Akkis Zuflucht

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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am So Jan 06, 2013 2:59 am

INTERLUDIUM


Es war meinem heftigsten Streit mit Corey (der in dem er mich als Flittchen bezeichnet hatte). Ich hatte anschließend Akki mein Leid geklagt, die aber plötzlich und ohne Vorwarnung aus dem Chat geflohen war, nachdem sie zuvor wieder davon gesprochen hatte, dass die Beobachter ihr auf den Fersen seien...
Ich sah den dunklen Bildschirm nachdenklich an. Vielleicht litt Akki wirklich nur unter Verfolgungswahn oder aber es war wirklich so, dass die HE sich mal wieder einmischen wollten. Wundern würde es mich nicht, aber ich hatte seit unserer Ankunft hier die Hoffnung, dass wir endlich mal in Ruhe gelassen würden.
Aber offenbar war die Schonzeit vorbei...
Ich verließ die Bibliothek an diesem Tag nicht. Als ich mich erhob, wurde es mir schwarz vor Augen und ich fiel in Ohnmacht.

Als ich wieder zu mir bekam, bemerkte ich als erstes den merkwürdigen Geruch. Es erinnerte mich an etwas, doch bevor ich die Erinnerung fixieren konnte, flog sie schon wieder vorbei. Ich hasste es, wenn mir etwas auf der Zunge lag, ich aber einfach nicht aussprechen konnte. Ich saß in einem ziemlich bequemen Sessel, der halb in die Waagerechte gekippt war. Neben dem Geruch vernahm ich noch ein sirrendes Geräusch, vielleicht so wie von einem Lüfter. Lüfter...Lüftungssystem! Sofort fiel mir ein woher ich den Geruch kannte. Ich fuhr halb aus dem Sessel und sah mich rasch um.



Links und rechts von mir waren zwei weitere Sessel. In einem lag Darrel. Er war noch bewusstlos und machte in seiner Bewusstlosigkeit ein verkrampftes Gesicht. Mir fiel zum ersten Mal auf, wie alt er geworden war. Der andere Sessel war von einer blonden, blassen Frau belegt, die ich nicht kannte. Aber ich hatten den dumpfen Verdacht, dass es Akki sein musste.



Zielsicher suchte ich das Bedienfeld meines Sessels. Ich richtete das Rückenteil auf und ließ den Finger über der Kommunikationstaste schweben. Doch ich musste niemanden von der Besatzung rufen: Ein Alien betrat in diesem Moment die Kabine.
"Du bist wach.", stellte er fest.
"Grandiose Erkenntnis.", grummelte ich. "Happy?"
"Nein. Ich bin ein Grumpy.", erwiderte der Alien säuerlich. Es gab bei einigen Expeditionsteam die Tradition sich nach den sieben Zwergen zu benennen. Bisher war ich immer an Happys geraten. Jetzt war Grumpy an der Reihe. Sein Gesicht war unfreudlich verzogen, passend zum Namen und er machte sich daran, Darrel zu wecken. Schnell sprang ich auf und hielt ihn am Handgelenk zurück. "Lass lieber mich das machen." Ich schob ihn bestimmt zurück, hielt aber dann inne bevor ich Darrel weckte. "Warum sind wir hier?"



Grumpy zog die Augenbrauen hoch. "Wecken wir erst die anderen. Ich hab keine Lust es mehrfach zu erzählen."
Ich schnaubte. So eine Frohnatur. Sanft legte ich meine Hand auf Darrels Schulter und beugte mich vor um seinen Namen zu flüstern. Doch Darrel blinzelte mich bereits aus einem Auge an. Er zwinkerte, um mir anzuzeigen, dass er schon länger wach war. Ich nickte kaum merklich und ließ auch seinen Sessel hochfahren. Hinter uns quiekte die vermeintliche Akki erschrocken auf. Darrel warf mir einen fragenden Blick zu, den ich mit einem Schulterzucken beantwortete.
"Was?", schrie die Frau auf. "Wer? Wo?"
"Sehr eloquent.", bemerkte Grumpy.
"Wie wäre es mit einer Erklärung, statt Beleidigungen?", fuhr ich ihn an. Ein Happy wäre mir lieber gewesen. Oder irgendein anderer Zwerg - äh, Alien.
"Sie haben mich gefunden...", stammelte jetzt die Frau, die für Akki hielt. Sie sah sich panisch um. Als sie mich und Darrel erblickte, wurde sie wenn möglich noch ein bisschen blasser. Ich hob die Hand zum Gruß und auch Darrel nickte ihr zu. Offenbar war er zum selben Schluss wie ich gekommen.
"Kira...Darrel....", stotterte sie und sah zwischen uns hin und her. Dann fiel ihr Blick auf Grumpy. "Bist du von ihnen geschickt worden?" Sie wich vor ihm zurück und kam in unsere Nähe. Hinter ihrem Rücken gab ich Darrel mit einer sehr universellen Geste zu verstehen, dass ich Akki inzwischen für vollkommen durchgeknallt hielt.
"Du hast recht Akki: Die Beobachter sind dir auf die Schliche gekommen.", erklärte Grumpy nun. "Sie finden es eben gar nicht lustig, wenn jemand in ihrem Revier wildert."
"Ich wildere nicht in ihrem Revier! Ich rette Leben!"
Japp - vollkommen durchgedreht.
Grumpy sah sie nur scheel an, bevor er fortfuhr: "Wir haben uns entschieden euch da raus zu holen und Sanctuary dimensional zu verschieben, damit die übrigen Bewohner dort in Ruhe leben können."
Rauszuholen, das verstand ich noch. Einmal fliegende Untertasse landen, beladen und ab dafür. Dimensional verschoben? Was auch immer.
"Ich hab keinen Bock schon wieder zehn Jahre in nem UFO durch die Gegend zu gurken.", maulte ich undiplomatisch.
"Wie heißt es bei euch? Einen geschenkten Gaul...?", entgegnete Grumpy ungerührt. "Wie dem auch sei: die restlichen Leute in Sanctuary sollten jetzt sicher sein, zumal ihr drei nicht mehr dort seid." Er sah uns der Reihe nach an. "Deine Idee, Sanctuary so zu verstecken wie du es getan hast, war gar nicht so dumm, Akki. Aber du hast natürlich nicht weit genug gedacht. Solange ihr der Erde gewesen seid, konnten euch die Beobachter immer aufspüren. Manchmal dauerte es länger, manchmal nicht. Dieses Mal hatte sie euch schon fast am Schlafittchen gepackt. Wir haben rechtzeitig genug eingegriffen."
Eine Mauer dreifachen Schweigens war unsere Entgegnung. Grumpy zuckte mit den Augenbrauen. "Wir haben deinen - bei allem Engagement - doch etwas stümperhaftem Versuch Sanctuary zu verstecken aufgebügelt und euch da rausgeholt. Wir bringen euch in Sicherheit." Er sah mich aus schwarzen Augen durchdringend an. "Ihr braucht nicht zu befürchten, dass ihr 'in einem UFO durch die Gegend gurken müsst'."
Ich widerstand dem Versuch ihm die Zunge raus zu stecken.
"Und wo bringt ihr uns dann hin?", mischte sich Darrel nun zum ersten Mal ein. Es sah so aus, als stände er ganz entspannt neben mir, aber auch wenn er inzwischen ein älterer Mann war, kannte ich ihn lang genug um zu erkennen, dass jeder Muskel seines Körpers angespannt war.
"Nach Lunar Lakes."
Wieder sahen wir in schweigend an. Er seufzte. "Das ist eine Kolonie auf einem Mond. Weit genug weg von jedem Beobachter. Sie haben dort keinen Einfluss."
Akki wurde wieder blass, dabei sollte sie sich doch eigentlich freuen, dass wir außerhalb des Einflussbereichs dieser Art von HEs waren.
"Wir haben dort über die Zeit verschiedene Völker angesiedelt, deren Heimatwelten zerstört worden sind. Von meinem Volk wohnt niemand dort im Moment. "
Yay, mal wieder eine neue Stadt, neue Menschen (oder Aliens) und dieses Mal auch ein ganz neuer Planet - langsam verstand ich wie sich Kinder von Militärangehörigen, die oft umzogen, fühlen mussten.
Grumpys Handgelenkkommunikator meldete sich mit einem unaufdringlichen Zirpen. Er tippte ihn sanft an und aus dem kleinen Gehäuse blubberte die Stimme eines anderen Aliens. Er sprach die Aliensprache, die ich allerdings nie gelernt hatte. Grumpy antwortete in der Mischung aus Pfeif- und Klicklauten. Ein erneutes Tippen bevor er uns wieder ansah. "Wir landen. Setzt euch hin und schnallt euch an." Ohne ein Abschiedswort verließ er den Raum.
"Sympathisches Kerlchen.", murmelte Darrel. Er setzte sich in den Sessel und sah sich interessiert dessen Konstruktion an.
"Der gelbe Knopf mit dem Symbol, dass nach einer Toilette aussieht.", erklärte ich ihm. "Damit schnallst du dich an." Darrel fand den Knopf und betätigte ihn nach kurzem Zögern. Er bedankte sich mit einem Nicken. Der arme Kerl musste kurz vor der Explosion stehen.
Ich wand mich an Akki, die sich nicht vom Platz gerührt hatte. "Komm." Ich fasste sie am Arm und führte sie zu ihrem Sessel. Sie ließ sich widerstandslos führen und hinsetzten. Ich schnallte sie an und wollte mich schon umwenden, als sich mich plötzlich am Arm fasste. "Ich wollte euch retten."
"Das wissen wir."
"Jetzt kann ich nichts mehr tun."
Ich machte mich sanft von ihr los und lächelte sie an. "Wir werden sehen. Jetzt wird es erstmal ein bisschen schaukelig." Ich beeilte mich auf meinen Platz zu kommen und mich anzuschnallen. Dann wendete ich meinen Kopf Darrel zu, um ihn beruhigend anzulächeln.
"In einem UFO rumgurken, ja?"
Ich zuckte mit den Schultern. "Es war spannend, aber glaub mir, nach spätestens drei Wochen bekommt man einen ziemlichen Koller."
"Na, dann ist ja gut, dass wir gleich landen."
"Sag das nicht - Spucktüten haben sie hier nämlich nicht."
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am So Jul 12, 2015 7:21 pm

Was wäre wenn...

...Kira sich nicht für Fawn geopfert hätte?
…Kira, Darrel und Akki nicht von den Außerirdischen nach Lunar Lakes gebracht worden wären?



So ganz glücklich war ich mit Kiras Opfer nie. Da ich nun seit langer Zeit mal wieder Lust habe auf Sims und auf's Schreiben (nur eigentlich mal so gar keine Zeit xD), habe ich „Akkis Zuflucht“ reaktiviert. Dabei habe ich allerdings festgestellt, dass ich nirgendwo den aktuellen Speicherstand von der Zuflucht habe. Das ist aber nicht so dramatisch, denn ich wollte ja eh Kiras Opfer ändern Very Happy.

Was bisher geschehen ist:

Akki, eine außer Kontrolle geratene Beobachterin, die sich zum Ziel gesetzt hat Sims zu retten, hat in einer verdächtig an Sunset Valley erinnernden Nachbarschaft ihre Zuflucht (Sanctuary) geschaffen. Dort hat sie zunächst Kira und Darrel, die Koffis (Gobias, Lily und Peanut) und Lynn O'Hara untergebracht. Die Sims sind von der Außenwelt abgeschnitten, haben durch Akki aber fließendes Wasser und Strom. Sie bauen sich langsam eine Gemeinschaft auf, die Akki um das Geschwisterpaar Deirdre und Nick erweitert. Die Start-Sims vermehren sich auch fleißig: Gobias und Lynn haben (vor ihrer Trennung) Gwyn und Lysander bekommen, Lily und Peanut Maeve und Finn und Gobias und Deirde Ralph und Clara. Schließlich ist noch Fawn dazugestoßen. Kira drängt Darrel in eine Beziehung mit ihr, damit er glücklich ist. Allerdings ist Fawns Schwangerschaft nicht einfach....

Ich setzte erneut bei Fawns Niederkunft ein. Diesmal wird das ganze anders verlaufen...
Durch den Verlust meiner Speicherstände, kann es im übrigen sein, dass nicht alle schon aus den Ereignissen nach Kiras Tod bekannte Sims/Haustiere gleich aussehen. Kinder könnten eventuell ein anderes Geschlecht/Aussehen/Namen haben (oder gar nicht geboren werden). Aber wenn alles gleich wäre, wäre es ja kein Was-wäre-wenn-Spielchen Wink.
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KAPITEL 5.1

Beitrag  Akki am So Jul 12, 2015 7:29 pm

Als bei Fawn die Wehen einsetzten, waren sie und ich allein. Nachdem ich Fawn zunächst ins Schlafzimmer gebracht hatte, rief ich mit dem Funkgerät nach Hilfe.  Ich wusste nicht, wer es zur Zeit hatte, aber der Funkspruch ging auf jeden Fall bei Nick in der Feuerwache ein, der versprach sofort Hilfe zu holen.

Das Kind lag nicht richtig. Diese Befürchtung hatte ich schon eine ganze Weile gehegt. In Fawns schwachem Zustand war das ganz und gar ein schlechtes Zeichen. Als Gwyn endlich eintraf, was Fawn vor Schmerzen und Erschöpfung kaum mehr ansprechbar. Ich konnte ihr nichts gegen die Schmerzen geben, außer ein paar Tees, die sie aber nicht trinken wollte. Gwyn eilte an ihre Seite und hielt sie fest, während ich zwischen Fawns Beinen kniete und mich innerlich darauf vorbereitete, entweder eine tote Mutter oder ein totes Kind - oder im schlechtesten Fall beides - Darrel beichten zu müssen. Ich hoffte sehr, dass er bald käme. Nick hatte sich, nachdem er Gwyn geholt hatte, zu dem See aufgemacht, an dem Darrel und Gobias an diesem Tag fischten.
 
