Das Tagebuch des Floris O'Hara

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Beitrag  Chester am Mo Apr 09, 2012 9:46 am

Wie auch immer, warum hatte sie diese Abneigung gegen Heifis. Es gab in Nocturn so viele andere, die sich zum Teil ihrer Vergangenheit wirklich nicht rühmen konnten. Warum hatte sie stattdessen nicht einen Hass auf Blausims? Stupi Ink (bzw. Lynfort) war ein echtes Ekel seiner Spezies…



„Henry, was … ich… wieso hast du…?“ Ich wusste wirklich nicht, was ich dazu sagen sollte. „Warum hasst du all die Sims, die ich am meisten liebe?“ quetschte ich schließlich hervor. „Ich habe dir schon gesagt, Floris, dass ich deine Kinder nicht hasse.“ Sie sprach leise und schaffte es nicht, mich anzusehen. „Aber sie haben die falsche Mutter. Es hätten meine Kinder sein sollen.“ Ich verstand nicht. Konnte sie selbst keine Kinder bekommen? Hatte sie deshalb keinen Lebensgefährten? War sie neidisch auf mein Familienglück? „Es sind dein Neffe und deine Nichten, Henry“, versuchte ich ihren offensichtlichen Schmerz zu lindern. „Sie lieben dich. Wir lieben dich. Wir sind eine Familie.“ „Nein, Floris, das sind wir nicht“, brach es aus ihr heraus. „Ihr seid eine Familie. Ich wurde nur versehentlich dazugewürfelt wie all die anderen Kinder hier im Haus.“ „Erzähl keinen Unsinn, Henry. Du bist meine Schwester. Ich liebe dich.“ Zum ersten Mal in diesem Gespräch sah sie mir in die Augen. „Ich liebe dich auch, Floris. Aber nicht wie einen Bruder.“



Ich sah sie noch einen Augenblick an und überlegte, was ich darauf antworten sollte. Doch mir fiel nichts ein. Für den Moment war alles gesagt. Ich nickte und verließ stumm das Haus.
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Beitrag  Chester am Mo Apr 09, 2012 9:51 am

Auf dem Nachhauseweg stürmten all die Augenblicke, die Henriettas Gefühle für mich hätten offenbaren können, wie ein Blitzlichtgewitter auf mich ein.



Wie ärgerlich sie jedes Mal reagierte, wenn ich ihr als Kind erzählte, meine Puppe wäre lebendig, der Augenblick, als sie erstmals registrierte, dass Malvida in simmlischer Gestalt vor ihr stand und die Momente, in denen ich ihr voller Stolz berichtete, dass ich Vater wurde. Ich erinnerte mich, wie wütend sie war, dass Malvida und ich als Teenager das einzige Doppelbett im Kinderheim teilten. Seit ihrer Kindheit hatte sie mich geliebt und sich gewünscht, an Malvidas Stelle zu sein und ich hatte es nie bemerkt. Ich fühlte mich scheiße.
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Beitrag  Chester am Mo Apr 09, 2012 9:52 am

In der nächsten Zeit hielt ich mich vom Kinderheim fern, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich mit der „neuen“ Situation umgehen sollte. Doch an Lasses Geburtstag kam ich natürlich nicht darum herum. Henrietta und ich tauschten nur ein Wort zur Begrüßung aus: „Hallo.“ Ansonsten gingen wir uns aus dem Weg. Lasse berichtete mir, dass er den Lebensmittelladen, den er schon als Jugendlicher für ein paar Stunden am Tag öffnete, nun wegen entsprechender Nachfrage um eine große Tierbedarfsabteilung erweitert hatte. Sylvie Lynfort war seine beste Kundin, aber auch meine Schwester Solveig und ihr Nachbar Jason Metz kauften groß bei ihm ein.



Lasse erzählte weiter, dass er zudem bald ausziehen würde, um Platz für das neue Baby zu schaffen. „Seit wann kündigt Mr. Nocturn an, wenn er ein neues Kind bringt?“ fragte ich erstaunt. Für gewöhnlich wurde man von seinen Entscheidungen eiskalt überrascht. Lasse sah mich verständnislos an. „Hat Henry dir nicht erzählt, dass sie schwanger ist?“ „Öhm, nein, hat sie nicht.“ Mir blieb die Spucke weg. „Wer ist denn der Vater?“ „Keine Ahnung. Frag sie doch selbst“, gab er zurück, bevor er sich wieder seinen Gästen zuwandte. Ich brachte natürlich nicht den Mut dazu auf, doch als ich mich kurz nach meinem Gespräch mit Lasse auf den Heimweg machte und auf der Veranda auf Mr. Nocturn stieß, machte ich mir so meine Gedanken.



