Akkis Zuflucht

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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Di Jul 05, 2011 8:18 pm

Kaum hatte ich die Konversation niedergeschrieben, rannte ich aus der Bibliothek. Auf der Straße rannte ich Darrel, der offenbar genauso dringend mit mir sprechen wollte, wie ich mit ihm.



Wir riefen gleichzeitig unsere Namen, dann bedeutete mein ehemaliger Erzfeind, dass ich anfangen sollte. Ich wedelte mit dem Papier. „Du glaubst nicht, was eben passiert ist.“ Ich schnappte noch ein bisschen nach Luft. Dann fiel mir etwas ein und ich grinste. „Und übrigens spukt es wohl doch irgendwie in der Biblitothek!“
Darrel zog nur die Augenbrauen hoch. Er lehnte sich gemächlich an Laterne vor der Bibliothek. Darüber ärgerte ich mich.
„Pff.“, machte ich. Ich strich meinen Sweater glatt und reichte ihm das Blatt. „Lies.“
Darrel warf mir noch so einen herablassenden Blick zu, bevor er sich dem Blatt zuwendete. Sein Gesicht verlor zunehmend den gönnerhaften Ausdruck. Als er geendet hatte, rieb er sich das Gesicht. Langsam wurde das zu einem nervösen Tick!
„Was ist passiert?“, fragte er und reichte mir das Blatt. „Ich lese da in deiner – zugegebenermaßen ziemlich unleserlichen Handschrift –wirres Gestammel.“
Ich rollte mit den Augen. Dann erzählte ich ihm was am PC passiert war. Obwohl Darrel, genau wie ich, Erfahrung mit dem Übersinnlichen hatte, glaubte er mir nicht. Er nahm mich beim Handgelenk und zog mich zurück in die Bibliothek. Ich kam mir vor wie ein gemaßregeltes Kleinkind und sagte das auch.
„Entschuldige.“, sagte Darrel. Er ließ mein Handgelenk los und ließ sich vor dem PC nieder. Er machte einen gehetzten Eindruck und ich konnte nicht umhin, mir Sorgen zu machen. Ich schwieg jedoch als er den PC startete.
Dieses Mal war es nicht einmal nötig die Maus zu bewegen.

Willkommen zurück Kira Smile. Hallo Darrel.
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Akki
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Di Jul 05, 2011 8:21 pm



Darrel starrte auf den PC. Langsam wendete er den Blick von dem Monitor ab und sah mich an. Der gehetzte Ausdruck war nicht verschwunden.
„Darrel? Was ist?“, fragte ich und ging neben ihm in die Hocke. Er schwieg eine ganze Weile und fuhr mir mit der Hand durch die Locken. Dann sagte mit tonloser Stimme.
„Ich dachte es wären nur wir. Nur wir sechs.“
Ich nickte, unsicher was ich entgegnen sollte.
„Dann hätte ich … .“, er brach ab, nahm seine Hand von meinem Kopf und rieb sich das Gesicht.
„Was hättest du?“, hakte ich sanft nach.
„Wenn noch andere hier sind, noch andere kommen …“ Darrel schüttelte den Kopf und es machte mir Angst ihn so aufgelöst zu sehen. „Kira.“ Er sah mir direkt in die Augen. „Ich habe Angst, dass wenn mehr Leute her kommen, ich wieder in alte Verhaltensmuster falle.“

Ich warf einen kurzen Blick zum Bildschirm. Bisher stand dort nur Akkis Begrüßung. Es schauderte mich. Wahrscheinlich beobachtete sie uns. Wie? Woher soll ich das wissen? Hey, it’s magic?!? Dann sah ich Darrel wieder an und ich konnte nicht dagegen an zu grinsen. Ich klopfte ihm aufmunternd das Knie. „Manchmal frage ich mich, wie du überhaupt zum bösen Superhirn oder Oberganoven aufsteigen konntest, wenn du dich gelegentlich so dumm benimmst.“
„Mach keine Scherze darüber.“, sagte müde, resistent gegen meinen flapsigen Tonfall. „Ich habe Dinge getan …“
Ich erhob mich und rieb meine Knie. Längere Zeit zu hocken war was für kleine Kinder oder asketisch lebende Gurus – wobei letztere wahrscheinlich eher im Lotussitz vor sich hinmeditieren. „Ich weiß nicht was du getan hast, aber ich habe eine ungefähre Vorstellung davon.“ Als er protestieren wollte, hob ich die Hand. „Du hast mich einmal umgebracht. Du hast der Mutter deiner Kinder ihren Sohn genommen. Du hast dich der Alientechnologie bemächtigt, um eine Rasse von Supersoldaten zu züchten, damit du die Weltherrschaft an dich reißen kannst – was nebenbei bemerkt wirklich die allerdämlichste deiner Ideen war. Warst du ganz bei Trost in diesem Leben? – Und beim letzten Mal hast du eine Zeitmaschine gebaut, die erst dich und dann mich gekillt hast. Von der Sache in der Ubahn mal ganz zu schweigen.“ Ich holte tief Luft und fuhr fort. „Ich habe dich vom ersten Augenblick gehasst!“ Obwohl er das gewusst haben musste, zuckte Darrel zusammen. „Als ich als Elaine zur Welt kam, und eines der ersten Wörter die ich hörte dein Name war, bin ich beinahe vor Angst und Hass gestorben!“ Inzwischen hatte ich mich so in Fahrt gesprochen, dass ich wild mit den Armen fuchtelte und meine Stimme sich fast überschlug. „Als ich hörte, dass du in Russland gestorben warst, war ich FROH!“ Ich schleuderte ihm die Worte ins Gesicht. Ein Teil von mir hatte Mitleid mit ihm, wie er da so saß, der große kräftige Darrel, zusammengesunken auf einem billigen Schreibtischstuhl, aber ein andere Teil von mir wollte ihm einfach nur das vorwerfen, was ich über all die Leben an negativen Gefühlen angesammelt hatte. „Und dann tauchst du wieder auf, als Frau in Viper Canyon. Scheiße, eine Zeit habe ich sogar geglaubt, du wüsstest wer ich war und hättest es irgendwie geschafft den Satelliten auf Terry fallen zu lassen, nur um mir zu schaden.“
„Dann war ich wieder eine Katze und ich hatte noch nicht geschnallt, dass du es in Viper Canyon warst. Und es hat verdammt lange gedauert, bis ich verstand, dass du hinter der Sache in World’s End steckst. Da machte es erst langsam klick bei mir: das du über all die Zeit mein Feind gewesen warst.“ Die Erinnerungen fuhren in meinem Kopf Achterbahn. „Ich weiß nicht was nach meinem Tod passierte. Ich muss theoretisch als Lethe oder wie immer ich zuvor hieß wiedergeboren worden sein, aber ich habe mein Gedächtnis verloren…als ich es wiederfand, war es schon fast zu spät dich aufzuhalten.“ Ich schüttelte meinen Kopf, zerrissen vor Ärger und Zorn und drehte mich von Darrel weg. „Stell dir meine unglaubliche Freude vor, als ich als Kleinkind entdeckte, wer mein großer Bruder war.“ Ich senkte den Kopf und starrte auf den Teppich in der Bibliothek. Wer verlegte Teppich in öffentlichen Gebäuden? „Meinen geliebten großen Bruder ….“, fügte ich bitter hinzu.



Hinter mir hörte ich Darrel aufstehen. Er stellte sich hinter mich und ich spannte mich an. Wenn er mich jetzt berührte, würde ich ihn schlagen.
„Mein Herz brach an diesem Tag.“, sagte er so unglücklich, dass es mir Schauder über den Rücken sandte. Gegen meinen eigentlichen Willen drehte ich mich zu ihm um.
„Ich war mir von Anfang an bewusst, wer und was ich war, als ich als Basil geboren wurde. Als du geboren wurdest, warst du einfach nur ein weiteres Kind, das sie unverantwortliche Person in die Welt gebracht hatte. Peony legte dich damals zu mir ins Bett, sie wusste nicht wohin mit diesem zweiten Geschwisterchen.“
„Ich war kaum richtig bei Bewusstsein.“, erinnerte ich mich. „Ich verbringe meistens die ersten Monate in Trance. Macht es einfacher.“
Doch Darrel ging nicht auf mich ein, sondern fuhr fort. „Du hast die Augen geöffnet, sahst dich um und hast gegähnt. Du warst ein so stilles und ruhiges Baby. Peony dachte schon, unsere Mutter hätte auch während der Schwangerschaft mit dir Drogen genommen, weil du so still warst. Aber ich hätte ihr sagen können, dass dem nicht so war. Du warst so aufmerksam, auch wenn du mich nicht bemerktest. Ich bemerkte dich zu diesem Zeitpunkt auch nicht. Aber ich … ich begann dieses Baby ins Herz zu schließen und ich wuchs auf mit dem Gedanken, dass ich eine kleine Schwester habe, die mich liebte.“ Er suchte meinen Blick, doch ich war zu aufgewühlt ihn anzusehen. Es ging mir ja nicht anders! Als ich damals erkannte, war es als würde meine Welt umkippen.
„Ich kann mich an deinen Schrei erinnern.“, sagte Darrel. „Er ging mir durch Mark und Bein und ich dachte ich könnte nie wieder etwas hören.“ Er versuchte weiterhin meinen Blick zu fangen. Diesmal sah ich ihn an. „Aber selbst dein Schrei konnte nicht das Geräusch meines gebrochenen Herzens übertönen.“

Wir sahen einander an und ich wagte kaum zu atmen. Vielleicht war der flapsige Spruch denn ich als nächstes brachte, nicht wirklich angebracht, aber meine Zunge ist so oft schneller als mein Hirn. „Ähm – das ist jetzt aber kein Liebesgeständnis, oder?“ Danach hätte ich mir am liebsten die Zunge abgebissen. ‚Sauber versemmelt, Kira’, dachte ich.
Doch Darrel lachte. Ein Teil des Stresses schien von ihm abzufallen und ich musste lächeln.
„Das ist verrückt.“, sagte er dann. „Es wäre ja so als würde ich auf meine Schwester stehen … naja, das bist du schließlich auch.“ Dann wurde er wieder ernst. „Nein. Es ist kein romantisches Ding, wenn du das meinst.“
„Gut, sonst hätte ich in den Ehevertrag aufnehmen lassen, dass du dich mir nicht mit einer Schrotflinte oder Zeitmaschine nähern darfst!“
Diesmal lachten wir beide. Dann bemühte sich Darrel zu erklären, was er meinte: „In deinen Augen habe ich damals das erste Mal bedingungslose Liebe gesehen. Und diese Liebe galt mir. Ich liebte dich genauso bedingungslos wieder. Das war es, was mein Herz brach.“
Ich nickte. Langsam drehte ich den Kopf von ihm fort zum PC. Er sollte meine Tränen nicht sehen. Es war nicht nur sein Herz gebrochen worden an diesem Tag.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Di Jul 05, 2011 8:27 pm

„Nun, deine Chatpartnerin ist entweder offline oder afk.“ Darrel war neben mich getreten.

Bist Du noch da?, schrieb ich.

Klar. Was gibt’s?

„Willst du sie was fragen?“
Darrel verschränkte die Arme. „Ich weiß nicht. Ich bin müde.“
Tatsächlich sah er auch so aus.

Können wir dich immer per PC erreichen? Irgendetwas musste ich ja schreiben!

Wenn ich kann, melde ich wenn ihr hier am PC seid. Ich kann aber nichts versprechen.

Darrel und ich wechselten einen Blick. Als wir zurück zum Bildschirm sahen, war er wieder schwarz geworden. Akki hatte jetzt gerade wohl keine Zeit.



Darrel und ich verließen schweigend die Bibliothek. Wir hatten noch ein paar Bücher über Schwangerschaft und Geburt ausgeliehen, dem eigentlichen Grund unseres Kommens.
„Weswegen bist du eigentlich zur Bib gekommen? Ich dachte du wolltest ins Krankenhaus?“, fragte ich ihn, nachdem wir eine Weile schweigend neben einander her getrottet waren. Naja, ich trottete, Darrel lief mit der Geschmeidigkeit einer Großkatze.
„Ich fand das Krankenhaus offen vor.“ Er nickte mit dem Kopf über die Schulter zur Bibliothek. „Schätze da hat Akki Wort behalten.“
„Was hältst du davon?“
Darrel antwortete nicht sofort, aber ich konnte sehen wie es in seinem Kopf arbeitete. Mehrfach fuhr er sich mit der freien Hand durch das Gesicht. Seine Kieferknochen mahlten, als kaue er auf der Situation herum.
„Ich weiß es nicht.“, erwiderte er schließlich. „Aber glücklich bin ich darüber nicht.“ Dann korrigierte er sich. „Nein, ich bin zumindest erleichtert über die Öffnung der Gebäude. Aber diese Akki macht mir Sorgen und auch mögliche Neuzugänge. Und was sie über die Höheren Entitäten gesagt … geschrieben hat, ist auch nicht gerade erfreulich.“
Ich nickte und wechselte meine Büchertasche in die andere Hand. Warum ist Papier nur so schwer? Darrel bemerkte es und nahm mir die Tasche ab. Ich wollte protestieren, aber wenn er sich abmühen will, bitte!
„Ich muss gestehen, dass ich da auch nicht ganz glücklich drüber bin.“, bekannte ich schließlich. „Über die HE … also die Höheren Entitäten …habe ich schon lange nicht mehr nachgedacht. Nicht seit … seit Jonas damals Terry das Angebot gemacht hat und es sich als riesiger Witz herausgestellt hat, weil er dann doch richtig gestorben ist.“ Ich schnaubte. „Wahrscheinlich hätte ich damals schon die Lunte riechen sollen.“
Darrel erwiderte zunächst nichts, sondern verteilte seine Lasten neu. „Terry war dein Mann. Als du Elaine warst. Quasi mein Schwiegersohn.“
„Ja.“ Ich seufzte und rang die Erinnerung nieder. „Und als Christmas habe ich ihn wieder geheiratet. Bis ihn ein Satellit erschlug.“ Ich kickte einen Kiesel.
„Möchtest du darüber reden?“
Ich sah ihn rasch von der Seite an und sah nichts als ein freundlich gemeintes Lächeln und ernstgemeinte Sorge um mich.
„Eigentlich nicht.“ Meine Stimme überschlug sich ein bisschen. „Ich hatte genug Aufregung für heute.“ Die Tränen, die ich in der Bibliothek noch verschluckt hatte, ziepten mit aller Macht in meinen Augen. Meine Gefühle waren heute Achterbahn gefahren: die Sache mit Akki, unsere gebrochenen Herzen und mein Wutanfall gegenüber Darrel. Warum hatte ich ihn überhaupt so angeschrien? Ich grübelte eine Weile. Natürlich! Ich wollte ihn eigentlich davon überzeugen, dass er nicht zwingend wieder zu einem bösartigen Arschloch werden musste, nur weil eventuell andere Menschen hierherkommen würden. Ich schätze ihm seine Taten aus früheren Leben vorzuhalten, ist nicht gerade förderlich gewesen.



„Es tut mir leid, dass ich dich so angeschrien habe.“, sagte ich schließlich, als meine Augen nicht mehr brannten.
Darrel zuckte nur mit den Schultern. „Ich habe es verdient.“
Vehement schüttelte ich den Kopf und wollte gleichzeitig nicken. „Darrel, ich wollte nur, dass du … also eigentlich wollte ich dich davon überzeugen, dass du nicht zwingend wieder so werden musst, selbst wenn hier noch andere hinkommen.“
Er zog die Augenbrauen hoch, ein Zeichen dafür, dass er sich langsam gefasst hatte. „Interessanter Ansatz.“
„Ich weiß, ich weiß.“ Ich trat nach einem weiteren Kiesel. „Aber … du bist eben nicht mehr so wie als Blake.“
Darrel zog die Schultern hoch.
„Das zeigt sich ja schon an deiner Namenswahl: du könntest dich auch Blake oder Leigh nennen … oder Alyx, obwohl das richtig schräg wäre. Aber du hast dich Darrel genannt.“
„Ich hatte das Gefühl, dass Lethe Darrel ein bisschen mochte.“
Ich kicherte. „Eigentlich hatte Lethe Angst vor Darrel.“
„Oh.“ Er wirkte ehrlich betroffen.
„Du wusstest von Anfang an wer ich war, nicht?“ Wieder traf ich einen Kiesel.
Darrel nickte.
„Aber du hast nichts gesagt.“
„Hättest du?“ Als ich den kopf schüttelte, führ er fort. „Du warst keine Gefahr für mich, solange du nicht wusstest wer du warst. Aber irgendjemand musste sich ja einmischen.“
„Die HEs?“, schlug ich vor.
„Möglich.“ Er sah meinem letzten Kiesel nach. „So verrückt es klingt, ich mochte Jacob außerdem ziemlich. Er liebte dich, du wusstest nicht was los war.“
Ich seufzte. Erst brachte Darrel Terry aufs Tablett, dann Jacob. Steckte da Absicht hinter.
„Die Zeit als Lethe hat mich verändert.“, gestand ich schließlich. „Weiß auch gar nicht wie das passiert ist. Eigentlich hatte ich einen Deal mit Jonas, dass ich nur als Katze wiedergeboren werde.“
„Hm.“, machte Darrel. „Ich habe seit einiger Zeit überhaupt keine Tiere mehr gesehen. Außer Fische und Insekten.“
„Merkwürdig, ich weiß.“
Darrel sah mich von der Seite an. „Willst du da drüber reden?“
Ich warf ihm einen ätzenden Blick zu. „Hast du den Therapeuten in dir entdeckt?“
Darrel zuckte mit den Schultern. „Ich dachte Freunde tun so was. Sich gegenseitig zuhören.“ Er lächelte. „Du hast mir zugehört.“
„Das habe ich.“ Ich lächelte ebenfalls. „Wenn ich darüber nachdenke, vielleicht rede ich mit dir über Jacob.“ Ich senkte den Blick. „Aber nicht über Terry.“
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Mi Jul 06, 2011 7:32 pm

Hinter der verschlossenen Schlafzimmertür hörte ich Gobias nervös auf und ab gehen. Ich rollte mit den Augen und tätschelte beruhigend Lynns Hand. Mit schweißüberströmtem Gesicht sah sie mich so an, als wolle sie mich umbringen. Ich konnte doch nun wirklich nichts für ihre Lage! Das hatte sie sich schon selbst zuzuschreiben. Vielleicht sollte ich Gobias doch reinholen. Dann könnte Lynn ihren Ärger an ihm auslassen.
„Soll ich Gobias holen?“, fragte ich darum.
„Bist du total bescheuert?.....aaaaaaaaaaaargh.“, keifte Lynn und ich fasste mir kopfschüttelnd an die Stirn, während Lynn weiter abwechselnd schrie und schimpfte.
Zwischen einem langen Monolog, hauptsächlich bestehend aus Schimpfwörtern, die kein anständiges Mädchen – genauer gesagt, kein anständiger Mensch – kennen sollte und einem Schrei, der mich ein bisschen an jenen Nachmittag, als sie wie eine gefolterte Katze geschrien hatte, erinnerte, schlüpfte Lily ins Zimmer. Sie trug die sauberen Laken, die wir für das Neugeborene vorbereitet hatten. Bei einem erneuten Schwall aus Lynns Mund, zuckte der Teenager zusammen. Ich wiederholte meine Geste und fasste mir an die Stirn. Lily grinste und stellte sich in eine Ecke neben das Bett, falls wir sie brauchten.



