Springfield

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Mai 31, 2013 2:55 pm

Nicht lange danach verkündete ihr Cousin Florian, dass Abigail und er in aller Stille geheiratet hatten, da sie ein Kind erwarteten.



Abigails erste Tochter Muriel hatte nicht gegen ihren neuen Vater. Schließlich hatte Florian schon immer in ihrem Haus gewohnt und war mehr ein Vater für sie, als ihr leiblicher.



Muriel war außerdem die beste Freundin von Anabel. Die beiden waren genauso unzertrennlich wie Leslie und Lars. Sobald sie ihre Hausaufgaben erledigt hatten, sah man sie zusammen spielend mal auf dem Marktplatz, mal am Strand, mal an einem der Seen.



Als Abigail Chiara zur Welt brachte...



… machte Minea bereits ihre ersten torkeligen Schritte. Auch sie hatte die roten Haare ihrer Mutter nicht geerbt. Irgendwie schienen alle unsere Kinder sehr auf mich zu kommen.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Mai 31, 2013 2:59 pm

Und doch – während ich beobachtete, was in unserem Ort so passierte, konnte ich mich eines Gedanken nicht erwehren. Dass es jemand aus unserer Nachbarschaft gewesen sein musste, der uns angeschwärzt hatte. Wer sonst wusste, dass wir Hunde besaßen? Und sah betrachtete ich meine Nachbarn immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass einer von ihnen uns nichts Gutes wollte. Jedesmal, wenn ich jemanden sah, überlegte ich insgeheim, ob diese Person es sein konnte. Ich war sicher, dass niemand aus Georges Familie so etwas tun würde. Sophia mochte vielleicht ein wenig verrückt sein, aber mal abgesehen von ihrer Geistergeschichte war sie völlig harmlos.



Auch ihr Bruder Victor und Eliana, ihre Cousine verdächtigte ich nicht. Er hatte nur seine Karriere beim Militär im Kopf und Eliana konzentrierte sich seit ihrer Trennung von Niclas ebenfalls nur noch auf ihre Arbeit bei der Polizei und ihre Malerei.



Und so anstrengend die Versuche von Mary und Lucy, mich zum Ehemann zu bekommen, auch gewesen sein mochten, konnte ich mir dennoch nicht vorstellen, dass eine von ihnen nach sovielen Jahren Rache an mir nehmen würde. Zumal Lucy verheiratet war und Mary mit ihren zwei Kindern sehr zufrieden schien.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Mai 31, 2013 3:03 pm

Nein, ich konnte mir bei keinem von meinen Nachbarn vorstellen, dass sie uns Böses wollten. Und so beschloss ich, nach Ägypten zu reisen, um mich auf andere Gedanken zu bringen und bei der Gelegenheit Nachforschungen über Jean Necteaux und seine Frau Isael anzustellen. Vorher würde ich in der Gruft unter dem Nektarkeller in Frankreich wohl nicht weiter kommen. Meine erste Handlung in Ägypten war, mir ein Ferienhaus zu kaufen.



Als nächstes suchte ich einen ägyptischen Historiker auf, um ihn nach Jean Necteaux zu fragen. Zu meiner Verwirrung fiel er mir bei der Erwähnung des Namens schluchzend in die Arme. Ich tätschelte schockiert seinen Rücken und er beruhigte sich etwas. Dann meinte: „Es tut mir Leid. Aber die Geschichte ist so traurig. Jean Necteaux war vor langer Zeit zu Gast am Hof des Pharaos. Dort verliebte er sich in dessen Tochter Isael. Natürlich gefiel es dem Pharao nicht und er verbot seiner Tochter jeglichen Umgang mit dem Franzosen. Daraufhin flohen die Beiden nach Frankreich. Aber zuvor stahl Isael sehr wertvollen Edelsteine, mit denen eigentlich die neue Krone des Pharaos besetzt werden sollte. Fragt den Relikthändler auf dem Markt, er wird euch mehr über die Edelsteine sagen können!“ Und damit brach er erneut in Tränen aus und ging zurück in sein Haus.



Ich war mir nicht sicher, ob ich der Geschichte diesen sentimentalen Alten Glauben schenken konnte, aber da ich momentan keinen anderen Anhaltspunkt hatte, ging ich dennoch auf den Markt und suchte den Relikthändler auf, um ihn danach zu fragen.
„Ah... ja. Fikry Ameen ist ein bisschen nah am Wasser gebaut, wenn es um Isael und Jean Necteaux geht.“, lachte dieser. „Sie müssen wissen, eine seiner Vorfahren war eine Schwester von Isael. Aber es stimmt, sie ist abgehauen und sie hat den größten Schatz des Pharaos gestohlen. Drei Edelsteine heißt es. Ein tiefroter Rubin, ein tiefgrüner Smaragd und ein tiefblauer Saphir, wie es sonst keine gibt, die ihnen gleich kommen. Was aber keiner weiß ist, dass Isael einen davon verkaufte, bevor sie nach Frankreich aufbrachen. Wohl, um die Überfahrt zu bezahlen. Und wie es der Zufall will, ist er vor langer Zeit in meine Hände gelangt.“
Ich sah ihn misstrauisch an. Das konnte ja jeder behaupten. Hörte man alle Tage von den Händlern: 'Seht her, die berühmte Kette der Kleopatra. Ich habe sie vor Kurzem gefunden. Ich mache euch einen Sonderpreis.'
Er sah mein Misstrauen. „Ich belüge sie nicht.“, grinste er. „Wenn Sie ihnen sehen, werdet ihr mir zustimmen, dass es der tiefrote Rubin sein muss. Sie bekommen ihn für eine Gegenleistung.“
„Aber warum möchten Sie ihn ausgerechnet mir verkaufen?“, fragte ich nicht überzeugt von seiner Ehrlichkeit.
„Ich finde die drei Edelsteine sollten wieder vereint werden. Und da Sie sagen, dass sie die Gruft von Isael und Jean Necteaux gefunden haben, vermute ich, dass Sie dort versteckt sind. Ich weiß, dass Sie sehr geschickt im Erkunden von Gruften sind. Man könnte sie sagen, Sie sind eine kleine Berühmtheit. Also, kommen wir ins Geschäft?“

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Jun 15, 2013 3:39 pm

Letztlich kaufte ich dem Händler den Rubin ab. Sollte er nicht funktionieren, würde ich ihn Amalia schenken. Aber ich war guter Dinge, dass dies tatsächlich der richtige Rubin war. Ich hatte noch nie einen so tiefroten Rubin gesehen, wie diesen.
Als ich nach New Springfield zurückkehrte, war der Herbst eingetroffen. Es war verrückt, wie sich in den wenigen Tagen, in denen ich fort gewesen war, die Landschaft komplett verändert hatte. Überall hatten sich das Laub gelb und rot verfärbt und am nächsten Morgen erwachte der Ort in tiefem Nebel.





Nicht lange nach meiner Rückkehr, kam Minea ins Schulalter. Das nahmen Amalia und ich zum Anlass, erneut nach Frankreich zu reisen. Tyler und Anabel waren nun schon fast Teenager und Leslie war in ihrem letzten Schuljahr. Noch immer hatte ich nicht mit Amalia geredet, aber ich hatte vor, es ihr im Urlaub schonend beizubringen. Leslie hatte sich an die Abmachung gehalten, also musste ich meinen Teil erfüllen und meine Entscheidung überdenken.





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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Jun 15, 2013 3:44 pm

In Frankreich jedoch, machten wir uns erstmal auf den Weg ins Nektarium, wo Amalia sich Tipps zur Nektarherstellung holen wollte und ich nach Möglichkeit die Gruft weiter erkunden. Ich hatte in den Wochen seit ich den Rubin besaß reichlich Zeit gehabt, mir über mein weiteres Vorgehen Gedanken zu machen. Und ich war zu dem Schluss gekommen, dass es kein Zufall sein konnte, dass es drei Edelsteine geben sollte, und unten in der Gruft drei leere Löcher waren, die scheinbar keinen Zweck erfüllten. Soviel war mir auf meinen vielen Reisen klar geworden: Löcher in der Wand, waren nie grundlos da. Ich begab ich daher direkt nachdem ich den Besitzer begrüßt hatte, hinunter zu den drei Löchern und tastete sie erneut ab. Sie alle hatten innen eine Vertiefung, in die ein Edelstein passen konnte. Also probierte ich den Rubin einzusetzen. Beim zweiten Loch spürte ich wie der Stein einrastete und hörte hinter mir ein Klicken. Als ich mich umdrehte, lag auf dem Tisch in der Mitte ein Schlüsselstein. Scheinbar löste das Einsetzen der Edelsteine einen Mechanismus aus, der die Schlüsselsteine zum Vorschein brachte.