Ich schaffte es, das Kind zu holen. Es war ein kleiner Junge, ganz verschrumpelte und leicht bläulich im Gesicht. Das war gerade noch einmal gut gegangen - für ihn. Als ich den Kleinen in ein Umschlagtuch wickelte, bemerkte ich, dass Fawn aufgehört hatte zu atmen. Außerdem stieg leichter Nebel in einer Zimmerecke auf, was nur eines bedeuten konnte: Jonas kam. Schnell drückte ich Gwyn das Neugeborene in den Arm. "Raus. Sofort."
"Was?" Sie sah mich irritiert an, doch ich riss schon die Tür auf und schob sie hinaus. Darrel kam gerade ins Haus gerannt, gefolgt von Gobias. Ich fasste beide Männer ins Auge. "Keiner kommt jetzt rein."
Darrel kam auf mich zu, doch ich schnitt mit einer Handbewegung seinen Prostest ab. "Nein. Vertrau mir. Ich verspreche, ich rette Fawn."
Darrel sah mich scharf an, dann wanderte sein Blick in die Zimmerecke, aus der der Nebel aufstieg. Es war inzwischen dichter Nebel und ich konnte schon die Umrisse von Jonas Gestalt erkennen.

„Ich weiß nicht, was Du vorhast – aber ich glaube nicht, dass Du Fawn noch retten kannst.“, flüsterte Darrel tonlos. „Der Sensemann ist schon da.“
„Vertrau' mir einfach.“ Ich wollte die Tür schließen und versucht ihn zurück zu drängen, doch Darrel bewegte sich nicht um einen Milimeter. Die anderen sahen uns verwundert an, während Darrel und ich ein Anstarrduell austrugen. Hinter mir hörte ich das Rascheln von Roben. Jonas war da.

„Du kannst Fawn nicht retten, Kira.“, sagte Darrel. Den Blick hatte er fest auf das Zimmerinnere gerichtet.
„Ich kenne einen Weg. Ich werden mit Jonas handeln.“ Wir sprachen leise und ich konnte sehen, wie die anderen sich die Köpfe verrenkten, um uns zu verstehen. Gwyn gab den Säugling an ihren Vater und kam auf uns zu. Ich versuchte noch einmal Darrel aus dem Zimmer zu schieben. Er hielt dagegen an, starrte zwischen Jonas und mir hin und her.
„Was ist l-....“, begann Gwyn, doch dann hielt sie mitten in der Bewegung inne. Ihr Mund stand offen, doch sie war wie erstarrt. Hinter ihr konnte ich sehen, dass es Gobias und dem Säugling genauso. Nur Darrel und ich konnten uns bewegen – und natürlich der Sensemann.

„Was zum...Jonas, was hast Du gemacht?“ Ich drehte mich empört zu ihm um. Fawn lag ebenfalls wie eine Statue im Bett. Darrel drängte sich neben mich. Er sah Jonas böse an. Sein Blick fiel auf Fawn und er seufzte leise. Schnell nahm ich seine Hand – noch konnte ich etwas tun!
Der Sensemann seufzte. „Hallo.“
Ich schnaubte. „Nix hallo. Was hast du gemacht?“
„Ich habe kurz die Zeit angehalten, damit du dich beruhigen kannst. Und nein! Ich sage dir direkt, dass ich nicht mit mir handeln lasse!“
Trotzig schob ich das Kinn vor und machte ein paar Schritte auf Jonas zu. Darrel, dessen Hand ich noch hielt, zog mich unsanft zurück, so als wollte er verhindern, dass ich dem Sensemann zu nahe kam. „Ich weiß nicht, was du vorhast, Kira, aber es gefällt mir nicht.“
Jonas sah ihn interessiert (soweit ich das unter seiner Kapuze beurteilen konnte) an. „Du.“

Darrel ignorierte ihn. Jonas seufzte abermals. „Ok, ok, ich kann mir schon denken weswegen du handeln willst. Die Antwort lautet trotzdem nein.“
„Du hast aber schon einmal mit mir gehandelt!“
„Und damit hast du deinen Bruder umgebracht und ich richtig Ärger bekommen. Nein, glaub mir, das ist es nicht wert.“
„Und wenn du mich nimmst? Statt Fawn?“ Ich tat so als hätte ich Jonas' Einwand nicht gehört.
Darrel keuchte neben mir auf. Er riss mich herum und nun war ich es auf einmal, die zur Tür hinaus gedrängt wurde. „Kira, nein.“

Ich sah ihn dickköpfig an. „Das ist nicht deine Entscheidung!“
„Und deine auch nicht.“, erwiderten Jonas und Darrel unisono. Verwundert warf letzterer einen Blick über seine Schulter. Der Sensemann zuckte nur mit den Achseln.
„Ich handel' nicht. Weder mit dir, Kira, noch mit dir...“ Jonas sah uns nacheinander an. Darrel verzog keine Miene, aber ich wusste, dass er sich genauso geopfert hätte, um Fawn zu retten. Seine Kiefer mahlten – doch dann erstarrte er genauso zur Salzsäure wie alle anderen.

Jonas seufzte – dieses Mal so abgrundtief, dass ich grinsen musste. Doch schnell setzte ich meinen bösesten Blick auf und starrte ihn an. „Was soll dass denn jetzt? Paralysierst Du uns jetzt alle nach und nach?“
„Schätzchen, er würde das nicht tun, um Fawn zu retten, sondern um dich zu retten.“ Eine knöcherne Hand verschwand unter der Kaupze. Vermutlich massierte er seine Nasenwurzel. „Ganz ehrlich, du bist so darauf versessen, ihn zu retten, dass du den Wald vor lauter Bäumen nicht siehst.“  Er sah auf seine Sanduhr. „Und ich habe wirklich keine Zeit mehr für eure Spielchen. Ich lasse jetzt deine Freunde los, nehme das Mädchen und dann können wir alle mit unserem normalen Tagesablauf weitermachen.“

Ich starrte ihn. Dann erinnerte ich mich daran, dass Jonas schon so lange Sensemann war, dass für ihn ein Tod wirklich normal war. „Aber...“, setzte ich noch einmal an.
Doch Jonas schüttelte den Kopf. „Nein. Das ist mein letztes Wort.“
Darrels Kiefergemahle ging weiter, seine Hand drückte meine Hand fast schmerzhaft.
„...--os?“, beendete Gwyn ihren Satz. Das Baby begann zu wimmern, Gobias sah besorgt auf das Bündel in seinen Armen hinab und Fawn tat ihren letzten Atemzug.


Zuletzt von Akki am Mo Jul 13, 2015 6:49 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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KAPITEL 5.2

Beitrag  Akki am So Jul 12, 2015 9:19 pm

Der Sensemann war verschwunden. Mir stiegen Tränen auf. Ich hatte auf ganzer Linie versagt. Nicht nur, dass ich Fawn als Hebamme nicht nicht hatte retten können, ich konnte nicht einmal mein Unvermögen durch einen Handel mit Jonas wieder gut machen. Das fahle, leblose Gesicht mit den ehemals strahlenden, vertrauensseligen Augen war ein einziger Vorwurf. Gwyn ging an mir vorbei und fühlte den Puls unserer Patientin. Sie senkte betroffen den Blick und schloss Fawns Augen.
Darrel und ich standen wie verlorene Kinder Hand in Hand nebeneinander und sahen auf die Tote. Ich hatte versagt. Ich versuchte Darrel anzusehen, doch der Schleier aus Tränen und das Gefühl versagt zu haben, verboten jeden Blickkontakt. Gwyn sah mich besorgt an, aber das Baby wimmerte und so ging sie zu ihrem Vater um ihm das Bündel abzunehmen. Mit beruhigenden Geräuschen verließ sie das Totenzimmer.
„Ich weiß, dass du alles getan hast.“, sagte Darrel. Zwar klang kein Vorwurf in seiner Stimme mit, aber ich hörte seine Traurigkeit.
Ich hatte versagt. Fawn hatte mir vertraut, sie war sicher ich würde ihr helfen. Ich hatte Darrel versprochen sie und das Kind zu retten. Und ich hatte versagt.
Blind vor Tränen riss ich mich von Darrels Hand los und stürzte an einem händeringenden Gobias vorbei. Ich hörte beide meinen Namen rufen, doch ich stolperte ohne mich umzudrehen aus unserem Haus und rannte weg. Ich hatte versagt.  

Unbewusst schlug ich den Weg zu den Klippen ein. Dorthin hatte ich mich in den letzten Wochen häufiger zurückgezogen. Wenn ich vor Darrel und Fawn – oder eher ihrer Liebe – geflohen war. Ich hatte Darrel ermuntert, dass er sich auf Fawn einlassen würde. Wegen mir waren sie ein Paar geworden. Ich hatte Fawn damit umgebracht.
Schluchzend und schniefend warf ich mich auf den Boden der Klippe. An einem anderen Ort, einem Sunset Valley, das nicht Sanctuary hieß, in dem Menschen ohne es zu wissen von Beobachtern kontrolliert wurden und keine wahnsinnige Akki mit mir über den Katalogsrechner der Bibliothek kommunizierte, an einem Ort, an dem ich nicht Kira sondern Lethe gewesen war, an einem Ort, der mit jetzt so unschuldig vorkam – hatte an dieser Stelle mein Haus gestanden, in dem ich mich geliebt gefühlt hatte, in dem ich sechs Kinder aufgezogen hatte und dem ich entschieden hatte die Welt zu retten...
Hilflos, zornig und wütend schlug ich mit den Fäusten auf das weiche Gras. Warum hatte ich Fawn nicht retten können? Warum hatte Jonas nicht mit mir gehandelt? Ich hätte mit Freuden mein Leben gegeben, denn vermutlich würde ich eh wiedergeboren werden. Damit hatte ich Fawn gerettet und Darrel und sie wären glücklich geworden. Damit wäre Darrel glücklich. Er wäre sicher...

„Kira?“
Ich erstarrte. Ausgerechnet Lynn war mir gefolgt – wo auch immer sie auf einmal wusste, was passiert war. Die schlanke Rothaarige ließ sich neben mir nieder und legte den Arm um mich.
„Pscht.“, machte sie und zog mich an sich. „Psssscht.“
Sie strich mir über den Rücken und ließ mich weinen . Mein Körper wurde von Schluchzern geschüttelt und ich benässte ihr Top mit Tränen, Rotz und Spucke. Als ich mich etwas beruhigte, sagte Lynn. „Pscht. Alles wird gut.“
„Alles wird gut?!?“ Ich schreckte hoch und sah sie wütend an. „Wie kannst du das sagen? Nichts wird gut! Ich hab Fawn umgebracht!“ Wieder heulte ich los und es waren nicht nur Tränen der Trauer, sondern auch der Wut und Hilflosigkeit. „Sie ist tot, Lynn! Tot! Und es ist meine Schuld“
Lynn zog mich wieder an sich und begann ein weiteres Mal meinen Rücken zu streicheln. „Es ist nicht deine Schuld, Kira. Du hast alles getan was du tun konntest. Keiner von uns hätte mehr tun können. Gwyn sagt...“ Sie stockte kurz. „Gwyn sagt, nachdem was sie gelesen hat, wäre Fawn  auch in einem richtigen Krankenhaus mit Ärzten und so gestorben. Sie war einfach zu schwach.“
Ich schluchzte laut auf. Nein, als Ärztin hätte ich Fawn bestimmt gerettet! Wäre ich nur besser ausgebildet. Und wenn alles nicht geholfen hätte, hätte Jonas doch mit mir Handeln können! Das konnte ich Lynn aber nicht sagen. Deswegen weinte ich schweigend an ihrer Schulter, während Lynn mir den Rücken streichelte und beruhigende Geräusche machte. Sie wiederholte, dass es nicht meine Schuld gewesen sei, doch ich wusste es besser: Ich hatte Fawn umgebracht.

Lynn blieb die ganze Nacht bei mir und hielt mich. Mein unverständliches Geblubber, dass es meine Schuld war, versuchte sie zu entkräftend, doch sie konnte mich nicht vom Gegenteil überzeugen. Als es dämmerte, hatte ich mich langsam etwas beruhigt, was aber mehr daran lag, dass ich zu entkräftet war, um weiter zu weinen.

„Ich kann nicht zurückgehen.“
Lynn war aufgestanden und streckte sich. Sie sah übernächtigt aus und rieb sich die rechte Schulter. „Red' keinen Unsinn. Natürlich gehst du zurück.“ Sie streckte mir die Hand entgegen und zog mich hoch. Meine Beine drohten augenblicklich nachzugeben. Von der Nacht auf dem Boden waren meine Glieder eingeschlafen. Lynn stütze mich und sah mich besorgt an.
„Ich kann Darrel nicht unter die Augen treten. Ich hab' Fawn umgebracht.“
„Kiraaa.“ Lynn schnaubte. „Darrel wird deine Hilfe brauchen. Er kann sich nicht allein um das Kind kümmern.“ Sie sah mich streng an. „Reiß dich zusammen! Du kannst ihn nicht im Stich lassen. Er braucht dich.“
„Aber...“ Ich schluchzte erneut. „Aber wenn ich nicht gewesen wäre, dann wäre Fawn noch am Leben.“
Lynn seufzte und nahm mich in den Arm. Dann hielt sich mich auf Armeslänge von sich. „Kira. Fawns Leben war zu Ende. Das ist nicht deine Schuld. Wir sind alle sterblich und irgendwann muss jeder von uns gehen.“ Sie schluckte. „Irgendwann sterben du und ich auch. Fawn war nur die erste.“
Ein erneutes Schluchzen und Wimmern schüttelte mich. Ich ahnte, dass ich Lynns Geduld mehr als strapazierte, aber ich konnte einfach nicht aufhören. Ich hatte Fawn umgebracht.