Einige Stunden später konnte ich mit wunden Ohren Gobias seine Tochter überreichen. Lynn hatte sich zum Schluss gut geschlagen und schließlich waren ihr sogar die Flüche ausgegangen. Sie hatte das Neugeborene strahlend angeschaut und schien die Schmerzen der Geburt vergessen.
Obwohl er jahrelang für seine Schwester gesorgt hatte, wusste Gobias nicht so recht, wie er den Säugling halten sollte. Peanut machte es ihm schließlich vor und dann saß der frischgebackene Vater mit dem schlummernden Säugling auf der Couch.
„Wie ist es gelaufen?“ Darrel war leise wie immer an mich herangetreten. „Irgendwelche Probleme?“
Ich schüttelte den Kopf und betrachtete Vater und Tochter. „Es lief alles glatt.“ Ich wendete ihm den Blick zu. „Worüber ich erleichtert bin. Trotz der Vorräte aus dem Krankenhaus, den Medikamenten und den Fachbüchern, habe ich keine Ahnung, ob ich einen Kaiserschnitt hätte durchführen können.“ Schon bei dem Gedanken daran, schauderte es mich. Bei meinem Glück traf ich wichtige Blutgefäße oder verletzte das Kind.
„Wir müssen uns dringend genug medizinisches Wissen aneignen.“, stimmte er mir zu. „Denk an entzündete Blinddärme, gebrochene Knochen …“
Ich unterbrach ihn mit einer Handbewegung. „Hör schon auf damit! Du störst die Schönheit des Moments.“
Er lachte leise. „Sehr poetisch, Kätzchen.“
Ich streckte ihm die Zunge raus.
„Außerdem.“, fuhr er fort. „Ist der schöne Moment spätestens dann vorbei, wenn die Kleine schreit.“ Was sie natürlich prompt tat. „Also jetzt.“

Das Mädchen wurde Gwyn genannt. Sie entwickelte im Laufe ihrer ersten Monate eine verblüffende Ähnlichkeit zu Gobias, was Lynn zu mittelschweren Seufzern veranlasste. Sie liebte ihre kleine, blonde Tochter, aber sie hatte gehofft, dass Gwyn ihr kleines Abbild werden würde.
Unser Zuwachs beengte uns im Haus am Wasserfall noch mehr als zuvor. Aus diesem Grund beschlossen wir, dass ein Teil von uns ausziehen sollte.
Es überraschte mich nicht weiter, dass Darrel sich freiwillig meldete. Ich schloss mich ihm ohne zu zögern an, denn vielleicht hatte ich so Aussicht auf ein echtes Bett.
„Ich will auch mit!“, verkündete Lily.
„Aber Lily?!“, rief Gobias überrascht aus. Dann hielt er Gwyn auf Armeslänge von sich, denn sie begann zu stinken. „Peaaaaanut. Sie hat schon wieder die Windeln voll!“
Sein bester Freund kam und nahm Gobias die wimmernde Gwyn ab. Peanut war wundervoll mit der Kleinen. Er war der geborene Vater.
„Ich finde ich muss lernen auf eigenen Beinen zu stehen.“, erklärte Lily mit dem Selbstbewusstsein einer Heranwachsenden. „Außerdem muss Kira mich ja noch weiter unterrichten. So ist das viel einfacher, nicht wahr Kira?!“ Sie sah mich herausfordernd an.
„Ähm …“, begann ich wenig eloquent. Zu unser beider Überraschung, sprang Darrel ein. „Ich finde die Idee gar nicht so schlecht.“ Da er neben Lily stand, konnte er brüderlich die Hand auf ihre Schulter legen. „Mach dir keine Sorgen, Gobias. Deine Schwester ist ja nicht aus der Welt.“



„Was sollte das denn eben?“
Darrel und ich hatten uns aufgemacht ein geeignetes Grundstück zu finden.
„Hm?“
„Warum hast du dich für Lily eingesetzt? Willst du wirklich einen Teenager im Haus haben?“
„Einen Teenager, der unser Hausmädchen heiraten will.“, gab Darrel zu bedenken.
„Du solltest Peanut nicht so nennen. Er IST zwar eine bessere Hausfrau als ich es je sein könnte, aber …“
„Ich mag ihn.“ Darrel lachte leise. „Und ich bin froh, dass er sich um den Haushalt und so kümmert. Wenn ich mir vorstelle es läge alles in Lynns oder deinen Händen …“
Ich rollte die Augen.
„Aber findest du nicht auch, dass irgendwas an Peanut merkwürdig ist?“
Darrel sah mich fragend an. Dann zuckte er mit den Schultern. „Nur so ein Gedanke.“
„Ah.“ Wir schritten nebeneinander einher. „Nun ja, er ist kein Alien, Vampir, Pflanzensim, Geist … habe ich was vergessen?“
„Mumie oder Werwolf. Aber ich hatte auch nicht in diese Richtung gedacht.“
„In welche dann?“
Er zuckte die Schultern. „Ich kann mir nicht helfen, aber er ist nicht wie andere Menschen.“
Ich musste ihm widerwillig zustimmen. „Ändert aber nichts an seinen Kochkünsten.“
„Oder daran, dass Lily sich fest vorgenommen hat ihn an sich binden.“, fügte er hinzu.
Wir erreichten den Stadtkern. Darrel deutete Richtung Strand und ich nickte zustimmend.
„Ich denke wir sollten Lily unterstützen. Vielleicht nicht gerade in der Peanut-Sache, aber darin auf eigenen Beinen zu stehen. Wir nehmen sie mit und du kannst sie weiter ausbilden. Vielleicht können wir sie ja sogar für Medizin begeistern.“, erzählte Darrel.
„Ich glaube sie ist eher musisch interessiert. Aber ich werde sie im Garten einspannen.“ Ich seufzte. „Ich muss Ableger ziehen und sie mitnehmen. Hoffentlich überleben meine mühsam gezogenen Pflanzen ohne meine Fürsorge.“

Wir entschieden uns für ein Grundstück am Strand. Schon am gleichen Tag begannen Darrel, Peanut und Gobias Baumaterialien heranzuschaffen. Sie bauten in den nächsten Tagen eine kleine Hütte und schon bald konnten Darrel, Lily und ich unseren Umzug vorbereiten.
Doch zuvor bestand Gobias auf eine ordentliche Hochzeit, wenn er schon ein Kind mit Lynn hatte.
Ich war mir nicht über Lynns Gefühle über diese ganze Hochzeitssache sicher. Sie hatte gewiss Spaß die Bekleidungsgeschäfte nach einem Brautkleid zu durchwühlen. Sie hatte auch Lily und mich ausstaffiert und dafür gesorgt, dass die Männer einheitliche Smokings trugen. Vollkommener Kitsch meiner Meinung nach.
Darrel hatte ihm Rathaus Urkundenvordrücke für Ehen, Geburten und Sterbefälle gefunden. Wir trugen zunächst Gwyns Geburt ein und bereiteten dann eine Urkunde für Gobias und Lynn vor.
Als Lynns großer Tag, wie sie es zu nennen pflegte, kam, waren Lily und ich in creme- und orangefarbene Kleidchen gehüllt, deren Tüllrock furchtbar an meinen Oberschenkeln kratzte. Darrel trug die orangeblau gekleidete Gwyn durch die Gegend. Er war selbst in einen blauen Smoking mit einem extrem hässlichen Rüschenhemd gekleidet.



„Ich hoffe eure Kleider sind nur halb so unbequem wie sie aussehen. Mein Hemd ist es auf jeden Fall.“, murmelte er.
„Es kratzt.“, erwiderte Lily. „Lasst uns rausgehen. Sie wollen bestimmt gleich starten.“
Darrel ließ uns den Vortritt und erkundigte sich bei Lily wie sie zur Hochzeit ihres Bruders stand.
Lily warf uns einen merkwürdigen Blick zu und zuckte dann mit den Schultern. „Ich nehme an solche Dinge passieren.“

Ich habe schon viele Hochzeiten gesehen und diese stach nicht sonderlich heraus. Gobias war süß und aufgeregt und Lynn sah strahlend aus. Wir warfen anschließend ein bisschen Reis, was mir dumm vorkam, denn schließlich hatten sie schon ein Kind und ich bezweifle, dass Lynn viel Wert drauflegte bald erneut ein Kind zu bekommen.



Am nächsten Tag nahmen Lily, Darrel und ich unsere Sachen und zogen um. Es überraschte mich nicht, dass Darrel und ich weiterhin in einem Schlafsack nächtigten.
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KAPITEL 3

Beitrag  Akki am Fr Jul 15, 2011 10:18 pm

„Sag mal Lily …“ Ich kniete nieder um meine Pflanzen vom Unkraut zu befreien. Sie gediehen gut in meinem neuen Garten. „Warum warst du eigentlich so heiß darauf mit Darrel und mir zu kommen? Du hast jawohl nicht deine Meinung bezüglich Peanut geändert? Und stehst jetzt auf Darrel?“
Lily kicherte und hob die Gießkanne. Sie stellte sich im Garten gar nicht so dumm an, aber ich merkte, dass ihr Herz nicht gerade an der Gartenarbeit hing. „Natürlich nicht! Ich denke ein bisschen räumlicher Abstand wird meinem Plan nur gut tun.“
„Ach ja?“ Ich blinzelte gegen die Sonne an, damit ich sie prüfend ansehen konnte. Die Arbeit war anstrengend und mir lief der Schweiß zwischen den Schulterblättern den Rücken herunter.
„Ach ja!“ Lily kicherte erneut. Teenagermädchen! Können sie irgendetwas anderes so gut wie kichern? „Außerdem.“, fuhr sie gedehnt fort. „Außerdem würde ich dir niemals in die Quere kommen wollen.“



Ich starrte sie an. Es dauerte eine Weile bis die Essenz ihrer Worte in mein Erkenntniszentrum im Gehirn eingesickert waren.
„Ähm…was?!“, brachte ich schließlich hervor.
Lily wirkte ob meines Erstaunens verwirrt. Sie stellte die Gießkanne ab und betrachtete mich nachdenklich. Ich hingegen kniete immer noch auf der Erde, ein paar ausgerissene Unkrautstängel in der Hand.
„Vielleicht irre ich mich ja auch.“, überlegte sie.
„Irren?!“, echote ich. Beschämt stellte ich fest, dass ich leicht hysterisch klang. Ich warf die Stängel von mir und erhob mich. Mit dem Handrücken fuhr ich mir durch mein schweißnasses Gesicht. Vermutlich hatte ich jetzt Dreck im Gesicht. „Falls du auch nur andeuten willst, dass ich auf Darrel stehe, dann liegst du meilenweit daneben!“ Ich schnaubte. „Aber so was von meilenweit! Ich bitte dich, wir reden hier von Darrel. Darrel, der…“ Ich biss mir auf die Lippe. Hoppla, jetzt hätte ich mich beinahe verquatscht. „Darrel, der mit mir aufgewachsen ist.“, verbesserte ich mich also. Ok, ich hätte natürlich auch sagen können: Darrel, der mein Bruder ist. Warum sagte ich das nicht einfach? Ich war mir nicht sicher, dass wir es noch wirklich waren, aber ...
Während ich noch darüber nach grübelte, erwiderte Lily: „Ihr seid sehr … vertraut.“ Sie nickte wie zur Bekräftigung ihrer Worte. „Mehr als nur vertraut!“
Ich schnaubte erneut, kam aber nicht dazu etwas zu entgegen, denn Lily sprach schon weiter.
„Dauernd steckt ihr die Köpfe zusammen! Du umarmst ihn am laufenden Band und berührst ihn bei jeder sich bietenden Möglichkeit.“ Sie legte den Kopf schief. „Und ja, er tut das auch.“
Ich drehte mich auf dem Absatz um, dabei schüttelte ich den Kopf. Ich ging in die Hütte, Lily folgte mir auf dem Fuß.
„Darrel ist attraktiv.“, merkte sie an. „Außerdem ist er noch frei. Gobias ist ja mit Lynn verheiratet.“ Ich konnte förmlich sehen wie sie die Augen verdrehte, obwohl ich ihr den Rücken zugedreht hatte. „Und Peanut gehört mir. Bleibt für dich also nur Darrel.“ Sie machte anzügliche Küssgeräusche.
„Ich kann nicht glauben, dass wir dieses Gespräch führen!“, murmelte ich, während ich meine Hände unter fließendes Wasser hielt.
„Ärgert es dich?“
„Ärgern?“ Ich trocknete die nunmehr sauberen Hände ab und wendete mich wieder meinem Mündel zu. „Es ärgert mich nicht. Es ist nur absolut abstrus!“



Lily sah wenig überzeugt aus. Sie ging an mir vorbei um sich ebenfalls die Hände zu waschen.
„Wie ich eben schon sagte: Darrel und ich sind gemeinsam aufgewachsen.“
„So wie Peanut und ich.“, schoss Lily zurück.
„Also bitte Lily!“ Ich stemmte die Hände in die Hüfte. „Hör einfach mit diesem haarsträubenden Unsinn auf!“
„Aber…“
„Nix aber!“, fuhr ich ihr über den Mund. „Die Diskussion ist beendet.“
In diesem Moment öffnete sich die Tür und Darrel kam herein. Ertappt sahen Lily und ich erst ihn und dann uns an.
„Zickenalarm?“, fragte er trocken.
„Nein.“, sagte ich brüsk. „Hast du etwa so etwas mitbekommen?“
Er schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich spüre negative Schwingungen.“ Er grinste.
Ich schnaubte abermals. „Ich geh duschen.“ Damit war ich aus dem Wohnraum hinaus, nicht ohne Lily noch einen vielsagenden Blick zuzuwerfen.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Fr Jul 15, 2011 10:19 pm

Obwohl ich inzwischen an meinen Schlafsack mehr als gewöhnt war, begrüßte ich den Entschluss, unsere Hütte zu erweitern. Beim Bau hatten wir zunächst nur einen Wohnraum, ein Bad und einen kleinen Schlafraum errichtet. Den separaten Raum hatten wir Lily überlassen, so dass Darrel und ich mal wieder auf dem Boden nächtigten.
Unser Bautrupp, bestehend aus Darrel, Peanut und Gobias, ergänzte unseren Wohnraum und baute zwei weitere kleine Schlafräume an.
Am Abend als Darrel und ich endlich unsere neuen Zimmer beziehen wollten, horchte Darrel beim Abendessen plötzlich auf.
„Hört ihr das?“
Lily und ich wechselten einen Blick, dann schüttelten wir beide den Kopf. Darrel erhob sich langsam. Er nahm eines der großen Küchenmesser und bedeutete Lily und mir aufzustehen. Lily machte einen besorgten Gesichtsausdruck. Ich winkte sie in ihren Schlafraum.
„Schließ dich ein!“, wisperte ich. Dann griff ich nach einem Besenstiel, der hinter der Tür lehnte. Darrel starrte aus dem Fenster.
„Was siehst du?“, flüsterte ich.
Darrel nickte aus dem Fenster. „Zwei Menschen.“
Ich verdrehte die Augen. „Ist dein Verhalten vielleicht etwas … paranoid?!“
Sein spöttischer Blick traf mich nicht unvorbereitet und so streckte ich ihm die Zunge heraus. „Lass mich das machen.“, schlug ich vor. Ich reichte ihm den Besenstiel und bevor er etwas einwenden konnte, war ich schon zur Tür hinaus.
Vor unserer Veranda standen zwei junge Menschen. Er war schlacksig, aber trainiert, während sie eher korpulent war. Beide hatten einen verängstigten Gesichtsausdruck und wirkten verloren.
„Hi. Kann ich euch helfen?!“, fragte ich mit gezwungener Fröhlichkeit. Hoffentlich trug mich mein Instinkt nicht!
Beide wendeten beim Klang meiner Stimme sofort den Kopf zu mir. Jetzt wo sie mich direkt ansahen, konnte ich eine gewisse Familienähnlichkeit feststellen.
„Ähm hallo.“, sagte schließlich der junge Mann. Die Frau, vermutlich seine Schwester, wich ein wenig hinter ihn zurück. „Entschuldige die Störung … wir sind irgendwie … wir haben uns wohl verirrt.“
„Oh, das Gefühl kenn ich.“, murmelte ich und grinste. Offenbar hatten wir hier den Zuwachs, den Akki versprochen hatte. „Nun, ihr seid hier in Sanctuary.“
„Aha.“, erwiderte der Mann. Es war offensichtlich, dass ihm der Name unserer Stadt (Siedlung wäre wohl passender), nichts sagte.
„Wo ist das?“, fragte jetzt die Wuchtbrumme.
„Hier.“, erwiderte Darrel, der hinter mich getreten war. Ein kurzer Schulterblick verriet mir, dass er sowohl Besenstiel als auch Messer zurückgelassen hatte. „Eine genaue Bestimmung ist nicht wirklich möglich:“
Die beiden Neuankömmlinge wechselten besorgte Blicke.
„Ich bin Kira. Das ist Darrel. Kommt erst mal herein. Wir haben gerade gegessen. Vielleicht habt ihr Hunger?“
Sofort drängte sich die Frau an ihrem Begleiter vorbei. „Ich sterbe vor Hunger!“
„Dee!“, rief er erschüttert aus und sah sie panisch an.
„Keine Sorge. Ich beiß’ nicht.“, witzelte Darrel und winkte beide herein. „Bei Kira wäre ich mir aber nicht so sicher.“
Ich schlug ihm spielerisch auf den Oberarm und ging voran.