Ich sagte Amalia Bescheid, die gerade mit Hingabe Früchte zerstampfte. Sie wünschte mir zerstreut viel Glück und versprach nachzukommen. Der Gedanke sie allein durch diese Katakomben irren zu lassen beunruhigte mich und ich bat sie, vorsichtig zu sein, woraufhin sie ungeduldig abwinkte, eindeutig in Gedanken wieder bei ihrem Nektar. Kopfschüttelnd machte ich mich wieder auf den Weg nach unten. Amalias Begeisterung für Nektarherstellung konnte ich nicht nachvollziehen, bedachte man, dass sie in der Nacht, nachdem sie zum ersten Mal den französischen Nektar genossen hatte, geschworen hatte, nie wieder ein Glas anzurühren. Aber nun ja... ich hatte ihr prophezeit, dass sie wieder Gefallen daran finden würde. Nur hatte ich natürlich keine Ahnung gehabt, wie Recht ich damit hatte. Seufzend setzte ich den Schlüsselstein ein, und die Tür zu Isaels Gruft öffnete sich.










Der Gedanke, dass Amalia mir später folgen wollte und allein durch die Katakomben spazierte, behagte mir nach wie vor nicht und ich beschloss sicherheitshalber, mich nicht lange aufhalten zu lassen und den Weg zu sichern. Isaels Gruft indessen, machte mir einen Strich durch die Rechnung. Ich war noch nicht weit gekommen, als ich vor mir Flammenfallen entdeckte, die sich wie es aussah, nur durch das Einsetzen herzförmiger Schlüsselsteine deaktivieren würden. Dazu musste ich wohl oder übel die zahllosen Kammern, die von dem Raum, in dem ich mich befand abgingen, durchkämmen.






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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Jun 15, 2013 3:47 pm

Es wurde schnell klar, dass der Erbauer der Gruft ein Meister seines Fachs gewesen war. Die Suche nach den Herzschlüsselsteinen gestaltete sich schwierig und gewiss nicht ungefährlich.







So kam es, dass ich gerade erst die Schlüsselsteine einsetzte, als Amalia sich hinter mir räusperte.
„Ich hoffe, ich bin nicht zu spät für das große Abenteuer.“, grinste sie. „Oder hast du dir extra Zeit gelassen?“
Ich küsste sie flüchtig auf den Mund. Sie roch nach Nektar. „Wieviel Gläser waren das?“, neckte ich sie.
„Ein paar zuviel, fürchte ich.“, seufzte sie ergeben. „Aber keine Sorge, ich werde keine Dummheiten machen, mich in das nächste Bett, das ich hier unten finde, legen und den großen Meister bei der Arbeit beobachten.“, lachte sie. Es mussten eindeutig ein paar Gläschen zuviel gewesen sein.










„Bitte sehr. Das Sofa für meine Nektarprinzessin.“, grinste ich wenig später, als wir in die unterirdischen Gemächer Isaels kamen und machte eine übertriebene Verbeugung. Amalia boxte mich spielerisch in die Seite, ließ sich dann aber sichtlich erleichtert auf dem Sofa nieder. Ich sah sie amüsiert an und machte mich dann daran, die Gemächer zu erkunden. Als ich mich ihr wieder zudrehte, schlief sie tief und fest. 






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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Sa Jun 15, 2013 3:52 pm

Als Amalia wieder aufwachte, hatte ich bereits den Saphir und den Smaragd gefunden, mit denen ich die „wahre Gruft von Jean Necteaux“ öffnen konnte. Ich warf Amalia ein paar getrocknete Lebensmittel zu, da sie über Hunger klagt, und gemeinsam betraten wir Jean Necteaux' Gruft.







Diese Gruft war noch verwirrender und gefährlicher als die letzte. Bald kamen wir auf ein Plateau, auf dem ein Tauchbrunnen stand, durch den wir tauchen und uns danach durch verschiedene Kammern kämpfen mussten, bevor wir auf ein anderes Plateau zu kommen, wo wir den Schlüsselstein für die letzten Kammern fanden.





In einer der letzten Kammern war ich gerade dabei, einen Sarkophag genauer zu untersuchen, als Amalia plötzlich nach mir rief. Ihre Stimme klang panisch. Ich eilte zu ihr und sah gerade noch, wie sich eine Mumie auf sie stürzte. Ich konnte nichts tun. Mumien machten sich nichts daraus, Simas zu verprügeln, wenn sie gestört wurden.









Als die Mumie von Amalia abließ, sank diese bewusstlos zu Boden. Ich wusste, sie würde einige Stunden schlafen. Ich warf den Mumien einige Mumiensnacks zu, dass sie wieder in ihre Sarkophage verschwanden und kümmerte mich dann um meine Frau. Glücklicherweise schien sie keine schlimmen Verletzungen zu haben. Aber allein die Tatsache, dass sie hier bewusstlos in meinen Armen lag, führte mir vor Augen, dass ich sie nie hier runter hätte bringen dürfen. Wie hatte ich nur meine Frau so in Gefahr bringen können? Weil ich so lange verschont geblieben war? Hatte mich der Umstand dass ich jede Gruft in Frankreich, Ägypten und China erkundet und überlebt hatte, in gewisser Weise blind für deren Gefahren gemacht hatte? Es war meine Erfahrung zu verdanken, dass ich noch lebte, aber Amalia hatte diese Erfahrung nicht. Sie mochte ein paar Grüfte mit mir erkundet haben, aber ich hatte die gefährlichen Passagen immer erst erkundet, bevor ich sie mitkommen ließ. 




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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jun 18, 2013 7:16 pm

Während ich darauf wartete, dass sie wieder zu Bewusstsein kam, plagte mich mein schlechtes Gewissen. Und so war ich mehr als erleichtert, als sie abends fit genug war, um sich an den Herd zu stellen und für uns kochen.



