Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So Nov 13, 2011 10:02 pm

Kapitel 10

Mein Kind … in den darauffolgenden Monaten hatte ich nicht das Gefühl, dass er mein Sohn war. In einem Haushalt mit fünf Erwachsenen fand sich immer jemand, der den Kleinen füttern, wickeln oder bespaßen wollte. Manchmal befürchtete ich, meine Eltern hielten mich für unfähig, mich selbst um Kummy zu kümmern. Kaum hatte er einen Ton geschrien, da standen Mom oder Dad bereit, egal ob ich Kummy schon in den Armen hielt.
„Dad. Ich kann mich selbst um mein Kind kümmern!“, platzte ich schließlich eines Morgens heraus. Ich war noch nicht umgezogen, während Dad schon seit fünf Uhr vor meiner Tür rumgehummelt war, um endlich seinen Enkelsohn knuddeln zu können. Es ist nicht schön, wenn der eigene Vater früh morgens einige Stunden vor der eigenen Zimmertür steht, insbesondere wenn man seit kurzem ein Doppelbett darin stehen hat und das Zimmer mit seinem (nun ganz offiziell) Freund teilt.



Dad sah mich verletzt an. „Wir möchten dir doch nur helfen, Schatz.“
Ich rollte mit den Augen und zwang mich ein- und auszuatmen bevor ich antwortete. „Ich weiß, Daddy. Aber ab und zu möchte ich mich auch selber um mein Kind kümmern. Dauernd ist einer von euch da, wenn ich nach Kummy sehen will. Wenn er schreit, habe ich selten mal die Chance herauszufinden was ihm fehlt, denn einer von euch ist schon da und hält ihn. Wie soll ich da eine Beziehung zu meinem Sohn aufbauen? Mal ganz davon abgesehen, dass es wirklich nervt, nachts auszuwachen und seine Mutter in seinem Zimmer zu finden, die mal eben nach dem Kind sehen will!“
Dad sah mich lange an und seufzte dann traurig. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, aber es musste einfach gesagt werden.
„Ich weiß eure Hilfe wirklich zu schätzen, aber manchmal ist es sehr anstrengend.“, fügte ich lahm hinzu. Ich wechselte unter Dads unglücklichem Blick Kummys Windeln und legte ihn dann wieder in sein Bettchen. „Ich gehe jetzt duschen. Kummy ist noch müde, er schläft bestimmt gleich.“ Damit ging ich in mein Badezimmer, wohlwissend, dass Dad Kummy aus seinem Bett nehmen und knuddeln werden würde.


(Ok, hier ist noch das Einzelbett drin^^)

Ich war wütend und duschte abwechselnd eiskalt und heiß. Mom und Dad – und auch Mari – meinten es nur gut und sie waren alle ganz verliebt in Kummy. Aber es nervte mich fruchtbar. Natürlich würde ich früher oder später wieder anfangen zu arbeiten, aber solange wollte ich möglichst viel Zeit mit meinem Kind verbringen.
Als ich aus der Dusche kam, war mein Vater gegangen und statt seiner hielt Wolf das Baby im Arm. Er sah mich zärtlich an. Wolf war der einzige, dem ich es nicht verübelte, wenn er sich um Kummy kümmerte. Immerhin war er sein Vater – sozusagen.
„Dein Vater ist ziemlich geknickt.“, sagte Wolf.
Ich nickte und fasste mein feuchtes Haar zu einem Zopf zusammen. „Ich war vielleicht etwas harsch.“ Wolf wusste, wie sehr mich die Situation belastete. Er hörte sich mein Klagen an, urteilte aber nie über das Verhalten meiner Eltern oder von mir. Er war vielleicht noch verständnisvoller als Nutmeg.
„Hast du schon mal darüber nach gedacht, dass dein Vater Angst hat, dass er nicht mehr lange etwas von seinem Enkel hat?“ Das war das erste Mal, dass er sich dazu äußerte.
„Meinst du etwa er stirbt bald?!“, fragte ich mit einem Mal von Angst erfasst. Natürlich war Dad alt, viel älter als Mom sogar. Aber er wirkte noch so fidel.
„Er wird nicht jünger, Primi.“ Wolf konnte es einfach nicht lassen. Er nannte mich weiterhin Primi. Ich tat immer so, als würde es mich es mich ärgern, aber in Wirklichkeit fand ich es hinreißend von ihm. „Ich hoffe er hat noch viele Jahre vor sich, aber er wird sein Alter spüren und deswegen möglichst viel Zeit mit Kummy verbringen wollen.“
Ich schmollte. „Und was sind Moms und Maris Ausreden?“
Wolf lachte leise und legte den gähnenden Kumquat ins Bett. Dann schloss er mich in die Arme. „Wenn Sun Rays und Bubbles Baby auf der Welt ist, haben sie ein weiteres Baby, auf dass sie sich stürzen können.“
Mein Bruder Sun Ray und seine Freundin Bubble Gum, die er am Tag von Kummys Geburt der Familie vorgestellt hatte, hatten vor ein paar Wochen überraschend bekanntgegeben, auch ein Kind zu erwarten.
„Außerdem könntest du es auch mal ausnutzen, dass deine Eltern sich so begeistert um Kummy kümmern.“
„Hm?“
„Wir bauen einfach ein zweites Kinderbett in ihrem Zimmer auf und lassen den Kleinen gelegentlich dort übernachten.“ Seine Augen funkelten vielsagend. Ich kicherte als er mir anschließend ins Ohr flüsterte wie wir ein babyfreies Schlafzimmer nutzen konnten.



In den nächsten Wochen und Monaten beobachtete ich meinen Vater sehr genau. Wolf hatte recht, er wurde nicht jünger. Vieles fiel im schwerer als noch vor ein paar Jahren. Er half zwar noch auf dem Feld, schaffte aber längst nicht mehr sein gewöhnliches Pensum. Mari und Mom hätten ihm am liebsten verboten überhaupt in der Erde zu wühlen, aber das hätte sein Herz genauso gebrochen, wie ihm Kummy wegzunehmen. Also kamen wir alle still über ein, Dad aufs Feld zu lassen, ihn aber auch häufig zu bitten nach Kummy zu sehen wenn es an die Arbeit ging.
Ich wusste von Wolf, der Daffy das Fahren beibrachte, dass sich mein jüngster Bruder sehr große Sorgen wegen Dad machte. Er hatte große Angst vorm Tod. Wolf versuchte Daffys Ängste zu beruhigen, doch er wusste ja wie wir alle, dass meine Eltern früher oder später sterben würden.



Als es dann tatsächlich passierte, waren Wolf und ich mit Nutmeg und SP aus. Mom und Daffy waren jedoch bei Dad, als er starb. Mari kam etwas später von einem Spaziergang mit Ronron zurück und fand zwei aufgelöste Sims vor. Wie es so typisch für sie war, gab sie sich nur kurz der eigenen Verzweiflung hin, bevor sie Mom und Daffy tröstete und alles Notwendige in die Wege leitete. Mari wuchs von Jahr zu Jahr mehr in meiner Achtung. Sie tat was nötig war, machte kein Aufheben darum und war dabei der freundlichste und zugewendetste Sim den ich kannte.



Wir begruben Dad unter dem alten Kirschbaum, den er so geliebt hatte. Ich schlug kurz vor die Urne von Onkel Dougie, die immer noch im Haus stand, auch dort zu begraben, aber das lehnte Mom ab. „Dougie hat uns hier noch nie gestört. Es ist sein Haus!“ Da sag noch mal einer, Sims werden im Alter nicht wunderlich…



Nachdem die Beerdigungsgesellschaft ins Haus gegangen war, standen nur noch Wolf und ich vor Dads Grab. Ich bereute noch immer meine harten Worte Dad gegenüber, auch wenn ich mich danach zusammengerissen hatte und ihm Kummy mehr überlassen hatte.
Wolf legte seine Arme um mich.
„Wenigstens musste er nicht leiden.“, sagte ich tonlos. „Und er hatte ein erfülltes Leben.“ Die Worte klangen so hohl. Wolf drückte mich an sich.



„Aber es tröstet dich nicht wirklich.“, stellte er fest.
„Nee.“, sagte ich und schluckte trocken. „Mein Dad ist tot. Bald wird auch Mom sterben.“ Mir war die Endlichkeit des Lebens selten so offenbar wie an diesem Abend.
„Man wird geboren um zu sterben.“
„Und das soll mich trösten?“, erwiderte ich aufgebracht. Dann senkte ich den Kopf. „Es ist gar nicht so sehr Dads Tod. Ich vermisse ihn zwar ganz schrecklich, aber sein Leben war nun einmal zu ende. Was mich so sehr erbarmt sind Mom und die anderen. Ich wünschte ich könnte sie trösten, aber ich weiß nicht wie.“
„Du bist eine gute Sima.“ Er küsste meine Stirn. „Mit der Zeit werden wir alle mit Sulfurs Tod umgehen können und uns an die schönen Jahre mit ihm erinnern.“
Ich nickte. Was für ein Glück hatte ich, dass ich so einen verständnisvollen Freund hatte!



„Möglicherweise ist gerade nicht der optimale Zeitpunkt … aber ich habe mit deinem Vater kurz vor seinem Tod darüber gesprochen…“, begann Wolf zögerlich, nachdem wir eine Weile schweigend vor Dads Grab gestanden hatten.
‚Oh, Simmer.’, dachte ich. ‚Er will mir sagen, dass er wieder nach Safrika geht.’
Ich versteifte mich, während Wolf ein Stück von mir wegrückte.



Mit ausdruckslosem Blick sah ich zu, wie er auf die Knie sank und etwas aus seiner Jacketttasche nahm. Die kleine Schachtel, die er er hervorholte, reichte er schließlich zu mir hoch.



„Primrose Halford … ich liebe dich seitdem ich dich das erste Mal gesehen habe. Und obwohl ich zwischenzeitlich Angst davor hatte, bin ich glücklich mit dir zusammen zu sein. Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen. Willst du mich heiraten?“
Ich starrte ohne zu begreifen zwischen ihm und dem Ring, der noch im Schmuckkästchen lag hin und her. „Heißt das du gehst nicht mehr nach Safrika?“, fragte ich dümmlich.



Autsch – ich hatte schon mal hellere Momente.
Doch Wolf lachte leise. „Ich komme auf jeden Fall immer wieder zurück zu dir!“ Er bewegte die Kiste ganz sacht und ich konzentrierte mich auf seine Frage. Wollte. Ich. Seine. Frau. Werden? Teufel, ja!
Letzteres muss ich gerufen haben, denn Wolf sprang erleichtert auf und schloss mich in die Arme.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo Nov 14, 2011 9:27 pm

Kapitel 11

Unsere Hochzeit feierten wir einige Monate später. Mom, die seit Dads Tod im Alltag nur schwarz trug, sah strahlend aus und hatte sich gegen Trauerkleidung entschieden (wofür ich ihr sehr dankbar war). Endlich hatte sie es geschafft eines ihrer Kinder unter die Haube zu bringen!
Es war eine laute, aber gemütliche Feier. Kummy wurde mit zuviel Kuchen gefüttert, so dass ihm schließlich schlecht wurde und er Shamrock auf den Schoß kotzte. Doch der nahm es gleichmütig auf, zog sich um und kümmerte sich um den fortan quengligen Jungen, bis dessen Bauchweh verschwunden war.







Inzwischen hatten wir auch das Haus ein bisschen umgebaut und teilweise renoviert.








Außerdem hatte Mari noch Pferd gekauft. Der Hengst war lila, sah gefährlich magersüchtig aus und hörte auf den unwahrscheinlichen Namen Sleipnir. Er verstand sich gut mit Ronron. Letzterer sah in dem Pferd vermutlich nur einen zu groß geratenen Hund, mit dem man spielen konnte.



Überraschenderweise war es Mom, die sich besonders viel und gern um Sleipnir kümmerte. Sie bürstete stundenlang sein Fell, fütterte ihn mit Äpfeln aus dem Garten und ritt auf ihm aus.



Ich versuchte es auch einmal. Sleipnir war zum Glück ein freundliches und geruhsames Pferd, das meine kläglichen Versuche aufzusitzen und mich oben zu halten, stoisch hinnahm. Aber ich würde wohl keine begeisterte Reiterin werden. Da streichelte ich lieber ihn oder Ronron.



Inzwischen hatte ich meine Arbeit auch wieder aufgenommen. Ich gliederte mich sofort wieder ein. Orange nickte mir nur zu. Er fragte nicht einmal nach meinem Kind, worüber ich erleichtert war. Wir gingen einander möglichst aus dem Weg. Ich hatte stets ein bisschen Furcht, dass er sich es anders überlegen würde und doch noch Ansprüche auf Kummy erheben würde. Offiziell war natürlich mein frisch angetrauter Mann Vater des Kindes, aber Orange und ich wussten es ja besser.

Dabei war Wolf wirklich der beste Vater, den Kummy sich wünschen konnte. Er kümmerte sich in jeder freien Minute um Kummy, der ihn heiß und innig liebte.Der Kleine war ein richtiges Papakind – trotz all meiner Kämpfe in seiner frühsten Kindheit, hatte Wolf mir den Rang abgelaufen. Inzwischen musste ich darüber grinsen.



Während unser Sohn heranwuchs, bekam er seinen ersten Cousin: Limoncello. Doch Sun Rays und Bubble Gums Beziehung schien unter keinem guten Stern zu stehen. Mein Bruder war mittlerweile undercover tätig, was sich zusätzlich abträglich auswirkte. Bubble Gum beendete schließlich die Beziehung, nahm eine Anstellung auf dem Festland an und ließ Sun Ray mit dem kleinen Limoncello allein. Der brachte den Jungen bei uns unter. „Ein Kind mehr oder weniger macht euch ja nichts aus.“, sagte er zu Mom, die zwar traurig über das Aus zwischen Sun Ray und Bubble Gum war, aber ihren zweiten Enkel liebend gern aufnahm.




Zumal ihr Jüngster inzwischen ausgezogen war. Ich freute mich sehr für Daffy, denn er hatte so endlich die Möglichkeit auf eigenen Beinen zu stehen. Dass er dabei nicht auf die Nase fiel wurde durch Shamrock möglich, der mit ihm zusammen zog. Was ich schon längst geahnt hatte, wurde nun für alle sichtbar: Die beiden waren ein Paar.




Auch bei Nutmeg und SP kündigte sich der erste Nachwuchs an. Sie hatten in einer bombastischen Zeremonie geheiratet und waren anschließend auf eine lange Hochzeitsreise gegangen.

Wolf reiste ab und an nach Afrika. Dank Nutmegs Vermittlung hatte er inzwischen eine mehr administratorische, ehrenamtliche Aufgabe in der Stiftung von Nutmegs Eltern übernommen. Der Handel mit unserem Wein brachte so viele Simeleons ein, dass auch für die Stiftung jedes Jahr eine Menge Geld abfiel. Und obwohl wir das Feld verkleinert hatten, konnte Mari immer noch genug Geld mit den Feldfrüchten verdienen.



Dandelion war schließlich ausgezogen. Er hatte sich in eine Kollegin verliebt, die einen ähnlichen Namen trug wie ich: Primula.



Als Orange in Rente ging, erhielt ich seinen Job, doch ich musste schon ein paar Monate später Urlaub einreichen, denn ich war ein zweites Mal schwanger.



Mom freute sich über ihr drittes Enkelkind. Wolf war aus dem Häuschen, doch ich fürchtete ein bisschen, dass Kummy eifersüchtig sein könnte. Doch er hatte auch Limoncello gegenüber nie Eifersucht gezeigt. Allerdings schlief der auch bei Mari im Zimmer und hatte seine Tante voll und ganz als Ersatzmutter angenommen.



Und so spitzte ich die Ohren ins Unermessliche, als ich mitbekam, dass Mom Kummy nach dem bevorstehenden Geschwisterchen fragte. Wolf und ich hatten ihm zuvor mitgeteilt, dass er eine kleine Schwester oder einen kleinen Bruder bekommen würde. Kummy hatte daraufhin zu Limoncello gesehen. Sie waren nur ein Jahr auseinander und Kummy fragte: „So wie Limo?“
„So in etwa.“; erwiderte ich hilflos.



„Schön.“ Daraufhin war er zu Limoncello gestapft und die beiden spielten einträchtig am Spieltisch.
Mom hatte Kummy nun auf den Arm genommen, obwohl er schon fast zu groß dafür war. „Bald bekommst du ein Geschwisterchen. Freust du dich darüber, Schätzelchen?“
„Ich habe Limo und das ist toll. Noch ein Bruder wird noch toller.“
„Und wenn es eine Schwester wird?“
Kummy musste nachdenken. Er kannte nicht viele Mädchen. Deswegen zuckte er schließlich die Schultern. „Auch gut.“



Als seine Schwester Clementine geboren wurde, stand Kummy kurz vor der Einschulung. Er war etwas enttäuscht, dass sie noch so klein war, dass man nicht mit ihr spielen konnte.



Als sie das erste Mal nachts das ganze Haus mit ihrem Gebrüll weckte, begann er sie nervig zu finden. Limoncello hingegen war ganz fasziniert von seiner kleinen Cousine und stand stundenlang vor ihrem Bettchen um ihr etwas zu erzählen oder sie einfach nur zu beobachten. Das machte Kummy eifersüchtig. Er piesackte Limoncello, so dass ich gezwungen war ein ernstes Wörtchen mit meinem Sohn zu wechseln.
„Limo hat dir nichts getan.“, sagte ich ernst zu ihm, als ich ihn dabei erwischte wie er den Cousin gekniffen hatte.
„Er ist doof.“, erwiderte mein Sohn bockig.
„Warum?“
„Darum!“ Er verschränkte die Arme und funkelte mich bockig an. Ich sah unbeeindruckt zurück, bis er den Blick senkte. Leise sagte er: „Er mag nur noch Clementine.“
„Ach Kummy, dass ist nicht wahr.“ Ich deutete auf die Couch und zog ihn neben mich. „Limo hat dich sehr gern und er bewundert dich.“
Kummy schob die Unterlippe vor und kaute darauf herum. „Wirklich?“



„Natürlich. Frag ihn. Er wird dir bestätigen, dass er dich noch mag.“
Er wollte schon aufspringen, doch ich hielt ihn zurück. „Moment noch.“
„Ja?“
„Clementine ist deine Schwester und sie wird dich auch bewundern, wenn sie etwas größer ist.“ Ich lächelte. „Ein großer Bruder zu sein ist eine große Herausforderung. Du musst immer daran denken, dass Limo und Clementine zu dir aufsehen.“ – ‚Und dir jeden Mist nachmachen werden.’, fügte ich gedanklich hinzu.
Kummy sprang von einem Bein aufs andere. „Es war nicht nett Lino zu kneifen.“
Ich nickte.
„Ich mache das nicht mehr, weil sonst macht er das später auch mal.“ Kummy machte ein nachdenkliches Gesicht. „Und ich will nicht mehr so böse auf Clementine sein. Wenn ich nämlich in der Schule bin, ist Limo sonst ganz allein. Da kann er sich ja mit Clementine beschäftigen.“
Er lächelte zufrieden und ich zeigte ihm den erhobenen Daumen. „Ich bin stolz auf dich Kummy.“ Ich strubbelte sein Haar und er sah mich verlegen an.
„Ich hab dich ganz doll lieb Mama.“ Schnell drückte er mich. „Du mich doch auch, oder?“
„Natürlich, mein Schatz. Ich liebe dich über alles.“
Er sah mich glücklich an. Dann ging er nach Limoncello suchen, bei dem er sich anschließend entschuldigte.