Wie sich herausstellte, waren Deirdre und Nick Seymour Geschwister, so wie ich es angenommen hatte. Sie waren auf dem Weg nach Riverview gewesen, als sie plötzlich beide ein Black Out erlitten und hier am Strand, gerade gegenüber unserer Hütte, erwacht. Ich kam nicht umhin mich zu fragen, was Akki in den beiden sah, dass sie als „rettungswürdig“ galten. Sie machten einen sehr normalen Eindruck. Bei den Koffis hatte ich inzwischen festgestellt, dass besonders Gobias geradezu manisch von Sternzeichen besessen war. Lynn schien gelegentlich eine kleine Schizophrenie zu entwickeln, so als würde sie an mehreren Orten gleichzeitig leben müssen. Letzthin hatte sie irgendetwas von einer Nancy gemurmelt. Als ich sie daraufangesprochen hatte, hatte sie mich verwirrt angesehen und sich an nichts mehr erinnert. Ich hoffte nur, dass weder Deirdre noch Nick psychopathisch veranlagt waren.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Fr Jul 15, 2011 10:25 pm

Nach dem Abendessen warf ich einen sehnsüchtigen Blick auf mein Schlafzimmer, bevor ich mein Bett schließlich Deirdre anbot. Sie war inzwischen bei ihrer dritten Portion angelangt, während Nick noch die Reste seiner ursprünglichen Portion auf dem Teller herum schob. Lily war aus ihrem Zimmer gekommen und musterte die Neuankömmlinge neugierig. Sie steuerte nicht viel zur Unterhaltung bei, da sie Fremde nicht gewöhnt war. Fast ihr ganzes Leben lang, hatte sie nur ihren Bruder und uns gekannt. Es musste aufregend für sie sein.
Deidre lächelte mich schüchtern an. „Das kann ich nicht annehmen! Ich kann auf der Couch schlafen.“
Doch ich winkte ab. „Kein Problem. Mein Schlafsack und ich sind gute Freunde.“ Beste Freunde, dachte ich zynisch. Seit Jahren schlief ich nun darin.
„Yeah, Nick du kannst in meinem Zimmer schlafen.“, ergänzte nun Darrel. Er warf mir einen Blick zu. „Mein Schlafsack wird sonst eifersüchtig.“
Wir lachten, aber Deirdre und Nick sahen uns irritiert an.
„Oh glaubt mir.“, warf Lily plötzlich ein. „Die beiden haben überhaupt kein Problem damit zusammen im Wohnzimmer zu schlafen.“



„So bleibt alles beim Alten.“, flüsterte ich Darrel zu und rollte mich in meinem Schlafsack zusammen. „Ich schätze in diesem Leben wird es kein Bett für uns geben.“
Darrel lachte leise. „Mir würde schon fast etwas fehlen.“ Er saß noch vor seinem zusammengerollten Schlafsack und wirkte nachdenklich.
„Was ist?“
„Du kennst meine Ängste.“
Ich setzte mich wieder auf. „Mach dir keine Sorgen. Alles wird gut.“
Er warf mir ein Lächeln zu. „Kriegt man deinen Optimismus auch unter?“
Mein eigenes Lächeln verschwand, ich dachte an Terry. Doch dann zwang ich meine Mundwinkel wieder nach oben und wünschte Darrel eine gute Nacht.

Deidre und Nick lebten sich schnell ein. Wie auch die Koffis und Lynn stellten sie sich selten Fragen über den Grund unseres Aufenthalts in Sanctuary. Darrel und ich hatten uns damals geeinigt, nichts über Akki zu erzählen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sich Akki freiwillig an einen der anderen wenden würde.
Deidre entpuppte sich als hervorragende Köchin. Sie konnte mit den wenigen Zutaten, die wir zur Verfügung hatten, Gerichte kochen, die uns allen das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Natürlich war sie sich selbst die beste Kundin. Es hatte schon fast etwas manisches, wie sie sich wieder und wieder nachnahm und aß. Es wunderte mich, dass sie nicht noch mehr in die Breite ging.



Trotz seiner schmächtigen Statur konnte ihr Bruder kräftig anpacken. Er und Darrel kamen einigermaßen miteinander aus, auch wenn ich nur darauf wartete, dass die beiden aufgrund einer Nichtigkeit aneinander gerieten. Nick war nämlich ein ziemlicher Hitzkopf und ich kannte Darrel gut genug um zu wissen, dass er sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen würde. Doch bisher blieb ein Gewitter zwischen den beiden Männern aus. Nur Deirdre bekam öfter mal Streit mit ihrem Bruder. Meistens ging es dabei ums Essen und über Partnerschaft. Über ihre Streitigkeiten kam ich ziemlich bald dahinter, was die beiden trieb und in Akkis Augen wohl als würdige Subjekte für Sanctuary zu machen: In Nicks Augen müsste Deirdre dringend abnehmen, während Nick sich endlich eine Frau suchen sollte. Es war absurd.



Von mir aus konnte Deirdre soviel essen wie sie wollte. Sie schaffte trotz ihrer Körperfülle ihr Tagespensum im Garten und Haushalt, war erstaunlich wendig in ihren Bewegungen und schien auch nicht weiter zuzunehmen. Und was Nick betraf: Er hatte kein Interesse an mir und ich wäre ja die eigentlich einzige mögliche Option. Lynn war vergeben, Lily zu jung und Deidre eben seine Schwester.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Fr Jul 15, 2011 10:26 pm

Ein paar Tage später jedoch kam Lynn abends zum Essen vorbei. Sie und die Geschwister hatten sich bereits im Park kennengelernt, wohin Lynn ihre Tochter gebracht hatte, damit sie schwimmen lernte. Kaum zu glauben, dass Gwyn schon fünf war!
Es wurde immer später und später, so dass alle bis auf Lynn und Nick ins Bett (bzw. in ihren Schlafsack) gingen.
Ich schlief über ihr leises Gespräch ein. Irgendwann jedoch verstummte ihr Gemurmel und das weckte mich. Ich blinzelte den Schlaf aus den Augen und sah mich vorsichtig um. Darrel lag mich offenen Augen in meiner Nähe. Er warf einen bedeutenden Blick zu Nick und Lynn, die sich wie Mondkälber ansahen. Das stimmt nicht ganz: Nick war das Mondkalb, Lynn hatte eher etwas von der Schlange im Paradies.



Wütend funkelte ich Darrel an. Wenn er schon so etwas mitbekam, dann sollte er auch etwas dagegen unternehmen! Ich kniff meine Augen zusammen, grunzte und begann ein lautes Schnarchen zu simulieren. Nach ein paar Schnarchern, begann Lynn zu kichern. Darrel begann sich hin und her zu wälzen und setzte sich schließlich auf. Er gähnte ausgiebig. Ich hatte vergessen, wie gut er schauspielern konnte.
„Oh wow, wie spät ist es?“, erkundigte er sich.
„Ähm … oh … schon so spät? Ich muss dringend nach Hause!“, beeilte sich Lynn zu sagen. „Gute Nacht!“
Sie floh fast aus dem Haus und ich hörte wie Nick sich in sein Zimmer verkrümelte. Ich gab mein Schnarchen auf, nachdem mich Darrel an der Schulter gerüttelt hatte.
„Zum Glück schnarchst du nicht wirklich so!“, sagte er.
„Ich schnarche nie.“, erwiderte ich würdevoll. Ich sah zu Nicks Zimmertür – er und Deidre hatten sich fest in den beiden Schlafzimmern eingenistet – und machte ein grimmiges Gesicht. „Meinst du da läuft was?“
Darrel hob mit einer geschmeidigen Bewegung die Schultern.
„Ich werde Lynn auf jeden Fall beobachten!“, kündigte ich an.
„Wie ich schon sagte: Lynn ist ein sinnlicher Mensch.“
„Yeah. Wo soll das noch hinführen?!“ Darrel legte sich wieder hin. „Ich nehme an, über Langeweile werden wir uns auch in Zukunft nicht beklagen können.“
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Jul 23, 2011 3:19 pm

Obwohl ich wie ein Luchs aufpasste, konnte ich Nick und Lynn nichts zu Schulde legen. Offenbar hatten sie an diesem Abend ein bisschen geflirtet, aber das war es auch schon.
Zum Glück baute Nick gemeinsam mit Peanut, Darrel und Gobias an einem weiteren Haus, in das Peanut ziehen wollte. Er lud andere auch ein, zu ihm zu ziehen, aber Lily schwor uns alle ein, das bloß nicht zu tun. Natürlich wollte sie diejenige sein, die dort einzog. Ich fragte mich manchmal, ob Peanut auch nur ahnte was ihm blühte …
Lily war inzwischen volljährig geworden. Wir hatten ihren Geburtstag bei ihrem Bruder gefeiert.
Noch am selben Abend wollte Peanut in sein Häuschen ziehen und so bot Lily ihm an, ihn zu begleiten. Unnötig zu sagen, dass Lily nach diesem Abend nicht mehr in unser Haus am Strand kam…



Blieben also wir vier: Darrel, Deirdre, Nick und ich. Darrel und Nick waren tagsüber meistens unterwegs: sie fischten, reparierten an den Häusern, suchten lebensnotwendige Dinge zusammen, eigneten sich Wissen an. Deidre betrieb manchmal das alte Diner, vor dessen verschlossener Tür Darrel und ich am Tag unserer Ankunft gesessen hatten. Wir anderen konnten uns dann mittags etwas bei ihr zu essen holen.
Da ich inzwischen eine neue Schülerin hatte und oft mit ihr in die Bibliothek ging, aßen Gwyn und ich häufig bei Deirdre.



Gwyn war ein wissbegieriges Mädchen und ich hoffte sie später endlich zu einer Medizinerin machen zu können. Zum Glück interessierten sie Naturwissenschaften und seit sich bei Gobias und Lynn erneuter Nachwuchs angekündigt hatte, wollte Gwyn unbedingt auch alles über die Funktionsweise des menschlichen Körpers erfahren.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Jul 23, 2011 3:23 pm

„Ich bin schwanger!“
Lily hüpfte wie ein Gummiball vor mir auf und ab.



„Ähm …. Gratz?!“ Ich chattete zu viel mit Akki…
„Oh ich bin so aufgeregt!“
‚Und ich fühle mich so alt.’, dachte ich. „Ähm wow. Ich freue mich für euch.“ Gleichzeitig stand mir der Schweiß auf der Oberlippe. Ich hatte gerade erst den kleinen Lysander auf die Welt geholt. Zum Glück war alles gut gegangen, auch wenn Lynn ewig in den Wehen gelegen hatte.



„Sag mal.“, unterbrach ich Lilys Gehüpfe. Das Baby musste ja seekrank werden! „Also, ich weiß ja, dass Du Peanut liebst – aber liebt er dich auch?“ Ich machte mir deswegen ein bisschen Sorgen.
Lily verdrehte die Augen und blieb endlich auf beiden Füßen stehen. „Kira. Wir lieben uns schon immer! Seit Peanut ein Mensch geworden ist.“
Ich stutzte. „Wie?“



Lily schlug sich die Hand vor den Mund, als habe sie sich verplappert. Ich sah sie bohrend an.
„Ähm … also …“, stottere Lily.
Die Tür ihres Hauses öffnete sich und Peanut winkte uns herein. „Ist schon in Ordnung, Lil. Wir erklären es ihr.“
Mit gerunzelter Stirn folgte ich dem jungen Paar ins Haus.
„Das wird jetzt vermutlich unglaublich erscheinen.“, begann Peanut. „Aber ich war nicht immer so wie ich jetzt bin.“
Ich zuckte mit den Schultern. Wer bin ich, dass ich mich noch wundern kann? Was konnte er schlimmstenfalls sein?
„Peanut war früher nur Gobias imaginärer Freund.“, fuhr Lily dazwischen. „Spaghetti?“ Sie deutete auf eine Schüssel dampfender Pasta. Ich nickte gierig. Peanuts Spaghetti waren einfach himmlisch.
„Das ist richtig.“, sagte Peanut. „Gobias hatte eine Stoffpuppe, die er Peanut nannte. Sie war sein ein und alles, er vertraute ihr alles an. Irgendwann erlangte diese Puppe – ich – ein Bewusstsein. Ich wuchs mit Gobias heran und schließlich fand er ein Mittel mit dem er mich zu einem Menschen machen konnte.“
„Ok.“, erwiderte ich zwischen zwei Gabeln voll Nudeln.
Peanut und Lily wechselten einen Blick und echoten fragend: „Ok?“
Ich sah von meinem Tomatensaucenmassaker auf. Bestimmt hatte ich wieder Sauce am Kinn. Ich nickte.
„Ok?“, wiederholte Lily ein weiteres Mal. „Wir erzählen dir, dass Peanut mal eine ... eine Stoffpuppe war und du sagt ok?!“
„Yeah.“ Ich legte die Gabel auf den Teller. „Es gibt so viele ungewöhnliche Dinge auf unserer Welt, dass mich das nicht sonders wundert.“
„Zum Beispiel?“
„Vampire. Mumien. Geister.“ Ich sah beide lächelnd an. „Da ist mir Peanut natürlich die liebere Variante. Aber hey. Endlich erklärt sich dein Name.“
Peanut wurde rot. „Ja … der Name ist … auf Gobias’ Mist gewachsen.“
„Könnte schlimmer sein.“, sagte ich achselzuckend. „Kann ich vielleicht noch einen Teller haben?“
Peanut kam meiner Bitte nur zu gerne nach, aber Lily fragte: „Bist du auch schwanger? Du isst jedenfalls als wärest du es.“
Es war an mir die Augen zu verdrehen. „Nope. Ich habe einfach Hunger.“

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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Jul 23, 2011 3:39 pm

Lilys Schwangerschaft verlief gut und ich konnte jeden Tag damit rechnen, dass Peanut mich zur Geburt holen kam. Ich hinterließ jedes Mal eine Nachricht, wenn ich auch nur für fünf Minuten das Haus verließ, auch wenn Lily mir versicherte, dass alles gut gehen würde.
Ich versuchte mit Akki zu chatten, denn ich hoffte auf mehr Bücher über Medizin. Doch der Bildschirm in der Bibliothek blieb leblos. Unsere mysteriöse Wohltäterin schien wie vom Erdboden verschluckt!
„Und?“, fragte ich Darrel. Ich hatte meinen Unterricht mit Gwyn in den Park verlegt, während Darrel versuchte mit Akki Kontakt aufzunehmen. Ich wusste, dass er das nicht gerne tat. Akki war ihm sehr suspekt, aber mir zuliebe hatte er sich doch vor den Bildschirm gesetzt.
„Nichts.“ Er machte ein scheinbar ausdrucksloses Gesicht, aber ich kannte ihn gut genug um zu bemerken, dass inzwischen sogar er sich sorgte.
Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Vielleicht hat sie Urlaub.“
Darrel sah mich spöttisch an. „Klar.“ Er warf einen Blick auf Gwyn, doch die war damit beschäftigt die Pflanzen im Park zu bestimmen. „Was war das letzte über das du mit ihr gesprochen hast?“



Ich musste kurz überlegen. „Sie sprach davon, noch ein Geschwisterpaar zu bringen. Doch irgendwie gab es Probleme. Sie konnte den Bruder nicht richtig loslösen.“ Es schauderte mich etwas. Obwohl niemand von uns wirklich unglücklich hier war, blieb unser Transfer hierher doch arg merkwürdig. „Das war das letzte.“
„Vielleicht hat sie Ärger mit den HE?“
„Ich hoffe nicht. Wer weiß schon, was das für uns bedeuten würde.“
„Ich bin fertig!“; rief Gwyn und unterbrach damit unser Gespräch. Sie winkte grinsend.
„Unser kleines Genie.“, schmunzelte Darrel, während ich die Augen verdrehte. Er musste sie ja nicht unterrichten!
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Mo Okt 22, 2012 8:55 pm

Wieder reaktiviert.....


Was bisher geschah...

Kira und Darrel erwachen nach ihrem vermeintlichen Tod in Sanctuary, einer nahezu menschenleeren Variante von Sunset Valley. Gemeinsam mit den anderen Gestrandeten Gobias, Peanut, Lily und Lynn besiedeln sie langsam die Stadt, die völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist.
Nur Kira und Darrel haben Kontakt zu einem Individuum, dass sich Akki nennt, und mittels des Bibliothekscomputers mit den beiden kommuniziert. Akki gibt sich selbst als Schöpferin von Sanctuary an und erklärt den beiden, noch weitere Menschen nach Sanctuary zu bringen.

Mittlerweile sind aus dem ersten Gemeinschaftshaushalt drei geworden:
Gobias und Lynn sind mit ihren Kindern Gwyn und Lysander auf dem ursprünglichen Grundstück am Wasserfall geblieben.

Peanut und Lily wurde ein Häuschen auf den Klippen gebaut, wo sie mit ihrem ersten Kind leben.

Kira, Darrel und die beiden neusten Gestrandeten Nick und Deirdre wohnen zur Zeit am Strand.