Wir aßen schweigend. Ich hatte immer noch ein schlechtes Gewissen und wusste nicht, was ich sagen sollte, weil ich nicht wusste, wie Amalia darüber dachte. Nachdem wir beide unsere Teller halb geleert hatten, fragte sie schließlich in das unangenehme Schweigen hinein: „Was ist los mit dir? Warum sagst du nichts?“
Ich löste meinen Blick von meinem Teller und sah ihr kurz in die Augen und dann sofort wieder weg. Dann zuckte ich die Schultern.
„Ah.“, machte sie. „Du machst dir Vorwürfe.“, stellte sie fest. Es war geradezu erschreckend, wie mühelos sie meine Gefühle erraten konnte. Ich brummte irgendetwas unbestimmtes. Dann gab ich mir einen Ruck.
„Tut mir Leid.“, sagte ich zerknirscht. „Ich hätte dich nicht da mit runter nehmen dürfen.“
Sie sah mich eine Weile schweigend an. „Weißt du, eigentlich hat es mir ein bisschen Spaß gemacht.“, meinte sie langsam. „Nicht das mit der Mumie, natürlich.“, setzte sie hastig dazu, als sie meinen Gesichtsausdruck sah. „Das war eher unschön. Aber ich schätze mal, das gehört dazu, oder? Und mir ist ja nichts passiert. Ich mache dir keinen Vorwurf. Du hast mich schließlich nicht dazu gezwungen, mitzukommen. Ich wollte dich begleiten, weil ich weiß, dass du diese Abenteuer liebst. Wir teilen unser Leben schließlich, oder? Das haben wir uns bei der Hochzeit versprochen. Erinnerst du dich noch?“
Ich atmete tief durch. „Du bist mir nicht böse?“, fragte ich vorsichtshalber nochmal.
Sie schüttelte den Kopf. „Worauf? Darauf, dass du bist wie du bist? Das wäre doch reichlich seltsam, denn das wusste ich schon, als wir geheiratet haben. Oder darauf, dass du mich nicht daran gehindert hast, dich zu begleiten? Um ehrlich zu sein, bin ich froh, dass es so ist. Ich wäre sauer auf dich gewesen, hättest du es getan, weil ich geglaubt hätte, dass du mich nicht dabei haben willst.“
„Du bist eine wirklich außergewöhnliche Sima, Amalia.“, bemerkte ich ehrfurchtsvoll. „Ich bin wirklich froh, dich geheiratet zu haben.“
„Nun, das trifft sich gut. Denn wie es aussieht, werden wir demnächst wieder Eltern.“, gab sie trocken zurück.
Ich verschluckte mich vor Schreck. „Hättest du dann nicht besser auf den Nektar verzichten sollen?“, fragte ich wenig intelligent.
„Dazu hätte ich es vorher wissen müssen.“, winkte sie ab.
„Aber seit wann weißt du es dann? Ich habe dich doch seit wir aus der Gruft kamen nicht mehr aus den Augen gelassen!“, wollte ich wissen.
Sie lächelte mich mitleidig an. „Glaubst du wirklich, ich hätte so lange geschlafen? So viel Nektar habe ich nun auch wieder nicht getrunken! Während du die Gruft erkundet hast, habe ich ausgiebig das Badezimmer genutzt.“
„Vielleicht ist es wirklich besser, wenn Leslie vor ihrem Abschluss auszieht.“, murmelte ich unbedacht.
Amalia spuckte beinahe ihren Bissen wieder zurück auf den Teller. „Was?“, krächzte sie.
Ich rutschte ungemütlich auf meinem Platz herum. „Sie hat mich vor einigen Monaten gefragt, ob sie zu Lars ziehen darf.“
„Und du hast es ihr erlaubt?“, fragte sie entsetzt.
„Natürlich nicht.“, antwortete ich fast beleidigt. „Sonst würde sie wohl nicht mehr bei uns wohnen. Ich habe ihr gesagt, sie soll zuerst beweisen, dass sie reif genug dafür ist und gute Noten nach Hause bringen, bevor wir wieder darüber reden.“
„Hm.“, machte sie und aß weiter. „Ich habe mich schon gewundert, warum sie plötzlich so strebsam wurde.“
„Strebsam war sie schon vorher.“, widersprach ich. „Sie und Lars wollen studieren und dafür brauchen sie gute Noten. Aber nun hat sie natürlich noch einen weiteren Grund, sich zu bemühen.“
„Sie muss ihn wirklich lieben.“, meinte Amalia versonnen. „Und wir könnten wirklich ein bisschen Platz gebrauchen, wenn dieses Kind zur Welt kommt.“
„Du willst es ihr erlauben?“ Ich war fassungslos.
„Nicht sofort.“, beruhigte sie mich sofort. Es dauert schließlich noch etwas, bis das Baby zur Welt kommt. Aber Leslie wird kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, wenn es so weit ist. Und danach wird sie sicher bald zur Uni aufbrechen und spätestens dann wird sie ohnehin mit Lars zusammen wohnen. Und außerdem,...“ Sie grinste. „Lars wohnt nur zwei Häuser weiter. Wir werden ein Auge auf sie haben können.“
ich schüttelte den Kopf. „Du hast Nerven.“, seufzte ich. „Mir behagt der Gedanke gar nicht, dass sie mit ihm zusammen zieht.“
„Ich glaube nicht, dass es besser wird, wenn sie älter ist. Nur die Argumente werden dir ausgehen.“, bemerkte sie.




Zwei Tage später kehrten wir nach Hause zurück. 
Dies war mein letztes Reiseabenteuer.
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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jun 18, 2013 7:29 pm

Nun, da ich nicht mehr verreiste, hätte ich erwartet, mich häufig zu langweilen und allein aus diesem Grund bald wieder das Abenteuer zu suchen. Aber zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass die Zeit nur so dahin flog. Bald schon zog Leslie freudestrahlend zu ihrem Lars und wie erwartet war Amalia obwohl sie dafür gestimmt hatte, furchtbar traurig, dass ihre Älteste nicht mehr in Haus wohnte.






Unsere Tochter Selma erblickte bald darauf das Licht.





Und nicht lange danach wurden Leslie und Lars erwachsen...




… und brachen mit Spitzenabschlüssen zur Uni auf.













Und spätestens als Leslie und Lars ihr erstes Kind bekamen, sah ich ein, dass ich nun nicht mehr zur jungen Generation gehörte und dass es Zeit wurde, der Jugend den Vortritt zu lassen.











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New Springfield - Tyler

Beitrag  singingmiri am Di Jul 23, 2013 5:06 pm

Es ist verblüffend, wie aus einem Tag, der zunächst ganz gewöhnlich zu sein schien, ein außergewöhnlicher Tag wurde, der unser aller Leben unwiderruflich veränderte.
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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jul 23, 2013 5:09 pm

„Reiten wir nachher aus?“, fragte Anabel als wir an diesem scheinbar gewöhnlichen Tag gemeinsam frühstückten. Wie immer sah sie aus, als hätte sie bereits beide Ställe ausgemistet und die Pferde versorgt. Genau genommen, war es vermutlich sogar der Fall, denn Anabel stand immer mit dem ersten Sonnenstrahl auf und hatte, wenn ich Stunden später aus meinem Bett kroch und mit halb geschlossenen Augen in die Küche wankte, bereits einen gut Teil Arbeit hinter sich. Vermutlich war es klug, bei diesen Temperaturen, die dieser Sommer uns bescherte, früh auf den Beinen zu sein.
Nun zog ich eine Grimasse. „Ich habe heute ein Date mit Valencia. Sie wäre nicht begeistert, wenn ich schon wieder zu spät komme und nach Pferd stinke.“
„Och, bitte! Nur ein kurzer Ritt, ja? Du kannst hinterher doch duschen. Fenny braucht Auslauf. Und wir könnten ein Wettrennen machen!“
„Das gewinnst du doch eh!“, stöhnte ich. „Warum sollte ich bei dieser Hitze freiwillig draußen reiten?“ Ich sah in die grünen Augen meiner Schwester, die mal wieder diesen verzückten Ausdruck inne hatten, den sie immer annahmen, wenn sie von ihren Pferden sprach. Ich seufzte. Was konnte ich meiner Zwillingsschwester schon abschlagen? „Na gut. Aber lass uns so früh wie möglich aufbrechen, ja? Damit wir bestimmt rechtzeitig Zuhause sind.“
„Du bist ein Schatz!“, freute sie sich, drückte mir einen Kuss auf die Wange und wirbelte hinaus, um die Pferde zu versorgen. Der Abwasch blieb wie immer an mir hängen.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jul 23, 2013 5:12 pm

Es war schon immer Anabels großer Traum gewesen, eine eigene Pferdezucht aufzubauen und weltberühmter Jockey zu werden. Zu ihrem achtzehnten Geburtstag hatten unsere Eltern ihr ein kleines Startkapital in Form ihrer Stute Rosella geschenkt, während ich eine Erfinderwerkbank und einen Batzen Geld erhalten hatte. Bei unseren Eltern jedoch war nicht viel Platz, um eine Pferdezucht aufzubauen und so suchten wir uns zusammen ein großes Grundstück, auf dem wir zwei Ställe für Pferde und ein Haus für uns beide bauten. Ich hätte es vermutlich besser wissen müssen, aber kaum waren wir eingezogen, belud Anabel mich tagtäglich mit Arbeit in den Ställen, die ich neben meinem Job im wissenschaftlichen Labor und meinen Erfindungen bewältigen musste. Meistens ging es darum, irgendetwas auszubessern oder die Rennbahn rund um das Grundstück aufzubauen, aber neuerdings musste ich nun auch noch ihre Pferde ausreiten.



Nicht, dass sie schon die Lust am Reiten verloren hätte, ganz im Gegenteil: Nach ihren ersten Erfolgen auf Turnieren, hatte Anabel eine zweite Stute gekauft – Fenny – die laut meiner Schwester hervorragende Anlagen für ein Sprungpferd besaß. Leider war es ihr nicht möglich, beide Pferde zu versorgen, zu bewegen und zu trainieren und so fand ich mich mir nichts, dir nichts auf Rosellas Rücken wieder und erhielt unter Anabels Anleitung Reitunterricht. Ich fand durchaus Gefallen daran, aber so gut wie meine Schwester würde ich wohl nie werden. Sie nahm regelmäßig an Turnieren teil und hatte bereits den ein oder anderen Sieg eingeheimst.



Die Pferdepflege ließ mir meistens gerade noch genug Zeit, um mich meinen zwei Leidenschaften zu widmen: Valencia und Erfinden. Erstere war meine Freundin, letzteres mein Hobby. Valencia verstand im Grunde weder etwas von Pferden, noch von Erfinden, noch teilte sie meine Begeisterung für letzteres, doch es war nie ein Streitpunkt zwischen uns. Wenn man es davon absah, dass sie darauf bestand, dass ich pünktlich zu unseren Verabredungen erschien und nicht nach Pferd roch. Aber sie ließ sich immer schnell beschwichtigen. Alles in Allem hätte ich es mit ihr nicht besser treffen können, fand ich, denn sie war alles, was Sim sich wünschen konnte. Vermutlich würden wir irgendwann heiraten, wenn auch nicht unbedingt jetzt gleich, wo wir gerade erst die Schule abgeschlossen hatten.