Lynn beendete mein Heulen indem sie mir eine knappe Ohrfeige gab. Ich sah sie überrascht an und an ihrem Gesichtsausdruck erkannte ich, dass sie auch überrascht war. „Oh.“, machte sie. „Oh, tut mir leid, Kira!“ Sie ließ mich los. Dann straffte sie ihre Schultern. „Nein. Eigentlich tut es mir nicht leid.“
Ich sah sie nur an.
„Kira, du tust mehr als alle anderen. Du übernimmst alle Verantwortung und versuchst es ganz allein zu stemmen. Ich bewundere dich dafür!“ Nun weinte auch Lynn. „A-a-aber, du kannst dich nicht für alles verantwortlich machen! Du kannst uns nicht alle retten!“
Ich umarmte Lynn und wir hielten uns eine Weile still. „Ich will euch aber alle retten.“, sagte ich schließlich.
Sie nickte. „Ich weiß. Aber alles was du jetzt tun kannst, ist nach vorne zu sehen. Du musst dich jetzt auf Darrel und das Kind konzentrieren.“ Lynn sah mich streng an und wand sich kurz, bevor sie sagte. „ER hat seine Freundin verloren und steht nun mit dem Kind allein da! Du musst deinem Bruder helfen.“
Der letzte Satz brachte mich erneut zum Weinen. Ich stieß unter vielen Schluchzern hervor, dass ich wünschte Darrel wäre nicht mein Bruder. Lynn lachte leise auf. „Das, meine Liebe, weiß ich länger als Du.“
Lynn drückte mich noch einmal. „So. Wir gehen jetzt zu mir, du machst dich frisch und dann wirst du Darrel zu Seite stehen und das tun, was du am besten kannst: ihn rum kommandieren, euer Leben gestalten und nebenbei das Baby großziehen.“ Sie zögerte kurz. „Und uns alles weiterhin zur Seite stehen. Aber das tust du ab jetzt nicht mehr allein.“ Sie nickte ernsthaft. „Gwyn und ich werden dir helfen.“
Nun umarmte ich sie heftig. Lynn und ich sahen auf eine ambivalente Beziehung zurück, aber sie hatte sich als Freundin erwiesen. Es änderte nichts daran, dass ich versagt hatte und mir die größten Vorwürfe machte, aber ich wusste, dass ich in Zukunft Lynn an meiner Seite hatte. Allerdings würde sie mir nicht helfen können, mich Darrel und der Verantwortung für Fawns Tod zu stellen.
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Kapitel 5.3

Beitrag  Akki am Mo Jul 13, 2015 7:07 pm

Es kostete Lynn ihre gesamte Überredungskunst (mal verständnisvoll und sanft, mal schmeichelnd und lockend und schließlich streng und drohend), damit ich ihr Haus verließ und Darrels und mein Haus aufsuchte. Wäre ich von der durchweinten Nacht nicht so erschöpft gewesen und hätte ich nicht sämtliche Tränen bereits vergossen, hätte ich den gesamten Weg weinend zurückgelegt. So aber entrang sich nur gelegentlich ein trockenes Schluchzen meiner Kehle. In meinen Ohren hallte immer wieder meine eigene Stimme: Du hast versagt, Kira.

Doch je näher ich unserem Haus kam, desto mehr versuchte ich die Stimme auszusperren. Ja, ich hatte versagt! Aber Lynn hatte Recht: Darrel und das Baby brauchten mich jetzt. Ich hoffte nur, ich würde ihm unter die Augen treten können. Ich hatte ihm versprochen Fawn zu retten … und versagt.  
Versagt, versagt, versagt klang es in meinem Kopf. Ich konnte unser Haus jetzt sehen. Versagerin! Du hast sie umgebracht!
Nun stiegen mir doch die Tränen, von denen ich dachte, ich hätte sie nicht mehr, in die Augen. Schnell rieb ich mir mit den Fäusten durch's Gesicht. Darrel hatte seine Freundin verloren und der kleine Knirps würde seine Mutter nie kennenlernen. Wegen dir, Versagerin!

Ich blieb stehen und atmete langsam und tief ein und aus. Ich musste mich zusammenreißen! Als heulendes Wrack würde ich keine große Hilfe sein. Aber konnte ich denn überhaupt eine Hilfe sein? Ich hatte Fawn nicht helfen können... Würde Darrel mich überhaupt in die Nähe seines Sohnes lassen? Musste er nicht Angst haben, dass ich dem Kind schaden könnte? Er hatte ja Erfahrung mit Kindern, vielleicht brauchte er mich gar nicht. Und Fawns Tod würde er sicher besser verarbeiten können, wenn er nicht jeden Tag ihre Mörderin sehen musste...
Bevor ich es bemerkte, hatte ich mich bereits in die entgegen gesetzte Richtung aufgemacht. Rasch rief ich mich zu Räson! Das half doch alles nichts. Unschlüssig ging ich mal vor, mal zurück. Schließlich hockte ich mich auf den Boden und versuchte meine Gedanken auf tabula rasa zu setzen. Leider nicht gerade erfolgreich...Ich war dem Haus nicht näher gekommen als vor zehn Minuten und mein Kopf pochte. Mein Körper war ausgelaugt und ich war unendlich erschöpft.

Da sah ich die Tür des Hauses aufgehen. Darrel betrat die Veranda, in der Hand eine Schüssel. Katze strich maunzend um seine Beine, bevor sie sich fordernd vor ihren Futtenapf stellte. Er schüttete den Inhalt der Schüssel in Katzes Napf und das Tier begann hemmungslos herunter zu schlingen. Ich sah Darrel ein Seufzen an, während er die Katze beobachtete. Dann drehte er sich um.



Ich konnte nicht fliehen, weit und breit war kein Busch hinter dem ich mich verstecken konnte (oder ein tiefes Loch in das ich mich stürzen könnte). Ich erhob mich und zwang mich, Darrel anzusehen. Als sich ein erleichtertes Lächeln auf seinem Gesicht breit machte, hoffte ich, dass er mich nicht wegschicken würde. Ich hoffte, er würde mir keine Vorwürfe machen. Ich betete (zu wem oder was auch immer), dass er mich nicht hassen würde.

Wie in Trance stolperte ich zu unserem Haus. Darrel ließ mich die ganze Zeit nicht aus den Augen und als ich bei ihm angekommen war, schloss er mich wortlos in seine Arme. Wieder musste ich weinen. Darrel drückte mich fest an sich.
„Alles ist gut, Kätzchen.“
„E-es tu-uu-uut mir so leid.“, weinte ich atemlos.
Darrel erwiderte nichts, sondern hielt mich. Wenn er mich noch enger an sich drückte, würde mir bald die Luft ausgehen...
„Es ist nicht deine Schuld, Kira.“ Schließlich ließ er mich los und hielt nur noch meine Hände. „Du kannst nichts dafür.“
Ich war nun gezwungen ihn anzusehen. Er hatte tiefe Ringe unter den Augen – vermutlich hatte er ebenfalls nicht geschlafen. Und er trauerte. Er hatte Fawn verloren, weil ich...Schnell verbot ich mir den Gedanken.

„Ich bin nur erleichtert, dass du wieder da bist.“ Er küsste rasch meine Stirn. „Ich hätte es nicht ertragen, dich zu verlieren.“
Sofort schoßen mir wieder die Tränen in die Augen. Ich wünschte ich hätte die Contenance gehabt, einen flotten Spruch zu bringen, irgendetwas anderes tun zu können als vor dem Mann zu stehen, dessen Freundin ich nicht hatte retten können, statt zu weinen. Versagerin...

Das Baby suchte sich diesen Moment aus, um mit kräftigen Schreien auf einen Missstand in seinem Magen oder seiner Windel aufmerksam zu machen. Fast war ich dem kleinen Wurm dankbar. Der Hauch eines Lächelns zog sich über Darrels Gesicht. Er zog mich mit ins Haus, wo wir in sein Zimmer gingen – dem Raum, indem Fawn gestorben war, weil ich sie nicht hatte retten können. Sie war nicht mehr dort. Stattdessen lag der Säugling in dem Kinderbettchen, das Darrel während der Schwangerschaft gebaut hatte, und schrie sich die Seele aus dem Leib. Mit geübtem Griff nahm Darrel sein Kind hoch. Augenblicklich beruhigte er sich etwas und schnappte erstmal nach Luft.



„Es ist Zeit für sein Fläschchen.“, erklärte Darrel und sah das Baby liebevoll an. Dann wand er sich mir zu und rückte mir das Kind in die Arme. „Er heißt Corey.“ Damit ging er in die Küche, um die Flasche vorzubereiten. Ich blieb wie vom Donner gerührt mit dem Kind in den Armen stehen. Es war als hätte ich noch nie zuvor ein Baby gehalten und ich wusste nicht ob ich ihn nicht ganz schnell wieder ins Bett legen sollte. Der Kleine bemerkte mein Unbehagen und wimmerte herzzerreißend. Ich beeilte mich ich bequem in meine Armbeuge zu betten und stieß ein paar geruhigende Geräusche aus – die leider in gurgelnden Schluchzern endeten. Corey hielt ganz still und sah sich mit seinen Säuglingsaugen verwirrt um. Ich schluckte schwer und drückte ihn an meine Schulter. „Schschsch.“
Darrel kam mit der Flasche und einem Sanitastuch über der Schulter zurück ins Zimmer. Er lächelte mich still an, bevor er Corey nahm und ihm die Flasche vorsichtig in den Mund schob. Gierig fing das Kind an zu saugen. Darrel blickte auf ihn herab. Sein Lächeln verschwand nicht, wurde eher intensiver und mir stiegen erneut die Tränen in die Augen. Ich wandte mich ab um die Decken im Kinderbett neu anzuordnen. Als ich sicher war mich unter Kontrolle zu haben, drehte ich mich wieder zu Vater und Sohn um. Darrel war vertieft in die Betrachtung seines Sohnes, der wiederum voll und ganz mit seiner Flasche beschäftigt war. Ich hatte immerhin das Kind gerettet. Und ich sah, dass Darrel seinen Sohn liebte und von Glück über seine Existenz erfüllt war. Ich stieß leise die Luft aus, die ich angehalten hatte. Darrel sah mich fragend an, dann lächelte er abermals. „Ich brauche dich.“, sagte er schlicht.
„Ich weiß. Ich...“ Ich atmete tief durch. „Ich werde mein bestes geben. Ich … es tut mir so leid.“
„Ich weiß Kira. Mit tut es auch leid.“ Darrel räusperte sich heiser. „Es ist nicht deine Schuld, dass Fawn tot ist. Wenn überhaupt... wenn überhaupt, wäre mir ein Vorwurf zu machen. Ich hätte nicht …“ Er brach ab und sah wieder Corey an. „Aber wie sollte ich mir wünschen, sie nicht geschwängert zu haben, wenn ich nun dieses kleine Wunder halte?“
Das kleine Wunder hatte seine Flasche leer genuckelt und Darrel legte ihn über seine Schulter. Vorsichtig klopfte er ihm auf den Rücken. Ich nahm Darrel die leere Flasche ab um sie spülen. Ich hatte gehört, was er gesagt hatte, aber ich verstand es nicht wirklich. Ich ließ das Spülwasser ein und starrte den Wasserstrahl an. Erst als ich Darrel leise die Tür schließen hörte, drehte ich den Hahn zu – beinahe wäre das Wasser übergelaufen. Mit übertriebener Sorgfältigkeit spülte ich die Flasche und trocknete sie besonders lange ab. Den Nucklel übergoss ich noch mit kochendem Wasser und zögerte jeden Augenblick heraus, damit ich mich nicht so bald mit Darrel beschäftigen musste. Doch schließlich war die Flasche wieder einsatzbereit und kein weiteres Geschirr wartete darauf gespült zu werden. Ich ließ das Wasser ab und die Schultern hängen. Mit leerem Blick betrachtete ich den Strudel in dem das Wasser abfloss. Dann seufzte ich. „Ich wünschte ich hätte sie retten können. Ich ...“ Meine Stimme brach und ich musste tief ein und ausatmen. Ich zwang mich, mich zu Darrel umzudrehen. Er lehnte am Türrahmen und sah mich ausdruckslos an. In seinen Augen lag weder ein Vorwurf noch Zorn, noch Hass. Ich sah Trauer und...Verwirrung? „Darrel, ich hätte sie retten müssen! Sie hätte dich glücklich gemacht. Sie... hat es nicht verdient, dass ich sie so im Stich lasse.“ Wieder ließ ich die Schultern hängen und sah auf den Boden. Versagerin.

„Du bist nicht allmächtig.“, entgegnete Darrel tonlos. Ich hörte, wie er einen Schritt auf mich zu machte, doch ich schüttelte den Kopf. Darrel blieb stehen. Ich rieb mir die Augen und zwang mich ihn anzusehen. Ich wiederholte: „Es tut mir so leid. Ich weiß, dass Worte nicht helfen, aber … a-a-ber ich kann nicht mehr tun, als es zu sagen.“ Versagerin.
Es war an Darrel zu seufzen. Er rieb sich über den Kiefer und seufzte ein weiteres Mal. „Du kannst nichts dafür. Und ich weiß auch, dass das nur Worte sind und dir nicht helfen. Mehr kann ich auch nicht tun.“ Er nickte mir zu und ging auf sein Zimmer. Ich starrte ihm einige Mintuten lang hinterher, bevor ich auf mein eigenes Zimmer floh, mich auf das Bett warf und mein Gesicht ins Kissen drückte.


Wenn Worte alles waren, was ich zu geben hatte und Worte nicht halfen, so konnte ich auch schweigen. Was konnte ich sonst tun? (außer mich von der Klippe zu stürzen, was ziemlich feige wäre). So hielt ich stille Zwiegespräche mit meinem schlechten Gewissen. Wie eine kaputte Schallplatte, hörte ich in meinem Kopf nur Versagerin! Du hast sie nicht gerettet! Du hast Corey seine Mutter weggenommen! Du hast Fawn umgebracht! Versagerin...
Darrel nahm mein Schweigen an, nachdem ich am nächsten morgen nur mit Blicken und Kopfbewegungen auf ihn reagierte. Schweigend kümmerten wir und gemeinsam um Corey, Katze, den Haushalt und den Garten.





Er ging nicht fischen, aber Gobias brachte regelmäßig frischen Fisch. Auch die anderen kamen gelegentlich vorbei. Ich nickte ihnen zu und reagierte auf Anfragen schweigend. Lynn zeigte mir nach drei Versuchen mit mir ein Gespräch anzufangen den Vogel und rauschte davon. Ich wusste, dass Darrel in den seltenen Momenten in denen er das Haus verließ mit den anderen über mich sprach. Er machte sich Sorgen, dass wusste ich. Aber ich hatte einfach nichts zu sagen, außer dass es mir leid tat – und das waren nur Worte, die nicht halfen. Versagerin.