(Hab es leider noch immer nicht geschafft, ihn zu entvampirisieren. Ignoriert einfach das Mal an seinem Hals, die farblose Haut und die Augen…)
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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 2:58 pm

Ole Lynfort, der schon einige Zeit vor Lasse erwachsen geworden war, stattete Henrys Kinderheim auch weiterhin häufig Besuche ab. Trotz des Alterswechsels schien sein Interesse an Lena ungebrochen.



Er lud sie sogar manchmal in unser kleines Bistro zum Essen ein



und eines Tages erfuhren wir (über mehrere Ecken), dass Ole eindeutige Annährungsversuche unternahm.

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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 3:00 pm

Malvida und ich fanden das nicht schlimm. Lena war 17 und wenn Ole und sie vor einem Jahr eine Beziehung gehabt hätten, hätten es alle niedlich gefunden und sich gefreut. Was sollte jetzt so anders daran sein. Doch Lasse regte sich wahnsinnig auf und brach sogar einen Streit mit Ole vom Zaun.



Zum Glück kam Lena dazu und konnte so eine körperliche Auseinandersetzung verhindern. Zudem machte sie Ole klar, dass er mit seiner Körperfülle nicht ihren Vorstellungen von einem Partner entsprach.

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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 3:02 pm

Ole nahm sich das sehr zu Herzen und trainierte nun täglich mit großem Erfolg im Fitnesscenter.



Und so begann auch Lena von einer gemeinsamen Zukunft mit Ole zu träumen.

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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 3:03 pm

Malvida und Henry kamen nur mit wenigen Tagen Abstand nieder. Zuerst wurde Ohio geboren,



dann brachte Henry ihre Tochter Sally zur Welt.

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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 3:04 pm

Sie hatte sich weiterhin über den Vater ausgeschwiegen, doch eines Abends begegnete ich Jason Metz im Bistro, der mich freudig mit: „Hallo Quasischwager!“ begrüßte.



Ich war etwas überrascht von der Situation, kam aber so zum ersten Mal mit Jason ins Gespräch und fand ihn eigentlich ganz nett. Er war etwas betrübt, dass Henry ihn nach nur einer Nacht abserviert hatte. Über die von mir vermuteten Gründe schwieg ich mich lieber aus und war überaus froh, dass ich Mr. Nocturn nicht zu meiner Familie zählen musste. Da war mir Jason doch sehr viel lieber. Vielleicht würden er und Henry ja doch noch zueinander finden.
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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 3:07 pm

Ich hatte zumindest den Eindruck, dass er sich ganz gut vorstellen konnte, im Kinderheim zu wohnen und Henrietta zu unterstützen. Jenna ging nun zur Schule



und somit war Baby Sally das einzige Wickelkind im Haus, aber sicher würde Mr. Nocturn nicht lange warten und weitere Kinder bringen. Woher sie kamen, wurde uns nicht mitgeteilt. Es gab keine Pässe oder Akten über sie, und im Buch der Stadt wurden sie als Kinder der Heimleitung (also zur Zeit Henrietta) eingetragen.
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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 6:06 pm

Doch Mr. Nocturn ließ sich diesmal Zeit. Vermutlich erfuhr er sehr viel eher als ich, dass Lena ein Kind erwartete, denn der Kontakt zwischen Henry und mir ruhte weitestgehend.



Nun kam auch ich nicht umhin, wütend auf Ole zu sein. So viel Verstand konnte man einem erwachsenen Mann doch wohl zutrauen, dass er zumindest darauf achtete, seine minderjährige Freundin nicht zu schwängern.

Immerhin wurde ihm von Mr. Nocturn wohl ein ganz gut bezahlter Job zugeteilt.



Er sollte die Interessen Nocturns außerhalb des Ortes vertreten. Unsere kleine Stadt war nicht autark und ich vermutete, dass die Familie im Herrenhaus einiges an Zuschüssen in die Gemeinde pumpte. Ole war nun dafür zuständig, die Gelder zu verwalten und Waren einzukaufen.
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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 6:08 pm

Ich hatte nicht lange Zeit, mich über Ole und sein verantwortungsloses Verhalten aufzuregen. Als die kleine Leonie zur Welt kam, konnte man ihr Dasein einfach nicht mehr bedauern. Und auch Lena schien sehr glücklich mit ihrem Kind.