Zuletzt von singingmiri am Di Jul 23, 2013 9:23 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jul 23, 2013 5:18 pm

Am Nachmittag sattelten wir die Pferde und ritten gemeinsam los. Unser Ziel war einer der Strände. Sobald wir uns sicher waren, dass uns keine Autos entgegen kamen, gaben wir den Pferden die Sporen und galoppierten um die Wette zum Strand. Es war herrlich. In der Nacht zuvor hatte es ein starkes Gewitter gegeben und die Luft roch immer noch frisch, als sie mir während des schnellen Ritts ins Gesicht peitschte, wenn es auch schon wieder entsetzlich heiß war.



Als ich am Strand ankam, war Anabel natürlich längst da. Ich trug meine neuerliche Niederlage gelassen. Ich hatte keinerlei Ehrgeiz beim Reiten.
„Hallo, du lahme Ente.“, begrüßte sie mich frech, während sie Fenny auf den Hals klopfte. „Ich dachte schon, du wärst vom Weg abgekommen!“
Ich grinste. „Ich glaube, du nimmst mit Absicht immer das schnellere Pferd!“
„Ach, papalapapp! Fenny hier ist kaum trainiert. Die Schönheit, auf der du sitzt, dagegen, hat schon einige Goldmedallien im Rennen gewonnen.“, lachte sie. „Aber wir können gerne tauschen! Ich würde zu gern sehen, wie du mit Fenny fertig w---- was hast du?“, unterbrach sie sich, als sie bemerkte, wie ich plötzlich angestrengt an ihr vorbei sah.



Denn genau in diesem Augenblick hatte ich etwas am anderen Ende des Strands entdeckt. Ich antwortete nicht, sondern starrte weiterhin konzentriert auf den kleinen Haufen, der dort lag und meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Anabel folgte meinem Blick.
„Was ist da?“, fragte sie.



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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jul 23, 2013 5:21 pm

„Keine Ahnung. Ich seh mal nach, was die Flut da angespült hat! Halt mal die Zügel!“ Ich saß ab und näherte mich dem unförmigen Etwas.
Als ich näherkam, stellte ich fest, dass es ein leblos daliegender Körper war und rannte die letzten Meter. Erst als ich direkt davor stand, erkannte ich, dass es ein Mädchen war. Ich rief Anabel herbei, die ihrerseits absaß und mit beiden Pferden herüberkam.
„Was ist es?“, rief sie von Weitem.
„Ein Mädchen.“, gab ich zurück, immer noch fassungslos. Ich hatte sie hier noch nie gesehen. Aber darum konnte ich mir später Gedanken machen. Zuerst einmal versuchte ich, ihren Puls zu ertasten und die Atmung zu prüfen. Es dauerte eine Weile, bis ich bemerkte, dass sie noch lebte. Ihr Puls ging jedoch erschreckend langsam und ihre Atmung war eindeutig zu flach, um mit Sicherheit sagen zu können, dass das noch lange der Fall sein würde.



Ohne viel Nachzudenken, hob ich die fremde Ohnmächtige hoch - ich ging einfach mal davon aus, dass es nur eine Ohnmacht war. Sie war erstaunlich leicht. Und ihr Körper schien nicht ausgekühlt zu sein, was bei diesen Temperaturen vermutlich keine große Überraschung war. Anabel trat auf mich zu.
„Ohnmächtig.“, sagte ich. „Lass sie zu uns nach Hause bringen, das ist am nächsten. Ruf schonmal Olivia an. Sie muss sofort zu uns kommen!“
„Und wie hast du vor, sie zu transportieren?“, fragte meine Schwester irritiert.
Ich hatte noch nicht daran gedacht. Nachdenklich biss ich mir auf die Lippe und erwog meine Optionen. Wenn es so ernst um die Unbekannte stand, wie ich befürchtete, durfte ich keine Zeit verlieren, in dem ich ein Taxi rief. „Glaubst du, es schadet ihr, wenn ich sie mit aufs Pferd nehme?“
„Du willst sie mit dem Pferd transportieren? Bist du irre? Warum rufen wir keinen Krankenwagen?“
„Weil der nächste Krankenwagen drei Ortschaften weiter stationiert ist und noch nie pünktlich hier angekommen ist. Ich kann sie schlecht den ganzen Weg heimtragen, auch wenn sie federleicht ist. Das ist zu weit.“
„Meinst du nicht, dass ich das besser machen sollte? Du bist nicht so ein guter Reiter!“
„Das klappt schon.“, gab ich unwirsch zurück. „Du musst mir nur helfen, sie hoch zu bekommen.“



Zuletzt von singingmiri am So Aug 18, 2013 8:46 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Di Jul 23, 2013 5:27 pm

Olivia versah seit dem Tod ihres Vaters George die ärtzlichen Aufgaben. Sie hatte Medizin an der Universität studiert. Für gewöhnlich musste sie nur Erkältungen kurieren, seltener Verstauchungen oder Knochenbrüche. Aber dieses Mal war ein besonderer Fall. Sie traf kurz nach uns ein. Ich hatte die Unbekannte gerade vorsichtig auf das Bett unseres Gästezimmers gelegt, als Stimmen an der Haustür mir verrieten, dass die Ärztin da war. Sie ließ sich viel Zeit bei der Untersuchung. Anabel blieb bei Olivia, um sie zu unterstützen, während ich mich unten auf das Sofa vor dem Kamin setzte. Inzwischen hatte sie Abenddämmerung eingesetzt. Aus Angst, ein scharfer Galopp würde der Sima, die vor mir im Sattel bedenklich hin und her schaukelte, schaden, hatte ich nur einen sanften Trab gewagt und aus diesem Grund sehr viel länger als gedacht, gebraucht, um nach Hause zu kommen. Olivias Timing hätte nicht besser sein können. Ausgerechnet an diesem Nachmittag hatte sich Sophias Sohn im Sport böse den Fuß verstaucht und als Olivia unseren Anruf erhielt, war sie gerade in Begriff diesen zu verarzten. Ich griff seufzend zu meinem Smartphone, um Valencia für diesen Abend abzusagen. Sie würde sicher Verständnis haben, dass ich unter diesen Umständen nicht mit ihr ins Kino gehen konnte.



„Vermutlich nichts Ernstes.“, meinte Olivia, als sie eine knappe Stunde später die Treppe hinab kam. „Genaueres wissen wir aber erst in ein paar Tagen, schätze ich. Sie wird wahrscheinlich morgen oder übermorgen spätestens aufwachen. Kann sie solange hier bleiben oder soll ich einen Krankenwagen rufen?“
Ich sah Anabel, die hinter Olivia heruntergekommen war und sich erschöpft auf das Sofa gesetzt hatte, fragend an. Sie nickte.
„Sie kann bleiben. Aber was genau hat sie?“, wollte ich wissen.
„Einen ziemlich heftigen Hitzschlag, denke ich. Aber womöglich war sie schon zuvor geschwächt und ist zusammengebrochen. Das lange Herumliegen in der prallen Sonne hat ihr auf jeden Fall nicht gut getan.“
„Was denkst du, wie lange ist sie schon ohnmächtig?“
„Ich kann dir keine Angabe in Stunden machen, aber auf jeden Fall sehr lange. Darum wird sie es wohl noch eine Weile bleiben. Ihr müsst ihr alle paar Stunden einen halben Liter Wasser einflößen. Ich werde morgen früh wiederkommen und nach ihr sehen. Sollte heute Nacht irgendetwas sein, dann ruft mich sofort an! Aber ich glaube nicht, dass etwas sein wird. Ihr Puls ist schon viel kräftiger. Ich habe ein paar Blutproben entnommen. Nur zur Sicherheit.“



