind ist keine Lösung.“, keifte ich zurück, denn langsam riss mir mein Geduldsfaden. „Ein Kind nimmt viel Zeit in Anspruch, die wir doch sowieso nicht haben. Du bist ständig weg, glaubst du ich will auch unser zweites Kind alleine aufziehen? Seit Teddy vier Jahre alt ist kümmerst du dich nur um deine Karriere.“
Er schwieg betroffen. Nachdenklich sah er auf den Boden, als könnte er mich nicht ansehen.
„Das ist unser Problem.“, redete ich unbeirrt weiter. „Du hast keine Zeit für mich oder deinen Sohn.“
„Das ist also unser Problem.“ Er seufzte, schüttelte den Kopf und rauschte dann ohne ein weiteres Wort an mir vorbei, als könnte er nicht mehr mit mir in einem Raum bleiben.
Und ich stand da, völlig fertig.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am So Feb 26, 2012 12:46 pm

Haushalt Cunningham / Pracht
(Lotte, Noah)


Lotte…

„Mason muss am Boden zerstört sein.“, sorgevoll betrachtete ich die Pflanzen vor mir, die ich gerade, die ich gerade von ihrem Unkraut befreite, auch wenn der Blick eigentlich Mason, Noahs Bruder galt. „Bella war so eine liebe Frau, und die beiden waren so glücklich. Und dann muss er sie einfach verlieren.“
Noah hatte seinen Kopf tief in einem Tomatenstrauch versteckt, als wollte er dem Gespräch aus dem Weg gehen, und ich wusste auch warum. Er sprach ungern über den Tod, denn keiner von uns beiden wusste, wie nahe er uns war. Es gab ein Ablaufdatum für mein Leben, das früher, als bei anderen war.
„Ich werde sie in den nächsten Tagen besuchen.“, redete ich unbeirrt weiter. Seit Micks Ableben hatte ich die ständigen Besuche in seiner Verwandtschaft übernommen, und fand dafür große Zustimmung. Noahs Familie war groß, aber auch sehr liebenswürdig und es machte mir Spaß sie alle zu besuchen.
Noah räusperte sich aus dem Tomatenstrauch heraus. „Findest du nicht du hast genug zu tun?“, fragte er.
Ich wusste dass er etwas beleidigt war, dass die Arbeit im Krankenhaus und seine Familie mich nun momentan mehr einnahmen, als wir als Paar. Aber ich konnte mich nun einmal nicht in drei Teile teilen, und setzte die Prioritäten ein wenig anders, als andere Leute das vielleicht tun würden. Denn ich wusste, dass ich jeden Abend zu Noah zurückkehren würde, und dass konnte ich nur guten Gewissens, wenn ich den Tag über etwas Gutes getan hatte. Dass er mich am liebsten jede Minute um sich hatte, konnte ich nicht nachvollziehen.

„Mason und April brauchen mich jetzt.“, erwiderte ich stur. „Du solltest mal daran denken, dass du auch auf ihre Hilfe bauen möchtest, wenn ich dann irgendwann von uns gehe. Also bitte!“
Wütend hob er den Kopf und sah mich an. „Hör auf so etwas zu sagen, Lotte.“
Er konnte es nicht leiden, wenn ich über meinen eigenen Tod redete, aber ich hatte mich langsam damit abgefunden. Natürlich fiel es mir immer noch schwer, besonders wenn ich sah wie Noah sich damit quälte, aber uns blieb nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Mit Hilfe meiner Therapeutin schaffte ich das.
Er seufzte, und sein Blick wurde wieder um einiges liebevoller. „Ich wollte dich nicht so anfahren. Nur…“ Er verstummte, schien nach den richtigen Worten zu suchen, um seine Gefühlslage verständlich zu machen. „Es ist so ein schöner Tag, lass uns einfach über etwas anderes reden, als den Tod, ja?“ Flehend sah er mich an.
Ich nickte ergeben, schließlich war es ja auch nicht mein Ziel ihn zu quälen. „Wie läuft es mit deinen Bildern?“
Er stöhnte auf, fuhr sich mit einem halbherzigen Lächeln durch das schwarze Haar und sah mich an, als hätte ich doch wieder über den Tod geredet. „Lotte, zu einem schönen Tag sollte auch ein schönes Thema passen.“
„Ist es das nicht?“, verwundert pflückte ich eine Tomate und legte sie in den Korb hinter mir.