Gobias, Gwyn, Lysander
Lily mit Finn
Nick und Lynn


Um mich herum nahm bald alles seinen gewohnten Gang. Man kümmerte sich um die Gärten, ging fischen, baute an, reparierte, liebte sich, umsorgte die Kinder...Ehe ich michs versah, war ein Jahr um.
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KAPITEL 5.3

Beitrag  Akki am Mo Jul 20, 2015 8:19 pm

Ich lag steif und starr in meinem Bett. Die Nacht in der Fawn gestorben und Corey geboren wurde, jährte sich zum ersten Mal. Wie immer hatte ich den Tag schweigend verbracht und die Still des Hauses wurde nur von Coreys Kleinkindergeräuschen und Darrels Worten an seinen Sohn oder Katze (mit der er scheinbar Waffenstillstand geschlossen hatte) unterbrochen. Doch nun lagen wir alle in unseren Betten und schliefen. - Oder auch nicht. Ich konnte einfach nicht schlafen und die kaputte Versagerin-Schallplatte lief unaufhörlich in meinem Kopf. Darrel wusste ganz genau, welcher Tag beziehungsweise welche Nacht es war. Er hatte es mit keiner Silbe erwähnt. Vielleicht hatte er sich etwas rührender als sonst um Corey gekümmert und mich häufiger als üblich angesehen, doch er hatte kein Wort darüber verloren.

Seufzend wälzte ich mich von einer auf die andere Seite. Es war Vollmond und wüsste ich nicht, welche Nacht es war, hätte ich meine Schlaflosigkeit liebend gern darauf geschoben. Mit einem frustrierten Schnauben schob ich die Bettdecke von mir. An Schlafen war ja doch nicht zu denken! Vielleicht sollte ich mich in der mondhellen Nacht um meinen Garten kümmern. Es war mir endlich gelungen ein paar besondere Pflanzen zu züchten, die unseren Speiseplan erheblich veränderten. Durch meine vielen Leben und die jahrelange Erfahrung wusste ich, dass man Eier-, Käse-, Patty- und Fleichspflanzen züchten konnte. In dieser Woche war mir endlich der Durchbruch gelungen und wir konnten bald auf ein vernünftiges Steak oder einen Kuchen hoffen. Die Milchproblematik hatten wir durch eine der Besonderheiten Santuarys gelöst: es gab einige Dinge im Supermarkt – praktischerweise genau  die, die wir selbst nicht züchten, sammeln oder angeln konnten, die sich offenbar reproduzierten. Wenn wir eine Packung Toilettenpapier oder Milchpulver für Säuglinge entnahmen, wurden sie auf geheimnisvolle Weise am nächsten ersetzt. Der Vorrat schien nie enden zu wollen. Ich nahm an, das Akki ihre Finger im Spiel hatte. Doch ich hatte nicht vor, sie danach zu Fragen. Seit Fawns Tod hatte ich das Haus nicht verlassen und ich wäre erst Recht nicht in die Bibliothek gegangen um mit ihr zu kommunizieren. Unsere Milch war jedenfalls aus dem Milchpulver – schmeckte zwar etwas merkwürdig, aber man gewöhnt sich an alles.

Hatte sich die Lampe gerade bewegt? Ich setzte mich mit einem Ruck auf und sah mich in meinem Zimmer um. Das wenige Licht des Vollmondes, das durch die Ritzen meines Rollos drang, tauchte das Zimmer in einen gelben Schimmer. Dadurch wirkte es ganz anders als sonst... Da! Wieder nahm ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung der Lampe war, doch kaum sah ich hin, stand sie genauso still wie immer. Besorgt rieb ich mir die Augen. Ich wusste, dass es Phänomene gab, die nichts mit der normalen Weltordnung gemein hatte (man musste ja nur an den Supermarkt denken!) - aber bisher war Sanctuary nicht durch okkulte Ereignisse (außer dem nie endenden Vorrat im Supermarkt) aufgefallen. Doch es war Vollmond und da konnte ja einiges passieren. Allerdings hatten sich die bisherigen Vollmondnächte nicht gerade außergewöhnlich gezeigt. Ein weiteres Mal nahm ich die Bewegung war. Diesmal sah ich ganz genau, dass die Lampe wackelte und sich schließlich um wenige Zentimeter in die Luft erhob. Erschrocken schnappte ich nach Luft. Das konnte nur eins bedeuten!



Mit einem Mal wurde es merklich kühler im Raum. Ich hörte ein leises Rascheln und wie aus dem Nichts erschien vor mir Fawn – oder besser gesagt, ihr Geist. Schaudernd erhob ich mich aus meinem Bett. Sollte ich davon laufen? Sollte ich schreien und so Darrel aufmerksam machen. Ich wusste nicht was zu tun ist.
„Hallo Kira.“ Fawns Stimme klang fast wie zu Lebzeiten, nur etwas hallend. Ihr geisterhaftes Anlitz lächelte mich so freundlich an, dass mir augenblicklich die Tränen in die Augen schossen.
„Ach Kira.“ Der Geist schwebte auf mich zu und nahm meine Hand. Es war eine kühle Berührung, so unmerklich und unwirklich, dass es fast gar keine Berührung war. Er erinnerte mich ans Schwimmen im Meer, wenn man unvermittelt eine kühlere Strömung erwischt. Wieder erschauerte ich.
„Du musst keine Angst haben.“, hauchte Fawn. Als Geist wirkte sie noch zerbrechlicher und zarter als lebend. „Ich bin nicht gekommen um dich heimzusuchen.“
Ich nickte scheu. Fawn lächelte. Sie ließ meine Hand los und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.
„Es war schwerer als ich dachte, noch einmal zu kommen.“ Sie wies mit dem Finger gen Himmel. „Aber da heute Vollmond ist und außerdem mein...mein Todestag, konnte ich kommen.“
Ich wollte sie um Vergebung anflehen, ihr sagen, dass es mit leid tat, doch aus meiner Kehle drang kein Laut. Hatte ich meine Stimme nun wirklich verloren?
„Nein, das hast du nicht.“ Fawn kicherte. „Du bist vermutlich nur zu geschockt, mich zu sehen. Ich erlaube mir deine Gedanken zu lesen.“
Pff, und ich dachte das taten nur Vampire. Die Geister, die ich bisher gesehen hatte, waren zumindest nicht fähig Gedanken zu lesen.
„Es ist auch eher anstrengend für … Geister.“ Fawn sah zu der Wand, die an Darrels Zimmer grenzte. Ihr Lächelns verblasste und sie senkte den Blick. „Du kannst nichts für meinen Tod, Kira. Niemand hätte mich retten können, egal zu welcher Zeit oder welchem Ort. Mein Tod an diesem Tag stand fest.“ Eindringlich blickte sie mir in die Augen. „Du weißt, dass wenn der Todestag erst mal feststeht, man daran nichts ändern kann. Der Sensemann sagte mir, dass du das weißt.“
Stumm nickte ich. Ja, das wusste ich. Als ich als Lethe gestorben war, hatte mir Jonas deutlich klar gemacht, dass keine meiner Handlungen an diesem Tag etwas an meinem Tod hätten ändern können.
„Ich verstehe nicht, was mit dir und mit … mit Darrel.“ Ihre Stimme zitterte kurz. „los ist. Ihr seid anders als andere Menschen. Ihr seid mehr und ...“ Sie zuckte die Schultern. Ein hallendes Seufzen ertönte. „Kira, du musst endlich aufhören dir Vorwürfe zu machen! Du hilfst keinem damit, am wenigsten dir selbst. Mein Tod war unausweichlich.“ Sie schwebte zur Wand und legte ihre Hand darauf, so als wollte sie Darrel und Corey, die dahinter selig schlummernd in ihren Betten lagen, spüren. „Ich ...“ Sie brach ab, nahm die Hand von der Wand und schluchzte. „Ich war naiv zu glauben, dass Darrel mich wirklich lieben würde. Ich glaube – ich hoffe! - er mochte mich, aber … in seinem Herzen war nicht wirklich Platz für … jemand anderes …. für mich.“



Sie sah mich eindringlich an. In ihren geisterhaften Augen glitzerte eine ganz und gar irdische Träne. Ich wusste nicht, dass Geister weinen konnten.
Mit einem unechten Lachen wischte Fawn die Träne weg. „Ich auch nicht.“ Sie schwebte auf mich zu. „Du musst endlich ins Leben zurück kehren. Kira. Ich kann es nicht. DU musst. Ich weiß, dass du dich so gut wie möglich und Corey kümmerst, aber er – und Darrel – brauchen mehr als einen schweigenden Haushaltsroboter.“
Und Gartenroboter, dachte ich. Unwillkürlich zuckte mein Mundwinkel.
Fawn kicherte mädchenhaft. „Ich bin allerdings erstaunt von deinen Fähigkeiten. Steakpflanzen! Wer hätte das gedacht!“ Dann besah sie sich ihre geisterhaften Hände. „Andererseits, wer hätte gedacht, dass es Geister gibt.“
Sie legte die Hände um mein Gesicht und zwang mich, ihr in die Augen zu sehen. „Kira! Hör endlich auf dich zu grämen.  Sei endlich wieder du selbst. Merkst du denn nicht, wie du alle anderen um dich herum belastest? Auf Gwyn lastet all die Verantwortung für die Gesundheit der anderen. Sie hat ganz allein die Niederkünfte von Deirdre und Lily überwacht, ganz alleine Julian und Brianna auf die Welt geholt.“
Und sie macht das gut! Besser als ich!
„Vielleicht. Aber denk daran, wie du unter der Verantwortung gelitten hast. Solltest du ihr nicht zur Seite stehen? Sie ist noch so jung.“
Fawn ließ mein Gesicht los. „Und die Kinder – einige erinnern sich noch an eine sprechende Kira. Die mit ihnen gespielt hat, ihre Wunden versorgt hat, sich um sie gesorgt hat. Sie sehen dich niemals. Für sie könntest du genauso tot sein wie ich.“
Aber...
„Kein Aber! Was ist mit Gobias, Lily, Peanut und Lynn? Ihr ward die ersten hier, ihr seid eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie vermissen dich!“ Jedes ihrer Worte wurde von einem energischen Fingerzeig auf mich begleitet. „Du vergehst hier vor lauter Vorwürfen und Selbstmitleid und die Gemeinschaft um dich herum braucht dich!“
Bis jetzt kamen sie doch prima ohne mich klar. Es war keiner gestorben, die Kinder waren alle gesund...Fawn stieß einen kleinen Laut der Ungeduld aus. Doch meine Gedanken rasten weiter. Selbstmitleid? Ich hatte sie nicht gerettet! Ich hatte versagt!
„Das meine ich ja mit Selbstmitleid! Ich höre immer nur ICH!“ Sie schnaubt und wandte sich wieder zu Wand. „Und Darrel! Willst du ihn weiter so leiden lassen? Du bist zwar da – aber du bist nicht wirklich da. Er braucht dich Kira. Er braucht dich mehr, als er mich jemals gebraucht hat.“ Ihre Hand glitt kraftlos an ihre Seite und sie schluchzte. „Nimm das Leben, dass dir geschenkt wurde an. Nimm meinen Platz in Coreys und Darrels Leben ein.“
Aber wie konnte ich das tun? Ich hatte sie umgebracht – und Darrel war immer noch mein Bruder.
„Du hast mich nicht umgebracht, verdammt noch mal!“ Erschrocken über ihren Ton und ihre Wortwahl schlug sie sich die Hand vor den Mund. „Oh..so etwas sollte man nicht sagen.“ Sie straffte die Schultern. „Auch wenn es stimmt. Ich habe nicht viel Zeit und kann sie nicht damit verbringen, dir wieder und wieder zu sagen, dass du nicht Schuld bist.“ Sie seufzte. „Lass mir noch ein bisschen Zeit, Corey zu beobachten. Und … und vielleicht noch einmal bei Darrel zu sein. Auch wenn er mich nicht so sehr geliebt hat, wie ich ihn, so ...“ Sie brach ab.
Tränen liefen mir schon seit geraumer Zeit über das Gesicht, aber inzwischen war es, als hätte ein Stausee seine Schleusen geöffnet. „Es tut mir so leid, Fawn.“, konnte ich endlich hervorstoßen, erschrocken über den rauen, heiseren Ton meiner Stimme.
Fawns trauriges Gesicht hellte sich ein kleines bisschen auf. Sie legte den Arm um mich. „Ich weiß, Kira. Und ich vergebe dir.“ Sie küsste meine Wange, eine kühle, geisterhafte Berührung. „Sei wieder du selbst. Sei wieder Darrels Kätzchen.“
„Ich bin doch nicht sein Haustier!“
Kichernd tätschelte Fawn meine Schulter. „Das klingt schon eher wie die Kira, die ich kenne.“ Dann wurde sie ernst. „Ich weiß, ihr seid als Bruder und Schwester aufgezogen worden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie grausam das für euch sein muss. Aber sei einfach für ihn da – und lass zu, dass er für dich da ist. Versprichst du mir das?“
Erneut wie verstummt, nickte ich. Fawn drückte noch einmal meine Hand und schwebte durch die Zimmerwand. Ich ließ mich auf mein Bett plumpsen. Hatte ich nur geträumt?
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KAPITEL 6.1

Beitrag  Akki am Sa Jul 25, 2015 8:14 am

Ich musste irgendwann in dieser Vollmondnacht eingeschlafen sein, denn am nächsten Morgen wurde ich durch Musik aus dem Wohnzimmer geweckt. Darrel stellte oft das Radio an oder brachte Schallplatten oder CDs aus der Bibliothek mit. Vielleicht versuchte er die Stille so erträglicher zu machen. Ich wälzte mich aus dem Bett und blieb einen Moment auf der Bettkante sitzen. War die Begegnung mit Fawn nur ein Traum gewesen? Ich hoffte, sie war wirklich da gewesen! Fawn hatte gesagt, ihr Tod sei nicht meine Schuld gewesen. Sie hatte mir vergeben!