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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 6:09 pm

So nahm das Leben in Nocturn Valley seinen Lauf. Unser Ohio wuchs zum Kleinkind heran,



ebenso wie die kleine Sally.

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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 6:11 pm

Und dann kam schon der Geburtstag der Zwillinge. Der Eintritt ins Teenageralter wurde in Nocturn immer besonders gefeiert. So auch bei uns.



Es gab eine große Party auf unserer Dachterasse und Mr. Nocturn schickte wie immer den Eiswagen, der seine Leckereien kostenlos an alle verteilte.



An Tagen wie diesem wurde das Sortiment sogar um eine spezielle Eistorte für die Geburtstagkinder erweitert.


(links Arizona, rechts Tennessee)
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Beitrag  Chester am So Mai 13, 2012 6:12 pm

Natürlich war auch Robin Lynfort zu Gast. Der Junge war wirklich Gold wert. In dem ganzen Trubel kümmerte er sich rührend um Ohio.



Und das Interesse meiner Mädels an ihm schien auch in keiner Weise nachgelassen zu haben.
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Beitrag  Chester am Fr Jul 20, 2012 12:25 pm

Am Abend nach unserer großen Geburtstagsfeier erhielten wir Besuch von Mr. Nocturn. Das war nicht ungewöhnlich, denn im Großen und Ganzen bestimmte er den Lebensweg eines jeden Einwohners in Nocturn Valley und für einige kam der Moment der „Fremdlenkung“ schon mit dem Eintritt ins Teenageralter. In diesem Fall führte er ein längeres Gespräch mit Tennessee. Ich wartete derweil mit dem Rest der Familie im Wohnzimmer. Während ich meine Hand um Malvidas krampfte, tat mein Magen das gleiche mit dem vor kurzem verspeisten Abendessen. Solveigs „Einhorn-Auftrag“ ging mir unentwegt durch den Kopf und vor meinem inneren Auge flimmerten Kaskaden von blutigen Bildern, in denen meine arme Tochter Kätzchen und Welpen züchtete, um ihre Innereien für einen Mitternachtssnack ins Herrenhaus zu liefern.



Auch Arizona stand unter Spannung. Doch bei ihr schien es sich eher um eine Art Vorfreude zu handeln. „Ich bin so aufgeregt, welchen Weg Mr. Nocturn für uns vorgesehen hat“, wiederholte sie mehrfach und wippte dabei jedes Mal auf dem Sofa hoch, als würde sie jeden Moment aufspringen und wie ein Flummi durchs Zimmer hüpfen. In meiner Sorge um Tennessee blieb mir kaum Zeit, mich auch noch um den geistigen Gesundheitszustand Arizonas zu sorgen, die eindeutig die Ernsthaftigkeit und vor allem die Gefahr dieses Momentes ignorierte. Zum Glück hatte Malvida einen ihrer wenigen „erwachsenen“ Momente und erklärte trocken: „Bestenfalls verheiratet er dich mit einem alten Mann, der stirbt, nachdem du ihm drei Kinder geboren hast.“ Das Hüpfen erstarb abrupt und ich begann zu hoffen, dass Arizona vielleicht doch heller im Kopf war, als es in den letzten Minuten den Anschein gehabt hatte. Doch mit den Worten „Welcher Mann in Nocturn ist denn soooo alt?“ aus dem Mund meiner Tochter erstarb jegliche Hoffnung. Während nun andere ungebetene innere Bilder durch meinen Kopf wirbelten, setzte das Wippen auf dem Sofa wieder ein und ich vermeinte Arizona murmeln zu hören: „…danach könnte ich Robin heiraten…“.
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Beitrag  Chester am Fr Jul 20, 2012 12:29 pm

Ich öffnete gerade den Mund, um jeden Milliliter Luft zu einem ausgedehnten Stöhnen aus meinen Körper entweichen zu lassen, als die Tür des Kinderzimmers aufgerissen wurde und Tennessee ins Wohnzimmer gestürmt kam. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht verkündete sie: „Ich werde reisen!“



