Springfield

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Mai 24, 2014 1:43 pm

Die Tage wurden düsterer. Oft mussten wir schon mittags das Licht anschalten, weil nicht genug Tageslicht durch die Fenster drang. Wochenlang pfiff ein eiskalter Wind vom Meer her und eines Tages begann es zu schneien. Anabel machte sich Sorgen, ob unser halboffener Stall die Kälte genug von den Pferden fernhielt, aber wie wir bald feststellten, genossen Fenny und Rosella den Schnee in vollen Zügen. So sehr sie es hassten im Regen zu stehen, so wenig schien es Ihnen auszumachen, im dichten Schneetreiben auf dem Hof herumzutollen.



Jetzt, wo es schneite, dachte ich, dass Yvaine endgültig auf ihre bodenlangen Kleider verzichten musste, um nicht zu erfrieren, aber ich hätte es besser wissen müssen. Als es kälter wurde, zog sie sich einfach ein Kleid mit mehr Schichten an, das dennoch ihre schlanke Taille hervorragend zur Geltung brachte und ging ungerührt ihren üblichen Tätigkeiten nach. Abgesehen davon, dass sie seltener spazieren ging, weil es aussichtslos war, bei geschlossener Schneedecke nach Pilzen und Kräutern zu suchen.



Für ihre Alchemie musste sie sich nun völlig auf ihre Vorräte und das, was sie in unserem neuen Gewächshaus anbauen konnte, verlassen. Es war pünktlich zum Wintereinbruch fertig geworden und sie hatte die ersten Wintertage damit verbracht, die Pflanzen in Blumentöpfe umzupflanzen und neue Samen auszusäen.



Ich ertappte mich nun immer häufiger dabei, dass ich vergaß, dass Yvaine nicht schon immer bei uns gewesen war. Ihre Anwesenheit schien mir völlig normal und als unumstößliche Tatsache. Das gleiche galt auch für Nova, die Yvaine – nun, da es kalt war – nicht mehr auf Schritt und Tritt folgte, sondern sich lieber vor den Kamin setzte.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Mai 24, 2014 1:46 pm

Meine Schwester ließ sich wie üblich von dem Schnee nicht viel beeindrucken. Sie reduzierte ihre Trainingseinheiten nur insofern, dass sie nicht im dichten Schneetreiben das Sprungtraining absolvierte, weil dies viel zu gefährlich war. Sie beklagte sich jedoch immer und immer wieder, dass weder Yvaine noch ich gesteigertes Interesse daran hatten, täglich mit ihr auszureiten.



Es wunderte mich ein wenig, dass auch Yvaine, die wenn möglich eine noch größere Frischluftfanatikern als Anabel war, sich so dagegen wehrte auszureiten. Stattdessen sah ich sie viele Stunden am Kamin lesen – immer in Gesellschaft von Nova – oder hörte aus ihrem Zimmer eigenartige Geräusche, die ich auf ihre Tränke schob. Seit ich einmal nach einem besonders lauten Geräusch erschrocken in ihr Zimmer eilte, um notfalls einen Brand zu löschen, wusste ich, dass manche Zutaten sich seltsam zischend in heißem Wasser auflösten, aber es hörte nicht auf, mich zu erschrecken, wenn man förmlich hören konnte, wie die Funken aus ihrem Kessel stoben. Es war wirklich unheimlich und darum konnte ich gut verstehen, dass einige Sims der Alchemie misstrauisch gegenüber standen. Dennoch schien das Geschäft gut zu laufen. Sie hatte mittlerweile so viel Geld eingenommen, dass sie sich die eigene Schleifmaschine leisten konnte.



Anabels Klagen über unser mangelndes Interesse am Reiten nahmen schlagartig ab, als eines Abends ein Fremder auf unserem Grundstück auftauchte. Es war selten, dass Fremde nach Springfield kamen. Entsprechend verwundert begrüßte ihn Anabel, die gerade von einer Trainingseinheit mit Fenny zurückkam.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Mai 24, 2014 1:49 pm

Er stellte sich als Oregon O'Hara-Lynfort vor. Er sei neu hier, berichtete Anabel mir hinterher, und arbeite in der Feuerwache. Ich fand, das waren gute Neuigkeiten. Bisher hatten wir auch dabei auf den Löschzug der nächstgrößeren Stadt vertrauen müssen, der natürlich immer zu spät war. Es war gut, dass nun endlich jemand vor Ort war, der sich darum kümmerte. Es hatte etwas gedauert, bis sich jemand gefunden hatte, der in einem kleinen Ort ohne Bedeutung als Feuerwehrmann arbeiten wollte, aber Oregon meinte, für ihn sei das genau das Richtige. Er stammte ebenfalls aus einem kleinen Dorf – noch kleiner als New Springfield, wie er uns bei anderer Gelegenheit versicherte, und nachdem seine Eltern gestorben und seine Geschwister erwachsen geworden waren, fand er, es sei an der Zeit irgendwo einen Neuanfang zu wagen. Weil er in den letzten Jahren seine Geschwister erzogen und den Haushalt geführt hatte, kannte er sich mit Küchenbränden aus und hatte kurzerhand eine Ausbildung zum Feuerwehrmann gemacht. Als er von der Stelle hier gehört hatte, hatte er sich sofort beworben. Und hier war er. Es war anstrengend ganz allein die Feuerwache zu besetzen und die Geräte in Schuss zu halten, aber da es ein kleiner Ort war, brannte es glücklicherweise nur selten.



Durch seine neue Stelle hatte er auch bald Olivia, unsere einzige Ärztin, kennengelernt. Diese wiederum hatte ihm entlockt, dass seine Mutter früher Pferde gehalten hatte und er deshalb ein wenig reiten konnte. Ehe er sich versah, hatte Olivia ihm empfohlen, mal bei uns vorbeizuschauen, da Anabel sich sicher freue, wenn er ab und zu mit ihr ausreite. Und so kam es, dass er nicht nur ab und zu, sondern sehr häufig mit Anabel ausritt. Wie wir erst viel später herausfinden sollten, war dies nicht der einzige Grund, weshalb Olivia Oregon zu uns geschickt hatte.



Seitdem hatten Yvaine und ich unsere Ruhe vom Reiten, dafür mussten wir uns von früh bis spät ihre Erzählungen von Oregon anhören. Yvaine fragte einmal, als sie mal wieder ansetzte, matt ob sie eigentlich Barry auch soviel von unserem neuen Bewohner erzähle, und was er davon halte, dass sie fast täglich mit eben diesem ausritt. Ich wechselte einen belustigten Blick mit Yvaine, während Anabel die Frage gekonnt überging. Aber danach hielt sie sich mit dem Thema Oregon etwas zurück. Ich hingegen blieb misstrauisch. Natürlich zweifelte ich schon lange an Anabels Beziehung mit Barry, aber es war mittlerweile sehr auffällig wie wenig Anabel sich mit Barry traf. Und das lag sicherlich nicht nur an Oregon. Spätestens seit Anabels Vergiftung hatte sich das Verhältnis des Paares deutlich abgekühlt. Ob Barry es mir immer noch übel nahm, dass ich Yvaine unterstützt hatte? Und nahm Anabel es Barry immer noch übel, dass er Yvaine nicht vertrauen wollte? Ich musste gestehen, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht die geringste Ahnung hatte, was in meiner Zwillingsschwester vorging.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Jun 14, 2014 9:38 pm

Anabels Ausritte nahmen ein abruptes Ende als plötzlich eine Serie von Schneestürmen über uns hereinbrach. Tagelang konnte man kaum das Haus verlassen, um nach den Pferden zu sehen und die Straße zum Dorf war versperrt.



Meine Schwester wurde von dem ersten Schneesturm in einer Vollmondnacht überrascht. Sie hatte in der Reithalle an einem Turnier teilgenommen, als auf dem Rückweg unvorhersehbar das Unwetter über sie hineinbrach. Unvorhersehbar zumindest für Anabel. Yvaine hatte bereits am Morgen angemerkt, sie solle besser früher als später heimkommen, weil es später sicher ungemütlich werde, aber selbst sie hatte nicht geahnt, dass der Sturm diese Ausmaße annehmen würde. Glücklicherweise gelang es meiner Schwester in Oregons kleinem Haus Unterschlupf zu finden und am nächsten Tag während der Sturm gerade eine Pause machte, nach Hause zu reiten.



Seitdem saßen wir im Haus fest. Selbst Anabel und Yvaine wagten sich kaum noch vor die Tür. Es war langweilig den ganzen Tag nicht raus gehen zu können und niemanden anrufen zu können, weil sämtliche Telefonnetze zusammengebrochen waren. Wenigstens funktionierte der Strom noch. Damit wir uns nicht gegenseitig auf die Nerven gingen, versuchte jeder, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ich war natürlich an meiner Werkbank und bastelte. Manchmal kam Yvaine hinunter in den Keller, um ein paar ihrer Edelsteine zu schleifen. Aber die meiste Zeit verbrachte sie damit, Tränke zu brauen. Ihr Kräutervorrat war bereits drastisch dezimiert und darum ersehnte niemand den Frühling so sehr wie sie. Und Anabel las. Sie, die sonst den ganzen Tag an der frischen Luft war, hatte plötzlich nichts mehr zu tun und so las sie und las und las.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Jun 14, 2014 9:42 pm

„Ungewohnt, dich soviel lesen zu sehen.“, unterbrach ich sie an einem Nachmittag. Ich hatte Stunden an meiner Werkbank verbracht, dann die Waschmaschine repariert und schließlich geduscht.
Anabel sah von ihrer Lektüre nicht auf. „Ich muss die Gunst der Stunde nutzen. Wann sonst könnte ich soviel lesen, wenn nicht während eines Schneesturms?“
„Ich wusste nicht, dass du so gern liest.“ Ich ließ mich neben ihr auf die Couch fallen. Sofort sprang Nova auf meinen Schoß.
„Mir scheint, die Katze hat neuerdings einen Narren an dir gefressen.“, bemerkte Anabel, die es aus den Augenwinkeln beobachtete.
Ich zuckte die Schultern. „Sie gewöhnt sich nur an uns, das ist alles. Und ihr Frauchen ist weit und breit nicht zu sehen. Wo steckt sie überhaupt?“
„In ihrem Zimmer vermutlich. Sie kann nicht spazieren gehen, also grübelt sie dort vor sich hin.“
„Hm.“, machte ich. „Was liest du da?“
„Poseidon und Undine. Von Wassermännern und Meerjungfrauen.“
„Das Buch haben wir doch gar nicht!“, protestierte ich.
„Oregon hat es mir geliehen.“, antwortete sie ruhig.
„Er glaubt, du interessierst dich für Meerjungfrauen?“