Wolf, der die ganze Szene beobachtet hatte, aber nicht eingeschritten war, kam zu mir und legte den Arm um mich. Ich lehnte mich an ihn und flüsterte: „Wir haben tolle Kinder.“
Er nickte. „Ich habe die tollste Familie überhaupt.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo Nov 21, 2011 11:23 pm

Kapitel 12

Ich hatte mit meiner Vermutung, auch Clementine würde ihren Bruder bewundern, natürlich vollkommen recht. Zwar wuchs meine Tochter zu einer kleinen Einzelgängerin heran, aber sie konnte gar nicht genug Zeit mit ihrem großen Bruder verbringen. Auch zu Limoncello verband sie eine enge Freundschaft.



Zu meiner und SPs Zufriedenheit vertrugen sich unsere Kinder sehr gut. Dragonfruit, ihr Sohn, war etwas jünger als Limoncello, kam aber gut mit dem Jungen zurecht. Date, die Tochter meiner besten Freunde, war ein bisschen älter als Clementine. Sie war ihrem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten – SP äußerte mehrfach, dass sie hoffte, das Mädchen wachse da noch irgendwie rein. Meines Erachtens hätte es auch schlimmer kommen können, denn Date war ihrem Vater auch charakterlich sehr ähnlich, was sie zu einem liebenswerten Kind machte. Sie freundete sich schnell mit Clementine an und lernte ebenso rasch, deren Wunsch nach Einsamkeit zu respektieren.




Derweil unsere Kinder sich so prächtig entwickelten, kriselte es in der Beziehung zwischen Daffy und Shamrock. Letztere betrieb eine Kindertagesstätte im gemeinsamen Haus. Ich nehme an, für einen Neurotiker wie Daffy ist ein Vormittag voller greinender, lärmender Kleinkinder nicht gerade zuträglich. Ich wusste, dass Daffy oft in Sun Rays Wohnung flüchtete, weil er dort seine Ruhe hatte. Aber er teilte seinen Kummer nicht mit uns. Shamrock hingegen sprach häufig mit Marigold, die wie üblich ein offenes Ohr hatte. Sie versuchte auch mit unserem jüngeren Bruder ins Gespräch zu kommen, aber der flüchtete sich in solchen Moment in einen seiner Zwänge und begann sich exzessiv die Hände zu waschen oder die Herdplatten zu kontrollieren (neuerdings machte er immer Fotos des Herdes, speicherte sie auf seinem Handy mit Datum und Uhrzeit und konnte sich so außer Haus beruhigen).



Überraschenderweise und vollkommen ungeplant, bekamen Wolf und ich ein weiteres Kind. Kummy besuchte die erste Klasse der High School als sein Brüderchen Tangelo geboren wurde. Dieses Mal war er nicht eifersüchtig auf das kleine Wesen, das soviel Aufmerksamkeit benötigte. Er überschlug sich nicht gerade mit Hilfsleistungen, aber wenn Not am Sim war, sprang er ohne Murren ein.
Dass er nach wie vor das Zimmer mit Limoncello und Clementine teilte, schien weder ihn noch die beiden jüngeren zu stören. Ich wünschte zu dieser Zeit, dass wir den Kindern eigene Zimmer ermöglichen könnten, aber dazu hätten wir das komplette Haus abreißen und neu bauen müssen. Die Kinder waren eh die meiste Zeit draußen und solange keiner murrte, würde dieser Zustand bestehen bleiben.




Von draußen brachten die Kids auch alles Mögliche mit. Zum Glück waren nur einmal Flöhe dabei, die sie sich von einem Streuner geholt haben mussten. Kummy schleppte noch als Grundschüler eine Schildkröte an, die er Björn nannte. Björn bekam ein Terrarium im ohnehin schon engen Kinderzimmer. Kummy und Limoncello kümmerten meist recht zuverlässig um das Reptil, aber ich erwischte auch mehrfach meine Schwester, die die vergessene Schildkröte versorgte.





Clementine war offenbar bemüht es ihrem Bruder nachzutun und brachte eines Tages einen Papagei mit heim. Natürlich kam genauso wenig wie bei Björn in Frage, das Tier auszusetzen oder im Tierheim abzugeben, weswegen wir nun auch Dakka ein Heim bieten. Wir wechselten uns reihum ab, den Vogelbaum zu säubern und Dakka zu füttern. Überraschenderweise hatte die großherzige Mari nicht viel für den befiederten Mitbewohner übrig. Ich nahm sie fürchtete ein wenig Dakkas großen Schnabel und seine Krallen.



Während meiner Schwangerschaft mit Tangelo traf ich überraschenderweise eines Tages auf Orange. Ich war mit Ronron im Hundepark, als er mit einem Räuspern an mich herantrat.



Wir tauschten ein paar Höflichkeiten aus, aber es gab keine Verbindung zwischen uns. Ich war froh, als wir uns verabschiedeten und er dabei erwähnte, dass er am nächsten Tag wieder aufs Festland zurück kehren würde, wo er seit seiner Pension eigentlich lebte. Nach Kummy fragte er mit keiner Silbe.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So Nov 27, 2011 12:35 am

Kapitel 13

Überraschenderweise starb Moms Bruder Celadon, obschon ein paar Jahre jünger als sie, vor ihr. Vielleicht war doch etwas dran an Moms vergetarischer Bioernährung …
Celadons Haus, das auf dem Nachbargrundstück lag, fiel an SP. Doch meine Cousine hatte keinerlei Interesse an der Hütte, die nur eine umgebaute Scheune war. Sie wollte es zunächst verkaufen, doch überraschenderweise erkundigten sich Daffy und Shamrock danach. Da überließ sie den beiden das Grundstück.
Mein Bruder und sein Freund befanden sich noch immer in einer Krise und vielleicht hofften sie in einem anderen Haus ihre Probleme verschwinden zu lassen. Doch es kam ganz anders…



Daffy und Shamrock hatten die alte Scheune um- und ausbauen lassen. Shamrock hatte auf ein großzügiges Kinderzimmer zusätzlich bestanden und wollte auch ein Feld anlegen – ganz so wie Mom es immer hatte. Die freute sich sehr, dass ihr jüngster und ihr quasi Schwiegersohn neben uns zogen und dazu noch ein Feld anlegten. Daffy sah nicht wirklich so aus, als gefiele ihm die ganze Sache.




Es war einer dieser Morgen, an denen man aus Augen wie mit Sandpapier abgerieben guckt. Ich hatte noch lange die Vermarktungsstrategie von Moms und Wolfs Wein überarbeitet bevor ich ins Bett gegangen war. Wolf selber war gerade mal wieder in Safrika, so dass ich mich nachts allein um Tangelo, der zu dieser Zeit oft krank war und quengelte, kümmern musste. Für gewöhnlich machte es mir nichts aus. Ich hätte auch Mari oder Mom bitten können, aber Mari war am Abend zuvor zu Daffy und Shamrock gegangen und nicht zurück gekehrt. Mom war inzwischen so alt und Celadons Tod hatte ihr mehr zugesetzt als ich dachte.

Doch Tangelo, oder Lo wie Kummy ihn zu nennen pflegte, war mein kleines Nesthäkchen, mein süßes Baby, so dass es mir nichts ausmachte ihn nachts zu umsorgen – jedenfalls nicht bis zum nächsten Morgen, als ich mit besagten trockenen Augen, einem schmerzenden Nacken und hundemüde ins Erdgeschoss schlurfte. Das gehörte sich zwar nicht für die Jahrgansbeste, Vorsitzende des Debattierclubs und erfolgreichste Schwimmerin unserer Schule, aber ich war zu müde um mir um meinen Stolz Gedanken zu machen. Lo war endlich eingeschlafen und Mom hatte sich in unser Schlafzimmer gesetzt und las die Zeitung um bei Bedarf einzuspringen.
Ich trat ins frisch renovierte Wohnzimmer und knibbelte mit den Augen. Trog mich mein Blick? Wohl nicht.
„Morgen, Daffy.“, murmelte ich.



Mein kleiner Bruder sah mich mit einem Blick Marke „Verwundetes Reh“ an. Zwar war ich schräge Grimassen von ihm gewohnt, doch heute sah er so elend aus, dass ich meinen Kaffee gedanklich verschob und mich neben ihn aufs Sofa setzte. Ich berührte ihn dabei nicht, denn in letzter Zeit reichte das schon aus ihn aus der Haut fahren zu lassen. „Wo brennt`s?“
Daffy seufzte abgrundtief. Ich wünschte Wolf wäre da, denn er kam meist am besten an Daffy ran. Ich musterte meinen Bruder. Er sah zerstört aus: ungewaschen und zerknittert und mit tiefen Augenringen. Er wirkte so gar nicht wie mein sonst so reinlicher und immer wie aus dem Ei gepellt aussehender Bruder.
„Shamrock und ich haben uns getrennt.“, sagte Daffy schließlich.
Ich zuckte vor Überraschung zusammen. „Was?!“
Daffy nickte. Ich legte ihm aus Reflex den Arm um und zum Glück schien es ihn nicht zu stören. Ganz im Gegenteil, er legte den Kopf schwer auf meine Schulter. Wir blieben eine Weile so sitzen, bis Daffy sich aufrichtete und mir dankbar die Hand drückte. Dann bat er darum ein Bad nehmen zu können.
Bis Daffy aus dem Bad gekommen war (vermutlich badete er gleich dreimal) waren die Kinder in der Schule. Mom hatte Lo gebadet und gefüttert und saß mit ihm im Garten. Sleipnir wartete auf seinen täglichen Ausritt und Ronron bewachte hingebungsvoll seinen Futternapf.
Ich hatte Daffy und mir einen Kaffee gemacht. Am Küchentisch sitzend wartete ich auf ihn, während ich mit dem Smartphone die Börsenkurse checkte. Als mein Bruder endlich kam, schob ich es schnell zur Seite. Daffy trank eine Kaffee Tasse, bedankte sich artig für Bad und Kaffee und begann dann zu erzählen.



Daffy's POV
Wie du weißt haben Sham und ich schon seit einiger Zeit Probleme. Du musst dazu nichts sagen, Primrose. Lass mich einfach erzählen und unterbrich mich nicht. .. Jetzt guck nicht so beleidigt.
Sham liebt Kinder – am liebsten hätte er gleich nach der Schule einen ganzen Stall davon adoptiert. Aber damals waren wir noch sehr jung, hatten kein geregeltes Einkommen und waren dazu noch ein homosexuelles Pärchen. Also eröffnete er die Tagestätte.
Ich kann nicht gut damit leben, wenn den ganze Tag fremde Kinder um mich herum sind. Bei Kummy machte mir das damals nichts aus – er ist ja dein Kind. Und nur eins. Und sauber. Weißt du was die Kinder alles für Bakterien mit sich rumschleppen?
Du musst gar nicht so mit der Augenbraue zucken. Ich habe nun mal das Bedürfnis nach – Sauberkeit. Hast du übrigens die Kaffeemaschine wieder ausgestellt? Ich schau lieber noch mal nach…
Gut sie aus. Aber sicher ist sicher!
Sham dachte, wenn wir ein größeres Haus hätten, indem sich die Kinder besser verteilen, könnte ich besser damit umgehen. Das war ein Grund, weswegen wir umgezogen sind. Aber Sham sprach jetzt auch wieder von Adoption. Er wollte unbedingt Kinder. Aber ich kann mich nicht dazu durchringen.




Er und ich können auf normalem Weg keine Kinder haben und du weißt wie schlecht ich mit Fremden umgehen kann – ein fremdes Kind würde mich vollkommen aus dem Gleichgewicht bringen. Das wäre dem Kind gegenüber nicht fair. Natürlich habe ich das Sham gesagt. Er fing an zu grübeln. Das fing schon vor ein paar Wochen an – ja genau zu der Zeit als Mari öfter bei uns war. Sie versuchte zwischen uns zu vermitteln. Aber mich machten diese Gespräche, in denen Sham mir immer öfter Vorwürfe machte und Mari mich auch überreden wollte, ganz wahnsinnig. Oft genug bin ich deswegen einfach duschen gegangen oder habe begonnen das Haus zu putzen.
Ich weiß, dass das nur Fluchtreflexe sind, Primrose, dass musst du mir nicht extra sagen! Aber ich kann mich mit dem Gedanken einfach nicht anfreunden.
Sham und Mari haben das schließlich auch eingesehen. Dann kam Mari mit dieser Idee. Oh, das wird dir gar nicht gefallen Primrose…



Mari hat sich anerboten, für Sham und mich ein Kind auszutragen. Ja, du hast richtig gehört. Sham war natürlich begeistert. Und mir hatte man die Pistole auf die Brust gesetzt. Wir könnten ein Kind bekommen, das zumindest Shams Gene hätte und über Mari auch mit der Familie verwandt wäre. Aber wie könnte ich denn einem Kind ein Vater sein? Wir müssen uns schließlich nichts vormachen was meine psychische Situation betrifft. Und ich könnte Mari nie ein Kind wegnehmen. Ich weiß nicht ob es dir je aufgefallen ist, aber sie wünscht sich eine Familie und Kinder. Sie hat nur nie den richtigen Simo gefunden. Naja …nun hat sie ihn.


Dass Daffys letzte Worte so klar und deutlich zu vernehmen waren, machte mich fast sprachloser als die ganze Geschichte an sich. Instinktiv griff ich nach seiner Hand um sie zu tätscheln, doch er entzog sie mir bevor ich ihn berührte. Ich war deswegen nicht beleidigt. Daffy hatte recht – wir wussten alle um seine besondere Situation.
„Willst du damit sagen, dass Mari und Shamrock jetzt zusammen eine Familie gründen wollen?“, fragte ich dann.
Er nickte und zupfte sich unsichtbare Flusen von der Weste. „Ich wünsche ihnen alles Gute.“
„Äh.“, machte ich und trank den letzten Schluck meines Kaffees, der mittlerweile kalt geworden war. „Ähm also du gibst Sham auf und überlässt Mari das Feld? Ich dachte ihr liebt euch?!“
Daffy sah mich ernst an. Er sprach nie von Liebe, es fiel ihm schwer, aber nun erwiderte er: „Eben weil ich Sham liebe, werde ich ihm nicht bei der Gründung einer Familie im Weg stehen. Genauso wenig wir meiner Schwester.“
War das Großzügigkeit oder Wahnsinn? Mit der leeren Kaffeetasse in der Hand saß ich ihm gegenüber und wusste nicht was ich sagen sollte. Schließlich fragte ich: „Und Sham lässt dich einfach gehen?“
Er schüttelte nachdenklich den Kopf. „Es war für uns beide nicht einfach. Aber …“ Er sah mich traurig an. „Ich fühle mich so wohler. Ich kann Sham nicht im Weg stehen. Wenn einer von uns auf seinem Standpunkt beharrt hätte, wären wir unweigerlich getrennte Wege gegangen. So können wir … wir müssen uns nicht zerstreiten.“




Noch nie hatte ich so sehr das Bedürfnis verspürt ihn in den Arm zu nehmen wie in diesem Moment. Mein armer Daffy! Er sah mir meine Gefühle wohl an und legte zögernd seine Hand auf meine. Die Geste rührte mich so sehr, dass mir Tränen in die Augen traten. Daffy mochte psychisch nicht ganz auf dem Damm sein, aber er war so ein wertvoller Sim.
„Mari und ich tauschen einfach den Platz.“, sagte er dann mit einem gezwungenen Grinsen. So bleibt es wenigstens in der Familie.“
In der Familie…ich musste mich zwingen nicht bitter aufzulachen. Und doch musste ich mich fragen, wie es ausgesehen hätte, wäre Mari die Erbin geworden und nicht ich. Und wie sich unsere Familie in der nächsten Familie entwickeln würde.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So Dez 04, 2011 7:17 pm

Generation 3
Tangelo

Prolog

„Hast du deine Notfallapotheke eingepackt?“, fragte meine Mutter mich zum hundertsten Mal. Sie rang ihre Hände und ich konnte ziemlich genau erahnen, was sie sich dachte: Warum habe ich meinem Baby das nur erlaubt?
„Ja, hab ich Mom.“ Ich deutete auf meine Reisetasche. „Sie liegt unter dem Desinfektionsmittel und über dem Bärenspray. Auch wenn ich nicht weiß, was ich in Frankreich damit soll.“
„Du weißt doch, kleiner Bruder, Europa ist quasi im Mittelalter stehen geblieben.“ Mein Bruder Kummy war in das Zimmer getreten, dass ich mir mit unserer Schwester Clementine teilte. Er war ausgehfein, wie Clementine zu sagen pflegte. Ich fragte mich, welche Sima heute Abend dran glauben musste.
Doch sein Eintreten rettete mich vor der Überbesorgnis meiner Mutter. Sie verschränkte die Arme und musterte ihren Ältesten von Kopf bis Fuß. Gleich würde sie wieder die übliche Predigt loslassen. Sie sah es nicht gerne wie Kummy mit den Simas umging.



„Ich würde mich gerne noch etwas ausruhen bevor das Taxi kommt.“, sagte ich schnell bevor Mom loslegen konnte. Argh, das war natürlich genau das Falsche um noch etwas Ruhe zu bekommen.
Mom und Kummy sahen mich besorgt an. „Ist dir nicht wohl, Schatz?“, fragte Mom besorgt. Das hatte ich nun davon. Ich war als Kind ziemlich kränklich und holte mir heute noch recht schnell einen Schnupfen. Dass Mom und Dad mir überhaupt erlaubt hatten allein nach Frankreich zu reisen lag einzig und allein daran, dass ich es ihnen als Sprachreise verkauft hatte. Es war verdammt schwer diesen beiden Glucken zu entfliehen. Schlimmer war nur noch Onkel Daffy, der am liebsten mit einer Flasche Desinfektionsmittel hinter mir herlaufen würde. Alle Mitglieder in diesem Haushalt, mit Ausnahme von Clementine, warteten quasi immer darauf, dass ich wieder krank werden würde. Sie belauerten mich, damit sie mich stante pede in ein Krankenhaus oder wenigstens ins Bett verfrachten konnten. Wie soll man denn da erwachsen und unabhängig werden?
„Mir geht es gut.“, sagte ich nachdrücklich. „Aber ich würde gerne etwas Ruhe haben, denn das wird eine lange Reise.“
„Wir können die Reise immer noch abbrechen, Schatz. Ich habe extra auf eine Reiserücktrittsversicherung bestanden.“, bot Mom mir an. Ich rollte mit den Augen. Sie sah mich sofort entschuldigend an. Immerhin gab sie sich Mühe. Aber ich kannte sie gut genug, dass sie im Kopf schon halb zwei Nummern gewählt hatte: einmal die Nummer des Reiseveranstalters und dann die Nummer unseres Hausarztes. Zum Glück waren Handys noch nicht mit dem Hirn verbunden.
„Ich muss eh los. Ich hol Limo noch vom Stadion ab, wir haben heute ein Doppeldate.“ Damit verließ Kummy gemessenen Schrittes den Raum. Er war mir vermutlich dankbar, dass ich die drohende Predigt von ihm abgehalten hatte.
„Warte, Kummy!“ Vielleicht auch nicht, denn Mom eilte meinem Bruder nach. Ich seufzte.