Im ersten Moment machte sich Erleichterung in mir breit. Keine blutüberströmten Kätzchen im Leben meiner tierlieben Tochter und wie es aussah auch kein Tattergreis für Arizona, denn durch das Fenster sah ich, dass Mr. Nocturn das Haus schon verlassen hatte und gerade in seine Limousine stieg. Doch dann beschlich mich erneut Unbehagen, als aus Tennessee nichts Genaueres herauszubekommen war, als dass sie im Ausland verschiedene Dinge besorgen sollte. Statt uns Einzelheiten über ihre Job mitzuteilen, merkte ich, wie sie begann, eine Mauer zwischen uns zu errichten, die bei jeder Nachfrage von meiner Seite um einen Stein wuchs. Ich hörte also auf, nachzubohren und verlegte mich stattdessen darauf, mich mit ihr zu freuen. Nicht viele Sims in Nocturn Valley bekamen die Chance, die Welt zu sehen. Doch ein flaues Gefühl blieb.

Nach ein paar Minuten hörten wir Arizonas Stimme vom Sofa zu uns herüberfragen: „Wer ist es denn nun?“ „Wer ist was?“ fragte ich zurück. „Na, der alte Mann, den ich heiraten werde.“ Ich schlurfte wortlos ins Schlafzimmer, lies mich bäuchlings aufs Bett fallen und lies einen ausgedehnten Schrei von meinem Kopfkissen dämpfen. Es tut weh, wenn ein Vater so etwas über seine eigenen Kinder sagen muss, aber bei der Verteilung der Weisheit hatten die Zwillinge eindeutig unterschiedlich große Löffel bekommen.
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Beitrag  Chester am Fr Jul 20, 2012 12:36 pm

Am nächsten Morgen erwachte ich vollständig angekleidet. Die Anspannung am Vorabend hatte mich so erschöpft, dass ich eingeschlafen war, ohne mich für die Nacht umzuziehen. Obwohl ich lange geschlafen haben musste (die Tageskinder waren schon da), fühlte ich mich unendlich müde. Die Nacht war traumreich gewesen und Bilder von Kannibalen, die auf einer entfernten Insel meine Tochter zu einem Leckerbissen verarbeiten wollten, und Mumien, die sie in einen Sarkophag zerrten, um sie in einer Pyramide lebendig zu begraben, hatten meinen Schlaf nicht eben erholsam beeinflusst. Die Traumbilder begleiteten mich auch nach dem Aufwachen und ich versuchte sie zu verbannen, indem ich mir eingestand, dass es zwar weitentfernte Inseln und Pyramiden gab, aber zumindest keine Kannibalen und Mumien, die Tennessees Leben auf unerfreuliche Weise beenden wollten. Doch das half nicht. Erst, als ich nach einem kurzen und appetitlosen Frühstück im Briefkasten eine Nachricht von Mr. Nocturn fand, konnte ich meine Gedanken auf etwas anderes konzentrieren.



,Um 15 Uhr haben Sie ein Vorstellungsgespräch. Sie werden der einzige Kandidat sein.’ stand auf dem Zettel. Eine Seite aus einer Zeitung war beigefügt auf der eine Stellenanzeige eingekreist war. Das wissenschaftliche Institut suchte einen Laborassistenten für die Zweigstelle in Nocturn Valley. Es handelte sich dabei um eine staatliche Einrichtung, deren Einzug in unser abgeschiedenes Städtchen vor etwa einem Jahr für einige Überraschung gesorgt hatte. Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass niemand den Ort ohne Erlaubnis aus dem Herrenhaus verließ und bis zu jenem Zeitpunkt, da das wissenschaftliche Institut seine Tore öffnete, wurde auch alles andere kontrolliert, dass die Grenzen Nocturn Valleys in die eine oder andere Richtung überquerte. Mr. Nocturn hatte es geschafft, alles was unseren Ort betraf, von der Außenwelt abzuschirmen. Ich erinnerte mich, wie ich vor meiner Abreise aus Bluebay versucht hatte, etwas über unsere neue Heimat herauszufinden und kläglich gescheitert war. Doch die Welt außerhalb unseres verschlafenen Städtchens entwickelte sich schneller weiter, als Mr. Nocturns Fähigkeiten, diese glauben zu machen, es gäbe uns nicht. Dass es ihm nicht gelungen war, die staatliche Instanz fernzuhalten, erinnerte uns daran, dass es noch Autoritäten außerhalb des abgeschiedenen Tales gab, denen sich auch ein Mr. Nocturn nicht zu widersetzen vermochte.
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Beitrag  Chester am Fr Jul 20, 2012 12:38 pm

Der bisher einzige Angestellte des Institutes war mein (wie er sich selbst bezeichnete) Quasischwager Jason Metz, Vater von Henriettas Tochter Sally. Er war es auch, der am Nachmittag das Vorstellungsgespräch mit mir führte. Selbstredend, dass ich die Stelle bekam.