Anabel seufzte, klappte das Buch zu und warf es vor sich auf den Boden. Nova sprang erschrocken von meinem Schoß. „Ich frage mich, ob Yvaine eine von ihnen ist.“
Ich warf ihr einen zweifelnden Blick zu, der besagte, dass ich mir keineswegs sicher war, ob sie mich nicht auf den Arm nahm. „Bist du dir sicher, dass du gesund bist?“ Ich fühlte ihre Stirn, aber die Temperatur kam mir normal vor.
„Ich bin bei klarem Verstand.“, gab sie beleidigt zurück. „Yvaine hat etwas Übernatürliches an sich, das musst du zugeben.“
„Mag sein, dass sie ein paar Eigenheiten hat.“ Ich fing Anabels Blick auf. „Na gut, sie ist eigenartig. Aber ein übernatürliches Wesen? Das müsste doch auffallen!“
„In der Tat. Mir fällt es auf. Und ich denke, Olivia und Oregon wissen auch mehr, als sie zugeben. Erinnerst du dich noch daran, wie seltsam Olivia sich verhalten hat, als sie Yvaine untersuchte? Und sie hat auf der Uni übernatürliche Wesen getroffen. Sie hat es auf den ersten Blick erkannt. Genau wie Oregon, fürchte ich, auch wenn er nie ein Wort darüber verliert. Aber als er Yvaine zum allerersten Mal gesehen hat, war etwas in seinen Augen, was ich nicht deuten konnte. Und er kennt auch übernatürliche Wesen. Auf der Insel, auf der er aufgewachsen ist, gibt es bald mehr davon als normale Sims.“



Ich wusste nicht so recht, was ich dazu sagen sollte. „Und du denkst, Oregon will dir einen Hinweis geben, in dem er dir dieses Buch gibt?“, brachte ich schließlich hervor.
„Nein. Als ich bei ihm war, habe ich mir sein Bücherregal angesehen und in diesem Buch gelesen. Es beginnt mit der Geschichte der kleinen Meerjungfrau. Und irgendwie musste ich plötzlich an Yvaine denken.“
„Nun, sie hat doch aber keinen Fischschwanz. Damit ist die Sache doch klar.“, bemerkte ich.
„Du willst es nicht glauben.“, stöhnte sie. „Die kleine Meerjungfrau hat ihre Flossen auch verloren, schon vergessen?“
„Dann kann man sie doch kaum noch Meerjungfrau nennen!“, warf ich ein.
Sie verdrehte die Augen. „Tyler, sei doch mal ernst.“
„Ich versuche es ja.“, meinte ich. „Aber das ganze klingt so bescheuert, dass ich einfach nicht anders kann.“
„Nun gut. Dann hör mir zu: Von der kleinen Meerjungfrau wird berichtet, dass sie sich in einen Prinzen verliebte und um ihm nahe zu sein, ihre Stimme gegen Beine eintauschte. Einmal an Land bewegte sie sich anmutiger als alle anderen. Sie war wunderschön... und stumm. Sie sprach nur mit ihren Augen. Du musst zugeben, dass das in gewisser Weise an Yvaine erinnert, auch wenn sie offensichtlich nicht ihre Stimme verlieren musste. Das liegt daran, dass Meerjungfrauen in Wirklichkeit nur im Meer einen Fischschwanz haben. An Land bekommen sie Beine, die mit Schuppen bedeckt sind. Aber wenn sie zu lange an Land sind und nicht ins Meer gehen, verlieren sie die Schuppen und sind fortan keine Meerjungfrauen mehr. Viele sterben dabei. Und jetzt erinnere dich bitte daran, wo wir sie gefunden haben. Dem Tod nahe am Strand liegend, richtig? Was wenn sie einst eine Meerjungfrau war und es nicht mehr rechtzeitig ins Wasser geschafft hat? Sie liebt das Wasser, richtig? Sie schwimmt wie ein Fisch, ist kaum aus dem Wasser zu bekommen. Und erinnerst du dich noch an die sehnsuchtsvollen Blicke, die sie den ganzen Sommer über aufs Meer gesandt hat? Es passt alles.“


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Sep 26, 2014 5:29 pm

Zugegeben. Anabels Argumentation hatte etwas für sich. Es ließ sich nicht leugnen, dass es gewisse Ähnlichkeiten zwischen Yvaine und der Meerjungfrau gab. Ich dachte lange darüber nach und wann immer Anabel nicht in der Nähe war, nahm ich das Buch zur Hand, um selbst nachzulesen, was dort über Meerjungfrauen stand. Ich wollte es nicht zugeben, aber ich fühlte mich fast geneigt, es zu glauben. Wie gesagt: Fast.
Ich hatte jedoch nicht viel Zeit, mir über Anabels Vermutung Gedanken zu machen. Kaum ließ der Schneesturm nach und die Straßen wieder befahrbar, erreichte uns die Nachricht, dass unsere Mutter im Sterben lag. Dies war ein harter Schlag für uns, aber niemanden traf es härter als meinen Vater. Mir war immer klar gewesen, dass die Beziehung meiner Eltern etwas Besonderes gewesen war, aber wie stark die Liebe der Beiden war, begriff ich erst nun, da mein Vater fast ständig am Grab seiner verstorbenen Ehesima zu finden war. Er wirkte eigenartig unvollständig ohne sie. Natürlich hatten sie zuvor nicht jede Sekunde ihres Lebens miteinander verbracht – allein seine Reisen hatten das unmöglich gemacht – aber jetzt, da sie für immer von uns gegangen war, schien ein Teil von ihm zu finden. Ich war besorgt, dass er ihr bald folgen würde und dementsprechend erleichtert, dass meine beiden jüngsten Schwestern, Minea und Selma, noch bei ihm lebten und sich um ihn kümmern konnten.



Auch Yvaine hatte ein Auge auf ihn. Sie begleitete ihn immer wieder zum Friedhof und ich hatte Grund zu der Annahme, dass sie ihm gelegentlich den ein oder anderen Trank in seinen Tee mischte, der ihn davor bewahrte, sich draußen den Tod zuzuziehen oder ihn aus seiner Schwermut holte.



Als das Schlimmste überstanden war, brach Selma mit ihrem Freund Sebastian Mumbay zum College auf. Sie studierte Wirtschaft, er Technik und nach dem zu urteilen, was wir gelegentlich von ihr hörten, schienen die Beiden dort die Zeit ihres Lebens zu haben.




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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am So Sep 28, 2014 12:00 pm

Derweil stellte ich fest, dass es zumindest einen Sim in unserem Städtchen gab, der Yvaine nicht mochte. Dieser Jemand war meine Freundin Valencia. Wobei „nicht mögen“ noch untertrieben war; sie verabscheute, nein, hasste sie regelrecht. Als der Schneesturm endlich ein Ende fand und ich mich endlich wieder mit Valencia treffen konnte, sprach ich nie über Yvaine und versuchte die Beiden nach Kräften voneinander fern zu halten. Den Grund für Valencias heftige Abneigung konnte ich mir bereits denken und obwohl ich ihr immer und immer wieder versicherte, dass ich nur sie liebte, nagte Yvaines Anwesenheit in unserem Haus an ihr.
Wann genau das angefangen hatte, wusste ich nicht genau. Vermutlich war es mir entgangen, weil Yvaine bis der Winter eingebrochen war so gut wie nie meiner Freundin über den Weg gelaufen war. Ich wusste auch nicht, ob diese Abneigung auf Gegenseitigkeit beruhte, oder ob etwas zwischen den beiden Simas vorgefallen war. Wenn dem so war, dann versteckte Yvaine es geradezu meisterlich. Sicher, sie brachte Valencia nicht dieselbe Herzlichkeit entgegen, die sie Alice, Shane, Anabel oder auch mir angedeihen ließ, aber sie begegnete ihr auch nicht mit offener Feindseligkeit.
Was man von meiner Freundin nicht gerade behaupten konnte. Wann immer sie Yvaine gewahr wurde, konnte ich mich darauf gefasst machen, dass sie irgendetwas Gemeines sagen würde. Yvaine tat dann meistens, als nähme sie keinerlei Notiz von Valencia (was sie nur noch wütender machte) und ließ sich bei was auch immer sie gerade tat, nicht unterbrechen. Vermutlich hätte sogar ich es ihr abgenommen, dass sie gerade in Gedanken war, wenn Valencia wieder giftig wurde, wenn ich nicht eines Morgens Zeuge geworden wäre, wie sie sämtliche Kräuter, die sie am Abend davor im Wohnzimmer gemahlen hatte, fortwarf. Als ich sie fragte, wieso, antwortete sie mit einer gewissen Härte in der Stimme, sie habe sie zu lange gemahlen.



Eines Abends schließlich drohte die Sache zu eskalieren. Valencia und ich waren gemeinsam Essen gewesen und hatten einen wirklich schönen Abend miteinander genossen. Nun hatten wir beschlossen, dass sie noch mit zu mir kommen sollte. Was sich natürlich als Fehler erwies. Es war bereits spät, als wir das Haus betraten und ich hatte nicht erwartet, dass wir noch auf jemanden treffen würde. Aber im Schaukelstuhl saß niemand anderes als Yvaine und schlief. Sie musste über dem Buch eingeschlafen sein, das neben ihr lag. Das Feuer im Kamin war bereits fast vollständig heruntergebrannt. Ich tat, als habe ich Yvaine nicht wahrgenommen und wollte Valencia den Mantel abnehmen, in der Hoffnung, dass sie es auf sich beruhen lassen würde, doch sie konnte es einfach nicht lassen.