Ich hatte mich gerade auf mein Bett fallen lassen als sich Tür abermals öffnete. „Moooom.“, ätzte ich los.
„Ich bin’s nur.“, vernahm ich die amüsierte Stimme meiner Schwester. „Hat Mom wieder den Gluckenmodus angeschaltet?“
Ich nickte säuerlich.
„Ah.“ Sie ging an ihren Schreibtisch. „Tue einfach so als wäre ich nicht da.“
Nun, wenigstens das sollte mir gelingen. Clementine konnte sich so still verhalten, dass man sie nicht bemerkte. Das war ihr am liebsten so, denn so musste sie auch niemanden bemerken. Nachdem sie ein paar Sachen aus ihrem Schreibtisch herausgesucht hatte, lächelte sie mich aufmunternd an und kletterte auf ihr Bett. Als Ältere hatte sie natürlich das Vorrecht auf das obere Bett. Außerdem hätte ich ja aus dem oberen Bett fallen und mir die Rippen brechen können.
Nachdem Clementine sich oben zurecht gesetzt hatte, hörte ich bald nichts mehr von ihr. Ich starrte ihre Matratze von unten an und hatte bald tatsächlich vergessen, dass sie da war.



Vielleicht war ich sogar eingenickt, denn ich wurde durch ein Rütteln an meiner Schulter geweckt. Clementine grinste mich an. „Dein Taxi kommt gleich, Tangelo.“
Ich blinzelte ein paar Mal um die Augen klar zu bekommen. „Ok, danke für’s Wecken, Sis.“
Sie grummelte. „Entweder Schwester oder Clementine. Ich kann diese Abkürzungen nicht leiden.“
„Jaja, was auch immer.“, lachte ich. „Heute darf ich das, denn für drei Wochen hast du das Zimmer ganz für dich allein.“
Sie grinste und zeigte mir den erhobenen Daumen. „Ich werde dich trotzdem vermissen.“, sagte sie dann ernst. „Pass auf dich auf – und das meine ich ganz und gar unparanoid, sondern einfach nur schwesternhaft.“
„Schon kapiert, Sis.“
Ich duckte mich unter ihrem spielerischen Knuff weg. Zum Glück hatte Mom das nicht gesehen – sie hätte Clementine dafür gerügt.

Im Erdgeschoss eilte mir Dad entgegen um mir die Reisetasche abzunehmen. „Am Flughafen nimmst du dir am besten so einen Wagen. Hier hast du noch ein bisschen Kleingeld, die Dinger brauchen ja immer einen Pfand.“ Er drückte mir eine ganze Handvoll Münzen in die Hand, die ich schnell in die Hosentasche stopfte. Manchmal war die Sorge meiner Eltern auch praktisch.
Onkel Daffy rutschte auf den Knien vor dem Vogelkäfig herum. Er besprühte den Boden mit seiner „heimlichen Geliebten“, wie Kummy die Desinfektionsflasche gehässig bezeichnete. Meiner Meinung nach hätte man den Zusatz „heimlich“ auch weglassen können.
„Oh, du musst ja schon los.“, bemerkte er als er mich ansah. Er besah den Boden kritisch und gab einen letzten Sprühstoß ab. Auf Dads und meine scheelen Blick hin erklärte er: „Der Vogel hat dort eine halbe Nuss fallen lassen. Da hätte Speichel dran sein können.“



„Klar.“, meinte ich achselzuckend. „Gute Idee.“ Ich hatte mir den Trick von Clementine abgeguckt: Daffy in seinen Eigenheiten einfach hinnehmen wie er war. Inzwischen gelang es mir ganz gut – meistens. Trotzdem bekam ich keine so gute Verbindung zu ihm wie Clementine. Aber die hatten ja beide einen leichten Ratsch am Kappes.

Die Abfahrt meines Taxis verzögerte sich, denn Mom wollte doch noch einmal meine Notfallapotheke kontrollieren. Als gäbe es in Frankreich keine Ärzte und Apotheken! Dabei war ich schon längst nicht mehr soo empfindlich. Der Taxifahrer sah ihr mit großen Augen zu, wie sie in meiner Tasche wühlte, während Daffy herbeigeeilt kam und eine zweite Medikamententasche, die er für den Fall der Fälle vorsichtshalber gepackt hatte, dazu steckte. Ich bekam rote Ohren. Es war so peinlich!
Als ich endlich im Wagen saß und wir losfuhren, musterte der Sim mich im Rückspiegel.
„Biste das erste Mal allein unterwegs?“
Ich brummelte zustimmend. Er lachte.
„Dann wünsch ich dir viel Spaß! Tut bestimmt mal gut von zu Hause wegzukommen.“
„Oh ja!“, sagte ich so inbrünstig, dass er erneut lachte.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So Dez 18, 2011 7:34 pm

Kapitel 1

Frankreich! Es hätte von mir aus auch jedes andere Land sein können, aber da ich nur Französischunterricht habe, war Frankreich die einzige Möglichkeit für mich gewesen. Anders als mit einem Sprachurlaub hätte ich meinen Eltern ja nie kommen müssen. Dabei wäre ich so gerne auch nach China oder nach Ägypten gereist.
Für den Anfang aber musste also Frankreich reichen.
Nachdem mein Flugzeug gelandet war, suchte ich mir ein Taxi und fuhr zu meiner Jugendherberge. Dort fanden tatsächlich Sprachkurse statt. Notgedrungen musste ich mich für einen eintragen, denn sonst hätte ich am Ende meinen Eltern kein Zertifikat vorzeigen können und sie hätten geglaubt, dass es keine gute Idee war mich ziehen zu lassen. Zum Glück fand der Unterricht nur vormittags statt, so dass ich danach genügend Zeit zum Rumstromern hatte.
Ich bekam ein hübsches Zimmer für mich allein (darauf hatte Mom bestanden), musste mir aber das Bad mit mehreren anderen teilen. Da ich das von daheim gewohnt war, war es keine große Umstellung für mich.
Erst jetzt schaltete ich mein Handy wieder an.



Ich hatte sieben Anrufe in Abwesenheit und neun neue SMS. Ich verdrehte die Augen. Sechs Anrufe waren von meinen Eltern, der siebte von Leaf, meiner Freundin. Die SMS waren mit einer Ausnahme auch von ihnen, nur in der letzten bat mich Clementine inständig mich endlich zu melden, weil Mom und Dad schon am Rad drehten. Ich seufzte und wählte unsere Nummer.
Es klingelte genau einmal.
„Lo!“, schrie Mom mir ins Ohr. „Lo, mein Schatz bist du in Ordnung? Hast du alles gut überstanden? Ist dir das Fliegen bekommen? Und wie ist das Hotel? …“
„Alles ist gut Mom.“, brachte ich hervor, als sie Luft holen musste. „Ich bin quietschlebendig! Die Herberge ist sauber und ordentlich.“
„Wirklich? Alles ist gut?“ Sie klang fast schon ein bisschen enttäuscht. „Und dir ist nicht schlecht geworden beim Fliegen? Oder du hast Ohrensausen bekommen?“
„Alles bestens, Mom. Kein bisschen Übelkeit und meine Ohren sind ok.“ Ich verschwieg ihr vorsichtshalber das Glas Nektar, dass ich zur Beruhigung vor dem Start am Flughafen getrunken hatte. Obwohl es mich immer noch wunderte, dass es mir verkauft worden war, schließlich war ich noch minderjährig.
„O-ok.“ Mom schwieg kurz und ich hörte Stimmen im Hintergrund. „Dein Dad will dich sprechen. Pass gut auf dich auf und melde dich morgen früh nach dem Aufstehen sofort!“
Ganz sicher nicht!
„Hallo Lo.“, begrüßte mich mein Dad bevor er im Prinzip denselben Fragenkatalog wie Mom losließ. Ich beantwortete ihm brav seine Fragen, auch wenn ich am liebsten meinen Kopf gegen die Wand geschlagen hätte. Mon dieu!



Anschließend rief ich bei Leaf an. Sie war erleichtert von mir zu hören, denn meine Eltern hatten sie bereits mehrfach angerufen, nachdem ich mich nicht gemeldet hatte.
„Deine Mutter hat mir fast schon Vorwürfe gemacht! Als ob du dich zuerst bei mir melden würdest.“, klagte sie leise.
„Tut mir leid, Leaf. Du kennst meine Eltern!“
Das tat sie tatsächlich seit der ersten Klasse. Damals saßen wir nebeneinander und hatten uns rasch angefreundet. Mit der Zeit war wie selbstverständlich mehr daraus geworden. Ich mochte Leaf sehr gern, aber dieses Kribbeln im Bauch, von dem immer alle sprachen, blieb noch aus. Vielleicht sah das nach der Reise ja anders aus?

Am nächsten Morgen schlurfte ich verschlafen ins Bad - nur um festzustellen, dass es schon belegt war. Ich sah das Mädchen nur von hinten und trat sofort den Rückzug an. Etwas in meinem Hinterkopf meldete sich, aber verschlafen wie ich war, konnte ich es nicht einordnen. Ich ging zurück auf mein Zimmer. Obwohl ich mir vorgenommen hatte, mich nicht bei meinen Eltern zu melden, schrieb ich eine SMS mit dem Hinweis, dass ich noch nicht erkrankt oder gestorben war und den ganzen Tag in Kursen war und deswegen mein Handy auf meinem Zimmer lassen musste. Geschickter Schachzug, oder?



In der Küche wartete der Herbergsvater Turquoise mit Frühstück. Ich hatte ihn am Abend schon kennengelernt. Er war sympathisch und von meinen Französischkenntnissen ganz angetan. Mit vielen Schülern konnte er sich nur auf Simlish unterhalten und das fiel ihm nicht besonders leicht.
„Gestern Abend ist noch ein Mädchen aus deiner Stadt angekommen.“, informierte er mich, während er neuen Kaffee aufsetzte. „Sie spricht genauso gut französisch wie du!“
Für einen Moment hatte ich geglaubt, dass er Leaf meinte. Sie hatte eigentlich mitkommen wollen, aber ihre Eltern waren nicht davon begeistert gewesen sie mit mir allein zu lassen. Leaf war ein Einzelkind, der Augapfel ihres Vaters. Nur weil wir uns schon so lange kannten, hatte er überhaupt zugelassen, dass wir miteinander ausgingen.
Leafs Französisch war allerdings zum davonlaufen und sie hatte es inzwischen zu Gunsten von Spanisch abgewählt (worin sie nicht besser war, das Mädchen hatte einfach ein Sprachgefühl).
Während mein müdes Hirn noch überlegt, welche Mädchen aus meinem Französsichkurs in Frage kamen, hörte ich Schritte auf der Treppe. Turquoise wies mit dem Kopf dorthin. „Da ist sie.“



Ich neigte den Kopf ein bisschen um nicht zu neugierig zu wirken und verzog dann unwillig meinen Mund. Ausgerechnet.
„Guten Morgen, Grenadine“, begrüßte Turquoise sie fröhlich. „Schau an wer hier ist. Ich nehme an ihr kennt euch?“
Grenadine sah mich genauso unwillig an wie ich sie. Turquoise schien die Spannung nicht zu bemerken und plauderte munter weiter. Immer mehr Kids kamen in die Küche und er wendete sich schließlich von uns ab.
„Was machst du denn hier?“, fragte ich mit zusammengebissenen Zähnen. Inzwischen war mir klar, dass es Grenadine gewesen war, die ich früher am Morgen im Bad angetroffen hatte. Sie nicht in ihrem typischen Upperclassoutfit und die Nase so hoch tragend, dass es rein regnete, zu sehen, hatte mich sie nicht auf Anhieb erkennen lassen.
„Ich könnte dich das Gleiche fragen, doch die Antwort ist so erschreckend klar, dass ich mich dazu nicht herablassen werde.“
Nun, du kannst einen Sim anders kleiden, aber seine Attitüde bekommst du damit nicht weg.
Sie nahm sich elegant eine Tasse Kaffee und sah mich aus ihren dunklen Augen forsch an.

Grenadine und mich verband seit einem guten Jahr eine tief sitzende Feindschaft, die ich Kummy zu verdanken hatte. Damals war Grenadine mit ihrer Mutter auf die Insel gezogen. Einen Vater gab es nicht und weder Grenadine noch ihre Mutter sprachen je über ihn. Mrs. Cummings war eine versnobte, herrische Frau, mit der meine Mom direkt beim ersten Elternabend aneinander gerasselt war. Mrs. Cummings hatte sich herablassend über uns Insulaner im Allgemeinen und Farmer im Besonderen geäußert und dabei besonders Mom angesehen, die zuvor über unsere Farm gesprochen hatte. Mom hatte sich natürlich genötigt gefühlt Mrs. Cummings darüber zu informieren, wer sie war, was sie beruflich tat, wie erfolgreich sie auch außerhalb der Insel war und überhaupt. Simmer, ich war so unendlich dankbar, dass ich das nicht live erleben musste. Noch bei dem Gedanken an diesen Zickenkrieg bekam ich das Bedürfnis mir ein Loch zu suchen und mich darin zu verbergen.
Dennoch lag darin nicht der Grund in meiner Feindschaft mit Grenadine (auch wenn es sich nicht eben positiv auf unser Verhältnis auswirkte). Wir arbeiteten zusammen an einem Projekt, weswegen sie ein paar Mal mit zu uns kam. Es war unvermeidlich, dass sie Kummy kennenlernte, zumal der damals ebenfalls auf unsere Schule ging. Ums kurz zumachen: Kummy fügte Grenadine (und Gerüchten nach auch ihre Jungfräulichkeit) seiner Sammlung hinzu und ließ sie mit gebrochenen Herzen zurück. Ihren Zorn übertrug sie auch auf mich und den Rest der Familie.



„Ich hätte nicht gedacht, dass deine komplexüberladene, überfürsorgliche Mutter dich alleine reisen lässt.“
Oh, wir wollen also Kommunikation machen? Bitte…
„Es geschehen eben noch Zeichen und Wunder.“, erwiderte ich aufgeräumt. „Immerhin lässt deine Mutter dich in einer – Turquoises Werk in allen Ehren – doch recht schlichte Herberge absteigen.“ Ich musterte sie von oben bis unten und fuhr fort. „Zumal dein Aufzug nicht ganz ihrem Geschmack entsprechen dürfte. Oder hast du deinen Koffer verloren, so dass du dir von einem anderen Mädchen Kleidung borgen musstest?“
Wir sahen einander fest in die Augen und ich hätte schwören können, dass Dolche flogen.
„Kinder, Kinder, wo bleibt ihr denn?“ Turquoise kam auf uns zu. Eben so unsensibel wie eben für unsere Stimmung, legte er jedem von uns einen Arm um die Schulter. „Ihr müsst in euren Kurs.“
War ja klar, dass wir denselben Kurs besuchen…
„Ah, wie schön, dass zwei Freunde uns zusammen besuchen.“ Er schob uns in einen Unterrichtsraum. „Schaut ihr könnt nebeneinander sitzen.“
Müssen traf es eher, denn es waren nur diese beiden Plätze noch frei. Zähneknirschend nahm ich Platz und versuchte Grenadine zu ignorieren. Das konnte ja heiter werden!
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo Dez 19, 2011 8:40 pm

Kapitel 2

Nach dem Unterricht machte ich mich so schnell wie möglich aus dem Staub. Ich hätte es keine Minute länger in diesem Raum ausgehalten. Grenadine und ich waren eindeutig die Besten des Kurses, weswegen wir in den Partnerarbeiten immer zusammen arbeiten mussten (die Lehrerin hielt wohl nicht viel davon, dass sie stärkere und schwächere Schüler unterstützen). Ebenso wie Turquoise war sie absolut unempfänglich für unsere Antipathie. Ich hatte Franzosen für feinsinniger gehalten.
Ich nahm mir aus der Herbergsküche ein belegtes Baguette mit, lieh mir einen Roller und düste los. Ich hatte keine Ahnung wohin ich eigentlich fuhr, aber das war mir in diesem Moment auch egal. Ich wollte nur möglichst viel Abstand zwischen Grenadine und mich bringen.
Es war frustrierend! Da macht man einen Ausreißversuch aus seinem elterlichen Kokon und trifft am Fluchtort ausgerechnet auf seine größte Nemesis! Ich wünschte der Roller würde schneller fahren, damit ich Grenadine vergessen konnte.



Ich hielt mitten in der Pampa an und verspeiste mein Baguette, denn inzwischen hatte ich entsetzlichen Hunger bekommen. Turquoise verstand es wirklich Essen herzurichten. Ich sollte mir dringend ein bisschen was von ihm abgucken!
Ich ließ den Blick schweifen und entdeckte ein Hinweisschild. Es wies auf ein Museum ganz in der Nähe hin. Weil ich ja eh nichts Besseres zu tun hatte (außer Grenadine zu meiden), entschloss ich mich, diesen ersten Tag im Museum zu verbringen.



Ja, ich weiß, dass klingt so gar nicht nach Ausbruch und Rebellion, aber man muss schließlich klein anfangen!
Das Museum hatte viele Exponate aus allen Ecken der Welt zusammengetragen. Außer mir waren nur wenige Besucher dort und so konnte ich mich ungestört umsehen und ewig vor den Ausstellungsstücken stehen bleiben. Ich begann vor mich hinzuträumen und vergaß darüber so die Zeit, dass ich schließlich von einer Museumsangestellten daraufhingewiesen wurde, dass das Museum nun schließe. Ich bedankte mich höflich und machte mich auf den Weg zurück zur Jugendherberge.



In der Küche verwickelte ich Turquoise möglichst schnell in ein Gespräch übers Kochen. Er ging darin vollkommen auf, so dass er es unterließ, Grenadine zu uns zu rufen. Vielleicht war sie mir dafür sogar dankbar, denn so konnte sie sich in eine Ecke hocken und ihr Abendessen zu sich nehmen. Ich kam nicht umhin festzustellen, dass sie ein wenig mitgenommen aussah – in etwas so wie damals, als Kummy mit ihr Schluss gemacht hatte. Aber das war ja wohl nicht mein Problem!

Schließlich ging ich nach draußen und meldete mich diesmal telefonisch bei meinen Eltern. Zunächst sprach ich jedoch mit Onkel Daffy, der mich freudig darauf hinwies, dass in den nächsten Tagen ein Päckchen für mich nach Frankreich kommen wurde. Oh mein Simmer!
„Äh…habe ich denn was vergessen?“
„Ich habe Bettwanzenbeutel gekauft.“
„Bettwanzenbeutel?“
„Ja! Ist das nicht toll? Da tust du deine schmutzige Wäsche rein. Die Beutel werden dann mitgewaschen und alle Bettwanzen sterben dabei und du kontaminierst nicht unser Haus!“
Bettwanzen?
„Ich glaube nicht, dass es hier in der Herberge Bettwanzen gibt.“
„Man kann nie wissen, Lo! Besser Vorsicht als Nachsicht. Deine Mom will dich sprechen.“
Ich unterdrückte ein abgrundtiefes Seufzen. „Hi Mom.“



Schließlich bekam ich auch noch Clementine zu sprechen, die aber mit dem Telefon nach draußen ging. Bei ihr beklagte ich mich über Grenadine.
„Sie ist nicht sooo übel.“, wendete meine Schwester tausende Kilometer entfernt ein.
„Hallo? Geht’s noch? Die guckt doch keinen von uns mehr an seitdem Kummy sie flachgelegt hat und benimmt sich wer weiß wie. Sie hat sogar Leaf blöde angemacht und die hat damit ja mal gar nichts zutun.“
„Erstens hat Kumquat sie echt scheiße behandelt. Zweitens weiß niemand – außer unserem Bruder und ihr – genau, ob sie flachgelegt wurde. Und drittens hat Leaf sie zuerst doof angemacht, weil sie eifersüchtig war.“
„Oh.“ Leaf war eifersüchtig? „Wirklich?“
Ich konnte quasi sehen, wie Clementine die Augen verdrehte. „Wirklich! Bevor die Sache mit Kumquat war, habe ich mich ein paar Mal sehr gut mit ihr unterhalten. Grenadine ist nett, sie hat nur ein Problem mit ihrer Mutter.“



„Pff.“, machte ich und dachte: Wer hat das nicht?
„Ich merke schon, du hast keine Lust deine Meinung über sie zu reflektieren.“ Wie schaffte Clementine es nur, einen sachlich zu kritisieren ohne dabei vorwurfsvoll zu klingen?
„Ich denk’ drüber nach.“, log ich und wir verabschiedeten uns. Pah, als würde ich auch nur einen Gedanken mehr als nötig an Grenadine verschwenden!