Es stellte sich heraus, dass mein Job vorrangig darin bestand, anonymisierte Blutproben auf Besonderheiten hin zu untersuchen. Zu den Hintergründen bekam ich auch von Jason keine näheren Informationen. Er berichtete mir nur, dass es sich um Proben aus allen Ecken des Landes handele und auch die Bürger Nocturns in den nächsten Tagen „angezapft“ werden sollten.
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Beitrag  Chester am Fr Jul 20, 2012 12:40 pm

Als ich das wissenschaftliche Institut verließ, klingelte mein Handy. Mr. Nocturn teilte mir mit, ich solle mich bei Einbruch der Dunkelheit am Herrenhaus einfinden. Natürlich tat ich, wie mir geheißen war. Da Jason mich noch durch die Einrichtung geführt und mir meinen neuen Arbeitsplatz gezeigt hatte, war es eh schon so spät, dass die Sonne bald untergehen würde. Ich pausierte noch etwas im Park und schlenderte dann den Hügel hinauf zum Herrenhaus. Just in dem Moment, da ich das riesige Anwesen erreichte, versank die Sonne vollständig in den Bergen, die das Tal von drei Seiten umgaben. In Nocturn Valley lernte man schnell, wann die Dunkel einsetzte. Obwohl nie etwas Schlimmes bei Nacht geschah, empfanden die meisten Einwohner die nächtliche Dunkelheit hier als beunruhigend und unheimlich und verließen das Haus kaum noch, wenn sich die Sonne erst einmal verabschiedet hatte.



Ich hob gerade meine Hand, um zu klopfen, als die Tür bereits wie von Geisterhand geöffnet langsam aufschwang. „Kommen Sie herein, Floris!“ erklang Mr. Nocturns Stimme aus dem Kaminzimmer. Ich kannte den Weg, denn ich war schon mehrfach hier gewesen. Vor einem knisternden Feuer saß Mr. Nocturn. „Nehmen sie Platz, Floris“, sagte er und deutete auf den Sessel ihm gegenüber. „Ich bin sehr erfreut, dass sie die Stelle im wissenschaftlichen Institut erhalten haben. Für unsere Gemeinschaft ist es von großer Wichtigkeit, dort einen Verbündeten zu haben. Ihr Vorgesetzter, Mr. Metz, genießt leider nicht mein Vertrauen. Bedauerlicherweise gibt es in meiner Stadt noch vereinzelt Grundstücke, die nicht mir gehören und so habe ich keinen Einfluss darauf, wer dort wohnt. Mr. Metz ist ein Fremder. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er mit Ihrer Adoptivschwester ein Kind gezeugt hat. Sie sollten also nicht zu vertraut mit ihm werden. Nichts in seiner Vergangenheit lässt ihn so an der Abgeschiedenheit dieses Ortes hängen, wie all seine anderen Bewohner mit ihren kleinen Geheimnissen. Wenn es an ihrem neuen Arbeitsplatz also zu Ereignissen kommt, die unserer kleinen Gemeinschaft hier schaden könnten, sollten sie mich umgehend informieren.“
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Beitrag  Chester am Fr Aug 17, 2012 3:00 pm

Den Heimweg trat ich tief in Gedanken versunken an, denn die Frage war, ob Mr. Nocturn nicht eher Ereignisse meinte, die seinen Machenschaften schaden könnten.



Wie auch immer, momentan werde ich von Jason angelernt, Besonderheiten im Blut überhaupt erst einmal zu erkennen. Der Job ist nicht besonders spannend, aber er wird im Gegensatz zu manch anderer Arbeit, die in Nocturn in Naturalien und Wohnrecht abgegolten wird, recht gut bezahlt. Hinzu kommt, dass mir Mr. Nocturn ein zusätzliches Honorar aus seiner Tasche angeboten hat, für den Fall, dass ich ihm Auffälligkeiten sofort melde. Darüber muss ich allerdings erst noch weiter nachdenken. Kommt wohl auf die Art der Auffälligkeiten an. Jedenfalls scheint Mr. Nocturn aufs Schlimmste beunruhigt. Ich vermag nur noch nicht zu deuten, ob dies gut oder schlecht für unser aller Leben hier ist.
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Beitrag  Chester am Fr Aug 17, 2012 3:04 pm

Tennessee ist heute nach Shang Simla aufgebrochen. Obwohl sie unheimlich aufgeregt war und sich wahnsinnig auf die Reise freute, ist ihr der Abschied doch schwer gefallen. Auch Arizona war sehr traurig, sich nun für lange Zeit von ihrer Zwillingsschwester verabschieden zu müssen. Sie stehen sich trotz ihrer Unterschiedlichkeiten eben doch sehr nah.