„Sie ist immer noch hier!“, zischte sie und mir war sofort klar, dass die gute Stimmung damit wie weggeblasen war. Ich seufzte verhalten bei dem Gedanken, dass ich damit meine Pläne für diese Nacht wohl ändern musste. Valencia interpretierte es sofort falsch: „Du bist natürlich wieder auf ihrer Seite, ist ja klar!“ Ihre Stimme bebte.
„Warum musst du nur immer gleich denken, dass ich auf ihrer Seite bin?“, stöhnte ich, „ich...“
„Weil es so ist!“, unterbrach sie mich. „Wann immer ich etwas gegen sie sage, nimmst du sie in Schutz! In deinen Augen ist sie natürlich absolut fehlerlos!“
„Das stimmt doch gar nicht!“, gab ich geschockt darüber, dass sich die Anfeindungen diesmal gegen mich wandten, zurück. „Ich verstehe nur nicht, was du gegen sie hast! Sie hat dir doch nichts getan!“
„Da! Siehst du, es geht schon wieder los! Du musst mir einfach jedes Mal unter die Nase reiben, wie toll du sie findest!“ Sie schien den Tränen nahe.
„Das habe ich nicht gesagt.“
„Aber gemeint!“



Ich schüttelte den Kopf und wagte einen Blick in Yvaines Richtung. Sie schien immer noch zu schlafen. Aber bei dem Spektakel, den Valencia veranstaltete, war es höchst fraglich, ob sie nicht wieder nur so tat.
„Weck sie nicht.“, sagte ich zu Valencia, was natürlich wieder ein Fehler war.
„Natürlich.“, zischte sie. „Du bist nur wieder besorgt um ihr Wohl! Das ist so krank, wie du sie anbetest!“
„Ich bete sie nicht an.“, widersprach ich sofort. „Ich bin ihr dankbar. Sie hat Anabel das Leben gerettet. Und dabei hat sie keine Sekunde an sich selbst gedacht und die ganze Nacht um meine Schwester gekämpft. Denkst du, ich würde das so einfach vergessen?“
„Und da ist sie wieder: Die LobEShymne.“ Sie bedeckte theatralisch die Augen mit der Hand. „Ich glaube nicht, dass es so ruhmreich war, was sie getan hat! Was, wenn sie das selbst eingefädelt hat? Ziemlich komisch, dass sie sofort wusste, was passiert ist, oder?“
„Sie kennt sich eben damit aus.“
„Und dass sie zufällig genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort war? Außer ihr kennt sich hier doch niemand mit vergifteten Äpfeln aus. Wer hätte das tun sollen? Vielleicht hat sie diesen Apfel selbst platziert und nur darauf gewartet, dass sie sich als Heldin aufspielen kann. Natürlich hatte sie gleich das Gegengift! Es ist doch auch ein merkwürdiger Zufall, dass sie alle Zutaten zur Hand hatte, oder? Wenn du mich fragst, sind das ein paar Zufälle zuviel. Ich bin mir sicher, dass sie das selbst so geplant hat, damit ihr sie aus Dankbarkeit bis ans Ende ihrer Tage hier wohnen lasst. Kost und Logis frei, selbstverständlich.“
„Was für ein Unsinn.“, schüttelte ich den Kopf. „Es waren drei vergiftete Äpfel – für jeden einen – aber der Plan des Täters ist nicht aufgegangen. Wir haben nicht alle drei gleichzeitig Äpfel gegessen!“
„Sagt Yvaine. Kannst du es nachprüfen? Und überhaupt: Was für ein bescheuerter Plan! Wer baut schon auf so einen Zufall? Es ist viel wahrscheinlicher, dass sie die Äpfel selbst dort platziert hat, um den Verdacht von sich abzulenken. Sie hat dir die Äpfel nie gezeigt, oder?“
„Nein.“, musste ich zugeben.
„Siehst du?“, meinte Valencia triumphierend. „Sie schmarotzt sich hier bei euch durch, weil ihr ihr so dankbar seid! Jede Wette hat sie das selbst eingefädelt. Wahrscheinlich ist die Amnesie auch nur gespielt, damit sie still und heimlich untertauchen kann.“
„Yvaine ist nicht kriminell.“, rief ich verärgert aus, obwohl meine Sicherheit diesbezüglich nach Valencias Ausführungen etwas in Mitleidenschaft gezogen war. Ich versuchte meine Zweifel abzuschütteln. „Es mag viele Zufälle geben, aber ich glaube ihr. Sie ist ein guter Sim.“
Valencia lachte bitter auf. „Du bist mit Blindheit geschlagen! Ich bin nicht die Einzige, die ihre Zweifel hat. Sharon ist da ganz meiner Meinung! Yvaine ist nicht mal halb so gut, wie du und Anabel und Shane immer sagen. Sie mag aussehen wie jemand, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, aber in Wirklichkeit ist sie eine verlogene, falsche Sima, die euch alle mit ihrem Aussehen täuscht. Ihr stellt ihre Verschwiegenheit immer nur als „geheimnisvoll“ hin, aber...“



Vermutlich wären Valencias Tiraden noch ewig so weiter gegangen, wäre in diesem Moment, nicht mit einem erstaunlich lauten Knacken ein Holzscheit im Kamin zerbrochen. Wir zuckten beide heftig zusammen. Das Feuer loderte plötzlich wieder hoch, obwohl es zuvor beinahe heruntergebrannt war, und im Widerschein sah ich etwas, was mich zutiefst beunruhigte: Yvaine war wach.





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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Sep 30, 2014 7:55 pm

Yvaine war wach und obwohl sie uns nach wie vor den Rücken zuwandte und ihre Haltung nur insofern geändert hatte, dass ihr Kopf nicht mehr entspannt auf der Seite lag, war deutlich erkennbar, dass sie mit einer gewissen Anspannung und einem unheimlichen, schwer zu deutenden Blick ins Feuer sah. Sie sah nicht gerade so aus, als habe sie der plötzliche Krach geweckt. Sie schien sich nicht einmal erschreckt zu haben. Ich wusste instinktiv, dass sie jedes Wort gehört hatte. Noch dazu sagte mir irgendetwas an ihr, dass sie nicht nur wütend war, sondern fuchsteufelswild. Zu Recht.
„Komm.“, sagte ich zu Valencia. „Wir gehen hoch.“ Ich hielt es für besser, meine Freundin von dieser höchst angespannten Yvaine, die ich gerade zum ersten Mal sah, fernzuhalten.



Wir sprachen nicht viel während wir hochgingen und auch als wir in meinem Zimmer waren, schwiegen wir zunächst. Valencia ließ sich auf der Bettkante nieder und ich stellte mich ans Fenster und sah hinaus. Es hatte wieder begonnen in dicken Flocken zu schneien. Hoffentlich würde es nicht wieder anfangen zu stürmen. Der Gedanke, Valencia und Yvaine die nächsten Tage gemeinsam in diesem Haus eingesperrt zu wissen, kam mir nicht sehr attraktiv vor. Ich hörte unten die Haustür klappen und ehe ich mich wundern konnte, wer um diese Zeit noch das Haus verließ, sah ich unten Yvaine durch den Garten, zur Straße und auf und davon rennen. Bildete ich es mir nur ein, oder lag in ihrem Laufstil tatsächlich etwas Verzweifeltes? Die Art, wie sie ab und an strauchelte, ließ mich vermuten, dass sie weinte. Ich fühlte das starke Verlangen, sie aufzuhalten und zu beruhigen, aber ich rührte mich nicht. Für heute hatte ich genug in meiner Beziehung zu Valencia angerichtet und ich hatte Zweifel, ob Yvaine mich jetzt gerade bei sich haben wollte. Vermutlich war sie auch wütend auf mich. Was war nur mit diesem Abend los, dass gleichzeitig Valencia und Yvaine wütend auf mich wurden? Es fehlte nur noch, dass Anabel gleich hineinkommen und mir Vorwürfe machen würde!



„Es tut mir Leid.“, hörte ich Valencia murmeln. Sie hörte sich tatsächlich zerknirscht an. „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Jedesmal, wenn ich sie sehe, setzt irgendetwas bei mir aus und ich kann mich nicht beherrschen.“ Sie war offensichtlich den Tränen nah. Ich wandte mich um. „Ich bin eine furchtbare Sima.“, schluchzte sie. Ich unterdrückte einen Seufzer und ließ mich neben ihr nieder, um sie in den Arm zu nehmen.
„Das bist du nicht.“, murmelte ich in ihr Ohr. „Ich liebe dich, Valencia. Auch wenn du manchmal ein Scheusal sein kannst.“
Sie gab etwas, was wie eine Mischung aus einem Auflachen und einem Schluchzen klang, von sich. „Ich hätte das alles nicht sagen dürfen. Ich denke nicht wirklich, dass sie ein schlechter Sim ist. Aber irgendwie komme ich nicht damit klar, dass sie hier bei dir leben darf, während wir immer noch nicht zu-zusammengezo-zogen sind. Und da kam mir plötzlich das, was Sh-Sharon ü-über Yvaine gesagt hat, s-s-so plausibel vor.“ Sie konnte nur noch abgehackt sprechen, so sehr schluchzte sie. Ich zog sie fester an mich. Also Sharon steckte dahinter. Sharon hatte ich noch nie wirklich leiden können. Ich konnte mich nur zu gut daran erinnern, dass sie in der Schule immer jüngere Mitschüler schikaniert hatte.
„Yvaine wird nicht ewig hier wohnen. Sie redet immer wieder davon, dass sie sich etwas Eigenes suchen will, aber es kommt immer wieder etwas dazwischen. Und wenn sie Recht hat, und jemand es tatsächlich auf uns abgesehen hat, dann ist mir wohler dabei, wenn wir jemanden da haben, der ein paar Gegengifte kennt. Das verstehst du doch, oder?“
„Ich weiß.“, schniefte sie. „Aber es macht mich trotzdem wahnsinnig, sie hier zu wissen.“
„Vertraust du mir so wenig?“, fragte ich leise.
„Doch. Dir traue ich. Aber Yvaine ist schön und klug und geheimnisvoll und ich weiß nicht, was sonst noch. Seit sie hier ist, spricht jeder Simo, der Single ist und auch einige der Verheirateten von ihr. Sie betont ihre Reize nicht einmal und trotzdem schaut ihr jeder hinterher. Und ich habe einfach Angst, dass sie sich eines Tages entscheidet, ihren ganzen Charme bei dir einzusetzen. Und du bist schließlich auch nur ein Simo!“
„Hm...“, murmelte ich und küsste ihren Nacken. Ich hatte plötzlich wieder Hoffnung, dass aus dem Abend doch noch etwas werden konnte. „Ich bin sicherlich nicht blind, was ihre Reize angeht, aber bisher habe nicht einmal daran gedacht, dir untreu zu werden und dabei wohne ich mit ihr unter einem Dach. Wie könnte ich auch, wenn meine Freundin so unglaublich verführerisch aussieht, selbst wenn sie weint.“ Ich fuhr mit den Lippen an ihrer Wange entlang. Valencia kicherte etwas und wandte mit den Kopf zu. Ihr tief in die Augen sehend sagte ich: „Ich verspreche dir, dass ich dir nicht untreu werde.“, und küsste sie.
Ich meinte es wirklich so, dachte ich, als ich später mit Valencia im Arm unter der Decke lag und allmählich ins Reich der Träume glitt. Ich liebte tatsächlich nur Valencia und nicht einmal Yvaine konnte das ändern.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Okt 07, 2014 4:29 pm

Am nächsten Morgen – Valencia musste bereits vor Sonnenaufgang gehen, um in der Schule etwas vorzubereiten - fand ich auf dem Tisch eine Postkarte von meiner Schwester Selma. Offensichtlich verbrachte sie die Semesterferien in Isla Paradiso, um Tauchen zu lernen, während Sebastian Zusatzkurse an der Universität belegte. Sie schrieb begeistert von ihren Tauchstunden, dass sie Unterwasser bereits einige schöne Dinge entdeckt hatte und dass das Wetter fabelhaft war. Der Gedanke, dass sie gerade bei sommerlichen Temperaturen im Meer tauchte, machte mich fast neidisch.