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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Do Okt 25, 2012 7:33 pm

Kapitel 3

Der nächste Morgen begann für Darrel und mich mit einem Schock. An Darrels Schock war ich nicht ganz unschuldig...
Als ich langsam die Gefilden des Schlafs verließ - Darrel und ich nächtigten inzwischen im Vorgarten, obwohl ein Bett frei geworden war - und meine Augen öffneten, wurde mein Blick erwidert.
Ich schrie vor lauter Schreck laut auf. Daraufhin sprang Darrel wie von der Tarantel gestochen aus dem Schlafsack und nahm eine Verteidigungshaltung an. Ich sah perplex zwischen ihm und unserem Besucher hin und her. Dieser hatte sich seelenruhig auf seine Keulen gesetzt und sah uns neugierig an.
"Das ist eine Katze.", stellte Darrel schließlich fest und entspannte sich etwas. "Eine schwarze Katze."



"Vielleicht solltest du dich dann doch verteidigen.", erwiderte ich trocken. Darrel stand Katzen, schwarzen Katzen besonders, nicht eben freundschaftlich gegenüber. Was vielleicht daran lag, dass ich ihm als schwarze Katze ziemlich übel zugerichtet hatte. Ich schälte mich aus meinem Schlafsack und hielt der Katze vorsichtig die Hand hin. Sie ließ sich dazu herab an meinen Fingern zu schnüffeln. Dann maunzte sie uns auffordernd an.
"Ich such mal was zu fressen.", behauptete Darrel und floh ins Haus.



Ich kicherte. Doch dann sah ich mir die Katze genauer an. Sie war schwarz, so wie meine Inkarnationen es gewesen waren. Aber ihre Augen hatten unterschiedliche Farben: Das rechte war grün, das linke blau.
"Braves Kätzchen.", murmelte ich. "Du bist doch ein Kätzchen, oder?" Schnell sah ich mich um, nicht dass Nick oder Deirdre mich überraschten. "Wenn du keine Katze sondern ein wiedergeborener Mensch bist, dann mach Männchen."



Die Katze begann sich seelenruhig zu putzen. Ich nahm an, dass es nein hieß. Oder es war eine besonders perfide Art mich in Ruhe zu wiegen...Herrje, ich verbrachte wirklich zuviel Zeit mit Darrel. Apropos: Hatten wir uns nicht vor kurzem darüber gewundert, dass es hier keine Tiere gab? Und doch stand nun eine Katze vor unserer Haustür. Eine schwarze Katze...
Darrel traute sich einige Zeit später mit Deirdre im Schlepptau aus dem Haus. Die Blondine hatte ein bisschen Fischfilet auf ein Tellerchen gepackt und näherte sich vor Verzückung ganz hibbelig dem Tier. Dieses ließ beschnupperte majestätisch die dargebotene Gabe und machte sich dann wenig damenhaft darüber her.
"Können wir sie behalten? Sie ist so süß. Ich liebe Katzen! Und ich kümmere mich auch um sie!", plapperte Deirdre wie ein Schulkind.
"Die geben wir bestimmt nicht mehr her.", grummelte Darrel. "Kira sieht nämlich bestimmt eine Seelenverwandte in ihr."
"Du bist doof.", entgegnete ich. "Aber ihr wisst doch wie Katzen sind: Wenn sie will bleibt sie, wenn nicht geht sie. Als hätten wir eine Wahl..."
Darrel schnaubte.

Wohl oder übel musste ich die Katze, die wir der Einfachheit halber erstmal auch nur Katze nannten, in der Obhut der anderen lassen, denn ein ziemlich abgehetzter Peanut kam bei uns angeradelt. Bei Lily hatten die Wehen eingesetzt.
Am Nachmittag konnte Sanctuary seine neuste Bewohnerin begrüßen: Maeve. Ich fragte mich nur, ob sie Peanuts ungewöhnliche Haarfarbe geerbt hatte...
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Fr Okt 26, 2012 10:24 pm

Kurz nach dem Auftauchen von unserer Katze, fand Lily einen Hund in ihrem Gemüsegarten. Das arme Tier war ziemlich abgemagert und fraß in seiner Not von den reifen Tomaten. Obwohl weder Lily noch Peanut jemals zuvor einem Hund so nahe gekommen waren, lockten sie ihn an und streichelten ihn. Peanut fütterte ihn und bald war Buster, wie sie ihn nannten, ein vollwertiges Mitglied der Koffi-Familie. Peanut gab sich alle Mühe den Border-Collie abzurichten, damit er auf das Haus und vor allem auf die kleine Maeve aufpassen konnte.




Maeve hatte tatsächlich die Haarfarbe ihres Vaters geerbt. Die hellblaue Augenfarbe jedoch hatte sie von ihrer Mutter. Das jüngste Mitglied unserer kleinen Siedlung wurde von ihren Eltern heiß geliebt.



Der zweitjüngste im Bunde, Maeves Cousin Lysander, kam wie seine Schwester ganz auf den Vater. Seine Schwester Gwyn kümmerte sich so liebevoll um ihn, dass ich meine liebe Mühe hatte, sie weiter auf den Pfad der Medizin zu locken.



Wenigstens als Hebamme wollte ich sie ausbilden, auch wenn ich mir selbst alles im Selbststudium beigebracht hatte. Ich hatte aber nicht nur die drei Kinder auf die Welt geholt, sondern versorgte auch kleinere Verletzungen oder bediente mich in der Krankenhausapotheke, wenn es um eine hartnäckige Erkältung oder einen Magen-Darm-Infekt ging. Deswegen ging ich davon aus, dass Lynn in so einer Sache zu mir kam, als sie mich eines Tages bat, unter vier Augen mit mir zu sprechen.



"So hier sind wir unter uns. Darrel hab ich weggeschickt und die Geschwister kommen nicht vor heute Abend heim." Ich versuchte Lynn freundlich anzulächeln, aber das kam bei ihr so gar nicht an. Sie wirkte sehr besorgt. Hoffentlich hatte sie nichts Schlimmes! "Was hast Du?"
"Hm.", machte Lynn.
Ich ließ sie Hmen und Seufzen, und machte auf geduldige - Ärztin war zu viel, vielleicht Krankenschwester?
"Ich bin nicht krank, aber ich muss mit Dir über was anderes sprechen.", brachte sie schließlich hervor.
"Gott sei Dank.", entfuhr es mir erleichtert. Auf ihren irritierten Gesichtsausdruck hin, winkte ich ab. Lynn war nicht gerade der Mensch mit dem ich meine Versagensängste diskutieren wollte. Allerdings....wenn Lynn nicht krank war, aber mit mir sprechen wollte...dann war sie wahrscheinlich schwanger. Hah, und obwohl ich ihr nichts nachweisen konnte, hatte sie vielleicht sogar mit Nick geschlafen und wusste jetzt nicht, von wem das Kind war?... In meinem Kopf begannen sich die Gedanken so heftig zu überschlagen, dass ich Lynns nächste Worte gar nicht richtig mitbekam.
"Mo-moment mal.", unterbrach ich sie. "Noch mal von vorne."
Sie seufzte. "Ich bin die beiden Straßen, die hierher führen gefolgt - und sie enden einfach."



Ich musste nicht besonders intelligent aus der Wäsche geguckt haben, denn sie fügte erläuternd hinzu: "Es sieht zwar so aus, als ginge die Straße weiter, aber sie endet einfach. Als laufe man vor eine Wand."*

Später am Abend besprach ich Lynns Entdeckung mit Darrel.
"Ich weiß nicht, was mich mehr überrascht: Dass wir nie daran gedacht haben, die Grenzen unsere Stadt zu überprüfen oder dass es ausgerechnet Lynn ist, die es herausgefunden hat.", schloss ich meinen Bericht.
Darrel wirkte sehr nachdenklich. Er rieb sich über den Kiefer und blieb mir eine Antwort schuldig. Ich rollte mit den Augen und lockte die Katze auf meinen Schoß. Sie ließ sich nieder und begann zu schnurren als ich sie zu kraulen begann.
"Das ist ... interessant.", sagte Darrel schließlich.
"Interessant?", echote ich spöttisch. "Ich finde es eher ... strange? Beängstigend? Beklemmend? Oder einfach auch nur ...." Mir gingen die Wörter aus, deswegen wiederholte ich "Strange."



Darrel lachte leise. Dann warf er der Katze ein paar misstrauische Blicke zu, weil sie sich auf meinem Schoss lang gemacht hatte und dabei mit den Vorderpfoten sein Bein berührte. "Ich weiß was du meinst." Er rückte vorsichtshalber ein bisschen von mir ab. "Du musst Akki danach fragen."
'Immer ich.', dachte ich. Akki war in den letzten Monaten nicht eben gesprächiger geworden. Das Geschwisterpaar, das sie noch zu uns bringen wollte, hatte wohl richtig Probleme gemacht (und ich wollte gar nicht so genau wissen, was das für Probleme waren!). "Findest du nicht, dass es - wenn Lynns Beobachtung stimmt - so ist als wären wir eingesperrt?"
Noch immer die Katze beobachtend, nickte Darrel nur. Dann hob er den Kopf und sah mich ernst an. "Den Gedanken hatte ich auch schon. Aber -" Er unterbrach sich kurz, als die Katze von meinem Schoß sprang und davon spazierte, um erleichtert aufzuatmen. "Aber es ist ja vielleicht auch umgekehrt so. Von draußen kann hoffentlich auch keiner rein."
Das war natürlich nicht von der Hand zu weisen - zumindest wenn man es von Darrels Warte betrachtete: Keine Eindringlinge von außen, bedeuteten keine Gefährdung - und keine Möglichkeit für ihn vom rechten Pfad abzuweichen.
"Und damit sind wir dann spätestens in zwei Generation erledigt, weil dann alle miteinander verwandt sind.", gab ich zynisch zu bedenken.
Diesmal lachte Darrel nicht, es klang als kichere er.
"Ich finde das nicht witzig."
Er bemühte sich die Fassung wieder zu finden, bevor er erwiderte: "Soweit zu denken ist - " Er brach ab, weil er wieder lachen musste.
"Pfff."
Ich stand auf und sah Darrel dabei grimmig an. "Ich frage Akki morgen danach, wenn sie zu sprechen ist."
Er nickte nur, die Mundwinkel immer noch weit nach oben gezogen. Widerwillen musste ich auch grinsen. "Du bist doof.", brachte ich noch heraus, bevor ich auch zu kichern anfing.

*
Ja, das ist eine Anspielung auf Die Wand. Die Idee ist also so nicht von mir, sondern ich habe mich inspirieren lassen.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Okt 27, 2012 5:35 pm

Doch bevor ich Akki ansprechen konnte, stand uns ziemlich spontan ein Bäumchen-Wechsle-Dich ins Haus, mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Gobias und Lynn hatten sich schon seit einiger Zeit nichts mehr zu sagen, doch es war zu meiner Überraschung Gobias, der Lynn den Laufpass gab und stattdessen Deirdre bat bei sich einzuziehen.



Gwyn und Lysander arrangierten sich sehr schnell mit ihrer neuen Stiefmutter, aber Dee war ja auch ein wahrer Sonnenschein und sehr familienorientiert...unnötig zu sagen, dass sich hier bald Nachwuchs ankündigte.

Lynn zog daraufhin bei uns ein. Ich konnte mir also wieder jeden Morgen ihr Neglige ansehen... Darrel ignorierte es einfach, das hatte ja schon einmal erfolgreich geklappt. Nick hingegen war ganz hin und weg.



Die beiden flirteten bei jeder sich bietender Gelegenheit und ich war froh, wenn sie sich in der Feuerwache zurückzogen.



Nick hatte sich in den Kopf gesetzt, dass wir eine funktionierende Feuerwache brauchten (bei 3 Haushalten....) und arbeitete jeden Tag etwas dort. Immerhin hatte er alle drei Haushalte irgendwie mit Feuermeldern ausstatten können, die in der Feuerwache den Alarm auslösten. Bisher hatte es aber nur einmal bei Lynn und Gobias gebrannt als diese noch offiziell zusammen waren. Nick war natürlich zur Rettung geeilt. Ein Schelm, wer böses dabei denkt...



Aber immerhin rettete Deirdres Auszug uns vor den ewigen Zankereien zwischen ihr und Nick. Die beiden waren wie Katz und Hund, und dann wieder unzertrennliche Geschwister. Etwas Abstand würde dem Familienfrieden sicherlich gut tun.
Bevor Deirdre umzog, verkündeten Lily und Peanut Lilys zweite Schwangerschaft. Mir standen also wieder zwei Geburten ins Haus. Ich hoffte so sehr, dass alles gut gehen würde.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Okt 27, 2012 11:08 pm

Kapitel 4

Den kleinen Finn, Lilys zweites Kind, und den kleinen Ralph brachte ich zum Glück ohne Probleme auf die Welt. Ich schleppte Gwyn mit zu beiden Geburten und sie bewies sich. Sollte ich einmal verhindert sein, konnte ich die Geburten beruhigt in ihre Hände legen.


Kira mit Finn

Nach Ralphs Geburt konnte ich endlich mit Akki "sprechen". Ich schwang mich vor den speziellen PC in der Bibliothek. Das Chatprogramm sprang beinahe sofort an.

Hallo Kira. Tut mir leid, dass ich so lange nicht erreichbar war.

Es folgten ein paar Smileys, aber mir war nicht nach Schönwetter-Konservation.

Warum können wir Sanctuary nicht verlassen?

Shocked ....wollt ihr meine Zuflucht denn verlassen?

"Pff.", machte ich laut und starrte den Bildschirm böse an, doch Akki schrieb schon weiter.

Ich gebe mir große Mühe, dass ihr hier in Sicherheit seid. Wollt ihr wirklich hier weg?

Es ist nur kein schönes Gefühl eingesperrt zu sein.

Aber ihr seid hier sicher!

"Argh." Mit Akki zu diskutieren war ungefähr so sinnvoll, wie Katze beizubringen, nicht dauernd in Darrels Schlafsack zu kriechen. Darin schlief sie nämlich am liebsten - Darrel war nicht begeistert.

Darum geht es nicht. Wir mögen hier vielleicht sicher sein - wo du ja immer behauptest, die HE wollen uns was Böses. Aber du hast uns nichtsdestotrotz gegen unseren Willen hierher gebracht und wir können hier nicht weg.

Das ist zu euerer eigenen Sicherheit. ... Achja btw: ich habe noch einen neuen Bewohner her gebracht.



Damit wurde der Bildschirm schwarz. Das war ja wieder typisch. Kaum wollte ich Akki auf etwas festnageln, machte sie sich dünne. Und wie im mich ablenken zu wollen, brachte sie noch einen neuen Bewohner hier her.

"Kira? Bist du oben?"
Es war Darrel, der aus dem Erdgeschoss hoch rief. Das er mich so überhaupt vorwarnte, konnte nur bedeuten, dass er Gesellschaft hatte und verhindern wollte, dass diese Person meinen Chat mitbekam. Nun, der Chat war tot, trotzdem fuhr ich den Rechner runter, während ich eine Bestätigung zurück schrie.
Darrel kam die Treppe hoch, gefolgt von einer Fremden. Da hatten wir also schon Akkis angekündigten Neuzugang. Die junge Frau war sehr zierlich und schmal. Ihre Haare waren dunkel und zu zwei Zöpfen gebunden. Ihre Augen hatten ein intensives blau, das mir auf Anhieb gefiel.
Darrel wies auf seine Begleitung. "Das ist Fawn. Ich habe sie gerade unten getroffen."



Fawn - Kitz - das passte zu ihrer schlanken und zierlichen Gestalt. Als sie mich jetzt so scheu ansah, dachte ich mir, dass es wohl auch zu ihrem Charakter passte. Sie erschien mir besonders schüchtern.
"Hi. Ich bin Kira. Wie geht's?"
Fawn sah mit großen Augen zu Darrel. Dann sah sie unsicher wieder zu mir, bevor sie ihre Fußspitzen musterte.
Herrje.. Ich warf Darrel einen schrägen Blick zu. Seine Mundwinkel zuckten verdächtigt, aber er bewahrte die Contenance. Ich setzte mein allerfreundlichstes Lächeln auf. "Du musst keine Angst haben, Fawn. Hier passiert dir nichts."
Darrel nickte und tätschelte ihr beruhigend die Schulter. "Und wenn doch was ist, wende dich vertrauensvoll an Kira. Sie wird Zähne und Krallen einsetzten, um dich zu verteidigen."
Das lockte Fawn ein wenig aus der Reserve. Sie sah erstaunt von Darrel zu mir.
Dem schlug ich derweil auf den Oberarm. "Ich geb dir gleich Krallen und Zähne!"
Gutmütig ließ Darrel den Schlag über sich ergehen und grinste nur. "Du siehst, Kira ist immer angriffsbereit."



"Pfffffff." Ich verschränkte die Arme. "Er schafft es immer wieder mich zu reizen." Ich funkelte ihn noch einmal an. "Lass uns nach Hause gehen. Du hast bestimmt Hunger, Fawn oder?"
Die junge Frau sah mich aus ihren riesigen Augen an. Dann nickte sie ganz sacht.
"Prima. Allerdings gibt es heute wahrscheinlich nur kalte Küche, denn Lynn ist mit Kochen dran und sie überschlägt sich nicht eben damit." Ich hakte mich bei Fawn unter, die vor lauter Schreck zusammenfuhr. Sie sah sich hilfesuchend nach Darrel um, der sich aber einfach auf ihrer anderen Seite stellte. So schleppten wir Fawn zu unserem Haus am Strand.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am So Okt 28, 2012 4:19 pm

"Kann ich mit dir reden?"
Lynn ließ sich, wie üblich nur im Nachthemd, mit ihrem Frühstück neben mich plumpsen. Ich sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Zum Glück hatte das bald ein Ende, denn die Männer bauten gerade an einem Haus für Nick und Lynn.
"Bist du schwanger?", erwiderte ich trocken.