Ein ersticktes, aber befreites Schluchzen entrang sich meiner Kehle. Ich hatte doch wirklich alles gegeben, was ich konnte. Es hatte nicht gereicht. Damit musste ich mich arrangieren. Es hätte aber niemals gereicht, denn Fawn wäre ohnehin an diesem Tag gestorben. Mein Schluchzen verebbte und ich wunderte mich, was für eine verquere Logik das Leben manchmal beinhaltete. Mit einem Zipfel meines Schlafshirts rieb ich mir über das Gesicht. Ich zog mich schnell um und erlaubte mir noch ein winziges, ersticktes Schluchzen. Dann straffte ich meine Schultern. Zeit, Fawns Rat zu befolgen und zurück ins Leben zu kommen!

Als ich die Tür meines Zimmers leise öffnete, hörte ich das Darrel mitsang. Ich hatte das ganze Jahr über gehört, wie er Corey vorsang. Corey liebte es, wenn Darrel sang. Ich hörte ihm ebenso gern zu. Es wäre mir – insbesondere vor Sanctuary – nie in den Sinn gekommen, dass Darrel eine musische Ader hatte. Tatsächlich sang  und malte er gern. Das Schicksal hatte ihm in diesem Leben eine wundervolle Stimme geschenkt. Ich blieb im Türspalt stehen und lehnte meinen Kopf gegen den Türrahmen um der Musik und Darrel zu lauschen. *Disclaimer: Lyrics&Music by Rise Against: Tragedy+Time - Hier der YOUTUBE-Link

On the edges of the sharpest knives,
In the middle of the darkest nights,
Always knew that I would find you here
In a puddle of the bravest tears
I've seen enough to know it's lonely where you are

(Above the crowd) Feet dangling from a rooftop
She waits from ledges for a voice to talk her down

Nothing matters but the pain when you're alone
The never-ending nights when you're awake
When you're praying that tomorrow its okay
There will be a time to crack another smile
Maybe not today or for awhile
But were holding on to laugh again someday (to laugh again someday)


Dem Lied und Darrels Stimme lauschend, lehnte ich am Türrahmen und vergoss Tränen, denen ich eigentlich abgeschworen hatte.

All that matters is the time we had
Doesn't matter how it all went bad
Never wonder what it might be like
Shut the door say goodbye
When faced with tragedy
We come alive or come undone

So don't look back, let it shape you like an ocean
Even the deepest scars in time will fade

Nothing matters but the pain when you're alone
The never-ending nights when you're awake
When you're praying that tomorrow its okay
There will be a time to crack another smile
Maybe not today or for awhile
But were holding on to laugh again someday
(Now were holding on to laugh again someday)

And sometimes you have to go back,
To know just where you have been
But were old enough to know that
What has been will be again (and again)

And the bravest of faces are the ones where we fake it
And the roles that we play


Darrel stand in der Küche, hatte mir die ganze Zeit über den Rücken zugewendet und machte Frühstück. Ich glaubte nicht, dass er mich bemerkt hatte. Ich versuchte verzweifelt meine Tränen wegzuwischen und nicht laut zu weinen (naja, nicht laut zu sein, hatte ich im vergangenen Jahr gelernt).

Nothing matters when the pain is all but gone
When you are finally awake
Despite the overwhelming odds tomorrow came
And when they see you crack a smile
And you decide to stay awhile
You'll be ready then to laugh again


Es war natürlich dumm anzunehmen, dass Darrel mich nicht bemerkt hatte! Er würde jedes noch so kleine Insekt bemerken. Erst recht eine ziemlich aufgelöste, weinende Frau. Er hatte nur entschieden, so zu tun. Doch nun drehte er sich, mit Waffeln in der Hand, zu mir. Sein Gesicht war ausdruckslos und er sah mich so intensiv an, dass mein erster Impuls – in mein Zimmer zu huschen und die Tür zu schließen – sich in Wohlgefallen auflöste. Darrel sagte nichts, hörte auf zu singen und gemeinsam lauschten wir den letzten Klängen des Lieds.



Nothing matters but the pain
(We are tragedy/yeah we are sympathy)
Nothing matters but the pain, and you see what you want to see
Nothing matter but the pain
(we are misery/a distant memory)
Nothing matters but the pain but we all learn to laugh again
Yeah we all learn to laugh again
Oh we all learn to laugh again


Der heilsame Prozess, denn Fawns Besuch in der Nacht ausgelöst hatte, wurde durch das Lied definitiv beschleunigt. Man könnte fast meinen...
„Du hast den Song absichtlich gespielt.“
Darrel zog nur die Augenbraue hoch. Er stellte die Platte mit den Waffeln auf den Tisch. Dabei wendete er sei Gesicht ab, doch in der Reflexion des Fensters sah ich, dass er lächelte. Dann drehte er sich wieder zu mir um – das Gesicht wie immer so ruhig wie ein spiegelglatter See. „Schön, dass du wieder da bist.“
Das traf mich unvorbereitet. Nach dem Lied war ich emotional aufgewühlt und seine völlig normale Stimme und simple Antwort warfen mich etwas aus der Bahn. Ich sah ihn verunsichert an, doch seine Lippen deuteten ein seeeehr erleichtertes Lächeln an. Ich schluckte. Die ganze Situation konnte für ihn nicht leicht sein. Deswegen warf ich meine Lippen zu einem Schmollmund auf und spazierte an ihm vorbei Richtung Tisch.
„Du weißt wirklich, wie man einer Frau das Gefühl gibt etwas besonderes zu sein.“, brachte ich erstaunlich locker hervor. Ich schaffte ein Grinsen und boxte ihn in den Arm.
Darrel grinste breit zurück (auch wenn es so gezwungen aussah, wie sich mein Grinsen anfühlte) und rieb sich den Arm. Dann griff er nach meiner Hand und drückte sie fest. Ich erwiderte den Druck und still standen wir Hand in Hand, während neben uns die Waffeln kalt wurden -  was ich schließlich auch sagte.
„Du denkst immer nur ans Essen.“, lachte Darrel. Die Spannung sank für einen Moment, doch dann drückte mich Darrel schnell an sich und sah mir dann tief in die Augen. Mein Herz schlug mir mittlerweile bis zum Hals und trotz meines langen Lebens war ich zutiefst verunsichert.



„Du bist etwas besonderes.“, sagte Darrel schließlich rau. Seine Hand strich langsam über meinen Rücken und ich überlegte fieberhaft, wie ich diese Situation lösen konnte – nun, zumindest ein kleiner, noch zum rationalen Denken fähiger Teil in mir, versuchte das. Ein anderer Teil von mir wünschte, dieser Moment würde nie vorüber gehen und ein weiterer Teil überlegte ob der Küchentisch stabil genug für,... Whoa?! Wirklich?!



Corey machte sich bemerkbar. Das Kind hatte wirklich ein gutes Gefühl für Timing. Darrel und ich sahen uns noch eine Sekunde länger so intensiv an, dann verzogen wir bei das Gesicht zu einem Grinsen – halb amüsiert und vielleicht auch ein bisschen erleichtert.
„Ich hol' ihn.“, bot ich an und drückte mich an Darrel vorbei. Er lächelte mich an, ich lächelte zurück und war dann ziemlich froh vor dem Kinderbett zu stehen und noch alle Sinne bei mir zu haben – so mehr oder weniger. Schweigend machte ich Corey fertig, der es ja gewöhnt war mich nicht zu hören. Ob es ihm überhaupt auffallen würde, wenn ich auf einmal wieder zu sprechen begann?
Mit Corey auf der Hüfte kam ich zurück in den Wohnraum. Darrel hatte mittlerweile zwei Portionen Waffeln auf Teller verteilt und bereitete nun Coreys morgendliche Flasche zu.
„Ich frage mich, ob das Milchpulver für uns Erwachsene eigentlich schädlich ist.“, überlegte ich laut. Corey schnappte nach Luft und starrte mich an. Ich lächelte und er begann ebenfalls zu lächeln.



„Kätzchen, du sprichst ein Jahr lang nicht, und dann beginnst du ausgerechnet mit dem Milchpulver?“ Ein wenig perpelx sah mich Darrel an. Doch dann grinste er. „Aber eigentlich habe ich nichts anderes von dir erwartet.“
„Wie schön, wenn man berechenbar ist.“ Während ich seinen Sohn anlächelte, warf ich Darrel gespielt grummelnde Blicke zu. Er kam mit der Flasche auf uns zu und ich setzte Corey in seine Hochstuhl. Darrel legte den Arm um mich, nachdem er Corey die Flasche gegeben hatte. Dieses Mal drückte er mich eher brüderliche (was mich gleichzeitig enttäuschte und erleichterte) und sagte: „Ich bin froh dich wieder zu haben.“
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Familienübersicht

Beitrag  Akki am So Jul 26, 2015 1:07 pm

Kleine Übersicht über die Bewohner von Sanctuary Wink


Haushalt am Strand
Kira
Unsere unfreiwillige Heldin und Erzählerin. Sie befindet sich inzwischen in ihrem....ähm ja, x. Leben. Neben Darrel, ihrem ehemaligen Erzfeind und jetztigen besten Freund, Bruder(?) und Mitbewohner ist sie die einzige, die weiß, dass die abtrünnige Beobachterin Akki Sanctuary als geheimen Zufluchtsort geschaffen und von der Außenwelt abgeschnitten hat. (Erwachsene)


Darrel
Kiras ehemaliger Erzfein, ist jetzt ihr Mitbewohner, bester Freund und Bruder (?). Seine Beziehung mit der verstorbenen Fawn resultierte in der Geburt von Söhnchen Corey. (Erwachsener)


Corey
Der Sohn von Darrel und Fawn (†). (Kleinkind)


Katze
Eine schwarze Katze.


Haushalt am Wasserfall
Gobias
Er ist zusammen mit seiner Schwester Lily und seinem real gewordenen IF Peanut (und samt Elternhauses) in Sanctuary gelandet. Nach einer gescheiterten Beziehung mit Lynn (Tochter Gwyn und Sohn Lysander), ist er jetzt mit Deirdre zusammen. Die beiden haben drei Kinder: Ralph, Carla und Julian. (Erwachsener)


Deirdre
Mit ihrem Bruder Nick ist sie einige Jahre nach den ursprünglichen Bewohnern nach Sanctuary gekommen. Sie lebt inzwischen mit Gobias, seinen Kindern aus der Beziehung mit Lynn und den gemeinsamen Kindern am Wasserfall. (Erwachsene)


Gwyn
Das erste in Sacntuary geborene Kind ist mittlerweile in Kiras Fußstapfen getreten und übernimmt die Aufgaben als Krankenschwester und Hebamme. (Junge Erwachsene)


Lysander
Gwyns jüngerer Bruder. (Teenager)


Ralph
Erstes gemeinsame Kind von Deirdre und Gobias. (Schulkind)


Carla
Zweites Kind von Deirdre und Gobias. (Kleinkind)
Julian
Gobias' und Deirdres drittes Kind. (Baby)
(Hier ist Julian auch als Kleinkind mit drauf)

Cheech
Der Hund der Familie.

Haushalt auf den Klippen
Peanut
Gobias ehemaliger IF ist real gewordenen und kam gemeinsam mit Gobias und dessen Schwester Lily nach Sanctuary. Peanut ist mit Lily verheiratet und sie haben 3 Kinder. (Erwachsener)


Lily
Gobias' Schwester, Peanuts Ehefrau. Mutter von Maeve, Finn und Brianna. (Junge Erwachsene)


Maeve
Ältestes Kind von Peanut und Lily. (Schulkind)


Finn
Zweites Kind von Peanut und Lily. (Kleinkind)


Brianna
Drittes Kind von Peanut und Lily. (Baby)

Buster
Der Border-Collie von Lily und Peanut.

Snickers
Katze der Familie.

Haushalt auf dem Plateau
Lynn
Eine der ersten Bewohnerinnen von Sanctuary. Sie hat mit Gobias zwei Kinder (Gwyn und Lysander) und ist inzwischen in einer On/Off-Beziehung mit Nick.(Erwachsene)


Nick

Deirdres hitzköpfiger Bruder, der die Feuerwache betreibt. Ist mal mit Lynn zusammen, mal nicht. (Erwachsener)


Winnie
Das Pferd von Lynn.
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KAPITEL 6.2

Beitrag  Akki am So Jul 26, 2015 9:00 pm

Es wäre übertrieben zu sagen, dass ein Aufatmen durch unsere Gemeinschaft ging, nachdem ich wieder sprach, aber ich spürte schon eine allgemeine Erleichterung. Ich war zunächst etwas beschämt, wenn ich auf die anderen traf, aber sie machten es mir alle leicht. Selbst Lynn, die wirklich wütend auf mich gewesen war, machte nur eine wegwerfende Handbewegung und wir kehrten zu unserem freundschaftlichen Verhältnis zurück.



Lynn hatte sich vor kurzem die Haare von Lily schneiden lassen. Da sie inzwischen häufig mit Winnie, dem Fohlen das sie aufgenommen hatte, unterwegs war, störte sie das lange Haar. Lily ätzte außerdem, dass Lynn sich dadurch jünger fühlen wollte. Immerhin hatte sie ja auch einen jüngeren Lover. So viele Jahre trennten Nick und Lynn zwar nicht, aber wenn man bedachte, dass Lynns ältestes Kind selbst schon volljährig war...


Die Kinder wuchsen alle schneller als man gucken konnte heran. Und natürlich meldete sich bei Dee und Lily bald neuer Nachwuchs an … Ich begann mich zu fragen, ob das Absicht war... Gwyn hatte bei den Geburten im vergangenen Jahr ganze Arbeit geleistet. Fawns Geist hatte zwar gesagt, dass sie unter der Verwantwortung litt, aber als ich mit ihr darüber sprach wischte sie meine Sorge mit einer Handbewegung weg.
„Papperlapapp Kira. Natürlich IST es eine große Verantwortung. Ich weiß, dass es Komplikationen geben kann. Aber du hast mich gut ausgebildet und ich habe mich mit der Bibliothek und den Fachbüchern im Krankenhaus weitergebildet!“ Gwyn drückte kurz meine Schulter. „Ich würde mich freuen, wenn du mir hilfst, aber ich kann verstehen, wenn du...wenn du lieber nicht dabei wärst.“



Ich schluckte. Tatsächlich war mir Angst und Bange vor einer Geburt. Doch ich wusste auch, dass ich mich meinen Ängsten stellen musste. Seufzend zuckte ich mit den Schultern. „Wenn du mich als Assitentin möchtest – und Dee und Lily nichts dagegen haben – stehe ich dir zur Seite.“ Ich wusste, dass ich etwas hohl und tonlos klang. Gywn musterte mich kritisch, deswegen beeilte ich mich zu sagen: „Ich werde dir keine Last sein.“
Das brachte Gwyn zum schmunzeln. „Da mach' dir mal keine Sorgen. Ich kommandier' dich schon entsprechend.“

Ich glaubte auch nicht wirklich, eine Last zu sein. Die einzige Last, die es im Moment gab, war die Situation zwischen Darrel und mir. Ich empfand nicht nur schwesterlich für Darrel und war mir ziemlich sicher, dass es ihm nicht anders ging. Wir lebten im selben Haus, waren uns den ganzen Tag über sehr nahe...und sprachen doch nicht darüber. Dabei war die Anspannung zwischen uns fast spürbar...