Der nächste Morgen verlief ähnlich erfreulich wie der vorige. Grenadine und ich mussten weiterhin zusammenarbeiten, Turqoise behandelte uns, als wären wir lang vermisste, beste Freunde und als ich endlich diesem Tollhaus entfliehen konnte, wusste ich nicht wohin. Clementine hatte mir zwar einen Reiseführer geschenkt, aber der lag in meinem Zimmer und der Weg dorthin war von einem Cerberus namens Grenadine versperrt. Die saß nämlich wütend auf der Treppe und versuchte mit ihrem Smartphone Netz zu bekommen. Da verzichtete ich lieber auf einen Reiseführer.

Ich fuhr eine ganze Weile durch die Gegend und bekam nach und nach einen klaren Kopf. Den Gedanken an einen erneuten Museumsbesuch verwarf ich, das Wetter war einfach viel zu schön. Da meine Mom nicht mit einer Strickjacke oder einem Schal hinter mir herlief, konnte ich auch ganz in Ruhe im T-Shirt durch die Gegend streifen.
Ich kam am örtlichen Friedhof vorbei und erinnerte mich, dass Turquoise am vorigen Abend davon erzählt hatte. Um ehrlich zu sein, ich hatte noch nicht einmal den Friedhof zuhause besucht, denn die einzige verstorbene Sima an der mir etwas lag, meine Großmutter, lag zuhause unterm Kirschbaum neben meinem Großvater, der aber schon vor meiner Geburt gestorben war. Der Gedanke an Grandma Carra machte mich wehmütig und ich verspürte vielleicht sogar so etwas wie Heimweh.

Kurz entschlossen drehte ich um und fuhr zum Friedhof zurück. Turquoise hatte erzählt, er wäre schon sehr alt und wunderschön. Naja, Friedhofe haben doch angeblich eher was Unheimliches oder? Aber unser kleiner Familienfriedhof war eher idyllisch (wenn Ronron oder unsere Katze Fuzzball dort nicht gerade ihr Unwesen trieben).



Dieser Friedhof hatte etwas Uriges. Die alten Mauern waren von Efeu überrankt, die Grabsteine zum Teil verwittert. Nachts könnte man hier bestimmt prima Zombiefilme drehen. Oder lieber Vampirfilme, denn der Friedhof wirkte viel zu elegant für Zombies. Ich schlenderte auf den Kieswegen über den Friedhof und las die Namen der Verstorbenen. Wie schon am gestrigen Tag, tauchte ich ziemlich bald in eine Fantasiewelt ab und merkte gar nicht wie die Zeit verging. Plötzlich war ich wieder am Ausgang angekommen und stutze.
Da weinte doch jemand? Ok, das ist auf einem Friedhof vermutlich nicht so furchtbar ungewöhnlich. Trotzdem war ich neugierig geworden und sah vorsichtig um eine Ecke.



War ja klar!, dachte ich mir, als ich in der weinenden Sima Grenadine erkannte. Ich rollte mit den Augen und war versucht sie anzumachen, ob sie mich etwa verfolgte. Aber dann erinnerte ich mich daran, dass sie hier stand und heulte.
Dummerweise bekomme ich immer ein absolutes Helfersyndrom, wenn ich weinende Simas sehe. Dank meiner Mutter ging ich auch nie ohne Taschentücher aus dem Haus. Also holte ich flugs ein Päckchen Taschentücher heraus und drückte es Grenadine in die Hand. Ohne aufzusehen fischte sie sich ein Tuch heraus und tupfte sich über das Gesicht, bevor sie sich vornehm schnäuzte.
„Merci.“, sagte sie mit belegter Stimme.
„Kein Problem.“
Sie hob den Blick und ihre rotgeränderten Augen blitzten mich wütend an. Pff, da eilt man zur Rettung und dann so was!
„Läufst du mir etwa hinterher?“, fragte sie heiser.
„Nö.“, antwortete ich einsilbig.
Grenadines Blick umwölkte sich abermals, aber dann straffte sie ihre Schultern und brachte ihre Gesichtsmuskeln unter Kontrolle. „Entschuldige. Danke für’s Taschentuch.“
Überrascht nickte ich nur. Dann holte ich mit dem Arm aus und wies über den Friedhof. „Ich hab mir den Friedhof angesehen. Turquoise meinte gestern er wäre sehenswert.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ist ganz nett, aber ich glaube ich bin kein Friedhofsgänger.“ Ich fühlte mich bemüßigt meine Anwesenheit zu erklären. Als ob ich mich rechtfertigen müsste. Ich waf neugierig einen Blick auf den Grabstein vor dem sie stand. Hier lag ein Carmin Roux begraben.
„Besuchst du jemanden?“, erkundigte ich mich etwas unbeholfen und deutete auf den Grabstein.
Grenadine sah mich nachdenklich an, dann nickte sie. Sie sah auf den Grabstein. „Carmin Roux war mein Vater.“
„Mh.“, machte ich und kratzte mir am Kopf. „Mh, also ich will ja nicht unhöflich sein, aber ich kenne zufällig deinen Geburtstag, weil du ja am selben Tag wie ich Geburtstag hast, und das kommt nicht hin.“ Ich wies auf das Todesdatum. „Es sei denn deine Mutter hat eine Elefantenschwangerschaft hinter sich.“
Grenadine stutzte. Sie ging näher an den Stein heran und fuhr mit dem Finger über das eingemeißelte Todesdatum. Ich konnte sie förmlich rechnen sehen.
„Oh mein Simmer.“, hauchte sie.


Zuletzt von Akki am Mi Feb 22, 2012 2:13 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Di Dez 20, 2011 3:06 pm

Kapitel 3

Wir standen einige Minuten schweigend vor dem Grabstein. Das Todesdatum von Carmin Roux lag eine ganze Ecke vor Grenadines geburt. Da eine Simschwangerschaft aber nur neun Monate dauerte konnte er unmöglich ihr Vater sein! Schließlich wendete sich Grenadine ruckartig ab. Sie ballte die Fäuste und sah wieder so wütend aus, wie meistens wenn sie mich sah. Zeit Land zu gewinnen!



Doch offenbar war ich nicht das Ziel ihres Zorns.
„Ich könnte meine Mutter erwürgen!“, fluchte sie ganz undamenhaft los. „Diese blöde Kuh!“
Ich riss die Augen überrascht auf und starrte sie an, während sie verärgert umherstapfte. Schließlich sah sich mich mit blitzenden Augen an. „Kannst du dir vorstellen, dass sie mich belogen hat?!“
„Äh…“, machte ich, aber es war offenbar eine rhetorische Frage.
„Grenadine, Liebes.“, machte sie die Stimme ihrer Mutter überraschend gut nach. „Dein Vater ist Carmin Roux, ein berühmter Adliger aus Champs Les Sims. Leider ist er vor deiner Geburt gestorben! Nur dass er so lange tot ist, dass er nicht mein Vater sein kann, dass hat sie mal fein verschwiegen!“ Sie schrie wütend auf. „Ich wusste gleich, dass da etwas nicht stimmt! Meine Tante hat schon immer so komisch geguckt wenn meine Mutter diese Story erzählt hat! Und nie, nie, nie hat sie mir erlaubt nach Frankreich zu reisen!“ Sie trat nach einem Kiesel.
„Naja, jetzt bist du hier.“, warf ich trocken ein.
Sie fasste mich in den Blick, die Augen zusammengekniffen. „Du doch auch! Dabei lässt deine Mutter dich doch echt nicht gern allein.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Hab ihr erzählt meine Französischlehrerin hätte es empfohlen. Sprachreisen sind ja soooo toll und wichtig!“
Grenadines Zorn entschwand ihrem Blick und sie kicherte. „Und ich kam mir so kreativ vor, als ich genau das selbe zu meiner Mutter gesagt habe!“
Ich fiel kurz in ihr Gekicher ein, dann erinnerte ich mich daran, dass wir uns nicht leiden konnten. Grenadine erging es ebenso und wir sahen ernst aneinander vorbei. Die Stille die dabei entstand war so merkwürdig, dass ich schließlich doch wieder lachen musste. Grenadine prustete ebenfalls los.
Ein älterer Simo, der soeben den Friedhof betrat, sah uns tadelnd an und Grenadine deutete zum Ausgang. Es war wirklich nicht höflich.



Ebenso wie ich hatte Grenadine sich einen Roller geliehen. Wir schoben unsere Gefährte, damit wir uns besser unterhalten konnten. Außerdem war durch den Lachflash eh nicht ans Fahren zu denken.
„Du weißt also nicht genau, wer dein Vater ist und deine Mom hat dir irgendeine Story aufgetischt?“
„Sie hat mir immer erzählt, Carmin Roux wäre mein Vater. Das und dass er schon tot ist.“ Sie hob die Achseln. „Wenigstens letzteres ist nicht gelogen.“
„Vielleicht ist es auf dem Grabstein ja ein Irrtum?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ich fürchte nicht. Siehst du, die ganze Geschichte war immer schon komisch. Ich weiß, dass mein Großvater nichts mehr mit meiner Mutter zutun haben wollte, nachdem ich geboren worden bin, weil ich … naja, weil meine Mutter nicht verheiratet ist.“
„Meine Eltern waren auch nicht verheiratet als Kummy geboren wurde.“, warf ich ein. Ups.
Grenadine warf mir einen säuerlichen Seitenblick zu.
„Ich würde es vorziehen diesen Namen nicht zu hören.“
Stumm nickte ich. Warum waren Mädchen immer so empfindlich? Sie seufzte und ich murmelte schließlich eine Entschuldigung. Ihre Geschichte interessierte mich – und sei es nur um neuen Sprengstoff fürs neue Schuljahr zu bekommen. Wenn sie daheim nämlich wieder so anfing wie am Morgen…diesmal wäre ich gewappnet. Doch ich verwarf den Gedanken schnell wieder. So gehässig war ich nun auch nicht.
„Gestern habe ich in der Stadt nach Carmin Roux rumgefragt und auch nach meiner Mutter. An sie konnte sich keiner so recht erinnern, aber an Carmin Roux schon.“ Sie sah etwas verlegen drein und ich grinste.
„Also war er schwul?“, riet ich ins Blaue hinein. Ich kannte diese Art von verlegenem Blick.
Grenadine nickte schamhaft.
„Homosexualität ist nichts Schlimmes.“, belehrte ich sie. Onkel Daffy war schwul und ich konnte es nicht leiden, wenn Sims Homosexualität als etwas Schlimmes oder Schamhaftes ansahen.
„Ich… ich weiß!“, verteidigte sie sich. „Aber es ist schon peinlich dass vom vermeintlichen Vater zu erfahren.“
„Naja.“ Durch meine Familie hatte ich da eine etwas gelassenere Sicht. Zwar wurde es uns Kindern nicht gerade aufgebunden, aber der Mann meiner Tante Marigold, war eigentlich mal der Lebensgefährte von Onkel Daffy. Sehr verworrene Geschichte!
Grenadine seufzte erneut.
„Willst du deine Mutter darauf ansprechen? Boah, ich hab übrigens voll Hunger. Sollen wir uns irgendwo was holen?“
Völlig irritiert sah sie mich an. Dann grinste sie breit. „Das war eben so typisch Junge!“
„Was denn? Mein Magen knurrt!“
„Also gut. Lass uns zu diesem Cafe im Ortskern fahren und etwas essen.“
Ich lächelte sie dankbar an und machte dabei ein Gesicht wie Ronron, wenn er erfolgreich etwas erbettelt hatte. Möglicherweise – aber wirklich nur möglicherweise – war Grenadine ja doch nicht so eine Hexe wie ich dachte. Und hey, vielleicht bekam ich ja auch noch raus, was damals tatsächlich zwischen ihr und Kummy gelaufen war!

Wir blieben lange im Cafe. Die Betreiber hatten wohl vor uns zu mästen, denn sie fuhren ein dreigängiges Menu für einen unschlagbar günstigen Preis auf. Zum Schluss brachten sie noch eine Käseplatte, die ich fast allein aufessen konnte. War ja wieder typisch Mädchen, bloß nicht zuviel essen, man könnte ja am Ohrläppchen zunehmen!



„Willst du, während du hier bist, weiterforschen?“, fragte ich schließlich und schob den leeren Teller von mir.
Grenadine zuckte mit den Schultern. „Ich wüsste nicht wo ich anfangen soll.“
„Kannte niemand deine Mutter?“
„Eine alte Frau meinte sich eventuell zu erinnern. Aber sie war eben alt und nicht mehr ganz auf der Höhe.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich muss wohl damit leben, dass ich nicht herausfinden werde, wer mein Vater ist.“
„Lass den Kopf nicht so schnell hängen!“, forderte ich sie auf. „Wir sind noch fast drei Wochen hier. Da werden wir schon was raus finden!“
Überrascht sah Grenadine mich an. Sie schien zu überlegen, ob mein Angebot ernstgemeint war und ob sie ausgerechnet mir vertrauen sollte. „Warum solltest du mir helfen wollen?“
Ja, warum eigentlich?
„Es ist bestimmt spannender als jeden Tag ins Grüne hinein zu fahren und darüber nachzudenken, was ich mit mir anfange.“, erwiderte ich schließlich. „Und wenn du willst verbünden wir uns nur für diese Reise. Zuhause können wir uns wieder angiften.“ Ich grinste. „Du hast schließlich einen Ruf zu verlieren.“
Säuerlich schob sie die Unterlippe vor. Ich fürchtete zu weit gegangen zu sein, doch dann nickte sie langsam. „Deal. Du hilfst mir hier und solange sind wir … ähm eben Verbündete. Und daheim bleibt alles beim Alten. Schließlich will ich nicht auch noch mit Leaf aneinandergeraten. Das eine Mal hat mir gereicht.“
Ich sah sie fragend an, doch Grenadine winkte ab. Der Kellner kam und servierte uns Nektar, als Aufmerksamkeit des Hauses. Mit klirrenden Gläsern stießen meine neue Verbündete und ich an.


Zuletzt von Akki am Mi Feb 22, 2012 2:16 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo Dez 26, 2011 8:52 pm

Kapitel 4

Am nächsten Tag besuchten wir nach dem Unterricht die ältere Sima von der Grenadine gesprochen hatte. Madame Malva Lefebre freute sich sichtlich über Besuch und erzählte uns ihre komplette Lebensgeschichte, bevor wir dazu kamen, sie nach Grenadines Mutter Valencia zu fragen.
„Valencia?“ Sie legte nachdenklich den Finger an die Lippen. „Valencia … hm.“
„Der Nachname ist Cummings.“, half ich ihr auf die Sprünge. Grenadine sah mich böse an, vielleicht war es ihr nicht recht, dass ich den Nachnamen genannt hatte. Aber wer verstand schon Mädchen im Allgemeinen und Grenadine im Besonderen?
„Ah!“ Malva sah uns an, als wäre ihr ein Licht aufgegangen. „Valencia Cummings, natürlich erinnere ich mich!“
Erwartungsvoll sahen wir sie an und Malva fuhr fort: „Eine Simerikanerin, nicht wahr?“ Wir nickten und hingen an ihren Lippen. „Ich erinnere mich wirklich langsam.“ Konnte das auch schneller gehen? „Ja, Valencia Cummings aus Simerika. Ja, sie kam vor einigen Jahren her. Es muss der Sommer gewesen sein, in dem Carmin gestorben ist.“
„Carmin Roux?“, fragte ich.
„Natürlich Carmin Roux!“ Sie kicherte. „Obwohl ich ja schon einige Jahre älter bin, aber Carmin war ein heißer Feger.“ Sie räusperte sich und maß uns mit einem Blick. „Nur hatte er …ähm andere Interessen.“
Wir nickten. Das wussten wir ja schon.
„Tragisch war sein Tod, ganz tragisch.“ Malva hatte fast schon Tränen in den Augen und zog ein spitzenbesticktes Taschentuch aus dem Ärmel. Sie tupfte sich die Augen trocken und ich musste mich zusammenreißen, nicht ungeduldig mit dem Fuß aufzutappen. Auch Grenadine wirkte, als wolle sie Malva nehmen und die Einzelheiten aus ihr herausschütteln.



Malva verstaute ihr Taschentuch wieder und sah uns an. „Ach, aber Kinder, ihr wolltet ja etwas von dieser Valencia wissen, nicht wahr?“
Ich nickte und sah aus den Augenwinkeln, dass Grenadine bei Malvas etwas herablassender Art den Namen ihrer Mutter in Kombination mit dem Pronomen erbost die Unterlippe vorschob. Weiber!
„Das wäre wirklich sehr freundlich, Madame Lefebre.“, säuselte ich schnell und war versucht Grenadine auf den Fuß zu treten.
Malva lächelte mich an. Ja, sie war eindeutig zugänglich für etwas männlichen Charme.
„Valencia kam, wie gesagt, in dem Sommer in dem Carmin starb zu uns. Ich weiß gar nicht mehr, was sie hergeführt hatte. Sie kam im Sommer und blieb mehrere Jahre. Als sie dann ging, geschah es in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, ganz heimlich und still.“ Sie machte eine bedeutungsschwangere Pause.
„Und mit wem war sie hier bekannt?“ Grenadine übte sich nicht eben in Geduld.
Malva sah sie tadelnd an. Ich drehte mein Lächeln noch ein paar Watt höher.
„Sie war eine Freundin von Tulipe.“, erklärte Malva dann.
Grenadine und ich wechselten einen Blick. Sie hatte den Namen offenbar noch nie gehört. Ich war mir unsicher ob Tulipe ein Simo oder eine Sima war.
„Tulipes Familie war schon immer bei der Familie Roux angestellt. Daher kannten die beiden Jungen sich auch. Obwohl Tulipe nur ein Bürgerlicher, und der Sohn des Gärtners obendrein, war, verband Tulipe und Carmin eine enge Freundschaft.“, erklärte Malva. „Allerdings teilte Tulipe wohl nicht Carmins Neigungen. Er hatte viele Freundinnen.“
„Und Valencia war eine davon?“, bohrte ich nach. Tatsächlich hatte ich nun Grenadines Fuß auf meinem. Geschenkt – immerhin implizierte ich gerade, dass sie die Tochter des Gärtners war. Ich persönlich konnte daran ja nichts Schlimmes feststellen, aber Grenadine und ihre versnobte Mutter mussten umkommen bei dem Gedanken!
„Oh, Valencia war über seinen Charme erhaben.“, kicherte Malva. „Er hat es immer wieder bei ihr versucht, aber sie wollte nur eine platonische Freundschaft.“
Ich musste mich zusammenreißen um nicht die Augen zu verdrehen. Das waren ja feine Verhältnisse!