Er schüttelte bedauernd den Kopf. „Ich kann momentan nicht malen. „Mein Kopf wirkt so benebelt, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen kann. Es ist…wie eine Blockade.“ Seufzend sah er mich an. „Momentan trage ich nicht besonders zur Haushaltskasse bei, sondern mindere sie eher noch.“
„Na und?“ Ich rollte mit den Augen. „Dann ist das eine Zeit lang nun einmal so. Aber es werden bessere Zeiten kommen, in denen du wieder zeichnen wirst und die Kunsthalle die jedes Bild abkaufen wird.“ Lächelnd kam ich zu ihm und legte ihm meine Arme um den Hals. Ein zärtlicher Kuss auf sein schwarzes Haar folgte. „Du bist ein Künstler, das weiß ich. Und du wirst berühmt werden, wenn du Geduld hast.“
Ich spürte ihn lächeln. „Na, wenn meine Muse so etwas sagt, dann muss das doch wohl stimmen.“
Das Auto meiner Kollegin, die mich stets mit zur Arbeit nahm, erschien vor unserem Haus und füllte die Luft mit einem lauten Hupen. Ich winkte ihr kurz zu, gab Noah noch einen Kuss und erhob mich aus meiner gemütlichen Position. „Wir sehen uns nachher.“, rief ich ihm im Gehen zu.
„Komm nicht zu spät!“, hörte ich ihn noch rufen, bevor ich die Autotür schloss und zum Krankenhaus fuhr.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am So Feb 26, 2012 1:13 pm

„Was machst du denn um die Uhrzeit noch im Garten, Lotte?“
Erschrocken fuhr ich zusammen und drehte mich nach der Stimme um, die aus der Dunkelheit zu mir drang. Zu meiner Erleichterung war es nur Noahs Nichte, Leonora. „Das könnte ich dich genauso fragen.“, antwortete ich, immer noch leicht beleidigt, weil sie mich erschreckt hatte. „Aber du siehst fabelhaft aus.“; gab ich widerwillig zu, denn das sah sie wirklich.
Bescheiden strich sie ihren gemusterten Rock glatt. „Ach dass! Ich hatte einfach nur Lust auf etwas neues, jetzt wo ich in der Wirtschaft arbeite.“ Ein Glänzen fuhr über ihr hübsches Gesicht.
„Du hast den Job bekommen?“, fragte ich erfreut, denn ich wusste, dass sie darauf hingearbeitet hatte.
Leonora nickte begeistert. „Sie haben mich sofort genommen, auch wenn meine Schulnoten nicht die Besten waren. Aber sie haben gesagt, dass sie Talent in mir sehen.“ Ihre gerougten Wangen färbten sich, wenn möglich noch ein Stück röter, so dass man es in der Dunkelheit problemlos erkennen konnte.
„Das freut mich wirklich sehr.“ Stolz sah ich sie an. Nach all dem was sie durchgemacht hatte, mit einem Vater der nie zu Hause war, einer depressiven Mutter, die schließlich den Folgen einer schweren Geburt erlag, und der alleinigen Aufzucht von Zwillingsmädchen, hatte sie es redlich verdient, einmal das zu tun, was sie sich wünschte. „Melanie hat gestern am Telefon erzählt, dass du ausgezogen bist.“, begann ich ein neues Thema.