Ich wollte die Karte schon wieder beiseite legen, als mir ein paar Sätze, die sie unter ihren Namen gequetscht hatte, ins Auge sprangen: „Als ich gestern mittag zurückgeschwommen bin, um mir etwas zu Essen zu holen, ist auf einmal eine Sima mit Fischschwanz an mir vorbeigeschwommen! Ich habe die Einheimischen gefragt: Hier gibt es tatsächlich Meerjungfrauen!“



Ich ließ die Karte langsam sinken. Meerjungfrauen...? Sollte es sie tatsächlich geben? Oder erlaubte Selma sich einen Scherz?
Aus dem Augenwinkel sah ich eine grüne Gestalt am Fenster vorbei gehen. Ich sah auf. Yvaine war wieder da. Sie stand nahezu regungslos auf der Veranda und beobachtete den Sonnenaufgang.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Okt 07, 2014 4:32 pm

Sie wandte sich nicht um, als ich hinaustrat und auch nicht, als ich sie ansprach.
„Ein schöner Morgen.“, bemerkte ich, weil mir nichts Besseres einfiel und hätte mir am liebsten auf die Zunge gebissen. Yvaine war nach den Ereignissen der letzten Nacht sicherlich anderer Meinung. Sie schwieg weiter beharrlich, was ich als schlechtes Zeichen wertete. Sie mochte schweigsam sein, aber für gewöhnlich antwortete sie, wenn man sie ansprach. Da sie sich mir immer noch nicht zuwandte, war es unmöglich für mich, ihre Stimmung zu erahnen, auch wenn ich mir einbildete, dass ihre Haltung selbstbewusster oder stolzer als sonst wirkte. Eine Weile suchte ich nach den richtigen Worten, während sie unbewegt da stand, scheinbar völlig verloren in das Naturschauspiel vor ihren Augen.
„Hör mal... wegen letzter Nacht...“, begann ich und suchte erneut nach den richtigen Worten. Es irritierte mich, dass sie auch darauf nicht reagierte. Hätte ich nicht gesehen, wie ihr Atem vor ihrem Mund kristallisierte, wäre ich mir nicht sicher gewesen, ob ich mit einer Statue sprach. „... Es tut mir Leid, was Valencia gesagt hat. Sie...“ Ich räusperte mich. „Sie... meint es nicht so, denke ich. Sie hat viel Stress mit den Kindern in der Schule und... nun ja...“
„... es wäre ihr lieber, wenn ich den vergifteten Apfel geschluckt hätte und ich aus dem Weg wäre.“, vollendete Yvaine den Satz mit einem kühlen Unterton.
„Nein, das...“
„Du musst sie nicht verteidigen. Mag sein, dass sie nicht wirklich glaubt, dass ich so niederträchtig bin, die beiden Sims zu vergiften, die...“ Sie holte Luft, als habe sie sich gerade noch so bremsen können, das Falsche zu sagen. „... mich gerettet haben. Aber es wäre ihr lieber, ich würde nicht existieren. Und das Schlimme ist, ich kann es ihr nicht übel nehmen. Denn sie hat Recht: So jemand wie ich sollte wirklich nicht existieren. Und es ist sicher verständlich, dass sie mich hasst, wenn sich das Gerücht, du wärst heimlich in mich verliebt, so hartnäckig hält.“ Ihre Stimme klang eigenartig bei den letzten Worten. Vielleicht hatte sie sich erkältet. Wenig überraschend, da sie mutmaßlich die ganze Nacht draußen verbracht hatte.
Ich ignorierte ihren Kommentar über die lästigen Gerüchte. „Warum sollte jemand wie du nicht existieren?“, fragte ich irritiert. Ich hatte von ihrem ungewohnten Wortschwall nur die Hälfte wirklich verstanden.



Endlich drehte sie sich um. Der Ausdruck ihrer Augen waren wie üblich schwer zu deuten, aber es lag etwas wie eine wilde Freude darin, die ich völlig unpassend fand, bedachte man, dass sie eigentlich wütend auf Valencia sein musste. „Formulieren wir es so: Ich kann gefährlich sein. Vor allem, wenn ich wütend bin.“, gab sie langsam zurück, als müsse sie jedes Wort abwägen. Was vermutlich der Fall war.
„So wie letzte Nacht?“, schlug ich vor.
„Zum Beispiel.“, nickte sie, schien aber nicht gewillt, mehr zu sagen.
Ich nahm darauf keine Rücksicht und fragte dennoch: „Bist du darum fortgelaufen?“
Sie zögerte kurz und nickte dann erneut. „Auch.“
„Was wäre passiert, wenn du geblieben wärst?“
„Ich weiß es nicht. Ich habe mich entschieden, wegzulaufen, darum weiß ich nicht, was passiert wäre, wenn ich es nicht getan hätte.“, antwortete sie mit einem leicht genervten Unterton.
Ich ignorierte ihre Stimmung wiederum. „Was hast du die ganze Nacht getan? Du hättest erfrieren können!“
„Unsinn. Ich erfriere nicht.“, lachte sie. „Und zu deiner Frage: Nachgedacht, was sonst?“
„Natürlich.“, bemerkte ich frustriert. „Willst du uns nicht verraten, worüber du soviel nachdenkst? Manchmal hilft es darüber zu reden, um zu einer Lösung zu kommen.“
„Wer behauptet, dass ich immer über dieselben Dinge nachdenke?“, wollte sie etwas amüsiert wissen.
„Niemand.“, räumte ich ungeduldig ein. „Aber es kann doch nicht gesund sein, soviel nachzudenken.“
„Ich bin nun mal so. Ich brauche viel Zeit für mich. Wenn ich davon nicht genug habe, werde ich unausgeglichen. Glaub mir, es ist besser so.“ Sie lächelte etwas, wie ich fand, einsam vor sich hin. „Nun, ich gehe hoch. Ich muss etwas Schlaf nachholen.“ Sie schob sich an mir vorbei.
„Warte, Yvaine.“, rief ich hinter ihr her und sie drehte sich noch einmal zu mir um. „Wirst du uns irgendwann sagen, worüber du nachdenkst? Und wer du bist?“
„Ich denke schon.“, antwortete sie wage. Ich bemerkte, dass sie unbewusst, mit ihrem Ring spielte. Es war das erste Mal seit langem, dass er mir auffiel. Sie wollte sich wieder umwenden.
„Es tut mir wirklich Leid, was gestern war.“, rief ich noch, aber sie winkte nur und verschwand gähnend im Haus.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Okt 18, 2014 6:54 pm

Ich sah meine Schwester den ganzen Tag nicht. Als ich von der Arbeit zurückkam, fand ich nur Yvaine im Gewächshaus vor. Anabel sei unterwegs, teilte sie mir mit, als ich ihr zur Hand ging. Sie kam nicht zurück, bevor ich Schlafen ging. So traf ich sie erst am Frühstückstisch am nächsten Morgen wieder.
„Fenny und ich haben den dritten Platz im Springreiten gemacht.“, verkündete sie strahlend, als sie eintrat. Vermutlich hatte sie gerade die Ställe ausgemistet. Ich las gerade ohne echtes Interesse in der Zeitung, während ich darauf wartete, dass Yvaine ihre frisch gebackenen Waffeln hereinbrachte.
„Wirklich? Das ist toll!“, meinte Yvaine, die gerade den Tisch deckte, enthusiastisch.
„Gegen wen? Einen Anfängertrupp?“, neckte ich meine Schwester.
Sie sah mich beleidigt an. „Es war ein internationales Rennen. Nur die besten Reiter nehmen daran teil.“, schnappte sie.
Ich hob die Hände begütigend. „War nicht so gemeint. Ich freue mich doch für dich.“
„Das will ich dir geraten haben.“, knurrte sie. „Ich hoffe, die Waffeln sind gleich fertig. Ich verhungere.“
„Du hast Glück.“, bemerkte Yvaine und setzte den duftenden Teller auf auf dem Tisch ab. Erleichtert warf ich die Zeitung neben mich und nahm mir eine Waffel.
„Hast du die Karte von Selma schon gesehen?“, fragte ich währenddessen.
„Natürlich. Ich habe die Post schließlich reingebracht.“ Anabel warf mir einen ironischen Blick zu. „Und ich habe dir ja gesagt, dass es Meerjungfrauen gibt!“ Sie warf mir einen selbstzufriedenen Blick zu. Ich war überrascht, dass sie das Thema so offen vor Yvaine ansprach. Vielleicht erhoffte sie sich eine Reaktion von Yvaine, die sie verriet. Diese jedoch aß unbeeindruckt weiter, als wäre es nicht weiter ungewöhnlich, dass ihre Nebensitzerin über Meerjungfrauen sprach.
„Vielleicht hat Selma es sich auch nur eingebildet!“, meinte ich achselzuckend.
„Wie soll man sich so etwas einbilden?“
„Nun ja. Ich habe mal gehört, dass Sims, die zu viel Zeit unter Wasser verbringen etwas eigenartig werden und Halluzinationen bekommen können.“
„Sagt der Simo, der wenn das ginge Tag und Nacht im Keller verbringen würde ohne je an die frische Luft zu gehen, um eine Zeitmaschine zu erfinden.“, konterte Anabel ungehalten und zweifelsohne immer noch sauer, dass ich mich über sie lustig gemacht hatte.