„Wieso schickt Olivia sie nicht ins Krankenhaus?“, fragte ich Anabel, als unsere Ärztin das Haus verlassen hatte.
„Ich weiß es nicht. Als sie sie untersucht hat, hatte ich kurz den Eindruck...“ Sie brach ab und fuhr sich müde über die Augen. „Naja, vergiss es. Auf jeden Fall meinte sie, dass dem Mädchen nichts fehlt, außer vielleicht ein paar Pfund Gewicht und natürlich ihrem Bewusstsein und es keinerlei Veranlassung gebe, sie ins Krankenhaus zu bringen. Und dann meinte sie noch, es wäre vielleicht besser, sie hier zu lassen. Ehrlich gesagt, finde ich es auch ein bisschen merkwürdig. Aber sie wird wissen, was sie tut.“
„Moment, Moment. Was für einen Eindruck hattest du?“
Anabel schüttelte den Kopf. „Ich bin müde. Ich hab mir das bestimmt nur eingebildet.“
„Anabel....“, sagte ich genervt. „Spuck's aus! Ich werde dich bestimmt nicht auslachen. Ich bin der verrückte Wissenschaftler, schon vergessen?“
„Nein. Es war nichts.“, gab sie zurück und stand auf.
„Bitte, Anabel. Ich will es wissen.“
Sie stöhnte. „Kann das nicht bis morgen warten?“
„Weil du meinst, dass ich es bis dahin vergesse? Nein, nein. Sag es mir jetzt.“
Sie seufzte. „Du wirst mir ohnehin keine Ruhe lassen. Ich sage dir, es war vermutlich nichts und ich bin müde. Es war nur ein kurzer Moment oben, als Olivia sie abgehört hat. Ganz plötzlich hat sie eine ruckartige Kopfbewegung gemacht und das Mädchen so komisch angesehen. Aber dann war es auch schon vorbei. Es waren höchstens zwei Sekunden. Wahrscheinlich hat Olivia nur gedacht, sie hätte sich bewegt. Ich hätte auch schwören können, ich hätte aus dem Augenwinkel etwas gesehen. So, und jetzt keine weiteren Fragen mehr! Ich gehe schlafen.“ Und damit wandte sie sich ab und erklomm die Treppenstufen. Ich blieb trotz der Müdigkeit noch eine Weile nachdenklich sitzen. Auch wenn Anabel etwas anderes behauptete, ich war mir ziemlich sicher, dass sie richtig gesehen hatte. Irgendetwas an Olivias Verhalten sagte mir, dass es mit dem Mädchen mehr auf sich hatte.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Okt 02, 2013 4:07 pm

Es sollte nicht das letzte Rätsel sein, das die unbekannte Ohnmächtige uns aufgab. Genau genommen war es erst der Anfang einer ganzen Reihe seltsamer Vorkommnisse in unserem Städtchen.
Doch zunächst einmal verschlief das Mädchen den gesamten nächsten Tag. Als wir am nächsten Morgen nach ihr sahen, fanden wir sie unverändert schlafend vor. „Schlafend wie Dornröschen in ihrem Turm.“, fuhr mir durch den Kopf, als sie keinerlei Reaktion auf die Geräusche, die wir verursachten, zeigte. Vorsichtig flößten wir ihr etwas Wasser ein. Das meiste davon landete auf ihrem Kopfkissen, aber Olivia würde sicher mehr Geschick darin beweisen, wenn sie kam. Bevor ich das Zimmer verließ, fiel mir der seltsame Ring an ihrem Finger auf. Wie eigenartig, dass ich ihn nicht am Tag zuvor bemerkt hatte. Aber ich war natürlich auch zu sehr damit beschäftigt gewesen, das Mädchen sicher auf dem Pferd zu transportieren, um mich um solche Feinheiten zu kümmern.
Olivia kam wie versprochen in aller Früh vorbei, um nach ihr zu sehen, aber abgesehen davon, dass sie nach wie vor ihr Bewusstsein immer noch nicht wieder erlangt hatte, ging es ihr gut. Unsere Ärztin versprach, alle paar Stunden vorbeizukommen, um nach der Ohnmächtigen zu sehen, da ich den ganzen Tag im Labor war und Anabel mit ihren Pferden schon mehr als genug zu tun hatte. Scheinbar hatte sie auch das Blut über Nacht untersucht und befunden, dass alles normal war. Sollte das Mädchen innerhalb von zwei Tagen nicht erwachen, musste sie wohl oder übel einen Krankenwagen rufen und sich unangenehmen Fragen stellen. Wieder fanden wir ihr Verhalten eigenartig, aber wir ließen es unkommentiert. Auch wenn mir der Gedanke nicht behagte, dass auch auf uns unangenehme Fragen zukommen konnten, sollte das Mädchen nicht zu sich kommen.



So brach der nächste Tag an und das Mädchen schlief immer noch. Reichlich besorgt frühstückten wir schweigend, jeder seinen eigenen Gedanken nachhängend. Vielleicht hätten wir sie doch nicht hier behalten sollen. Was, wenn sie doch im Krankenhaus besser aufgehoben gewesen wäre und nun jede Hilfe zu spät kam?
Schließlich sagte Anabel in die unangenehme Stille hinein, wohl mehr um das Schweigen zu brechen und uns auf andere Gedanken zu bringen: „Wir müssen die Pferdeboxen bald überdachen. Es ist nicht mehr lange bis zum Herbst und wenn es kalt und nass wird, will ich meine beiden Schätze lieber unter Dach wissen.“
Ich brummte zunächst unverständlich vor mich hin und biss in mein Marmeladenbrot. „Wir“ hieß in dem Fall, dass ich allein das tun musste und ich wusste wirklich nicht, wann ich das erledigen sollte. Es war nicht so, als hätten wir das Thema nicht schon ausgiebig erörtert und um genau zu sein, die Konstruktion schon genau geplant hatten, aber dankbar für die Ablenkung wollte ich das Gesprächsthema aufgreifen, als ich eine Bewegung an der Treppe wahrnahm. Ich wandte den Blick zur Seite und vergaß vor Schreck weiterzukauen. Am Fuß der Treppe stand blass und fragil aussehend, das Mädchen, das Anabel vor einer halben Stunde noch schlafend im Gästebett vorgefunden hatte. Wir hatten sie nicht herunterkommen hören. Die langen Haare hingen ihr unordentlich über die Schultern und zusammen mit dem abgerissenen Kleid, sah sie aus wie eine Schiffbrüchige. Wie lange sie dort wohl schon stand? Man sah ihr an, dass sie nicht recht wusste, was sie mit der Situation anfangen sollte.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Mi Okt 02, 2013 4:11 pm

„Guten Morgen!“, rief meine Schwester aus und sprang auf, um auf die Fremde zuzulaufen. „Wir wussten nicht, dass du schon wach bist. Ich bin Anabel. Wie geht es dir?“ Einen Moment dachte ich, das Mädchen würde erschrocken davonlaufen, so sehr zuckte sie zusammen. Aber sie schien sich schnell wieder zu beruhigen.
„Danke, gut.“, antwortete sie leise.
„Komm, setz dich zu uns! Du hast sicher Hunger!“ Anabel zog das Mädchen an den Tisch, überließ ihr ihren Platz und holte ihr rasch einen Teller.
„Ich bin Tyler.“, sagte ich freundlich, nachdem das Mädchen mich ein paar Sekunden mit großen Augen angesehen hatte. Vermutlich war das alles ein bisschen viel. „Wir haben dich vor zwei Tagen am Strand gefunden.“, setzte ich dazu, als sie nichts dazu sagte. Sie nickte langsam, sah aber gleichzeitig restlos verwirrt aus und schwieg weiterhin.
Inzwischen hatte sich Anabel auf dem Stuhl neben dem Mädchen niedergelassen. „Greif zu. Du hast seit Tagen nichts gegessen.“
Das Mädchen nickte. Dann fragte sie: „Wo bin ich?“
„New Springfield.“, antwortete ich. Die Information schien der Fremden nichts zu nützen. Sie sah genauso verwirrt aus, wie zuvor. Einige Minuten waren nur die Geräusche der Pferde von draußen zu hören und die Essensgeräusche von uns.
„Weißt du, wie es kam, dass du an dem Strand lagst, als wir dich fanden?“, wollte Anabel schließlich wissen.
Das Mädchen legte ihr Brot, in das sie gerade hineinbeißen wollte, ab und dachte eine Weile angestrengt nach. „Nein.“, gab sie schließlich zur Antwort. „Ich erinnere mich nicht.“
Anabel öffnete ihren Mund, um etwas zu sagen, aber ich fing ihren Blick auf und schüttelte den Kopf. Sie schloss den Mund wieder, dachte eine Weile nach und fragte dann: „Und deinen Namen? Weißt du den?“
Das Mädchen kaute nachdenklich auf ihrem Bissen herum, schluckte und sagte dann: „Nennt mich Yvaine. Das ist mein Name... glaube ich.