Sie nickte eilig. „Obwohl das Haus von Melanie wirklich riesig ist, ist es mir da einfach zu eng gewesen. Ich brauchte meinen Freiraum.“ Eine nachdenkliche Falte bildete sich auf ihrer hübschen Stirn. „Obwohl mir nicht ganz wohl bei den Gedanken war, die Zwillinge dort zu lassen. Schließlich sind es meine Schwestern und ich denke dass Melanie genug mit dem neuen Baby zu tun hat. Vielleicht ist das ein bisschen viel.“
Überrascht horchte ich auf. „Ein neues Baby? Melanie ist schwanger?“ Davon hatte sie mir am Telefon nichts erzählt, und dass enttäuschte mich. Schließlich zählte ich sie zu meinen besten Freundinnen.
„Nein, nein.“, winkte Leonora eilig ab, als sie meinen enttäuschten Gesichtsausdruck bemerkte. „Aber Melanie wird Oma, hat sie dir davon nichts erzählt? Außerdem spricht sich das doch eh schon rum.“
In Gedanken ging ich Melanies Kinder durch, aber da sie nur ein leibliches Kind hatte, dauerte das nicht besonders lange. Aber soweit ich wusste, war Teddy noch um einiges jünger als Leonora, also gerade mal ein Teenager. „Teddy wird Vater?“, hakte ich also erstaunt nach. „Der kleine Teddy?“
„Jap.“, Leonora nickte. „Er hat seine Freundin Elfi geschwängert und Melanie wird jetzt die treusorgende Oma. Sie wollen Elfie vielleicht sogar zu sich nehmen, da ihre Eltern mit der Schwangerschaft wohl nicht besonders einverstanden sind.“ Sie machte eine kleine Pause, dann nickte sie. „Ich kann es sogar verstehen.“
„Ich auch.“, murmelte ich etwas benommen. Auch davon hatte mir Melanie nichts erzählt. Ob sie mich schonen wollte? Weil sie wusste wie sehr ich mir Kinder wünschte, aber wie sehr Noah sich dagegen sträubte?

„Alles okay, Lotte?“ Besorgt sah sie mich an. Sie wusste schließlich nichts von alledem. Nichts von meiner tödlichen Krankheit und auch nichts von meinem großen Kinderwunsch, denn obwohl sie meine beste Freundin war, hatte ich mich entschlossen, dieses ganze Unheil von ihr fern zu halten.
Ich schüttelte eilig den Kopf. „Nein, ich hab mir nur Gedanken gemacht, wie ich ihr helfen könnte.“ Ich setzte ein überzeugendes Lächeln auf und wechselte das Thema. „Du kommst doch morgen sicher auch, oder?“
Jetzt war es Leonora die überrascht aussah. „Wohin?“, fragte sie neugierig.
„Na zu mir nach Hause.“ Ich lachte über ihr erstauntes Gesicht. „Ich hab morgen meine engsten Freundinnen und meine Stiefmutter eingeladen, damit ihr mir bei meinem Kleid helfen könnt. Es ist heute angekommen und ich möchte es euch morgen vorstellen. Es ist wirklich ein Traum von einem Kleid.“
„Ach, dass meinst du.“ Ihre Augen begannen zu glänzen, denn sie freute sich sehr auf meine Hochzeit. „Natürlich bin ich dabei! Sag mir nur eine Uhrzeit und ich verschiebe meine Termine so, dass es passt.“ Sie kicherte nervös. „Wow, du willst wirklich meinen Onkel heiraten. Dass ist herrlich.“
Ich nickte besonnen. „Natürlich will ich Noah heiraten, er ist der Mann meines Lebens.“ Ich hakte mich bei ihr unter. „Lass uns reingehen und den Abend mit einem Glas frischgepressten Orangensaft ausklingen lassen.“
„Sehr gerne sogar. Zu Hause ist eh niemand der auf mich wartet, also los!“ Und zusammen gingen wir in die Küche, und setzten uns mit Orangensaft an den Tisch, um den Tratsch des kleinen Dorfes auf erleben zu lassen

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am So Feb 26, 2012 9:23 pm

„Das heißt ich darf den ganzen Tag das Haus nicht betreten?“ Zweifelnd sah Noah mich an, während er mit der Gießkanne unseren kleinen Gemüsegarten bewässerte. „Und was soll ich sonst tun?“
„Geh mal mit deinen Freunden weg.“; drängte ich ihn, während ich ungeduldig nach den ersten Gästen für meinen Frauentag Ausschau hielt. Ich hatte mich schon die ganze Nacht darauf gefreut mit meinen Mädchen den Tag zu verbringen und ihnen mein wunderschönes und einzigartiges Hochzeitskleid zu demonstrieren.
Erst nach einigen Sekunden bemerkte ich, dass Noah mich skeptisch anstarrte.
Ich kicherte. „Ach ja, stimmt ja! Du als Künstler brauchst ja keine Freunde.“ Sanft küsste ich ihn auf den Mund. „Dann fahr runter zum Strand und hol dir neue Inspirationen. Ich bitte dich Noah, du darfst mich nicht sehen.“
„Na gut.“ Er seufzte ergeben, stellte die Gießkanne zur Seite und fuhr sich durch das dunkle Haar. „Dann werde ich den heutigen Tag wohl am Strand verbringen. Weil meine liebe Verlobte das so will!“
„Und ich hoffe dass du für immer ihre Wünsche erfüllen wirst!“ Sue hatte sich von hinten an mich angeschlichen, gefolgt von Leonora. Mit einem freudigen Lächeln drückte sie mich fest an sich. „Ich möchte dass du die glücklichste Braut und Ehefrau der ganzen Welt bist. Und wenn Noah dass nicht erfüllt, setzt es was!“ Sie sah meinen Verlobten drohend an, worauf hin er sich gespielt ängstlich duckte.