Meine Zimmertür öffnete sich, als ich gerade dabei war meinen BH zu öffnen. Ich schoss Darrel einen säuerlichen Blick zu. „Wie wär's mit anklopfen?!“ Schnell hackte ich die Ösen des BHs wieder zu.



Überrascht mich halb nackt zu sehen, schien es ihm kurz die Sprache zu verschlagen. Er betrachtete mich von oben bis unten, was mir die Schamröte ins Gesicht trieb. Ich guckte noch ein bisschen säuerlicher und wollte gerade einen patzigen Kommentar abgeben.
„Wir müssen reden.“, platzte es aus Darrel heraus. Er senkte den Blick. Darrel so unsicher zu sehen, erlebte ich auch nicht alle Tage (tatsächlich hatte ich es noch nie erlebt). Es stimmte mich sanfter und ich verlor meinen säuerlichen Gesichtsausdruck. Allerdings hatte er Recht – wir mussten miteinander reden. „Ich weiß...oder geht es um die fehlenden Wäschestücke?“, begann ich, in der Hoffnung einem ernsten Gespräch aus dem Weg zu gehen. Am Abend hatte ich festgestellt, dass einige Handtücher und Decken, die ich zum Trocknen auf die Wäscheleine gehängt hatte, fehlten. Außerdem war ich mir sicher, dass einige fast erntereife Früchte fehlten. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich von einem Dieb ausgehen....
„Das ist jetzt nicht dein Ernst?!“ Darrel rieb sich den Kiefer und kam näher auf mich zu. Er nahm meine Hand. „Du weißt ganz genau, dass ich nicht über die verdammte Wäsche reden will.“ Nach einem trockenen Schlucken fuhr er fort: „Sondern über uns.“
Ich seufzte. „Ja, das weiß ich.“ Sein Daumen strich über meinen Handrücken und schickte so ein sanftes Schaudern über meinen Rücken. Ich war mir seiner Anwesenheit fast schmerzlich bewusst.



„Aber. … aber du, ich...wir-“
Er stoppte mein Stammeln, in der schnell einen Schritt auf mich zu machte, mich in einer einzigen, flüssigen Bewegung an sich zog und seine Lippen auf meine presste. Ich war wie vom Donner gerührt.



Meine Beine schienen sich in Wackelpudding zu verwandeln und nach einem ersten Schock legte auch ich meine Arme um Darrel und erwiderte den Kuss. Ich wünschte die Welt würde stehen bleiben.



Als wir uns mit geröteten Gesichtern und schwer atmend von einander lösten, beendete ich meinen Satz. „Wir sind Geschwister.“
Wahrscheinlich hätte ich Darrel genauso gut einen Dolch ins Herz rammen können. Sein Gesichtsausdruck war mehr als niedergeschlagen. Ich fühlte mich schrecklich. Doch dann fasste Darrel sich. „Unsere Körper sind Geschwister.“, präzisierte er.
Ich nickte. „Dass ändert nichts an der Tatsache, dass wir nicht zusammen sein können.“ Meine eigenen Worte waren nun der Dolch, der in mein Herz stach.
Darrel legte seine Hand an meine Wange und wischte mir vorsichtig die Tränen, von denen ich nicht einmal mitbekommen hatte, dass ich sie vergoss, weg. Er lächelte tapfer. „Zumindest nicht in diesem Leben.“



Ich war mir nicht ganz sicher, ob er erleichtert war, dass ich die Entscheidung gefällt hatte. Wir waren ob der merkwürdigen Umstände unseres Transfers nach Sanctuary unsicher, ob wir tatsächlich noch Geschwister waren – aber konnten wir das riskieren?
Ich sah Darrel schweigend an. Nicht in diesem Leben...In den letzten Jahren war ich wirklich nicht besonders scharf drauf gewesen, wieder und wieder wiedergeboren zu werden, doch jetzt … Darrel und ich waren in derselben Situation, sollten wir sterben würden wir wiedergeboren werden. Dann musste wir uns im neuen Leben nur noch finden. Ich dachte daran, wie gründlich schief das mit Terry gegangen war und brach in Tränen aus.
Darrel zog mich sanft in seine Arme und strich mir über den Rücken. Ich gestattete mir, mich kurz an seiner Schulter auszuheulen. Darrel flüsterte beruhigend auf mich ein und beschwor mich, positiv zu denken. Unter meinen Tränen musste ich lachen. Wir lösten und voneinander. „Ausgerechnet du sagst, ich soll positiv denken?“, schmunzelte ich. Darrel gab mir einen raschen – brüderlichen – Kuss auf die Stirn. „Einer von uns beiden muss es tun. Kätzchen. Und du hast mehr Erfahrung darin als ich.“
Ich schnaubte und nahm mir vom Nachtisch ein Taschentuch. Während ich mir die Nase putzte,ging Darrel zur Tür. Im Türrahmen blieb er stehen und drehte sich noch einmal zu mir um.
„Es fällt mir verdammt schwer, nur dein Bruder zu sein.“ - Oh, er hatte keine Vorstellung davon, wie schwer es mir fallen würde...
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Kapitel 6.3

Beitrag  Akki am Mi Jul 29, 2015 8:08 pm

„Hab ich dich!“
Ich hatte den gesamten Abend auf der Lauer gelegen – ohne Darrel etwas davon zu sagen. Er war mit Corey zu Lily und Peanut gegangen, damit Corey und Finn miteinander spielen konnten. Corey war uns Erwachsenen gegenüber ein wahrer Sonnenschein. Ich hatte selten ein so unkompliziertes und freundliches Kleinkind erlebt. Gegenüber den älteren Kindern Ralph und Maeve war Corey etwas schüchtern. Finn war nur ein paar Monate älter als mein Neffe (genau der Sohn meines BRUDERS! Ich musste es mir mehrfach täglich herunterbeten) und somit der perfekte Spielkamerad. Ich hoffte nur, die beiden Kinder kamen gut miteinander aus.
Ich hatte mich für den heutigen Abend ausgeklinkt, um den Dieb zu fangen. Zumindest war ich der Überzeugung, dass wir einen Dieb hatten. Darrel, sonst eher der paranoide von uns beiden, schien meine Ansicht nicht zu teilen. Allerdings hatte ich ihm auch nicht alle Vorfälle berichtete...Neben dem fehlenden Obst und der Wäsche, waren mir inzwischen auch ein paar Spielsachen und Süßigkeiten abhanden gekommen – Dinge, die ich ganz zufällig – ähem – über Nacht auf der Terrasse vergessen hatte. Ich hatte eine Vermutung, was unseren Dieb betraf...



Ich war reichlich überrascht, als es kein Kind, sondern ein Teenager war, den ich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft festhielt. Durch die tägliche Gartenarbeit war ich nicht gerade schlapp, aber geschätzte fünfzehn Jahre hormonelle Kraft bereiteten mir doch ein paar Probleme. „Halt still!“
Der Junge wendete sich in meinen Armen und schlug um sich. Ich kassierte einen Nasenstüber und schließlich einen Tritt vors Schienbein, als aus dem Gebüsch ein Mädchen hervor sprang und mir davor trat. Trotzdem ließ ich nicht los, sondern schaffte es auch, das Mädchen am Kragen zu packen. Die Kleine quietschte empört und ängstlich auf, was den Jungen noch mehr darin bestärkte sich zu wehren. Stolpernd, Schläge und Tritte kassierend fluchte ich leise vor mich hin, während ich die beiden ins Haus schleifte. Ich schloss die Tür hinter mir und drückte erst das Mädchen, dann den Jungen auf Küchenstühle. „Jetzt ist aber Schluss mit dem Unfug! Ich will euch nichts tun!“

Der Junge sprang sofort wieder auf, die Fäuste erhoben. Unter dem ganzen Dreck und der zerrissenen Kleidung sah ich, dass er trotz der geklauten Früchte und den Süßigkeiten abgemagert aussah. Er konnte nicht erst seit ein paar Tagen in Sanctuary rum lungern. Er musste schon vorher ein Straßenkind gewesen sein. Das Mädchen sah gepflegter aus, ein bisschen schmutzig vielleicht, aber ihre Kleidung war ansonsten in einem guten Zustand. Mit großen angsterfüllten Augen sah sie zwischen dem Teenager und mir hin und her. Ich setzte ein entschlossenes Gesicht auf, drehte mich zur Küchenanrichte und nahm von dort die Platte mit den Sandwiches, die ich vorbereitet hatte. Ich erwartete fast, dass die Kinder aus dem Haus stürmten, doch sie gaben weder einen Mucks von sich, noch bewegten sie sich.
„Hier. Esst.“ Ich stellte die Sandwiches auf den Tisch und bemühte mich dabei keinem der beiden zu nahe zu kommen. Ich nahm Gläser aus dem Schrank und goss beiden frischen Saft ein. Die Kinder trugen einen stillen Dialog über Blicke aus. Schließlich nickte der Junge langsam dem Mädchen zu. Sofort schnappte es sich ein Sandwich und fiel darüber her. Etwas langsamer und vorsichtiger, nahm der Junge auch eins. Er setzte sich nicht hin und behielt mich die ganze Zeit über im Auge. In seinen vorsichtigen, aufmerksamen Bewegungen erinnerte er mich an Darrel. Ich lehnte mich mit betont neutralen Gesichtsausdruck an die Küchenanrichte. Nachdem sie jeweils zwei Sandwiches verschlungen und den Saft geleert hatten, stellte ich mich vor. „Ich bin Kira.“

Die beiden tauschten einen langen Blick aus. Der Junge wirkte nicht wirklich bereit etwas preiszugeben, aber die Kleine wendete schließlich den Blick ab und sah mich etwas ängstlich an. „Ich heiße Charis.“ Ich nickte ihr lächelnd zu und blickte dann zu ihrem Begleiter. Der presste die Zähne zusammen und schob trotzig das Kinn vor. Ich zuckte mit den Schultern, schüttete Saft nach und holte die Keksdose. Nachdem ich sie auf den Tisch gestellt hatte, brachte er ein „Neo.“ heraus.

„Das bezweifle ich.“ Darrel stand mit einem Mal in der Tür. Er sah finster zwischen und dreien hin und her. Charis schrumpfte auf ihrem Stuhl zusammen und Neo, wich zurück. Ich ging zwar auch davon aus, dass Neo ein angenommener Name war, aber das sollte nicht mein Problem sein. Hier saßen zwei Kinder, die seit mindestens einer Woche in Sanctuary rumstreunten. Ohne Essen, ohne ein Dach über dem Kopf. Verängstigt und allein.

„Du machst ihnen Angst.“
„Ich hab bestimmt keine Angst vor dem da!“, protestierte Neo und machte sich so groß er konnte. Einer von Darrels finsteren Blicken genügte jedoch, damit er wieder in sich zusammen sank.
„Darrel!“ Ich machte ein paar schnelle Schritte auf ihn zu und fasste ihn am Arm. Er senkte seinen grimmigen Blick auf mich. Doch sein Blick wurde schnell milder unter meinem noch viel grimmigeren Blick. „Du machst ihnen Angst.“, wiederholte ich leise. Er warf den Kindern einen Blick zu, dann sah er mich wieder an. „Wo ist überhaupt Corey? Und was machst du hier? Ich hab euch erst später wieder erwartet.“
„Buster hat von oben das Gerangel im Garten gesehen und gebellt. Ich bin so schnell gekommen wie ich konnte.“



„Und eilst mir zur Rettung beim Kampf gegen zwei hungrige Kinder!“ Ich boxte ihm in den Arm. „Mein Held.“
Charis kicherte, schlug aber schnell die Hände vor den Mund. Neo sah beleidigt aus. Er sah sich ganz sicher nicht mehr als Kind.
„Vielleicht wollte ich ja auch eher die Kinder vor dir retten.“, ging Darrel auf mein Geplänkel ein. Darrel nahm sich einen Keks aus der Dose. Er achtete genau wie zuvor ich, den Kindern nicht zu nahe zu kommen. „Schoko-Kekse. Meine Lieblingskekse.“ Er lächelte Charis und – nach kurzem Zögern auch – Neo an. „Wenn also keiner meiner Rettung bedarf, dann werde ich Lily und Peanut beruhigen gehen.“ Er sah mich noch einmal fragend an, um sich zu vergewissern. Ich nickte lächelnd und wies mit dem Kopf zu Tür. Im Hinausgehen berührte er kurz meine Hand.
Erst als die Tür geschlossen war, sah ich die beiden Kinder an. „Es tut mir leid, Darrel kann manchmal etwas...beängstigend sein.“
Charis hatte mittlerweile beide Hände voll mit Keksen und schaufelte sie sich quasi in den Mund. Neo schien immer noch auf der Hut zu sein. Er hatte sich keine Kekse und keine Sandwiches mehr genommen. „Sie werden uns nicht den Behörden melden!“, brachte er in einem – wie er wohl hoffte – befehlenden Tonfall hervor.
Ich sah ihn perplex an, dann brach ich in Gelächter aus. Die beiden starrten mich entsetzt an, so dass ich mich bemühte das Lachen zu unterdrücken.