Ich tauschte einen Blick mit Anabel. Was immer passiert war, das Mädchen hatte offensichtlich einen Teil ihrer Erinnerung verloren. Draußen hupte die Fahrgemeinschaft. Ich lächelte das Mädchen, das wir Yvaine nennen sollten, freundlich an. „Nun gut. Yvaine. Ich muss jetzt zur Arbeit, aber Olivia, unsere Ärztin, kommt sicher jeden Augenblick vorbei. Sie wird dich noch einmal untersuchen. Bis wir herausfinden, was passiert ist, darfst du gerne bleiben.“
„Und wenn alles in Ordnung ist, können wir heute Mittag ins Stadtzentrum reiten und ein paar Kleider für dich kaufen. Du möchtest sicher etwas anderes zum Anziehen haben, als das, was du trägst. Du kannst doch reiten, oder?“, meinte Anabel enthusiastisch.
Ich konnte ein Lachen nur schwer unterdrücken. Kaum war das Mädchen auf den Beinen, schon wollte meine Schwester ihr Reitunterricht geben. Ich stand auf, um mich auf den Weg zur Arbeit zu machen, hörte aber noch, wie Yvaine noch antwortete, sie glaube schon einmal auf einem Pferd gesessen zu haben.
„Bis später, ihr zwei. Gebt nicht zuviel Geld aus!“ Ich winkte ihnen grinsend zu. An der Straße begegnete ich Olivia, teilte ihr mit, dass die Ohnmächtige nicht mehr ohnmächtig war und stieg in die wartende Fahrgemeinschaft ein.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Okt 04, 2013 3:58 pm

Yvaine also. Ich war nicht sicher, wie ich „Nennt mich Yvaine“ verstehen sollte. Hieß es, dass sie sich tatsächlich nicht an ihren eigenen Namen erinnerte, aber glaubte Yvaine zu heißen? Oder hieß es, dass sie sich zwar erinnerte, ihre Identität aber verstecken wollte, aus welchem Grund auch immer?
Vorerst mussten wir uns wohl damit zufrieden geben. So sehr wir sie in der folgenden Zeit ausfragten – sie schien sich an fast nichts zu erinnern und wenn sie es doch tat, dann nur bruchstückhaft. Wie dem auch sei: Yvaine sah definitiv so aus, als benötige sie Hilfe und Schutz und solange sie sich nicht erinnerte, hielten Anabel und ich es für unsere Pflicht, sie bei uns aufzunehmen und ihr wieder auf die Füße zu helfen.



Als ich an diesem Abend nach Hause kam, dämmerte es bereits. Ich hatte Valencia einen kurzen Besuch abgestattet, um das geplatzte Date wieder gut zu machen. Anabel war wie zu erwarten bei den Pferden zu finden, hatte dort aber nichts weiter zu tun. Wie sich herausstellte hatte Yvaine den ganzen Tag kräftig angepackt, die Ställe ausgemistet, die Pferde getränkt und das Haus geputzt ohne auch nur ein Zeichen von Erschöpfung zu zeigen. Gesundheitlich schien es ihr bestens zu gehen, von ihrem Erinnerungsvermögen konnte man leider nicht dasselbe behaupten. Anabel hatte den ganzen Tag versucht, Dinge über sie zu erfahren. Während es recht einfach war, herauszufinden, was Yvaine mochte und was nicht, erinnerte sie sich kein bisschen an ihre Vergangenheit und konnte auch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, wie alt sie war und ob sie irgendeinen Beruf erlernt hatte.



Dass sie zumindest eine Sache gut konnte, außer natürlich ihre Mitsims permanent vor ein Rätsel zu stellen, davon konnten wir uns noch am selben Abend herausstellen. Während Anabel den Abend nachdenklich bei den Pferdeboxen verbracht hatte, war Yvaine nicht müßig geblieben. Und so kam sie just in dem Moment, in dem wir das Haus betraten, mit einer dampfenden Schüssel Käsemakkaroni aus der Küche. Mir fiel fast die Kinnlade herunter. In ihrem neuen Kleid und mit gebändigten Haaren, sah sie völlig verändert aus. Richtig hübsch, befand ich.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Fr Okt 04, 2013 4:01 pm

„Du solltest Yvaine nicht so ansehen, wenn Valencia dabei ist. Sonst wird sie eifersüchtig.“, bemerkte Anabel grinsend, als wir später zu zweit auf der Couch saßen, unfähig uns zu bewegen, weil wir zuviel von den Makkaroni gegessen hatten. Sie hatten mindestens genauso gut geschmeckt wie gerochen und wir hatten alles aufgegessen. Yvaine war bereits schlafen gegangen, weil sie inzwischen doch von dem Tag erschöpft war und so waren wir beiden allein.
„Das liegt nur an dem Kleid.“, grinste ich zurück. „Wer hat sie denn da beraten?“
„Findest du es nicht hübsch?“, kicherte Anabel.
„Äh... doch... Nur etwas aus der Mode gekommen, würde ich sagen. Wann hat man so etwas zuletzt getragen? Vor dreihundert Jahren?“
„Da waren die Kleider noch länger, fürchte ich.“, gab meine Schwester trocken. „Sie hat sich das selbst ausgesucht. Und es steht ihr, das musst du zugeben.“
„Naja, aber bei dem Wetter... wäre da etwas, nun ja... Kürzeres angebrachter?“
„Oh, wir haben noch ein paar kürzere Sachen gekauft. Ich fürchte nur, sie wird sie nicht anziehen, wenn sie weiß, dass du da bist. Wieso? Wolltest du einen Blick auf ihre Oberschenkel werfen?“, neckte sie mich.
Ich verdrehte die Augen und ließ den letzten Satz unbeantwortet. „Was meinst du damit, sie wird es nicht anziehen, wenn ich da bin? Hat sie etwas gegen mich?“
„Ganz und gar nicht. Ich denke, sie kann dich ganz gut leiden. Du bist schließlich ihr Retter!“ Anabels Grinsen wurde wenn möglich noch breiter. „Aber sie ist... naja, wie soll ich sagen... Eher konservativ was die Kleidung angeht. Sie will vor Simos nicht soviel Haut zeigen.“
„Warum das denn?“
„Das wirst du sie schon selbst fragen müssen. Ich kann mir das Gespräch schon gut vorstellen.“ Sie brach in Gelächter aus. „Vermutlich wird sie davonrennen, wenn du das tust!“ Sie lachte noch lauter.
Ich starrte sie irritiert an. Was war nur mit ihr los? „Wieso bist du so gut gelaunt? Hast du irgendetwas genommen?“
Anabel bemühte sich ernst zu werden. „Ich weiß nicht. Ich bin einfach so froh, dass sie gesund ist. Das ist alles.“ Es gelang ihr endlich ihre Gesichtszüge zu kontrollieren. „Ich mache mir Sorgen um sie.“
„Und deshalb lachst du? Du bist echt eigenartig!“
„Nein. Natürlich nicht. Ich konnte nur nicht anders.“



„Warum machst du dir Sorgen?“
„Naja, da ist die Sache, dass sie sich an absolut nichts in ihrer Vergangenheit erinnern kann oder will.“, gab sie gedehnt zurück.
„Aber das ist nicht deine größte Sorge.“, stellte ich fest.
„Ich frage mich, ob …. naja, ob sie früher missbraucht wurde.“, sagte Anabel zögernd.
„Wie kommst du darauf?“
„Hm. Also da ist die Sache, dass sie offensichtlich Simos auf Abstand halten möchte und extra lange Kleider wählt, um niemanden auf dumme Ideen zu bringen.“
„Du glaubst, sie wurde missbraucht, weil sie lange Kleider trägt? Vielleicht hat sie einfach einen Komplex mit ihren Beinen und will sie nicht zeigen!“
„Ja, aber da ist dann die Sache mit ihrem Gedächtnisverlust. Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand an absolut nichts erinnern kann. Selbst Olivia meint, es wäre sehr seltsam. Und dann denk an heute morgen, Sie hat ganz schön lange gebraucht, um festzustellen, dass sie nicht weiß, wie sie an den Strand kam. Ich glaube eher, dass sie sich nicht erinnern will, und darum behauptet, sie wisse nichts.“
„Das kommt mir alles ziemlich weit hergeholt her.“, gab ich zu Bedenken.
„Mag sein. Aber es kann genauso gut sein, dass ich Recht habe. Darum sag um Himmels Willen nichts Dummes zu ihr, okay?“ Damit erhob sie sich vom Sofa. „Ich hoffe, Yvaine kocht uns nicht jeden Abend so gutes Essen, sonst werden wir uns bald durch das Haus rollen müssen. Ehrlich, sie macht unserer Mutter ganz schön Konkurrenz!“, stöhnte sie.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Do Okt 10, 2013 11:43 am

Schneller als zu erwarten war schien Yvaine sich in ihr neues Leben einzugewöhnen. Dankbar, dass wir sie aufnahmen, half sie uns wo sie nur konnte. Sie kochte fast jeden Tag ein leckeres Abendessen (wir lernten schnell uns nicht ständig zu überfressen), sie mistete die Ställe aus, ritt mit Anabel aus und oft bemerkte ich nach der Arbeit, dass sie in meinem Garten das Unkraut gejätet hatte. Und so stellte ich bald überrascht fest, dass ich nach der Arbeit noch Zeit hatte, an meiner Werkbank neue Geräte zu erfinden.