Ich lachte herzlich. „Er wird mich glücklich machen.“, versprach ich ihr, mit aller Inbrunst in der Stimme. „Da bin ich mir zu hundertprozentig sicher, Sue. Darüber brauchst du dir wirklich keine Sorgen machen.“
Noah schenkte mir eins seines zufriedenen und glücklichen Lächelns, was nur wenige Menschen bekamen.
Im nächsten Moment parkte Melanie mit quietschenden Reifen vor unserem Haus. Mit wirrem Haar stieg sie aus und lief mit entschuldigendem Gesichtsausdruck auf mich zu. „Es tut mir so leid, dass ich zu spät bin, aber Augustin hat vergessen die Kinder nach der Schule zu dieser Geburtstagsparty zu fahren, deswegen musste ich sie eben hinbringen.“ Sie umarmte mich sanft und schenkte dann Sue und Leonora ein erfreutes Lächeln. „Hallo ihr beiden.“ Als sie mich wieder ansah, konnte ich eine Spur Unglücklichkeit in ihren Augen sehen. „Und wann geht es jetzt los? Wo ist dein Kleid, man ich freu mich schon die ganze Woche darauf!“
Ich sah bescheiden zu Boden. „Gleich. Erst muss Noah seine Sachen packen und verschwinden.“ Ich warf ihm durch die Luft einen Kuss zu, den er Augenrollend annahm, aber schließlich doch seine Gießkanne auf den Boden stelle und einmal tief seufzte. „Bitte.“, murmelte ich.

„Natürlich, Liebste.“ Er machte eine halbe Verbeugung und schlenderte schließlich, den Schlüssel immer und immer wieder in die Luft werfend zu seinem Auto, das gleich hinter Melanies Auto stand. „Bis nachher.“, rief er uns zu, bevor er einstieg und den Motor startete. „Und macht bloß mein Haus nicht kaputt.“
„Tut mir leid, Liebes.“ Sue drückte mir erneut einen Kuss auf die Wange. „Ich hab einen Termin, leider muss ich los.“ Erst jetzt bemerkte ich, dass sie ihr Handy in der Hand hatte, mit dem sie wohl eben telefoniert hatte. „Kannst du mir das noch einmal verzeihen? Ich lass mir das Kleid dann beschreiben, ja?“
Ein bisschen betrübt nickte ich. „Natürlich.“ Und sah Sue nach, wie sie den Weg in die Stadt einschlug.
Leonora und Melanie ergriffen jeweils eine meiner Hände und drückten sie sanft.
„Dann sind wir jetzt wohl nur noch zu dritt.“, murmelte ich kurz seufzend. Aber dann stellte sich wieder ein glückliches Lächeln auf meinem Gesicht ein. „Lasst uns reingehen. Ihr bedient euch jetzt einfach an den Keksen, die ich gemacht habe und ich werde mich oben im Schlafzimmer umziehen.“

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do März 01, 2012 11:57 am

„Tada!“ Mit einer ausladenden Geste betrat ich die Küche, in der Melanie sich es an meinem Laptop gemütlich gemacht hatte „Gefällt es euch?“
Melanie sah von meinem Laptop auf. Auf ihrer Stirn hatte sich eine tiefe Falte gebildet, die aber augenblicklich verstand, als sie mich in meinem Kleid sah. „Du siehst wunderschön aus, Lotte. Wie eine Prinzessin.“
Lächelnd drehte ich mich einmal vor ihr. „Findest du?“, fragte ich geschmeichelt. „Ich hab mich sofort in dieses Kleid verliebt und dann musste ich es einfach haben!“ Mit einem schwärmerischen Ausdruck auf dem Gesicht fuhr ich über den weißen Stoff, der sich unter meiner Hand noch neu und ungetragen anfühlte. „Ich möchte, dass Noah vorne auf mich wartet und dass seine Augen groß werden wenn er mich sieht! Und er soll mich für die schönste Frau seines Lebens halten und mich für immer bedingungslos lieben.“
Melanie kicherte leise. „Als wenn er das nicht schon tun würde.“ Bedauern schwankte in ihren Worten mit.
Besorgt sah ich sie an. Wenn es meiner besten Freundin schlecht ging, dann musste ich für sie da sein, egal ob ich gerade mein Hochzeitskleid demonstrierte oder nicht. „Was ist los?“, fragte ich also besorgt.