„Manche sagen, sie wollte sich Carmin angeln.“, plauderte Malva schon weiter. „Eine ganz dumme Dreiecksgeschichte, nicht wahr? Carmin wollte Tulipe, Tulipe wollte Valencia und Valencia wollte Carmin.“ Sie sah versonnen aus dem Fenster. Oh ja, wie spannend…
Grenadine verschränkte die Arme und schob wieder die Unterlippe vor. „Gab es denn andere Männer in Valencias Leben?“
„Hm?“ Malva wurde dadurch aus ihren Gedanken gerissen und sah uns einen Moment verwirrt an. „Ach, also da wäre noch Tulipes jüngerer Bruder, Crocus. Der war damals noch ein Teenager, lief ihr aber auch immer hinterher. Und natürlich Pommier, der Buchhändler. Valencia lieh dauernd Bücher bei ihm aus.“
„Und wo sind sie und Tulipe jetzt?“, beeilte ich mich zu fragen. Dabei lächelte ich Malva begeistert an. Lächeln und winken, lächeln und winken…
„Oh, Tulipe ist damals auch verschwunden, bald nachdem Valencia gegangen war. Crocus ist vor ein paar Jahren nach Asien gezogen.“
„Und Pommier?“
„Der lebt immer noch hier. Allerdings ist er gerade auf einer Reise.“ Sie deutete aus dem Fenster. „Er wohnt gegenüber.“
„Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Madame Lefebre.“, sagte Grenadine sobald, sie sicher war, aus Malva nichts mehr herauszubekommen.
„Och, müsst ihr schon gehen, Kinder?“
„Leider, leider haben wir heute Nachmittag noch einen Kurs.“, improvisierte ich. „Da dürfen wir nicht fehlen!“
„Nein, natürlich nicht. Man muss in der Schule immer gut mitarbeiten und viel lernen. Das erinnert mich an meine Schulzeit…“
Ich sah übertrieben dramatisch auf meine Armbanduhr, grinste entschuldigend und eilte hinter Grenadine, die es nicht für nötig hielt sich weiter mit Malva zu beschäftigen, her.

Grenadine warf einen Blick ins Fenster von Pommiers Haus. Es war wirklich niemand dort. Enttäuscht verschränkte sie die Arme und stapfte in Richtung der Jugendherberge.
„Du grummelst.“, stellte ich vollkommen überflüssig fest. Grenadine erwiderte nichts, so dass ich fortfuhr: „Immerhin haben wir neben Carmin Roux noch drei weitere Namen gehört: Tulipe, Crocus und Pommier.“



„Die alle nicht hier sind!“, erwiderte sie dumpf. Sie seufzte und blieb stehen. „Ich bin nach Frankreich gekommen, um etwas über meinen Vater herauszufinden. Aber alles was ich erfahre ist, dass mein vermeintlicher Vater nicht mein Vater ist und nun drei Kandidaten zur Verfügung stehen. Die alle nicht hier sind.“
„Hm.“, machte ich etwas hilflos.
Grenadine verzog das Gesicht und starrte auf die Jugendherberge. „Ich bin einfach enttäuscht, dass ist alles.“
„Hmja.“, murmelte ich. Mist, was erwartete sie denn jetzt von mir? Ablenken, schnell ablenken… „Ich hab übrigens Hunger…Wollen wir schauen was Turquoise so da hat?“
Sie sah mich vollkommen entgeistert an. Ich setzte einen unschuldigen Blick auf, wobei ich versuchte Ronron nachzuahmen, wenn er bettelte. Sie musste schließlich kichern und wies mit dem Kopf zur Herberge. „Na dann mal los. Bevor du noch vom Fleisch fällst.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Di Feb 21, 2012 3:46 pm

Kapitel 5

Turquoise erwartete uns schon. Er sah nicht eben glücklich aus der Wäsche und wir beide machten uns auf ein Gewitter gefasst, auch wenn mir nicht so ganz klar war, was wir verbrochen hatten.
„Ähm … hi Turquoise.“, begrüßte ich ihn und zog schnuppernd die Luft ein. „Das riecht aber gut!“
„Ihr stromert rum und fragt nach Carmin Roux. Und Valencia Cummings.“, sagte er mit schwerer Stimme. Dann sah er Grenadine an. „Das ist deine Mutter nicht wahr?“
Ich musste schlucken, aber Grenadine setzte nur einen störrischen Blick auf und nickte.
Turquoise seufzte schwer. „Das tut mir sehr leid für dich, Mädchen.“
Ha, das sah ich genauso! Grenadines Mutter war schrecklich.
„Ich war damals noch sehr jung und über den Sommer bei Verwandten, aber ich habe mit den Jahren das Puzzle zusammengesetzt.“
Das wurde ja immer mysteriöser! Warum hatten wir eigentlich nicht gleich Turquoise gefragt?
„Und was hast du herausgefunden?“, bohrte Grenadine nach. Sie wirkte noch immer störrisch, nur dass sich jetzt auch noch Ungeduld hinein mischte. Wäre ich klug, würde ich das Weite suchen…
„Valencia kam hierher und wollte Carmin für sich gewinnen. Sie war damals eine ….wie drücke ich das aus?“ Turquoise suchte händeringend nach Worten.
„Berechnende Frau?“, schlug Grenadine zu meiner Überraschung vor. „Nur auf ihr eigenes Wohl bedacht? Tückisch?“
Ich sah sie überrascht von der Seite an, doch sie ignorierte mich.
Unser Herbergsvater nickte langsam. „Das trifft wohl zu. Valencia ließ sich auch nicht von ihrem Vorhaben abbringen, als sie erfuhr das … nun das Carmin schwul war. Sie schreckte dabei vor nichts zurück. Einmal – so munkelt man jedenfalls – machte sie ihn betrunken und schlief mit ihm.“
War Carmin am Ende doch Grenadines Vater? Nein, das konnte nicht sein, denn sein Todeszeitpunkt lag ja lange vor ihrer Zeugung.
„Carmin war darüber sehr erbost… es ging den ganzen Sommer so hin und her und am Ende rächte sich Carmin, indem er seinen Freund Tulipe beauftragte, dasselbe mit Valencia zu tun.“
„Also ist Tulipe mein Vater.“ Grenadines Stimme klang tonlos. Angesichts dieser Ungeheuerlichkeit überkam mich Mitleid und ich ergriff ihre Hand und drückte sie. Ganz leicht erwiderte sie den Druck, so als sei sie dankbar. Aber wer konnte das bei ihr schon wissen?
„Ich bin nicht sicher.“, musste Turquoise einwenden. „Offenbar … es scheint…nun ja, es waren wohl mehrere Männer daran beteiligt.“
Uff. Mir blieb die Luft weg. Das Ganze war ja ein Verbrechen
„Und dann?“ Wie konnte Grenadine nur so ruhig bleiben? Da erfuhr sie, dass sie vermutlich das Ergebnis einer …ja, nennen wir es Massenvergewaltigung war und sie wirkte als tauschte sie sich mit Turquoise über das Wetter aus! Doch da bemerkte ich, dass sie noch immer meine Hand hielt und ihre Hand zitterte. Ich erneuerte den Druck und dieses Mal warf sie mir einen kurzen, dankbaren Blick zu.
„Ich nehme an, du bist das Ergebnis.“ Turquoise begann seine Schuhspitzen zu mustern. „Als Carmin erfuhr, dass Tulipe derartig übertrieben hatte, machte er sich schreckliche Vorwürfe. Er war ja nie ganz stabil, aber danach…“
„Also hat er sich selbst umgebracht.“, sagte ich in die eintretende Stille. So ein Feigling…
Turquoise nickte. Er sah auf und suchte Grenadines Blick. „Deine Mutter verschwand daraufhin. Tulipe etwas später ebenfalls. Ich habe gehört … nun es sind nur Gerüchte, aber ich habe gehört, er wurde ein paar Städte weiter übel zugerichtet. War danach wochenlang im Krankenhaus. Seine Spur verliert sich dann…“
Wir verfielen in Schweigen. Turquoise musterte wieder seine Schuhspitzen, während Grenadine und ich einander an der Hand hielten.
„Danke, dass du so ehrlich zu mir warst.“, brach Grenadine schließlich heiser die Stille. Sie entzog sich meiner Hand. „Ich möchte jetzt gern allein sein.“
Turquoise und ich sahen ihr bedrückt nach als sie mit erhobenem Kopf die Treppe hinaufging. Als wir die Tür ihres Zimmers schließen hörten, blickten wir uns an.
„Das ist ….“, begann ich und brach ab. Mir fehlten die Worte. Der Herbergsvater nickte nur.



Etwas später brachte ich Grenadine Suppe nach oben. Sie bat mich schon auf das erste Klopfen hin hinein. Ihr Koffer lag auf dem Bett und sie schien zu packen.
„Geht der Kurs nicht noch fast drei Wochen?“, fragte ich irritiert.
„Ich reise ab.“ Sie mied meinen Blick und ich seufzte. Weiber! Ich stellte die Suppe auf eine Kommode und verschränkte die Arme.
„Willst du deine Mutter mit deinem Wissen konfrontieren?“
„Nein.“
„Dann willst du nicht mehr in diesem Land bleiben…“
„Nein.“
„Aha.“
Grenadine unterbrach ihre Packerei und sah mich an. Ich war sicher, dass sie geweint hatte, aber nun sah sie wieder trotzig aus. Außerdem – wie immer – wie aus dem Ei gepellt.
„Hör mal Tangelo, ich danke dir, dass du mir versucht hast zu helfen, aber ich … ich muss einfach weg.“
„Und wohin?“
„Weg.“
Ich rollte mit den Augen. „Wie wäre es, wenn du erstmal was isst und dann in Ruhe mit mir darüber sprichst. Packen kannst du danach immer noch.“
„Ich habe keinen Hunger.“
„Die Suppe ist echt lecker. Du weißt gar nicht was dir entgeht!“
„Denkst du eigentlich jemals nicht ans Essen?“
Ich tat so als überlegte ich und zog schließlich eine Grimasse. „Nee.“
Widerwillig kicherte Grenadine auf. Ich machte einen Schritt auf sie zu und drückte sie aufs Bett. „Jetzt iss erstmal was.“ Damit reichte ich ihr die Suppenschale. „Und wenn du selber nicht löffelst, dann füttere ich dich.“
Gehorsam tauchte sie den Löffel in die Suppe und führte sie zum Mund.
„So ist’s brav. Essen ist lebenswichtig!“
Grenadine schwieg und aß die Suppe auf. Dann stellte sie die leere Schale auf den Boden und lehnte sich auf dem Bett zurück. Sie klopfte neben sich. Da ich bisher gestanden hatte, ließ ich mich neben sie plumpsen.



„Ich hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet du das alles mitbekommst.“, sagte sie und starrte an die Decke.
„Weil ich Kummys Bruder bin? Kann ja auch nix dazu, dass er …ähm Sklave seiner Triebe ist.“
Sie warf mir einen merkwürdigen Blick zu und nickte. „Ich habe nicht mit ihm geschlafen.“
„Ich weiß.“ Ich verschränkte die Hände hinter dem Kopf. „Siehst du, Kummy hat bestimmt einige Mädels rum bekommen, aber die waren alle eine bestimmte Sorte. Du spielst außerhalb seiner Liga.“
„Meinst du das ehrlich?“
Ich bedachte sie mit meinem Hundeblick und nickte. „Ich halte nicht viel davon die Unwahrheit zu sagen … auch wenn ich meinen Eltern gegenüber schon mal auf Notlügen zurückgreifen muss.“
„Ist nicht leicht mit deiner Mom?“
„Nee. Sie … schau, ich bin ein Nachzügler und ein kränklicher noch dazu. Ein paar Mal stand es wohl recht schlecht um mich. Meine Mom konnte nichts dagegen tun. Sie ist es gewohnt die Kontrolle zu haben und über meinen Gesundheitszustand hatte sie kaum Macht. Deswegen ist sie gluckenhaft geworden.“
„Und sperrt dich in ihren Sorgen ein.“
Ich nickte. Gemeinschaftlich starrten wir an die Decke. „Ich glaube ich mache mit Leaf Schluss.“, sagte ich schließlich.
„Wow, dass war ja mal ein Themenwechsel.“ Grenadine kicherte. „Warum?“
„Ich habe nie so mit ihr gesprochen.“
„Das heißt jetzt aber nicht, dass du was von MIR willst?!“
Ich lachte und nahm eines der vielen Kissen und schlug damit nach ihr. „Ich bitte dich! Außerdem haben wir einen Deal.“
„Und wer würde schon mit mir was wollen … nachdem was meine Mutter und mein Vater getan haben…“ Die kurzzeitig gute Laune war verflogen.
„Das ist nicht wahr Grenadine.“ Ich wälzte mich zur Seite und sah ihr fest in die Augen. „Außer mir und ein paar Franzosen weiß niemand etwas davon. Ich werde es bestimmt nicht weitertratschen. Du bist ein tolles Mädchen und lass dir bloß nichts anderes erzählen.“
Ich hätte schwören können, dass ihre Augen feucht waren, aber dann zwang sie sich zu einem Lächeln. „Du wirst mir fehlen.“
„Wenn du jetzt abreist?“
„Nein. Zuhause. Wir haben einen Deal.“
Ich nickte und versuchte den Kloß in meinem Hals runterzuwürgen. Da fand man einmal einen Sim, mit dem man sich so offen und ehrlich unterhalten konnte und dann ging man einen so kindischen Deal ein. „Heißt dass, du bleibst?“
Grenadine nickte. Ich grinste. „Puh, ich dachte schon ich müsste allein den Kurs durchstehen. Und so entgeht dir nicht Turquoises Essen.“ Ich sprang auf. „Vorhin wollte er Kuchen backen. Wollen wir sehen, ob er schon fertig ist?“

Ich hatte die besten Wochen meines Lebens in Frankreich mit Grenadine. Als wir später heimkehrten, änderte sich alles.


Nach langer Pause bin ich wieder da. Entschuldigt bitte den Mangel an Photos und die inhaltlichen Sprünge, sowie eventuelle Logikfehler in diesem Kapitel. Ich musste erstmal wieder reinkommen.
Da meine Sims umziehen müssen / mussten, musste ich den Frankreichteil schnell beenden. Ab sofort wird die ganze Geschichte eine etwas andere Richtung bekommen. Ursprünglich war für Tangelo ja ein Reiseleben geplant, aber ich habe festgestellt, dass mir Reisebeschreibungen nicht so sehr liegen (das überlasse ich Miri, die kann das Wink). Ich hoffe möglichst bald Nachschub liefern zu können!
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mi Feb 22, 2012 3:10 pm

Kapitel 6

Wir machen an dieser Stelle einen Sprung in die Zukunft. Was passiert ist, wird in Rückblenden erzählt.

Lucky und ich schlossen das Diner auf. Während er die Kaffeemaschine anschmiss, ging ich in die Küche um unsere Einkäufe vom Großmarkt zu verstauen. Mit Blick auf die Uhr räumte ich den Kühlschrank ein. Es würde noch eine Weile dauern bis die ersten Frühstücksgäste kamen. Kurz vor Mittag würde ich mit den üblichen Bestellungen rechnen müssen.
Während ich meine Hände wusch, hörte ich die Türglocke, die den ersten Gast ankündigte. Lucky begrüßte den Gast, doch ich konnte die Stimme nicht zuordnen. Normalerweise war Grapefruit immer der erste oder Chili Pepper, der auf dem Weg ins Revier Kaffee mitnahm.
Lucky kam in die Küche und er hatte diesen typischen Blick. Der Blick der besagte, er würde seinem Namen gleich alle Ehre machen und jemandem Glück bringen wollte. Ich grinste. Lucky Charm Colorado war wirklich ein Glücksbringer. Auch für mich.



„Da ist ein Mädchen, dass ich noch nie hier gesehen habe.“, eröffnete er mir. „Sie will einmal Frühstück. So wie die Kleine aussieht braucht sie was auf die Rippen, also spar nicht an Zucker, Sahne und so. Ich mache ihr erstmal einen schönen Kaffee.“
„Okaaay.“, erwiderte ich gedehnt. Ich griff nach meiner Schürze. Lucky spähte durch die Küchentür in den Raum. Er seufzte.
„Sie sieht so aus, als hätte sie eine Menge hinter sich.“
„Du hast ein Auge für so was. Sonst hättest du mich nicht aufgelesen.“
Lucky lachte. „Du bist mir zugelaufen, Halford.“
Ich grinste und setzte meinen Hundeblick auf. In diesem Moment klingelte das Telefon und ich griff danach.
„Hallo Liebling. Chili hat verpennt. Machst Du ihm einmal Frühstück zum mitnehmen? Er ist in einer viertel Stunde da.“, ertönte die Stimme meiner Frau am anderen Ende.
Ich lachte. „Musste er mal wieder auf der Couch pennen?“ Chili war ihr Partner im kriminaltechnischen Labor. Seine Ehe war … lebhaft und er schlief fast so oft auf der Couch oder sogar bei uns oder im Polizeirevier wie in seinem Ehebett.
„Nein. Sie haben sich mal wieder versöhnt.“ Meine Frau lachte ihr helles Lachen. „Ach, bitte Lucky mir auch einen Cappuccino mitzumachen. Mit extra viel Milchschaum.“
„Wird gemacht. Bis heute Abend, Schatz.“
Lucky hatte offenbar mitgehört und war schon wieder nach drüben gegangen, wo er an der Kaffeemaschine arbeitete. Ich begann Pfannkuchenteig anzurühren und den Herd anzufeuern. Die Türglocke bimmelte noch einige Male und meine Arbeitsaufträge wuchsen an. Während ich mich mal wieder versuchte zu vierteilen, scherzte Lucky mit den Gästen. Ich grinste. Anders hätte ich es nie haben wollen.

Nach zwei Stunden war der größte Andrang vorbei. Chili war mit seligem Grinsen in die Küche gekommen und hatte sich für das Frühstück bedank, bevor er Richtung Polizeistation geschwebt war. Lucky kam mit betrübter Miene in die Küche und wies auf die halbaufgewachsenen Pfannkuchen, die er dem mysteriösen weiblichen Gast gebracht hatte.
„Sie hat keinen Hunger.“
Ich warf nur einen kurzen Blick auf den Teller und zuckte mit den Achseln. Die Tage in denen mich nicht verspeistes Essen im Diner fertiggemacht hatten, waren vorbei. Es lag nicht an mir oder meinen Kochkünsten. Vielleicht würde ich nie einen Michelinstern erhalten, aber den Leuten in Appaloosa Plains schmeckte mein Essen. „Hat sie wenigstens deinen Kaffee ausgetrunken? Sonst muss ich dich noch trösten.“
Lucky schnaubte. „Meinen Kaffee lässt niemand stehen. Sie hat einen zweiten geordert.“
„Na dann ist ja alles in Butter.“ Ich wies mit dem Kinn in Richtung Gastraum. „Ist sie noch da?“
Lucky nickte und starrte auf den Pfannkuchen als wolle er über die Essensreste philosophieren.
„Na los Bruder, lass deinen Glücksbringercharme wirken.“, witzelte ich. Ich band meine Schürze los um selbst einen Blick auf den Gast zu werfen.