„Entschuldige, ich wollte nicht über dich lachen.“ Ich atmete tief durch. „Es ist nur so – hier gibt es keine Behörden. Keine Polizei, keine Gerichte – und erst recht kein Jugendamt.“
„Kein Jugendamt?“, echote Neo misstrauisch. „Sie verarschen mich.“
„Nanana, pass auf, was du von dir gibst.“ Ich lachte noch einmal. „Ihr streunt hier seit einer Woche rum. Ist euch irgendetwas aufgefallen?“
Neos Blick blieb misstrauisch, Charis sah mit großen Augen zwischen uns hin und her.
„Vielleicht, dass es keine Autos hier gibt? Oder keine Telefone?“ Ich deutete aus dem Fenster. „Habt ihr irgendwelche anderen Leute gesehen, außer den paar, die hier leben? Seid ihr im Stadtzentrum – soweit man es so nennen kann – gewesen? Habt ihr die Geschäfte oder Institutionen besetzte gesehen?“
„Der Diner ist in Betrieb!“, erwiderte Neo aufmüpfig.
„Außer dem Diner?“
Die Kinder tauschten einen Blick aus. Als sie nicht antworteten fuhr ich fort: „Wir wissen nicht genau, wo wir hier sind oder warum wir hier sind. Alles was wir wissen ist, dass wir in den meisten Dingen auf uns alleingestellt – und damit auf uns als Gemeinschaft angewiesen sind.“ Ich sah die beiden lächelnd an. „Ich weiß nicht was in eurer Vergangenheit passiert ist oder wie ihr hier hin geraten seid. Aber ich seid hier sicher und unter Freunden. Wir kümmern uns um euch.“
„Wir brauchen keine Erwachsenen!“, protestierte Neo. Er verschränkte die Arme. „Komm Charis, wir gehen!“
Doch Charis sah unsicher zwischen uns her.
„Neo, ich bin sicher, dass du schon ziemlich selbstständig bist. Aber Charis ist noch sehr jung. Ihr braucht einen Platz zum Schlafen. Ein Dach über dem Kopf. Ihr braucht Nahrung.“ Ich wies mit einem Kopfnicken auf den Essenstisch. „Und ganz ehrlich, ihr braucht auch mal eine Dusche. Und frische Kleider.“
Charis betrachte verschämt ihre schmutzigen Hände und versteckte sie hinter dem Rücken. Neo war ziemlich sicher schon längere Zeit ein Straßenkind, aber die Kleine nicht. Ich fragte mich nur, welcher Teufel Akki geritten hatte, zwei Kinder ohne Aufsichtsperson hierher zu bringen.
„Dein Mann will uns aber bestimmt nicht hier haben!“ Neos Entschlossenheit schien zwar – besonders nach den bittenden Blicken, die Charis ihm zu warf – ins Wanken zu geraten, aber schien nicht der Typ zu sein, der einfach aufgab.
„Mein Ma-? Darrel? Er ist … mein Bruder.“ Ich schluckte. „Und tut was ich ihm sage.“
Neo zog die Augenbraue hoch. Ich warf ihm einen ätzenden Blick zu. Dann wies ich auf die Badezimmertür. „Da könnt ihr euch frisch machen. Ich such euch ein paar Sachen für heute raus. Morgen holen wir euch dann was zum Anziehen.“ Zum Glück war das örtliche Bekleidungsgeschäft sehr breit aufgestellt.  Ich ging in unsere Zimmer und kam mit T-Shirts und einer Jogginghose von Darrel wieder. Für Charis musste mein T-Shirt als Nachthemd reichen. Sie stand bereitwillig auf und ging ins Bad. Neo ließ mich nicht aus den Augen. Ich drückte ihm den Stapel Kleidung in die Hand. „Mach dir keine Sorgen, Neo. Wir tun Charis und dir nichts.“ Er erwiderte nichts, aber ich sah wie er schluckte. Wahrscheinlich hatte er sein ganzes Leben keine Hilfe oder Fürsorge erhalten. Mein Herz flog den beiden Kindern entgegen.
„Wenn … wenn ihr uns doch...“, stammelte er. Ich lächelte und nickte nur.
„Komm, setz' dich so lange. Hier hast du noch etwas Saft und ein Sandwich.“ Er gehorchte mir widerwillig. Das Sandwich aß er langsam und bedächtig, während wir aus dem Badezimmer die Dusche hörten. Ich erinnerte mich etwas und ging zur Badezimmertür. Nach einem Klopfen rief ich durch die Tür. „Charis, im Alibert sind frische, noch verpackte Zahnbürsten. Nimm dir eine raus.“ Neo hatte mich nicht aus den Augen gelassen und war schon halb aufgesprungen, als ich zur Badezimmertür gegangen war.
„Immer mit der Ruhe.“ Ich kehrte zu meinem Platz an der Küchenanrichte wieder ein. Katze, die erst jetzt durch die Katzenklappe zurückgekehrt war, sprang neben mich.
„Das ist Katze. Sie wohnt hier.“, stellte ich unsere vierbeinige Mitbewohnerin vor.
„Katze? Nicht wirklich kreativ.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Kann sich halt nicht jeder nach Filmcharakteren benennen.“
Neo lief rot an und wollte erneut aufstehen. Ich machte eine beschwichtigende Geste. „Sorry. Wenn du Neo genannt werden möchtest, dann nennen wir dich Neo.“
Unschlüssig und in einer halb sitzenden, halb stehenden Position verharrte Neo. Ich zuckte mit den Schultern und streichelte Katze. Schließlich setzte sich Neo. Er bediente sich an den Keksen.
„Heute Nacht kannst du in dem Zimmer schlafen.“ Ich deutete auf Lilys ehemaliges Zimmer. „Es ist zwar nur ein kleiner Raum und auf lange Sicht werden wir uns etwas überlegen müssen, aber vorerst wird es gehen. Charis kann in meinem Bett schlafen.“
„Und Sie?“
„Du brauchst mich nicht siezen. Ich schlafe heute Nacht bei Darrel. Morgen gucken wir dann, wie es weiter geht.“
Neo antwortete nicht. Inzwischen war Charis im Badezimmer fertig und kam in meinem T-Shirt, das ihr bis auf die Knie ging, und nassen Haaren ins Wohnzimmer. Sie lächelte. Dann schnüffelte sie an Neo. „Neo, du stinkst! Geh duschen, bitte.“



Ich beeilte mich, mich zur Spüle umzudrehen und Spülwasser einzulassen, damit man mein Grinsen nicht sah. Ich hörte Neo aufstehen und ins Badezimmer schleichen. Charis räumte wie selbstverständlich das Geschirr ab und reichte es mir. Sie sah mich schüchtern an, bevor sie sanft Katze ihre Hand zum beschnuppern hinhielt. Majestätisch senkte Katze den Kopf und nahm Charis' Witterung auf. Sie stemmte ihr Köpfchen in die Hand des Mädchens. Ich lächelte. Zwar glaubte ich nicht länger, dass Katze ein wiedergeborener Mensch war, so wie ich einst, aber sie war dennoch sensibel. Oder einfach scharf auf Streicheleinheiten.



Neo kam aus der Dusche, als Darrel mit Corey wiederkam. Der Kleine war ganz müde, aber er strahlte mich an. Neo und Charis wurden mit neugierigen Blicken von ihm bedacht, aber dann fielen ihm schon die Augen zu. Ich übernahm das Kind von Darrel und mit ihm auf der Hüfte brachte ich Charis in mein Zimmer. Nach einem kurzen Blickkontakt mit Neo, ließ sie sich widerstandslos ins Bett bringen. Ich ließ ein kleines Nachtlicht bei ihr, bevor ich Corey in sein Bettchen brachte. Aus dem Wohnraum war kein Wort zu hören. Darrel und Neo würden sich vermutlich gegenseitig anstarren, um den anderen abzuschätzen. Ich hatte Darrel schon vor vollendete Tatsachen gestellt. Er hatte angeboten auf der Couch zu schlafen, aber ich hatte ihn darauf hingewiesen, dass wir als Erwachsene wohl in der Lage sein sollten ganz geschwisterlich das Bett zu teilen. Vor allem wenn ein Kleinkind im selben Raum schlief.



Es war reichlich komisch mit Darrel in einem Bett zu schlafen. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass wir uns beide bemühten möglichst weit an der Bettkante zu schlafen. Trotzdem wachten wir in der Frühe auf und waren ineinander verschlungen. Als ich die Augen aufschlug, sah ich Darrel in die Augen. Ich fragte mich, wie lange er mich schon beim Schlafen beobachtete. Für eine kurze Zeit gestatten wir uns liegen zu bleiben und den anderen anzusehen. Schließlich entschuldigte ich mich mit dem Hinweis zur Toilette zu müssen und machte mich sanft von ihm los. Er bemühte sich kein allzu enttäuschtes Gesicht zu machen und stand ebenfalls auf. Corey schlief noch und machte leise, schnorchelnde Geräusche. Darrel beugte sich vorsichtig über das Bettchen und zog die Decke, die in der Nacht weg gestrampelt worden war, über seinen Sohn.
„Ich werde Nick und Gobias bitten mit mir neue Betten zu bauen. Wir werden die Räume wohl auch etwas erweitern müssen.“, brach Darrel schließlich die Stille. Ich machte gerade das Bett und nickte nur. „Meinst du die beiden können sich mit uns arrangieren?“
Ich lachte leise. „Kannst du dich denn mit Neo arrangieren?“
Darrel verzog das Gesicht und rieb sich über den Kiefer. „Ah … ich denke schon.“
„Hauptsache ihr tragt keine Hähnenkämpfe aus.“
Nun war es an Darrel zu lachen. „Keine Sorge, Kätzchen. Dafür ist dieser alte Hahn zu erwachsen.“
Mit einem schrägen Blick und einem gemurmelten „Das ist das was du denkst.“ verließ ich das Zimmer um Frühstück zu machen.
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Kapitel 6.4

Beitrag  Akki am Do Jul 30, 2015 12:56 pm

Neo und Charis gewöhnten sich schnell ein. Die Kleine schien erleichtert zu sein, nicht mehr auf der Straße leben zu müssen. Sie half mir im Haushalt und spielte viel mit Corey, der die beiden neuen Mitbewohner schnell akzeptierte. Neo war zurückhaltener. Er beobachtete jeden unserer Schritte und setzte dabei meist einen finsteren Gesichtsausdruck auf. Darrel und er schlichen wie zwei Kater um einander herum, aber es fiel kein böses Wort.



Das Eis zwischen den beiden brach schließlich. Ausgerechnet durch Physik! Nach einer langwierigen Diskussion konnte ich Neo davon überzeugen, dass er trotz der fehlenden Schule und Autoritäten genau wie alle Kindern Heimunterricht erhielt. Er zweifelte zwar Sinn und Zweck dieser Maßnahme an, fügte sich aber, nachdem Charis mit ihm gesprochen hatte. Beide sprachen nie mit uns über ihre Vergangenheit, ihre Familien oder Herkunft, doch sie hatten zumindest eine grundlegende Schulbildung. Den naturwissenschaftlichen Unterschied überließ ich Darrel, der dafür erstaunlicherweise eine Engelsgeduld aufbrachte. Dabei stellte sich heraus, dass Neo ganz begeistert von Physik und Chemie war. Er interessierte sich insbesondere für Mechanik, so dass Darrel ihn oft mit auf seine Streifzüge nahm und Unterricht am Objekt machte.



Auch die übrigen Bewohner nahmen Charis und Neo schnell auf. Maeve war etwa so alt wie Charis und freute sich sehr, eine Spielkameradin zu bekommen. Zwar hatte sie Ralph, aber der war ja ein Junge und ihre Geschwister noch soooo klein. Lysander war Neo gegenüber zunächst etwas unsicher, aber die beiden Teenager rauften sich schnell zusammen und wurden unzertrennlich, so dass Darrel bald zwei Jungen im Schlepptau hatte.



Die kleineren Kinder wuchsen schneller als man zu gucken konnte. Bald kamen auch Dee und Lily nieder. Ich assistierte Gwyn mit einem mulmigen Gefühl, doch nachdem erst Dees Geburt und dann Lilys ohne Zwischenfälle verliefen, hatte ich ein wesentlich besseres Gefühl für zukünftige Geburten. Dee bekam noch einen Jungen, Michael, während Lily ein weiteres Mädchen bekam, Cait.  Finn beschwerte sich bei jedem, der es hören wollte (oder auch nicht), dass er drei Schwestern und keinen einzigen Bruder hatte, aber wenn keiner hinsah (oder er das glaubte) beschäftigte er sich hingebungsvoll mit seinen jüngeren Schwestern.



Da wir inzwischen so viele Kinder hatten, überlegten wir, ob es nicht sinnvoll wäre die Schule in Betrieb zu nehmen und alle gemeinsam zu unterrichten. Das würde die einzelnen Familien entlasten und die Kinder hätten sicher mehr Spaß am gemeinschaftlichen Unterricht. Ich besuchte Nick auf der Feuerwache, um mit ihm über die nötigen Umbau- und Sicherheitsmaßnahmen zu sprechen.
„Schläfst du im Moment wieder hier?“, fragte ich mit Blick auf das benutzte Geschirr in der Spüle.
Die Zeiten in denen er verlegen über die On/Off-Beziehung war, waren längst vorbei. Er hatte sich resigniert damit arrangiert, dass das Zusammenleben mit Lynn nicht eben harmonisch war. Allerdings würden sie sich in spätestens drei Tagen (so meine Schätzung) wieder in den Armen liegen.
„Yeah.“, erwiderte er. Er bot mir einen Kaffee an, den ich dankend annahm. „Du weißt ja wie Lynn ist.“



Ich schnaubte nur grinsend. Nick warf mir einen komischen Blick zu. Ich beobachte wie Nick die Kaffeemaschine fertigmachte und sah mich dann verstohlen in der Feuerwache um. Inzwischen war jeder Haushalt mit einem Funkgerät ausgestattet. Nick hatte sich viel Mühe gegeben uns allen ein größeres Sicherheitsgefühl zu vermitteln. Wenn Neo und Lysander nicht Darrel folgten, waren sie ebenfalls in der Feuerwache anzutreffen und benutzen die Werkbank. Heute waren sie allerdings mit Gobias, Peanut und Darrel an der Erweiterung unseres Hauses beteiligt.
„Wer wird die Kids eigentlich unterrichten?“, fragte Nick während die Kaffeemaschine zischen und brodelnd lief.
„Hm, ich wahrscheinlich. Darrel und Gwyn werden mir aber beim naturwissenschaftlichen Unterricht helfen. Ist nicht so meine starke Seite.“ Das stimmte nicht ganz, ich hatte nur keine Lust mich damit auseinander zu setzen.
„Du setzt dich wieder genauso für alle ein wie vor...“ Er brach verlegen ab. „'tschuldigung.“
„Kein Problem. Ich weiß, ich hab mich...rar gemacht.“
„Das ist verständlich!“ Nick kramte zwei unbenutzte Kaffeebecher hervor. „Ich...ich kann mir vorstellen, dass es nicht leicht ist, jemanden zu...zu verlieren, dem man helfen will.“ Er wich meinem Blick aus und schüttete Kaffee ein.
Überrascht musterte ich ihn. Nick und ich waren nie besonders eng befreundet gewesen. Doch jetzt musterte ich ihn mit neuen Augen. „Hast du jemals jemanden verloren als Feuerwehrmann?“, wagte ich schließlich zu fragen.
Er schüttelte den Kopf. „Zum Glück nie. Aber die Angst ist immer dabei. Auch hier.“ Umständlich schüttete er Milch und Zucker in seine Tasse. „Gestern auch.“

Gestern. Bis gestern hatte ich Nicks installierte Feuermelder für übertriebene Paranoia gehalten. Doch dann hatte es ein Gewitter gegeben und bei uns war eine Leitung durchgeschmort und ein Feuer ausgebrochen. Nick war so schnell er konnte mit dem Fahrrad zu mir gekommen und hatte es gelöscht. Zum Glück war Darrel mit den Kindern unterwegs und Katze auf einem ihrer Streifzüge, so dass nur ein paar verkohlte Bodendielen zu beklagen waren.