Melanie fuhr sich durch ihren blonden Pony. „Zwischen mir und Augustin läuft es nicht besonders gut.“ Ihr Blick wurde traurig, als sie mit ihrem Finger kleine Kreise auf die Glasplatte des Tisches malte. „Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass wir uns auseinander gelebt haben. Und seid die Zwillinge da sind, läuft es einfach nicht mehr wie vorher, wir haben keine Worte mehr füreinander, keine Gesprächsthemen. Er ist kaum zu Hause. Ich weiß einfach nicht wie es weitergehen soll.“ Seufzend legte sie ihr Gesicht in ihre Hände.
Ich strich ihr beruhigend über die Schulter. „Ach Melanie, das wird schon wieder alles. Ihr liebt euch doch!“ Nie hatte ich daran gezweifelt, dass Augustin und Melanie auch irgendwann einmal den Bund fürs Leben eingehen würden, wie ich und Noah. „Die Zwillinge werden doch auch größer. Dann könnt ihr euch doch auch mal wieder etwas zu zweit machen. Nimmt euch Zeit füreinander, dann wird alles wieder gut.“
Bevor Melanie antworten konnte, ertönte von der Tür ein spitzer Schrei der Bewunderung. „Um Himmelswillen, Lotte! Du siehst ja wirklich zum Schießen schön aus.“ Leonora eilte auf mich zu und strich mir ehrfürchtig über den weißen Stoff, befühlte meine glitzernden Träger und zwang mich, mich einmal um mich selbst zu drehen. „Hinreißend, wirklich. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als auch mal so eine schöne Braut zu werden.“
Ich lachte und strich ihr dabei gespielt tröstend über den Arm. „Ach, du wirst auch noch deine große Liebe finden. Vielleicht auf meiner Hochzeit, Noah hat da einen ganz netten Freund.“ Ich zwinkerte ihr zu.

Errötend wandte Leonora den Kopf ab. „Vielleicht habe ich ihn schon gefunden.“, gestand sie uns grinsend.
Melanie, die eine Weile schweigend nebenbei gesessen hatte hob überrascht den Kopf, denn Leonora war für sie schon so etwas wie eine Tochter geworden. „Wen denn?“, hakte sie neugierig nach.
„Das möchte ich noch nicht sagen, aber ich verspreche euch, wenn das etwas Ernstes werden sollte, seid ihr die ersten, die es wissen.“ Immer noch mit einer leichten Röte auf der Wange wandte sie sich meiner Frisur zu, als wollte sie eilig das Thema wechseln. „Wie hast du das hinbekommen, Lotte? Deine Haare sehen wunderbar aus.“ Ich fühlte wie sie noch ein paar Blumen neubefestigte und dann stolz unser Werk betrachtete.
„Danke.“ Ich ergriff ihre Hand und drückte sie leicht. „Das habe ich selber gemacht.“ Ein letztes Mal drehte ich mich um meine eigene Achse und stellte mich anschließend in eine präsentierende Pose. „Und es gefällt euch wirklich? Werde ich die hübscheste Braut der ganzen Welt sein?“, fragte ich lachend.
Melanie und Leonora nickten synchron und sahen mich mit einem Blick an, der alle meine Ängste verschwinden ließ. Ich tat das Richtige und wäre überglücklich darüber.

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Re: Wohin der Wind mich bringt!