Sie saß am Fenster, das Kinn in die Hände gestützt. Ihr Haar sah ausals habe es jemand mit einer Heckenschere gestutzt. Lucky wollte sich an mir vorbeidrängen, denn ich war im Türrahmen stehen geblieben und erstarrt. Schnell legte ich ihm die Hand auf die Brust und stoppte ihn damit. Ich schüttelte den Kopf als er mich fragend ansah. Lucky, der mir genauso vertraute wie ich ihm, nickte und ging zurück in die Küche. Er fragte nicht, warum ich ihn zurückhielt.
Langsam ging ich zu der jungen Frau. Meine Hände schob ich in die Hosentaschen, damit sie nicht sah wie sie zitterten. Als ich neben ihrem Tisch stand, sah sie hoch. Überrascht riss sie die Augen auf.
„Hallo Schwesterherz.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mi Feb 22, 2012 3:46 pm

Rückblick I

Als ich aus Frankreich heimkehrte, hatte sich einiges verändert. Kumquat und Limoncello waren ausgezogen. Mein Bruder hatte sich beim Militär verpflichtet. Bis seine Grundausbildung begann hauste er mit Limoncello in einem Appartement und schleppte Frauen ab. Ich war ihm gegenüber etwas zurückhaltender als früher. Was er mit Grenadine abgezogen hatte, war nicht okay.
Ich hatte jetzt mein eigenes Zimmer, aber Mom behandelte mich immer noch wie ein Kleinkind. Ich merkte wie sie mir noch mehr auf den Keks ging und ich verspürte immer häufiger den Drang aufzumucken.
Ich konnte mich nicht einmal mit Clementine darüber unterhalten. Überraschenderweise hatte sie einen Freund, Taxus, der sie voll und ganz für sich beanspruchte. Sie war kaum mehr zuhause und ich sah Dad an, dass er sich Sorgen um sie machte. Vermutlich hätte ich mir auch Sorgen machen sollen, aber ich war so mit mir selbst beschäftigt, das ich dazu nicht kam.



Ich vermisste Grenadine, aber wir hatten unseren Deal am letzten Abend in Frankreich noch einmal erneuert und sogar mit Nektar gegossen. Wir waren so kindisch. Stattdessen hing ich weiterhin mit Leaf ab, obwohl ich die Beziehung eigentlich beenden wollte. Leaf war so glücklich mich wieder zu haben, dass ich ihre Aufmerksamkeiten einfach genoss, auch wenn die Banalität unserer Beziehung mich zu Tode langweilte. Man konnte einfach kein richtiges Gespräch mit ihr führen. Ihr war im Moment unser Abschlussball am wichtigsten – ein Ereignis, auf das ich meinethalben auch verzichten konnte. Aber Leaf sprach den ganzen Tag nur von der Dekoration, wer Promqueen und Promking werden würde (sie hatte natürlich Hoffnungen es selbst zu werden, aber dafür war sie einfach nicht beliebt genug) und was wer tragen würde. Ich ließ mich von ihr in ein Smokinggeschäft schleppen und lieh eine Anzug, der farblich zu ihrem Kleid passen würde und hoffte eher darauf, nach dem Ball im Auto noch ein bisschen auf Tuchfühlung gehen zu können.



Ich muss leider auf alte Screenshots zurückgreifen, deswegen passen sie vielleicht nicht immer 100prozentig.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Fr Feb 24, 2012 10:33 pm

Kapitel 7

Ich ließ mich auf den Stuhl gegenüber von Clementine fallen und musterte meine Schwester. Sie war entsetzlich dünn, hatte tiefe Augenringe und sah wirklich so aus als hätte sie einiges hinter sich. Was machte sie nur hier? Warum war sie nicht auf der Insel? Zuhause auf der Farm?
„Ist das ein blaues Auge?“, fragte ich schließlich als mir der Schatten an ihrem linken Auge auffiel.
„Der Rest davon.“
Wir schwiegen und mir lag die Frage auf der Zunge, wer ihr das verpasst hatte. Bestimmt gab es eine ganz einfache Erklärung. Sie hatte immer Kung Fu gemacht, vielleicht war es davon?
Clementine machte keine Anstalten mir zu erklären woher sie es hatte, deswegen fragte ich sie direkt danach.
Sie lachte bitter. „Tangelo, du verschwindest vor fünf Jahren spurlos, tauchst dann ausgerechnet hier im Nirgendwo auf und fragst mich, woher ich mein blaues Auge habe? Oder die …“ Sie brach ab. In ihren Augen standen so viele unterdrückte Emotionen, dass es ihr die Stimme raubte. Ich griff über den Tisch und nahm ihre Hand.
„Ich verspreche dir, ich werde dir alles erklären. Aber zunächst will ich wissen, wer dich so zugerichtet hat!“
Aus dem Augenwinkel sah ich Lucky zu uns kommen. Er reichte mir den Schlüssel zu seinem heißgeliebten Oldtimertruck.
„Ich mach allein weiter. Bring du deine Schwester nach Hause.“ Er deutete auf die Uhr. Natürlich, gleich würden die ersten Mittagsgäste kommen. Das Diner war wirklich nicht der Ort um weiterzusprechen. Ich sah Lucky fest in die Augen. Er nickte und grinste. Natürlich versuchte er wieder den Glücksbringer zu spielen.
„Komm mit.“ Ich stand auf und zog Clementine mit mir.
„Ich muss noch zahlen.“, protestierte sie.
„Geht aufs Haus!“, rief Lucky ihr zu. Widerwillig kam Clementine mit mir.



Im Auto schwieg sie und ich bohrte nicht nach. Meine Gedanken rasten und ich umklammerte das Lenkrad so fest, dass meine Knöchel weiß hervortraten.
„Wir sind da.“, sprach ich meine Schwester an als wir die lange Ausfahrt hochfuhren. Sie warf einen Blick aus dem Fenster.
„Nette Hütte.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Es ist Luckys Haus. Wir wohnen hier zusammen.“
„Lucky ist der Kellner aus dem Diner?“
Ich lachte und sprang aus dem Auto. „Lucky gehört der Diner.“
Clementine erwiderte nichts. Ich schloss die Haustür auf und wurde sofort von Hallie, unserem Terrier begrüßt. Lucky hatte sie am Straßenrand aufgelesen als verlaustes, halbverhungertes Häufchen Elend. „Er sieht aus wie du, Halford.“, hatte er gesagt und den Welpen Hal genannt. Etwas später hatten wir allerdings festgestellt, dass Hal eine Hündin war, weswegen wir ihren Namen etwas abgeändert hatten. Auch wenn ich überhaupt nicht fand, dass sie aussah wie ich.
Ich klemmte mir den Hund unter den Arm und führte Clementine ins Haus.



Wir setzten uns auf die Couch und ich sah meine Schwester fest an. „Also.“
Sie seufzte. „Du erinnerst dich an Taxus?“
„Er war das?“ Meine Stimme muss aggressiver geklungen haben als beabsichtigt, denn Hallie sprang erschrocken von meinem Schoß und verkroch sich unter der Couch.
„Du hast deinen Hund erschreckt.“
Entgeistert sah ich sie an. Sie war offensichtlich misshandelt worden und doch war sie so ruhig und abgebrüht, als wäre nichts passiert. Entweder trug sie eine Menge tief in sich herum oder sie hatte eine echt gute Therapie gemacht.
„Beruhige dich. Ich habe einen Fehler gemacht, dass ich solange bei ihm geblieben bin. Aber ich gehöre nicht zu den Frauen, die danach nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.“
„Tatsächlich siehst du aber so aus.“ Ich lockte Hallie wieder unter der Couch hervor und nahm sie auf den Schoß. Das automatische Streicheln beruhigte mich tatsächlich. Mein Blick fiel auf das am Boden verstreute Spielzeug. Hoffentlich fragte Clementine nicht allzu bald danach…
„Ich bin gegangen und ich gehe nicht mehr zu ihm zurück. Ich habe eine vorläufige Verfügung gegen ihn, die ich aber nicht erneuern werde, denn dann würde er mich wieder finden. Ich gehe einfach weg. Mach dir keine Sorgen, die hast du dir in letzten fünf Jahren offenbar eh nicht gemacht.“
Das saß. „Es tut mir leid.“
„Du hast dich nicht einmal gemeldet. Du warst von heute auf morgen weg. Kannst du dir überhaupt vorstellen, was wir alle durchgemacht haben?“
„Ich hatte … Gründe.“



„Gründe.“, wiederholte sie und hob die Augenbrauen. „Nun, wenn wir schon hier sind kannst du mir deine Gründe ja mal erklären.“
Ich seufzte und betrachtete Hallies Halsband. „Sagst du mir vorher, wies dem Rest der Familie geht?“
Für einen Moment schien es so, als wolle Clementine mich erneut anblaffen. Das Schlimme war, sie hatte ja Recht! „Also gut. Mom und Dad sind in Safrika. Nachdem du.“ – und hier schaffte sie es nicht ganz den Vorwurf aus ihrer Stimme zu löschen – „verschwunden warst, ist Mom krank vor Sorge geworden. Sie hat ihren Job aufgegeben und musste schließlich einen längeren Krankenhausaufenthalt in Kauf nehmen.“
Ich schluckte. Hallie sah mich tadelnd an. Ich hatte mich in ihr drahtiges Fell geklammert. Simmer sei Dank war sie ein friedfertiger Hund, so dass sie es bei dem Blick beließ. Entschuldigend strich ich das Fell glatt.
Clementine fuhr fort: „Inzwischen geht es ihr besser, aber sie ist einfach nicht mehr dieselbe. Dad hat sie letztes Jahr mit nach Safrika genommen, weil er für diese Stiftung einen Scheck überbringen sollte. Überraschenderweise haben sie sich danach entschieden dort zu bleiben vor Ort für die Stiftung zu engagieren.“
Wow, Mom als Weltverbesserin…Doch meine zynischen Gedanken wurden von der unerträglichen Schuld auf meinem Gewissen schnell vertrieben.
„Soweit zu unseren Eltern. Sie wissen nicht, dass Taxus …. Dass Taxus und ich Probleme hatten.“
Probleme? Die Untertreibung des Jahres … Jahrhunderts…Mein Blick musste Bände sprechen. Clementine sah zur Seite.
„Und Kummie? Limo? Onkel Daffy und der Rest von Moms Geschwistern.“
„Kumquat ist zurzeit in…ach ich habe keine Ahnung. Seine Einheit wird dauernd verlegt.“ Sie zuckte mit den Achseln. „Zuletzt habe ich im Frühjahr mit ihm telefoniert. Da war er irgendwo auf dem Balkan.“
Nun, wenigstens hatte ihn noch kein Terrorist abgeknallt. Oder ein wütender Vater, Bruder, Ehesimo…
„Limoncello war echt gut im Profisport, aber er hatte eine Verletzung und ist deswegen in das Geschäft seines Schwiegervaters eingestiegen. Der verkauft Sportbekleidung. Aber ich habe nicht viel Kontakt zu ihm.“
„Taxus?“, hakte ich nach. Sie nickte.
„Daffodil ist zu Daisy und Sun Ray gezogen. Er macht ihnen den Haushalt und sie gehen ihren Interessen nach. Er hat dein Weggehen wohl am besten verpackt, auch wenn er am Anfang Sorgen hatte, weil du Desinfektionsspray nicht mitgenommen hast. Marigold und Shamrock sind mit den Jungs schon ein Jahr nach deinem Verschwinden weggezogen. Aber das hat nichts mit dir zu tun, das hatten sie ja schon länger geplant.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Fr Feb 24, 2012 10:39 pm

Rückblick II

Ja, daran erinnerte ich mich. Marigold hatte sich schon vor Jahren von ihren Geschwistern entfremdet als sie Shamrock, der ja eigentlich Daffys Partner war, geheiratet und mit ihm die Zwillinge Cotton und Corn bekommen hatte. Das Verhältnis hatte sich nie wieder normalisierst und ich hatte immer das Gefühl, dass Marigold sich nicht mehr auf Legacy Island wohl fühlte. Als ich aus Frankreich zurückgekehrt war, hatten sie gerade nach einem geeigneten Käufer für ihr Grundstück gesucht.

„..Du hörst mir nicht zu, Lo.“



Leaf blickt mich vorwurfsvoll an. Mit einem entschuldigenden Grinsen griff ich nach ihrer Hand. Ich hatte einen Schopf roter Haare erspäht und in der Hoffnung einen Blick auf Grenadine zu werfen, hatte ich angestrengt an Leaf vorbei gestarrt.
„Entschuldige. Ich war in Gedanken ... äh … weißt du meine Tante und mein Onkel wollen wegziehen.“ Es war keine besonders gelungene Ausrede, aber immerhin traf es zu, dass ich Corn und Cotton, meine jüngeren Cousins, mochte.
Leaf verdrehte die Augen. „Ich habe dich eben gebeten, mich morgen Abend PÜNKTLICH abzuholen!“
Am nächsten Tag war der Abschlussball. Ich könnte kotzen.
Inzwischen hatte ich den Rotschopf aus den Augen verloren. Verdammt! Ich wollte - trotz des Deals – Grenadine wenigstens sehen. Am liebsten würde ich mit ihr sprechen …
„Deine Eltern geben dir doch das Auto?“ Leafs Tonfall war nörglerisch. „Wenn du nicht unbedingt selbst fahren wolltest! Daddy hätte mir eine Limousine spendiert.“ Sie stülpte die Unterlippe vor.
„Ich bekomme den Wagen.“, bestätigte ich und rieb mir den Hinterkopf. Am liebsten hätte ich die ganze Sache abgeblasen, aber man macht nicht mit seiner Ballverabredung am Vorabend des Balls Schluss, oder?


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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Sa Feb 25, 2012 6:04 pm

Kapitel 8

„Soweit also zur Familie.“, beendete Clementine ihre Erzählung.
„Soweit zur Familie.“ Ich starrte kurz auf die Stofftiere die neben der Couch lagen. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich eigentlich schon viel zu spät dran war um …
„War das ein Auto? Da ist doch ein Auto vorgefahren, oder?“, unterbrach Clementine meine Gedanken. Sie sah angespannt aus. Offenbar war sie doch nicht so ruhig wie es zunächst den Anschein hatte. Wie ein Tier auf der Flucht hockte sie auf der Couch.
Hallie hingegen war aufgesprungen und lief Stummelschwanzwedeln zur Tür. Ich hatte auch den Wagen gehört, aber ich erkannte an dem Geräusch, dass er der Wagen unserer Nachbarn war, was ich Clementine mitteilte. Apropos Nachbarn: Appaloosa war so klein, dass meine Schwester hier war, würde bald die Runde machen. Hoffentlich schickten sie nicht das übliche Begrüßungskommando!
Die Haustür öffnete sich. Hallie jaulte begeistert auf und ich hörte Lucky die Hündin ansprechen. Dann kam mein bester Freund durch die Flurtür, meine Tochter Indian Summer auf dem Arm. Simmer sei Dank für diesen Freund! Ich hatte durch Clementines Auftauchen ganz vergessen sie von der Tagesmutter abzuholen.



„Hallo ihr zwei.“ Gut gelaunt setzte Lucky Indi auf den Boden. Sie sah etwas säuerlich aus der Wäsche. Vermutlich war sie mal wieder der Meinung, dass sie schon viel zu alt war um durch die Gegend getragen zu werden. „Ich dachte ich bring Indi eben vorbei, aber ich muss schnell wieder zurück zum Diner. Grapefruit hat die Baseballmannschaft seines Sohnes zum Burgeressen eingeladen.“
„Soll ich nicht mitkommen?“
Doch Lucky winkte ab. „Nee. Ich hab meine Blueberry gebeten einzuspringen. Dafür tauscht sie mit dir die Sonntagsschicht.“
„Alles klar.“ Eigentlich hatten Blue und ich die Absprache, dass sie die Wochenenden übernahm, weil ihre Kinder dann bei ihrem geschiedenen Mann waren, aber wir mochten uns und waren flexibel genug uns abzusprechen.
„ich bin übrigens Lucky.“, stellte sich mein Freund meiner Schwester vor.
„Clementine.“ Sie war mittlerweile aufgestanden, hatte die Arme verschränkt und sah mich mit vielsagendem Blick an. Viel länger würde ich mich wohl nicht mehr vor einer Erklärung drücken können.
„Freut mich. Hast du was dagegen, wenn ich dich Clem nenne? Ich brauche immer Spitznamen, sonst kann ich mir sie nicht merken.“
Autsch…ausgerechnet Clementine hasste natürlich Spitznamen.
„Ich habe was dagegen.“, sagte sie sodann. Sie sah Lucky in die Augen und ihre Haltung wurde immer ablehnender.
Lucky zuckte mit den Schultern. „Wie du möchtest, Clementine.“ Er sah zu mir, sein Blick war unergründlich, aber ich wusste er würde es nicht zu schwer nehmen. Er hatte ja schon im Diner festgestellt, dass sie eine schwere Zeit hinter sich hatte. Und wie ich ihn kannte, würde er alles daran setzten, Clementine zu ihrem Glück zu verhelfen. „Wir sehen uns später.“ Er beugte sich noch einmal zu Indi herunter, die bereits mit ihrer heißgeliebten Puppe Rags spielte. „Ciao Prinzessin.“
„Bye Olu.“, sagte sie abwesend. Als sie noch kleiner gewesen war, hatte sie Onkel Lucky nicht aussprechen können, deswegen war es zu seinem Spitznamen Olu gekommen.



Erst als „Olu“ zur Tür hinaus war, sah Indi auf und musterte Clementine. „Wer ist das, Daddy?“
„Das ist deine Tante Clementine.“, erwiderte ich und hockte mich neben sie. Clementine murmelte eine Begrüßung. „Wie wars bei Honey?“
Indi sah nachdenklich zu ihrer Tante. „Gut. Ich möchte bitte mit Rags spielen.“
„Klar, Häschen.“ Ich fuhr ihr durchs Haar und winkte Clementine mit in die Küche.
„Wie alt ist sie?“, fragte meine Schwester während ich Kaffee kochte.
„Vier.“ Obwohl ich ihr den Rücken zugewendet hatte, ahnte ich, dass sie ihre Augenbrauen hob.
„Dann ist sie wohl einer deiner Gründe gewesen.“
Ich nickte.
„Hattest du Angst, Mom und Dad würden dir den Kopf abreißen, weil du ein Mädchen geschwängert hast?“ Sie schnaubte. „Auch wenn es ganz sicherlich nicht deine damalige Freundin gewesen ist.“
„Yeah. Das ist … Teil des Problems gewesen.“ Ich stellte eine Tasse dampfenden Kaffe vor meine Schwester.
„Du bist aber nicht nur wegen der Kleinen gegangen.“
„Nein.“
Clementine machte ein frustriertes Geräusch. „Simmer noch mal, ich muss dir ja alles aus der Nase ziehen!“
„So wie ich dir!“, erwiderte ich etwas heftiger als beabsichtigt. Sie sah mich verletzt an und ich begann mich sofort zu entschuldigen.
Clementine winkte ab. „Lass … ich bin müde und habe Kopfschmerzen. Wir können später darüber reden.“
„Wir haben ein Gästezimmer.“ Ich stürzte den Kaffee herunter. Er war viel zu heiß, doch ich begrüßte den Schmerz fast schon. Ich hatte den Karren ganz schon in den Dreck gesetzt. Und damit meinte ich nicht nur heute.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Sa Feb 25, 2012 6:06 pm

Rückblick III

Ich hatte Leaf an diesem Abend heimgebracht, mir eine Predigt ihres Vaters angehört und dabei an Grenadine gedacht. Als sich Leafs Tür hinter mir schloss, atmete ich erleichtert aus. Ich hatte ein Problem. Um einen freien Kopf zu bekommen, beschloss ich heim zu Laufen anstatt meine Mom anzurufen, ob sie mich abholen könnte.
Als ich die Straße, die aus dem Stadtkern herausführte betrat, fasste ich einen Entschluss. Hastig zerrte ich mein Handy aus der Tasche, suchte eine bestimmte Nummer heraus und wählte sie. Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich war bei jedem Freizeichen kurz davor aufzulegen.
„Hallo?“
„I-ich bins.“
Ich hörte sie am anderen Ende der Leitung die Luft einziehen, bevor sie mit einem Kiekser in der Stimme fragte: „Tangelo?“
„Mh.“
Wir atmeten uns gegenseitig in die Hörer, bevor ich den Mut aufbrachte zu fragen: „Können wir uns treffen, Grenadine?“
Grenadine schwieg eine Weile. Ich setzte gerade an, sie anzubetteln, bevor sie leise sagte: „Wir treffen uns am Campingplatz. In zwanzig Minuten.“ Danach legte sie auf.
Langsam steckte ich mein Handy weg und atmete tief durch. Endlich.