KLIRR
Yvaine war offensichtlich das Besteck vor Schreck aus der Hand zu Boden gefallen. Anabel und ich zuckten zusammen und sahen sie an. Yvaine machte keine Anstalten, das Besteck wieder aufzuheben, sondern starrte mich schockiert an. In der Tat zeigte sie fast die Reaktion, die ich auf das Thema Meerjungfrau erwartet hatte.
„Du willst durch die Zeit reisen?“, fragte sie tonlos. Ihr Gesicht war schneeweiß.
Ich rutschte unbequem auf meinem Stuhl herum. Irgendetwas in ihrem Blick bereitete mir Unwohlsein. „Naja, das wäre doch interessant, mal einen Abstecher in die Vergangenheit oder Zukunft zu machen. Zu sehen, wie es da so ist. Man könnte ganze neue Erkenntnisse über unsere Geschichte erlangen oder Fehler in der Zukunft vermeiden, wenn man wüsste, wohin es führt, was wir jetzt tun.“, meinte ich verteidigend.
Sie hob die Augenbrauen. „Interessant? Wohl eher gefährlich, unverantwortlich und dumm.“, gab sie zurück. Sie sah immer noch aus, als würde sie im nächsten Moment in Ohnmacht fallen.
„Naja, ich muss etwas auf mich aufpassen, schätze ich. Wäre unangenehm, wenn jemand aus der Vergangenheit versuchen würde, mich umzubringen, weil ich komische Kleider trage.“, versuchte ich zu scherzen, obwohl mir unter Yvaines Blick alles andere als nach Scherzen zumute war.
„Das wäre nur eine der Gefahren.“ Sie riss sich zusammen, ließ mich aber nicht aus den Augen. „Hast du schonmal darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn du irgendetwas in der Vergangenheit änderst?“
„Ich will doch nichts ändern. Ich will doch nur beobachten.“
„Allein deine Anwesenheit kann den Lauf der Dinge ändern. Im Schlimmsten Fall würdest du nie geboren werden. Dann könntest du nicht wieder zurück und würdest aufhören zu existieren.“
„Wie soll ich etwas ändern, was längst passiert ist?“, fragte ich verwirrt.
„Nun, wenn du die Zukunft ändern kannst, in dem du hier etwas änderst, kannst du dasselbe mit der Vergangenheit.“, antwortete sie sofort.
Ich sah sie zweifelnd an. „Woher willst du das wissen?“
Darauf schien Yvaine keine Antwort zu haben. „Versprich mir, dass du es nicht weiter versuchst. Du bringst uns alle in Gefahr, wenn du durch die Zeit reist. Und du zahlst einen hohen Preis, wenn du die Zeit durcheinander bringst.“ Ihre Augen waren angstvoll geweitet. Ich hatte sie mit meinen Ideen erschreckt.
„Man kann nicht durch die Zeit reisen.“, schaltete Anabel sich ein. „Jeder Moment findet nur einmal statt und kann nicht zurückgebracht werden und niemand kann dahin zurückkehren, oder ihn vorher erleben.“
Weder Yvaine noch ich sagten etwas dazu. Sie hörte auf, mich verängstigt anzustarren, hob ihr Besteck auf und beendete eilig ihr Mahl. Als sie wieder aufstand, war ihr Blick wieder so schwer zu deuten wie eh und je. Ich dagegen, dachte darüber nach, dass ich ihre Gefühle noch nie so klar in ihrem Gesicht erkannt hatte, wie gerade eben. In ihrer Angst hatte sie für einen Moment die Masken fallen lassen. Ich fragte mich, welche Gefühle sie sonst dahinter verbarg.
Später als ich in meinem Bett lag, tat es mir Leid, dass ich sie so verängstigt hatte und beschloss, kein Wort mehr darüber zu verlieren. Ich würde es niemandem sagen, wenn ich die Zeitmaschine erfunden hatte und sie verstecken. Ich wollte nicht, dass Yvaine sich grundlos Sorgen machte.



Niemand sprach das Thema Zeitreisen erneut an. Anabel glaubte ohnehin nicht, dass ich es schaffen würde, eine Zeitmaschine zu bauen, Yvaine tat so, als hätte das Gespräch nie stattgefunden und ich war ohnehin nicht versessen darauf es mir ausreden zu lassen. Ich wunderte mich etwas darüber, dass Yvaine keinen neuen Versuch startete, mir die Gefahren des Zeitreisens zu unterbreiten. Zwar bildete ich mir manchmal ein, dass sie mich genauer als sonst beobachtete, doch sie ließ sich dabei nie ertappen.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Okt 29, 2014 2:13 pm

Ich war zugegebenermaßen nicht mehr oft in der WG. Seit Shane ausgezogen war, fanden dort weniger Partys statt. Es war tagsüber auch außer Muriel keiner Zuhause und als Shanes bester Freund fühlte ich mich irgendwie unwohl in ihrer Gegenwart. So sah ich nur an Geburtstagen kurz vorbei. Ich bekam dabei gerade noch mit, dass Naomi sich zu einer Leseratte entwickelte, die alle Bücher von Barry mit einer solchen Begeisterung las, dass dieser kaum mit Schreiben hinterherkam.



Wenn sie nicht gerade las, war sie oft mit ihrem Cousin Sergio an der Konsole anzutreffen.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Okt 29, 2014 2:18 pm

Eines Nachmittags, als ich gerade einen Besuch in der WG abgestattet hatte (Florent hatte Geburtstag) und mich auf den Weg machen wollte, traf ich auf Yvaine und Alice. Ich wusste, dass die Beiden sich häufig trafen, weil sie immer noch nach demjenigen suchten, der Anabel vergiftet hatte, aber anders als sonst sah man sie heute nicht einträchtig in einem Gespräch, sondern sie stritten heftig. Genau genommen war es Yvaine, die sich über irgendetwas aufregte und Alice anschrie. Ich konnte auf die Entfernung nicht hören, worum es ging, aber ich blieb stehen und beobachtete die Szene fasziniert. Ich hatte Yvaine noch nie so wütend gesehen, noch nie so völlig außer Fassung. Ich hatte geglaubt, sie sei wütend gewesen, als Valencia all diese hässlichen Dinge über sie sagte, aber damals war sie immerhin dem Schein nach ruhig geblieben. Dann erinnerte ich mich, dass Yvaine gesagt hatte, sie sei gefährlich, wenn sie die Fassung verliere und ich beeilte mich, zwischen die beiden Simas zu kommen und den Streit zu schlichten.




Alice wirkte völlig verängstigt nach diesem Ausbruch, wer konnte es ihr verdenken. Ich fürchtete mich selbst etwas vor dieser ungewohnten Yvaine als ich näherkam und sie so ruhig ich konnte ansprach. Einen Moment sah sie so aus, als wolle sie mich ebenfalls anschreien, dann aber schien sie zur Besinnung zu kommen und rang um Beherrschung. „Ich bin bitter enttäuscht von dir. Wie konntest du ihr das antun? Sieh zu, dass das wieder in Ordnung kommt!“, sagte sie mit einem finsteren Blick zu Alice, wandte sie sich ab und schritt schnell von dannen.



Ich warf Alice einen verdatterten Blick zu und beeilte mich, hinter Yvaine herzukommen.
„Yvaine jetzt warte doch mal!“, rief ich. Sie hielt gehorsam an, wandte sich um und überraschte mich erneut. Ihr Gesicht war wieder völlig ruhig, auch wenn ich mir einbildete, ein gefährliches Funkeln in ihren Augen zu sehen. „Was war das gerade?“, wollte ich wissen.
„Nichts.“, gab sie prompt zurück.
„So sah das aber nicht aus. Du schreist doch sonst keine Sims grundlos an.“
„Nun, wer behauptet, dass ich keinen Grund hatte? Aber ich werde ihn dir nicht verraten.“, antwortete sie ruppig und wandte sich erneut zum gehen. Ich erwischte sie gerade noch an der Hand und hielt sie zurück. Sie war zweifelsohne immer noch wütend. Ich rechnete es ihr hoch an, dass sie ihre Wut nicht an mir auslassen wollte, aber ich war nicht gewillt locker zu lassen. Ich wollte wissen, was Yvaine so wütend gemacht hatte. So wütend, dass die Luft um sie wie elektrisch aufgeladen wirkte. Es kostete enorme Kraft, sie festzuhalten.
„Lass los.“, knurrte sie.
Ich schüttelte den Kopf und winkte ein Taxi herbei. „Komm mit. Wir fahren heim.“
Sie machte keine Anstalten sich zu wehren, als ich sie ins Auto schob, aber ihr Gesicht drückte deutlich Missfallen aus.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 05, 2014 3:29 pm

Wir schwiegen die ganze Autofahrt über. Yvaine starrte ununterbrochen aus dem Fenster, während ich heimlich meine Hand massierte. Sie schien immer noch von der kurzen Berührung ihrer Hand zu prickeln. Überhaupt schien die Luft um Yvaine wie elektrisch aufgeladen zu sein. Ich fühlte wie sich die Härchen auf meinen Armen aufrichteten, während mir immer wieder ein Schauer herunterlief. Was war es, das sie so wütend machte? Was konnte Alice gesagt oder getan haben, dass Yvaine so dermaßen die Fassung verlor. Hatte Alice sich bei einer Befragung im Ton vergriffen? Nein, das konnte nicht sein. Das rechtfertigte kaum diese Wut. Und wem hatte Alice irgendetwas angetan? Es musste eine Sima sein, die Yvaine mochte, sonst hätte sie keinen Grund, sich so aufzuregen. Ging es um Anabel? Ich durchforstete mein Gehirn auf der Suche nach einer Sima, die Yvaine außer meiner Schwester nahe stand. Olivia käme vielleicht in Frage. Oder vielleicht Sophia. Aber irgendetwas sagte, dass es nur meine Schwester sein konnte. Mit sinkendem Herzen fragte ich mich, was Anabel nun wieder passiert sein mochte. Ich war überzeugt, dass sie nicht in Lebensgefahr schwebte; Yvaine wäre sonst sicher an ihrer Seite, um ihr irgendeinen Trank einzuflößen, so wie sie es getan hatte, als Anabel vergiftet wurde.
Ging es am Ende darum? Verdächtigte Yvaine Alice, das getan zu haben? Aber wieso sollte sie? Welches Motiv konnte Alice schon haben? Ich konnte mir nicht Unwahrscheinlicheres vorstellen, als Alice als potentielle Mörderin. Sicher, sie kannte sich dank ihrer Forschung mit Giften aus, aber sie war zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig! Nicht, dass das ein Grund war, aber Alice war immer eine gute Freundin gewesen. Sie würde so etwas nicht tun.



Schließlich kamen wir an und Yvaine stieg wortlos aus dem Auto. Ich zahlte geschwind und folgte ihr ins Haus.
„Haben wir etwas zu Essen im Kühlschrank?“, fragte ich, mehr um irgendetwas harmloses zu sagen.
Sie schüttelte den Kopf und ging ohne mich anzusehen in die Küche, um wie ich gleich darauf herausfand, etwas zu kochen. Ich fand es nett von ihr, dass sie sich trotz ihrer Laune noch darum kümmerte, dennoch...
„Du musst nicht extra etwas kochen.“, sagte ich beschämt. „So hungrig bin ich nun auch wieder nicht und ich kann auch etwas anderes essen.“
„Mach dich nicht lächerlich. Spätestens in einer Stunde wärst du so hungrig, dass ich ohnehin etwas kochen müsste.“, gab sie bissig zurück.
„Ich kann mir auch selbst etwas kochen.“, wandte ich ein. „Du solltest dich erstmal abregen.“
„Nicht nötig.“, antwortete sie gepresst und hackte heftiger als nötig auf die Zwiebeln ein.