Beitrag  Finplay8 am Do März 01, 2012 12:14 pm

Noah…

„Ich bin wieder da.“, rief ich, nachdem ich das hellerleuchtete Haus betreten hatte. Innerlich hatte ich mich darauf vorbreitet, dass die Mädels noch da waren, aber kein Gekicher drang aus der Küche, als sah ich nach.
Doch noch bevor ich richtig nachschauen konnte, sprang Lotte mir erleichtert in die Arme.
„Endlich bist du wieder da!“, murmelte sie an meiner Schulter und hielt mich so fest, dass ich fast nach Luft schnappen musste. „Wo warst du denn so lange?“
„Am Strand.“, erwiderte ich leicht verwirrt über ihren Gefühlsausbruch. „Ist etwas passiert?“
Sanft schüttelte sie den Kopf, und rückte ein Stück von mir weg, um mich ansehen zu können. „Du hast mir nur einfach den ganzen Tag so schrecklich gefehlt. Ab sofort werden wir nie wieder einen Tag voneinander getrennt sein, versprochen?“ Ein sanfter Kuss folgte. „Ich liebe dich, Noah!“
Lachend küsste ich sie sanft auf das blonde Haar, das noch etwas stark nach Haarspray roch. „Ich dich doch auch Lotte, ich dich auch. Aber jetzt beruhig dich doch erst mal.“ Ich strich ihr beruhigend über den Rücken.
„Weißt du was Melanie mir heute erzählt hat?“ Ich schüttelte sachte den Kopf. „Augustin und sie verstehen sich nicht mehr voneinander.“ Seufzend sah sie mich an. „Vielleicht trennen sie sich.“
„Dann ist das ihre Entscheidung, Lotte.“, erwiderte ich, schon fast drohend. Denn ich wusste schließlich wie ausgeprägt ihr Helfersyndrom war, aber Melanies und Augustins Beziehung ging uns wirklich nichts an.

Außerdem hatten wir doch schon viel zu viel mit unserer Beziehung und den Hochzeitsvorbereitungen zu tun.
Sie nickte, wandte sich von mir ab und ließ mich los. „Ich weiß doch.“; antwortete sie im quengelnden Ton, aber ich konnte den Tatendrang in ihren Augen sehen. „Aber die beiden haben doch einen Sohn! Und ein Enkelkind.“
„Das ist nicht unsere Sache.“, widerholte ich seufzend. „Ich weiß, dass du nur das Beste für die beiden willst, aber sie müssen ihren eigenen Weg gehen und eigene Entscheidungen treffen.“ Aufmunternd strich ich ihr über die dunkle Wange, und versuchte immer noch eindringlich zu wirken, auch wenn sie am liebsten einfach nur geküsst hätte. „Hast du mich verstanden, Lotte Pracht?“
Sie nickte wieder, wandte aber das Gesicht ab, als wollte sie nicht, dass ich ihren Glanz in den Augen sah. „Na gut.“, murmelte sie ergeben, legte ihre Hände sanft auf meine Brust und vergrub ihr zartes Näschen in meinem Oberteil. „Mit Sicherheit hast du Recht. Ich sollte mich jetzt erst einmal um unsere Hochzeit kümmern und dann um unsere Familie.“ Ein Grinsen entstand auf ihrem kleinen Mund. „Hört sich das nicht wundervoll an?“
Ein Schauer fuhr mir über den Rücken. Nicht aus Freude über die Hochzeit, wie sonst, sondern bei dem Wort Familie. Ich liebte Lotte vom ganzen Herzen, aber ein Kind wollte ich nicht mit ihr haben. Schließlich war ihre Krankheit vererbbar und ich war mir bis eben gerade sehr sicher gewesen, dass sie es auch so sah. „Lotte…“, begann ich zögerlich. „Wir sollten vielleicht noch einmal über das Thema Familie reden.“

Erschrocken sah sie mich an, und ich konnte in ihren Augen lesen, dass sie meine Zweifel schon kannte. Und dann brach es aus ihr heraus: „Ich liebe Kinder, Noah. Ich habe sie schon immer geliebt und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit dir Kinder zu bekommen. Siehst du es nicht genauso?“
„Ich würde auch am liebsten Kinder mit dir haben! Eine ganze Fußballmannschaft wenn es ginge, aber es ist nicht richtig.“ Ich fuhr mir durch das dunkle Haar und biss mir auf die Unterlippe. „Deine Krankheit…“
„Tut hier nichts zur Sache.“, unterbrach sie mich flehentlich. „Lass uns nicht mehr heute darüber reden ja?“ Ihre Arme schlangen sich fest um meinen Hals. „Wir heiraten erst einmal und dann reden wir noch einmal drüber.“
Diesen Gefallen tat ich ihr nur zu gern, auch wenn meine Meinung darüber schon fest stand.


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