Der Schockzustand indes, den wir insgeheim alle bei Yvaine erwarteten, trat nicht ein. Es mochte natürlich daran liegen, dass sie sich an nichts erinnerte, was sie schockieren könnte; Olivia jedoch erinnerte uns bei jedem ihrer mittlerweile sehr häufigen Besuche, dass ein Schockzustand bei jedem Sim unterschiedlich ablief. Wir kannten Yvaine nicht, und es war gut möglich, dass ihr Schweigen oder auch die bloße Tatsache, dass sie sich an nichts erinnerte, Ausdruck ihres Schocks war. Denn besonders gesprächig war sie nicht. Egal, was sie tat, sie tat es schweigend. Sie redete meistens nur, wenn man sie direkt ansprach und gab dann für gewöhnlich möglichst kurze Antworten. Wir waren uns selbstverständlich nicht sicher, ob sie mit der Situation überfordert oder von Natur aus schüchtern und zurückhaltend war. Ich persönlich vermutete Letzteres. Nur zu oft wirkte sie wie ein verschrecktes Reh, wenn man sie plötzlich ansprach, den Raum betrat oder ihr für ihr Verständnis zu nahe kam.



Bei all der Arbeit, die unser merkwürdiger Gast tagtäglich erledigte, fand sie immer noch Zeit, ausgedehnte Spaziergänge zu machen. Anabel fragte sie mehrmals, ob sie sie begleiten solle, aber Yvaine lehnte jedes mal ab, weil sie gerne allein sei und so besser nachdenken könne. Was genau sie auf diesen Spaziergängen tat, oder wohin sie ging, wussten wir nicht – manchmal war sie nur eine halbe Stunde weg, manchmal den halben Tag – aber wir bemerkten bald, dass es ihr gut zu tun schien und meistens kam sie sichtlich entspannt zurück und war sehr viel gesprächiger als davor. Natürlich versuchten wir zu erfahren, wohin sie ging, aber da Yvaine sich hier noch nicht gut auskannte, mussten wir uns meistens mit Angaben wie „an einem Teich“ oder „am Strand“ zufrieden geben und schlossen darauf, dass sie einfach gerne in der Natur herumstreifte, um nachzudenken – worüber auch immer.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Do Okt 10, 2013 11:46 am

Als schließlich Wochenende wurde, wurde mir bewusst, dass Yvaine, obwohl es mir wie eine Ewigkeit vorkam, weil soviel passiert war, erst eine Woche bei uns war. Ich dachte während ich trotz des Nieselregens, der am Morgen eingesetzt hatte, das Unkraut jätete, über diese Tatsache nach. An diesem Morgen hatte ich mit einem Lachen darauf bestanden, dass ich wenigstens am Wochenende mich selbst um meine Pflanzen kümmern durfte und zu meiner Freude hatte Yvaine fröhlich in mein Lachen eingestimmt und ungewohnt offenherzig gemeint, sie würde dann einen besonders langen Spaziergang machen – trotz des schlechten Wetters.. Erstaunt über diese plötzliche Mitteilsamkeit und doch froh, dass sie allmählich Vertrauen zu fassen schien, hatte ich mich in den Garten begeben.



„Erde an Tyler. Erde an Tyler. Bitte melden.“, lachte jemand neben mir. Ich sah auf und sah meinen besten Freund Shane am Zaun stehen. „Meine Güte warst du in Gedanken versunken. Worüber hast du gebrütet? Doch nicht etwa wieder eine Erfindung?“ Er war wie immer bester Laune. Nicht zugeben wollend, dass ich über unseren Gast nachgedacht hatte, griff ich seine Entschuldigung mit der Erfindung auf und erntete von ihm nur ein Kopfschütteln.
„Hey, wer war diese Göttin, die gerade euer Haus verlassen hat?“, wollte er plötzlich wissen.
„Wer hat unser Haus verlassen?“, fragte ich verblüfft zurück.
„Das habe ich dich gefragt. Du wirst doch wissen, wer in eurem Haus ein und ausgeht!“ Ich war immer noch völlig ahnungslos. „Weißes, langes Kleid, schwebender Gang,...“
„Ach, du meinst Yvaine!“ Ich grinste ein bisschen. Göttin! Also wirklich! Wer sollte denn da drauf kommen?
„Wer ist sie?“
„Keine Göttin.“, grinste ich amüsiert. „Sie wohnt im Moment bei uns.“
„Deine Cousine?“
„Mein Vater hat keine Geschwister und die meiner Mutter leben hier.“, bemerkte ich. „Nein. Sie ist vor einer Woche hier gestrandet und weil wir nicht wissen, wer sie ist und sie sich an nichts erinnert, bleibt sie erstmal hier.“
„Sie erinnert sich an nichts?“ Shane machte große Augen.
„Gedächtnisverlust.“, antwortete ich knapp. Ehrlich, Yvaines Gesprächsverhalten begann abzufärben.
„Und was sagt Olivia dazu?“
„Dass sie hier bleiben soll.“

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am Do Okt 10, 2013 11:49 am

„Man hast du ein Glück.“, seufzte er. Ich hob fragend eine Augenbraue. „So eine Schönheit unter deinem Dach zu haben.“, setzte er hinzu. „Diese wundervollen Haare und dann noch diese ungewöhnlichen, schönen Augen...“ Er geriet ins Schwärmen.
„Shane... Hast du nicht eine Verlobte? Und obendrein noch ein Kind?“, meinte ich etwas irritiert über seine Schwärmerei.
Der schwärmerische Ausdruck verließ sein Gesicht. „Oh... ja. Aber man wird doch andere Simas noch anschauen dürfen!“
„Wenn es nur dabei bliebe...“, bemerkte ich. Ich erinnerte mich nur zu gut an seinen Junggesellenabschied vor Kurzem. Betrunken wie er war, hatte er angefangen mit einer der Tänzerinnen, die irgendjemand bestellt hatte, herumzuknutschen. Es wäre vermutlich eins zum anderen gekommen, hätte nicht Barry, Anabels Freund, ihn kurzerhand ins Taxi nach Hause verfrachtet.



Niemand hatte Muriel ein Wort davon gesagt. Aber seitdem hatten einige, ich eingeschlossen, Zweifel, ob die Beziehung der Beiden die Ehe lange überleben würde. Im Moment lebten sie noch in einer WG mit Victor Pole, der beim Militär arbeitete, meiner Schwester Talina, die seine Freundin war und Barry, Anabels Freund. Als Muriel unerwartet kurz nach dem Schulabschluss schwanger geworden war, hatte Shane ihr kurzerhand einen Antrag gemacht. Aber seitdem ging es mit der Planung nicht besonders schnell vorwärts. Erst hatten sie die Geburt des Babys abgewartet, dann hielt ihr Sohn sie in Atem und nun hatte Shane endlich seinen Junggesellenabschied gefeiert und... Niemand verstand ihn so recht. Er war mit Muriel seit der Mittelschule zusammen und sie war nach einhelliger Meinung das schönste Mädchen der Stufe, dazu noch die Tochter von Abigail, der berühmten Musikerin und eine wirklich nette Sima.