Sie schnaubte. "Nein." Dann grinste sie. "Aber wir arbeiten dran."
"Ich weiß." Das war schließlich nie zu überhören...
Lynn kicherte. "Stört es dich?"
Ich winkte ab. "Du willst bestimmt nicht über den Sexualleben reden. Und sollte das doch der Fall sein, dann such dir bitte jemand anderen."
Lynn legte ihre Gabel neben den Teller und ignorierte ihre Waffeln. Etwas an ihrem Gesichtsausdruck irritierte mich, weswegen ich ihr meine Aufmerksamkeit zu wendete. Nicht, dass sie wieder etwas herausgefunden hatte...
"Ich glaube ich möchte eher über DEIN Sexualleben reden."
Vor lauter Schreck wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen. Ich starrte Lynn entsetzt an, die jedoch wieder seelenruhig zu ihrem Besteck griff und die Waffeln in kleine Stückchen riss.
"Wie bitte?"
"Jetzt tue nicht so bestürzt.", meinte sie. Sie nahm ihre Gabel als Zeigestock um auf mich zu deuten.
"Ich wüsste nicht, was dich mein Liebesleben angeht.", brachte ich schließlich hervor, auch wenn ich eine ungefähre Ahnung hatte, was sie meinte.
"Willst du etwa zulassen, dass dir unser Neuzugang Darrel wegschnappt?"



Treffer. Versenkt. Ich seufzte.
"Lynn ich habe dir - und Lily, und Dee, und jedem anderen - schon mehrfach gesagt, dass zwischen mir und Darrel nichts läuft." Auf ihren skeptischen Blick fuhr ich fort: "Und nie etwas gelaufen ist und nie etwas laufen wird."
Doch Lynn ließ sich nicht beeindrucken. "Fawn himmelt ihn den ganzen Tag an, obwohl er nach wie vor mit dir gemeinsam in den Schlafsäcken pennt. Findest du das in ok?"
Ich hatte natürlich bemerkt, dass Fawn Darrel bewunderte. Ich schätze sie sah in ihm auch ein bisschen den Ritter, der sie errettet hatte. Immerhin hatte er sie vor der Bibliothek aufgegriffen. Außerdem war er groß, sportlich, gutaussehend - und zu Fawn immer besonders freundlich. Aber das waren wir alle. Fawn war einfach so ein Mensch, den man immer beschützen wollte. Wie ein Kitz eben. Wir waren alle ausnehmend sanft und artig, wenn sie dabei war. Sogar Nick riss sich am Riemen und ließ seinem hitzigen Gemüt nur freien Lauf, wenn Fawn nicht dabei war.
"Sogar ich hab meine Finger von Darrel gelassen, nachdem mir klar wurde, dass du zuerst Ansprüche auf ihn erhoben hast.", fuhr Lynn fort.
Argh. Ich widerstand dem Drang meine Stirn auf die Tischplatte zu schlagen. ich sah stattdessen Lynn sehr nachdenklich an.
Sie war ja nicht die erste, die Darrel und mir unterstellte, wir hätten was am Laufen. Nur wie sollten wir ihnen klar machen, dass das grober Unfug war. Ich liebte Darrel, das stimmte schon. Aber eben als Bruder, vielleicht noch als Freund. Und ich hatte ihm gegenüber eine Verantwortung. Aber deswegen direkt anzunehmen, wir wären romantisch verbandelt. So ein Schwachsinn. Ich würde mich doch nicht mit dem Teufel persönlich einlassen!
Nur das Darrel eben nicht mehr das Böse in Person war....Aber davon abgesehen, wusste ich auch, dass Darrel Fawn nicht ganz abgeneigt war. Er hatte ihr gegenüber einen noch viel ausgeprägteren Beschützerinstinkt als wir anderen. oh, und sie war natürlich bildhübsch...



Ich verspürte einen klitzekleinen Stich im Herzen, den ich zusammen mit einem Bissen Waffel hinunterschluckte. Dann sah ich Lynn an und entschloss mich kurzer Hand Lynn ein für alle Mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und den Weg freizumachen für Fawn. Denn wenn sie Darrel gut tat und er sie vielleicht liebte, dann wäre es wichtig für ihn, um auf dem rechten Pfad zu bleiben.
"Lynn.", sprach ich meine Mitbewohnerin mit so ungewohnt ernster Stimme an, dass sie mich erschrocken ansah. "Lynn. Darrel ist mein leiblicher Bruder."



Am Abend erzählte ich Darrel, dass ich Lynn gestanden hatte, dass wir Geschwister sind.
"Aber du weißt nicht, ob wir noch wirklich Geschwister sind.", wendete Darrel überraschend ein.
Ich nickte. "Schon, unser....hm...Transfer? hierher hat vielleicht etwas geändert. Vielleicht aber auch nicht. Wir sind oder sind nicht Geschwister." Ich rollte meinen Schlafsack aus. "Aber das ist ja auch egal." Ich sah ihn lange an. "Oder nicht?"
Darrel ließ sich ebenfalls nieder und nestelte an seinem Schlafsack. Dann rieb er sich wieder durch das Gesicht.
"Du magst Fawn.", sagte ich. "Und sie himmelt dich an."
Darrel sah zum Himmel. "Ich...mag sie sehr. Aber sie ist nicht Brenda."
Ich nickte. "Ich weiß was du meinst." Seufzend klopfte ich seine Schulter. "Was das angeht habe ich ein bisschen mehr Erfahrung als du." Erneut seufzend überlegte ich, wie viel ich preisgeben sollte.



"Als ich noch die erste Kira war, da war ich auch verheiratet. Er starb, ich wurde wiedergeboren und lernte Terry kennen. Ich hatte meinen ersten Mann, Alrik, sehr geliebt, und ich fragte mich, ob ich mich überhaupt neu verlieben konnte." Ich spürte wie mir unerwünschte Tränen in die Augen stiegen. "Ich konnte. Und in Terry hatte ich viel mehr als nur eine neue Liebe gefunden. Wir starben gemeinsam und wir fanden uns später wieder." Darrel legte mir den Arm um die Schultern, diesen Teil der Geschichte kannte er. Er wusste, dass es mir immer noch zu schaffen machte. "Doch dann starb er für immer, während ich weiter wiedergeboren wurde." Ich musste eine kleine Pause machen und die Tränen wegwischen. "Als ich Jacob kennenlernte, wusste ich nicht wer ich bin. Ich wusste also auch nichts von Terry. Ich verliebte mich neu, doch auch als mein Gedächtnis wiederkehrte, hörte ich nicht einfach auf Jacob zu lieben." Ich atmete tief durch. "Was ich dir damit sagen will ist, dass man durchaus auch zwei Menschen lieben kann."
Darrel küsste rasch meine Stirn. "Ich weiß." Die Geste überraschte mich. Ich sah ihn irritiert an, doch er lächelte nur. Erschöpft kroch ich in meinen Schlafsack. Ich drehte mich auf die Seite um Darrel anzusehen und sah, dass er das gleich getan hatte.
"Ich bin froh dich zu haben.", flüsterte er bevor er die Augen schloss.
Schnell schloss auch ich meine Augen, damit ich nicht weinen musste. Ich hoffte so sehr, dass Fawn die Richtige für ihn war. Darrel durfte keinen Rückschlag erleiden. Dafür würde ich alles tun.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Fr Nov 02, 2012 10:24 pm

Es war für mich eine sehr große Umgewöhnung nach guten zwanzig Jahren nicht mehr in einem Schlafsack, sondern einem Bett zu schlafen. Ich konnte es kaum fassen, dass ich nach so langer Zeit überhaupt mal ein Bett von Nahem sah.



Lynn und Nick waren endlich in ihr eigenes Haus gezogen. Kaum waren sie fort, stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass mir Lynns Gesellschaft schon ein bisschen fehlte. Da Nick meist den ganzen Tag unterwegs war, hatten sie und ich, so denn keine Geburt anstand, viel Zeit miteinander verbracht. Zeit die ich jetzt mit Darrel und Fawn verbringen konnte. Mit der Betonung auf dem Und.



Ich hätte nicht gedacht, dass es mir etwas ausmachte. Ich sollte ja eigentlich weise genug sein...Aber jeden Tag ein verliebtes Pärchen um sich zu haben und selber nicht einmal die geringste Aussicht auf einen Partner zu haben...Es machte mich innerlich sehr einsam. Man darf mich nicht falsch verstehen, Fawn war einfach so liebenswert, man konnte ihr nie böse sein. Sie gab ihr bestes sich mit mir anzufreunden. Und Darrel...es war nicht er, der sich zurückzog sondern ich. Wo es früher immer mein Part gewesen war, auf ihn zuzugehen und ihn zu umarmen, versuchte er es jetzt bei mir. Doch ich wollte auf keinen Fall, dass bei Fawn - oder sonst jemanden - ein falsches Bild entstand. Deswegen zog ich mich immer mehr zurück und verbrachte nach der Gartenarbeit viel Zeit außer Haus.



"Hier steckst Du also."
Überrascht sah ich mich um. Lynn schlenderte über den Strand. Sie lächelte mich an. "Darrel hat so eine Andeutung gemacht, dass du vielleicht hier sein könntest."
"Mhm.", machte ich undeutlich. Ich befand mich am Strand hinter der Klippe, auf der in einem anderen Leben das Haus von Jacob und Lethe gestanden hatte. Der vertraute Ort tröstete mich auf bittersüße Art.



"Boah.", machte Lynn. "Weißt du eigentlich, dass ich mich zu Tode langweile, seit wir da oben wohnen?" Sie kam neben mich und grinste. "Klar, an den Tagen an denen Gwyn und Sandi da sind, geht es. Und abends wenn Nick da ist auch." Sie zwinkerte. "Wenn du verstehst was ich meine."
"Verschon' mich.", murmelte ich.



Lynn kicherte. "Naja. Ich hab auf jeden Fall gedacht, ich kann ja nicht den ganzen Tag die Pferde am See beobachten. Oder nur Malen. Wie wär's, wenn wir uns im Park treffen? So alle paar Tage? Sonst sterbe ich!" Sie sah mich so theatralisch an, dass ich wider Willen lachen musste. Dann wurde ich ernst.
"Hat Darrel dich auf mich angesetzt?"
Sie zuckte mit den Schultern. "Vielleicht hat er mal was fallen lassen. Aber du kennst mich: ich bin nicht gerade die uneigennützigste Person hier." Dann sah auch sie mich ernsthaft an. "Ich kann mir vorstellten, dass du nicht gerade glücklich im Moment bist. Und einsam."
"Ich brauche keine Mitleid.", hielt ich ihr entgegen. "Hey, ich hab immerhin eine Katze. Vielleicht baue ich mir hier ein Haus und suche mir noch einen Kater. Dann kann ich ganz viele Katzen haben und werde eine verschrobene alte Katzenfrau."
Lynn sah mich an, als hätte ich einen Sprung in der Schüssel. Es dämmerte ihr wohl, dass ich versuchte mich mit Galgenhumor aus der Sache zu ziehen. Spontan umarmte sie mich. Obwohl ich Lynn gegenüber gemischte Gefühle hatte, tröstete mich diese Geste sehr.
"So.", strahlte sie dann. "Und morgen gehen wir in den Park!"



Tatsächlich ließ ich mich von Lynn überzeugen, mich regelmäßig mit ihr im Park zu treffen. Manchmal holten wir die Kinder von Dee und Lily dazu ab, damit ihre Mütter mal eine Auszeit hatten. Den Unterricht von Maeve und Lysander hatte ich inzwischen fast komplett an ihre Eltern delegiert, da Heimunterricht einfach viel praktischer war. Seit Dee ein zweites Mal schwanger war, übernahm Lily auch Lysanders Unterricht. Er kam dazu jeden Tag zu Lilys und Peanuts Haus geradelt. Nach dem Unterricht konnten er und Maeve miteinander spielen. Sie waren ja nur ein paar Monate auseinander und kamen prächtig miteinander aus.



Neben Dees zweitem Kind erwartete mich bald eine Geburt, die mir heftige Magenschmerzen bereitete: Fawn wurde schwanger.
Meine Magenschmerzen hatten allerdings nicht den Ursprung in meiner Einsamkeit. Ich freute mich sogar für Darrel. Ich wusste er vermisste seinen Sohn Edmund auch nach so langer Zeit noch. Er war ein gute Vater. Was mir Sorgen bereitete, war Fawns Statur. Wo Dee förmlich zum Kinderkriegen geboren war und selbst die schlanke Lily ein gebärfreudiges Becken besaß, war Fawn einfach zu schmal. Alles an ihr war zierlich und klein. Die Geburt würde sowohl ihr, als auch dem Kind und mir Probleme machen.



Fawn gegenüber äußerte ich mich zurückhaltend. Ich erklärte ihr, dass sie durch ihre schmale Figur vermutlich eine schwere Geburt haben würde. Sie sah mich mit ihren großen Rehaugen erschrocken an. Dann lächelte sie sanft. "Ich vertraue dir Kira. Du wirst mir bestimmt helfen." Sie war so schrecklich vertrauensvoll, wenn sie erst einmal jemanden ins Herz geschlossen hatte.



Dass schon die Schwangerschaft nicht einfach werden würde, ahnte ich bald. Fawn war immerzu müde und sie hatte oft Schmerzen. Sie beklagte sich nie, aber als auch noch Blutungen dazu kamen, verordnete ich ihr eine strenge Bettruhe. Das war auch der Moment, in dem ich Darrel offenbaren musste, wie groß meine Sorgen um seine Partnerin waren.



Mein "Bruder" rieb sich mit der Hand über Kinn und Kiefer. Er sah mich nachdenklich an, so als wollte er die Worte, die ich eben gesagt hatte, noch einmal ganz genau beleuchten. Fawn hatte sich zu einem Mittagsschlaf hingelegt und ich dachte, es wäre ein guter Moment mit Darrel zu sprechen.
"Ich hoffe, dass alles gut geht. Ich habe mich dieses Mal sehr intensiv vorbereitet.", fügte ich hinzu. Wir saßen nebeneinander auf der Couch, aber der Abstand zwischen uns könnte nicht größer sein. Seit Fawn in unsere Leben getreten war und ich die Entscheidung getroffen hatte, dass wir noch Geschwister waren, hatte sich zwischen uns eine Distanz gebildet. Ich war sicher, er liebte Fawn. Und ich wusste wie wichtig Liebe für ihn war. "Darrel, ich werde alles dafür geben, dass die Geburt gut verläuft." Ich nahm fasste an sein Kinn und zwang ihn mich anzusehen. "Hörst du?"
Darrel nahm meine Hand und drückte sie sanft. "Ich höre dich, Kätzchen."
Kätzchen...so hatte er mich lange nicht genannt. Ein Schauder lief mir über den Rücken. Ich entzog ihm meine Hand und tat so, als müsste ich mich kratzen. "Gut.", erwiderte ich. Schnell stand ich von der Couch auf. "Gut. Du musst jetzt sehr auf Fawn achten. Sie darf sich auf keinen Fall übernehmen."
"Kira,..."
Ich hörte an seinem Tonfall, dass er jetzt nicht über Fawn sprechen wollte. Deswegen fuhr ich fort: "Entweder Gwyn oder ich werden die ganze Zeit bei ihr sein. Nick hat mir auch ein WalkieTalkie aus der Feuerwache einsatzfähig gemacht. Wenn ich nicht hier bin, kann Gwyn mich damit schnell rufen."
"Ich bin sicher du weißt was du tust.", entgegnete Darrel mit kühler Stimme.
Erneut lief mir ein Schauder über den Rücken. Dieses Mal, weil sein Tonfall mich sehr an den alten Darrel, den bösen Darrel erinnerte. Ich sah niedergeschlagen zu ihm, fuhr aber fort: "Wenn euer Kind auf der Welt ist, werde ich ausziehen." Ich zwang mich zu lächeln. "Ihr werdet den Platz brauchen. Ich hatte daran gedacht, auf der Klippe zu bauen."



"Warum willst du weglaufen?" Er rieb sich das Gesicht, sah jetzt ganz müde aus. Mein Herz tat mir weh.
"Du weißt warum." Damit drehte ich um und ging in den Garten. Darrel kam mir nicht nach.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Nov 03, 2012 7:31 pm

Als Dee Wehen bekam, wurde ich nicht gerufen. Das war in Ordnung und zeigte mir, dass Gwyn langsam zu einer gleichwertigen Hebamme wurde. Sie stand ihrer Stiefmutter erfolgreich bei und war sichtlich erfreut über ihren Erfolg bei der Geburt von Schwesterchen Carla.



Die Familie hatte nun ein Kleinkind und einen Säugling zu versorgen. Dazu kam noch ein Hund, den Gwyn irgendwo aufgegabelt hatte und der sich bei allen Familienmitgliedern großer Beliebtheit erfreute. Kaum war allerdings die kleine Carla ein paar Monate als, als Deirdre erneut schwanger wurde. Sie würden bald anbauen müssen...



Dass Dees Niederkunft so problemlos verlaufen war, versuchte ich als gutes Zeichen zu werten, auch wenn sich mein Magen anfühlte, als hätte ich Steine gegessen. Fawn sah mit jedem Tag blasser aus. Ihr Gesicht wirkte richtig farblos, obwohl sie einen eher dunklen Teint hatte. Darrel und ich musste sie geradezu zum Essen zwingen. Die meiste Zeit lag sie im Bett oder auf der Couch und die Freude auf ihr Kind, die sie zu Beginn ihrer Schwangerschaft versprüht hatte, verblich mehr und mehr.



Sie war im letzten Monat ihrer Schwangerschaft, als Darrel und ich nach unserem Gespräch zum ersten Mal wieder allein waren. Inzwischen standen uns beiden schon morgens die tiefen Sorgenfalten im Gesicht. Ich hatte Angst und verspürte außerdem das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen.
"Ich tue alles was ich kann.", sagte ich deswegen, als er sich neben mich auf die Couch setzte.
"Ich weiß." Er sah mich von der Seite an. Tatsächlich konnte er sich ein Lächeln abringen. "Selbst wenn wir noch in der Zivilisation wären, würde ich niemand anderen an ihrer Seite wissen wollen."
Unvermittelt traten mir die Tränen in Augen und ich begann zu schluchzen. All der Druck der auf mir lastete, von Fawns Schwangerschaft über meine Einsamkeit bis hin zu meinen merkwürdigen Gefühle für Darrel, brachen über mir zusammen. "I-i-ich wünschte ... wir wären in der Zivilisation.", brachte ich mühsam hervor.
Darrel rutschte sofort neben mich und legte seinen Arm um mich. "Ssssch.", machte er beruhigend. Ich klammerte mich an ihn und heulte hemmungslos los. Während ich so meiner Angst und meiner Einsamkeit ein Ventil verschaffte, flüsterte Darrel beruhigend auf mich ein und streichelte meinen Rücken. An seine Worte kann ich mich nicht erinnern, aber seine Stimme tröstete mich.
Ich weiß nicht wie lange es dauerte, bis meine Tränen versiegten. Am Ende waren meine Augen fast wund, meine Nase ganz rot und meine Stimme rau.
"Sieh mich nur an. Da ist es deine Freundin und dein Kind, die in Gefahr sind und ich heule wie ein Schlosshund. Ich sollte dich trösten und nicht du die Hebamme."