Ich wusste einen Moment nicht, was ich sagen sollte. Nichtsdestotrotz trat ich näher, um ihr im Zweifel mit Gewalt das Messer aus der Hand zu reißen. Sie hatte zweifelsohne Recht, dass sie in ihrer Wut nicht ungefährlich war.
„Willst du nicht darüber reden?“, fragte ich schließlich, obwohl ich bereits ahnte, dass es zwecklos war.
„Tu mir den Gefallen, und vergiss es. Leichter für uns alle.“



Ich beschloss, das Thema vorerst fallen zu lassen. Nach dem Essen hatte sie sich vielleicht so weit beruhigt, dass etwas aus sich herauslocken ließ. Ich wollte Gewissheit haben, dass es nicht um den vergifteten Apfel ging. Mehr, um etwas zu tun zu haben, machte ich uns Tee, während Yvaine nun wütend im Kochtopf herumrührte.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 05, 2014 3:34 pm

Ich bemühte mich am Esstisch, ein unverfängliches Gesprächsthema zu finden, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Offensichtlich tat ich damit genau das Richtige, denn sie ließ sich nicht nur darauf ein, sie warf mir auch einen dankbaren Blick zu. So unterhielten wir uns angeregt über Gartenarbeit.



„Es hatte nichts mit Anabels Vergiftung zu tun?“, fragte ich gerade heraus. Yvaine räumte gerade die Spülmaschine ein und ich stand hinter ihr. Mir fiel einfach keine gute Überleitung ein, also blieb mir nur der direkte Weg.
Yvaine schnaubte. „Natürlich nicht. Das würde Alice nie tun.“
„Wie kannst du dir so sicher sein? Sie hat doch gerade etwas Schlimmes getan.“
„Wie wahr.“, gab sie düster zurück. „Aber ich denke, zwischen versuchtem Mord und … vergiss es.“
„Nein, bitte sag es mir, Yvaine. Es geht um Anabel, nicht wahr?“
Sie seufzte ergeben und sah zur Decke. „Ich hoffe, du rennst nicht gleich zu ihr hin und sagst es ihr. Ich weiß selbst noch nicht, wie ich ihr das beibringen soll. Sie wird es natürlich über kurz oder lang ohnehin herausfinden und sie sollte es vorher wissen.“
„Was denn? Warum redest du immer in Rätseln?!“
Sie schluckte. „Alice und Barry haben sich verliebt.“



Ich blinzelte einen Moment geschockt. „Sie haben eine Affäre?“
„So kann man es nennen.“
„Das wird Anabel hart treffen.“, sagte ich tonlos. Ich konnte mich nur mit Mühe zurückhalten, loszufahren und Barry zu verprügeln, weil er das meiner Schwester antat.
„Zweifelsohne. Andererseits...“ Sie sah nachdenklich ins Leere.
Ich wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum. „Was andererseits?“
„Es wird sie kränken, aber Barry und sie führen schon lange keine besonders enge Beziehung mehr. Und Anabel... naja, sie könnte endlich aufhören sich Vorwürfe zu machen, weil Oregon sie geküsst hat.“
„Er hat WAS?“, fuhr ich auf. In meinem Kopf sah ich mich nun stattdessen zu Oregon fahren, um ihn zu schlagen.
„Hat sie dir das nicht erzählt? Als sie bei ihm war während des Schneesturms ist es passiert. Ich glaube, er liebt sie schon seit dem ersten Moment und als sie plötzlich vor seiner Tür stand, konnte er sich einfach nicht beherrschen.“, erklärte sie. „Es ist nichts weiter passiert.“, fügte sie mit Blick auf mich hinzu und ich entspannte mich etwas. „Alice dagegen... Wie kann sie Anabel das nur antun? Sie hat mir gesagt, dass sie und Barry schon seit Wochen miteinander schlafen! Und er bringt es nicht fertig, die Beziehung zu beenden. Deshalb hofft Alice jetzt, dass Anabel es tut.“ Sie wirkte niedergeschlagen. „Ich hätte nie gedacht, dass Alice das einer Freundin antun könnte.“


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 05, 2014 3:39 pm

Ich wusste nicht, wieso ich es tat. Es war keine bewusste Entscheidung. Ich zog sie wortlos in meine Arme und hielt sie fest. Halb erwartete ich, wieder dieses elektrische Prickeln zu spüren, doch es blieb aus. Stattdessen fühlte ich eine unglaubliche Wärme, die nichts mit ihrem Körper zu tun hatte. Für einen Moment schien die Zeit stehen zu bleiben.




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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Do Nov 06, 2014 11:20 am

Sie machte keine Anstalten sich von mir zu lösen und so blieben wir lange fest umschlungen. Ich konnte mir nicht erklären, weshalb ich es nicht fertig brachte, sie loszulassen und wieder Abstand zwischen uns zu bringen. Nach einigen Minuten – oder waren es nur Sekunden oder doch Stunden – hörten wir Anabel in den Hof reiten und der Zauber war gebrochen. Sie trat einen Schritt zurück und sah mir mit einem eigentümlichen Blick in die Augen. Ich konnte nicht anders, als zurückzuschauen und in diesen hellgrünen Augen zu versinken. Dann erinnerte ich mich, dass Anabel jeden Moment hineinplatzen würde und ich brachte einen weiteren Schritt Abstand zwischen uns.
„Ich gehe wohl besser mal hoch.“, brachte ich mühsam hervor. Meine Stimme war plötzlich ganz heiser. Ich wandte mich ab und floh beinahe die Treppe hinauf.



In meinem Zimmer warf ich mich aufs Bett und versuchte zu verstehen, was gerade passiert war. Ich dachte an Valencia und mein Versprechen, sie nicht zu betrügen. Ich hatte es ernst gemeint, ich hatte wirklich geglaubt, dass so etwas nie passieren würde, aber gerade eben war ich nah dran gewesen Yvaine zu küssen. Für einen Moment hatte ich alles vergessen, hatte sie nur so nah wie möglich halten wollen. Selbst jetzt, da ich auf meinem Bett lag, konnte ich sie immer noch spüren. Ein Teil der Wärme, die ich gefühlt hatte, war immer noch da. Nie hatte ich so etwas gefühlt, wenn ich Valencia im Arm hielt. Ich schloss meine Augen. Ich konnte mich nicht dagegen wehren, den Moment noch einmal zu erleben, sie wenigstens in Gedanken noch einmal festzuhalten. Der Gedanke an Valencia war nicht stark genug, mich davon abzuhalten. Und so glitt ich in den Schlaf und vergaß für einige Stunden alle Probleme – sowohl Anabels als auch meine.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Nov 11, 2014 7:54 pm

Ihr Kopf lag an meiner Schulter. Sie schlief. Ihre Haare kitzelten meine Wange. Ich strich mit meiner Hand über ihre schlanke Taille. Ich konnte stundenlang so neben ihr liegen, ihre Nähe und die Wärme genießen, die sich immer ausbreitete, wenn sie so nah war. Ihre linke Hand ruhte auf meiner Brust, die sich gleichmäßig hob und senkte, während mein Herz doppelt so heftig schlug wie gewöhnlich. Ich lauschte verzückt ihren regelmäßgen Atemzügen. Jede Sekunde, die wir so nebeneinander lagen, war kostbar. Ich fühlte mich nie so komplett wie hier mit ihr in meinem Arm. Wenn der Moment doch nur nie enden würde...



Ich öffnete die Augen. Die letzten Bilder des Traumes verpufften. Yvaine schien sich in meinen Armen aufzulösen. Ich setzte mich stöhnend auf und rieb mein Gesicht. Seit Wochen träumte ich Nacht für Nacht dasselbe. Ich hatte gehofft, es würde mit der Zeit nachlassen. Das Gegenteil war der Fall. Die Träume wurden von Mal zu Mal intensiver. Es waren keine schlechten Träume. Solange ich schlief fühlte ich mich so wohl wie sonst nie. Dann jedoch erwachte ich und wurde von Schuldgefühlen geplagt. Es ließ sich nicht mehr abstreiten, dass ich für Yvaine mehr empfand als ich je zugegeben hätte. Mehr noch: Ich befürchtete, dass ich es schon lange tat. Ich hatte es nie bemerkt, weil ich so beschäftigt damit war, dem Rest der Welt zu versichern, dass ich sie nicht liebte. Es faszinierte mich immer noch, wie blind ich gewesen war. Jeder hatte es bemerkt, nur ich nicht. Bis zu jener schicksalhaften Umarmung, die meine Welt auf den Kopf gestellt hatte. Und so verbrachte ich meine Nächte nun überglücklich in meinen Träumen und meine Tage sorgenvoll über der Frage, wie es weiter gehen sollte. Ich hatte Valencia versprochen, sie nicht zu betrügen und daran hatte ich mich bisher gehalten. Darum versuchte ich mich von Yvaine fernzuhalten, um Schlimmeres zu verhindern. Ich musste mir darüber klar werden, was ich wollte, aber ich drehte mich gedanklich im Kreis. Ich wollte Valencia nicht verletzen, weil sie mir wichtig war, aber ich war mir nicht sicher, ob ich mir eine Zukunft mit ihr noch vorstellen konnte. Und Yvaine... ich konnte mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen, aber ich wusste genau, dass es mit jedem Tag wahrscheinlicher wurde, dass ich mein Versprechen an Valencia vergaß.



Manchmal befürchtete ich, dass Valencia etwas ahnte. Zwar sprach sie es nie direkt an, aber sie wurde in letzter Zeit immer schneller wütend auf mich. Vermutlich war es nicht verwunderlich. Wann immer wir uns trafen, war ich abwesend und versuchte zu einer Lösung zu kommen. Ich konnte einfach nicht abschalten. Ich hatte zunächst versucht, Yvaine zu vergessen, in dem ich mich mehr mit Valencia traf, aber das Einzige, das ich erreicht hatte, war, dass ich bei jeder Berührung und jedem Kuss nur an Yvaine dachte. Tief in mir wusste ich bereits, was ich zu tun hatte, aber ich brachte es nicht über mich.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Nov 11, 2014 7:58 pm

Als ich einige Minuten später die Treppe hinunter schlurfte, sah ich Anabel am Tisch sitzen. Sie kaute lustlos auf einem Marmeladenbrot herum. Es war ungewohnt sie um diese Uhrzeit drinnen zu sehen. Normalerweise war sie längst im Training.
„Was ist los?“, fragte ich sie.
Sie zuckte zusammen und verschluckte sich dabei fast. Dann sah sie mich traurig an.
„Unser Vater...“, brachte sie hervor. „Er...“ Sie schluckte. „Yvaine sagt, er wird sterben.“
Ich ließ mich auf einen Stuhl plumpsen. Es war sicher nicht unerwartet. Seit dem Tod meiner Mutter war es mit ihm schnell bergab gegangen. Ich wusste, dass Yvaine viel Zeit bei ihm verbrachte, um ihm Gesellschaft zu leisten, seinen Geschichten über seine Abenteuer zu lauschen, ihn zu pflegen. Ich hätte es tun sollen, dachte ich. Ich hätte derjenige sein sollen, der sich um meinen Vater kümmerte, wenn Minea und Selma außer Haus waren. Es war nicht Yvaines Aufgabe.
„Ich reite gleich hin.“, teilte Anabel mir mit. „Kommst du mit?“
Ich nickte abwesend. „Natürlich. Ist Yvaine schon da?“
„Sicher.“ Anabel legte ihr Brot ab und stand auf. Offensichtlich hatte sie keinen Hunger mehr. Mir ging es ebenso. Ich hievte mich ebenfalls hoch und zog mir Jacke und Schuhe an.