Shane hatte immerhin den Anstand ein betretenes Gesicht zu machen. Aber das hielt nicht lange an. „Sag mal, wo ist sie hingegangen?“
„Keine Ahnung. Du willst ihr doch wohl nicht hinterherlaufen?“, fragte ich misstrauisch.
„Warum nicht? Ist doch nichts dabei.“, grinste er unschuldig.
„Halt dich fern von ihr.“, brummte ich gallig.
„Seit wann bist du so eifersüchtig? Wolltest du sie für dich allein?“
Ich verdrehte die Augen. „Ich weiß nicht, ob du dich erinnerst, aber ich habe eine Freundin. Und was Yvaine angeht: Wir wissen nicht, was mit ihr geschehen ist, aber sicherlich nichts Gutes, darum will ich nicht, dass du daher kommst und ihr das Herz brichst.“
„Okay.“ Shane hob die Hände. „Botschaft angekommen. Ich lasse die Finger von ihr. Du kannst dich wieder abregen. Ich wollte sie ohnehin nur kennenlernen. Nichts weiter.“
„Wer's glaubt.“, murmelte ich. Aber ich bemühte mich um ein Lächeln. „Nimms mir nicht übel. Die Woche war ziemlich aufregend und ich mache mir Sorgen um sie.“
„Das habe ich bemerkt.“, gab Shane trocken zurück. „Schon vergessen. Und Valencia sage ich auch nichts davon.“, zwinkerte er und ich war froh einen Freund wie ihn zu haben. Er nahm einem nie etwas krumm und hielt dicht. Man konnte sich in dieser Hinsicht auf ihn verlassen. „Wenn du etwas Entspannung von deiner aufregenden Woche brauchst, dann komm zu unserer Pool-Party nächstes Wochenende. Unser Pool ist endlich fertig.“
„Kaum zu glauben von einem wasserscheuen Kerl wie dir eine Einladung zu einer Pool-Party zu erhalten.“, grinste ich. „Natürlich komme ich.“
Er verzog das Gesicht. „Man muss ja nicht darin schwimmen. Anabel und Valencia sind natürlich auch eingeladen. Aber bei Anabel wird das wohl Barry erledigen. Ich muss leider schon wieder gehen. Wollte nur die Einladung überbringen.“ Er wandte sich zum Gehen. „Oh, und bring die kleine Meerjungfrau mit!“, rief er mir nach ein paar Schritten noch zu.
„Wen?“, rief ich verdattert zurück.
Er lachte. „Yvaine natürlich.“

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am So Okt 20, 2013 8:50 pm

Göttin. Meerjungfrau. Mit einem Lachen machte ich mich wieder an die Arbeit. Ich bezweifelte sehr, dass Yvaine zu einer Pool-Party gehen würde, wenn sie so ungern Haut zeigte, wie Anabel behauptete. Shane würde sein blaues Wunder mit ihr erleben!



„Hallo, Schatz.“, begrüßte ich Valencia und nahm sie in den Arm, um ihr einen Kuss auf die Lippen zu drücken. „Bin ich zu spät?“
„Auf die Minute genau.“, lächelte sie. „Ich bin so froh, dass es heute geklappt hat.“
„Tut mir Leid wegen letzter Woche.“, entschuldigte ich mich nochmal.
„Schon vergessen. Es war schließlich ein Notfall. Ich finde es großartig, dass ihr euch um sie gekümmert habt.“ Sie seufzte. „Aber ich hoffe trotzdem, es werden nicht noch mehr Sims angespült, die eure Rettungskräfte bedürfen.“ Sie grinste mich an.
„Ich auch nicht. Das kannst du mir glauben.“ Ich wischte mir die feuchten Haare aus der Stirn. Es regnete immer noch. „Lass uns reingehen. Wir müssen ja nicht ewig in diesem Regen stehen bleiben.“ Ich nahm ihren Arm und führte sie ins Innere des Restaurants. Ich war genauso froh wie sie, dass es diesmal geklappt hatte. Eine Woche ohne sie war viel zu lang gewesen.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am So Okt 20, 2013 8:55 pm

Wenig überraschend sprach sich Yvaines Anwesenheit in unserem Haus im Ort wie ein Lauffeuer herum und wir hatten, obwohl unser Haus etwas abgelegen vom Ortskern lag, plötzlich sehr viele Besucher. Alle waren sehr neugierig auf diese seltsame Unbekannte, die so wenig sprach und sich an nichts erinnerte. Ich fragte mich manchmal, ob Yvaine die viele Aufmerksamkeit überhaupt recht war. Scheu und ungesprächig wie sie war musste ihr die vielen neugierigen Besucher auf die Nerven gehen, aber als ich sie danach fragte, antwortete sie mit einem sanften Lächeln, sie freue sich über die Freundlichkeit und Fürsorge unserer Nachbarn. Den Einwand, dass nicht alle aus Fürsorge bei uns vorbeisahen, sondern einfach, um ihre Neugierde zu befriedigen, behielt ich für mich. Zumindest bei einigen vermutete ich eher ein wissenschaftliches Interesse an Yvaines Person. Sophia zum Beispiel, die sich der Jagd von Gespenstern verschrieben hatte und mittlerweile hinter jeder Ecke etwas Paranormales vermutete, war vermutlich weder aus purer Freundlichkeit noch aus ihrem Vorwand, bei uns seien Gespenster versteckt, zwei Tage, nachdem Shane von Yvaine erfahren hatte, vorbei gekommen. Sie unterhielt sich sehr lange hinter dem Haus mit Yvaine, ohne Zweifel, um zu erfahren, ob Yvaine ein Gespenst, Monster oder eine sonstige Spukerscheinung war.



Ich bezweifelte auch, dass Alice, Ami Mumbays Tochter, die nur ein wenig jünger war und gerade ihren Schulabschluss machte, nur vorbeikam, um uns zu berichten, dass es bei ihnen Zuhause einen Einbruch gegeben hatte. Es war schon reichlich dumm bei einer Polizistin einzubrechen, fand ich, und der Einbrecher bereute es sicher, denn er wurde von Ami ordentlich vermöbelt, bevor ihre Kollegen eintrafen, und den unglückseligen Dieb mitzunehmen.



Alice entwickelte wenig überraschend sehr viel Interesse an Yvaine. Sie wollte ebenso wie ihr verstorbener Vater George und ihre Halbschwester Olivia in die Wissenschaft gehen und forschte bereits fleißig, um ein paar Stipendien für die Universität zu erhalten. Nicht, dass sie es nötig hatte. Dank Georges Hinterlassenschaft war die Familie durchaus gut betucht. Aber Alice war Forscherin mit Leib und Seele. Sie hatte sogar schon Anabel und mich überredet, von uns Haarproben nehmen zu dürfen und ich war mir ziemlich sicher, dass sie einmal nach einem Besuch bei uns ein Haar von Yvaine in einem Reagenzglas mit sich trug. Es war natürlich überflüssig, das zu erforschen, denn Olivia hatte bereits dasselbe getan. Yvaine schien Alice jedoch recht gern zu haben, sofern sich das hinter ihrer Fassade immerwährender Freundlichkeit ablesen ließ.

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Re: Springfield

Beitrag  singingmiri am So Okt 20, 2013 9:00 pm

Sogar meine Schwester Talina kam vorbei. Allerdings, um uns mitzuteilen, dass sie von Victor schwanger sei und dieser ihr nun einen Heiratsantrag gemacht habe. Da unser Vater aus irgendeinem Grund, den er für sich behielt, gegen diese Beziehung war und sich das Verhältnis zwischen Talina und unserem Vater verkompliziert hatte, bat sie mich, ihm das schonend beizubringen. Natürlich fragte sie auch nach Yvaine, war aber nicht zu enttäuscht, dass sie auf einem ihrer Spaziergänge war.



Auf diese Weise erfuhr ich auch, weshalb Shane nicht tagtäglich bei uns vorstellig wurde. Er hatte irgendwie ausfindig gemacht, wohin es Yvaine oft verschlug, und traf sie dort immer wieder. Darum wussten die Bewohner der WG bereits bestens über unseren Gast Bescheid und alle gingen fest davon aus, dass sie zu ihrer Pool-Party kommen würde. Ich kam nicht umhin, mich ein wenig über Shane zu ärgern. Ich hatte ihn gebeten, sich von Yvaine fern zu halten, und doch setzte er sich einfach darüber hinweg.



„Hab dich nicht so.“, lachte Talina. „Man könnte fast meinen, du willst deiner Valencia untreu werden!“
Ich verdrehte die Augen. „Das ist es nicht. Ich denke vor allem an Muriel. Was sagt sie dazu, dass ihr Verlobter einem anderen Mädchen hinterherrennt?“
„Sie ist nicht begeistert. Vor allem, weil die Kindererziehung meistens an ihr hängen bleibt.“ Talina seufzte und streichelte ihren leicht gerundeten Bauch. „Hoffentlich wird das bei mir und Victor anders.“



„Du hättest sehen sollen, wie glücklich er war, als ich ihm gesagt habe, dass er Vater wird. Er kam gerade von der Arbeit und hatte diese schicke Uniform an, du weißt ja er ist bei der Luftwaffe. Und als ich es ihm gesagt habe, hat er mich förmlich an sich gerissen und so leidenschaflich geküsst... Er war plötzlich ganz anders als sonst.“ Sie hatte plötzlich einen so einen liebevollen, schwärmerischen Blick, wie ich ihn noch nie an ihr gesehen hatte. Es mussten die Hormone sein. Vermutlich war Victor gerade zu beneiden. Ich fragte mich, ob Valencia auch so sein würde, wenn wir einmal Kinder bekamen.

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Re: Springfield

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