Darrel zog mich dichter an sich heran und lächelte schwach. Mit seiner Hand strich er mir erst die wirren Strähnen aus dem Gesicht und legte sie dann auf meine Wange. "Es ist in Ordnung so wie es ist." Er seufzte. "Ja, ich mache mir Sorgen, aber du stemmst den ganzen Druck, alle deine Sorgen und Ängste allein." Er nahm seine Hand von meiner Wange und griff nach meiner eigenen Hand. Mit dem Daumen strich er über meinen Handrücken. "Ich wünschte nur, du wärest eher mit deinem Kummer zu mir gekommen."
Ein wenig besorgt sah ich auf unsere verschlungenen Hände. Sein Arm um meine Schultern, der mir vor wenigen Minuten noch so tröstend vorkam, lastete auf einmal schwer auf meinem Gewissen. Ich sah Darrel wieder an und bemühte mich um einen verbindlichen Gesichtsausdruck. "Ich kann mir keinen besseren Bruder -  oder Freund - wünschen als dich." Damit ließ ich seine Hand los und stand auf. Unter seinem absolut frustriertem Gesichtsausdruck ging ich ins Bad, mit der Erklärung mich frisch machen zu wollen. Ich hörte selber wie lahm ich klang.

Als bei Fawn die Wehen einsetzten, waren sie und ich allein. Nachdem ich Fawn zunächst ins Schlafzimmer gebracht hatte, rief ich mit dem Funkgerät nach Hilfe.  Ich wusste nicht, wer es zur Zeit hatte, aber der Funkspruch ging auf jeden Fall bei Nick in der Feuerwache ein, der versprach sofort Hilfe zu holen.



Das Kind lag nicht richtig. Diese Befürchtung hatte ich schon eine ganze Weile gehegt. In Fawns schwachem Zustand war das ganz und gar ein schlechtes Zeichen. Als Gwyn endlich eintraf, was Fawn vor Schmerzen und Erschöpfung kaum mehr ansprechbar. Ich konnte ihr nichts gegen die Schmerzen geben, außer ein paar Tees, die sie aber nicht trinken wollte. Gwyn eilte an ihre Seite und hielt sie fest, während ich zwischen Fawns Beinen kniete und mich innerlich darauf vorbereitete, entweder eine tote Mutter oder ein totes Kind  - oder im schlechtesten Fall beides - Darrel beichten zu müssen. Ich hoffte sehr, dass er bald käme. Nick hatte sich, nachdem er Gwyn geholt hatte, zu dem See aufgemacht, an dem Darrel und Gobias an diesem Tag fischten.



Ich schaffte es, das Kind zu holen. Es war ein kleiner Junge, ganz verschrumpelte und mit leicht bläulich im Gesicht. Das war gerade noch einmal gut gegangen - für ihn. Als ich den Kleinen in ein Umschlagtuch wickelte, bemerkte ich, dass Fawn aufgehört hatte zu atmen. Außerdem stieg leichter Nebel in einer Zimmerecke auf, was nur eines bedeuten konnte: Jonas kam. Schnell drückte ich Gwyn das Neugeborene in den Arm. "Raus. Sofort."
"Was?" Sie sah mich irritiert an, doch ich riss schon die Tür auf und schob sie hinaus. Darrel kam gerade ins Haus gerannt, gefolgt von Gobias. Ich fasste beide Männer ins Auge. "Keiner kommt jetzt rein."
Darrel kam auf mich zu, doch ich schnitt mit einer Handbewegung seinen Prostest ab. "Nein. Vertrau mir. Ich verspreche, ich rette Fawn."
Damit schmiss ich die Tür zu und schloss sie ab. Über Fawns Bett hatte sich Jonas bereits manifestiert. Sein dunkeler Kapuzenumhang wehte in einem Wind, der nicht da war und vom Saum des Umhangs stieg Nebel auf.



"Nein.", sagte ich auch zu ihm.
Obwohl sein Gesicht (oder das was Sensemänner so als Gesicht haben) verborgen war, konnte ich förmlich sehen, wie er mit den Augen rollte. "Sie steht auf meiner Liste." Er deutete auf sein Klemmbrett. "Aber wie wäre es vielleicht erstmal mit einem Hallo?"
"Pff. Als ob dazu jetzt Zeit wäre." Ich machte einen Schritt auf ihn zu und postierte mich so zwischen Fawn und ihm. "Bitte, Jonas, kannst du nicht eine Ausnahme machen?"
Der Knöcherne seufzte. "Kira, du weißt es gibt keine Ausnahmen."
"Du hast einmal eine gemacht. Du hast dafür gesorgt, dass das Kind meines Bruders Logan, dass er unwissentlich mit seiner Halbschwester gezeugt hat, überlebt."
"Das war ein Handel!" Seine Stimme klang fast so aufgebracht wie die von Darrel, der auf die Tür einschlug und forderte eingelassen zu werden. Ich blendete ihn aus.
"Das war ein Handel.", wiederholte Jonas. "Denk an den Preis."
Mit der Hand deutete ich zur Tür. "Weißt du wer das ist?"
Jonas nickte.
"Weißt du auch, was ich getan habe, damit er vergisst WAS er gewesen ist?"
Wieder ein Nicken.
"Und weißt auch, dass ich alles tun werde, damit das so bleibt?"
Jonas seufzte so tief, dass mir der Atem stockte. "Kira.", sagte er. Dann sah er auf Fawn. "Kira, denk an den Preis bei unserem letzten Handel."
Das tat ich. Um das Leben seiner ungeborenen Tochter zu retten, hatte ich unwissentlich meinen Bruder Logan umgebracht.
"Ich weiß, Jonas." Dann straffte ich meine Schultern, griff nach dem Klemmbrett. Wir hielten es beide fest. Die trüb leuchtenden Augen unter der Kapuze waren fest auf mich gerichtet. Ich setzte ein entschlossenes Gesicht auf. "Lass uns handeln."

Darrel brach die Tür schließlich auf. Kira hatte nicht auf seine Rufe reagiert, aber wusste tief in seinem Inneren, dass dort etwas nicht stimmte. Er kannte genau wie seine "Schwester" die Anzeichen für einen bevorstehenden Besuch des Sensemannes. Als Darrel durch die Tür brach, sah er gerade noch wie der Knöcherne dematerialsierte. "Nein!"
Hinter Darrel drängten Gwyn und ihr Vater in den Raum. Sein neugeborener Sohn schrie derweil wie am Spieß.

Die Schreie des Babys weckten seine Mutter. Fawn sah zwar erschöpft aus, aber nicht so wächsern blass wie Gwyn sie in Erinnerung hatte. Bevor Kira sie aus dem Raum gedrängt hatte, hatte Fawn mehr tot als lebendig ausgesehen. Nun wirkte sie sehr lebendig. Fawn sah sich irritiert um. Sie streckte die Arme nach ihrem Kind aus.

Gobias hob den Blick und spürte, wie ihn eine ganz unschöne Ahnung überkam. Er beobachtete seine Tochter den Säugling an die Mutter überreichte. Fawn saß im Bett und wirkte ganz verwirrt. Sie drückte sie ihr Kind an sich, während Gwyn beide Hände hob und ihr Gesicht darin vergrub. Dann sah Gobias wieder zum Boden, wo Darrel den leblosen Körper seiner Schwester an sich drückte und immer wieder "Nein" flüsterte.



ACHTUNG
Ab hier geht es Richtung Sanctuary ohne Kira, aber mit Fawn - klickt HIER um zu Sanctuary ohne Fawn, aber mit Kira zu gelangen.


Zuletzt von Akki am So Jul 12, 2015 7:24 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am So Nov 04, 2012 4:22 pm

Kapitel 5

"Wir haben uns verfahren." Hector sah sich nervös nach allen Seiten um, bevor er den Wagen an den Straßenrand lenkte und sich zu mir umdrehte.
Ich hatte geschlafen und wurde gerade erst langsam wach. Rasch erwiderte ich seinen sorgenvollen Blick mit einem Lächeln und gluckste. Dann reckte ich den Kopf um aus dem Fenster zu sehen.
Bingo. Er hätte sich gar nicht besser verfahren können. Ich merkte wie sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht abzeichnete.
"Na, wenigstens dir scheint es hier zu gefallen.", merkte mein Vater an. Er beugte sich wieder nach vorn und griff ins Handschuhfach um eine Karte hervorzukramen. Während er sie entfaltete, um unseren Aufenthaltsort zu identifizieren, strecke ich meine Arme und Beine. Kindersitze sind eine Folter. Zumal mich Hector so sorgsam angeschnallt hatte, dass ich die Bewegungsfreiheit eines Zwangsjackenträgers hatte. "Buuuuh.", machte ich, doch Hector war ganz in seine Karte vertieft. Schließlich raffte er die Karte zusammen. Er stieg aus und sah sich erneut um. Ich hörte sein Seufzen und Murmeln. Warum geriet ich eigentlich immer wieder an Neurotiker?
Hector stieg wieder in den Wagen und startete ihn. "Da vorne ist ein Haus. Vielleicht kann man uns dort Auskunft geben." Umsichtig legte er den ersten Gang ein und fuhr los.



Alles in allem hätte ich es mal wieder schlechter treffen können. Ich hatte mein Leben als Poppy-Kira gegen das Leben von Fawn eingetauscht, mit dem beruhigenden Wissen, ohnehin wiedergeboren zu werden. Das hatte ich klugerweise vorher abgeklärt. Gut, meine Mutter war auf und davon und Hector ein Neurotiker, aber wenigstens hielt er nicht viel von Babysprache. Er sprach mit mir immer wie mit einer Erwachsenen. Ich glaube nicht, dass er wusste wie viel ich tatsächlich verstand. Aber er war ein guter Vater, der sich wirklich Mühe gab, auch wenn er zunächst vollkommen überfordert mit der Rolle als Alleinerziehender war. Er hatte seinen Job als Ingenieur aufgegeben um mit mir aufs Land ziehen zu können. Nur das wir nicht in Appaloosa Plains gelandet waren, sondern in Sanctuary. Das hatte ich gewiss Akki zu verdanken. Trotz ambivalenten Gefühle meiner vermeintlichen Wohltäterin gegenüber, war ich froh, dass sie uns hergebracht hatte.



Wir kamen an dem kleinen Haus an, das wir vor so vielen Jahren für Peanut gebaut hatten. Mein Herz schlug höher, als Lily im Gemüsegarten sah. Sie jätete Unkraut. Als sie den Wagen hörte, ruckte ihr Kopf überrascht hoch. Autos - vor allem fremde - sah man hier nicht oft.
Hector stieg aus. Natürlich ließ er mich im Wagen. Ich richtete mich soweit wie möglich auf um einen besseren Blick auf Lily zu erhaschen. Gerade klopfte sie sich die Hände ab und nickte Hector zu. Ich hatte keine Ahnung wie viel Zeit seit meinem Tod vergangen war, aber Lily hatte sich nicht sehr verändert. Offenbar hatte ich eine ziemlich unmittelbare Wiedergeburt erlebt.
Im Wagen sitzend konnte ich die Stimmen der beiden Erwachsenen nur gedämpft hören, aber ich spitzte die Ohren, um nicht ein Wort zu verpassen.

"Ähm... hallo." Hector wand sich ein bisschen. "Äh guten Tag, Miss."
"Willkommen in Sanctuary.", sagte Lily trocken. "Und es ist Mrs. Mein Name ist Lily."
"Ähm." Mein Vater stockte. "Äääähem. Also ich glaube ich habe mich verfahren. Ich wollte eigentlich den Highway nach Appaloosa Plains nehmen. Ich muss falsch abgebogen sein."
Lily kicherte mädchenhaft. "Das Gefühl dürften hier so einige haben."
Hector sah sie fassungslos an. Er musste glauben, bei einer Verrückten gelandet zu sein. Zeit auf mich aufmerksam zu machen. Ich atmete einmal tief durch und startete die Kleinkindsirene. Mein Vater zuckte zusammen.



"Oh." Er warf einen panischen Blick über seine Schulter. "Oooh."
Lily reckte den Hals. "Hast du Kinder im Wagen? Hol sie lieber raus. Autos bleiben hier nie lange." Sie deutete mit der Hand zum Auto.
Mein Geschrei steigerte sich langsam zu einem Crescendo. Ich war von mir selbst begeistert. Noch nie hatte ich die Lautpalette eines Kleinkindes so intensiv genutzt wie in diesem Leben. Es bereitete mir unbändige Freude über Wimmerlaute, Glucksen und Geschrei mit der Umwelt zu kommunizieren. Vor allem, weil ich Hector perfekt abgerichtet hatte. Schnell verkniff ich mir ein Grinsen, denn Hector kam zum Auto geeilt und riss die Tür auf.
"Ist ja gut.", sagte er. Er versuchte beruhigend zu klingen, aber ich hörte die Hysterie in seiner Stimme. Schnell regelte ich meine Lautstärke runter. Ich wollte Hector schließlich nicht um den Verstand bringen. Als er mich abgeschnallt hatte und mich aus dem Kindersitz hob, belohnte ich ihn mit einem strahlenden Lächeln und sagte: "Dada." Dann gluckste ich wieder und schlang meine Arme um seinen Hals.
Hector seufzte. Er drehte sich wieder zu Lily um, die uns neugierig musterte.
"Bist du allein mit der Kleinen?", fragte sie arglos. Mir schenkte sie ein freundliches Lächeln, dass ich brav mit einem Strahlen belohnte. Als Kleinkind konnte man Erwachsene so leicht um den Finger wickeln!



Hector nickte nur zur Antwort. Ich küsste rasch sein bärtiges Gesicht. Das lenkte ihn wie immer ab. Er musste lachen, weil ich ihn dabei kitzelte.
"Am Besten kommt ihr erstmal rein. Die Kleine sieht so aus als hätte sie Hunger. Wir haben sogar noch einen Kinderstuhl im Haus." Sie winkte Hector ihr zu folgen. "Wie war noch gleich dein Name?"
"Ähm." Ihm fiel ein, dass er sich im Gegensatz zu Lily nicht vorgestellt hatte. "Ich bin Hector. Das ist Elaine."
Elaine. Ich hätte als Neugeborene beinahe einen Erstickungsfall bekommen, als ich meinen Namen das erste Mal hörte. Säuglinge können noch nicht so herzhaft lachen, wie ich es in dem Moment wollte, in dem ich erfuhr, dass ich genauso hieß, wie in meiner zweiten menschlichen Inkarnation. Ob Akki auch da ihre Finger im Spiel hatte?
Lily lächelte uns noch breiter an, bevor sie uns ins Haus führte. Sie deutete auf den Kinderstuhl, der schon Maeve und Finn gedient hatte. Nostalgie überkam mich. Hector setzte mich vorsichtig hinein. Er hatte beim Aussteigen noch die Wickeltasche mitgenommen und holte jetzt mein Milchfläschchen heraus. Unter Lilys aufmerksamen Augen bereitete er mir eine Flüssigmahlzeit zu und stellte mir dann die Flasche hin. Ich sah ihn säuerlich an. Das ich inzwischen feste Nahrung bevorzugte, musste ich ihm noch klarmachen. Da ich mittlerweile aber tatsächlich ein leichtes Hungergefühl verspürte griff ich zielsicher danach und setzte den Nuckel an.



"Kaffee?", fragte derweil Lily. Sie warf einen Blick zur Küchenuhr. "Mein Mann müsste jeden Moment heimkommen. Dann können wir dir alles erklären."
"Er-erklären?"
Ich rollte die Augen und nuckelte energisch. Natürlich hatte Hector noch keinen Schimmer in was er da hinein geraten waren. Ich hatte ein bisschen Mitleid mit ihm. Er war sichtlich überfordert und ließ sich auf einen der Küchenstühle fallen. Lily machte ein aufmunterndes Gesicht und setzte sich zu ihm, nachdem sie zwei Kaffeebecher auf die Tischplatte gestellt hatte.
Während ich an meinem Fläschchen nuckelte, sah ich mich unauffällig um. Hier hatte sich nichts verändert. Das fand ich tröstlich.
Nur wenige Minuten nachdem wir uns in der Küche niedergelassen hatten, öffnete sich die Tür.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Do Nov 08, 2012 4:34 pm

Ich verschluckte mich heftig an meiner Milch, denn Peanut kam nicht allein. Ihm auf den Fersen war Darrel. Hector sprang sofort auf um nach seinem Töchterchen zu sehen. Bei Darrel hingegen beobachtete ich, wie er durch die hektische Bewegung des Fremden seine Muskeln anspannte. Natürlich, er war immer auf das Schlimmste gefasst.



Hector riss mich aus dem Hochsitz und legte mich an seine Schulter. Er klopfte mir vorsichtig auf den Rücken. So über seinen Rücken schauend, konnte ich Darrel und Peanut ansehen, auch wenn ich heftig husten musste und mir dadurch die Tränen in die Augen stiegen. Darrel entspannte sich, als er begriff, dass nur ausgehustete Milch drohte und kein Angriff. Peanut machte ein besorgtes Gesicht. Dann erinnerte er sich an seine Pflichten als Gastgeber. Er ging um uns herum und kramte im Schrank nach der Keksdose.