Es war inzwischen dunkel geworden. Mein Handy hatte ich lautlos gestellt, aber ich wusste, dass meine Mom schon mehrfach versucht hatte mich zu erreichen. Es war mir egal.
„Lo?“
Grenadine kam zügigen Schrittes auf mich zu. Ich winkte. Als wir voreinander standen, sahen wir uns schweigend an. Ich nahm jede Einzelheit ihres Gesichtes in mir auf, bevor ich sie ganz langsam und sanft in eine Umarmung zog. Sie schmiegte sich an mich.
„Ich habe dich vermisst.“, sagte Grenadine an meinem Hals.
„Ich hab dich auch vermisst.“, erwiderte ich, den Mund voll von ihren weichen Haaren, die Nase tief ihren Geruch einatmend.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So Feb 26, 2012 6:42 pm

Kapitel 9

„Hey.“ Meine Frau trat hinter mich.
Nachdem ich Clementine das Gästezimmer gezeigt hatte, hatte ich ihr eine Nachricht geschickt um sie von der Anwesenheit meiner Schwester in Kenntnis zu setzen.
„Sieht so aus als könnte ich nicht mehr weglaufen.“
„Wir sind zusammen weggelaufen, vergiss das nicht.“ Grenadine legte die Arme um mich. „Und nach dem was du mir geschrieben hast, ist Clementine auch davon gelaufen.“
„Aber sie hatte wenigstens einen guten Grund.“
Grenadine lachte leise. „Hatten wir den nicht?“
Ich seufzte und schwieg. Grenadine zog mich mit ins Kinderzimmer, um nach Indi zu sehen. Ich hatte sie bereits umgezogen und mit Rags ins Bett gelegt. Inzwischen war sie eingeschlafen.
„Ich finde Indi ist ein sehr guter Grund.“, flüsterte Grenadine. Sie beugte sich über unsere schlafende Tochter. „Und der ganze Ärger, den wir uns eingehandelt haben auch.“
Ich küsste ihren Nacken und betrachtete lange ihr Gesicht. Dann nickte ich langsam. Ich fühlte mich zutiefst schuldig meiner Familie gegenüber, aber hatte ich nicht eine neue Familie?



Nachts konnte ich nicht schlafen. Nachdem ich stundenlang an die Decke gestarrt hatte, verließ ich leise unser Schlafzimmer und ging auf die Veranda. Im Feuerkorb entzündete ich ein Feuer und stocherte lustlos in den Flammen. Als ich die Verandatür hörte, nahm ich zunächst an, ich hätte auch Grenadine wach gehalten.



Doch es war Lucky.
„Du kannst nicht schlafen, Halford.“, stellte er überflüssigerweise fest.
Ich machte ein vielsagendes Gesicht. Lucky grinste und setzte sich neben mich. Ich hatte zwar Grenadine erzählt was Clementine hergebracht hatte, aber ich war nicht dazugekommen mit Lucky zu sprechen.
„Sorry dass ich dich heute so im Stich gelassen hab.“
Lucky winkte ab. „Familie geht immer vor. Das weißt du.“ Er sah mich an. „Du und Gren, ihr seid für mich Familie, Halford. Also ist deine Schwester auch Familie.“
In Momenten wie diesen war ich Simmer so dankbar, dass er Gren und mir einen Schutzengel und Glücksbringer geschickt hatte, dass ich heulen könnte. Verlegen sah ich zur Seite.
„Sie läuft davon.“, stellte mein Freund dann fest.
„Yeah. Liegt bei uns wohl in den Genen.“
Lucky lachte leise. „Lass den Kopf nicht hängen, Halford. Wir kriegen das wieder hin.“
„Ich…“ Wütend brach ich ab. „Wie kannst du nur immer so zuversichtlich sein?“
Beruhigend legte Lucky mir die Hand auf die Schulter. „Seitdem ich dich kenne, trägst du diesen Zorn in dir. Zwar wird es von Jahr zu Jahr besser, aber manchmal kocht es bei dir hoch.“



Ich schwieg verbissen und starrte in die Flammen. Zufällig wusste ich ganz genau warum – oder besser: auf wen – ich so wütend war. Lucky wusste es allerdings auch.
„Dein Selbsthass bringt dir nichts.“, stellte er deswegen fest. „Ich weiß du machst dir Vorwürfe, wegen dem was passiert ist. Aber es hilft weder dir noch Gren oder Indi. Oder deiner Schwester.“
„Ich kann das nicht einfach abstellen. Ist ja schön für dich, wenn du einfach einen Knopf drücken kannst, ich kann es nicht.“ Oh Simmer, wie ich mich in diesem Momenten verabscheute. Lucky versuchte mir zu helfen, doch wie immer wenn ich in dieser Stimmung war, biss ich wie ein verwundetes Tier um mich. „Lass mich besser allein.“
Doch Lucky blieb. Er schwieg eine ganze Weile und wir starrten in guter Männertradition in die Flammen.
„Clementine hat mir erzählt, dass meine Mom krank geworden ist. Weil ich gegangen bin.“, sagte ich schließlich. „Und vielleicht hätte ich Clementine helfen können, wäre ich geblieben.“ Ich seufzte und warf Lucky schließlich einen entschuldigenden Blick zu. „Es tut mir leid, Kumpel.“
Lucky grinste. Wie konnte er nur immer alles weggrinsen? „Geht’s deiner Mom denn jetzt besser?“
„Anscheinend. Sie hat ihre philanthropische Ader entdeckt.“
„Dann tut sie dadurch jetzt Gutes.“ Lucky grinste weiter. „Du kennst mich: Ich bin der Meinung, dass alles was passiert einen Grund hat. Meistens einen guten.“
„Wenn du meinst…“ Auf philosophische Diskussionen hatte ich gerade keine Lust. „Und Clementine? Kannst du auch einen guten Grund darin finden, dass sie einen prügelnden Freund hatte vor dem sie davon läuft?“
„Das, mein Freund, wird sich noch zeigen.“
Lucky klang zuversichtlich, doch ich kannte ihn gut genug, um zu sehen, dass ihm das zu schaffen machte. Und das er alles daran setzen würde, Clementine zu helfen. Der Sim konnte gar nicht anders. Ich fragte mich, ob er es nicht manchmal als Fluch empfand, dauernd anderen Sims helfen zu wollen.
„Tangelo.“ Lucky sprach mich nur selten bei meinem Vornamen an. Eine seiner wenigen Macken war es, Spitznamen für Simas zu benutzen und Simos nur beim Nachnamen anzusprechen. „Wir kriegen das alles wieder hingebogen. Lass dich von deinem Selbsthass nicht auffressen.“
Ein Nein oder keine Antwort würde er nicht gelten lassen. Und tatsächlich hatte mich unser Gespräch vielleicht nicht eben aufgemuntert, aber zumindest etwas beruhigt. „Ich versuchs.“
Lucky erhob sich und gähnte. „Mehr erwarte ich nicht, Bruder.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So Feb 26, 2012 6:50 pm

Rückblick IV

Ich hatte damals erwartet, dass meine Mom mir den Kopf abreißen würde, als ich in den frühen Morgenstunden von meinem … ereignisreichen Treffen mit Grenadine heimgekehrt war. Allerdings hatte ich nicht mit der Wucht ihres Zorns gerechnet. Sie hielt mir eine minutenlange Standpauke, fragte allerdings kein einziges Mal danach, wo ich gewesen war oder ob es einen Grund für meine Verspätung gegeben hatte. Als sie irgendwann nach Luft rang, blaffte ich sie an, dass ich kein Kind mehr sei und sie die Kirche im Dorf lassen konnte. Daraufhin wurde ich in mein Zimmer verbannt und bekam Hausarrest. Gut gemacht!



Wütend war ich nach oben gestapft, hatte damit Clementine geweckt, die erschöpft und blass aus ihrem Zimmer kam. Auf ihre Nachfragen maulte ich auch sie nur an. Sonst nicht auf den Mund gefallen, zuckte sie ob meines Tones erschrocken zusammen und ging zurück in ihr Zimmer. Ich hätte schon damals ahnen müssen, dass Taxus ihr nicht gut tat.
Ich zog mich um und legte mich ins Bett. Ich war innerlich aufgewühlt, gleichzeitig wütend und glücklich. An Schlaf war nicht zu denken und ich begann schließlich in meinem Zimmer auf und ab zu tigern. Tja, wenn ich Hausarrest hatte, konnte ich wohl auch nicht zum Ball gehen. Also konnte ich ihr genauso gut absagen. Und am Besten auch direkt Schluss machen. Es war vielleicht nicht die beste Art das via Telefon zu machen, aber ich hatte ja Hausarrest, oder?



Meine rasenden Gedanken wurden von Dad unterbrochen, der mit enttäuschtem Gesichtsausdruck in mein Zimmer kam. Ohne anzuklopfen. Das schmiss ich ihm auch direkt an den Kopf. Wir begannen zu streiten und ich kann mich längst nicht mehr an jedes Wort erinnern, dass wir damals wechselten. Meine Mutter kam dazu und wir schrien uns alle drei an.

Dann kam der Husten. Es begann mit einem leichten Kribbeln und ich versuchte es zu ignorieren, doch schließlich musste ich husten und husten und konnte nicht mehr aufhören. Die Brust wurde mir eng und ich rang japsend nach Luft.

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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo Feb 27, 2012 8:29 pm

Kapitel 10

Clementines blieb in den nächsten Wochen bei uns. Sie wich Fragen nach Taxus meist aus. Da meine Schwester schon immer eine Einzelgängerin gewesen war, nahmen Grenadine ich ihr das nicht übel.
Die beiden Simas kamen gut miteinander aus. Ich erinnerte mich daran, dass Clementine Grenadine schon lange vor mir sympathisch gefunden hatte, was mich schmunzeln ließ. Grenadine schleppte Clementine zum Friseur, damit der ihr die Haare ordentlich schneiden konnte. Sie schaffte es sogar Clementine diesen unsäglichen Schlabberpulli abzugewöhnen.
Auch Indi legte ihre anfängliche Scheu vor ihrer neuen Tante ab. Clementine wusste am Anfang nicht so recht, was sie mit dem Mädchen anfangen sollte und manches Mal erschien es mir sogar so, als stimme sie das Kleinkind traurig.



Lucky versuchte natürlich den Glücksbringer zu spielen. Er kam Clementine nie zu nah, er nachdem er aber rausgefunden hatte, dass sie beide begeisterte Sportler waren, bot er ihr an mit ihr joggen oder schwimmen zu gehen. Zunächst zögerte Clementine, aber nachdem sich Lucky als der harmlose Simo, der er war, herausgestellt hatte, machten es sich die beiden zur Gewohnheit morgens gemeinsam zu joggen.



„Du lässt dir deine Haare wieder wachsen.“, stellte ich eines Abends fest. Clementine hatte sich schon in ihr Zimmer zurückgezogen, aber ich sah jeden Abend nach ihr.
Meine Schwester fuhr sich nachdenklich durch die Haare.
„Ich habe mich sowieso gewundert, warum du sie dir abgeschnitten hast. Du hast deine langen Haare immer geliebt.“ Ich kicherte. „Du warst eigentlich ein uneitles Mädchen, nur deine Haare hast du immer gepflegt.“
„Ich hab sie mir nicht selber abgeschnitten.“, entgegnete Clementine leise. „Das hat Taxus gemacht, als ich ihm androhte mich von ihm zu trennen.“
Heißer Zorn kochte in mir hoch und ballte meine Fäuste. Clementine sah es und ihr Gesicht bekam einen merkwürdigen Ausdruck. Dann straffte sie die Schultern.
„Als meine langen Haare Strähne für Strähne auf den Boden fielen, mehr abgerissen als abgeschnitten, war das der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.“ Sie sah mich an, als wollte sie nachprüfen ob ich auch zuhörte. „Danach betrank er sich und ich rannte weg. Erst hatte ich überlegt zu Onkel Sun Ray und Tante Daisy zu gehen, aber ich … ich schämte mich. Deswegen nahm ich die erste Fähre zum Festland, ging dort in ein Frauenhaus und zur Polizei.“ Die Geschwindigkeit in der sie sprach, ließ mich vermuten, dass das Ganze nicht so reibungslos und flott von statten gegangen war, wie sie es schilderte. Doch ich ließ sie erzählen, ich war froh, dass sie inzwischen den Mut gefasst hatte mir mehr von ihrem Martyrium zu berichten.
„Ich hatte das Glück an eine Richterin zu geraten, die dafür bekannt war bei häuslicher Gewalt nicht zu hadern. Ich verzichtete auf eine Anzeige, sondern gab mich mit einer Verfügung zufrieden, denn ich wollte nur weg. Eine Verhandlung hätte mich aufgehalten.“
Ich griff nach ihrer Hand. Clementine drückte. Am liebsten hätte ich sie umarmt und an mich gedrückt, aber ich war nicht sicher ob sie das zulassen würde.
„Es ist schon ein seltsamer Zufall, dass ich ausgerechnet hier gestrandet bin.“, meinte Clementine. Sie grinste.
„Yeah. Das ist … strange.“, murmelte ich. Clementine war vielleicht bereit gewesen, mir einen Teil ihrer Vergangenheit anzuvertrauen, doch ich war nicht sicher ob ich es war.
„Du musst nicht mit mir darüber reden. Noch nicht.“, sagte sie, als wüsste sie was in meinem Kopf herumging. „Aber vielleicht möchtest du mir ja sagen, wie es gekommen ist, dass du ausgerechnet mit Grenadine weggelaufen bist.“ Sie lachte. Für einen Moment wirkte sie wieder wie das unbeschwerte Mädchen, dass ich von früher kannte.
„Oh das.“ Ich lachte. „Erinnerst du dich daran, als ich dich aus dem Urlaub angerufen hab? Und mich darüber beschwert habe, das ausgerechnet Grenadine auch einen Sprachurlaub macht?“ Als sie grinsend nickte, fuhr ich fort: „Tja, ich habe mir deine Worte zu Herzen genommen.“ Sie hatte mir geraten, meine Meinung über Grenadine zu überdenken.
„Ziemlich gründlich würde ich sagen.“ Wir sahen einander an und grinsten.
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo Feb 27, 2012 8:33 pm

Rückblick V

Es stellte sich heraus, dass ich einen akuten Asthmaanfall hatte. Trotz der Verärgerung der beiden, waren meine Eltern besorgt. Der herbeigerufene Notarzt wollte mich zur Beobachtung mit ins Krankenhaus nehmen, obwohl die Cortisonspritze und die Sauerstoffmaske mir es erleichterten freier zu atmen. Mom war natürlich sofort dafür und über mein ersticktes, säuerliches „Ich hab aber Hausarrest.“, lachte der Notarzt nur.

Ich verbrachte die nächsten Tage im Krankenhaus. Der Ball war zum Glück für mich gestorben. Leaf war zunächst etwas enttäuscht, aber dann so besorgt, dass sie am liebsten sogar am Ballabend bei mir geblieben wäre. Ich konnte sie zum Glück überzeugen doch hinzugehen, denn sie ging mir so auf die Nerven, dass ich darüber nachdachte einen neuerlichen Anfall zu simulieren.

Meine Eltern machten sich überraschenderweise etwas rar. Vermutlich hielten sie ihr Wegbleiben für eine gerechte Strafe, aber ich war darum nur dankbar. So hatte ich viel Zeit nachzudenken.

Als ich entlassen wurde, hatte ich immer noch Hausarrest, was ich dämlich fand, denn ich stand kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag. Aber bitte, sollten sie ihr Spielchen haben. Ich schloss mich in meinem Zimmer ein und versuchte erfolglos Grenadine zu erreichen.



Leaf kam mich besuchen und mir leuchtete ein, dass ich immer noch mit ihr zusammen war. Da meine Laune sowieso apokalyptisch war, machte ich mit nur einem Satz mit ihr Schluss und bat sie zu gehen. Als sie heulend aus dem Haus stürmte, kam meine Mutter mit entnervtem Gesicht zu mir, und fragte, was ich denn jetzt schon wieder angestellt hatte. Daraus entwickelte sich – wie immer in diesen Tagen – ein Streit, der mit einer Erneuerung des Hausarrests und zugeschlagenen Türen endete.

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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo März 05, 2012 3:22 pm

Kapitel 11

Als Indi eingeschult wurde, eröffnete Grenadine mir, dass wir ein weiteres Kind bekommen würden. Sie freute sich unbändig darüber, am liebsten hätte sie einen ganzen Stall voll Kinder. Der Gedanke an ein neues Baby ließ auch mich lächeln. Vielleicht sollte ich ihr den Wunsch nach dem ganzen Stall erfüllen…


Ich LIEBE diesen Blick.

Indi war eine gute Schülerin, vielleicht kein Überflieger, aber sie kam gut mit. Etwas Sorgen bereitete mir, dass sie am liebsten allein spielte. Sie liebte es sich zu verkleiden und sich ganz ihren Fantasiewelten hinzugeben. Sie war keine Einzelgängerin wie Clementine, träumte aber lieber allein vor sich hin. Wenn sie nicht als Prinzessin oder Raumfahrerin durch das Haus spazierte, fand man Indi meistens mit einem Buch. Das hatte sie eindeutig von Grenadine, die genauso eine Leseratte war.



Clementine, die einen kleinen Garten angelegt hatte, schleppte ihre Nichte aber zum Glück auch oft genug in die Natur, sei es zum Angeln oder um ihr im Garten zu helfen.



„Kann ich dich was fragen?“
Lucky, Hallie und ich saßen auf dem Sofa und sahen eine Sportübertragung. Die Simas und Indi waren in die Stadt um ein paar Babysachen zu besorgen.
Ich warf Lucky einen schrägen Blick zu. „Also entweder willst du uns bitten das Haus zu verlassen, weil du keinen Bock auf Babygeschrei und Stinkewindeln hast …“
„Nein!“, wollte er mir protestierend ins Wort fallen.
„…Oder du willst von mir wissen, wie du es schaffst meine Schwester zu einem Date einzuladen.“
Als ich sein verdutztes Gesicht sah, lachte ich. „Komm schon Lucky. Gren und ich haben seit Monaten eine Wette laufen, wann du mal aus dem Quark kommst.“
„Ist es so offensichtlich?“
Ich verdrehte die Augen. „Definitiv.“
Lucky rieb sich über die Oberschenkel. „Und was meinst du dazu?“
„Hm.“ Ich begann Hallie hinterm Ohr zu kraulen. „Dir ist natürlich klar, dass mit Clementine die ganze Sache etwas schwieriger sein dürfte, als bei einer anderen Sima.“
„Deswegen wollte ich zunächst mit dir darüber sprechen.“
Prima, als ob ich da der rechte Ratgeber wäre …
„Ich habe den Eindruck, als verarbeite sie die ganze Sache ganz gut.“, begann Lucky. „Aber ich weiß nicht, ob sie schon bereit ist jemanden zu treffen.“
„Ob sie überhaupt Interesse an DIR hat, ist dabei natürlich nebensächlich.“, stichelte ich.