„Ichhabmirsorgenumdichgemacht.“, brummelte er schließlich in seine Kaffeetasse. „ichmagdichnämlichsehr.“ Ich verschluckte mich an meinen Kaffee und murmelte nur „Heiß!Heiß!“
Nick sah mich unsicher an. Dann lachte er, nahm einen weiteren Schluck Kaffee (vorsichtiger als ich) und sagte: „Ja, heiß.“
Ich zog die Augenbrauen hoch. Das waren ja ganz neue Töne! „Ähm...ja. Danke noch mal für gestern. Auch für die Hilfe beim Saubermachen.“ Nick war noch geblieben und hatte mit mir aufgeräumt. Er blieb bis Darrel und die anderen wiederkamen, bevor er sich über Darrels besorgtes Getue um mich aus dem Staub machte. „Du warst dann ziemlich schnell weg.“
Nick beschäftigte sich intensiv mit seiner Kaffeetasse. „Ja.“ Dann wagte er ein leichtes Lächeln. „Du warst in Ordnung und ich will bestimmt nicht deinem Bruder bei der Fürsorge um dich in die Quere kommen.“
Urgs. Das saß. Mein Bruder. Ich nickte und nahm vorsichtig einen weiteren Schluck. Nick stellte seine Tasse ab und verschwand in einem der Nebenräume. Er kam mit einer kleinen Funkstation und Feuermeldern wieder. „Die installiere ich in der Schule. Dann kann dir – und den anderen – auch da nichts passieren. Kommst du mit? Vielleicht können wir danach noch was zusammen unternehmen.“



„Äh...“ Nick und ich allein in der Schule? „Äh nein. Ich will in der Bibliothek schon mal einen Lehrplan erstellen.“ Ich stürzte den Rest Kaffee herunter. „Danke für den Kaffee.“
„Für dich immer gerne.“ Nick lächelte mich wissend an und winkte kurz. Ich sah zu, dass ich schleunigst Land gewann.
Grübelnd schlenderte ich Richtung Bibliothek. Was war denn in Nick gefahren? Er war doch mit Lynn zusammen – so mehr oder weniger. Und ich war ganz sicher nicht an ihm interessiert. Ich konnte ihm eine gewisse Attraktivität nicht absprechen, aber … Entnervt schüttelte ich den Kopf um diese Gedanken zu vertreiben.

Am Abend waren wir alle bei Lily und Peanut zum Essen verabredet. Nick suchte meine Nähe, Lynn warf mir und Nick merkwürdige Blicke zu, während Darrel Nick merkwürdige Blicke zu warf und ich versuchte mich dauerhaft mit irgendeinem der Kinder zu schützen. Schließlich nahm mich Lynn beiseite.
„Hat Nick mit dir gesprochen?“, fragte sie gerade heraus.
„Was?“ Ich sah sie reichlich verwirrt an. „Was meinst du?“
„Naja.“ Sie rieb sich den Kopf. „Also weißt du...ich hab mir so gedacht...“ Sie lachte unsicher. „Naja, ich dachte... ich dachte, vielleichtmöchtestdujaaucheinkindhabennundhabenickdavonüberzeugtsichzurverfügungzustellen.“
„Du hast WAS?!“ Lynn sprang erschrocken ein Stück zurück. Ich starrte sie an. Wut und Enttäuschung stiegen in mir hoch. Ich hatte mir ganz kurz den Gedanken erlaubt, für Nick attraktiv zu sein (wer wünscht sich nicht, für andere attraktiv zu sein?) und dann...



„Sag mal spinnst du Lynn?“
Sie fuhr sich verlegen durch die Haare. „Als ich darüber nachdachte erschien es mir eine gute Idee.“
„Du...du...argh.“, frustriert brach ich. Dann ertönte ein ziemlich zorniges „LYNN!“ aus dem Haus und Darrel stürmte heraus, gefolgt von einem besorgt aussehendem Nick. Als er mich sah, wurde Nick kurz rot und senkte dann den Blick. Kurz bevor Lynn mich nach draußen gezogen hatte, war ich mit Nick im Kinderzimmer gewesen. Als Lynn und ich an Darrel vorbei gegangen waren, hatte dieser meinen Platz im Kinderzimmer übernommen...Mir schwante Böses.



„Lynn, was denkst du dir eigentlich?“ Darrel war ganz nah an die Rothaarige herangetreten. Seine Stimme erinnerte mich schmerzhaft an seine Vergangenheit. Schnell legte ich die Hand auf seinen Arm. „Darrel.“, sagte ich leise. Er starrte jedoch weiter Lynn an, die jetzt reichlich verängstigt aussah. Ich nahm Darrels Arm und zog ihn herum, so dass er mich ansah. Die Wut hatte eine tiefe Zornesfalte in seine Stirn gegraben. Seine Augen funkelten. „Darrel.“, wiederholte ich. „Es ist ein Missverständnis gewesen. Lynn und ich haben es gerade bereinigt. Es gibt keinen Grund wütend zu sein.“ Ich sprach leise und eindringlich, bohrte aber nachdrücklich meine Finger in seinen Arm. Seine Muskulatur war steinhart vor Anspannung und ich konnte seine Halsschlagader pulsieren lassen.
„Ich wollte wirklich keinen Schaden anrichten.“, brachte Lynn schnell hervor. Als sie sah, dass Darrel keine Anstalten machte sie zu Erwürgen und stattdessen auf mich fixiert war, fügte sie hinzu.   „Du musst auch mal an deine Schwester denken.“
„Lynn!“, sagte ich warnend. Doch durch Darrel lief ein kaum wahrnehmbares Zittern und er zwang sich zu entspannen. Er nahm meine Hand von seinem Arm und drückte sie kurz, bevor er sich mit beiden Händen über das Gesicht fuhr.
„Das ist eine Sache zwischen mir und Kira.“ Er warf Lynn einen kurzen, noch einmal etwas finsteren Blick zu, bevor er (wahrscheinlich unter Aufbringung sämtlicher Reserven) ruhig hinzufügte: „Auch wenn ich zu schätzen weiß, dass du dir Sorgen um meine Schwester machst.“ Damit drehte er sich um, warf Nick einen kurzen Blick zu. Die beiden Männer nickten einmal in stiller Einverständnis, bevor sich beide in gegensätzliche Richtungen aufmachten. Peanut, der uns von der Terrasse aus beobachtet hatte, warf mir einen fragenden Blick zu. Ich zeigte ihm kurz den erhobenen Daumen und setzte gequält ein Lächeln auf. Dann wand ich mich wieder Lynn zu. Sie sah mich unsicher an.
„Lynn...tu das bitte nie wieder.“



„Ich wollte dir doch nur....ich wollte dir diese Möglichkeite offenhalten. Ich glaube kaum, dass Gobias oder Peanut – geschweige denn Dee oder Lily – zu diesem Opfer bereit wären. Und Nick will auch Kinder! Nur klappt es bei uns halt nicht.“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und zog einen Schmollmund.
Ich dachte über ihre Worte nach. Dann nickte ich. „Deine Gedankengänge sind zwar immer etwas verquer, aber ich glaube, ich verstehe deine Intention.“ Das stimmte nicht ganz. „Heißt dass, du und Nick sind doch wieder zusammen?“
Sie grinste. „Ach, mal so, mal so.“ Sie sah sich rasch nach Darrel um. „Meinst du er ist sehr wütend auf mich?“
Ich zuckte die Schultern. „Das kann ich dir jetzt noch nicht sagen. Ich...ich rede mit ihm.“
Sie umarmte mich rasch, hauchte ein danke und schwebte davon. Kopfschüttelnd sah ich ihr nach. Nick, der in einiger Entfernung gewartet hatte, kam auf mich zu.
„Ich wollte mich entschuldigen.“
„Es ist auf Lynns Mist gewachsen.“, erwiderte ich etwas kühler als beabsichtigt.
„Schon...aber...ich hätte es ihr wohl besser ausreden sollen.“ Er rang verlegen mit den Händen.
„Das hättest du wohl.“ Ich drehte mich weg, um die Kinder und Darrel einzusammeln, doch Nick sagte: „Warte Kira.“
Fragend sah ich ihn an. „Es tut mir leid, dass ich Lynns Idee mitgemacht habe. Aber ich hätte es nicht getan, wenn ich dich nicht mögen wurde.“ Sein unsicherer Gesichtsausdruck wurde zu einem Grinsen. „Und du tatsächlich ziemlich heiß wärst.“
„Ich kann nicht glauben, dass wir dieses Gespräch führen.“, sagte ich mehr zu mir selbst. Dann zuckte ich mit den Schultern und grinste Nick an. „Nun, ich glaube es ist in unser aller Interesse, wenn wir es dabei belassen.“
Nick beeilte mich mir zuzustimmen. Als ich an ihm vorbeiging konnte ich es mir allerdings nicht verkneifen, ihm eine kleine Anzüglichkeit ins Ohr zu flüstern, die ihn so rot wie einen Feuermelder werden ließ.

Nachdem wir zuhause waren und die Kinder in ihren Betten (mein Raum war vergrößert worden, so dass Charis ein eigenes Bett darin hatte – Darrel und ich waren der Meinung, dass man nicht zwei unverwandte Kinder in einem Raum schlafen lassen sollte, selbst wenn Charis noch ein kleines, unschuldiges Mädchen war), sprachen Darrel und ich noch einmal über die ganze Sache. Er war sehr, sehr wütend. Auf Nick und auf Lynn und vielleicht sogar ein bisschen auf mich.
„Darrel – wir sind nun mal Geschwister, und Lynn wollte mir – in ihrer eigenen, ziemlich verqueren und für mich auch ganz und gar nicht nachvollziehbaren Logik – helfen. Sie ist meine Freundin und irgendwie...irgendwie ist es ja lieb von ihr gemeint.“
„Aber wie kann sie dann auf die Idee kommen, dich mit Nick verkuppeln zu wollen?!“, brauste er los.
„Leise, du weckst die Kinder auf.“ Ich nahm seine Hand. „Darrel, beruhige dich.“
Er küsste rasch meine Hand und ließ sie dann los, um sich über das Gesicht zu reiben. „Ich bin nicht... ich kann den Gedanken nicht ertragen, dich mit einem anderen Mann zu sehen.“



Am liebsten hätte ich ihn umarmt und geküsst. Doch ich beherrschte mich, denn was nicht sein durfte, durfte nicht sein. Stattdessen lächelte ich sanft. Ich legte die Hand auf meine Brust und sagte: „Hier, wird nie mehr ein anderer Mann sein.“
Er sah mich lange an. Schließlich nickte er, wiederholte meine Geste und brachte ein heiserers „Hier auch nicht.“ hervor.
„Ich hatte dich bis jetzt auch nicht für schwul gehalten.“, witzelte ich trocken. Darrel lachte leise.
„Ich liebe dich, Kätzchen.“ Er zog überrascht die Luft ein. „Habe ich das wirklich gesagt?“
Ich nickte langsam und erschrocken. Der Drang mich in seine Arme zu werfen wurde fast unwiderstehlich. Ich atmete bewusst langsam ein und aus und hielt seinem Blick stand. „Ich liebe dich, Darrel.“, sagte ich dann langsam. Ich nahm seine Hand und drückte sie. „Mehr können wir jetzt nicht haben.“
„Nicht in diesem Leben.“ Er drückte ebenfalls meine Hand. Dann seufzte er. „Ich werde jetzt sehr lange, sehr kalt duschen gehen.“



„Ich nehm' dann den Gartenschlauch.“ Wir sahen beide etwas gerötet im Gesicht aus und ich zwang mich, meinen Blick nicht tiefer als seine Brust wandern zu lassen.
„Hauptsache du behältst dabei was an.“ Wir lachten beide etwas gezwungen und wichen von einader zurück.
Darrel war schon fast am Badezimmer angekommen, als er sich noch einmal zu mir umdrehte. „Kira, wenn du...wenn du etwas anderes willst, als ich dir geben kann...“
Ich schüttelte den Kopf.
„Schüttel' nicht den Kopf. Du weißt nicht was in diesem Leben noch auf uns zukommt.“ Er nickte in Richtung seines Schlafzimmers. „Und wer bin ich, dir etwas zu verbieten? Nur...nur lass es mich nicht durch andere raus finden.“
Ich konnte nicht sprechen und nickte nur. Es musste ihn alle Kraft gekostet haben, das zu sagen. Nach einem Räuspern konnte ich hervorbringen: „Selbst wenn...selbst wenn sich so etwas entwickeln würde....es käme nie bis hier.“ Ich legte wieder die Hand auf meine Brust.
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Re: Akkis Zuflucht

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