Mein Hustenreiz verbesserte sich und ich schnitt in Darrels Richtung Grimassen. Er lächelte amüsiert, so wie man eben lächelte, wenn ein niedliches Kleinkind Fratzen zieht. Man, stand der auf dem Schlauch. Ich sah ihn resigniert an. Er wirkte etwas verdutzt und ich begann wie wild zu zwinkern. Doch da nahm Hector mich schon von der Schulter.
"Besser?", fragte er mich und musterte mein Gesichtchen, dass sich ganz heiß anfühlte. Automatisch nickte ich. Mein Vater wirkte erleichtert.
"Das sind Hector und Elaine. Frisch eingetroffen mit dem Auto.", stellte Lily uns jetzt vor. Sie warf einen Blick aus dem Fenster. "Ist es noch da?"
"Der Wagen? Nein, als wir kamen, haben wir keinen gesehen.", antwortete Peanut.
"Mein...mein Wagen ist weg?" In Hectors Stimme klang wieder die Hysterie an. Er wirbelte herum und sah aus dem Fenster. Ich stöhnte entnervt. Darrel musterte meinen Vater und ich mich intensiv. Am liebsten hätte ich gebrüllt, dass ich es war, dass Kira wieder da war, aber zum einen wusste außer Darrel ja niemand von der Wiedergeburt und zum anderen hätte das Hector wahrscheinlich in Ohnmacht fallen lassen. Deswegen blieb ich beim vielsagenden Zwinkern. Auf dem Gesicht meines Ex-Erzfeindes, meines Ex-Bruders, meines - ja, was war er denn nun für mich? - machte sich eine ungläubige Erkenntnis breit. Offensichtlich war der Groschen gefallen. Darrel war auch schon mal fixer.
"Warum setzt du dich nicht erstmal?", schlug Darrel vor. "Soll ich dir dein Kind abnehmen?"
Hector schüttelte so heftig den Kopf, dass er an meinen stieß.
"Au.", machte ich. Fast war auch noch ein "Pass doch auf!" hinausgerutscht. Doch ich schluckte den Satz schnell hinunter.
Hector setzte sich auf den Stuhl und untersuchte mein Köpfchen. Da ich nicht verletzt war, tätschelte er meine Wange und seufzte dann.
"Ich bin übrigens Darrel.", fuhr mein ... Freund, das war im Moment wohl am einfachsten, fort. "Das ist Peanut, Lilys Mann."
Hector nickte nur geistesabwesend. Zwar hatte er Peanut kurz einen irritierten Blick zugeworfen, als er hineingekommen war, denn blaue Haare waren sehr ungewöhnlich, aber jetzt schien er alles andere als neugierig zu sein.
"Du bist ein einem Ort, der Sanctuary heißt. Wir sind nur eine kleine Gemeinschaft hier."
"Aber ich will doch nach Appaloosa Plains.", beharrte mein Vater bockig. "Ich muss .... was ist mit meinem Auto?"
Lily, Darrel und Peanut tauschten einen Blick aus. Die ursprünglichen Bewohner von Sanctuary, Gobias, Lynn, Peanut, Lily, Darrel und ich hatten sich schnell hier eingelebt, weil wir die meiste Zeit mit dem Aufbau beschäftigt waren. Deirdre, Nick und Fawn, die später dazugestoßen waren, hatten sich meistens nicht so aufgeregt wie Hector es jetzt tat.
"Wir wissen selber nicht so genau, wo wir hier sind. Wir ... wachten eines Tages hier auf.", fuhr nun Lily fort. "Es ist ziemlich schön hier, sehr ruhig und idyllisch." Sie wies mit ihrer schlanken Hand auf mich. "Perfekt um Kinder aufzuziehen." Dann sah sie Hector ernst an. "Allerdings gibt es ein klitzekleines Problem....Wir kommen hier nicht weg."
Mein Vater starrte sie an. Er blickte von der jungen Frau zu den beiden Männern und wieder zurück. Ich konnte förmlich sehen, wie er dachte, dass er in einem Nest von Verrückten gelandet war. Als er begann vor lauter Panik mich fest zu drücken, quiekte ich protestierend auf. Sofort lockerte er seinen Griff. "Was heißt das?", fragte er mit wackliger Stimme.
"Nun, wie du schon bemerkt hast: Autos haben hier die Tendenz einfach zu verschwinden. Und....die Straße, die dich hergebracht hat, bringt dich leider nicht wieder fort.", erklärte Peanut ruhig. "Es ist als ob wir vor eine Wand laufen würden."
"Wir sind hier gefangen?", hakte Hector nach. Er war inzwischen ganz blass geworden. Ich streichelte seine Schulter. Armer Papa...
"Wir sind hier von der Außenwelt...abgeschirmt.", präzisierte Darrel. "Aber wir haben hier alles, was wir brauchen. Naja, außer Internet. Und Telefon."



Und Ärzte, Lehrer, Polizisten...Die Liste ließe sich ja weiterführen, aber das meiste hatten wir auch ohne diese Institutionen geregelt bekommen. Ich nahm an, dass das noch immer der Fall war.
"Oh." Hector zitterte auf. "Oooh."
Jetzt reiß dich mal am Riemen, dachte ich. Mit rollenden Augen seufzte ich. Darrel grinste mich an. Ja, ich glaube er hatte wirklich verstanden wer ich war. Zufrieden gluckste ich. Mehr konnte ich mir für den Anfang nicht wünschen...
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Do Nov 08, 2012 7:01 pm

Da Hector sich nicht wirklich beruhigend konnte, nahm Lily ihm den Kaffee weg und servierte ihm einen Kräutertee. Aber letztendlich war es Peanuts Kommentar, dass Hector sein Kind doch nicht beunruhigen wolle, der meinen Vater auf seinen Stuhl zurück zwang. Über seinen Kopf hinweg organisierten die anderen drei Erwachsenen unsere Unterkunft für die Nacht. Lily und Peanut hatten eine weiter Hütte auf ihrem Grundstück gebaut. Später sollten die Kinder Maeve und Finn dorthin ziehen, aber zunächst konnten mein Vater und ich dort wohnen. Es gab bisher keine Möbel, aber die ersten Nächte tat es für meinen Vater auch der gute alte Schlafsack, während ich Finns altes Kinderbett bekam.



Nach einigen Tagen hatten wir die Hütte mit Möbeln und sogar einem Badezimmer und einer kleinen Küchenzeile ausgestattet. Lily und Peanut hatten kein Problem damit Fremde bei sich wohnen zu haben. Ich glaube, sie sorgten sich um mich, weil die Hector für ziemlich lebensuntüchtig hielten (tatsächlich musste ich ihnen da zustimmen; in der Stadt fiel es halb so sehr auf, aber hier in der Zuflucht, war er doch sehr verloren). Hector war sehr dankbar für die Hilfe. Er gewöhnte sich nur sehr langsam an unsere neue Heimat und unsere Nachbarn bemühten sich, ihm immer etwas zutun zu geben, damit er nicht zuviel nachdenken konnte.



Da ich noch ein Kleinkind war, konnte ich nie mit Darrel alleine reden. Meistens war immer jemand dabei oder zumindest nahe genug, um unsere Gespräche mitzuhören. Ich musste also warten. Mein Vater setzte sich in den Kopf mir Sprechen und Laufen beizubringen. Bei letzterem war ich ihm ganz dankbar, denn mit untrainierten Beinen war es am Anfang nie einfach zu laufen. Dass mit dem Sprechen war für mich äußerst amüsant. Ich trieb die Erwachsenen gerne zur Verzweiflung. Die einfachsten Worte sprach ich nie nach, sondern plapperte in perfekter Aussprache Worte nach, die sie nicht unbedingt für Kleinkinder als geeignet ansahen. Das wurde mit der Zeit allerdings langweilig, besonders da die Erwachsenen Finn und Maeve in Verdacht hatten mir die unangemessenen Wörter beigebracht zu haben. Deswegen begann ich jeden Tag ein bisschen mehr zu sprechen, versuchte dabei aber ganz das Kleinkind zu bleiben.



Die Sorge, dass die älteren Kinder mir Mist beibrachten, war allerdings unbegründet. Maeve interessierte sich ohnehin nicht sonderlich für mich. Sie war ein sehr ernstes Mädchen, ohne einen Funken Humor im Leib, geworden. Finn hingegen kümmerte sich geradezu rührend um mich, aber er hätte nie irgendetwas ungezogenes getan. Ich glaube er merkte, dass ich kein ganz normales Kleinkind war. Er sprach mit mir, wie mit seinem gleichaltrigen Cousin Ralph, der gleichzeitig sein bester Freund war. Wenn einer der Erwachsenen Finn darauf hinwies, dass ich ja noch viel zu klein sei, um das zu verstehen, wechselte er einen vielsagenden Blick mit mir. "Wenn du meinst.", sagte er dann zu dem Erwachsenen. Er ließ sich dadurch nie irritieren.



Lily und Peanut erwarteten inzwischen ein drittes Kind. Gwyn hatte meine Aufgabe als Hebamme übernommen. Sie ging ganz und gar darin auf. So umsichtig und sorgsam wie sie war, konnte ich ohne Missgunst feststellen, dass sie besser war als ich. Gwyn umsorgte jede Schwangere als auch jedes Neugeborene mit großer Aufmerksamkeit. Natürlich untersuchte sie auch mich. Vielleicht war mein rasanter Spracherwerb, verbunden mit stundenlangem in die Luft starren (ich musste schließlich eine Menge nachdenken! Und Kinderspielzeug kann so langweilig sein), den Erwachsenen nicht ganz geheuer. Gwyn beruhigte die anderen aber. Meine Reaktion und Vitalwerte waren schließlich in Ordnung, ich reagierte auf Ansprachen ganz normal, aß vernünftig und meine Ausscheidungen waren unauffällig. Ja, Gwyn war sehr genau.



Fawn und Darrel hatten nach Corey, wie sie ihren kleinen Jungen genannt hatten, keine weiteren Kinder mehr bekommen. Überhaupt hielt Darrel sich sehr oft bei Lily und Peanut auf. Ich wusste nicht, ob es an mir lag oder ob es schon vorher so gewesen war. Doch ich war nicht die einzige, der das auffiel. Mein Vater, sonst ganz mit seinen Grillen und mir beschäftigt, bemerkte es ebenfalls und sprach Lily darauf an. Der war es sichtlich unangenehm, aber sie erklärte schließlich drucksend, dass es wohl nicht so gut lief zwischen Darrel Fawn. Na wunderbar! Da opfert man sein Leben für dieses Paar und die stürzen in eine Ehekrise! Großartig...

Richtig prächtig lief es dagegen offenbar zwischen Gobias und Deirdre. Nach Ralph und Carla hatten sie noch ein Zwillingspärchen bekommen. Melissa und Peter mussten etwa in meinem Alter sein. Weil der Platz im Haus am Wasserfall wirklich eng geworden war, war Lysander zu seiner Mutter Lynn gezogen.


(Lysander (noch als Kind) und Ralph, Carla und die Zwillinge)

Lynn und Nick hatten keine Kinder mehr bekommen. Das schien den beiden nicht viel auszumachen, aber ich hörte Gwyn zynisch anmerken, dass es auch besser so sei. Die beiden gingen sich entweder an die Gurgel oder trieben es wie die Karnickel, je nach Tagesform. Nick hatte sich sogar komplett in der Feuerwache eingerichtet und erschien höchsten mal zu einem Schäferstündchen bei Lynn.
Diese kümmerte sich um Lysander, der nicht mehr viel Fürsorge brauchte, denn er war bereits ein Teenager. Aber sie hatte sich auch eines verwaisten Fohlens angenommen, das sie Winnie nannte. Lynn hatte schon lange die Pferdeherde beobachtet, die sich noch zu meinen Lebzeiten in Sanctuary angesiedelt hatte. Als sie Winnie kläglich wiehernd neben ihrer toten Mutter gefunden hatte, hatte Lynn das Fohlen zu ihrem Haus gezerrt und aufgezogen. Inzwischen vermisste Winnie ihre Mutter nicht mehr und schien sich in ihrem Verschlag sehr wohl zu fühlen.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Do Nov 22, 2012 10:46 pm

Als ich das erste Mal Corey traf, verstand ich auf Anhieb, warum sich die Erwachsenen nur mit Grabesstimme über den Jungen unterhielten.
Ich spielte in Maeves und Finns Zimmer mit einem rosa Spielzeughäschen, das Finn mir geschenkt hatte. Ich fand die Geste einfach nur süß und so tat ich ihm den Gefallen und spielte damit, auch wenn wir beide wussten, dass Kinderspielzeug nichts für mich war. Er und ich hatten eine stille Übereinkunft darüber und grinsten uns vielsagend an, wenn die Erwachsenen dabei waren.
Fawn hatte Corey vorbei gebracht und Lily gebeten sich einen Nachmittag um ihren Sohn zu kümmern. Sie brauche dringend eine Auszeit. Obwohl Lily mit ihrem neugeborenen Sohn Sean wahrlich genug um die Ohren hatte, stimmte sie zu. Fawn machte allerdings einen hinreichend kläglichen Eindruck. Sie dankte Lily überschwänglich und verschwand.



Corey wurde zu mir gebracht.
"Schau mal Elaine. Das ist Corey. Er ist zum Spielen vorbei gekommen.", sagte Lily so betont fröhlich, dass ich aufmerksam wurde. Ich legte meinen Hasen beiseite und musterte das letzte Kind, dass ich in meinem letzten Leben auf die Welt geholt hatte. Corey hatte Fawns dunkles Haar und Darrels braune Augen geerbt. Er sah sehr niedlich aus, wie ein kleines Engelchen. Aber der Ausdruck in meinen Augen irritierte mich. Er sah ziemlich boshaft drein.
"Seid brav.", ermahnte Lily uns, bevor sie den Raum verließ.
"Hallo.", sagte ich und lächelte Corey an.
Er brummelte nur. Dann fasste er meinen Hasen ins Auge. "Meins."
Ich sah ebenfalls auf den Hasen. "Das ist mein Hase."
"Nein."
Oh man. Ich machte mich auf einen Kleinkinderkrieg gefasst und griff mir den Hasen. "Das ist mein Hase. Aber wenn du willst, kannst du damit spielen."



"Nein." Corey schüttelte entschieden den Kopf. "Ich will ihn ganz."
"Du kannst damit spielen, musst ihn mir aber zurückgeben.", beharrte ich. Mir schmeckte Coreys Attitüde ganz und gar nicht. Ob Fawn und Darrel ihn total verzogen hatten? Er war ja immerhin Einzelkind. Aber Darrel war nicht oft zu Hause...
"Nein." Corey verschränkte die Arme. "Ich hasse dich." Er griff nach dem Plüschdrachen, der ebenfalls auf dem Boden lag und warf damit nach mir.
Zum Glück konnte ich ausweichen.
"Spinnst du?", kreischte ich. "Das hätte ins Auge gehen können!"
Ich weiß nicht, was mich mehr entsetzte, dass er gesagt hatte, dass er mich hasse oder dass er mit Gegenständen nach mir warf. Ich erhob mich rasch und nahm den Hasen fest in beide Hände. "Wenn du dich so benimmst, kriegst du meinen Hasen bestimmt nicht!" Ich kletterte auf Maeves Bett und beobachtete Corey aufmerksam.
"Ich hasse dich!", wiederholte er, nun lauter. Dann stemmte er sich ebenfalls hoch und sah sich nach weiteren Wurfgegenständen um.
Es war definitiv Zeit für die Kleinkindsirene. Auch wenn ich es hasste, Lily um Hilfe zu rufen, ich war einfach zu perplex um mich jetzt weiter mit diesem Kind auseinanderzusetzten.

Lily stürmte mit Sean auf dem Arm ins Zimmer. "Was ist hier los?"
Corey funkelte sie an und deutete auf mich. "Sie hat mich gehauen!"
Vor Entrüstung blieb mir glatt die Spucke weg. Ich starrte Corey sprachlos an. Lily sah zwischen und hin und her. Schließlich konnte ich meinen Kopf schütteln. "Das stimmt nicht.", brachte ich hervor.
"Du lügst!", kreischte Corey. "Ich hasse dich. Lügner!"
Auf Lilys Arm begann Sean zu wimmern. Sie wiegte ihren Sohn beruhigend hin und her. Dann rief sie nach meinem Vater.



Der hatte inzwischen eine neue Beschäftigung gefunden. Gemeinsam mit Darrel hatte er eine Werkbank zum Grundstück gebracht, an der er versuchte lebenserleichternde Gegenstände zu basteln. Bisher reichte es aber nur für Spielzeug.
"Was ist denn?" Hector kam nachdem Lily ihn einige weitere Male gerufen hatte mit zerstreutem Ausdruck ins Haus. Er warf einen Blick auf Corey und verzog das Gesicht. Mein Vater hatte den Jungen schon kennengelernt und war nicht eben angetan von diesem Kind.
"Kannst du bitte gucken, was die beiden für ein Problem haben? Ich muss mich um Sean kümmern." Lily deutete auf den Säugling in ihrem Arm.
"Sicher.", behauptete Hector, doch seine Stimme wurde leicht hysterisch. Ich musste fast schon grinsen. Doch dann stählte ich mich auf das was folgen würde. Corey würde sicher merken, dass mein Vater eher weich war und das hemmungslos ausnutzen.
Lily verließ geradezu fluchtartig das Zimmer und ließ uns drei allein.