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Beitrag  Chester am Fr Aug 17, 2012 3:05 pm

Immerhin durfte Tennessee uns ihren Zielort verraten. Mit dem Flugticket zusammen erhielt sie auch ein paar Bilder des fernen Landes.




Alles sieht so anders aus, selbst die Menschen dort. Ich weiß, gerade ich sollte dem Fremdartigen gegenüber aufgeschlossener sein. Aber meine Kleine war bisher noch nicht einmal im Nachbarort. Shang Simla ist so weit weg…
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Beitrag  Chester am Fr Aug 17, 2012 3:07 pm

Doch etwas ganz anderes beschäftigt mich nicht minder. Ich muss mich entscheiden. Die erste Auffälligkeit ist aufgetaucht. In einer Blutprobe sind neben den gewöhnlichen roten auch einige Blutplättchen aufgetaucht, die einen merkwürdigen grünen Schimmer haben, fast wie eine irisierende Schleimschicht, die das Plättchen einhüllt. Ich habe die Probe mit Sauerstoff angereichert und plötzlich schlug die Farbe des Blutes um.



Nachdem ich heimlich eine Kopie des Berichtes angefertigt und diesen meinem Vorgesetzten übergeben habe, stehe ich nun vor der Frage, ob ich die Kopie wirklich Mr. Nocturn zukommen lassen soll. Ich habe ein ungutes Gefühl, vor allem will ich mir aber nicht selber eingestehen müssen, käuflich zu sein.
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Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2012 9:56 am

Obwohl schon ein paar Tage vergangen sind, trage ich die Kopie des Berichtes noch immer in meiner Brieftasche mit mir herum. Ich habe das Gefühl, dass so viel davon abhängt, ob ich sie weiterreiche oder nicht. Aber ich weiß nicht, was es ist. Deshalb kann ich mich nicht wirklich durchringen, sie zum Herrenhaus zu bringen. Ich komme auch kaum zum Nachdenken, denn in den letzten Tagen hatten wir gleich zwei Geburtstage zu feiern. Ohio geht nun endlich zur Schule.



Und Texas ist zum Teenager gereift.

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Beitrag  Chester am Sa Aug 18, 2012 10:00 am

Außerdem erhielten wir noch einen Brief von Tennessee.





ALLES GUTE ZUM GEBURTSTAG, LIEBE BRÜDER!
Ich hoffe, ihr feiert schön, auch ohne mich…


Ich bin gut in Shang Simla angekommen.




Es ist ein bezauberndes Land. Alles ist so anders hier als zuhause. Ihr glaubt gar nicht, wie geheimnisvoll die Welt außerhalb Nocturn Valleys ist. Selbst die Läden hier bieten ganz andere Dinge an.



Ich habe mir ein Bett in einem riesigen, aber einfachen Hotel gemietet. Hier kommen viele Reisende aus aller Welt unter. Und da sich jeder irgendwie einsam zu fühlen scheint, soweit weg von daheim, sind wir doch alle wieder wie eine große Familie. Abends sitzen wir beisammen und erzählen von unseren Erlebnissen. Stellt euch vor, gestern berichtete meine Bettnachbarin sogar, sie wäre in Al Simhara einer lebenden Mumie begegnet. Erst dachte ich: Was für ein Unsinn, „lebende Mumie“ ist doch schon ein Widerspruch in sich. Aber sie hat so authentisch berichtet, dass ich zumindest einmal selbst dorthin reisen muss. Wer weiß, vielleicht ist mein Zukünftiger ja ein in Klopapier gewickelter Pharao…

Leider muss ich euch auch etwas nicht so Schönes gestehen. Ich war kaum ein paar Stunden hier in der Fremde, da bin ich auch schon zur Diebin geworden. Und das kam so:



Zuletzt von Chester am Sa Aug 18, 2012 10:11 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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