Unser Vater starb noch am selben Tag. Es blieb gerade genug Zeit, dass sich seine sieben Kinder von ihm verabschieden konnten. Als ich an der Reihe war, sah er mich lange an und sagte dann: „Du und ich haben viel gemeinsam. Ich habe erst bemerkt, dass ich deine Mutter liebte, als ich schon lange mit ihr zusammen lebte. Ich war so lange so blind. Wir hätten so viel mehr Zeit gemeinsam haben können.“
Ich sagte nichts dazu. Es war mir unheimlich, dass mein Vater so genau wusste, was in mir vorging. Er lächelte schwach ob meines Gesichtsausdruckes.
„Mein letzter Rat an dich...“, sagte er und hustete leicht. „Warte nicht zu lange.“ Dann strich er mir über den Haarschopf, eine Geste, die er nicht mehr getan hatte, seit ich in die Schule gekommen war. „Leb wohl.“, setzte er leise hinzu.
Nicht dazu in der Lage, etwas zu antworten, weil mir ein Kloß im Hals steckte, nickte ich einfach und drückte seine Hand. Wir beerdigten ihn zwei Tage später in einer Vollmondnacht neben unserer Mutter.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Nov 14, 2014 2:13 pm

Wir kamen etwa gegen neun Uhr wieder Zuhause an. Yvaine, die nichts davon hielt in einer Vollmondnacht Sims zu beerdigen, da in solchen Nächten angeblich allerhand Gefahren lauerten, über die sie sich nie so genau äußern wollte, hatte uns am Ende zur Eile angetrieben. So fand ich mich also um neun Uhr mit Valencia, die auch zur Beerdigung gekommen war, in meinem Zimmer wieder. Wir saßen nebeneinander auf der Bettkante und schwiegen.
„Es tut mir Leid.“, murmelte sie schließlich. Ich erwachte aus meinen Gedanken. „Ich hätte dich in den letzten Wochen nicht so oft anfahren sollen, wo du dir doch Sorgen um deinen Vater gemacht hast.“, schniefte Valencia. Ich schwieg dazu. Die Wahrheit war, dass ich mir kaum Gedanken darum gemacht hatte, sondern nur an Yvaine gedacht hatte, aber da sie meine gedankliche Abwesenheit anders deutete, nahm ich ihre Ausrede dankbar an. Ich fühlte mich schlecht, dass sie glaubte, sich schon wieder entschuldigen zu müssen. Das war eigentlich meine Aufgabe. Ich dachte an den letzten Rat meines Vaters, nicht zu lange zu warten. Es war sicher kaum der richtige Zeitpunkt, aber andererseits käme ich wohl nie dazu, wenn ich darauf wartete.
Ich holte Luft. „Mir tut es Leid.“, seufzte ich. „Ich hätte...“
Sie verschloss meinen Mund mit dem Zeigefinger. „Nein. Du hast dir soviel Zeit für mich genommen und ich war wirklich rücksichtslos. Ich hätte mehr für dich da sein müssen. Es ist nur so...“ Sie druckste herum. „Ich... ähm... ichbinschwanger.“, sagte sie schnell.
Ich saß wie vom Donner gerührt. „Schwanger?“, fragte ich tonlos. Es war zu spät, dachte ich. Ich hatte zu lange gezögert.
Sie sah mich unsicher an. „Tut mir Leid, ich hätte dich nicht jetzt damit überfallen sollen. Ich wollte es dir vorher schon sagen, aber ich...“ Sie biss sich auf die Lippen. „Freust du dich denn gar nicht?“
Freute ich mich? Nicht wirklich. Bis vor ein paar Wochen hatte ich mir immer mit Valencia Kinder gewünscht. Sie war diejenige gewesen, mit der ich eine Familie gründen wollte. Doch nun? Es kam mir alles so fern vor. Ich wurde Vater und dieses Kind band mich an Valencia. Ich riss mich zusammen. Was konnte das Baby schon dafür? Natürlich würde ich es lieben.
„Ich... bin überrascht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es ist gerade...“ Ich rang nach Worten. „Etwas viel. Ich meine, wann... wie lange weißt du es schon.“
„Ein paar Wochen.“, sagte sie bedrückt.
Ich atmete tief durch. Da hatte ich mich ordentlich in den Schlamassel gebracht. Es stand natürlich außer Frage, dass ich Valencia nun verließ. Wir würden eine Familie gründen, wie ich es geplant hatte und Yvaine würde ich wohl vergessen. Musste ich vergessen. „Lass uns heiraten.“, brachte ich hervor.
„Was?“, fragte sie perplex, aber in ihren Augen leuchtete etwas auf. Nun, wenigstens sie würde ich damit glücklich machen. „Du musst mich nicht heiraten, weil ein Kind unterwegs ist.“, meinte sie zögernd.
„Ich...“ Ich räusperte mich. „Ich wollte dich eigentlich seit Monaten fragen, aber irgendwie kam nie der rechte Moment... Aber nun ist es, denke ich, angebracht. Wir müssen natürlich nicht vor der Geburt heiraten, wenn dir das zuviel ist.“, sagte ich mühsam. Es fiel mir schwer zu atmen.
Sie nickte. Dann fing sie an zu strahlen. „Ich bin glücklich, dass du so denkst. Und wenn du das erstmal verarbeitet hast, fängst du bestimmt an, dich auf das Baby zu freuen.“ Sie schlang ihre Arme um mich und küsste mich. Ich streichelte sie mechanisch. Jetzt gab es wohl kein zurück mehr. Und ich musste Yvaine vergessen. Vielleicht würde es leichter werden, wenn ich erstmal verheiratet war. Sicher war das mit Yvaine nur eine vorrübergehende Sache.



Als Valencia zwei Stunden später tief und fest in meinem Bett schlief, stand ich wieder auf und ging in den Keller. Ich hatte das dringende Bedürfnis, allein zu sein. Ich zitterte, als ich die Geheimtür, die in meinen geheimen Raum führte, öffnete. Hier würde mich niemand stören. Ich lehnte eine Weile an der kühlen Steinwand. Mein Herz tat unheimlich weh. Es fühlte sich an, als ob etwas mir die Brust zuschnürte und mir den Atem raubte. Und gleichzeitig schien es mich von innen zu zerreißen. Der Rat meines Vaters war zu spät gekommen. Es gab kein zurück mehr. Ich stieß mich langsam von der Wand ab und betrachtete das große Metallgerät, das an der Wand stand. Um mich von meinem Problemen abzulenken, hatte ich in den letzten Wochen viel Zeit an der Werkbank verbracht und endlich eine Zeitmaschine hergestellt. Ob sie funktionierte wusste ich nicht. Ich hatte sie in diesen Raum gestellt, damit Yvaine sie nicht sah. Yvaine, die mich vor Zeitreisen gewarnt hatte. Yvaine, die ich jetzt nie wieder in den Armen halten durfte. Yvaine, Yvaine, Yvaine. Mein Gehirn schien nur dieses eine Thema zu kennen. Es wurde Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Ich näherte mich der Maschine. Ein paar Stunden in einer anderen Zeit fern von meinen Problemen würden eine Wohltat sein. Ich streckte zögernd die Hand aus und betätigte einige Knöpfe. Die Schleuse öffnete sich. Der Zeittunnel darin baute sich auf. Yvaines Warnung, die Zeitreisen sein zu lassen, weil ich einen hohen Preis zahlen würde, klang in meinen Ohren nach. Ich schob es beiseite. Yvaine würde keine Rolle mehr in meinem Leben spielen, dachte ich in apokalyptischer Stimmung und nahm Anlauf. Mein Vater hatte gesagt, wir seien uns ähnlich und genau wie er suchte ich nun das Abenteuer.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Nov 14, 2014 9:30 pm

Es war fast Mitternacht. Noch eine Seite zu lesen. Ich las: Die Anwendung von Mondsteinen. Ich hatte ein paar dieser Exemplare neben mir liegen und betrachtete gedankenverloren ihr geheimnisvolles Schimmern. Es war Vollmond und in einer solchen Nacht schien von ihnen eine besondere Macht auszugehen.
Wie durch einen Windhauch erloschen die Kerzen, die meinen Arbeitsplatz erleuchteten. Nova, die bislang auf meinem Bett geschlafen hatte, erwachte und fauchte. Dann spürte auch ich es. Der Boden unter mir erzitterte wie durch ein Erdbeben. Ich krallte meine Finger am Lesepult fest, um nicht zu fallen. Ich erkannte dieses Zittern. Es war kein gewöhnliches Erdbeben. In der Luft lag ein schwaches Wimmern, das von keinem lebenden Wesen kam und doch wie ein verwundetes Tier klang. Für einen Moment schien die Luft sich zu erhitzen, dann war es vorbei. Nova hörte auf zu fauchen. Ich stand immer noch an mein Pult geklammert. Warum nur hatte Tyler nicht auf mich gehört? Ich hatte ihn gewarnt und nun war vermutlich alles zu spät. Die Geschichte würde sich wiederholen und es gab nichts, was ich dagegen tun konnte. In meinen Ohren begann es zu sausen während mein Sichtfeld immer kleiner wurde.



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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Nov 15, 2014 11:20 pm

„Wo um alles in der Welt warst du?“, herrschte meine Schwester mich an, als ich einige Stunden später die Treppen hinaufkam. Es war immer noch mitten in der Nacht und aus irgendwelchen Gründen waren plötzlich wieder alle wach. Valencia saß bleich auf dem Sofa. Anabel saß am Tisch, zusammen mit Olivia und – zu meiner Überraschung – Oregon, die sehr besorgt drein schauten. Nur Yvaine fehlte.
„Ist irgendetwas passiert?`“, fragte ich, ohne meiner Schwester zu antworten, vermied es sie anzusehen und sah stattdessen besorgt zu Valencia. Es war doch nicht etwas mit dem Baby?
„Das fragen wir uns hier alle.“, gab meine Schwester giftig zurück.
„Bell.“, sagte Oregon sanft und ergriff beruhigend ihre Hand. „Du sollst dich doch nicht so aufregen.“ Ich war irritiert, wie offen die beiden ihre Beziehung zeigten. Irgendetwas musste sich in den letzten Stunden ereignet haben.
„Was geht hier vor?“, wollte ich wissen. Die Situation verwirrte mich.
„Es ist Yvaine.“, sagte Olivia. „Sie ist wieder ohnmächtig.“
Ich konnte fühlen, wie das Blut aus meinem Gesicht wich.
„Wo ist es passiert?“
„In ihrem Zimmer. Sie ist vor ihrer Alchemiestation zusammengebrochen. Hätte Nova mich nicht geweckt und sich wie eine Verrückte aufgeführt... ich weiß nicht, wann wir sie gefunden hätten.“, antwortete Anabel beklommen.