"Also? Was ist passiert?", fragte Hector. Er sah dabei mich an. "Elaine?"
"Corey wollte meinen Hasen haben, aber ihn nicht zurückgeben. Dann hat er mit dem Drachen nach mir geworfen.", erklärte ich. Inzwischen hatten sich die meisten daran gewöhnt, dass ich recht klare Sätze sprach, trotzdem bemühte ich mich um Einfachheit.
"Aha." Hector wirkte hilflos. Er wandte sich Corey zu. "Was sagst du dazu?"
Mein Gegenüber verschränkte erneut die Arme und starrte Hector böse an. "Sie lügt."
"Hm.", machte mein Vater. Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte. "Hmmmm."
"Ich will nach Hause.", sagte Corey dann. "Sofort!" Er stampfte nachdrücklich mit dem rechten Bein auf. "Ihr seid alle doof."
Oh ja bitte! Bring diesen kleinen Teufel heim!, dachte ich.
"Äh." Hector kratzte sich den Kopf. "Ääääh. Das geht jetzt nicht. Ich kann dich jetzt nicht nach Hause bringen."
"Ich will aber!"
"Ich muss arbeiten, aber dein Vater kommt nachher eh noch.", erwiderte Hector. Inzwischen klang er total hysterisch. Ich war drauf und dran anzubieten, Corey selbst heimzubringen, aber mir fiel rechtzeitig an, dass es etwas schwierig werden könnte.
"Du musst warten. Vielleicht willst du mit dem neuen Spielzeug spielen, dass ich heute gebaut habe?"
"Nein!", brüllte Corey. "NEINNEINNEINNEIN!" Er warf sich auf den Boden und begann mit den Fäusten auf den Boden zu schlagen. Ich sah dem Kind sprachlos zu. Einen solchen Wutanfall hatte ich noch nie gesehen. Hector raufte sich die Haare. Dann schnappte er sich den Jungen und sprach auf ihn ein. Doch Corey wand sich wie eine Schlange und schlug mit seinen kleinen Händen auf meine Vater ein. Fast hätte ihn Hector fallen lassen. Er schaffte es noch so eben, Corey in Seans Gitterbettchen zu legen, bevor ihm das Kind ganz entglitt. Im Bett warf sich Corey weiter herum, schrie und strampelte. Er wurde schon ganz rot.
"Lily! Lily komm schnell!" Mein Vater war inzwischen vollkommen hysterisch und rang abwechselnd mit den Händen und raufte sich die Haare. Mich hatte er vollkommen vergessen. Ich saß noch immer auf Maeves Bett und sah der Szene sprachlos zu. All meine Erfahrung nützte mir in diesem Augenblick nichts. Ich wusste nicht was zu tun ist. Am liebsten hätte ich einen Eimer eiskaltes Wasser über Corey ausgegossen.
"Keine schlechte Idee.", sagte Lily trocken. Offenbar hatte ich meinen letzten Gedanken laut ausgesprochen. "Nicht gerade pädagogisch, aber es juckt mir in den Fingern." Lily war ohne ihren Sohn wieder ins Zimmer gekommen. Sie sah auf den um sich wütenden Jungen. "Der macht uns noch das Bett kaputt. Ich hätte ihn nicht nehmen sollen."
"W-w-was machen wir nun?", fragte Hector, der so aussah, als wolle er in Ohnmacht fallen. Oder fliehen. Oder beides.
"Kannst Du auf Sean aufpassen? Ich halte es nicht länger aus, diesen Teufel um mich zu haben. Fawn braucht vielleicht eine Auszeit, aber ich kann Corey nicht länger hier haben." Damit trat sie an das Bett und griff sich den Jungen mit sicherem Griff. Corey hatte sich inzwischen heiser gebrüllt und verfügte nicht mehr über genügend Kraft um noch länger um sich zu schlagen. "Sean müsste eigentlich schlafen bis ich wieder hier bin, aber wenn er aufwacht, setzt ihn einfach in die Schaukel. Buster passt dann schon auf."
Hector nickte nur. Lily grinste ihn an. "Du schaffst das schon. Hast Elaine ja schließlich auch groß bekommen."
"Was mich manchmal wundert.", murmelte ich so leise, dass es die beiden Erwachsenen nicht hörten.

Am Abend kam Darrel vorbei um sich für das Verhalten seines Sohnes zu entschuldigen. Die Erwachsenen zogen sich alle ins Wohnzimmer zurück. Mich ließen sie mit Buster im Garten. Der Hund nahm seine Aufhabe auf uns Kinder aufzupassen sehr ernst. Wenn ich mich auch nur ein paar Schritte von ihm entfernte, kam er zu mir und stupste mich sanft aber bestimmt zurück zu dem Platz, wo ich seiner Meinung nach gehörte.
"Geh doch einfach mit Snickers spielen.", schlug ich ihm vor. Ich wollte lauschen gehen.



Deswegen deutete ich auf den Kater, den Lily aufgenommen hatte, nachdem er ein paar Tage bei uns rumgestreunt hatte. Snickers lag faul auf der Terrasse und machte nicht den Eindruck mit Buster spielen zu wollen, obwohl die beiden sich sehr zugetan waren.
Buster sah meiner Hand nach und fiepte dann leise. Oh je, nun hatte ich ihn in einen Gewissenskonflikt gestürzt. Er hatte seinen Befehl, aber er wollte auch spielen. Wie ich den Hund kannte, würde er nicht seinem Spieltrieb nachgehen. Also seufzte ich und hängte mich an seinen Hals. Schmusen war seine andere Lieblingsbeschäftigung und es ließ sich mit dem Aufpassen vereinbaren.



Etwas später kam Darrel in den Garten. Er ließ Buster an seiner Hand schnuppern, der dann aber von Lily ins Haus gerufen wurde. Als der Hund weg war, hob Darrel mich auf.
"Heute bringe ich dich mal ins Bettchen, Elaine.", verkündete er laut. Er kitzelte meinen Bauch und grinste mich verschwörerisch an. Doch sein Grinsen konnte mich nicht über seinen müden Blick hinweg täuschen.
Darrel trug mich in unsere Hütte. Es war das erste Mal, dass wir ganz alleine waren.
"Kira?", vergewisserte sich Darrel.
"Höchstpersönlich." Ich schlang meine Arme um ihn.
Darrel vergrub das Gesicht in meinen weichen Kleinkinderhaaren. "Ich habe dich vermisst."
"Ach.", sagte ich lapidar. "Du wusstest doch, dass du mich so schnell nicht los wirst."
"Warum hast du das getan? Was, wenn Akki unsere Wiedergeburt außer Kraft gesetzt hätte?"
"Hat sie aber nicht." Ich piekste meine kleinen Finger in seine Seite. "Werd mal nicht sentimental." Ich sagte das aus Selbstschutzgründen.
Darrel sah mich ernst an. "Warum?"
Seufzend legte ich den Kopf schief. "Hätte ich Fawn sterben lassen sollen?" Darrel hatte inzwischen meinen Schlafstrampler gefunden und begann mich umzuziehen. "Ich dachte du liebst sie!"
Er machte einen unbestimmten Laut.
"Und weil ich das dachte, dachte ich auch, sie wäre gut für dich. Deswegen musste ich sie retten."



Darrel knöpfte den Strampler zu. Dann sah er mich wieder so ernst an wie zuvor. "Und du hast dir nie Gedanken darum gemacht, dass DU vielleicht gut für mich gewesen wärst?"
Ich schluckte. All die verwirrenden Gefühle, die ich mit meinem Tod in die Warteschleife geschoben hatte, brachen mit einem Mal wieder los. Wir sahen uns lange an. Ich wendete zuerst den Blick ab. "Was stimmt mit deinem Jungen nicht?"
Darrel schluckte trocken. Dann räusperte er sich und setzte mich in mein Bett. "Ich habe keine Ahnung."
"Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ihr habt ihn total verzogen, aber dein Blick sagt mir, dass es nicht so ist."
"Zumindest gebe ich mir alle Mühe es nicht zu tun." Sein Blick war verletzt. Er hatte sehr wohl bemerkt, wie ruckartig ich das Thema gewechselt hatte. Aber wie konnten wir jetzt darüber sprechen? Ich war ein Kleinkind...
Darrel hockte sich vor mein Bettchen. Ich sah ihn durch die Gitterstäbe an und wartete darauf, dass er fortfuhr.
"Er war von Anfang an nicht wie andere Kinder. Er schrie ohne Grund, war immer quengelig. Fawn und ich haben unsere Bestes gegeben, aber er war nie zufrieden zu stellen. Und als er älter wurde, bekam er immer häufiger diese Wutanfälle." Darrel brach ab und besah seine Hände, bevor er sich wieder einmal durch sein Gesicht fuhr. "Manchmal denke ich, er ist richtig bösartig. Es ist..." Er schluckte. "Es ist als ob Corey böse wäre...als würden alle meine Boshaftigkeiten, die ich je begangen habe in diesem Kind wiedergeboren."
Erschrocken sah ich meinen alten Weggefährten an. Er wirkte so hilflos, so gebrochen. Ich streckte meinen Arm durch das Gitter und strich sanft über sein Gesicht. Darrel sah mich flehend an. "Kira, du musst mir helfen!"
"Wie?"
"Du hast mich wieder hingekriegt, kannst du es nicht auch bei Corey? Er ist doch nur ein kleines Kind!" Darrel ergriff meine Hand und drückte sie vorsichtig. "Bitte."
Wie könnte ich ihm eine Bitte abschlagen? Ich hatte keine Ahnung, wie ich dieses Kind beeinflussen könnte, aber Darrels Hilflosigkeit und sein Vertrauen in mich, brach mir das Herz. Gleichzeitig flog es ihm entgegen und ich wünschte, ich wäre kein Kind mehr...
Ich seufzte und trieb mir diese unsinnigen Gedanken aus dem Kopf. "Sieht so aus, als hätte ich eine neue Lebensaufgabe."
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Nov 24, 2012 6:58 pm

Kapitel 6

Ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich Corey zurecht biegen sollte. Als Kleinkind konnte ich schon mal gar nichts ausrichten, zumal Corey nie wieder vorbeigebracht wurde. Wenn einer von den Erwachsenen Fawn und Darrel besuchte, nahm er auch nie eines von uns Kindern mit.
Ich hatte deswegen Mitleid mit der Familie. Sie waren durch ihren Sohn in eine ziemliche Isolation geraten. Gerade bei einer so kleinen Gemeinschaft wie unserer fiel das natürlich sehr ins Gewicht.
Natürlich waren wir nicht mehr so wenige Menschen wie zu Beginn - und wir wuchsen ständig weiter. Als der kleine Sean, Lilys und Peanuts drittes Kind, etwa ein Jahr alt war, verkündete Lynn erneut schwanger zu sein. Offenbar hatten sie und Nick gerade mal eine gute Phase.

Es war mein fünfter Geburtstag, den Lynn nutzte um uns von der Schwangerschaft zu erzählen. Mein Vater hatte sich in den Kopf gesetzt, diesen Geburtstag zu feiern, zumal es auch als kleiner Abschied von Lily und Peanut gedacht war. Wir würden in unser eigenes Haus ziehen.
Alle waren gekommen, sogar Corey. Ha, vielleicht konnte ich ja schon heute damit anfangen, ihn zu einem besseren Menschen zu machen. Ich wusste zwar nicht wie, aber mir fiel schon was ein! Immerhin war ich alt und weise...
Die Party hatte noch nicht angefangen, da hatten Lily und Corey schon ihren ersten Streit. Keine Ahnung worum es dabei ging, aber es flogen einige hitzige Worte hin und her, bevor Darrel seinen Sohn ins Gebet nahm. Unter der Androhung den restlichen Abend allein zuhause zu verbringen, versprach Corey sich zu benehmen, aber er funkelte jeden böse an, der ihm zu nahe kam.



Von diesem Misston einmal abgesehen, war es eine schöne Fete. Peanut hatte eine Torte gebacken, zu der mein Vater mich ganz feierlich brachte. Ich glaubte fast, ein Tränchen in seinem Auge zu sehen. Naja, besser Tränen der Rührung, als ein hysterischer Anfall. Seine Hysterie war allerdings in der letzten Zeit etwas abgeflaut. Er schien sich mit Sanctuary abgefunden zu haben. Das basteln machte ihm großen Spaß und er mochte die Leute hier. Ganz besonders Gwyn schien er zugetan zu sein. Ich hatte den beiden nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, weil ich in Gedanken immer bei Corey war, aber auf meinem Geburtstag fiel mir auf, dass sie immer die Nähe des anderen suchten. Ich freute mich für meinen Vater und Gwyn.



Während ich meine Kerzen mit Hectors Hilfe auspustete, hörte ich wie Lynn kopfschüttelnd zu Darrel meinte: "Ich kann mir nicht helfen, aber die Kleine erinnert mich irgendwie an deine Schwester. Ihre ganze Art, der Tonfall...wenn ich spirituell veranlagt wäre, würde ich sagen, Kira ist in Elaine wiedergeboren..."
Darrel starrte sie sprachlos an und ich beeilte mich meine Kerzen auszupusten. Das ausgerechnet Lynn immer mal wieder soviel Klarheit an den Tag legte...



Nach der Feier legten Hector und ich uns ein letztes Mal in unserer ersten Hütte schlafen. Am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück mit der Familie nahmen wir den Rest unserer Sachen und gingen zu unserem neuen Haus. Ich hatte es bisher noch nicht gesehen.
"Wie gefällt es dir?", fragte mein Vater, nachdem er mich herumgeführt hatte.
"Ich mag es."
"Und es ist nicht weit bis zu Finn. Du musst dir also keine Sorgen machen, ihn nicht mehr so oft zu sehen." Offenbar machte ER sich Sorgen.
"Aber Dad, wir sehen uns doch bald eh in der Schule!", erinnerte ich ihn. "Und ich bin kein Kleinkind, das die ganze Zeit jemanden um sich haben muss."



Weil wir inzwischen so viele Kinder waren, hatte man einen Raum in der Schule hergerichtet, in dem wir alle zusammen unterrichtet wurden. Peanut kümmerte sich dabei um die Schulanfänger, während Gwyn sich neben ihrer Aufgabe als Hebamme um die älteren Schüler kümmerte. Schule würde mal wieder stinklangweilig für mich werden. Aber ich würde neben Finn und Ralph auch Corey jeden Tag sehen, auch wenn Peanut hoffte, dass Corey von Fawn Heimunterricht bekommen würde.
"Außerdem ist hier viel Platz." Ich zwinkerte Hector zu. "Da passen noch mehr Menschen rein."
"Ähhh." Er sah mich ein wenig panisch an. "Wie meinst du das?"
Ich rollte mit den Augen. "Dad. Ich bin nicht blind. Oder dumm. Ich spreche von Gwyn."
Das war vielleicht nicht eben diplomatisch, aber der hysterische Anfall blieb aus.
"Tja, weißt du Elaine...darüber wollte ich mit dir sprechen."
Ich nickte ihm freundlich zu. Konnten wir das endlich hinter uns bringen.



"Ich mag Gwyn nämlich sehr. Aber natürlich bist du das wichtigste in meinem Leben und deswegen wollte ich mit dir sprechen...". Seine Stimme brach ab.
Ich kicherte. "Wenn ihr euch mögt, ist doch alles gut. Lad sie ein, hier mit uns zu wohnen. Ich mag Gwyn auch."
Hector starrte mich irritiert an. "Aber..."
"Was aber? Ich hab kein Problem damit." Ich stemmte die Arme in die Hüften. "Warum aus einer Mücke einen Elefanten machen?"
Er schüttelte mit dem Kopf, so als wollte er eine Benommenheit abschütteln. Dann lächelte er mich an. "Du bist etwas ganz besonderes, Elaine."
Ich grinste und dachte mir, dass er keine Ahnung davon hatte, wie besonders ich war.
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Re: Akkis Zuflucht

Beitrag  Akki am Sa Jan 05, 2013 8:44 pm

Egal wie besonders ich war, egal wie alt ich wirklich war, egal wie weise ich war (oder mich dafür hielt) - an Corey kam ich nicht heran.
Er besuchte mit uns anderen die Schule, wo er die vor allem die jüngeren (inklusive mich) zu terrorisieren versuchte. Dafür kassierte er von Finn und Ralph Dresche, wenn die Erwachsenen nicht hinsahen. Corey gab die Prügel an die Kleinen weiter (inklusive mich) und so begann der Zyklus von vorne. Ich konnte die anderen erst nach langer Überzeugungsarbeit davon überzeugen, dass sich zu prügeln vielleicht nicht die sinnvollste Lösung des Corey-Problems war. Sie gingen dazu über, Corey komplett zu ignorieren und ihn wortwörtlich wie Luft zu behandeln. Ich natürlich nicht, ich hatte ja einen Auftrag. Deswegen bekam ich noch ein paar Monate länger Schläge, bis es Corey langweilig wurde.



Weil ich die einzige war, die ihn überhaupt wahrnahm, gab er sich notgedrungen mit mir ab. Wir schlossen einen unausgesprochenen Waffenstillstand, machten gemeinsam Hausaufgaben oder spielten Gesellschaftsspiele, bei denen Corey immer betrog und wütend das Spielbrett vom Tisch schleuderte, wenn ich ihn dafür anmotzte. Ich konnte sein Verhalten nicht wirklich ändern, egal wie freundlich und sanft, tadelnd und streng oder belehrend und moralisch war. Es war zum Haare raufen.

Als wir heranwuchsen, versuchte ich sogar so zutun, als wäre ich verliebt in ihn, in der Hoffnung, dass er sich verlieben würde, und er so menschlicher werden würde. Weit gefehlt... Corey bekam einen seiner legendären Wutanfälle und beschimpfte mich als Flittchen, das es ja doch nur auf seinen Vater abgesehen hätte. Ich frage mich nur, wie er auf den Gedanken kam. Ich sah Darrel doch nie!



All meine Frustration konnte ich allerdings schlecht mit Darrel teilen. Er sah mich jedes Mal hoffnungsvoll an, wenn ich zu Besuch kam. Hinter den Rücken von Fawn und Corey teilte ich ihm mit, dass ich kleine (winzig kleine, mikroskopisch kaum nachweisbare ... naja eigentlich erlogene) Fortschritte machen würde.



Die einzige, der ich mich mitteilen konnte, war Akki. Seit ich alt genug geworden war, alleine herumzustromern, ging ich regelmäßig in die Bibliothek um mit ihr zu chatten. Sie war zurückhaltender geworden, die Smileys fehlten und ich wurde das Gefühl nicht los, dass sie geradezu unter Verfolgungswahn litt. Die Beobachter, so glaubte Akki, seien ihr auf der Spur und sie hoffte aus ganzem Herzen, dass sie Sanctuary geheim halten konnte. Sie gelobte zumindest egal wie heftig die Foltern sein würden, kein Sterbenswörtchen über uns zu verraten. War ich eigentlich nur von Verrückten umgeben? Ich hatte andere Probleme, als irgendwelche Höheren Entitäten, Beobachter oder wie auch immer sie sich nennen wollten. Ich hätte mir weniger Sorgen um Corey und mehr um Akki machen sollen...
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