Lucky sah mich verunsichert an. „Meinst … oh ich … meinst du sie mag mich gar nicht?“
„Ich zieh dich nur auf. Ich kann Clementine nicht mehr so einschätzen wie früher, aber da sie dich in ihrer Nähe duldet und jeden Tag mit dir joggen geht, scheint sie dich schon mal nicht ganz zu verabscheuen.“
Lucky boxte gegen meinen Arm. Hallie nahm das als Startschuss zum Rumtoben. Bald lagen wir zu dritt auf dem Boden. Hallie sprang auf uns herum, während Lucky mich im Schwitzkasten hielt und ich versuchte mich über ihn zu wälzen um ihn mit meinem Gewicht zu erdrücken.
„Ähm - … alles ok bei euch Jungs?“
Grenadine, Clementine und Indi standen beladen mit Einkaufstaschen plötzlich im Wohnzimmer und sahen uns irritiert an. Das heißt, Indi sah irritiert aus, während Clementine und Grenadine grinsten. Hallie wedelte noch begeistert als zuvor mit dem Schwanz und sprang auf die Simas zu. Lucky und ich rappelten uns auf.
„Wie war’s beim Shoppen?“, fragte ich bemüht würdevoll. „Habt ihr alles bekommen was ihr wolltet?“
„Ach, wir haben nur ein paar Kleinigkeiten geholt.“
Klar, Kleinigkeiten. Ich ließ meinen Blick vielsagend über die Tüten gleiten. „Dann lass uns die mal verstauen, Schatz.“ Ich zwinkerte Grenadine vielsagend zu und schob auch Indi Richtung Treppe. „Wenn mich nicht alles täuscht, warten oben noch Mathehausaufgaben, Indi.“
Meine Tochter wollte zunächst protestieren, doch dann besann sie sich eines besseren als ihre Mutter auf eine der Tüten deutete.
„Womit hast du sie bestochen?“, fragte ich Grenadine als wir hinter Indi die Treppe hochgingen.



„Dreimal darfst du raten…natürlich mit Büchern. Clementine und ich musste sie quasi aus dem Buchladen zerren als wir noch ein Eis essen gehen wollten. Ich schwöre dir, das Mädchen verhungert irgendwann noch mal, weil sie in einem Buch liest.“
Wir traten ins zweite Kinderzimmer, das fast schon komplett eingerichtet war und auf die Ankunft unserer zweiten Tochter wartete. Ich schloss vorsorglich die Tür und grinste Grenadine konspirativ an.
„Lucky hat mich heute gefragt, ob er Clementine einladen sollte.“, berichtete ich ihr. „Dann darf wohl ich den Namen der Kleinen bestimmen.“
Das war unser Wetteinsatz gewesen. Als wir Indi erwarteten hatten wir uns vorher auf den Namen Rose Hip geeinigt, einen Namen, den ich immer noch schön fand. Als wir dann aber unser kleines orange rotes Mädchen in den Armen hielten und draußen die Bäume in eben diesen Farben leuchteten, hatten wir uns spontan umentschieden und sie Indian Summer genannt.
Grenadine seufzte. „Ich habe ja nicht grundsätzlich was gegen Rose Hip … aber wenn die Kleine auch wie Indi rot und orange ist …“
„Es gibt auch orange Hagebutten.“ Ich küsste ihre Stirn. „Und ich finde du hattest eine faire Chance!“
„Pff. Bestimmt hast du das Thema selbst aufgebracht.“
„Quatsch ich schummel doch nicht! So und jetzt zeig mal, was ihr gekauft habt.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mo März 05, 2012 10:24 pm

Rückblick VI

Es klopfte an meiner Zimmertür. Ich hatte jetzt die Wahl zwischen: „Geh weg.“, „…“ (Schweigen) und der Möglichkeit, tatsächlich die Tür zu öffnen. Da meine Eltern vor einiger Zeit gemeinsam das Haus verlassen hatten und Clementine sowieso wieder mit diesem Taxus rum hing, konnte es nur Daffy sein. Der hatte mir bisher ja noch nichts getan. Also stand ich auf und öffnete die Tür.
„H-hi. Du hast Besuch.“ Daffy warf einen Blick in mein unaufgeräumtes Zimmer, zog kritisch die Luft ein (vermutlich dachte, er ich vergammelte vor mich hin) und schob dann die Person ins Zimmer, die ich seit Tagen versuchte zu erreichen: Grenadine.
Daffy sah kurz zwischen uns hin und her und verabschiedete sich dann.
Grenadine und ich betrachteten uns einen Moment, bevor wir einander in die Arme fielen.



Daffy brachte uns nach einer halben Stunde Tee und Kekse hoch. Er stellte es vor die Tür und klopfte, bevor er vermutlich anschließend die Küche desinfizierte.
Grenadine hatte von ihrer Mutter genauso großen Ärger bekommen wie ich mit meinen Eltern. Ihr Hausarrest war zumindest nicht von einem Krankenhausaufenthalt begleitet gewesen, dafür aber vom Entzug des Handys und des Laptops.
Arm in Arm saßen wir auf meinem Bett, tranken den Tee und Grenadine aß alle Plätzchen auf. Sie hatte geweint als sie mir vom Ausbruch ihrer Mutter erzählte und ich befürchtete, dass es noch nicht alles war. Wir hatten uns einige Wochen nicht gesehen. Wer weiß was da noch alles passiert war…
„Ich bin schwanger. Und meine Mutter will mich zwingen es wegmachen zulassen.“
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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Mi März 07, 2012 4:03 pm

Kapitel 12

Rose Hip war ein genauso liebenswertes Mädchen wie ihre Schwester. Indi ging in der Große-Schwester-Rolle vollkommen auf, sie verbrachte viel von ihrer Freizeit an Rosies Seite und erzählte ihr selbsterfundene Geschichten. Außerdem hatte sie ihre Puppe Rags an Indi weitervererbt. Rags wurde von Rosie vermutlich noch heißer geliebt als von Indi.



Obwohl er mich noch vor Rosies Geburt um Rat gefragt hatte, brachte es Lucky erst auf die Reihe, Clementine nach einem Date zufragen, als Rosie schon alleine sitzen konnte. Ich glaube fast, meine Schwester hatte schon länger darauf gewartet. Zwar viel es ihr nach wie vor schwer, sich Männern anzuvertrauen, aber wer würde sich Lucky Charm nicht anvertrauen? Der Mann war mein Trauzeuge, Patenonkel beider Mädchen und außerdem der beste Freund den man sich wünschen könnte. Als Frau würde ich vermutlich alles tun, um ihn um den Finger zu wickeln. Zum Glück war ich mir Grenadines Liebe sicher, sonst hätte ich Angst, dass sie das auch so sah.



Clementine und Lucky gingen ein paar Mal aus, bevor sie offiziell ein Paar wurden. Ich glaube Indi fand es furchtbar nicht nur gelegentlich über schmusende Eltern, sondern auch noch über schmusende Verwandte zu stolpern. Als Lucky sie damit aufzog und meinte, bald wäre sie diejenige, die wir schmusend vorfänden, wurde mir ganz schlecht.



Ja, mein kleines Mädchen war schon ein Teenager. Bisher interessierte sie sich simmerlob noch nicht für Jungs, aber das war ja nur noch eine Frage der Zeit. Ich bekam Albträume von Enkelkindern, dabei war ich selber noch nicht einmal vierzig! Grenadine lachte mich aus, aber ich wusste ganz genau, dass sie auch Sorgen darüber hatte. Deswegen führte sie auch „Das Gespräch“ mit unserer Tochter, was in einem peinlich-schweigenden Abendessen mündete. Indi fand Jungs im Moment offenbar noch ziemlich eklig und das was ihre Eltern bzw. ihre Tante und ihr Onkel da trieben war ja wohl der Gipfel von Ekligkeit. Eine Weile konnte ich ruhig schlafen.

Zumal Indi einige Zeit später verkündete, sie wolle Schriftstellerin werden. Da hätte sie eh keine Zeit zum Rumpoussieren.
„Ich werde auch Schriftstellerin!“, schloss sich Rosie ihrer Schwester an.
„Dazu bist du noch viel zu klein. Du kannst ja kaum einen ganzen Satz schreiben.“ Obwohl Indi Rosie liebte, wollte sie doch ihren Traum für sich alleine haben.
Diplomatisch wie unsere Jüngste war, erklärte sie: „Ich schreib dann später und ich verspreche ich schreibe auch was ganz anderes als du.“
Tatsächlich waren beide nach wie vor begeisterte Leserinnen. Doch während Indi am liebsten Fantasy- oder Science Fiction-Geschichten las, war Rosie eine ganz verträumte Romantikerin. Sie liebte kitschige Jungmädchenliebesgeschichten und wenn ein Liebesfilm im Fernsehen lief, musste Grenadine ihn sich jedes Mal mit Rosie und einer großen Packung Kleenex anschauen. Zum Glück fand sie, dass ihre Mom eine viel bessere Mitguckerin war, so dass ich zum zweiten TV-Gerät fliehen und Kochsendungen gucken konnte.



„Dad kann ich dich mal was fragen?“
„Klar, Mäuschen. Immer.“ Obwohl ich argwöhnte, dass ich am Ende mit weniger Simeolons im Portmonee dastehen würde, sah ich Indi aufmunternd an, während ich das Frühstück zubereitete.
„Aaaaaaalso ….“, begann sie gedehnt, hielt inne und fing von Neuem an. „Ich habe mich nur gewundert, warum du und Mom keinen Kontakt zu euren Eltern habt.“
Oje. Ich hatte mich schon gefragt, wann sie danach fragen würde. Wir hatten nie direkt von unseren Eltern gesprochen, aber Indi war klar, dass sie zumindest noch lebten.
„Das ist etwas kompliziert. Wir hatten zuletzt kein besonders gutes Verhältnis. Weder ich zu meinen Eltern noch Mom zu ihrer Mutter.“
„Wegen mir?“
Ich starrte angestrengt in die Rührschüssel und bearbeitete den Pfannkuchenteig. „Wie kommst du darauf?“



„Ich kann rechnen, Dad.“ Sie sah mich ernst an. „Ihr wart noch ziemlich jung als ihr mich bekommen habt.“
„Naja, immerhin hatten wir die Schule fertig.“, antwortete ich ausweichend. „Meine Eltern und ich hatten schon bevor wir weggegangen sind eine Weile … Streit miteinander.“ Ich seufzte und sah sie an. „Um ehrlich zu sein, wissen sie nicht einmal von dir. Oder von deiner Schwester.“
„Oh.“ Indi machte große Augen und lehnte sich gegen die Küchentheke.
„Deine Mom und ich sind von zuhause weggegangen, bevor sie davon erfahren konnten. Ihre Mutter wusste es schon und … naja, sie war alles andere als begeistert. Sie hatte sich für deine Mutter etwas anderes erhofft als so jung Mutter zu werden.“ Ich stellte die Schüssel weg und nahm meine Tochter in den Arm. „Aber deine Mutter wollte es niemals anders. Sie hat sich von Anfang an auf dich gefreut. So wie ich.“
„Hm.“, machte Indi. Sie wirkte erschüttert und ich drückte sie an mich. Vielleicht hätte ich es besser Grenadine überlassen sollen, mit Indi darüber zu reden. Ich stellte mich nicht besonders geschickt an.
„Ich liebe dich, meine Große, und Moms Mutter ist eine dumme Sima, dass sie sich nicht auf doch gefreut hat.“
„Und deine Eltern?“
„Äh…“
„Unsere Eltern werden sich bestimmt freuen dich und Rosie kennenzulernen.“, kam es plötzlich aus dem Wohnzimmer. Dort stand Clementine, noch im Schlafanzug, und sah uns grinsend an. „Ich habe sie eingeladen.“
„Du…was?“ Ich sah meine Schwester entgeistert an.
Sie wedelte mit ihrem Hand und ich sah einen Ring daran aufblitzend. „Ich möchte, dass sie zur Hochzeit kommen.“ Dann stemmte sie die Hände in die Hüften. „Außerdem wird es Zeit, dass du dich wieder mit ihnen verträgst.“

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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am Fr März 09, 2012 7:36 pm

Rückblick VII

Mir blieb kurzzeitig die Luft weg und ich befürchtete schon einen erneuten Asthmaanfall.
„Wow.“, würgte ich schließlich hervor.
Grenadine sah mich unglücklich an. Wir hatten Arm in Arm auf meinem Bett gesessen, doch jetzt rückte sie von mir weg und legte schützend die Arme um ihren Leib.
‚Eine Nacht.’, dachte ich.
„Ich will mein Baby behalten.“, sagte sie mit zittriger Stimme. Ihr Ton klang dennoch so bestimmt, dass ich lächeln musste.
Ein Baby war nicht gerade das, was ich erwartet hatte, aber als ich Grenadine ansah, wurde mir klar, dass ich mit keiner anderen Sima jemals Kinder haben wollte. „Ich liebe dich.“
Grenadine machte ein überraschtes Gesicht, dann wurden ihre Züge ganz weich und sanft. Ich zog sie auf meinen Schoß und legte die Hand auf den flachen Bauch. „Ich liebe dich und ich wenn du unser Baby behalten möchtest, dann ziehen wir es gemeinsam groß.“
„Ich liebe dich auch.“, erwiderte sie und legte ihren Kopf auf meine Schulter. „Aber meine Mutter wird uns umbringen.“
„Dann mein Schatz, darf sie uns nicht finden. Zumindest nicht bis wir achtzehn sind.“


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Re: Chasing Rainbows - Akkis Rainbowcy

Beitrag  Akki am So März 11, 2012 6:14 pm

Kapitel 13

„Was ist los?“, fragte Grenadine mich verschlafen von der Seite.
„Nichts.“, knurrte ich. Seit wir ins Bett gegangen waren, wälzte ich mich von einer Seite auf die andere, unfähig Schlaf zu finden.
„Aha.“ Grenadine machte die Nachtischlampe an und rollte sich auf die Seite. Sie stützte den Kopf in die Hand und sah mich aus ihren dunklen Augen kritisch an. „Für nichts hältst du mich aber schon ganz schön lange wach.“
„Oh. Ich dachte du schläfst.“
Sie rollte mit den Augen. „Ich VERSUCHE zu schlafen. Und immer wenn ich gerade eben weggedämmert bin – rumms, wälzt du dich wieder um.“
„Tut mir leid, Schatz.“ Ich beugte mich vor und küsste ihre Stirn.
„Es liegt an deinen Eltern, nicht wahr?“
Ich grummelte zustimmend.
„Sie werden dir schon nicht den Kopf abreißen. Außerdem sind wir mittlerweile über achtzehn.“ Grenadine kicherte und löschte das Licht. „Du hast noch ein paar Wochen bis sie kommen. Also zerbrich dir nicht ausgerechnet heute Nacht den Kopf darüber. Schlaf lieber.“



Als wäre es nicht schlimm genug dem Besuch meiner Eltern entgegen blicken zu müssen, kesselten mich meine Töchter auch noch ein.
„Ich möchte ein Kleid mit ganz viel Tüll. Und neue Schuhe.“, erklärte Rosie und Indi merkte an: „Ich kann UNMÖGLICH zur Hochzeit das gleiche Kleid anziehen wie zum Schulball!“
„Ähm, Mädels … also …“
„Du willst doch nicht, dass wir unseren Großeltern nicht gefallen Daddy und wir dann weglaufen müssen?“ Rosie sah mich aus treuen Augen an. Ich jedoch fuhr zu ihrer Schwester herum. „Du bist ’ne alte Petze, Indi.“
„Was denn?“ Indi machte ein unschuldiges Gesicht. „Sie hat gefragt warum wir Oma und Opa bisher nicht kennen.“
Oma und Opa … soweit ich wusste waren meine beiden Mädchen bisher ihre einzigen Enkelkinder (es sei den Kummy war unbesorgt über die Dörfer gegangen). Trotzdem behagte mir der Gedanke nicht, dass Indi und Rosie meine Eltern mit Oma und Opa begrüßten, wo ich so lange an sie nur noch als „meine Eltern“ dachte (wenn überhaupt) und nicht als Mom und Dad. Vielleicht wollten die beiden ja auch gar nicht als Oma und Opa angeredet werden! Vermutlich waren sie sowieso noch sauer auf mich. Und würden schimpfen. Und stressen. Und Clementine und Lucky die Hochzeit versauen. Und…
„Daaaaahaaaad. Du hörst überhaupt nicht zu!“, unterbrach Indi jammernd meine Gedanken.
„Argh.“, machte ich. „Mein Simmer, dann kaufen wir euch halt neue Kleider. Ist die Diskussion damit beendet?“
„Mit Tüll?“
„Und neue Schuhe?“
Vielleicht sollte ich noch vor der Hochzeit davon laufen …



Noch zwei Tage … Die Hochzeit würde am kommenden Wochenende stattfinden, meine Eltern reisten aber schon übermorgen an. Clementine freute sich sehr über ihr Kommen. Auch Lucky und die Mädchen fieberten dem entgegen. Grenadine sah dem ganzen etwas zwiegespalten entgegen, während ich … Ich würde am liebsten davonlaufen. Spaßeshalber hatte ich es Grenadine vorgeschlagen. Dass wir vielleicht endlich mal Urlaub machen könnten – gaaaanz weit weg und genau über dieses Wochenende. Doch das hatte mir nur einen entsetzten Blick eingebracht. Ok, ich würde meine Schwester auch nicht im Stich lassen wollen, aber der Gedanke an meine Eltern … urgs. Ich aß schon seit Wochen nicht mehr richtig und das wollte was heißen!

„Da kommt ein Taxi.“ Rosie und Indi hingen vor dem Fenster und winkten wie wild nach draußen.
Ich würgte trocken. „Noch können wir fliehen, Schatz.“, wisperte ich Grenadine zu. Sie boxte nach meinem Arm und murmelte, ich solle es durchstehen wie ein Mann. Weiber!
„Indi, Rosie, setzt euch noch hin. Ihr müsst die beiden ja nicht gleich wie junge Hund anfallen.“, rief sie dann die Mädchen zur Räson. „Und setz’ du dich am besten auch hin, bevor du noch umkippst.“
Meine Töchter fläzten sich auf die Couch und blickten wie ein Sim zu mir.
„Warum bist du so blass, Daddy?“, fragte Rosie.
„Weil er Schiss hat.“, antwortete statt meine Indi. „Ist doch so, oder?“
„Schiss? Warum sollte ich Schiss haben? Ihr sitzt wie die letzten Sims. Setzt euch anständig hin.“
Die Mädchen rückten sich zurecht, starrten mich aber immer noch einträchtig an. Simmer im Himmel, warum war ich mit gleich zwei Töchtern gestraft?
„Du hast Schiss, weil du mit deinen Eltern gestritten hast und dich jetzt wieder vertragen musst.“, schloss Rosie schließlich nachdenklich. „Das ist nicht so schlimm, Daddy. Ich ring mich da ja auch immer zu.“ Sprachs und klopfte mir aufmunternd auf die Schulter.
Clementine und Lucky waren derweil nach draußen gegangen um unsere Eltern zu begrüßen. Grenadine beschäftigte sich mit der Kaffeemaschine.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wie sollte ich die kommenden Tage nur überleben? Ich traute mich meinen Eltern nicht unter die Augen. Weil ich genau wusste, dass es falsch war sich jahrelang nicht zu melden. Ich hatte Angst, dass sie Grenadine und die Mädchen nicht annahmen oder ihnen wehtaten. Vielleicht machten sie gar Grenadine für mein Verschwinden verantwortlich.



Während ich mir im Kopf die hässlichsten Szenen ausmalte (wie schon in den vergangenen Wochen), hörte ich, wie Clementine, Lucky und meine Eltern sich der Haustür näherten. Mein innerer Fluchtreflex drohte Überhand zu nehmen, aber Grenadine war mittlerweile an mich herangetreten und legte mir die Hand auf die Schulter. Ich sah sie gequält an, doch Grenadine lächelte. „Alles wird gut.“, formten ihre Lippen.
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