Ich drehte mich wortlos um und ging die Treppen hoch und in Yvaines Zimmer. Ich war noch nie hier drin gewesen, seit sie es bewohnte, darum überraschte mich der Anblick zunächst. Überall auf dem Boden und in den Regalen standen Phiolen mit eigenartigen Substanzen und allerhand Zutaten, von Kräutern, über eine wahrhaft beeindruckende Sammlung an Edelsteinen und Metallen bis hin zu Gläsern mit Insekten. Mir war nie bewusst gewesen, welches Ausmaß die Alchemie genommen hatte. Und in Mitten dieses ungewöhnlichen Durcheinanders lag Yvaine auf einem wahrhaft riesigen Himmelbett, das den größten Teil des Zimmers einnahm. Genauso ohnmächtig wie an dem Tag, an dem sie zu uns gekommen war. Ich trat näher, ließ mich neben ihrem Bett nieder und betrachtete ihre ebenmäßigen Gesichtszüge. Es kostete mich alle Willenskraft, die ich aufbringen konnte, sie nicht zu küssen. Stattdessen nahm ich ihre Hand, um ihren Puls zu fühlen. Er war schockierend niedrig.
„Verlass mich nicht.“, wisperte ich. Ich spürte das Metall ihres Rings an meiner Hand. Neugierig betrachtete ich ihn genauer. Ich hatte vielleicht nie wieder die Gelegenheit, ihn so aus der Nähe zu sehen.



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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Nov 15, 2014 11:24 pm

Ich hörte die anderen gerade noch rechtzeitig, um hastig aufzustehen und Abstand zwischen mich und Yvaine zu bringen.
„Ob sie irgendetwas Falsches zu sich genommen hat?“, fragte Olivia. „Es war kein vergifteter Apfel, da bin ich mir sicher. Es scheint eine gewöhnliche Ohnmacht zu sein."
„Oder es ist ihre Konstitution. Sie ist so zierlich und sie hat sich in den letzten Wochen vielleicht einfach übernommen.“, gab Oregon zu bedenken.
„Unsinn. Sie hält eine Menge aus. Und wenn sie sich schwach fühlt, hat sie bestimmt irgendein Tonikum zur Hand oder legt sich hin.“, wehrte ich ab.
„Oder es ist dasselbe wie bei der letzten Ohnmacht. Vielleicht läuft ihre Zeit ab.“, warf Anabel ein und sah mich bedeutungsvoll an. Ich wand mich unwohl. Ich wusste, dass sie auf ihre Meerjungfrauentheorie anspielte. Glaubte sie, dass Yvaine ebenso wie die kleine Meerjungfrau starb, wenn ihr Prinz eine andere heiratete. Blieb nur die Frage, ob ich dieser Prinz war, dachte ich mit einer gewissen Selbstironie.



„Ts.“, machte Valencia ungeduldig. Ich hatte nicht bemerkt, dass sie auch dazu gekommen war. „Vergiftung? Schlechte Konstitution? Oder nur wieder ein Geheimnis? Wohl kaum! Viel wahrscheinlicher ist, dass sie diese Ohnmacht nur inszeniert, um sich auch weiterhin einen Platz in diesem Haus zu sichern.“, keifte sie.
Es gab eine unangenehme Pause, in der Olivia, Oregon und Anabel Valencia sprachlos und angewidert ansahen und ich aufstöhnte. „Valencia, bitte. Das hatten wir doch schon.“
„Du blöde Ziege!“, fuhr Anabel wütend auf und wollte sich auf sie stürzen. Oregon hielt sie geistesgegenwärtig zurück, während ich mich dazwischen stellte. „Alles, was du kannst, sind Lügen verbreiten! Du hasst Yvaine, weil sie hier wohnt, weil mein Bruder ihr das Leben gerettet hat, weil sie meins rettete, weil sie tausendmal interessanter und schöner ist als du und weil du Angst hast, dass Tyler sie eines Tages dir vorzieht. Du bist eifersüchtig und erbärmlich! Wäre ich mein Bruder, ich hätte dich schon lange abserviert. Ein Jammer, dass er das nun nicht mehr kann!“ Sie hatte sich in Rage geredet. Wir alle starrten sie schockiert an. Wann hatte Anabel je so hässliche Dinge gesagt? Sie musste Valencia zutiefst verabscheuen.
„Du darfst dich nicht so aufregen.“, sagte Oregon sanft und ich bewunderte seine Ruhe.
„Ach lass mich.“, schnappte Anabel und ließ sich mit verschränkten Armen auf Yvaines Bett nieder.
Ich drehte mich langsam zu Valencia um. Sie weinte stumm. Ich wollte sie in den Arm nehmen, aber sie wandte sich ab und floh aus dem Zimmer.



„Toll gemacht, Schwesterherz.“, meinte ich verärgert.
„Ach, sie hat es verdient.“, gab diese abfällig zurück. „Dumme Kuh!“
Ich seufzte. „ Und warum darfst du dich nicht aufregen?“
„Ich bin schwanger.“, murmelte Anabel. Ich sah unwillkürlich zu Oregon. „Ja, von ihm. Er wird hier einziehen.“
„So wie Valencia.“, stellte ich fest. „Es wäre schön, wenn ihr beiden mit euren Hormonen euch nicht ständig an die Kehle geht.“



„Schön wäre auch, wenn ihr eure Krisensitzung nicht ausgerechnet hier abhalten würdet.“, kam eine schwache Stimme vom Bett her.
„Yvaine! Du bist wach!“, jubelte Anabel. Diese Stimmungsschwankungen!
Die lächelte nur. „Danke für deine glühende Verteidigungsrede.“ Sie tätschelte Anabels Arm.
„Das hast du mitbekommen?“
„War schwer zu überhören.“, gab Yvaine schwach lächelnd zurück.
„Wie geht es dir?“, fragte ich immer noch besorgt.
„Den Umständen entsprechend.“ Ihr Blick flackerte kurz zu mir hinüber. Irgendetwas schien sie zu verärgern. Ich vermutete, es lag an Valencia.
Anabel hüpfte vom Bett hinunter. „Also. Raus mit uns! Yvaine braucht Ruhe.“
Ich sah Oregon belustigt an. „Auf dich kommen anstrengende Zeiten zu, fürchte ich.“
„So wie auf dich.“, konterte er.



Zuletzt von singingmiri am Sa März 14, 2015 9:52 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 26, 2014 12:40 pm

Oregon ahnte nicht, wie recht er hatte. Das Gefühlschaos, in dem ich mich nun dauerhaft befand, war unerträglich. Mit jedem Tag der verging, wuchsen meine Gefühle für Yvaine und ließen die für Valencia nach. Es tat mir Leid für meine Verlobte. Immer und immer wieder versuchte ich mir einzureden, dass das mit Yvaine nur eine vorübergehende Sache war, dass es schließlich normal sei, dass in einer Beziehung die Gefühle irgendwann nachließen und dass wenn das Baby erst mal auf der Welt war, sicher alles anders werden würde. Zumal Yvaine nun deutlicher denn je davon sprach, sich ein eigenes Haus zu suchen. Aber es nützte nichts. Ich konnte es mir den ganzen Tag einreden, dass alles wie früher werden würde und wusste doch tief in mir drin, dass das was ich für Yvaine empfand alles überstieg, was ich je bei Valencia erlebt hatte und dass ich ohne sie nicht leben wollte. Zugleich fühlte ich mich Valencia gegenüber verpflichtet und sie war mir wichtig genug, dass ich ihr nicht so wehtun konnte. Nach all meinen Versprechungen und Beteuerungen und nun da sie mein Kind erwartete, konnte ich ihr das einfach nicht antun. Also gab ich mir Mühe, ihr vorzuspielen, dass alles in Ordnung sei und ich mich auf das Kind freute. Zumindest teilweise stimmte das. Ich war nicht unbedingt begeistert, dass Valencia schwanger war, aber da es nun mal mein Kind war, liebte ich es. Ich konnte auch dem Kind nicht antun, mich von Valencia zu trennen.



Überdies hing seit Yvaines Ohnmacht der Haussegen gründlich schief Zwar hatten sich alle drei Simas beieinander entschuldigt (Valencia für ihre gemeinen Worte, Anabel für ihre Feindseligkeit und Yvaine für ihre Anwesenheit und die Sorgen, die sie allen bereitete), aber natürlich waren damit nicht alle Streitigkeiten beigelegt. Yvaine zog es vor, sich aus der Schusslinie zu ziehen. Der Schnee schmolz allmählich und sie konnte wieder lange Streifzüge durch die Natur unternehmen. Dabei nahm sie oft Rosella mit, da Anabel nun für einige Zeit nicht ausreiten konnte.



Anabel und Valencia verbrachten die meiste Zeit gemeinsam Schwangerschaftsbücher lesend vor dem Kamin. Sie erwähnten ihre Auseinandersetzung nicht und sie gifteten sich nie an, aber sie redeten auch sonst nicht viel miteinander.


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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Nov 26, 2014 12:44 pm

Weil Anabel nun mit Fenny vorübergehend nicht mehr trainieren konnte, ließ sie diese kurzerhand decken, so dass zu den beiden schwangeren Simas nun auch noch eine trächtige Stute kam, die ständig nervös war und besondere Pflege brauchte.



Alles in Allem hatte ich das Gefühl, dass die einzigen, die sich wirklich über die vielen Schwangerschaften freuten, Anabel und Oregon waren. Sobald er von der Arbeit kam, turtelten die Beiden ununterbrochen miteinander oder unterhielten sich über ihren Nachwuchs. Ich hatte oft das Gefühl, das Valencia ähnlich viel Begeisterung von mir erwartete und ich wusste, dass ich ein solches Maß an Hingabe nicht heucheln konnte.



Wann immer mir der Druck zu groß wurde, verschwand ich in meinen geheimen Raum, um nicht wie die anderen vermuteten, zu basteln sondern für ein paar Stunden in eine andere Zeit zu fliehen. Nur dort konnte ich meine Sorgen loslassen und für einige Zeit vergessen. Die Zeitreisen wurden zu meiner Droge. Bald hielt ich es nicht mehr aus, länger als einen Tag ohne eine solche auszukommen. Es war meine Zuflucht, mein Geheimversteck und mein einziges Glück in diesen Tagen. Zumindest bis Yvaine davon erfuhr.


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